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Ekskliuzyviniai žodžių variantai su balsiais „a“ ir „u“

Vytautas Vitkauskas

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LIETUVIŲ LEKSIKOS IR TERMINOLOGIJOS PROBLEMOS LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXIX (1991) VYTAUTAS VITKAUSKAS EXKLUSIVE WORTVARIANTEN MIT DEN VOKALEN a UND u* Wortvarianten mit den Vokalen a und u gibt es im Litauischen, besonders in seinen Dialekten, recht viele. Viele davon sind in den Bänden des LKŽ verzeichnet. Sie lassen sich gleichsam in mehrere Gruppen einteilen. I. Dies ist wohl die einfachste Gruppe, in der a: u durch Onomatopoesie bedingt ist. Dazu gehören vor allem verschiedene Verben und Lautwörter, bei denen die Varianten mit dem Vokal a einen gleichsam sanfteren Laut, eine leichtere oder langsamere Handlung anzeigen, die mit dem Vokal u dagegen einen heftigeren: kābeldoti || kubeldóti, dadnóti || dudnóti „sprechen, lallen“, kraménti || kruménti „husten“, krapinėti || krupinėti „umhergehen, kaum gehen“, raresỹs || ruresỹs „Poltern“, rarėti || rurėti „poltern“, stapalinėti || stupalinėti „herumlungern“ usw. (etwa hundert solcher Beispiele sind belegt). Dies ist lediglich ein Mittel, um die Handlung lebhafter darzustellen. Ein Einwand: Die Beispiele stammen aus unterschiedlichen Mundarten; in einer einzelnen Mundart wird jeweils nur ein Teil davon verwendet – einmal mit -a-, ein anderes Mal mit -u-: påkšt || pùkšt, šmåkštelėti || šmùkštelėti usw.; aliōti „rufen“ ist vielerorts in Litauen gebräuchlich, uliōti dagegen in der Gegend von Kupiškis: ul'ōje p'iemanas, r'ē'k'e Slm. An diese Gruppe schließen sich recht eigenartige Varianten einiger Wörter an. Sie alle wissen, dass E. Frenkelis die Variante des Wortes rūpūžė „Bufalo vulgaris; ein solcher Fluch“ mit rāpal ioti „kriechen“ u. a. in Verbindung bringt. In den Dialekten (bei den Žemaiten und Dzūken) weist dies deutlich spielerische Züge auf: rāpūžė || rāpūža wird gleichsam scherzhaft gesagt, um diesen Fluch vor Kindern zu verbergen. Die Ersetzung des Vokals u durch den Vokal a hat humoristische Bedeutung und ist nicht beständig; daher braucht man hier keine Lautgesetze anzuwenden. Besonders deutlich wird dies beim Wort sabiṅkaulis „Steißbein“; außerdem hat man bei den Žemaiten auch sabinkė „kleiner Hintern“ gehört. Wenn man ohne jegliche Regelmäßigkeit u durch a ersetzt, kann man das Wort sabiṅkaulis schon eher in der Öffentlichkeit aussprechen, mit dem Wort sabiṅkė kann man sogar mit Kindern scherzen. Dasselbe gilt für die Wörter maturžė und muturžė „dünne Suppe; abwertend: Mund“. Bei den Dzūken hat dies ebenfalls euphemisierende Bedeutung: muturžė (→mutnùs, mutinỹs, mùtė) ist die ursprüngliche Form, etwas derber, während maturžė gleichsam die mildere, „spielerische“ Form ist. II. Eine beträchtliche Gruppe von Wortvarianten mit a || u ist durch die silbischen Liquide des Indogermanischen l, m, n, r > entstanden: al, am, an, ar || ul, um, un, ur (kaŕkti || kuŕkti, skārti || skūrti → skāris || skūris, karkulỹs || kurkulỹs, skarulỹs || skurulỹs usw.). So entstanden in verschiedenen Mundarten die Formen gāmalas || gùmulas, gramulỹs „Klumpen“ || grumulỹs „Brocken“, ramōti „ruhig sein“ || rumōti „ruhig daliegen“, saluva „Insel“ BB || * Der Artikel basiert auf einem Vortrag, der auf der I. Internationalen Baltistik-Konferenz gehalten wurde. 204 sulava N (das Wort salà verbindet Fraenkel mit salėti, vgl. salėti, salvėti und sulà, sulėti). Hier sind mehrere Wurzeln miteinander verflochten; ganze Wortbildungsreihen gibt es in keiner Mundart – erhalten sind nur vereinzelte Belege. Durch diese Verflechtung entstehen neue Wörter, z. B. mamà || mumà || momà ‚Mutter‘. Heutzutage halten die meisten Sprachwissenschaftler die žemaitische Aussprache mun-, num- für einen regelmäßigen Lautwandel (sogar V. Toporov änderte seine Meinung im „Wörterbuch der prußischen Sprache“, als er über kamanas sprach) (Топоров, 1980, 200). Mir scheint, dass hier etwas Wichtigeres vorliegt; ich habe es gesondert behandelt, denn in vielen Mundarten lässt es sich nicht durch ein Lautgesetz begründen (bei den Raseiniai-Samogiten und den westlichen Samogiten verändern sich am, an innerhalb einer Silbe nicht, in verschiedenen Silben dagegen schon – und auch nicht in allen samogitischen Mundarten). Besonders wenig Anlass, ein Lautgesetz anzunehmen, bieten das linke Ufer des Nemunas (Karklė, sogar Gāstos – Zettelkartei des LKŽ, Aufzeichnung von V. Kurtinaitis), die westlichen Samogiten und die südlichen Raseiniai-Samogiten. Wir haben Ch. Stangs Gedanken vergessen, dass mun aus den urindogermanischen silbischen *l, m, n, r stammen könnte (Stang, 1966, 34–35). Warum streiten wir eigentlich nicht über eine lautliche Besonderheit wie skārti und skūrti, streiten aber über das entsprechende mun-, num- (Zinkevičius, 1966, 299; Grinaveckis, 1960, 77; Grinaveckis, 1973, 172; Vanagienė, Vitkauskas, 1969, 212–214)? Schließlich wechseln hier wie dort a und u ganz gleichmäßig – die eine Mundart hat die eine Form, eine andere eine andere. III. Eine recht große Gruppe von Wortvarianten mit a || u hängt damit zusammen, dass die Reihe a des baltischen Vokalwechsels in verschiedenen Mundarten in die Reihe u übergeht: ganiōti ‚treiben‘ Nm, Lp || guniōti Auk, Lnkv || goniōti Dbk (auch gāiniōti || guiniōti), plajoti End || plujōti ‚sich herumwälzen‘ (auch plaujōti), lajùs || lujùs ‚schnell bellend‘ (sulūti, sulūjo), gākčioti || gōkčioti Rs || gukčiōti ‚schluchzen‘ Ds, Skd, grajōti ‚herumstöbern‘ || grujōti Sug, gramañtas || grumañtas Pnd, Škn (gromañtas Krš), ramùs || rumùs (Küsten-Samogitisch) || romùs, sravùs || sruvùs || srovùs; sravénti || sruvénti || srovénti. IV. Die meisten dieser Wörter mit exklusiv auftretenden Vokalen a und u enthalten wohl keine Sonanten und sind auch nicht lautmalerisch. Zum Beispiel: až und už, sa || su; ūpė und das bei älteren Menschen in der traditionellen Mundart von Minapiai, Kreis Telšiai, belegte m'ėnapė (im kurländischen Fürstentum Keklio – gleichsam im Sinne der Aussage von Blese und Mažiulis über die Nähe von Kurisch und Prußisch; vgl. prußisch ape ‚Fluss‘); ābas Smn || ūbas Šd; ābašlaitė Smn || ūbašlaitė Švnč, Str; daburys PrL || duburys; dabūrkis Akm || dubūrkis Krš ‚Vertiefung in einem Fluss oder See‘, gābalas || gūbulas J, Štk; gabalinis || gubālinis Rdn (gobalinis cō.kros); gabùs || gubùs J, M. Valanč, sugubėti ‚vermögen‘ Klt; gabėta Ak || gubieta Bsg ‚Göttin‘, vgl. gabijà ‚Göttin, heiliges Feuer‘; gabštà ‚Bündel‘ Kair || gubšnà ‚Büschel‘ Sl; gābūžas Prk, Rs, J || gubūžas ‚Bündel‘ Brž, Sg, kābti ‚sterben‘ Ds, Kp; Mlt || kūbti, kākinti ‚ausreichend geben‘ || kūkinti ‚sättigen, reichlich geben‘, kakorȳt OG421 || kukorȳt ‚übermorgen‘ Vrn; kādaras J, Vrd || kūdaras K, Klp, Kin, vgl. ferner skādaras ‚Kadaras‘ Ut || skūdaras; kapūrna Lzd || kupūrna ‚Erdhügel‘ Drsk, Mrk; kasulà ‚Traube‘ Lkm || kusulỹs ‚Klumpen‘ J || kùsulas; putrà į kusulą sušōka Krš; krajōti ‚werfen‘ prš || krujōti ‚ausreißen‘ Rdm; katulỹs ‚Kitzeln‘ Slnt, Dr || kutulỹs; lazgėti ‚flattern‘ Krt || luzgėti ‚zittern, sich bewegen‘ Tl, Slnt; lāginti samog. J ‚ansprechen‘ || luginti ‚locken‘ B; lākatas || lùkutas ‚Lappen‘ Ll, Up, Lkv, Kltń; lāpatas ‚Lappen‘ M. Valanč || lūpatas samog.; lagaminas ‚Kiste zum Packen für eine Reise, Gepäck‘ || lugaminas Q397 ‚Lebensmittelvorrat‘ || lūgumas J; latùs ‚klein und dick‘ Rgv || lūtis ‚Dicker mit kurzen 205 Beinen‘ samog.; magėti ‚wollen‘ || mugėti (in dā.rbū nā.t mūga ‚will sehr‘ Rod, Dorf Kargaudai); maguoti ‚wollen‘ Vdš, Kvr, Ldk, Vlk || muguoti ‚leidenschaftlich sein‘ samog., J; maklas ‚Dummkopf‘ Skp, Kp || muklā ‚Tölpel, jemand, der sich nicht zurechtfindet‘ Ml, Bsg; māsūlas ‚Mücke‘ || māsūlas westliches Dzūkisch || mūsulas samog.; mązgas || mūzgas Žvr, Nm; pladu̇kė Šts; Ggr || pludunkė || pludungė samog. ‚Taugenichts, leichtfertige Frau‘; plākė ‚Brachse‘ PrL || plūkė ‚eine bestimmte Fischart‘; plākti ‚schlagen‘ || plūkti ‚Flachs brechen‘; rākti || rūkti ‚der See wird rau, rauchte, d. h. wächst, wuchs‘; rapūkas || ropūtė || rupūtė ‚Kartoffel‘ Vv, Šv, Jdr – LKA I 161; rāpti ‚krank sein‘ || rūpti ‚schorfig werden, Pocken haben‘; rasnoti ‚nieseln‘ Grg, Grk || rusnoti ‚langsam strömen‘ Kv; ratinėti ‚sich drehen‘ || rutinėti ‚rollen‘ Rod, Dv; sālig ‚gleich‘ J, LD427, Jrb, Rs, Žž, Ad || salīg Stl, Jrb, Slv und sūlig, salēi Jz; stābaras || stūbaras; smaklė ‚Schlingenknoten‘ J || smuklė ‚Schlinge: Falle‘ Grv, Ln, A. Baran; skabrīs || skubrūs ‚flink, schnell‘; stagūtė ‚Pflug; Hakenpflug‘ || stūgė LKA I 105. Es gibt ziemlich viele Beispiele. Die Ursachen ihres Entstehens sind vermutlich folgende: a) Vokalangleichung oder Ersetzung durch einen anderen Vokal: gābulas || gūbulas (gubalinis), kratulys, kapūrna || kupūrna. Dies ist ein altes Phänomen: vgl. litauisch nūgara || nugarà || nūgura (Klp) (erst 1977 im Dorf Kukuliškiai aufgezeichnet, im LKŽ unbekannt; lettisch mugura); b) Ein entfernter Zusammenhang mit dem Vokalwechsel der a-Reihe: gab-, gob-, gub-, pla-, plo- (plu-); c) Ein Teil der Wörter könnte das u aus uridg. *ō erhalten haben. Nach der erwähnten Aussage von Stang sowie auch von Endzelīns und anderen „wechseln r, l, m, n vor baltischem u (ō) manchmal mit baltischem a, e …, vielleicht entstand es aus einem ursprünglichen unbetonten o (und n) durch Schwächung“ (Endzelīns, 1951, 53). Man kann annehmen, dass stūgė, mūzgas, muguoti, pludunkė, skubrūs usw. ihr u aus *o haben: vgl. die Aussagen von J. Kazlauskas (Казлаускас, 1962, 24) und V. Mažiulis (Mažiulis, 1970, 16–18) über die Existenz von *ō (Gegenmeinung: Zinkevičius, 1980, 58–59). Könnte aus diesem *ō nicht stūgė (neben stagūtė), mūzgas Nm, Žvr und weitere sowie noch einige Dutzend Wörter entstanden sein? Wie sonst lässt sich eine recht große Zahl paralleler Formen mit den Stammvokalen a und u erklären? Zu einem solchen Wechsel der Vokale a und u haben auch alte Lehnwörter beigetragen, wobei u: a auf slavisches *ō zurückgeht: sabata || šūbatà, kravāuninkas || kruvāuninkas (völlig unglaubhaft ist, dass kudūras seit der Zeit von K. Alminauskis als Lehnwort gelten sollte; vgl. skādaras || skūduras; kadaryš || skadaryš usw.; vgl. ferner einen analogen Fall: rumulais betrachten wir als eigenes Wort, rāmaloti || rūmuloti dagegen als Germanismen; ferner skatūlė || skacūlė und skutulė || skučūlė). Interessant ist auch das Vorkommen des Diphthongs -ai- neben dem entsprechenden -ui- in ähnlichen Wörtern verschiedener Mundarten: rāinas || rūinas, rāinyti || rūinyti ‚gestreift sein‘; rāišus || rūisas, rāišī || rūišti (rāiščioti || rūiščioti, rāišis || rūišis), rāižyti || rūižyti, rāikis ‚Rock‘ Skdv || rūikis Šv, Vn, Grdm usw. Dies ist erst der Anfang der Untersuchung. Dieses Schwanken zwischen a und u ist schon lange bemerkt worden, doch fand sich bislang keine Zeit, sich damit näher zu befassen. Sollten die hier beschriebenen Phänomene nicht belanglos sein, wird die Untersuchung fortgesetzt. Prof. M. Rudzytė bemerkte auf der Baltistik-Konferenz von 1985, dass ähnliche Erscheinungen auch in lettischen Mundarten vorkämen, etwa augžemniekisch vonuks „in den Furchen“ usw. LITERATŪRA Endzelīns J. Latviešu valodas gramatika. Rīgā, 1951. Grinaveckis V. Šiaurės vakarų dünininkų tarmių fonetinės ypatybės ir jų raida // Vilniaus valstybinio pedagoginio instituto Mokslo darbai. 1960. T. 11. 206 Grinaveckis V. Žemaičių tarmės istorija. V., 1973. Kazlauskas J. Lietuvos kalbos istorinė gramatika. V., 1968. Mažiulis V. Baltų ir kitų indoeuropiečių kalbų santykiai. V., 1970. Stang Chr. S. Vergleichende Grammatik der Baltischen Sprachen. Oslo-Bergen-Tromso, 1966. Vanagienė B., Vitkauskas V. Dėl žemaičių mun- ir num- // Lietuvių kalbotyros klausimai. 1969. T. 11. Zinkevicius Z. Lietuvių dialektologija. V., 1966. Zinkevicius Z. Lietuvių kalbos istorinė gramatika. V., 1980. T. 1. Казлаускас И. К развитию общебалтийской системы гласных // Вопросы языкознания. 1962. № 4. Топоров В. Н. Прусский язык / Словарь К. М., 1980. В. ВИТКАУСКАС ЭКСКЛЮЗИВНЫЕ ВАРИАНТЫ СЛОВ С ГЛАСНЫМИ A И U Резюме В литовском языке существует немало слов с вариантами, различающимися гласными a и u. Все примеры можно делить на четыре группы: 1. Слова ономатопеического происхождения: dadinōti || dudinōti „говорить“, raresjs || ruresys „грохот“ и др. 2. Слова, где a || u произошло от иде. *l, m, n, r > al, am, an, ar || ul, um, un, ur: gāmatas || gūmulas, kum, klub, ramōti || rumōti „быть спокойным“ и др. 3. Слова, где варианты с корневыми a и u связаны с чередованием корневых гласных a || u || o: ganiōti || gunióti || goniōti „прогонять“, sravùs || srovùs || sruvùs „текучий“ и др. 4. Слова, где a || u, по мнению автора, происходило от древнебалтийского *ō: gabùs || gibùs „способный“, ābas || ūbas „старинная печка“, stagūtė || stūgė „соха“ и др.