Somijas uzvārdu saraksts baltu valodu pētnieka lasījumā
Full text
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXXII (1993)
BALTŲ ONOMASTIKOS TYRINĖJIMAI
OJARS BŪSS
EIN VERZEICHNIS FINNISCHER FAMILIENNAMEN AUS DER SICHT EINES BALTISTEN1
Was kann ein Baltist in einem solchen Verzeichnis finden? Zweifellos nicht allzu viel. Wenn jedoch, wie Anatolijs Nepokupnijs einst glänzend bewies, sogar das Berliner Telefonbuch als Quelle für Untersuchungsmaterial einer onomastischen Studie mit baltistischem Schwerpunkt dienen kann, dann kann ein relativ vollständiges Verzeichnis finnischer Familiennamen immerhin mindestens ebenso viele bemerkenswerte Informationen liefern.
Gegenwärtig stehen sowohl Wissenschaftlern als auch anderen Interessierten drei solche Verzeichnisse zur Verfügung: das 1970 von der finnischen Rentenanstalt erstellte sowie die 1985 und 1990 vom Zentralen Bevölkerungsregister erstellten Verzeichnisse. Die beiden letzteren sind zwar neuer und offenbar auch vollständiger, liegen jedoch nur als auf Mikrofilm kopierte alphabetische Liste (mit statistischen Zusatzinformationen) vor. Das Verzeichnis von 1970 hingegen existiert in drei Varianten in Form von drei umfangreichen Bänden: 1) alphabetische Liste mit Angabe der Häufigkeit (der Zahl der Namensträger); 2) Liste der Familiennamen nach Häufigkeit geordnet; 3) Liste in umgekehrter alphabetischer Reihenfolge. Alle genannten Verzeichnisse werden in Helsinki im Archiv der Abteilung für Onomastik des Forschungszentrums für die Landessprachen (Kotimaisten kielten tutkimuskeskus) aufbewahrt (hier sei der Leiterin dieser Abteilung, Dr. Eeva-Maria Närhi, herzlich dafür gedankt, dass sie uns freundlicherweise mit dem Abteilungsarchiv vertraut gemacht und bei seiner Nutzung geholfen hat).
Bei der Untersuchung dieser Nachnamenlisten kann ein Baltist mindestens dreierlei für ihn interessante Informationen gewinnen. Erstens handelt es sich um verschiedene Beobachtungen, die nicht unmittelbar mit den Besonderheiten der einen oder anderen Sprache zusammenhängen und eher die allgemeine Onomastik betreffen (oder, obwohl sie unmittelbar mit der finnischen Sprache verbunden sind, dennoch für Fachleute verschiedener Sprachen interessant sind). Zweitens muss man jene finnischen Nachnamen beachten und erfassen, die einen nicht mit der Finnougristik vertrauten Baltisten irreführen könnten, das heißt jene Nachnamen, die aufgrund der sogenannten interlingualen Homonymie baltisch zu sein scheinen, es in Wirklichkeit aber nicht sind. Und drittens müssen natürlich die tatsächlich baltischen Nachnamen untersucht werden, wobei zu dieser Kategorie auch diejenigen gehören, die nur hinsichtlich ihrer grammatisch-morphologischen Form baltisch sind (nicht aber hinsichtlich der Herkunft des Wurzelmorphems), zum Beispiel Gareckis, Orlavčius. Zu berücksichtigen ist, dass baltische Nachnamen in Finnland als Untersuchungsgegenstand eher eine historische als eine linguistische Kategorie darstellen und eine entsprechende Studie vielleicht eher in den Bereich der Geschichte als der Sprachwissenschaft fällt.
1Der Artikel beruht auf einem Vortrag, der am 16.VI.1991 auf der Konferenz für Baltische Studien in Stockholm gehalten wurde. Seine Vorbereitung in Helsinki wurde durch ein Stipendium ermöglicht, das vom Nordischen Ministerrat vergeben wurde.
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Was den ersten Themenbereich betrifft – die allgemeine Onomastik –, so stellt sich zunächst die Frage nach den Methoden zur Untersuchung eines territorial gebundenen anthroponymischen Bestands oder Systems (sofern man es als System anerkennt). Wie allgemein bekannt, wurden in der traditionellen Anthroponymie ethnisch gebundene oder sprachlich abgegrenzte Systeme untersucht. Anfangs war eine solche ethnisch-sprachliche Zuordnung häufig im Wesentlichen mit der territorialen Bindung identisch. Doch in der heutigen Welt gibt es immer weniger ethnisch „reine“ Gebiete.
Finnland ist zwar noch immer ein Land mit einer relativ homogenen Bevölkerungsstruktur (beziehungsweise einer zweigliedrigen, wenn man die schwedischsprachigen Einwohner Finnlands gesondert betrachtet). Und dennoch gibt es auch in einem solchen Land bereits recht viele ständige Einwohner, deren Familiennamen an mehr oder weniger exotische Regionen erinnern – Japan (Aoki, Kawasumi, Kono, Nakabe, Nakagawa, Suzuku, Yamakawa), muslimische Länder (Abdulla, Mohammed, Ibrahim, Allahwerdi, Ahmed, Fisq metadin, Salahettdin), Indien (Chatterjee, Rao), Südostasien (Phrasithidet, Nguyen, Maung), China (Chao, Chen, Chia-Chi, Tcheng, Wang) sowie die verschiedensten europäischen Länder – Ungarn (Nagy, Kiss, Szabo, Dömöter), Armenien (Gasparjan, Sarkissian, Aghazarian, Bagdasarian, Kevor k'jan, Khachlatournants), Georgien (Abashidze, Reischvili), England (Baskerville, English, England, James, Robinson, Stanley), Griechenland (Athanassakis, Papatheochari, Polemikos), Serbien und Kroatien (Bjeloglic, Dejanovic), Polen (Adamczyk, Hawryluk, Urbanowicz), Rumänien (Negrca) und Island (Kristjansdóttir; der traditionelle isländische Patronym „Tochter des Kristjan“ ist in Finnland zu einem Familiennamen geworden). Hier wurde nur ein kleiner Teil genannt; im finnischen Familiennamenverzeichnis finden sich noch sehr viele weitere Beispiele, zu viele, als dass man sie lediglich als vereinzelte Kuriositäten behandeln könnte². Außerdem sind einige der genannten Familiennamen infolge von Eheschließungen auch in das finnische Namenssystem eingegangen. Wie man sieht, ist das anthroponymische Bild Finnlands ohne eine reiche Einlagerung fremder Elemente nicht mehr vorstellbar. Noch stärker ausgeprägt ist eine solche Einlagerung in Ländern wie Schweden oder Deutschland, aber auch in Lettland und Estland (selbstverständlich mit unterschiedlichen Anteilen der eingelagerten Elemente). Wie ein derart heterogener anthroponymischer Bestand zu untersuchen ist – auf diese Frage steht eine umfassende Antwort noch aus. Jedenfalls scheint klar, dass sich allein mit rein linguistischen Methoden hier nicht allzu viel erreichen lässt.
Wenden wir uns nun dem Hauptgegenstand dieses Artikels zu, nämlich den Parallelen zwischen finnischen und baltischen Familiennamen. Was würde wohl ein Sprachwissenschaftler sagen, wenn er Familiennamen wie Vilkas, Kaunas, Raitis, Asite, Bernas, Sarma, Wasma, Saule, sähe?
² Zugegeben, auch ein Kuriositätensammler würde in diesem Verzeichnis einiges für sich finden – sowohl Doppelgänger von Helden aus der Mythologie (Totgamesh, Ra, Aja, Faust, Sadko, Naserddin) als auch „Schriftsteller“ (Merime, Puschkin, Turgenev, Chlebnikov, Pasternak, Sienkiewicz, Vergilis, Kafka, Shaw), „Politiker“ (Churchill, Lincoln, Franklin, Kennedy, Nizon, Romanov, Godunov, Uljanov, Sverdlov, Wrangell, Kalinin, Lukjanow, Sobtschák, Franco, Moubarak, Hussain), Vertreter der Sportwelt (sogar beinahe die gesamte niederländische Eisschnelllauf-Nationalmannschaft – Schenk, Verkerk, Visser) und Berühmtheiten aus den verschiedensten anderen Bereichen (Ferrari, Nobel, Gagarin, Casanova, Lisi). Auch Doppelnamen mit kontrastierenden Bestandteilen fallen auf (Berg-Ahmed, Ilmonen-Schaworonkoff, Venediktov-Vaskelainen, Singer-Semenoff-Tjan-Schang-ki) sowie Familiennamen mit einer ungewöhnlichen etymologischen Bedeutung (Filosof, Appelsin, Aspiranta, Komandiroff, Landwehr, Pikku-Sianoja, „kleiner Tschuku-Graben“).
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Liesma? Wäre dieser Sprachwissenschaftler Litauer oder Lette, würde er diese Familiennamen ohne den geringsten Zweifel als baltisch ansehen. Und er hätte keineswegs Vorwürfe wegen einer unkritischen Herangehensweise verdient, denn fast immer hätte dieser Forscher vollkommen recht. Fast immer – aber nicht dann, wenn solche Familiennamen in einem finnischen Familiennamenverzeichnis zu finden sind. In diesem letzteren Fall sind sie größtenteils rein finnische Familiennamen, und auch jene wenigen, deren finnischer Ursprung nicht ganz zweifelsfrei ist, sind dennoch keineswegs baltisch.
Aplūkosim, piemēram, uzvārdu Vilkas, kas 1970. g. Somijā ir reģistrēts 90 reizes (tātad 90 Somijas pilsoņiem vai pastāvīgajiem iedzīvotājiem ir bijis šāds uzvārds); vēl 7 reizes ir reģistrēts uzvārds Vilka, kas tik pārliecinoši izskatās pēc latviešu valodas sieviešu dzimtes. Starp citu, arī relatīvi augsta frekvence jeb sastopamība ļauj dažos ne gluži skaidros gadījumos par ticamāku uzskatīt somisku interpretāciju. Bet šajā konkrētajā gadījumā, par Vilkas runājot, nekāda pamata šaubām par tā somiskumu nav, jo somu valodā ir vispārpazīstams adjektīvs vilkas ”mundrs, žirgts”. Protams, ka šajā tāpat kā visos citos līdzīgos gadījumos nevar gluži kategoriski apgalvot, ka starp visiem šiem somiem ar uzvārdu Vilkas nav ”nomaskējies” arī kāds lietuvietis Vilkas. Šādu iespējamību nevar noliegt, pārbaudīt to ir grūti, kaut arī principā iespējami, taču šādas pārbaudes rezultāti nekādi nemaina pamattēzi: uzvārdam Vilkas Somijā ir somiska cilme (varbūtējs izņēmuma gadījums tikai apstiprinās likumu).
Betrachten wir noch einige Beispiele. Der Familienname Kaunas, der allerdings nur viermal registriert ist, hängt seiner Herkunft nach offenbar mit dem finnischen kauna „Hass, Übelwollen“ zusammen; auch ein Zusammenhang mit dem finnischen kaunis „schön“ ist nicht auszuschließen. Zugegeben, die geringe Zahl der Träger dieses Familiennamens in Finnland lässt auch eine litauische Deutung als nicht ganz unmöglich erscheinen. Der Familienname Raitis (51 Träger) hat seinerseits nichts mit dem lettischen Adjektiv raits oder dem davon abgeleiteten lettischen Personennamen Raitis gemein. Im Finnischen gibt es das Adjektiv raitas „nüchtern; frisch“, und der genannte Familienname hängt zweifellos damit zusammen. Der Familienname Wasara ist nicht mit dem lettischen und litauischen Appellativ vasara „Sommer“ verwandt, sondern mit dem finnischen vasara „Hammer“, das bekanntlich zu derselben etymologischen Wortfamilie gehört wie der finnisch-ugrische Entlehnungswortschatz des Lettischen veseris.
In Finnland gibt es auch Familiennamen wie Suni und Aste. Obwohl sie so lettisch aussehen, ist ihr Ursprung dennoch höchstwahrscheinlich im Finnischen zu finden. Denn aste ist nicht nur der Stolz des lettischen Hundes, sondern bedeutet auf Finnisch auch „Stufe, Grad“. Zugegeben, ein Wort mit einer solchen Bedeutung eignet sich nicht besonders gut als Motiv für einen Anthroponymen. Nicht ohne Grund beträgt die Häufigkeit des betreffenden Familiennamens 1 – das heißt, 1970 gab es in Finnland genau eine Person mit diesem Familiennamen. Dennoch kann dieser Familienname rein finnisch sein; nebenbei bemerkt gibt es noch viele andere zweifellos finnische Familiennamen mit nur einem Träger, z. B. Hautapakkonen, Hietinen, Hyötiläinen, Iteskinen, Ryssä, Kustaanpoika usw. Auch ein lettischer Ursprung des Familiennamens Aste ist unwahrscheinlich, weil er im Lettischen nicht verbreitet ist3, obwohl das entsprechende Appellativ zum Grundwortschatz gehört. Vielleicht lohnt es sich, auch eine andere Herkunftsmöglichkeit dieses Familiennamens in Betracht zu ziehen
3 Im Werk von V. Staltmane gibt es einen solchen Familiennamen überhaupt nicht, aber Vilkate ist einmal verzeichnet (Сталтмане В. Латышская антропонимия. Фамилии. М., 1981, С. 126).
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Möglichkeit (aus germanischen Sprachen?)?
Etwas anders ist die Situation bei den Familiennamen Bernas (24 Belege) und Bārmas (16 Belege). Insgesamt also 40 Belege – zu viele, um diese Familiennamen als baltisch zu erklären, obwohl sie auch nicht finnisch sind. In der ererbten finnischen Appellativlexik gibt es keine Entsprechungen für sie, und aus rein phonetischen Gründen kann es sie auch gar nicht geben, denn der Laut b ist im Finnischen erst mit der Entwicklung der Schriftsprache eingeführt worden. Vielleicht sind diese Familiennamen schwedisch? In Schweden finden sich Familiennamen⁴ wie Barne, Bern, Berna, Bernas sowie weitere mit diesem Wortstamm; ihre Häufigkeit ist jedoch sehr gering (der für uns interessanteste Name Bernas ist viermal belegt, der häufigste dieser Gruppe – Bern – zwölfmal). Dennoch scheint ein schwedischer Ursprung der finnischen Familiennamen Bernas und Bārmas viel wahrscheinlicher als ein baltischer (umso mehr, als es im Litauischen zwar das Appellativ bermas gibt, ein entsprechender Familienname aber nicht belegt ist⁵). Möglicherweise hängen sie mit dem beliebten skandinavischen Personennamen Björn zusammen?
Dass die Herkunft eines Familiennamens nicht in fremden Ländern gesucht werden sollte, lässt sich nicht nur dann behaupten, wenn der Name eine relativ hohe Zahl von Belegen aufweist, sondern auch dann, wenn er zu einer ganzen Reihe von Familiennamen gehört, die vom selben Wortstamm abgeleitet sind. So gibt es beispielsweise in Finnland nur einen einzigen Träger des Familiennamens Sarma; auch ein entsprechendes finnisches Appellativ ist nicht leicht zu finden. Ein baltischer Ursprung schiene daher durchaus möglich. Zu berücksichtigen ist jedoch die Reihe der Familiennamen Sarma, Sarme, Sarmi, Sarmia, Sarmio, Sarmo, Sarmu, Sarmasto, Sarmavuori u. a. (übrigens sind diese Familiennamen nur selten belegt). Die Existenz einer solchen Reihe kann als hinreichender Beweis dafür gelten, dass all diese Familiennamen, einschließlich Sarma (ungeachtet ihrer jeweiligen konkreten Etymologie), letztlich dennoch finnisch sind.
Zum Abschluss dieser kurzen Betrachtung einer Art von Familiennamen (man könnte sie pseudobaltisch nennen) sei noch eine weitere Reihe von Familiennamen erwähnt: Latvia, Latve, Latvela, Latvāla, Latvri, Latvio, Latvisto, Latvonen, Latvus, Latvisto, Latuanne, Latvās. Hier gibt es keinerlei Probleme: Die Belegzahlen sind recht hoch (z. B. Latvus – 21, Latvio – 38 und Latvia sogar 625 Belege), und auch das entsprechende finnische Appellativ ist leicht zu finden: latva „Laubwerk“. In diesem Fall sei also lediglich der Vollständigkeit halber erwähnt, dass die genannte Reihe von Familiennamen keinerlei Verbindung zu Lettland hat – ebenso wenig wie die Familiennamen Lieto, Liettu, Lietu zu Litauen (diesen Familiennamen liegt das finnische Adjektiv lieto „sanft“ zugrunde).
Abschließend einige Überlegungen zu den tatsächlich baltischen Familiennamen in Finnland. Die finnische Sprachwissenschaftlerin Pirkko Nuolijervi (Pirkko Nuolijärvi) hat in ihrem Artikel „Monikielinen Suomi“ („Das mehrsprachige Finnland“)⁶ Zahlen angeführt, die die Verteilung der finnischen Bevölkerung nach ihrer Muttersprache zeigen. Diesen Zahlen zufolge (die der amtlichen Statistik entnommen sind) lebten am 1. Januar 1990 in Finnland
4 Ein Verzeichnis schwedischer Familiennamen mit Häufigkeitsangaben ist ebenfalls auf Mikrofilm im Archiv der Onomastikabteilung des Forschungszentrums für finnische Sprachen in Helsinki verfügbar.
5 Siehe Lietuvju pavardžių žodynas / Ats. red. A.Vanagas. V., 1985. T. 1. P. 239.
6 Im April 1991 machte die Autorin freundlicherweise das Manuskript ihres damals noch unveröffentlichten Artikels zugänglich.
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11 Menschen lebten dort, die Lettisch als ihre Muttersprache angaben, und 10 Litauisch (in diesen Zahlen sind keine Angaben zu Personen enthalten, die sich nur vorübergehend in Finnland aufhalten). Übrigens gibt es in beiden Gruppen – sowohl unter den Letten als auch unter den Litauern – deutlich mehr Frauen als Männer; daher ist anzunehmen, dass nicht alle 21 auch baltische Familiennamen haben. Die Zahl der Einwohner Finnlands mit eindeutig baltischen Familiennamen (einschließlich, wie eingangs erwähnt, auch solcher, die nur ihrer Form nach baltisch sind) ist jedoch erheblich größer – vielleicht viermal, vielleicht auch fünfmal so groß; genau lässt sich das wegen unüberwindlicher Interpretationsschwierigkeiten nicht sagen. Als litauisch können die Familiennamen folgender Einwohner Finnlands gelten Abmitis, Gazītis, Grasūtis, Graudaitis, Jasbutis, Kairas, Kheinnonas (?), Kinaitis, Klimavičius, Lydeck, Loleytis, Marganavicius, Matschulaidis, Mikalunas, Miklowait, Moraitis, Naujoks, Orlavičius, Panteleit, Wischtukait; als litauisch oder lettisch — Boleckis, Bruklis, Dauksz, Galinis, Gareckis, Norvila, Norwill, Rimeika, als lettisch — Behrisch, Behrsin, Behrms (doch vgl. das bereits Gesagte zu Bernas, Barnas), Ziprus, Zihruls, Tchivtschis, Dauguls, Driksna, Dzirnejs, Gribust, Graudums, Kadik, Kaleij, Kalva (doch vgl. finnisch kalvaa „nagen“, kalvo „Folie“), Kruming, Kurmis, Leijneck, Mellais, Norbutts, Ozolins, Peebalg (1 Person, die im Verzeichnis von 1990 bereits als verstorben vermerkt ist), Plattai, Preits-Freimanis, Pukit, Purin, Upnal, Vitol und Vitoll, Zemitis, Zvaigzne (nur im Verzeichnis von 1990). Außerdem ist eine ganze Reihe von Familiennamen verzeichnet, deren Interpretation unsicher ist, die jedoch zumindest teilweise offenbar baltischen Ursprungs sind (manchmal legen dies nicht sprachliche, sondern historische Erwägungen nahe): Abol, Airis, Apala, Ape, Asara, Bemeleit, Bundul, Dreijmann, Dundar, Egli, Eglon-Terho, Elks, Esars, Gabran, Hennieks, Jaeran, Jacobi (wie bekannt, kommt ein Familienname dieses italienisch anmutenden Typs auch unter den pseudoitalienischen lettischen Familiennamen vor), Jering, Jurasch, Kabata, Kalving, Kamara, Karrasch, Karring, Keyzers, Kerkis und Kärkis, Kylkis, Kischis, Klinthe, Kluss, Kupri, Laisma, Lapina, Lejman, Lohse, Maltusch, Mellen, Nabba, Namdar, Niera, Nykull, Ogle, Otto-Sprunck, Plewe, Presas, Pulkis, Pundars, Purves, Pusor, Rabeneck, Raini und Rains, Rieka, Rosenthal, Sarkano, Seme, Silke, Skrivars, Skroderus, Skuji, Sparre und Spurr, Sporis, Staurast, Svidis, Tolkis, Treij, Valkas und Walk, Vaarnas, Voittis, Zalcman, Zeifert. Viele dieser Zweifel ließen sich relativ einfach durch Befragungen ausräumen, doch das hätte mehr Zeit erfordert, als dem Verfasser dieses Artikels während seines Aufenthalts in Finnland zur Verfügung stand. Dasselbe gilt für eine weitere Gruppe – Familiennamen, bei denen man wegen ihrer Endung auf -s an einen möglichen Zusammenhang mit dem Lettischen denken könnte. In den meisten Fällen besteht ein solcher Zusammenhang jedoch offenbar nicht; daher hier nur einige Beispiele: Adolfs, Arnolds, Daniels, Edmunds, Ehwalds, Henrichs, Herberts, Georgs; Akers, Birgers, Dahls, Gerts, Jägers, Meiners, Sanders, Smullers, Vilsons, Vollmers, Zeitis u. a.
Ohne hier auf eine detaillierte linguistische Analyse der oben genannten baltischen bzw. baltischen (im Sinne der baltischen Völker) Familiennamen einzugehen, sei doch eine Besonderheit ihrer Schreibweise hervorgehoben: Mehrere lettische Familiennamen haben recht alte (für den Beginn des 20. Jahrhunderts charakteristische) orthografische Eigenheiten bewahrt, z. B. Peebalg (in heutiger Schreibweise Piebalgs), Behrsin (Bērziņš), Plattais (Platais), Zīhruls (Cīrulis), Kaddik (Kadiķis), Kruming (Krūmiņš), Dszinnejs (Dziņejs)). Ihre Träger bzw. ihre Familien leben also schon lange in Finnland, die meisten von ihnen offenbar seit den ersten beiden Jahrzehnten unseres Jahrhunderts. Man könnte vermuten
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hipotēzi, ka lielākā daļa no šiem cilvēkiem ir izceļojuši no Latvijas tūlīt pēc 1905. gada revolūcijas. Vēsturisks pētījums par to, kā šie cilvēki nonākuši Somijā un kādas ir bijušas viņu turpmākās likteņgaitas kopā ar ģimenēm līdz pat mūsu dienām, būtu, bez šaubām, ne tikai interesants, bet arī pamācošs. Varbūt atradīsies vēsturnieks, kas uzņemsies šādu uzdevumu? Personvārdu lingvistiskā analīze šai gadījumā veidotu analīzes pirmo pakāpi.
Ein Verzeichnis finnischer Familiennamen aus der Sicht eines Baltisten
Zusammenfassung
Die in diesem Artikel vorgestellten Forschungsergebnisse beruhen auf drei Verzeichnissen der Familiennamen von Einwohnern Finnlands, die sich im Archiv der Abteilung für Onomastik des Forschungszentrums für lokale Sprachen in Helsinki befinden.
Das Hauptziel des Artikels ist es, Parallelen zwischen finnischen und baltischen Familiennamen aufzuzeigen. Familiennamen wie Vilkas, Kaunas, Aste, Bernas, Sarma, Vasara usw. wirken nur auf den ersten Blick baltisch. Tatsächlich sind dies meist finnische Familiennamen, die von Entsprechungen in der Gemeinsprache abgeleitet sind (z. B.: Vilkas vom finnischen Adjektiv vilkas „munter, lebhaft“; Kaunas vom finnischen Appellativ kauna „Feindseligkeit, Übel“ oder vom Adjektiv kaunis „schön“; Vasara vom finnischen Appellativ vasara „Hammer“; vgl. lett. vasaris, das aus den finno-ugrischen Sprachen stammt usw.
Etwas anders verhält es sich mit den Familiennamen Bernas und Bärnas. In der finnischen Appellativlexik gibt es keine Entsprechungen dafür, und der Laut b ist lediglich aus der Schrift übernommen. Möglicherweise stehen diese Familiennamen mit dem skandinavischen Personennamen Bjorn. in Verbindung.
Die Familiennamen Latvia, Lāve, Latvella, Latviala, Latvī, Latvio, Latvisto, Latvonen, Latvus usw. scheinen auf den ersten Blick lettischen Ursprungs zu sein. Doch lässt sich unschwer das finnische Appellativ dazu finden: latva „Blätter, Laub“, weshalb diese Familiennamen keinerlei Verbindung zu Lettland haben. Dasselbe gilt für Lieto, Liettu, Lietta (finnisch lieto „sanft“).
Hervorzuheben ist, dass die meisten lettischen Familiennamen in Finnland wirklich alte (für den Beginn des 20. Jahrhunderts typische) orthografische Eigenheiten bewahrt haben, z. B.: Peebalgs (heute Piebalgs), Zihruls (Cīrulis), Kadak (Kadikis), Dszmejs (Dzinējs) usw.
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