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Daiktavardžių kamienų mišimas „Knygoje nobažnystės“

Dalia Jakulytė

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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXVI (1996) LIETUVIŲ KALBA: TYRĖJAI IR TYRIMAI Dalia JAKULYTĖ DER STAMMWECHSEL BEI SUBSTANTIVEN IM „KNYGOJE NOBAŽNYSTĖS“ Die reformierte Druckerei in Kėdainiai druckte 1653 drei calvinistische religiöse Bücher mit einem gemeinsamen Titelblatt, „Knyga nobažnystės krikščioniškos“1. Es handelt sich um Gžegōž aus Żarnowiec’ „Sumos evangelijų“, eine Übersetzung aus dem Polnischen von zwei reformierten Theologen aus Kėdainiai (S. Minvydas und J. Božimovskis), sowie um deren „Maldos krikščioniškos“. Außerdem enthält KN auch ein Gesangbuch [10]. A. Jakulis hat Register zu „Sumos evangelijų“, „Pasijos“, „Maldų krikščioniškų“ und „Katekizmo“ erstellt; H. Siaurukienė erstellte ein Wortregister zum Gesangbuch [5, 6, 7, 8, 9]. Die Sprache von KN wurde bislang nicht eingehender untersucht; zu ihr sind einige Artikel von A. Jakulis erhalten (einige davon nur als Manuskripte). Man nimmt an, dass KN im mittleren Aukštaitischen Dialekt verfasst wurde. A. Jakulis versuchte sogar, Seiten zu bestimmen, die von verschiedenen Autoren geschrieben wurden, stützte sich dabei jedoch vor allem auf die Schreibweise von Pronomen, Konjunktionen und Partikeln[1, 2, 3, 4]. Dieser Artikel analysiert die Substantivstämme, ihren Gebrauch und ihre Beziehungen zueinander. Das Material wurde den genannten Registern von A. Jakulis und H. Siaurukienė entnommen; die Substantive wurden nach Stämmen gruppiert, und die Kasusformen verschiedener Stämme werden überblicksartig dargestellt. Jeder Dialekt und jedes schriftliche Sprachdenkmal sind wichtige Quellen für sprachwissenschaftliche Untersuchungen, denn in jedem von ihnen spiegelt sich eine andere sprachliche Situation wider. Substantive mit einigen „schwächeren“ Stämmen schwinden und gehen in andere, „stärkere“ Stämme über. In dieser Hinsicht sind die „schwächeren“ interessanter, das heißt Substantive mit i-, u-, į̨u- und konsonantischen Stämmen. Am schlechtesten erhalten sind die konsonantischen Stämme. Sie schwinden, indem sie zunächst in den j-Stamm übergehen, dieser wiederum in die Stämme įo und įa. Gegenwärtig haben Substantive mit n- und r-Stämmen die Formen konsonantischer Stämme am besten bewahrt, diejenigen mit s-Stamm weniger gut. In KN wurden 15 solcher Substantive gefunden: 10 mit n-Stamm (akmuo², augmuo, geluo, liemuo, pietmuo, pjūmuo, ruduo, sėmuo, vanduo, šuo), 3 mit r-Stamm 1 „KNIGA Nobaznistes krikščionįzkos / Ant gárbos Diewuy TRAYCEY Szwen-toy Wienatijam: Ant wartojimo Bažniczios dides Kunigistes Lietuvos išduotá. KĖDAINYSE, DRVKAWOIA IOCHIMAS IVRGIS RHETAS, Meatu Ponā, 1653“ (im Folgenden: KN). 2 Beispiele werden in rekonstruierter Form angegeben. 120 Stämme (Tochter, Mutter³, Schwester) und 2 s-Stämme (Wolke⁴, Mond) (siehe Tabelle Nr. 1). Die meisten von ihnen weisen nicht genügend Formen auf, anhand derer sich der Stamm bestimmen ließe (z. B. ist vom Substantiv augmuo nur eine Form belegt). Spezifische Formen der konsonantischen Stämme machen nur 38,7% aller belegten Formen aus. Die meisten Formen des konsonantischen Stamms haben die Substantive mit r-Stamm bewahrt. Weniger sind es bei den s- und n-Stämmen. Spezifische Formen konsonantischer Stämme sind nur in fünf Kasus belegt (Singular: Nominativ, Genitiv; Plural: Nominativ, Genitiv, Instrumental). Am ehesten gehen s-stämmige Substantive in den io-Stamm über (22% der belegten Formen sind o-stämmig), etwas seltener n-stämmige Substantive (19%). Nur Substantive mit r-Stamm haben überhaupt keine i-ā-stämmigen Formen. Ausschließlich für den konsonantischen Stamm sind Formen des Nominativs Singular belegt. Nur bei drei Substantiven lässt sich sagen, dass alle belegten Formen zum konsonantischen Stamm gehören: augmuo (belegt ist nur der Akkusativ Singular augmenį), geluo (nur der Nominativ Singular) und ruduo (nur Nominativ- und Akkusativformen Singular). Außer diesen finden sich in KN einige i-stämmige Substantive, die neben i-stämmigen Formen im Genitiv Plural nach einem harten Konsonanten die Endung -ų aufweisen (dantis, dešimtis, durys, krūtis, naktis, priežastis). Formen des konsonantischen Stamms wären auch im Allativ Plural zu erwarten, doch belegt ist nur die Form ausiump. Die vorherrschende Nominativform Singular des Substantivs žmogus ist u-stämmig (97-mal); die viermal verwendete Form žmuo ist als konsonantisch zu betrachten, doch ist nicht ganz klar, wie die zweimal verwendete Form žmogęs einzuordnen ist (diese Form ist nur im Gesangbuch belegt und könnte daher verkürzt worden sein, um die erforderliche Silbenzahl in der Verszeile zu erreichen). In allen anderen Kasus wird die u-stämmige Flexion verwendet. Am häufigsten und am besten erhalten ist der i-Stamm (siehe Tabelle Nr. 2). Von 88 Lexemen weisen 38 litauische Wörter und 19 Lehnwörter ausschließlich i-stämmige Formen auf, das heißt mehr als die Hälfte. Am besten hat sich unter den „schwachen“ Stämmen der u-Stamm erhalten – alle Formen sind u-stämmig. Zweifelhaft sind nur Formen wie der Nominativ Singular žmogęs, der Adessiv Singular sūnum⁵, sūnumpi, sūniep und der Inessiv Singular dangie (die beiden letztgenannten könnten auch o-stämmig sein). Die Singularformen des įu-Stamms sind recht gut erhalten. Nur zwei Substantive weisen o-stämmige Formen auf (Genitiv Singular aukštėjo, Instrumental mesijošiu). Der Plural ist fast vollständig in den įo-Stamm übergegangen. Doch auch hier kommen einige iu-stämmige Formen vor: Nominativ Plural neprietelius (2-mal) und Instrumental Plural kryžiums (1-mal). Belegt ist eine u-stämmige Form des Substantivs ūglius und vier u-stämmige Formen des Substantivs karalius: Allativ Singular ūglaus, Genitiv Singular karalaus, Akkusativ karalų, Instrumental. ³ Das Substantiv motė scheint sich in zwei Lexeme aufgespalten zu haben: motė, motės und moteris, moteries. In KN sind nur einige ē-stämmige Formen belegt: die Genitivform Singular motes (neben moters und moteries, jeweils einmal) und die Akkusativform motę (zweimal belegt). Alle übrigen Formen können als Formen des konsonantischen Stamms gelten. ⁴ Die Form debesīs wird nur unter Vorbehalt rekonstruiert, da der Nominativ Singular in KN nicht belegt ist. ⁵ Zum Beispiel: Nori idánt... ing ij tikietumim... átmin̄dami juog Diewās eſt Tewų muſų / Sunump ſavo / kuri mums už Prietelu ámžingą dawe...KN 214₁₁. 121 karalum und Vok. karalaũ6. Unter den starken Stämmen ist der ē-Stamm interessanter. Es sind mehrere Fälle von Stammvermischung infolge der Übereinstimmung der Formen in den meisten Kasus belegt (z. B. Formen auf ē- und ā-Stamm bei Wörtern, deren Stamm auf den Konsonanten l endet: meilė || meila, našlė || našla, sėkla || sėklė). Allerdings sind hier zwei Dinge miteinander verflochten: die Stammvermischung (paradigmatisch) und die nebeneinander vorkommenden Formen verschiedener Stämme (mit ihren eigenen Paradigmen). In KN sind recht viele Substantive mit nebeneinander vorkommenden Formen belegt: i-, įo- und ē-Stämme: pavietris || pavietrė i- und ē-Stämme: pramonis || pramonė ē- und ā-Stämme: bagotystė || bagotysta, neviemystė || neviermusta, bendrystė || bendrysta, garbė || garba, pagalbė || pagalba, palaimė || palaima ē- und o-Stämme: didumė || didumas, moteriškė || moteriškas ē- und įo-Stämme: kalinė || kalinys „Gefängnis“, ragotinė || ragotinis i- und o-Stämme: pagonis || pagonas įu- und įā-Stämme: rotušius || rotušia o- und ā-Stämme: evangelistas || evangelista usw. Mehrere Stammesformen, die durch unterschiedliche Anpassung entstanden sind, weisen häufig Lehnwörter auf. Doch auch zahlreiche litauische Wörter besitzen schwer erklärbare nebeneinander vorkommende Formen mehrerer Stämme (amžis || amžius, pavoyda || pavoydas, giluma || gilumas). Die meisten davon sind allerdings Abstrakta. Konkrete Wörter mit nebeneinander vorkommenden Formen verschiedener Stämme gibt es nur wenige, und nicht alle ihre Formen sind eindeutig belegt. Doch beispielsweise lässt die Vielfalt der Paradigmen der ē-stämmigen Substantive mit dem Auslaut l vermuten, dass KN nicht in einem einzigen konkreten Dialekt verfasst wurde. So ließen sich auch Lexeme mit mehreren Stämmen erklären – doch das ist ein Thema für weitere Untersuchungen. 6 In KN werden sie mit hartem ł geschrieben, z. B. uglau[p, Karataus. 122 Tabelle Nr. 17 KASUS | STAMM | FORMEN DES KONSONANTENSTAMMS | FORMEN DES i-STAMMS | FORMEN DES io-STAMMS SINGULAR Nominativ: n — 31; r — 8; s — 5 Genitiv: n — 12, 14; r — 3, 1; s — 4 Dativ: n — 5; r — (1), (1); s — 1 Akkusativ: n — (16), (16); r — (2), (2) Instrumental: n — 8, 9 Inessiv: n — (3), (3); s — (1), (1) Allativ: n — 2 Vokativ: r — 1; (? — dukte) PLURAL Nominativ: n — 9, 3; r — 2; s — 1 7 Die Tabellen geben die Anzahl der Formen verschiedener Stämme an. In der ersten Tabelle sind die Substantivformen der Stämme n, r und s aufgeführt. In der zweiten die Substantive des Stammes i (als i-stämmig gelten alle Substantive, die im Genitiv Singular mindestens einmal mit der Endung -ies belegt sind, ausgenommen die erwähnten Stämme n, r und s). Wenn Formen mehrerer Stämme zusammenfallen, ist ihre Anzahl in Klammern in den Spalten aller Stämme angegeben. 123 Fortsetzung von Tabelle Nr. 1 KASUS STAMM FORMEN DES KONSONANTENSTAMMS FORMEN DES i-STAMMS FORMEN DES io-STAMMS Genitiv n 9 (7) (7) r 3 s 3 Dativ n 6 Akkusativ n (8) (8) 1 r (2) (2) s (4) (4) Instrumental n 1 5 r 1 2 s 1 Inessiv s 2 Allativ n 1 Vokativ r 1 Tabelle Nr. 2 KASUS i-Stamm Konsonantenstamm iā-Stamm io-Stamm ē-Stamm iū-Stamm o-Stamm ā-Stamm SINGULAR Nominativ (189) 42 4 (189) Genitiv 403 11 (?— šiṙdes) 2 18 1 1 Dativ 16 5 Akkusativ (317) 5 (317) 2 1 1 Instrumental 31 99 4 124 Fortsetzung von Tabelle Nr. 2 KASUS | i-Stamm | Konsonantenstamm | iā-Stamm | io-Stamm | ē-Stamm | iu-Stamm | o-Stamm | ā-Stamm | Inessiv | 99 | 1 | Illativ | 39 |. | Allativ | 8 | Vokativ | 30,?— krikš- | čio- | ne (1) | smertì (1) | PLURAL | Nominativ | 99 | 2 | 2 | Genitiv | (207) | 18 | (207) | (207) | 1 | Dativ | 9 | 2 | 2 | 2 | 1 | Akkusativ | 197 | 1 | 3 | 4 | Instrumental | 46 | 1 | 1 | 4 | 1 | Inessiv | 39 | 2 | Illativ | 9 | Allativ | (6) | (6) | 1 | DUAL | Nominativ | 22 | Akkusativ | 4 | Instrumental | 3 LITERATŪRA 1. J a k u l i s A. 1860 m. katekizmas ir ”Knyga nobažnystės” Baltistica 7(1), 1971, 87—99. 2. J a k u l i s A. ”Sumos evangelijų” ir ”Maldų krikščioniškų” autorystės klausimu. — Baltistica 18(2), 1982, 173—178. 3. J a k u l i s A. Galiniai -o ir -e ir įvardžiai mano, tavo, savo ”Sumoje evangelijų” ir ”Maldose krikščioniškose” (rankraštis), Klaipėda, 1984. 4. J a k u l i s A. ”Sumos evangelijų” ir ”Maldų krikščioniškų” ryšiai su ankstesniais lietuviškais raštais. — Kalbotyra 35(1), 1984, 31—41. 5. J a k u l i s A. ”Knygos nobažnystės” leksika 1, Klaipėda, 1995. 6. J a k u l i s A. ”Maldų krikščioniškų” leksika (rankraštis), Klaipėda, 1984. 7. J a k u l i s A. ”Katekizmo” leksika (rankraštis), Klaipėda. 125 8. Jakulis A. ”Pasijos” leksika (rankraštis), Klaipėda, 1984. 9. Siaurukienė H. Giesmyno leksika (rankraštis), Klaipėda, 1984. 10. Vladimirovas L. Knygos istorija, V., 1979, 478—480. MIXING OF NOUN STEMS IN ”KNYGA NOBAŽNYSTĖS” Summary A. Jakulis had been started examining the language of the book ”Knyga nobažnystės” (KN), issued in 1653. He paid most attention to the question of authorship, using the writing of pronouns, conjunctions, particles as a base. In this article the nouns of the KN are examined: their stems, usage, interrelations, mixing tendencies. The variety of the paradigms of the nouns allows us to suppose that KN was not written in one certain dialect. 126