P. Skardžiaus kirčiavimo variantai
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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXVIII (1997)
Arvydas VIDŽIŪNAS
AKZENTUELLENVARIANTEN BEI P. SKARDŽIUS
Über P. Skardžius, den Normierer der Akzentuierung, urteilt man gewöhnlich und spricht über seine Verdienste, indem man wohl das wichtigste Werk auf diesem Gebiet aufschlägt: die klarste und systematischste Beschreibung der Akzentuierungsnormen des Vorkriegs-Litauischen – das Lehrbuch „Bendrinės lietuvių kalbos kirčiavimo“ (Skardžius 1936). Die in diesem Lehrbuch dargelegten Normen ließen keinerlei Schwankungen zu. Ziel des Autors war es, der breiten Öffentlichkeit zu zeigen, wie bestimmte Formen, einzelne Wörter und Wortgruppen in der angestrebten Standardsprache zu akzentuieren sind; auf problematische Erläuterungen verzichtete er. Daher wird das Akzentuierungssystem der Standardsprache hier in seiner idealen Gestalt dargestellt, ohne Ausnahmen und Varianten. Nicht alle Sprachwissenschaftler teilten diese strenge Haltung. Nach Ansicht von P. Jonikas sollten Unregelmäßigkeiten in der Akzentuierung beseitigt werden, indem Neubildungen an die Akzentuierung einer umfangreicheren Wortgruppe angeglichen werden. „Oder in solchen und ähnlichen Fällen von Schwankungen sollte man eine empfohlene und eine zulässige (tolerierte) Form angeben. Der Sprachgebrauch könnte dann auswählen, denn so kämen wir einerseits der angestrebten Norm näher, andererseits ist eine strikte Gruppierung der Sprachfakten wiederum nicht möglich“ (Jonikas 1936: 440). Auch Skardžius selbst könnte eine ähnliche Auffassung zur Kodifizierung der Akzentuierung vertreten haben. Seine umfangreiche Tätigkeit auf diesem Gebiet zeigt insgesamt, dass er kein großer Befürworter strenger, variantenloser Akzentuierungsnormen war; außerdem haben sich die von ihm empfohlenen Normen erheblich verändert. Die Empfehlungen des erwähnten Akzentuierungslehrbuchs spiegeln nur die Position des Skardžius aus jener Zeit – der Mitte der 1930er-Jahre – wider, und wahrscheinlich weniger seine persönliche als vielmehr die kollektive Haltung der Normierer der Akzentuierung. Dass kollektive Absprachen den Charakter der von Skardžius empfohlenen Normen und deren Veränderungen tatsächlich geprägt haben, lässt sich an den in den Arbeiten des Sprachwissenschaftlers vorkommenden Akzentuierungsvarianten deutlich erkennen. Die von Skardžius allein festgelegten oder unterstützten Akzentuierungsnormen waren niemals besonders streng, sondern zeichneten sich durch eine gewisse Liberalität aus. Dies schließen wir aus seinen vergleichsweise zahlreichen Akzentuierungsvarianten, insbesondere aus dem Ende der 1920er-Jahre – den ersten Jahren seiner Normierungstätigkeit – und aus den nach dem Krieg im Ausland erschienenen Arbeiten. Selbst wenn es schwierig war, eine doppelte Akzentuierung anzugeben (z. B. bei der Akzentuierung von Schulchrestomathien), bemühte sich Skardžius, dies irgendwie zu tun.
In seinen ersten Arbeiten zur Normierung der Akzentuierung lässt Skardžius recht viele Akzentuierungsvarianten zu. Besonders interessant sind die Angaben in seiner ersten akzentuierten Chrestomathie (Kamantauskas, Skardžius 1929), die zeigen, wie Skardžius die Akzentuierungsnormen in den ersten Jahren seiner Tätigkeit auffasste. Sie bilden den Ausgangspunkt für die weitere Normierung der Akzentuierung; deshalb werden im Folgenden alle Wörter oder Formen aufgeführt, die in dieser Chrestomathie mit Varianten akzentuiert werden. „Einige Wörter,“
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„die anders, aber ebenfalls gebräuchlich akzentuiert werden“, kennzeichnet Skardžius in Fußnoten1; damit grenzt er Haupt- und Nebenvarianten der Akzentuierung klar voneinander ab. In diesen Fußnoten wird gewöhnlich eine Nebenvariante angegeben, gelegentlich jedoch auch je zwei: papártis // papartìs, -čio, papartỹs, pãparčio (S. 8); čionai // čionai, čionái (S. 187). Mitunter wird angegeben, welchen Dialekten die zulässige Variante eigen ist: gyvulius // „die westlichen Aukštaiten und gyvulius“ (S. 260); žmogus // „Die westlichen Aukštaiten sagen stellenweise auch žmogáus, -aus“ (S. 23); žydi // „die westlichen Aukštaiten und žydžių, žýdž“ (S. 182); mėnesienoje (im Text von S. Daukantas) // „Gewöhnlich sagen die Žemaiten mėnesiena“ (S. 100); kalnai (im Text von A. Baranauskas) // „ostlitauisch kálnai“; tartum (im Text von A. Baranauskas) // „ostlitauisch und tartum“ (S. 162). Diese Kennzeichnung der Dialektzugehörigkeit, die so charakterisierte Akzentuierungsvarianten offenbar unmittelbar aus dem Bereich der Standardsprache heraushebt, hängt wahrscheinlich mit dem Wunsch zusammen, die authentische Akzentuierung des Dialekts zu zeigen, aus dem die Autoren der akzentuierten Texte stammen oder in dem sie schrieben. Dennoch ist diese Art, Varianten zu bewerten und darzustellen, recht selten; hier sind alle Fälle aufgeführt. Kodifiziert ist auch eine variierende Akzentuierung einzelner Formen, die diese nicht in ein anderes Akzentuierungsmuster überführt: Dat. jáĩ // jái (S. 21); Lok. kalnė // kálnė (S. 12); negardù // negardũ (S. 35).
Nach Wortarten gibt es in der untersuchten Chrestomathie noch folgende Akzentuierungsvarianten: Substantive: Gen. aslos // ãslos (S. 31); Gen. aušros // aušrõs (S. 196); irklo // írklas (S. 279); laiškas // laiškas (S. 194); laumė // laũmė (S. 33); Gen. laumės, laumių // laũmės, laũmių (S. 32); plentas // plent̃as (S. 344); porų // „Es gibt porà, -õs, pórą ir póra“ (S. 55); iš pradžios // iš pradžios (S. 39); ùvas // ū́vas (S. 282); vilties // viltìes; virvių, su virvėms // virvių, su vìrvėms (S. 38); aušrinė // aušrinė (S. 20); dárgana // darganà, -õs, dárganą (S. 337); degėsių // degėsių (S. 213); krautuvė // krautuvę (S. 35); mokõlas // mokõlas (S. 341); palūkanų // palūkanos (S. 97); trìs savaitės // savaitės (S. 40); tėkeliui // tekė́liui (S. 311); viršininku // viršininku (S. 131); su gintárais // gintarais (S. 109); Gen. nedė́lios (im volkstümlichen Text) // nedelios (S. 18); Adjektive: lygiais // lygiais (S. 12); pėsti // pėsti (S. 38); pernykščių // pernykščių (S. 251); Instr. ártima // ártimas (S. 146); Zahlwort šimtai // šimtai (S. 6); Pronomen: Nom. kókia // kokią, -iós, kókią (S. 26); Nom. tókia // tokią, -iós, tókį (S. 23); Verben: dėkavóti // dėkavoti (S. 337); il̃sis // il̃sis (S. 225); išnaikinsiu // „Naikinti ir naikinti“ (S. 57); išražytų // išražytų (S. 33); prisiartino // prisiartino (S. 117); pūliavo // pūliãvo (S. 144); Adverbien: gardžiai // gaĩrdžiai (S. 35); saldžiai // saldžiai (S. 230); ilgai // ilgai (S. 28); brangiai // brangiai (S. 69); teñ // ten (tē) (S. 10); Partikel bent // bént (S. 232).
Wie zu sehen ist, scheute Skardžius Varianten nicht; in vielen Fällen entschied er sich, die natürliche Entwicklung der gesprochenen Standardsprache nicht zu beschleunigen. Verständlicherweise ist einerseits
1 In Fußnoten wird gewöhnlich auch „bei“ geschrieben und die zweite Form angegeben. In diesem Artikel steht sie nach zwei senkrechten Strichen.
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Einerseits wirkte die Mundart, die der Gemeinsprache zugrunde lag und sich übrigens ebenfalls durch schwankende Akzentuierung in den Ratschlägen und Sprachformen auszeichnete (vgl. Kamantauskas, Skardžius 1929: VIII), sowie die ältere Normierungstradition dieser Ebene, die nie zu einer vollständigen Ausbildung nichtvariierender Normen gelangte, und das Ansehen J. Jablonskis; andererseits stand die oft breitere Verwendung in den übrigen Mundarten. Interessant ist, dass auch Wörter und Formen mit einer solchen Akzentuierung als sekundäre, zulässige Varianten gelten, von denen man sich in der programmatischen „Vorrede“ dieser Chrestomathie (S. IX), die offenbar Skardžius’ Grundsätze der Akzentuierungsnormierung darlegt, gleichsam abgegrenzt hatte: kálne, jái, ī̄klas, ū̄vas, žmogus, -aus, gí̄taras, ší̄mtas, -ái, kóks, -ià. In der Praxis war Skardžius bei der Akzentuierung also wesentlich liberaler.
Auch später kam der Sprachwissenschaftler in Artikeln, Rezensionen und bei anderen Gelegenheiten nicht ohne Varianten der Akzentuierung aus. In „Kalboje“ (1 1930: 48) wird gelehrt, vyžà, Gen. vyžos // vyžõs zu akzentuieren; ebenda (1 1930: 55) wird empfohlen, vargdėnė, vargdėnis arba vargdienė, vargdienis auszusprechen. Doppelte Akzentuierungsnormen finden sich auch in Herman-nas, Skardžius 1931. Hier bestehen noch Zweifel am Akzent der Endung -aitė; die Akzentuierung ist uneinheitlich: savaitės, tarnaitė (S. 26), aber giraitė (S. 121), kepuraitė (S. 64), obwohl er erst kürzlich (Kalba 1 1930: 55) selbst davor gewarnt hatte, dies zu vermischen; zu akzentuieren seien nicht našlaitė, lietuvaitė ir mergaitė, saulaitė, sondern einheitlich – našlaitė arba našlaitė. In diesem kleinen Gesprächsführer ist auch die Akzentuierung der Ableitungen mit der Endung -iena nicht vollständig vereinheitlicht: gewöhnlich werden kiauliena, kurkiena, kiškiena ir t.t., doch daneben auch ántiena, jáutiena, aviēna // avienà (S. 55) akzentuiert. Vielleicht aus Versehen stehen amatų (S. 102) und āmatų (S. 140). Akzentuierungsvarianten2 weisen außerdem folgende Wörter auf: čerpėmis // čerpėmis (S. 117); krautuvėje // kraútuvėje (S. 60); krautūvių // kraútuvịų (S. 138); praústuvėje (S. 120), Gen. praustuvės // praustuvės (S. 119), spaustuvėje // spáustuvėje (S. 107); traūkinį // tráukinį (S. 15); Nom. kalnúota // kálnuota, obwohl nur kalnų (S. 128); raūdónuoja // raudonúoja (S. 122); Adv. ilgai // ilgai (S. 8); saldžiai // saldžiai (S. 10). Einige weitere Wörter, deren Akzentuierung variantenweise zulässig ist (Skardžius 1933): Neben ápvaizda wird die Akzentuierung apváizda vorgeschlagen, die in Vilkaviškis, Sintautai, Seredžius, Jurbarkas, Šiauliai, Kamajai usw. verwendet werde; neben apušė, epušė sei auch āpušė, ēpušė zu schreiben, das in der Umgangssprache weit verbreitet ist; neben galvanà – gálvana und neben garbanà – gárbana; neben Dievėp, galóp wird empfohlen, „auch Dievóp, nicht Dievóp zu schreiben oder beide Formen nebeneinander – Dievóp und Dievóp“ (S. 162). Daraus lässt sich schließen, dass der Sprachwissenschaftler in einem normativen Wörterbuch recht viele Akzentuierungsvarianten tolerierte, sofern sie nur in den Mundarten weit verbreitet waren.
Interessant ist die weitere Erörterung der Akzentuierung von darganos. Wie bereits gesehen, gab Skardžius in der Chrestomathie von 1929 dárgana // darganà, -õs, dárganą an. Etwas später (Kalba 1 1930: 48) werden ebenfalls beide Varianten zugelassen, doch daneben (Kalba 1 1930: 52) wird präzisiert: „Mit R. Jonu selbst habe ich mich über lavono, darganos, noriai und dergleichen unterhalten, und nachdem wir alles gründlich geklärt hatten, waren wir uns beide einig, dass nur lavónas,
2 Sekundäre Varianten werden in diesem Büchlein nach den Hauptvarianten in Klammern angegeben.
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dárgana, norai nebeuitinas...“. Später ändert sich die Meinung des Sprachwissenschaftlers: „Dárgana wird von Kuršaitis und den Žemaiten akzentuiert; die westlichen Hochlitauer Großlitauens sagen darganà, -õs, dárganą, etwa in Naum., Sint., Ser. usw.; so hätte man meines Erachtens von Anfang an akzentuieren sollen“ (Skardžius 1933: 62). Damit wendet man sich von Kuršaitis ab, verwirft die Absprachen mit Jablonskiu und rückt die Variante der südlichen westlichen Hochlitauer an die erste Stelle. Das Verhältnis zwischen der Akzentuierung dieser Mundart und den Akzentuierungsnormen der gesprochenen Gemeinsprache war für die Normierer der Akzentuierung am Ende des zweiten und zu Beginn des dritten Jahrzehnts vermutlich das am schwersten zu bewältigende Problem. Die Abkehr vom Gebrauch der Grundmundart lässt sich als wichtigste Tendenz in der Entwicklung der Akzentuierungsnormen der Gemeinsprache und deren Normierung betrachten. Dennoch versuchte man zunächst, diese Tendenzen einzudämmen. Auch für Skardžius waren in den ersten Jahren seiner normierenden Tätigkeit auf dem Gebiet der Akzentuierung die Daten der südlichen westlichen Hochlitauer wohl das überzeugendste Argument (vgl. Vidžiūnas 1990: 91–93).
Eine Möglichkeit, die schwierigen Aufgaben der Akzentuierungsnormierung zu bewältigen, waren auch Akzentuierungsvarianten. Sie halfen dabei, die Mundart, die der Gemeinsprache zugrunde lag, mit anderen Mundarten in Einklang zu bringen und das begonnene Verbreitungskriterium bis zu einem gewissen Grad zu berücksichtigen; sie verhinderten, dass die Kluft zwischen den Kodifikationsregeln und dem tatsächlichen Gebrauch der gesprochenen Gemeinsprache, der damals noch nicht fest etabliert war und mundarttypische Akzentmerkmale aufwies, allzu groß wurde. Mitte des vierten Jahrzehnts war die wichtigste Axiomatik zum Bedarf an Varianten in der Wissenschaft der litauischen Sprachpflege noch nicht theoretisch formuliert: die sogenannte flexible Stabilität der Gemeinsprachenormen zu bewahren und mithilfe von Varianten zu Empfehlungen neuen Typs und neuer Qualität überzugehen. Für Skardžius waren Akzentuierungsvarianten erforderlich, um in der Gemeinsprache authentische, in den Mundarten weit verbreitete und mit dem bereits etablierten westlichen Akzentuierungssystem der Gemeinsprache nicht kollidierende Akzentuierungen einzelner Wörter und Wortgruppen zu legitimieren, anders gesagt: um in den strengen Regeln, die die Normen der sich festigenden gesprochenen Gemeinsprache regulierten, die Vielfalt der mundartlichen Akzentuierung maßvoll zu berücksichtigen.
In der 1934 erschienenen, von Skardžius akzentuierten Chrestomathie von Z. Kuzmickis (Kuzmickis, Skardžius 1934) kommt man jedoch bereits ganz ohne Akzentuierungsvarianten aus. Eine solche Wandlung in den Ansichten des Sprachwissenschaftlers kann man allerdings nicht als unbegründete Inkonsequenz betrachten. Um die Mitte des dritten Jahrzehnts begann man, die Akzentuierung mit vereinten Kräften der Fachleute auf diesem Gebiet zu normieren; die Notwendigkeit widerspruchsfreier Empfehlungen und stabiler Normen wurde klar erkannt. Skardžius hielt sich ehrenhaft an die mit seinen Kollegen diskutierten und angenommenen Beschlüsse. Aus Skardžius’ eigenen Worten geht hervor, dass er 1934 gemeinsam mit A. Saliu und J. Balčikoniu Fragen der gemeinsprachlichen Akzentuierung erörtert, die Grundlagen ihrer Normierung besprochen und sich im Interesse der Stabilität verpflichtet hatte, diese Vereinbarungen einzuhalten, „damit die Öffentlichkeit, besonders die Studierenden (...), nicht mehr sagen könnten, J. Balčikonis akzentuiere auf die eine Weise und A. Salys mit Skardžius auf eine andere“ (GK 1936: 133). Wahrscheinlich erörterten die Sprachwissenschaftler auch allerlei doppelte Betonungen und variierende Formen und beschlossen, auf viele der bis dahin zugelassenen Akzentuierungsvarianten zu verzichten. Das erste Buch, dessen Akzentuierung auf diesen Vereinbarungen beruhte, re-
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… Ergebnissen, und es wurde über die Kuzmickis-Chrestomathie gesprochen. Mit ihr beginnt, so kann man sagen, ein neuer Abschnitt in Skardžius’ normierender Akzentuierungstätigkeit. Sein wichtigstes Merkmal ist, dass die empfohlenen Akzentuierungsnormen nicht so sehr auf einer persönlichen Meinung beruhen als vielmehr auf Empfehlungen, die von den angesehensten Sprachwissenschaftlern erörtert und angenommen wurden. An dieser Haltung wird auch in „Lietuvių kalbos kirčiavimas“ eindeutig festgehalten. Seine nichtvariierenden Normen sind durch die Empfehlungen eines anderen kollegialen Zusammenschlusses zur Normierung der gesprochenen Standardsprache bestimmt – der Kommission für die Bühnensprache –, vgl.: „Über die Einheitlichkeit der Akzentuierung, insbesondere über die Doppelformen, wurde endgültig erst in jener bereits erwähnten Kommission Einigkeit erzielt (Bühnensprachenkommission – A. V.)“ (GK 1936: 132).
Mit der Kuzmickis-Chrestomathie verschwinden die Akzentuierungsdoppelungen in Skardžius’ akzentuierten Texten sowie in Rezensionen und Artikeln nahezu vollständig; alle verbleibenden Widersprüche betreffen im Wesentlichen nichtvariierende Akzentuierungsnormen. Ganz ohne Varianten ist das bereits erwähnte Lehrbuch „Bendrinės lietuvių kalbos kirčiavimas“ (Skardžius 1936), ebenso einige andere Veröffentlichungen (Šalkauskis, Skardžius 1938). Einzelne sporadisch auftretende Nebenformen widerlegen das allgemeine Prinzip nicht. Es wurden nur einige wenige festgestellt: „pūdymas (oder pūdýmas)“ (Skardžius 1936: 266), „pūdýmas (oder pūdýmas)“ (GK 1939: 77); vylyčia, -ýčios // výlyčia, -ios (Skardžius 1939: 266; GK 1939: 77); „aviena oder avieną, -õs, avieną“ (Skardžius 1939: 266) – damit wird vorgeschlagen, J. Šlapelis’ ungleichmäßiger Akzentuierung nicht zu folgen: arkliena, aviena, bet kiaulienà, -iẽnos, medienà, -iẽnos ir vištiena, -õs, -iẽną, žąsiena, -õs, -iẽną ir kt.; būklė, -ės, būklę // būklė (KP 1939: 28); anstelle von ainio schlug Skardžius vor, das Wort palikuonis // pãlikuonis zu verwenden, und merkte an, dass die zweite Variante von M. Daukša übernommen sei (Skardžius 1939: 268). In den meisten dieser Fälle kann man kaum von echten Akzentuierungsvarianten sprechen, da Skardžius meist nicht zwei Akzentuierungen empfiehlt, sondern aus zwei für die Standardsprache zulässigen Alternativen eine auswählt. Vgl. auch den Vorwurf an J. Talmantas wegen der doppelten Akzentuierung von pakalnėje und pakalnėje sowie die Anmerkung, dass im Schulbuch pakalnė (und pakálnė) zu betonen sei (GK 1936: 101). Hier ist zweifellos ein Bedeutungsunterschied gemeint: pakalnė ‚ein Ort unmittelbar am Berg‘, pakalnė ‚ein weiter vom Berg entfernter Ort, eine Ebene‘ (Skardžius 1936: 66; siehe auch Skardžius 1935: 110–111). Kurz gesagt: Die verschiedenen Rezensionen und Artikel dieser Zeit zeugen von einer strengen und kompromisslosen Haltung. Zwar hat Skardžius nach den 1938 erschienenen akzentuierten philosophischen Termini Šalkauskis’ keine größeren normierenden Arbeiten zur Akzentuierung mehr verfasst, doch gab es hier und da, zum Beispiel im „Kalbos patarėjas“ (KP 1939), durchaus eine gute Gelegenheit, mehr Akzentuierungsnebenformen zuzulassen.
Ein umfangreiches normierendes Werk Skardžius’ ist das Kapitel zur Akzentuierung samt einem ausführlichen akzentuierten Wörterverzeichnis in dem von ihm selbst, S. Barzdukas und J. M. Laurinaitis verfassten „Lietuvių kalbos vadovas“, das 1950 in Deutschland erschien (Skardžius ir kt. 1950). Hier sind die Seiten 128 bis 156 den Fragen von Wortakzent und Intonation gewidmet; das Wörterverzeichnis umfasst weitere knapp 450 Seiten. In diesem Handbuch wird das Akzentuierungssystem wie üblich ohne Schwankungen beschrieben, im Wörterverzeichnis treten jedoch erneut zahlreiche Akzentuierungsvarianten auf. Dieser Schritt wird in der Einleitung begründet: Der Autor erklärt, er werde sich, gestützt auf die lebendige Sprache, nach Kräften bemühen, die Akzentuierung auszugleichen und zu vereinheitlichen, doch „Wo auf gleiche Weise auf die eine und die andere Art betont wird und keine Entscheidung für eine Akzentuierungsart getroffen werden kann, dort bleibt die doppelte und manchmal sogar dreifache Akzentuierung bestehen“ (Skardžius ir kt. 1950: 28).
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„… wird, bleibt dort die doppelte und manchmal sogar dreifache Akzentuierung bestehen“ (Skardžius ir kt. 1950: 28). Als Beispiel wird audos angeführt: Obwohl man sich in den 1930er-Jahren in der „Schausprachkommission“ für die Verwendung von audrą entschieden hatte, werden hier „beide Formen nebeneinander angegeben – audrà ir áudrà“, weil man keine strenge Vorgabe machen wollte. Insgesamt weisen mindestens 185 Wörter Akzentuierungsvarianten auf. Zahlreiche doppelte Akzentuierungen finden sich bei suffigierten Verben, zum Beispiel: amsėti // ámsėti; baltuoti // baltúoti; bjaurinti // bjáurinti; jodinti // jodinti und weitere (24 Wörter). Die Zahl der Varianten erhöht sich dadurch, dass bei fast allen von ihnen auch die mit dem Suffix -imas gebildeten Abstrakta entsprechend den Basiswörtern doppelt akzentuiert werden: amsėjimas // ámsėjimas; baltavimas // baltãvimas; bjaūrinimas // bjáurinimas; jōdinimas // jodìnimas usw. Unter den problematischeren suffigierten Substantiven sind zu nennen: daržininkas 1 // daržininkas 2; kasinininkas 2 // kásininkas 1; mėsininkas 2 // mėsininkas 1; pulkininkas 2 // pulkininkas 1; veislininkas 1 // veislininkas 2 (: veisle 2 // veisle 4); giltinė 3ᵃ // giltinė 1; liepinė 3ᵃ // liepinė 2 ‚ein aus Lindenholz gefertigtes Gefäß, kleines Fässchen‘; degėsiai 2 // degėsiai 3ᵇ; gėrimas 1 // gėrimas 2 ‚Getränk‘; skynimas 1 // skynimas 2 ‚abgeerntete Stelle‘; šautuvas 1 // šautuvas 2; maltuvė 3ᵃ // máltuvė 1; sėtuvė 3ᵃ // sėtuvė 2; truputys 2 // trūputis 2; ašakotas 1 // ašakótas 1 (: ašaka 1); ašarotas 1 // ašarótas (: ašara 1) usw. Einige interessante zweisilbige Substantive: biržė 2 // biržė 1 // biržė 4; driežas 4 // driežas 3; aidas 3 // aidas 4; aslà 4 //2; audrā 4 // audra 1; pluta 2//4; pradžia 2 // 4; krepšys 4 // krepšis 2; laumė 2 // laumė 4; menėte 2 // mentė 4; meška 4 // 2; skrōblas 3 // skroblas 4; sodžius 2 // sodžius 4; svirtis 1 // svirtis 4; vaps(v)à 2 // 4; bálkšvas, -à 4 // bálkšvas, -à 3; širmas, -à 3 // širmas, -à 4 usw. Ebenso Adverbien aliái // aliai; pavieniui // pavieniui; vienbalsiai // vienbalsiai und andere. Selbst wenn man berücksichtigt, dass das Wörterverzeichnis recht umfangreich ist, muss man feststellen, dass darin eine beträchtliche Zahl von Wörtern mit variierender Akzentuierung verzeichnet ist; Skardžius fasste die Akzentuierungsnormen des Litauischen recht weit und demokratisch auf.
Dies wird auch durch die Angaben im Manuskript von Skardžius’ „Rašybinis lietuvių kalbos žodynas“ (um 1974) bestätigt (Skardžius 1974). Der Sprachwissenschaftler erklärt, dass er die Stichwörter hier so akzentuiere, wie sie in den Dialekten häufiger betont würden oder wie man in der Standardsprache zu betonen neige, und fügt hinzu: „In meinem Wörterbuch führe ich auch zahlreiche Nebenformen an, die sich aus der Sprache der Menschen rechtfertigen lassen, zum Beispiel: aistrà, -os 2 ir aistrà, -ós 4, atkálnė ir átkalnė 1, brólėnas ir brolėnas 1, kliūtis, -ies 1 ir kliūtis, -iēs 4, mėlynuoti ir mėlynúoti, pagieža 1 ir pagiežà, -õs 3ᵇ, ráinas ir rainas usw. Ebenso verzeichne ich neben älteren auch neuere Formen, die sich in der heutigen Standardsprache bereits stärker durchgesetzt haben (Hervorhebung des Autors – A. V.), zum Beispiel áudra ir audrà, -õs 4, áudroti ir audróti, próga ir progà, -õs 4, vérgas, -o 3 ir vergas, -o 4, žãsti ir žaisti usw.“ (Skardžius 1974: 13 d). Diese Haltung wird im Wörterbuch konsequent beibehalten. Akzentvarianten gibt es hier besonders viele – über 430: etwa 70 Verben, über 90 zweisilbige Substantive (einschließlich Bildungen mit zweisilbigen konsonantischen Suffixen), über 90 Bildungen mit vokalischen Suffixen, etwa 25 suffigierte Adjektive, 25 Komposita, Präfixe und
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etwa 40 Ableitungen mit präfigierten Endungen usw. Das Wörterbuch enthält auch Eigennamen, von denen etwa 35 ebenfalls mit variabler Betonung versehen sind, z. B.: Flussname Atmatā, -õs³ᵇ // Ātmata, -os 1; Vorname Áugustas 1 // Augustas 2; Seenname Galadusys, -io 3ᵇ // Galadusis, -io 1; Ortsname Girkalnis 1 // Girkalnis 1; Vorname Lēngvinas 1 // Lengvinas 2; Marijámpolė 1 // Marijampolė 2; Nėringa 1 // Neringà 3ᵇ; Rūmšiškės 1 // Rumšiškės 1; Vilijámpolė 1 // Vilijampolė 2; Vižainis 1 // Vižainys 3ᵇ; Ukrainà 2 // Ukrainà 1 usw.
Es ist nicht möglich, in einem Artikel alle in diesem Wörterbuch kodifizierten Betonungsvarianten aufzuführen. Zweckmäßiger ist es, die Motive herauszuarbeiten, von denen sich der Sprachwissenschaftler bei variabler Betonung leiten lässt. Es lässt sich sagen, dass der Verfasser Betonungsalternativen zulässt:
a) um die Betonungstendenzen verschiedener Aussprachen, die dem System der Standardsprache nicht widersprechen, miteinander in Einklang zu bringen, vgl.: aũkšlė 2 // aukšlė 4; biržė 2 // biržė 4; graižtai 1 // graižtai 2; grįžtė 2 // grįžtė 4; iešmas 2 //4; kregždė 4 // kregždė 2; rūožas 1 //3; sėdžia 1 // sėdžia 2; skróblas 2 // skróblas 3; svirtis 1 // svirtis 4; tiṅkas 1 // tiṅkas 4; zuikis 2 // zuikis 1; žliūgė 4 // žliūgė 2; giṅtaras 3ᵇ // giṅtaras 2; kibiras 2 // kibiras 3ᵇ; siūvena 1 // siuvena 3ᵇ; stóginė 1 // stoginė 3ᵃ; viršininkas 1 // viršininkas 1; atbrailà 3ᵇ // atbraila 1; atkaità 3ᵇ // atkaita 1; atlydà 3ᵇ // atlyda 1; atpjovà 3ᵇ // atpjova 1; atplaišà 3ᵇ // atplaiša 1; raíbas, -à 3 // raĩbas, -à 4; raíšas, -à 3 // raišas, -à 4; ráinas, -à 3 // rainas, -à 4; šir̃mas, -à 3 // šir̃mas, -à 4; vil̃gšnas, -à 3 // vilgšnas, -à 4; aidėti, aidì // aidì; narnėti, nárna // nar̃na; murmėti, mur̃ma // mur̃ma; slėgti // slėgti; sópti // sópti; žvangėti, žvaṅga // žvaṅga usw.;
b) um die alte, traditionelle und bereits etablierte oder sich gerade durchsetzende neue Variante anzuführen; Letztere steht gewöhnlich an zweiter Stelle, vgl.: érdvė 1 // erdvė 4; gaida 1 // gaidà 4; vaistas 1 // vaistas 4; vėrgas 3 // vėrgas 4; žaizlas 3 // žaizlas 4; deguonis 3ᵇ // deguonis 2; grobuonis 3ᵃ // grobuonis 2; palikuonis 3ᵇ // palikuonis 2; kaltininkas 2 // kaltininkas 1; skolininkas 2 // skolininkas 1; vairininkas 2 // vairininkas 1; šeimynykštis // šeimynykštis 1; ašakotas // ašakotas 1; ašarotas // ašarótas 1; augalotas // augalótas 1; saulėtas // saulėtas 1; várpingas // varpingas 1; raudonuoti // raudonuóti; samanoti // samanóti; vasaroti // vasaróti; žaisti // žaisti usw. Es ist zu erkennen, dass Skardžius in seinen jüngsten Arbeiten zur Normierung der Betonung stärker bemüht war, den Entwicklungstendenzen des Betonungssystems der Standardsprache Rechnung zu tragen – indem er nicht nur Betonungsvarianten unterschiedlicher geografischer Herkunft, sondern auch unterschiedlichen Alters miteinander in Einklang brachte;
c) um die Betonung einiger akzentueller Mikrosysteme zu vergleichen und zu vereinheitlichen, z. B.: dùrtuvas 1 // durtuvas 2; šaũtuvas 1 // šautuvas 2; grīstuvė 3ᵃ // grīstuvė 2; keptuvė 3ᵇ // keptuvė 2; praustuvė 3ᵇ // praustuvė 2; semtuvė 3ᵇ // semtuvė 2; sėtuvė 3ᵇ // sėtuvė 2; sužieduotuvės 1 // sužieduotuvės 2; glūdumas 1 // glūdumas 2; trūkumas 1 // trūkumas 2 usw.;
d) um die akzentuellen Beziehungen zwischen einem Grundwort und einem abgeleiteten Wort zu bewahren, z. B.: krautuvininkas 1 // krautuvininkas 1 (: krautuvė 1 // krautuvė 2); skardininkas 1 // skardininkas 2 (: skarda 1 // skarda 4); teiginys 3ᵇ //3ᵃ (: teigti // teigti); vėrgis-
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kas // vergiškas 1 (: vergas 3 // vergas 4) usw.;
e) beim Versuch, zwei Betonungsmodelle für Adjektive mit dem Suffix -inis miteinander in Einklang zu bringen – das traditionelle, das sich nach der Betonung der Grundwörter richtet, und das neue, das durch die Tendenz zur Betonung des Suffixes bestimmt wird, die für die westlichen Hochlitauer und die Žemaiten charakteristisch ist und die Skardžius der Standardsprache besonders in den 1930er Jahren und danach empfahl (vgl. Skardžius 1936: 26; Skardžius ir kt. 1950: 142), z. B.: aplinkinis 1 // aplinkinis 2; humanitarinis 1 // humanitarinis 2; kojinis 1 // kojinis 2; šiemetinis 1 // šiemetinis 2; visuomeninis 1 // visuomeninis 2 usw.;
f) derinant savo rekomendacijas prie DLKŽ 1972. Kad taip buvo daroma, nėra jokių abejonių. Vienas argumentas – gausybė rankraščio taisymų, po kurių Skardžiaus teikiamos normos tampa, galima sakyti, identiškos DLKŽ 1972 kodifikuotoms, plg. tokius taisymus, rodančius derinimąsi prie Lietuvoje išleisto kodifikacijos veikalo: griežėlė 3a – ištaisyta į (toliau =) 3b; juodmargis, -ė 1 = juodmaigis, -ė 2; ordinarinis 2 =ordinarinis 1; paskaitininkas 2 = paskaitininkas 1; pavėsinė 1 = pavėsinė 2 ir t.t. Vienas iš taisymo būdų – DLKŽ 1972 teikiamo varianto prirašymas, paprastai kaip šalutinio: kaltė 4 = kaltė 4 // kaltė 2; óda 1 = óda 1 // odà 4; próga 1 = próga 1 // progà 4; rúožas 1 = rúožas 1 //3; kuitena 1 = kuitena //kuitena 1; ráugalas 3a // ráugalas 3a // ráugalas 3b; spjáudalas 3a = spjáudalas 3a // spjáudalas 3b; gėlininkas 2 = gėlininkas 1 // gėlininkas 2; kopėčios, -ių 3a = kopėčios 1 //3a; skrybėlininkas 2 =skrybėlininkas 1 //skrybėlininkas 2; uošvienė = uošvienė // uošvienė 1; vaistinė 1, vaistininkas 1 (: vaistas 1) =vaistinė // vaistinė 1, vaistininkas //vaistininkas 1 (: vaistas 1 // vaistas 4) ir t.t. Dar viena įdomių taisymų grupė – variantų pateikimo eilės tvarkos derinimas prie DLKŽ 1972, pvz.: áudra 1 // áudra 4 = áudra 4 // áudra 1; glėvės 1 // glėvės 4 = glėvės 4 // glėvės 1; gūrguolė 1 // gurguolė 2 =gurguolė 2 //gurguolė 1; tintuvas 1 // tintuvas 2 = tintuvas 2 // tintuvas 1 ir kt. Tokių ir panašių taisymų yra gana gausu, ir bemaž visada jais siekiama susilyginti su DLKŽ 1972 kodifikuotomis kirčiavimo normomis arba bent prie jų priartėti. Kad Skardžius savo kirčiavimo rekomendacijas yra derinęs su DLKŽ 1972, rodo ir sutampančių variantų gausa. Jų, sudėstytų ta pačia tvarka ar atvirkščiai, iš viso priskaičiuota per 140. Veikiausiai DLKŽ 1972, prirašęs nemažai kirčiavimo gretybių, skatino ir Skardžių žengti tuo pačiu keliu.
Ein nichtsprachliches Motiv, das die recht liberalen Betonungsnormen des „Rechtschreibwörterbuchs der litauischen Sprache“ mitbestimmt haben dürfte, war der vergleichsweise nachsichtige Blick des Sprachwissenschaftlers auf den Gebrauch des Litauischen außerhalb Litauens: „Wenn sich die Frage nach dem Schicksal der gesamten litauischen Sprache im Ausland stellt, würden strengere normative Vorgaben zur Betonung ihr Ziel wohl kaum erreichen“ (Skardžius 1968: 8). Im Zusammenwirken der besprochenen sprachlichen und nichtsprachlichen Faktoren bildete sich Skardžius’ Position heraus, die in seinem wohl letzten Werk dargelegt wurde – dem nie veröffentlichten und deshalb nur sehr selten erwähnten Kodifikationswerk zur gesprochenen Standardsprache, dem „Rechtschreibwörterbuch der litauischen Sprache“.
Skardžius’ gesamte normierende Tätigkeit im Bereich der Betonung zeigt, dass ihm klar war,
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dass das Akzentuierungssystem der Standardsprache eigenständig sein und sich stärker nach seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln müsse. Die Tendenzen der Akzentuierung in der Standardsprache versuchte er jedoch niemals durch künstliche Regeln von der lebendigen Sprache, von den Dialekten abzugrenzen; vielmehr bemühte er sich bei der Normierung der Akzentuierung in der Standardsprache nach Kräften, die für den standardsprachlichen Gebrauch bedeutende Vielfalt der dialektalen Akzentuierung widerzuspiegeln, und später auch die neuen Tendenzen, die sich in der Standardsprache selbst herausbildeten. Zwar hatte er versucht, die Entwicklung und Normierung einiger akzentueller Mikrosysteme (z. B. der Adjektive auf -inis) zu beschleunigen, doch im Allgemeinen gingen seine kodifizierten Akzentuierungsregeln der Sprachentwicklung selbst nicht voraus. Angesichts der sehr unterschiedlichen Akzentuierung in den Dialekten, der Variation und der recht langsamen Stabilisierung des Sprachgebrauchs in der Standardsprache sowie der Tatsache, dass die Standardsprache selbst mit der Besetzung Litauens in zwei Varianten zerfiel, war eine größere allgemeine Einheitlichkeit der Normen der gesprochenen Standardsprache kaum zu erwarten. In diesem Kontext sind dennoch die deutlichen Bemühungen des Sprachwissenschaftlers zu erkennen, eine einheitliche gesprochene Standardsprache für alle Litauer zu schaffen – die sprachlichen Bedürfnisse und Möglichkeiten der Litauer im Ausland mit den sich in Litauen entwickelnden Normen und den Empfehlungen der Sprachwissenschaftler in Einklang zu bringen. Auf diesem Weg voranzugehen, dazu ermutigte ihn auch die nahezu seiner gesamten normierenden Tätigkeit im Bereich der Akzentuierung eigene Orientierung an Akzentuierungsvarianten. Der Sprachwissenschaftler betrachtete sie nicht als Elemente, die die Stabilität der Normen untergraben, und nicht als Ballast der Standardsprache, sondern als notwendige Voraussetzung für eine Akzentuierung der Standardsprache, die durch verschiedene Dialekte bereichert wird und von unterschiedlichen inneren Tendenzen beeinflusst ist.
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Skardžius Pr. 1974: Rašybinis lietuvių kalbos žodynas 1–6 / VUB. F. 118–34. (Rankraštis).
Skardžius Pr. ir kt. 1950: Lietuvių kalbos vadovas / Sudarė prof. dr. Pr. Skardžius, St. Bardzukas, J. M. Laurinaitis. Bielefeld.
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Vidžiūnas A. 1990: Pr. Skardžiaus kirčiavimo norminimo pagrindai. – Kalbotyra 41(1), Vilnius, 90–102.
DIE AKZENTOLOGISCHEN VARIANTEN BEI P. SKARDŽIUS
Zusammenfassung
Im vorliegenden Artikel wird versucht, die akzentologischen Variante, die vom berühmten litauischen Linguisten und Sprachpfleger Pr. Skardžius vorgeschlagen wurden, zu untersuchen und die Motive, die Dynamik ihrer Wahl zu erschließen. Aus dieser Untersuchung ist folgende Schlußfolgerung gezogen: Skardžius hat die akzentologischen Varianten nicht als der Stabilität der Normen Standardsprache schadende Elemente betrachtet. Diese Variante wurde von Skardžius als eine der unerläßlichen Existenzbedingungen der Standardakzentuierung, die aus verschiedenen Dialekten vervollständigt ist und vielen inneren Tendenzen beeinflußt wird, gehalten.
In seinen ersten Arbeiten für die Kodifizierung des akzentologischen Systems des Standardlitauischen (Ende der 20er Jahre) gestattet Skardžius mehrere Variante, mit Hilfe deren wird versucht, die frühere Tradition der Kodifizierung dieser Ebene, die Vorschläge von J. Jablonskis, die Eigentümlichkeiten des Dialekts, der der gesprochenen Standardsprache zu Grunde liegt, sowie einige der Akzentuierung anderer Dialekten zu vereinigen. Etwa Mitte der 40er Jahre verschwinden diese Variante aus den Arbeiten von Skardžius. Das setzte folgende Bedingung voraus: Zu dieser Zeit wurde begonnen, die Kodifizierung der Akzentologie des Standardlitauischen aufgrund der kollegial angenommenen Empfehlungen einer Gruppe der berühmtesten Linguisten zu stützen. Skardžius hatte sich auf diese Empfehlungen gehalten.
Für die Kodifizierungswerke von Skardžius, die nach dem zweiten Weltkrieg im Ausland verfasst wurden, sind wieder viele akzentologische Variante charakteristisch. Sie wurden für die Abstimmung der Mannigfaltigkeit der Akzentuierung der Dialekte in der gesprochenen Standardsprache benutzt. Auch wurden sie gebraucht für die Widerspiegelung der neuesten Entwicklungstendenzen des akzentologischen Systems der Standardsprache, sowie für die Verknüpfung der persönlichen Empfehlungen von Skardžius mit der in der Kodifizierungswerke Litauens erstatteten akzentologischen Normen.
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