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Benennungen des Zaunes aus liegenden Hölzern in der Lexik lettischer Mundarten

Ineta Kurzemniece

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ACTA LINGUISTICA LITHUANICA LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XLIII (2000) Ineta KURZEMNIECE Latvijas Universitātes Latviešu valodas institūts, Rīga GULŽOGU NOSAUKUMI LATVIEŠU VALODAS IZLOKŠŅU LEKSIKĀ Seit alten Zeiten bis in unsere Tage haben die Menschen versucht, einen bestimmten Ort, eine Siedlung und später einen Bauernhof oder ein Einzelgehöft abzugrenzen und zu schützen. Zu diesem Zweck wurden auf dem Gebiet Lettlands viele Zäune unterschiedlicher Bauart errichtet, darunter auch Gulžogi (siehe z. B. die Untersuchungen von Ethnografen zu Zaunarten: Cimmermanis; Jaunzems; Krastiņa; Kundziņš). Nach Einschätzung der Archäologen gehen die Anfänge des Baus von Gulžogi auf die zweite Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. zurück (Sedovs 1992: 34). Beschreibungen archäologischer Ausgrabungen belegen, dass Gulžogi an den Rändern lettischer Burgberge weit verbreitet waren. So wurden beispielsweise Überreste davon auf dem Burgberg Ķente gefunden, der vom 5. bis zum 9. Jahrhundert besiedelt war (Stubavs 1976: 40), in der Seeburg Āraiši, die um 830 errichtet wurde (Apals 1993: 6), sowie auf dem Burgberg Mežotne, der um das 8. oder 9. Jahrhundert angelegt wurde (Sedovs 1992: 105). Auch lettische Städte waren von Gulžogi umgeben. Dies belegt unter anderem eine Zeichnung der Stadt Riga von J. K. Broce aus dem Jahr 1499 (Broce 1992: 19). In späterer Zeit errichteten Bauern, die in waldreichen Gegenden lebten, Gulžogi an den Rändern von Wirtschafts- und Viehwegen. Beim Bau von Gulžogi finden sich hauptsächlich zwei Bauweisen: 1) 1,5 bis 2,0 m lange Pfosten wurden etwa 3 Fuß tief in den Boden eingegraben; auf beiden Seiten waren mit einem breitklingigen, axtähnlichen Werkzeug Rinnen eingehauen. Die Pfosten wurden in einem Abstand von etwa 3 bis 7 m voneinander aufgestellt. Zwischen die Pfosten legte man Hölzer unterschiedlichen Durchmessers, deren Enden in den Pfostenrinnen verkeilt wurden; 2) jeweils zwei Pfosten wurden nebeneinander in den Boden eingegraben, und die Gulkoķi wurden mit Weidenruten daran befestigt. Um Holz zu sparen, legte man kleinere Holzstücke zwischen die Gulkoķi. Gulžogi waren im gesamten Gebiet Lettlands bekannt, doch nach Einschätzung der Ethnografen hielten sie sich am längsten in Kurland, Nordlivland und Latgale. Heute werden keine Gulžogi mehr gebaut. Obwohl Gulžogi heute nicht mehr verwendet werden, finden sich ihre Bezeichnungen sowohl in schriftlichen Quellen als auch im Wortschatz der Mundarten. Dieser Artikel untersucht die Vielfalt der Bezeichnungen für diese Zaunart in den lettischen Regionen und auch in Wörterbüchern; im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die semantischen und etymologischen Aspekte der Bezeichnungen. In der Standardsprache werden für Gulžogi mehrere Bezeichnungen verwendet – gulžogs, gulšeta, gulkuoku žuogs (LLVV 3, 173), slita ‚aus liegenden Rundhölzern gebauter Zaun‘ (LLVV 71, 597); als Regionalwort ist im Wörterbuch die Bezeichnung kritenis (auch krītenis) ‚Zaun, bei dem die Enden der Querhölzer in den Pfostennuten aufliegen‘ verzeichnet (LLVV 4, 439). 1. In den lettischen Mundarten werden am häufigsten solche Bezeichnungen für Gulžogi verwendet, die den Zaun nach folgenden Merkmalen charakterisieren: 1) den darin verwendeten Zaunteilen; 2) der Art der Anordnung der Zaunteile. 136 3) der Art der Bearbeitung der Zaunteile; 4) des Alters; 5) einer für den Zaunbau charakteristischen Tätigkeit. Dabei handelt es sich überwiegend um Wortgruppenbezeichnungen, deren abhängiges Glied eine allgemeine Bezeichnung für einen Zaun ist (sēta, verwendet in Semgallen, Livland und einem Teil der Mundarten Latgales, ž uogs, verwendet in Kurland, Semgallen sowie einigen Mundarten Livlands und Latgales, sētiņa, verwendet in den selischen Mundarten, und sētmali, das in einem Teil der Mundarten Latgales als allgemeine Zaunbezeichnung verwendet wird). 1.1. In der Mundartlexik verzeichnete Bezeichnungen für den liegenden Zaun und ihre Varianten, die auf Balken oder dicke Stangen verweisen: Die Wortgruppenbezeichnung balkēnu sēta ist in Nordlivland belegt, z. B. in Kūdu­ma: balkēnu sēt’s like leideriēm un cūkām, tur jau vaiga tād’s stiprāks. stabiem katrā pusē rievina. lika tād’s pusbalkēn’s iekšā tomū renē, vai nu plesc’s vai apaļ’s (Apv.). Das Wort bālkis, von dessen Stamm mit dem Diminutivsuffix – ēns das Wort balkēns abgeleitet ist, wird in der Bedeutung „der Balken“ verwendet und ist ebenso wie lit. bālkis und est. pal’k aus mnd. balke ‘Balken’ entlehnt (ME I 261; Sehwers 1936: 8; LEV I 105; Lgr 147§). Die Wortgruppenbezeichnung kritiņu žuogs mit dem Suffix -in- im abhängigen Glied ist nur noch aus ME II 281 für Nīca bekannt; die mit dem Suffix -en- im abhängigen Glied abgeleitete Form kritēņu žuogs ist in Mundartaufzeichnungen aus Grobiņa belegt: bi tādi kritiņāti žuogi – rešni stabi, izzina a tādu platu ēveli tādu rievu un ta lik tā kritiņaja iekšā apaļus kuōkus (Apv.). Das Suffix -en- hat möglicherweise das ältere -in- ersetzt (Rudzīte 1964: 105). Die Variante kritēņu žuogs mit singularischem Genitiv im abhängigen Glied der Wortgruppenbezeichnung ist in der Literatur bei EH I 656 belegt. Die Wörter kritenis, kritiņis werden in den genannten Bezeichnungen in der Bedeutung „dicke Balken oder dicke Stangen, deren Enden von oben in die Rinnen zweier Zaunpfosten hineingelassen werden“ verwendet und mit den Endungen -enis, -iņis vom Verb krist (lit. krìsti) abgeleitet (ME II 281; Lgr 144–5§). In einzelnen lettischen Mundarten finden sich Bezeichnungen für den liegenden Zaun, die auf dicke Bretter verweisen. Glatte, dicke Bretter wurden für liegende Zäune anstelle von Rundholz erst später verwendet, als es möglich wurde, die im Gat­ter gesägten Balken zu Brettern zu sägen. Vārdkopnosaukums blanku sēts reģistrēts apvidvārdu vā kumos 1936. g. Svētc iemā – blānk šēç. stabu sāņuos ir ruobi, kuruos saliek blankas, tagad gluudus apaļus dēļus, agrāk rešnas apaļas kārtis, kam tad aptēsa tikai galus, kas nāk ruobuos (Apv.). Das Wort blānka wird in der Bedeutung „Planke, Bohle“ verwendet und ist aus mnd. blanke ‘ebd.’ entlehnt (ME I 309; Sehwers 1936: 13). Die Wortverbindung dēļu sēta in der Bedeutung „liegender Zaun“ ist vereinzelt in lettischen Mundarten belegt, z. B. in Kūdu­ma: ziemel galā ar dēļu sēt’ nuo vien’s sien’s līdz 137 Die zweite Form der Unterteilung (Grabis 1991: 67); die Wortverbindung dēļu žuogs ist aus Pļaviņas (A.) bekannt, während die Wortverbindung dēļu sētmalis mancherorts in Latgale vorkommt, z. B. in Cibla – dieļu sàtmals. ap laidaru (A.). Das Wort dēlis ist eine Entlehnung aus dem Mittelniederdeutschen dele „das Brett“ (ME I 462; Sehw ers 1936: 26; LEV I 207). Im Lettischen ist eine Bezeichnung für den liegenden Zaun belegt, die auf die Zaunpfosten verweist. Vārdkopnosaukums stulpeņu žuogs pierakstīts Kārsavā un Gaigalavā (Strods 1991: 49). Tā atkarīgais komponents ar deminutīva izskaņu -enš darināts no substantīva stulps ‘der Pfosten’ celma un izplatīts Latvijas austrumdaļas izloksnēs, piem., Kalupē – ka stat'ēnč tāisa, to sadzān stūlp'ēnč i pi stūlp'ēnu pīsyt kuorc (Reķēna 1975: 191) (par izskaņu -enš sīkāk skat. Lgr 146§, Rudzīte 1964: 317). Die Herkunft des Wortes stulps2 ist unklar. Die Wurzel stulp- könnte von den Wurzeln stelp- und stup- abgeleitet sein. Das Wort vgl. lit. stulpas, russ. столб und lett. stulbs (ME III 1104; LEV II 313). 1.2. Im Wortschatz lettischer Mundarten sind Bezeichnungen für den liegenden Zaun verbreitet, die den Zaun nach der liegenden Anordnung seiner Teile charakterisieren. So sind in den Mundarten neben den in der Schriftsprache verwendeten Bezeichnungen (siehe oben) mancherorts auch die Wortverbindungen gulā sēta belegt, z. B. in Kauguri – gulā sēta (R.-Dr. 46); guldeļu sēta, z. B. in Jaunpiebalga (A.). Das Wort gulū „liegend“ hängt mit dem Verb guļt zusammen (ME I 678; LEV I 324). 1.3. In den Mundarten wird zur Bezeichnung des liegenden Zauns mitunter eine Bezeichnung verwendet, die auf die Art der Bearbeitung der Zaunteile verweist. Die Wortverbindung gruopū žuogs ist bislang nur aus Kursīši bekannt (VMP). Das Wort gruōpe wurde in der Bedeutung „die Hohlkehle, Nute, Rinne, Felze“ verwendet und ist aus dem Mittelniederdeutschen grope entlehnt (ME I 671). 1.4. Mancherorts ist im Wortschatz der Mundarten eine Bezeichnung für den liegenden Zaun belegt, die auf das Alter des Zauns verweist. Die Wortverbindung tēvu sēta ist in einer Sammlung von Mundartwörtern aus Valmiera aufgezeichnet: In jungen Jahren sah ich auch Zäune aus liegenden Baumstämmen, die man tēvu sēta nannte. Dafür braucht man viele dicke und gute Baumstämme. Das Wort tēvs vgl. lit. tēvas ist ererbt (ME IV 177). 1.5. In lettischen Mundarten werden Bezeichnungen für den liegenden Zaun verwendet, die auf eine für den Zaunbau charakteristische Handlung verweisen. In ME IV 289 ist die Bezeichnung tvāra für Mēmele sowie tvāre für Mēmele und Nereta verzeichnet. In heutigen Mundartaufzeichnungen findet sich die Variante tvora (LVDA). Das Wort tvāra „ein Zaun aus horizontal liegenden Stangen“ (lit. tvorà „Zaun“) ist mit den derivativen Endungen -a, -e vom Verb tvert abgeleitet (ME IV 289). Da die Bezeichnung im Grenzgebiet zu Litauen belegt ist, könnte sie aus dem Litauischen tvorà „Zaun, Hecke, Grenzmauer“ entlehnt sein, das mit dem Altslawischen tvarm „Erzeugnis, Gegenstand, Schöpfung“ sowie dem Polnischen twarz „Gesicht, Antlitz“ u. a. zusammenhängt (Fraenkel 1962: 1155). 138 Die Bezeichnung vom ā-Stamm ā-celma nosaukums slita mit der Bedeutung „Zaun aus liegenden Hölzern“ findet sich nur noch in Wörterbüchern – ME III 933–4 für Latgale, Mētriene und Zasa; die Bezeichnung vom o-Stamm o-celma nosaukums slits – ME III 933 für Lubāna und Nereta sowie in den Materialien des VMP für Asūne. Die Wortverbindung slitu sētiņa mit der Bedeutung „ein aus liegenden Hölzern gemachter Zaun“ ist in ME III 934 für Zasa verzeichnet und gilt als Präzisierung des Wortes slita oder slits. Die archaische Bezeichnung, die mit dem Suffix sliet (lit. šlieti) durch Lautwechsel und mit den Endungen -ts, -ta gebildet wurde, ist in den Mundarten auf jüngere Zaunformen übertragen worden (ME III 933–4; LEV II 230; Fraenkel 1962: 1006; Lgr 199, 201§; Skardžius 1943: 181–3§). 2. Neben den bereits erwähnten Bezeichnungen werden im Wortschatz lettischer Mundarten auch solche Bezeichnungen für Zäune aus liegenden Hölzern verwendet, die durch metonymische Übertragung aufgrund eines sachlichen Zusammenhangs entstanden sind. Bei den Bezeichnungen für Zäune aus liegenden Hölzern kommt eine Synekdoche zum Einsatz – „... eine Metonymie, der quantitative Beziehungen zwischen Erscheinungen zugrunde liegen“ (Paegle,1980: 11). 2.1. Mehrere Bezeichnungen für Zäune aus liegenden Hölzern sind durch metonymische Übertragung von „Teil des Zauns“ → „Zaun“ entstanden. So können die Bezeichnungen für einen Baumstamm oder eine starke Stange kritenis, kritinis (siehe oben) in den Mundarten auch zur Bezeichnung des Zauns aus liegenden Hölzern selbst verwendet werden; so ist beispielsweise in ME II 281 das Wort kritenis in der Literatur auch mit der Bedeutung „Zaun aus dünnen Balken oder dicken Stangen, deren Enden man von oben in die Rinnen zweier Pfosten fallen lässt“ belegt, während das Wort kritinis in EH I 656 mit derselben Bedeutung in Dunikas aufgezeichnet ist (vgl. auch die Bedeutung der in LLVV 4, 439 verzeichneten Bezeichnung kritenis, kritinis). Die Bezeichnung für eine herausnehmbare Zaunstange vārstulis kann in den Mundarten auch zur Bezeichnung eines Zauns aus liegenden Hölzern verwendet werden; beispielsweise ist das Wort vārstulis in ME IV 509 mit der Bedeutung „=galšēta’ Gudeniekos.“ Das Wort vārstulis mit der Endung -ulis ist vom Stamm des Verbs vārstīt abgeleitet (ME IV 509; Lgr 163§). 2.2. Eine Bezeichnung für einen Zaun aus liegenden Hölzern in lettischen Mundarten ist durch metonymische Übertragung von „Zaun“ → „Teil des Zauns“ entstanden. So wird die Bezeichnung bulverķis in den Mundarten für die liegenden Hölzer eines Zauns verwendet; beispielsweise findet sich in ethnografischen Beschreibungen Kurlands die Wortverbindung bulverķu žuogs (Jaunzems 1940: 20; Kundziņš 1974: 254). Sie ist auch in den Mundartwörterbüchern für Stende verzeichnet: bulvērķ žuoks „ein aus dicken Holzstangen gemachter Zaun“, wobei bulvērķs mit der Bedeutung „dicke Zaunstange“ verwendet wird (Mund. St II 75). Eine Variante mit dem Singulargenitiv im abhängigen Bestandteil der Bezeichnung bulvērķa žuogs ist in den VMP-Materialien für Laidze, Strazde, Spāre, Lubezere und Libāgi belegt. In manchen Mundarten kann die Bezeichnung als Präzisierung des Wortes bulverķis verwendet werden: vgl. die im Lettischen unmotivierte Bezeichnung für einen Zaun aus liegenden Hölzern bulverķis „Bollwerk“, die seit dem 18. Jh. in schriftlichen Quellen erwähnt wird, z. B. St I 31; U I 40; bulverķis „ein aus langen, dicken Hölzern gemachter Zaun“ in Blīdene (Etn. III 162). Die Bezeichnung findet sich auch in einem in Rundāle aufgezeichneten Volkslied – Was sollen wir, Brüder, tun? / Wir nehmen die alten Mädchen. Solange wir Hochzeit halten, / solange werden wir fröhlich leben; wenn die Hochzeit vorbei ist, / schlag auf die Stirn, stoß ins Fass, 139 Schlag auf die Stirn, stoß ins Fass, / Zerschlag sie zu Pulver. Im Herbst werden die Büchsenmacher / sie pfundweise aufkaufen, im Frühjahr werden sie / auf den Rigaer Bollwerken verschießen (LD II 13017 8. var.). Für die Bezeichnung des Flechtzauns sind in den Mundarten viele Varianten belegt, z. B. die phonetische Variante bulverķis; bulveķis ist in LD II 13017 8. var. aus Mežotne verzeichnet, bulvērģis kommt in Zvārde und Lutriņi vor (LVDA), während bulvēģis in den Mundartaufzeichnungen aus Ciecere belegt ist (būlvēģis: auf beiden Seiten des Pfostens Rinnen, darin die Enden der Stangen; zwischen den Stangen Holzstücke von knapp einem Fuß Länge, damit das Schwein nicht hindurchschlüpfen kann LVDA). Variantenreichtum ist gewöhnlich für Entlehnungen charakteristisch, denn „… wenn man ein fremdes, wenig bekanntes Wort sprechen hört, wird es nicht immer so aufgefasst, wie es der Sprecher ausspricht, und so sind verschiedene individuelle Umformungen möglich“ (Kagaine 1993: 12; dazu siehe auch Jansone 1998: 75). Das Wort bulverķis und seine Varianten sind aus dem Ndt. bolwerk ‚Schanz-, Befesti-gungs-, Festigungswerk‘ entlehnt (Sehwers 1936: 20). Aus dem Ndt. bolle ‚Bohle‘ + rick ‚lange Stange‘ entlehnt und daher im Lettischen ebenfalls nicht motivierbar ist die Bezeichnung būldrīkis, die EH I 250 in Dundaga mit der Bedeutung ‚ein ziemlich hoher, zwischen Gebäuden befindlicher Flechtzaun mit grossen Pfählen‘ verzeichnet ist. 3. In einzelnen lettischen Mundarten sind Bezeichnungen für Flechtzäune belegt, deren semantische Motivation und Herkunft unklar sind. Eine davon ist die Wortgruppenbezeichnung kreteņu šēta, die vorerst nur aus ME II 274 ohne Ortsangabe bekannt ist: kreteņu šēta ‚=Zaun, bei dem die Spaltstücke übereinandergelegt sind‘. Bei einer 1995 in Mērdzene durchgeführten Befragung wurde die Wortgruppenbezeichnung lūkņu sētmalis aufgezeichnet. Auch Herkunft und semantische Motivation ihres abhängigen Bestandteils sind unklar. 4. Stellenweise sind im Wortschatz lettischer Mundarten und in schriftlichen Quellen Bezeichnungen für Bestandteile von Flechtzäunen erhalten geblieben, aus denen möglicherweise auch Bezeichnungen für Flechtzäune gebildet wurden. Vorerst nur aus schriftlichen Quellen ist eine Bezeichnung mit der Wurzel kamp- bekannt – kampine ‚Zaunriegel, Zaunholz, das waagerecht zwischen zwei Pfosten eingesetzt wird‘ Etn. I 121 Niča und ME II 151. Die Bezeichnung ist offenbar vom Verbalstamm kampt mit dem Suffix -ine abgeleitet und weist möglicherweise auf eine für das Errichten eines Zauns typische Handlung hin (Lgr 144–5§§). Beim Errichten eines Flechtzauns wurden in diesem Fall die Zaunhölzer waagerecht befestigt, also eingeklemmt, und zwar nicht in der Rinne eines einzelnen Pfostens, sondern zwischen zwei Pfosten. In den VMP-Materialien aus Dviete ist die Bezeichnung žerģi für Zaunrundhölzer belegt. In den Mundartsammlungen wie auch in schriftlichen Quellen sind keine Zaunbezeichnungen mit diesem Wort zu finden. Das Wort žerģi ist eine Entlehnung aus dem Russischen жердь ‚entrindetes, von Ästen befreites gefälltes Holz‘ (Даль 1989: I, 534). Im Gebiet des ehemaligen Fürstentums Wladimir-Susdal in Russland, das im 12. und 13. Jahrhundert bestand, bezeichnet das Wort beispielsweise infolge der Bedeutungsübertragung ‚Zaunholz‘ → ‚Zaun‘ auch einen Flechtzaun (Мельниченко 1974: 129). 140 Wie ersichtlich, wurden auf dem Gebiet Lettlands verschiedene Bezeichnungen zur Beschreibung von gulžogi verwendet. Für diese Bezeichnungen wurden sowohl überlieferte als auch vorwiegend aus dem Deutschen entlehnte Wörter herangezogen. Mit dem Verschwinden der gulžogi aus dem Alltag der Einwohner Lettlands verschwinden auch die beschriebenen Bezeichnungen unweigerlich aus der Sprache der heutigen Sprecher oder erhalten eine andere Bedeutung. ABKÜRZUNGEN g. – Jahr gs. – Jahrhundert g.t. – Jahrtausend ig. – estnisch kr. – russisch latv. – lettisch liet. – litauisch piem. – zum Beispiel p.m.ē. – vor unserer Zeitrechnung p. – polnisch saist. – in Verbindung zu bringen sal. – zu vergleichen skat. – siehe skat. iepr. – siehe oben ssl. – Altkirchenslawisch t.p. – dasselbe u.c. – und andere var. – Variante vlv. – Mittelniederdeutsch LITERATŪRA A.: 1995. autores organizētā aptauja par žogu nosaukumiem. Apals J. 1993: Āraišu ezెrpils, Cēsis. Apv.: Latviešu apvienotā apvidvārdu kartotēka. Broce J. K. Zīmējumi un apraksti 1–2, Rīga, 1992–1996. Cimermanis S. 1994–1998: Būves un to izmantošana lībiešu ciemos. – Līvli, Rīga, 1994, Nr. 8–12; 1995, Nr. 1–7; 1996, Nr. 1–12; 1997, Nr. 1–4; 1998, Nr. 1–2. Cimermanis S. 1990: Latvijas sēta gadsimtu gaitā. – Dabas un vēstures kalendārs 1991, Rīga, 187–197. EH: Endzelīns J., Hauzenberga E. Papildinājumi un labojumi K. Mīlenbaha Latviešu valodas vārdnīcai 1–2, Rīga, 1934–1946. 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GULSČIŲ TVORŲ PAVADINIMAI LATVIŲ KALBOS TARMIŲ LEKSIKOJE Santrauka Daugiausia latvių kalbos tarmėse vartojami gulščių tvorų pavadinimai, kurie apibūdina tvorą pagal: 1) jos vartojamas tvoros dalis, pvz., balkēņu sēta, stulpeņu žuogs; 2) tvoros dalių išdėstymo būdą, pvz., gulšēta; 3) tvoros dalių apdirbimo būdą, pvz., gruōpu žuogs; 4) senumą, pvz., tēvu sēta; 5) veiksmą, kuris būdingas darant tvorą, pvz., slita, tvāre. Keli gulščių tvorų pavadinimai atsirado kaip metonimiško perkėlimo rezultatas: ‘tvoros dalis’ → ‘tvora’, pvz., kritinis, bei ‘tvora’ → ‘tvoros dalis’, pvz., bulverku žuogs. Pavadinimai – tai ir paveldėti, ir dažniausiai iš vokiečių kalbos pasiskolinti žodžiai. Kadangi gulščių tvoros kaip realijos nebelieka Lietuvos gyventojų buityje, ir jų pavadinimai dingsta iš dabartinės kalbos vartotojų kalbos arba jie įgauna kitą reikšmę. 142 BENENNUNGEN DES ZAUNES AUS LIEGENDEN HÖLZERN IN DER LEXIK DER LETTISCHEN MUNDARTEN Zusammenfassung Im Artikel werden mundartliche Benennungen für Zäune aus liegenden Hölzern behandelt. Am meisten werden in den Mundarten des Lettischen solche Benennungen des Zaunes aus liegenden Hölzern gebraucht, die den Zaun folgendermaßen charakterisieren: 1) nach Gebrauch der Zaunteile, z. B. baļķēnu sēta, stulpeņu žuogs; 2) nach der Weise der Unterbringung von Zaunteilen, z.B. guļsēta; 3) nach der Bearbeitung von Zaunteilen, z.B. gruopu žuogs; 4) nach Altertümlichkeit, z.B. tēvu sēta; 5) nach der Tätigkeit, z.B. slīta, tvāre. Mehrere Benennungen des Zaunes aus liegenden Hölzern sind als Ergebnis der metonymischen Übertragung ‘Zaunteile’ → ‘Zaun’, z.B. kritinis, ‘Zaun’ → ‘Zaunteile’, z.B. bulverku žuogs, entstanden. Als Benennungen werden sowohl ererbte als auch hauptsächlich aus dem Deutschen entlehnte Wörter verwendet. Mit dem Verschwinden des Zaunes aus liegenden Hölzern aus dem Alltagsleben der Bevölkerung Lettlands verschwinden auch ihre Benennungen aus der Sprache heutiger Mundartträger, oder aber sie erhalten eine andere Bedeutung. Ineta KURZEMNIECE Gauta 1999 05 22 Latvijas Universitātes Latviešu valodas institūts Akadēmijas lauk. 1 LV–1050, Rīga, Latvija El. pastas [email protected] 143