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Itališkas Ledesmos katekizmas „Dottrina Christiana“: Daukšos panaudoto lenkiško teksto šaltinis

Guido Michelini

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ACTA LINGUISTICA LITHUANICA XLIV (2001), 227–250 PUBLIKATIONEN Quellenpublikationen DER ITALIENISCHE KATECHISMUS LEDESMAS DOTTRINA CHRISTIANA: QUELLE DES VON DAUKŠA VERWENDETEN POLNISCHEN TEXTES Wie bekannt, war der polnische Text des von Daukša übersetzten Katechismus kein Originalwerk, sondern eine Übersetzung aus dem Italienischen. Dies veranlasste mich, die Beziehungen zu italienischen Quellen zu untersuchen und meine Suche bei dem spanischen Jesuiten Jakob Ledesma zu beginnen, dem die Autorschaft des litauischen Buches zugeschrieben wird. Aus einem kürzlich erschienenen, mit Quellen belegten Artikel von G. Aranci über die Katechismen Jakob Ledesmas1 erfuhr ich, dass dieser Autor auf Italienisch zwei verschiedene Katechismen unter dem gemeinsamen Titel Dottrina Christiana (Christliche Lehre) veröffentlichte. Einer davon ist der „kurze“ Katechismus (Dottrina Christiana Breve), dessen ältestes bis heute erhaltenes Exemplar, 1569 gedruckt2, in der Bibliothek der Erzdiözese Bologna aufbewahrt wird; Aranci untersuchte ihn anhand eines 1593 in Rom gedruckten Exemplars3, erwähnte jedoch nicht, dass auch Exemplare weiterer Ausgaben des 16. Jahrhunderts erhalten sind (darunter eines in der Biblioteca di Brera in Mailand4, ein weiteres in der Nationalbibliothek Florenz5 und noch eines in der Vatikanischen Bibliothek6). Das zweite Werk ist eine etwas erweiterte Variante des „kurzen“ Katechismus. Aranci untersuchte es nicht anhand des einzigen Exemplars der Ausgabe von 1576, das in der Biblioteca di Brera in Mailand aufbewahrt wird7 und von dessen Existenz er nichts wusste, sondern anhand einer 1596 erschienenen Übersetzung ins Katalanische8; er stellte jedoch fest, dass in der Biblioteca di Brera in Mailand ein 1596 erschienenes Buch aufbewahrt wird Dottrina Christiana. Stampata d’ordine, et commissione del Molto Illustr. Et Reverendiss. Monsig. Filippo 1 Plg. Aranci G. Le „Dottrine“ di Giacomo Ledesma S. J. (1524–1575), „Salesianum“ 53 (1991), 315–382. 2 Somma della Dottrina Christiana Breve, per insegnar in pochi giorni, per interrogatione, a modo di Dialogo, fra’l Maestro e Discepolo, Bologna, P. Bonardi. 3 Vgl. Aranci, a. a. O., S. 320, Anm. 29. 4 Somma della Dottrina Christiana. Con la sua Breve dichiarationea modo di dialogo fra’l Maestro, e discepolo, Genova, A. Bellone, 1570 (signatūra: Zx 1 44). 5 Dottrina Cristiana breve per insegnare in pochi giorni, et per interrogazioni à modo di Dialogo, fra il Maestro e Discepolo, Florenz, A. Padovani, 1587 (Signatur: Pal 15.E.8.171). Das Werk wurde als Anhang des Buches Scelta d’orazioni devotissime al Signore e alla Vergine gedruckt. 6 Dottrina Cristiana breve per insegnare in pochi giorni, e per interrogazioni a modo di dialogo, fra il Maestro e Discepolo, Florenz, F. Giunti, 1593 (Signatur: Capponi VI.48 (2)). Das Werk wurde als Anhang des Buches Scelta d’orazioni devotissime al Signore e alla Vergine gedruckt. 7 Dottrina Christiana, a modo di dialogo del Maestro, et Discepolo, per insegnare alli Fanciulli, Milano, P. Pontio (signatūra: Musica B 39 (2)). 8 Doctrina Christiana a manera de dialogo entre lo Mestre, y lo Dexeble, Barcelona, J. Cendrat. Das Buch ist im erwähnten Artikel von Aranci abgeschrieben (S. 341 ff.). 228 | Archinto Vescovo di Como.... Per uso della sua Città, et Diocese9 entspricht an vielen Stellen der erwähnten Übersetzung von 159610. Ausgehend vom Buchtitel von 1576 (Dottrina Christiana, a modo di dialogo del Maestro, et Discepolo, per insegnare alli Fanciulli) und der von Aranci vorgelegten Liste der Ausgaben von Ledesmas Katechismen11 lässt sich vermuten, dass die erweiterte Fassung erstmals 1573 in Rom erschien (obwohl bis heute kein Exemplar erhalten geblieben ist), als auch Ledesmas Werk herausgegeben wurde, das dem Katechismusunterricht und dem Singen katholischer Lieder diente12. Da die hier behandelte Fassung später ist als der „kurze“ Katechismus, kann sie als dessen Überarbeitung betrachtet werden. Da Ledesma seit 1557 in Rom lebte13 und innerhalb eines Jahrzehnts die dem Spanischen verwandte italienische Sprache recht gut erlernen konnte, ist es durchaus möglich, dass er beide Katechismen nicht auf Spanisch, sondern auf Italienisch verfasste. Daher ist es nicht verwunderlich, dass es keine Nachrichten über spanische Fassungen dieser Texte aus dem 16. Jahrhundert gibt und dass der umfangreiche, 180 Seiten starke Catecismo, y declaracion breve de la Dottrina Christiana, por preguntas, y respuestas entre Maestro, y Discipulo14 ein anderes Buch ist als der erweiterte Katechismus, während Dottrina Christiana Por interrogaciones à manera de Dialogo, entre el Maestro, y Discipulo15 dem „kurzen“ Katechismus nur teilweise entspricht. Der „kurze“ Katechismus des 16. Jahrhunderts wurde ins Albanische16 und Englische17 übersetzt; die erweiterte Fassung diente neben dem erwähnten katalanischen Text als Grundlage für eine polnische Übersetzung, der wir uns nun zuwenden. Die Übersetzung aus Ledesmas Katechismus macht nur die erste Hälfte des polnischen Buches (und seiner litauischen Übersetzung) aus, denn Krotki obyczay spowiedzi (> Trumpas Budas Pasisċkimo / arba įpažinimo Nūdėmiu) beruht auf anderen Quellen. Beim Vergleich der 1576 erschienenen Dottrina Christiana, a modo di dialogo del Maestro, et Discepolo, per insegnare alli Fanciulli mit der im wissenschaftlichen Daukša-Katechismus18 nachgedruckten ersten Hälfte des polnischen Buches fällt leicht auf, dass der polnische Text vom Kapitel O imieniu á znamięniu Chrześcijańskim/ y o imieniu Páná Chrystusowym y o jego nauce Chrześcijańskiej (S. 466) bis Trzy Boskie Cnoty (S. 528) nur geringfügig von der italienischen Quelle abweicht. Gelegentlich wurden Passagen des Originals ausgelassen: nach dem Satz A Chrystus kto jest? (S. 467, Z. 20), vor dem Kapitel O Pozdrowieniu Pánny Máriey (S. 493, Z. 18), vor dem Satz A czemuż wzywa innych ceremony y zwierzchnych poczciwości (S. 517, Z. 11–13) sowie vor dem Satz Co jest grech (S. 519, Z. 7) – allerdings wurde ein Teil der hier ausgelassenen Zeilen an anderer Stelle eingefügt. 9 Signatur: Musica B 29 (1). 10 Vgl. Aranci G. Min., a. a. O., S. 337, Anm. 69. Arancis Auffassung ist nicht vollständig begründet, denn der italienische Text von 1596 unterscheidet sich beträchtlich von der Ausgabe von 1576, wie ich beim Vergleich dieser beiden Bücher feststellen konnte. 11 Ebenda, S. 339. 12 Modo per insegnar la Dottrina Christiana, Rom, A. Blado. Ein Exemplar wird in der Brera-Bibliothek in Mailand aufbewahrt (Signatur: Musica B 39 (1)). 13 Vgl. Aranci G. Min., a. a. O., S. 316. 14 Ein Exemplar, 1611 in Sevilla gedruckt, wird in der Bayerischen Staatsbibliothek in München aufbewahrt (Signatur: Catech. 406). 15 Ein Exemplar, 1681 in Valencia gedruckt, wird in der Brera-Bibliothek in Mailand aufbewahrt (Signatur: R. Min. 23). 16 Das in der Vatikanischen Bibliothek aufbewahrte Manuskript (zusammen mit seiner Abschrift) wurde in M. Sciambras Monografie La “Dottrina Cristiana” di Luca Matranga, Rom, 1964, 1–199, nachgedruckt. 17 Der Text von 1597 The Christian Doctrine in manner of a Dialogue between the Master and the Disciple wurde im Buch English recusant literature 1558–1640, Volume 2, Menston, 1969, nachgedruckt. 18 Mikalojus Daukšos katekizmas iš 1595 m., Vilnius, 1995, S. 459–534. | 229 auf S. 532 (Z. 7–21) und 533 (Z. 1–3). Ebenso wurde der Originaltext nur selten umgearbeitet: S. 472 (Z. 9–20), S. 495 (Z. 17–22), S. 496 (Z. 6–16), S. 509 (Z. 10–19), S. 520 (Z. 8–13), S. 526 (Z. 2–12). An einer Stelle wurden einige Zeilen eingefügt (S. 500, Z. 20–24), andernorts kurze Kapitelüberschriften. Der polnische Text weicht auf den letzten Seiten stärker ab (S. 528–534), wo die im Original nicht vorhandenen Absätze Piec Smy stów cielesnych und Cztery ostateczne rzeczy człowiecze eingefügt wurden¹⁹. Noch stärker weicht das Vorwort des Buches ab (S. 462–465), das etwas anderes ist als der Text der italienischen Quelle Ammonitione alli Padri, et Madri. Außerdem ließ der polnische Übersetzer die beiden letzten Katechismusabsätze Li Misterij di nostro Signor Giesu Christo und Dell’Ave Maria aus (da ihre Entsprechungen im zweiten Teil des Buches abgedruckt sind²⁰) und verzichtete auf den lateinisch verfassten Anhang Per saper aiutare à servire alla Messa sowie auf die danach abgedruckten Zeilen über „Il modo che si ha da tenere quando si comincia la Dottrina Christina“. Ein Teil der besprochenen Unterschiede lässt sich nicht dem polnischen Übersetzer, sondern dem Umstand zuschreiben, dass er wahrscheinlich eine uns unbekannte italienische Ausgabe oder eine „verbesserte“ Abschrift der Ausgabe von 1576 verwendete, wie sich beim Vergleich des polnischen Buches mit der erwähnten katalanischen Übersetzung von 1596 zeigt: In diesem Text fehlen fast alle Sätze, die in der polnischen Übersetzung ausgelassen wurden (vgl. nach A Chrystus kto jest?, vor A czemuż żywa inych ceremoniy z zwierzchnych poczciwości, vor Co jest grech); die deutlichen Abweichungen der letzten Seiten der polnischen Übersetzung von der Ausgabe von 1576 haben hier genaue Entsprechungen, obwohl die Absätze Dels peccats contra Lesperit sanct ir Dels quatre peccats que demanen venjança davant Deu hinter Le quatre darreries del home versetzt wurden; auch einige kurze Kapitelüberschriften finden sich im katalanischen Text (vgl. z. B.: Wykład Pacierza²¹ ≈ Declaracio del Pater noster; Krotki wykład Sákrámentow²² ≈ Declaracio dels set Sagraments). Es gibt jedoch auch Fälle, in denen sich nur der polnische Text von der Ausgabe von 1576 unterscheidet: Das zeigt sich besonders am Ende des Buches²³ und an den Stellen, die als Bearbeitungen des Originals gelten können. Beim Vergleich des litauischen Textes mit der polnischen Quelle und dem italienischen Original von 1576 (sowie der katalanischen Übersetzung) zeigt sich, dass Daukša sich überall ausschließlich auf das polnische Werk stützen konnte, mit Ausnahme jenes einzigen Falls, in dem die litauische Übersetzung von der polnischen Quelle abweicht und mit dem italienischen Text übereinstimmt: Im polnischen Text fehlen einige Sätze, die sowohl in Daukšas Buch (vgl. S. 95, Z. 8–21, von Mo. Yra tikras Dievas ir tikras žmogus bis M. O Christis kaip išguldzės) als auch im Original (vgl. S. 5a) eine Entsprechung haben. Diesem Ausnahmefall muss jedoch keine besondere Bedeutung beigemessen werden, wenn man annimmt, dass in dem von Daukša verwendeten Buch (oder seiner handschriftlichen Abschrift) die ausgelassenen Zeilen nachgetragen worden waren. Es wurden Dutzende Fälle festgestellt, in denen Zeilen der litauischen Übersetzung weder in der polnischen Quelle noch im italienischen Original eine Entsprechung haben²⁴: vgl. S. 91 (ab Z. 17), S. 93 (bis Z. 9), S. 97 (Z. 8 und 13–14), 19 Diese Absätze fehlen nicht in der oben erwähnten italienischen Bearbeitung von 1596, wo sie am Ende des einleitenden Kapitels abgedruckt sind (S. 15): Li sentimenti del corpo sono cinque 1 Vedere 2 Udire 3 Odorare 4 Gustare 5 Toccare … Le cose ultime dell’huomo sono quattro 1 La Morte 2 Il Giudicio 3 L’Inferno 4 Il Paradiso. Der letzte Absatz wurde vielleicht in Anlehnung an den Schluss von Canisius’ Parvus catechismus catholicorum hinzugefügt (Quae hominis novissima dicuntur? Ea, quae homini ad extremum accidunt, ut Mors, Iudicium, infernus, et caelestis gloria …). 20 Vgl. S. 592–594 und 597–598. 21 S. 488, Z. 18. 22 S. 521, Z. 11–12. 23 Der polnische Übersetzer ließ tatsächlich die beiden letzten Katechismusabsätze Die Geheimnisse unseres Herrn Jesus Christus sowie Über das Ave Maria und den Anhang Um zu lernen, bei der Messe zu helfen und zu dienen aus, der in der katalanischen Übersetzung nach dem Liederbüchlein abgedruckt ist. 24 Dėl aptariamų reiškinių plg. Lebedys J. Mikalojus Daukša, Vilnius, 1963, 207–209. 230 | S. 99 (Z. 1–10), S. 115 (Z. 8–10), S. 125 (ab Z. 10), die ganze S. 127, Z. 129 (bis Z. 14), Z. 131 (ab Z. 6), S. 133 (bis Z. 16), S. 135 (ab Z. 13), S. 137 (bis Z. 5), S. 139 (ab Z. 14), S. 141 (bis Z. 16), S. 145 (Z. 12–19), S. 147 (Z. 10–16), S. 149 (ab Z. 15), S. 151 (bis Z. 14), S. 163 (Z. 13–16), S. 175 (Z. 2–7 und ab Z. 16), S. 177 (bis Z. 7), S. 183 (ab Z. 10), S. 185 (bis Z. 15), S. 193 (Z. 2–8 und ab Z. 13), S. 195 (bis Z. 7), S. 201 (Z. 21), die ganze S. 203, S. 223 (ab Z. 19), S. 225 (bis Z. 8), S. 229 (Z. 5), S. 239 (Z. 4–5 und 15–16), S. 243 (Z. 2–3 und 14–16). Weitaus seltener sind Fälle, in denen polnische Zeilen, die im italienischen Original eine Entsprechung (wenn auch nur eine ungefähre) haben, in der litauischen Übersetzung ausgelassen wurden: vgl. S. 494 (Z. 9–10), S. 508 (Z. 8–11 und 18), S. 516 (ab Z. 17), S. 517 (bis Z. 10), S. 518 (Z. 1–8), S. 521 (Z. 11–14), S. 526 (Z. 1–12). Die erörterten Aspekte erlauben die Schlussfolgerung, dass sowohl der polnische als auch der litauische Übersetzer die verwendete Vorlage teilweise bearbeitete (im einen Fall das italienische Original, im anderen dessen polnische Übersetzung): Das zeigt sich bereits am Titel selbst (Dottrina Christiana, a modo di dialogo del Maestro, et Discepolo, per insegnare alli Fanciulli > Nauka Chrzescianska. Abo Kátechizmik dla dziatek > Kathekismas arba mokslas kiekwienam krikszczioniui priprivalus); die Bearbeitungsweisen waren jedoch unterschiedlich, denn nur Daukša fügte Dutzende neuer Sätze ein. Wahrscheinlich hielten die Übersetzer (und vielleicht vor allem ihre Auftraggeber), da sie wussten, dass Ledesma selbst seinen „kurzen“ Katechismus bearbeitet und erweitert hatte, es für völlig selbstverständlich, die Bearbeitung fortzusetzen, damit das Buch seinen neuen Lesern so nützlich wie möglich wäre (ähnlich verfuhren auch die Franzosen, als sie ihre Übersetzung von 1613 bearbeiteten)25. Da die Änderungen am übersetzten Text das Wesen und die allgemeinen Merkmale von Ledesmas Werk nicht berührten, stand nichts dagegen, es als das Werk eines spanischen Jesuiten vorzustellen. Es gibt daher keinen Grund zu der Annahme, die Bearbeitungen des polnischen Übersetzers könnten durch eine uns unbekannte Ausgabe des italienischen Originals bedingt gewesen sein oder Daukšas Übersetzung könnte auf einer anderen Variante des polnischen Textes beruhen: Nur neue Erkenntnisse (die wohl kaum noch auftauchen werden) könnten die Annahme einer solchen Ansicht rechtfertigen. Um Daukšas Bearbeitungen eingehender zu untersuchen, müsste man beim Vergleich seiner Postille mit der polnischen Vorlage prüfen, ob dort ebenfalls Erscheinungen ähnlicher Art auftreten: Falls ja, ließe sich allgemein folgern, dass Daukša durchaus bereit war, seine Übersetzungen zu ergänzen. Dass er die zweite Hälfte des Katechismus ohne Ergänzungen übersetzte, steht dieser Möglichkeit nicht entgegen: Die Bearbeitung von Gebeten ist etwas schwieriger. Dasselbe lässt sich auch über die Evangelienauszüge in der Postille sagen. Damit litauische Leser die gesamte Kette aus Dottrina Christiana, a modo di dialogo del Maestro, et Discepolo, per insegnare alli Fanciulli > Nauka Chrzescianska. Abo Kátechizmik dla dziatek > Kathekismas arba mokslas kiekwienam krikszczioniui priprivalus überblicken und selbst den Beziehungen zwischen diesen drei Büchern nachgehen können, wird hier der Text der italienischen Ausgabe von 1576 in einer Neuschrift wiedergegeben; dabei ist der Anfang jeder Seite angegeben und, soweit möglich, die heutige Orthografie verwendet. 26 Die christliche Lehre, in Form eines Dialogs zwischen dem Lehrer und dem Schüler, zur Unterweisung der Kinder. Verfasst von Doktor Giacomo Ledesma aus der Gesellschaft Jesu. In Mailand bei Pacifico Pontio, Drucker des erzbischöflichen Hofes. 1576 27 Zusammenfassung einer Bulle Seiner Heiligkeit 25 Vgl. Aranci G., a. a. O., S. 320, Anm. 30. 26 S. 5b. 27 S. 2a. | 231 {....................}. Zusammenfassung einer Bulle unseres Herrn Papst Gregor XIII. {....................} 28 {....................} 29 {....................} 30 Einführung in die christliche Lehre. Nachdem die Kinder versammelt sind, werden sie, nachdem sie das Kreuzzeichen gemacht haben, gemeinsam mit dem Maestro mit dem Folgenden beginnen, das zwei Kinder zu singen anfangen. Ermahnung an die Väter und Mütter. O liebe Christen, ich bitte euch, hört zu und versteht die Pflicht, die ihr alle, Väter und Mütter, habt: Eure kleinen Kinder von klein auf zu lehren, unseren Herrn und süßen Erlöser lieben, ihm dienen und ihn ehren zu können. Er sagte: „Lasst die Kleinen zu mir kommen“, denn in diesem Alter können sie leichter unseren katholischen Glauben, die Gebote und die übrigen Dinge, die zu guten Christen gehören, lernen und annehmen. Da ihr, Väter und Paten, nachlässig darin seid, sie zu unterweisen, weil ihr es nicht könnt oder nicht wollt oder nicht wisst, schickt sie in die Kirchen und Schulen, damit sie den Weg kennenlernen können 31, das von Christo verheißene ewige Leben zu erlangen. Versäumt die Gnade nicht, und daran möge man die Liebe erkennen, die ihr ihnen entgegenbringt. Amen. Giesù. Vom Zeichen des Christen. Jeder gläubige Christ ist sehr verpflichtet, von ganzem Herzen Andacht zum heiligen Kreuz Christi, unseres Lichts, zu haben, da er auf diesem sterben wollte, um uns aus der großen Knechtschaft unserer Sünden und des bösen Feindes loszukaufen. Deshalb sollen wir uns daran gewöhnen, das Kreuzzeichen zu machen und so zu sprechen: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Giesu. Vom Namen und Zeichen des Christen, vom Namen Christi und seiner christlichen Lehre. M. Seid ihr Christ? D. Ja, durch die Gnade unseres Herrn Giesù Christo. M. Warum sagt ihr: durch die Gnade Giesù Christos? D. Weil ich nicht durch die Verdienste meines Vaters noch meiner Mutter, ja nicht einmal 32 irgendeines anderen Geschöpfs Christ bin, sondern durch die Güte Gottes und die Verdienste Christi. M. Was ist ein Christ? D. Er ist ein Jünger Christi, das heißt: Er ist getauft, glaubt und bekennt sich zu seinem Gesetz. M. Welche Würde empfängt der Mensch, wenn man ihn zum Christen macht? 28 S. 2b. 29 S. 3a. 30 S. 4a. 31 S. 4b. 32 S. 5a. 232 | N. Er wird zum Sohn Benedikts, zum angenommenen Sohn Gottes und zum Erben des Himmels. M. Und was ist jemand, der kein Christ ist? D. Er bleibt ein Sohn des Fluches, ein Sklave des Dämons und ohne das Erbe des Himmels. M. Wer ist Christus? D. Er ist wahrer Gott und wahrer Mensch. M. Wie ist er wahrer Gott? D. Weil er wahrer und einziger Sohn Gottes, des allmächtigen Vaters, ist. M. Wie ist er wahrer Mensch? D. Weil er wahrer und einziger Sohn der glorreichen Jungfrau Maria ist. M. Was bedeutet C[hristo?] Gesalbt. M. Warum? D. Weil er mit der Fülle 33 der Gnade des Heiligen Geistes gesalbt worden ist, als höchster König über alle Könige, Priester über alle Priester und Prophet über alle Propheten. M. Was bedeutet Jesus? D. Erlöser, weil er uns mit seinem kostbaren Blut gerettet und erlöst und uns mit seiner christlichen Lehre den Weg zum Heil, das heißt zum Paradies, gelehrt hat. M. Was ist die christliche Lehre? D. Das ist die Lehre, die Christus, unser Herr, uns zuerst durch seine Taten und dann durch seine Worte gelehrt hat; und ebenso die, welche uns die heilige römisch-katholische Mutter Kirche gelehrt hat. Ermahnung. So bedenkt denn, Kinder, dass ihr verpflichtet seid, Christus, unserem Herrn, mit euren Werken nachzufolgen; von ihm habt ihr den Namen empfangen, und er hat euch so große Gnade erwiesen. Vom Zeichen des heiligen Kreuzes. M. Was ist das Zeichen des Christen? D. Das Zeichen des heiligen Kreuzes. M. Warum? 34 D. Weil uns Jesus Christus durch dieses Zeichen erlöst hat. M. Wie macht man es? D. Man macht es, indem man die Hand an den Kopf und an den Körper legt, danach an die linke und die rechte Schulter und dabei spricht: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Jesus. M. Warum macht man es auf diese Weise? D. Per significare doi grandi misterij; l’uno della santissima Trinità, l’altro de l’Incarnatione del nostro Signore Giesù Christo. M. Wie? D. Indem man den Vater am Kopf nennt, weil er der Ursprung der anderen göttlichen Personen ist, den Sohn am Körper, weil er vom Vater ausgeht, und den Heiligen Geist von der einen Schulter zur anderen, weil er vom Vater und vom Sohn ausgeht. M. Warum macht man das Zeichen in Form eines Kreuzes? D. Um das hohe Geheimnis zu bezeichnen: dass der menschgewordene Sohn Gottes uns am Kreuz erlöst hat, von 33 P. 5b. 34 P. 6a. | 233 so dass man sagen kann, das Zeichen des Kreuzes, das wir machen, ist gleichsam eine Zusammenfassung unseres Glaubens. M. Wann sollen wir dieses Zeichen verwenden? Jedes Mal, wenn wir ein Werk beginnen, 35 und wenn wir uns in irgendeiner Notlage befinden, besonders beim Aufstehen aus dem Bett, beim Verlassen des Hauses, beim Betreten der Kirche, beim Essen oder beim Schlafengehen. M. Warum so oft? D. Damit Gott uns an allen Orten und zu allen Zeiten vor unseren Feinden bewahre und alle unsere Werke zur Ehre und zum Ruhm Gottes geordnet und gelenkt werden. Hinweis zum Gebrauch und zur Altertümlichkeit des Zeichens des heiligen Kreuzes. Das Zeichen des heiligen Kreuzes wurde seit den Anfängen der Urkirche bis heute, seit der Zeit der Apostel, gebraucht, wie aus den Schriften der heiligen Kirchenlehrer hervorgeht: des heiligen Augustinus, Serm. De temp. 181; des heiligen Chrysostomus, ad Philip. Homil. 13; des heiligen Augustinus, In Io. Euan. 118. Tract. und In Psal. 30. Concio. 2; des heiligen Basilius, lib. De Spirito san. Cap. 27; August[ino], In Psal. 141; desselben, De sanctis Ser. 19. Ebenso bei der Feier der Sakramente der Taufe und der Firmung. Tertul[liano], De corona militis. Ermahnung. Man ermahne sie, das Kreuzzeichen mit Ehrfurcht und unter Betrachtung der genannten Geheimnisse zu machen, und 36 nicht ohne Andacht, wie es viele tun. Vom Ziel und den notwendigen Dingen für den Christen. M. Zu welchem Ziel ist der Mensch erschaffen? D. Um Gott in diesem Leben zu lieben und ihm zu dienen und ihn danach im anderen Leben zu schauen und sich an ihm zu erfreuen; darin wird unser höchstes Glück bestehen. M. Wie viele Dinge sind für den Christen notwendig, um sein Ziel zu erreichen und gerettet zu werden? D. Vier: Glaube, Hoffnung, Liebe und gute Werke. M. Was glaubt ihr aufgrund des Glaubens? D. Alles, was die heilige römisch-katholische Kirche festhält und glaubt, und vor allem das, was im Credo enthalten ist. M. Sprecht das Credo. D. 1 Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 2 Und an Jesus Christus, seinen einzigen Sohn, unseren Herrn. 3 Er ist empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von Maria, der Jungfrau. 4 Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben. 5 Hinabgestiegen in die Hölle, am dritten Tage auferstanden von den Toten. 6 Aufgefahren in den Himmel 37Sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. 7 Von dort wird er kommen, um die Lebenden und die Toten zu richten. 8 Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche. 9 Die Gemeinschaft der Heiligen. 10 Die Vergebung der Sünden. 11 Die Auferstehung des Fleisches. 12 Das ewige Leben. Amen. Jesus. M. Sagt es in der Volkssprache. D. Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 2 Und an Jesus Christus, seinen einzigen Sohn, unseren Herrn. 3 Er wurde durch den Heiligen Geist empfangen und von Maria, der Jungfrau, geboren. 4 Er litt unter Pontius Pilatus, wurde gekreuzigt, starb und wurde begraben. 5 Er stieg hinab in die Hölle, am dritten Tag stand er von den Toten auf. 6 Er stieg zum Himmel auf und sitzt zur Rechten Gottes, des Vaters 35 P. 6b. 36 S. 7a. 37 S. 7b. 234 | Allmächtiger. 7 Von dort wird er kommen, um die Lebenden und die Toten zu richten. 8 Ich glaube an den Heiligen Geist. Die heilige katholische Kirche. 9 Die Gemeinschaft der Heiligen. 10 Die Vergebung der Sünden. 11 Die Auferstehung des Fleisches. 12 Das ewige Leben. Amen. Jesus. M. Was haben wir gesagt? D. Das Glaubensbekenntnis. M. Wer hat das Glaubensbekenntnis verfasst? 38 D. Die zwölf Apostel, als sie in die Welt hinausziehen wollten, um das heilige Evangelium überall zu verkünden. M. Warum haben sie es verfasst? D. Um uns im Glauben zu unterweisen. M. Was ist im Glaubensbekenntnis enthalten? D. Zwölf Artikel, das heißt zwölf Hauptteile des Glaubens. M. Wem gehören diese Artikel? D. Der erste gehört dem Vater, die folgenden sechs dem Sohn, die letzten fünf dem Heiligen Geist. Auslegung des Credo. M. An wen glaubt ihr? D. Ich glaube an Gott, der die heiligste Dreifaltigkeit ist. M. Was meint ihr, wenn ihr von der heiligsten Dreifaltigkeit sprecht? D. Vater, Sohn und Heiliger Geist: drei Personen und ein einziger Gott. M. Ist der Vater Gott? D. Ja, Vater. M. Ist der Sohn Gott? D. Ja, Vater. M. Ist der Heilige Geist Gott? D. Ja, Vater. M. Sind es drei Götter? D. Nein, denn obwohl sie drei verschiedene Personen sind, ist es dennoch ein einziger Gott. M. Warum wird er Gott genannt? 39 D. Weil er als Herr und Lenker des Ganzen alles sieht und für alles sorgt. M. Welche Ähnlichkeit könnt ihr mir geben40 mit der heiligsten Dreifaltigkeit. D. So wie wir, die nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen sind, eine einzige Seele und drei Kräfte haben: Gedächtnis, Verstand und Willen. M. Wer hat Himmel und Erde aus dem Nichts erschaffen? D. Gott Vater, zusammen mit dem Sohn und dem Heiligen Geist. M. Warum wird er allmächtig genannt? D. Weil er mit seinem alleinigen Willen und seiner unendlichen Macht alles erschaffen und zunichtemachen kann. M. Glaubt ihr an Jesus Christus? D. Ja, Vater. M. Wer ist Jesus Christus? D. Er ist der Sohn Gottes des Vaters, ebenso mächtig, ebenso weise und ebenso gut wie der Vater, der 38 S. 8a. 39 S. 8b. 40 Gedruckt willst du. | 235 Sohn Gottes, wurde für uns im Schoß der glorreichen Jungfrau Maria Mensch. M. Wie geschah dies? D. Nicht durch das Wirken eines Menschen, sondern durch das Wirken des Heiligen Geistes; sie blieb Jungfrau vor, während und nach der Geburt. So hat sie im Himmel keinen 41Mutter und auf Erden keinen Vater. M. Warum wurde er gekreuzigt, starb und wurde begraben? D. Aus Liebe zu uns, um uns von unseren Sünden, aus den Händen unserer Feinde, vom Tod und von der Hölle zu befreien; so hat er uns mit seinem kostbaren Blut am Holz des Kreuzes erlöst. M. Waren wir also Sklaven, die er erlöst hat? D. Ja, von unseren Sünden und vom Dämon. Ermahnung. Man kann die Sünde unseres ersten Vaters, ihre Folgen und das Elend, das durch die Sünde eingetreten ist, erläutern sowie darlegen, wie sehr wir Christus, unserem Erlöser, verpflichtet sind. M. Was tat Christus, unser Herr, als er zur Hölle hinabstieg? D. Er befreite die Seelen der heiligen Väter und die anderen heiligen Seelen, die im Limbus auf seine heilige Ankunft warteten. M. Wie ist er am dritten Tag auferstanden? D. Er ist vom Tod zum Leben auferstanden, mit verherrlichtem Leib und verherrlichter Seele, um niemals mehr zu sterben. M. Wie ist er in den Himmel aufgefahren und sitzt zur Rechten Gottes, des Vaters? 42 D. Aus eigener Kraft und Macht stieg er nach vierzig Tagen über alle Himmel und alle Engel hinauf; dort weilt er in seiner großen Herrlichkeit als Sohn Gottes. M. Wie wird er von dort kommen, um die Lebenden und die Toten zu richten? D. Der Tag des Jüngsten Gerichts, der das Ende der Welt sein wird, wird vom Himmel mit großer Majestät und Macht, begleitet von den Engeln und Heiligen, kommen, um alle Menschen zu richten und jedem nach seinen Werken zu vergelten. M. Glaubst du an den Heiligen Geist? D. Ja, er ist wahrer Gott, die dritte Person der Allerheiligsten[ima] Dreifaltigkeit, der der heiligen katholischen Kirche Gnade und seine Gaben schenkt. M. Was ist die heilige katholische Kirche? D. Sie ist die gesamte Gemeinschaft der gläubigen Christen, die den Glauben an Jesus Christus haben und bekennen; ihr Haupt ist 43 Christus selbst und der Papst sein Stellvertreter auf Erden. M. Und welches Übel wird dem widerfahren, der der Kirche nicht gehorcht? D. Wer die Kirche nicht zur Mutter haben will, wird Gott nicht zum Vater haben. M. Was versteht ihr unter der Gemeinschaft der Heiligen? D. Dass alle, die in dieser 44 Kirche sind, gemeinsam an den Opfern, Sakramenten und guten Werken teilhaben, die dort vollbracht werden, so wie im Leib ein Glied an der Kraft des anderen teilhat. M. Wie werden die Sünden vergeben? D. Durch das Verdienst des Leidens unseres Herrn Jesus Christus, mittels der heiligen Sakramente, wenn wir das tun, wozu wir verpflichtet sind. 41 S. 9a. 42 S. 9b. 43 Gedruckt e. 44 S. 10a. 236 | M. Und wer die Sakramente nicht empfangen könnte? D. Es genügte der Wunsch und die Absicht, sie zu empfangen, wenn man alles tut, wozu man verpflichtet ist. M. Wie wird die Auferstehung des Fleisches sein? D. Am Tag des Jüngsten Gerichts werden alle Toten mit Leib und Seele auferstehen: die Guten herrlich und schön, die Bösen dagegen hässlich und elend. Hinweis. Man kann die Herrlichkeit der Auferstehung und der verherrlichten Leiber sowie die Gaben der Seele usw. erklären. M. Was ist das ewige Leben? D. Es ist die Herrlichkeit des Paradieses, das heißt, Gott für immer zu sehen und sich seiner zu erfreuen, alles Gute und keinerlei Übel zu haben; dorthin werden die Guten gehen, die Bösen aber ins Feuer, 45 und in die ewigen Qualen der Hölle. M. Und wer geht zu den Strafen des Fegefeuers? D. Die Seelen derer, die in der Gnade Gottes sterben und für ihre Sünden nicht vollständig Genugtuung geleistet haben; nachdem sie die geschuldeten Strafen verbüßt haben, werden sie ins Paradies gehen. M. Was bedeutet Amen? D. So sei es. Ermahnung. Darum, o Kinder, bemüht euch, unserem Herrn Jesus Christus eifrig zu dienen, damit ihr zu den Guten und seinen Auserwählten gehört und nicht in die Hölle kommt. Von der zweiten für den Christen notwendigen Sache, nämlich der Hoffnung. M. Was hofft ihr durch die Hoffnung auf Gott zu erlangen? D. Das ewige Leben, das man hauptsächlich durch die göttliche Gnade und danach durch die Verdienste erlangt, die mit ihr aus uns hervorgehen. M. Was brauchen wir, um die Dinge zu erlangen, auf die wir hoffen? D. Unter anderem das Gebet. M. Welches Gebet lehrt uns die Kirche? 46 D. Das Vaterunser, das Ave Maria, das Salve Regina und andere. M. Sprechen Sie das Vaterunser. D. Vater unser, der du bist im Himmel 1 Geheiligt werde dein Name: 2 Dein Reich komme. 3 Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. 4 Unser tägliches Brot gib uns heute. 5 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. 6 Und führe uns nicht in Versuchung. 7 Sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen. Iesus. M. Sprechen Sie es in der Volkssprache. D. Vater unser, der du bist im Himmel, 1 geheiligt werde dein Name. 2 Dein Reich komme. 3 Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 4 Gib uns heute unser tägliches Brot. 5 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern. 6 Und führe uns nicht in Versuchung. 7 Sondern erlöse uns von dem Übel. Amen. Jesus. Auslegung des Vaterunsers. M. Was ist die erste Bitte? D. Sie lautet: Vater unser, der du bist im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Die zweite lautet: Dein Reich komme. 45 S. 10b. 46 S. 11a. | 237 47 Die dritte: Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Die vierte. Gib uns heute unser tägliches Brot. Die fünfte. Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben. Die sechste. Und führe uns nicht in Versuchung. Die siebte. Sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen. M. Was haben wir gesagt? D. Das Vaterunser. M. Wer hat das Vaterunser verfasst? D. Unser Herr Jesus Christus, der es mit seinem heiligsten Mund gesprochen hat. M. Warum hat er es verfasst? D. Um uns das Beten zu lehren. M. Mit wem spricht man darin? D. Mit Gott, unserem Herrn. M. Gibt es ein anderes Gebet, das besser ist als dieses? D. Nein, Vater: Dieses ist das vortrefflichste, weil unser Herr Christus es verfasst und seinen Jüngern gegeben hat und weil wir darin die wichtigsten Dinge erbitten, um die wir Gott bitten sollen. M. Was wird in diesem ersten Teil getan: Vater unser, der du bist im Himmel? D. Der Geist erhebt sich demütig zu Dio, 48 und voller Hoffnung, um anschließend zu bitten. M. Warum nennen wir Dio Vater? D. Weil wir uns, wenn wir ihn Vater nennen, an die große Liebe erinnern, die er uns entgegenbringt, und ihn so mit größerem Vertrauen bitten. M. Warum sagen wir „unser Vater“ und nicht „mein Vater“? D. Weil er der Vater aller ist und wir alle Brüder sind; darum sollen wir einander wie Brüder und Kinder eines so guten Vaters lieben. M. Wo ist Dio? D. Im Himmel, auf Erden und an jedem Ort. M. Warum sagen wir dann, dass du im Himmel bist? D. Weil man dort das Angesicht Gottes sieht, wo unsere Heimat ist, und dort seine Macht und Majestät deutlicher offenbar wird. Hinweis. Hier kann man über die Liebe zum Himmel und die himmlische Herrlichkeit sowie die Geringschätzung der irdischen Dinge sprechen. M. Worum bitten wir in den sieben folgenden Bitten? D. Zuerst erbitten wir die Ehre und Herrlichkeit Gottes. 2. Die Seligkeit, zu der wir erschaffen sind. 49 3. Die wichtigsten Dinge, um dorthin zu gelangen. M. In welcher Bitte wird um die Herrlichkeit Gottes gebeten? D. Im ersten, indem wir sagen: Dein Name werde geheiligt. M. Und unsere Seligkeit? D. Im zweiten, der lautet: Dein Reich komme, das heißt, dass er durch die Gnade hier über uns herrsche und danach in der Herrlichkeit. 47 S. 11b. 48 S. 12a. 49 S. 12b. 238 | M. Wenn Gott nicht über uns herrscht, wer wird dann herrschen? D. Unsere Feinde, nämlich die Welt, das Fleisch und der Dämon. M. Und wo werden die anderen notwendigen Dinge erbeten? D. In den anderen fünf Bitten. M. Was erbitten wir also in der dritten, die nun folgt? D. Dass wir den Willen Gottes hier auf Erden tun, wie ihn die Engel und Seligen im Himmel tun. M. In der vierten? D. Dass er uns das leibliche Brot und den Lebensunterhalt gebe sowie das geistliche Brot, das das heiligste Sakrament ist, und seine Gnade samt seinen übrigen Gaben. In der fünften? Dass er uns unsere Sünden und Verfehlungen vergibt, wie auch wir den anderen vergeben, 50 und ebenso wird Gott mit uns handeln, wie wir mit ihnen handeln. Hinweis. Hier kann man zur Vergebung der Beleidigungen ermahnen. M. In der sechsten? D. Dass er uns nicht in Versuchungen fallen lässt, sondern uns hilft, sie zu überwinden und nicht zu sündigen. M. In der siebten? D. Dass er uns von allem Übel befreit, das heißt, von dem der Seele und des Leibes sowie von unserem Feind, dem Dämon. M. Was ist das größte aller Übel? D. Die Sünde. M. Was ist schlimmer und hässlicher: die Sünde oder der Dämon? D. Die Sünde ist viel schlimmer, denn allein durch die Sünde ist der Dämon so hässlich geworden. Ermahnung. Hier kann man sagen, dass der Dämon von Natur aus schön war usw.; wenn wir also ohne Sünden wären, wären auch wir schön, den Engeln ähnlich usw., und man kann über die Hässlichkeit der Sünde sprechen usw. M. Was bedeutet „Amen“? D. So sei es. 51 Ermahnung. Hoffen wir also auf Gott, der uns alles gewähren wird durch seinen Sohn, der uns dieses Gebet gelehrt hat. M. Sprich das Ave Maria. D. Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum, benedicta tu in mulieribus. Et benedictus fructus ventris tui, Iesus. Sancta Maria, Mater Dei, ora pro nobis peccatoribus nunc et in hora mortis nostrae. Amen. Giesù. M. Sprich es in der Volkssprache. D. Gott grüße dich, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen. Giesù. M. Was haben wir gesagt? 50 S. 13a. 51 S. 13b. 239 D. Das Ave Maria. M. Wer hat das Ave Maria verfasst? D. Der Engel Gabriel, als er kam, um die Madonna zu grüßen; hinzugefügt sind einige Worte der heiligen Elisabeth und der Kirche. M. Mit wem spricht man im Ave Maria? D. Mit der Madonna. M. Wer ist die Madonna? 52 D. Sie ist die Mutter Gottes, Jungfrau, voll der Gnade und aller Tugenden, Königin des Himmels und der Erde und unsere Fürsprecherin. M. Wo ist die Madonna? D. Sie ist im Himmel. M. Und jene, die in der Kirche ist? D. Sie ist ein Abbild jener, die im Himmel ist, um uns an sie zu erinnern, und53 vor ihrem Abbild erweisen wir ihr zu ihrer Ehre die Ehrerbietung. M. Da es viele Bilder der Madonna gibt, gibt es wohl auch viele Madonnen? D. Nein, Vater, sondern nur eine, die im Himmel ist: Sie wird durch die Bilder dargestellt, die auf Erden sind. M. Warum nennen wir die Madonna dann die Madonna der Barmherzigkeit, des Beistands, des Trostes und mit anderen Namen? D. Sie wird mit so vielen Namen genannt wegen der vielen und verschiedenen Wohltaten, die sie uns als Mutter Gottes, Mutter der Barmherzigkeit und als eine, die so viel bei ihm vermag, erweist. M. Was sagt man im Ave Maria? D. Wir grüßen sie und loben sie und empfehlen uns ihr an. Ermahnung. Bemüht euch, Kinder, der Jungfrau Maria sehr ergeben zu sein, denn sie wird eure Fürsprecherin sein usw. 54 M. Sprecht das Salve Regina. D. Sei gegrüßt, Königin, Mutter der Barmherzigkeit, Leben, Süße und unsere Hoffnung, sei gegrüßt. Zu dir rufen wir, die verbannten Kinder Evas. Zu dir seufzen wir, trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen. Wohlan denn, unsere Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen zu uns. Und Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes, zeige uns nach diesem Exil. O milde, o gütige, o süße Jungfrau Maria. Bitte für uns, heilige Gottesgebärerin, auf dass wir der Verheißungen Christi würdig werden. Amen. Jesus. M. Sprecht es in der Volkssprache. D. Gott behüte dich, Königin, Mutter der Barmherzigkeit, Leben, Süße und unsere Hoffnung, Gott behüte dich. Dich rufen wir an, wir verbannten Kinder Evas. Zu dir seufzen wir, trauernd und weinend in diesem tränenreichen Tal. Wohlan denn, unsere Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen uns zu; und nach diesem Exil zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O milde, o gütige, o süße Jungfrau Maria. Bitte für uns, heilige Mutter Gottes, damit wir der Verheißungen Christi würdig werden. Amen. Jesus. 52 S. 14a. 53 Gedruckt in. 54 S. 14b. 240 | 55 M. Was haben wir gesagt? D. Das Salve Regina. M. Wer hat das Salve Regina gelehrt? D. Die heilige Mutter Kirche. M. Mit wem spricht man? D. Mit derselben Jungfrau Maria. M. Was56 sagt man darin? D. Andere Lobpreisungen der Jungfrau, wobei man auch um ihre Gunst und Hilfe bittet. Über die Gebete und die Anrufung der Heiligen. M. Habt ihr nach der Jungfrau Maria auch anderen Heiligen Verehrung entgegengebracht? D. Ja, Vater, allen, als Freunden Gottes und unseren Fürsprechern in der Herrlichkeit, besonders meinem Schutzengel, das heißt dem Engel, der über mich wacht, und dem Heiligen meines Namens. M. Und ihren Reliquien? D. Ich erweise ihnen ebenfalls Ehre, weil sie Tempel des Heiligen Geistes gewesen sind und mit den verherrlichten Seelen vereint werden sollen. M. Welches Gebet sprecht ihr für sie? D. Die, die uns die Kirche lehrt; auch zu ihrer Ehre spreche ich das Vaterunser und das Ave Maria, damit sie für mich Fürsprache einlegen. 57 M. Welches Gebet pflegt ihr zu sprechen, wenn ihr zu Bett geht? D. Doi cose faccio, prima fattomi il segno della Croce, faccio l'essamine della conscienza. Secondo dico la Confessione generale, il Pater noster, et l'Ave Maria, et altre mie divotioni. M. Wie nehmt ihr die Gewissenserforschung vor? D. Zuerst danke ich Gott für die empfangenen Wohltaten, danach denke ich über meine Sünden nach, besonders über die dieses Tages, bereue sie, nehme mir vor, mich zu bessern und zu beichten. Drittens bitte ich Gott, mir diese zu vergeben, und fasse den festen Vorsatz, nicht mehr zu sündigen. M. Und was tut ihr am Morgen? D. Ich danke Gott abermals, dass er mich in jener Nacht behütet hat, und für die anderen Wohltaten; ich opfere ihm meinen Leib und meine Seele und alles, was ich in seinem heiligen Dienst tun werde, und verrichte auch andere meiner Andachten, innerliche und mündliche, das heißt mit dem Geist und mit der Stimme. Von der dritten für den Christen notwendigen Sache, nämlich der Liebe. M. Was ist die dritte notwendige Sache 58 für den Christen? D. Die Liebe. M. Wen sollen wir mit der Liebe lieben? D. Gott über alles und den Nächsten wie uns selbst aus Liebe zu Gott. M. Wie über alles? D. Weil wir eher sterben als ihn beleidigen sollen; außerdem müssen wir alle seine heiligen Gebote befolgen und ihn höher schätzen als alles andere. M. Wie werdet ihr den Nächsten lieben wie euch selbst? D. Indem wir für ihn wünschen und ihm tun, was wir für uns selbst wünschen, gemäß der Vernunft und dem Gesetz Gottes. 55 S. 15a. 56Che ist zweimal gedruckt. 57 S. 15b. 58 S. 16a. | 241 M. Warum sagt ihr: gemäß der Vernunft und dem Gesetz Gottes? D. Denn sonst wäre es kein Wohlwollen ihnen gegenüber, sondern ihnen Böses zu wollen, wie uns selbst. Hinweis. Hier kann die Bedeutung der Liebe und die Ordnung der Nächstenliebe erläutert werden. Von der vierten für den Christen notwendigen Sache, nämlich den guten Werken. M. Was ist die vierte für den Christen notwendige Sache? 59 D. Die guten Werke; denn nachdem man das Alter der Unterscheidungsfähigkeit erreicht hat, genügt der Glaube ohne gute Werke nicht. M. Was sind die guten Werke? D. Diejenigen, die gemäß der Vernunft oder dem Willen Gottes getan werden; und damit sie verdienstvoll sind, müssen sie aus der Nächstenliebe hervorgehen. M. Und sind jene Werke, die ohne Nächstenliebe getan werden, überhaupt etwas wert? D. Nicht, um Gnade und Herrlichkeit zu verdienen; doch nützen sie, damit unser Herr uns durch sie Gesundheit und zeitliche Güter gewähre und uns zur Erkenntnis der Sünde und zu deren Bereuen führe. M. Welches sind diese guten Werke? D. Jene, die uns in den zehn Geboten Gottes und in den übrigen Geboten der Kirche auferlegt sind, zusammen mit den Werken der Barmherzigkeit und den anderen Tugenden. M. Sagt die zehn Gebote auf. D. Die Gebote des Gesetzes Gottes, bestätigt durch Giesù Christo, sind zehn. 1 Das erste. Ich bin der Herr, dein Gott; du sollst keine anderen Götter neben mir haben. 2 Das zweite. Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen. 3 Das dritte. Gedenke 60, die Feiertage zu heiligen. 4 Das vierte. Ehre Vater und Mutter, damit du lange lebst auf Erden. 5 Das fünfte. Du sollst nicht töten. 6 Das sechste. Du sollst nicht ehebrechen. 7 Das siebte. Du sollst nicht stehlen. 8 Das achte. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden. 9 Das neunte. Du sollst nicht begehren die Frau deines Nächsten. 10 Das zehnte. Du sollst nichts anderes begehren, was deinem Nächsten gehört. Diese zehn Gebote kommen aus deinen Vorschriften der Nächstenliebe. Das erste. Gott lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzem Verstand und mit all deinen Kräften. Das zweite. Deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Amen. Giesù. Erläuterung der zehn Gebote. M. Wo hat Gott diese zehn Gebote gegeben? D. Zuerst im alten Gesetz; danach hat Christus, unser Herr, sie im neuen bestätigt. M. Wie werden sie eingeteilt? D. Die ersten drei beziehen sich auf die Ehre Gottes, die übrigen sieben auf den Nutzen des Nächsten. 61 M. Wie beziehen sich diese drei auf die Ehre Gottes? D. Weil er will, dass wir ihm zuerst mit dem Herzen, dann mit der Zunge und drittens mit den Werken dienen. M. Wie sollen wir das erste Gebot halten? D. Indem wir den einen Gott anbeten, ihn fürchten, ehren und ihm mit ganzem Herzen dienen und von ihm alle unsere Hilfe und Belohnung erwarten, da er der Urheber alles Guten ist. M. Wer sündigt gegen dieses Gebot? 59 P. 16b. 60 P. 17a. 61 P. 17b. 242 | D. Vor allem diejenigen, die Götzendienst, Aberglauben62 und Zauberei betreiben, die der Ehre Gottes zuwiderlaufen. M. Wie werden wir das zweite halten? D. Indem wir Gott mit unserer Zunge loben und ihm danken und um das bitten, was wir benötigen. M. Wer sündigt gegen dieses Gebot? Erstens diejenigen, die den Namen Gottes und seiner Heiligen lästern. Zweitens diejenigen, die schwören, was nicht wahr, gerecht und notwendig ist. Drittens diejenigen, die ihre versprochenen Gelübde nicht halten, sowie andere, die dem Namen Gottes nicht die gebührende Ehrfurcht erweisen. M. Warum sagt Ihr: wahr, gerecht und notwendig? 63 D. Weil ein Eid wahrhaftig sein muss und sich auf etwas beziehen muss, von dem man sichere Kenntnis hat; gerecht, das heißt, auf eine erlaubte Sache; notwendig, das heißt, auf eine wichtige Sache; andernfalls sündigt man. Außerdem ist Ehrfurcht gegenüber dem geboten, bei dem man schwört. M. Kennt Ihr irgendein Mittel, damit man niemals einen Meineid schwört? D. Mein Herr, ja: niemals schwören. M. Was werdet Ihr sagen, wenn Ihr etwas glaubhaft machen wollt? Ja oder nein, gewiss oder in Wahrheit; denn das ist kein Schwören, und mehr als das zu sagen ist nicht gut. Ermahnung gegen Gotteslästerungen, Meineide und häufiges Schwören sowie zur Einhaltung der Gelübde. M. Wie werden wir das dritte Gebot halten, das da lautet, die Feiertage zu heiligen? D. Indem wir durch äußere Werke den Glauben und die Liebe bezeugen, die wir unserem Herrn und Gott entgegenbringen. M. Wodurch werden wir diese Liebe zeigen? D. Indem wir an solchen Tagen nicht arbeiten und die ganze Messe hören, wie es die Kirche anordnet, mit Andacht und Aufmerksamkeit, 64 und auch dafür sorgen, dass die Seinen die Messe hören. M. Was noch? D. Man sollte den Tag auch mit Dingen verbringen, die dem Dienst Gottes dienen, etwa mit Beten, dem Lesen guter Bücher und Werken der Barmherzigkeit. Ermahnung, die Feiertage zu halten, und gegen jene, die sie mit schlechten und eitlen Werken verbringen. M. Wie sollen wir das vierte Gebot erfüllen, Vater und Mutter zu ehren? D. Wir müssen ihnen gehorchen, sie ehren, ihnen dienen und ihnen helfen. M. Und wenn euer Vater euch befehlen würde, eine Lüge zu sagen oder eine Sünde zu begehen, müsstet ihr ihm dann gehorchen? D. Nein, Vater, denn ich bin nicht verpflichtet, ihm gegen Gott zu gehorchen, wohl aber in erlaubten und ehrbaren Dingen. M. Wie viele Arten von Vätern gibt es? D. Vier: erstens die leiblichen Väter, die uns gezeugt haben, sowie die Großväter. Zweitens die geistlichen Väter, wie Priester, Prälaten und Lehrer. Drittens die Regierenden der Republik. Viertens die alten Menschen aufgrund ihres Alters; und alle müssen wir entsprechend ihrem Rang ehren. M. Wie sollen sich gute Väter gegenüber 65 den Kindern verhalten? 62Abgedruckt Aberglauben. 63 S. 18a. 64 S. 18b. 65 S. 19a. 243 D. Sie sollen sie unterweisen und leiten und sie weder zu streng bestrafen noch zu sehr verwöhnen, sondern beides mit Maß halten. M. Wie soll sich der Diener oder Untergebene gegenüber seinem Herrn verhalten? D. Wie ein Sohn gegenüber dem Vater, indem er ihm an Christi, unseres Herrn, statt Ehrfurcht erweist. M. Und die Herren gegenüber den Dienern? D. Wie Väter gegenüber ihren Söhnen oder wie Brüder in Christus. M. Wie sollen wir das fünfte Gebot halten? D. Indem wir dem Nächsten weder im Herzen noch mit der Zunge noch durch unsere Taten schaden wollen oder Schaden zufügen und daran denken, dass er nach dem Bild Gottes geschaffen ist. M. Wie sollen wir das sechste halten? D. Auf dieselbe Weise, indem wir jede Unkeuschheit meiden, nicht nur in unseren Taten, sondern auch mit der Zunge und im Herzen, wie es im neunten Gebot vorgeschrieben ist. M. Welche Mittel werden wir anwenden, um dieses Gebot zu halten? D. Es gibt viele Mittel, doch unter den anderen sind diese fünf besonders wirksam. Erstens: sich beim Essen und Trinken mäßigen. Zweitens: schlechte Gesellschaft meiden. Drittens: keine schlechten Bücher lesen, keine unanständigen Worte oder Lieder sprechen oder singen und sie, soweit möglich, auch nicht anhören. Viertens: häufig die heiligsten Sakramente empfangen. Fünftens: die allerheiligste Jungfrau Maria um Reinheit bitten, damit sie sie uns bei Gott erwirke. M. Wie sollen wir das siebte halten? D. Indem wir fremdes Gut weder gewaltsam noch durch Betrug an uns nehmen, zurückbehalten oder beschädigen, und weder Hilfe, noch Rat, noch irgendeinen Anlass dazu geben, dass andere dies tun. Ermahnung, fremdes Gut und den Lohn des Tagelöhners nicht zurückzubehalten. Man soll kein Spieler sein und keine unerlaubten Geschäfte treiben, sodass man, um Besitz zu gewinnen, sein Gewissen verliert. Ebenso soll man sich in zweifelhaften Angelegenheiten beraten lassen und bei der Erfüllung von Testamenten nicht blindlings vorgehen. Denn wenn du fremdes Gut besitzt, soll der Dämon nicht deine Seele besitzen. Armut soll man geduldig ertragen und auf Gott hoffen und ihn fürchten; er wird dir geben, was du brauchst. M. Wie sollen wir das achte halten? D. Indem wir nichts Falsches gegen den Nächsten sagen. 67 Nicht lästern. Verborgene Sünden nicht aufdecken (es sei denn, um sie dem Zuständigen mitzuteilen, damit Abhilfe geschaffen wird, oder aus einem anderen guten und angemessenen Grund); nicht schlecht über den Nächsten urteilen und keine Lügen erzählen, sondern vielmehr Gutes sagen, so wie du möchtest, dass andere über dich sprechen. M. Wie sollen wir das neunte halten? D. Indem man nicht die Frau eines anderen begehrt und keine andere Unkeuschheit begeht. Deshalb ist es gut, die Augen und die übrigen Gelegenheiten zu bewachen, um das Herz zu behüten, und zum Gebet Zuflucht zu nehmen, um die Versuchungen zu vertreiben. M. Wie werden wir das zehnte Gebot halten? D. Indem man weder das Hab und Gut noch irgendetwas anderes des Nächsten auf unerlaubte Weise begehrt und ihn auch nicht um seine Güter beneidet. M. In wie viele Gebote lassen sich diese zehn Gebote zusammenfassen? D. Nelli doi precetti della Carità, cioè amare Dio sopra ogni cosa, et il prossimo come se stesso per amore di Dio, tal che tutta la legge di Dio si contiene in questo soave precetto dall’a- 66 P. 19b. 67 P. 20a. 244 | mehr, das unser Herr uns aus seiner unendlichen Güte schenkt. M. Nennt die Gebote der Kirche? 68 D. Die Gebote der heiligen Mutter Kirche sind fünf. 1. Das erste: an den gebotenen Festtagen die Messe hören. 2. Das zweite: in der Fastenzeit und an den anderen gebotenen Tagen fasten und am Freitag und Samstag auf Fleisch verzichten. 3. Das dritte: mindestens einmal im Jahr beichten. 4. Das vierte: mindestens zu Ostern die Kommunion empfangen. 5. Das fünfte: den Zehnten nach Brauch entrichten. M. Aus welchem Grund feiert die Kirche die Feste der Heiligen? D. Erstens, um Gott in seinen Heiligen zu verherrlichen. Zweitens, damit wir die Herrlichkeit erkennen, die sie im Himmel haben. Drittens, damit wir sie nachahmen, indem wir ihr Leben und ihre Tugenden kennenlernen. Viertens, damit wir sie zu unseren Fürsprechern haben. Fünftens will die Kirche ihre heiligen Kinder ehren, wie diese Gott und die Kirche geehrt haben. M. An welchen Tagen muss man fasten? D. Während der ganzen Fastenzeit, außer an den Sonntagen. An den vier Quatemberzeiten des Jahres, die in die vier Jahreszeiten fallen, nämlich Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Im Frühling nach dem ersten Sonntag der Fastenzeit. Im Sommer in der ersten Woche nach Pfingsten. Im Herbst nach dem Fest der Kreuzerhöhung im September. Im Winter nach dem dritten Sonntag des Advents. Am Vorabend von Weihnachten, von Pfingsten und von Mariä Himmelfahrt. Am Fest der Geburt des heiligen Johannes des Täufers. An den Festen aller Apostel, außer des heiligen Jakobus, des heiligen Philippus und des heiligen Johannes des Evangelisten. Am Fest des heiligen Laurentius. Am Fest Allerheiligen. M. Auf welche Weise muss man fasten? D. Erstens, auf Fleisch, Eier und Milchprodukte verzichten. Was die Zeit betrifft, um die Mittagszeit essen; eine kleine Zwischenmahlzeit ist jedoch nach einem anerkannten Brauch, der von den Oberen nicht beanstandet wird, erlaubt. Alle sind verpflichtet, dies einzuhalten, außer denen, die ein rechtmäßiges Hindernis haben. M. Welche Feste sind von der heiligen Kirche vorgeschrieben? D. Es sind dies: zuerst die Geburt unseres Herrn Jesus Christus. Der heilige Stephanus, der Erzmärtyrer. Der heilige Johannes, der Evangelist. Die Beschneidung unseres Herrn. Die Epiphanie. Ostern mit den zwei darauffolgenden Tagen. Das heilige Kreuz im Mai. Die Himmelfahrt unseres Herrn. Pfingsten mit den zwei darauffolgenden Tagen. Das Hochfest70 des Leibes Christi. Die Geburt, Verkündigung, Aufnahme in den Himmel und Reinigung unserer Lieben Frau. Die Geburt des heiligen Johannes des Täufers. Die zwölf Apostel. Der heilige Laurentius. Die Kirchweihe des heiligen Michael im September. Allerheiligen. Die Sonntage. Die Feste, die die Bischöfe in ihren Bistümern und Diözesen begehen. M. Warum verwendet die Kirche weitere Zeremonien und äußeren Kult? D. Erstens zur größeren Ehrfurcht und Würde des göttlichen Kultes. Zweitens, um das Volk zur Andacht zu bewegen und es durch jene äußeren Dinge die inneren verstehen zu lehren. Drittens, weil wir von Gott Leib und Seele empfangen haben und ihm daher mit beidem dienen müssen. Hinweis. Hier kann man ermahnen, dass sie, sobald sie das Alter der Unterscheidungsfähigkeit erreichen, verpflichtet sind zu beich- 68 P. 20b. 69 P. 21a. 70 P. 21b. 245 beichten und nach einiger Zeit kommunizieren, und dies wenigstens einmal im Jahr, obwohl es besser wäre, es öfter zu tun. Von den Hauptsünden, die gewöhnlich Todsünden genannt werden. 71 M. Wir haben von den guten Werken gesprochen. Nennt jetzt die sieben Sünden, die wir Todsünden nennen. D. Die Hauptsünden, die gewöhnlich Todsünden genannt werden, sind sieben. Die erste: Hochmut. Die zweite: Habgier. Die dritte: Unkeuschheit. Die vierte: Zorn. Die fünfte: Völlerei. Die sechste: Neid. Die siebte: Trägheit. Sie sind Ursache und Haupt der anderen und werden deshalb Hauptsünden genannt, obwohl sie bisweilen lässliche Sünden sein können. Diesen Lastern stehen sieben Tugenden entgegen. 1. Demut gegen Hochmut. 2. Freigebigkeit gegen Habgier. 3. Keuschheit gegen Unkeuschheit. 5. Geduld gegen Zorn. 5. Mäßigkeit gegen Völlerei. 6. Nächstenliebe gegen Neid. 7. Eifer gegen Trägheit. Die Sünden gegen den Heiligen Geist sind diese sechs. Die erste: Vermessenheit, sich ohne Verdienst zu retten. Die zweite: Verzweiflung an der Barmherzigkeit Gottes. Die dritte: Bekämpfung der erkannten Wahrheit, um größere Freiheit zum Sündigen zu haben. Die vierte: Neid auf die geistlichen Güter, die unser Nächster von Gott empfangen hat. 72 Die fünfte: Verharren in der Sünde. Die sechste: Der Vorsatz, ohne Buße zu sterben. Die Sünden, die von Gott Rache fordern, sind vier. Die erste: vorsätzlicher Mord. Die zweite: die schändliche Sünde. Die dritte: die Unterdrückung der Armen. Die vierte: den Arbeitern ihren Lohn vorzuenthalten. M. Was ist Sünde? D. Das ist, was man begehrt oder tut gegen das Gesetz und den Willen Gottes. M. Welchen Schaden richtet die Todsünde an? D. Sie lässt uns Gott, seine Gnade und die Herrlichkeit verlieren, die uns verheißen war, macht uns zu Schuldnern der ewigen Strafe der Hölle. M. Warum heißt sie Todsünde? D. Weil sie die Seele tötet, indem sie sie das Leben der Gnade verlieren lässt. M. Was bewirkt die lässliche Sünde? D. Sie lässt uns die Gnade nicht verlieren und verdient auch nicht die Hölle, kühlt aber den Menschen in der Liebe zu Gott und in seinem Dienst ab, verdient zeitliche Strafe und bereitet außerdem auf die Todsünde vor. Hinweis Hier kann von der Schwere der Sünde gesprochen und dazu ermahnt werden, sie zu meiden. 73 Von den sieben Sakramenten der heiligen Kirche. M. Was müssen wir sonst noch tun? D. Wir müssen die sieben Sakramente kennen und sie zur rechten Zeit empfangen, nämlich dann, wenn die Kirche es uns gebietet und erklärt. M. Nennt die Sakramente. D. Die Sakramente der heiligen Kirche sind sieben. Das erste: die Taufe. Das zweite: die Firmung. Das dritte: die Eucharistie. Das vierte: die Buße. Das fünfte: die letzte Ölung. Das sechste: die Weihe. Das siebte: die Ehe. 71 P. 22a. 72 P. 22b. 73 P. 23a. 246 M. Was haben wir gesagt? D. Die sieben Sakramente. M. Wer hat diese Sakramente eingesetzt? D. Jesus, unser Herr. M. Warum? D. Um uns die Sünden zu vergeben, uns seine Gnade und die Verdienste seines Leidens mitzuteilen; und in jedem einzelnen Gnade für etwas Besonderes zu geben. Doch man muss sie würdig empfangen. M. Wozu dient das Sakrament der Taufe? 74 D. Damit der Mensch Christ und Sohn Gottes werde. M. Wie geschieht das? D. Weil wir in der Erbsünde geboren werden, die wir von unseren ersten Eltern erben, wird sie uns durch die Taufe zusammen mit allen anderen Sünden genommen und die Gnade mit anderen Tugenden verliehen; so werden wir zu Söhnen und Erben des ewigen Lebens. M. Wozu dient das Sakrament der Firmung oder Salbung? D. Um Gnade und Stärke gegen unsere Feinde zu empfangen, damit wir den Glauben bekennen, den wir in der Taufe empfangen haben. M. Wozu dient das Sakrament der Beichte? D. Damit Gott, unser Herr, uns die Sünden vergibt, die wir nach der Taufe begangen haben. M. Wie soll sich derjenige vorbereiten, der beichten soll? D. Er soll drei Dinge tun. Erstens sich sorgfältig an die Sünden erinnern, die er begangen hat. Zweitens Schmerz und Reue empfinden und den Vorsatz fassen, nicht wieder zu sündigen. Drittens alle vollständig bekennen und danach die vom Beichtvater auferlegte Buße verrichten. M. Wozu dient das heilige Sakrament 75 des Altars? D. Damit unsere Seele von der Gnade Gottes genährt und gespeist und mit ihm vereint werde. Zweitens, damit wir nicht leicht in Sünden fallen. Drittens, um jede Vollkommenheit zu erlangen. M. Was ist im heiligen Sakrament des Altars? D. Jesus Christus, unser Herr, ist dort mit Leib und Seele, wie er im Himmel ist, sowohl in der Hostie als auch im Kelch nach der Weihe durch den Priester. M. Bleiben Brot in der Hostie oder Wein im Kelch, nachdem der Priester geweiht hat? D. Nein, Vater, denn kraft der Worte, die der Priester spricht, wird das Brot in den Leib und der Wein in das Blut Jesu Christi, unseres Herrn, verwandelt; dies geschieht in der Messe. M. Was ist die Messe? D. Sie ist ein wahres Gedächtnis und eine Darstellung des Lebens, Leidens und Todes unseres Herrn Jesus Christus und zugleich ein Opfer, in dem derselbe Christus für die Lebenden und die Toten dargebracht wird; daher muss man ihr mit großer Aufmerksamkeit und Andacht beiwohnen. M. Wie soll man sich vorbereiten, um das allerheiligste Sakrament würdig zu empfangen? 76 D. Man soll andächtig hingehen, ohne sich einer Todsünde bewusst zu sein, und vorher beichten. Ermahnung. 74 S. 23b. 75 S. 21b. 76 S. 22a. 247 Hier kann man zur häufigen Teilnahme an den Sakramenten der Beichte und der Kommunion ermahnen. M. Wozu dient das Sakrament der letzten Ölung? D. Um die Gnade des Heiligen Geistes zu empfangen und die etwa noch verbliebenen Sünden zu tilgen sowie die Seele zu stärken, indem man ihr Hoffnung und Kraft verleiht, den Mühen der Krankheit und des Dämons zu widerstehen. M. Wozu noch? D. Um die Gesundheit des Leibes zu erlangen, sofern unser Herr es für zuträglicher hält. M. Wozu dient das Sakrament der Weihe? D. Um dem Priester die Vollmacht und Gnade zu verleihen, das heilige Sakrament des Altars zu konsekrieren und von den Sünden loszusprechen; dies kann allein der Priester tun. M. Wozu dient das Sakrament der Ehe? D. Damit Mann und Frau die Gnade empfangen, miteinander zu leben und 77 Kinder zur Ehre Gottes zu erziehen und das christliche Volk zu vermehren, damit es stets Menschen gebe, die Gott dienen. M. Wie sollen sich Mann und Frau miteinander verhalten? D. Der Mann soll die Frau lieben und ehren wie eine Schwester in Christus, und die Frau soll den Mann an Christi Statt achten und ihm gehorchen; beide zusammen sollen Frieden, Eintracht, Treue und Nächstenliebe bewahren, wie Christus und die Kirche es tun. Von den theologischen und den Kardinaltugenden, den Gaben und Früchten des Heiligen Geistes. M. Die theologischen Tugenden sind drei: erstens Glaube, zweitens Hoffnung, drittens Liebe. Die Kardinaltugenden sind vier: erstens Klugheit, zweitens Gerechtigkeit, drittens Tapferkeit, viertens Mäßigung. Die Gaben des Heiligen Geistes sind sieben. Die erste: die Gabe der Weisheit. Die zweite: die Gabe des Verstandes. Die dritte: die Gabe des Rates. Die vierte: die Gabe der Stärke. Die fünfte: die Gabe der Erkenntnis. Die sechste: die Gabe der Frömmigkeit. Die siebte: die Gabe der Gottesfurcht. Die Früchte des Heiligen Geistes sind zwölf. 78 Die erste: Liebe. Die zweite: Freude. Die dritte: Friede. Die vierte: Geduld. Die fünfte: Langmut. Die sechste: Güte. Die siebte: Freundlichkeit. Die achte: Sanftmut. Die neunte: Glaube. Die zehnte: Bescheidenheit. Die elfte: Enthaltsamkeit. Die zwölfte: Keuschheit. Die Seligpreisungen sind acht. Die erste: Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer 79 ist das Himmelreich. Die zweite: Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land besitzen. Die dritte: Selig sind, die weinen, denn sie werden getröstet werden. Die vierte: Selig sind, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden. Die fünfte: Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Die sechste: Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott sehen. Die siebte: Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Die achte: Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung erleiden, das heißt, weil sie Gutes tun, denn ihrer ist das Himmelreich. Die leiblichen Werke der Barmherzigkeit sind sieben. Das erste: den armen Hungrigen zu essen geben. Das zweite: 80 den armen Durstigen zu trinken geben. Das dritte: die Nackten bekleiden. Das vierte: die Pilger beherbergen. Das fünfte: die Kranken besuchen. Das sechste: die Gefangenen besuchen. Das siebte: die Toten begraben. 77 S. 25a. 78 S. 25b. 79 Gedruckt Et. 80 S. 26a. 248 | Die Werke der geistlichen Barmherzigkeit sind ebenfalls sieben. Das erste: guten Rat geben. Das zweite: die Unwissenden unterweisen. Das dritte: den Sünder ermahnen. Das vierte: die Bedrängten und Betrübten trösten. Das fünfte: die erlittenen Beleidigungen und Kränkungen verzeihen. Das sechste: die uns von anderen zugefügten Belästigungen geduldig ertragen. Das siebte: Gott für die Lebenden und die Toten bitten. Die wichtigsten Ratschläge unseres Herrn Jesus Christus sind drei. Der erste: freiwillige Armut. Der zweite: ewige Keuschheit. Der dritte: vollkommener Gehorsam. Die Feinde des Menschen sind drei. Erstens: der Teufel. Zweitens: die Welt. Drittens: das Fleisch. Die Geheimnisse unseres Herrn Jesus Christus, über die man nachdenken und beim Rosenkranzgebet sprechen soll.81 Von der Madonna, sind fünfzehn: fünf freudenreiche, fünf schmerzhafte und fünf glorreiche. Die fünf freudenreichen sind diese. Das erste: die Verkündigung, als der Sohn Gottes empfangen wurde. Das zweite: die Heimsuchung der heiligen Elisabeth. Das dritte: die Geburt unseres Herrn Jesus Christus. Das vierte: die Darbringung unseres Herrn im Tempel. Das fünfte: als er im Tempel unter den Lehrern wiedergefunden wurde. Die fünf schmerzhaften sind diese. Das erste: das Gebet unseres Herrn im Garten. Das zweite: die Geißelung an der Säule. Das dritte: die Krönung mit der Dornenkrone. Das vierte: das Tragen des Kreuzes zum Berg Kalvaria. Das fünfte: die Kreuzigung und der Tod am Kreuz. Die fünf glorreichen sind diese. Das erste: die Auferstehung unseres Herrn. Das zweite: seine Himmelfahrt. Das dritte: die Herabkunft des Heiligen Geistes. Das vierte: die Aufnahme der Madonna. Das fünfte: die Krönung über den Engeln und Seligen. 82 Vom Ave Maria. Beim Ave Maria wird ein Ablass gewonnen, indem man drei Verse mit drei Ave Maria spricht. Beim ersten Glockenschlag: Angelus Domini Nuntiavit Mariae, Et concepit De spiritu sancto. Ave Maria. Beim zweiten Glockenschlag: Ecce ancilla domini Fiat mihi Secundum verbum tuum. Ave Maria. Beim dritten Glockenschlag: Et verbum caro factum est, Et habitavit in nobis. Ave Maria. Um zu wissen, wie man beim Dienen in der Messe hilft. Vers. Introibo ad Altare Dei. Resp. Ad Deum qui lætificat iuventutem meam. Vers. Iudica me Deus, et discerne causam meam de gente non sancta, ab homine iniquo, et doloso erue me. Resp. Quia tu es Deus fortitudo mea, quare me repulisti, et quare tristis incedo dum affligit me inimicus? Vers. Emitte lucem tuam, et veritatem tuam, ipsa me deduxerunt, et adduxerunt, in montem sanctum tuum, et in tabernacula tua. Resp. Und ich werde zum Altar Gottes treten, zu Gott, 83 der meine Jugend erfreut. Vers. Ich will dich preisen auf der Zither, Gott, mein Gott: Warum bist du betrübt, meine Seele, und warum beunruhigst du mich? 81 P. 26b. 82 P. 27a. 83 P. 28a. 249 Antwort. Hoffe auf Gott, denn ich werde ihn noch preisen: das Heil meines Angesichts und mein Gott. Vers. Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Antwort. Wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen. Vers. Ich werde zum Altar Gottes treten. Antwort. Zu Gott, der meine Jugend erfreut. Vers. Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn. Antwort. Der Himmel und Erde erschaffen hat. Vers. Ich bekenne und so weiter, wie unten. Antwort. Der allmächtige Gott erbarme sich deiner und führe dich nach der Vergebung all deiner Sünden zum ewigen Leben. Vers. Amen. Antwort. Ich bekenne vor dem allmächtigen Gott, der seligen Maria, der allzeit Jungfrau, dem seligen Erzengel Michael, dem seligen Johannes dem Täufer, den heiligen Aposteln Petrus und Paulus, allen Heiligen und dir, Vater, dass ich viel gesündigt habe in Gedanken, Worten und Werken, durch meine Schuld, |84 durch meine Schuld, durch meine übergroße Schuld. Darum bitte ich die selige Maria, die allzeit Jungfrau, den seligen Erzengel Michael, den seligen Johannes den Täufer, die heiligen Apostel Petrus und Paulus, alle Heiligen und Heiligen Gottes sowie dich, Vater, für mich zu unserem Herrn und Gott zu beten. Vers. Der allmächtige Gott erbarme sich euer und führe euch nach der Vergebung all eurer Sünden der Herr zum ewigen Leben. Antwort. Amen. Vergebung, Absolution und Nachlass all unserer Sünden gewähre uns der allmächtige und barmherzige Herr. Antwort. Amen. Vers. Gott, du wirst uns beleben, wenn du dich uns zuwendest. Antwort. Und dein Volk wird sich an dir erfreuen. Vers. Erweise uns, Herr, deine Barmherzigkeit. Antwort. Und schenke uns dein Heil. Vers. Herr, erhöre mein Gebet. Antwort. Und mein Ruf komme zu dir. Vers. 85 Der Herr sei mit euch. Antwort. Und mit deinem Geiste. Vers. Herr, erbarme dich. Antwort. Herr, erbarme dich. Vers. Herr, erbarme dich. Antwort. Christus, erbarme dich. |86 Vers. Christus, erbarme dich. Antwort. Christus, erbarme dich. Vers. Herr, erbarme dich. Antwort. Herr, erbarme dich. Vers. Herr, erbarme dich. 84 P. 28a. 85 Gedruckt Vesp. 86 P. 28b. 250 | Nachdem der Priester gesagt hat: „Orate fratres“, antwortet der Ministrant: „Suscipiat Dominus sacrificium de manibus tuis ad laudem, et gloriam nominis sui, ad utilitatem quoque nostram totiusque Ecclesiae tuae sanctae. Amen.“ Die Vorgehensweise beim Beginn des christlichen Katechismus. Zuerst lasse der Lehrer das Vaterunser und das Ave Maria sprechen und sage dann folgendes Gebet: „Oremus. Omnipotens sempiterne Deus, qui iustitiam tuae legis in cordibus credentium digito tuo scribis, infunde quaesumus tuae nobis lumen sapientiae, ut te veraciter agnoscentes, et fideliter diligentes mereamus assequi quod promittis. Per Christum dominum nostrum.“ Antwort: „Amen.“ Guido Michelini Universita degli Studi di Parma Viale S. Michele 9/A, I-43100 Parma, Italia [email protected] Eingegangen am 23.06.1999