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Dėl lietuvių pavardžių vertinimo darybos požiūriu

Vitalija Maciejauskienė

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ACTA LINGUISTICA LITHUANICA XLIV (2001), 167–187 Zur Bewertung litauischer Familiennamen unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung VITALIJA MACIEJAUSKIENĖ Institut für Litauische Sprache, Vilnius Der Artikel behandelt litauische Familiennamen unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung. In der Anthroponymie und Toponymie sind die üblichen Ableitungsmechanismen (Komposition, Affigierung usw.) zu beobachten; es gibt jedoch auch einen spezifischen Mechanismus, bei dem Anthroponyme und Toponyme ohne formale Ableitungsmarker gebildet werden, sodass primäre (nicht abgeleitete) Personennamen und Ortsnamen entstehen, z. B.: Appellativ → Ortsname, Personenname, Spitzname; Eigenname → Ortsname, Personenname, Spitzname. Litauische Familiennamen bilden insofern eine spezifische Kategorie, als sie im Ableitungsprozess keine Ableitungsmarker erhalten. Ein Familienname ist ein ursprünglicher Patronym, Spitzname usw., der als Familienname verwendet wird. Daher ist eine wortbildnerische Analyse von Familiennamen als solchen nicht möglich, da sie alle primäre (nicht abgeleitete) Einheiten sind. Eine morphologische Segmentierung von Familiennamen ist natürlich möglich. 1. EINLEITENDE BEMERKUNGEN Familiennamen gehören zu den litauischen Eigennamen, den Onymen, und bilden eine Unterklasse der Personennamen. Neben dieser sind im Rahmen der litauischen Onomastikforschung auch die Unterklassen der Vornamen und Spitznamen sowie die umfangreiche Klasse der Ortsnamen zu erwähnen. Letztere umfasst Unterklassen von Ortsnamen, die verschiedene Objekte bezeichnen (z. B. Gewässernamen oder Hydronyme, Namen von Siedlungen oder Oikonyme, Namen sumpfiger Gebiete oder Helonyme, Bergnamen oder Oronyme usw.). Die Besonderheiten der Bewertung von Onymen unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung werden in theoretischen onomastischen Arbeiten ausführlich behandelt. Dort werden die Unterschiede zwischen den Wortbildungskonzepten bei Appellativa und Eigennamen herausgearbeitet und die Besonderheiten der Untersuchung von Eigennamen beschrieben, die eine bestimmte Klasse (Unterklasse) von Onymen bilden (vgl. Nepokupnyj, Hrsg. 1986: 162–173, 207–208). Ohne die mit diesen Problemen verbundenen Aussagen hier weiter auszuführen oder näher zu kommentieren – dies erfordert das Ziel dieses Artikels nicht –, ist es wichtig, auf die Vorschläge hinzuweisen, bei der Untersuchung von Onymen die sogenannte lebendige Wortbildung, bei der zwischen Basiswort und Derivat Wortbildungsmotivationsbeziehungen erhalten geblieben sind oder bestehen, von der historischen Wortbildung zu unterscheiden, die mit der Morphemsegmentierung von Onymen verbunden ist1 (auch der Begriff Analyse der morphologischen Struktur wird verwendet) (Nepokupnyj, Hrsg. 1986: 162–163). Wie zu sehen ist, geht es um die wortbildnerische und strukturelle Analyse von Eigennamen, wobei diese Begriffe klar voneinander abgegrenzt werden. Welches der genannten Modelle – der wortbildnerischen oder der strukturellen Analyse – bei der Untersuchung von Onymen anzuwenden ist, sollte unter anderem auch davon abhängen, welcher Klasse (Unterklasse) diese angehören. 1 Dėl morfeminio skaidymo plačiau žr. Urbutis (1978: 137–142). 168 | VITALIJA MACĖLAUSKIENĖ Es ist sehr wichtig, möglichst viel über die Besonderheiten der einen oder anderen onymischen Klasse (Subklasse) zu wissen: wie das System der Eigennamen entstanden und gebildet worden ist, ob es noch durch neue Einheiten ergänzt wird oder geschlossen und unveränderlich ist, welche linguistischen und extralinguistischen Umstände seinen Charakter geprägt haben usw. Antworten auf diese Fragen würden es erlauben, Onyma zumindest bedingt in zwei Gruppen einzuteilen. Die eine Gruppe würden onymische Klassen (Subklassen) bilden, deren Eigennamen unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung untersucht werden können und müssen, indem Wortbildungstypen (Verfahren) herausgearbeitet, Grundwörter bestimmt, Wortbildungselemente ermittelt, Bildungen identifiziert usw. werden. Die andere Gruppe würden Onyma bilden, bei deren Untersuchung ausschließlich das Modell der Morphemsegmentierung (Analyse der morphologischen Struktur) anzuwenden wäre. Ziel dieses Artikels ist es, zu erörtern, wie litauische Onyma unter diesem Gesichtspunkt untersucht werden oder untersucht werden könnten, und in diesem Zusammenhang einen Platz für litauische Familiennamen zu finden. Aus dem Gesagten dürfte hervorgehen, dass sich der Artikel auf die Forschungserfahrung der litauischen Onomastik stützt und keine umfassenden theoretischen Verallgemeinerungen anstrebt. Daher sind die hier vorgetragenen Gedanken und Aussagen als eine von mehreren möglichen Auffassungen zur Untersuchung litauischer Familiennamen unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung zu betrachten. 2. ÜBERBLICK ÜBER DIE FORSCHUNG ZUR WORTBILDUNG VON ORTSNAMEN 2.1. Am umfassendsten ist derzeit die Wortbildung litauischer Gewässernamen untersucht. Ihr ist eine ausführliche Monografie gewidmet (Vanagas 1970). In der Einleitung der Arbeit (Vanagas 1970: 6–27) werden alle bereits durchgeführten Untersuchungen zur Wortbildung litauischer Gewässernamen erörtert und bewertet; dabei wird darauf hingewiesen, dass in manchen Arbeiten „nicht die Wortbildung der Hydronyme, sondern ihre morphologische Struktur untersucht wird“. Folglich wurde das „wortbildnerische Prinzip“ nicht beachtet; mehrere notwendigerweise zu unterscheidende wortbildnerische (strukturell-grammatische) Hydronymtypen wurden vereinheitlicht und Gewässernamen unterschiedlicher Bildung zusammengefasst. Vor der Beschreibung der Besonderheiten der Hydronymbildung bietet die Einleitung einen Überblick über Auffassungen zu Ähnlichkeiten und Unterschieden zwischen Appellativa und Eigennamen und stellt fest, dass „die Aufgabe der Untersuchung der Hydronymbildung eine etwas andere ist als die der Untersuchung der Bildung von Appellativa“. Bei der Untersuchung der Wortbildung Letzterer wird versucht festzustellen, „auf welche Weise die Sprache neue Wörter bildet und ihren Wortschatz erweitert“. Das Hydronymsystem hingegen ist bereits herausgebildet und unveränderlich, d. h. es wird nicht von den inneren Gesetzmäßigkeiten der Sprache beeinflusst. Deshalb richtet sich bei der Untersuchung der Bildung von Gewässernamen „der Blick des Forschers stets stärker auf die Vergangenheit, auf jene Zeiten, als sich das heute bereits statische System erst herausbildete“. Im Weiteren behandelt die Einleitung das für die Analyse der Hydronymbildung sehr wichtige Problem ihrer Klassifikation und gibt einen Überblick über die bereits vorliegenden Versuche, Ortsnamen in Klassen einzuteilen, die auch bewertet werden. Auf dieser Grundlage wurde das Modell einer strukturell-grammatischen Klassifikation litauischer Hydronyme gewählt, da angenommen wurde, dass es auch auf andere Schichten des litauischen Namenbestands angewendet werden könnte. Nach der gewählten Klassifikation werden alle litauischen Gewässernamen unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung in primäre und sekundäre eingeteilt. Die primären werden weiter in substantivische (aus Appellativa und Eigennamen gebildete) und adjektivische untergliedert. Die sekundären werden in Ableitungen, Zusammensetzungen und Mehrwortbildungen eingeteilt. Ergänzend sei bemerkt, dass bei der Untersuchung von Ableitungen nach Zusammenhängen zwischen den Derivationsprinzipien von Appellativa und Gewässernamen gesucht wird. Zugleich wird anerkannt, dass der Terminus Ableitung am präzisesten für jene Hydronyme verwendet wird, deren „derivationale Beziehung zu den entsprechenden Appellativa oder Eigennamen noch völlig klar ist“. Bei anderen Hydronymen ist die Wortbildung unklar, doch lassen sie sich in Morpheme zerlegen, d. h. als mit einem Affix versehen betrachten; außerdem gibt es unklare DĖL LIET. PAVARDŽIŲ VERTINIMO DARYBOS POŽIŪRIU | 169 Wortbildungen von Gewässernamen, bei denen sogar die Morphemzerlegung nur vermutet werden kann. In den zuletzt genannten Fällen wird der besagte Terminus bedingt verwendet (Vanagas 1970: 54–57). Wie zu erkennen ist, wurde im Vergleich zur Wortbildung von Appellativa aufgrund der Besonderheiten der Onyma ein neues Wortbildungsverfahren unterschieden, dessen Ergebnis primäre Gewässernamen sind. Darunter versteht man Hydronyme, die aus Appellativa und Eigennamen hervorgegangen sind und während der Toponymisierung2, d. h. beim Übergang zu Gewässernamen, keine formalen Wortbildungsmerkmale angenommen haben (vgl. Vanagas 1970: 28), z. B.: Adomaitis ež. < Adomaitis avd., Akivaras ež. < akivaras, Balandis ež. < balandis, Baltà up. < baltà, Globys up. < Globys avd., Gulbis ež. < gulbis, Janãvas ež. < Janãvas k., Kriaušiùs up. < kriaušiùs, Kūndrotas up. < Kūndrotas avd., Leĩmantas up. < Leĩmantas avd., Néndrė up. < néndrė, Piliakalnis ež. < piliakalnis, Sirvydis ež. < Sirvydis avd., Skersūtinìs up. < skersūtinis, Smailiùtis up. < smailiùtis „smailas“, Šermukšnýnas ež. < šermukšnynas, Šiupiẽniai ež. < Šiupiẽniai k., Tėkančioji up. < tėkančioji, Trilýpis ež. < trilýpis, Vendrýkštis up. < vendrýkštis „vingiarykštė“, Žalióji up. < žalióji. Die primären Gewässernamen sind hier alphabetisch aufgeführt, denn unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung sind sie alle gleichrangig: Sie sind aus Appellativa oder Eigennamen, Substantiven oder Adjektiven, Personennamen oder anderen Ortsnamen entstanden (vgl. auch Vanagas 1970: 29). 2.2. Dieselbe für die Analyse der Hydronymbildung entwickelte strukturell-grammatische Klassifikation wurde auch auf die Wortbildung eines Teils (etwa 4,6 Tausend) litauischer Bergnamen, also Oronyme, angewendet (Vanagas 1973). Zunächst werden sie in primäre und sekundäre eingeteilt; anschließend werden die Gruppen, wie bei der Untersuchung der Hydronymbildung, weiter untergliedert. Primäre Bergnamen werden ebenso beschrieben wie primäre Hydronyme: Sie sind aus Appellativa, anderen Ortsnamen oder Personennamen hervorgegangen und weisen keine formalen Wortbildungsmerkmale auf (Vanagas 1973: 209), z. B.: Apušotas < apušotas, Aujėda < Aujėda up., Aukštas < aukštas, Degimas < degimas, Didžiulis < didžiulis, Gūbrýs < gūbrýs, Kapėliai < kapėliai, Krìštapas < Krìštapas avd., Lydekà < lydekà, Obelėlė < obelėlė, Pašlaitė < pašlaitė. Prancūzai < prancūzai, Smailusis < smailusis, Šaltupýs < Šaltupýs up., Visginas < Visginas avd. 2.3. Die Wortbildung anderer litauischer Ortsnamenklassen (Subklassen) ist nicht umfassend untersucht. Angesichts der großen Zahl von Namen sumpfiger Gebiete, auch Helonyme genannt, wurde bislang nur einem ihrer Wortbildungstypen Aufmerksamkeit gewidmet – den durch Suffixe gebildeten Namen sumpfiger Gebiete (Bilkis 1998). Im Kontext der genannten Hydronymklassifikation sind diese Ortsnamen zunächst als sekundär und anschließend als Ableitungen, genauer als Suffixableitungen, zu qualifizieren. Bei der Untersuchung suffigierter Helonyme stützt man sich auf A. Vanagas’ Grundlagen der Analyse der Hydronymbildung und weist dabei auf die theoretisch bereits seit Langem begründete Nichtgleichsetzung der Begriffe wortbildnerische Analyse und Morphemanalyse (Morphemsegmentierung) hin. Als Suffixableitungen gelten daher Namen sumpfiger Gebiete, deren „Suffix kein Element der Morphemsegmentierung oder Formenbildung, sondern ein wortbildendes Affix, d. h. ein Mittel zur Bildung neuer Wörter ist“ (Bilkis 1998: 32). An die genannten Grundsätze hält man sich auch bei der Untersuchung suffigierter Namen von Siedlungen, auch Oikonyme genannt (Razmukaitė 1998). Eine umfassende Analyse ihrer Wortbildung liegt bislang nicht vor (einen Forschungsüberblick siehe Razmukaitė 1998: 1–4). 2 Vielleicht wäre hier der Begriff Hydronymisierung geeigneter, da es auch Hydronyme gibt, die aus anderen Ortsnamen hervorgegangen sind, also Fälle, in denen ein Ortsname zu einem Ortsnamen wird (Toponym zu Toponym). 3 Hier und an anderen Stellen sind die Abkürzungen dieselben wie in der besprochenen und in anderen Arbeiten zur litauischen Onomastik. Aufgrund ihrer Geläufigkeit wird kein gesondertes Abkürzungsverzeichnis vorgelegt. 170 | VITALIJA MACIEJAUSKIENĖ Versuche, mögliche Klassifikationsgruppen hinsichtlich der Wortbildung von Siedlungsnamen zu beschreiben, finden sich in P. Jonikas Artikel „Personennamen und Ortsnamen“ (Jonikas 1968). Erwähnt werden hier suffigierte, präfigierte, zusammengesetzte und zusammengebildete Siedlungsnamen (vgl. A. Vanagas’ Klassifikation der Hydronyme). Ortsnamen, die, wie der Autor erklärt, „mit der Singularform eines Personennamens bzw. Familiennamens übereinstimmen (vgl. Biršto-nas, Kaunas, Skuodas, Sudárgas)“ (Jonikas 1968: 564), sind zweifellos als die bereits zuvor besprochenen primären Bildungen zu klassifizieren. Nach einem kurzen Überblick über die Untersuchungen zur Wortbildung litauischer Gewässernamen, Bergnamen, Moor- und Siedlungsnamen ist außerdem festzustellen, dass diese und andere Ortsnamen zweifellos auch anders untersucht werden könnten, und zwar durch Anwendung des Modells der Morphemanalyse (morphemischen Segmentierung). Ziele, Form und Inhalt solcher Untersuchungen würden sich von der hier erörterten wortbildungsbezogenen Analyse der Ortsnamen unterscheiden. 3. ÜBERBLICK ÜBER DIE BEWERTUNGEN DER WORTBILDUNG (STRUKTUR) VON PERSONENNAMEN Spezielle Untersuchungen zur wortbildungsbezogenen Analyse einer anderen Klasse litauischer Onyme – der Personennamen – liegen bislang nicht vor. In einigen Arbeiten zur Anthroponomastik finden sich jedoch Ansätze zur Auffassung der Wortbildung oder Struktur von Personennamen. 3.1. Im „Wörterbuch zur Herkunft litauischer Vornamen“ (Kuzavinis, Savukynas 1987), der wohl umfassendsten Sammlung dieser Onyme, sind Namen unterschiedlicher Wortbildungsweise und Herkunft sowie unterschiedlichen Alters aufgeführt. Nach der Dauer ihrer Verwendung im litauischen Namensbestand lassen sich diese Personennamen in drei Gruppen einteilen – alte, christliche und neue Namen. Die wortbildungsbezogene Analyse der Namen jeder dieser Schichten dürfte spezifische Merkmale aufweisen, die unter anderem mit den Quellen der Namen, den Umständen ihrer Aufnahme in den heutigen Namensbestand und Ähnlichem zusammenhängen. Alte Namen sind ein Teil der litauischen Personennamen, die während der heidnischen Zeit in Gebrauch waren, als sich das zweigliedrige litauische System der Benennung mit Vor- und Familiennamen noch nicht herausgebildet hatte. Sie waren also die einzigen Personennamen, über die die Litauer damals verfügten, jedoch keine Vornamen im heutigen Sinne des Begriffs Name4. Wie lässt sich also die Beziehung zwischen historischen Personennamen und heutigen Vornamen beschreiben? Dazu sind verschiedene Auffassungen denkbar. Offenbar ist es möglich, heutige Vornamen und historische Personennamen einfach gleichzusetzen und anzuerkennen, dass Letztere unverändert bis in unsere Zeit gelangt sind und heute als Vornamen fungieren. Eine solche Gleichsetzung (natürlich eine formale und bedingte) wäre zum Teil auch dadurch gerechtfertigt, dass die wichtigste Funktion historischer Personennamen – eine Person zu benennen und sie von anderen abzugrenzen – in gewissem Sinne auch die Funktionen heutiger Vornamen und Familiennamen voraussetzt (hier ist vor allem wichtig, dass sie auch die Funktion der Vornamen voraussetzt)5. Auf Grundlage eines solchen Verständnisses der Beziehung zwischen historischen Personennamen und den heute als alt bezeichneten Vornamen lässt sich begründen, was im genannten Wörterbuch über die Wortbildung dieser Namen (bei der Erklärung ihrer Herkunft) gesagt wird. Dort werden vier Wortbildungstypen alter Namen unterschieden: 1) zweistämmige Zusammensetzungen, 2) daraus gebildete Kurzformen, 3) suffigierte Ableitungen von Kurzformen, 4) appellativische – unmittelbar gemein- 4 Zur Verwendung dieses Begriffs bei der Untersuchung historischer Anthroponymie siehe auch Maciejauskienė (1991: 14). 5 Dėl vardų ir pavardžių funkcijų dar žr. Maciejauskienė (1991: 14, 19, 50–51). DĖL LIET. PAVARDŽIŲ VERTINIMO DARYBOS POŽIŪRIU | 171 niai žodžiai, virtę vardais (Kuzavinis, Savukynas 1987: 25). Lyginant su anksčiau aptarta hidronimų klasifikacija pirmasis senųjų vardų darybos tipas tapatintinas su antriniais sudurtiniais vietovardžiais, trečiasis su antriniais – priesagų vediniais, o ketvirtasis – su pirminiais vietovardžiais (detalesnio bendrumų ir skirtumų aptarimo atsisakyta, nes to nereikalauja straipsnio tikslas). Trečiojo tipo vardai – dvikamienių trumpiniai (jie dar vadinami ir senaisiais vienkamieniais vardais) vertintini kaip tam tikro vardu susidarymo būdo, o ne onimų darybos tipo (iprasta lingvistine šios sąvokos reikšme) rezultatas6. Am häufigsten sind die alten zweistämmigen Namen (sogenannte zweistämmige Komposita), z. B.: Alg-minas, Al-mintas, Ei-bartas, Gėd-rimas, Gós-tautas, Kant-minas, Min-gaudas, Taūt-gailas, Tól-mantas, Tvir-gedas, Vai-noras, Vaiš-mantas, Vil-mantas. Eine weitere Gruppe heutiger Namen, die hinsichtlich ihrer Bildung als alt bezeichnet werden, bilden Ableitungen mit Suffixen, z. B.: Algėnis, Bartėnis, Birėnis, Dargėnis, Daugėnis, Eidėnis, Eigėnis, Gaudėnis, Gedėnis, Gintėnis, Girdėnis, Girstėnis, Gytėnis, Kantėnis, Klausėnis, Tautėnis, Vaidėnis usw. (Ableitungen mit dem Suffix -enis); Bylotas, Darotas, Daugotas, Eidotas, Milotas, Minotas, Vaidotas, Valiotas, Viltotas (Ableitungen mit dem Suffix -otas); Barūtis, Birūtis, Darūtis, Eigūtis, Eimūtis, Gailūtis, Gedūtis, Geistūtis, Girdūtis, Kęstūtis, Klausūtis, Ramūtis (Ableitungen mit dem Suffix -utis); Klausilas, Marūtilas, Váidilas (Ableitungen mit dem Suffix -ilas). Den Autoren des etymologischen Wörterbuchs der Vornamen zufolge sind die Basiswörter dieser Ableitungen Kurzformen zweistämmiger Namen. Nur vergleichsweise selten werden andere alte litauische Personennamen als Basiswörter angegeben (vgl. Augėnis, Baltėnis, Drąsūtis, Jaunūtis, Laimūtis usw.).7 Unter den heutigen Namen, die als alt bezeichnet werden, schien es keine zu geben, die sich aus wortbildungsmorphologischer Sicht als primär einstufen ließen (die Wörterbuchautoren nennen sie „Appellativa – unmittelbar zu Namen gewordene Gattungswörter“ – siehe Kuzavinis, Savukynas 1987: 25). Aufgefallen sind jedoch die wenigen Ableitungen mit Endungen (z. B.: Budrys, Būdrius aus dem litauischen budrūs, Drąsius aus dem litauischen drąsūs, Jaunys, Jaunius aus dem litauischen jaūnas), obwohl dieser Bildungstyp der alten Namen nicht erwähnt wird. Nach einem kurzen Überblick über das, was im „Etymologischen Wörterbuch litauischer Vornamen“ zur Bildung der als alt bezeichneten heutigen Namen gesagt wird, sollte auf die zuvor formulierte Annahme zurückgekommen werden, dass eine solche oder ähnliche Beurteilung der Bildung dieser Namen auf der Gleichsetzung heutiger Namen mit entsprechenden historischen Personennamen beruhen sollte (wie bereits erwähnt – einer sehr formalen und bedingten Gleichsetzung). Ein weiterer denkbarer Fall der Beurteilung des Zusammenhangs zwischen historischen Personennamen und den als alt bezeichneten heutigen Namen wäre folgender: Die heutigen Namen sind aus historischen Personennamen entstanden, ohne formale Wortbildungsmerkmale zu übernehmen. Folglich wären all diese Namen aus wortbildungsmorphologischer Sicht als primär einzustufen. Die erwähnten heutigen Namen Algminas, Alminas, Eibartas, Gėdrimas usw. sind also aus entsprechenden historischen Personennamen hervorgegangen (gebildet worden), die im Kontext der wortbildungsmorphologischen Beurteilung als sekundäre Komposita einzustufen wären. Die Namen Algėnis, Bartėnis, Dargėnis,... Bylotas, Darotas, Daugotas,... Barūtis, Birūtis, Darūtis,... Klausilas, Mańti- 6 Plačiau apie juos žr. Maciejauskienė (1997: 113–124). 7Zu beachten ist, dass bei der Angabe der vier Bildungstypen der alten Namen lediglich „suffixale Ableitungen von Kurzformen“ genannt werden – Kuzavinis, Savukynas (1987: 25). Außerdem ließe sich fragen, ob die Basiswörter tatsächlich bei all diesen Namen – den Suffixableitungen – Personennamen sind; dies steht jedoch nicht im Zusammenhang mit den Zielen dieses Artikels. 172 | VITALIJA MACIEJAUSKIENĖ las usw., die zuvor als Suffixableitungen bezeichnet wurden, wären wiederum lediglich aus historischen Personennamen hervorgegangen, die aus wortbildungsmorphologischer Sicht Suffixableitungen sind. Ebenso sollte die Bildung anderer heutiger Namen beurteilt werden, die als alt bezeichnet werden. Eine solche Auffassung wäre unter anderem deshalb vertretbar, weil sich die Funktionen historischer Personennamen nur sehr schwer bestimmen und mit dem Zweck heutiger Namen vergleichen lassen, und auch wegen der Zusammenhänge mit den Besonderheiten der wortbildungsmorphologischen Beurteilung heutiger litauischer Familiennamen, die später behandelt werden. Geht man davon aus, dass alle als alt bezeichneten heutigen Namen aus wortbildungsmorphologischer Sicht primär sind, wäre ihre Untersuchung anhand des Modells der Morphemanalyse (morphematischen Zerlegung) vielversprechend und interessant. Die Analyse der Bildung einer weiteren Schicht des heutigen Vornamenbestands – der christlichen Namen – ist kein Gegenstand der Wortbildungsforschung des Litauischen. All diese Namen kamen aus anderen Sprachen (dem Griechischen, Hebräischen, Lateinischen, Germanischen, Slawischen usw.) und brachten die für diese Sprachen charakteristischen wortbildnerischen (strukturellen) Merkmale mit. Daher lässt sich nur über Fragen sprechen, die mit der Anpassung christlicher Namen im Litauischen zusammenhängen. Dazu gehören zum einen das Verhältnis zwischen den Langformen christlicher Namen (kanonischen Formen) und ihren Kurzformen sowie deren Gebrauch; zum anderen die in historischen Quellen des 16.–17. Jahrhunderts verbreiteten Ableitungen mit Diminutivsuffixen dieser Namen, die in Quellen des 18.–19. Jahrhunderts nicht mehr verwendet wurden, und Ähnliches (siehe Maciejauskienė 1979; 1991: 34, 38, 41; 1993: 102). Zwar sind verschiedene Ableitungen christlicher Namen mit Diminutivsuffixen auch heute in der gesprochenen Sprache verbreitet, doch handelt es sich nicht um amtliche Namensformen, die in Ausweisdokumente eingetragen werden. Daher scheint es hier möglich, auf eine ausführlichere Erörterung dieser Formen zu verzichten. Neue Namen, die die dritte Schicht des heutigen Vornamenbestands bilden, werden hinsichtlich ihrer Herkunft gewöhnlich in Namen litauischer und nichtlitauischer Herkunft unterteilt (Kuzavinis, Savukynas 1987: 41–46). Letztere, das heißt Namen nichtlitauischer Herkunft, gelangten aus anderen Sprachen in den litauischen Vornamenbestand. Ihre Wortbildung zu erörtern, ist daher ebenso wenig wie bei den christlichen Namen Gegenstand der Analyse der litauischen Wortbildung. Anders verhält es sich mit den neuen Namen litauischer Herkunft. Bei ihrer wortbildungsmorphologischen Beurteilung lassen sich ohne Weiteres mehrere Klassifikationsgruppen unterscheiden, die auch in der zuvor erörterten grammatisch-strukturellen Klassifikation der Ortsnamen benannt wurden. Dazu gehören primäre Namen, die ohne formale Wortbildungsmerkmale anzunehmen, aus Gattungs- oder Eigennamen entstanden sind, z. B.: Aušra: lit. aušra, Bangà: lit. bangà, Dainà: lit. dainà, Dóbìlas: lit. dóbìlas, Gìntaras: lit. gìntaras, Jūra: lit. jūra, Liépa: lit. liépa, Svajà: lit. svajà, Svajonė: lit. svajonė, Žarà: lit. žarà (aus Gattungswörtern) oder Agluona: Agluona Fluss, Airė: Airė Fluss, Alantà: Alantà Fluss, Álantas: Álantas Fluss, Gáilìntas: Gáilìntas See, Mìlda: Mìlda (Name einer mythologischen Göttin), Nėmunas: Nėmunas Fluss, Nidà: Nidà Kleinstadt, Skìnija: Skìnija Fluss, Svalìa: Svalìa Fluss, Ūla: Ūla Fluss, Upýna: Upýna Fluss, Vilnius: Vilnius Stadt, Žeimenà: Žeimenà Fluss, Žemýna: Žemýna (Name eines mythologischen Wesens) usw. (aus Eigennamen – Ortsnamen, Mythenfiguren oder Namen mythologischer Wesen und Ähnlichem). Unter den sekundären Namen sind eindeutige Ableitungen mit Endungen zu nennen, z. B.: Aidė: lit. áidas, Aūdrė: lit. áudra, Aūšrė: lit. aušrà, Ąžuolė, Ąžuolis: lit. ąžuolas, Dãlius: lit. dalìà, Gáiva: lit. gaivì, Jáutra, Jáutrė: lit. jáutrus, -i, Jūris, Jūrius: lit. jūra, Miglė: lit. mìglà, Rytė, Rytis: lit. rýtas, Skaidrė, Skáidrė: lit. skaidrì, skáidrì „angenehm, fröhlich“, Skaistýs, Skaistis: lit. skaistùs, skaistùs „hell; rechtschaffen“, Taurýs, Tãurius: lit. taurùs „rechtschaffen; edel“, Ūgnė: lit. ugnìs. Eine weitere Gruppe sekundärer neuer Namen hinsichtlich ihrer Bildung sind Suffixableitungen, z. B.: Audronė, Audrõnis, Audrõnius: lit. áudra (Ableitungen mit den Suffixen -onė, -onis, -onius), Audrūnas, Audrūnė: lit. áudra (Ableitungen mit den Suffixen -ūnas, -ūnė), Ban- DĖL LIET. PAVARDŽIŲ VERTINIMO DARYBOS POŽIŪRIU | 173 guõlis: lit. bangą (Ableitung mit dem Suffix -uolis), Laimintà, Laimìntas: lit. laimė (Ableitungen mit den Suffixen -inta, -intas), Laisvūnas: lit. laisvė (Ableitung mit dem Suffix -ūnas), Teisūtis: lit. teisūs (Ableitung mit dem Suffix -utis), Žydrūnas: lit. žydris „Bläue (des Himmels)“ (Ableitung mit dem Suffix -ūnas). Unter den neuen Vornamen gibt es auch solche, die (meist von Sprachwissenschaftlern) nach den morphologischen und semantischen Mustern alter Namen gebildet wurden, indem bekannte Stämme zweistämmiger Personennamen abgewandelt oder miteinander verbunden wurden, z. B.: Al-ginas, Al-kantas, Aug-mantas, Bar-mantas, Būt-mintas, Eig-mantas, Eit-viltas, Gil-mintas, Graž-valdas, Jau-vaidas, Kęs-bartas, Liaud-gintas, Min-vaidas, Rād-vydas, Skir-tautas. Diese Namen sind künstlich; ihr Gebrauch ist durch die historische Anthroponymie nicht belegt. Daher könnten diese neuen Namen dieses Typs, anders als die alten zweistämmigen Namen, bei deren morphologischer Bewertung zwei mögliche Analysen genannt wurden – Komposita (zweistämmige Zusammensetzungen) oder primäre Namen –, offenbar nur als Komposita bezeichnet werden. Wie ersichtlich, lässt sich bei der Untersuchung der Wortbildung neuer litauischer Vornamen feststellen, auf welche Weise neue Namen gebildet und der heutige Namenschatz bereichert werden (vgl. die Wortbildungsanalyse von Gattungswörtern, die darauf abzielt festzustellen, auf welche Weise die Sprache neue Wörter bildet und so ihren Wortschatz erweitert). Somit ist das System litauischer Vornamen als eine der Unterklassen der Eigennamen noch nicht vollständig ausgebildet; es ist veränderlich und offen. Dies bedingt Besonderheiten bei der Untersuchung der Wortbildung dieser Eigennamen. 3.2. Offen und veränderlich ist auch das System einer anderen Unterklasse litauischer Personennamen – der Spitznamen. Wie werden diese Personennamen unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung beurteilt? Diese Frage wird im Artikel „Litauische Spitznamen“ von Ž. Urbanavičiūtė und V. Žickutė nicht beantwortet. Dort werden diese Personennamen „nach Struktur und Wortbildung“ in fünf Gruppen eingeteilt: 1) nicht abgeleitete Wörter (Tetà, Slyvà, Žinai), 2) Derivate, die weiter unterteilt werden in suffixlose Ableitungen (Rāčius, Juodis, Plikis, Žiūra), Suffixableitungen (Rūgštelė, Vištukė, Skiltuvas), Präfixableitungen (Berānikė, Pakluōnis) und Präfix-Suffix-Ableitungen (Pakapinis, Panaktinūkas), 3) Komposita, die wiederum in Zusammensetzungen (Penkplaukis, Puragalvis) und Wortgruppen (Guminis Jonas, Sitklo bobutė) unterteilt werden, 4) Derivat-Komposita (Sugrūbnagis, Nulepāusis, Skersgalvinis) und 5) Phrasen (Tavè perkūnėlis, Gerai šako) (Urbanavičiūtė, Žickutė 1975: 60–61). Die angeführten Beispiele zeigen deutlich, dass diese Einteilung nicht mit der Benennung möglicher Wortbildungstypen (Verfahren) von Spitznamen zusammenhängt, sondern lediglich die Struktur dieser Personennamen beschreibt. In der Monografie „Litauische Spitznamen“ werden diese Onyme als onomastisch motivierte inoffizielle Personennamen definiert; ihnen wird eine Bedeutung wie die von Gattungswörtern und die Funktion von Eigennamen zugeschrieben (Butkus 1995: 21, 26). Die Arbeit konzentriert sich vor allem auf die Untersuchung der Motive von Spitznamen; dabei wird angenommen, dass die wortbildungsmorphologische Analyse dieser Personennamen Gegenstand einer anderen wissenschaftlichen Arbeit sein sollte. Die Bildung einiger Spitznamen (von Familien, als Redewendungen sowie zur Bezeichnung des Wohnorts) wird jedoch ebenfalls erörtert. Dies ermöglicht es, die eine oder andere mit der Untersuchung von Spitznamen unter diesem Gesichtspunkt verbundene Auffassung zu beschreiben. Es wird für möglich gehalten, Spitznamen unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung in primäre Formen und Derivate einzuteilen (Butkus 1995: 31, 33). Die ersteren, so heißt es, „unterscheiden sich in nichts vom motivierenden Wort“ (im bereits erörterten breiteren Kontext der wortbildungsmorphologischen Analyse von Onymen wäre das letztere nichts anderes als das Basiswort). Diese Auffassung ließe vermuten, dass Spitznamen wie Adatėlė, Dramblys, Duonėlė, Dviratis, Kāvis, Sūmai- 174 | VITALIJA MACIEJAUSKIENĖ šis, Šlubis, Válkata und Ähnliches, deren motivierende Wörter adatėlė, dramblys, duonelė, dviratis, kalvis, šurmaisis, šlubis, válkata sind, als primäre Formen gelten. Bevor die zweite Gruppe von Spitznamen – die Derivate – behandelt wird, sollte zunächst darauf hingewiesen werden, dass in diesem Fall der Begriff sekundäre Spitznamen besser geeignet wäre. Denn Derivate, also Ableitungen, sind Wörter, die „auf einem einzigen Basiswort beruhen und ein Wortbildungsmorphem enthalten“ (Gaivenis, Keinys 1990: 225). Somit fallen die vom Autor im Folgenden erwähnten und den Derivaten zugeordneten zusammengesetzten und mehrteiligen Spitznamen8 aus dem präzisen Begriffsverständnis dieses Terminus heraus. Der Autor vertritt die Auffassung, dass bei der Bewertung der Wortbildung von Spitznamen andere Kriterien gelten als bei der Wortbildung anderer Onyme, etwa von Gewässernamen, und hält daran fest, dass „von Derivation dann gesprochen werden kann, wenn die Beziehung zwischen Einheiten derselben, d. h. der onomastischen Ebene besteht, also wenn ein Spitzname aus einem Eigennamen gebildet wird und sich strukturell von ihm unterscheidet, z. B.: Agočiūkas (: Agota), Didžiakazis (: didis, Kazys)“ (Butkus 1995: 33). Nach dieser Auffassung können nur solche Spitznamen als sekundär gelten, deren Basiswort ein Onym (ein anderer Personenname) ist; bei zusammengesetzten Spitznamen ist eines der Glieder (oder häufiger beide) ein Onym, und bei mehrteiligen Spitznamen sind meist beide Bestandteile ebenfalls Eigennamen (gewöhnlich Personennamen), z. B.: Agnieškinis: Agnieška v., Aleksandriokas: Aleksandras v., Baltramai­tėlis: Baltramaitis pvd., Bambyziokas: Bambyzas pvd., Gabriokas: Gabrys avd., Kaziškis: Kazys v., Kočelįanka: Kočelas pvd., Lesvinčiokas: Lesvinčius pvd., Martyniukas: Martynas v., pvd., Matakūtas: Matakas pvd., Niemčiukas: Niemčius pvd., Tamošynas, Tamošiokas, Tamošiukas: Tamošius v. und andere (Ableitungen mit verschiedenen Suffixen aus anderen Personennamen); oder: Baltrajurgis: Baltrus, Jurgis v., Bružentis: Bružas pvd., lit. žentas, Kaziopetris: Kazys, Petras v., Lapėnžentis: Lapėnas pvd., lit. žentas, Stasiakazis: Stasys, Kazys v., Šimkažentis: Šimkus pvd., lit. žentas (zusammengesetzte Spitznamen) und Jonų Antanas: Jonas, Antanas v., Kažio Vitas: Kazys, Vitas v., Šimas Jonas: Šimas, Jonas v., Šimo Motiejus: Šimas, Motiejus v., Staskaus Arūnas: Staskus pvd., Arūnas v., Staskyno Stasys: Staskynas pvd., Stasys v., Vinčiuvienės Jasionis: Vinčiuvienė pvd., Jasionis pvd. (mehrteilige Spitznamen). Bei mehrteiligen Spitznamen wie Akmenis Andrijaitis: lit. akmuo, pvd. Andrijaitis, Alksninis Beiga: lit. alksninis, vgl. alksnis, pvd. Beiga, Dūburo Bumblauskis: lit. duburas, Bumblauskis pvd. und Ähnlichem sind die ersten Bestandteile keine Onyme, sondern Gattungswörter. Wie ersichtlich, ist bei der Bewertung der Wortbildung von Spitznamen der Begriff der sekundären Spitznamen (insbesondere der Ableitungen) erheblich eingeengt. Über eine solche Auffassung lässt sich diskutieren. Dies hängt jedoch nicht mit den Zielen dieses Artikels zusammen. Auch in der erörterten Arbeit war die Bewertung der Wortbildung von Spitznamen lediglich eines der peripheren Untersuchungsziele. Pravardžių struktūros analizei skirtas kitas to paties autoriaus darbas (Butkus 1999). Čia vėl patvirtinama nuomonė, kad „apie pravardžių derivaciją galima šnekėti tik tada, kai ji įvyksta onomastiniame, ne apeliatyviniame lygmenyje, t. y. kai pravardė padaroma iš tikrinio žodžio, pvz., Didžiapranis, Adomietis“ (Butkus 1999: 91). Gerade wegen der genannten Auffassung wird im Artikel der Begriff Wortbildung von Spitznamen vermieden, denn nach Ansicht des Autors „würde eine wortbildungsmorphologische Analyse von Spitznamen den untersuchten Gegenstand sehr stark einengen –“ 8 Weitere Ungenauigkeiten im Gebrauch der in dieser Arbeit erwähnten Termini und Begriffe zur Bewertung der Wortbildung von Spitznamen siehe Maciejauskienė (1999: 239–240). DĖL LIET. PAVARDŽIŲ VERTINIMO DARYBOS POŽIŪRIU | 175 jekt: Spitznamen appellativischer Herkunft wären darin nicht enthalten. Die strukturelle Analyse von Spitznamen hingegen erlaubt einen Blick darauf, welche Strukturen von Appellativa zur Bildung von Spitznamen ausgewählt werden“ (Butkus 1999: 91–92). Aus dem Zitierten geht hervor, dass in diesem Fall versucht wird, auf die Untersuchung von Spitznamen das Modell der morphämischen Zerlegung (Analyse der morphologischen Struktur) anzuwenden. Über vieles von dem, was in der besprochenen Untersuchung dargelegt wird, lässt sich wiederum diskutieren: Ist ein solches, unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung sekundäres Verständnis von Spitznamen (insbesondere von Ableitungen) zutreffend (schließlich zeigen zahlreiche Beispiele, die sogar im Artikel angeführt werden, dass Spitznamen, selbst wenn man die subtilsten Nuancen ihrer Besonderheit berücksichtigt, aus Gattungswörtern gebildet werden können und auch gebildet werden); sind nach Abkehr vom Begriff Spitznamenbildung gerade die mit der Wortbildungsanalyse verbundenen Begriffe Suffixableitungen und Endungsableitungen zu verwenden (vgl. Butkus 1999: 93, 97), die das Ergebnis eines Wortbildungstyps und nicht einer Zerlegung in Morpheme (oder der Aussonderung von Formantien) bezeichnen; sind strukturell nur jene Spitznamen zu zerlegen, die von abgeleiteten Appellativa stammen, usw. Solche und ähnliche Fragen ergeben sich unter anderem auch deshalb, weil bei der Untersuchung der Struktur von Spitznamen mit (i)u- und u-Stämmen nicht klar und präzise zwischen dieser und ihrer Wortbildung im üblichen linguistischen Sinne unterschieden wird. Vgl. beispielsweise die in der ersten Schlussfolgerung enthaltene Aussage, dass „Ableitungen mit der Endung -(i)us überwiegen“ (Butkus 1999: 99), was darauf hindeuten müsste, dass alle so qualifizierten Spitznamen das Ergebnis einer Derivation sind und das Wortbildungsformans die erwähnte Endung -(i)us ist, obwohl sich unter den so bezeichneten Spitznamen sowohl Ableitungen mit der genannten Endung als auch primäre Personennamen im wortbildungsmorphologischen Sinne befinden. Sollte man also nicht auf den für die Leser irreführenden Begriff Endungsableitungen verzichten und bei der Untersuchung der Struktur von Spitznamen sie anders beschreiben – sie haben die eine oder andere Endung, weisen eine Endung auf oder Ähnliches? Dasselbe gilt für die Verwendung des Begriffs Suffixableitungen, denn die so bezeichneten Spitznamen haben ganz sicher nichts mit Ableitungen gemein, sondern weisen lediglich das eine oder andere vom Autor herausgearbeitete Formans auf. Wenn man eine ausführlichere Erörterung dieser und anderer problematischer Aspekte, die mit der wortbildungsmorphologischen Bewertung von Spitznamen zusammenhängen, der Zukunft überlässt, lässt sich feststellen, dass Inhalt und wichtigste Thesen der hier sehr kurz besprochenen Arbeiten von A. Butkus zeigen, dass die Untersuchung der Wortbildung und Struktur (morphämischen Beschaffenheit) von Spitznamen nicht nur möglich, sondern bereits erfolgreich begonnen worden ist. Aus dem bisher Geleisteten geht hervor, dass die Besonderheiten von Spitznamen auch einige Wortbildungs- und Strukturmerkmale bedingen, die nur für diese Klasse von Onymen charakteristisch sind. 3.3. Die litauischen Familiennamen sind unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung nicht untersucht worden. In Arbeiten, die diesen Onymen gewidmet sind, wird jedoch neben anderen Aspekten auch ihre Wortbildung bewertet. Die Autoren wählen eine ihren Forschungszielen entsprechende Art der Erörterung von Familiennamen und versuchen mitunter sogar, diese in Gruppen einzuteilen, die mit üblichen Begriffen der Wortbildungslehre bezeichnet werden. Das erlaubt jedoch keine Aussage über eine allgemeine, auch nur einigermaßen ausführliche Klassifikation dieser Personennamen. Eine solche gibt es bislang nicht; wie sie aussehen könnte, würde offenbar davon abhängen, welche Auffassung man von der Wortbildung dieser sehr spezifischen Onymen vertritt. P. Jonikas teilt die litauischen Familiennamen unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung in drei Gruppen ein (Jonikas 1968: 557). Die erste besteht aus „einsilbigen, heute suffix- und präfixlosen Namen wie Žūkas, Baitis, Kedys, Rugà, Pėmpė, Nòrkus, Šėrnius“. Die andere Gruppe bilden dem Autor zufolge suffix- und präfixhaltige Familiennamen. Für die ersteren werden zahlreiche Beispiele angeführt (Grūmadas, Dalinda, Tilindis, Aukštiejus, Toleikis, Bražiškis, Beržinis, Jurkynas, Keliuotis, Dárgūzas usw.) und es wird festgestellt, dass die am häufigsten verwendeten Suffixe -ikas, -ukas, -iškis, -ėlis, -ėlis, -ėnas, -ynas, -onis, -ūnas, -aitis usw. sind. Zu den letzteren heißt es, dass es nicht viele davon gibt (Bepirstis, Nelāimiškis, Nuopėnas, Pakalniškis, Užupis). Die dritte Gruppe bilden zusammengesetzte Familiennamen, die der Autor offenbar in zwei Untergruppen gliedert: a. Aukštikalnis, 176 VITALIJA MACIEJAUSKIENĖ Didžbalis, Drūtjonas, Ketūrakis, Puškenalaitis, Šešnaukis, Vienažindys, Žiemitys; b. Būt-rimas, Min-daugas, San-gaila, Vis-girdas. Weiter heißt es, dass die Familiennamen der zweiten Untergruppe (b) die ältesten sind. Aus dem Dargelegten geht nicht hervor, welche Auffassung der Autor von der Wortbildung der Familiennamen hat, d. h. welches der im Artikel unterschiedenen Modelle – die Wortbildungsanalyse oder die morphämische Zerlegung – er für die Untersuchung von Familiennamen als angemessen erachtet. Im ersten Fall würden die „einsilbigen, heute suffix- und präfixlosen“ Personennamen wortbildungsmorphologisch primäre Familiennamen und mögliche sekundäre – Ableitungen mit Endungen – voraussetzen. Die Familiennamen der zweiten Gruppe, die als suffix- und präfixhaltig bezeichnet werden, wären sekundär – Suffix- und Präfixableitungen –, die der dritten Gruppe hingegen, wie ausdrücklich benannt, zusammengesetzte Familiennamen. So ließen sich die von P. Jonikas unterschiedenen Familiennamengruppen anhand einer für die Untersuchung der Wortbildung von Ortsnamen entwickelten Klassifikation einordnen. Plausibler erscheint es jedoch, die Einteilung des Autors nicht mit einer Analyse der Familiennamenbildung in Verbindung zu bringen, sondern davon auszugehen, dass es ihm darum ging, wichtigere Strukturmerkmale litauischer Familiennamen zu nennen. Der Begriff Ableitung wird nicht verwendet; anhand der angeführten Beispiele wird lediglich gezeigt, dass ein Personenname das eine oder andere Suffix aufweist, ein Präfix besitzt, zusammengesetzt ist usw. Außerdem behauptet der Autor nicht, dass die Familiennamen der genannten Gruppen auf die eine oder andere Weise gebildet seien, was als eines der Merkmale dafür gedeutet werden könnte, dass eine wortbildungsmorphologische Analyse dieser Personennamen anerkannt wird. Mit einer eigentlichen Analyse der Bildung litauischer Familiennamen lässt sich offenbar auch das im Werk „Lietuvių kalbos žodžių daryba“ (Skardžius 1996) Dargelegte nur schwer in Verbindung bringen. Bei der Analyse der Ableitungen mit dem einen oder anderen Suffix werden hier neben Gattungswörtern auch Eigennamen – Ortsnamen und Familiennamen sowie andere Personennamen – angeführt. Auf diese Weise werden Letztere in den allgemeinen Untersuchungskontext der historischen Wortbildung des Litauischen einbezogen; es wird festgestellt, dass etwa auch Familiennamen das herausgearbeitete und besprochene Formans, nämlich ein Suffix, aufweisen. Dies lässt sich mit dem Modell der morphämischen Zerlegung (zumindest einer partiellen) in Verbindung bringen, auch wenn die Formulierungen der Aussagen weniger kundige Leser irreführen können. So heißt es zu den Suffixen -ila-, -ila, -ilja-, -yla-, -yla, dass „mit diesem Suffix bisweilen auch Eigennamen gebildet werden, z. B. die Familiennamen Dovilas, Gintilas, Jōkilas, Jundilas, <...> Vaidilas...“ (Skardžius 1996: 181). Oder wenn es heißt: „Sowohl mit dem Suffix -yla- als auch mit -yla gibt es auch gebildete Eigennamen“, werden anschließend die Familiennamen Aurylà, Braukylà, Kausylà, Kirkylà und weitere angeführt, die als Bildungen bezeichnet werden (Skardžius 1996: 183); zu den Suffixen -ušà, -ušà und -ušja- wird festgestellt, dass „diese Suffixe häufiger zur Bildung von Familiennamen verwendet werden“, und es werden die Familiennamen Bartūšas, Grābušas, Kibūšas, Bābuša, Baltrūšis, Baltūšis, Gailūšis, Gudūšis, Toliūšis, Tipušys aufgezählt (Skardžius 1996: 318). Von solchen oder ähnlichen Aussagen, in denen der Begriff Bildung verwendet und gesagt wird, dass Familiennamen mit dem einen oder anderen Suffix gebildet werden (oder worden sind), ließen sich viele anführen. Ihnen könnten anders formulierte Aussagen gegenübergestellt werden: Es heißt, „mit -ota gibt es offenbar nur Eigennamen“, und es werden die Familiennamen Aūšrota, Baniotà, Būlota, Kilotà genannt (Skardžius 1996: 345); zum Suffix -enja heißt es, „dass es mit diesem Suffix auch Eigennamen gibt“, woraufhin die Familiennamen Audēnis, Augēnis, Barzdēnis (und Barzdenys), Girdēnis, Kalvēnis, Skurdēnis, Šakēnis, Tylēnis angeführt werden (Skardžius 1996: 235); oder: „Das Suffix -ega finden wir in Wörtern...“, woraufhin Gattungswörter und die Familiennamen Apšėga, Ašmegà, Dabregà aufgezählt werden (Skardžius 1996: 103); „Mit dem Suffix -eika- sind dagegen nur einige Eigennamen bekannt, z. B. Elseikas, Gedeikas, Kebeikas, Noreikas, Rupeikas (Familiennamen)“ (Skardžius 1996: 159); „Das abgeleitete Suffix -eikja- weist... auf“, woraufhin Gattungswörter und DĖL LIET. PAVARDŽIŲ VERTINIMO DARBYBOS POŽIŪRIU | 177 … und Familiennamen Bareikis, Drąseikis, Drūteikis, Gudeikis, Jauneikis, Juodeikis, Kurpeikis usw. (Skardžius 1996: 161). Aussagen dieser oder ähnlicher Art, in denen der Terminus Ableitung nicht vorkommt und nicht gesagt wird, dass die Familiennamen mit dem einen oder anderen Suffix gebildet sind (stattdessen heißt es: es gibt Eigennamen mit einem Suffix, Suffixe finden sich, ein Suffix ist vorhanden und Ähnliches), ließen sich wiederum zahlreich anführen. Die unterschiedlichen Formulierungen von Aussagen, auf die hier aufmerksam gemacht wurde, könnten im Kontext der in diesem Artikel erörterten Probleme wie zwei verschiedene Möglichkeiten erscheinen, die Wortbildung von Familiennamen zu beurteilen. Dem ist jedoch nicht so. Wie bereits erwähnt, wird in vielen Fällen, in denen die Wortbildung appellativer und proprialer Wörter nicht auf unterschiedlichen Ebenen betrachtet wird, offenbar lediglich gezeigt, dass auch Familiennamen das eine oder andere erörterte Suffix aufweisen. Dasselbe gilt für einen beträchtlichen Teil der genannten Ortsnamen (vgl. den Fall, dass bei der Behandlung des Suffixes -ūna- Familiennamen mit diesem Suffix angeführt werden – Augūnas, Baldūnas, Baltrūnas, Braždžiūnas, Girdžiūnas, Gailiūnas usw. – sowie überwiegend patronymischen Ursprungs Ortsnamen, die dieses Suffix enthalten: Baltrūnai, Berniūnai, Ilčiūnai (Skardžius 1996: 280); Letztere, die aus Personennamen mit dem Suffix -ūnas entstanden sind, könnten keinesfalls als Ableitungen beurteilt werden, deren Wortbildungsaffix das hier behandelte Suffix ist). Natürlich sind nur im lebendigen Sprachgebrauch verwendete inoffizielle Personennamen als Ableitungen zu beurteilen, die mit Suffixen gebildet sind. Zum Suffix -aitija wird beispielsweise unter anderem gesagt, dass es in den ostaukštaitischen Dialekten weithin zur Bezeichnung der Familiennamen unverheirateter Mädchen verwendet wird; dazu werden Personennamen angeführt – Jonuškaitė, Karaliūnaitė, Paiuodaitė, Puodžiūnaitė, Viksvaitė. Mit dem Suffix -oka- können inoffizielle Personennamen für herangewachsene, aber noch unverheiratete junge Männer gebildet werden, z. B.: Breivōkas, Karaliūniōkas, Raišeliōkas, Viksviókas, Žiauniōkas; als Ableitungen mit den Suffixen -ienė und -uvienė sind Frauennamen wie Jonienė, Petrienė, Vaičiūnienė, Viksvienė, Šalčiuvienė usw. anzusehen (Skardžius 1996: 360, 133, 290). Auf solche Personennamen – inoffizielle Formen und Frauennamen – wird später noch eingegangen. Angaben zur Beurteilung der Wortbildung litauischer Familiennamen finden sich auch im „Wörterbuch der litauischen Familiennamen“. Bei der Erläuterung der Herkunft dieser Personennamen wird mitunter auch ihre Wortbildung beschrieben. Bereits in der Einleitung zum ersten Band werden Familiennamen erwähnt, die mit verschiedenen Suffixen aus christlichen Vornamen gebildet wurden; es heißt, ihre litauische Herkunft werde dadurch belegt, dass sie litauische patronymische Suffixe -aitis, -ėnas, -onis, -ūnas aufweisen; die Familiennamen werden als Suffuxableitungen bezeichnet (LPŽ I 14, 28). Der Terminus Suffixableitung wird im Wörterbuch wohl am häufigsten verwendet: Abazōnius – Ableitung mit dem Suffix -orius aus abāzas; Albaitis – Ableitung mit dem Suffix -aitis aus Albas; Aleksaitis – Ableitung mit dem Suffix -aitis aus Aleksà; Aliūlis – Ableitung mit dem Suffix -ulis aus Ālis; Ameliūnas – Ableitung mit dem Suffix -ūnas aus einem Personennamen, der mit poln. Amelius in Verbindung gebracht wird; Mikūlis – Ableitung mit dem Suffix -ulis aus Mikas; Mōrkvenas – Ableitung mit dem Suffix -ēnas aus dem u-stämmigen Familiennamen Mōrkus; Ruginis – Ableitung mit dem Suffix -inis aus lit. rugys, rugiai; Rūtelionis – Ableitung mit dem Suffix -onis aus *Rūtelis oder Ähnlichem; Seliūkas – Ableitung mit dem Suffix -iukas (zu sel- siehe Seleckas). Wie ersichtlich, sind die Grundwörter der hier angeführten Suffixableitungen sowohl appellative als auch propriale Substantive. Der genannte Terminus wird im Wörterbuch uneinheitlich verwendet, sodass die Bildung zahlreicher Familiennamen analoger Struktur nicht beschrieben wird. Stattdessen wird lediglich auf einen anderen Personennamen derselben Herkunft verwiesen, der kein patronymisches oder sonstiges Suffix besitzt (vgl. die Einträge zu den Familiennamen Aleksiūnas, Alijošaitis, Alitōnis, Andreikōnis, Popieraitis, Rūželė, Sirūnas, Sirūnaitis usw.). Für die Erklärung der Herkunft der Familiennamen reicht dies völlig aus. 178 | VITALIJA MACIEJAUSKIENĖ Labai retai vartojamas terminas galūnės vedinys: Diržys, Diržius – galbūt galūnių -ys, -ius vediniai iš liet. diržas; Duonis – galūnės vedinys iš liet. duona; Gaižys, Gaižius – galūnių -ys, -ius vediniai iš liet. gaižus ir pan. Dažniausiai tokiais atvejais etimologizuojamo asmenvardžio ir etimono ryšys nurodomas be pirmojo darybos vertinimo, pvz.: Balčius – iš liet. báltas; Nógnius – galbūt sietina su liet. nogniùs, nôgnas; Saldà, Saldỹs – sietina su liet. saldùs; Skruzdỹs – sietina su liet. skruzdė; Skubrys – iš liet. skubriùs; Vilnius – galbūt kildintina iš liet. vilna ir pan. Visiškai nevartojama sąvoka pirminės pavardės. Taip darybos požiūriu apibūdintos pavardės tiesiog siejamos su jų etimonu, kuris dažniausiai yra bendrinis žodis, pvz.: Abišala – iš liet. abišala; Abuója – iš liet. abuója; Béržas – iš liet. beržas; Dagilis – iš liet. dagilis; Geibà – iš liet. geibà; Kamštis – sietina su liet. kamštis; Kirmėlė – iš liet. kirmėlė; Paukštis – iš liet. paukštis; Tilvikas – iš liet. tilvikas ir pan. Tikriniai žodžiai kaip etimonai nurodomi labai retai, pvz.: Stasỹs, Stãsius – iš krikščioniško vardo Stanislovas trumpinių Stasỹs, Stãsius; Stanỹs – iš krikščioniško vardo Stanislovas trumpinio Stanỹs; Pranỹs – iš krikščioniško vardo Pranciškus trumpinio Pranỹs. Pastaraisiais atvejais būtų galima kalbėti apie pirminiais vadintinų asmenvardžių (pavardžių) atsiradimo iš kitų asmenvardžių (krikščioniškų vardų trumpinių) galimybę. Familiennamen, die aus alten zweistämmigen Personennamen entstanden sind, werden meist als Komposita bezeichnet (vgl. Arminas, Būtrimas, Būtvydas, Būtvilà, Daugirdas, Gediminas, Gedrimas, Gintautas, Kantminas, Mažvilà, Nórmantas, Vilbutas), seltener als zweistämmige Namen (vgl. Gėdbutas, Saūdravas, Skirgila, Skirvainis, Taūtvaišas). Bei der Erläuterung ihrer Herkunft werden beide Bestandteile (Stämme) herausgearbeitet und ihre Etymologien angegeben. Als Komposita werden auch manche Familiennamen wie Baltkójis bezeichnet – aus báltas, -à und kója; Namgalys – vgl. lit. nãmas und gãlas; Šešplaukis – aus lit. šeši und pláukas. Mitunter wird auf die Bezeichnung Kompositum-Familienname verzichtet und sofort werden die Bestandteile eines solchen Personennamens erläutert: Juodjurgis – aus júodas, -à und dem PN Jùrgis; Júodkazis – aus júodas, -à und dem PN Kazỹs; Juodpūsis – möglicherweise aus júodas, -à und pùsė. Familiennamen, die mit einem Kompositum als Etymon verbunden sind, werden nirgends als Komposita bezeichnet (vgl. Júodgalvis – aus lit. júodgalvis; Juodsnùkis – aus lit. juodsnùkis usw.). Im Wörterbuch findet sich auch der Terminus zusammengesetzter Familienname. So werden die Familiennamen Talàt-Kelpšà, Talat-Kelpšas. bezeichnet. Aus der kurzen Übersicht geht hervor, dass die Wortbildung dieser Personennamen im „Wörterbuch der litauischen Familiennamen“ weder systematisch noch einheitlich behandelt wird. Die fragmentarischen Beschreibungen der Familiennamenbildung zeigen, dass die Untersuchungsebenen der Wortbildung appellativer und proprialer Wörter nicht unterschieden werden und die Besonderheiten der Analyse der Wortbildung von Onymen sowie der Beurteilung der Wortbildung von Familiennamen als besonders spezifischen Personennamen unberücksichtigt bleiben. Die Verfasser dieses Wörterbuchs hatten dafür schlicht keinen Bedarf (oder die Zeit für eine ausführlichere Betrachtungsweise war einfach noch nicht gekommen). Eine weitere Veröffentlichung, in der die Bildung heutiger Familiennamen zu erörtern versucht wird, ist J. Šukys Artikel „Die Familiennamen von Miežiškėnai“. Der Autor unterscheidet folgende Gruppen: 1) nicht abgeleitete, 2) Endungsableitungen, 3) Suffixableitungen, 4) Präfixbildungen, 5) Komposita (Šukys 1986: 86–89). Die Familiennamen der ersten Gruppe, die im Kontext der gesamten vorgelegten Klassifikation auch als primäre bezeichnet werden könnten, sollen zwei Typen umfassen: a) aus Spitznamen entstandene, deren „Basis ein appellatives Wort bildet“ (z. B.: Kiaùšas, Vìlkas, Vã nagas, Švìlpa, Barzdà, Gaidỹs, Vėžỹs, Kapšỹs); b) Familiennamen, die aus christlichen Vornamen oder deren Varianten hervorgegangen sind (z. B.: Imbrãsas, Ūrbonas, Bagdónas, Ramónas, Grigãlius, Gabrỹs, Daškỹs, Ulỹs, Juškà, DĖL LIET. PAVARDŽIŲ VERTINIMO DARYBOS POŽIŪRIU | 179 Jėčius). Bei den als Ableitungen mit Flexionsendungen bezeichneten Familiennamen werden drei Untergruppen genannt: a) aus Adjektiven (z. B.: Rudys, Žilys, Kairys, Šiaurys); b) aus Substantiven (z. B.: Kluonis, Pinigis, Smetonis); c) aus Verben (z. B.: Skrebė, Pliuškis, Tvaskà). Die Familiennamen der dritten Gruppe – die Suffixableitungen – werden so beschrieben, dass bei der Bildung von Familiennamen „das Suffix gewöhnlich an einen christlichen Vornamen, seltener an einen Personennamen angefügt wird, der von einem Gattungswort stammt, dessen Stamm auch nichtlitauisch sein kann“. Hier eine Auswahl von Familiennamen, die als Suffixableitungen bezeichnet werden: Tamošiūnas, Morkūnas, Šaučiūnas, Povilūnas, Karaliūnas, Sitkūnas (Suffix -ūnas); Grigonis, Čėponis, Švilponis, Kupronis (Suffix -onis); Jizikėnas, Gudėnas (Suffix -ėnas); Čičėlis, Maselis (Suffix -elis); Meilūtis, Tarutis (Suffix -utis); Vareikà, Deveikis (Suffixe -eika, -eikis); Lukoševičius, Balsevičius, Daraškevičius (Suffix -evičius); Urbonavičius, Karpavičius, Sipavičius (Suffix -avičius); Drebickas, Lipnickas (Suffix -ickas) usw. Präfixableitungen und zusammengesetzte Familiennamen werden nicht näher charakterisiert; es wird lediglich festgestellt, dass sie selten seien, und es werden Beispiele angeführt: Užusienis (Präfixableitung), Vienażindis, Vidugiris (Zusammensetzungen). Der Autor behandelt gesondert auch die Familiennamen verheirateter Frauen, von Jungen und Kindern sowie von Mädchen und jungen Frauen, wobei er sich hauptsächlich mit ihrer Bildung befasst (Šukys 1986: 94–98). Alles, was dazu gesagt wird, betrifft sowohl die Bildung offizieller geschlechtsspezifischer Familiennamen, die den im litauischen Standard geltenden Regeln unterliegt (Familiennamen verheirateter Frauen sowie ein Teil der Familiennamen von Mädchen und jungen Frauen), als auch inoffizielle, in der gesprochenen Sprache verbreitete Familiennamensformen und deren Bildung (Familiennamen von Jungen und Kindern sowie ein Teil der Familiennamen von Mädchen und jungen Frauen). Im Kontext der erörterten Probleme ist die Auffassung des Autors zur Bildung offizieller Männerfamiliennamen von größter Bedeutung. Lässt man Zweifel hinsichtlich der Bildungsanalyse einiger Familiennamen und ihrer Zuordnung zu einer der fünf Gruppen beiseite, ist hervorzuheben, dass die Familiennamen im Kontext der bereits mehrfach erwähnten Klassifikation der Ortsnamen in primäre (nicht abgeleitete) und sekundäre (Ableitungen mit Flexionsendungen, Suffixableitungen, Präfixableitungen, Zusammensetzungen) eingeteilt werden. Dabei werden allerdings die Begriffe primäre Familiennamen und sekundäre Familiennamen nicht verwendet. Auch der Terminus Grundwort wird nicht genannt. Obwohl sich aus der Beschreibung der Familiennamengruppen erschließen lässt, was nach Auffassung des Autors die Grundwörter der behandelten Personennamen sind: bei nicht abgeleiteten (oder primären) Familiennamen Spitznamen oder christliche Vornamen, bei Ableitungen mit Flexionsendungen Adjektive, Substantive (aus den Beispielen und dem gesamten Kontext geht hervor, dass ausschließlich Gattungsnamen gemeint sind) und Verben, bei Suffixableitungen christliche Vornamen und von Gattungswörtern abgeleitete Personennamen. Präfixableitungen und zusammengesetzte Familiennamen werden unter diesem Gesichtspunkt nicht ausführlich behandelt. Die von J. Šukys herausgestellten Bildungstypen (Bildungsweisen) der Familiennamen und ihre knappe Charakterisierung belegen somit, dass der Autor die Auffassung vertritt, gegenwärtige litauische Familiennamen könnten aus Gattungs- und Eigennamen gebildet sein (häufiger aus Letzteren). Bislang war von Versuchen die Rede, gegenwärtige Familiennamen unter dem Gesichtspunkt ihrer Bildung zu beurteilen. Offenbar gelten dieselben Kriterien auch für historische Familiennamen. Denn es ist unerheblich, wann Familiennamen in Gebrauch sind oder waren – heute oder im 18.–19. Jahrhundert. Entscheidend ist, dass diese Personennamen der Unterklasse der Familiennamen angehören, d. h. sämtliche für diese Onyme charakteristischen Eigenschaften aufweisen. Die Bildung der Familiennamen des späten 18. Jahrhunderts wird in einem Artikel von M. Ramonienė behandelt (Ramonienė 1987). Ausgewählt wurde ein Typ dieser historischen Personennamen – Familiennamen mit Spitznamenursprung- 180 | VITALIJA MACIEJAUSKIENĖ s. Es ist nicht ganz klar, welche Familiennamen nach Auffassung der Autorin als Familiennamen mit Spitznamenursprung zu bezeichnen sind. Denn sie erklärt, ein großer Teil der Männerfamiliennamen sei „aus Appellativa (Bezeichnungen für Haustiere, Wildtiere, Pflanzen, verschiedene Gegenstände und Erscheinungen sowie Wörter mit abstrakter Bedeutung) mit unterschiedlichen Wortbildungselementen oder ohne sie entstanden und aus zwei Wörtern zusammengesetzt“, und bezeichnet solche Familiennamen als Familiennamen mit Spitznamenursprung, „die meist nicht unmittelbar aus Gattungswörtern, sondern aus Spitznamen hervorgegangen sind“ (Ramonienė 1987: 135). Woraus sind die Familiennamen dieses Typs also entstanden – aus Appellativa oder aus Eigennamen, d. h. Spitznamen? Eine Antwort auf diese Frage muss bei der Beurteilung von Familiennamen mit Spitznamenursprung unter dem Gesichtspunkt ihrer Bildung gefunden werden. Aus den weiteren Ausführungen des Artikels lässt sich entnehmen, dass die Auffassung vertreten wird, die behandelten Familiennamen seien aus Appellativa entstanden. Sie werden in zwei Gruppen eingeteilt – primäre und sekundäre –, und die Familiennamen der ersten Gruppe werden als „zu Familiennamen gewordene Appellativa beschrieben, die während der Anthroponymisierung keinerlei formale Bildungsmerkmale erhalten haben“ (Ramonienė 1987: 136). Außerdem wird darauf hingewiesen, dass in Fällen, in denen das mutmaßliche Grundwort der Familiennamen eine Ableitung ist, d. h. Wortbildungselemente enthält, schwer festzustellen ist, ob die Familiennamen primär sind oder „nach dem Wortbildungsmodell der Appellativa gebildet wurden“. Im Folgenden werden die primären Familiennamen in substantivische und adjektivische unterteilt; es wird festgestellt, dass die ersteren am zahlreichsten sind (die Beispiele wurden wie im Artikel in der Originalschreibweise der historischen Quelle belassen): Asytas, Balandis, Gaygatas, Szapalas, Wabatas, Wilkas, Zwirblis (aus Tierbezeichnungen); Alksnis, Apinis, Dagis, Kalendra, Szaławija, Zyłwitis (aus Pflanzenbezeichnungen); Dragūnas, Girininkas, Melnikas, Seniūnas (aus Wörtern für Berufe, Gewerbe und gesellschaftliche Stellung); Gudas, Korain, Latwis, Lenkas (aus Volksbezeichnungen) sowie weitere semantische Gruppen von Familiennamen mit Spitznamenursprung, die aus bildungsmorphologischer Sicht primär sind und nach der Bedeutung ihrer Grundwörter – der Appellativa – unterschieden werden. Von den adjektivischen Familiennamen werden nur wenige angeführt: Girtas, Kitras, Piktasis. Sekundäre Familiennamen werden als verschiedene Ableitungen (Derivate und Komposita) beschrieben. Was jedoch im Folgenden angeführt wird, scheint dieser Auffassung zu widersprechen. So wird beispielsweise behauptet, dass aus Vatersnamen entstandene Familiennamen die Suffixe -aitis, -onis, -ūnas aufweisen (vgl. Bitinaytis, Kreywaytis, Kaukonis, Žydonis, Kaylunas, Tyłunas). Wenn dem so ist, handelt es sich bei solchen Familiennamen nicht um Ableitungen, denn mit den genannten Suffixen sind ihre Grundwörter gebildet – die Vatersnamen, die selbst Ableitungen mit den genannten Suffixen sind. Die Familiennamen hingegen weisen lediglich die litauischen patronymischen Suffixe -aitis, -onis, -ūnas auf. Anschließend werden Familiennamen mit den Suffixen -ovič und -evič erwähnt, z. B.: Auksutowicz, Barzdowicz, Baublewicz, Szerkszniewicz. Obwohl sie der Gruppe der unter dem Gesichtspunkt ihrer Bildung sekundären Familiennamen zugeordnet werden, werden bei ihrer Beschreibung die Begriffe Derivat oder Suffixableitung ebenfalls nicht verwendet; es wird lediglich festgestellt, dass die Familiennamen die genannten Suffixe aufweisen. Tatsächlich handelt es sich auch hierbei um Familiennamen, die aus Vatersnamen oder Patronymen10 entstanden sind; die genannten Personennamen wurden lediglich nicht mit litauischen, sondern mit slawischen patronymischen Suffixen -ovič, -evič gebildet. Auch Familiennamen mit Suffixen vom Typ -sk- werden nicht als Ableitungen bezeichnet, z. B.: Bumbłowski, Burnecki, Gabalewski, Szerniewski, Wilkowski. Bei der Erörterung von Familiennamen mit den Suffixen -elis, 9 Nach dem Wort reiškinių dürfte vermutlich noch das Wort pavadinimų stehen, das beim Schreiben, Redigieren oder Korrekturlesen wahrscheinlich versehentlich ausgelassen wurde. 10 Dėl šių terminų sampratos žr. Maciejauskienė 1991: 16–17. DĖL LIET. PAVARDŽIŲ VERTINIMO DARYBOS POŽIŪRIU | 181 -ėlis, z. B.: Auxelis, Dwarelis, Medelis, Pukelis, Szawksztelis, Wanagelis, unter anderem heißt es, dass „es nahezu unmöglich ist festzustellen, welche Familiennamen mit diesen Suffixen nicht abgeleitet sind und aus Diminutiv-Appellativen entstanden sind und welche mit diesen Suffixen aus nicht abgeleiteten Personennamen gebildet wurden“ (Ramonienė 1987: 137). Somit wird anerkannt, dass zumindest ein Teil dieser Familiennamen Ableitungen aus Personennamen mit den Suffixen -elis, -ėlis sind. Als Ableitungen aus Substantiven gelten Familiennamen mit dem Suffix -inis, z. B.: Galinis, Grikinis, Meszkinis, Pilwinis, Ruginis; mit -iškis, z. B.: Dwaryszkis, Pakalniszkis, und weitere; Ableitungen aus Adjektiven sind Familiennamen mit den Suffixen -eika, -eikis, z. B.: Jodeykis, Mazeyko, mit dem Suffix -enis, z. B.: Szaltenis, Szymenis usw. Zu Ableitungen mit Endungen wird gesagt, dass damit Familiennamen gemeint sind, „deren derivationelles Kennzeichen die Endung des Derivats ist“, und hinzugefügt, dass es oft schwierig ist festzustellen, welche Familiennamen Endungsableitungen sind und welche primär sind, also aus abgeleiteten Appellativen entstanden sind (Ramonienė 1987: 138). Als Ableitungen aus Substantiven mit den Endungen -is oder -ys gelten die Familiennamen Dob ilis, Gabalis, Morkis, Rutys, Szalnis usw., mit der Endung -ius – Barzdzius, Bruknius, Szernius, Warnius; als Ableitungen aus Adjektiven mit den Endungen -is oder -ys – Baykszetis, Ploksz tis, Raudonis, mit der Endung -ius – Baykszcius, Balczius, Budrius; als Ableitungen aus Verben mit der Endung -as – Augas, Skubas, mit der Endung -ius – Bildzius, Ciauszkus, Skirius, Linkius usw. „Die Präfixbildung ist kein charakteristisches Verfahren der litauischen Familiennamenbildung“, heißt es weiter im Artikel; anschließend werden folgende Präfixableitungen angeführt: Pabarzdis, Papievis, Padaubis (Präfix pa-), Uzba lis, Uzpurvis, Uz wilkis (Präfix už-). Danach werden zusammengesetzte, aus Spitznamen hervorgegangene Familiennamen erörtert, z. B.: Gudlenkis, Lauzkemys, Wayciurgis, Auksz takalnis, Battaragis, Kiaturakis, Žemgulis usw. Im Artikel finden sich diskutierbare Fälle der Interpretation der Familiennamenbildung, die unter anderem auch durch die bereits erwähnte Unschärfe des Begriffs der aus Spitznamen hervorgegangenen Familiennamen bedingt sind. Lässt man dies beiseite, ist zusammenfassend festzuhalten, dass bei der Beurteilung historischer Familiennamen des ausgewählten Typs unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung nicht abgeleitete, also primäre, und sekundäre Familiennamen unterschieden werden. Letztere sind Präfix-, Suffix- und Endungsableitungen sowie Komposita, also zusammengesetzte Familiennamen. Als Basiswörter primärer Familiennamen gelten vermutlich ausschließlich Appellative, während bei sekundären – den Ableitungen – sowohl Appellative als auch Eigennamen als Basiswörter dienen. Die Bildung historischer Familiennamen wird noch in einer weiteren Publikation behandelt, im Artikel „Die Bildung männlicher Familiennamen im Kreis Ragnit vom späten 18. bis zum frühen 19. Jahrhundert“ (Žemienė 1999). Darin wird versucht, einige Besonderheiten der Beurteilung der Familiennamenbildung zu erörtern. Die Autorin erklärt, die Familiennamenbildung „unterscheide sich ihrem Wesen und ihrer Art nach grundlegend von der Wortbildung des allgemeinen Wortschatzes“, vertritt die Ansicht, Familiennamen sollten nicht als Ableitungen bezeichnet werden, da sie alle aus Personennamen hervorgegangen seien, unterscheidet echte Familiennamen-Affixe (litauische und slawische patronymische, diminutive und andere Suffixe) usw. (Žemienė 1999: 225–226). Eine klarere Klassifikation wird nicht vorgelegt, doch werden alle Familiennamen in zwei große Gruppen eingeteilt, je nachdem, ob sie die genannten echten Familiennamen-Affixe aufweisen oder nicht. In der ersten Gruppe werden als am häufigsten Familiennamen mit dem litauischen patronymischen Suffix -aitis und seinen Varianten -ait, -ats, -at genannt, z. B.: Balcjunatis, Plau[j]zinatis, Jokubat, Weleikat, Rumelait, Uzkurr ait, Milkeraitis, Sudergaitis. Daneben werden hier Familiennamen mit den Suffixen -utis (-ut), -ik(a)s, -ulis, -elis, -uk(as), Suffixen des Typs -sk- sowie den patronymischen Suffixen -on(i)s, -ūn(a)s, -ovič angeführt. Nach Ansicht der Autorin gibt es nur wenige solcher Familiennamen. Die Familiennamen der zweiten Gruppe haben keine sogenannten echten Familiennamen- 182 | VITALIJA MACIEJAUSKIENĖ Affixe; daher wird vorgeschlagen, sie in einem eingeschränkten Sinne als „primär“ zu bezeichnen, z. B.: Auksle, Baržtys, Didkrižtys, Ludkus, Negrajus, Rimkus, Smilgius, Užbalis, Walantejus usw. Wie ersichtlich, beschränkt sich die Erörterung der Bildung historischer Familiennamen in diesem Fall darauf, Familiennamen mit einigen bestimmten Suffixen herauszugreifen. Sie werden nicht als Ableitungen bezeichnet. Alle übrigen Familiennamen, die sogenannten „primären“, werden lediglich alphabetisch aufgeführt; ihre Struktur wird nicht näher erörtert. Dies könnte als partielle Morphemanalyse (oder als partielle Anwendung des Modells der Morphemsegmentierung) bewertet werden. Denn herausgegriffen werden nur einige Morpheme, die aus Sicht der Autorin wichtig und erörterungsbedürftig sind, nämlich die genannten Familiennamensuffixe. 4. MÖGLICHKEITEN DER WORTBILDUNGS- UND STRUKTURANALYSE VON FAMILIENNAMEN 4.1. Zusammenfassend lässt sich zu den Aussagen über die Familiennamenbildung in den erörterten onomastischen Arbeiten feststellen, dass es bislang keine umfassende, kohärente und mit überzeugenden Argumenten begründete Position zur Beurteilung der Bildung dieser Personennamen gibt. Abhängig von den Zielen der jeweiligen Autoren werden mitunter lediglich wichtigere Merkmale der Struktur litauischer Familiennamen herausgearbeitet (Jonikas 1968), oder es wird nach dem einen oder anderen Suffix in Familiennamen gesucht und dadurch werden diese Personennamen in den allgemeinen Kontext der historischen Wortbildung des Litauischen eingeordnet (Skardžius 1996). Auch bei der Erklärung der Herkunft litauischer Familiennamen wird die Familiennamenbildung angesprochen. Dies geschieht jedoch, ohne die Ebenen der Wortbildung von Appellativa und Eigennamen auseinanderzuhalten und ohne auf die Besonderheiten der Beurteilung der Bildung von Familiennamen als spezifischen Personennamen einzugehen (LPŽ). In zwei Publikationen wird versucht, die Familiennamenbildung zu untersuchen (Šukys 1986; Ramonienė 1987). Dort werden Familiennamen in Gruppen eingeteilt. Diese werden mit Termini bezeichnet, die üblicherweise bei der Untersuchung der Bildung von Appellativa oder Onymen verwendet werden (vgl. nicht abgeleitete oder primäre Familiennamen, sekundäre Familiennamen, Endungsableitungen, Suffix-, Präfix- und zusammengesetzte Familiennamen oder Suffix- und Präfixableitungen sowie Komposita usw.). Beide Artikel gehen davon aus, dass die Basiswörter der als Bildungen anerkannten Familiennamen sowohl Appellativa als auch Eigennamen sein können. In der zuletzt genannten Arbeit wird bei der Erörterung der Familiennamenbildung das Modell der partiellen Morphemsegmentierung angewandt. Besonders wichtig ist, dass dort versucht wird, einige Besonderheiten der Familiennamenbildung zu erörtern (Žemienė 1999). 4.2. Wie also könnten litauische Familiennamen unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung beurteilt werden? Kurz sollte auf das zurückgekommen werden, was zu Beginn des Artikels gesagt wurde. Wie erwähnt, ist es bei der Untersuchung der Bildung von Onymen sehr wichtig, die Besonderheiten der jeweiligen Onymklasse (Unterklasse) zu berücksichtigen, d. h. festzustellen, wie das Onymsystem entstanden und gebildet worden ist und ob es weiterhin um neue Einheiten ergänzt wird oder geschlossen ist usw. Dies bestimmt die Möglichkeiten der Untersuchung der Eigennamenbildung. Vermutlich ist ebenso wichtig, woraus die Onyma einer bestimmten Klasse (Unterklasse) entstanden sind. Ergänzt man all dies um Erkenntnisse aus der Forschung zur Bildung heutiger litauischer Onyma, lässt sich auch versuchen, die Besonderheiten der Beurteilung der Familiennamenbildung zu beschreiben. Die Ergebnisse der Untersuchung der Gewässernamenbildung zeigen, dass sich ihre Entstehung folgendermaßen veranschaulichen lässt: Appellativ → Gewässername oder Eigenname → Gewässername. Solche DĖL LIET. PAVARDŽIŲ VERTINIMO DARYBOS POŽIŪRIU | 183 Diese Schemata eignen sich für nahezu alle Wortbildungstypen (Verfahren), und vor allem sowohl für primäre als auch für sekundäre Hydronyme. Dasselbe gilt für Bergnamen oder Oronyme. Von Siedlungs- und Sumpfgebietsnamen (Oikonymen und Helonymen) ist bislang nur ein Wortbildungstyp eingehend untersucht worden – sekundäre präfigierte Ortsnamen. Die Untersuchungsergebnisse bestätigen dieselben Modelle für die Bildung von Onymen: Gattungswort → Name eines Siedlungs- oder Sumpfgebiets oder Eigenname → Name eines Siedlungs- oder Sumpfgebiets. Es ist leicht zu erkennen, dass auch Siedlungsnamen, die aus wortbildungsmorphologischer Sicht als primär gelten, nach den genannten Modellen gebildet sein können. Vgl. beispielsweise die Dorfnamen Būda, Giria, Kalnas, Piliakalnis, Sodyba, Trakas, deren Grundwörter die Appellative būda, giria, kalnas, piliakalnis, sodyba, trakas sind. Oder: Kaunas Stadt < Kaunas Personenname, Kavárskas Stadt < Kavárskas Personenname (Vanagas 1996: 90–94), Alvitas Dorf < Alvitas See, Šventėžeris Flecken < Šventėžeris See, Vištytis Flecken < Vištytis See (Balčikonis 1978: 339–340). In diesen Fällen sind die Grundwörter der Siedlungsnamen andere Onyme (Personen- und Ortsnamen). Auch die aus wortbildungsmorphologischer Sicht leicht zu beurteilenden neuen litauischen Vornamen belegen erneut dieselben Modelle für die Herausbildung ihres Systems und dessen Ergänzung um neue Einheiten: Gattungswort → Vorname oder Eigenname → Vorname. Dasselbe gilt für Spitznamen. Obwohl der Autor der besprochenen Arbeiten nur eine sekundäre Bildungsweise von Spitznamen anerkennt – Eigenname → Spitzname –, belegen die aus wortbildungsmorphologischer Sicht primären Personennamen auch die zweite Möglichkeit – Gattungswort → Spitzname. Unter allen hier genannten Eigennamen – Orts- und Personennamen – nehmen die Familiennamen eine Sonderstellung ein. Wie eingehende Untersuchungen zur Herausbildung dieses Personennamensystems zeigen (Maciejauskienė 1991: 50–116, 215–248), entstanden alle Familiennamen aus Personennamen, also nach dem Modell Eigenname → Familienname. Wenn man sagt, dass die Familiennamen aus historischen Personennamen entstanden sind, muss man hinzufügen, dass man in diesem Fall nicht von mehreren Wortbildungstypen (Verfahren) sprechen kann (vgl. primäre und sekundäre Ortsnamen oder Vornamen; sekundäre Namen wiederum können Präfix- und Suffixbildungen, Ableitungen mit Endungen, Zusammensetzungen usw. sein). Denn historische Personennamen, die nach dem Vornamen einer Person geführt wurden und die nicht vorhandenen Familiennamen ersetzten, nahmen allmählich die für Familiennamen typischen Merkmale an (wurden vererbt, galten gemeinsam für alle Angehörigen einer Familie usw.), das heißt, sie wurden zu Familiennamen. Sie blieben dabei, was sie waren und wie sie zu jener Zeit verwendet wurden. Aufgrund dieser Besonderheit der Entstehung von Familiennamen können sie aus wortbildungsmorphologischer Sicht sämtlich nur als primär eingestuft werden: Sie entstanden aus verschiedenen historischen Personennamen und erwarben beim Übergang zu Familiennamen keinerlei formale Wortbildungsmerkmale. Dieser Auffassung folgend kann man den Aussagen zur Bildung von Familiennamen in den zuvor erwähnten Artikeln nicht zustimmen, denn diese Personennamen können nicht aus Gattungswörtern entstanden sein, aus wortbildungsmorphologischer Sicht lassen sie sich nicht in primäre und sekundäre unterteilen, und die letzteren wiederum nicht genauer in Präfix- und Suffixbildungen, Ableitungen mit Endungen, Zusammensetzungen usw. Eine solche wortbildungsmorphologische Klassifizierung und Untersuchung ist nur bei historischen Personennamen möglich, aus denen Familiennamen entstanden sind (vgl. beispielsweise Zinkevičius 1977: 227–242). Folglich ist bei der Untersuchung von Familiennamen – anders als bei allen anderen besprochenen Onymen, also Ortsnamen und bestimmten Personennamen – nur das Modell der morphämischen Segmentierung (der Analyse der morphologischen Struktur) anwendbar. Diese Analysemethode wurde erfolgreich auf lettische Familiennamen angewandt (Staltmane 1981). Berücksichtigt man die Besonderheiten der Herausbildung dieses Personennamensystems und erkennt an, dass die Bildung von Familiennamen aufgrund ihrer Besonderheit nicht auf andere Weise untersucht werden kann 184 VITALIJA MACIĖJAUSKIENĖ so wird in der Arbeit eine Charakterisierung der morphämischen Struktur der Familiennamen vorgelegt. Wie die Autorin feststellt, ist es bei der Untersuchung der Struktur von Familiennamen wichtig zu klären, welche Wortbildungsmittel der Gattungswörter wie häufig in Familiennamen vorkommen und ob die Familiennamen über für sie typische anthroponymische Formantien verfügen usw. (Staltmane 1981: 31–32, 39). 4.3. Die Ziele der morphämischen Segmentierung von Familiennamen, das heißt ihrer Strukturanalyse, können unterschiedlich sein. Neben den bereits genannten, die die Autorin der Arbeit über lettische Familiennamen für wichtig hält, sind weitere denkbar. Vermutlich wären es gerade diese Ziele, die bestimmten, nach welchen Morphemen der jeweilige Autor in Familiennamen suchen würde. Einer der wichtigeren Gegenstände einer solchen Untersuchung wären zweifellos die in litauischen Familiennamen vorkommenden Suffixe. Bei ihrer Beurteilung müsste man nicht nur linguistische, sondern auch extralinguistische Umstände der Entstehung und endgültigen Festigung der Familiennamen berücksichtigen. Dass Familiennamen beispielsweise die litauischen patronymischen Suffixe -aitis, -onis, -ūnas usw. aufweisen, zeigt, dass sie aus Patronymika entstanden sind, deren Wortbildungsformanten eben diese Suffixe sind. Die Familiennamensuffixe -avičius, -evičius können darauf hindeuten, dass die Familiennamen aus Patronymika mit den genannten slawischen Suffixen hervorgegangen, slawisiert oder aus dem Namensgut anderer Völker entlehnt worden sind¹¹. Die sogenannten Familiennamensuffixe des Typs -sk- (-auskas, -skas, -skis, -eckas, -inskas usw.) sind ein Anzeichen dafür, dass solche Familiennamen slawisiert oder entlehnt wurden. Die hier erwähnten und verschiedenen anderen Suffixe litauischer Familiennamen führen den Forscher auf die Ebene der Wortbildung historischer Personennamen, auf der sich primäre und sekundäre Anthroponyme leicht unterscheiden lassen und unter den Letzteren Ableitungen mit den Suffixen benennen lassen, die heutige Familiennamen aufweisen. Suffixe, die mit Wortbildungsformanten von Gattungswörtern übereinstimmen, finden sich in Familiennamen, die beispielsweise aus wortbildungsmorphologisch primären historischen Personennamen entstanden sind, deren Grundwörter Appellative sind (dies sind die sogenannten Personennamen mit Spitznamenursprung oder Spitznamen). Was hier beiläufig über die Suffixe von Familiennamen gesagt wurde, gilt zumindest teilweise auch für ihre anderen Morpheme – Präfixe, Endungen usw. Abschließend sei noch gesagt: Unabhängig davon, welche Ziele ein Autor verfolgt, der die Struktur von Familiennamen untersucht, und welche Morpheme er auch herausarbeitet – sie alle können mit den tatsächlichen Wortbildungsformanten historischer Personennamen oder Appellative gleichgesetzt werden. Letztere sind jedoch keine Wortbildungsformanten von Familiennamen. Daher sollte man bei der morphämischen Segmentierung litauischer Familiennamen, bei der Suche nach Morphemen und ihrer Benennung, wohl keine für die Wortbildung üblichen Termini und Begriffe verwenden (vgl. Grundwörter, Bildungen, Präfix-, Suffix- und Endungsableitungen, primäre und sekundäre Familiennamen usw.) oder behaupten, dass Familiennamen mit einem Präfix, Suffix oder einer Endung gebildet wurden oder dergleichen. Aus Gründen wissenschaftlicher Präzision wären Aussagen wie der Familienname enthält ein Suffix, Präfix oder eine Endung; der Familienname ist mit einem Suffix, Präfix oder einer Endung versehen; das Suffix, Präfix oder die Endung des Familiennamens lässt sich bestimmen oder ähnliche Formulierungen besser geeignet. Denn mitunter ist es gerade die nicht ganz präzise Verwendung von Termini und Begriffen, die den Eindruck unterschiedlicher Auffassungen erweckt. 4.4. Im Artikel wurde bereits (vgl. die Besprechung der Arbeiten von P. Skardžius und J. Šukys) auf litauische Familiennamen hingewiesen, die bei einer wortbildungsmorphologischen Beurteilung als Suffixbildungen bezeichnet werden können. Es handelt sich um die offiziellen Familiennamen litauischer Frauen (verheirateter und unverheirateter) sowie von Mädchen, die mit bestimmten Suffixen aus dem Familiennamen des Ehemanns oder des Vaters gebildet werden. Anders als die offiziellen Familiennamen von Männern, die nur als primär zu bezeichnen sind, sind diese Familiennamen von Frauen und Mädchen aus wortbildungsmorphologischer Sicht selbstverständlich als sekundär einzustufen. 11 Plačiau žr. Maciejauskienė (1996: 60). DĖL LIET. PAVARDŽIŲ VERTINIMO DARYBOS POŽIŪRIU | 185 Dasselbe gilt für die in der Umgangssprache verbreiteten inoffiziellen Nachnamensformen von Kindern und Jugendlichen (männlichen wie weiblichen Geschlechts). Zu ihrer Bildung werden verschiedene Suffixe verwendet. Es handelt sich jedoch um inoffizielle Personennamen, weshalb eine ausführlichere Erörterung ihrer Bildung hier nicht erforderlich ist. 5. ZUSAMMENFASSENDE BEMERKUNGEN 5.1. In onomastischen Arbeiten wird auf die Besonderheiten der Bewertung der Namenbildung hingewiesen. Es wird angenommen, dass manche Eigennamen unter diesem Gesichtspunkt untersucht werden können, während auf andere das Modell der Morphemanalyse (Analyse der morphologischen Struktur) anzuwenden ist. Dies wird durch die Besonderheiten der jeweiligen Namen sowie ihrer gesamten Klasse (Unterklasse) bestimmt. Von großer Bedeutung ist, wie sich das Namensystem herausgebildet hat, ob es geschlossen, bereits endgültig entstanden und unveränderlich ist oder noch durch neue Einheiten ergänzt wird, welche linguistischen und extralinguistischen Faktoren seine Entstehung und Beschaffenheit beeinflusst haben usw. Auf Grundlage dieser Annahmen wurde im Beitrag ein Überblick darüber gegeben, wie litauische Eigennamen – Ortsnamen und Personennamen – unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung untersucht werden (können). Dabei wurde versucht, eine Einschätzung der Besonderheiten und Möglichkeiten der wortbildungsbezogenen Untersuchung litauischer Familiennamen zu entwickeln und darzulegen. 5.2. Am umfassendsten ist die Wortbildungsanalyse litauischer Gewässernamen durchgeführt worden. Nach einer strukturell-grammatischen Klassifikation werden diese Ortsnamen in primäre und sekundäre unterteilt; letztere wiederum in Ableitungen, Zusammensetzungen und Mehrwortnamen. Die Ableitungen werden in Endungs-, Suffix- und Präfixableitungen gegliedert. Im Vergleich zur Wortbildung bei Appellativa wurde aufgrund der Besonderheiten von Gewässernamen als Eigennamen ein neues Wortbildungsverfahren unterschieden, dessen Ergebnis primäre Ortsnamen sind. Sie stammen aus Appellativa und Eigennamen, die bei ihrer Übernahme als Gewässernamen keine formalen Wortbildungsmerkmale angenommen haben. Dasselbe Klassifikationsmodell wurde auch bei der Untersuchung der Bildung eines Teils der Bergnamen, der Oronyme, angewandt. Dieselben Grundsätze galten bei der Untersuchung von Ortsnamen, die nach einem einzigen Wortbildungsverfahren gebildet sind – der Suffixbildung von Namen besiedelter und sumpfiger Orte (Oikonymen und Helonymen). Die Ergebnisse der Untersuchung der Ortsnamenbildung bestätigen folgende Entstehungsmodelle: Appellativ → Ortsname und Eigenname → Ortsname. Der Ortsname eignet sich sowohl für primäre als auch für sekundäre Ortsnamen im wortbildungsbezogenen Sinne. Alle Ortsnamen, deren Wortbildung analysiert wurde, könnten auch auf andere Weise untersucht werden, nämlich durch Anwendung des Modells der Morphemanalyse (Analyse der morphologischen Struktur). 5.3. Bislang gibt es keine speziellen Arbeiten zur Analyse der Bildung einer anderen Klasse litauischer Namen – der Personennamen. In einigen Arbeiten zur Anthroponymie finden sich jedoch Ansätze zur Bewertung der Bildung dieser Namen. Es ist leicht festzustellen, dass die mögliche wortbildungsbezogene Analyse von Personennamen, die verschiedenen Unterklassen angehören (Vornamen, Spitznamen, Familiennamen), nicht differenziert betrachtet wird. Sie alle werden in primäre und sekundäre unterteilt, und Letztere werden anschließend weiter differenziert usw. Bei der wortbildungsbezogenen Untersuchung von Vornamen lassen sich durchaus primäre und sekundäre unterscheiden; zu Letzteren gehören Suffix- und Endungsableitungen, zusammengesetzte Namen usw. (vgl. die neueren litauischen Vornamen). Ähnliche Bildungstypen (Verfahren) dürfte es auch bei Spitznamen geben. Allerdings lassen sich aufgrund der Besonderheiten dieser Namen offenbar nicht alle in eine strukturell-grammatische Klassifikation „einordnen“, die beispielsweise für die Untersuchung von Gewässernamen entwickelt und später auch auf andere Ortsnamen angewandt wurde. 186 | VITALIJA MACIEJAUSKIENĖ Die Modelle für die Herausbildung und Ergänzung der Systeme der Vor- und Spitznamen durch neue Einheiten sind dieselben wie bei Ortsnamen: Appellativ → Vorname, Spitzname und Eigenname → Vorname, Spitzname. Auf Vor- und Spitznamen kann neben der Wortbildungsanalyse auch eine andere Untersuchungsmethode angewandt werden – die Morphemanalyse (Analyse der morphologischen Struktur). Übrigens hat die Untersuchung der Struktur von Spitznamen bereits begonnen. 5.4. Familiennamen unterscheiden sich von anderen Personennamen dadurch, dass sie sämtlich aus historischen Personennamen hervorgegangen sind (Patronymika, Spitznamen oder aus Spitznamen entstandene Namen, alte zweistämmige und einstämmige sowie christliche Vornamen). Die Herausbildung dieser Namenssysteme lässt sich daher nur mit einem einzigen Modell veranschaulichen: Eigenname → Familienname. Außerdem lassen sich in diesem Fall nicht mehrere Bildungstypen (Verfahren) unterscheiden. Denn Familiennamen, die aus historischen Personennamen hervorgegangen sind, haben beim Übergang dieser Namen zu Familiennamen keinerlei Wortbildungsmerkmale angenommen. Geändert hat sich lediglich der Status des Personennamens: Früher war es ein Patronymikon, ein aus einem Spitznamen hervorgegangener Personenname oder Ähnliches, nun ist es ein Familienname. Somit können alle Familiennamen unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung nur als primär eingestuft werden; eine weitergehende Wortbildungsanalyse ist schlicht unbegründet. Anders als bei anderen Namen – Ortsnamen und einigen Personennamen – ist bei der Untersuchung von Familiennamen daher ausschließlich das Verfahren der Morphemanalyse (Analyse der morphologischen Struktur) anzuwenden. Dabei sollte man offenbar vermeiden, die in der Wortbildung üblichen Termini und Begriffe zu verwenden. Statt Familiennamen als Präfix-, Suffix- oder Endungsableitungen usw. zu bezeichnen, wäre es aus Gründen wissenschaftlicher Präzision besser, Formulierungen zu verwenden wie der Familienname hat ein Präfix, ein Suffix, eine Endung; der Familienname ist mit einem Präfix, einem Suffix, einer Endung gebildet; man kann das Präfix, das Suffix, die Endung des Familiennamens bestimmen usw. Sekundärbildungen im wortbildungsbezogenen Sinne – Suffixableitungen – sind die offiziellen litauischen Familiennamen von Frauen (verheirateten und unverheirateten) und Mädchen, die aus den offiziellen Familiennamen des Ehemanns oder des Vaters gebildet werden. LITERATŪRA BALČIKONIS, J. 1978: Gyvenamų vietų pavadinimai iš ežerų ir upių vardų. Rinktiniai raštai 1, Vilnius: Mokslas, 339–349. BILKIS, L. 1998: Lietuvių priesaginės darybos helonimai, Vilnius (daktaro disertacija). BUTKUS, A. 1995: Lietuvių pravardės, Kaunas: Æsti. BUTKUS, A. 1999: Lietuvių pravardžių struktūra. Darbai ir Dienos 10 (19), 91–100. GAIVENIS, K., KEINYS, S. 1990: Kalbotyros terminų žodynas, Kaunas: Šviesa. JONIKAS, P. 1968: Asmenvardžiai ir vietovardžiai. Lietuvių enciklopedija 15, Bostonas: Lietuvių enciklopedijos leidykla, 555–571. KUZAVINIS, K., SAVUKYNAS, B. 1987: Lietuvių vardų kilmės žodynas, Vilnius: Mokslas. LPŽ – Lietuvių pavardžių žodynas 1–2, red. A. Vanagas, Vilnius: Mokslas, 1985–1989. 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