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Sociolingvistinis žvilgsnis į XVI–XVII a. Rytų Lietuvos antroponimiją

Laima Grumadienė

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ACTA LINGUISTICA LITHUANICA XLV (2001), 39–61 Ein soziolinguistischer Blick auf die Anthroponymie Ostlitauens im 16.–17. Jahrhundert Laima Grumadienė Institut für Litauische Sprache, Vilnius Auf der Grundlage einer Analyse der in den Gerichtsbüchern von Linkmenys (Ostlitauen) aus den Jahren 1554 und 1636 verzeichneten Personennamen wird die These aufgestellt, dass mindestens seit dem 16. Jahrhundert in den Gebieten des heutigen Litauens ein Mechanismus der Ruthenisierung gewirkt haben könnte, ähnlich dem später wirksamen Prozess der Polonisierung. Ruthenisch, die gesprochene Varietät der Sprache der herzoglichen Kanzlei, könnte sich unter dem Adel als Statussymbol verbreitet haben. Dieser Prozess könnte auch einen Teil der Bauernschaft betroffen haben. Dass Kurzformen christlicher Namen sowohl in litauischer als auch in slawischer Gestalt auftreten können, zeigt, dass beide Formen in Gebrauch gewesen sein müssen: Dies lässt sich nicht auf eine Schreibergewohnheit zurückführen. Das bedeutet, dass es im 16. Jahrhundert weit nördlich der litauisch-ruthenischen Sprachgrenze Zentren litauisch-ruthenischer Zweisprachigkeit gegeben haben könnte. Wenn dem so ist, muss unsere Auffassung vom Mechanismus der Übernahme (eines Teils der) Slawismen in die ostlitauischen Dialekte revidiert werden: Sie könnten zusammen mit neuen Merkmalen des Alltagslebens, unter dem Einfluss der Schrifttradition (insbesondere der kirchenslawischen) oder infolge einer seit dem 16. Jahrhundert zunehmenden Zweisprachigkeit übernommen worden sein. 1. ZUR SOZIOLINGUISTISCHEN SITUATION Bei der Erörterung phonologischer Veränderungen im Litauischen oder in einzelnen seiner Dialekte, insbesondere den östlichen, vor mehreren Jahrhunderten wird allgemein anerkannt, dass „die sehr engen und alten Kontakte mit den östlichen Slawen und jegliche Vermischung die Entwicklung des Litauischen nicht unbeeinflusst lassen konnten“ (Zinkevičius 1987: 68). Das Entstehen eines beträchtlichen Teils der lexikalischen Slawismen wird üblicherweise durch kulturelle Wechselwirkungen und die Ausbreitung der Zivilisation erklärt, das heißt als Benennung von NEUERUNGEN mit entlehnten oder wörtlich übersetzten Wörtern. In solchen Fällen sind besonders enge und intensive Kontakte nicht notwendig; Entlehnungen können über Vermittler verbreitet werden: „[…] die Litauer hatten sich bis zur Zeit Mindaugas bereits ein wenig mit dem Christentum vertraut gemacht, offenbar vor allem durch die östlichen slawischen Nachbarn: Sie kannten und verwendeten aus dem Ostslawischen übernommene Begriffe des Christentums und Bezeichnungen christlicher Feiertage; auch einige christliche Personennamen waren ihnen vertraut. All dies erhielten die Litauer wahrscheinlich durch den natürlichen Umgang mit christlichen Nachbarn, durch Handel mit ihnen und den Austausch kultureller Güter, denn direkte Belege für missionarische Tätigkeit im damaligen Litauen haben wir nicht“ (Zinkevičius 2000: 14). Es ist bekannt, dass die Entlehnung von Wörtern durch intensive Kontakte auch dazu führen kann, dass Wörter, die in der eigenen Sprache bereits vorhanden waren, übernommen oder durch fremde ersetzt werden; einem Wort kann eine zusätzliche, in der eigenen Sprache nicht vorhandene Bedeutung verliehen werden, die aus einer anderen Sprache entlehnt ist, obwohl daneben ein anderes (eigenes) Wort für diese Bedeutung zur Verfügung steht. Neben einfacher, natürlicher Entlehnung gibt es also auch überflüssige Entlehnung – 40 | LAIMA GRUMADIENĖ solche Entlehnungen wurden bei der Erstellung des großen Wörterbuchs der litauischen Sprache gezielt vermieden. Versuchte man, aus diesem Wörterbuch Wörterbücher einzelner Dialekte oder Mundarten zusammenzustellen und sie mit den wenigen bereits vorhandenen gedruckten Wörterbüchern zu vergleichen, würde man vor allem die bereits erwähnten Entlehnungen dieses Typs vermissen. Die Untersuchungen zu den Slawismen in den Dialekten und ihrer Chronologie (zur Literatur zu dieser Frage und zu eigenen Beobachtungen siehe ausführlicher Kardelis 1999) widerlegen jedoch keineswegs die Hypothese, dass ein Teil der lexikalischen Slawismen schon vor langer Zeit und nicht nur als kulturelle Entlehnungen in einige heutige Mundarten der südlichen und östlichen Aukštaiten (vor allem der Vilniuser und Utenaer) gelangt sein könnte, das heißt zusammen mit neuen oder neu mit Bedeutung versehenen Sachverhalten. Denn in den Mundarten gibt es einige alte Slawismen, die zweifellos gebrauchte eigene Wörter schlicht verdrängt haben (in den Benennungssystemen und -subsystemen, sowohl den semantischen als auch den grammatischen, klaffen eigentümliche „Lücken“, die von Slawismen gefüllt werden). Es handelt sich also um typische Erscheinungen von Zweisprachigkeit und intensiven Kontakten. Solche Slawismen wurden durch ständigen und langjährigen Gebrauch geglättet und verändert, weshalb sich der Zeitpunkt ihres Aufkommens nur schwer ermitteln lässt (vgl. Urbutis 1992, 1993); man kann jedoch annehmen, dass ein Teil von ihnen bereits im 16.–17. Jahrhundert Eingang gefunden haben könnte. Reine Denkmäler der gesprochenen ostlitauischen Dialekte jener Zeit gibt es nicht; in den Schriftzeugnissen der sogenannten östlichen Variante der Schriftsprache, die auf dem sich herausbildenden Vilniuser Interdialekt beruhte, spiegelt sich eine höhere Sprachstufe wider, nämlich die Schriftsprache, die ihrerseits auch durch slawische (und nicht nur slawische) Einflüsse geprägt war – nicht zuletzt aufgrund des Zusammenwirkens mit den Ausgangssprachen, aus denen ein großer Teil dieser Schrifttexte übersetzt wurde. Ein gewisses, wenn auch mit erheblichen Vorbehalten zu betrachtendes Zeugnis des Sprachgebrauchs sind verschiedene von Verwaltungs- und Kirchenbehörden erstellte Verzeichnisse von Einwohnern und Ortsnamen. Es steht außer Frage, dass die Beziehungen zwischen dem Litauischen und dem Gudischen¹ sehr alt sind. Ich möchte sie hier anhand der Quellen aus der Mitte des 16. und vom Beginn des 17. Jahrhunderts erörtern. Eine neuere These wäre, dass das damalige gesprochene Gudische beträchtlichen Einfluss auf die heutigen ostlitauischen Dialekte, insbesondere auf ihren Wortschatz, ausgeübt haben könnte – durch direkte Kontakte mit der untersten sozialen Bevölkerungsschicht, den Bauern, und durch eine möglicherweise in manchen Fällen verbreitete aktive Zweisprachigkeit, und zwar nicht nur im OSTLICHEN RANDGEBIET DES ETHNISCHEN LITAUENS (Zinkevičius 1987: 112) (vgl. Vidugiris 1983: 53), SONDERN IN EINEM WEIT NACH WESTEN REICHENDEN STREIFEN. Möglich ist auch eine vorsichtigere Formulierung der hier aufgestellten Annahme: Wenn die Fakten bestätigten, dass es im 16.–17. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Ostlitauens (vielleicht nur an einzelnen Orten) tatsächlich intensive Kontakte und Fälle von Zweisprachigkeit zwischen dem Litauischen und dem Gudischen gab, dann könnte vielleicht auch ein Teil der 1 In der litauischen Linguistik ist derzeit der Begriff Belarussisch gebräuchlicher; üblicherweise wird er jedoch mit dem Namen des heutigen Staates Belarus und seiner Einwohner verbunden. Hier hingegen, bei der Erörterung von Fragen aus der Mitte des 16. bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts, dürfte das Ethnonym gudai zu verwenden sein, das im Litauischen ebenfalls auf eine alte Tradition zurückblickt; die Sprache dieses Ethnos wird als gudų kalba bezeichnet (vgl. Gudavičius 1999: 436). Die Litauer bezeichneten als Gudai die Einwohner des Großfürstentums Litauen, die eine slawische Sprache sprachen und in Teilen des sogenannten Schwarzen, Weißen und Roten Ruthenien lebten. Die Russen des Großfürstentums Moskau, die Moskauer, nannten sie schlicht Litauer, russ. литвины; sie selbst nannten sich Russen, russ. русские (Čekmonas 1988: 42), und verstanden sich, als Untertanen des Großfürstentums Litauen, als unmittelbare Litauer. Es ist nötig, die in der litauischen Linguistik unübliche Abkürzung gu. für die gudische Sprache einzuführen. In der untersuchten Quelle von 1554 wird übrigens das Gut Gudiškės (dworu jego Gudziśzek In₁₅₅₄ 121)⟧ erwähnt; dies zeigt, dass andere keine Gudai waren. Es gibt Personennamen ethnonymischer Herkunft: Szczepan Gudelis In₁₅₅₄ 84; Jezioru Tanu miedzy polu Mosią Nareykowicz, ktore zowią Gudziskiego In₁₅₅₄ 123; Janielis z Mosiem bratem Melancy, ludzi gudziskie In₁₅₅₄ 122, wenngleich die letzten beiden sich auf die Zugehörigkeit zum Gut Gudiškės beziehen könnten. Ein weiterer Personenname ethnonymischer Herkunft ist Andrzey Tatarzyn In₁₅₅₄ 86; der Personenname Lach In₁₅₅₄ 104 robi kann sowohl mit einem Ethnonym als auch mit einer Kurzform von Aleksėjus oder Ilja in Verbindung gebracht werden, vgl. Б II, 24, 71. Zu erinnern ist an die Überlegungen von J. Ochmański (1996: 66–7) zur möglichen Chronologie und Geschichte des Entstehens solcher Bezeichnungen. XVI–XVII a. Rytų Lietuvos antroponimija | 41 Das Entstehen von Slawismen in den Dialekten könnte gerade durch sie erklärbar sein, d. h. in einzelnen Fällen auf frühere Zeiten zurückzuführen sein? Die Suche nach solchen Slawismen ist bereits ein ganz anderes Thema. Hier geht es darum zu klären, ob es Belege dafür gibt, dass sich die entsprechenden Umstände für das Entstehen von Zweisprachigkeit damals herausgebildet haben konnten. Es muss hinzugefügt werden, dass niemand das Wechselverhältnis zwischen dem Litauischen und dem Weißrussischen leugnet (ausführlicher siehe Zinkevičius 1987: 54–75), doch spricht man gewöhnlich entweder von den aktiven Kontakten einer späteren Zeit, d. h. nachdem sich nach der Litauen zu Beginn des XVIII. Jahrhunderts verheerenenden Pest und den Kriegen eine größere Zahl von Weißrussen in den entvölkerten östlichen und südöstlichen Randgebieten des heutigen Litauens niedergelassen hatte, oder von sehr alten Zeiten. Hier soll auf der Grundlage antroponymischer Daten der Versuch unternommen werden nachzuweisen, dass es in einigen Orten des heutigen Ostlitauens bereits Mitte des XVI. und zu Beginn des XVII. Jahrhunderts aktive Kontakte mit Weißrussen gegeben haben könnte. Dass zu Beginn des XVII. Jahrhunderts in Vilnius zahlreiche Weißrussen lebten, hat Zinkevičius (1977: 6–7) geschrieben; er untersuchte jedoch ein Dokument der katholischen Kirche, sodass die Personennamen der Orthodoxen, die dort schlicht keinen Eingang finden konnten, unberücksichtigt blieben (zumindest ein Teil der Weißrussen dürfte damals ebenso wie die Litauer orthodox gewesen sein, denn allein in Vilnius gab es 9 Kirchen). Und überhaupt lebten viele der damaligen Weißrussen, die übrigens erst relativ kurze Zeit zuvor (im XIV.–XV. Jahrhundert) zu einem Volk mit einer eigenen, aus westlichen russischen Dialekten hervorgegangenen Sprache geworden waren, im Großfürstentum Litauen und bildeten einen beträchtlichen Teil der damaligen Einwohner des Gouvernements Vilnius. Es gibt keine Angaben dazu, ob sie alle bereits die Taufe aus Byzanz empfangen hatten (die Orthodoxie wurde 988 eingeführt); man nimmt an, dass die westliche Grenze der Orthodoxie damals entlang der Linie Polozk–Minsk–Grodno verlief (Zinkevičius 2000: 13). Einige Weißrussen konnten ebenso wie orthodoxe Litauer später zum Katholizismus übertreten. Über die damals in abgelegeneren Gegenden lebenden Orthodoxen ist wenig bekannt; dennoch steht fest, dass sie, wenn auch mancherorts nur in geringer Zahl, im gesamten Gebiet des heutigen Litauens lebten, besonders auf den Gütern der Magnaten (Gudavičius 1999: 68, 96, 358, 436–439, 452 u. a.). Und zweifellos: Je weiter östlich, desto mehr. Doch sollte man Weißrussen und Orthodoxe nicht gleichsetzen: Dass dies später nicht der Fall war, ist klar, und heute ist es ebenfalls nicht so; doch grenzen die katholischen Gebiete heute ungefähr dort an die orthodoxen, wo auch die hauptsächlichen Siedlungsgebiete der ethnischen Litauer und Weißrussen aneinandergrenzen. Übrigens war ein Teil der Bewohner dieses Grenzgebiets seit dem XIV. Jahrhundert uniert (Gudavičius 1999: 318–321). Anlass zu Vermutungen über einen Einfluss der Orthodoxie geben das Vorkommen kanonischer orthodoxer Vornamen und ihrer Kurzformen sowie der später daraus hervorgegangenen Familiennamen. Nach Zinkevičius (1977: 89) „wurden bei Taufen damals die Formen der kanonischen katholischen Taufnamen recht streng eingehalten (sie wurden lateinisch oder polnisch geschrieben), sodass ostslawische Varianten davon nur zufällig und zwar nur jene in die Akten gelangen konnten, die unter den Menschen (Katholiken) damals weithin gebräuchlich waren.“ Auf derselben Seite führt der Autor übrigens 57 Taufnamenskurzformen ostslawischer Herkunft an, die zu Beginn des XVII. Jahrhunderts in Patronymen erhalten blieben, da Letztere keiner Normierung unterlagen. Maciejauskienė merkt bei der Erörterung der in Quellen des XVI. Jahrhunderts aus nahezu dem gesamten Gebiet des heutigen Litauens eingetragenen Namen an, dass nicht alle damals gleichermaßen beliebt waren, und nennt als Beispiele unter anderem: Асмафей, Ярмола, Калукстъ, Климентъ, Прокопъ, Владиславъ usw. (1979: 86). Sie stellt außerdem fest, dass sich unter etwa 10 000 durchgesehenen Einträgen aus jener Zeit 70 verschiedene Taufnamen mit unterschiedlichsten Kurzformen finden lassen, während Namen dieses Typs fast keine Kurzformen aufweisen. Ein Teil dieser Namen stammt aus der orthodoxen Nomenklatur oder ist altslawischen Ursprungs. Ob sie sich im XVI. Jahrhundert auch unter Katholiken verbreiteten, ohne dass dabei größere Unterschiede gemacht wurden, ist jedoch nicht ganz klar. 42 | LAIMA GRUMADIENĖ Maciejauskienė (1991: 230) taip pat pažymi, kad „Reti XVI a. slaviškos bei germaniškos kilmės asmenvardžiai greičiausiai rodo lietuvių pavardžių atsiradimą skolinimo keliu. Be to, kai kurie iš slavų kalbų kilę antroponimai gali būti vertinami ir kaip lietuviškų asmenvardžių slavinimo rezultatas“. Bet pavardžių skolinimo sąvoka dabartinės Rytų Lietuvos teritorijoje komplikuotusi, jeigu būtų priimta prielaida, kad tame pačiame pavardžių formavimosi procese dalyvavo tiek lietuviai, tiek ir gudai, tiek vieniems, tiek kitiems buvo tiesiog prisegamos patroniminės -evič, -ovič priesagos, nes tokia buvo bendra Lietuvos Didžiosios Kunigaikštijos nuostata, kai oficialioji jos kalba iki 1696 m. buvo slavų kanceliarinė (šios nuostatos neatsisakyta ir vėliau). Taigi ir gudų arba sugudėjusių lietuvių, Lietuvos Didžiosios Kunigaikštijos gyventojų, pavardės galėjo tapti sunkiai beatidaloma ir todėl tik sąlygiškai vadintina skolinta lietuvių antroponimijos dalimi. Die Nomenklatur christlicher Vornamen unterscheidet sich von Land zu Land, obwohl ihr Kern zu einem großen Teil gemeinsam ist. In Litauen entwickelte sich allmählich eine der polnischen sehr ähnliche Nomenklatur, als man ab dem Ende des XVI. Jahrhunderts in Kalendern die Namen der Heiligen an ihrem Todestag einzutragen begann (Kuzavinis, Savukynas 1994: 36–40). Daraus lässt sich kaum schließen, dass man sich zuvor nicht an strengere Regeln gehalten hätte. Die Frage, ob die erheblich größere Schicht slawischer Vornamen und entsprechend späterer Familiennamen, die von kanonischen orthodoxen oder altslawischen Namen abstammten, im Gebiet des heutigen Ostlitauens Mitte des XVI. bis Anfang des XVII. Jahrhunderts im Vergleich zu ganz Litauen (wogegen auch die von Zinkevičius (1977) durchgeführte Untersuchung der Familiennamen der Einwohner Vilnius’ zu Beginn des XVII. Jahrhunderts nicht spricht) deshalb entstand, weil hier mehr Menschen mit Bezug zur Orthodoxie (Weißrussen oder Litauer – das ist bislang unklar) lebten, oder ob andere Gründe dafür ausschlaggebend waren, bleibt offen. Der Artikel stellt die Hypothese auf, dass die Menschen, die damals charakteristische slawische Kurzformen von Vornamen verwendeten, insbesondere solche, die von alten slawischen zweigliedrigen und kanonischen orthodoxen Namen abgeleitet waren, wahrscheinlich nicht litauischsprachig oder zumindest zweisprachig waren. Im Allgemeinen wirft der Gebrauch der gesprochenen Sprachen jener Zeit zahlreiche Fragen auf. Zinkevičius (1987: 144–146), der die Sprachsituation und den Sprachgebrauch im Gebiet des heutigen Litauens Mitte des XVI. bis Anfang des XVII. Jahrhunderts wohl am gründlichsten beschrieben hat, führt Belege dafür an, dass die gesprochene litauische Sprache damals im öffentlichen Leben nicht nur vom einfachen Volk, sondern auch von den Magnaten verwendet wurde, allerdings neben dem Polnischen und Russischen. Bald darauf blieb Litauisch nur noch die Sprache der einfachen Leute. Das Polnische, das mit dem Katholizismus und dem Hof des Großfürsten gekommen war und durch Schulen und Schreiber verbreitet wurde, gewann immer stärker an Prestige und setzte sich zunehmend durch. Das Russische, das sich bis dahin als (altslawische) Kanzleischriftsprache verbreitet hatte und für Angelegenheiten der Orthodoxie auch als Altkirchenslawisch diente, bezeichnete im Großfürstentum Litauen ab dem Beginn des XVI. Jahrhunderts nichts anderes als die weißrussische Sprache (Gudavičius 1999: 436–439). Aus der Mischung der in der offiziellen Schriftlichkeit verwendeten slawischen Kanzleisprache, die auch vom Altkirchenslawischen beeinflusst war, und der westlichen russischen Dialekte, aus denen sich das Weißrussische entwickelt hatte und die zudem stark vom Litauischen beeinflusst waren, hatte sich bereits eine recht einheitliche interdialektale Schriftsprache herausgebildet. Beeinflusst wurde sie auch von der Sprache, die in den Kanzleien der Gebiete Polozk–Smolensk und Wolhynien–Kiew verwendet wurde; aus dieser Sprache musste bereits ins damalige Moskauerische übersetzt werden. In dieser Sprache wurde der Kanzleischriftverkehr geführt; religiöse, juristische und weltliche Literatur wurde in sie übersetzt und in ihr verfasst (zu erinnern ist an die Rolle von P. Skorina und der von ihm 1525 in Vilnius gegründeten Druckerei). Eine solche Sprache, die auch als Altweißrussisch bezeichnet wird (siehe Čekmonas 1988: 44–45), war zweifellos bereits XVI–XVII a. Rytų Lietuvos antroponimija | 43 hatte nicht nur eine schriftliche, sondern auch eine mündliche Variante; sie beherrschten auch der polnisch gewordene litauische Adel und die Magnaten sowie Beamte und Schreiber. Ein Teil von ihnen war einsprachig, ein anderer zweifellos zweisprachig. Üblicherweise wird behauptet, dass sich die polnische Sprache über die Güter verbreitete und ihr Einfluss dort spürbar wurde. Doch im 16. Jahrhundert (und früher) könnte es auch einen Einfluss des Ruthenischen über die Güter gegeben haben – wenn es die Sprache der Herren war, muss es auch die Benennungen beeinflusst haben. Auf diese Weise ließe sich teilweise zu erklären versuchen, warum weit westlich von Vilnius Nachnamen von Adligen (oder wohlhabenden Menschen) vorkamen, die auf ruthenischen Kurzformen christlicher Namen beruhten, denn nicht alle müssen Zugewanderte aus den östlichen slawischen Landesteilen gewesen sein. Vorsichtig lässt sich also der Gedanke formulieren, der zumindest in der litauischen Sprachwissenschaft bislang nicht deutlich ausgesprochen wurde: dass im 16. Jahrhundert (vielleicht auch früher) auf dem Gebiet des heutigen Litauens ein ähnlicher Mechanismus der Ruthenisierung (und des Ruthenischwerdens) gewirkt haben könnte wie später der der Polonisierung (und des Polnischwerdens): Als Prestigesprache könnte sich über die Güter das Ruthenische verbreitet haben, das die Magnaten als gesprochene Variante der slawischen Kanzleisprache verwendeten2. Die Daten dieses Artikels sind leider zu spärlich, um eine solche Hypothese zu begründen. Die dritte Variante des Ruthenischen waren die Dialekte; die einfachen Bauern, die im Raum Vilnius lebten und sie sprachen, befanden sich an der Peripherie und machten sich ihre Zugehörigkeit zum gemeinsamen ruthenischen (oder belarussischen) Sprachraum deshalb nicht bewusst. Daher bezeichnen sie sich bis heute – ohne eine andere Bezeichnung anzuerkennen – mit einem Begriff, der ihrer Lage im 14.–16. Jahrhundert entsprach: EINFACHE SPRACHE, EINFACH SPRECHENDE (ruthenisch no-procmy). Ein solcher Begriff, der im Mittelalter auch in anderen europäischen Ländern gebräuchlich war, setzt neben dem Ersatz für ein Ethnonym – der Vorstellung von den Einheimischen, gu-мутэйцы – einen Vergleich mit einer anderen, prestigeträchtigeren Variante dieser Sprache voraus, die möglicherweise von den Herren verwendet wurde. Hervorzuheben ist, dass es sich um eine gesprochene Sprachform gehandelt haben dürfte, denn die meisten Bauern waren zweifellos Analphabeten. Das dreischichtige Ruthenische übte auch einen dreifachen Einfluss auf das Litauische aus. Auf die ostlitauischen Dialekte könnten die ruthenischen Dialekte den größten Einfluss ausgeübt haben, wenn ihre Sprecher unmittelbar miteinander kommunizierten. Auch die Entlehnungen dürften damals also anderer Art gewesen sein und nicht nur aus den über die Ostslawen so zahlreich übernommenen Bezeichnungen für neue oder umbenannte Sachverhalte, insbesondere im Zusammenhang mit der Religion (die sie selbst häufig aus anderen Sprachen entlehnt hatten; ausführlicher siehe Zinkevičius 1987: 68–75), bestanden haben. Hier wird ein Teil der überlieferten Kopien des 1554 angelegten Inventars der Wilnaer Starostei – der Bezirke Nemenčinė und Linkmenys – untersucht, also der Beschreibung der Dörfer und ihrer Einwohner, die auf Initiative Konstantinas Jablonskis’ 1934 vorbereitet und veröffentlicht wurden (das Manuskript ging leider Anfang des 20. Jahrhunderts verloren3); dieser Teil betrifft den Bezirk Linkmenys (Seiten 83–131). Ferner wird ein Teil des handschriftlichen Inventars von 1636 behandelt, das 43 Blätter (86 Seiten) umfasst und in der Bibliothek der Universität Vilnius aufbewahrt wird (IN1636), 2 Čekmonas erwähnt die gesprochene Variante der slawischen Kanzleisprache, entwickelt aber den Gedanken ihrer Verwendung im ethnischen Litauen nicht weiter: „Die altbelarussische Sprache war vor allem die wichtigste Staatssprache des Großfürstentums Litauen (D. L. k. – L. G.), in ihr wurde die Mehrzahl der Rechtsdokumente verfasst (auch auf dem Gebiet des ethnischen Litauens). Aufgrund dieser Funktion wird die altbelarussische Sprache auch Kanzleisprache (oder Sprache der Geschäftsschriftstücke) des Großfürstentums Litauen genannt. Sie erfüllte jedoch noch viel mehr Funktionen. Altbelarussisch SPRACHEN (Hervorhebung von mir – L. G.) viele Vertreter des feudalen Adels – Orthodoxe und Katholiken; in dieser Sprache wurden Chroniken und theologische Traktate verfasst sowie Werke der schönen Literatur übersetzt“ (1988: 44, meine Übersetzung – L. G.). An derselben Stelle erinnert der Autor außerdem an die Tataren, die im Großfürstentum Litauen lebten, und an ihre religiöse Literatur – Kitabūs –, die seit Beginn des 17. Jahrhunderts auf Ruthenisch, aber mit arabischen Schriftzeichen geschrieben wurde. Da stellt sich ganz natürlich die Frage: Mit wem kommunizierten sie auf Ruthenisch, wenn nicht mit ihren Nachbarn? (Siehe auch Kričinskis 1993: 196 u. a.; Potasčenko, Hrsg., 2001: 78–79 u. a.) 3 Die Geschichte sämtlicher Abschriften wird ausführlicher in K. Jablonskis’ Buch dargestellt (IN1554: 30–31). 44 | LAIMA GRUMADIENĖ betrifft ebenfalls den Bezirk Linkmenys (Seiten 15–31v). Zur Untersuchung der Entwicklung der Anthroponymie der Litauer in Ostlitauen werden Angaben zur Herkunft der Namen vor allem dem Wörterbuch der litauischen Nachnamen (LPŽ) entnommen, da es das Ergebnis einer umfangreichen Gemeinschaftsarbeit ist. Nur wenn die Fakten ergänzt oder eine abweichende Auffassung begründet werden soll, werden andere Quellen herangezogen, meist die Arbeiten von M. Biry los (БI, БII). 2. DAS INVENTAR DES BEZIRKS LINKMENYS VON 1554 Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts, genauer gesagt ab 1543 (Zinkevičius 1987: 137), wurden die Verwaltungsdokumente des Großfürstentums Litauen auch auf Polnisch verfasst; zuvor hatte die slawische Kanzleisprache vorgeherrscht. Eines der ersten auf Polnisch verfassten Inventare ist das hier untersuchte Inventar der Bezirke Nemenčinė und Linkmenys in der Wilnaer Starostei. Man könnte annehmen, dass derjenige, der4 dieses Inventar verfasste, noch nicht über ausreichende Kenntnisse verfügte und auch von der slawischen Kanzleisprache beeinflusst sein konnte. Zwar ist keine Verwechslung der Alphabete festzustellen, doch könnte sie beim Abschreiben des Originals oder früherer Abschriften im 20. Jahrhundert verschwunden sein, denn das Original ist fast vollständig verloren. Das Polnisch des Schreibers ist nicht fehlerfrei; einheitliche Regeln werden nicht eingehalten, die Verwendung des harten l variiert stark, und auch die Schreibweise anderer diakritischer Zeichen ist nicht immer konsequent. Daher wird hier schlicht wiedergegeben, was im Original, genauer gesagt in den Abschriften, steht. Betrachtet man die im polnischen Text der Quelle von 1554 verzeichneten Personennamen, die damals entweder nur aus einem Vornamen oder aus einem Vornamen und einem zweiten Namensbestandteil bestanden, so handelte es sich recht häufig noch nicht um einen eigentlichen Familiennamen, sondern um ein Patronym, d. h. um einen Personennamen mit patronymischen Suffixen, der aus einem beliebigen (nicht notwendigerweise dem ersten) Namensbestandteil des Vaters gebildet wurde (manche Autoren, z. B. Vanagas und Zinkevičius, verwenden den Begriff VATERNAME, heute ist jedoch PATRONYM häufiger; siehe Maciejauskienė 1991: 16), oder um andere Personenbezeichnungen ohne patronymische Suffixe sowie um Beiname. Daraus lässt sich schließen, dass die Einwohner damals mindestens zwei Sprachen sprachen: Litauisch und Ruthenisch. Als eine mögliche Belegquelle könnten Dokumente mit anthroponymischen Daten dienen. Dafür sprechen litauische und slawische christliche Namen sowie alte slawische Namen, insbesondere deren Kurz- und Koseformen. Die Verwendung von Kurzformen und daraus gebildeten Patronymen belegt, dass sowohl eine litauische als auch eine slawische Namenspraxis bestand; es handelt sich nicht bloß um vom Schreiber auferlegte Bezeichnungen. Der Schreiber konnte manches verändern, etwa die Endung weglassen5, eine polnische Umschrift des Personennamens angeben, zum Beispiel Szczepan I1554 84, Andrzej I1554 123, übersetzen, ein slawisches patronymisches Suffix wie -evič oder -ovič hinzufügen usw.; kaum jedoch dürfte er den Stamm einer Namenskürzung verändert haben, es sei denn, er führte eine Langform des Namens ein. Forschende weisen darauf hin, dass der Sprachgebrauch in Gutsinventaren und anderen Verwaltungs- und Rechtsdokumenten authentischer widergespiegelt sein könnte als in Kirchenbüchern (Zinkevičius 1977: 67); in sie wurden nicht nur Katholiken eingetragen. Die ruthenischsprachigen Einwohner des Großfürstentums Litauen nahmen an demselben Pro- 4 Auf dem Titelblatt des Inventars steht: „[…]niżej mianowanych przez mię, Jerzyka Zacharyaszewicza, dzierżawcę zoslienskiego […]“ I1554 31 (also aus Zasliai, kein Einheimischer). 5 Derselbe Mann ist im Inventar von Linkmenys auf derselben Seite auf zwei Arten verzeichnet: Petrelis Urbanowicz und Petrel Urbanowicz I1554 107. XVI–XVII a. Rytų Lietuvos antroponimija 45 Im Prozess der schriftlichen Formierung von Namen (die Herausbildung litauischer Familiennamen hatte früher begonnen und verlief anders) zeigte sich wie bei den litauisch Sprechenden, d. h. schon früher, eine Tendenz, die sich zu jener Zeit besonders verstärkte: Bei der Erfassung der Einwohner wurden slawische patronymische Suffixe -evič, -ovič „angehängt“, was durch den Gebrauch der slawischen Kanzleisprache beeinflusst war. Der Prozess unterschied sich etwas von dem analogen Prozess im Großfürstentum Litauen, denn dort durften solche Suffixe nur Angehörige höherer Stände anfügen, während Angehörige niedrigerer Stände kürzere Formen auf -ev, -ov erhielten (Zinkevičius 1987: 134). In diesem Beitrag wird die Annahme vertreten, dass die Kürzungsformen slawischer Namen von den damals in den betreffenden Orten lebenden Menschen, die ausschließlich ruthenisch (oder auch ruthenisch) sprachen, mitgebracht wurden (oder ihnen zuteilwurden, ohne dass sie irgendwohin fortzogen), denn im litauischen Umfeld dürften manche dieser Kurzformen kaum entstanden sein. Zu beachten ist die Bemerkung von Zinkevičius (1977: 81; vgl. auch 82–88): „Gestützt auf die in den Einträgen verzeichneten Patronyme können wir eine beträchtliche Zahl von Formen christlicher Vornamen rekonstruieren, die im 16.–17. Jahrhundert von Litauern verwendet wurden und ihren Ursprung nicht in den slawischen kanonischen Taufnamen, sondern in deren volkssprachlichen Varianten hatten. Einige dieser Formen könnten auch von den Litauern selbst aus den kanonischen Namen gebildet worden sein, vor allem jene, zu denen wir in den benachbarten slawischen Sprachen keine Entsprechungen finden.“ Nicht außer Acht zu lassen ist auch die Tatsache, dass das untersuchte Inventar ein Dokument der Hufenreform ist, die 1547–1566 auf den Ländereien des Großfürsten von Litauen durchgeführt wurde. Aus diesem Dokument von 1554 geht hervor, dass die Ländereien des Amtsbezirks Linkmenys, die dem Großfürsten von Litauen6 gehörten, wohl zwei oder drei Jahre zuvor vermessen worden waren und die Bauern aus den Dörfern mit zuvor zwei bis vier Rauchstellen in größere Dörfer umgesiedelt worden waren, da man sich in erster Linie um eine zweckmäßige Neuordnung der Vorwerksländereien bemühte (zum Verlauf der Hufenreform ausführlicher siehe Ochmanskis 1996: 188 ff.). In dieser Quelle ist von einer Umsiedlung der Bauern aus größerer Entfernung nicht die Rede, obwohl der Vermerk pol. nowik ‚Neusiedler‘ bei einigen Personennamen, natürlich der Dorfname Nowosady In1554 87, doch auf eine gewisse Fremdheit in Bezug auf den Ort hindeutet. Übrigens heben sich die mit dem Vermerk nowik versehenen Personennamen in anderer Hinsicht kaum von den übrigen ab. In der litauischen historischen Anthroponymik ist es nicht üblich, den Grad der Litauisch- oder Slawischkeit (ebenso wenig der Germanischkeit) von Einträgen mit dem tatsächlichen Sprachgebrauch jener Zeit in Verbindung zu bringen, obwohl nach dem Ursprung eines Namens oder einer Kurzform gesucht wird7. Das ist verständlich, denn über viele Jahrhunderte hinweg wurden die Einträge nicht auf Litauisch verfasst, meist auch nicht von litauischen Schreibern oder Kirchenbediensteten, und nicht selten mit der Absicht, sie zu slawisieren oder zu germanisieren. Aus soziolinguistischer Sicht könnte man sich jedoch vielleicht dafür interessieren, woher beispielsweise Mitte des 16. Jahrhunderts in den heutigen Gebieten Ostlitauens, die zweifellos von Litauern besiedelt waren8, solche in der gesprochenen Sprache verwendeten Kurzformen christlicher Vornamen stammten, die keine litauische Wortbildung aufweisen. 6 Auf dem Titelblatt des untersuchten Inventars steht: „Rejestr dworow jego k. mości ciwunstwa Wilenskiego [...]“ In1554 31. 7 Die Herkunft und Chronologie des Auftretens christlicher Namen in Litauen hat J. Dumčius (1957) am ausführlichsten beschrieben; wie sich diese Namen jedoch verbreiteten, hat er nicht erörtert. 8 Manche Ortsnamen bleiben auch nach einem Sprachwechsel der Einwohner erhalten; dass Litauer einst in den genannten Gegenden lebten, zeigen beispielsweise auch folgende Ortsnamen: Sioto Mewranskie In1554 89, Sioto Minducze In1554 103, od sianożęci Czuyszek y Kudrolanek In1554 96, Jeziora Strawinoicia In1554 132, za rzeką Wirynta In1554 105, Jezioro Żusklinis In1554 130, W tey ziemi Ligotowkach In1554 99, niwa, ktorą zowią Wierzmieli In1554 123 u. a. 46 | LAIMA GRUMADIENĖ Zu beachten ist, dass ein Teil der slawischen Namen oder ihrer Kurzformen sowie der daraus mit den slawischen patronymischen Suffixen -evič, -ovič gebildeten Personennamen (andere wurden nicht gefunden), die im Inventar des Amtsbezirks Linkmenys von 1554, in den Arbeiten von M. Biryla⁹ (Б₁, БⅡ) als in der Schriftüberlieferung des Großfürstentums Litauen vom 16.–18. Jahrhundert belegt sind, sowie in anderen zeitgenössischen Dokumenten aus dem Gebiet des heutigen Belarus und/oder im Sprachgebrauch der heutigen belarussischen Bevölkerung vorkommen, auf alte, ausschließlich orthodox-kanonische Vornamen (Abkürzung st.) oder deren Kurzformen zurückgeht, z. B.: Dosis, Dosia (Gen.) žонка In₁₅₅₄ 116, 127: gu. Дасⁱ⁰: st. Дасий¹¹ Б₁ 60; БⅡ 140 oder st. Феодосий БⅡ 124; Micewicz In₁₅₅₄ 114: gu. Міц: st. Димитрий БⅡ 169; Micowicz In₁₅₅₄ 114: gu. Міц: st. Димитрий Б₁ 62; Procewicz In₁₅₅₄ 93: gu. Проц: st. Прокоп, Протас БⅡ 243; Szerg-ut-owicz¹² In₁₅₅₄ 108: gu. Сяргуля, Сяргуня, Серусь: st. Сергей БⅡ 115 mit dem litauischen Diminutivsuffix -ut-; möglicherweise lässt sich vorsichtig auch für Sopowicz sopa¹³ In₁₅₅₄ 120 eine entsprechende Annahme treffen:? vgl. gu. Сафончык, Сахончык, Сапончык: gu. Сафон, Сахон, Сапон: st. Софония, Софоний Б₁ 153; БⅡ 209, 138 u. a. Der Name Niestoya (Nom.) In₁₅₅₄ 119 lässt sich mit st. Нестор БⅡ 98 in Verbindung bringen. Natürlich haben die meisten slawischen kanonischen Namen auch Entsprechungen in den Taufnamensbeständen anderer Länder, insbesondere Polens; zudem haben sie sich im Laufe der Zeit auch im Sprachgebrauch der Slawen verändert oder sind mit katholischen Namen zusammengefallen, etwa Feliksas, Martynas, Motiejus, Petras, Silvestras, Simonas u. a. Daher lassen sich manche nicht einmal genau der einen oder anderen Gruppe zuordnen; üblicherweise erfolgt die Unterscheidung nur anhand lautlicher Entsprechungen, z. B.: f und t (st. Феодор, Фома und pol. Teodor, Tomasz), n und m (st. Николай und pol. Mikołaj), l und v (st. Лаврентий und pol. Wawrzyniec), v und b (st. Василий und pol. Bazyli) oder andere. Daher scheint die Kurzform Chwiecko In₁₅₅₄ 104 eher aus gu. Хведзька zu stammen: gu. des 16.–18. Jahrhunderts Хведор: st. Феодор und nicht aus pol. Teodor БⅡ 123; Josys In₁₅₅₄ 87: gu. des 16.–18. Jahrhunderts Ецун: st. Иосиф und nicht aus pol. Józef (alle Kurzformen mit z) БⅡ 76; Matewicz In₁₅₅₄ 108: gu. Mam: st. Матфей und nicht aus pol. Maciej Б₁ 118, ebenso wie Matulewicz In₁₅₅₄ 117; Mosis In₁₅₅₄ 110, Moysis In₁₅₅₄ 104, z Mosiem (Instr.) In₁₅₅₄ 122, z Moyszeм (Instr.) In₁₅₅₄ 103, Mosiewicz In₁₅₅₄ 110: gu. des 16.–18. Jahrhunderts Мосей, Моцей: st. Моисей und nicht aus pol. Maś: pol. Mateusz БⅡ 85, LPŽⅡ 172, es sei denn im Fall von a Masiem (Instr.) In₁₅₅₄ 89; Pieczulis 9 Der Vergleich wurde bewusst in erster Linie mit der ruthenischen Anthroponymie vorgenommen, da die Aufgabe darin bestand, gerade mit ihr Zusammenhänge zu finden, obwohl sich Entsprechungen auch in anderen slawischen Sprachen finden ließen. Nicht zu vergessen ist, dass auch die Listen von M. Biryla, so umfangreich sie sind, keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Berücksichtigt wurde, dass sich die orthodoxen Namen von Osten her verbreiteten, die katholischen hingegen über Polen. 10 Dass hier a statt des bei den Slawen vorhandenen o eingetragen ist, könnte auch auf eine Anpassung des o der ostslawischen Sprachen – in diesem Fall des Ruthenischen – an das litauische a zurückzuführen sein (meist halb lang) (ausführlicher siehe Kardelis 1999: 39 ff.). Außerdem ist anzumerken, dass die ruthenischen Entsprechungen hier meist nur aus zwei Quellen von M. Biryla angeführt werden, in denen ein bestimmter Name oder eine Kurzform möglicherweise nicht belegt ist; dann wird die ähnlichste Form genannt, für die es zeitgenössische Entsprechungen gibt (wenn sie in Quellen aus dem 16.–18. Jahrhundert belegt ist, die auf dem Gebiet des heutigen Belarus verfasst wurden, wird das Jahrhundert mit römischen Ziffern angegeben; fehlt die Angabe, handelt es sich um ein Beispiel aus dem heutigen Sprachgebrauch). 11 Die Umschrift wird hier und im Folgenden in derselben Schreibweise wiedergegeben wie in der Quelle, aus der zitiert wird. 12 Auch für die heutigen westlichen ruthenischen Dialekte ist die Aussprache von Übergangslauten charakteristisch, insbesondere bei den palatalisierten Lauten zwischen s und š, c und č, z und ž; daher könnte Sz- hier eine Wiedergabe dieser Aussprache sein. 13 Siehe Fußnote 10. 14 Diese Form ist in den Arbeiten von M. Biryla nicht belegt; siehe jedoch seine Anmerkung zu der im 16.–18. Jahrhundert bestehenden Tendenz, den auf s endenden Namensteil zu verändern oder wegzulassen, slaw. Endung -uń, z. B. gu. Іса(а): st. Исаия БⅡ 158. Wie dem auch sei, zu diesem Namen sind auch Patronyme gebildet worden: Bolulis Niestajewicz In₁₅₅₄ 112 z Stanisławem bratem; Piotr Niestajewicz In₁₅₅₄ 112. XVI–XVII a. Rytų Lietuvos antroponimija | 47 In₁₅₅₄ 97, Pieczul¹⁵ In₁₅₅₄ 108 (mit dem litauischen Diminutivsuffix -ul⁻): weißruss. Пеш, Пецюля: kirchenslaw. Петр БⅠ 137, БⅡ 101, nicht von poln. Piotr, da die Polen keine solche Kurzform haben. Die bei den Ostslawen geläufigere Kurzform aus dem von allen Slawen verwendeten Namen kirchenslaw. Михаил, poln. Michał БⅡ 232, findet sich auch im Personennamen Michnowicz In₁₅₅₄ 83. Der Dorfname Sioto Miksztewiczow (Gen.) In₁₅₅₄ 113, abgeleitet von der Kurzform Miksžta: kirchenslaw. Николай, weißruss. Миколай im 16.–18. Jh., poln. Mikołay БⅠ 129, БⅡ 88¹⁶, wechselt in den Abschriften (wie es im Original war, ist unbekannt) mit Niksztewiczow, das seinerseits von ostslaw. Николай abzuleiten ist; in anderen Fällen kommen Formen mit M- vor: z Mikszą (Instr.) In₁₅₅₄ 101; z Mi­xą (Instr.) In₁₅₅₄ 116; Mixtowicz In₁₅₅₄ 123. Ein Beispiel für den bei den Ostslawen typischen Gebrauch der Laute (und Buchstaben) l und v (poln. ł und w) findet sich nur in der Langform des Namens (und den entsprechenden Patronymika) Ławryn In₁₅₅₄ 96; z Ławry­nem (Instr.) In₁₅₅₄ 87: weißruss. Лаврин im 16.–18. Jh.: kirchenslaw. Лаврентий; im 16.–18. Jh. gab es jedoch auch weißruss. Ваврын, das mit poln. Wawrzyniec БⅡ 82 in Verbindung zu bringen ist. Der Gebrauch des Frikativs h anstelle von g ist für die Weißrussen charakteristisch. Neben der Kurzform Gryciem (Instr.) In₁₅₅₄ 88; z Gryczem¹⁷ (Instr.) In₁₅₅₄ 117, 118 stehen in der Quelle auch Hryc In₁₅₅₄ 86, 102 oder Hrycz In₁₅₅₄ 84; z Hryczem (Instr.) In₁₅₅₄ 98 (obwohl auch in polnischen Quellen eine Form mit h angegeben wird, vgl.: weißruss. Грыц, poln. Hryć: kirchenslaw. Григорий, poln. Grzegorz БⅡ 107; LPŽⅠ 709). Offensichtlich wechselte h in dieser Position mit g; außerdem können die Formen mit g auch eine Wiedergabe der litauischen Aussprache sein. Mit dem frikativischen weißrussischen h ist auch die Schreibung der Langform des Namens Hryhora In₁₅₅₄ 102 in Verbindung zu bringen, ebenso wie Bohdan In₁₅₅₄ 84, seine Kurzform Bohdiusz In₁₅₅₄ 96 oder Bohdziewicz In₁₅₅₄ 97, das einen patronymischen Suffix -ewicz enthält. Ein verlässlicherer Beleg könnte das Vorhandensein des Frikativs h im Personennamen Ihnatowicz In₁₅₅₄ 118: kirchenslaw. Игнатий, poln. Ignacy БⅡ 70 sein. Auf weißrussischen Sprachgebrauch weist auch die Konsonantenverbindung ltr im mehrfach belegten Personennamen Batromiey In₁₅₅₄ 119 hin (im 16.–18. Jh. wurde kanonisch Балатромей verwendet: poln. Bartłomiej БⅡ 132); in der untersuchten Quelle kommen daneben aber auch Barttomiey In₁₅₅₄ 96 und Barth­omȯiey In₁₅₅₄ 129 vor. In den Kurzformen dieses Namens Bartko¹⁸ In₁₅₅₄ 83, Bortko In₁₅₅₄ 111 hat sich die Konsonantenfolge rt(l) erhalten. Manchmal lässt sich anhand der phonetischen Entsprechungen nicht feststellen, ob eine Form aus dem Weißrussischen oder aus dem Polnischen übernommen wurde, z. B.: Daniewicz In₁₅₅₄ 115, z Daniulem In₁₅₅₄ 110 sind sowohl mit weißruss. Данило, Данько im 16.–18. Jh.: kirchenslaw. Даниил als auch mit poln. Daniel БⅡ 57, 202 in Verbindung zu bringen; Macko In₁₅₅₄ 83; Macieyko In₁₅₅₄ 99; z Maciulem (Instr.) In₁₅₅₄ 97; z Maczulem¹⁹ (Instr.) In₁₅₅₄ 100: weißruss. Мац, Матцей im 16.–18. Jh.: kirchenslaw. Матфей und poln. Maciej БⅡ 88; Mosis Mielewicz In₁₅₅₄ 119: weißruss. Мель: kirchenslaw. Емельян und poln. Melko: poln. Emilian БⅡ 62. Die Kurzform Misius In₁₅₅₄ 88: weißruss. Мись im 16.–18. Jh.: kirchenslaw. Михаил stimmt mit poln. Miś: poln. Michał überein, da sie das gemeinsame alt-slawische Diminutivsuffix -s aufweist БⅡ 92, 235. Sowohl die Weißrussen des 16.–18. Jh. als auch die Polen haben die Kurzform weißruss. Яша: kirchenslaw. Иаков, poln. Jaksza: poln. Jakub БⅡ 129. In der Quelle aus Linkmenys finden sich drei ähnliche, aber nicht identische Kurz- 15 Siehe Fußnote 12. 16 Dort wird ein ausführlicher Überblick über Interpretationen der Aussprache von Namen, die mit N- und M- beginnen, in den slawischen Sprachen gegeben; dabei wird der Gebrauch des letzteren Lautes nicht nur mit dem Polnischen in Verbindung gebracht. 17 Siehe Fußnote 12. 18 M. Biryla führt Beispiele nur mit o an – Bortko (I₁ 37); siehe daher erneut Fußnote 10. 19 Siehe Fußnote 12. 48 | LAIMA GRUMADIENĖ Nio-Aufzeichnungen: Janulis Jurgiewicz z Jaxte(m (INSTR.) IN₁₅₅₄ 103 [Jurgiewiczem; ludzi dzisienskich Jkazkta (GEN.) IN₁₅₅₄ 122 y Stanka Rostaniewiczow ir Jakszta IN₁₅₅₄ 112 Piotraszkiewicz z Howienem Mikołajewiczem. Vanagas (1974: 115–116) verglich jakšt-, jokšt- mit dem deutschen Jaxt: Jacobus, das vielleicht über das Lettische übernommen wurde. Er bemerkte außerdem, dass es fast keine Personennamenbildungen aus dieser Wurzel mit slawischen Suffixen gibt; sie kommen in einem Gebiet näher bei den Letten oder in Užnemunė vor, also dort, wo Kontakte zu Deutschen bestanden. M. Biryla führt als slawisch nur die Kurzform von Jokūbas ohne -t- an. Daher lässt sich die Herkunft dieser Jokūbas-Kurzform mit -t- in der Quelle von Linkmenys nur schwer erklären. Als ähnliches Dublettenpaar nennt Vanagas die weißrussischen Formen Mikša und Mikšta, die übrigens beide gerade im Linkmenyser Inventar von 1554 belegt sind: z Mikszą synem IN₁₅₅₄ 101, aber der Dorfname Miksztewiczow (Niksżtewiczow) (GEN.) IN₁₅₅₄ 113. Es gibt auch Mixta IN₁₅₅₄ 123, Mixtowicz IN₁₅₅₄ 123. Mehrere Etymologien der Namen sind möglich, da mitunter unklar ist, von welchem Namen eine Kurzform abgeleitet wird, z. B.: Juchno IN₁₅₅₄ 88: weißruss. XVI. Jh. Юхно, poln. Juchno: alt. Евфимий, es kann aber auch von poln. Jurij БII 232, LPŽII 852 stammen; Milewicz IN₁₅₅₄ 103: weißruss. Миль: alt. Милай oder Емельян, aber auch poln. Emilian БII 61, 141, 244; Pacz IN₁₅₅₄ 118: weißruss. Пац: alt. Игнатий БII 168, doch könnte es später auch eine im Weißrussischen verwendete Kurzform von bulg. Па(ц): Павел LPŽII 358 sein; ebenso ist beispielsweise With IN₁₅₅₄ 96 in erster Linie von alt. Bum poln. With abzuleiten, doch sind auch Verbindungen zu alt. Виталий, poln. Witalis oder kan. Виктор, poln. Wiktor БII 48–50 sowie zu lit. Vytautas nicht auszuschließen. Zwei Namen haben sich in der litauischen Sprache gleichsam konserviert – Grigas und Jurgis. Sie gelangten aus dem Griechischen über die benachbarten Slawen, die sie selbst später stark veränderten. Im Linkmenyser Inventar finden sich Grygis (Grygul) IN₁₅₅₄ 118; Gryg IN₁₅₅₄ 109; Grygalewicz IN₁₅₅₄ 108: weißruss. XVI.–XVIII. Jh. Григор: alt. Григорий, vgl. poln. Grzegorz БII 108. Die Kurzformen Jurgis IN₁₅₅₄ 92; Jurgielis IN₁₅₅₄ 94; Jurgiel IN₁₅₅₄ 89; z Jurguciem (INSTR.) IN₁₅₅₄ 96: altkirchenslaw. Jurgъ, Jurgij (Kuzavinis, Savukynas 1994: 215). Grigas und Jurgis sind also sehr altertümliche Formen, doch lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, von welcher Seite sie übernommen wurden. Eine Kurzform desselben Namens im Personennamen Jurewicz IN₁₅₅₄ 117, die im Weißrussischen im XVI.–XVIII. Jahrhundert verwendet wurde, ist auch Юр, Юри, charakteristischer für die östlichen Slawen und von alt. Юрий abgeleitet БII 129, 140. Es gibt Namen, die zweifellos sowohl bei Weißrussen als auch bei Polen, sowohl bei Orthodoxen als auch bei Katholiken verbreitet waren und deren weißrussischer Charakter der Kurzformen außer Zweifel steht, z. B.: Alechnowicz IN₁₅₅₄ 89; z Olechnem (INSTR.) IN₁₅₅₄ 108: weißruss. XVI. Jh. Олехно: kan. Александр, poln. Aleksand(e)r БII 20, 233; Lesis (Lesius) IN₁₅₅₄ 119: weißruss. Лесь: kan. Александр, poln. Aleksand(e)r БII 22; Pieleyko IN₁₅₅₄ 83: weißruss. Пилецка: alt. Филипп БII 197 und Puszkiewicz (Puskiewicz) IN₁₅₅₄ 115: aus der Kontaminationsbildung weißruss. Пусь-, Пусик: weißruss. Пятрусь: alt. Петр БII 101, vgl. poln. Piotr u. a. (andere Ableitungen dieses Namens, nach denen nur zwei Personen benannt wurden, sind eindeutig nicht weißrussisch: Petrelis IN₁₅₅₄ 107, Petrel IN₁₅₅₄ 107, Petrek IN₁₅₅₄ 108, die Langform Piotr IN₁₅₅₄ 108; für die Polen charakteristischer ist Piotraszkiewicz IN₁₅₅₄ 112). Unter den für die Polen charakteristischeren Namen und Kurzformen sind Domaszewicz IN₁₅₅₄ 103: weißruss. XVI.–XVIII. Jh. Дамаш: alt. Дамиан, Доментиан, poln. Damasz: poln. Damijan БII 248; Heliasz IN₁₅₅₄ 112: poln. Eliasz, während die Kurzform weißruss. Гелиаш ihrerseits von poln. Eliasz abgeleitet ist und auf altkirchenslaw. Илья zurückgeht БII 71; Joc IN₁₅₅₄ 115; Jocz IN₁₅₅₄ 90: poln. Jakub LPŽII 782; Szczepanowicz IN₁₅₅₄ 117: poln. Stefan. Manche Kurzformen oder Namen selbst, die Orthodoxen und Katholiken gemeinsam waren, wurden im XVI.–XVIII. Jahrhundert in sehr großen Gebieten verwendet; häufig handelte es sich dabei um eine polnische Form. So haben beispielsweise Лука, Лукиан ihre polnischen Entsprechungen Łukasz, XVI–XVII a. RYTŲ LIETUVOS ANTROPONIMIJA 49 Łucjan (die in beiden Sprachen verwendete Form Łukasz gilt als polnisch BII 84), sie ist auch in der Quelle von Linkmenys belegt – Łukasz IN₁₅₅₄ 116; ebenso verhält es sich mit Szymko IN₁₅₅₄ 97: poln. Szymon (vgl. alt. Cumeon) BII 114; T(h)omasz: Tomasz IN₁₅₅₄ 110; Thomasz IN₁₅₅₄ 114; z Tomkiem (INSTR.) IN₁₅₅₄ 100; Tomaszko IN₁₅₅₄ 122: poln. Tomasz (vgl. alt. Фома BII 121). M. Biryla ordnet den Namen Jan (orthodoxes Äquivalent Иоанн) und seine Kurzformen nicht ausschließlich dem polnischen Taufnamen zu. Er weist darauf hin, dass auch Jan und seine Kurzformen im Weißrussischen des XVI.–XVIII. Jahrhunderts weit verbreitet waren (BII 64–69). In der untersuchten Quelle gibt es nur Jan und seine Kurzformen: Jan IN₁₅₅₄ 100; Janielis IN₁₅₅₄ 110; Janiel IN₁₅₅₄ 95; Janulis IN₁₅₅₄ 99; Janu(j)lis IN₁₅₅₄ 93; Janiul IN₁₅₅₄ 95; Jankus IN₁₅₅₄ 119 (Jankiewicz IN₁₅₅₄ 112; Jankowicz IN₁₅₅₄ 84); Januszko IN₁₅₅₄ 115; außerdem Jasis IN₁₅₅₄ 92; Jasius IN₁₅₅₄ 94; Jasz²⁰ IN₁₅₅₄ 90. Ein Teil der Namen und ihrer Kurzformen ist von alten slawischen zweistämmigen Namen abzuleiten (Abkürzung altkirchenslaw.), z. B. Богдан, Болеслав, Радислав, Станислав, Вячеслав, Войтех u. a. Manchmal ähneln sie Lehnübersetzungen aus dem Griechischen oder anderen Sprachen beziehungsweise sind es solche, einschließlich ihrer latinisierten Varianten; so etwa altkirchenslaw. Богдан, vgl. lat. Theodotus, alt. Феодом ‚von Gott gegeben‘ (übrigens wird in BII 38 darauf hingewiesen, dass dieser Name im XVI.–XVII. Jahrhundert noch als heidnisch galt). In der Quelle sind Bohdan IN₁₅₅₄ 87, seine Kurzformen Bohdiusz IN₁₅₅₄ 96, Baniul IN₁₅₅₄ 112, Boniulis IN₁₅₅₄ 116 (die beiden letzteren können auch Kurzformen von Bonifacius sein) sowie das Patronym Bohdziewicz IN₁₅₅₄ 97 belegt. So blieb Радислав beispielsweise ein nichtheiligmäßiger Name, doch in der untersuchten Quelle findet sich die Kurzform Rodzius IN₁₅₅₄ 96. Die Personennamen mit Patronymsuffix Radziewicz IN₁₅₅₄ 106 und Radoszewicz IN₁₅₅₄ 96 können ebenso gut auch mit einem anderen orthodoxen Namen, Родион BII 105, 170, 230, in Verbindung gebracht werden; Rotkiewicz IN₁₅₅₄ 112 möglicherweise auch mit altkirchenslaw. Радислав oder mit dem sowohl altkirchenslawischen als auch polnischen Kondrat LPŽII 580. In der Quelle ist die Kurzform Woytko IN₁₅₅₄ 92 verzeichnet; ihre Langform z Woyciechem (INSTR.) wurde im XVI.–XVIII. Jahrhundert auch von Weißrussen verwendet, doch ist dieser Name ansonsten unter Polen verbreiteter (BII 51). Es gibt alt-slawische zweistämmige Namen, die nur von den Katholiken kanonisiert wurden, z. B. altkirchenslaw. Болеслав – poln. Bolesław, allerdings erst seit dem XIX. Jahrhundert (BII 38). In der Quelle findet sich die Kurzform dieses Namens Bolulis IN₁₅₅₄ 112: weißruss. Болесь, Боліс, Бол-юс. Im Inventar des Amtsbezirks Linkmenys ist der altkirchenslawische Name Станислав mit seinen Kurzformen mit den Stämmen Stan- und Stas- wahrscheinlich der häufigste (BII 112); später wurde er ausschließlich katholisch – poln. Stanisław, lit. Stanislovas. Zwei Personennamen sind sehr problematisch, doch lässt sich vermutlich, wie Zinkevičius (1977: 49) es tut, bei Szczęśny IN₁₅₅₄ 110 nach Verbindungen zu altkirchenslaw. Вячеслав suchen, das sich im Polnischen zu Więcestaw entwickelt hat. Maczuda IN₁₅₅₄ 128 könnte mit einer Kurzform von Motiejus in Verbindung stehen, die mit alten slawischen Suffixen erweitert wurde (vgl. BII 241, 243). Nach der Erörterung der Herkunft der Namen in der Quelle von 1554 wird also ihre Heterogenität deutlich, ebenso wie die Tatsache, dass es orthodoxe sowie alt-slawische zweistämmige Namen und Kurzformen davon gab. Gesondert be- 20 Siehe Fußnote 12. 21 Er ist 18-mal in der Langform Stanisław IN₁₅₅₄ 83, 84 und folgende, Stanisław IN₁₅₅₄ 112, 118 und folgende, Stanisławiem (INSTR.) IN₁₅₅₄ 88, 95, 96, 112, 115, Stanisławowi (NOM. PL.) IN₁₅₅₄ 128 sowie in zahlreichen Kurzformen belegt: Stas IN₁₅₅₄ 86, 87, 97, 108, Stasia (GEN.) IN₁₅₅₄ 121, Staszem (INSTR.) IN₁₅₅₄ 88, 96, 103, 111, 112, 118, Staś IN₁₅₅₄ 83, 84, 92, 94, 128, Stasis IN₁₅₅₄ 92, 100, 110, 113, Stasius IN₁₅₅₄ 95, Stasko IN₁₅₅₄ 120, Stasiel IN₁₅₅₄ 101, 122, Stasielem (INSTR.) IN₁₅₅₄ 121, Staszel IN₁₅₅₄ 101, 120, Stanis IN₁₅₅₄ 110, 112, 113, 114, Stanko IN₁₅₅₄ 106, 110, 113, 115, 116, Stanka IN₁₅₅₄ 122, Staniulis IN₁₅₅₄ 97, 103, 105, 106, Staniul IN₁₅₅₄ 92, 110, 115, z Staniułem (INSTR.) IN₁₅₅₄ 88, 100, 115, 118, Staniel IN₁₅₅₄ 98, 103. 50 | LAIMA GRUMADIENĖ …ist die Bildung der Personennamen zu erwägen. Litauische Wortbildung zeigen litauische Suffixe und Endungen. Letzteres Merkmal ist unzuverlässig, da beim Aufschreiben von Personennamen die Endungen oft einfach weggelassen wurden. Im Folgenden gelten solche Formen christlicher Vornamen als litauisch, die sowohl litauische Suffixe, gewöhnlich Diminutivsuffixe -el-, -ul-, als auch Endungen (-is, -us) aufweisen, obwohl die Grundlage der Personennamen meist eine ruthenische Kurzform (und nur gelegentlich eine polnische) ist, z. B.: Bolulis In₁₅₅₄ 112 Niestajewicz z Stanisławem bratem²²; Boniulis In₁₅₅₄ 118 Piotrowicz z Grygiem bratem; Janielis In₁₅₅₄ 95 Witkowicz (Woytkowicz) z Janem²³ bratem; Janiulis In₁₅₅₄ 93 Procewicz; Janulis In₁₅₅₄ 104 Goyżewicz z Janem bratem; Jurgielis In₁₅₅₄ 113 Pietraszewicz; Pieczulis In₁₅₅₄ 117 Szczepanowicz z Piotrem synem; Petrelis In₁₅₅₄ 107 Urbanowicz; Staniulis In₁₅₅₄ 97 Misiewicz; Woyciech (Woyciulis) In₁₅₅₄ 108 Andrzejewicz z Walentym synem. Kurzformen mit litauischen Diminutivsuffixen werden in dieser Quelle, wie üblich, oft ohne Endungen geschrieben, z. B.: Baniul In₁₅₅₄ 112 Piotrowicz; Grygis (Grygul) In₁₅₅₄ 118 Minciewicz; Janiel In₁₅₅₄ 84 Juniewicz z syniem; Janiul In₁₅₅₄ 95 Misiewicz; Janul In₁₅₅₄ 117 Kuniszkis z Bartłomiejem Marcinowiczem; Jurgiel In₁₅₅₄ 109 Konratowicz; Matel In₁₅₅₄ 98 Piktewicz z Piotrem bratem; Pieczul In₁₅₅₄ 108 Mateykowicz z Tomaszem bratem; Pietrel In₁₅₅₄ 119 Stani ewicz z Maciejem bratem; Staniel In₁₅₅₄ 103 Bernatowicz z Stasiem Mielewiczem; Staniul In₁₅₅₄ 115 Woytkowicz z Batromiejem bratem; Staśiel In₁₅₅₄ 122 Piotrowicz przysiężny z Woyciechem synem; Staszel In₁₅₅₄ 120 Piotraszewicz. Nur vier davon sind im Inventar nicht mit Endungen erwähnt: Baniul, Grygul, Matel und Staśiel (Staszel). Die Formen zweier Namen sind nur im Instrumental angegeben: Marcin Ambrożewicz z Jurguciem In₁₅₅₄ 96 Stanowicz(em); Pieczulis Radoszewicz z Maczułem In₁₅₅₄ 100 Bohdanowicz(em). Es gibt Formen ohne litauische Diminutivsuffixe, die aber litauische Endungen -is, -us aufweisen, z. B.: Dosis In₁₅₅₄ 116 Woytkowicz z Niewiastą Janową; Grygis (Grygul) In₁₅₅₄ 118 Mincewicz; Janis In₁₅₅₄ 103 Butkiewicz, Jasis In₁₅₅₄ 92 Piotrowicz; Jasius In₁₅₅₄ 92, Staś Goyzetowicz; Josys In₁₅₅₄ 87 Piotrowicz z Pawłem synem; Jurgis In₁₅₅₄ 88 Klimontowicz; Lesis In₁₅₅₄ 92 Jankowicz; Misius In₁₅₅₄ 88 Janowicz; Mosis In₁₅₅₄ 112 Januszkowicz; Rodzius In₁₅₅₄ 96 Staniewicz z synem swym; Stanis In₁₅₅₄ 110 Janowicz z Szczepanem Pawłowicz(em); Stasis In₁₅₅₄ 100 Piotrowicz; Misius, Stasius In₁₅₅₄ 95 Symonowicz. Es gibt zahlreiche Kurzformen ohne litauische Wortbildungselemente. Die Vielfalt der als ruthenisch anzusehenden Kurzformen ist nicht groß: Bohdiusz In₁₅₅₄ 96 Migowicz; Chwiecko In₁₅₅₄ 104 Masiłowicz; Bohdan Stankowicz z Olechneм (INSTR.) In₁₅₅₄ 108 bratem; Pacz In₁₅₅₄ 118 Staniewicz z Piotrem synem; Pielęyko In₁₅₅₄ 83 Auxinowicz. Etwas zahlreicher sind Kurzformen, die sowohl im Ruthenischen als auch im Polnischen vorkommen. Im Linkmenų-Inventar ohne litauische Wortbildungselemente verzeichnete Formen: Bortko (Boreytko) In₁₅₅₄ 111 Woytkowicz; Stanisław Staniewicz z Grygiem (Grycem) (weist G- vielleicht gerade auf litauischen Gebrauch hin?) In₁₅₅₄ 88 Kasperowiczem; Hryc In₁₅₅₄ 102 Zagierdowicz z Piotrem synem; Hrycz In₁₅₅₄ 84 Maciejewicz; Juchno In₁₅₅₄ 88 Rutkowicz (Rackowicz); Macieyko In₁₅₅₄ 22 Bei der Erörterung der Bildung von Personennamen wird hier und im Folgenden ein Auszug mit Kontext angeführt; daher werden bisweilen auch Familienmitglieder aufgezählt. Es wurde versucht, einen Zusammenhang zwischen den Namen des Vaters und denen seiner Söhne oder Brüder zu finden, etwa nach dem Muster: Wenn die Form eines Namens litauisch ist, dann vielleicht auch die der anderen. Das ist jedoch nicht der Fall. 23 Beide Brüder tragen denselben Namen; vielleicht wird deshalb bei einem von ihnen eine Diminutivform angegeben? XVI–XVII a. Rytų Lietuvos antroponimija | 51 99 mit Marcin Giernewiczy; Macko In₁₅₅₄ 83 Rymszewicz; Miś In₁₅₅₄ 96 Radoszewicz; Stanko In₁₅₅₄ 113 Talminowicz; Staś In₁₅₅₄ 83 Niekraszewicz; Stasko In₁₅₅₄ 120 Bohdanowicz. Einige Kurzformen ohne litauische Wortbildungselemente sind als polnisch anzusehen; M. Biryla liefert jedoch für fast alle Angaben zu ihrer Verbreitung im 16.–18. Jahrhundert weit östlich oder südöstlich von Vilnius. Gemeinsam ist ihnen, dass es sich um Kurzformen katholischer Vornamen handelt, die Entsprechungen in der kanonischen orthodoxen Namennomenklatur haben, oder um alte slawische zweigliedrige Namen; deshalb können Kurzformen verschiedener Zeiten einander ähneln oder sogar übereinstimmen: Heliasz In₁₅₅₄ 112 Rotkiewicz; Janek In₁₅₅₄ 119 Łukaszewicz; Januszko In₁₅₅₄ 113 Jakubowicz; Greycius Stankowicz z Jasiem (Instr.) In₁₅₅₄ 89, Stasiem, synmi swemi; Jasz In₁₅₅₄ 90 Jocewicz; Jerzy In₁₅₅₄ 104 robi; Joc In₁₅₅₄ 115 Jakubowicz; Jocz In₁₅₅₄ 90 Maciewicz; Łukasz In₁₅₅₄ 116 MuraleWicz z Urbanem bratem; Petrek In₁₅₅₄ 108 Wraszowicz; Szymko In₁₅₅₄ 97 Bohdanowicz; Tomasz In₁₅₅₄ 110 [Juteykowicz] z Misiem, synem swym; Tomaszko In₁₅₅₄ 122 Pawłowicz, człowiek pana wojewoda bielskiego; Woytko In₁₅₅₄ 92 Daugutowicz. Die Langformen der Namen werden ohne Endungen geschrieben, doch ergibt sich hier ein völlig anderes Bild, da von 24 nur 3 – Bohdan, Hregorya (Gen.), Niestoia – nicht der üblichen polnischen Taufnamennomenklatur entstammen: Bohdan In₁₅₅₄ 101 Pietkiewicz z Marcinem synem; Od ziem Hrehorya In₁₅₅₄ 101 Pukienia; vielleicht auch Niestoia In₁₅₅₄ 119 Govlewicz. Wie bereits erwähnt, gehören phonetisch Baltromiej In₁₅₅₄ 88 Tomaszewicz; Ławryn In₁₅₅₄ 96 Radoszewicz z Marcinem synem zum ruthenischen Areal. M. Biryla weist darauf hin, dass With als Langform eines Namens, nicht nur als Kurzform, in Quellen des 16. Jahrhunderts belegt ist (B₁₁ 148); auch im Linkmenų-Inventar findet es sich: With In₁₅₅₄ 96 Lesiewicz (Liesewicz) z Szczepanem synem. Die übrigen Langformen der Namen sind so geschrieben, wie sie in der polnischen katholischen Taufnamennomenklatur gebraucht werden; allerdings lässt sich nicht ausschließen, dass der Schreiber einige von ihnen „korrigiert“ hat, zumal diese Praxis tatsächlich vorkam: Adam In₁₅₅₄ 105 Bernatowicz z Maciejem synem; Ambrożey In₁₅₅₄ 120 Staskowicz; Ambroży In₁₅₅₄ 97 Staniulewicz z Andrzejem synem; Andrzej In₁₅₅₄ 123 Mixtowicz; Symon Taleykowicz z Bartłomiejem (Instr.) In₁₅₅₄ 99 Leszowie; Mażej (Błażej) Micowicz In₁₅₅₄ 114; Jakub In₁₅₅₄ 113 Talminowicz z Raginowa; Jan In₁₅₅₄ 96 Mikołajewicz z Piotrem pasynkiem; Kasper In₁₅₅₄ 96 Stankowicz; Maciej In₁₅₅₄ 83 Marcinowicz; Marcin In₁₅₅₄ 96 Ambrożewicz z Jurguciem Stanowicz(em); Mikołay In₁₅₅₄ 96 Ławrynowicz z Stanisławem synem; Paweł In₁₅₅₄ 84 Andrzejewicz; Piotr In₁₅₅₄ 87 Juriewicz z Maciejem Pawłowiczem; Symon In₁₅₅₄ 85, Piotr Michnowiczy (Michowiczy); Szczepan In₁₅₅₄ 100 Juchnowicz z Marcinem bratem; Stanisław In₁₅₅₄ 108 Grygalewicz z Subaczem Szergutowiczem; Urban In₁₅₅₄ 115 Janowicz z Staniulem Maciejewiczem; Woyciech (Woyciulis) Andrzejewicz z Walentym In₁₅₅₄ 108 synem; Wenstaw In₁₅₅₄ 120 Mikołajewicz. Im 16. Jahrhundert befanden sich die Familiennamen noch in der Herausbildung; daher lässt sich nicht immer genau sagen, wann ein zweites Element der Personenbezeichnung bereits zum Familiennamen geworden sein konnte. Im Folgenden werden die Personennamen aus der untersuchten Linkmenų-Quelle betrachtet, deren Grundlage Formen von Taufnamen mit patronymischen Suffixen sind. Personennamen, die von Kurzformen mit litauischen Wortbildungselementen abgeleitet sind, gibt es nur sehr wenige: [Jurgis] (Jurgi) Janielowicz In₁₅₅₄ 116; z Marcinem Jurgielewicz(em) In₁₅₅₄ 112; 52 | LAIMA GRUMADIENĖ Urban Jurgielowicz In₁₅₅₄ 108 z Janem synem; Maciej Maczulewicz In₁₅₅₄ 96; Janel Matulewicz z synmi dwiema In₁₅₅₄ 117; Paweł Pieczulewicz In₁₅₅₄ 117; z Subaczem Szergutowiczem (Instr.) In₁₅₅₄ 108; Stasis Stanielewicz In₁₅₅₄ 110; Łukasz Stasulewicz In₁₅₅₄ 122. Möglicherweise ist ein Personenname aus dem Namen Jurgis (mit der Endung -is) gebildet, vielleicht aber auch aus der slawischen Kurzform Jurgi: Janulis Jurgiewicz z Jaxtem [Jurg]iewiczem In₁₅₅₄ 103. Der größte Teil der Personennamen mit patronymischen Suffixen ist aus Kurzformen ohne litauische Wortbildungselemente gebildet. Einen Teil solcher Kurzformen kann man, wie bereits erörtert, als weißrussisch ansehen, z. B.: Andrzej Alechnowicz In₁₅₅₄ 89; Narusz (Narucz) Lesiewicz In₁₅₅₄ 114 z Jakubem Juchnowicz(em); Symon Michnowicz In₁₅₅₄ 83; Stanis Micewicz In₁₅₅₄ 114 z Marcinem bratem; Mažey (Błażey) Micowicz In₁₅₅₄ 114; Bohdan Pietkewicz In₁₅₅₄ 101; Janulis Procewicz In₁₅₅₄ 93; Urban Puszkiewicz (Puskiewicz) In₁₅₅₄ 115; Staniulis Radziewicz In₁₅₅₄ 106; Heliasz Rotkiewicz In₁₅₅₄ 112; Juchno Sopowicz sopa In₁₅₅₄ 120. Wahrscheinlich ist auch der Personenname Juciewicz In₁₅₅₄ 88 als weißrussisch anzusehen (vgl. LP޹ 849), obwohl diese Kurzform in den Arbeiten von M. Biryła nicht belegt ist. Man kann annehmen, dass der Personenname Minczewicz wahrscheinlich mit einem Hydronym oder Oikonym²⁴ zusammenhängt; vorsichtig lässt sich jedoch vermuten, dass es auch eine Kurzform von st. Muha, Минай gab; vgl. Мунчук БII 92, 224. Unter den aus Kurzformen abgeleiteten Personennamen, die Weißrussen und Polen gemeinsam sind, finden sich: Piotr Daniewicz In₁₅₅₄ 115; Stanisław Juchnowicz In₁₅₅₄ 88; Goczutis Jurewicz In₁₅₅₄ 117; Jocz Maciewicz In₁₅₅₄ 90; Jan Mackiewicz In₁₅₅₄ 88; Piotr Mateykowicz In₁₅₅₄ 108 z Łukaszem; Mosis Mielewicz In₁₅₅₄ 119; Jan Milewicz In₁₅₅₄ 103; Janiul Misiewicz In₁₅₅₄ 95; Andrzej Mixtowicz In₁₅₅₄ 123; Lesis (Lesius) Mosiewicz In₁₅₅₄ 119; Jurgielis Pietraszewicz In₁₅₅₄ 112; Jakszta Piotraszkiewicz In₁₅₅₄ 112; Kasper Stankowicz In₁₅₅₄ 96; Ambrozey Staskowicz In₁₅₅₄ 120; Bortko (Boreytko) Woytkowicz In₁₅₅₄ 111. Personennamen aus typisch polnischen Kurzformen sind selten: Piotr Domaszewicz In₁₅₅₄ 103; Stanis Jankiewicz In₁₅₅₄ 112; Bohdan Jankowicz In₁₅₅₄ 84; Mikołay Januszkowicz In₁₅₅₄ 88. Ein Teil der Personennamen mit patronymischen Suffixen ist aus Langformen der Namen gebildet: Stanisław Adamowicz In₁₅₅₄ 108 z Maciejem a Janem synmi; Juchno Ambrożewicz In₁₅₅₄ 93; Stasko Bohdanowicz In₁₅₅₄ 120; Stanisław Grygalewicz In₁₅₅₄ 108; Maciej Ihnatowicz In₁₅₅₄ 118; Staniulis Jakubowicz In₁₅₅₄ 103; Piotr Janowicz In₁₅₅₄ 88; Jurgis Klimontowicz In₁₅₅₄ 88; z Jurgielem Konratowicz(em) In₁₅₅₄ 108; Jakub Ławrynowicz In₁₅₅₄ 83; Marcin Maciejewicz In₁₅₅₄ 84; Pawet Matewicz In₁₅₅₄ 108, z Misiem, wnukiem swym; Maciej Marcinowicz In₁₅₅₄ 83; Andrzej Mikołajewicz In₁₅₅₄ 88; Stas Pawłowicz In₁₅₅₄ 108 z synmi trzema; Jasis Piotrowicz In₁₅₅₄ 92; Maciej Rakowicz In₁₅₅₄ 96 z Jakubem pasynkiem; Maciej Szczepanowicz In₁₅₅₄ 117 z synmi dwiema; Piotr Symonowicz In₁₅₅₄ 92; Janiel Stanisławowicz In₁₅₅₄ 95; Maciey, Jakub Urbanowiczy In₁₅₅₄ 92. Obwohl im Inventar des Linkmenų-Amtsbezirks von 1554 christliche Personennamen vorherrschen, gibt es auch andere. Sie waren nicht Gegenstand der Untersuchung dieses Artikels, daher wird keine ausführlichere Übersicht über sie gegeben. Lediglich damit nicht der irreführende Eindruck entsteht, dort seien ausschließlich bestimmte Personennamen gebräuchlich gewesen, seien kurz auch weitere erwähnt. Es gibt einige alte baltische zweistämmige Namen, z. B.: Dawiat In₁₅₅₄ 111; Narbutha (Gen.) In₁₅₅₄ 128; Tharwid In₁₅₅₄ 101 usw.; außerdem ihre Kurzformen sowie Ableitungen mit patronymischen 24 In dieser Gegend gibt es noch die Dörfer Minčia und Minčiakampis sowie den Minčia-Wald. Vanagas (1981: 216–217) leitet den Flussnamen Minčia in der Gegend von Salakas von den litauischen Wörtern minti oder mentė ab. XVI–XVII a. Rytų Lietuvos antroponimija | 53 mit den Suffixen, z. B.: Butrymowicz In₁₅₅₄ 105; Mongierdowiczow (Gen. Pl.) In₁₅₅₄ 120; Nargielowicz In₁₅₅₄ 117; Talminowicz In₁₅₅₄ 113; Tarwidowiczem (Instr.) In₁₅₅₄ 101 usw. Litauische Personennamen appellativischen Ursprungs sind selten, z. B.: Botus In₁₅₅₄ 106; Goylis In₁₅₅₄ 83; Grevius In₁₅₅₄ 89; Goyzutis In₁₅₅₄ 110; Kuniszkis In₁₅₅₄ 117; Oszkinis In₁₅₅₄ 85; Pozeymis25 In₁₅₅₄ 113; Pukienia (Gen.) In₁₅₅₄ 101 usw. Personennamen dieser Art, von denen einige auch Kurzformen alter baltischer zweistämmiger Namen sein können, mit slawischen patronymischen Suffixen -evič, -ovič sind häufiger, z. B.: Budrewicz In₁₅₅₄ 115; Daugutowicz In₁₅₅₄ 92; Doylewicz In₁₅₅₄ 88; Goyżewicz In₁₅₅₄ 104; Greycewicz In₁₅₅₄ 103; Kieylowicz In₁₅₅₄ 111; Pikłewicz In₁₅₅₄ 98; Rymeyszewicz In₁₅₅₄ 105; Rymoszewicz In₁₅₅₄ 96; Rymszowicz In₁₅₅₄ 85; Rostaniewiczow (Gen. Pl.) In₁₅₅₄ 122; Rukszewicz In₁₅₅₄ 94; Szyleykowicz In₁₅₅₄ 89; Taleykowicz In₁₅₅₄ 99; Wayszniewicz In₁₅₅₄ 106 usw. Bei der Durchsicht der Personennamen im Inventar des Amtsbezirks Linkmenys von 1554 wurde Folgendes festgestellt: 1) Es überwiegen Personennamen christlichen Ursprungs; ein kleiner Teil der Taufnamen oder ihrer Kurzformen sind auch orthodoxe oder alt-slawische Namen, am häufigsten jedoch Namen, die sowohl bei Katholiken als auch bei Orthodoxen gebräuchlich sind; 2) Viele Kurzformen von Taufnamen sind für das Weißrussische charakteristisch oder stellen altertümliche slawische Kurzformen dar, die im 16. Jahrhundert sowohl im Weißrussischen als auch im Polnischen (und in anderen slawischen Sprachen) verbreitet waren; 3) Personennamen christlichen Ursprungs weisen zwei Arten litauischer Wortbildungselemente auf: Diminutivsuffixe -el-, -ut- und nicht immer schriftlich wiedergegebene Endungen -is, -us. Die Suffixe bleiben in Personennamen mit patronymischen Suffixen erhalten, doch litauische patronymische Suffixe wurden nicht festgestellt: verwendet wurden ausschließlich die slawischen Suffixe -evič, -ovič; 4) Es besteht kein Zusammenhang zwischen den Gliedern mehrgliedriger (gewöhnlich zweigliedriger) Bezeichnungen derselben Personen, die litauischen Ursprungs sind oder litauische Wortbildungselemente enthalten, und den Gliedern slawischen Ursprungs und/oder slawischer Bildung; dasselbe gilt für die Bezeichnung von Familienmitgliedern; die Personennamen der Bewohner einzelner Dörfer weisen keine Besonderheiten auf. 3. INVENTAR DES AMTSBEZIRKS LINKMENYS VON 1636 Das vor 1636 verfasste Manuskript des Inventars des Amtsbezirks Linkmenys ist bis heute erhalten geblieben, also fast hundert Jahre später (genauer gesagt: 82 Jahre). Der Vergleich der Personennamen christlichen Ursprungs darin mit entsprechenden Personennamen aus dem Inventar desselben Amtsbezirks von 1554 ermöglicht es, die aufgestellten Annahmen über einen möglichen weißrussischen Einfluss in der Region Linkmenys im 16.–17. Jahrhundert zu überprüfen. Das Manuskript wurde von einer Person auf Polnisch verfasst26; ein Nachname ist in kyrillischen Buchstaben geschrieben: Іоцевич In₁₆₃₆ 16v. Wie schon im Inventar von 1554 mangelt es an Kenntnissen der polnischen Rechtschreibung. Hier werden Personennamen häufiger mit Kleinbuchstaben geschrieben; das Inventar von 1554 könnte in dieser Hinsicht jedoch bei mehrmaligem Abschreiben korrigiert worden sein. Es werden mehr diakritische Zeichen verwendet, z. B.: ÿ mit zwei Punkten darüber, ù, ỳ mit einem Punkt darüber, ý, á mit einem Akut, ý mit einem Zirkumflex, ō, ū, ñ, ȳ, ž mit einem Strich darüber, ẹ mit einem Punkt darüber usw. Die Rechtschreibung wird in diesem Artikel nicht eingehender untersucht; in den Beispielen wird lediglich versucht, sie möglichst authentisch wiederzugeben. 25 Erwähnt wird der Fluss Žeimena (übrigens wird er stets mit Z- geschrieben): w rzekę Zeymianę; a rzeką Zeymioną In₁₅₅₄ 132. 26 Auf dem Titelblatt steht: „[...] przez mię Gerzega Kazimirza Jawgiela“. 54 | LAIMA GRUMADIENĖ Die Personennamen im Inventar von 1636 unterscheiden sich erheblich von denen des früheren Inventars (1554). Zunächst sind sie vielfältiger; es gibt mehr Ableitungen von litauischen Appellativen und vielfältigere Wortbildungselemente, da auch Ableitungen mit litauischen patronymischen Suffixen vorkommen. Da von den Personennamen des Inventars von 1554 nur die dort vorherrschenden Taufnamen besprochen wurden, werden die Personennamen des Amtsbezirks Linkmenys von 1636 unter demselben Gesichtspunkt verglichen. Der Herkunft nach gibt es nur wenige neue Taufnamen; alle Neuerungen betreffen die Wortbildung. Vielleicht verbirgt sich der alte slawische zweistämmige Name Гоццислав im Personennamen Gasiewicz In₁₆₃₆ 16v, LPŽ₂ I 628. Es gibt weißruthenische Kurzformen, die sich von sehr alten orthodoxen Namen ableiten lassen, doch ist auch eine andere Deutung ihrer Herkunft möglich, z. B. maknienas In₁₆₃₆ 26v; makniunas In₁₆₃₆ 26: weißruthenisch, ukrainisch Махно: altkirchenslawisch Епимах БII 232; es kann aber auch mit polnisch Maciej LPŽII 139 und mit litauisch maknys ‘jemand, der beim Sprechen murmelt, stottert’ (ebd.) in Verbindung gebracht werden. Vorsichtig ließe sich auch im Personennamen Mamenas In₁₆₃₆ 27 eine Kurzform des altkirchenslawischen Мамон suchen, vgl. БII 151. Ähnliches lässt sich über die Herkunft des Personennamens Palanis In₁₆₃₆ 25v sagen: Grundlage könnte vielleicht eine Entsprechung der Taufnamen Аполлон, Инполит oder Полин gewesen sein, nämlich die weißruthenischen Kurzformen Паланец БII 242, Поля БII 76, Пол БI 137 oder ähnliche; möglich ist aber auch eine andere Herkunftsdeutung. Es ist nicht genau bekannt, welcher Taufname zugrunde liegt, doch könnte vielleicht eine Kurzform die Grundlage des Personennamens Jodka In₁₆₃₆ 30v bilden: möglicherweise Евдоким БI 64, vielleicht aber auch ein anderer Name. Allik In₁₆₃₆ 19 kann vom kanonischen Namen Олег БII 19 abgeleitet werden, aber auch vom polnischen Aleksander (ebd.), von den kanonischen Namen Алексий БII 24, Илья БII 71 oder Орест БII 37. Die weißruthenische Kurzform Baca, die der Grundlage des Personennamens wasowicz In₁₆₃₆ 16v wurde, geht auf die bei den Weißruthenen verwendete Taufnamenform Василий zurück und nicht auf das polnische Äquivalent Bazyli БII 43. Dasselbe gilt für die weißruthenische Kurzform Ильяш: Илия БII 71, die im Inventar von Linkmenys aus dem Jahr 1636 belegt ist: Iliasz In₁₆₃₆ 26 ist dem weißruthenischen Sprachgebrauch zuzuordnen, denn das polnische Äquivalent lautet Eliasz БII 71. Obwohl sowohl die Polen als auch die Weißruthenen Äquivalente zu Leontius, Leo haben, ist der Personenname łowczyś In₁₆₃₆ 26v gerade von einer weißruthenischen Kurzform abzuleiten, vgl. Лейчанок, Лейчьк БI 107, БII 209. Ebenso ist Pilkiūnas In₁₆₃₆ 29 von der weißruthenischen Kurzform Пилька: st. Филипп, polnisch Filip БII 103 abzuleiten, obwohl auch eine Verbindung mit litauisch pilkas nicht auszuschließen ist. Die Verbindung von Wolan In₁₆₃₆ 17 mit weißruthenisch Вален: Валентин БII 42, 168 ist ziemlich zweifelhaft, aber möglich; ebenso möglich ist eine Verbindung mit Валерий LPŽII 1154. Übrigens lässt sich mit letzterem Namen vielleicht auch wiralunas In₁₆₃₆ 29v verbinden (mit litauischen Diminutiv- und Patronymsuffixen), da die Weißruthenen eine kontaminierte Kurzform davon hatten: Вир БII 41. Äquivalente desselben Taufnamens sind in den polnischen und weißruthenischen Sprachen Gasper In₁₆₃₆ 19 und Kasper In₁₆₃₆ 18v (siehe БI 95). Dasselbe gilt für die Variante Bernat In₁₆₃₆ 16v des Namens Bernhard, denn polnisch Biennat, Barnat und weißruthenisch Бернат БI 34 sind belegt, ebenso wie die dialektale Form des Namens Leonard: polnisch Lenart, weißruthenisch Ленарт БI 107, vgl. Lenart In₁₆₃₆ 19. Der Personenname Damišzys In₁₆₃₆ 28v ist sowohl von einer im Polnischen als auch im Weißruthenischen verwendeten Kurzform Damasz, Дамаш: Доментиан, Дамиан БII 248 abgeleitet; ebenso weißruthenisch Гяніц und polnisch Genus von Eugen LPŽI 652, wenn man davon den Personennamen Gienalis In₁₆₃₆ 29 ableitet, da er auch appellativischen Ursprungs sein kann. Ähnlich verhält es sich mit der Kurzform im Personennamen miloszunas In₁₆₃₆ 27: polnisch Milosz: polnisch Emilian, weißruthenisch Милош: altkirchenslawisch Милий БII 141, 248. In beiden Sprachen wird die Kurzform des Taufnamens polnisch Klemens, weißruthenisch Климент(ий) verwendet: Klim, Клим БI 98, БII 81, vgl. Klimas In₁₆₃₆ 30v. XVI–XVII a. Rytų Lietuvos antroponimija 55 Die Langform Krzyszto(ph) In₁₆₃₆ 26v ist eine polnische Schreibweise von Christoph, obwohl übrigens auch die Weißruthenen Криштоф Б₁ 104 belegt haben. Blažis In₁₆₃₆ 22 ist ebenfalls ein polnischer Taufname (LPŽ₁ 274). Solche neuen Namen oder Kurzformen, die im Inventar von 1636 erwähnt werden und im Inventar des Linkmenai-Amtsbezirks von 1554 nicht vorkommen, gibt es, abgesehen vielleicht von dem Verweis auf Valentingą. Andere Namen oder ihre Kurzformen waren bereits in der Quelle von 1554 vorhanden; hier werden jedoch im Folgenden weitere, bisher nicht erwähnte Schreibweisen, Kurzformen oder Ableitungen davon aufgeführt. In der Quelle von 1554 findet sich nur die polnische Schreibweise des Namens Andriejaus Andrzej, hier dagegen die für die Ostslawen charakteristische Form Andrey In₁₆₃₆ 21 sowie seine Kurzform mit einem slawischen Suffix, das mit einer litauischen Endung übereinstimmt – Andrus In₁₆₃₆ 27, Б₁₁ 31. Eine weitere Langform des bereits erwähnten Namens ist Walęty In₁₆₃₆ 16v. Sie ist nicht nur etwas anders geschrieben – statt -en- steht -ę- –, sondern belegt auch seine litauische dialektale Aussprache mit -in-: Walint In₁₆₃₆ 16v. Die Quelle aus dem 17. Jahrhundert enthält auch Kurzformen dieses Namens: eine slawische Form mit einem Diminutivsuffix, das mit der litauischen Endung übereinstimmt, Walis In₁₆₃₆ 19, sowie Waluk In₁₆₃₆ 18v mit dem litauischen Suffix -uk-. Es gibt neue Kurzformen bereits erwähnter Namen. Ein deutlich größerer Teil davon weist eher für das Polnische charakteristische Kurzformen auf, z. B.: Brazulis In₁₆₃₆ 29: polnisch Brozik, Brożek: polnisch Ambroży LPŽ₁ 302; Czep In₁₆₃₆ 25v; Czepolis In₁₆₃₆ 28v: polnisch Czep: polnisch Szczepan LPŽ₁ 411; mitenas In₁₆₃₆ 22, vgl. polnisch Mita: Dywmit LPŽ₁₁ 258, doch vgl. auch weißruthenisch Mimko: Димитрий Б₁ 61; Piotrokal In₁₆₃₆ 16v, doch vgl. polnisch Piotrat: polnisch Piotr, weißruthenisch Пятрок: altkirchenslawisch Петр Б₁₁ 101; Szym In₁₆₃₆ 16v: polnisch Szym: polnisch Szymon LPŽ₁₁ 930; Tumas In₁₆₃₆ 31, vgl. polnisch Tomasz, altkirchenslawisch Фома Б₁₁ 121. Einige Kurzformen haben Äquivalente sowohl im Weißruthenischen als auch im Polnischen, z. B.: Alexa In₁₆₃₆ 29v: polnisch Aleks, altkirchenslawisch Алексей LPŽ₁ 80; Jakutys In₁₆₃₆ 27v: polnisch Jak: polnisch Jakub, weißruthenisch Як, Якуma: altkirchenslawisch Яков Б₁₁ 129, 241; Joszko In₁₆₃₆ 16v, vgl. polnisch Jeszo: polnisch Jan, weißruthenisch Яша: altkirchenslawisch Иаков LPŽ₁ 820; Jurka In₁₆₃₆ 26v; Jurko In₁₆₃₆ 22v: polnisch Jurka, weißruthenisch Юрка: altkirchenslawisch Юрий LPŽ₁ 870; Marcel In₁₆₃₆ 16v, vgl. weißruthenisch Марцин aus dem 16. Jh., polnisch Marcin Б₁₁ 87; Stakun In₁₆₃₆ 22v, vgl. polnisch Stach: polnisch Stanisław, weißruthenisch Стах: Станислав Б₁₁ 110; wąsowicz In₁₆₃₆ 17, vgl. die Ableitung vom altkirchenslawischen Иоанн Б₁ 83 (zu anderen Etymologien siehe LPŽ₁₁ 1159). Einige Kurzformen sind jedoch eher für das Weißruthenische charakteristisch, wenngleich sich Verbindungen zum Polnischen nicht ausschließen lassen, z. B.: Czasiuk Czasenas In₁₆₃₆ 22 – weißruthenisch Часок: altkirchenslawisch Вячеслав Б₁₁ 51; maciuta In₁₆₃₆ 16v: weißruthenisch Мацума: altkirchenslawisch Матфей, Мацей; polnisch Mac: polnisch Maciej Б₁₁ 240; stepsalis In₁₆₃₆ 28v könnte auf einer Kurzform des polnischen Stefan oder altkirchenslawischen Стефан, Steps, mit dem altertümlichen slawischen Diminutivsuffix -s beruhen; vgl. Б₁₁ 112, 235. Hinsichtlich der Wortbildung sind die aus Taufnamen hervorgegangenen Personennamen recht vielfältig. Einige Personennamen ohne patronymische Suffixe weisen sowohl litauische Diminutivsuffixe -el-, -ul- als auch litauische Endungen auf: Czepulis In₁₆₃₆ 22 Szymkunas; Borkunas Janelis In₁₆₃₆ 29v; Matulis In₁₆₃₆ 22 niekiszkis; Mikialis In₁₆₃₆ 20 maszkiozna; Stasulis niekisakis In₁₆₃₆ 22. In der früheren Quelle (1554) kamen keine Fälle vor, in denen Kurzformen von Taufnamen als zweites Glied der Personenbezeichnung dienten; im Inventar von 1636 gibt es solche jedoch. Bei einigen sind beide Glieder der Personenbezeichnung Taufnamen, z. B.: Jurgis Jakutys In₁₆₃₆ 27v; Iliasz matulis In₁₆₃₆ 26; Czepolis stepsalis In₁₆₃₆ 28v. Bei einigen kann das erste Glied hingegen appellativischen Ursprungs sein, z. B.: Duda woyčiulis In₁₆₃₆ 21; Kuta matulis In₁₆₃₆ 22 und andere. Es gibt etwas mehr Namen, die nur Diminutivsuffixe aufweisen – neben den bereits genannten auch -uk-, -ut- (im Fall von Petrokal möglicherweise -el-, doch aus der Schreibweise ist dies nicht ersichtlich) –, aber ohne Endungen geschrieben sind: Czasiuk 56 | LAIMA GRUMADIENĖ IN₁₆₃₆ 22 Czasenas; Januk IN₁₆₃₆ 21v Alksnianis; Jasul IN₁₆₃₆ 22v maciucenas; Jasiuk IN₁₆₃₆ 28 mikszan; Marcel Piotrokal IN₁₆₃₆ 16v; Matul IN₁₆₃₆ 22v Baltromieikis; Piatru IN₁₆₃₆ 22v Gaýžas; Stasiuk IN₁₆₃₆ 20 Stýmberelis; Stasul IN₁₆₃₆ 29v Berziulenas; Waluk IN₁₆₃₆ 18v Lepeta. Zwei solcher Formen sind zweite Bestandteile der Personenbezeichnung: Ławryn Staniul IN₁₆₃₆ 16v; Marcel Piotrokal IN₁₆₃₆ 16v. Es gibt auch Kürzungsformen mit litauischen Endungen, die manchmal zu Langformen des Taufnamens geworden sind, zum Beispiel: Baltrus IN₁₆₃₆ 27 molerunas; Jurgis Bernat IN₁₆₃₆ 16v; Szymaś IN₁₆₃₆ 27 Żýmonas, ferner: Błażis IN₁₆₃₆ 18v Dwakinis; Czepas IN₁₆₃₆ 29v Czepulenas; Damusžys IN₁₆₃₆ 28v nowik; Jasus IN₁₆₃₆ 21 Grugalus; Klimas IN₁₆₃₆ 30v Baczenas; Tumas IN₁₆₃₆ 31 milenis. Jurgis wurde einmal auch als zweiter Bestandteil der Personenbezeichnung verzeichnet – Woÿciech Jurgis IN₁₆₃₆ 26. Auch Grýg IN₁₆₃₆ 16v Krzywopust; Grig IN₁₆₃₆ 28v wizelis wurden zu Langformen. Zwei Kürzungsformen lassen sich doppelt interpretieren, da litauische Endungen mit slawischen Suffixen zusammenfallen: Andrus IN₁₆₃₆ 27, B₁ 31 milūnas; Walis IN₁₆₃₆ 19, B₁ 36 Allik. Im Gegensatz zum Inventar von 1554 gibt es nicht viele Kürzungsformen ohne jegliche litauische Wortbildungselemente: Alexa IN₁₆₃₆ 29v Kiautenas; Czep IN₁₆₃₆ 25v Palanis; Iliasz IN₁₆₃₆ 26 matulis; Jodka IN₁₆₃₆ 30v Blażenas; Jurka IN₁₆₃₆ 26v Kimbar; Jurko IN₁₆₃₆ 22v Stakun; Luksza IN₁₆₃₆ 16v Kulewicz; Szym Joszko IN₁₆₃₆ 16v; Tomasz IN₁₆₃₆ 27 milošzunas. Eine Kürzungsform wurde im Polnischen zur Langform: Jerze IN₁₆₃₆ 18v woÿciech; Jerzi IN₁₆₃₆ 22 kudenas. Verzeichnet sind Personenbezeichnungen taufnamigen Ursprungs ohne patronymische Suffixe, die zu zweiten Bestandteilen der Personenbezeichnung geworden sind. Dazu gehört eher eine Form mit Endungen, die litauischen ähneln (vielleicht aufgrund der Schreibweise), als mit tatsächlich litauischen Endungen, zum Beispiel: Piotr Joczes IN₁₆₃₆ 19; Kowal tołczyś IN₁₆₃₆ 26; Mikołay: Woÿciech maciuta IN₁₆₃₆ 16v; Rodzios IN₁₆₃₆ 21v, sowie ohne litauische Endungen, zum Beispiel: Walis Allik IN₁₆₃₆ 19; Szym Joszko IN₁₆₃₆ 16v; Jasiuk mikszan IN₁₆₃₆ 28; Kasper Tomasz IN₁₆₃₆ 18v. Es gibt viele Langformen von Namen. Drei davon sind nichtpolnisch, obwohl sie Entsprechungen haben: Andreÿ IN₁₆₃₆ 21 Ławnik; Baltromiei IN₁₆₃₆ 18v Niemonìun; Ławryn IN₁₆₃₆ 16v Staniul. Eine Namensform wurde phonetisch verändert – Czapan IN₁₆₃₆ 30v Jušenas (anstelle des zu erwartenden polnischen Szcz-). Eine Form – Lenart IN₁₆₃₆ 19 Iaszkėnas – ist eine dialektale Variante von Leonard, die sowohl im Weißrussischen als auch im Polnischen verwendet wird (siehe B₁ 107, LPŽ II 55). Ein katholischer Name wurde mit litauischer Endung verzeichnet: Karolis IN₁₆₃₆ 29v Bezdenas; Karulis IN₁₆₃₆ 21v Karpis, ein anderer trägt ein litauisches Diminutivsuffix – steponalis IN₁₆₃₆ 28v. Die übrigen sind gebräuchliche polnische, teils auch weißrussische Taufnamen: Adam IN₁₆₃₆ 21v Balinski; Ambrożey IN₁₆₃₆ 26v masenas; Błażey IN₁₆₃₆ 22v mtenas; Gasper IN₁₆₃₆ 19 Jakubowicz; Jakub IN₁₆₃₆ 19 Ambrozieiewicz; Jan IN₁₆₃₆ 16v Gasiewicz; Kasper IN₁₆₃₆ 18v Tomasz; Krzyszto ph IN₁₆₃₆ 26v Plenius; Marcin IN₁₆₃₆ 26 Podwoński; Mikołay IN₁₆₃₆ 21v Rodzios; Paweł IN₁₆₃₆ 22 Żesinas; Piotr IN₁₆₃₆ 17v Gaużutys; Stanisław IN₁₆₃₆ 16v woÿskun; Stephan IN₁₆₃₆ 16w Ioceвич; Szyman IN₁₆₃₆ 16v lach; Urban IN₁₆₃₆ 19v miteÿkis; Wałęty IN₁₆₃₆ 16v kowal; Walint IN₁₆₃₆ 16v kulewicz; Woÿciech IN₁₆₃₆ 16v maciuta; Wolan IN₁₆₃₆ 17 Kulewicz. Langformen können ebenfalls zu zweiten Bestandteilen der Personenbezeichnung werden, sowohl mit litauischer Endung, zum Beispiel: Aszkinis Ambr as as IN₁₆₃₆ 22; Rukas Czapanas IN₁₆₃₆ 31, Jasus Grygalus IN₁₆₃₆ 21, als auch ohne Endung – Jurgis Bernat IN₁₆₃₆ 16v; Swidren Krýsz toph IN₁₆₃₆ 22; Jerze woÿciech IN₁₆₃₆ 16v. Frauennamen werden gewöhnlich nicht angegeben, sondern nur, wessen Witwe sie ist, zum Beispiel: Wdowa Stasio-wa IN₁₆₃₆ 16v. Es gibt zwei Einträge mit Frauennamen, die eindeutig slawisch sind: Aksania Batt- XVI–XVII a. Rytų Lietuvos antroponimija | 57 romiejowa In1636 22, Milowa Uliana In1636 29. Letztere Namensform (ohne J-) verbreitete sich später in Ost- und Südostlitauen (Kuzavin is, Savukynas 1994: 213). Am häufigsten sind solche zweiten Bestandteile der Personenbezeichnung, die patronymische Suffixe aufweisen. Der Unterschied besteht darin, dass in der Quelle von 1636 Ableitungen von Taufnamen mit litauischen patronymischen Suffixen -ėn-, -ūn- sowie eine Ableitung mit -yn- vorkommen. Es gibt ein Kompositum aus einer Kürzungsform mit litauischem Diminutivsuffix -ok- und dem Substantiv žentas: Grig mikszakzentis In1636 29. Personenbezeichnungen mit mehreren litauischen Suffixen (Diminutiv- und Patronym suffix) gibt es nicht sehr viele; diese Personenbezeichnungen haben außerdem litauische Endungen: Poszenas Andrulenas In1636 29; Czepas Czepulenas In1636 29v; Jasul maciulenas In1636 22v; Adam Pečiulenas In1636 29v; eine solche Personenbezeichnung gibt es auch ohne Endung – Ławryn Staniulin27 In1636 17. Zwei Personenbezeichnungen mit einem litauischen Diminutiv- und einem slawischen Patronymsuffix wurden gefunden (in der Quelle von 1554 waren es mehr): Szym Czepulewicz In1636 19; Januk manulewicz In1636 22. Dagegen gibt es eine recht umfangreiche Gruppe von Personenbezeichnungen, deren Grundlage Kürzungsformen von Taufnamen ohne litauische Diminutivsuffixe, aber mit litauischen patronymischen Suffixen bilden (hinzu kommt hier noch -ait-), zum Beispiel, mit Endungen verzeichnet: Andrey Blažėnas In1636 25; Borkunas In1636 29v Janelis; Czasiuk Czasenas In1636 22; Szym Domaszunas In1636 30v (Lat 100); Sžyman Gryčiunas In1636 21v; Jurgis Jakavītis In1636 27; Jan Jaczunas In1636 26; Lenart Jas zkenas In1636 19; Jan Jociunas In1636 21; Czapan Jušėnas In1636 30v; Kržysz-toph maknienas In1636 26v; marcin makniunas In1636 26v; Sžyman marczenas In1636 29; Walulis masenas In1636 26v; Tomasz miłoszunas In1636 27; Blažis miten as In1636 22; Jan Sžymkienas In1636 21; Czepulis Sžymkunas In1636 22; bei einer Person haben beide Bestandteile der Bezeichnung ein patronymisches Suffix – Poczenas In1636 29 Andrulenas. Personenbezeichnungen dieser Bildung gibt es auch ohne litauische Endungen: Bogdžun nowik In1636 22; Marcin Domaszun In1636 19v; Jan Jaciun In1636 26v; Wojciech maňčiun In1636 18v; Jurko Stakun In1636 22v; Adam Stasun In1636 22v. Das Suffix -in- einer aus einer Kürzungsform gebildeten Personenbezeichnung ist nicht patronymisch – Stanisław Sžymkinis In1636 21; möglicherweise lässt sich vermuten, dass auch der Stamm einer anderen Personenbezeichnung mit dem nichtpatronymischen²⁸ Suffix -išk- taufnamigen Ursprungs ist – Ambrožey miližkis In1636 28v. Im Gegensatz zum Inventar von 1554 gibt es einige Personenbezeichnungen, die aus Kürzungsformen ohne litauische Wortbildungselemente, jedoch mit slawischen patronymischen Suffixen gebildet sind; sie sind ohne Endungen verzeichnet: Jan Gasiewicz In1636 16v; Stephan Joweyu In1636 16v; Marcin Łukaszewicz In1636 18v; Grýg wasowicz In1636 16v; Grýg wąsowicz In1636 17; Jan wołtkiewicz In1636 24v. Es gibt nur zwei Personenbezeichnungen, die aus Langformen mit litauischen patronymischen Suffixen gebildet sind – Krzysztoph Karalunas In1636 24v; Andrus martynenas In1636 29v; bei einer weiteren ist das Suffix nicht patronymisch – Matul Baltromieikis In1636 22v. Nur sehr wenige solcher Personenbezeichnungen mit slawischen patronymischen Suffixen sind noch vorhanden; sie stehen ohne Endungen: Jan Alekseiewicz In1636 21v; Jakub Ambrozieiewicz In1636 19; Gasper Jakubowicz In1636 19; Stanisław Jozephowicz In1636 24v; Krzysztop marcinowicz In1636 19. 27 Dieselbe Person wie Ławryn Staniul In1636 16v. 28 Maciejauskienė (1991: 227–228) teigia priesagą -išk- turėjus patroniminę reikšmę, ypač kai asmenvardžiai buvo daromi iš krikšto vardų. 58 | LAIMA GRUMADIENĖ Insgesamt sind die Personennamen des Inventars von 1636 erheblich litauischer als die von 1554; darauf weist auch die große Zahl von Personennamen hin, die aus litauischen Appellativa gebildet wurden. Wie bereits in der Übersicht über das Inventar von 1554 sind sie nicht Gegenstand der Untersuchung; einige von ihnen seien lediglich erwähnt, z. B. solche ohne litauische patronymische Suffixe: Urban Auksla IN₁₆₃₆ 24; Jan Dewelis IN₁₆₃₆ 19; Piat­ruc Gaižas IN₁₆₃₆ 22v; Karulis Karpis IN₁₆₃₆ 21v; Waluk Lepeta IN₁₆₃₆ 18v; Jan Pilwialis IN₁₆₃₆ 29v; Piotr ragialis IN₁₆₃₆ 19; Stasiuk Stymbirelis IN₁₆₃₆ 20; Jan Szakalis IN₁₆₃₆ 24v; Mikotay wilkas IN₁₆₃₆ 27; Grig wizelis IN₁₆₃₆ 28v; Pawel Žešinas IN₁₆₃₆ 22; Grýg Žýburys IN₁₆₃₆ 20v usw. Es gibt auch Komposita, z. B.: Matulis Dzwiniakis IN₁₆₃₆ 24v; Stasulis niekisakis IN₁₆₃₆ 22 usw. Einige Personennamen weisen nichtpatronymische litauische Suffixe auf, z. B.: Blažis Dwak inis IN₁₆₃₆ 18v; Jan Gaužutenis IN₁₆₃₆ 17v; Piotr Goyžut IN₁₆₃₆ 24; Jan kupietis IN₁₆₃₆ 28; Matulis niekizskis IN₁₆₃₆ 22 usw. Ob diese Personennamen ihre patronymischen Suffixe bereits verloren oder sie nie erhalten haben, lässt sich schwer sagen: In ganz Litauen ist eine solche Fülle von Personennamen für Quellen aus der früheren Zeit, dem 16. Jahrhundert, charakteristisch (vgl. Maciejauskienė 1991: 151 ff.; 225), doch lässt sich das über die Quelle aus Linkmenys von 1554 nicht sagen. Ein beträchtlicher Teil der litauischen Personennamen appellativischer Herkunft mit den patronymischen Suffixen -ėn-, -on-, -ūn- ist mit Endungen belegt, z. B.: Januk Alksnianis IN₁₆₃₆ 21v; Stasiul Beržulenas IN₁₆₃₆ 29v; Jurgis Beždenas IN₁₆₃₆ 29v; Pawel Dikienas IN₁₆₃₆ 28; Pawel Dýkunas²⁹ IN₁₆₃₆ 28; Jasus Kauten as³⁰ IN₁₆₃₆ 29v; Alexa Kiautenas IN₁₆₃₆ 29v; Piotr Kupre-nas IN₁₆₃₆ 26; Marcin Purienenas IN₁₆₃₆ 29; Jan Rukszenas IN₁₆₃₆ 20v; Marcin Sžykszniūnas IN₁₆₃₆ 29; grig wizatanis IN₁₆₃₆ 28v; Piotr Žýtenas IN₁₆₃₆ 25; Žýtenas marcin IN₁₆₃₆ 25 usw. Es gibt auch solche Personennamen ohne Endungen, z. B.: Jan Szakutan IN₁₆₃₆ 24; Sžym Stulgian IN₁₆₃₆ 28 usw. Nur sehr wenige weisen slawische patronymische Suffixe auf, z. B.: Marcin Gribewicz IN₁₆₃₆ 16v; Jan Rugaýszewicz IN₁₆₃₆ 16v; Jurgis stemborowicz IN₁₆₃₆ 19v usw. Einige wenige alte baltische zweistämmige Personennamen, z. B.: Jurka Kimbar IN₁₆₃₆ 26v; Stanisław minat IN₁₆₃₆ 22v; Jan woýsznaras IN₁₆₃₆ 22; Sžýmas Žýmonas IN₁₆₃₆ 27 usw. Auch die Schreibweisen von Beinamen und von daraus mit litauischen patronymischen Suffixen gebildeten Personennamen lassen an einen möglichen Wechsel des Sprachgebrauchs oder an Zweisprachigkeit denken, z. B.: Neben Ławryn kalwis IN₁₆₃₆ 25 steht Wałety kowal IN₁₆₃₆ 16v; neben Battro-mieý kotwenas IN₁₆₆₃ 21 steht Kawatenas IN₁₆₆₃ 24v, d. h. lit. kalvis und slawisch kowal, wobei allerdings auch der Schreiber die Formen angepasst haben könnte. Dass es Personennamen mit dem Ethnonym gudas gibt, bestätigt die Vermutung einer mehr oder minder großen sprachlichen Heterogenität, z. B.: Gudas Sawicki IN₁₆₃₆ 26, Jurgis Gudunas IN₁₆₃₆ 21v. Erst in der Quelle von 1636 traten Personennamen mit dem Suffix -ski auf, das für das Polnische charakteristischer ist als für das Weißrussische, z. B.: Adam Balinski IN₁₆₃₆ 21v; matul Dirwanski, tenze Dýrwinski IN₁₆₃₆ 24v; Woýciech Grzybowski IN₁₆₃₆ 19v; Urban Łapaczinski IN₁₆₃₆ 30v; Marcin Podwoýski IN₁₆₃₆ 26; Adam Pokulewski IN₁₆₃₆ 26; Gudas Sawicki IN₁₆₃₆ 26; Woýciech Sopkowski IN₁₆₃₆ 21v; Swiderski IN₁₆₃₆ 16v; Andreý zawacki IN₁₆₃₆ 21. Eine Schreibweise zeigt einen gewissen Grad der Anpassung, da sie eine Endung aufweist: Ambrozeý Kilbowskis IN₁₆₃₆ 28v. 29 Hier sind Dikienas und Dýkunas dieselbe Person; dies ließe vermuten, dass die litauischen patronymischen Suffixe -ėn- und -ūn- im 17. Jahrhundert in der Umgebung von Linkmenys wechselweise verwendet worden sein könnten. 30 Im selben Dorf lebte auch Kiaulėnas, weshalb hier vermutlich ebenfalls das Wort kiaulė „Schwein“ die Grundlage des appellativischen Familiennamens bildet. XVI–XVII a. Rytų Lietuvos antroponimija | 59 Zusammenfassend lässt sich zur Übersicht der Taufnamens-Personennamen im Inventar des Amts Linkmenys von 1636 Folgendes feststellen: 1) Obwohl hier, wie auch im Inventar von 1554, Personennamen taufnamigen Ursprungs überwiegen und nur ein kleiner Teil davon Taufnamen oder ihre Kurzformen sind, die von orthodoxen oder altslawischen Namen abgeleitet wurden, handelt es sich überwiegend um Namen, die sowohl bei Katholiken als auch bei Christen gebräuchlich waren. Die Quelle von 1663 enthält mehr Personennamen, die sich mit der litauischen Appellativlexik in Verbindung bringen lassen; 2) Ein Teil der Taufnamenskürzungen ist für das Weißrussische charakteristisch; andere sind gemeinsame altslawische Kurzformen, die im 17. Jahrhundert sowohl im Weißrussischen als auch im Polnischen (und in anderen slawischen Sprachen) verbreitet waren, doch weisen viele von ihnen litauische Elemente der Personennamenbildung auf; 3) Personennamen taufnamigen Ursprungs weisen zwei Arten litauischer Wortbildungselemente auf: Verkleinerungssuffixe -el-, -uk-, -ul-, -ut- und nicht immer verschriftlichte Endungen -is, -us. Diese Suffixe bleiben in Personennamen mit patronymischen Suffixen erhalten; es finden sich zahlreiche Personennamen mit litauischen patronymischen Suffixen -ėn-, -ūn- und weiteren. Die in der Quelle von 1554 häufig verwendeten slawischen Suffixe -evič, -ovič werden seltener. Es treten Personennamen mit dem polnischen patronymischen Suffix -ski auf; 4) Es wurde kein Zusammenhang zwischen den Gliedern der mehrgliedrigen (gewöhnlich zweigliedrigen) Bezeichnung derselben Personen festgestellt, wenn diese litauischen Ursprungs waren oder litauische Wortbildungselemente aufwiesen, und den Gliedern slawischen Ursprungs und/oder slawischer Bildung; dasselbe gilt für die Benennung von Angehörigen derselben Familie. Die Personennamen der Bewohner einzelner Dörfer weisen keine Besonderheiten auf. 4. ANSTELLE VON SCHLUSSFOLGERUNGEN Die untersuchten Personennamen taufnamigen Ursprungs aus den Inventaren des Amts Linkmenys von 1554 und 1636 unterscheiden sich in gewissem Maße von den anderen Personennamen jener Zeit, die auf dem Gebiet des heutigen Litauens belegt sind. Dies gilt insbesondere für die Quelle des 16. Jahrhunderts: Sie ist deutlich slawischer geprägt, enthält nur wenige für andere Quellen jener Zeit typische einheimische Namen, die Formen der christlichen Namen sind hinsichtlich der litauischen Wortbildung nur wenig angepasst, Personennamen mit litauischen patronymischen Suffixen fehlen, und überwiegend werden slawische, insbesondere weißrussische, Namenskürzungen verwendet, einige davon nicht aus dem katholischen Namensbestand (vgl. Maciejauskienė 1991: 33 u. a.). Die Personennamen im Inventar von 1636 sind hinsichtlich ihrer Bildung deutlich litauischer; neben den zahlreichen litauischen Verkleinerungssuffixen finden sich viele Personennamen mit litauischen patronymischen Suffixen, sodass Personennamen mit slawischen patronymischen Suffixen seltener verwendet werden. Hinsichtlich ihrer Herkunft ähneln die Personennamen der Quelle aus dem 17. Jahrhundert denen der Quelle aus dem 16. Jahrhundert, doch finden sich etwas mehr Namensformen, die entweder ausschließlich von polnischen Langformen oder von bei Polen und Weißrussen gleichermaßen gebräuchlichen Formen abgeleitet sind. Vorsichtig ließe sich vermuten, dass es im 16. Jahrhundert im Gebiet von Linkmenys einen Einfluss der weißrussischen Sprache gegeben haben könnte, der im 17. Jahrhundert bereits deutlich zurückgegangen war. Weißrussische Kurzformen christlicher Namen könnten nicht selten auch durch direkten Kontakt mit nicht litauisch sprechenden Nachbarn übernommen worden sein. 60 | LAIMA GRUMADIENĖ A B K Ü R Z U N G E N B1 – M. V. BIRYLA, Беларуская антрапанімія 1. Уласныя імёны, імёны-мянушкі, імёны па бацьку, прозвішчы. Minsk: Nauka i technika, 1966. B11 – M. V. BIRYLA, Беларуская антрапанімія 3. Структура уласных мужчынскіх імён. Minsk: Nauka i technika, 1982. bulg. – Bulgarisch GEN. – genitivus (Genitiv) gu. – Weißrussisch IN1554 – Inventar vom 4. Dezember 1554 der Tijūnija von Vilnius – der Amtsbezirke Nemenčinė und Linkmenys. K. JABLONSKIS, Hrsg., Istorijos archyvas (XVI a.), Kaunas, 1934, 30–131. IN1636 – Inventar des gesamten Wilnaer Ciwuństwo und der Städte, die dem Niemenczyńska Łyngmanska und den Woytämtern samt ihren Untertanen anvertraut sind (…) von mir, Gęzega Kazimirza Jawgiela, Dworzai (…) 1636. VUBRS, F 14. INSTR. – instrumentalis (Instrumental) kan. – kanonisch le. – Polnisch lie. – Litauisch LPŽI, LPŽII – A. VANAGAS, Hrsg., Lietuvių pavardžių žodynas (A-K), Bd. 1; Lietuvių pavardžių žodynas (L-Ž), Bd. 2, Vilnius: Mokslas, 1985, 1989. lo. – Lateinisch NOM. – nominativus (Nominativ) PL. – pluralis (Plural) altkirchenslawisch orthodox ukrainisch deutsch LITERATŪRA ČEKMONAS, V. 1988: Введение в славянскую филологию, Vilnius: Mokslas. DUMČIUS, J. 1957: Antikiniai vardai lietuvių liaudies kalboje. Vilniaus valstybinio V. Kapsuko universiteto Istorijos-filologijos fakulteto mokslo darbai 3, 178–183. 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