scieee AI-readable full text Open interactive document viewer

Hiat laryngalny w językach bałto-słowiańskich

Wojciech Smoczyński

Full text

ACTA LINGUISTICA LITHUANICA XLVII (2002), 55–87 Laryngalhiat in den baltoslawischen Sprachen1 WOJCIECH SMOCZYŃSKI Uniwersytet Jagielloński, Kraków Der Artikel behandelt die Behandlung des sogenannten Laryngalhiats im Baltischen und Slavischen. Es handelt sich um Fälle, in denen ein Laryngal zwischen einem hohen Vokal i oder u und einem Suffixvokal geschwunden ist. Diese Konstellation ist charakteristisch für Bildungen auf der Ablautstufe des Schwunds (SZ), die auf Wurzeln des Typs *Cei̯H-/*Ci̯eH- oder *Ceu̯H-/*Cu̯eH- beruhen. Wird an eine vollstufige Wurzel des Typs *CeH- ein vokalisches Suffix angefügt, hinterlässt der Laryngal keine Spur (sein Schwund führt zu Kontraktion oder zur Entstehung eines sekundären Diphthongs), während eine ähnliche Situation, in der ein Laryngal nach i, u schwindet, einen Hiatus hervorruft, der anschließend im Baltischen und Slavischen durch die Einfügung eines homorganen Gleitlauts i̯, u̯ beseitigt wird. EINLEITUNG Der Terminus Laryngalhiat (dt. Laryngalhiat) wird für den Fall verwendet, dass sich ein Laryngal (lrg.) in der Position nach den hohen Vokalen i, u und vor einem Suffixvokal befindet, schematisch *iH-V, *uH-V. Eine solche Phonemkonstellation ist für Wortformen auf der Ablautstufe des Schwunds (SZ) charakteristisch. Gemeint sind hier Derivate von Wurzeln des Typs *Cei̯H-/*Ci̯eH oder *Ceu̯H-/*Cu̯eH-, also solchen, die einen Diphthong plus Laryngal enthalten. Die Behandlung der Sequenzen *iH-V, *uH-V unterscheidet sich grundlegend von derjenigen von *eH-V, wenn ein vokalisches Suffix an eine vollstufige Wurzel (SP) *CeH- angefügt wird. Während bei *eH-V der Laryngal spurlos schwindet, was zur Kontraktion der Vokale führt (mit zwei möglichen Folgen: Kontraktionslänge oder sekundärer Diphthong, je nach Qualität des suffixalen V²), führt im Fall von *iH-V, *uH-V der Schwund von H zu einem Hiatus. Seine Besonderheit besteht darin, dass er nicht durch Kontraktion beseitigt wird, sondern durch Einschub eines homorganen Gleitkonsonanten nach i, u, also i̯, u̯. Als Folge dieser Behandlung ergeben sich die Sequenzen 1. *[ijV], historisch [ijV] an der Stelle von urindogermanisch *[iHV], und 2. *[u̯V] > historisch [uvV] an der Stelle von urindogermanisch *[uHV]. Zum Beispiel: [ijV]: altkirchenslaw. bijenъ ‚geschlagen‘ aus *bi̯e.no- ⇐ *bʰiH-eno-, eine Bildung auf SZ-V zu *bʰe̯iH-C. Vgl. SZ-C biti, bitù. [ijV]: lit. bijóti(s) ‚sich fürchten‘ aus *bi̯u̯ā- < *bi.HaH- < *bʰiH-eh₂-, eine Bildung auf SZ-V zu *bʰe̯iH-, ved. bháyate. Vgl. SZ-C lett. bitîes ‚sich fürchten‘. [uvV]: altkirchenslaw. zabъvenъ ‚vergessen‘ (-en- analogisch statt *-on-), aus *bu̯.ana- < *bhu.h₂.a.no- < *bhuh₂-eno-, eine Bildung auf SZ-V zu *bʰu̯eh₂-. Vgl. SZ-C byti, bylù. 1Dieser Artikel ist eine Weiterentwicklung des Vortrags, den ich am 28. Februar 2001 vor der Kommission für Linguistik der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Abteilung Krakau, gehalten habe. 2Vgl. einerseits Längen: lat. lēnis ‚mild‘ < *leh₁-en-; mās ‚Mann, männliches Tier‘ < *maHōs < *meh₂-ōs; flōs ‚Blume‘ < *bʰloHōs < *bʰleh₁-ōs. Andererseits Diphthonge: gr. πλεῖστος ‚am zahlreichsten‘ < *pleh₁-istho-; lit. dienà ‚warm‘ < *dein-i̯ < *dʰeh₁-in- (ved. dhénuk ‚Kuh‘ < *dʰeh₁-inu-); lat. laevus ‚links‘, gr. λαῖ(ϝ)ός, altkirchenslaw. lēvъ < *lāiu̯o- < *leh₂-iu̯o-; lit. sausas ‚trocken‘ und altkirchenslaw. suxъ < *saHusos < *seh₂-usos (gr. (h)αῦος); lit. káulas ‚Knochen‘ < *kau̯H.lo- < *kaHulo- < *keh₂-ulo- (lat. caulis). 56 | WOJCIECH SMOCZYŃSKI [uvV]: lit. buvo „war“ aus *bu. ųą < *bhuh₂-eh₂-, eine Bildung mit SZ-V zu *bʰu̯eH-. Vgl. SZ-C búti, būdamas. Wie ersichtlich, entspricht die Silbenstruktur der historischen Formen der ursprachlichen Struktur: bi.je.nъ wie *bʰi.He.no-, *bu̯e.nъ wie *bʰu.He.no- usw. Die historischen Spiranten j, v setzen zwar die ursprachlichen Gleitlaute *i, *u fort; zu berücksichtigen ist jedoch, dass es sich hier nicht um unmittelbar aus der ie. Ursprache ererbte Phoneme handelt, wie etwa bei lit. lejù < *lei̯H-e-, vejù < *u̯ei̯H-e-, aksl. zovǫ < *gʰeu̯H-e-, lit. sravà < *sreu̯-, sondern um Segmente sekundären Charakters, die erst in einer Epoche entstanden, deren zeitlicher Rahmen durch die Abschwächung und den Schwund der laryngalen Phoneme bestimmt wird. Die Phoneme j und v in den Sequenzen ijV und uvV betrachten wir daher als mittelbares Zeugnis für das Vorhandensein eines intervokalischen Laryngals und unterscheiden sie in diesem Sinne genetisch von j, v, die nach anderen Vokalen als i, u auftreten. Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist eine möglichst vollständige Erfassung jener baltischen und slawischen Morpheme, die die Gleitlaute i, u anstelle laryngaler Phoneme enthalten. Die Anordnung des Materials ist wie folgt. Für jedes Morphem wird ein Ablautparadigma erstellt, in dem an erster Stelle das für SZ-V charakteristische Allomorph mit ij, uv aufgeführt wird. Anschließend wird ihm das langvokalische (ī, ū) Allomorph aus der Position SZ-C gegenübergestellt, um zu veranschaulichen, dass der Charakter des anlautenden Suffixsegments, V oder C, über die Komplementarität dieser beiden Formen des Schwunds von Wurzeln des Typs eiH/ieH beziehungsweise euH/ueH entscheidet. Darauf folgt die e-Stufe (SE) der idg. Wurzel, gewöhnlich in der von LIV (1998) angegebenen Form, und ihre baltoslawischen Reflexe werden angeführt. Auf die SE folgen – in einigen Lemmata – von ijV, uvV abgeleitete Bildungen mit o-Stufe (SO). Sie unterteilen sich in vokalisch anlautende (ai-V, au-V) und konsonantisch anlautende (ai-C, au-C). Das Ablautparadigma eines Morphems zeigt außerdem, auf welche Weise primäre Formen mit ijV, uvV ihre Derivate hervorbringen. Es geht dabei um drei Formgruppen: 1. infigierte Präsensformen mit SZ, 2. Derivate mit Dehnstufe ījV, ūuV (als WSZ-V bezeichnet), 3. Derivate mit o-Stufe (SO). Infigierte litauische Sequenzen des Typs *Cinį, *Cunų entwickeln sich lautgesetzlich zu Cij, Cuv (gīja, būva) und denasalisieren sich anschließend zu Cīj, Cūv (gīja, bija, būva, klūva). Wo sich Gelegenheit dazu bietet, wird auf das Vorhandensein alternativer „Präsentien auf -na“ (gīna, lýna, būna, klūna) hingewiesen, da diese Letzteren aufgrund des Zirkumflexes und des Formans -na als Produkt einer Kreuzung des innovativen Typs -(ȳ)ja, -(ū)va mit dem älteren Typ -(ī)na, -(ū)na gelten müssen, den ererbte Infigierungsbildungen repräsentierten, die in die Zeit vor dem Schwund der vokalisch anlautenden Laryngale zurückreichen, z. B. *līna aus *li-n-H-e-, *būna aus *bʰu-n-H-e-. – Derivate des Typs WSZ-V sind im Litauischen etwa palyjėti ⇐ lij-, papjūvėti ⇐ pjuv-, im Slawischen etwa aksl. upijati sę ⇐ pij-, pokryvati ⇐ krīv-. – Bei den Derivaten mit SO handelt es sich meist um deverbal gebildete Nomina mit einer Wurzelform aiV (⇐ vb. ijV) oder auV (⇐ vb. uvV), z. B. lit. bajùs von bij-, gajùs von gij-, sajùs von sij- sowie lett. krava, aksl. krovъ von *kru̯-, aksl. rovъ von rъv- (im Gesamtmaterial fällt die verhältnismäßig schwächere Vertretung des Typs auV auf). Mitunter kommt es vor, dass die uns interessierende Form SZ-V im Material nicht belegt ist. In diesem Fall wird WSZ-V der internen Rekonstruktion zugrunde gelegt; vgl. etwa die Lemmata *miį-, *žį-, *liuu-. In bisherigen Analysen gab es beispielsweise Fälle von HIAT LARYNGALNY W JĘZYKACH BAŁTO-SŁOWIAŃSKICH | 57 Zuordnungen der Form yj palyjēti zu y (lyti) oder yj im Präsens lyja. Ebenso wurde bei papjūvéti ūv mit āu des Verbs pjāti in Verbindung gebracht (siehe z. B. Otrębski 1965: 366). Was wiederum das Slawische betrifft, wurde etwa byvati nach byti als by-vati analysiert (statt des korrekten *bū-ā-). Solche Fälle wurden in der Rubrik WSZ-V berichtigt. Die vier am Ende des Artikels angefügten Exkurse weisen auf bestimmte morphologische Neuerungen hin, die, wie es scheint, mittelbar durch den laryngalen Hiatus bedingt waren. Es handelt sich um: (1) infigierte Präsensformen von anitischen Wurzeln des Typs šlyja, srūva, (2) das Nominalsuffix -yś als Allomorph von -ijas, (3) das Infinitivsuffix -yti, (4) das slawische Suffix -aviti. 1. GLEITLAUT i IN DER POSITION *I.HV 1.1. *b̑ij- I < *bʰiH- SZ-V *b̑ij-: lit. bijóti(s) ‘sich fürchten’, lett. bijât(iēs), aksl. biātwei³ aus *bi.ǰā- < *bi.HaH- < *bʰiH-eh₂-. SZ-C *b̑i-: lett. bitìēs ‘sich fürchten’, Präs. bìstuōs (⇒ Intensivum bìstītiēs), Prät. dial. bìduōs (Variante zu bijuōs). SE *bʰȇiH- ‘in Furcht geraten’ (LIV 58), vgl. ved. bháyate ‘er/sie fürchtet sich, hat Angst’. Ableitung bai̯-V: 1. Ps. *boja-, aksl. bojati se ‘sich fürchten’ (Präs. bojiti̯u se) sieht wie ein Reflexivum aus, das nachträglich zu *bojati gebildet wurde, einer Form, die zuvor transitiven Wert (Kausativum ‘erschrecken’) gegenüber urslaw. bĭj- hatte, vgl. oben lit. bijóti(s)⁴. – 2. aksl. pobaint Kausativum ‘bestrafen’. – 3. lit. baĵùs ‘ängstlich, furchtsam’; bàju: Mirt nebus bajù ‘Sterben wird nicht schrecklich sein’. Ableitung bai̯-C: ibajdýti Kausativum ‘erschrecken, einschüchtern’ (lett. baidīt ‘erschrecken’), báime Fem. ‘Furcht, Angst’, baisà ‘Angst’ (⇒ baisus ‘schrecklich’), bailỹs Mask. ‘ängstlicher, feiger Mensch’. 1.2. *b̑ij- II < *bʰiH- SZ-V *b̑ij-: 1. aksl. bĭjenú ‘geschlagen’ aus *bi.ǰe.no- ⇐ *bʰiH-eno-, 2. aksl. bijetú ‘er/sie schlägt’ (ESJS 63, Stang 1942, 46) < *bi.ǰe- ⇐ *bʰiH-e-, sekundär verändert zu aksl. bijetú durch Angleichung an den Inf. bi-C (siehe unten brijetú). SZ-C *b̑i-: 1. aksl. biti ‘schlagen’, bitù ‘geschlagen’, nižùbiti ‘nach unten stürzen’, ubiti ‘töten’, zabiti ‘erschlagen’, 2. lett. būt ‘schieben’, Iterativum bidīt ‘schieben, rücken, schiebend stoßen; stopfen’, lit. dial. býdyti ‘zum Aufstehen zwingen, aufscheuchen, antreiben’ (siehe Urbutis 1981: 109). SE *bʰȇiH- ‚schlagen‘ (LIV 57). Ableitung *bai̯-V: aksl., razboi Mask. ‘Überfall, Raub’, uboi Mask. ‘Mord’; slowen. *boji, poln. bój (etym. Bed. ‘Kampf’). 3 Lies [bijá:tvei]. 4 Weniger wahrscheinlich ist, dass die slowenische Basis boj- ererbt ist, nämlich als Fortsetzung des uridg. Perfectums *-bʰoiH- (vgl. ved. bibhāya-), wie in der Literatur gewöhnlich angenommen wird (siehe Vaillant 1966: 393) und zuletzt ESJS 72. 58 | W O J C I E C H S M O C Z Y Ń S K I 1.3. *bii- III < *bʰih₂- SZ-V *bii-: lett. biju Prät. ‚ich war‘. Ausgehend von den im Optativ belegten Formen bimū (1. Pl.), bi (2./3. Sg.) des vorkonsonantischen SZ *bī- lässt sich *bii-ā- nach dem hier angewandten analytischen Prinzip auf *bʰiH-eh₂- und *bi-C auf *bʰiH-C zurückführen. Präzisieren wir H nun im Lichte des bedeutungsgleichen Allomorphs *bʰuh₂-V (vgl. lit. buvai, altlett. buvu, kirchenslaw. ⁰būvenŭ) als h₂, so erhalten wir *bʰih₂-V, also SZ zu *bʰieh₂-⁵. Dies führt zusammen mit der Tatsache, dass die Variation *bʰih₂- / *bʰuh₂- auch im Germanischen, Keltischen und Italischen vorkommt (siehe LIV 83), zu der Hypothese, dass sich in den westindogermanischen Dialekten uridg. *bʰueh₂- ‚wachsen, entstehen, werden‘ durch Dissimilation der Labiale, bʰu > bʰi, in zwei Formen aufspaltete und dass beide in den baltoslavischen Sprachen komplementär im Paradigma des Verbs ‚sein‘ verwendet werden, und zwar in dessen schwachen Formen. Wenn ferner die Hypothese zutrifft, dass in den altlitauischen Conditionalisformen auf -biau ‚-würde ich‘, -bei ‚-würdest du‘, *-bi ‚-würde‘ (Pl. -bime, -bite)⁷ das Hilfsverb *biiu > -biau (1. Sg.), *bijai > -bei (2. Sg.) sowie die Apokope *bijā > *-bi (3. Pers.) enthalten sind, finden wir darin einen Beleg für die urlitauisch-lettische Herkunft des Stammes *bijā-⁸. 1.4. *brii- < *bʰriH- SZ-V *brii-: urslaw. *brĭjetŭ se ‚rasiert sich‘ < *bri.ie- ⇐ *bʰriH-e-; kirchenslaw. brijetŭ se ist eine jüngere Form; ihr langes i stammt aus dem Ausgleich mit dem Inf. bri-C (vgl. oben bijetŭ)⁹. SZ-C *brī-: kirchenslaw. briti se ‚sich rasieren‘ (britva f. ‚Rasiermesser, Rasiergerät‘), kroat. arch. brīti, brĭjem, sekundär brĭjati. SE *bʰreiH- ‚schneiden‘ (LIV 77). Im Urs lawischen wurde die Bedeutung auf ‚den Bart abschneiden‘ eingeschränkt. 1.5. *gii- I < *gʷih₃- SZ-V *gii-: 1. lit. atgijo ‚erholte sich‘, iżgijo ‚wurde gesund‘, lett. dziju aus *gi.ia- < *gʷih₃-eh₂-, 2. Ableitung pagijelis m. ‚Genesener‘, 3. lit. Präs. mit Infix gija/gija ‚wird gesund‘ aus *gi-n-i- (Nebenform gyna aus der Kreuzung des älteren *gina < *gʷi-n-H-e und des jüngeren gija). ⁵ Vgl. *gʷih₃- zu *gʷieh₂- ‚leben‘ s.v. *gii-. ⁶ Andere nehmen an, dass die Dissimilation im Stamm *bʰū-ī-e- stattfand und durch das Suffix -i- ausgelöst wurde, > *bʰī-ī-e-, siehe Klingenschmitt (1982: 222, Anm. 72) und LIV 84. Dazu ist zu sagen, dass das Modell *bʰū-ī-e- gerade mit Bezug auf die baltoslavischen Sprachen nicht zutrifft, da hier (zumindest beim primären Verb) die Verbindung des Suffixes -ie- mit auf -ū- und -i- auslautenden Wurzeln vermieden wird (< *-uH-, *-iH-); vgl. z. B. das Fehlen von trīja zu rīti ‚schlucken, verschlingen‘ und tļyja zu tļīti ‚regnen‘. ⁷ Por. nusidētum biau, būtumbei, tarnāutum bime, sakōtum bime, Zinkevičius (1981: 122n). ⁸ Dokładniej o tym Smoczyński (2001:51, 224n). Tam też o wcześniejszych próbach objaśnienia łot. bij-V ⁹ Daher ist die Herleitung von brijetǫ aus idg. *bʰriH-ie- in LIV 77 unwahrscheinlich. Zur Sequenz -iH-ie- siehe die Anmerkung in Anm. 6. HIAT LARYNGALNY W JĘZYKACH BAŁTO-SŁOWIAŃSKICH | 59 SZ-C *gi̯-: 1. lit. atgȳti ‘wieder gesund werden’, lett. dzīt ‘gesund werden’, aksl. ožiti ‘wieder lebendig werden’ < *gʷih₃-C¹⁰. 2. gýdyti ‘heilen’ (etym. Bed. ‘bewirken, dass jemand wieder lebendig und gesund wird’), gȳvas ‘lebendig’. SE *gʷei̯h₃- ⇐ *gʷjeh₃- ‘leben’ (LIV 192), vgl. gr. βέομαι ‘ich werde leben’, herkunftsmäßig ein Konjunktiv *gʷeih₃-o-. Drw. gai̯-V: 1. lit. gajùs ‘leicht, schnell heilend, wieder gesund werdend’, atgajùs ‘munter’. – 2. Im Slawischen wurde aus dem antevokalischen Allomorph *gii- das urslawische *ži̯j-V gebildet (vgl. lit. °gijo); daraus entstand SO goj-: caus. *gojiti ‘zum Leben zurückbringen’, refl. *gojiti się ‘heilen’ – von einer Wunde (vgl. oben bojati się). Nur aus synchronischer Sicht erscheint gojiti als kausatives Derivat zu žiti intr. ‘leben’ < *gʷih₃-C¹¹. Drw. gai̯-C: lit. gaivà f. ‘Lebenskraft’¹². (Die Tatsache, dass es keine baltischen Reflexe *gei̯-V/ *gei̯-C gibt, schließt die Möglichkeit aus, gai- von einem SE-Stamm abzuleiten.) 1.6. *gii- II < *gʷiH- SZ-V * gii̯-: lit. gijà f. ‘Faden im Gewebe’, lett. dzija ‘Faden, Garn’ aus *g̑i.Hā < *gʷiH-éh₂. Vgl. ved. jyá- f. ‘Bogensehne’, hom. gr. βίος m. ‘Bogen’ (etym. Bedeutung ‘mit einer Sehne versehen’) < *bi̯i̯ó- < *gʷiH-ó-. SZ-C *gi̯-: lit. gýsla f. ‘Ader’, serb. žica f. ‘Faden, Nähgarn’ < *gīkā. SE *gʷi̯eH-, vgl. ved. jyá f. ‘Bogensehne’ (Mayrhofer EWAI₁, 603). 1.7. *gli̯- < *gliH- SZ-V *glii̯-: urslaw. *glìjь, russ. dial. glej ‚Ton, toniger Boden‘, ukrain. hlej ‚Schlamm, Ton‘, weißruss. hlej ‚Schlamm unter Wasser‘ (entlehnt im Poln. glej ‚Bodenschicht mit aschgrauer Färbung‘ (siehe Sławski SEJP₁ 282, Bańkowski I 430). SZ-C *gli̯-: 1. lit. glyti̯s ‚glatt, eben‘, lett. glīts ‚glatt, nett, zierlich, hübsch‘, 2. slowak. glina ‚Lehm‘. SE *glei̯H- ‚bestreichen, kleben bleiben‘ (LIV 168): lit. glėjù (vgl. glėju̯ Prät. gliejau, Inf. glėti neben dial. glėti) ‚schmieren, durch Schmieren glätten; kleben, Löcher mit Lehm füllen, kleben‘, refl. ‚(an etwas) kleben, anhaften‘. Ableitung *glai̯-V: lit. glājus m. ‚Flüssigkeit von klebriger Konsistenz‘ (LKŽ). N.B. Eine Spur des alten prs. mit Infix *gli-n-H-é- ⇒ lit. glinù, neu segmentiert als glin-ù, ist das nepowk. glin-, vgl. Prät. gliniaũ, Inf. glīnti, gewöhnlich mit Präverbien ap-, už- ‚(mit Lehm) beschmieren, verkleben‘, siehe LKŽ. 10 SZ vom Typ gy-C steckt vielleicht in der nominalen Zusammensetzung lit. dveigys ‚Zweijähriger (vom Pferd)‘. Diese Zusammensetzung lässt sich nämlich als ‚zwei (Jahre) lebend‘ interpretieren, und zwar unter der Annahme, dass das Glied -gy-s eine Alternative des vorvokalischen Allomorphs *gii-V, urbal. *gii̯as ‚Lebendiger‘, darstellt, das das idg. Nomen *gʷih₃-ó- fortsetzt, vgl. gr. βίος ‚Leben, Lebensweise; Lebensunterhalt, Nahrung; Getreide‘. Siehe auch Exkurs III. 11 Auffällig ist das Fehlen eines lit. *gajyti. Dem slawischen gojiti entspricht semantisch lit. gýdyti (siehe oben). 12 Auf Grundlage von gaiv-, das aus der Reanalyse von gaiv- + -a hervorging, bildete man anschließend das Verb gaivinti ‚beleben‘ und die Nomina gaivàlas ‚Element‘, gaivùmas m. ‚Belebung‘. 60 | WOJCIECH SMOCZYŃSKI 1.8. *gni̯- II < *gniH- SZ-V *gni̯-: urslaw. *gnijetū Präs. ‚fault‘ aus *gnih₁-e-. SZ-C *gnī-: kirchenslaw. (sū)gniti ‚(ver)faulen‘ < *gnih₁-C. Durch den Ausgleich von *gnīj- an den Inf. gni-C entstand das Präs. gnijetū (vgl. oben bijetū bei biti, brijetū bei briti). SE *gne̯iH-. Fehlt in LIV. Zum Typ pwk. siehe oben *bʰeiH- und unten *leiH-, *pe̯iH-. Drw. *gnai̯-V: kirchenslaw. (sū)gnojiti Kaus. ‚(ver)faulen lassen‘¹³ (postverb. kirchenslaw. gnoi, -ja m. ‚Mist‘). Drw. *gnai̯-C: kirchenslaw. gnĕvù ‚Zorn‘, Zorn¹⁴. Zum Suffix vgl. lit. gaivà s.v. gii- I. 1.9. *ki̯i- < *kʷih₁- SZ-V *ki̯i-: urslaw. *či̯jo < *kʷih₁-e- ‚ich ruhe mich aus‘, Präs. zu čiti. Vgl. *bījǫ:: biti, *lījǫ:: liti, *vījǫ:: viti. SZ-C *kī-: kirchenslaw. počiti ‚sich ausruhen‘ (dazu das neue Präs. počijǫ) < *kʷih₁-C. Vgl. ferner kirchenslaw. čilŭ, serbokroat. čō, tschech. čilý ‚munter, rüstig‘ (etym. Bed. ‚ausgeruht‘). SE *kʷieh₁- ‚ausruhen‘ (LIV 352), vgl. awest. ši̯iāmā ‚wir freuen uns‘. Im Slawischen fehlt SE *ča- aus *kē- < *kʷieh₁- oder aus *kʷi̯a- < *kʷioh₁-¹⁵. Vgl. lat. quiētus ‚ruhig, beruhigt; friedlich; privat‘ < *kʷi̯éh₁-to- (zu awest. ši̯āta- ‚glücklich‘, altpers. ši̯āta- ebenso), Perf. quiēuī < *kʷi̯ē-uai (LIV 353). Zum Typ pwk. vgl. *gʷieh₃- s.v. gii- I. Drw. *kai̯-V: kirchenslaw. pokojiti ‚beruhigen, stärken, kräftigen‘, pokojiti zakona ‚das Gesetz erfüllen‘¹⁶, altpoln. koji się ‚erkaltet, kühlt sich ab‘, koji się choroba ‚die Krankheit lässt nach‘ (urslaw. Kaus. mit der etym. Bed. ‚bewirken, dass etwas Ruhe findet‘, vgl. Sławski SEJP II 329). Davon pokoj m. ‚Ruhe, Frieden‘ als Postverb. 1.10. *kri̯i- < *kriH- SZ-V *kri̯-: 1. lett. krijāt (< *kriH-eh₂-) ‘schinden; den Schlitten mit Lindenholz auskleiden; Garn auf eine Haspel aufwinden’ (ME II 278), 2. lett. krīja f. ‘Lindenrinde, Lindenbast; Siebrand, Reif eines Siebes, Riegensieb; Korb aus Lindenbast; Lindenbrett’ (ME II 277; dazu krijuôt ‘schinden’ als jüngere Rückbildung). SZ-C *krī-: 1. lit. krýtis, -ties f. ‘Netz zum Fangen von Fischen; Fischkescher’, mit Metatonie: krytis, -tiēs f. ‘Eisscholle’ (etym. Bedeutung ‘Stück, das sich abgelöst hat’). – 2. kirchenslaw. krinǫ m. oder krina f. ‘hölzernes Gefäß, Wasserbottich’, altslaw. okrinǫ m. dass. (anders dazu ESJS 365: aus *(s)krej- anitischer Bildung). SE *krejH-, dies aus einer Umgestaltung von uridg. *kreh₁- ‘sieben, trennen’, vgl. LIV 327. Zu SZ *kriH- wurde im Baltischen durch die Technik der v̥rdhi ein neuer SP *kre̯iH- hinzugebildet, daher lit. dial. 13 Historisch betrachtet handelt es sich also um eine Ableitung von einem Präsens auf -ī-, nicht auf -i-, wie bei Vaillant (1966: 417). 14 Zur semantischen Entwicklung siehe Sławski SEJP I 304, ESJS 182. 15 Es sei denn, man verbindet damit das Wort čăs ‘Zeit’, unter der Annahme der Bildung ča-s̑ und der etymologischen Bedeutung ‘Unterbrechung, Augenblick der Erholung’ (?). ESJS 98 s.v. časǫ zieht eine solche Zugehörigkeit nicht in Betracht. 16 Derywat od prs. na -ū-, nie zaś -ii- (inf. -i-), jak u Vaillanta (1966: 417). Zob. wyżej gojiti, gnojiti oraz niżej *krojiti, *lojiti, pojiti. HIAT LARYNGALNY W JĘZYKACH BAŁTO-SŁOWIAŃSKICH | 61 krejù (krejaũ, kriẽti) ‘von der Oberfläche sammeln; in einer Flüssigkeit fischen’, lett. kreju (krēju, krìet/krìēt) ‘den Rahm von der Milchoberfläche abschöpfen’. Ableitungen. kraj-V: 1. lit. Nomen krājus m. ‘Seiten eines Siebes, Worfels; Reif’. – 2. urslaw. *krojiți, poln. kroić ‘mit einem scharfen Werkzeug abtrennen’, russ. krojú, kroiť ‘Getreide sieben’, slowen. krojím, krojíti ‘spalten, zerreißen’17, altslaw. okrojenije n. ‘Beschneidung’. Eine Schwundstufe zu kroj- zeigt sich in altslaw. krai, -ja m. ‘Ufer, Rand’. Ableitungen. kraj-C: lett. kraistīt ‘rahmen, schöpfen, den Rahm von der Milch abschöpfen’, überhaupt ‘von oben abschöpfen; oberflächlich machen’ (MEII 256), lit. kraitis m. ‘Korb, Bütte’. 1.11. *li̯- I < *liH- SZ-V *li̯-: 1. lett. lija Prät. ‘es regnete’, lit. įsilijo Prät. ‘es begann richtig zu regnen’ < *li̯.i̯ā- < *liH-eh₂-, 2. lit. Präs. mit Infix lȳja/lī́ja ‘es regnet’ < *li-n-i̯- (Nebenform lȳna aus der Kreuzung von *lina < *li-n-H-e und lȳja), 3. Nomina: li̯imas m. ‘starker Regen’, li̯ùngas dial. ‘regnerisch, nass’, li̯ùndra f. ‘Schneeregen (Wetter, bei dem Regen fällt und gefriert)’. WSZ-V *li̯-: lit. palvėti ‘kurz regnen (von einem kurzen Regenschauer)’ ⇐ *li̯-ē-18. SZ-C *lī-: lit. lýti ‘(vom Regen) fallen, strömen’ = lett. līt (dazu Präs. līst); lit. lýdyti Kaus. ‘im Regen stehen lassen, damit es nass wird’. SE *le̯iH- ‘gießen’ (LIV 363): lit. lejù, lieti ‘gießen, ausschütten’, lett. leju, liet (neue Kausativbildung lit. líedinti Kaus. ‘bewirken, dass es gegossen, ausgeschüttet oder umgegossen wird’). Abla. lai-V: lit. ãtlaja f. oder ãtlajis m. ‘Abfluss, Untiefe, flache Stelle im See’, ãtlajus m. dass., užúolaja f. ‘Überschwemmungsgebiet am Fluss’. Abla. lai-C: lit. láistyti Iter. ‘übergießen, bewässern; Tränen vergießen’19. N.B. Vgl. die Bemerkung zu ilajai m.pl. ‘Ton zum Verstopfen von Löchern’, laitas m. ‘Lehmboden’ am Ende von Teil I. 1.12. *li̯- II < *liH- SZ-V *li̯-: 1. Pers. *lijọ Präs. ‘ich gieße’, russ. l’ju zusammen mit lett. dial. lij ‘es regnet’ (Endzelin 1922: §609), aus *li̯.i̯e- < *liH-ē-, 2. Pers. *lijati aus *liH-éh₂-, was durch das Vorhandensein von SW lijati impliziert wird (vgl. oben lett. lija). 17 Eine ambige Bildung auf SO: entweder ein Kausativum zu *kr̥nēti se ‘sich ablösen, sich abtrennen, abstehen’ (dieses ist auf einem alten nasalinfigierten Präsens *kr̥nō < *kri-n-H-é- aufgebaut), oder ein Iterativum zu urslaw. *krejo (vgl. lett. kreju). 18 Die Dehnung des durch ein Laryngal bedingten Schwundstufenelements -i̯- zu -ī- tritt auch in pavijėti auf (s.v. *u̯ii- I). Die entsprechende Entwicklung von -uu- zu -ū- findet sich in papijūvėti (s.v. *pi̯eu-) und pasiūvėti (s.v. *si̯eu-). Der Vokal i wird vor unserem sekundären i ebenso behandelt wie vor anderen Konsonanten, und zwar unabhängig davon, ob es sich um Resonanten handelt, vgl. pagvėnti, pamny̌ti, patry̌nėti, pakylėti, oder um Obstruenten, vgl. pabvėdti (brid- ⇐ bred-), paskrydėti, paslydėti (*slid- ⇐ *sle̯id-), pakrypėti (*krip- ⇐ kreip-), palypėti, panysėti (*niš- ⇐ neš-), palytėti (*lit- ⇐ leit-), pamygėti, pavyzdėti (*vizd- ⇐ veizd-), pavyzėti (*viz- ⇐ vež-). Einzelheiten bei Otrębski (1965: §61nn.), wobei jedoch zu beachten ist, dass die vom Autor angegebenen primären Stämme dieser Durativa mitunter zu wünschen übrig lassen; vgl. krypsta für kypėti, liečia für *lȳtėti, šlysta für *shȳdėti. 19 Der Akut ist nach dem Stamm lieti gebildet, zur Polarisierung gegenüber laistyti ‘schmieren, bestreichen, mit feuchtem Lehm bewerfen’ (leisti). 62 | WOJCIECH SMOCZYŃSKI WSZ-V *līj-: kirchenslaw. lijati ‘gießen, ausgießen’²⁰, sekundäres Intensivum auf -vati: izlivati ‘ausgießen’. SZ-C *li-: kirchenslaw. liti, serbokroat. lĭti (se), dial. ljȉti, altpoln. *lić ‘gießen’. SE *lejH- ‘gießen’ (LIV 363): kirchenslaw. lęjo ‘ich gieße’ < *lejH-je- (siehe auch oben *lii- I). Ableitung * laj-V: urslaw. *lojiti iter. ‘gießen, ausgießen’, davon kirchenslaw. loji, -a m. ‘Talg’, niedersorb. łój, tschech. lůj als Postverbale (etym. Bed. ‘flüssiges, gießbares Fett’). Im Slavischen fehlt SO *lě-C. 1.13. *mii- < *miH- SZ-V *mii-: lett. miju Prät. zu mīt ‘ändern, austauschen’, < *mi.iā- < *miH-eh₂-. WSZ-V *mii-: slav. mijati ‘(von der Zeit) vergehen’ – setzt ein primäres Präs. *mījǫ (sę) ‘ich verändere mich’ voraus? SZ-C *mi-: 1. lett. mīt ‘tauschen’, refl. mītēs ‘miteinander tauschen, sich abwechselnd bewegen, wechseln, sich verändern’; iter. mistīt ‘öfter tauschen’ < *mi-stī-. – 2. kirchenslaw. minǫti ‘(von der Zeit) vergehen’. SE *mejH-. LIV 383 führt nur das anitische *mej- ‘wechseln; tauschen, ändern’ auf (ved. ví mayante 3 Pl. ‘sie verändern sich’). Im Lettischen wurde Präs. *meju²¹ infolge des Ausgleichs nach Prät. miju durch miju ersetzt. Ableitung *maj-C: 1. lit. atmainà f. ‘Änderung’, mainãi m. Pl. ‘Mondphase’²², 2. kirchenslaw. měna f. ‘Austausch’. 1.14. *nĭi- < *niH- SZ-V *nii-: lett. niju Prät. zu nīt, nīt < *ni.iā- < *niH-eh₂-. SZ-C *ni-: lett. nīt, nīt ‘eine Kreisbewegung ausführen’, sviestu nīt ‘Sahne zu Butter schlagen’. SE *neiH- ‘führen, leiten’, vgl. ved. náyati ‘führt’, heth. nēanzi 3 Pl. ‘sie lenken (fahren), schicken’ (LIV 406). Im Lettischen wurde das Präs. *neju infolge des Ausgleichs an das Prät. niju durch niju ersetzt. LIV erwähnt das lettische Verb nicht. 1.15. *pii- I < *pih₃- SZ-V *pii-: aksl. pijetǫ Präs. ‘ich trinke’ < *pih₃-e- (Allomorph *pih₃- aus Metathese *ph₃i-), vgl. russ. pju, pješь (Inf. pitь), p’jányj, ukrain. pju (Inf. pytý)²³. WSZ-V *pii-: aksl. upijati sę ‘sich betrinken’ (sekundäres Intensivum auf -vati: opivati sę ebenso²⁴, dazu pivo Neutrum ‘Getränk’ als postverbales Substantiv). ²⁰ Es wäre zu untersuchen, ob lijati nicht ein Reflex von urslaw. *lъj-ē- sein kann, d. h. eine Bildung parallel zu lit. patyjęti; siehe oben. ²¹ Vgl. lett. meju zu miet ‘einen Pfahl einschlagen, ich schlage ein’. ²² Das Fehlen des Akuts beweist, dass diese Nomina von SZ-V *mii- und nicht von SE-C *mej- abgeleitet wurden. LIV 383 führt nur anitoves *mej- ‘wechseln; tauschen, ändern’ an. ²³ Inaczej Stang (1942: 46), który (niesłusznie) operuje pierwiastkiem anitowym *pej-. ²⁴ Vgl. serb. posmijati se neben dem älteren posmijati se ‘sich lustig machen’. Das sekundäre Suffix -vati geht auf eine Resegmentierung zurück, die bei dem Typ oplivati aksl. ‘anspeien’ ⇒ opli-vati (nach pli-noti ‘spucken’), poči-vati ‘sich ausruhen’ ⇒ poči-vati (nach *poči-noti ‘zur Ruhe kommen’) erfolgte. HIAT LARYNGALNY W JĘZYKACH BAŁTO-SŁOWIAŃSKICH | 63 SZ-C *pī-: aksl. piti ‘trinken’. SE *peh₃- > *peh₃-i- (vgl. die Notation *peh₃(i)- ‘trinken’ in LIV 417). Ableitung *pai-V: slow. napojiti caus. ‘zu trinken geben, tränken²⁵ (postverbales napoji, -a m. ‘Getränk’, vgl. oben lojĭ ‘Talg’). 1.16. *pii- II < *piH- SZ-V *pii-: 1. lit. pijo Präteritum zu pyti (siehe unten), 2. Präsens mit Infigierung pīja ‘schwillt durch Milch an’ < *pi-n-i-²⁶, von *pi.ie- < *piH-é-. SZ-C *pī-: 1. lit. pyti ‘durch Milch anschwellen (von Kuhzitzen)’, išpyti ‘aufweichen (vom Boden, von Hefe)’; pýdyti caus. ‘das Euter vor dem Melken massieren, damit Milch hineinströmt’, 2. urslaw. *pitǫ ‘satt, gesättigt’ < *piH-tó-, das die Grundlage für das denominale Verb aksl. pitěti sę ‘sich sättigen, sich ernähren’ bildete (davon caus. pitati ‘sättigen, ernähren, füttern; aufziehen’) sowie für das Substantiv aksl. pišta f. ‘Nahrung’, kroat. pića, altpoln. pica²⁷. SE *peiH- ‘anschwellen’ (LIV 419), vgl. ved. pāyate ‘spritzt (von Milch)’. Ein Allomorph mit SO kann in lit. pěnas m. ‘Milch’ < *păina- < *pojH-no- stecken (siehe šiena s.v. šii- II). Im Litauischen fehlt SO *pai- zu pij-. 1.17. *prii- < *priH- SZ-V *prii-: slaw. *prĭjǫ ‘ich erweise Freundschaft, Wohlwollen’ – durch das Vorhandensein des Iterativs im SW prijati ‘jemandem wohlgesinnt sein, jemandem gewogen sein’²⁸ impliziert. Rekonstruktion *pri.ie- < *priH-é-. Vgl. ved. priyá- ‘lieb, erwünscht; eigen, zu den Seinen gezählt’ (daneben prs. prináti ‘sich über etwas freuen, zufrieden sein; etwas genießen’ < *pri-né-H-ti (Mayrhofer EWAI AII 189). Vgl. das entsprechende SZ zu *bʰeiH-, *leiH-, *ueiH-. SZ-C *pri-: im BSl. unbelegt. Vgl. ved. prītá- ‘freundlich gesinnt’ < *priH-tó-, prīti- f. ‘Freude, Zufriedenheit’ < *priH-tí- (Mayrhofer EWAI AII 181). SE *preiH- ‘erfreuen, Liebes erweisen’ (LIV 441): prs. cs. přējǫ, alttschech. přěju (Trautmann 1923: 231). Im Baltischen gibt es lett. priēks ‘Freude’ (ME III 393) < *prei-ka-. Zum Bau vgl. lett. spēks ‘Kraft, Macht; Menge’, lit. spēkas ‘Kraft, Macht’ (zu spēju, spėti ‘freie Zeit haben’, suspėti ‘rechtzeitig schaffen’ < *speh₁-) und aksl. znakъ ‘Kennzeichen’ < *žnō-ka- (zu znajǫ, znati ⇐ *gneh₃- ‘erkennen’). 25 Derywat od prs. na -ī-, nie zaś -ī- (inf. -i-), jak u Vaillanta (1966: 417). Zob. wyżej gojiti, gnojiti, *krojiti, *lojiti. 26 Die Rekonstruktion von pȳja als *piH-ié- in LIV 419 ist zweifelhaft. Bei regelmäßiger Fortsetzung dieser Proform müsste †pýja mit Akut entstehen. Eine solche Form wäre völlig unregelmäßig, da das Baltische das Suffix -i̯e/o- nicht mit Stämmen auf *-iH- verbindet; vgl. Anm. 6. 27 Die Zugehörigkeit von ps. *pirъ, aksl. piro ‘Bewirtung, Gastmahl’ ist umstritten; ebenso gut kann es zu aksl. piti ‘trinken’ gehören. 28 Angesichts der Tatsache, dass sich prijati in nichts von Iterativa wie aksl. lijati ⇐ *līj- (s.v. *lii- II) sowie lit. palyjėti ⇐ *līj- (s.v. *lii- I), slaw. mijati gegenüber lett. miju (s.v. *mii-), aksl. upijati sę gegenüber pijętǫ (s.v. *pii- I) unterscheidet, besteht kein Anlass, mit Vaillant (1966: 293) eine Entlehnung aus got. fijōn ‘freundlich sein’ anzunehmen. 64 | WOJCIECH SMOCZYŃSKI 1.18. *ri̯- I < *riH- SZ-V *ri̯-: 1. lett. ri̯u Präs., ri̯u Prät. zu rīt (s. d.), lit. nur̄jo Prät. ‘schlucken, verschlingen’, aus *rih₂-e-, -eh₂-, 2. lit. Präs. mit Infigierung rī̀ja/rīja < *ri-n-i- (Nebenform rīna aus der Kreuzung von *rina < *ri-n-H- und rīja), 3. Nomina: lit. rījikas m. ‘Fresser’, rījimas m. ‘Fressen, Verschlingen’. SZ-C *rī-: lit. rýti ‘schlucken, verschlingen’, lett. rīt ebenso (Intensivum ristīt ‘schnell verschlingen’)²⁹. SE *reh₂- ⇒ *reh₂i-: Die ursprachliche Form *rih₂- stellt eine metathetische Veränderung aus *rh₂i- als SZ zu *reh₂i- dar; dieses wiederum ist aus dem Präs. *reh₂-ie- abstrahiert, vgl. lett. rāju ‘ich tadle, schelte’. Das lit. SP *ro-C²⁹ fehlt. Drw. rai̯-V: lit. rajōti ‘kauen, wiederkäuen’, rajùs ‘gefräßig’, prarajà f. ‘Abgrund, Schlucht’. 1.19. *ri̯- II < *h₃riH- SZ-V *ri̯-: urslaw. *řijęnu < *HriH-en-, verändert zu aksl. otъ-rivenŭ ‘weggestoßen, zurückgewiesen’ (Vaillant 1966: 232), mit v, übertragen aus dem synonymen otъ-rinovenŭ oder auch aus dem Verb otъ-rūvati ‘abreißen’. SZ-C *rī-: aksl. rǫti se ‘einstürzen, zusammenbrechen’, otъrinǫti ‘vertreiben, zurückweisen’, Iterativ otъ-rivati ‘verdrängen, wegstoßen’, urivati ‘umringen’. SE *h₃rejH- ‘wallen, wirbeln; fließen’ (LIV 271). SZ im Vedischen riṇāti ‘lässt strömen, lässt laufen’, rīyate ‘strömt, läuft’. Vgl. WSE aksl. rějǫ, rějati ‘fließen, sich bewegen (vom Wasser)’ (Ableitung rě-ka ‘Strömung, Fluss’). Drw. rai̯-V: urslaw. *rojī m., russ. roj, poln. rój (Bienenschwarm); urslaw. *vǫz-rojī m., poln. (w)zarój ‘Ort, an dem Wasser hervorquillt, Quelle’. 1.20. *si̯- I < *siH- SZ-V *si̯-: lit. sijóti ‘sieben, durch ein Sieb passieren lassen’, apsijóti ‘mit Getreide besäen’ < *si̯ā- < *sih₁-eh₂-. Die pwk. Form *sih₁- stellt eine metathetische Form *sh₁i- als SZ zu *seh₁i- dar (dies wiederum abstrahiert aus prs. *seh₁-ie- ‘sät’). Vgl. ksl. sějǫ < *seh₁-ie-, Inf. sěti neben sějati31 ‘säen, sieben’. SZ-C *sī-: lit. sýtas m. dial. ‘großes Sieb zum Sieben von Getreide, Worfelsieb’. SE *seh₁i- ‘hineindrücken, einsetzen’ ⇒ ‘säen’ (LIV 469). Drw. sai̯-V: lit. sajùs ‘womit man viel aussäen kann’, das ein Synonym in sėjùs hat, wird synchronisch mit sėti ‘säen’ (prs. sėju) verbunden und bezeugt eine Vermischung der Wurzeln mit den Bedeutungen ‘säen’ (*sē-) und ‘durch ein Sieb sieben’ (*si̯-). Die Wurzelform saj- verhält sich zu sij- wie z. B. spar- zu spir- (sparùs ‘munter, lebhaft’ ⇐ spìrti u. a. ‘drängen, insistieren’). 29 ME₃ 540 verbanden nach Osthoff mit ved. riṇāti ‘lässt strömen, lässt laufen’, rīyate ‘strömt, läuft’. Heute ordnet LIV 271 die vedischen Formen der pwk. pie. Wurzel *h₃eiH- ‘wallen, wirbeln’ ⇒ ‘fließen’ zu, führt dort aber lit. rýti nicht auf. 30 Was dagegen lit. rėju, jau, rieti neben rėjau, rieti ‘rasen, wild laufen’ betrifft, lässt es sich am einfachsten als Vr̥ddhi-Derivat erklären: *rēi-C < *reih₂- aus SZ *rih₂-. Vgl. pwk. *reh₂(i)- ‘schreien, brüllen’ in LIV 543. 31 Zum Suffix *-ā- vgl. lit. sėjo ‘säte’ als nachträglich zum prs. sėj-a gebildetes Prät., etymologisch sė-ja ‘sät’ < *seh₁-ie-. HIAT LARYNGALNY W JĘZYKACH BAŁTO-SŁOWIAŃSKICH | 65 – Die Intonation der litauischen Wörter sietas ‘Sieb’, serbokroatischen sìto spricht für die baltoslavische Vorform *séi̯ta- < *séih₁-to-. Diese wiederum lässt sich als vr̥ddhi-Bildung zu SZ *sih₁- interpretieren (vgl. die Erklärung von litauisch siena s.v. sij- II)³². 1.21. *sij- II < *siH- SZ-V *sij-: 1. lit. sijo Prät. ‘band’, 2. Präs. mit Infix sȳja < *si-n-i-³³, 3. Nomina: sijā f. ‘Balken, der eine Konstruktion zusammenhält, Band’ < *si.iā- < *sih₂-eh₂-; atāsija f. dial. ‘Stange oder Seil, das die Achsen der Vorderräder mit der Deichsel verbindet’, literarisch ātsija ebenso. – Die Form *sih₂- geht auf Metathese von *sh₂i- zurück, d. h. auf SZ zu einer neuentstandenen Wurzel *sh₂ei-, die aus dem Präs. *sh₂-ei̯é- abstrahiert wurde (lit. *sajù, vgl. den Typus slaw. stojǫ aus *sth₂-ei̯é-, SE *steh₂-).³⁴ – Lit. Präs. sinù dial. ‘ich binde’ kann eine uralte Infixbildung *si-n-h₂-e-³⁵ von *sih₂- sein (Inf. °sȳti), vgl. ved. sināti ‘fesselt, bindet die Hufe’ < *si-né-h₂-ti. SZ-C *sī-: lit. sī-: užsī́ti ‘anbinden’, susyti ‘mit etwas verbinden’ < *sih₂-C. – Wie eine vr̥ddhi-Bildung sieht lit. siena f. ‘Wand (geflochten); Grenze’ < *sei-nā < *sei̯h₂-neh₂-³⁶ aus. SE *seh₂-, vgl. ved. ā́va sāt ‘bindet los’ (LIV 471). Im Baltischen sekundär *sei̯h₂- von SZ *sih₂- (vr̥ddhi): lit. dial. sejù ‘ich binde’ < *sei̯h₂-e-. Auf dem Präsensstamm sej- beruhen der Inf. sieti (kein *sieti!) und das Prät. sėjau. Daher ist für die Wurzel im SE der Verlust ihres set-Charakters festzuhalten³⁷. N. B. Das Vorhandensein der neuentstandenen Wurzel sej- erlaubt keine eindeutige Interpretation der litauischen Ableitungen auf SO als auf SZ-V sij- beruhend. Dies betrifft das Verb sáistyti ‘umwickeln’ (analogischer Akut) sowie die Nomina pasaitas m. ‘Fessel, Strick’, atāsaja albo atsajā f. (dies ist eine Variante des Wortes atāsija, siehe oben). 1.22. *ui̯i- I < *uiH- SZ-V *ui̯i-: lit. vijo Prät. ‘rollte, trieb, jagte’ < *ui.iā- < *uih₁-eh₂-, nuvijóti iter. ‘abwickeln, entrollen’, ī̯vijas ‘gewunden, gedreht, spiralförmig’, vijōklis m. ‘Winde’. WSZ *ūi-: lit. pavȳjė́ti ‘ein wenig antreiben, vertreiben (z. B. Hühner aus dem Gemüsegarten)’, vgl. palȳjė́ti und weitere Parallelen s.v. *lii- I. SZ-C *ūi-: lit. nuvýti ‘flechten, durch Flechten herstellen; vertreiben, wegjagen’, įvýti ‘hineinflechten; hineintreiben, hineinstoßen’. SE *uei̯h₁- ‘sein Augenmerk richten auf, trachten nach’ (LIV 609), vgl. lit. vejù dial. ‘ich treibe, jage; ich wickle’ < *uéih₁-e-. ³² Mniej prawdopodobna jest hipoteza metatezy *séh₁i-to- > *séi̯h₁-to- (Smoczyński 2001: 150f.). ³³ Dazu das mehrdeutige syjęti ‘gebunden sein’: eine Ableitung entweder vom Präs. syj(a) oder eine SW-Bildung zu sij- (vgl. den Typus palȳjė́ti s.v. *lii- I). ³⁴ Weniger wahrscheinlich erscheint hier *sh₂i- als Ergebnis einer Neubewertung des Präs. *sh₂-i̯é-, vgl. ved. ā́va syāti ‘bindet los’, heth. ishiyanzi 3. Pl. ‘sie binden, fesseln’. ³⁵ Vom neu segmentierten sin-ù wurde das Prät. sin-iau̯ gebildet (Neubildung sin-). ³⁶ Der Aufbau ist wie bei pienas ‘Milch’ gegenüber pūti, pija, pijo ‘Milch sammeln (vom Euter)’. ³⁷ Hätte sich das ererbte SE im Litauischen erhalten, hätte es das Präs. †sóju < *sá-ie- < *séh₂-ie- ergeben (vgl. klóju ‘ich breite aus, bedecke’ < *klā-ie- < *kléh₂-ie-, stóju ‘ich trete hin, stehe’ < *stā-ie- < *steh₂-ie-). 66 | WOJCIECH SMOCZYŃSKI Drw. uąj-V: 1. lit. vajóti iter. ‘jagen, umherjagen’, lett. vajât ‘verfolgen’. Nomina: vajīs m. ‘Bote’, vajà f. ‘Umtrift, Weide’ (altpreuß. wayos EV 282 ‘Wiesen, Łąki’), įvajųs m. ‘gewunden’, 2. kirchenslaw. voi, -ja m. ‘Krieger; Heer’. Drw. uąj-C: lit. vãiras m. ‘Steuerruder, Steuer’, vainikas m. ‘Kranz’ (= slow. věnьcь), aus dem indirekten Derivat *uąj-ni- ‘Flechten, Verflechtung’ (vgl. ved. veṇíḥ ‘Haarflechte, Zopf’). 1.23. *uii- II < *uiH- SZ-V *uii-: ur. *-vĭjetù Präs. ‘windet, flechtet, verbindet’ < *uḭ.ie- < *uih₁-éh₂-, vgl. WSZ kirchenslaw. °vijetù. SZ-C *uī-: 1. kirchenslaw. viti ‘flechten, winden’ (-vinǫti38), serbisch-kroatisch vìti, 2. lit. výti (siehe oben) < *uih₁-C. SE *ueih₁- ‘umwickeln, umhüllen’ (LIV 610). Vgl. lit. vejà s.v. *uii- I. Drw. *uąi-V: kirchenslaw. povoi, -ja m. ‘Kleid, Umhang zum Umwickeln’, slow. ‘Rankpflanze, Winde’. 1.24. *ži- II < *ǵhiH- SZ-V *ži-: lit. žiōju, žiōti ‘den Mund aufsperren’. Diese Form ist das Ergebnis der Synkope eines älteren *žijāti⁳⁹ = ur. *žijati (serbisch-kroatisch žjāti, žjām) < urslaw. *ži.jā- < *ži.HaH- < *ǵʰih₁-eh₂⁴⁰. WSZ-V *ži-: kirchenslaw. zijati ‘durch eine Öffnung hauchen’. SZ-C *ži-: kirchenslaw. zinǫti ‘den Mund öffnen, aufsperren’, lat. hīscō < *ǵʰih₁-C. Dieses SZ ist eine metathetische Form eines älteren *ǵʰh₁i-C, verbunden mit einem Nichtwurzelsuffix *ǵʰeh₁-, das infolge einer Reanalyse auftrat ie-Präs. *ǵʰeh₁-ie-, vgl. kirchenslaw. žějǫ41. Es fehlen SO-Derivate von žij- (im Unterschied zu gij-, rij-, siehe oben). SE *ǵʰeh₁- ⇒ *ǵʰeh₁i- ‘den Mund aufsperren, gähnen’ (LIV 153). Auffällig ist, dass lit. *žėju, *žėti fehlen. 1.25. Laryngalhiat *-iHV mittelbar in einem Derivat mit o-Stufe bezeugt: SZ-V *dij- SZ-C *di-: lett. dīdīt ‘tanzen lassen’. SE *deih₁- ‘dahinjagen, eilen’ (LIV 91, gr. διένται): lett. deju, diet ‘springen, tanzen’. Drw. *dai-C: lit. dainà 4. Akzentklasse ‘Lied’ < *dai-nā- (etym. Bedeutung ‘Gesang zum Tanz’?). Wäre dieses Wort ein Derivat aus dem SE, würde es Akut zeigen (*dāina). SZ-V *li- (siehe oben s.v. *lii- I) 38 Vgl. aksl. povinǫti sę ‘sich unterordnen, sich unterwerfen’, povinǫti být ‘unterworfen sein, jemandem unterstehen’. 39 Für Synkope in der vortonigen Silbe vgl. als Parallelen: 1. niókoju ‘ich zerstöre, verwüste’ aus *nijokōju, denominales Verb zu nījoks ‘kein, nicht einer’, 2. nãuȳgi ‘etwa nicht?’ (< *ne-jau-gi). Siehe Smoczyński (2001: 139, 252). 40 Wenig wahrscheinlich ist die Rekonstruktion einer denominalen Basis *ǵʰ.(i)eh₁-,ie-, die in LIV 153 vorgeschlagen wurde, um die angeblich ererbte urbalto-slawische Basis *ž-ia- (> lit. žiō-) zu erklären. 41 Rasmussen (1989: 52) widzi nierozszerzony SE *ǵʰeh₁- w nomen gr. χήμη ‘małż’; miarka (znacz. etym. ‘Gähnen’?). HIAT LARYNGALNY W JĘZYKACH BAŁTO-SŁOWIAŃSKICH | 67 SE *h₁eiH- ‘schmieren, beschmieren’ (LIV 247, lat. linō, -ere, het. halina- ‘Lehm’). Drw. *lai-V: lit. ilajai m.pl. ‘Lehm zum Verschmieren von Löchern (im Ofen, im Lehmestrich)’. Drw. *lai-C: lit. laitas m. ‘Lehmfußboden’. N.B. Semantisch ist dies für beide Wörter eine bessere Einordnung im Litauischen als s.v. *lii- I ‘gießen, ausgießen’. SZ-V *sujj- SZ-C *suj- SE *suejH- ‘schwinden’ (LIV 553, ae. swīnan): lit. *śvieti fehlt. Drw. *suaj-V: lit. svaj-d ‘Traum’ ⇒ svajōti, -ōju ‘träumen; sich etwas ausmalen; Unsinn reden; ziellos umhergehen; wehen (vom Wind)’; lett. svajāt ‘faseln, Unsinn reden, flunkern’. Drw. *suaj-C: *svái-ta f. ⇒ denom. svāitėti ‘faseln, halluzinieren; Unsinn reden; umherirren’. Hierher vielleicht auch lit. svai-gùs ‘berauschend, betäubend’ (denom. svaigštù, svaigti ‘sich berauschen, benommen werden, das Bewusstsein verlieren’). 2. GLEITLAUT u IN DER POSITION *u.HV 2.1. *blių- I statt *bluų- < *bʰluH- SZ-V *blių- (*liu verallgemeinert aus SE): lit. bliuvóti iter. ‘blöken, brüllen, brüllend rufen’. Statt *bluvóti, dies aus *blu.uā- < *bʰluH-eh₂-. Parallelen s.v. *diųu-, *skių-. SZ-C *bliu- ⇒ *blju- (*li verallgemeinert aus SE): lit. prabliūti ‘zu brüllen beginnen’, subliūti ‘aufbrüllen; schreien’. Statt *blúti, vgl. gr. γλύει ‘sprudelt, kocht über’. SE *bʰleuH-: lit. bliáuti ‘brüllen, blöken’ < *bliąu-C, vgl. gr. φλέει ‘fließt über’ (LIV 74). 2.2. *blių- II statt *bluų- < *bʰluH- SZ-V *blių- (*liu verallgemeinert aus SE): aksl. bljīvati iter. ‘sich erbrechen’ (auch mit den Präverbien iz-, o-). Statt *blūvati, dies aus *blu.uā- < *bʰluH-eh₂-. Vgl. das lautgesetzlich korrekte *lių in aksl. pljīvati s.v. *(s)pių-. SZ-C *bliu-: keine Wörter. *bly- < *bʰluH- (vgl. kryti, kryją s.v. *kruų-, tryti, tryją s.v. *truų-). SE *bʰleuH- ‘überströmen’ (LIV 74). Anstelle des erwarteten urslaw. *blovǫ (*bljuti/*bluti)⁴² setzte sich im aksl. bljujo (bljīvati) durch, mit blju- als der für die antekonsonantische Position eigentümlichen Form; siehe oben lit. bliáuti ‘brüllen’⁴³. 2.3. *bruų- I < *h₃bʰruH- SZ-V *bruų-: 1. lit. veralt., dial. bruvìs f. ‘Augenbraue’, Akk. brùvį⁴⁴, auch brùvē. – 2. aksl. brŭvĭ, -i f. ‘Augenbraue; Augenlid; Wimper’, poln. brew, brwi < urslaw. *bru.uin (Akk. Sg.) < *h₃bʰruH-m̥. 42 Vgl. rovǫ:: rjuti/ruti (ostsl. *h₃reuH-), trovǫ:: truti (*treuH-) sowie die anītiatischen Formen plovǫ:: pluti (*pleu-), slovǫ:: sluti (*kleu-). 43 In der Bedeutung ‘sich erbrechen’ hat das Litauische das alte Verb bewahrt: vēmti (vemiu) < ie. *u̯emh₁-. 44 Der Nom. eines i-Stamms wurde aus der Akk.-Sg.-Form auf *-im < *-m̥ rekonstruiert. 68 WOJCIECH SMOCZYŃSKI SZ-C *bru-, vgl. ved. bhrū́h, Akk. bhrū́vam, gr. ὀφρύς, ὀφρύα ‘Augenbraue’. SE *h₃bʰreuH-. Kein urslaw. Reflex *br̥āu-C. 2.4. *bru̯- II < *bʰruH- SZ-V *bru̯-, siehe WSZ-V. WSZ-V *brū-: lit. brū́vėti, prs. -iù/-ė́ju ‘schuften, schwer arbeiten, sich abmühen’ (LKŽ). SZ-C *brū-: lit. brū́dyti ‘eilig aussenden’⁴⁵: Brūdýk, kol išbrūdysi šeimyną į pievą suimti śieną prieš lietų, d. h. ‘schick sie so schnell wie möglich’ (LKŽ). In derselben Bedeutung erscheint das quasi-primäre vb. brū́du, brū́dau, brū́sti (LKŽ), das wie eine Rückbildung vom vorhergehenden Wort aussieht. SE *bhreuH- ‘aufbrechen’ (LIV 81): lit. briáutis, -jasi/-nasi ‘eindringen, gewaltsam hineingehen’, daneben bráutis ebenso, mit nichtpalatalem r aus dem prs. bráujasi, wo es zu einem dissimilatorischen Schwund von i vor dem Suffix -i̯a- kam (vgl. máuju s.v. *mu̯- II). Siehe *bru̯- III. 2.5. *bru̯- III < *bʰruH- SZ-V *bru̯-: aksl. *brūvь, -i f. ‘Steg, Brücke aus einem über einen Bach gelegten Baumstamm’, durch Vokalassimilation (ESJS 85) zu *brǔvь verändert: aksl. brū̆v neben brūvь, kroat.-serb. brv, alttschech. břev, Gen. břvi. Weiter verbreitet ist die Ableitung auf -no-: aksl. brīvno, brūvino n. ‘Baumstamm, Balken’, alttschech. břevno, altpoln. birzwno. Die Etymologie ist unsicher, siehe ESJS 85. Vielleicht zu idg. *bʰreuH- in der Bedeutung ‘hervorsprudeln (vom aus der Tiefe der Erde hervortretenden Wasser)’, vgl. lit. briáutis ‘eindringen, gewaltsam hineingehen’, russ. brujá ‘starke Wasserströmung’, bruítb ‘rasch fließen’, ferner gr. φρέαρ, -ατος n. ‘Brunnen’, got. brunna m. ebenso. Dann könnte es sich hier um Holz zum Auskleiden der Wände eines Brunnens oder einer Quelle handeln. 2.6. *bu̯- < *bʰuh₂- SZ-V *bu̯-: lit. 1. bū́vo Prät. ‘war’ < *bu.u̯á < *bʰuh₂-eh₂-, 2. prs. mit Infix bū́va/bū́va ‘ist gewöhnlich, ist’ < *bu-n-u- (die Nebenform bū́va entstand durch Kreuzung von *būna < *bʰu-n-H- und bū́va), 3. lit. buvóti Iter. ‘sich irgendwo aufhalten, verweilen, sich vergnügen’, 4. aksl. zabūvenŭ ‘vergessen’⁴⁶, 5. altpreuß. buwinayti 2. Sg. Imper. ‘wohne, lebt!’. WSZ-V *bu̯-: 1. bū́vis m. ‘Sein, Existenz’, 2. aksl. byvati ‘sein, werden’, byvati sę ‘geschehen’, zabývati ‘vergessen’, pribyvati ‘bei etwas sein, ankommen’. Sollte man hier als Stamm aksl. *būvati ansetzen, parallel zu lit. buvóti? Vgl. žyvati ⇐ žūvati, prs. zovo, *ryvati ⇐ rūvati, prs. *rovo. SZ-C *bū-: 1. lit. būti ‘sein’, 2. aksl. byti ‘sein’, kroat.-serb. biti. SE *bʰuh₂-, sekundär *bʰeuh₂- ‘wachsen, entstehen, werden’ (LIV 83). ⁴⁵ Caus. auf -dyti wie z. B. pū́dyti neben pū́ti und *pūvéti, siehe s.v. *pu̯- I. ⁴⁶ Das steht für *zabūvonŭ, aus *bu.ana- < *bʰuh₂-eno-. Siehe weiter unten *krīvenŭ, *mūvenŭ, *trīvenŭ. HIAT LARYNGALNY W JĘZYKACH BAŁTO-SŁOWIAŃSKICH | 69 Drw. *baų-V: urslaw. *bovǫ Präs. ‚ich weile irgendwo‘ (vgl. ved. bhávati ‚ist, wird, geschieht‘) wird durch slaw. baviti ‚sich aufhalten, weilen‘, aksl. izbaviti ‚befreien, retten‘ impliziert, ursprünglich iter.-kaus. mit gedehntem SO, *bōų-i-. Vgl. plaviti ⇐ plovǫ, traviti ⇐ trovǫ47. Bemerkenswert ist das Fehlen eines litauischen SO *bav-V/*bau-C. 2.7. *dinžų- < *dŋ́h-uh₂- SZ-V *dinžų-: altpreuß. insuwis ‚Zunge‘48, lit. liežùvis49. Gemeint ist hier die SZ des Suffixes *-ueh₂-: *dŋ́h-uh₂- zu uridg. *dŋ́h-ueh₂- (Rasmussen 1989: 88). Vgl. ved. juhú- f. ‚Zunge; Agnis Zunge = Flamme‘ (Mayrhofer EWAIa, 591). – Im Slawischen wurde auf Grundlage von urslaw. *dęzuv-V der Nom. Sg. *dęzy gebildet, daraus *dęzy-kū, das anschließend durch Anlehnung an lizati ‚lecken‘ (uridg. *leiǵʰ-) seine Form zu *lęzykū änderte und schließlich – auf unklarem Wege – zu języki (vgl. lat. lingua statt altlat. dingua). 2.8. *džių- statt *duų- < *dʰuH- SZ-V *džiu-: lit. džiuv- in der 1. Sg. (nu)džiūvo Prät. zu džiūti (LKŽ)⁵⁰, 2. Pers. mit Infix džiūva statt *dūva; ererbt war *dūna < *dʰu-n-H-), 3. džiuvinti Kaus. ‚trocknen‘ (LKŽ), 4. Nomina: džiuvėsis m. ‚altbackene Brotscheibe; abgemagerter, ausgetrockneter Mensch‘, džiuvinys m. ‚das zum Trocknen Bestimmte; Trockenobst‘. WSZ-V *džiu-: Prät. (nu)džiūvo ‚trocknete aus‘. SZ-C *džiu-: lit. džiūti ‚trocknen, verdorren, welken‘ (Präs. džiūsta), lett. žūt. Vgl. pūti s.v. *puų-. SE *dʰeuH-: 1. lit. džiáuti (džiáuju, džioviau) ‚zum Trocknen aufhängen, trocknen‘, lett. žāut < balt. *diāu-. – 2. Hierher gehört mit dem Wandel eų > oų urslaw. *dovǫ, *duti ‚sich aufblähen; blasen, wehen‘: aksl. naduti se, dujeti se ‚sich aufblähen‘, serbokroat. dūti, dūjem51. Der SW *dōų-V zu *dōų-V zeigt sich im aksl. podaviti ‚ersticken; niederdrücken, vernichten‘ (ursprünglich Kaus. ‚den Atem nehmen‘; anders ESJS 124, LIV 130). N.B. 1. Das Baltische zeigt eine Verallgemeinerung des Anlauts dž- < *d₁- aus SE im gesamten Paradigma, weshalb hier Alternanten mit d- fehlen: *dū-C/*duų-V (SZ) < *dʰuH- und *dāų-C (SO) < *dʰoųH-. Vor diesem Hintergrund muss auch džiuv- < *džiu- eine Innovation anstelle von *duv- sein. N.B. 2. Falls ein Zusammenhang von lit. džiáu-/džiū- ‚trocknen, austrocknen‘ mit uridg. *dʰeuh₂- ‚rauchen, beräuchern‘ möglich ist (siehe Smoczyński 2001: 155), könnte der für balt. erwartete Anlaut d- möglicherweise in zwei Fällen belegt sein: erstens im slawonischen Verb diti 47 Anders ESJS 258, wo izbaviti von *jьzbyti hergeleitet wird, wie zabaviti von zabyti. 48 Schwund von d-, wofür lit. ilgas ‚lang‘ < *d’ilgas aus uridg. *dʰl̥ghó- Parallelen sind (vgl. aksl. dlъgъ, serbokroat. dūg) sowie āšara ‚Träne‘, das zum Stamm *dašru < uridg. *d(r)ak’ru gehört; vgl. gr. δάκρυ n., altlat. dacru-ma. 49 Im Wurzelvokal verändert durch Anlehnung an liežùti ‚ich lecke‘ (uridg. *leiǵʰ-). 50 Vgl. supūvo ‚verfaulte‘ zu pūti (s.v. *puų-). 51 Dazu als perfektives Verb aksl. vъdnǫti ‚Luft schöpfen, seufzen‘; slowen. dúniti von einem Windstoß, altpoln. dunąć ‚wehen, aufflammen‘. 70 | WOJCIECH SMOCZYŃSKI (prs. díjem) ‘duften, wehen’ < ps. *dyti < *dʰuh₂-C, vgl. den Typus ksl. kyti, kyjǫ (s.v. *kruų-), ryti, tryjǫ (s.v. *truų-); zweitens im isolierten litauischen Substantiv dūlis, -io m. ‘Zunder, der zum Ausräuchern von Bienen verwendet wird’, von Adj. *dūlas < *dʰuh₂-ló-⁵² (eine parallele Bildung zu dūmai m. Pl. ‘Rauch’ < *dʰuh₂-mó-, siehe LIV 131). 2.9. *griuų- statt *gruų- < *gʰruH- SZ-V *griuų-: 1. lit. grìuvo ‘einstürzen’, Prät. zu grìūti, statt *gruv-ā- < *gʰruH-eh₂-, mit r’ nach SE (siehe dort), 2. Präs. mit Infix grìųva ‘stürzt ein’ < *gʰriu-n-u-, statt *gru-n-u-; noch älter *grūna < *gʰru-n-H-, vgl. die Variante grìūna), 3. Subst. gr(i)uvėsiai m. Pl. ‘Ruinen’. SZ-C *grių-: lit. grìūti ‘einstürzen, nach unten fallen, zusammenstürzen’ (statt *grūti). SE *gʰreHų- ‘stürzen, losstürzen’ (LIV 182) ⇒ *gʰreuH-, pbalt. *gʰriāų-: lit. gríauti, griáunu, grióviau ‘umwerfen und herabstürzen, niederreißen, zerstören’. 2.10. *guų- < *guH- SZ-V *guų-: 1. lett. guvu ‘ich ergriff’, Prät. zu gūt, von *gu.ųā- < *guH-eh₂; 2. im Litauischen fehlt das Prät. *guvaĩ, dafür gibt es das Nomen guvìs ‘geschickt, gewandt; lebhaft, schnell wie ein Funke’. SZ-C *gū-: lett. gūt ‘ergreifen, packen, bekommen’ (Präs. gūnu und gūstu⁵³), Iter. gūstīt. SE *geųH- ‘erlangen’ (LIV 167): lit. gáuti ‘bekommen, erhalten’ trat an die Stelle von *gʰiāų-. Der Anlaut ist an die SZ-Form angeglichen; da Präs. gáunu vorliegt, ist hier auch mit dem Einfluss der alten Infixbildung *gunū < *gu-n-H-é- zu rechnen (ähnlich im Fall von šáunu neben Inf. *šiáuti, siehe s.v. *šuu-). 2.11. *klių- statt *kluų- < *kluH- SZ-V *klių-: 1. lit. pakliùvo Prät. zu kliùti. Statt *kluv-ā- < *kluH-eh₂-, mit l’ gemäß SE, 2. Pers. infixiertes kliųva ‘wohin, worin geraten; im Wege sein’ < *klių-n-u-, statt *klu-n-u- (noch älter *klūna < *klu-n-H-, vgl. die Variante kliūna). SZ-C *klių-: lit. kliùti ‘hineingeraten; im Wege sein’. SE *kleųH-, pbalt. *kliaų-: lit. kliáutis (kliáujuosi, klióviausi) ‘sich verbinden, mit jemandem verkehren, sich mit jemandem einlassen; jemandem vertrauen’. 2.12. *knių- statt *knuų- < *knuH- SZ-V *knių-, siehe WSZ-V. WSZ-V *kniū-: lit. kniūvynės f.pl. ‘Rauferei’ (etym. Bed. ‘Gerangel’). Sekundäre Variante knyvynės ‘Streit, Uneinigkeit’. Der Anlaut kn- ist nach SE gebildet (siehe dort). SZ-C *knū-: lett. knūdu a. knūstu, knūdu, knūst ‘jucken’, āda knūd ‘die Haut juckt’. Der Stamm auf -d- wurde aus dem Präsens *knū-da < *knuH-dʰ-e- verallgemeinert, etym. Bed. ‘sich kratzen’. Daneben das kurzvokalische knūd ‘juckt’, knūdēt, bisher nicht erklärt. 52 Vgl. die Anmerkung zu púliai s.v. *puų-. 53 Eine Analyse als *gun-stu ist nicht auszuschließen; dies geht auf eine Erneuerung von *gunu < *gu-n-H-e zurück. HIAT LARYNGALNY W JĘZYKACH BAŁTO-SŁOWIAŃSKICH | 71 SE *kneuH- ‘kratzen’ (LIV 326, gr. χνύω ‘kratzt’), urbalto-sl. *kni̯au-: lit. kniautis, kniąjuosi, knióviausi ‘sich mit jemandem schlagen, raufen’, atsikniauti ‘(von einem Schorf auf einer Wunde) sich ablösen, abfallen’. Weiter verbreitet ist kniausiu ‘in etwas graben, wühlen, umwenden; etwas suchen’, refl. ‘sich eingraben (beim Wühlen in der Erde, im Stroh)’, das früher zum Inf. *kniau-séti gehörte. 2.13. *kruu- I < *kruH- SZ-V *kruų-: 1. 1. Sg. *krùvenǫ ‘bedeckt’, aksl. nepokrývenǫ ‘unbedeckt’⁵⁴ < *kru.ę.no- < *kruH-eno-; aksl. pokrývati ‘bedecken, verdecken’ < *kruH-eh₂-, 2. lett. kruva ‘Haufen (malkas kruva ‘Holzhaufen’); Hügel, Erhebung’ (Var. kruva, mit aus dem SE übertragenem r, s. unten), 3. ungewiss ist die Zuordnung von lett. kruvesis m., das außer ‘der Höcker’ (s. oben kruva) auch ‘hartgefrorener Kot auf dem Wege, Felde’ bedeutet, s. ME II 291 (hier Vergleich mit gr. κρύος ‘Frost’, κρύσταλλος ‘Eis’). WSZ-V *krū-V: 1. aksl. pokryvati iter. ‘bedecken, verdecken’, 2. lit. krūvà f. ‘Haufen (aus Steinen, Holz, Stroh, Mist); Menschenmenge’ (denom. krūvyti oder krūvóti, krūvuoti ‘auf einen Haufen legen’). SZ-C *krū-: 1. aksl. kryti, kryją ‘bedecken’ (Parallele s.v. *trų-), 2. lit. krūšnis, -ies f. ‘Haufen, Steinstapel’. SE *kreųH-: lett. krąūt, krąūju ‘zusammenlegen, anhäufen, aufladen’ < *kri̯ąu-C. Der sekundäre Anlaut kr- in lit. kráuti ‘zusammenlegen, aufladen’ ist das Ergebnis einer in der Präsensform eingetretenen Dissimilation: *kriáuju > kráuju (vgl. máuju statt *mjaúju sowie Anm. 56). Drw. *krąu-V: lit. pérkravinėti ‘(einen Wagen) umladen, überladen’, kravuš ‘geräumig, viel fassend’ (von einem Wagen, einer Scheune), kravažai m. pl. ‘beim Umzug beförderte Gegenstände, Ladungen’, lett. krava f. ‘Haufen’. — Aus dem Slavischen vgl. aksl. krovъ m. ‘Dach, Bedeckung; Schutz; Zelt, Hütte; bedeckter Ort’, aksl. pokrovъ m. ‘Bedeckung, Dach; Schutz, Verteidigung’. 2.14. *kruų- II < *kruH- SZ-V *kruų-: urbalto-sl. *kruųina- < *kruh₂-V, vgl. 1. lit. krūvinas ‘blutig, blutbefleckt’, 2. slav. krūvinъ ‘blutig; verwandt’ (poln. krewny), 3. aksl. krŭvi, -ve f. ‘Blut’, russ. krovь, ursprünglich ein alter Akk. Sg. zu kry, < *kru.ųin < *kruh₂-m̥. SZ-C *krū-: lit. ky, lett. krĩ, dial. serb.-kroat. krĩ f. ‘Blut’ < urbalto-sl. *krūs. Vgl. awest. xrū- ‘rohes, blutiges Fleisch’, xrūra- ‘blutig; grausam’ (lat. crūdus ‘roh’). SP *kréu̯h₂-s-, vgl. ved. kravíṣ- n. ‘bluttriefendes Fleisch’, hom. gr. χρέας ebenso < *kréua-s-. In den baltoslawischen Sprachen gibt es keine Spur von *kri̯ąu-C. Dagegen ist das etymologische Allomorph *kri̯ąu- im lett. kreve f. ‘geronnenes Blut, Schorf auf einer Wunde’ zu erkennen, aus *krave. Drw. krevains ‘schorfig’, krevelains ebenso. Drw. *kraų-C: lit. kraujas m. ‘Blut’ (auch kraujai als Pluraletantum) ist mehrdeutig. Zum einen kann kraų- eine SO zu *kruų- sein. Da solche Derivate gewöhnlich das baltoslawische Suffix -a-/-ā-⁵⁵ zeigen, nicht aber -i̯a-, könnte krau-ja- ein Derivat zweiten Grades sein 54 Vgl. ferner prikrývenije n. ‘Bedeckung, Schutz’, sŭkrýveno adv. ‘heimlich, verborgen’. 55 Vgl. lett. kruva, aksl. krovъ s.v. *kruų-I. 72 | WOJCIECH SMOCZYŃSKI von einem *kravas oder *krava. Zweitens könnte kraų- anstelle von *krųų- stehen, das vor dem Suffix -ia- sein wurzelhaftes Segment verlor und durch Dissimilation, ähnlich wie vb. kraųju < *kriaųju (vgl. lett. krāju, siehe *kruu- I)⁵⁶, entstand. Wir hätten hier also einen Stamm auf SE. Das Fehlen des Akuts verlangt, von einem antevokalischen Allomorph auszugehen, *kreuh₂-V- > *kriavas, *kriava. Auch in diesem Fall wäre die Bildung auf -ia- erst eine sekundäre Derivation⁵⁷. 2.15. *kuų- I < *kuH- SZ-V *kuų-: aksl. kŭvati ‘mit dem Kopf nicken’ < *kuH-eh₂-. WSZ-V *kuų-: aksl. kyvati ‘mit dem Kopf nicken’, russ. kivát⁵⁸. SZ-C *kū-: 1. aksl. (po)kynǫti ‘nicken, mit dem Kopf nicken’, kyznĭ, -i f. ‘List, Machenschaften’, 2. lit. kūjis m. ‘Schmiedehammer’, kirchenslaw. kyji m. ‘Keule, Hammer’. SE *keh₁u- ‘wackeln’ (LIV 306) ž *keuH-: aksl. kovo, kovati ‘schmieden, mit dem Hammer schlagen’⁵⁹. Im Baltischen wurde *kāu- auf Kosten von *kiāu- verallgemeinert, infolge eines dissimilatorischen Schwunds und in der Bildung des Präsens *kiā-io⁶⁰: lit. káuti, Präs. káuju/káunu, Prät. kóviau (alt kavaũ), ‘schlagen, prügeln, schmieden’, lett. kaût, Präs. kaûju/kaûnu, Prät. kâvu/kavu⁶¹. 2.16. *kuų- II < *kuh₁- SZ-V *kuų-: urslaw. *kųenŭ ‘wahrgenommen’ < *kuh₁-V⁶². Nach SE wurde es durch *čivenŭ ersetzt, zu čuti ‘fühlen; hören’, vgl. kirchenslaw. učŭvenije, altserb. čvenije (Vaillant 1966: 288); später als *čuvenŭ erneuert, vgl. serbokroat. čuven ‘bekannt, anerkannt’. – Im Baltischen bietet sich als Entsprechung das Verbalthema altlit. kuv-ē- (oder SW kūv-ē-) refl. ‘sich (vor Sünden) hüten, (dem Verderben) entgehen, (Menschen) meiden’ an, geschrieben <nusisukuvitie>, 3. Pers. Präs. <kuwisi>⁶³, wobei das Verhältnis zwischen den Bedeutungen im Slawischen und Litauischen hier schwer zu erklären bleibt. SZ-C *kū- (keine Reflexe). SE *(s)keuh₁- ‘wahrnehmen, schauen’ (LIV 507): aksl. čujo, čuti ‘fühlen, wahrnehmen’ < *kiāu-C. 56 Parallelen: naũjas ‘neu’ aus *n̥iaų-ias < idg. *neu̯-io-s (vgl. ion. griech. νεῖος, got. niujis, ved. návya-, siehe Smoczyński 2001: 122, 162); brájuos s.v. *bruu- II, máuju s.v. *muu-. 57 Bei Annahme des ursprünglichen Suffixes *-io- hätte sich das Laryngal in antekonsonantischer Position befunden, was zu einem akutierten Reflex hätte führen müssen: *kráujas < *krouh₂-io- oder *kráujas < *kreuh₂-io-. Vgl. oben ved. kraviś und griech. κρέ(ϝ)ας. 58 Por. Vaillant (1966: 284), gdzie też porównanie formalne ze stlit. kŭvētis. To ostatnie jest moim zdaniem bliższe *kuu- II, zob. niżej. 59 Der Reflex ov ist das Ergebnis der urslawischen Lautveränderung *eų zu *ou. Infolgedessen fällt SE im Ablautbereich mit SO zusammen. Vgl. unten etymologische Formen mit SE: plovǫ s.v. *pluu-, rovǫ s.v. *ruu-II, snovǫ s.v. *snuu-, trovǫ s.v. *truu-, zovǫ s.v. žųu- I. 60 Vgl. lit. kráuti gegenüber lett. kraût (s.v. *kruu-I). 61 LIV 308 rekonstruiert das Urvor-k. in der Form *keh₂u- ‘schlagen, spalten’ und weist aksl. kovo die Struktur *koh₂u- zu (ursprünglich ein redupliziertes Präsens auf SO: *ḱé-koh₂u-). Demselben Wörterbuch zufolge soll lit. káuju ein sekundäres Präsens auf -ie- mit dem Vokalismus o des Urvor-k. sein: *koh₂u-ie-. Zweifelhaft. 62 Vgl. ved. ākuvátē ‘beabsichtigt, etwas zu planen’. 63 Zob. dokumentację z Punktay sakimu Szyrwida (1644) w Smoczyński (1989: 50). HIAT LARYNGALNY W JĘZYKACH BAŁTO-SŁOWIAŃSKICH | 73 Siehe *skuu-. 2.17. *liųu- statt *luų- < *luH- SZ-V *liųu-, siehe WSZ-V. WSZ-V *liųu-: lit. liūvis m. ‘Aufhören von etwas, Abbruch von etwas’. Vgl. gr. hom. λύω ‘ich befreie’ < *lu.uō < *luH-ē-. SZ-C *lū- < *luH-. Hierher gehört wahrscheinlich als deverbales Substantiv *lū-ka-, urslaw. *łyko n. ‘Lindenbast’, serb.-kroat. līko, russ. lýko, tschech. lýko, poln. łyko⁶⁴, mit der etymologischen Bedeutung ‘das, was abgetrennt, losgerissen wurde’⁶⁵. (N.B. Eine andere Herkunft hat dagegen lit. lùṅkas ‘Bast’, lett. lûks. Es handelt sich um ein postverbales Substantiv zum Verb *lūṅku (*lū́kau, *lū́kti) ‘Bast abziehen’, gebildet von dem Substantiv *lū́ka- ‘Bast’⁶⁶). SE *leuH- ‘abschneiden, lösen’ (LIV 374, ved. lunāti ‘schneidet ab’⁶⁷), baltisch *li̯āu-: lit. liáutis (liáujasi, lióvesi) ‘sich zurückhalten, aufhören; ertragen, aushalten’, lett. ļauties ‘aufhören’, ļaut ‘erlauben, zulassen’⁶⁸. 2.18. *mluų- < *mluh₂- SZ-V *mluų-: kirchenslaw. mlȳva f. ‘Lärm, Getöse, Geräusch; Verwirrung, Unruhe, Aufruhr’ < *mlu.uā- < *mluh₂-eh₂- (vgl. ved. bruvánti 3. Pl. Präs. ‘sie sprechen’, Part. Präs. bruvánt- < *mluh₂-ént- ‘sprechend’); kirchenslaw. mlȳvy Adv. ‘ruhig, leise’, mlȳvьnъ ‘lärmend, dröhnend, unruhig’. – Von mlȳva wurde das denominale Verb kirchenslaw. mlȳvljo, -iti ‘Lärm machen, Unruhe stiften, Aufruhr anzetteln, aufwiegeln’⁶⁹ abgeleitet, in anderen Sprachen ‘sprechen’: alt-tschech. mluviti, poln. mówić (veraltet und dialektal auch mołwić), russ. mółvitь. SZ-C *mlū-. Vielleicht steckt es in slaw. młynū m. ‘Motte’ < *mlū-no- (angenommene etymologische Bedeutung ‘Lärm, lautes Geräusch der aneinander reibenden Steine’). Im Slawischen fehlt SE-C *ml(j)u- < urslawisch *mli̯āu-C < *mleuh₂-⁷⁰ (vgl. awest. mraomī ‘ich verkünde, spreche’, ved. brávīti ‘spricht’)⁷¹. Der antevokalische Allomorph wäre urslaw. *mlov-⁷², vgl. rovǫ, r(j)uti, trovǫ, truti. ⁶⁴ Zum Wortbildungsbau vgl. kirchenslaw. rykú ‘Gebrüll’, s. v. *ruu- II. ⁶⁵ Vgl. litauische Bezeichnungen für Bast: máukna ⇐ maũkti u. a. ‘Haut, Rinde abziehen’, karnà ⇐ kérti ‘sich ablösen, abtrennen’, plaušà oder plaušas ⇐ plýšti ‘reißen, bersten’. ⁶⁶ Cytowanemu w kółko zrównaniu lit. lùks ze słow. łyko (zob. np. Trautmann 1923: 163) sprzeciwiają się prawa głosowe: ani słowiański nie zna †lǫkъ, ani litewski †lūkas w znaczeniu ‘łyko’. ⁶⁷ Ohne baltisches Material. Dieses findet sich in LIV s. v. *leh₁- auf S. 358. ⁶⁸ Das bislang problematische lit. liūtas ‘Löwe’ kann einen Stamm lū- haben, der aus dem intr. Präsens *liūva oder *liūna ‘es reißt; es zerreißt sich’ < *liu-n-u- abstrahiert wurde. Davon unabhängig ist das Adjektiv liūtas ‘wild’, entlehnt aus russ. ljuty (siehe Fraenkel LEW 382). ⁶⁹ Zur Wortbildung vgl. etwa lit. krūvija, -yti ‘auf einen Haufen legen’ ⇐ Subst. krūva ‘Haufen, Stapel’. ⁷⁰ Vgl. kirchenslaw. bljǫjo zu *bhleuH-, pljǫjo zu *(s)pie̯uH. ⁷¹ ESJS 485 gibt an erster Stelle die uridg. Rekonstruktion *melu(H)- an, was nicht zutreffend erscheint, da (1) im Slawischen SZ *mūlu- < *mlu(H)- fehlt und (2) die Sequenz i̯u in mlȳva nur eine Herleitung aus einer SZ mit dem Ausgang *uH- zulässt (einen Zusammenhang von (u)v mit dem Laryngalhiat erwähnt ESJS nicht). ⁷² SW *mlav(iti), parallel zu plaviti ⇐ plovǫ, traviti ⇐ trovǫ, hätte das Postverbale *mlava ergeben können, das im polnischen Ortsnamen Mława belegt ist (vgl. trava zu traviti). 74 | WOJCIECH SMOCZYŃSKI 2.19. *muų- I < *muH- SZ-V *muų-: 1. kirchenslaw. neomūvenu ‘ungewaschen’ < *mu.ue.no- < *muH-eno-; otūvenije n. ‘Waschung’; altruss. movī f. ‘Bad’ < *mūvī (Vaillant 1966: 282), 2. lett. *muvu ‘ich floss’, Prät. zum dial. Präs. myunu (*mū-nu)⁷³. WSZ-V *mū-: kirchenslaw. omyvati ‘abwaschen’, umyvati ‘waschen’. SZ-C *mū-: 1. kirchenslaw. izmyti sę ‘sich waschen’, umyti ‘waschen’, serbokroat. mūti, tschech. mýti, 2. altpreuß. aumūšnan ‘Abwaschung’ (zu *aumūt ‘abwaschen, waschen’), 3. lett. dial. myustīs neben myunu ‘ich fließe’, 4. mūdāt ‘schwemmen’, mūdāties ‘schwimmen, baden’, mūdināt ‘(Pferde im Fluss) baden’. SE *meųH-: im Litauischen und Lettischen setzte sich anstelle von *mių- (vgl. unten den Typ lit. pjauti) *māų- durch: lett. maūt, mauju/maunu⁷⁴, māvu ‘eintauchen, fließen’, Kausativum maudāt ‘schwemmen’, lit. māudyti ‘jemanden baden’ (hier fehlt ein primäres Verb⁷⁵). 2.20. *muų- II statt *mių- < *miųh₁- SZ-V *muų-, siehe WSZ-V. WSZ-V *mū-: lit. mūvėti ‘etwas Übergestreiftes, Übergezogenes (Kleidungsstück, Ring) tragen, bekleidet sein’ (3. Pers. Präs. mūvi)⁷⁶. SZ-C *mū-: 1. lit. mūstyti ‘schwenken, schwingen, sich bewegen, sich unruhig verhalten; mit dem Kopf nicken; sich widersetzen, ungehorsam sein’ (Intensivum auf -sty-; dazu die Variante mūistyti(s), LKŽ), 2. Nomina: mū-kla ‘Schlinge, Fangschlinge für Vögel’, mū-klas ‘an einem Stock befestigte Schlinge aus Pferdehaar zum Hechtfang’ (LKŽ); möglicherweise auch mūksnis m. ‘Schluck, Zug’ (Trimis mūksniais išgėrė kvartą pieno, LKŽ), sofern aus *mū-snis⁷⁷. Bislang wurde im Zusammenhang mit mūti keine Nullstufe mū-C angeführt; siehe Trautmann (1923: 172), Pokorny IEW 743, Fraenkel LEW 421, Rasmussen 1989: 115ff., LIV 402. SE *mieųh₁- ‘(sich) bewegen’ (LIV 402⁷⁸). Die baltische SE *miąų- erfuhr in der Präsensbildung *miąų-jō durch den dissimilatorischen Schwund von i eine Veränderung; daher lit. máuju, nicht *májuju⁷⁹. Von dort wurde der nichtpalatalisierte Anlaut m- auf das gesamte Paradigma übertragen (einschließlich SZ-C lit. mū-). Vgl. lit. máuti, máuju/máunu, móviau ‘(einen Ring, eine Mütze) überstreifen, (eine Hose) anziehen; an- und ausziehen’, lett. maūt, mauju/maunu⁸⁰, māvu ‘ankleiden; Geschirr anlegen’. 73 Tak Endzelin (1922: §612). Zob. wyżej łot. guvu ‘chwyciłem’ do gūnu, gūt. 74 Das Vorhandensein des Präsensmarkers -nu lässt den Einfluss einer untergegangenen infigierten Präsensform *munū ‘ich kleide mich’ < *mu-n-Hé- vermuten. Vgl. die Hypothese eines Präsens ‘unu ‘ich ziehe mir Schuhe an’ s.v. *uų-. 75 Dies könnte das intensive Präsens *mū-du ‘ich tauche ein’ < *muH-dʰe- gewesen sein, woraus māud-yti als Kausativum und lett. maud-āt als Iterativum auf SO hervorgingen. Siehe unten lit. pūdyti ‘zum Faulen bringen’, pūdamas Part. Präs. ‘faulend’ ⇐ *pūda ‘fault’ (Inf. pūti). Wenn dem so ist, lässt ps. *mydło ‘Seife’ eine Analyse als *mūd-la- zu und damit eine Trennung von ved. mūtra-, avest. mūθra n. ‘Urin, Harn’ < *muH-tro-. 76 Vgl. den Typ siuvėti s.v. *sjuų-. 77 Einfügung von k wie in alksnis, āuksnas, altpreuß. lauxnos. 78 Vgl. ved. múvati ‘schiebt, drängt’ < *miH₁u-e-, was auf Metathese von lrg. in SZ *miųH₁- zurückgeht, siehe Eichner (1988: 135). 79 Parallelen in Anm. 56. 80 Das Vorhandensein des Präsensformans -nu lässt einen Einfluss der Form des alten infigierten Präsens *munū < *mu-n-H- vermuten. HIAT LARYNGALNY W JĘZYKACH BAŁTO-SŁOWIAŃSKICH | 75 2.21. *pi̯u̯- < *pi̯uh₂- SZ-V *pi̯u̯-: lit. pjūvenos f. Pl. ‘Sägespäne’ < *pi̯u.ue.nā-⁸¹ < *pi̯uh₂-en-. WSZ-V *pi̯u̯-: lit. papjūvėti ‘eine Zeit lang sägen’ (vgl. pasiūvėti s.v. *si̯u̯-); Nomina: lit. pjūvenos f. Pl. ‘Holzsplitter; Sensenblatt’, pjūvis m. ‘Sägen, Schneiden; reifes, zum Mähen bereites Getreide’. SZ-C *pi̯u̯-: lit. pjūdyti ‘hetzen; aufwiegeln, anstacheln’⁸², sb. pjūklas m. ‘Säge’. SE *pie̯uh₂-: lit. pjáuti, pjā́unu ‘schneiden, sägen’ (Intens. pjáustyti), lett. plaũt ‘mähen; die Ernte einbringen’ (Intens. plaũstīt). 2.22. *plu̯- < *pluH- SZ-V *plu̯-: 1. lit. plūvo, Prät. zu plūti (s. d.) < *plu.ǭ- < *pluH-eh₂-, 2. infigiertes Präs. plūva < *plu-n-ų- (Var. plūna deutet auf älteres *plūna < *plu-n-H- hin), 3. pluvėti, plūva ‘versunken sein, in etwas versinken; umherirren’, pluvénti ‘langsam fließen, strömen’⁸³. – Im Slavischen vgl. urslav. *plŭvěti, afze. plvěti, plvu ‘fließen, sich verflüssigen, sich auflösen; schmelzen (von Wachs)’, plúci ‘schmelzend, tauend’, altpoln. plwieć ‘schwanken, unschlüssig sein’ (übertragen gebraucht), płwiących Gen. Pl. ‘fluctuantium’; urslav. *ob-plŭv-itŭ ‘überfließend von etwas’ (Lehnübersetzung von lat. abundans), altpoln. opwity ‘reichlich’. WSZ-V *plū-: kirchenslaw. plŭvati ‘schwimmen’. Das Verhältnis von kyvati ⇐ kūvati (s.v. *kuu- I) wirft die Frage auf, ob nicht ein Stamm *plŭvati anzusetzen ist, der neben *plŭvěti bestand (s. oben). SZ-C *plū-: 1. lit. plūti (Präs. plūnu/plūvù, Prät. pluvau̯) ‘übervoll sein, sich ausbreiten’, paplūti ‘unter Wasser, ins Wasser geraten; in Tränen ausbrechen; im Überfluss vorhanden sein’; sb. plūtis m. ‘Schwimmer des Netzes’ (LKŽ). – 2. urslav. *plyti ‘fließen’, serb.-kroat. plīti, altpoln. pyć, Prät. pyło ‘(von einer Flüssigkeit) sich ergießen, fließen; gleichsam wie Regen herabströmen lassen’ (SStp₁₇₈), dazu urslav. *plynoti als Imperfektivum. SP *pleuH-⁸⁴: kirchenslaw. plovǫ, pluti, afze. plovu, plūti ‘fließen’, vgl. sät. rovo, ruti, trovǫ, truti. N.B. Die in dieser Wortfamilie gelegentlich vorkommenden anitischen Formen wie z. B. (1) lett. pluts, Gen. pluta ‘Gras’, (2) kirchenslaw. plŭtŭ ‘Gras’, russ. plot, plotá (*plu-to-), altpoln. płet, płtu m., afze. plet, plti f. (*plu-ti-) ts., (3) kirchenslaw. plŭnije n. ‘Strömung, Wasserlauf, Quelle’ (*plu-n-) könnten mit dem kurzen *plu- des alten Präs. *plune- < *plu-n-H-é- zusammenhängen (s. oben). 2.23. *pu̯u- I < *puH- SZ-V *pu̯u-: 1. lit. (su)pūvo, Prät. zu pūti „faulen“ < *pu.ǭ- < *puH-eh₂-, 2. Präs. mit Infix pūva/pūva < *pu-n-ų- (ersetzte *pūna < *pu-n-H-, vgl. pūna), 3. 81 Dies ist offenbar anstelle von *pi̯u.ǭnā- < *pi̯uh₂-en-eh₂. Vgl. aksl. zabŭvenŭ s.v. *bu̯-. 82 Daneben steht pjūdyti usw. Der hier auffällige Vokalismus ū lässt sich unter der Annahme einer Neubildung der Wurzel pju- erklären, die aus einem alten Präsens mit Infix *pju-nu̯ < *pi̯u-n-h₂-é abstrahiert wurde. Vgl. die Anmerkung zu spjudóti s.v. *(s)pi̯u̯-. 83 Vgl. snuvěti, sŕiva neben sruvénti „fließen, in einem kleinen Strom rinnen“. 84 LIV 438 rekonstruiert nur *pleu- „schwimmen, schweben“ und berücksichtigt nicht das oben angeführte baltoslawische Material, das eindeutig für einen s-mobile-Wurzelcharakter spricht. 76 | WOJCIECH SMOCZYŃSKI Nomina: pùvenos f. Pl. „Fäulnis, vermoderte Gegenstände“, išpuvìmas m. „Durchfaulen, Fäulnis“, supuvìmas m. „Verfaulen, Fäulnis“, sámpuva „fauler Gegenstand“, lett. puveši m. Pl. „Eiter“. WSZ *pūu-: lit. išpùvėti „vollständig verfaulen“ (LKŽ), pūvažìnai m. Pl. „umgefallene, faulende Erbsenpflanze“ (LKŽ). SZ-C *pū-: 1. lit. pūti (pūsta), lett. pùt (pùstu) „faulen“, 2. pūdyti caus. „zum Faulen bringen, düngen“, pūdamas ptc. Präs. „faulend“ ⇐ *pūda „fault“ < *puH-dʰ-e-, 3. pūliai m. Pl. „Eiter“ (Ableitung von Adj. *pū-la- „faul“), 4. pūtra „etwas Angefaultes; körperlich schwaches Wesen“. SE *peuH- „faulen“ (LIV 432), urbal. *p̄iau-C. Nur Nomina: 1. lit. pjáulas m. „verrottetes oder morsches Holz“, pjáulai m. Pl. „Zunder zum Beräuchern von Bienen“, 2. lett. praùls m. „ein modernes oder vermodertes Stück Holz; eine abfällige Bezeichnung für einen alten Menschen“, aus Dissimilation von *p̄ļāuls, dies aus *p̄i̯āulas (siehe MEIII 379)⁸⁵. 2.24. *puu- II < *puH- SZ-V *puu-: aksl. upūvati ‘vertrauen, glauben’, russ. upovátь, ukrain. upováty, obersorb. ūpati, kroat.-serb. ùfati se, tschech. doufati, altpoln. pwać, nadpwać und ufać. Dieses Verb könnte denom. von einem untergegangenen Adjektiv *pūvъ < *puH-e/o- mit der Bedeutung ‘vertrauenswürdig, glaubwürdig’⁸⁶ sein. Wenn sich diese adjektivische Bedeutung aus der älteren Bedeutung ‘rein’⁸⁷ entwickelt hat, liegt hier ein Derivat der Wurzel *peuH-/*puH- vor, vgl. ved. punāti ‘reinigt’, páyate ‘wird rein’. LIV 432 erwähnt in diesem Zusammenhang upūvati nicht. 2.25. *ruu- I < *ruH- SZ-V *ruu-: kirchenslaw. rùvati ‘reißen, abreißen’ < *ru.ū- < *ruH-eh₂-, aksl. rùvatva f. ‘Reißen, Zerreißen’, vūzdrùvanije n. ‘Herausreißen, Entwurzeln’, rūvenikъ m. ‘Grube, wassergefülltes Loch’ (setzt ein Partizip *rūvenъ ‘herausgerissen’ voraus)⁸⁸. WSZ-V *rū-: slowen. rývati Iterativum (poln. abreißen, herausreißen). Vgl. °kryvati ⇐ krūvati s.v. *kruu- I. Das Substantiv altpoln. rwocina f. ‘Steilwand, abruptum’ (SSTP VIII 65). SZ-C *rū-: 1. aksl. ryti, rýjo ‘graben, schaufeln’, izdyriti ‘ausgraben’ (Parallelen s.v. *kruu-, *truu-); kroat.-serb. rìlo ‘Schnauze; Mund’, 2. lit. rūtis, -ties f. ‘Grube, Keller’ (sekundäre Form anstelle von *rūtis?). SE *reuH-: baltisch *r̄i̯āu- wurde infolge einer in der Präsensform *r̄i̯āu-ī̯ō eingetretenen Dissimilation durch *rāu- ersetzt, daher: lit. ráuti, rãuju/rãunu (Prät. róviau) ‘reißen, (mit der Wurzel) herausreißen’, lett. raũt, raũju/raũnu (Prät. rāvu). Intensivum lit. ráustyti. Ableitungen rau-V: 1. aksl. rovъ m. ‘Graben’, p(r)ěrovъ m. ‘Grube, Höhle’, 2. altlit. ravalas ‘Unkraut’ (Dauksza), lit. ravà f. ‘Jäten; Zeit des Flachsraufens’, išravos f. pl. ‘ausgejätetes Unkraut’, ravùs ‘leicht auszureißen’. 85 Lit. pãvalas ‘umgestürzter, verrottender Baum’ (LKŽ), das auf den ersten Blick wie eine ablautende Ableitung auf -alas von puv- aussieht, ist in Wirklichkeit eine Entlehnung aus dem Polnischen pował ‘umgestürzter Baum’ (vgl. walić się ‘umstürzen’). 86 Ein Substantiv vom Typ altpoln. pwa ‘Vertrauen, fiducia’ < *pūva ist wohl nicht primär, sondern ein Postverbale zu pwać. Zu diesem Abstraktum wurde nachträglich das Adjektiv *pūvъ gebildet, poln. pewny ‘sicher’, tschech. slowak. pevný ‘stark’. 87 Vgl. umgangssprachliches Polnisch on jest czysty, d. h. ‘unbewaffnet, ungefährlich’ ⇒ ‘keinen Verdacht erregend’ (woraus sich der Schritt zu ‘Vertrauen erweckend’ ergibt). 88 Es ist nicht bekannt, ob lit. riuv- (statt *ruv-?) in įsiriuvėti ‘fett werden’ hierher gehört (LKŽ). Bedeutungsproblem. HIAT LARYNGALNY W JĘZYKACH BAŁTO-SŁOWIAŃSKICH | 77 2.26. *ru̯u- II < *h₃ruH- SZ-V¹ *ruu-: urslaw. *rŭvati iter. ‘brüllen’ < *ru.ā- < *h₃ruH-eh₂- (vgl. ved. ruváti ‘brüllt’). SZ-V² *rįu- (*ri- durch Ausgleich an SE-C, siehe unten): 1. urslaw. *rjŭvati > *rjívati iter. ‘brüllen’ in altpoln. rzwać, tschech. řváti ‘brüllen, schreien’. – 2. urslaw. *rjŭv-īnŭ ‘brüllend, zornig brüllend; gereizt, streitsüchtig; bewegt⁸⁹, vgl. cs. rĭvini f. ‘Zorn, Ärger’, kirchenslaw. rĭvinivŭ ‘erzürnt, eifersüchtig’, poln. rzewny, rzewliwy, tschech. řevný čas ‘Brunftzeit’, russ. revnívyj ‘eifersüchtig’. SZ-C *rū-: urslaw. *rū-ka- > tschech. rykŭ m. ‘Gebrüll’⁹⁰ (⇒ denom. kirchenslaw. rykati ‘brüllen, knurren’). SE *h₃reuH- ‘brüllen’ (LIV 272), baltoslaw. *r̥i̯au-: kirchenslaw. rovǫ, ruti ‘brüllen, schreien’ (vŭzdruti ‘aufbrüllen’); rovy Part. Präs. Aktiv. Das wechselnde Paradigma rev-/rju- ist in tschech. revǫ, rjuti, altruss. revu, rjuti und alt-tschech. řevu, řúti zu erkennen (vgl. auch slowen. rjóvem, rjuti, russ. revú, revéťb). Es entstand durch die Übertragung der anlautenden Gruppe rj- aus dem Inf. rjuti in das Präsens. Dadurch wurde das lautgesetzliche rov-V durch *rjov- ersetzt, woraus *rjev- (> rev-, řev-)⁹¹ hervorging; siehe Trautmann (1923: 241)⁹². 2.27. *śių- < *śiuH- SZ-V *śių-: lit. siuvì Präs., siuvaũ Prät. zu siūti ‘nähen’, tot. šuvu⁹³, Prät. šuvu. Rekonstruktion: *śių-u-V < *śiuH-V. Vgl. außerdem siuvėjas m. ‘Schneider’; siuvėlė f. ‘Naht’; siùvena f. ‘Rinderlaus’, siehe piùvenos s.v. *pjųu-. – Im Slawischen vgl. 1. kirchenslaw. šivěnǫ ‘genäht’ < *siu.ue.na- < *siuH-eno- (siehe oben šivěna), 2. kirchenslaw. šiv-či ‘Schneider’, was ein urslaw. Präsens *šīvǫ (= lit. siuvù) als Derivationsgrundlage voraussetzt; vgl. altlit. siuvikis m. ‘Schneider’ ⇐ siùva⁹⁴. WSZ-V *śių-: 1. lit. pasiūvėti ‘ein wenig nähen, sich gelegentlich mit Nähen beschäftigen’, siūvis m. ‘Nähen; Masche’, 2. slaw. °šivati, poln. zszywać, wyszywać, die als Intensivum *šŭvati ‘nähen’ voraussetzen (vgl. poln. szwacz, szwaczka ‘Näher, Näherin’). 89 Bei Trautmann (1923: 241) s.v. *rau̯ǫ nicht verzeichnet. 90 Vgl. *lúka-, urslaw. *lyko s.v. *liu-. 91 Vgl. lett. plevināt ‘flattern lassen, bewegen (Haare, Flügel)’ aus *plav- gegenüber plau-, kirchenslaw. plovǫ ‘ich schwimme’, lit. pláuju ‘ich spüle, wasche ab’. 92 Neben rjuti könnte ein Intensivum *rjujati existiert haben. Darauf weisen postverbale Derivate wie altruss. rujene, russ. rujěne m. ‘Brunftzeit (des Röhrens) der Hirsche; Bezeichnung des Monats September’, kroat.-serb. rujan ‘September’, alt-tschech. ruję f. ‘Brunftzeit der Hirsche’, tschech. rǐje ebenso, ‘rujen’, Bezeichnung des Monats Oktober’ hin (poln. rują ‘Zeit und Ort der Brunft der Hirsche’ wirkt sekundär anstelle von *rzuja, vgl. rzwać, rzwiec). Auf ein postverbales *rju-va weist altruss. rjuvitĭsja ‘coire’ hin. 93 Daneben gibt es das neuere Präsens šu-ju, das eine synchrone Resegmentierung šu-vu voraussetzt. Siehe unten škuju neben skuvu ‘nähen’. 94 Zaskakująca jest wypowiedź Stanga (1966: 334): „Skt. śívati: syūtáh gibt einen Fingerzeig, dass das Prās. siùva keine alte Bildung ist“. Ze stanowiska teorii laryngalnych stlit. praesens śívvati ‘szyje’ tłumaczy się jako forma innowacyjna, wynika z metatezy spółgłoski laryngalnej w sąsiedztwie u: *śiuH-jé- > *siHų-jé-, zob. Eichner (1988: 135), LIV 493. Wynika z tego, że nie można jej brać za punkt wyjścia dla analizy lit. siùva. Podobną metatezę pokazuje refleks stlit. mìvati ‘sunię, pcha, trącą’, z *mih₁-u-é-ti < *miuh₁- (p.wk. *mieuh₁-), zob. wyżej *mu-. 78 | WOJCIECH SMOCZYŃSKI SZ-C *śiu-: lit. siūti ‘nähen’, lett. šūt, aksl. sīti⁹⁵. SE *śięuH-: kein urostbalt. *śiąu-C, lit. *śiau-, urslaw. *šu-. 2.28. *skįu- statt *skuu- < *skuh₁- SZ-V *skįu-: urslaw. *ščivati < *ščīvati, vgl. poln. szczwać ‘(Hunde) schnüffeln lassen’, alttschech. ščtývati. Anlautendes šč- durch Angleichung an SE (s. unten). Zu įv s. žīvati s.v. *žiu-. Zu erwarten wäre die Form *skūvati < *sku̯a- < *skuh₁-eh₂-⁹⁶. Etym. Bedeutung: ‘bewirken, dass Hunde (Wild) wittern’. Kausativbildung auf -ā- zu aksl. čujo, s.v. *ku̯-. SZ-C *skū- (keine Reflexe). SE *(s)keuh₁- ‘fühlen, wahrnehmen’. Ursław. *ščuję ‘ich hetze’ setzte urgerm. Präs. *skiąu-ie- fort (im Baltischen unbekannt). Auf dieser Präsensform wurde ein neuer Infinitiv *ščūti gebildet: slowen. ščúti, poln. szczuć⁹⁷. 2.29. *skuu- < *skuh₂- SZ-V *skuu-: lett. skuvu Präs.⁹⁸, skuvu Prät. zu skūt ‘rasieren’, < *skuh₂-e-, *skuh₂-eh₂-. SZ-C *skū-: lett. skūt Inf. (dazu ein neues Präs. skīnu), Iter. skūstīties ‘sich rasieren; sich waschen’. SE *(s)keuh₂- ‘mit einer Klinge bearbeiten, schneiden, durchbohren’ usw., urbalt. *(s)kiąu-: lit. kiáuras ‘löchrig’⁹⁹, vermutlich auch: skiáutas m. ‘Fetzen’, skiáutė f. ‘Stoffabschnitt, abgeschnittener Teil’, lett. škāute ‘scharfe Kante, Ecke’ (mögliche Vermischung mit der Sippe von lit. skuti, skūsti ‘rasieren, reißen, schälen, kratzen, Rinde abschälen’, uridg. *skeut-). 2.30. *snuu- < *snuH- SZ-V *snuu-: urslaw. *snūvati ‘spinnen’ < *snu̯ā- < *snuH-eh₂-. Impliziert durch WSZ-V -snyv- in aksl. osnyvati ‘anlegen, begründen’. S. oben °byvati zu būv-, °kryvati zu krūv-, °myvati zu mūv-, °ryvati zu rūv-. Zu WSZ-V *snū- s. oben. SE *sneuH- ‘drehen, winden’ (LIV 523), urbal. *sniąu-. Vgl. kirchenslaw. snovǫ (⇒ snovati) ‘spinnen, einen Faden spinnen’. Das Derivat *snau-V steckt vielleicht in aksl. osnova f. ‘Kette, Grundlage’. Vgl. roví zu rūv- s.v. *ruu- I. ⁹⁵ Aksl. šijǫ ist eine Neubildung nach dem Infinitiv ši-ti, ebenso wie myjo:: myti, vyjo:: vyti sowie bijǫ:: biti, brijǫ:: briti, gnijǫ:: gniti. ⁹⁶ Zur sekundären Palatalität in SZ-Formen vgl. bl̥jvati s.v. *blu̯- II. ⁹⁷ LIV 507 berücksichtigt *ščivati nicht und zitiert nur aksl. čujo. Vaillant (1966: 295) qualifiziert *šču-/*ščīv- zu Unrecht als „onomatopoetische Wurzel“. ⁹⁸ Aus der Differenzierung gegenüber dem Präteritum stammt das neue Präs. skuju. Vgl. oben šiju neben šavu ‘ich nähe’. ⁹⁹ LIV 508 s.v. skeuh₂- zitiert hethitische Formen sowie altind. skunāti, āskunoti, beachtet aber die baltischen Daten nicht. Falsch ist die Verbindung von skuvu/skūt mit gr. ἕω und mit der thematischen uridg. Wurzel *skeu- > MEu 908, Trautmann (1923: 268) und Fraenkel LEW 824 (willkürliche Metathesehypothese *ks > sk, keine Erklärung für die Alternation uv-V:: ū-C). HIAT LARYNGALNY W JĘZYKACH BAŁTO-SŁOWIAŃSKICH | 79 2.31. *(s)pịų- < *(s)piųH- SZ-V *(s)pịų-: 1. aksl. pljivati ‚spucken‘ aus urslaw. *pjuvati < *pių̯ā- < *(s)piųH-eh₂-, poln. płwać. Ebenso živati aus urslaw. *žjuvati (s.v. *žiu̯-). Siehe auch bljivati s.v. *bluų- II, *ščivati s.v. *skių-. – Der slawische Stamm auf -ā- bei SZ legt nahe, dass das Litauische einst ein Präteritum *spjivau gehabt haben könnte, das später als spjōviau erneuert wurde. – 2. Eine Spur des litauischen Iterativs *spjuvóti könnte spjudóti ‚spucken‘ (LKŽ) sein, da sich sein -d- durch sekundäre Anlehnung an das Iterativ spjáudyti ebendort erklären lässt.100 WSZ-V *(s)pịų-: 1. lit. spjúvis m. ‚Ausspucken‘, 2. urslaw. *-pljivati ← *pljīv-, z. B. aksl. oplъvati ‚bespeien‘, alttschech. plivati, tschech. plivat ‚spucken‘. SZ-C *(s)pịų-: urslaw. *plji- in aksl. plinǫti ‚spucken‘, perfektive Bildung zu plīvati ‚speien‘, siehe Vaillant (1966: 232)101. SE *(s)pięuH-: ‚spucken, speien‘ (LIV 529), urslaw. *(s)piāu-: 1. lit. spjáuti, spjáuju/ spjáunu (Prät. spjóviau) ‚spucken, speien‘, lett. splaut, splauju (Prät. splāvu), 2. Präs. aksl. pljǫ, kirchenslaw. pljǫm, russ. pljují. 2.32. *suų- < *suH- SZ-V *suų-: lett. dial. suvēns ‚Ferkel‘ < *su.uen- < *suH-en- (ansonsten dissimiliert in sivēns). SZ-C *sū-: vgl. awest. hūš ‚Sau‘, gr. ὗς, lat. sūs. SE *seuH-: keine Reflexe des urslaw. *śiau- (urslaw. *šu-C). 2.33. *šluų- < *šluH- SZ-V *šluų-: šlūvenos f. Pl. ‚Kehricht, das, was zusammengefegt wurde, Kehricht‘ < *šlu.uen- < *k’luH-en-. Parallelen: pūvenos s.v. *puų-, pjūvenos s.v. *pių-, šiūvena s.v. *šių-. SZ-C *šlū- unbelegt. SE *k’leuH-: ‚reinigen‘ (LIV 298, lat. cluere). Lit. *šláiuti, Prät. *šluvau ist nicht belegt. Vgl. jedoch lit. šláuti (šliáuna, šlióve) in übertragener Bedeutung ‚einen Schlag versetzen, eine Ohrfeige geben, schlagen‘. Es ist wahrscheinlich, dass das Allomorph šlav- im Präs. šlavù ‚ich fege‘ (žemaitisch), Subst. sąšlavos, iššlavos, núošlavos f. Pl. ‚Kehricht‘ eine SO zu *šlu- darstellt. 2.34. *šuų- < *k’uH- SZ-V *šuų-: urbalto-slaw. *šuų-e- < *k’uH-e- (lit. *šuv-C ‚ich schiebe‘ ist nicht belegt). WSZ-V *šū-: lit. šūvis m. ‚Schuss, Schießen‘. SZ-C *šū-: lit. šūtis, -ies f. ‚Haufen, Stapel‘, šūsnis, -ies f. ‚Haufen, Stapel aus Holz und Reisig‘ (zum Aufbau vgl. krūšnis ‚Haufen, Steinhaufen‘ von krū-/kráu-). 100 Eine andere Möglichkeit ist die Hypothese eines Neuwurzelstamms spju-, der aus einer Reanalyse von *spju-nu hervorgegangen ist (vgl. spjáu-nu); Ausgangspunkt dafür war das alte infigierte Präs. *spjunu < *(s)pių-n-H-é-. 101 Entgegen der Angabe in ESJS 666 spricht Vaillant l. c. nicht von einer „Dehnung der Schwundstufe“, sondern von einer Reduktionsstufe: „Le thème pli- est issu de *pljū-, degré réduit de la racine *(s)pięu-, lit. spiáuju...“. 80 | WOJCIECH SMOCZYŃSKI SE *k’əuH- ‘werfen, schieben’ (LIV 294), pbsl. šiąu-: 1. lett. šāuju/šāunu, šāvu, šāut ‘eine heftige Bewegung in eine Richtung machen; schnell schieben oder stoßen; einen Schlag oder Hieb versetzen; schießen; rasch zufahren, eilig laufen, gehen; regnen’, 2. lit. šiaut(u)vas m. ‘Weberschiffchen’, šiaulỹs m. ‘Schütze’ (n. m. šiauliai, -iūs m.pl.) von *šiauti. – Das Vorhandensein des urslawischen Paradigmas *sovo, *suti scheint sich aus solchen Ableitungen wie aksl. sov-ati ‘gleiten, stoßen’ (iter. zu sov-) und urslaw. sujo (zum Inf. *suti) zu ergeben, vgl. russ. sovátь, sujú. – Das auffällige Verhältnis lit. šaunu:: šauti (‘dahinschießen, knallen, abfeuern’) könnte eine Regularisierung eines älteren Verhältnisses *šunù:: *šiáuti sein, wobei das Präsens auf Infigierung beruhte, und zwar auf ererbter: *k’u-n-H-é- > *šu-n-é-, während *šiáu-C das baltische SE widerspiegelte (vgl. lett. šaūt). Vgl. oben die Bemerkung zu gáu(nu) statt *giáu-102. 2.35. *truų- < *truH- SZ-V *truu-: 1. urslaw. *trúvenų ‘abgenutzt, verbraucht’ < *tru.ue.no- < *truH-eno103, vgl. das poln. Denominativum trwonić statt *trwionić ‘durch Reiben, Kauen, Beißen verbrauchen’ (Denominativum zum Partizip *trwion); serb.-kroat. trvènik m. ‘abgetretener, gebahnter Weg’; kirchenslaw. rastrъva f. ‘Verlust, Untergang’ (Trautmann 1923: 330). – 2. Im Litauischen und Lettischen ist der Neologismus trun- laryngalbedingt: lit. trūna, trunėti104 ‘vermodern, verfaulen’, lett. trunu, -ēju, trunēt ‘verwittern; verfaulen, vermodern; dösen’. Seine Grundlage war das infigierte Präsens *truna < *tru-n-H-, das als a-Stamm trun-a interpretiert wurde. Anschließend entstand im Litauischen durch Ausgleich mit SZ *trū- trūnėti und das entsprechende Präsens trūni105. – Bemerkenswert ist das Fehlen von WSZ-V *trųn-106. SZ-C *trū-: 1. aksl. trъti, trъjo ‘reiben’ (vgl. gr. τρίβω ‘abreiben, erschöpfen, niederdrücken’). – 2. lett. trū-dêt intr. ‘verwittern; vermodern, verfaulen, verrotten’, seiner Herkunft nach wohl ein Zustandsdurativ auf -ē- zum Präsens *trūda < *truH-dʰe- (vgl. lit. pū́da-mas:: pūti s.v. *puu- I). Eine weitere Ableitung ist das Faktitivum trūd-inât ‘zum Vermodern, Verfaulen, Verrotten bringen’ (zeme kaulus trūdina), siehe MEiv 250. SE *treuH- ‘aufreiben, verbrauchen’ (LIV 593): aksl. trovǫ, truti ‘verbrauchen’ (Inf. statt *trjuti < *trjāu-C, vgl. rjuti s.v. *ruų- II)107. Im Litauischen ist SE *triáuti zu erwarten108. Unklar ist die Verwandtschaft des Verbs triaũnija, -yti oder tráunija, -yti ‘laut kauen (einen Apfel), 102 Vgl. Stufe, *k’ųH-, ist im primären Präsens unwahrscheinlich. 103 Vgl. oben aksl. *bъvenų, *krъvenų, *mъvenų und lit. pūvenos. 104 Mit der sonorisierten Variante drūna/drūni, drunėti oder drunija/drūni, druńyti, siehe LKŽII 763, 766. 105 Vgl. auch die Länge im synonymen Verb dūlėti ‘vermodern, verfaulen’. 106 Hierher gehört nicht lett. trūvēt ‘betrauern, in Trauer sein’, das aus einer Dissimilation von trūrēt hervorgegangen ist, einem aus mittelniederdeutsch truren ‘trauern’ entlehnten Verb; siehe MEiv 252. 107 Vgl. SW *trǫ- in aksl. traviti iter. ‘verdaute Nahrung verarbeiten’, altpoln. trawić u. a. ‘(vom Feuer und anderen Kräften) etwas zerstören, verbrennen, (materielle Güter) verbrauchen, sie leichtfertig aufbrauchen’; trawny ‘hinterlistig, verschlagen, falsch’ (SStpIX 181n.). 108 Hier stellt sich die Frage, ob triaũšėti, -ėja ‘(vom Haar, von der Schafwolle) brüchig werden, verkümmern, verkommen’ neben traušėti, -ėja ‘(vom Haar im Pferdeschweif) ausfallen’ nicht seiner Herkunft nach ein Zustandsdurativ auf -sēti ist, d. h. *triáu-sēti. HIAT LARYNGALNY W JĘZYKACH BAŁTO-SŁOWIAŃSKICH | 81 ‘(eine Nuss) anknabbern’, was wie ein denominativum aussieht. Anders Fraenkel LEW 1114: in der Ablautreihe zu trūnēti. 2.36. *u̯u- < *h₂uH- SZ-V *u̯u-: urlit. Prät. *ùvo ‘zog sich an’ < baltoslaw. *u.u̯ā- < *h₂uH-eh₂-. Vgl. oben bùvo, guvu (fot.), plùvo, pùvo, siùvo. Aufgrund der baltischen Opposition Prät./Inf. mit SZ und Präs. mit SP (siehe Stang 1966: 331) lässt sich vermuten, dass Prät. *ùvo einst einerseits das transitive Präs. *avù ‘ich ziehe an’ < *h₂euH-e- und andererseits das intransitive Präs. *unù ‘ich ziehe mich an’ < *h₂u-n-H-ē- zur Seite hatte (vgl. die Hypothese eines Präs. *munù ‘ich bekleide mich’ s.v. *mu̯u-). Historisches lit. aunù = au-nù stellt eine Kompromissbildung dar, die aus der Kreuzung von *av-ù und *u-nù109 hervorgegangen ist. WSZ-V *ū-: *ūvẽti, das in Analogie zu muvéti(s) erwartet würde (siehe s.v. *mu̯u- II), existiert nicht. SZ-C *ū- < *h₂uH-C, siehe unten. SE *h₂eųH- ‘(Fußbekleidung) anziehen’ (LIV 245, orm. agaw ‘sich bekleiden’): avēti ‘beschuht sein, Schuhe tragen’ (aviù, āvi). Vgl. lit. auti ‘Schuhe an- oder ausziehen’, was eine Neuerung anstelle des erwarteten *ūti ist (SZ-C). SE und Zirkumflex sind aus vorvokalischen Formen mit geschwundenem Laryngal verallgemeinert worden, wie Präs. *avù, Durativ avē-, lit. āvalas, lett. apavi m. pl. ‘Schuhe’110. 2.37. *ži̯u- < *ǵiuH- SZ-V *ži̯u-: aksl. živati ‘kauen’, alttschech. žváti, altpoln. żwać < urslaw. *žǔvati < baltoslaw. *ži̯u.u̯ā- < *ǵiuH-eh₂-. Eine Parallele ist pljīvati mit urslaw. *pljǔvati s.v. *(s)pi̯u-. SZ-C *žiū- < *ǵiuH- (keine baltoslawischen Reflexe). SE *ǵieuH- ‘kauen’ (LIV 148). Im Baltischen nur nominal: lit. žiáunos f. Pl. ‘Kiefer’ < *ǵi̯āu-nā-. 2.38. *žu- I < *ǵuH- SZ-V *žu-: 1. lit. žùvo, Prät. zu žūti (siehe unten) < *žu.u̯ā- < *ǵuH-eh₂-, 2. mit Infix gebildete 2. Pers. žùvù < *žu-n-u- (die alt. Form žinù könnte mit einem älteren Typ *žunù < *ǵu-n-H zusammenhängen), 3. Subst. pražùvelis ‚verloren, verschollen‘. SZ-C *žū-: lit. pražūti ‚plötzlich aus dem Blickfeld verschwinden, zugrunde gehen, umkommen; das Leben verlieren, sterben; vergeuden; in Armut und Unglück geraten; sich hingebungsvoll einer Arbeit oder Tätigkeit widmen‘. Kaus. altlit. žūdyti, žūdžiu ‚verdammen, bestrafen, verlieren, vernichten, töten‘, lett. zudīties ‚sich sorgfältig bekümmern, sich sorgen‘, zūdīt ‚sich sorgen, sich grämen‘, zudināt Kaus. ‚verloren gehen lassen, vernichten, verstecken‘. 109 Dies stammt aus einer Metanalyse der mit Infix gebildeten 2. Pers. Parallelen: *gunu s.v. gu̯-, *munu s.v. *mu̯u-, *šunu s.v. *šu-, truna s.v. *tru-, sowie sinù s.v. *ši̯-. 110 Verfehlt ist die Rekonstruktion des Inf. *áuti ebenso wie die Herleitung von aúna aus *(h₂)au-n-ə- in LIV 245, Anm. 7. 82 | WOJCIECH SMOCZYŃSKI SE *ǵeuH- ‚sich in schnelle Bewegung setzen‘ (LIV 147). Kein Reflex von urbalto-slaw. *žiau̯-C. Ableitung *žau̯: lit. žavúosi (žàvisi), žavėtis ‚sich begeistern, entzückt sein‘, Kaus. žavinti bzw. žavinti ‚verzaubern, begeistern, bezaubern‘, altlit. ‚durch Zauberei vernichten‘. 2.39. *žų- II < *ǵʰuH- SZ-V *žų-: aksl. žъvati ‚rufen, herbeirufen‘, poln. zwać < *žų̯ā- < *ǵʰuH-eh₂-. WSZ-V *žų-: slow. *zyvati, poln. wzywać, nazywać. SZ-C *žū-: vgl. ved. hútá- ‚gerufen‘ < *ǵʰuH-tó- (kein lit. *žūtas, slow. *zytъ). SE *ǵʰueH- ‚rufen‘ (LIV 160), sekundär *ǵʰeuH-¹¹¹: aksl. zovǫ (Inf. zъvati) ‚ich rufe‘, altpoln. zowę, zowiesz, zową, Part. Präs. tako zowący ‚so genannt‘ (vgl. ved. hávate ‚ruft herbei‘). Kein Reflex *žiau̯-C. 2.40. *žų- III < *ǵʰuH- SZ-V *žų-: urbs. *žūvin AS f. ‚Fisch‘ < *ǵʰuH-m̥, lit. AS žùvi (daraus žuvis als innovativer Nom. Sg.). – Aus dem Slawischen vgl. ursl. *žųveno, altpoln. zwono n. statt *zwiono ‚quer aus dem Körper geschnittenes Stück Fisch‘, russ. zvenó ebda., poln. (d)zwonka ‚Stück Fisch‘, ein Derivat des Adj. *žuv-enǫ ‚fischig‘. Das Adj. *žūvenǫ verhält sich zu subst. ursl. *zy < *žūs ‚Fisch‘ wie *krъvenǫ (poln. przekrwiony) zu subst. *kry < *krūs ‚Blut‘. Es fehlt SZ-C *žūs ‚Fisch‘ < *ǵʰuH-s. Siehe s.v. *brų- und *krų-. 3. Z U S A M M E N F A S S U N G Gemäß den obigen Ausführungen sind die Segmente (i)j, (u)v als gleichrangige Spuren verschwundener Laryngale anzusehen wie die Vokallänge in den entsprechenden Allomorphen mit ī, ū¹¹². Aus der Tatsache, dass die Doppelformen der Reflexe balt. bī-C/bjū-V, altkirchenslaw. bi-C/bjū-V bzw. lit. bū-C/buv-V, altkirchenslaw. by-C/b’bū-V auf die ursprüngliche Einheitlichkeit von *bʰiH- bzw. *bʰuH- zurückzuführen sind, folgt, dass die Entstehung der Alternationen i-C/ji-V und ū-C/uų-V eine einfache Folge des Schwunds der Laryngale in der urbalto-slawischen Epoche ist. Das Vorkommen derselben Alternation in etymologisch nichtlaryngealen, anitischen Wurzeln (siehe unten Exkurs I) erklärt sich hingegen als morphologische Innovation aus einer späteren Epoche. Daraus folgt die Forderung, in den Abschnitten der historischen Phonetik, die die baltischen bzw. slawischen Konsonanten j, v behandeln, die zweifache Herkunft jedes dieser Phoneme ausdrücklich zu unterscheiden, vgl. Tabelle 1. ¹¹¹ Siehe die Parallele s.v. *bų-. ¹¹² Und umgekehrt: wie die Länge in Vollstufenformen des Typs lit. dėĩ, altkirchenslaw. děti ‚legen‘ < uridg. *dʰeh₁-C, lit. stóti, altkirchenslaw. stati ‚stehen bleiben‘ < uridg. *steh₂-C und lit. dúoti, altkirchenslaw. dati < uridg. *deh₃-C. HIAT LARYNGALNY W JĘZYKACH BAŁTO-SŁOWIAŃSKICH | 83 TABELLE 1. DIE ZWEIFACHE HERKUNFT DES URBALTOSLAWISCHEN J, V. uridg. *i, *u uridg. *(i)H, *(u)H lett. kreju < *krei̯H-e- lett. krija, lit. krùja < *kriH-eh₂- lit. lēju < *lēi̯H-e- altkirchenslaw. lijǫ < *liH-ḗ- altkirchenslaw. lějǫ < *lěi̯H-je- lit. lijo < *liH-eh₂- lit. vēju < *u̯ēi̯h₁-e- altskirchenslaw. vъjǫ < *u̯iH-ḗ- altskirchenslaw. zějǫ < *ǵhēh₁-je- ur-slaw. *zъjati, serb.-kroat. žěti, žjám < *ǵhih₁-eh₂- altskirchenslaw. zovǫ < *ǵhēuh₂-e- altskirchenslaw. zъvati < *ǵhuH-éh₂- ur-slaw. *bovǫ < *bheu̯h₂-e- (⇒ SW altskirchenslaw. *baviti) altskirchenslaw. zabъvenǫ < *bhuh₂-eno- 4. EXKURSE 4.1. Exkurs I Die litauischen nasalinfigierten Präsensformen vom Typ šlyja ‚stützt gegen etwas‘, srūva ‚fließt, strömt‘ gehen durch Denasalisierung auf *šli-n-ja, *sru-n-ua zurück. Dies beweist, dass hier die Stämme *šlī-, *sruu- mit einem Infix versehen wurden. Morphologisch betrachtet sind dies „schwache“ Stämme im Verhältnis zu *šlēj- (vgl. šlējǫ, šlējūosi), *sriau- (hier nur srav-, altlitauisch srawanczio DP ‚fließend‘), die „stark“ sind. Die Besonderheiten bestehen hier darin, dass 1° *šlī- anstelle von šli- steht (vgl. pašlitas ‚schräg, schräg angelehnt‘), während *sruu- anstelle von sru- steht (vgl. išsruvù/išsrūnù, -sruvaũ, -srūti ‚auslaufen‘), und dass 2° man von šli- eher Präs. *šli-nù, von sru- hingegen Präs. *sru-nù erwarten würde. Die tatsächlichen Formen šlyja, srūva mit den Segmenten j, v sind daher als analogisch gebildet anzusehen, und zwar nach Präsensformen der Typen pyja ‚schwillt mit Milch an – vom Euter‘ < *pi-n-ia und būva ‚ich bin, halte mich irgendwo auf‘ < *bu-n-ua. Die Struktur der letzteren ist durch das Vorhandensein eines antevokalischen SZ-V mit den Formen *pii-V, *bu̯-V gerechtfertigt, die mit SZ-C auf ī, ū alternierten, vgl. *pi-C < *piH-C (pýti ‚mit Milch anschwellen; feucht werden, aufweichen‘, SP *pejH- ‚anschwellen; spritzen‘), *bū-C < *bʰuH₂- (būti ‚sein‘, SP *bʰu̯eh₂- und *bʰeu̯h₂- ‚wachsen; werden‘). Dies führt also zu dem Schluss, dass im Litauischen einige nichtlaryngalisierte (anittische) Wurzeln auf den Diphthong *ei̯ oder *eu̯ (*k’lei-, *sreu-) einer analogen Einwirkung von laryngalisierten Wurzeln mit *eiH oder *euH unterlagen, die in SZ-V für sie charakteristische Allomorphe *ii-V, *uu-V bilden, wobei i und u Reflexe des Laryngalhiats sind. 84 | WOJCIECH SMOCZYŃSKI 4.2. Exkurs II Das im Altlitauischen selten auftretende Suffix -ij-as (vienatijas, medijas/medija, prakijas/prekijas, žūklijas, treinijas/treinijā), das auch aus anderen baltischen Sprachen bekannt ist (vgl. lett. salijs, mālijs, pruß. medies), ist ursprünglich ein Adjektivformans, das durch Substantivierung auch in Nominalbildungen Eingang fand. Das Suffix -i̯a- setzt ie. *i.h₂a- < idg. *-ih₂o- fort (nicht aber *-iio-¹¹³). Bemerkenswert ist, dass im Litauischen entsprechend der Allomorphie ij-V/i̯-C zu -ija- nachträglich ein antekonsonantischer Alternant der Form -i-s gebildet wurde. Er erscheint in einer Reihe litauischer Nomina auf -ỹs, z. B. arklỹs, gaidỹs, svetỹs. Eine morphologische Erklärung des litauischen Suffixes -ỹs scheint besser als die phonetische Hypothese einer Kontraktion von *-ijas zu -ỹs. Die Behandlung des Suffixes *-ih₂o- ist im Litauischen insofern spezifisch, als sie zur Entstehung zweier Derivatreihen führt: einer älteren auf -ijas (nur rudimentär bewahrt) und einer jüngeren auf -ỹs (produktiv). Das erste dieser Suffixe beruht auf einer direkten lautlichen Fortsetzung unter Berücksichtigung des Laryngalhiats; das zweite hingegen ist das Ergebnis morphonologischer Analogie. 4.3. Exkurs III Oben wurde bei der litauischen Form dveigys (Anm. 10) die Komplementarität der antekonsonantischen Form -gy-s gegenüber der antevokalischen *-gii-as erwähnt, ebenso wie die Möglichkeit, auf der Grundlage des antevokalischen Ausgangsstamms mit i eine antekonsonantische Variante mit ij nachzubilden. Es scheint nun, dass sich auch das Auftreten des langen Vokals i im Infinitivsuffix lit. -yti, slav. -iti durch ein Verhältnis morphologischer Implikation wie ij-V ⇒ i̯-C erklären lässt. Es handelt sich um ein Suffix iterativ-kausativer Verben, die im Indogermanischen das Präsens mit dem Suffix *-éi̯e/o- bildeten. Eine sinnvolle Verbindung des Suffixes *-éi̯e/o- mit dem innovativen Infinitivsuffix -ī- ermöglicht die Annahme einer Zwischenstufe -i̯i̯a-, vgl. litauische Präsensformen auf -i̯a zu (denominalen) Verben auf -yti, z. B. dalija, dalýti od dalìs. Die Form des Suffixes -ija- anstelle von idg. *-éio- spiegelt meiner Ansicht nach eine Verengung des ursprünglichen e vor i wider – einen Fall antizipatorischer Assimilation¹¹⁴. Sobald in den Personalformen des sekundären Verbs die verengte Sequenz -ii- auftrat, und zwar vor vokalischen Endungen, wurde sie offenbar in das Alternationssystem ii-V:: i̯-C einbezogen, das sich zuvor innerhalb des primären Verbs herausgebildet hatte; vgl. etwa lit. lij(o) ‚goss‘, aber Inf. lý(ti), gij(o) ‚heilte‘, aber Inf. gý(ti). Auf diese Weise entstand auf Grundlage des präsentischen -ij- das -ī- als für die antekonsonantische Position in der Infinitivbildung bestimmter Alternant. 113 Niedawno S. Ambrazas (2000:134, 205) powtórzył młodogramatyczną rekonstrukcję sufiksu w postaci *-i̯-io-. Sugeruje to, że chodzi o pewien wariant sufiksu pie. *i̯o-. W myśl naszych wywodów w sekwencji i̯a nie jest jednak fonemem odziedziczonym, lecz stanowi – jako wypełniacz hiatus laryngalnego – swego rodzaju namiastkę zanikięj spółgłoski H, w danym razie *h₂. W odniesieniu do litewskiej formacji na -ija- należy mówić o sufiksie *ih₂o-, który nie ma bezpośredniego związku z sufiksem pie. *-io- (po sylabie lekkiej) względnie z wariantem Sieversowym *-iio- (po sylabie ciężkiej). 114 Eine solche Assimilation hat etwa in isolierten Formen wie (1) aksl. trьje ‚drei‘, lit. trỹs ebenso < *tri̯iis ⇐ *tri̯es, aus idg. *trei̯es (ved. tráyah, gr. τρεῖς = [trèːs], lat. trēs, got. þreis (Anm. Die bojarische Entwicklung von *tríes anstelle von *treies wurde vermutlich durch das Vorhandensein des Allomorphs trī in der Neutrumform begünstigt; vgl. ved. trī, aksl. tri ‚drei‘, lit. trýlika ‚dreizehn‘ < idg. *triH₂) oder (2) aksl. gostьje ‚Gäste‘ aus Nom. Pl. *gʰostēies (lat. hostēs, gr. πόλεις). HIAT LARYNGALNY W JĘZYKACH BAŁTO-SŁOWIAŃSKICH | 85 4.4. Exkurs IV Im Slavischen entstehen durch Dehnung von i, ŭ Iterativa auf -ijati, -yvati, z. B. °bijati, °lijati, °vijati, °byvati, °kryvati, °myvati, °zyvati, °živati; interessant ist, dass sie meist dem konservativen litauischen Typ sijóti, bliuvóti gegenüberstehen (vgl. jedoch das jüngere bliūvóti). Neben diese Typen treten ihrer Form nach spezifische Kausativ-Iterativa auf -aviti. Zunächst ist festzustellen, dass ihr Bestandteil v – anders als im Fall von -yv(ati) – nichts mit dem Laryngalhiat zu tun hat. Nimmt man -av- als relative Einheit, lässt sich dieses Segment115 lautlich aus *-ōu- herleiten und anschließend morphonologisch als Dehnung des Segments *-ou- der Derivationsbasis auffassen. Ein solches Segment war ausschließlich für jene präsentischen Vorformen auf -e/-o- charakteristisch, die von idg. Wurzeln der Struktur *Ceu(H)- gebildet wurden. Wesentlich ist nun, dass die lautliche Veränderung der idg. Sequenz *Ceu(V) zu slav. Cou(V) (Ersetzung von e durch o) in der betreffenden Klasse primärer Verben einen Ersatz für die Ablautstufe o hervorbrachte. Dies wiederum ebnete den Weg für eine innovative Dehnung des Vokalismus o bei der Bildung slavischer Kausativ-Iterativa auf -iti. Dies betrifft in erster Linie Derivate wie plaviti ‚flößen‘ ⇐ plovǫ, pluti ‚fließen‘, Wurzelstamm *pleu-; slaviti ‚berühmt machen‘ ⇐ slovǫ, sluti ‚berühmt sein‘, Wurzelstamm *k’leu-; traviti ‚verdauen‘ ⇐ trovǫ, truti ‚verzehren‘, Wurzelstamm *treuH-. In zweiter Linie betrifft dies solche iterativ-kausativen Verben, die im aksl. keine Präsensstämme auf -ovǫ mehr zeigen, sondern eine nach dem Infinitiv -yti analogisch gebildete neue Form auf -yjo aufweisen: naviti ‚quälen‘ ⇐ *novo (nvjo), unyti ‚überdrüssig machen‘, Wurzelstamm *neuH-; taviti ‚stumpf machen‘ ⇐ *tovo (tvjo), tyti ‚fett werden‘, Wurzelstamm *teuH-. Vgl. auch °baviti °‚unterhalten‘ ⇐ *bovǫ, byti ‚sein, werden‘, Wurzelstamm *bʰeuh₂-116. ABKÜRZUNGEN adi. – Adjektiv aor. – Aorist awest. – Avestisch C – beliebiger Konsonant conjunct. – Konjunktiv czes. – Tschechisch demin. – Diminutiv 115 U Vaillanta (1966: 423–424) pozostawiony bez wyjaśnienia. 116 Vaillant (1966: 424) dodaje jeszcze scs. staviti ‘stawić; zatrzymać’, któremu przez porównanie stati przypisuje „un élargissement en -v- de la racine”. Hipoteza rozszerzenia pierwiastkowego nie ma oparcia w innych paralelnych wypadkach, jest więc ad hoc. Verbum to raczej denominatywem od sb. sta-vŭ ‘stanie, stan; zatrzymanie, wstrzymanie’ (por. denom. lit. stat-ýti ‘stawić’ od *stãtas, dziś stãčias ‘postawiony, stojący pionowo’). 86 WOJCIECH SMOCZYŃSKI denom. – Denominativum drw. – Derivat durat. – Durativum gr. – griechisch H – ein beliebiger Laryngal (im Unterschied zu h1, h2, h3) inf. – Infinitiv intens. – Intensivum lit. – litauisch lrg. – Laryngal łot. – lettisch neopwk. – jungstammsprachlich... pbałt. – protobaltisch pdg. akc. – Akzentparadigma pbsł. – protobaltoslawisch pers. – persisch pf. – Perfekt idg. – urindogermanisch poln. – polnisch postverb. – (nomen) postverbale prs. – Präsens prt. – Präteritum Anm. – Anmerkung ps. – urslawisch pwk. – Wurzel russ. – russisch rus. – ruthenisch sb. – Substantiv sch. – serbokroatisch scs. – altkirchenslawisch SE – Stufe e serb. – serbisch sln. – slowenisch SO – o-Stufe SP – Vollstufe st° – alt- stpr. – altpreußisch SW – Dehnstufe SZ – Schwundstufe (SZ-C – vorkonsonantisch, SZ-V – vokalisch) V – beliebiger Vokal vb. – verbum war. – Variante wed. – vedisch WSZ – gedehnte Schwundstufe zam. – anstelle von znacz. etym. – etymologische Bedeutung HIAT LARYNGALNY W JĘZYKACH BAŁTO-SŁOWIAŃSKICH | 87 BIBLIOGRAFIA Ambrazas, S. 2000: Daiktavardžių darybos raida II. Lietuvių kalbos vardažodiniai vediniai, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas. Bankowski, A. 2000: Etymologiczny słownik języka polskiego I-II, Warszawa: Wydawnictwo Naukowe PWN. Eichner, H. 1988: Anatolisch und Trilaryngalismus, in: Bammesberger, A., ed., Die Laryngaltheorie und die Rekonstruktion des indogermanischen Laut- und Formensystems, Heidelberg: Carl Winter, 123–151. Endzelin, J. 1922: Lettische Grammatik, Riga: Kommissionsverlag A. Gulbis. ESJS – Etymologický slovník jazyka staroslověnského, red. E. Havlová, (od zeszytu 7) A. Erhart, Praha: Academia, 1989–. Fraenkel, LEW = Fraenkel, E. Litauisches etymologisches Wörterbuch I-II, Heidelberg: Carl Winter, 1955–1965. Klingenschmitt, G. 1982: Das altarmenische Verb, Wiesbaden: Dr. Ludwig Reichert Verlag. LIV = Lexikon der indogermanischen Verben. Die Wurzeln und ihre Primärstammbildungen. Unter Leitung von Helmut Rix, unter der Mitarbeit vieler anderer bearbeitet von Martin Kümmel, Thomas Zehnder, Reiner Lipp, Brigitte Schirmer, Wiesbaden: Dr. Ludwig Reichert Verlag, 1998. LKŽ = Lietuvių kalbos žodynas I–XX, Vilnius, 1941–2002. Mayrhofer, EWAIa = Mayrhofer, M., Etymologisches Wörterbuch des Altindoarischen, Heidelberg: Carl Winter, 1986–2001. ME = Mühlenbachs, K., Latviešu valodas vārdnīca / Lettisch-Deutsches Wörterbuch. Redigiert, ergänzt und fortgesetzt von J[ānis] Endzelīns. Bde. I–IV, Riga, 1923–1932. Otrębski, J. 1965: Gramatyka języka litewskiego II: Nauka o budowie wyrazów, Warszawa: Państwowe Wydawnictwo Naukowe. Pokorny IEW = Pokorny, J. Indogermanisches etymologisches Wörterbuch, Bern: A. Francke AG, 1949–1969. Rasmussen, J. E. 1989: Studien zur Morphophonemik der indogermanischen Grundsprache, Innsbruck. (Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft, 55.) Skardžius, P. 1943: Lietuvių kalbos žodžių daryba. Vilnius: Lietuvių mokslų akademija, Lietuvių kalbos institutas. (Wznowione w reprodukcji fotograficznej jako t. I wydawnictwa Skardžius, P., Rinktiniai raštai, red. Albertas Rosinas, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 1996.) Sławski SEJP = Sławski, F., Słownik etymologiczny języka polskiego I–V. Kraków: Towarzystwo Miłośników Języka Polskiego, 1952–1975. Smoczyński, W. 1989: Studia bałto-słowiańskie I, Wrocław–Kraków: Zakład Narodowy imienia Ossolińskich. (Polska Akademia Nauk, Oddział w Krakowie, Prace Komisji Językoznawstwa, 57.) Smoczyński, W. 2001: Język litewski w perspektywie porównawczej, Kraków: Wydawnictwo Uniwersytetu Jagiellońskiego. (Baltica Varsoviensia, 3.) SStP = Słownik staropolski, red. Stanisław Urbańczyk, Kraków: Polska Akademia Nauk, 1953–. Stang, Ch. S. 1942: Das slavische und baltische Verbum. Oslo: I Kommisjon Hos Jacob Dybwad. Stang, Ch. S. 1966: Vergleichende Grammatik der Baltischen Sprachen, Oslo, Bergen, Tromsø: Universitetsforlaget. Trautmann, R. 1923: Baltisch-Slavisches Wörterbuch, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. Urbutis, V. 1981: Baltų etimologijos etiudai, Vilnius: Mokslas. Vaillant, A. 1966: Grammaire comparée des langues slaves III: Le verbe, Paris: Klincksieck. Zinkevicius, Z. 1980–1981: Lietuvių kalbos istorinė gramatika I–II, Vilnius: Mokslas. Wojciech Smoczyński Uniwersytet Jagielloński Katedra Językoznawstwa Ogólnego i Indoeuropejskiego al. Mickiewicza 9/11, 31–120 Kraków, Polska [email protected] Gauta 2002 11 29