Die statischen Lokalkasus bei Bretke und in anderen altlitauischen Texten des 16. und 17. Jhdt.
Full text
Acta Linguistica Lithuanica
LXI (2009), 41 – 59
Die statischen Lokalkasus bei Bretke und in anderen altlitauischen Texten des 16. und 17. Jhdt.*
GINA KAVALIŪNAITĖ
Lietuvių kalbos institutas
The article deals with the stative locatives in 16th and 17th century Lithuanian texts (Daukša, Chylinski, Bretkūnas). The distribution of the inessive and adessive is shown to be determined by the animacy hierarchy: nominals that are higher in animacy have only adessives, inanimates have only inessives. The complementary distribution of these two cases is revealingly shown by such non-homogeneous noun phrases as žmogup atgimditame (DP). Bretkūnas’ language seems to differ in this respect from that of his contemporaries: he is the only one to use inessive 1sg. pronouns like manyje (alongside the adessive manipi). He hesitates between forms musui and musip(i), jusui and jusip(i), savęie and savip(i), and corrections are frequent. Alongside the regular inessive jame, he has also jamije (on the analogy of tavyje, savyje?). It is suggested here that such inessives as manyje, Dievije (instead of Dievipi) etc. were created ad hoc by Bretkūnas, and that the living language had only adessives. This seems also to be the case with the 3rd person inessive jamije, used as an animate counterpart to jame.
1. DIE STATISCHEN LOKALKASUS IM ALTLITAUISCHEN: STAND DER FORSCHUNG
Der Frage der Verwendung der statischen Lokalkasus (Inessiv und Adessiv) im Litauischen sowie der angeblichen Verwechslung dieser Kasus ist in der Fachliteratur schon ziemlich viel Aufmerksamkeit gewidmet worden. In ers-
* Der vorliegende Aufsatz ist die erweiterte und verbesserte Fassung einer Arbeit, die in 2003. im internationalen Wettbewerb des Forums PRO BALTICA für die beste Untersuchung zu Bretkes Schaffen ausgezeichnet wurde. Da auf die ursprünglich vorgesehene Veröffentlichung der Wettbewerbsbeiträge offensichtlich verzichtet wurde, hat sich die Verfasserin für anderweitige Verwendung des Textes entschieden.
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ter Stelle ist hier Laigonaitės Aufsatz über die Verwendung der Lokalkasus in den litauischen Sprachinseln außerhalb Litauen zu erwähnen (1957:27). Als wichtigste Ursache der Verwechslung der beiden Kasus nennt sie die lautgesetzliche Kürzung der Postposition. Laigonaitė führt Beispiele nicht nur aus den Mundarten der Gegenwart, sondern auch aus den altlitauischen Schriften an (žmonėse bediewiūḟemp ir neystikimūḟemp DP 4452–53). In seinem Buch Lietuvių literatūrinė kalba XVI–XXVII amžiuje (1967: 120) schreibt Palionis, Adessiv und Inessiv seien von Anfang an sowohl hinsichtlich ihrer Bedeutung als auch ihrer syntaktischen Verwendung eng miteinander verknüpft gewesen, und führt solche Beispiele von Vermischung beider Kasus an wie: žmōgųp atgimdāmē DP 25535, kókfai ne wienamę žmōgųp ne bū DP 47718. Rosinas (1995: 65) führt aus den neulitauischen Mundarten Beispiele der synonymischen Verwendung von Inessiv und Adessiv an, wobei er auch Laigonaitės Beispiel aus Daukšas Postille wiederholt. Als mutmaßliche Ursache des Absterbens des Adessivs als selbständigen Kasus nennt auch er die lautgesetzliche Kürzung der Endung. In seinem neuesten Buch handelt Rosinas (2001: 140–143) ausführlich über die Neutralisierung des Gegensatzes zwischen Inessiv und Adessiv. Er bringt den Nachweis, dass die Neutralisierung zunächst in gewissen genau umschriebenen Kontexten vor sich gehen muss, und zwar mit statischen Verben wie būti, gyventi, rasti. Nur dort, wo ein Vorgang im menschlichen Bewusstsein beschrieben wird, habe der Adessiv nach Rosinas (2001: 142) seine charakteristische Bedeutung beibehalten; als Ursache der Neutralisierung der Opposition zwischen Inessiv und Adessiv wird wiederum der Zusammenfall von Inessiv- und Adessivformen infolge der Kürzung der Postposition genannt. Gelumbeckaitė führt aus Bretkes Bibel Beispiele für die Verwendung beider Lokalkasus sowie für den Ersatz des Inessivs durch den Adessiv an und äußert vorsichtig die Vermutung, die Ursache des Ersatzes des Inessivs durch den Adessiv bei Vorgänge im menschlichen Bewusstsein bezeichnenden Verben dürfte darin zu suchen sein, dass der Adessiv im Gegensatz zum Inessiv die Bedeutung eines Adessivus sympathethicus oder Adessivus possessivus annehmen könne (Gelumbeckaitė 1997: 189–190). Maskuliūnas (2000: 205–206) führt aus Daukšas Postill und Szyrwids Punktai sakimu nicht wenige Stellen an, wo sowohl Inessiv als auch Adessiv in derselben possessiven Bedeutung auftreten. Die erwähnten Forscher sind der Meinung, der Funktionsunterschied zwischen Inessiv und Adessiv sei im Sprachsystem selbst untergegangen.
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Anders äußert sich zu dieser Frage Range (1995: 99–101). Letzterer kommt aufgrund einer Untersuchung zur Verwendung des Inessivs und des Adessivs bei Bretke zum Schluss, die Ursache der Vertauschung dieser Kasus sei im Einfluss der Übersetzungsvorlagen zu suchen. Zusätzliche Beispiele für die Neutralisierung des Gegensatzes zwischen Inessiv und Adessiv führt er aus Moswids Schriften sowie aus Daukšas Postille an. In ihrer Doktorarbeit pflichtet Gelumbeckaitė (1999: 241) dem von Range geäußerten Gedanken bei, die deutsche Konstruktion mit bey dürfte zum Ersatz des Inessivs durch den Adessiv beigetragen haben. Nach den Forschungsergebnissen von Eglė Žilinskaitė (2007: 408–409) dürften zur Verwendung des Adessivs in Daukšas Postille die in der polnischen Vorlage auftretenden Konstruktionen u + Gen. und przed + Instr. beigetragen haben: Diese stehen bei den Übersetzungsvorlagen solcher Verba wie pulti, stotis usw. sowohl zur Bezeichnung der Ortsruhe in der Nähe eines Gegenstandes sowie für Angabe der Richtung nach einem Gegenstand hin. Solche Fälle, wo von einem und demselben Wort sowohl Inessiv wie auch Adessiv gebildet werden, sind ganz vereinzelt:
degs anóie úgnìie ant’ ámžiu be gâfo DP 607;
ßìldes’ úgnìp [Petras] DP 158;
pats Christùs perfónoie fawóie / krikßtìtu 357₃₆;
ne geyde pakàiaus perfônayp nórint didžiaufèip’ 42₁₂ (vgl. Žilinskaitė 2007: 419).
2. ZUM GEGENSEITIGEN VERHÄLTNIS DER STATISCHEN LOKALKASUS
Eine Untersuchung der Verwendung des Adessivs in Chylinskis Übersetzung des Neuen Testaments hat erwiesen, daß den Übersetzungsvorlagen für die Wahl des Lokalkasus keine Bedeutung beizumessen ist (Kavaliūnaitė 2001: 93–111). Für die Wahl des Adessivs bzw. Inessivs sind nicht die in der Vorlage verwendeten Präpositionen, sondern die kategorialen Merkmale der Nominalphrasen entscheidend. Die Verwendung des Adessivs ist mit der Belebtheit verknüpft, die Verwendung des Inessivs dagegen mit der Unbelebtheit. Die Belebtheit ist dabei nicht referentiell aufzufassen, sondern im Sinne der Silversteinschen Belebtheitshierarchie. Gewisse Wortklassen sind als solche für Belebtheit bzw. Unbelebtheit markiert. Erwartungsgemäß sind die Personalpronomina der 1. und 2. Person als belebt markiert, da sie sich
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im Normalfall immer auf Menschen beziehen. Aber auch die Pronomina der 3. Person stehen höher als die Substantive, unter den letzteren aber stehen die Eigennamen höher als die Gattungsnamen usw. Wenn eine grammatische Regel, z. B. eine Regel der Kasusmarkierung, für die Belebtheit sensitiv ist, so werden zu ihrem Wirkungsbereich vor allem diejenigen Kategorien gehören, die in der Belebtheitshierarchie höher eingestuft werden. Eine schematische Darstellung der Silversteinschen Belebtheitshierarchie zitieren wir hier nach Anderson (1985: 183):
Schema 1. Die Silversteinsche Belebtheitshierarchie
Die Verwendung des Adessivs bei Chylinskis spiegelt ziemlich genau diese Belebtheitshierarchie wieder. Am häufigsten sind die Adessive der Personalpronomina der 1. und 2. Person sowie des Reflexivpronomens (206x). Es folgen die Eigennamen (177x), die Demonstrativa, die Personalpronomina der 3. Person und die Relativpronomina (113x). Am seltensten sind die Adessive von personalen Gattungsnamen (8x) sowie von Adjektiven (3x). Von nichtpersonalen Animata sowie von Inanimata werden keine Adessive gebildet. Dabei ist zu beachten, daß die auf den christlichen Gott und seine Personen bezogenen Wörter dievas, tévas und sūnus hier den Eigennamen zugeordnet wurden, was in Hinsicht auf die Eigenart des Textes wohl verantwortet sein dürfte.
Die Unabhängigkeit der Kasuswahl von der in der Vorlage verwendeten Präposition illustrieren etwa folgende Beispiele:
Diewiep nes wifi dayktey ira padabni ChNT (want alle dingen zijn mogelick by Godt StB) Mk 10,27;
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ó (tas) ʒodis buwo Diewiep ChNT (ende het Woort was by Godt StB) Jn 1,1;
Jr dwalia mano linxminas diewiep Jzganitojep mano ChNT (Ende mijnen geeft verheught hem in Godt / mijnen Salighmaker StB) Lk 1,47;
Teyp (ira fu to) kurley [...] nebagotas eft Diewiep ChNT (Alloo [is ’t met dien,] die [...] niet rijck en is in Gode StB) Lk 12,21.
Sowohl in Godt als auch by Godt wird mit dem Adessiv wiedergegeben, offenbar deshalb, weil es einen vergleichbaren Gegensatz in Chylinskis’ Sprachsystem nicht gab. Hätte es für Animata einen Inessiv gegeben, so hätte es auf der Hand gelegen, diesen Kasus als Gegenstück der niederländischen Präposition in zu verwenden, weil eine Entsprechung “niederl. in = lit. Inessiv” bei den Inanimata vorliegt. Man findet sie etwa an folgender Stelle:
Balfas girdetas ira Ramoy ChNT (Een ftemme is in Rama gehoort StB) Mt 2,18.
Daß der Gegensatz zwischen ndl. in und by in Chylinskis’ Sprachsystem prinzipiell wiedergegeben werden kann, ist bei den Inanimata leicht festzustellen. Zwar wird er nicht durch einen entsprechenden Gegensatz “Inessiv : Adessiv” wiedergegeben, sondern by wird im Fall der Inanimata mit Präpositionen, meistens mit pas, übersetzt:
Petras [...] ßyldies pas ugni ChNT (Ende Petrus [...] was [...] hem warmende by het vyer StB) Mk 14,54.
Bevor wir zu einer Besprechung der Eigentümlichkeiten der Verwendung des Adessivs bei Bretke1 übergehen, sollen zunächst die wichtigsten Verwendungsweisen des Adessivs bei Bretke und anderen Autoren (Chylinskis, Daukša) kurz dargestellt werden. Der Adessiv bezeichnet:
1) die Lokalisierung im geistlichen Raum des Menschen, oft aufgefaßt als Bereich des göttlichen Wirkens:
faugok per dwalia ßwetą kuriy giwena mufjmp ChNT (bewaert [...] door den Heyligen Geeft / die in ons woont StB) 2 Tim 1,14;
1 Wilent verwendet den Inessiv im ganzen ähnlich wie Bretke, sein Sprachgebrauch bleibt aber in diesem Aufsatz unberücksichtigt.
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Szirdi ne išągtą teikis manīp padarit’ mielaulias Wießpatie DP 53411 (Serce czyłte ráćį we mnie įprawić miły Páńie Wuj 58047–48); Didefnis <tikejimas> búvo taip’ ligōnįp žmōnaip DP 36914 (Wietßa <wiara> býłá v tey chorey niewiáłty Wuj 38131); Ne tarket / mes ławipi dumofim / mes Abrahama turim Tiewu BP II 24015²; Nefa iei Sodomoia thie Darbai butų nufsidawę, kurie tawip nufsidawę BNT (Denn fo ӡu Sodoma die Thatten geschehen weren, die bey dir geschehen sind LB; Quia si in Sodomis factae fuissent virtutes quae factae sunt in te V) Mt 11,23.
2) den Gegenstand oder Bereich der menschlichen Gedanken bzw. Emotionen:
Turekit wiera Diewiep ChNT (Hebt geloove op Godt StB) Mk 11,22; ir pradźiaugos dwasiá maná / Diewiép įžganitoiįp manámp DP 47112–13 (A wrádował fię duch moy / w Bodze zbáwicielu moim Wuj 5028); Bei fchitaip apturetu amßina poniep Diewip giwenima ir ifchganima BP I 26818; nefanga Diewiep pigus ira kiekwienas ßadis BNT (Denn bey Gott ift kein ding vnmoeglich LB; quia non erit impossibile apud Deum omne verbum V) Lk 1,37.
3) die Lokalisierung in der Nähe oder Umgebung einer Person:
Kurſey buvo Storaſteyp Serguſiep Powilep žmogump įßmintingamp ChNT (Welche was by den Stadthouder Sergius Paulus / eenen verstandigen man StB) Apd 13,7; taӡiau rádo tatái húkiie ſawamé ir ſunų ſawąmp DP 35529 (prӡedfié naydował to w domu ſwoim / y w ſynie ſwoim Wuj 36717–18); Ne gerai darai jog brolio moteri ſawip laikai BP I 296; nes radai malane Diewip BNT (du haft gnade bey Gott funden LB; invenisti enim gratiam apud Deum V) Lk 1,30.
4) die Lokalisierung zwischen mehreren Gegenständen, unter einer Gruppe von Personen:
2 Beim Sammeln des Materials wurde die im Institut der Litauischen Sprache zu Vilnius elektronisch angefertigte Konkordanz zu Bretkes Postille benutzt.
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Tey kalbejau jumus, budamas juſimp ChNT (Dēle dingen hebbe ick tot u gesproken / by u blijvende StB) Jn 14,25; ne turėjo iūſemp vietos DP 412 (nie miał v nich mieśćá Wuj 4031); Ir IEſus daukinofe ifchmintije / fenatweie ir maloneie Diewiep ir Szmonijamp BP I 16211; jei takie darbai Tyroia ir Sidonoia būtų nufsidawę, kaip iuſip nufsidawę BNT (weren solche Thatten zu Tyro vnd zu Sidon geschehen, als bey euch geschehen find LB; quia si in Tyro et Sidone factae essent virtutes quae factae sunt in vobis V) Mt 11,21.
5) die Lokalisierung im Inneren eines Gegenstandes:
uzfodyno Winniczią [...] ir ikafe jeyp profa-wina ⇒ ſpauftuwa ChNT (wijngaert planted[e] [...] ende groeſ eenen wijnperſback daer in StB) Mt 21,33; Ir prānaſiep. Biſo Wielſpatis iźgēlbeſſiu iūs Wielſpatiē Dievē ių DP 257 (Y v Proroká; Mowi Pan /żbawię ich w Panu Bogu ich Wuj 26528).
Diese Bedeutung scheint weder in der BP noch im BNT belegt zu sein.
6) die Lokalisierung in der Nähe eines Gegenstandes. Bei Chylinski ist der Adessiv in dieser Bedeutung nicht belegt. Einige Beispiele liegen aber in DP und BP vor:
palikig afierą ſawą attōriųp DP 2969 (ofiáruiß dar twoy do ottaržá Wuj 30422); nekורios moteriſchkes muſiſchkiu / kuros ankſti buwa Grabiepi BP II 1716.
Nach Angabe von Eglė Žilinskaitė (2007:408) machen solche Adessive 6,43% sämtlicher Belege des Adessivs aus. Nach Angabe von Gelumbeckaitė (1997: 191–192) ist diese Verwendungsweise des Adessivs auch im BNT nicht belegt.
Der Inessiv drückt im ChNT die Lokalisierung in Bezug auf einen unbelebten Gegenstand aus. Inessive von Animata zum Ausdruck eines Vorgangs im Bewußtsein des Menschen sind nicht belegt. Wird der Inessiv von Animata gebildet, so handelt es sich um Pluralformen, und die Bedeutung ist die einer Lokalisierung in der Mitte einer Gruppe von Menschen. Es handelt
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sich hier um eine Bedeutung, die an sich nicht mit der Belebtheit verknüpft ist. Im Plural werden Adessive nur von denjenigen Wortarten regelmäßig gebildet, die in der Belebtheitshierarchie am höchsten eingestuft werden, d.h., von den Pronomina der 1. und 2. Person; sonst werden meistens Inessive verwendet. Man vergleiche etwa:
Wiens Diewas ir Tewas wilu, kurley ira and wilo ir per wis, ir juſjmp wiſoje ChNT (Een Godt ende Vader van alle / die daer is boven alle/ ēn door alle / ende in u alle StB) Ef 4,6.
Man findet in diesem Beispiel einen Adessiv neben einem Inessiv innerhalb derselben Nominalgruppe. Einen Unterschied in Kasusbedeutung gibt es zwischen ihnen offensichtlich nicht, es gibt nur einen hinsichtlich der Markierung für die Belebtheit.
Auch bei Daukša und in Bretkes Postille ist die Verwendung des Adessivs mit der Belebtheit verknüpft. Adessive von Inanimata sind äußerst selten, z.B., attoriųp DP 2969, und grabiepi BP II 1716. Rosinas schreibt dazu: „sakiniuose su veiksmažodžiais būti, gyventi ir kitais vartojamas tik participinių įvardžių ir refleksyvinio įvardžio adesyvas, o gimininių įvardžių ir vardažodžių, be adesyvo, dažnai vartojamas ir inesyvas“ (2001: 141).
Des weiteren weist Rosinas darauf hin, daß „asmeninių participinių ir refleksyvinio įvardžio (also eben derjenigen, die in der Belebtheitshierarchie am höchsten eingestuft werden — G. K.) posistemis Daukšos tekstuose neturi inesyvo; jo vietoje vartojamas adesyvas, kuriuo dažniausiai reiškiama vidinė būsena“ (2001: 140). Dies stimmt genau zu dem, was für das Sprachsystem Chylinskis festgestellt wurde. Nach Ausweis von Rosinas sind Inessive der Personalpronomina der 1. und 2. Person nicht nur bei Daukša, sondern auch in Pietkiewicz’ Katechismus sowie bei Szyrwid nicht belegt (Rosinas 1995: 17–20; 2001: 140). Nur bei Bretke und Wilent sind solche Inessive anzutreffen. Diese bemerkenswerte Eigentümlichkeit der Sprache dieser Schriftsteller soll demnach eigens untersucht werden.
3. DIE INESSIVE INANIMATER NOMINA BEI BRETKE
Zunächst ist festzustellen, daß es auch bei Bretke eine Verknüpfung des Adessivs mit der Belebtheit gibt. Für die Kategorien, die in der Belebtheitshierarchie am höchsten eingestuft werden, und zwar die Pronomina der 1.
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und 2. Person und das Reflexivpronomen, verwendet Bretke regelmäßig den Adessiv:
Nefa iei Sodomoia thie Darbai butu nuſsidawę, kurie tawip nuſsidawę BNT (Denn so zu Sodoma die thatten geschehen weren, die bey dyr geschehen sind LB; Quia si in Sodomis factae fuissent virtutes quae factae sunt in te V) Mt 11,23; Ir netur ßaknų ſawimp BNT (vnd haben keine wurtzel in jhen LB; et non habent radicem in se) Mk 4,17; Dwafe Wieſchpaties ira manip BP II 47₂₆; Ir IEſus daukſinoli iſchmintije / ſenatweie ir maloneie Diewiep ir S₃moniſamp BP I 162₁₁.
Die Verteilung von Adessiv und Inessiv tritt in den folgenden Beispielen klar hervor. In allen Fällen handelt es sich um die Heilige Schrift oder deren Teile, dort aber, wo ein Buch mit dem Namen des Verfassers bezeichnet wird, steht der Adessiv, sonst wird der Inessiv verwendet:
Schwentamip Ianip trecziame puguldime BP I 420₂₀; Ponas IEſus Kriſtus wadinna Pharifeuſchus Raſſabin̄ikais / Schwentamip Ianip deſchim tame paguldime BP II 61₂; neſa ghi Schwentame raſchte liudima dūſt BP II 88₂₋₃; tada Ponas Diewas Schwentame ßodie / koſnam pamokſla dūſt BP II 279₁₄.
Da sich die Verteilung von Adessiv und Inessiv nach den kategorialen Eigenschaften des Nomens richtet, so dass gewisse Nomina im Normalfall nur einen Adessiv, andere dagegen nur einen Inessiv bilden, stehen die beiden in einem Verhältnis der komplementären Distribution. Sie sind demnach nicht als völlig selbständige Kasus, sondern nur als Varianten eines und desselben Lokalkasus zu betrachten (vgl. Smoczyński 2001: 215).
Die Personalpronomina werden aber bei Bretke anders behandelt als bei Daukša und Chylinski. Wir finden hier Inessive der Personalpronomina der 1. und 2. Person sowie von Personenbezeichnungen zum Ausdruck eines Vorgangs im menschlichen Bewußtsein oder im inneren Wesen des Menschen.
paſinfite, kaip eſch mano Tiewieie → Tiew + pi eſmi, ir jus manyie → manipi ir eſch iuſuie → iuſuie/iuſuia → iuſpi BNT (werdet jr erkennen, das ich in meinem Vater bin, vnd jr in mir, vnd ich in
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euch LB; cognoscetis quia ego sum in Patre meo et vos in me et ego in vobis V) Jn 14,20;
ir ſunus tawa kuris → kurie taweie ira BNT (et filios qui in te sunt V; vnd deine Kinder mit dir LB Lk 19,43) Lk 19,44;
Satanas [...] ſaweie pats ne ſudera BNT (Satan [...] iſt mit jm ſelbs vneins LB; Satanas consurrexit in semetipsum V) Mk 3,26;
Er ne dege ſchirdis muſu muſui BNT (nonne cor nostrum ardens erat in nobis V; Brandte nicht vnſer hertze in vns LB) Lk 24,32;
Pharifeuſchas ſtowedams / teipo pats ſawije meldefi BP II 353₃; tada permanik ir ßinnok ſchitai ſchtiefos Schwenta Dwaſe tawije darancze BP II 125₂₀.
Dabei soll aber beachtet werden, daß solche Inessive von Bretke selbst nicht selten zu Adessiven korrigiert worden sind:
kaip anis taipo ſawÿa dumoio → anus taipo ſawipi dumoiencзius BNT (das ſie alſo gedachten bey ſich ſelbs LB; quia sic cogitarent intra se V) Mk 2,8;
dumaia ſawei → ſawip BNT (et cogitabat intra se V; vnd er gedachte bey jm ſelbs LB) Lk 12,17;
bilaia ſawÿe → ſawÿp BNT (autem dixit intra se V; dachte er bey ſich ſelbs LB) Lk 18,4.
Solche Stellen, wo ein Inessiv durch einen Adessiv ersetzt wird, zeugen von Bretkes Unsicherheit in Bezug auf die Angemessenheit des Inessivs in solchen Kontexten. Range (1995: 99–101) erklärt solche Schwankungen durch Einfluss der Vorlage. Tatsächlich ist es überaus möglich, dass die deutsche Konstruktion mit in und dem Dativ die Voraussetzung für ein solches Auftreten des Inessivs schaffen konnten, obgleich die Verwendung ähnlicher Konstruktionen der Vorlagen auf die Wahl der Lokalkasus bei Chylinskis keinen bemerkbaren Einfluss ausgeübt haben. Ähnlicherweise dürfte die deutsche Konstruktion mit bey Bretke wenigstens in einzelnen Fällen dazu veranlasst haben, einen Inessiv durch einen Adessiv zu ersetzen (BNT Lk 12,17; Lk 18,4 etc.).
Trotzdem kann der Einfluss der Vorlagen nicht den einzigen Grund für solche Änderungen gebildet haben. Im BNT gibt es mehrere Beispiele dafür, daß ein Inessiv durch einen Adessiv ersetzt wird, ohne dass die Vorlage die Verwendung eines Adessivs gefördert haben könnte:
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išhwielumas kuris tawýe → tawipi ira BNT (lumen quod in te est V; das licht in dir [...] fey LB) Lk 11,35; paßinfite, kaip efch mano Tiewieie → Tiew+pi efmi, ir jus manye → manipi ir efch iufuje → iufuje/iufuią → iufpi BNT (werdet jr erkennen, das ich in meinem Vater bin, vnd jr in mir, vnd ich in euch LB; cognoscetis quia ego sum in Patre meo et vos in me et ego in vobis V) Jn 14,20.
Sowohl Luther als auch die Vulgata haben an diesen Stellen Konstruktionen mit in. Für die Korrekturen kann also in diesen Fällen kein anderer Grund vorgelegen haben, als das Sprachgefühl des Übersetzers. Denselben Eindruck gewinnt man bei näherer Betrachtung der Stellen, wo wenigstens im deutschen Text andere Präpositionen als in stehen:
tu daiktų, kurie muſui → muſip nufsid awe BNT (quae in nobis conpletae sunt rerum V; von den Geschichten, so vnter vns ergangen sind LB) Lk 1,1;
maZnibes kurias iufui → iufip daritas ira BNT (virtutes quae in vobis factae sunt V; Thaten, [...] die bey euch geschehen find LB) Lk 10,13;
kalbeiau iumus iufump → iufipi budams BNT (haec locutus sum vobis apud vos manens V; Solchs hab ich zu euch geredt, weil ich bey euch gewesen bin LB) Jn14,25.
Im deutschen Text steht in einigen Fällen bey, es gibt aber auch andere Entsprechungen. Der Grund für die Korrektur muſui → muſip muß ein anderer gewesen sein; von den Ursachen wird unten noch die Rede sein.
Des weiteren ist folgendes zu beachten. Um glaubhaft zu machen, dass der Grund für das Ersetzen des Inessivs durch den Adessiv im Einfluss der deutschen Vorlage zu suchen ist, müsste man nachweisen, dass es in Bretkes Übersetzung überhaupt eine regelmäßige Entsprechung zwischen dem litauischen Adessiv und der deutschen Präposition bey gibt. In diesem Fall würde man eine solche Äquivalenz auch bei den Inanimata erwarten. Indes stellen wir fest, dass den Verbindungen der Präposition bey mit Inanimata bei Bretke keine Adessive, sondern Präpositionalgefüge entsprechen:
vnd wermete lich bey dem liecht LB (ir ſchildies a pas ſwākę BNT; et calefaciebat se ad ignem V) Mk 14,54;
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ſtund aber bey dem creutze LB (ſtoweio prieg Krijsaus BNT; Stabant autem iuxta crucem V) Jn 19,25;
teuffet noch zu Enon, nahe bey Salim LB (krikſchtya Enone, arti Salim → Salem BNT; baptizans in Aenon iuxta Salim V) Jn 3,23;
bey dem puſch LB (pas erſchkieczius → kruma → pas krumus BNT) Lk 20,37;
nahe bey der wuſte LB (arti puſchchczos BNT; iuxta desertum) Jn 11,54.
Übrigens ist zu bemerken, daß sogar Verbindungen von bey mit Animata nicht immer mit Adessiven wiedergegeben werden. Hier folgt ein Beispiel mit einem nichtpersonalen Animatum:
vnd war bey den Thieren LB (buwo su Sverimis BNT; Eratque cum bestiis V) Mk 1,13.
Oft ließ Bretke sich offenbar von seinem Sprachgefühl leiten und manchmal muß er bei sich überlegt haben, welche Form im gegebenen Fall die richtigere sein würde. Andererseits war er offenbar bemüht, gewisse Unterscheidungen der Vorlagen im Bereich der Verwendung der Präpositionen wiederzugeben, da sie für ein richtiges Verständnis der betreffenden Textstellen wichtig waren. So konnte etwa der Unterschied zwischen in Gott (in Deo) und bey Gott (apud Deum) Bretke kaum wie eine rein syntaktisch oder stilistisch bedingte Erscheinung ohne theologische Implikationen vorkommen. Da solche Wendungen im Text ziemlich oft auftreten, fühlte er sich außerdem veranlasst, hier möglichst folgerichtig vorzugehen und dort, wo im lateinischen oder deutschen Text in stand, überall dieselbe Form, und zwar den Inessiv, zu verwenden. Im Fall eines Animatums wie tėvas lag in der lebendigen Volkssprache wohl nur der Adessiv tėviep vor, dessen normale Bedeutung “bei dem Vater” (“im Hause des Vaters”) war. Die Bedeutung “im Vater” war der Volkssprache wohl fremd, da solche metaphorische Verwendungsweisen eigentlich nur in religiösen Kontexten erscheinen konnten. Zur Wiedergabe der Wendung in Patre, in dem Vater konnte er entweder einen in der Volkssprache nicht vorhandenen Inessiv bilden, oder aber den tatsächlich vorliegenden Adessiv verwenden, wobei aber die Möglichkeit der Differenzierung zwischen “in dem Vater” und “bei dem Vater” aufgegeben werden musste.
Einen vergleichbaren Grund für die Verwendung des Adessivs statt des
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Inessivs unter dem Einfluss der (deutschen) Vorlage kann es kaum gegeben haben. Erstens scheint es, wie oben dargelegt, keine regelrechte Entsprechung zwischen dem Adessiv und irgendeiner deutschen Präposition gegeben zu haben. Zweitens ist die Substituierung des Adessivs für einen Inessiv bei den Animata eigentlich Substituierung einer im litauischen Sprachsystem begründeten Form für eine unter fremdem Einfluss eingeführte Form.
Wie oben dargelegt, werden die Pronomina der 3. Person in der Belebtheitshierarchie etwas niedriger eingestuft als diejenigen der 1. und 2. Person. Das hängt damit zusammen, daß sie sowohl auf Belebtes als auch auf Unbelebtes bezogen werden können. Trotzdem stehen die Pronomina in ihrer Gesamtheit in der Belebtheitshierarchie höher als die Nomina. Diese ziemlich hohe Einstufung der Pronomina der 3. Person führt gelegentlich dazu, daß ihre Adessive auf Unbelebtes bezogen werden. Das grammatische Merkmal der Belebtheit richtet sich nämlich nicht nach der Referenz, sondern nach der allgemeinen Einstufung einer Kategorie in der Belebtheitshierarchie. Besonders klar tritt dies bei Chylinskis hervor, der an mehreren Stellen die maskuline Form jampi in Bezug auf unbelebtes verwendet:
Ir → O kad kokian Mieſtan aba kieman ateyſite → ieyſit, Kłauſkites kas tęn → jampi ira wertas → wertu ChNT (Ende in wat fſadt ofte vlecke ghy fult inkomen / onderloeckt wie daer in weerdigh is StB) Mt 10,11.
Für Bretke scheint diese erweiterte Verwendung des Adessivs der Pronomina der 3. Person nicht charakteristisch zu sein. Gut belegt ist dagegen die Verwendung des Adessivs für Belebtes:
nóg ſcho Kriſtaus niekur neatſtokem / net iampi ſtipra wiera ikki ſmerties ſawa ifſilaikikem BP I 12413; Tu eſſi Sunus Diewo giwoio. Iampi giwena pilnjbe Deiwiftes kunifchkai BP II 886.
Für Unbelebtes scheint Bretke dagegen nur den Inessiv verwendet zu haben:
kaip ner newieno iawo / kurſlai teip nūdem cźiltai uſſauktu / kaip iame nebutu kukaliu BP I 21121.
Einen Vergleich zwischen Bretke und Chylinskis erschwert übrigens die Tatsache, daß Bretke oft das Adverb tę verwendet, wo bei Chylinskis ein Lokalkasus des Personalpronomens in Bezug auf unbelebtes vorliegt (so Mt 10, 11, Mt 21, 33 usw.).
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Dort, wo es sich um Belebtes handelt, ist bei Bretke eine merkwürdige Schwankung zu beobachten. An mehreren Stellen finden wir einen Inessiv, der nachher von Bretke selbst zu einem Adessiv verbessert worden ist:
ne wienas bilas ſmerczia ne randu iame → elch newienas prziafties ſmerczio ne randu iampi BNT (nullam causam mortis invenio in eo V; Ich finde keine vſach des todes an jm LB) Lk 23,22; Kurſai walga mana Kuną ir gieria mana Kraughį, paſsiliektis manyè → manipi, ir elch iame → iamimp BNT (Qui manducat meam carnem et bibit meum sanguinem in me manet et ego in illo V; Wer mein Fleiſch iſſet, vnd trincket mein Blut, der bleibt in mir, vnd ich in jm LB) Jn 6,56.
Dabei ist auch noch die merkwürdige Tatsache zu beachten, daß der Inessiv für Belebtes zwei verschiedene Formen aufweist: iame und iamije. Die erstere scheint sich auf Unbelebtes, die letztere auf Belebtes zu beziehen. Mit der oben angeführten Stelle BP I 21121 vergleiche man:
Nu eſti ſunus zmogaus perſchwiefſtas / ir Diewas iamije ira perſchwiefſtas BP I 36315; lei Diewas apſchwiefſtas eſt iama, tada Diewas ghi teipaieg perſchwieceg iama pacziama BNT (Iſt Gott verkleret in jm, ſo wird in Gott auch verkleren in jm ſelbs LB; si Deus clarificatus est in eo et Deus clarificabit eum in semet ipso V) Jn 13,32.
Allerdings bezieht sich iame in Lk 23,22 auf Jesus, aber es ist wohl kein bloßer Zufall, dass Bretke eben diese Form gestrichen und durch den Adessiv iampi ersetzt hat. Zwar ist auch die Form iamije gelegentlich gestrichen und durch einen Adessiv ersetzt worden:
ne tiefos nera iama → iamp BNT (vnd iſt keine vngerechtigkeit an jm LB; et iniustitia in illo non est V) Jn 7,18.
Die Form iamije steht an verschiedenen Stellen, und kann somit kein bloßer Schreibfehler sein. Bei anderen altlit. Autoren scheint diese Form nicht belegt zu sein. Rosinas (1995) erwähnt sie nicht. Es fragt sich, ob es sich hier nicht um eine Neubildung Bretkes handelt. Man darf wohl mutmaßen, dass das Personalpronomen der 3. Person Mask. in Bretkes Sprachsystem (wie in Chylinskis Sprachsystem) keinen Inessiv für Belebtes hatte.
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Die statischen Lokalkasus bei Bretke und in anderen altlitauischen Texten
Da Bretke bemüht war, die in den Vorlagensprachen (Lateinisch, Deutsch) verwendete Präposition in wiederzugeben, tat er dies mittels des Inessivs, wobei er die fehlenden Formen aufgrund produktiver Modelle ergänzte. Iamije dürfte etwa maneie, tawie, ſaweie nachgebildet sein. Auch in Bezug auf diese Form ist einige Unsicherheit zu beobachten, denn oft ist der Inessiv zu einem Adessiv korrigiert. Vielleicht wurde iame von Bretke als eine für die Unbelebtheit markierte Form empfunden. Dies könnte den Grund dafür gebildet haben, dass er sie entweder durch den Adessiv ersetzte, oder nach dem Vorbild von maneie, tawie eine animate Nebenform bildete. Auch die letztere aber scheint ihn nicht völlig befriedigt zu haben, denn auch sie wird mitunter zu einem Adessiv verbessert.
Neben der rätselhaften Form iamije, die in der Literatur unbeachtet geblieben ist, sind noch weitere Inessivformen zu erwähnen, die bei Bretke belegt sind, den übrigen altlitauischen Autoren aber unbekannt sind. Es handelt sich um die Form der 2. Person Pl. muſui(e), iuſui(e) (zu diesen Formen vgl. Rosinas 1971: 147–152):
Er neſinnat […] iog dwafe Diewo iuſuie giwen BP II 37018; Er neſinot / iog kunas iuſu Baßnicze eſti Dwafīos iuſuie giwenanc̄ios BP II 37022.
Auch hier ist es denkbar, daß wir es mit künstlich von Bretke gebildeten Formen zu tun haben, denn bei anderen Autoren sind nur die Adessive belegt. Die Formen muſui(e), iuſui(e) scheinen Bretke ebenfalls nicht befriedigt zu haben, denn er hat sie an verschiedenen Stellen durch Adessive ersetzt:
tų daiktų, kurie muſui → muſip nulsidawe BNT (ordinare narrationem quae in nobis completae sunt rerum V; von den Geſchichten, ſo vnter vns ergangen sind LB) Lk 1,1; magnbes kurias iuſui → iuſip daritas ira BNT (factae fuissent virtutes quae in vobis factae sunt V; Thaten, […] die bey euch geschehen sind LB) Lk 10,13.
4. SCHLUSSFOLGERUNGEN
Hinsichtlich der Verwendung der statischen Lokalkasus (Inessiv und Adessiv) gibt es keinen prinzipiellen Unterschied zwischen der Sprache Bretkes und derjenigen der übrigen altlitauischen Autoren. Die Verteilung dieser
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Kasus wird nicht durch die Kasussemantik, sondern durch die kategorialen Merkmale der Nominalgruppen geregelt, wobei die Verwendung des Adessivs eine hohe Einstufung in der Belebtheitshierarchie widerspiegelt. Anders als die übrigen altlitauischen Verfasser verwendet Bretke Inessive der Personalpronomina der 1. und 2. Person sowie des Reflexivpronomens; zum Teil liegen diese Formen sonst nirgendwo vor. Auch verwendet er für Animata sonst nicht belegte Formen der 3. Person Sg. Mask. (iamije neben iame). Vermutlich handelt es sich hier um Nachahmung der in den Vorlagen verwendeten Konstruktionen mit lat. und deutsch in. Die zahlreichen Fälle, wo diese Inessive zu Adessiven verbessert worden sind, weisen aber auf Bretkes Unsicherheit in Bezug auf die Richtigkeit dieser Formen hin. In seinem Sprachsystem lagen wahrscheinlich nur die Adessive vor. Bretkes Sprachsystem unterschied sich hier wahrscheinlich nicht von demjenigen anderer altlitauischer Autoren wie Chylinski, Daukša u. a., und die Eigentümlichkeiten der Verwendung des Inessivs in seinen Texten spiegeln vor allem die Eigenart seiner Übersetzungstechnik, nicht seiner Sprache wider.
BESONDERE ZEICHEN
→ Korrektur in der Hs.
⇒ über der Zeile hinzugefügtes Synonym
„…“ Anfang bzw. Ende einer Korrektur in der Hs.
<…> Emendation der Hrsg. (Kudzinowski u. Otrębski 1958)
[ … ] Tilgung in der Hs.
[…] ausgelassene Textstelle
[TOT] in der Statenbijbel erklärend hinzugefügtes Wort
+ rankraštyje neįskaitoma raidė
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Die statischen Lokalkasus bei Bretke und in anderen altlitauischen Texten
QUELLENVERZEICHNIS
BNT — NAVIAS TESTAMENTAS. Ing Lietuwifchką Liefźuwi perraftchitas. per Ianą Bretkuną Labguwos Plebona. 1580. Zitiert nach: NAVIAS TESTAMENTAS. Ing Lietuwifchką Liefźuwi perraftchitas. per Iana Bretkuną Labguwos Plebona. 1580. DAS NEUE TESTAMENT in die litauische Sprache übersetzt von Johann Bretke, Pastor zu Labiau 1580: Faksimile der Handschrift, Band 7 und 8, Labiau i. Pr. 1580. Hrsg. von J.D.Range und Fr. Scholz. 1991. Paderborn – München – Wien – Zürich.
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LB — D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe (Weimarer Ausgabe). Die Deutsche Bibel, 6. Band. 1968: Hermann Böhlauſ Nachfolger – Weimar Akademische Druck- u. Verlagsanstalt – Graz.
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V — Die Vulgata, zitiert nach: Roger Gryson, ed., 1994: Biblia Sacra Vulgata. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft.
WuJ — Poſtilla Catholicka Mnieyſza. To ieſt: Krotkie Kaźánia / álbo wykłady wietých Ewngieliy [...] Przeź D. IAKVBA WVYKA 3 Węgrowcá / Theologá Societatis IESV. [...] W KRAKOWIE W Drukárniey Andrzeía Piotrkowcźyká / Roku Páńſkiego 1590.
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