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Konstantino Sirvydo „Punktų sakymų“ spaudmenys ir rašyba

Virginija Vasiliauskienė

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VIRGINIJA VASILIAUSKIENĖ Institut für litauische Sprache Forschungsschwerpunkte: historische Syntax, syntaktische Typologie, Sprache älterer Schriften, Orthografie. KONSTANTINAS SIRVYDAS’ DRUCKTYPEN UND ORTHOGRAFIE IN PUNKTŲ SAKYMAI Drucktypen und Orthografie in Konstantinas Sirvydas’ Predigtbuch Gospel Points ZUSAMMENFASSUNG Der Artikel behandelt die Drucktypen und die wichtigsten orthografischen Merkmale von Konstantinas Sirvydas’ Punktų sakymai (SP). Die Orthografie von SP wurde am stärksten von der lateinischen und der polnischen Sprache beeinflusst. Die Orthografie und die Drucktypen des ersten (1629) und des zweiten Teils (1644) von Punktų sakymai unterscheiden sich häufig. Einige Drucktypen und Schreibweisen kommen in beiden Teilen nur vereinzelt vor. Die Vielfalt der in SP verwendeten diakritischen Drucktypen ist größer als in Mikalojus Daukšas Postille und Jonas Jaknavičius’ Ewangelie Polskie y Litewskie. Die meisten Diakritika sind in SP sehr selten, ein Teil von ihnen wird jedoch recht konsequent verwendet. Diakritika kennzeichneten mitunter die betonte Silbe oder dienten zur Unterscheidung von Homoformen und Homografen. Die Variation bei der Kennzeichnung von Frikativen und Affrikaten könnte sowohl technische Gründe gehabt haben als auch Veränderungen in der Sprache der Einwohner von Vilnius widerspiegeln. Nach dem Vorbild des Lateinischen wurden Wörter abgekürzt und Auslassungen gekennzeichnet. Anders als im gotischen Haupttext von SP wurden für die Großbuchstaben des Antiqua-Kursivsatzes drei verschiedene Drucktypen zur Wiedergabe von <I> und <J> verwendet. <ł> wird konsequent verwendet. Langvokale wurden grafisch nicht gekennzeichnet (<y> und <ū> erfüllten andere Funktionen). In vielen Fällen variierte die Kennzeichnung von [e] und [ai] nach einem palatalisierten Konsonanten, die Wiedergabe assimilierter Konsonanten sowie die Schreibung des Präfixes iš- (die Präposition wird stets iš geschrieben). Die Getrennt- und Zusammenschreibung von Wörtern wurde durch Prosodie, das Vorbild anderer Sprachen, technische Besonderheiten des Drucks und die sprachliche Kompetenz der Herausgeber beeinflusst. Wortverbindungen werden häufig zusammengeschrieben. Die Getrennt- und Zusammenschreibung von Ne hing auch von der Verbform ab. Die Großschreibung folgt der lateinischen und polnischen Tradition sowie der zitierten Quelle. SCHLÜSSELWÖRTER: Sirvydas, Drucktypen, Diakritika, Orthografie, Einfluss der lateinischen Sprache. SCHLÜSSELWÖRTER: Sirvydas, Drucktypen, Diakritika, Orthografie, Einfluss des Lateinischen. 30 Acta Linguistica Lithuanica LXIX Konstantino Sirvydo Punktų sakymų spaudmenys ir rašyba ANNOTATION Dieser Artikel beschreibt die Verwendung der Schriftarten sowie die grundlegenden Prinzipien der Orthografie in Konstantinas Sirvydas’ Predigtsammlung Gospel Points (SP). Die Orthografie von SP wurde hauptsächlich vom Lateinischen und Polnischen beeinflusst. Die meisten der verschiedenen diakritischen Zeichen werden selten verwendet, in den meisten Fällen jedoch konsequent. In bestimmten Fällen dienen diese Zeichen dazu, eine betonte Silbe zu markieren, oder sie ermöglichen die Unterscheidung von Homographen und Homoformen. Abweichungen bei der Kennzeichnung von Frikativen und Affrikaten lassen sich sowohl auf technische Gründe beim Druck als auch auf Veränderungen in der Sprache der Einwohner von Vilnius zurückführen. Die für Abkürzungen und Auslassungen verwendeten Schriftarten folgten der lateinischen Tradition. Für die Kennzeichnung sowohl der Großbuchstaben <I> als auch <J> in den Teilen des Textes, die in einer antiken Kursivschrift gesetzt waren, wurden beim Druck drei verschiedene Schriftarten verwendet. Zur Unterscheidung langer von kurzen Vokalen wurden keine Sonderbuchstaben verwendet. Abweichungen zeigen sich bei der Kennzeichnung von: (1) [e] und [ai] nach einem weichen Konsonanten; (2) stimmhaften Konsonanten vor stimmlosen und stimmlosen Konsonanten vor stimmhaften; (3) dem Präfix iš-. Die Grundsätze der Zusammenschreibung und Getrenntschreibung benachbarter Wörter wurden sowohl von prosodischen Merkmalen und grundlegenden Normen anderer Sprachen als auch von den technischen Bedingungen des Druckverfahrens sowie den Sprachkenntnissen der Herausgeber und Setzer beeinflusst. Die Verwendung von Großbuchstaben orientiert sich am Lateinischen und Polnischen oder wurde aus zitierfähigen Quellen übernommen. Da das Manuskript von Konstantinas Sirvydas’ Punktų sakymų (im Folgenden SP) nicht erhalten ist, lässt sich nur schwer genauer bestimmen, inwieweit die Typenbestände der Druckerei und die von den Druckern ausgewählten Lettern dem orthografischen Konzept des Autors und den von ihm selbst verwendeten Schriftzeichen entsprachen. Anders gesagt, ist unklar, welches Verhältnis zwischen den im Manuskript Sirvydas’ verwendeten Schriftzeichen und den ihnen entsprechenden Lettern im gedruckten Text bestand1. Hier lohnt es sich, an Sirvydas’ Bedauern in seinem auf Polnisch verfassten Vorwort zu erinnern: Wegen Geldmangels werde sein Buch ohne Akzente herausgegeben: „Für die litauische Sprache wären bestimmte Zeichen nötig, die auf Lateinisch accentus genannt werden, damit jemand, für den Litauisch keine Muttersprache ist, richtig aussprechen und lesen könnte; dafür wären jedoch auch neue spezielle Druckschriften erforderlich, was zusätzliche Kosten verursachen würde, die ich jetzt nicht aufbringen könnte“2. Der Autor war sich also bewusst, dass eine ideale Übereinstimmung nicht möglich sein konnte. Es besteht kein Zweifel, dass die Drucker und Redakteure Eingriffe vornahmen und sich den technischen Möglichkeiten der Druckerei anpassten. Das zeigen nicht nur Untersuchungen anderer alter Texte (Subačius 2001: 129–152), sondern es ist auch in SP selbst offensichtlich: die allzu häufige Variation von Graphemen an denselben Stellen desselben Wortes, das Vorhandensein oder Fehlen diakritischer Zeichen in denselben Wörtern an den gleichen Stel- 1 Aus diesem Grund wird im Artikel häufig der Begriff Drucktype verwendet, um schriftliche und gedruckte Grapheme nicht gleichzusetzen. 2 SP I [VIII]: „Für die litauische Sprache müsste man wohl einige Striche haben, die auf Latein Accentus genannt werden, damit jemand, der von Natur aus kein Litauisch kann, mit ihrer Hilfe richtig sprechen und lesen kann; doch bräuchte man dafür auch einen besonderen Druck und Kosten, die ich derzeit nicht aufbringen könnte“ (litauisch zitiert nach: Koženiauskienė 1990: 296). Straipsniai / Articles 31 V I R G I N I J A V A S I L I A U S K I E N Ė … in den Wörtern, die sich dort befinden, sowie die spezielle Kürzung von Wörtern, um sie in den engen Rahmen der „Punktų“ einzupassen. Neben dem menschlichen Faktor, der zumindest teilweise mit den technischen Möglichkeiten der Druckereien jener Zeit zusammenhing, wurde die Variation auch durch eine vergleichsweise schwache, im Grunde noch im Entstehen begriffene schriftsprachliche Tradition bedingt. Im Gegensatz zu Mikalojus Daukša oder Danielius Kleinas (Aleknavičienė 2006: 280, 284) ließ niemand spezielle Drucktypen für Sirvydas herstellen. Er musste sich innerhalb der für den Druck lateinischer und polnischer Texte eingerichteten Schriftgarnituren bewegen. Die komplexe Orthografie von Daukšas Postille (im Folgenden DP) und einen Teil der von ihm verwendeten Drucktypen modifizierten spätere Herausgeber und Drucker von Büchern des Großfürstentums Litauen allmählich, wobei sie sich stärker auf Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit konzentrierten. Auf einige von Daukša eingeführte Drucktypen wurde bereits 1605 im anonymen Katechismus (LK) verzichtet: <ē> wird nicht verwendet, anstelle von <ū> wird häufig <uo> geschrieben, und aufgrund dialektaler Besonderheiten benötigte der Katechismus keine nasalen Grapheme (Palionis 1967: 38–39; 1995: 27). Sirvydas’ Orthografie, die einfacher als die Daukšas war, setzte sich lange im östlichen und später auch im mittleren schriftsprachlichen Varietät durch. 1. Punktų sakymų: Drucktypen und ihre Verwendung 1.1. Bei der Vorbereitung des Umschrifttexts für eine kritische Ausgabe von SP3 wurden alle darin verwendeten Drucktypen ausgewählt und systematisiert. Im Vergleich zu den von Jonas Palionis beschriebenen Drucktypen der DP weist der litauische Text von SP offensichtlich eine größere Vielfalt an Drucktypen mit diakritischen Zeichen auf (hier fehlen lediglich einige in DP verwendete Konsonanten mit Diakritika: <ǵ>, <m̄>, <ṕ>, <ṕ>, <ṙ>; sowie die beiden Diphthonge <ē>, <ū>), jedoch ist ihre Verwendung wesentlich seltener (der Akzent wird nicht markiert). Die geringere Zahl von Drucktypen ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass Palionis, wie er selbst sagt, nicht alle, sondern nur die regelmäßiger verwendeten Drucktypen beschrieben hat (Palionis 1967: 33), während für SP bei der Vorbereitung des bereits erwähnten Umschrifttexts alle Drucktypen ausgewählt und verzeichnet wurden, unabhängig davon, wie regelmäßig oder häufig sie verwendet wurden. Wie unsere Untersuchung zeigt, führt auch Palionis für SP in seinen Büchern nicht alle, sondern nur die regelmäßiger verwendeten Drucktypen an (Palionis 1967: 39–41; 1995: 28). Bei einer Gesamtdarstellung der Drucktypen einzelner alter litauischer Bücher sollte die Verwendungshäufigkeit von Drucktypen mit diakritischen Zeichen von der Vielfalt dieser Drucktypen unterschieden werden. 1.2. Punktų sakymų zweiter Teil (SP II, 1644 veröffentlicht) wurde für die Veröffentlichung vorbereitet und ins Polnische übersetzt von Sirvydas’ Mitarbeiter und Fortsetzer seiner Werke, dem Jesuiten Jonas Jaknavičius; daher erscheint die Annahme völlig begründet, dass SP, insbesondere im zweiten Teil 3 Diese Ausgabe wurde gemäß einer Vereinbarung mit der Abteilung für Sprachgeschichte und Dialektologie des Instituts für Litauische Sprache von Virginija Vasiliauskienė und Kristina Rutkovska vorbereitet. Ihre Vorbereitung wurde 2008–2011 von der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache gefördert. Der Umschrifttext des litauischen Teils von SP wurde von Virginija Vasiliauskienė erstellt, der des polnischen Teils von Kristina Rutkovska. 32 A c t a L i n g u i s t i c a L i t h u a n i c a L X I X Konstantino Sirvydo Punktų sakymų spaudmenys ir rašyba (SP II) verwendeten Drucktypen dürften sich nicht wesentlich von denen unterscheiden, die in Jaknavičius’ herausgegebenen Ewangelie Polskie y Litewskie (im Folgenden JE, erschienen 1647) verwendet wurden, zumal zwischen ihnen nur ein Zeitraum von drei Jahren lag. Nach der von Milda Lučinskienė durchgeführten Untersuchung (Lučinskienė 2005: 30) wurden die in Jaknavičius’ Ewangelie Polskie y Litewskie vorkommenden Drucktypen fast alle auch im litauischen Textteil von SP verwendet (mit Ausnahme von <ą>, <ò>, <ù>). Der Bestand an Drucktypen in JE ist jedoch im Vergleich zu SP weniger umfangreich: In JE werden <q> und <x> nicht verwendet; außerdem fehlen dort zahlreiche in SP belegte Drucktypen mit diakritischen Zeichen: <ă>, <ă>, <á>, <ã>, <č>, <ê>, <ē>, <í>, <ì>, <î>, <ī>, <ĩ>, <ȳ>, <ŷ>, <m̄>, <ń>, <ň>, <ô>, <ò>, <ō>, <š>, <û>, <ũ>, <ų>, <ŵ>, <ž>, <Ʒ> oder <Ǯ>, <Ǯ>, <Ǯ>, <Ǯ>. Darüber hinaus werden in SP auch Sonderzeichen lateinischen Ursprungs verwendet, um Wortendkürzungen zu kennzeichnen: <q>, <⁹> und <°>. 1.3. Im litauischen Text von SP werden folgende Drucktypen mit diakritischen Zeichen verwendet (siehe Abb. 1–60): a: <á>, <à>, <ă>, <â>, <ã>, <ā>, <ă>, <à>, <ā>. c: <ć>, <č>, <ċ>. e: <é>, <ê>, <ę>, <ē>, <è>. i: <í>, <ì>, <î>, <ĩ>. y: <ȳ>, <ŷ>. l: <ł>. m: <m̄>. n: <ń>, <ñ>, <ň>, <ṅ>. o: <ó>, <ô>, <ò>, <ō>, <õ>. s: <ś>, <š>, <ŝ>. u: <û>, <ũ>, <ū>, <ų>. w: <ŵ>. z: <ź>, <ż>, <z̄>. Ʒ: <Ǯ>, <Ǯ> oder <Ǯ>, <Ǯ>, <Ǯ>. Ȝ: <Ȝ>, <ȝ>. Einige der hier aufgeführten Drucktypen mit diakritischen Zeichen werden besonders selten verwendet; in Einzelfällen kommen sie im gesamten Buch oder in einzelnen Teilen davon nur ein- oder wenige Male vor. Im polnischen Text von SP sind die Diakritika vielfältiger und häufiger als im litauischen (sie werden von Kristina Rutkovska untersucht). 1.4. Nach Häufigkeit und Systematik (Konsequenz) der Verwendung lassen sich alle in SP I und SP II verwendeten Drucktypen mit diakritischen Zeichen wie folgt einteilen: (1) häufig und systematisch in SP I und SP II verwendete Drucktypen mit diakritischen Zeichen: <ć>, <ł>, <ś>, <ǯ>, <ǯ>; (2) unregelmäßig, aber vergleichsweise häufig in SP I und SP II verwendete Drucktypen mit diakritischen Zeichen: <á>, <à>, <č>, <ǯ>; (3) sehr selten und unregelmäßig verwendete Drucktypen mit diakritischen Zeichen⁴: SP I: <à>, <â>, <ã>, <č>?, <é>, <ê>, <ę>; <í>?, <ì>?: <î>, <ń>, <ň>, <ṅ>?, <ó>, <ô>, <ò>, <ō>, <û>, <ũ>, <ų>, <ŵ>, <ǯ> oder <Ǯ>; SP II: <à>, <ă>?, <à>?, <ā>, <ę>, <ē>, <ĩ>, <ȳ>, <ŷ>, <m̄>, <ń>, <ṅ>, <ō>, <ŝ>?, <ũ>, <ū>, <ǯ> oder <Ǯ>, <ǯ>, <ǯ>; 4 Das Fragezeichen kennzeichnet einen besonders selten verwendeten Drucktyp, dessen diakritisches Zeichen undeutlich abgedruckt ist. Straipsniai / Articles 33 V I R G I N I J A V A S I L I A U S K I E N Ė (4) nur in Perikopen und Überschriften der Punkte werden Drucktypen mit diakritischen Zeichen verwendet (lateinische Antiqua und Kursivschrift): SP I: <š>, <ž>, <ž>; SP II: <ė>, <ž>, <ž>, <ž>. Nachdem alle in SP verwendeten Drucktypen mit diakritischen Zeichen erfasst wurden, zeigt sich, dass ihre Vielfalt in SP I größer ist, ihre Häufigkeit jedoch in SP II – die häufigere Verwendung in SP II ist durch das sehr häufige <á> bedingt. 1.5. Drucktypen zur Bezeichnung der Konsonanten [š], [ž] und der Affrikate [č] Zur Bezeichnung der Frikativkonsonanten [š] und [ž] werden in SP folgende Drucktypen mit Diakritika verwendet: <ś>, <š>?, <š>, <ӡ>, <ӡ>, <ӡ>, <ӡ> oder <ӡ>, <ӡ>, <ӡ>, <ź>, <ź>, <ž> (siehe Abb. 38, 40–42, 48–58); die Affrikate [č] wird bezeichnet durch <ć>, <ċ>, <ċ>? (siehe Abb. 10–12). Außerdem kann [š] auch durch die Digraphen <ß>, <ſz> und [č] durch den Digraphen <cȝ> bezeichnet werden (sehr selten). 1.5.1. Die Großbuchstaben <ӡ>, <ӡ> kommen vereinzelt nur in SP II vor: Žydu SP II 162₁₉–₂₀, 202₄, 332₃; Žynio SP II 104₈, Žodžiey SP II 83₂₆. In allen übrigen Fällen wird stattdessen <ӡ>⁵ verwendet. <ś> findet sich sehr selten in den kursiv gedruckten Perikopen von SP I: graši 317₈; der einzige Beleg für <č> steht im Haupttext von SP I: lynčiuoguofna 373₁₀ (die Form des Diakritikums ist hier ungewöhnlich). Sehr selten ist auch <ś>, das in SP II vorkommt und im Grunde als schlecht gedrucktes <ś> gelten sollte: ráßtas s. SP II 188₁₃; páráśitam 254₆, karaliśčiu SP II 14₁₆–₁₇. 1.5.2. <ź>, <ż> und <ž> werden in Texten verwendet, die in lateinischer Antiqua und Kursivschrift gesetzt sind. In der Antiqua von SP II ähnelt das über dem Druckbuchstaben <ž> stehende Diakritikum (siehe Abb. 50) einem eingedrückten Punkt und unterscheidet sich in seiner Form von den an anderen Textstellen verwendeten <ź> und <ż>: Nežadžia 51₁₆, Bažnīčia 153₁₇, žìames 153₁₉, Vžftokles 180₈, ażuturet 239₃. Die beiden letztgenannten Drucktypen werden sowohl in SP I als auch in SP II verwendet. <ź> wird in der Affrikate <dź> in SP II konsequent verwendet: żodźiey 248₂₂, żuǯwes 248₂₀, Ižkur 116₂₅, didžio 116₂₆; vgl. SP I: ižpažino 163₁₆, ižpilde 163₁₇, žodieys 244₂₁, žiames 269₉. 1.5.3. Die Form der Diakritika auf den Drucktypen <ӡ>, <ӡ>, <ӡ>, <ӡ> oder <ӡ> im in Schwabacher gesetzten Haupttext variiert stark (siehe Abb. 51–58). Auf diesen Drucktypen werden Diakritika in Form eines Punktes, eines Akuts, eines Strichs und eines Bogens und/oder eines Hatscheks verwendet. Aufgrund der Druckqualität lassen sie sich oft nur schwer voneinander unterscheiden: aptru- 5 Auch die übrigen Großbuchstaben wurden ohne diakritische Zeichen verwendet. Darauf hat Franz Specht bereits 1929 hingewiesen: „In Unzialschrift stehen C, S, Z, L auch č, š, ž, ł, d. h. es fehlen die diakritischen Zeichen“ (Specht 1929: 13). 34 A c t a L i n g u i s t i c a L i t h u a n i c a L X I X Konstantino Sirvydo Punktų sakymų spaudmenys ir rašyba Ein Akut oder ein Bindestrich kann wie ein Punkt aussehen, ein schlecht gedruckter Punkt dagegen an einen Haken erinnern; beispielsweise wirkt der Haken im Wort žmones SP I 326₁₂ wie ein verschmierter Punkt, während der Haken im Wort gražuolė SP II 244₂₇ wahrscheinlich ein nicht vollständig gedruckter Punkt ist. Haken- und bogenförmige diakritische Zeichen über <ž> und <ž> kommen im SP-Text nur einige wenige Male vor. In SP I erinnern sie eher an Haken, in SP II eher an Bögen: tulžis SP I 321₂₁; didžiu SP II 199₅–₆. In Zweifelsfällen wurde versucht, den Druckbuchstaben zu vergrößern; bei stärkerer Vergrößerung wich die Form des diakritischen Zeichens jedoch von der mit bloßem Auge sichtbaren ab. Sich allein auf eine solche Methode zur Identifizierung eines unklaren diakritischen Zeichens zu verlassen, wäre daher recht riskant gewesen. Das diakritische Zeichen über <ž> in SP II (vgl. Abb. 57, 58) erinnert, wie auch im Fall der Antiqua <ž>, an einen horizontal gestreckten Punkt (vgl. Abb. 50). Vereinbarungsgemäß wurde es durch einen Strich über dem Druckbuchstaben wiedergegeben, um es vom traditionellen punktförmigen diakritischen Zeichen zu unterscheiden. Der Vergleich einzelner Druckbuchstaben, die dasselbe Graphem bezeichnen, zeigt, dass weder ihre Form noch die ihrer diakritischen Zeichen in den Druckstöcken identisch war; so unterscheiden sich beispielsweise einige <ž> voneinander. Dasselbe lässt sich auch über einen beträchtlichen Teil der übrigen Druckbuchstaben sagen, insbesondere über solche mit diakritischen Zeichen. 1.5.4. Die Frikative [š], [ž] und die Affrikate [č] können im SP häufig durch Druckbuchstaben ohne diakritische Zeichen wiedergegeben werden: <ſ>, <s>, <з>, <z>, <c>; umgekehrt kann <ś> anstelle von <ſ> oder <s> stehen: šilpnas SP II 12₂ und filpnas SP I 211₁₇; žiemes SP I 65₁₆ und žiemes SP I 261₁₃; žimus SP II 41₁₆–₁₇ und žimus SP I 68₈; karſčiaus SP II 50₁₆, karščiaus SP II 38₁, karſčiuole SP I 244₁₇; čielas SP I 247₁₅ und celas SP I 67₂₅; ſiurkſčiev SP II 57₁₅ und šiurkſčtibes SP II 107₂; ſzwynčiaufias SP II 89₈ und ſzwynčiausiami SP II 239₁–₂; ſirdiy SP II 16₈ und sirdiy SP II 239₂₂ sowie βyrdies SP II 169₁₂; parajzie SP 217₃₀, parašie SP I 349₂₈ und parafie SP I 307₅–₆ usw. Vergleichen wir auch die Schreibweisen der im SP verwendeten Wörter mit dem Stamm śvies-: (fwief- / fwies- / świef- / świes- / βwief- / świes- / βwies-): fwielibes SP I 20₂₉, SP II 32₂₉; fwiesibe SP II 28₅; świeſibe SP I 353₂₄, SP II 197₁₁; świesibe SP I 354₆; βwieſibes SP I 202₆, SP II 215₇–₈; świeſibes SP I 353₂₇; świeśibi SP II 33₁₃; βwieśiaus SP II 201₂₆. Da die angeführten Fälle weder vereinzelt noch zufällig vorkamen und sich auch in anderen Drucken jener Zeit finden (Palionis 1967: 37)⁷, dürfte zumindest ein Teil davon den damaligen Besonderheiten des Gebrauchs von Druckbuchstaben in gedruckten Büchern zuzuschreiben sein. Ein Teil der diakritischen Zeichen auf diesen Druckbuchstaben könnte schlicht nicht mitgedruckt worden sein; der Wechsel zwischen Druckbuchstaben mit und ohne diakritisches Zeichen innerhalb derselben, häufig sogar ⁶ In Franz Spechts Aussage „Für den dentalen Sibilanten wird ſ und s promiscue gebraucht, nur pflegt ſ nicht im Anlaut zu stehen“ ist wahrscheinlich ein Druckfehler unterlaufen – gemeint war wohl: „...nur pflegt s nicht...“ ⁷ Im Katechismus von Merkelis Petkevičius aus dem Jahr 1598 werden die Konsonanten š, č mit den einbuchstabigen Zeichen s, ſ, c oder den diakritischen einbuchstabigen Zeichen ś, ć wiedergegeben. Straipsniai / Articles 35 V I R G I N I J A V A S I L I A U S K I E N Ė benachbart verwendeten Wörtern (vgl. SP I, S. 20 und 353) – und nicht nur vereinzelt, sondern im gesamten SP-Text – legt nahe, dass diakritische Zeichen zumindest während des Druckvorgangs nicht immer als wesentliches unterscheidendes Merkmal eines Graphems betrachtet wurden⁸. Weitere Ursachen für diese Variation könnten darin liegen, dass Druckbuchstaben mit diakritischen Zeichen für Großbuchstaben fehlten, sowie in der von fremdsprachigen Umgebungen beeinflussten Aussprache in der Stadt Vilnius. So werden beispielsweise Wörter mit dem Stamm silpn- 21-mal mit <l>, <s> und 11-mal mit <ś> geschrieben. In SP II ist die Häufigkeit dieser Druckbuchstaben annähernd gleich (12-mal bzw. 10-mal): filpniby SP I 185₁₉, filpnina SP II 57₁₄, silpnu SP I 211₂₃, silpſta SP II 75₂₄, śilpnu SP I 61₃₁, śilpnibes SP II 218₁₃. Die Variation der Druckbuchstaben für die weichen Laute [s] und [ś] innerhalb derselben Wörter ist häufiger bei Entlehnungen aus dem Polnischen und Weißrussischen. Zudem wird <ś> relativ häufiger als <s> und <ſ> in SP II gewählt, z. B.: silos kommt in SP I sechsmal, in SP II dreimal vor; śilos entsprechend zwei- und dreimal; świetas wird in SP II häufiger verwendet als ſwietas; in SP I ist śwletas sehr selten und kann als Druckfehler gelten; ſmertis dominiert in beiden Teilen des SP; śmertis kommt fünfmal ausschließlich in SP II vor. Wie bereits erwähnt, spiegelt diese Schreibweise wahrscheinlich Aussprachevarianten im litauischen Sprachgebrauch des mehrsprachigen Vilnius wider. Laut Zigmas Zinkevičius hatten Polen Schwierigkeiten, das litauische [š] von [s] zu unterscheiden (Zinkevičius 1981: 30–32). In beiden Fällen hörten sie das polnische [ś] und schrieben daher sehr uneinheitlich: <s> oder <sz>. Ob sich die Variation von <ź> und <z> sowie von <č> und <c> in denselben Wörtern mit dem Gegensatz zwischen [ž] und [z] sowie [č] und [c] in der damaligen Sprache der Einwohner von Vilnius in Verbindung bringen lässt, kann allein anhand der SP-Daten weder bestätigt noch widerlegt werden. Die Variation zwischen Druckbuchstaben mit und ohne diakritische Zeichen zur Wiedergabe der Frikative und Affrikaten dürfte somit nicht auf einen einzelnen, sondern auf mehrere Umstände zurückzuführen sein: die Gebrauchstradition in den damaligen Drucken, die Aussprache, das Fehlen von Druckbuchstaben mit diakritischen Zeichen für Großbuchstaben sowie die Druckqualität. 1.6. Drucktypen mit diakritischen Zeichen über <a> Die meisten verschieden geformten diakritischen Zeichen finden sich über <a>: <á>, <à>, <à>, <á>, <à>?, <á>?, <â>, <ã>, <ā> (siehe Abb. 1–9)⁹. Von ihnen wird häufiger und systematischer nur <á> verwendet, das mit dem „angehobenen“ <á> der polnischen Sprache in Verbindung gebracht werden kann. Im litauischen Text von SP II bezeichnet dieser Drucktyp recht häufig das kurze unbetonte [a]. <á> 8 In der Postille von Mikalojus Daukša wurde geschrieben: dabókites, artés 16₃₃, netikéfites 16₃₆, paáugſtinos 87₁₀, Bažniczios 87₁₈, Bažniczia 87₁₉, gárſtĭczios 87₆, garſtĭczios 87₃₈ usw. 9 <à>, <â>, <ã>, <ā> werden ausführlicher zusammen mit anderen Drucktypen beschrieben, die diakritische Zeichen entsprechender Form tragen (siehe 1.7; 1.8; 1.13). 36 Acta Linguistica Lithuanica LXIX Konstantino Sirvydo Punktų sakymų spaudmenys ir rašyba und die Verwendung von <à> unterscheidet sich in SP nicht: kárálifti SP II 87₁₅, ážulayko 89₂₅, reykálu 103₅, Sámarítonas 119₁₄–₁₅, niekádu 120₂₈, átaimo 126₁₄, ážuláyko 149₂₃–₂₄, márindámi 155₂₃, iftáte 153₂₂, áźndingie SP I 223₁₃–₁₄, gieldžimis SP II 155₁₃–₁₄, átleyde 167₅, ádunt 177₂₀, eydámás 178₂₉, ažufirakina SP I 332₃, prieżáftu 365₄–₅. Visuell lassen sich diese beiden Drucktypen ebenfalls nicht immer voneinander unterscheiden. In SP I werden sie viel seltener verwendet, und hier wird meistens nicht <á>, sondern <à> gewählt. In SP II unterscheidet sich die Verwendung des einige Male belegten <à> nicht von derjenigen von <á> und <à>, während das in diesem Teil einmal belegte <à> wahrscheinlich ein nicht sehr sauber gedrucktes <á> ist; unklar ist auch die Funktion des einige Male in SP II verwendeten <à> – das Diakritikum erinnert aufgrund seiner leichten Neigung nach rechts an Apostroph und Akut, und im Wort gálu SP II 247₁₃ möglicherweise auch an einen beim Drucken leicht verschmierten und dadurch in seiner Form veränderten Punkt. 1.7. Drucktypen mit Graviszeichen Gravis ant <à> dukart pavartotas lotyniškojoje antikvoje (Strockis 2004: 294–295): à kayre labay ilga bus SP I 240₂₀–₂₁. Gravio ženklas kituose dviejuose švabachu išspausdintuose žodžiuose atrodo neįprastai, kiek pasislinkęs į šoną (žr. 3 pav.). Be <à>, gravio formos diakritikai dar atsitiktinai gali būti pavartoti ant <č>, <è>, <ì>, <š> (žr. 12, 18, 19, 42 pav.) ir yra būdingesni lotyniškajai antikvai: <è> (SP II) ir <š> (SP I) aptinkami tik antikvoje, nelabai aiškios formos <ì> antikva ir švabachu surinktame tekste, o <č> (SP I) vienąkart pavartotas švabachu išspausdintoje teksto dalyje. 1.8. Drucktypen mit Zirkumflexzeichen Zirkumflexförmige Diakritika werden in Einzelfällen in SP I über <â>, <ê>, <î>, <ô> und <û> verwendet (siehe Abb. 7, 14, 20, 38, 43): kuriâs (Akk. Pl.) 171₂₆, 373₁₉, gieriâus (Adv. Komp.) 198₁₇, mariâs (Akk. Pl.) 269₁₈, iiêmus (Dat. Pl.) 367₂₅; čía 267₉, marios (Nom. Pl.) 268₇, takiuôs (Akk. Pl.) 367₁₁, iuôs (Akk. Pl.) 198₂₄, tuôs (Akk. Pl.) 367₂₄, kuriûo (Instr. Sg.) 368₁₁, punciûofna (Ill. Pl.) 373₈, kuriû (Instr. Sg.) 352₈, Iûoda (Nom. Sg.) 229₂₃, gieriaûs 199₂₃, 360₁₈, perfḳrodûs 14₁₉, perfmegiûs 14₂₁. Damit werden meist betonte Silben im Akkusativ Plural der Pronomen, gelegentlich auch im Instrumental Singular markiert. Diese Silben sind häufiger lang als kurz. In anderen vereinzelten Wörtern und unbetonten langen Silben ist das Auftreten dieses Diakritikums wahrscheinlich lediglich zufällig oder als Korrekturfehler zu betrachten (unklare Funktion von <î>). Bei einigen Wörtern konnte der Drucktyp mit diesem Diakritikum nicht nur betonte Silben kennzeichnen, sondern auch Homographen und Homoformen unterscheiden helfen (z. B.: gieriâus, gieriaûs, kuriâs, mariâs, perfḳrodûs, Straipsniai / Articles 37 VIRGINIJA VASILIAUSKIENĖ perſmegiùs). Auch die Verteilung dieses Diakritikums ist zu beachten – es ist nicht gleichmäßig über den gesamten Text verteilt, sondern konzentriert sich häufig auf bestimmte Textstellen und Seiten, auf denen auch andere diakritische Zeichen (Akute, Zirkumflexe, Striche) häufiger vorkommen. 1.9. Weitere vereinzelte Lettern mit Diakritika Die vereinzelten Lettern <ó> und <ò> konnten eine betonte Silbe kennzeichnen oder Formen unterscheiden: wiró (Gen. Sg.) 219₂₁, ó¹⁰ 175₂₄, Maldõs (Nom. Pl.) 67₂₄, Iõnuy (vgl. Iãnowi) 140₁₇, neflidabōdami 84₃₀. Genauere Funktionen von <ó>, <ò> und <ô> (siehe 1.8.) in SP zu bestimmen, wie beispielsweise in den Texten von Baltramiejus Vilentas (Kabašinskaitė 2005: 56–62), ist wegen der zu geringen Zahl an Beispielen nicht möglich. Der Akut auf <é> kennzeichnet eine betonte, meist lange Silbe: kuriuosé (Lok. Sg.) 177₁₁, kurié (Nom. Pl.) 162₈, praiéwu (Gen. Pl.) 177₂₆, gaylétus (Kond. 3) 158₁₉, apé 176₁₁; es kamen jedoch auch einige Fälle in einer unbetonten langen Silbe vor: Wiéta (Nom. Sg.) 203₇ und éſſibi (Akk. Sg.) 171₃. In SP werden einige Male zwei konsonantische Lettern mit Akut <ń> und <ẃ> sowie eine konsonantische Letter mit Punkt <ṅ> verwendet. In diesen besonders seltenen Fällen kennzeichnen die Lettern <ń> und <ṅ> meist das palatalisierte [n], wie im Polnischen. Die Funktion des Diakritikums in den in den Iliativendungen der Wörter fkrinion SP I 369₃₀ und kloniñ SP II 248₁₈ stehenden Fälle ist unklar: <ń> könnte mit einem strichförmigen Diakritikum über einem Vokal verwechselt worden sein, oder dieses <ń> könnte später bei der Wiederherstellung einer früheren Abkürzung hinzugefügt worden sein (vgl. peklõ SP I 279₁₂, wietō SP II 247₂₁). Zweimal wurde in SP I vermutlich zufällig <ẃ> in den Wörtern wúnduo 264₅ und wífi 286₁₁ verwendet. Seine Funktion ist unklar. 1.10. Lettern mit Diakritika und Betonung Wie bereits in der Einleitung erwähnt, wurden in SP keine Sonderlettern mit Diakritika verwendet, die ausschließlich der Kennzeichnung der Betonung dienten. Die in den Abschnitten 1.6, 1.7, 1.8 und 1.9 angeführten mutmaßlichen seltenen Fälle der Betonungskennzeichnung sind mit anderen Funktionen dieser Lettern verflochten und bilden keine konsequente, einheitliche Richtung, wenn man alle verfügbaren Beispiele für die Verwendung eines bestimmten Diakritikums zusammen betrachtet. Da selten oder besonders selten verwendete Diakritika an bestimmten Textstellen konzentriert sind, ist es sehr wahrscheinlich, 10 Diakritika finden sich in diesem Fall auch über den entsprechenden Wörtern im polnischen Textteil, vgl.: mężą 219₂₁ und á. 38 Acta Linguistica Lithuanica LXIX Konstantino Sirvydo Punktų sakymų spaudmenys ir rašyba Es ist möglich, dass sie hier aus anderen, wahrscheinlich handschriftlichen Quellen hingelangten, die Sirvydas möglicherweise verwendet hatte. Aufgrund ihrer Seltenheit, ihrer Verflechtung mit anderen Funktionen und des Mangels an Systematik war es unmöglich, die Verwendungsfälle diakritischer Drucktypen zur Kennzeichnung des Akzents herauszugreifen und genau abzugrenzen. 1.11. Drucktypen mit Querstrich In SP werden einige Male Drucktypen mit Querstrich verwendet <a>, <ę> und <ų> (nur SP I; siehe Abb. 15 und 44). Nasalvokale wurden wie in DP nicht gekennzeichnet, da sie im ostaukštaitischen Dialekt damals bereits geschwunden waren; somit könnten sie zufällig aus dem polnischen Textteil in Sirvydas’ Text gelangt sein oder für andere Funktionen angepasst worden sein. Die Funktion des Drucktyps <ų> in den Wörtern geriaus 36826 und fų 3708 ist unklar (markiert er eine lange betonte Silbe?). Als Korrekturfehler sind vermutlich auch die Verwendung von <ę> im Wort metu (Instr. Sg.) SP I 14 sowie in den Wörtern βwęčiaufi SP I 3698 und paļipeneimo (der Querstrich über <ę> ist undeutlich) SP II 1763 anzusehen, wo die Kennzeichnung von <n> im Wort verdoppelt ist. In den drei übrigen Fällen kennzeichnen <a> und <ę> ausgelassene <n>: Kadąg I 9622, nutrėkimu SP II 3411, bedrautumite SP II 1682. 1.12. Der Drucktyp <ł> Im gesamten Text von SP kennzeichnet der Drucktyp <ł> vergleichsweise konsequent und systematisch ein hartes (1) oder depalatalisiertes (2) [ł] vor einem Vokalismus vom Typ [e], [ei], [ė], [i] (Palionis 1967: 84–85): (1) łūsis SP I 29521, fumala SP I 3106, mieláśirdingus SP II 2728, łaymibe SP II 247); (2) łeyzdawos SP I 1286, łeydźiaji SP II 927, łeyftu SP I 34318, naßle SP I 3148, nupleßt SP II 2475–6, łepinimay SP I 3014–5, gayłeimu SP I 14131, pergałeimas SP II 22910, łingwa SP I 5130, SP II 361. Nach der Verhärtung von [ł] werden die veränderten Vokale häufig mit <a>, <y> bezeichnet (häufiger in SP II11): pałayftułe SP I 3749, pełanuołe SP II 17928, ʃłankfti SP II 17915, ne ápłayft SP II 17721, ápłaydus 17724, apłayʒdamas 17727, nułynkiame SP II 1486, nułynkias SP I 10524, ßakieły SP I 36930. Das verdumpfte [ė] wird mit <e> bezeichnet: pergałeio SP I 18517, parpuołe SP I 604, gułeio SP I 2692 saute SP II 427, tiłetu SP II 7324. 11 In SP II können auch andere Konsonanten verhärtet werden, z. B.: graytay 619; trácias 7612, žynot 19622, prywerʃt 18627, ßytkuose 17930, ßyrdies 16912, doch kommt dies auch in SP I vor: žynklina 2527. Straipsniai / Articles 39 VIRGINIJA VASILIAUSKIENĖ [ł] bleibt in einigen Konsonantenverbindungen hart: [łpn] vor Vokalismus des Typs [e] und [i]: filpniby SP I 18519, filpnefnio SP II 9714, filpniem us SP II 6931, filpnina SP II 5714, šilpnesnia SP II 129, šilpni SP II 976, šilpnefnio SP I 12919, Silpnibe SP I 1837 (das weiche <ł> ist nur in drei der 20 belegten wurzelschwachen Wörter geschrieben); [łb] vor Vokalismus des Typs [e]: kalbet SP I 21321, SP II 635, kalbefis SP I 22727, kalbedami SP II 2408, kalbečia SP 1203, kalbeio SP 20210 (das weiche <ł> ist nur in zwei Infinitiven von Wörtern mit dem Stamm kalb- in SP II geschrieben), giebek SP I 27829, gialbeio SP II 16528–29. Fehler bei der Kennzeichnung von [ł] gibt es nicht viele. Zuverlässiger sind die Fälle, in denen das harte <ł> irrtümlich verwendet wurde, denn aufgrund der Druckqualität ist der Schrägstrich über dem <ł>, d. h. die Kennzeichnung der Härte, nicht immer deutlich zu erkennen. In Franz Spechto Liste der Druckfehlerkorrekturen zu SP (Specht 1929: 48–61) sind folgende Ungenauigkeiten bei der Kennzeichnung von <ł> (SP I 1–100) verzeichnet: (1) Die Härte von [ł] ist nicht gekennzeichnet: ßalmu 138, puolys 355, tulus 404, apfiwilko 551, dungalu 5511, nulei 7229, waldo 7521, klaufiamas 7925, klausia 8210, klaußikime 8317, labay 8931; (2) Die Härte von [ł] ist fälschlich gekennzeichnet: wėlinas 143, tuofas 3127, wilties 401, karalaufp 458, ilgiaujius 5225, weł 5611, gayliftawimu 575, karalu 7227, familios 7526, pagal 911. Das Wort fuodele (Instr. Sg.) SP I 3615, in dem die Härte von [ł] gekennzeichnet ist, kann auf zweierlei Weise berichtigt werden: fuodele und fuodely (durch Wiederherstellung der Dialektform). Specht zieht die letztere Möglichkeit vor. Im von Specht verwendeten SP-Original, auf dessen Grundlage die Faksimileausgabe erstellt wurde (ŠPS 1929), ist der Schrägstrich, der die Härte von <ł> anzeigt, nicht überall zu erkennen; in einigen der Wörter, die in seine Fehlerliste aufgenommen wurden, war die Härte jedoch auch in anderen erhaltenen SP-Exemplaren deutlich markiert¹², z. B.: algoia SP I 2027, bilo SP I 721, pelenays SP I 8512, tulu SP I 9713. Diese sehr ausführliche Fehlerliste spiegelt insgesamt den damaligen Forschungsstand zu alten Schriften und Dialekten, das seinerzeitige Verständnis von Korrekturfehlern sowie die Eigenheiten des Originals wider, nach dem die Faksimiles erstellt wurden (nicht in allen Exemplaren sind die kleinen Druckdetails, insbesondere die diakritischen Zeichen, gleich gut gedruckt). 12 Plg. Lietuvos diplomatui Jurgiui Šauliui (1879–1948) priklausiusį ir šiuo metu Pensilvanijos universitete saugomą Punktų sakymų konvoliutą: Annenberg Rare Book and Manuscript Library, University of Pennsylvania; Location: Rare Bk & Ms Library RBC; Call Number: 491.922 Si78.2. 40 Acta Linguistica Lithuanica LXIX Konstantino Sirvydo Punktų sakymų spaudmenys ir rašyba 1.13. Drucktypen mit diakritischen Zeichen in Form eines Bindestrichs und/oder einer Zirkumflex-Tilde Die auf Vokaltypen gesetzten Diakritika <ã>, <ā>, <ē>, <ĩ>, <ȳ>, <ȳ>, <õ>, <ō>, <ū>, <ǖ>, die einem Zirkumflex (SP I) und einem Bindestrich (SP II) ähneln (vgl. Abb. 8, 9, 17, 21–24, 38, 39, 45, 46), kennzeichnen im Text von SP konsequent, jedoch nicht häufig, ausgelassene tautosyllabische [m] und [n] (Palionis 2005: 31–33; Strockis 2004: 294–295)13 und sind als Tilden – besondere Kürzungszeichen – anzusehen: darbūp6 SP I 526, nuteriojųiā SP I 14929, bud{ūlp SP I 28713, peklō SP I 27912, wietō SP II 24721, füti SP II 94–5, pafkūdoy SP II 1537, idāt SP II 3425, ūt SP II (10x), pafjrētū SP II 9727, βwētas SP II 7327, trūpay SP II 4611, βw{ȳ}tas SP II 815. Das ausgelassene [n] wird in zwei Fällen in SP II auch durch den Drucktyp mit Querstrich gekennzeichnet <ę> (vgl. 1.11). <ñ> (in SP I vermutlich <ñ>) und <m> (vgl. Abb. 29, 33, 34) kennzeichnen dagegen meist Geminaten in Lehnwörtern: Paños (vgl. poln. 3 Pānny) SP I 6716, Hofāna (vgl. gr. hōsanna) SP II 14410, fūmu (vgl. lat. summa) SP II 1642. Mit den nach lateinischem Vorbild eingeführten Kürzungszeichen sollte bei Bedarf Platz in den schmalen Zeilen von SP gespart werden. 1.14. Drucktypen für Wortendkürzungen Zu diesen Drucktypen gehören: <g>=us, <ᵍ>=us, <ᵒ>=go, <ĝ>=go14 (vgl. Abb. 61, 62, 63) sowie der Doppelpunkt (meist in SP II): Tūlg SP I 25110, mg SP I 10028, Chrift9 SP I 10023, Kaln9 SP II 394, kitiem9 SP II 2817, žimčiū9 SP II 2713, širg9 SP II 25718, Wieβ: SP II 14613, Wieβp: SP II 16512, Pfal: SP II 5211, Pfa: SP II 14912, Dowid: SP II 1224. 1.15. Drucktypen <I>, <J>, <J> und <j> Im Haupttext von SP, der in gotischer Schrift gedruckt ist, wird für die Laute [i] und [j] am Wortanfang ein einziger Großbuchstabe verwendet (Subačius 2003: 227–228)15. Antiqua 13 Die Verwendung diakritischer Zeichen (Tilden) in Form eines Zirkumflexes und/oder eines Bindestrichs im litauischen Text von SP wurde aus dem Lateinischen übernommen, wo Tilden ausgelassene tautosyllabische <m> und <n> kennzeichneten. Beispiele für diese Schreibweise finden sich auch zahlreich in den lateinischen Marginalien von SP (Petreikis 2011: 67–85). 14 Wortendkürzungen werden mit diesen Zeichen im polnischen Text von SP und in den lateinischen Marginalien noch häufiger gekennzeichnet. Diese Methode der Wortendkürzung wurde aus dem Lateinischen übernommen. 15 In Texten, die in gotischer Schrift gedruckt wurden, unterschied man <I> und <J> nicht. Beim Übergang zur Antiqua in Litauen hielten die Drucker eine Zeit lang noch an den Traditionen der gotischen Schrift fest und unterschieden <I> und <J> ebenfalls nicht: Sie wählten einen der beiden Drucktypen zur Bezeichnung beider Laute [i] und [j] oder verwendeten sie abwechselnd. Straipsniai / Articles 41 V I R G I N I J A V A S I L I A U S K I E N Ė In den kursiv gedruckten Perikopen werden zur Bezeichnung dieser beiden Laute drei verschiedene Drucktypen verwendet¹⁶: <I>, <Ƒ>, <J> (siehe Abb. 25, 26, 27; Gelumbeckaitė 2003a: 81–82; 2003b: 302; vgl. Juda 2001). In SP I werden nur die ersten beiden verwendet: In neun Perikopen durchgehend ausschließlich <Ƒ> (SP I: 1, 69, 122, 214, 234, 262, 281, 296, 317), in einer Perikope durchgehend ausschließlich <I> (siehe SP I: 195) und in vier Perikopen <I> und <Ƒ> abwechselnd (siehe SP I: 32, 163, 338, 358), zum Beispiel: SP I 32: fžgirdis, Jonas, Jezus, Jonuy, Jefus, fonu; SP I 338: IezauIp, fƀeio, fr 2x, fumus, fra; SP I 195: Iezus, Ierozolimu, Jezus, Ierozolimoy, Jeruzalem, Ir 4x, Jezus; SP I 122: fudeios, ftureios, fonop, fr 2x, fordano, flaiiofias. Auch in den ersten drei Perikopen von SP II werden <I> und < Ƒ> abwechselnd verwendet (siehe SP II: 1, 21, 43–44), in den letzten sieben erscheint jedoch noch ein weiterer, bis dahin nicht verwendeter Drucktyp anderer Form <J> (SP II 77–78, 108–109, 143–144, 172–173, 225, 235–236, 248–249): SP II 1: IEZVS, Jezus, IEzus, fr, fey 2x; SP II 77–78: Iezus, Jezus, Iž, Jeme, Jog, Jra; SP II 143–144: Jezus, Ieroſolimosъ, Jezus, Jezus; SP II 172–173: Jezus, fr, Iudaƶius, Iƀkarioto, Ir, Jezus 2x, fey, Ius, Jey. Aus den Beispielen geht hervor, dass alle drei hier behandelten Drucktypen sowohl [j] als auch [i] bezeichnen konnten und keinem der beiden Laute ausschließlich zugeordnet waren, d. h., ihre Funktionen waren nicht differenziert. In SP I lassen sich Ansätze erkennen, den Gebrauch der beiden unterschiedlichen Drucktypen zu beherrschen, indem ihre Variation im Text eingeschränkt und für beide Funktionen häufiger <Ƒ> gewählt wird. In SP II scheint die Variation als Norm zu gelten und wird in keiner Weise eingeschränkt. Einer der Gründe für die undifferenzierte Bezeichnung von [i] und [j] im Antiquatext von SP dürfte zweifellos dessen Einbettung in den gotischen Text gewesen sein – der gotische und nicht der Antiquasatz war die Hauptschriftart des SP-Textes (Aleknavičienė 2006: 286). Ein weiterer Grund, der zur Verwirrung beigetragen haben dürfte, war das für die ost- und mittellitauischen Dialekte typische anlautende (prothetische) [j] vor vorderen Vokalen (Palionis 1995: 50; Zinkevičius 1996: 102) (in den Perikopen: Jeme SP I 358₃, Jeme SP II 21₃, Jeme SP II 78₁₃, im Predigttext: iiebƀoio SP II 97₃₀₋₃₁). In SP I wird <j> nicht verwendet. In SP II kommt dieser Drucktyp 20-mal vor (siehe Abb. 28). Fast alle Belege finden sich auf den Seiten 1–47: In den Perikopen handelt es sich meist um Formen des Pronomens jis: ijƀai 1₈, (2x), ij 1₁₆ (Akk. Sg.) (6x), jiemus 21₇, juos 44₂, priima 44₃¹⁷; in den Predigten dagegen, ¹⁶ In ihrer Form unterscheiden sich diese Drucktypen in SP geringfügig von den im Artikel zu ihrer Kennzeichnung gewählten Entsprechungen. Der erste Drucktyp hat die strenge Form einer römischen Eins, der zweite eine verlängerte, leicht gebogene Vertikale mit einem horizontalen Strich in der Mitte, der dritte eine verlängerte, leicht gebogene Vertikale. ¹⁷ An den entsprechenden Stellen steht in JĘ: ijƀai 40₁₆, ii 40₂₃, iemus 42₂₀, juos 46₁₃, priima 46₁₆. 42 A c t a L i n g u i s t i c a L i t h u a n i c a L X I X Konstantino Sirvydo Punktų sakymų spaudmenys ir rašyba ohne ij 34₁₈ (6x), mit <j> werden außerdem igija 6₂₃ und kalaviju SP II 18₇ geschrieben. Einige Male ist <j> an späteren Stellen des Predigttextes (nicht in den Perikopen) belegt: bijos SP II 52₅, wienatij SP II 215₂₉. In allen Wörtern steht <j> nach <i>: geschrieben wird <ii>¹⁸ (Jolanta Gelumbeckaite 2009:19); daher stellte sich im Verlauf der Untersuchung die Frage, ob ij¹⁹ nicht die pronominale Form jis jįjį sein könnte; so wird es jedoch auch in nicht wortfinaler Position und in anderen Wörtern geschrieben. Die in SP II vorkommenden pronominalen Formen werden gewöhnlich mit <y> geschrieben: toy (nom. sg.) 60₄, 100₂₇, tiey 1₇, 132₁₈, nekuriey 4₁₁, 42₂₀. Somit wurde auf den Seiten 1–47 von SP II, die nahezu die ersten drei Predigten (einschließlich der Perikopen) umfassen, versuchsweise stellenweise die Schreibweise von [i] und [j] durch Einführung des Kleinbuchstabens <j> differenziert. Außerdem zeichnet sich dieser Textabschnitt, wie bereits erwähnt, dadurch aus, dass in seinen Perikopen kein <I> verwendet wird. In SP I wird <j> weder im gotischen Haupttext noch in den in Antiqua gedruckten Perikopen verwendet. Hier korrelieren [i] und [j] stets mit <i> und <I> im gotisch gesetzten Text sowie mit <i>, <I> und <j> in der lateinischen Antiqua. 1.16. Beispiele für die in SP verwendeten Drucktypen ABB. 1. SP II 65–5 ABB. 2. SP I 364–3 ABB. 3. SP I 333–24 ABB. 4. SP II 170–32–4 ABB. 5. SP II 179–2 ABB. 6. SP II 191–23 ABB. 7. SP I 198–17 ABB. 8. SP I 149–29 ABB. 9. SP II 73–23 ABB. 10. SP I 35–6 ABB. 11. SP I 303–29 ABB. 12. SP I 373–10 ¹⁸ In Jono Rėzos Psalmtere Dowido (Der Psalter Davids Deutsch und Litawisch [RPs 1625]) sind <ij> und <gh> Allographen von <j>. ¹⁹ Die Pronomenform jį in SP II wird auf drei Arten geschrieben: am häufigsten ii, vereinzelt ij und gi. In SP wird [j] durch <i>, <y> und vereinzelt in SP II außerdem durch <j> (S. 1–47) sowie <g> (SP II, S. 53–58; 112–113; 121–126 und einmal in SP I 211₃₁, sofern es sich dort tatsächlich nicht um das Partikel gi handelt) wiedergegeben. Straipsniai / Articles 43 V I R G I N I J A V A S I L I A U S K I E N Ė 1 3 P A V. SP I 162-8 1 4 P A V. SP I 367-25 1 5 P A V. SP II 34-12 1 6 P A V. SP I 372-30 1 7 P A V. SP II 73-27 1 8 P A V. SP II 236-12 1 9 P A V. SP I 332-2 2 0 P A V. SP I 268-7 2 1 P A V. SP II 104-18 2 2 P A V. SP II 172-10 2 3 P A V. SP II 103-4 2 4 P A V. SP II 14-3 2 5 P A V. SP II 75-22 2 6 P A V. SP II 76-10 2 7 P A V. SP II 76-19 2 8 P A V. SP II 1-16 2 9 P A V. SP II 164-2 3 0 P A V. SP I 369-30 3 1 P A V. SP II 242-18 3 2 P A V. SP I 373-16 3 3 P A V. SP I 93-7 3 4 P A V. SP II 70-19 3 5 P A V. SP I 219-21 3 6 P A V. SP I 140-17 3 7 P A V. SP I 367-24 3 8 P A V. SP II 235-4 3 9 P A V. SP II 247-21 4 0 P A V. SP II 40-12 4 1 P A V. SP II 188-13 4 2 P A V. SP I 317-18 44 A c t a L i n g u i s t i c a L i t h u a n i c a L X I X K onstantino Sirvydo Punktų sakymų spaudmenys ir rašyba 43 Abb. SP I 373–8 44 Abb. SP I 368–26 45 Abb. SP II 108–25 46 Abb. SP II 138–23 47 Abb. SP I 264–5 48 Abb. SP I 318–9 49 Abb. SP II 78–19 50 Abb. SP II 153–17 51 Abb. SP I 380–17 52 Abb. SP I 321–21 53 Abb. SP I 326–12 54 Abb. SP II 199–6 55 Abb. SP I 298–17 56 Abb. SP II 15–3 57 Abb. SP I 355–5 58 Abb. SP II 56–5 59 ABB. SP II 104–8 60 ABB. SP II 202–4 61 ABB. SP I 194–13 62 ABB. SP II 39–4 63 ABB. SP II 27–13 2. PUNKTŲ SAKYMŲ ORTHOGRAPHIE 2.1. Die Orthographie von SP wurde am stärksten von der wichtigsten Wissenschaftssprache jener Zeit beeinflusst – dem Lateinischen – und erst danach vom Polnischen. Dieser Einfluss dürfte zweistufig gewesen sein: (1) Durch den Gebrauch der genannten Sprachen zu wissenschaftlichen und kommunikativen Zwecken wurden ihre orthographischen Prinzipien auf natürliche Weise übernommen und an das Litauische angepasst; (2) durch die Drucktypen – indem man die Funktionen der Schriftzeichen entsprechend den technischen Möglichkeiten der Druckpressen systematisierte, verallgemeinerte, zusammenführte oder aufteilte. Die erste Phase ist eher mit dem Schreibprozess selbst zu verbinden, die zweite mit der Anpassung des Manuskripts für den Druck. Danach lässt sich auch von einer rückwirkenden Wirkung des gedruckten Textes auf das Orthographiesystem sprechen (Subačius 2001: 129–152). Straipsniai / Articles 45 V I R G I N I J A V A S I L I A U S K I E N Ė 2.2. Kennzeichnung langer und kurzer Vokale In SP wurden, wie auch in anderen katholischen Schriften jener Zeit, lange und kurze Vokale meist grafisch nicht unterschieden. Die Verdoppelung von Vokalen zur Kennzeichnung langer Vokale erstreckt sich nicht über das gesamte Werk. Sie tritt meist sporadisch in der Mitte des Textes von SP II auf und gilt als Eingriff eines anonymen Redakteurs: tiiko 142₁₄, prekii 26₂₂, iir 170₉, Karaluus (Nom. Pl.) 202₁₄, kuu 78₁₀, geruu darbuu (Gen. Pl.) 175₁₃ (Zinkevičius 1971: 153–167; 1972: 79–100; 1977: 237–244; 1988: 257–259). Selten und uneinheitlich kann der lange Vokal durch <y> gekennzeichnet werden: piktyby (Akk. Sg.) SP I 147₁₅, świełbyby (Akk. Sg.) SP I 138₁₁, żalty (Akk. Sg.) SP I 182₉, didy (Akk. Sg.) SP II 13₂; es kommen auch Verwechslungsfälle vor: dydi (Akk. Sg.) SP II 206₁₂. Im Wort ybklaujfiu SP I 198₉–₁₀ bezeichnet <y> wahrscheinlich nicht [i], sondern [ii] (zusammen mit einem hinzugefügten [j]). Am häufigsten und konsequentesten wird <y> verwendet: 1. In den Diphthongen <ay>, <ey>, <uy>: łaymingay SP I 280₁₀, weydu SP I 352₁, żmoguy I 58₂₉; pageydimay SP II 188₈; Fälle mit <i> sind vereinzelt: kaip SP I 205₆; funkiei SP I 234₁₃ (in den Perikopen!). Aus der Perspektive von Sirvydas’ Graphie könnte man Letztere als Korrekturfehler ansehen. Ein Vergleich der Perikopen von SP mit den entsprechenden Texten von JĖ deutet darauf hin, dass hier am ehesten Jaknavičius’ Hand im Spiel war. Wenn die Kennzeichnung dieser Diphthonge in den SP-Perikopen und den entsprechenden Stellen in JĖ nicht übereinstimmt, steht in JĖ gewöhnlich <ai>, <ei>, <ui>. 2. (a) In reduzierten Lokativendungen an der Position [i] (systematischer in SP I): śirdiy SP I 138₂₃, naktiy SP II 66₃₂; ugniy SP I 160₆; żodiy SP I 354₁₄; żmogifłey SP I 138₁₁; pakaũy SP I 370₁₀; in SP II erscheint an der Position [i] stellenweise bereits <i>, während <y> einen langen Vokal bezeichnet: śirdyi 29₁₈, 63₃₁, żodyi 61₅; (b) an der Position [ii] in pronominalen Formen in SP II: Seniey 134₁₃, tikroy tieła 141₁₉, wirefniey 54₂₀, świetifβkiey Vkiniḱay 54₂₁. Weniger konsequent wird <y> verwendet: 1. Nach depalatalisierten Konsonanten (besonders in SP II): prywało SP I 5₁₂, ſtypray SP I 7₂₃; nułynkias SP I 105₂₄, ſtyprafnis SP II 146₁₂, Sżytays SP II 18₈, βyłkuoſe SP II 179₃₀, Żynoio SP II 104₇, niepryimtinas SP II 137₅, βyrdies SP II 169₁₂, żyba SP II 184₁₇. 2. In der Lokativendung des Singulars: paguldimy SP I 83₃; puody SP II 107₅; raβty SP I 13₅; daykty SP II 98₁₃; <i> kommt in dieser Position ebenfalls vor, aber selten: paguldimi SP I 332₂₀, daykti SP II 112₄, raβti SP I 47₁₆. In SP I findet man gewöhnlich <y>, in SP II dagegen häufiger <i> (vgl. kuny 11-mal in SP I und 2-mal in SP II; kuni 9-mal in SP II). 3. In Lehnwörtern: żywatas SP II 59₁₈, tyranay SP I 13₂₆, żyday SP I 138₂₆, Synagoga SP I 333₃, herezya SP I 254₁₄. In SP II ist die Funktion von <y> gegenüber SP I eingeschränkt. In vielen Fällen kann <i> an denselben Positionen wie <y> verwendet werden. 46 Acta Linguistica Lithuanica LXIX Konstantino Sirvydo Punktų sakymų spaudmenys ir rašyba <u> wurde sowohl zur Bezeichnung des kurzen [u] als auch des langen [ū] verwendet²⁰. Das verdoppelte <uu> zur Bezeichnung des langen Lautes kommt in SP II nur vereinzelt vor und ist von derselben Art wie <ii>: Karalus (Nom. Pl.) SP II 202₁₄; geruu darbuu (Gen. Pl.) SP II 175₁₃. Der Druckbuchstabe <ū> mit Makron bezeichnet in SP ausgelassene tautosyllabische [m] und [n] (vgl. 1.13.). 2.3.1. Bezeichnung von [e] nach einem palatalisierten Konsonanten Die Bezeichnung von [e] nach einem palatalisierten Konsonanten variiert stark: In SP I wurde häufiger <e> oder <ie> geschrieben (wobei die Palatalisierung des Konsonanten zusätzlich markiert wurde), in SP II auch <ia> (an manchen Stellen durchgehend) (Specht 1929: 17)²¹. Das deutet darauf hin, dass der [e]-Laut im Dialekt der Bearbeiter von SP II offener war als im Dialekt Sirvydas’ und dass die Konsonanten stärker palatalisiert wurden (Zinkevičius 1996: 100–101). Betrachtet man beide Teile von SP zusammen, finden sich folgende Varianten: de / dia-: degina SP I 302₂₀, diaǧina SP II 76₂₀, diagintu SP II 160₂, dešine SP I 241₈, SP II 244₂, diaβne SP II 186₃₀, deβne SP II 229₂₅–₂₆, deftis SP I 370₂₃, SP II 70₁₆, diaftis SP II 170₄; ge- / gie- / gia-: geria SP I 46₁₆, gieria SP II 50₁₅, giaria SP II 92₁₄, gema SP I 104₂₂–₂₃, SP II 51₁₇, gema SP I 22₃, SP II 123₂₅, giema SP I 106₂₉, SP II 97₂₀, geray SP II 184₂₉, giera (Adj. Neut.) SP I 284₁₇, gieras SP I 201₁₉–₂₀, giara SP I 172₂₆, SP II 186₃₁, giaras SP II 55; kie- / kia-: kielo SP I 161₁, SP II 240₃₂, kialo SP II 87₉, kieltis SP I 178₂, SP II 228₁₆, kialtis SP II 158₁₁, kieltuwu SP I 269₃, SP II 157₆, kialtuwu SP II 95₁₃–₁₄, βakiele SP I 311₁₂, βákialu SP II 171₂₀ (Wörter mit dem Anlaut ke- kommen nicht vor); me- / mie- / mia-: metas SP I 331₅, SP II 140₂₈, miatas SP II 169₂₃, medžiu (Instr. Sg.) SP I 310₂₀, SP II 65 (Akk. Sg.), miadžiu (Gen. Sg.) SP II 170₃₀–₃₁, ftameni SP I 103₄, ftamenio SP I 76₉, akmenimis SP I 186₂₃, SP II 45₁₆, akmienimis SP I 377₉; ne- / nie- / nia-: nuniaβa SP II 188₁₁–₁₂, nendres SP II 99₈, niendri SP II 166₇, niandri SP II 166₁₁, neprietelaus SP I 25₂, SP II 12₃₀, niepretelaus SP II 74₂₀–₂₁; pe- / pie- / pia- / pea-: péciu SP II 204₂₀, pécio SP I 194₇, piéciu SP II 218₁₆, piácio SP II 205₂, pekłos SP I 275₁₁, SP II 52₈, pieklįβkay SP II 42₂₀–₂₁, piakliβkas 20 Der lateinischen Tradition folgend wird [u] am Wortanfang gewöhnlich mit dem Druckbuchstaben <v> bezeichnet. <u> am Wortanfang kommt nur 8-mal vor und ist als Druckfehler anzusehen: užgimimo SP II 124₁₆; uolos SP I 270₁; uolas SP I 50₂₁; uoga SP I 321₂₀; uoday SP I 260₁₈; 316₁₂; unt SP II 200₈; 204₁₄. 21 Die höchste Konzentration von <ia> hat die Verfasserin des Artikels in SP II 166–183 festgestellt. Darauf hat auch Franz Specht (1929: 17) hingewiesen. Als Erster bemerkte und beschrieb diese Variation jedoch der andere deutsche Sprachwissenschaftler Richard Garbe im SP-I-Druck von 1884. Ihm zufolge wird <ie> am häufigsten nach den Konsonanten <g>, <k>, <š>, <ž> geschrieben; nach anderen Konsonanten kommt es selten vor (Garbe 1884, 13). Straipsniai / Articles 47 V I R G I N I J A V A S I L I A U S K I E N Ė SP II 206₂₄–₂₅, piakłos SP II 75₃₂, Petras SP I 49₈, SP II 207₁₅, Piatras SP II 17₂₈, Peatras SP II 186₁₁, 207₁; re- / rie- / ria-: retos SP I 75₇–₈, Riatas SP II 182₂₈, regiedami SP I 19₆, SP II 34₁₀, riegiedamas SP II 48₁₉, riag SP II 177₁₅; se- / sia-: fenu (Akk. Sg.) SP I 56₁₃, SP II 123₃–₄, fianu SP 171₂₆; ste- / stia-: ftebįli SP I 329₂₈, II 71₅, ftiabili SP II 176₁₉; šie- / šia-: šiesielis SP I 125₂₇, plišieli SP II 27₆, kaŭšielis SP I 314₁₄, šieši SP I 214₁₀, šiaßtu SP I 317₁₀ (Perikopen) (Wörter, die mit <še> beginnen, gibt es nicht); we- / -wie- / wia-: welinas SP I 293₃, SP II 46₁₂, wialinas SP II 77₁₇–₁₈, wede SP II 95₆, wiade SP II 177₃₁, giwena SP I 308₁₃, giwiena SP I 308₂₂–₂₃, giwianimo SP II 169₂₁; že- / žie- / žia-: žemes SP II 138₄, žiames SP I 12₇, SP II 151₃₂, žiemes SP II 246₁₄, žemibe SP II 216₂₅–₂₆, žiemay SP II 48₂, žiamious SP II 183₂₅, nužemintus SP II 47₁₄, nužiamintays SP II 47₁₇–₁₈, Nužiemindawau SP II 67₃. SP I [e] wird einheitlicher wiedergegeben, meist als <e> oder <ie>; <ia> konzentriert sich vor allem an einer genau begrenzten Stelle des SP-II-Textes; im übrigen Text unterscheidet sich die Wiedergabe von [e] im Wesentlichen nicht von SP I. Am stärksten musste [k] vor [e] palatalisiert werden – auf <k> folgt stets ein Palatalitätszeichen (Palionis 1995: 30). Das Palatalitätszeichen steht auch nach [š], das durch den Druckbuchstaben <š> wiedergegeben wird; das in zwei Wörtern vorkommende <ß> sollte wahrscheinlich ein velarisiertes [š] bezeichnen, oder es handelt sich um einen hier eingeschlichenen Korrekturfehler: βeymina SP II 181₆ und βeymina SP I 317₅ (Perikopen), vgl. šiey-min- wird meist in SP I fünfmal geschrieben. 2.3.2. Bezeichnung von [ai] nach einem weichen Konsonanten Der Diphthong [ai] nach einem weichen Konsonanten wird auf vier Arten bezeichnet: <ey>, <iey>, <iei>, <iay>: pageydimu SP II 140₃₁, pagieydimus SP I 266₁₀, SP II 259₁₀, pagiaudimuołe SP II 178₂₁–₂₂, gieyde SP I 127₃, SP II 27₈, geyde SP II 180₂₃, weydo SP I 90₁₀, SP II 148₄, wiaydo SP II 219₁₉, wieykiey SP I 268₁₀, weykiey SP I 52₂₉–₃₀, SP II 106₂–₃, meyłes SP I 89₂₀, SP II 107₂, miayłes SP II 184₁, funkiey SP I 198₂₇, SP II 88₂₅, funkiei SP I 234₁₃ (Perikopen), βeymina SP II 181₆, šieymiu SP I 254₁₁–₁₂. Die häufigste Variante ist <iey>; <iay> ist für bestimmte Textstellen in SP II charakteristisch. 2.4.1. Bezeichnung stimmhafter und stimmloser Konsonanten an ihren Übergängen Bei Assimilationsvorgängen werden Konsonanten häufiger nach dem morphologischen Prinzip geschrieben, doch wird keines der beiden Prinzipien konsequent eingehalten: pabaygtu (4x) SP II 62₂₆–₂₇, pabaiktu SP II 182₁₃–₁₄, àžudingie SP II 18₂₂–₂₃, àžudingt SP I 255₂₆, àžudingta SP I 48 A c t a L i n g u i s t i c a L i t h u a n i c a L X I X Konstantino Sirvydo Punktų sakymų spausdmenys ir rašyba 310₁₇–₁₈, užjudenktu SP II 18₂₇, ažudinktu SP II 40₁₀, ažudinkta SP II 209₃₂–₃₃, apjidenktumite SP II 175₂₁, ažudegtas SP I 144₉–₁₀, prabyngtay SP I 53₂, prabinktay SP I 273₂₁, užjudegtas SP II 76₅–₆, ažudektu SP II 240₁₃–₁₄, ažudirbtu SP I 323₂₅, dirbt SP I 330₁ (4x), dirps SP II 35₂₆, Dirpkite SP II 177₃₂, iżwerβtu SP I 85₁₃, iżweržto SP I 13₁₇. Der Singular der zweiten Person des Imperativs ist in SP II zweimal geschrieben: nunuoging 169₂₉; saugog 141₈ (-k + g(i) = g: nunuogink gi?). Die Schreibung der Halbpartizipien beruht sehr häufig auf dem phonetischen Prinzip: nuleyzdama SP I 333₁₈, pamezdami 258₅, ibrizdami 187₂, drauždami 258₄, žiždamas 213₁₉; fuleyzda-mas SP II 12₈, žayzd amas 58₃, melždami 103₁₃, rauždami 176₁, fkuzdamafis 142₅, melždamies 202₁₀–₁₁. Doch kommen auch Fälle mit <s> vor: fukdamafis SP II 55₁₅, ibmesdamas SP II 72₁₀, An der Grenze zwischen Stamm und Suffix können gelegentlich zwei Konsonanten, die verschiedenen Morphemen angehören, nebeneinandergestellt werden, ohne sie zu verschmelzen: apjidingkite SP II 132₅, Džiaugkites SP I 326₂, biegkt SP II 172₁₇ (vgl. per bekt SP II 217₁₉), nulaužsiu SP I 310₂₈. Vor dem Hintergrund von Sirvydas’ Sprachkompetenz wurde damit wahrscheinlich versucht, den durch Assimilation verdeckten Prozess der Bildung von Verbformen sichtbar zu machen (vgl. iżližios SP I 7₆, užJet SP I 285₅). Dies könnte eine der vorgeschlagenen Schreibweisen gewesen sein: die Morpheme an ihren Grenzen unversehrt und unverändert zu bewahren. Unklar ist, ob die folgenden vereinzelten Fälle Korrekturfehlern oder Bemühungen um eine orthographische Normierung (Hyperkorrekturen) zuzuordnen sind: ungβtu SP II 104₁₂, lisdus SP I 305₁, mafgot SP II 173₅ (vgl. auf derselben Seite mazgofi 173₁₀). Insgesamt werden die Konsonanten in SP II häufiger phonetisch geschrieben. 2.4.2. Bezeichnung von [š] und [s] vor [č] Sowohl [š] als auch [s] wurden in der Position vor [č] nicht immer entsprechend ihrer Herkunft bezeichnet (vgl. tuščias und skai tus), und ihre Schreibweise variierte stark. Außerdem wurde in der entstandenen Konsonantenverbindung auch die Affrikate [č] unterschiedlich wiedergegeben. Es ist offensichtlich, dass die Wiedergabe dieser Konsonanten durch Schriftzeichen den damaligen Autoren und Buchverlegern Probleme bereitete, die eine beträchtliche Variantenvielfalt zur Folge hatten. In SP finden sich folgende Varianten: [š] in der Position vor [č]: <fc>, <lć>, <lċ>, <sć>, <ść>, <ść>, <śċ>, <lcз> <lcзć>, <βć>: karfciomis SP I 232₁₃, tufcias SP II 40₁₂–₁₃, karfciaus SP II 50₁₆, kumfciomis SP II 199₂₃, Krikfcionis SP II 202₁₀, tewikfcion SP II 187₂₈, karfčiuofe SP I 244₁₇, krikfcionie SP I 162₁₀, tewikfčiu SP I 217₂₈, tufčiu SP II 156₄, krikfčioniu SP I 320₁₁–₁₂, waykčioia SP I 351₄, paukčiey SP I 308₁₂, paukśiey SP I 311₄, karśčiaus SP I 65₂₂, tusčias SP I 44₂₂, krikścionimus SP I 360₂₁, tewikścion SP I 343₇–₈, paukś-cio SP I 107₁₈, krikścionis SP I 112₁₆, paukśiey SP I 189₂, tusčiey SP II 6₂₇, krikś- Straipsniai / Articles 49 VIRGINIJA VASILIAUSKIENĖ čionis SP I 239₁₈, SP II 179₃₀, tuščio SP I 244₁₉, tułczus SP II 202₁₃, namikfčėiey SP II 186₉, brikfčionie SP II 232₂–₃, karbčio SP I 329₁₇; [s] in der Position vor [č]: <lc>, <lć>, <sć>, <ść>, <sć>: rupefčiu SP I 134₂, rufcioy SP I 105₂₇, fkayfčiaufi SP II 271, karalifciu SP I 134₁₇ (vgl. DP: rupefčiu 16₃₄, ižgafcio 13₂₀), rupefčiu SP I 248₄–₅, fkayfčiaufia SP I 211₂, karalisčiu SP I 132₁₄, rusčiaufia SP I 272₂₉, rupesčiu SP I 144₂₇, SP II 62₁₀, ižwerščiey SP II 14₃, wagiščiu SP I 147₁₁, karališčiu SP II 154₁₅–₁₆, fkaiščiaus SP II 38₂₂, karališčiu SP II 14₁₆–₁₇. Die wahrscheinlichsten Ursachen für diese Schreibweisen wurden bereits zuvor benannt: die uneinheitliche Verwendung derselben diakritischen und diakritiklosen Lettern (siehe 1.5.4.) sowie das Fehlen präziserer Rechtschreibnormen. Bei der Bezeichnung der genannten Konsonanten wurde weder das morphologische noch das phonetische Prinzip konsequent befolgt. In diesem Fall sollten auch andere Ursachen nicht ausgeschlossen werden: Die Schreibweise könnte Besonderheiten der Vilniuser Aussprache widerspiegeln – entweder dialektale Merkmale oder solche, die durch Sprachinterferenz entstanden und Frikative sowie Affrikaten betrafen. 2.4.3. Bezeichnung von [š], [ž] an den Übergängen der Präfixe iš-, iš-, už- zu anderen Morphemen Die Schreibweise der Präfixe iš-, iš-, už- an den Übergängen zu anderen Morphemen (insbesondere zur Reflexivpartikel si) variiert: i{ž}liveržtu SP II 48₂₅, i{ž}taria SP II 5₁₃, išpa{ž}ini-mo SP II 172₄, ižleyzdawo SP II 28₂₂–₂₃, ižtrinta SP II 163₂₃, iβtrint SP II 231₂₈, Ižjim{á}no SP II 83₇, iβsimano SP I 332₂₃, iɪmano SP I 228₂₃, i{ž}naykinta SP II 154₄, iβnaykie SP I 185₂₁–₂₂, iβfimano SP I 305₁₈, iβfikalbet SP II 53₁₅, iβluoia SP II 72₉; ižlipilde SP II 220₁₂–₁₃, ižagtas SP I 174₂, iſſipildis SP I 1₁₈, ižizios SP I 7₆, if{ž}iotu SP II 69₂₅–₂₆, i{ž}metimo SP II 61₁₉–₂₀, ižmeft SP II 56₃, iβmes SP II 57₃, vžfet SP I 285₅, vži̇kielunčio SP I 310₃₀, vžtekiet SP I 347₇, vž{ž}ingг SP II 234₃₂, vſimatis SP II 177₁₂, vſimeftu SP II 176₈, VJžwefdamas SP II 37₆, vβžerſi SP I 349₂. Aufgrund der variierenden Schreibweise ist nicht immer klar, welches Verb verwendet wird: įstatyti oder išstatyti: In einem Teil des Gehens setzt Gott die Frau in den Zustand der Witwenschaft SP I 232₃–₅. Denn er setzt sie in der Kirche ein, wie eine Königin in einem Königreich SP II 151₁₇–₁₈. In SP sind deutliche Bestrebungen erkennbar, die betreffenden Präfixe in unterschiedlichen Positionen einheitlich zu schreiben; dennoch ließ sich die Variantenvielfalt nicht vermeiden, sodass ihre Schreibweise nicht als durchgehend konsequent bezeichnet werden kann (Palionis 1995: 30). Die Beispiele zeigen, dass es am schwierigsten war, diese Präfixe abzugrenzen und festzuhalten, wenn sie mit der Reflexivpartikel si verschmolzen. Doch auch dann wurde meist die Variante užsi- gewählt. In SP werden zwei Formen des Präfixes iš- verwendet: iż-, iż-, iż-, iż, iz-, iż-, iż- (mit <ž>) oder isz-, iβ- (mit <š>). Welche davon gewählt wird, hängt vom Wortanfang der Wurzel ab 50 Acta Linguistica Lithuanica LXIX Konstantino Sirvydo Punktų sakymų spaudmenys ir rašyba Zur lautlichen Wiedergabe: isz-, iβ- wird nicht vor stimmhaften Konsonanten geschrieben, während iž- in fast allen Positionen vorkommt (nicht belegt vor ey, e: IS3eio SP 350₂₉, iβeyt SP I 39₁₅, SP II 121₅, iβeymay SP I 351₁₁, iβeykite SP II 168₈, Iβeiau SP II 242₂₁); daher variiert die Schreibung einiger Wörter, die mit einem stimmlosen Konsonanten oder einem Halbvokal beginnen: ižkaktu SP I 352₁₅, ižkako SP II 243₂₂, ižkafa SP I 208₂₄, SP II 209₂₆, iβkafa SP I 208₂₀, ižmanimu SP I 251₂₄, iβmanimu SP I 94₁₉, ižmintis SP II 215₃–₄, iβmintis SP I 63₂₂, SP II 156₁₉, ižreyβkia SP I 128₁₂, iβreyβkia SP I 82₁₈, SP II 12₁₂, ižfakit SP I 159₈, iβfakit SP I 161₂₈, ižkayto SP I 126₁₄, SP II 149₁₃ iββkayto SP I 333₂₇, SP II 122₁₆, ižwidis SP I 129₂₇, SP II 18₂₄, iβwidis SP I 209₂₈. iβ- ist vor Halbvokalen deutlich häufiger als iž-... belegt. Im Fall der Präposition iš ist die Position unerheblich – in SP wird sie systematisch mit <ž> geschrieben: iž, iz, iž, iž, iz, iž, iž. Die drei Belege mit iβ (SP I 95₂, 310₂₅, SP II 172₂₄ (Perikopen)) sind als zufällig anzusehen. 2.4.4. Bezeichnung von [n] vor [b], [p] Die Form des Präfixes im- wird vor [b] und [p] ziemlich konsequent verwendet: imbers SP II 107₉, impuola SP I 108₂₀ (insgesamt 23 Belege in den Verbformen ipulti und ipuldinėti); nur einmal ist inpuolys geschrieben, SP II 75₅. 2.5. Fremdstämmige Konsonanten, Digraphen, Geminaten <f> und <h> werden in Internationalismen verwendet, während <x> in litauischen Wörtern und Lehnwörtern zur Bezeichnung der Konsonantenverbindung [ks] dient: affektays SP I 294₁₅, Iozafu SP I 181₂₃, heretikay SP I 204₁₁, hijtoríu SP I 205₁₃, herefiju SP I 251₁₂, holofe SP I 255₂, džiauxmu SP I 201₁₂, linxmibes SP II 97₂, paduxi SP II 99₉, uxnoy SP II 243₃, uxufo SP II 163₁₅, auxi SP II 36₂₄, axtinays SP II 63₂. <Ch> kommt in nichtlitauischen Eigennamen – Personen- und Volksnamen – vor: Chrijtus SP I 367₂₆; SP II 242₆, Chaldaycзykų SP II 168₇–₈, Chaneneus SP II 7₁₄, Cherubinay SP II 197₁₆–₁₇, Chrijtoftomas SP II 47₁₀–₁₁. <C> und <c> werden in Lehnwörtern aus dem Lateinischen oder über das Lateinische anstelle von <k> geschrieben: cedrus SP I 141₅, Casus SP I 306₂₁, cometa SP II 140₂₁, Cyrillus SP II 93₇. In Latinismen wird auch <q> verwendet: queftiiu SP II 306₈. In Internationalismen auf lateinischer und griechischer Grundlage werden <Th>, <th> und <rh> geschrieben: theologay SP I 238₂₆, katholiku SP I 226₆, Thomas SP I 99₇, Theophilaktus SP II 178₃₁, myrrhu SP I 225₂₅. Aus demselben Grund kann <y> verwendet oder können Konsonanten verdoppelt werden: tyrannu SP II 146₂₇ (vgl. lat. tyrannus), affektays SP I 294₁₅ (vgl. lat. affectus). Die Geminaten <fs> und <ff> in Präsensformen des Verbs būti sind wahrscheinlich ebenfalls durch den Einfluss des lateinischen Verbs Straipsniai / Articles 51 VIRGINIJA VASILIAUSKIENĖ esse entstanden: efsi (27 Belege), effi (15 Belege), efsiby SP I 17211, effuntiemus SP I 27817, efsigu SP I 8214. In fremdstämmigen Wörtern gibt es auch andere Geminaten (siehe die vorherigen Beispiele in diesem Abschnitt)22. 2.6. Getrennt- und Zusammenschreibung von Wörtern Da es keine Grammatiken und darin kodifizierten Normen gab, wurde die Getrennt- und Zusammenschreibung von mehreren internen und externen Faktoren bestimmt: (1) Prosodie; (2) das Vorbild anderer Sprachen; (3) technische Besonderheiten des Drucks und das Seitenlayout sowie die Sprachkompetenz der Drucker und Verleger. Die Orthographie von SP ergibt sich vielfach aus dem natürlichen Gespür für die Intonation der eigenen Sprache und deren Veränderungen sowie für Bedeutungsnuancen. Mangels festgelegter Regeln werden Wortverbindungen daher recht häufig zusammengeschrieben, während einsilbige Wörter ohne eigenen Akzent (Enklitika und Proklitika) sich natürlicherweise an längere Wörter mit intonatorischer und semantischer Selbständigkeit anlehnen. Intonatorische Pausen, Wortstellung und Kontrastakzent werden bewusster gewählt und hängen stärker mit der Rhetorik der Predigten zusammen. In einem Wort können Adverbien oder adverbialisierte Verbindungen geschrieben werden, die aus einer Präposition und einem obliquen Kasus bestehen (1); Verbindungen aus einem Pronomen und einem obliquen Kasus (2); Verbindungen aus der Präposition be und einem Pronomen (3); Verbindungen aus Pronomen sowie aus Pronomen und Partikeln (4): (1) In SP I wird be in Verbindungen mit quantitativer Bedeutung (mit einer Ausnahme) zusammengeschrieben: begalo (14-mal), be galo (1-mal) SP I 20414, bemieros SP I 1711–2, beikayčiaus SP I 31326; in SP II hingegen wird be galo (8-mal) getrennt geschrieben (die meisten solchen Belege finden sich auf den Seiten 211–218 von SP II). Auch in Verbindungen mit qualitativer und lokaler Bedeutung: ižtolo SP II 18718; ižkur SP II 18420. (2) SP I tuometu (15-mal), tuo metu (9-mal); SP II tuometu (2-mal), tuo metu (17-mal). (3) Ne turi įbmonios / ney luofo noro / a beto ne deftis ne vienas nufideimas SP I 28321. (4) kunorint SP II 15132, kokinoris SP I 8829, kokiaf=norint SP II 19830, iogipaties (d. h. jo gi paties) SP II 2068, kurys giwienas (d. h. kuris gi vienas) SP II 8631. Die Präposition be wird besser vom zweiten Bestandteil des zusammengesetzten Partikels nebe be unterschieden: SP I: Nicht ohne Mühe oder Anstrengung ließ sie sich selbst zurück SP I 9714. Denn die Teufel vertrieben sie nicht ohne Grund aus dem Evangelium SP II 616. 22 Zu den seltenen, unsystematischen Schreibungen ist darīsime SP I 1409 zu zählen. Dieses Wort steht in einem Zitat aus der Vulgata (Lk 3,14). Einige unklare und komplizierte orthographische Fragen zu SP werden sich daher erst dann genauer beantworten lassen, wenn die Zitate (sie können 20–25 Prozent des gesamten SP-Textes ausmachen) vom Autorentext getrennt und beide Textebenen gesondert untersucht worden sind. 52 Acta Linguistica Lithuanica LXIX Konstantino Sirvydo Punktų sąkymų spaudmenys ir rašyba In den Dualformen der Pronomen wird das Zahlwort du nicht mit den Pronomen zu einem Wort zusammengeschrieben: Als die beiden Jünger über das Leiden des Erlösers sprachen, fürchteten sie sich, dass der Herr zu ihnen kommen könnte SP II 240₇. So waren diese beiden Jünger, als sie den Herrn die Schriften auslegen hörten, erleuchtet und glaubten SP II 240₂₆. Man nimmt an, dass die getrennte Schreibung von nicht bei Verben unter dem Einfluss des Polnischen entstanden ist (Palionis 1995: 31). Doch wird nicht bei weitem nicht mit allen Verben, geschweige denn mit allen Verbformen (besonders mit passiven Partizipien), gleich häufig getrennt geschrieben. Außerdem gibt es hier auch nicht wenige Fälle von Variation, zum Beispiel SP I: negal (52x), ne gal (19x), negali (4x); SP II: negal (7x), ne gal (32x), negali (1x), ne gali (3x); SP I: nežino (15x), ne žino (6x); SP II: nežino (3x), ne žino (1x); ne kinčia SP II 216₂, ne kinčia SP I 117₇; nebiokites SP I 87₂₈, ne biodamies SP I 64₇. Bei reflexiven Verben wird nefirado SP I 49₆, nefileyde SP II 242₁₅ zusammengeschrieben. Einmal wurde ne wahrscheinlich versehentlich getrennt geschrieben: ne įf̄augo SP I 372₁₄. Bei passiven Partizipien in adjektivischer Funktion wird ne häufiger zusammengeschrieben als bei finiten Verbformen: neižagtas, neižāgtas (SP I 2x; SP II 1x); ne i(n)žagtas (SP II 2x); neįßlakitas, neižßlakitas (SP I 12x; SP II 2x); ne ibßlakitas, ne ižßlakitas (SP I 7x; SP II 7x); SP I: neful̄twertas (4x), ne futwertas (2x). Ne wird in SP II häufiger getrennt von Verben geschrieben. Bei einigen Verben wird ne häufiger zusammengeschrieben, bei anderen getrennt, ohne dass dafür eine klare Motivation erkennbar wäre. In SP II können Präpositionen und Präfixe miteinander verwechselt werden: Präpositionen werden mit den nachfolgenden Wörtern zusammengeschrieben (1), Präfixe dagegen vom Rest des Wortes getrennt (2): (1) ápekuri 231₁₇, ážuniekų 208₉, ižmielto 220₂, iždungaus 80₂₃, ižkielmo 65₁₂, iždebelies 21₁₂, ižnauio 173₁₈, ižpaminetu 221₁₉, ižnumirušiu 226₁₇, ižparodimo 40₁₁ (2-mal), ižwirbaus 36₃₁, pernuopehus 30₁₆, polungu 102₁₂; (2) ažu ſm̄augie ir ſu drafkie 256₂₆, ſu plefi 200₂₇, iž leydžia 166₂₂, ſu eyga 162₆, ažu laykis 120₄, be žadis 73₁₅, iž kif̄t 48₁₀. Fälle, in denen Präpositionen zusammengeschrieben werden, treten auch in SP I auf (ižkuriu 153₂₉, pawundeni-mis 269₂₈), doch ist ihre Häufigkeit in SP II wesentlich höher; außerdem ist hier auch das umgekehrte Phänomen belegt – dass Präfixe getrennt geschrieben werden. Als eine der Ursachen für die Verwechslung von Präfixen und Präpositionen ist wohl die unzureichende Beherrschung des Litauischen durch die Drucker und Redakteure sowie ihre allgemeine Sprachkompetenz anzusehen. Auch darf man nicht vergessen, dass SP II nicht vom Autor selbst für den Druck vorbereitet wurde. Weitere Ursachen sind technischer Art: (1) Veränderung der Stelle, an der das Wort getrennt wird, beim Setzen des Textes aus dem Manuskript für den Druck (die Position des Trennzeichens ändert sich, weil die Zeilen nicht übereinstimmen): Straipsniai / Articles 53 VIRGINIJA VASILIAUSKIENĖ fu=manim SP II 22923, iš=giditoiu SP II 22319, I=eyk SP II 2588, I=eyt SP II 8520, fu wieninta SP II 1137 und so weiter (siehe auch die zuvor aufgeführten Beispiele). (2) unterschiedlich große Abstände zwischen einzelnen Wörtern derselben Zeile; nicht in allen Fällen lässt sich feststellen, ob ein Abstand zwischen Wörtern vorhanden ist oder nicht; manchmal reicht der Platz in einer schmalen Zeile nicht für ein Trennzeichen aus. In den meisten Fällen behalten die Wörter im gesamten SP-Text ihre festen Strukturen und verschmelzen nicht mit den sie umgebenden Wörtern. Die Wiedergabe von Wortverbindungen als ein Wort ist häufig durch Lexikalisierung motiviert (begalo, ištolo, tuometu u. a.). Wie bereits erwähnt, wurden einige Regeln zur Getrennt- und Zusammenschreibung aus dem Polnischen übernommen; in diesem Zusammenhang wäre es jedoch sehr wichtig, auch einen möglichen Einfluss des Lateinischen zu prüfen, da dieser Einfluss in einigen anderen Bereichen der Rechtschreibung und des Gebrauchs von Drucktypen unzweifelhaft ist. Eine genauere Antwort auf diese Frage wird erst möglich sein, wenn aus dem SP-Text die biblischen und anderen aus dem Lateinischen übersetzten Zitate ausgesondert und ihre orthografischen Besonderheiten gesondert untersucht worden sind. 2.7. Großschreibung Meist orientierte man sich an der lateinischen und polnischen Tradition der Großschreibung. Eigennamen und Bezeichnungen beginnen mit einem Großbuchstaben; biblische Namen werden häufig verwendet. Außerdem werden nach lateinischem und polnischem Vorbild Volksnamen sowie verschiedene religiöse Richtungen und Strömungen großgeschrieben: Murinas SP I 29420, Tatariev, Turkay SP I 3468, Ziday SP I 4812, Zyday SP II 9322, Amonitu SP I 3529, Afsironis SP I 17015–16, Aegipcianus SP I 26020, Aegypčionu SP II 2084–5, Chaldavczyku SP II 1687–8, Philitinų SP I 22619, Korinthianump SP I 475–6, Medanus SP II 15022–23, Madionitu SP II 91, Niniwityav SP II 5718–19, Pharizeußav, Lewitas SP I 8123, Arionay, Eutichionay, Monothelitay SP I 20514–15, Neftoriany, Lut-heranu SP 2901–2, Luteru ir Kalwinu SP I 25121. Der stilistische Gebrauch von Großbuchstaben ist nicht immer konsequent. Am konsequentesten wird das Wort Gott großgeschrieben (nur vier Fälle mit Kleinbuchstaben sind als Druckfehler anzusehen). Kleingeschrieben wird dieses Wort aus gutem Grund, wenn von heidnischen Gottheiten die Rede ist: Teyp ir Ziday telu iš aukfo Jaw nuleii diewu ii dare SP I 7229. In beiden Teilen variiert die Schreibung des Wortes Kirche stärker: SP I: Bažnićia 63-mal, bažníčia 57-mal; SP II: Bažníčia 28-mal, bažníčia 5-mal. Aus stilistischen Gründen oder zufällig werden Wörter in SP II häufiger mit Großbuchstaben geschrieben. So werden beispielsweise die Substantive kunigas und kunigaikštis in SP I kleingeschrieben, 54 Acta Linguistica Lithuanica LXIX Konstantino Sirvydo Punktų sakymų spaudmenys ir rašyba In SP II ist kunigas bereits in einem Viertel der Fälle mit Großbuchstaben geschrieben, während kunigaikštis häufiger groß- als kleingeschrieben wird. Ähnlich schwankt in SP II auch die Schreibweise von Velykų, velino (in SP I wird velinas ausschließlich kleingeschrieben). Velinas steht in Zitaten aus Johannes Chrysostomos (Homiliae LV in Acta apostolorum. XLI; PG 60: 293) (1) und aus dem ersten Petrusbrief (1 Pt 5,8) (2) mit Großbuchstaben: (1) Nufideimas piktefnis / ira negi Welinas / nes welinas daro žmones nužemintus. Er ne regite apfleftuiu / kad pafweykfla ába luofays nuog pikto Welino tumpta kaip ira nužamintays SP II 4712–17. Daemone gravius est peccatum; ille namque humiles reddit. Annon videtis daemoníacos, quando a morbo recreantur, quam sint demissi. (2) Neprietelus / iufų Welinas / kayp lewas rekdamas fukafi / iefbkodamas ku praritu SP II 25629–32. Das Wort demonas verwendet Johannes Chrysostomos im griechischen Original; es ist auch in der lateinischen Übersetzung dieses Werks erhalten geblieben. In den benachbarten Zitaten ist dieses Wort auf Polnisch ebenfalls großgeschrieben. Im ersten Zitat wird jedoch das vom Übersetzer zusätzlich eingefügte Wort welinas (das im griechischen und lateinischen Text fehlt) unterschiedlich behandelt: Es wurde ins Polnische anders übersetzt – nicht mit Dyabel, sondern mit czárt, während es im litauischen Zitat kleingeschrieben ist, vgl.: Grzech / gorby ieft / niž Dyabel / bo czárt czyni ludzie pokorne. A zá nie widzićie opełtánych / gdy do zdrowia przychodzą / y wolnemi od Dyabłá ftáją się / iáko są pokorni SP II 4711–15. In SP I werden Großbuchstaben systematischer, einheitlicher und seltener verwendet als in SP II. Die Verwendung von Großbuchstaben im Text von SP II wirkt in einigen Fällen zufällig; ihr Gebrauch wurde während des Publikationsprozesses nicht vollständig geregelt: iop priſigrįbt / Nes ne wieno daykto futwerto ne regieio SP II 1143–4; kuríu Dáwe CHRyſtufas taridamas SP II 926–7; Ir todrin ſtebiſi S. Auguſtinas / Krikſčionies to durnibey SP II 714–6; iž kalno aba iž Pilies prieβ neprietelus muβáſi SP II 1924–26. SCHLUSSFOLGERUNGEN 1. Die für lateinische und polnische Texte angepassten Druckzeichensätze konnten Sirvydas’ Rechtschreibkonzeption nicht vollständig widerspiegeln. Man musste sich nach den Möglichkeiten der Druckerei richten. Aus diesem Grund wurde bei der Erörterung der in SP verwendeten Schriftzeichen dem Begriff des Druckzeichens der Vorzug gegeben. Damit sollte eine Gleichsetzung von handschriftlichen und gedruckten Graphemen vermieden werden, da dasselbe Druckzeichen mehrere handschriftliche Grapheme bezeichnen konnte und umgekehrt. Straipsniai / Articles 55 VIRGINIJA VASILIAUSKIENĖ In DP werden Druckzeichen mit Diakritika sehr häufig verwendet, doch ist ihre Vielfalt in SP größer. Auch im Vergleich zu JE werden in SP mehr und vielfältigere Druckzeichen mit Diakritika verwendet. Hier finden sich etwa 51 Druckzeichen mit unterschiedlich geformten diakritischen Zeichen. Der größte Teil davon ist sehr selten und tritt zufällig auf, einige werden jedoch konsequent, wenn auch selten, verwendet. Häufig verwendet werden nur 9 Druckzeichen mit Diakritika: <ć>, <ł>, <ś>, <ź>, <ž>, <á>, <à>, <č>, <ȥ>. Die Vielfalt diakritischer Druckzeichen ist in SP I größer, ihre Häufigkeit in SP II wegen <á> jedoch höher. Die Druckzeichen <è>, <š>, <ź>, <ž>, <ž̄> werden nur in Text verwendet, der in Antiqua und Kursivschrift gesetzt ist. Die Form der Diakritika variiert stark bei <ź>, <ž>, <ȥ>, <ž> oder <ž>. Die größte Variationsbreite und Unklarheit zeigt sich bei der Kennzeichnung von Frikativen und Affrikaten. Dabei werden Druckzeichen mit und ohne Diakritika verwechselt. Allein auf Grundlage der Untersuchung von SP lässt sich derzeit schwer sagen, ob diese Verwechslung technische Ursachen hatte (Unachtsamkeit beim Setzen des Textes, Druckqualität, Umgang mit Diakritika) oder bestimmte sprachliche Erscheinungen und in der Sprache ablaufende Prozesse widerspiegelte (Sprachinterferenz, Spuren eines bestimmten Dialekts). In SP II wird <á> sehr häufig in unbetonter Silbe verwendet. Die dachförmigen Diakritika <â>, <ê>, <î>, <ô> und <û> konnten eine betonte Silbe kennzeichnen oder als Unterscheidungsmittel für Wörter und ihre Formen dienen. Sie kommen zu selten vor, um allgemeinere Schlussfolgerungen ziehen zu können. Die Druckzeichen <ę> und <ų> gelangten zufällig in den litauischen Text von SP und bezeichneten keine Nasallaute. <ę> erfüllt gelegentlich dieselbe Funktion wie <ē>. Das Druckzeichen <ł> kennzeichnet recht konsequent ein hartes oder depalatalisiertes [l]. Vokalische Druckzeichen mit strich- und zirkumflex- (Tilde-) ähnlichen Zeichen kennzeichneten nach lateinischem Vorbild konsequent ausgelassene tautosyllabische <m>, <n>. Aus dem Lateinischen übernommen wurden auch einige Druckzeichen zur Kürzung am Wortende. Aufgrund ihrer Seltenheit, ihrer Verflechtung mit anderen Funktionen und des Fehlens einer konsequenten Verwendung lassen sich Fälle, in denen Druckzeichen mit Diakritika zur Akzentkennzeichnung verwendet wurden, weder isolieren noch genauer bestimmen. Das Diakritikum wurde damals wahrscheinlich nicht immer als wesentliches Unterscheidungsmerkmal eines Druckzeichens angesehen. Im Haupttext von SP, der in gotischer Schrift (Schwabacher) gedruckt ist, wird ein einziges Druckzeichen zur Kennzeichnung der Großbuchstaben <I> und <J> verwendet. In der kursiven Antiqua werden <I> und <J> durch drei verschiedene Druckzeichen wiedergegeben. <j> wird sporadisch auf den Seiten 1–47 von SP II verwendet. 2. Den größten Einfluss auf die Rechtschreibung von SP hatte die wichtigste Wissenschaftssprache jener Zeit – das Lateinische – und erst danach das Polnische. Die Vokallänge wurde in SP grafisch nicht gekennzeichnet. <y> wird häufig anstelle von <j> verwendet: fast systematisch in den Diphthongen <ay>, <ey>, <uy>; außerdem findet es sich nach depalatalisierten Konsonanten, in reduzierten Lokativendungen und in Lehnwörtern. <u> bezeichnet sowohl einen kurzen als auch einen langen Vokal. Verdoppelte Druckzeichen zur Kennzeichnung langer Vokale kommen in SP II nur wenige Male vor. 56 Acta Linguistica Lithuanica LXIX Konstantino Sirvydo Punktų sakymų spaudmenys ir rašyba Die Kennzeichnung von [e] nach einem weichen Konsonanten variiert stark: In SP I werden <e> und <ie> geschrieben, in SP II auch <ia> (die höchste Konzentration von <ia> findet sich in SP II auf S. 166–183). [ai] wird meist als <iey> und <iay>, seltener als <ey> und <iei> wiedergegeben. Die Kennzeichnung von Konsonanten an Grenzen zwischen stimmhaften und stimmlosen Konsonanten variiert: Insgesamt wird häufiger das morphologische Prinzip zugrunde gelegt; in SP II wird das phonetische Prinzip häufiger angewandt als in SP I; nach dem phonetischen Prinzip werden recht häufig Halbpartizipien geschrieben. Besonders stark variiert die Kennzeichnung von [š] und [s] vor [č]. Diese Variation könnte auf die bereits erwähnte unsystematische Verwendung diakritischer Zeichen zurückzuführen sein oder auch durch bestimmte Veränderungen im System der Frikative und Affrikaten in der damaligen Aussprache der Vilniuser bedingt gewesen sein. Auch die Schreibung der Präfixe iž-, iš-, už- variiert an ihren Grenzen zu anderen Morphemen. Am schwierigsten ließ sich die unveränderte Form des Präfixes neben dem Reflexivpartikel si bewahren. In SP kommen zwei Formen des Präfixes iš- vor: iž-, iž-, iš-, iš, iz,- iš-, iż- (mit <ž>) oder isz-, iƀ- (mit <š>). Varianten mit <š> werden vor stimmhaften Konsonanten nie verwendet, Varianten mit <ž> sind dagegen in allen Positionen möglich. Die Position des Präfixes iš ist neutralisiert, und es wird in allen Fällen mit <ž> geschrieben. Fremdstämmige Konsonanten <f> und <h> werden in Internationalismen verwendet, während <x> auch in litauischen Wörtern zur Bezeichnung der Lautfolge [ks] dient. Nach lateinischer Tradition können außerdem <c>, <th>, <rh>, <fs> und <ff> verwendet werden (in der Präsensform des Verbs būti ‚sein‘). Die Getrennt- und Zusammenschreibung von Wörtern in SP wurde von mehreren inneren und äußeren Faktoren bestimmt: (1) Prosodie; (2) dem Vorbild anderer Sprachen; (3) technischen und formalen Besonderheiten des Drucks sowie der sprachlichen Kompetenz von Druckern und Verlegern. Meist bewahren Wörter ihre festen Strukturen im gesamten SP-Text und verschmelzen nicht mit den sie umgebenden Wörtern. Die Wiedergabe von Wortverbindungen als ein Wort ist häufig durch Lexikalisierung motiviert. Die Zusammenschreibung von Präpositionen mit anderen Wörtern, die Getrenntschreibung von Präfixen in SP II könnten mit der sprachlichen Kompetenz der Drucker und Verleger zusammenhängen. In SP I variieren besonders stark die Wortabstände. Ne wird in SP II häufiger getrennt von Verben geschrieben. Bei einigen Verben oder ihren Formen wird ne häufiger zusammengeschrieben (insbesondere mit Passivpartizipien), bei anderen getrennt, ohne dass eine klarere Begründung erkennbar wäre. Bei der Verwendung von Großbuchstaben orientierte man sich an der lateinischen und polnischen Rechtschreibungstradition. Neben den bereits geläufigen Fällen werden in SP Ethnonyme, Bezeichnungen verschiedener religiöser Strömungen und Richtungen sowie, wenn auch nicht ganz konsequent, die wichtigsten religiösen Begriffe großgeschrieben. Der stilistische Gebrauch von Großbuchstaben variiert. In SP I werden Großbuchstaben konsequenter verwendet. In SP II finden sich zahlreiche Korrekturfehler und Versehen. In einigen Fällen übernahm Sirvydas den Gebrauch von Großbuchstaben aus der zitierten griechischen oder lateinischen Quelle. Straipsniai / Articles 57 V I R G I N I J A V A S I L I A U S K I E N Ė QUELLEN UND LITERATUR A l e k n a v i č i e n ė O n a 2006: [Rez.:] Über die alten Drucktypen Litauens. – Knygotyra 46, 279–294. BIBEL, oder HEILIGE SCHRIFT. Ökumenische Ausgabe. Das AT aus dem Hebräischen, Aramäischen und Griechischen übersetzt von Antanas Rubšys, das NT aus dem Griechischen übersetzt von Česlovas Kavaliauskas. Vilnius: Lietuvos Biblijos draugija, 1999. DP – Poltilla CATHOLICKA. Tái éłt: Iżguldimas Ewangelìu kiekwienos Nedelos ir ßwetęs per wiłłús metús. Per Kúnigą MIKALOIV DAVKSZĄ Kanonîką Mėdnikų, iż łėkibło pergūldita. Su walá ir daláīdimu wîreuliuių. W Wilniui / Drukárnioi Akadėmios SOCIETATIS IESV, A.D. 1599. G a r b e R[i c h a r d] 1884: Szyrwid’s punkty kazań: (punktay sakimu) vom Jahre 1629: mit einer grammatischen Einleitung. – Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. G e l u m b e c k a i t ė J o l a n t a 2003: Pirmas lietuviškas pamokslų rinkinys – Wolfenbutelio postilė (1573). Rankraščio kritinio komentuoto leidimo principai ir tyrimo strategija. – Archivum Lithuanicum 5, 51–96. G e l u m b e c k a i t ė J o l a n t a 2009: Lietuvių kalbos ortografijos reformos (Mažoji ir Didžioji Lietuva). – Lietuvos Didžiosios Kunigaikštystės kalbos, kultūros ir raštijos tradicijos. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 17–27. JE – EWANGELIE POLSKIE Y LITEWSKIE TAK NIEdżielne iáko y włzytkich Swiąt, ktore w Kościele Katholickim, według Rzymskiego porządku przez cały rok czytáią. Wydáne za dozwoleniem [stárßych. [...] w WILNIE. W Drukániey Akademiey SOC. IESV Roku / 1647. J u d a M a r i a 2001: Pismo drukowane w Polsce XV–XVIII wieku. – Lublin: Wydawnictwo Uniwersytetu Marii Curie-Skłodowskiej. K a b a š i n s k a i t ė B i r u t ė 2005: Diakritiniai ženklai Baltramiejaus Vilento Enchiridione ir Evangelijose bei Epistolose (1579): <ũ>, <ô>, <ò>, <ó>. – Archivum Lithuanicum 7, 45–66. K o ž e n i a u s k i e n ė R e g i n a 1990: Vorrede und Widmungen des 16.–18. 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Petreikis Tomas 2011: Marginalijos kaip knygos istorijos šaltinis: istoriografinis aspektas. – Knygotyra 57, 67–85. PG – PATROLOGIA GRAECA 60: S. P. N. JOANNIS CHRYSOSTOMI, ARCHIEPISCOPI CONSTANTINOPOLITANI, OPERA OMNIA QUAE EXSTANT, VEL QUAE NOMINE CIRCUMFERUNTUR, AD MSS CODICES GALLICOS, VATICANOS, ANGLICOS, GERMANICOSQUE; NECNON AD SAVILIANAM ET FRONTONIANAM EDITIONES CASTIGATA, INNUMERIS AUCTA; NOVA INTERPRETATIONE UBI OPUS ERAT, PRAERFATIONIBUS, MONITIS, NOTIS, VARIIS LECTIONIBUS ILLUSTRATA; NOVA SANCTI DOCTORIS VITA, APPENDICIBUS, ONOMASTICO ET COPIOSISSIMIS INDICIBUS LOCUPLETATA OPERA ET STUDIO D. BERN. DE MONFAUCON, MONACHI BENEDICTINI E CONGR. S. MAURI. EDITIO NOVISSIMA, IIS OMNIBUS ILLUSTRATA QUAE RECENTIUS TUM ROMAE, TUM OXONII, TUM ALIBI, A DIVERSIS IN LUCEM PRIMUM EDITA SUNT, VEL JAM EDITA, AD MANUSCRIPTORUM DILIGENTIOREM CRISIM REVOCATA SUNT, ACCURANTE ET DENUO RECOGNOSCENTE J.-P. MIGNE, BIBLIOTHECAE CLERI UNIVERSAE, SIVE CURSUUM COMPLETORUM IN SINGULOS SCIENTIAE ECCLESIASTICAE RAMOS EDITORE. TOMUS NONUS. VENEUNT 18 VOLUMINA 160 FRANCIS GALLICIS. EXCUDEBATUR ET VENIT APUD J.-P. MIGNE EDITOREM, IN VIA DICTA D’AMBOISE, OLIM PROPE PORTAM LUTETIAE PARISIORUM VULGO D’ENFER NOMINATAM, SEU PETIT-MONTROUGE, NUNC VERO INTRA MOENIA PARISINA. 1862. SP I – Predigten von Advent bis Pfingsten / in litauischer Sprache, mit polnischer Erklärung, von Pfarrer Konstanty Szyrwid / Theologe der Societatis IESV / mit Genehmigung der Oberen herausgegeben. In Vilnius, in der Druckerei der Akademie der Societatis IESV, im Jahr 1629. SP II – Predigten für die Fastenzeit in litauischer Sprache von dem hochwürdigen Herrn Konstanty Szyrwid, Theologe der Societatis IESV, verfasst. Nun ins Polnische übersetzt und in beiden Sprachen zum Druck gegeben. Mit Genehmigung der Oberen. In Vilnius / in der Druckerei der Akademie der Societatis IESV. Im Jahr des Herrn 1644. Specht Franz 1929: Šyrwids Leben und Schriften. – Šyrwids Punktay sakimu (Punkty kazan), Teil I: 1629, Teil II: 1644, litauisch und polnisch mit kurzer grammatischer herausgegeben von Dr Franz Specht, Professor an der Universität Halle-Wittenberg. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 7–61. Strockis Mindaugas 2004: Graikų ir lotynų kirčiavimo įtaka lietuvių kirčio žymėjimui. – Baltistica 39(2), 289–307. Straipsniai / Articles 59 V I R G I N I J A V A S I L I A U S K I E N Ė S u b a č i u s G i e d r i u s 2001: Der Einfluss der Drucker auf die Rechtschreibung und ihre Standards. – Archivum Lithuanicum 3, 129–152. S u b a č i u s G i e d r i u s 2003: Die Grapheme <I> und <J> in litauischen Texten des 18.–19. Jahrhunderts. – Archivum Lithuanicum 5, 227–262. ŠPS – Šyrwids Punktay sakimu (Punkty kazan), Teil I: 1629, Teil II: 1644, litauisch und polnisch mit kurzer grammatischer herausgegeben von Dr Franz Specht, Professor an der Universität Halle-Wittenberg. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1929. Z i n k e v i č i u s Z i g m a s 1971: Zur Entstehung und Sprache von K. Sirvydas’ „Punktai sakymų“. – Baltistica 7(2), 153–167. Z i n k e v i č i u s Z i g m a s 1972: Die ostlitauische Sprache der litauischen Schriften des 17. Jahrhunderts, ihre Herkunft und ihr Verschwinden. – Baltistica 8(1), 79–100. Z i n k e v i č i u s Z i g m a s 1977: Zur Herkunft der Sprache der litauischen Schriften. Baltistica 13(1), 237–244. Z i n k e v i č i u s Z i g m a s 1981: Sirvydas oder Širvydas? – Baltistica 17(1), 28–41. Z i n k e v i č i u s Z i g m a s 1988: Geschichte der litauischen Sprache 3. Die Sprache der alten Schriften. Vilnius: Mokslo. Z i n k e v i č i u s Z i g m a s 1996: The History of the Lithuanian Language. – Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla. Schriftarten und Orthografie in Konstantinas Sirvydas’ Predigtbuch „Gospel Points“ Z U S A M M E N F A S S U N G Die in der Druckerei der Universität Vilnius verfügbaren Schriftarten konnten Sirvydas’ orthografische Konzeption nicht umfassend wiedergeben. Sie waren überwiegend für den Druck von Büchern in lateinischer und polnischer Sprache ausgelegt. Sirvydas musste die technischen Beschränkungen der Druckerei berücksichtigen. Daher verwenden wir für Grapheme in SP den Begriff „Schriftart“, um gedruckte von handgeschriebenen Buchstaben zu unterscheiden. Ein und derselbe gedruckte Buchstabentyp konnte mehrere verschiedene handgeschriebene Buchstaben wiedergeben, und derselbe handgeschriebene Buchstabe konnte mithilfe unterschiedlicher Schriftarten gedruckt werden. In den ältesten auf Litauisch gedruckten Büchern unterscheiden sich Vielfalt und Häufigkeit der Diakritika. Im Predigtbuch von Daukša werden Diakritika sehr häufig verwendet, ihre Vielfalt ist jedoch in SP größer. Die Orthografie von SP wurde vor allem vom Lateinischen beeinflusst, das damals als grundlegende wissenschaftliche Standardsprache galt. Der Einfluss des Polnischen war weniger bedeutend. In SP werden mehr verschiedene Schriftarten verwendet als in Jonas Jaknavičius’ „Evangelie Polskie y Litewskie“: In diesem Buch kommen 51 Schriftarten mit unterschiedlichen diakritischen Zeichen zum Einsatz. Die meisten davon 60 A c t a L i n g u i s t i c a L i t h u a n i c a L X I X Konstantino Sirvydo Punktų sakymų spaudmenys ir rašyba wurden selten verwendet, doch trotz dessen war ihr Gebrauch konsequent. Nur 9 Diakritika kommen sehr häufig vor: <č>, <ł>, <ś>, <ź>, <ż>, <á>, <à>, <ċ>, <ž>. Die Vielfalt der Diakritika ist in SP I größer, doch in SP II kommen sie häufiger vor (vor allem aufgrund des besonders häufigen <á>). <è>, <š>, <ź>, <ż>, <ž> werden nur in Texten verwendet, die in lateinischer Antiqua gesetzt wurden. Die Formen der Diakritika über den Buchstaben <ź>, <ż>, <ž>, <ż> oder <ž> variieren im gesamten Text erheblich. Die meisten Unregelmäßigkeiten und Unsicherheiten betreffen die Kennzeichnung von Frikativkonsonanten und Affrikaten. Buchstaben mit und ohne Diakritika wechselten einander ohne ersichtlichen Grund ab. Anhand der Daten aus SP allein lässt sich schwer sagen, ob die Unregelmäßigkeiten durch technische Besonderheiten des Drucks verursacht wurden oder tiefere Sprachprozesse wie Interferenz oder Spuren verschiedener Dialekte widerspiegelten. <á> kam am häufigsten in einer unbetonten Silbe vor. <â>, <ê>, <î>, <ô> und <û> konnten betonte Silben kennzeichnen oder der Unterscheidung von Wortformen dienen. Diese Diakritika kommen jedoch zu selten vor, um sichere Schlussfolgerungen über ihre tatsächliche Funktion zuzulassen. <ę> und <ų> kennzeichneten keine Nasallaute und waren in jenem auf Litauisch gedruckten Teil des SP-Textes zufällige Erscheinungen. In einigen Fällen wird <ę> für <ê> verwendet. <ł> kennzeichnet konsequent den harten oder depalatalisierten Konsonanten [l]. Vokale mit diakritischen Zeichen in Form eines Strichs und einer Tilde wurden wie im Lateinischen verwendet, um ein ausgelassenes <m>, <n> anzuzeigen. Auch die Kennzeichnung verkürzter Endungen wurde aus dem Lateinischen übernommen. Damals achteten einige Drucker wahrscheinlich kaum darauf, ob ein Schriftzeichen ein Diakritikum trug oder nicht. Im Haupttext von SP, der in Schwabacher gesetzt wurde, diente nur ein Buchstabe zur Kennzeichnung sowohl von <I> als auch von <J>. In den Textteilen in Antiqua-Kursivschrift wurden beim Druck drei verschiedene Buchstaben zur Kennzeichnung der Großbuchstaben <I> und <J> verwendet. Ein Kleinbuchstabe <j> kam gelegentlich in SP II, S. 1–47, vor. 2. Lange Vokale wurden in SP nicht von kurzen unterschieden. <y> wurde wie folgt verwendet: (1) zur Kennzeichnung von <j>; (2) in den Diphthongen <ay>, <ey>, <uy>; (3) nach depalatalisierten Konsonanten; (4) in verkürzten Endungen des Lokativs. <u> wurde zur Kennzeichnung sowohl eines kurzen als auch eines langen Vokals verwendet. Geminaten zur Kennzeichnung langer Vokale kommen in SP II nur wenige Male vor. Die Kennzeichnung eines auf einen palatalisierten Konsonanten folgenden [e] variiert: In SP I wird es als <e> oder <ie> wiedergegeben, in SP II auch als <ia> (die größte Häufung von <ia> findet sich in SP II, S. 166–183). [ai] wird meist als <iey> und <iay> wiedergegeben, gelegentlich auch als <ey> und <iei>. Die Kennzeichnung stimmhafter Konsonanten vor stimmlosen und stimmloser vor stimmhaften variiert häufig; in der Rechtschreibung wurde jedoch meist das morphonologische Prinzip angewandt. In SP II werden Konsonanten häufiger nach dem phonologischen Prinzip gekennzeichnet als in SP I, insbesondere bei der Schreibung von Halbpartizipien. Am uneinheitlichsten ist die Kennzeichnung von [š] und [s] vor [č]. Solche Unregelmäßigkeiten könnten sowohl auf den unsystematischen Gebrauch von Diakritika als auch auf bestimmte Ausspracheveränderungen in der Sprache der Einwohner von Vilnius zurückzuführen sein. Auch die Kennzeichnung der Präfixe iž-, iš-, už- ist an ihren Kontaktstellen mit anderen Morphemen uneinheitlich, insbesondere wenn diesen Präfixen das Reflexivmarker si folgt. Die Präfixe wurden auf zwei verschiedene Arten geschrieben – mit <ž> (iž-, iž-, iš-, iž, iz-, iż-, iż) und mit <š> (isz-, iż-). Präfixe mit <š> stehen niemals vor stimmhaften Konsonanten, während Präfixe mit <ž> in jeder Position möglich sind. Die Präposition iš wird in SP stets als iž wiedergegeben. Ihre Position ist hier neutralisiert. Straipsniai / Articles 61 VIRGINIJA VASILIAUSKIENĖ Die beiden Konsonanten fremden Ursprungs <f> und <h> werden in internationalen Wörtern verwendet. <x> wird auch in litauischen Wörtern verwendet, um die Konsonantengruppe ks zu kennzeichnen. Die Buchstaben <c>, <th>, <rh>, <ſs> und <ſſ> (im Präsens des Verbs būti) können gemäß lateinischen Traditionen verwendet werden. Ob benachbarte Wörter zusammengeschrieben oder getrennt geschrieben wurden, hing von mehreren Faktoren ab: (1) Prosodie; (2) Einfluss anderer Sprachen; (3) technische Beschränkungen des Drucks und das Seitenformat; (4) Sprachkenntnisse (Kompetenz) der Herausgeber und Setzer. In SP unterscheiden sich die Abstände zwischen den Wörtern erheblich. Ne wird in SP II häufiger mit Verben zusammengeschrieben als in SP I. Es gibt jedoch keine eindeutige Erklärung dafür, warum ne bei einigen Verben (etwa Passivpartizipien) häufiger zusammengeschrieben wird, in anderen Fällen aber von Verben getrennt steht. Großbuchstaben können ähnlich wie im Lateinischen und Polnischen verwendet werden. Neben der traditionellen Verwendung von Großbuchstaben im modernen Litauischen wurden sie auch für Ethnonyme, religiöse Strömungen und grundlegende religiöse Begriffe verwendet. In SP I wurden diese Buchstaben konsequenter verwendet. In SP II wurden mehr Fehler und mehr Korrekturfehler festgestellt. Die stilistische Verwendung von Großbuchstaben ist unterschiedlich. In einigen Fällen verwendete Sirvydas Großbuchstaben aus zitierfähigen griechischen oder lateinischen Quellen. Eingereicht am 17. Dezember 2013. VIRGINIJA VASILIAUSKIENĖ Institut für litauische Sprache Minties Rato g. 19–3, LT-50277 Kaunas E-Mail: [email protected] 62 Acta Linguistica Lithuanica LXIX