Sudėtinių Marijampolės apskrities helonimų motyvacija
Full text
DALIA SVIDERSKIENĖ
Institut für Litauische Sprache
Forschungsgebiet: Onomastik (Untersuchungen zur Bildung, Herkunft und Motivation von Eigennamen).
DIE MOTIVATION KOMPOSITER HELONYME DES KREISES MARIJAMPOLĖ
Motivation zusammengesetzter Helonyme des Kreises Marijampolė
ZUSAMMENFASSUNG
Der Artikel setzt frühere Untersuchungen zur Arealonymie des Litauischen fort. Analysiert wird die Motivation zusammengesetzter Helonyme, die in den Flurnamenfragebögen für eine Verwaltungseinheit – den Kreis Marijampolė der Zwischenkriegszeit – verzeichnet sind. Die Untersuchung spiegelt die Bemühungen wider, die schwindenden (bereits verschwundenen) Namen kleiner Hydroobjekte festzuhalten und ihr gnoseologisches Potenzial unter Rückgriff auf zahlreiche weitere, bewahrenswerte Daten aus den Fragebögen der Zwischenkriegszeit offenzulegen. Um die Motivation der Gewässernamen möglichst zuverlässig zu deuten, wurde auf das Material der Fragebögen aus der Zwischenkriegszeit zurückgegriffen, das die Faktoren der Benennung sowie die Ergebnisse der Kommunikationstätigkeit von Angehörigen der Sprachgemeinschaft dokumentiert und dazu beitrug, den tatsächlichen repräsentierten Inhalt der Gewässernamen und ihre Pseudomotivation zu ermitteln. Die Analyseergebnisse zeigten, dass die durch den Namen „geschaffene“ Motivation die natürliche, soziale und kulturelle Umwelt und deren Einzelheiten festhält und konserviert. Aus ethnokultureller Sicht informativ sind in der Struktur der Benennungen Vogelnamen und die Bezeichnung eines mythischen Wesens, die Funktionen der axiologischen Kodierung und der stereotypen Bewertung erfüllen, sowie Pseudomotivatoren, die assoziative Verbindungen zwischen Spracheinheiten festhalten. Als wertvoll ist auch die Interpretation der Motivationsmerkmale des metaphorischen Ausdrucks der untersuchten Gewässernamen anzusehen.
SCHLÜSSELWÖRTER: Zwischenkriegszeit, Ortsnamen, Gewässernamen, Helonyme, zusammengesetzte Helonyme, Benennung, Motivation, Pseudomotivation.
ANNOTATION
Der Artikel setzt die vorherige Forschung zur litauischen Arealtoponymie fort. Untersucht wird die Motivation zusammengesetzter Helonyme aus einer einzelnen Verwaltungseinheit – dem zwischen den Weltkriegen bestehenden Kreis Marijampolė –, die in den Fragebögen „Landnamen“ erfasst wurden. Die Forschung
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spiegelt die Bemühungen wider, die Namen kleiner Gewässer zu erfassen, die vom Aussterben bedroht sind (oder bereits in Vergessenheit geraten sind), und ihr erkenntnistheoretisches Potenzial anhand weiterer Daten aus den zwischen den Weltkriegen ausgefüllten Fragebögen aufzuzeigen, die ebenfalls bewahrenswert sind. Um die Motivation der Hydronyme möglichst zuverlässig zu interpretieren, greift der Artikel auf die Daten der zwischen den Weltkriegen ausgefüllten Fragebögen zurück, in denen die Benennungsfaktoren und die Ergebnisse der kommunikativen Tätigkeit der Mitglieder der Sprachgemeinschaft dokumentiert sind. Diese Daten waren hilfreich, um den tatsächlich ausgedrückten Inhalt der Hydronyme und die Pseudomotivation zu klären.
Die Ergebnisse zeigen, dass der Namensgeber durch den Namen die umgebende natürliche, soziale und kulturelle Umwelt samt ihren Einzelheiten festhält und bewahrt. Die Namen von Vögeln oder mythischen Wesen, die in der Benennungsstruktur als Pseudomotivatoren verwendet werden und die assoziativen Verknüpfungen sprachlicher Einheiten festhalten, erfüllen die Funktion eines axiologischen Codes und einer stereotypen Bewertung und sind in ethnisch-kultureller Hinsicht aufschlussreich. Auch die Interpretation der Motivationsmerkmale des metaphorischen Ausdrucks der hier untersuchten Hydronyme wird als wertvoll erachtet.
SCHLÜSSELWÖRTER: Zwischenkriegszeit, Ortsnamen, Hydronyme, Helonyme, zusammengesetzte Helonyme, Benennung, Motivation, Pseudomotivation.
0. EINLEITUNG
Im Kontext moderner linguistischer Untersuchungen, die sich auf den Zusammenhang zwischen Volk, Denken, Kultur und Sprache ausrichten (Gritėnienė 2006, Gudavičius 2009, Lubienė 2015, Березов 1997; 2010; Кубрякова 2004; 2012 u. a.), ist der kontinuierliche Forschungsweg zur Untersuchung litauischer lokaler Toponyme, die den auf nationaler Weltanschauung und Weltauffassung beruhenden raumzeitlichen Gehalt festhalten bedeutsam und vielversprechend. Ein Beleg für den Nutzen der gewählten Forschungsrichtung ist die Analyse der Motivation von durch Zusammensetzung gebildeten Helonymen (Sviderskienė 2016). Die Ergebnisse der Analyse der onomastischen Situation bezeugen die empirische Erfahrung eines Vertreters der Sprachgemeinschaft eines bestimmten ethnischen Gebiets sowie dessen Verhältnis zur umgebenden Mikrowelt (dem Dorf der Zwischenkriegszeit), deren Wahrnehmung und Kategorisierung. Die Weiterentwicklung der toponomastischen Forschungsrichtung im Rahmen eines neuen Paradigmas bereichert somit die litauische Toponymik. Darüber hinaus ist die Analyse der zwischen den Weltkriegen verwendeten Onyme eine der1
1 Zum Begriff „onomastische Situation“ siehe TMO: 19, 71.
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Wege, die dazu beitragen, das kulturelle Erbe zu bewahren, und die Erfüllung der vor beinahe einem halben Jahrhundert von Aleksandras Vanagas erteilten Verpflichtung2 unterstützen.
Bislang gehen die Auffassungen der Linguisten, die sich unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsweise mit der durch Zusammensetzungsverfahren entstandenen Toponymie befasst haben, auseinander. Alle Forscher litauischer Ortsnamen haben die von A. Vanagas erwähnten Analysewege für diese Bildungen beschritten und die zusammengesetzten Ortsnamen unter Berücksichtigung der Verschiedenheit der syntaktischen Beziehungen zwischen dem Haupt- und dem Nebenbestandteil einer zweigliedrigen Benennung in Genitivbildungen und Qualifikativbildungen eingeteilt3. In diesem Rahmen sind neben den Hydronymen die litauischen Oikonyme am ausführlichsten untersucht worden (Razmukaitė 2003b: 63–80). Bronys Savukynas lenkte in einer für die Forschung zur litauischen Toponymie gesondert wichtigen Rezension von A. Vanagas’ Analyse der Bildung von Hydronymen4 die Aufmerksamkeit auf Unzulänglichkeiten der Gewässernamenklassifikation und schlug überzeugend vor, die durch Zusammensetzungsverfahren gebildeten Gewässernamen in zusammengesetzte kongruierende und zusammengesetzte nichtkongruierende Namen einzuteilen5. Auf diesen begründeten Vorschlag reagierten Jūratė Lubienė und Kolleginnen, die die Benennung und Motivation litauischer Mikronyme untersuchten, positiv und verwiesen zu Recht auf analoge, in der litauischen Sprachwissenschaft bestehende Einteilungsbeispiele, die bereits Tradition geworden sind6. Es ist daher anzunehmen, dass sich die zusammengesetzte litauische Toponymie künftig ebenfalls in eine allgemeine Qualifikation und Klassifikation von Wortverbindungsgruppen einfügen sollte.
Um die Motivation der durch Zusammensetzungsverfahren gebildeten Helonyme zu erläutern, ist darauf hinzuweisen, dass zusammengesetzte kongruierende Helonyme Wortverbindungen sind, deren
2„Der rasche Wandel der Wirtschaft, die Arbeiten zur Umgestaltung des Bodens, die Melioration und der Straßenbau verändern schnell das Antlitz der Landschaft. Viele Ortsnamen verlieren ihre Bedeutung und geraten in Vergessenheit. Auf diese Weise geht ein großer Besitz unwiederbringlich verloren“ (Vanagas 1973: 6). „Es müssen ausnahmslos alle Ortsnamen gesammelt werden; besondere Aufmerksamkeit ist dabei kleinen Objekten zu widmen, deren Namen schneller vergessen werden oder den Sammlern entgehen“ (ebd., 7).
3 Als Genitivbildungen werden zusammengesetzte Gewässernamen bezeichnet, die aus zwei selbstständigen Wörtern bestehen, von denen das erste, das bestimmende, im Genitiv eines Gattungs- oder Eigennamens steht. Als Qualifikativbildungen werden zusammengesetzte Gewässernamen bezeichnet, deren beide Wörter in einem Nominativkasus stehen (siehe auch Vanagas 1970: 258–259, 273). Über litauische genitivische Ortsnamen hat auch Bronys Savukynas geschrieben (ausführlicher siehe Savukynas 1963: 235–246).
4 Plačiau žr. Savukynas 1971: 166–169.
5 Nach Auffassung des letztgenannten Forschers sollte P. Lebels logischer Terminus „les noms qualificatifs“ (qualitative Namen), den A. Vanagas mit „Qualifikativbildungen“ übersetzte, durch den Arbeitsbegriff kongruierende Zusammensetzungen ersetzt werden. Zusammen mit den genitivischen oder nichtkongruierenden Zusammensetzungen würden sie dann eine Unterklasse der Zusammensetzungen bilden. Unter anderem können auch die sogenannten Genitivbildungen „qualifikativ“ sein, zum Beispiel: Šaltinių upelis und Ähnliches (Savukynas 1971: 167).
6 Nach den syntaktischen Beziehungen zwischen Haupt- und Nebenbestandteil unterscheidet man in der litauischen Sprachwissenschaft traditionell zwei Gruppen von Wortverbindungen: 1) mit kongruierendem Attribut, 2) mit regiertem Attribut oder nichtkongruierendem Attribut (siehe auch Lubienė 2015: 73).
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Das Nebenwort hebt die charakteristischsten Bedeutungsmerkmale eines anderen, des Hauptworts7, hervor (zum Beispiel Rets „Tümpelchen“ b. Brb, Tamsioji plūnė „dunkler Sumpf“ rst. Ss u. a.). Bei Bildungen dieses Typs ist der Grad semantischer Redundanz am höchsten, sie vermitteln jedoch keine große kommunikative Information. Einen hohen Erkenntniswert haben andere Bildungen – zusammengesetzte nichtkongruierende Gewässernamen8 (insbesondere metaphorische), obwohl die semantische Verbindung zwischen Haupt- und Nebenwort schwächer ist. So haben zusammengesetzte nichtkongruierende Ortsnamen, die aus Personennamen gebildet sind, meist possessive Bedeutung (Rudnicko raštas „Rudnickos Schrift“ rst. Brb); bei zusammengesetzten appellativischen, nichtkongruierenden Ortsnamen bezeichnet der im ersten Bestandteil stehende Genitiv eines Appellativs ein bestimmtes Merkmal des Ortes (Žardakčių plūnė „Žardakčiai-Sumpf“ pln. Vv – vv. hat attributive Bedeutung). In anderen zusammengesetzten appellativischen, nichtkongruierenden Ortsnamen lässt sich auch eine lokale Bedeutung erkennen (Palinės bala „Palinė-Tümpel“ b. Krsn – ein Tümpel an einem gerodeten Waldstreifen, d. h. eine palinė). A. Vanagas hat ebenfalls auf die Verschiedenheit der Bedeutungen von Gewässernamenbildungen des einen und des anderen Typs hingewiesen: „Die Bedeutungen zusammengesetzter Hydronyme sind nicht völlig identisch“ (Vanagas 1981: 51). „Das hängt von der Bedeutung der ersten, determinierenden Komponente ab […]“ (ebd.)9. Bei der Erklärung der Motivation von durch Zusammensetzung gebildeten Gewässernamen müssen daher die unterschiedlichen syntaktischen Beziehungen zwischen Haupt- und Nebenbestandteil einer zweigliedrigen Benennung berücksichtigt werden, denn entscheidend ist nicht die Summe der Bedeutungen der einzelnen Bestandteile, sondern deren semantisches Ganzes, d. h. die einheitliche Bedeutung der Bildung10.
Eine Analyse der Motivation von Ortsnamen durchzuführen bedeutet aufzudecken, wie ein Angehöriger eines bestimmten ethnischen Gebiets zu seiner Umgebung in Beziehung steht, wie er sie wahrnimmt, welche sprachlichen Einheiten er auswählt und welche Kombinatorik er verwendet, wenn er ein bestimmtes topographisches Objekt benennt. Aloyzas Gudavičius zufolge „hat ein neues Wort, eine neue Bedeutung in der Sprache eine Grundlage, ist motiviert; das bedeutet, dass wir mit der Benennung eines neuen Gegenstands zugleich sagen, warum wir ihn so benannt haben, indem wir ein oder anderes Merkmal oder einen Aspekt des benannten Gegenstands hervorheben. Die durch Wörter ausgedrückte Benennungsgrundlage, die Motivation, bildet seine innere Form“ (Gudavičius 2009: 140). „Wenn die innere Form eines Wortes aufgedeckt wird, erschließt sich die Antwort auf die Fragen, wie ein Objekt anhand bestimmter Merkmale die eine oder andere Bezeichnung erhält, wie das menschliche Bewusstsein im Benennungsprozess wirkt und worüber und wie ein Volk bei der Konzeptualisierung nachdenkt“
7 Als Haupt- (Basis-)bestandteile gelten die zweiten Bestandteile balà, pelkė, plūnė, raistas sowie deren Diminutiv- und Pluralformen.
8 Es sei darauf hingewiesen, dass der Terminus vandenvardis im Artikel in weiter Bedeutung verwendet wird. Zur Verwendung dieses Terminus sowohl im engeren als auch im weiteren Sinne siehe Vanagas 1999: 239 (im ersten Fall bezeichnet der Terminus Flüsse und Seen, im zweiten auch die übrigen Eigennamen von Gewässern: Meere, Gewässer, Seen, Flüsse, Teiche, Gräben, Furten, Sümpfe, Moore usw.).
9 Dėl reikšmių nepatumo dar žr. Savukynas 1963.
10 Dėl tokio požiūrio dar žr. Urbutis 1978: 150.
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pasaulį“ (Gritėnienė 2006: 24). Pastaroji motyvacijos samprata suponuoja mintį dėl bendruomenės gyvenimo būdo ir kalbos glaudžių ryšių, kalbos vienetuose įtvirtintos tautinės įkrovos. Ir tai tik pradžia smulkiųjų hidronimų įvardijimų analizės svarbą, nes šie funkcionavo arčiausiai įvardijančiųjų, buvo „pamatuoti“ (ne)naudingo žmogui reikmėms matu, „sugėrė“ jų nuostatas, mikroaplinkos, tam tikro laikotarpio – tarpukario kaimo – kasdienybės patirtis.
In Fortführung der Analyse kleinräumiger Hydronyme wurden als Untersuchungsgegenstand Helonyme eines anderen Wortbildungsverfahrens gewählt – zusammengesetzte Helonyme. Das Ziel des Artikels ist es, die Motivation von durch Zusammensetzung gebildeten Helonymen zu erklären (zu interpretieren) und die Tendenzen bei der Benennung von Gewässern im Untersuchungsgebiet zu bestimmen. Zur Erreichung dieses Ziels werden folgende Aufgaben gestellt: 1) aufzudecken, was die aus den zwischenkriegszeitlichen Fragebögen zu Wohnorten („Žemės vardai“) und Forstämtern zusammengetragenen und linguistisch bearbeiteten11 zusammengesetzten Gewässernamen zum Zeitpunkt ihrer Entstehung bedeuteten; 2) zu erklären (zu interpretieren), warum ein bestimmtes hydrologisches Objekt gerade mit einem solchen zusammengesetzten Namen benannt wurde; 3) das Inventar der ermittelten Motivationsmerkmale und deren Besonderheiten herauszuarbeiten.
Bei der Analyse des Materials werden semantische Typologieschemata für Ortsnamen verwendet, die sich in der Forschung bewährt haben,12 im Bereich der eigenen Toponomastik entwickelt13 und durch ein verallgemeinerndes semantisches Kriterium ergänzt wurden. Das hinzugefügte Kriterium ermöglichte es, die Benennungsmotive nach toponomastischen Prinzipien einzuteilen: (1) nach den Eigenschaften des hydrologischen Objekts, (2) nach dessen räumlicher Lage und (3) nach dessen Verhältnis zu einer Person. Diese Prinzipien gelten als grundlegend und sind durch die Eigenart der benannten Objekte selbst bedingt14. Das vorhandene Material kann die Einteilung erweitern. So wird beispielsweise in dieser Untersuchung eine Benennung (4) nach der Zeit der Nutzung des hydrologischen Objekts unterschieden (siehe 1.4.).
Auf das Untersuchungsmaterial werden die Methode der Arbeitsanalyse, die erklärende (interpretative) Methode mit Elementen der Vergleichsmethode sowie die Methoden der semantischen Analyse und der inneren Einsicht angewandt.
Die Deutungen der Motivation zusammengesetzter Helonyme stützten sich auf das Material des Wörterbuchs der litauischen Sprache (2013; im Folgenden15 LKŽ): Wörterbuchdefinitionen und Verwendungsbeispiele (unter Berücksichtigung der lokalen Übereinstimmung). Die wichtigsten Quellen für Personennamen sind das Wörterbuch litauischer Familiennamen (im Folgenden LPŽ) sowie das alphabetische Register historischer Personennamen.
11 Normalisiert und, soweit möglich, mit Akzentzeichen versehen.
12 Siehe Sviderskienė 2016.
13 Gemeint ist das von A. Vanagas erstellte Schema zur Analyse der Motivation von Ortsnamen (näher siehe Vanagas 1981: 4–153), aus dem die Erläuterung der Benennungsmotive anhand eines bestimmten Objektmerkmals übernommen wurde; es erwies sich als unzureichend.
14 Siehe auch Фолб 1972; Березович 1998; Sviderskienė 2014; 2016.
15 Im Artikel wurde wegen ihres häufigen Auftretens auf die Angabe der Abkürzungen einiger Quellen verzichtet.
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(im Folgenden – IAK16). Bei der Suche nach Personennamen zur Begründung von Hydronymen waren polnische und deutsche Wörterbücher hilfreich, die am Ende des Artikels im Quellenverzeichnis aufgeführt sind. Die Erläuterungen zur Motivation zusammengesetzter Ortsnamen stützten sich auf das Verzeichnis der administrativ-territorialen Gliederung der Litauischen SSR (1976; im Folgenden – ATSŽ II), das Verzeichnis der Namen der Flüsse und Seen der Litauischen SSR (im Folgenden – LUEV) sowie das Wörterbuch litauischer Ortsnamen (2008; 2014 – im Folgenden LVŽ I; LVŽ II).
In Anbetracht des von B. Savukynas vorgebrachten und auch heute noch aktuellen Gedankens, die Beziehungen der Onyme zum toponymischen Kontext des gesamten Sprachraums zu berücksichtigen (ausführlicher siehe Savukynas 1966: 172), ist als wichtige Quelle für die Untersuchung der Motivation zusammengesetzter Helonyme eine Sammlung von Ortsnamen anzusehen, die in verschiedenen Zeiträumen aus der lebendigen Sprache aufgezeichnet wurden – die Ortsnamenskartei (im Folgenden – VK17). Darüber hinaus bilden die Fragebögen selbst, die Ortsnamen-Erhebungsblätter und das Material der Grundstücksnamen eine Brücke, die Forschenden hilft, die Distanz zwischen dem Topoobjekt und seinem Namen zu überwinden18. Somit gelten die genannten Quellen als besonders wertvoll für die Erklärung der Motivation von Ortsnamen, da sie die onomastische Situation offenlegen. Die Ergebnisse der Analyse der onomastischen Situation, deren Qualität, wie das im Artikel untersuchte Material zeigen wird, von den verfügbaren aufgezeichneten Aussagen der Informanten abhängt, helfen am besten bei der Klärung von Fragen der Interpretation von Toponymie, Motivation und Pseudomotivation.
Im weiteren Verlauf des Artikels werden dieselben, in der litauischen Toponymie üblichen und etablierten Kriterien für die Darstellung des Materials angewandt. Zur Gliederung des Materials und zur Analyseabfolge siehe auch Sviderskienė 2016: 246–247.
1. KOMPOSITA HELONYME MIT KLARER MOTIVATION
1.1. Benennungen nach den Merkmalen der Hydroobjekte
1.1.1. Nach den Merkmalen der Oberfläche des Hydroobjektbodens
16 In den Beständen des Zentrums für baltische Sprachen und Namenforschung des Instituts für Litauische Sprache aufbewahrt.
17 Ebenfalls in den Beständen des Zentrums für baltische Sprachen und Namenforschung des Instituts für Litauische Sprache aufbewahrt.
18 Dėl Žemės vardų anketų medžiagos dar žr. Sviderskienė 2015: 170, 172–174; 2016: 244–245. Pabrėžian vietovardžių surašymo lapuose (be kitų svarbių duomenų) išlikus etninės srities atstovų kalbines sąmonės duomenų vertę, reikšminga Rūtos Marcinkevičienės išsakyta mintis: „Iš tiesų ne žodis, o žmogus turi galvoje tam tikrą reikšmę – konceptą, sąvoką ar sampratą, kurią gali išreikšti vienu ar kitu žodžiu. Tik individui vartojant žodžius kyla asociacijos, atsiranda vaizdiniai. Todėl reikšmės reikia ieškoti ne žodyje ar žodyne, bet jo vartosenos kontekste, klausant pašnekovo ir lyginant savąjį konkretaus žodžio supratimą su išgirsto ar perskaityto žodžio ypatumais“ (Marcinkevičienė 2011: 8).
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(1) Aufgrund der Beschaffenheit der Bodenoberfläche wurde das Hydroobjekt Šlynų balà b. Krsn: lit. šlynė ‘graublauer oder weißlicher, glitschiger Ton mit Beimengungen organischer Stoffe’19 benannt.
(2) Die physikalischen Eigenschaften der Bodenoberfläche des Hydroobjekts inspirierten den Namen des Tümpels Klampioji bala b. Krsn20: lit. klampóji, vgl. klampùs, -i ‘in die man einsinkt’; vgl. die Beschreibung: Viksva stačioji wächst in großen Büschen, besonders in schlammigen Tümpeln (rš). Zur Semantik vgl. den durch Zusammensetzung gebildeten Gewässernamen Klampā-balis b. KzR21, der im vermuteten Gebiet belegt ist.
(3) Aufgrund der Bodenoberfläche als Schicht sowie ihrer Muldenform und Tiefe wurde das Hydroobjekt Gilùs raistas b. Krsn benannt: lit. gilùsis, vgl. gilàs, -i ‘weit von der Oberfläche bis zum Grund reichend, tief’. Dass bei der Toponymisierung die räumliche Semantik des ersten Bestandteils des zusammengesetzten Gewässernamens aktualisiert wurde, bestätigt auch der zweite Bestandteil – raistas. Die attribuierende Form des ersten Bestandteils zeugt von der Konkretisierung im Benennungsprozess des Hydroobjekts (vgl. Gilì bala, Gilì balãtė – das Hydroobjekt wird charakterisiert)22.
1.1.2. Das Adjektiv gilùs weist neben der räumlichen Semantik auch eine Mengensemantik auf. Bei diesen Benennungen von Hydroobjekten wurde letztere ebenfalls aktualisiert: Gilì balà b. Lbv; Gilì balãtė b. Lbv: lit. gilùs, -i; dies bestätigen auch die zweiten Bestandteile balà, balãtė.
Aufgrund des Wasserreichtums wurde ein anderes Hydroobjekt metaphorisch benannt: Patapų balà b. Krsn: lit. pãtapas, pãtapas ‘Überschwemmung’ (lit. põtvynis ‘Überflutung, Überströmen durch Wasser’). Mit diesem Gewässernamen wird der Bedeutungsinhalt nicht nur sachlich, sondern auch emotional vermittelt; zudem lässt der erste Bestandteil des durch Zusammensetzung gebildeten Ortsnamens ihn lebendiger wirken, da er umgangssprachlich gefärbt ist.
Im Gegensatz dazu wurden feuchte Orte aufgrund des Wassermangels benannt: Sausasis raistas b. Krsn: lit. sausas, -à ‘ohne Feuchtigkeit, ohne Wasser, nicht nass, ausgetrocknet’; Sausieji raisteliai b. Krsn: lit. sausieji, vgl. sausas, -à.
1.1.3. Aufgrund des Zusammentreffens, der Brut oder Ähnlichem von Vögeln an bestimmten feuchten Orten erhielten folgende Topoobjekte ihre Namen: Antų balà b. Ss: lit. antùkas ‘Entenküken23
19 Vgl. šlynė ‘Boden aus solchem Ton’.
20 Der Gewässername wurde im Fragebogen des Reviers Znicos der Oberförsterei Kalniškė verzeichnet.
21 Dėl jo žr. Siderskienė 2016: 253. Pastarasis hidroobjektas greičiausiai buvo nominuotas dėl dugno paviršiaus fizinių ypatybių.
22 Auf die Unregelmäßigkeit der Bedeutungen zusammengesetzter Hydronyme, deren erster (determinierender) Bestandteil durch ein einfaches oder ein attributiv flektiertes Adjektiv ausgedrückt wird, hat auch A. Vanagas hingewiesen (ausführlicher siehe Vanagas 1981: 51).
23 Diese Wahl wurde in diesem Artikel durch die Besonderheit des untersuchten Materials bestimmt – Gewässernamen, die von Bezeichnungen anderer Tiere abgeleitet sind, liegen nicht vor. Üblicherweise wird ein eigener Abschnitt der Erklärung der Motivierung von Ortsnamen gewidmet, die auf den Aufenthalt (Vorkommen, Leben o. Ä.) von Tieren zurückgeht; dabei wird nicht weiter danach differenziert, um welche Tiere es sich handelt (Vögel, Reptilien o. Ä.) (siehe Vanagas 1981; Siderskienė 2016).
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Jungtier24; Pėmpių raštas (|| Pempynė) rst. Vv: lit. pėmpė ‘kleiner Sumpfvogel aus der Familie der Regenpfeifer (Vanellus vanellus). Die in der gesprochenen Sprache verwendete Nebenform, d. h. das Arbeits-Synonym, Pempynė, dessen Motivation „Ort, an dem Kiebitze brüten“ lautet, präzisiert und bestätigt die Deutung der Motivation des zusammengesetzten Gewässernamens; Vanagų raštas 2 rst. Brb25: lit. vanagai ‘Unterfamilie räuberischer Vögel aus der Ordnung der Greifvögel (Accipitridae), vanagas ‘Art der Unterfamilie der Habichte, ein räuberischer Vogel mit kurzem, gebogenem Schnabel und scharfen Krallen’. Obwohl Helonyme wie andere Eigennamen stets monoreferentiell sind, werden hier die Bedeutungen des zweigliedrigen, determinierenden Elements angegeben, da beide während des Benennungsprozesses tatsächlich aktualisiert worden sein könnten.
1.1.4. Verschiedene Feuchtgebiete wurden nach den dort wachsenden Pflanzen benannt: Beržų ply nė pln. Igl: lit. beržas ‘Laubbaum mit weißer Rinde (Betula); Berželių balaitė b. Krs: lit. berželis, vgl. beržas26; Kanapių pynėlė b. KzR: lit. kanapė ‘Kulturpflanze, aus deren Stängel Fasern gewonnen und aus deren Samen Öl gepresst wird (Cannabis sativa); Samanų raistelis rst. Gdl: lit. sā́na, samanā, samanōs ‘Sporenpflanze feuchter Standorte mit Wurzelhaaren anstelle von Wurzeln (Bryophyta).
1.1.5. Was in einer Moorfläche zu finden ist bzw. dort vorkommt, zeigen Helonyme mit attributiver Bedeutung: Žardakarių ply nė pln. Vv: lit. žardakartė ‘lang wie eine Stange eines Flechtzauns’. In einem Fragebogen der Forstverwaltung Šalkiai ist der Name der Moorfläche Barčių ply n ate pln. Vv: lit. barčia ‘eine bestimmte Art aufgehängter Bienenstock, Nisthöhle’ (vgl. Im Alten Wald gab es viele barčios (Al)), lit. bartis ‘alter, vermoderter, hohler Baum (Kiefer, Fichte), Baumhöhle’ (vgl. In baumhohlen Bäumen hielten die Leute früher Bienen, oder sie schwärmten dort von selbst ein (KzR))27.
1.1.6. Die folgenden Helonyme bezeichnen eine charakteristische Eigenschaft des Ortes: Duobių raistas rst. Ss28: lit. duobė ‘Vertiefung oder sonst eine eingesunkene Stelle im Boden; Kalnų plynia b. KzR: lit. kalnas ‘hohe Erhebung des Bodens; Kalvų raistas rst. Gdl: lit. kalva ‘erhöhte Stelle, kleiner Hügel’; Kamšų raistas b. KzR: lit. kamša ‘mit Zweigen und Ruten ausgefüllter Weg’.
24 Vgl. den aus der gesprochenen Sprache aufgezeichneten Satz: Ants hier, und die Kleinen planschen für sich in der Pfütze Gs (Abkürzungen wie in LKŽe; sie werden nicht gesondert erläutert).
25 Im Fragebogen der Forstverwaltung Ivoniškis sind zwei Raistavardžiai Vanagų raistas verzeichnet. Den Fragebogendaten zufolge wurden sie in verschiedenen Waldabteilungen erfasst; ob diese aneinandergrenzen, lässt sich schwer feststellen.
26 Vv. ist im Fragebogen des Dorfes Znicos in der Forstverwaltung Kalniškė verzeichnet. Zur Erklärung seiner Bildung und Herkunft siehe auch LVŽ I 447–455.
27 Siehe auch LVŽ I 269–270, wo auch die Möglichkeit einer Bildung des vv. aus einem Personennamen nicht ausgeschlossen wird (vgl. adv. Barčys, Bartys).
28 Im Fragebogen der Forstverwaltung Sasnava heißt es: Mitten im Moor gibt es einen Hügel. Früher gruben die Leute dort Gruben, in denen sie Flachs stampften.
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1.1.7. Aufgrund der Größe des Hydroobjekts, d. h. seiner außergewöhnlichen Ausdehnung, wurde es als Didysis raštas rst. Ig benannt: lit. didysis, vgl. didis, –ė (–ė, –i, didžią) ‚durch seine Ausmaße bedeutend, groß‘.
1.1.8. Von dämonologischer Motivation ist ein einziger Sumpfname belegt – Velnių bala b. Brb: lit. vėlnas ‚Gottheit der Erde und der Unterwelt, Teufel, Kobold; in der Religion: böser Geist, Unhold‘. Es ist kein Zufall, dass der Name in einem Fragebogen der Forstverwaltung Balbieriškis verzeichnet wurde; man kann daher annehmen, dass der Sumpf für menschliche Bedürfnisse ungeeignet ist (oder nicht genutzt wird). Diese Vorstellung (Vermutung) hängt mit den Stereotypen der Sprachgemeinschaft zusammen, deren Einfluss auf den Benennungsprozess offenkundig ist: Ein wenig bekanntes Feuchtgebiet im Wald (nicht im Siedlungsgebiet), ein Sumpf, den Menschen nicht nutzen, wird von Angehörigen der ethnischen Gemeinschaft als eine Art Ort des „Aufenthalts“ („Wohnort“) von Teufeln betrachtet29.
Nicht ganz klar ist, aufgrund welcher Eigenschaft des Hydroobjekts dieses als Tamsioji plėnė rst. Ss benannt wurde: entweder wegen des undurchsichtigen Wassers (vgl. lit. tamsói, vgl. tamsùs, –i ‚nicht hell, schwarz‘) oder wegen der Beleuchtung bzw. Nichtbeleuchtung des Hydroobjekts (vgl. lit. tamsùs, –i ‚schwach oder gar nicht beleuchtet; in das wenig oder kein Licht fällt‘). Für letztere Deutung der Motivation könnte folgende Information sprechen: Der Helonym ist in einem Fragebogen der Forstverwaltung Varnabūdė verzeichnet. Auch wenn unklar ist, welches der ersten beiden Sememe bei der Benennung aktualisiert wurde, hindert dies nicht daran, diesen Gewässernamen als Benennung nach einer Eigenschaft des Hydroobjekts einzuordnen.
1.2. Benennungen nach der räumlichen Lage der Hydroobjekte
Die Interpretation der Motivation der Vertreter dieses Kapitels unterscheidet sich etwas: Einige Helonyme haben eine possessive Bedeutung, bei anderen lässt sich eine lokale Bedeutung erkennen. Dies lässt sich nur feststellen, wenn ihre Entstehung geklärt wird30. Aus diesem Grund wurden die zusammengesetzten Helonyme des Kreises Marijampolė im Kapitel „Motivation durch Possessivität und Ort“ analysiert31. Bei der Analyse zusammengesetzter Namen kleiner Hydroobjekte wird versucht, die genannten Bedeutungsnuancen hervorzuheben, indem die Helonyme in einzelne Mikrogruppen eingeteilt werden, die in den Unterabschnitten des Artikels dargestellt sind. Aus dem genannten Grund – dem Mangel an verfügbaren Daten zur Klärung ihrer Entstehung – werden sie jedoch insgesamt in einem Kapitel behandelt.
29 Dėl demonologinės motyvacijos sudėtinių helonimų dar žr. Sviderskienė 2016: 252–253. Dėl skirtingų mitinio vandens įprasminimo aspektų atskleidimo tradicinėje lietuvių pasaulėžiūroje, vandenį siejant su požemiu, žeme ir dangumi, dar žr. Būgienė 1999: 13–85. Dėl demonologinių vv. rusų toponimijoje žr. Березов, Макарова, Мылонен 2015.
30 Dėl šio teiginio žr. Savukynas 1963: 238.
31 Dar žr. Sviderskienė 2016: 254.
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1.2.1. Helonyme, die einen bestimmten räumlichen Standort (1) oder einen Teil des Raums (2) bezeichnen, den ein Hydroobjekt einnimmt:
(1) Palaukinis raistas b. KzR: lit. palaukinis, vgl. palaukė, palaukė ‚Rand eines Waldes, der an ein Feld grenzt‘; der in einem Fragebogen der Forstverwaltung Papilys verzeichnete Sumpfname bezeichnet somit den Standort des Hydroobjekts.
(2) Galų bala b. Ldv: lit. gãlas ‚Stelle, an der ein länglicher Gegenstand endet; Randteil eines Gegenstands (Anfang, Ende)‘, d. h. ein Sumpf, der am Ende des Dorfes liegt (der Sumpfname ist im Fragebogen des Dorfes Armoniškiai verzeichnet). Andererseits kann der Name als ein am Feldende gelegener Sumpf verstanden werden, vgl. lit. galã ‚Feldende‘ (Nuojo į galus arklių perkelti (Mrj)). Bei beiden Deutungen der Motivation bezeichnet der Sumpfname den Standort des Hydroobjekts. Kampų bala b. Lbv: lit. kampas ‚Stelle, an der sich zwei Linien, Flächen, Wände oder Gegenstände schneiden; Ecke‘ – ein Sumpf, der in den Dorfecken liegt. Andererseits könnte bei der Benennung auch ein anderes Semem des Erstglieds kampas aktualisiert worden sein: ‚Rand, Seite; Hälfte‘. Anhand der verfügbaren Fragebogendaten aus dem Dorf Salaperaugis lässt sich dies nicht klären.
1.2.2. Benennungen nach der Lage im Verhältnis (a) zu anderen Orten der Erdoberfläche: Kamšės raistas rst. Gdl: lit. kamšė ‚mit Reisig und Ruten ausgefüllter Weg‘; Kupstinės raistas b. Krsn: lit. kupstynė ‚hügeliger Ort, Wiese‘; Lūgo bala b. KzR: lit. lūgas, lūgas ‚von einem Fluss überflutete, tiefliegende Stelle‘; ein schlammiger Flussarm. Diese Deutung der Motivation wird durch die verfügbaren Daten gestützt: Der Sumpfname ist im Fragebogen der Forstverwaltung Agurkiškė verzeichnet; durch das Gebiet dieses Dorfes fließt der Fluss Suirupelis. Der Flussname ist auch in einer offiziellen gedruckten Quelle für Gewässernamen belegt: Lietuvos TSR upių ir ežerų vardynas: Suirupelis Kazlų Rūda, Dorf Agurkiškė, Jurės 1 nt. (LUEV 158). Verknüpft man diese Lokalisierungsangaben zum Flussnamen mit den verfügbaren Fragebogendaten, wird auch die Deutung der Motivation des Sumpfnamens bestätigt. Im Verhältnis zu bestimmten Orten der Erdoberfläche benannte Hydroobjekte: Murgėlių bala b. Prn: lit. murgėlis, vgl. murgas ‚Erdmasse‘³² (das Diminutiv bezeichnet eine abgegrenzte Sache von gleichbleibender Größe); Palinijos bala b. Krsn: lit. palinė ‚abgeholzter Waldstreifen, Lichtung‘ (der Sumpfname ist im Fragebogen des Dorfes Znicos der Forstverwaltung Kalniškė verzeichnet); Pãlių bala b. Ldv: lit. pãlios ‚große Sümpfe und Ödland an der Stelle verlandeter Seen‘ (den Fragebogendaten der Forstverwaltung Bukta zufolge liegt der Sumpf im Wald und ist mit Erlen bewachsen);
(b) im Verhältnis zu einem Ort, an dem eine bestimmte Pflanzenart reichlich vorkommt: Pušyno bala b. Prn: lit. pušynas ‚Kiefernwald‘;
(c) im Verhältnis zu einem Baum oder Bauwerk, d. h. Helonyme mit einer die Umgebung beschreibenden Motivation: Ąžuolo balaitė b. Krsn: lit. ąžuolas ‚Laubbaum mit sehr hartem Holz (Quercus)‘. Die im Singular Nominativ ausgedrückte Baumbezeichnung in diesem Namen zeigt, dass in unmittelbarer Nähe eine Eiche wuchs
32 Das Diminutiv bezeichnet eine abgegrenzte Sache von gleichbleibender Größe.
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… während des Benennungsprozesses die Funktion eines tatsächlichen Orientierungspunkts zur Bezeichnung der Lage des Sumpfes erfüllt. Vergleicht man diese Benennung mit den Vertretern des Abschnitts zur „pflanzlichen“ Motivation (siehe 1.1.4.), wird deutlich, dass sie sich unterscheiden: Das erste, durch den Genitiv Plural ausgedrückte Glied der Letzteren zeigt, welche Pflanzen an den bezeichneten feuchten Stellen wachsen oder weiterhin wachsen.
Die Funktion bestimmter Orientierungspunkte übernehmen Gebäudebezeichnungen als Erstglieder, die im Genitiv Plural stehen: Daržinių bala b. Krn: lit. daržinė ‚Gebäude zum Lagern von Heu und Getreide; Gonkų balaitė b. Krn: lit. gonkas ‚Vorbau, Vorraum, Veranda‘; Kuknelių raistas b. Krn: lit. kuknelė ‚Räucherkammer‘; Lėptų raistas b. KzR: lit. lėptas ‚Brett oder Baumstamm, quer über einen Graben oder Bach gelegt, um ihn zu überqueren‘. Die Pluralform in der Struktur der letztgenannten Gewässernamen könnte nicht nur dadurch bedingt sein, dass es in der Umgebung des bezeichneten Ortes mehrere Gebäude gab (beispielsweise Scheunen oder Ähnliches), sondern auch durch die räumliche Lage der Wasserobjekte, d. h. durch die Vorstellung von Entfernung (außerhalb des Wohnorts)33. Diese Annahme wird dadurch gestützt, dass diese Helonyme in den Fragebögen der Forstverwaltungen verzeichnet sind. Somit könnte der angeführte Grund auch dazu geführt haben, dass bestimmte Orientierungspunkte (Gebäude, Brücke bzw. Brücken) als Gesamtheit durch eine Pluralform statt durch den Singular ausgedrückt werden34.
1.2.3. Benennungen nach der Beziehung zu anderen topoobjekten, die sich in der näheren Umgebung befanden.
(1) Benennungen, die durch lokal nahe Gewässer motiviert sind; die Namen von Flüssen und Sümpfen dienen als Grundlage für die Benennung von Flurnamen: Rūdės raistas rst. Brb: Rūdė Fl. Brb35; Lankavos Kōja Flur. KzR: Lankava Sumpf KzR. Die beiden letztgenannten Ortsnamen sind im Fragebogen der Forstverwaltung Papilys verzeichnet36. Dieses Dokument aus der Zwischenkriegszeit enthält auch weitere Informationen, die helfen, die Benennungs- und Motivationsprozesse zu verstehen und zu interpretieren. Zum Eintrag des Ortsnamens Lankavos Kōja enthält der Fragebogen zusätzliche Angaben: eine Lichtung im Tal, ein Vorsprung des Lankava-Sumpfes – eine Furt. Zum Sumpfnamen Lankava heißt es in KzR: von runder Form, ein tiefer, mit Schwarzerle bewachsener Sumpf. Somit wurde im Benennungsprozess der Lichtung aufgrund der bestimmten räumlichen Anordnung (Konfiguration) der beiden Objekte das zweite Glied des zusammengesetzten Ortsnamens Lankavos—
33 Dieser Faktor wurde auch in Untersuchungen zur slawischen Toponymie berücksichtigt. Zur bequemen räumlichen Anordnung der Umgebung mit „idealen“ Abständen, die von den Benennenden „gemessen“ werden, etwa von der Wohnstätte bis zum Gemüsegarten, also innerhalb der Grenzen des Wohnorts (Dorfes), siehe ausführlicher Березович 1997: 103.
34 Die Wiedergabe von Orientierungspunkten durch eine Pluralform des Erstglieds in der Struktur zusammengesetzter Namen, die durch geografische Entfernung entstanden ist, kann auf eine Deonimisierung hindeuten. Zu diesem Phänomen in der Toponymie siehe außerdem ausführlicher TMOI: 42–44; Суперанская 2009: 42, 50.
35 Zu den Ortsnamen siehe LHEž 137; LUEV 137.
36 Frühere Untersuchungen zur Benennung und Motivation von Ortsnamen im Kreis Marijampolė dokumentierten auch ein weiteres Mikrosystem von Gewässernamen: Šinkabėlė – Uodegėlė (siehe ausführlicher Sviderskienė 2015: 92–93; 2016: 257).
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Kója37 wird in übertragener Bedeutung verwendet38. Diese Ortsnamen sind durch Teil-Ganzes- bzw. partonymische Beziehungen miteinander verbunden39.
(2) Die Namen der wegen ihrer räumlichen Nähe nominierten Wohnorte dienen als Grundlage für die Benennung von Feuchtgebieten: Važkiemio balā Moor Brb: Važkiemis Dorf Āsm (ATSŽ II 338; Žuklių raistas Sumpf Vv: Žukliai (‖ Pamėdi-nės of.)40. Dorf Vv (VK).
(3) Die Namen von Flur- und Geländemerkmalen, die wegen ihrer räumlichen Nähe nominiert wurden, dienen als Grundlage für die Benennung der Feuchtgebiete. Nach den Erläuterungen zur Motivation werden in Klammern die Erhebungsdaten beider Namen angegeben; diese Information ist nicht als überflüssig anzusehen. Vielmehr hilft sie, die Umgebung aus der Sicht des Benennenden, des „Schöpfers“ der Ortsnamen, zu betrachten und die Orientierungspunkte seiner unmittelbaren Wohnumgebung zu erkennen: Barsukyno balā Moor Krsn: Barsukynas Hügel Krsn (beide Namen im Fragebogen des Forstreviers Kalniškė, Dorf Znics, verzeichnet); Bielskapievės raistas Sumpf Igl: Bielskapievė Feld Igl (Fragebogen des Forstreviers Varnabūdė); Dvarākėlio balās Moor Krsn: Dvarākėlis Dorf Krsn (Fragebogen des Forstreviers Kalniškė, Dorf Znics); Klōninės raistas Sumpf Brb: Klōninė Feld Brb (Fragebogen des Forstreviers Ivoniškis); Kumėlpievės raistas Sumpf Brb: Kumėlpievė Feld Brb (Fragebogen des Forstreviers Ivoniškis); Lapinskepievės raistas Moor Brb: Lapinskepievė Feld Brb (Fragebogen des Forstreviers Ivoniškis); Lygumukių balā Moor Klvr: Lygumukės Dorf Klvr (Fragebogen des Dorfes Šuninkai); Smalinių balā Moor Lbv: Smalinės Feld Lbv (Fragebogen des Dorfes Senabūdis). Ein weiterer Moorname, Barsukyno balā Krsn42, im Fragebogen des Forstreviers Kalniškė, Dorf Znics, verzeichnet, wurde gebildet, indem eine in der gesprochenen Sprache existierende, im Fragebogen jedoch nicht erfasste Variante des Bergnamens Barsūkų kalnas Hügel Krsn43, *Barsukinis, festgehalten wurde.
1.2.4. Benannt nach ihrer räumlichen Lage zueinander
Retos balās Moor Brb: litauisch rėtas, -ā ‚[...] in bestimmten, relativ großen Abständen gelegen‘.
1.3. Benennungen nach ihrer Beziehung zu einer Person
1.3.1. Das erste Glied dieser Gewässernamen ist eine appellativische Personenbezeichnung (1), ein Vorname, Familienname oder Spitzname (2), ausgedrückt im Genitiv Singular oder Plural; sie bezeichnen Orte, die damals (ehemals)
37 Vgl. litauisch kója ‚einer der beiden Körperteile, mit denen ein Mensch oder ein anderes Lebewesen geht‘.
38 Metonymie, genauer Synekdoche, beruhend auf dem Verhältnis von Teil und Ganzem.
39 Toks žodžių santykių tipas vadinamas meronimija (plačiau žr. Jakaitienė 2010: 114).
40 Zum letztgenannten Gewässernamen siehe ATSŽ II 214.
41 Im Folgenden wird der Name des Dorfes angegeben, in dem beide Gewässernamen aufgezeichnet wurden, oder der Name des Forstreviers.
42 Der Helonym scheint nicht in LVŽ I (2008) aufgenommen worden zu sein.
43 Dieser Gewässername wurde im selben Fragebogen des Forstreviers Kalniškė, Dorf Znics, aufgezeichnet.
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Personennamen der Besitzer. Alle diese Ortsnamen im Genitiv haben, wie bekannt ist, meist possessive Bedeutung, andere dagegen memoriale44.
(1) Memoriale Benennungen45: Dieduko raštas rst. Brb: lit. diedukas ‚Vater- oder Muttervater, Großvater; alter Mensch, Greis; Pūdžius plynie b. Igl: lit. pūdžius ‚Töpfer‘.
(2) Benennungen nach Besitzverhältnissen: Botýriaus raštas rst. Brb: Personenname Botýrius; Brók bala b. Igl: Vorname Brōkas; Būdos pynaitė b. KzR: Personenname Būdė⁴⁶; Česnų balaitė b. Brb: Vorname Česna, Česnas; Čižko balaitė b. Krsn: Personenname Čižikas, Čižikas; Dóbilas raštas rst. Gdl: Vorname Dóbilas; Gidžiūno balaitė b. Krsn: Personenname *Gidžiūnas, vgl. Personenname Katarzyna Gidžunas 1873 Krsn (IAK – nach den Angaben dieser Quelle ist der Personenname im Kirchenbuch der Pfarrei Krosna aufgezeichnet), Personenname Gregorius Gidzialis 1691–1719 (ebd.47); Įrškio balūkė b. Lb: Personenname *Įrškis oder Ähnliches, vgl. poln. Personenname Hirshe (SNP IV 121), Irski (ebd., 221); Jančaro plynia rst. Vv – die Motivationsgrundlage dieses Ortsnamens ist ein Personenname; dazu vgl. poln. Familienname Janczur (SNP IV 276); Kėkės raštas rst. Gdl: Familienname Kėkė; Kričenos balaitė b. Krsn: Familienname Kričena; Lenartų bala b. Ldn – die Motivationsgrundlage dieses Ortsnamens ist ein Personenname; dazu vgl. Familienname Lenartavičius, dt. Familienname Lenart (Gottschald 1954: 403), poln. Familienname Lenart (SNP V 558); Rudniko raštas rst. Brb: Personenname Rudnickas; Uželio bala b. Prn – die Motivationsgrundlage dieses Ortsnamens ist ein Personenname; dazu vgl. Familienname Užinskas, Užinas, poln. Familienname Uziel (SNP X 38).
Die lexikalische Beschaffenheit des Erstglieds lässt eine mögliche doppelte Interpretation zu, je nachdem, ob es der Klasse der Appellativa oder der Anthroponyme zugeordnet wird; außerdem wurden bald weitere Fälle dieser semantischen Untergruppe zugeordnet: Bartninko bala (auch Bartnyko bala) b. Igl: lit. bártninkas, bártiniṅkas ‚Gutsherr, Imker‘ / Personenname Bārtininkas.
1.4. Benennungen nach der (Nutzungs-)Dauer der Nutzung eines Hydroobjekts. Die Motivation des in einem Fragebogen der Forstverwaltung Sanavās verzeichneten Gewässernamens Malkairčių bala b. Ss hängt mit der Nutzungsdauer dieses Objekts zusammen – lit. malkartis ‚Zeit des Holzschlagens‘. Diese Motivationsdeutung wird durch Hintergrundinformationen gestützt
44 Dėl termino žr. Savukynas 1963: 238.
45 „Possessive Ortsnamen im Genitiv eines Appellativs lassen sich ebenfalls nur schwer von memorialen unterscheiden, denn beispielsweise kann Kūni̇go upelis nicht nur deshalb so benannt sein, weil der Bach durch das Feld eines Priesters floss, sondern auch, weil der Priester auf andere Weise mit ihm verbunden war“ (Savukynas 1963: 239). Auf der Grundlage dieser Aussage kann der Gewässername Dieduko raštas rst. Brb sowohl als memorial als auch als possessiv eingestuft werden – die Daten der Ortsnamen-Erhebungsbögen geben darüber keinen Aufschluss. Ein anderer Ortsname könnte als memorial eingestuft werden, da den Angaben des Fragebogens aus dem Dorf Gudinė zufolge früher hier Ton zum Töpfern gegraben wurde; daher lässt sich annehmen, dass an diesem Ort wahrscheinlich ein Töpfer gelebt hat.
46 Nach Ansicht der Autoren des LVŽ ist auch eine andere Grundlage für die Bildung des Ortsnamens möglich – die Bezeichnung eines Gebäudes, lit. būdė (siehe auch LVŽ I 588–590), die als erstes, näher bestimmendes Glied eines zusammengesetzten Gewässernamens fungiert.
47 Der Personenname ist in einem anderen Gebiet belegt; die Benennung wurde durch das Taufregister von Kriunai bestätigt.
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Informationen48: „Brennholzbäume werden gewöhnlich im Winter gefällt, wenn das Holz trockener ist (außerdem kann man leichter in den schlammigen Waldboden gelangen und das Holz leichter abtransportieren, wenn der Boden gefroren ist)“49. Zur Semantik vgl. ferner den in einem Fragebogen der Försterei Jūrė50 belegten Flurnamen Malkabiris, rst. KzR.
2. ZUSAMMENGESETZTE HELONYMEN MIT DERZEIT NICHT VOLLSTÄNDIG KLARER MOTIVATION.
2.1. Wahrscheinlich werden historische Ereignisse, die möglicherweise nur vermeintlich oder tatsächlich im Gedächtnis bestimmter ethnischer Gruppen fortleben, in der Benennung Liogerio balos b. Ss51 festgehalten; vgl. lit. liogeris ‚vorübergehender Aufenthaltsort, gewöhnlich ein Zelt oder eine Unterkunft in provisorischen Gebäuden, Lager‘52. Eine solche Deutung der Benennung scheint auch einen gewissen Anklang an eine Verletzung zu haben; dazu vgl. jedoch lit. legerė (dt. Lägel), lėgerė ‚kleines Fass‘ (LKŽ), lėgerė (legerė) ‚ebd.‘ (Čepienė 2006: 74). Vielleicht ist dieses Appellativum die eigentliche sprachliche Grundlage für die Motivation des Sumpfnamens. Zur Semantik vgl. ferner den im selben Gebiet belegten zusammengesetzten Gewässernamen Bōsaraistis, rst. Šl: lit. bōsas ‚Fass, Tonne‘. In diesem Fall wurde das Gewässer wegen seiner „aufgeblähten“ Oberfläche benannt, und dieses „Aufgeblähtsein“ der Oberfläche könnte durch eine Pflanzendecke oder eine Torfschicht entstanden sein (siehe auch Sviderskienė 2016: 250). Die Angaben aus dem Fragebogen aus dem Dorf Lašiai ein Hügelchen mitten im Sumpf, das wie eine Art Aufwölbung hervorragt, stützen somit die vermutete Erklärung der Motivation.
Auch der Sumpfname Razbaininkų pynė b. KzR, der im Fragebogen der Försterei Papilys festgehalten ist, scheint mit der Semantik historischer Ereignisse verbunden zu sein. Die russische Toponymieforscherin Jelena L. Berezovič legt zwei Deutungen der Motivation von Ortsnamen vor, die mit dieser appellativischen Personenbezeichnung zusammenhängen (vgl. russ. разбойник ‚übertr. umg. Unterdrücker; umg. verkommener Mensch, Schurke, Bandit; scherzh. Draufgänger, Unruhestifter, Schelm‘ (RLKŽ III 543)). Eine dieser Deutungen (die jüngste)
48 Dėl termino žr. Gudavičius 2007: 153–154, Гуриева 2009: 70–73.
49 Zum letztgenannten Hinweis siehe https://lt.wikipedia.org/wiki/Malkos [abgerufen am 2017-04-25].
50 Angaben aus diesem Fragebogen: Es wird erzählt, dass es hier viele abgestorbene Bäume gab, von denen die Leute so viele fällen konnten, wie sie wollten.
51 Offenbar ist derselbe Gewässername auch im Fragebogen der Försterei Sasnava festgehalten. Dort heißt es: In alter Zeit, während der Kriege, lebten die Menschen, nachdem sie ihre Häuser verlassen hatten, bei jenen Sümpfen.
52 Offenbar regte der Aufstand von 1863, der in der Zwischenkriegszeit auch buntmetis genannt wurde, die Entstehung dieses Ortsnamens an; vgl. den Auszug aus einem Brief von Mikalojus Katkus an Vaižgantas: Dort waren Wälder. Die Förster dieser Forste geben seit der Zeit des Aufstands jeder seinen Nachfolgern die Kunde von dem Lagerplatz weiter... (ausführlicher siehe Mataitytė 2013: 4–11). Zur Wiedergabe von Unglücksfällen, die sich ereignet haben und im Gedächtnis bestimmter ethnischer Gruppen fortleben, in der litauischen Phraseologie siehe ferner Jašūnaitė 2007: 89.
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Es werden auf kulturell-historischen Beziehungen beruhende Zusammenhänge zwischen Benennungen und Motivationen generiert und die Bedeutung raumzeitlicher Ereignisse als Benennungsimpuls hervorgehoben (ausführlicher siehe Березович, Куко, Сурикова 2015: 108–133). Eine weitere, die erste ergänzende Erklärung der Motivation durch die Forscherin beruht auf semantischer Assoziation zwischen Wortformen (vgl. auch russ. Appellativum разбойник und den physiografischen Terminus russ. разбой, разбойник; dazu siehe weiter unten). Da Belege russischer Toponymie in der Nähe von Flüssen dokumentiert sind, die dort flossen (oder noch fließen), könnte ihre Benennung, wie J. L. Березович anmerkt, mit der örtlichen Hydrographie zusammenhängen, die durch den physiografischen Terminus russ. разбой, разбойник ‘ein Flussabschnitt, der in zahlreichen Armen fließt und reich an Inseln ist, mit vielen Untiefen, Stromschnellen und Sandbänken’⁵³ bezeichnet wird; der Terminus verweist auf bestimmte Merkmale eines Flussbettabschnitts (ausführlicher siehe Березович 2010: 200–201; 203–204).
Bei der eingehenden Analyse der Motivation des Flurnamens Razbaininkų plyne b. KžR wurden in der Kartei der litauischen Toponymie (VK) weitere aus der lebendigen Sprache aufgezeichnete Ortsnamen mit einem strukturell übereinstimmenden ersten Kompositionsglied oder Bestandteil festgestellt⁵⁴. Sie werden im Folgenden angeführt: Aus dem Untersuchungsgebiet ist der Oronymname Razbaininkų kalnas klv. KžR belegt (laut Fragebogen der Forstverwaltung Papilio im Amtsbezirk Veiveriai-Kazlai sollen dort früher Räuber gelebt haben)⁵⁵; aus etwas weiter entfernten Orten stammt Razbajakalnis kn. Pv (übrigens strukturell am stärksten mit dem vermuteten lexikalischen Motivator⁵⁶ russ. разбой übereinstimmend); aus anderen Gebieten stammen Razbaininkų salelė s. Sug, Razbaininkų kelėlis kl. Auk, Razbajų dubà db. Slnt (vgl. auch разбой) sowie einige weitere.
Vergleicht man die verfügbaren Karteidaten mit den in der amtlichen gedruckten Quelle der Gewässernamen Lietuvos TSR upių ir ežerų vardynas und im Lietuvos vietovardžių žodynas angeführten hydrographischen Angaben sowie den aus der lebendigen Sprache aufgezeichneten VK-Belegen, wird deutlich, dass in der Umgebung aller genannten Toponyme (im selben Dorf) Flüsse fließen: bei Razbaininkų plyna und Razbaininkų kalnas KžR (Fragebogen der Forstverwaltung Papilio) der Fluss Pilvė up. Plv (LŪV 125); bei Razbajakalnis Pv (Dorf Laučionys) Didelio raisto upėlis upl. Pv (LVŽ II 245) und Dryžėlė || Dryžėlės upl. Pv (ebd., 331) (die Bäche fließen durch das Gebiet des Dorfes Laučionys); bei Razbaininkų salelė (Dorf Suginčiai) – Sug – die Flüsse Daubulis up. Sug und Daubulis up. Sug (LŪV 27) sowie Kūlėpis up. Sug (ebd., 82) (die Flüsse fließen durch das Gebiet des Dorfes Suginčiai); bei Razbaininkų kelėlis Auk (Dorf Šadžiūnai) der Fluss Milunka up. Auk (der Bach fließt durch das Gebiet des Dorfes Šadžiūnai (VK)); Razbajų dubà Slnt
53 Der Terminus ist im Wörterbuch der volkstümlichen geografischen Termini belegt: Мурзаев Э. М. Словарь народных географических терминов. Москва: Мысль, 1984, 654 с. (nach Березович, S. 473). Eine Rezension des Wörterbuchs veröffentlichte A. Vanagas (ausführlicher siehe Vanagas 1989: 212–214).
54 Es fanden sich auch Fälle phonetisch variierender Ausdrucksformen.
55 Dieser Ortsname wurde auch während der sprachwissenschaftlichen Expedition von 1966 erneut aufgezeichnet (dazu siehe VK).
56 Dėl termino žr. Блинова 2007.
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(Dorf Skudaliai) – Gedgūdų upalis upl. Slnt (der Bach fließt durch das Gebiet des Dorfes Skudaliai (VK)). Wie das gesammelte und angeführte Material zeigt, widersprechen auch die Daten der litauischen Toponymie nicht der Identifizierung eines mit der Hydrographie verbundenen Motivators57. Daher wird angenommen, dass Beispiele für die Verankerung ethnokultureller Informationen in Ortsnamen wahrscheinlich Belege für Pseudomotivation sind.
2.2. Die in der lebendigen Sprache belegte Gewässernamenform Sidabrinių bal b. Ldn (Fragebogen des Dorfes Paželsviai) könnte auf der Grundlage einer semantischen Assoziation zwischen Wortformen entstanden sein: sidabriniai – silberne Münzen, Wertgegenstände58. Das Gewässer wurde jedoch wahrscheinlich aufgrund bestimmter Eigenschaften seines Grundes und Wassers benannt: eines hellen (sandigen) Grundes sowie des sauberen und klaren Wassers der Pfütze59. Der tatsächlich repräsentierte Namensinhalt entspricht somit einer Ableitung mit dem Suffix Sidabriniai b. Ldn: lit. sidabras ‘wertvolles, nicht rostendes weißes Metall (Ag)’. Zur Semantik vgl. den im selben Gebiet belegten, durch Komposition gebildeten Gewässernamen Cidabrabl b. Brb: lit. cidabras ‘Silber’, der ebenfalls metaphorisch nach einer Eigenschaft des Gewässers benannt wurde (aufgrund der Klarheit des Wassers)60.
2.3. Metaphorisch aufgrund des Bewuchses des Gewässers mit niedrigem Kalmus wurde der Sumpf Vieversių bal b. Lbv benannt. Ein bestimmtes Merkmal des im gesamten litauischen Gebiet verbreiteten kleinen Vogels (nach LKŽe-Daten ist vieversys = vieversys ‘Singvogel aus der Familie der Lerchen, die zur Ordnung der Sperlingsvögel gehört’) – seine Geringfügigkeit (vgl. „Die Lerche ist so klein und singt im Frühling“ (Dv)) – wurde im Benennungsprozess auf ein Merkmal der nahe dem Gewässer wachsenden Pflanzen, der Schwertlilien (kalavijas ‘Pflanze der Sümpfe, Seen und Flüsse mit schwertförmigen Blättern, Kalmus (Acorus calamus)’), übertragen (ausgedrückt laut dem „Wörterbuch der Vergleiche“ durch: wie (wenn) Lerchen: „Der Roggen steht wie Lerchen“ (klein, spärlich61; vgl. auch den im selben Gebiet aus der lebendigen Sprache aufgezeichneten Satz: Die Haare waren wie eine Lerche (spärlich, dünn), als sie geboren wurde (Vs)). Diese Deutung der Motivation wird durch die Angaben des Fragebogens aus dem Dorf Makauskai gestützt: „[der Sumpf] ist mit sogenannten Schwertlilien bewachsen“62. Die tatsächlich repräsentierte Bedeutung des Ortsnamens ist somit ‘mit Kalmus bewachsen’,
57 Da sich das Untersuchungsgebiet in der Zwischenkriegszeit als ethnisch gemischter Raum beschreiben lässt (laut der allgemeinen Volkszählung von 1923 lebten im Kreis Marijampolė neben Litauern (87,92%) auch 3,42% Deutsche, 1,31% Polen u. a.; zu diesen Daten siehe auch Subačius 2009: 228), könnte der vermutete, mit der Hydrographie verbundene Terminus dem Lehnwortschatz angehören.
58 Zu Pseudomotivationen von Gewässernamen, die mit Geld in Verbindung gebracht werden, in der russischen Toponymie siehe Березович 2010: 200–201.
59 In Untersuchungen zur russischen Toponymie wird eine analoge Deutung der Motivation von Gewässernamen angeführt (ausführlicher siehe ebd.).
60 Dėl pastarojo balardžio motyvacijos dar žr. Sviderskienė 2016: 253.
61 Siehe http://lkiis.lki.lt/palyginimu;jsessionid=7A915DD336B6718C1189DBE0D0396F9 [abgerufen am 2017-09-04].
62 Vgl. auch die im Untersuchungsgebiet aufgezeichnete Äußerung Reikia išpjauti kalavijas iš baltes (Šil).
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wegen ihrer geringen Größe als vieresiai bezeichnet, von einem Sumpf überwachsen. Die Erläuterung der Bedeutung legt eine Diskrepanz zwischen der Ausdrucksform des Gewässernamens Vėversiuko balaitė und seiner Bedeutung 63 offen. Das Auftreten dieser Form in der lebendigen Sprache wurde durch die Gegebenheit bestimmt, dass in den baltischen Sprachen jeder Ortsname durch den Genitiv eines lebenden Namens wiedergegeben werden kann64. Wie die durchgeführte detaillierte Analyse der Motivation des genannten Helonyms gezeigt hat, entspricht der tatsächlich repräsentierte Namensinhalt der Ableitung mit dem Suffix Vėversiukas b. Lbv. Durch den semantischen Vergleich mit dem in einem anderen Gebiet belegten suffixalen Flurnamen Vieversytė ž. Gdž65 wird die Möglichkeit bestätigt, dass die in der lebendigen Sprache funktionsfähige Gewässernamensform Vėversiukas existiert haben könnte; zugleich wird die Einheit von Form und Inhalt des Namens als Zeichen hervorgehoben.
2.3. Im untersuchten Gebiet wurde noch eine weitere Benennung belegt, deren Motivation Zweifel aufwirft – Kaulinis raistas b. Šl. Auf Grundlage der Aussagen von Informanten, die im Fragebogen der Försterei Mikališkis festgehalten sind, „ein von Land umgebener Sumpf“, lässt sich vermuten, dass das Gewässerobjekt vermutlich klein war und die Benenner es daher aufgrund seiner visuellen Wahrnehmung im Verhältnis zur umgebenden Mikroumwelt identifizieren konnten66. Um begründet zu erklären, welches Merkmal des Ortes diese Benennung hervorgerufen hat, wurde auch in der aus anderen Gebieten stammenden, in der lebendigen Sprache aufgezeichneten toponymischen Sammlung nach einer Antwort gesucht. Im Fragebogen des Dorfes Stukai, Amtsbezirk Krekenava, Kreis Panevėžys, fand sich der Hydronymbeleg Kaulinė b. Kkn. In der Rubrik „Art, Aussehen und Beschaffenheit der Erdoberfläche“ des Fragebogens steht: „ein mit Baumstümpfen übersäter Sumpf beim Wald von Stukai. Weiter [...] (unleserliches Wort) palga.“ Aus den vorliegenden Angaben lässt sich schließen, dass dieses Gewässerobjekt aufgrund seiner Form benannt wurde67. Somit lässt sich vermuten, dass auch das Gewässerobjekt im untersuchten Gebiet aufgrund seiner Form benannt worden sein könnte (vgl. auch das im untersuchten Gebiet belegte Suffixhydronym Kaulinė b. KzR68).
Semantische Assoziationen der Wortformen könnten in der lebendigen Sprache selbst Verbindungen zu den an diesen Orten gefundenen Knochen hervorgerufen haben. So heißt es beispielsweise in der Rubrik „Anmerkungen“ des genannten Fragebogens aus dem Dorf Stukai: „Früher begrub man in diesem Sumpf verendete oder geschlachtete Pferde.“
63 Zu beachten ist auch die Diminutivform des ersten Bestandteils des zusammengesetzten Ortsnamens.
64 Dar žr. Savukynas 1963: 235.
65 Nach Angaben des VK ist der Gewässername im Fragebogen des Gutes Pilėnai, Amtsbezirk Gūdžiūnai, Kreis Kėdainiai (1936), aufgezeichnet.
66 Die Autorin des Artikels dankt dem anonymen Gutachter für den Hinweis, dass ein Sumpf als „ein von Land umgebener Ort“ in jedem Fall zutrifft – ein wasserführender Ort ist stets von Land umgeben. Außerdem dankt sie für die Interpretation der Motivation des Gewässernamens: „Es ist nicht auszuschließen, dass Kaulinis raistas ein Ort ist, an dem Knochen gefunden werden.“
67 Vgl. ferner die im VK belegten Flurnamen: Kiškiaulis dr. Rim (1966 vom Sprachwissenschaftler K. Eiginas aufgezeichnet), Nugarkaulis kln. Mt (Fragebogen der Flurnamen von 1935), die wahrscheinlich ebenfalls aufgrund der Form des Topoobjekts benannt wurden.
68 Im Fragebogen der Försterei Runkių wurden keine zusätzlichen Informationen festgehalten.
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2.4. Nicht alle Faktoren, die die Entstehung eines weiteren Gewässernamens inspiriert haben, sind eindeutig: Sumpf von Samanynas rst. Brb: lit. samanynas ‚mit Moos bewachsene Stelle‘; hinsichtlich der Semantik vgl. andere auf dieselbe Weise gebildete Gewässernamen, die im Untersuchungsgebiet belegt sind: Samanynraistis rst. Dg, Samanynpeikė pk. Smn (dazu siehe VK). Es ist schwer, genau zu sagen, ob die Feuchtgebiete nach einem lokal verbundenen Ort benannt wurden, an dem eine bestimmte Pflanzenart, nämlich Moos, gewachsen war, oder ob der vom Sumpf eingenommene Ort eben jener mit Moos bewachsene Ort war; die Deutung von Samanynas (Samanynas rst. Brb?) aus heutiger Sicht ist schwierig. Die vorliegenden Daten sprechen für die Möglichkeit beider Interpretationen der Motivation des Gewässernamens. Nach den Angaben von LẒe belegt der in der lebendigen Sprache im Untersuchungsgebiet aufgezeichnete Gebrauch des Appellativs samanas den Beleg Dort im Sumpf gibt es lauter Moosflächen [...] (Pv) und würde darauf hindeuten, dass der Standort des Moosgebiets in Bezug auf den Sumpf angegeben wird (im Sumpf), sodass auch der Standort des Sumpfes wahrscheinlich in Bezug auf das Moos identifiziert werden könnte. Die im Untersuchungsgebiet in der lebendigen Sprache aufgezeichneten Benennungen von Gewässerobjekten Samanynas pk. Lp (1975); rst. Šlvn (1988), rst. Ktv (1986)69 belegen, dass der Gewässername Samanynas existiert haben könnte.
3. SCHLUSSFOLGERUNGEN
3.1. Es wurde festgestellt, dass im untersuchten Gebiet zusammengesetzte Benennungen vorherrschen, die die Lage eines Gewässerobjekts im Raum bezeichnen – 30 Belege (40%). Die Benennung erfolgt unter Bezugnahme auf örtlich angrenzende topografische Objekte: Gewässernamen, Siedlungen, insbesondere Flurnamen; Gebäude (Scheunen, Schuppen, Küchen, Stege), Bäume (Eichen) sowie weitere Stellen der Erdoberfläche (Erhebungen, Senken, Kiefernwälder usw.). Eine Benennung nach der Lage der Gewässerobjekte zueinander wurde einmal belegt (Retos balaitės b. Brb). Dies lässt darauf schließen, dass die meisten durch Zusammensetzung gebildeten Helonyme im Bewusstsein des Einzelnen die umgebende topografische, geografische und kulturelle Wirklichkeit widerspiegeln.
Die Eigenschaften der untersuchten Gewässerobjekte bezeichnen 26 Helonyme (36%). Bei der Benennung werden vor allem die Bodenoberfläche3 des Gewässerobjekts näher charakterisiert (die Beschaffenheit des Bodens (Schlamm), seine physikalischen Eigenschaften (Klebrigkeit), das ständige Abfallen der Oberfläche nach unten (Tiefe) und die Wassermenge des Gewässerobjekts3 (Wasserreichtum bzw. Wassermangel des Gewässerobjekts). Benennungen richten sich auch nach anderen Eigenschaften der Gewässerobjekte: nach einer charakteristischen örtlichen Eigenschaft4, nach Pflanzen4 und Tieren (Vögeln)4, danach, was an Feuchtstellen vorhanden ist oder dort gefunden wird, nach den Ausmaßen des Gewässerobjekts und Ähnlichem. Dies zeigt, was
69 Laut Auskunft des Informanten ist es sehr tief, mit Sträuchern bewachsen und unmittelbar schwer zugänglich. In der Mitte des Moores wachsen Moose.
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die Aufmerksamkeit der Benennenden bei der Bildung zusammengesetzter Gewässernamen im Untersuchungsgebiet am stärksten auf sich zieht.
Benennungen, die sich auf die Beziehung zu einer Person beziehen, wurden 17-mal festgestellt (24%). Die überwiegende Mehrheit bilden Benennungen, die Besitzverhältnisse ausdrücken. Die für die Benennung gewählten Personennamen spiegeln das gemischte ethnische Umfeld des Untersuchungsgebiets wider. Auch in der Gewässernamensform Gidžiūno balā (Sumpf, Krsnos Gemeinde) wurde ein heute nicht mehr gebräuchlicher Personenname *Gidžiūnas erfasst, der im Kirchenbuch von Krosna der Pfarrei Krosna erhalten geblieben ist: Katarzina Gidžunas (1873).
Die Analyse zusammengesetzter Helonyme erlaubt die vorsichtige Feststellung, dass Anthroponyme bei der Benennung von Helonymen häufiger verwendet werden als bei der Benennung von Flüssen und Seen. Zur Bestätigung oder Widerlegung dieser Aussage sind eingehendere Studien zu litauischen Helonymen erforderlich.
Nach der Nutzungsdauer wurde ein Gewässerobjekt benannt (Malakirių bala Sumpf, Ss).
3.2. Metaphorische Gewässernamen spiegeln, wenn auch nur fragmentarisch, die Auffassung der Mitglieder der Sprachgemeinschaft des untersuchten Gebiets von Gewässerobjekten auf unterschiedliche Weise wider. Im Prozess der Toponymisierung werden zur Benennung eines Objekts als Zielbereich eines Ortes verschiedene Herkunftsbereiche verwendet: päpas, patāpas (Überschwemmung) zur Bezeichnung der Wassermenge des Gewässerobjekts (Patapų balā Sumpf, Krsn), sidābras zur Bezeichnung des klaren Wassers des Gewässerobjekts (Sidabriniai Sumpf, Ldn). Die in der gesprochenen Sprache belegte Gewässernamensform Sidabrinių balā (Sumpf, Ldn) könnte auf der Grundlage einer semantischen Assoziation zwischen Wortformen entstanden sein (sidabriniai – Silbermünzen, Wertgegenstände).
Das während der Untersuchung hervorgetretene Mikrosystem Lanckava (Dorf, KzR) – Lanckavos Kōja (Wiese, KzR) veranschaulicht das räumliche Verständnis des „Schöpfers“ von Ortsnamen hinsichtlich des Ganzen und seiner Teile sowie dessen Neigung zur Konkretisierung.
Angesichts der Abgeschlossenheit und des Konservatismus der Dorfgemeinschaft in der Zwischenkriegszeit sowie der Hervorhebung der eigenen Identität scheint es Bestrebungen gegeben zu haben, Erinnerungen an die Vergangenheit des Volkes wiederzubeleben und in der Toponymie zu verankern. Diese Bestrebungen haben sich in den Ortsnamen Liogerio balos Sumpf, Ss, Razbaininkų plytė b. KzR niedergeschlagen (Pseudomytheme liogeris, razbaininkas) und auf diese Weise die ethischen und kulturellen Prioritäten der Gemeinschaft offenbart.
Die Motivation der Helonyme Veversīkas Sumpf, Lby (die maskuline Form wurde präzisiert; zuvor Veversīko balā Sumpf, Lby) und Velnių balāte Sumpf, Brb beruht auf der Übertragung bewertender Merkmale der benennenden Realien (Vogel, mythologisches Wesen) auf die in der Nähe des Gewässerobjekts wachsenden Pflanzen und auf die Bewertung des Gewässerobjekts. Vēverys (= Lerche) steht für Geringfügigkeit, Teufel für Unbrauchbarkeit für menschliche Bedürfnisse. Letztere Bewertung gründet auf einem ethnischen Bewusstseinsstereotyp. Beide Benennungen von Gewässerobjekten sind aus ethnokultureller Sicht informativ.
Die beobachtete Besonderheit, ethnokulturelle Informationen in Ortsnamen zu verankern, regt zu weiteren toponymischen Studien an, die das in Ortsnamen gespeicherte nationale (kulturelle) Merkmalsinventar erschließen und die Eigenheiten der einen oder anderen
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die typischsten Merkmale des Ortes (Repräsentanten). Da bei der Erklärung der Motivation von Gewässernamen (wie auch anderer Ortsnamen) zugleich die Intentionen der Benennenden sichtbar werden, könnten die Ergebnisse der Untersuchungen zur litauischen Onomastik in das Forschungsfeld der sprachlichen Axiologie einbezogen werden.
OBJEKTVERWEISE UND SONSTIGE ABKÜRZUNGEN
ank. – Fragebogen
aps – Kreis
avd. – Personenname
b. – Sumpf
db. – Schlucht
dv. – Gutshof
gir. – Forstamt
int. – Nebenfluss
kl. – Weg
kln. – Berg
klv. – Hügel
mš. – Wald
pk. – Moor, sumpfiges Gebiet
pk. – übertragene Bedeutung
pv. – Wiese
pd. – Familienname
rst. – Moor
s. – Insel
vls. – Amtsbezirk
vv. – Ortsname
ž. – Land
ABKÜRZUNGEN DER LOKALISIERUNGSANGABEN
Auk – Aukštadvaris (Rajon Aukštadvaris)
Brb – Balbieriškis (Rajon Prienai)
Dg – Daugai (Rajon Alytus)
Gd – Gudėliai (Gemeindegebiet Marijampolė)
Gdž – Gudžiūnai (Rajon Kėdainiai)
Igl – Igliškėliai (Gemeindegebiet Marijampolė)
Klv – Kalvarija (Gemeindegebiet Marijampolė)
Kt – Kietaviškės (Rajon Kaišiadorys)
KzR – Kazlų Rūda
Lb – Liubavas (Gebiet der Gemeinde Kalvarija)
Ldv – Liudvinavas (Gebiet der Gemeinde Marijampolė)
Lp – Leipalingis (Gebiet der Gemeinde Druskininkai)
Mj – Marijampolė
Pk – Pakūonis (Rajon Prienai)
Plv – Pilviškiai (Rajon Vilkaviškis)
Pn – Pienai
Pv – Pivašiūnai (Rajon Alytus)
Slt – Salantai (Rajon Kretinga)
Smln – Smalininkai (Rajon Jurbarkas)
Ss – Sasnà (Gebiet der Gemeinde Marijampolė)
Sg – Suginių (Rajon Molėtai)
Šl – Šilavotas (Rajon Prienai)
Švn – Šlavantai (Rajon Lazdijai)
Vv – Veiveriai (Rajon Prienai)
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DALIA SVIDERSKIENĖ
ŠALTINIAI
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LKŽ – Lietuvių kalbos žodynas 1–20, 1941–2002, elektroninis variantas (antras elektroninis leidimas, red. kolegija: Gertrūda Naktinienė (vyr. redaktorė), Jonas Paulauskas, Rūtė Petrokienė, Vytautas Vitkauskas, Jona Zabarskaitė. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2013.
LPŽ – Lietuvių pavardžių žodynas 1–2, autoriai: V. Maciejauskienė, M. Razmutė, A. Vanagas, atsak. red. A. Vanagas. Vilnius: Mokslas, 1985–1989.
LUEV – Lietuvos TSR upių ir ežerų vardynas, atsak. red. E. Grinaveckienė. Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla, 1963.
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Sudėtinių Marijampolės apskrities helonimų motyvacija
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Motivation of Composite Helonyms of Marijampolė County
SUMMARY
As a continuity of the analysis of toponimization of hydronyms from a single administrative unit (Marijampolė County) recorded in the interwar period, the article provides an in-depth analysis of the motivation of helonyms formed by means of compositing. After the available division of compound toponyms into genitive and qualifying toponyms (according to Vanagas) was corrected by dividing them into compound toponyms in agreement and in non-agreement (according to Savukynas), the latter were evaluated in a complex manner: from a derivational and semantic perspective, taking into account the background information of the period in question and referring to additional data of the interwar questionnaires recording the factors of nomination and the outcomes of the communicative activity of linguistic community members which helped to find out the actually represented content of hydronyms and pseudomotivation.
The analysis showed the uneven structure of composite hydronyms and different syntactic connections between the components of a binary nomination; in the process of nomination the lexical inventory reflects the direction of thought of a linguistic community member in a certain ethic field in the selection of the feature of motivation and communicative intentions. All that is closely linked to the name-giver’s reality, his/her knowledge and awareness as well as ethnic (national) consciousness.
The research determined the tendencies of nomination of compound helonyms (1). The area in question is dominated by the nominations expressing the position of the hydroobject, its place in space (40 per cent). The objects are nominated with a focus on the locally connecting land names and other places and buildings located on the land surface. It shows that the helonyms formed by means of compositing are a reflection of the surrounding topographical, geographical and cultural reality in the individual’s consciousness.
The peculiarities of hydroobjects are expressed by 36 per cent of hydronyms. The hydroobject’s bottom surface (its quality (clay-covered area), physical properties (viscosity), remoteness, going from the surface downwards (depth) and the amount of water in the hydroobject (plenty of water and its absence) are most commonly reflected in nominations. Hydroobjects are also named for other properties: plants, animals (birds), for what is (found) in wet places, the voluminosity of the hydroobject, etc. It shows what draws the name-giver’s attention in compounding the hydronyms in the area in question.
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The nominations based on the relationship with a person account for 24 per cent. They are prevailed by the nominations expressing the relations of ownership. The personal names on which the nomination is based reflect the mixed ethnic environment in the area under analysis.
(2) Metaphorical hydronyms reveal how a linguistic community member in this area perceives the small hydroobjects. When designing the target domain of the hydroobject as a place, different source domains are selected in the process of nomination: pãtapas, pãtapas (flood) – to denote the amount of water in the hydroobject (Pãtapų balà b. Rsn); sidãbras – to denote the hydroobject’s transparent water (Sidabrinių b. Ldn). The hydronym form Sidabrinių balà b. Ldn recorded in the living language could have originated on the basis of the semantic association of word forms (sidabriniai – silver money, valuables). (3) The name-giver’s concept of the spatial whole and part and the tendency to concretise is illustrated by the microsystem which became apparent in the research Lančkavõ (b. KzR) – Lančkavõs Kója (pln. KzR). (4) The ethnic community’s cultural priorities reveal in the attempts to revive and consolidate the memories of the past of the nation which are established in the form of the pseudoinnovators logeris and razbaininkas in such units of own toponymy as Logerio balas b. Ss and Razbaininkų plyniai b. KzR. (5) The nominations Vėversiukas b. Lbv (the place-name form is modified from Vėversiuko balà) and Velnių balà b. Brb are informative in ethnic-cultural terms. Their motivation is based on the transfer of the evaluative features of the nominating realia (bird, mythical creature) to express the evaluation of the plants growing next to the hydroobject (calamus) and the hydroobject itself. Vėversys (= vieversys, ‘lark’) represents smallness; velnias (velniai, ‘devil’) represents usefulness for human needs. The latter evaluation is based on the stereotypes of ethnic consciousness.
The analysis of the motivation of compound hydronyms revealed that theonyms in question are not only a reflection of the surrounding geographical and topographical reality in the individual’s consciousness. They also reflect the cultural priorities and axiological indicators of the ethnic community.
Įteikta 2017 m. spalio 3 d.
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Lietuvių kalbos institutas
Petro Vileišio g. 5, LT–10308 Vilnius, Lietuva
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