ALEXANDER I. ILIADI
Staatliche Einrichtung „Südukrainische Nationale Pädagogische Universität namens K. D. Uschinski“
ORCID-ID: orcid.org/0000-0001-5078-8316
Forschungsgebiete: Etymologie, historisch-vergleichende Linguistik, allgemeine und typologische Linguistik.
ILONA M. DERIK
Staatliche Einrichtung „Südukrainische Nationale Pädagogische Universität namens K. D. Uschinski“
ORCID-ID: orcid.org/0000-0002-8979-4745
Forschungsgebiete: allgemeine und typologische Linguistik, Übersetzungswissenschaft, Korpuslinguistik.
DOI: doi.org/10.35321/all90-07
UNIVERSALITÄT IN DER SEMANTISCHEN DYNAMIK: VON „KÖRPER“ ZU „PERSON“, „SELBST“, „SEELE“
Universalität der semantischen Dynamik: vom „Körper“ zur „Person“, zum „Selbst“, zur „Seele“
ANNOTATION
Die Forschung zielt darauf ab, eine relevante Gesetzmäßigkeit der Semantikwentwicklung zu beschreiben, die aufgrund der Belege aus zahlreichen Sprachen universell zu sein tendiert. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht eine identische Abfolge von Stadien der semantischen Entwicklung „Körper“, „corpus“ → „Person“, „Selbst“, „Seele“ und deren Ergebnis, das in den analysierten Sprachen zutage tritt. Der untersuchte semantische Wandel ist in genetisch verwandten und nicht verwandten Sprachen in verschiedenen Perioden ihrer Geschichte belegt, was es ermöglicht, ihn als ein diachron in jedem chronologischen Querschnitt reproduziertes Phänomen zu definieren. Das Postulat der Universalität der semantischen Korrelation zwischen „Körper“, „Körperteilen“ und „Seele“, „Geist“, „Person“ und „Selbst“ beruht auf der zuverlässig festgestellten regelmäßigen Abfolge von „Schritten“ vom etymologischen „Körper“ zu anderen Bedeutungen in den Sprachen von elf genetischen Familien. Diese Korrelation der Sememe kann als Cluster von Ketten semantischer Veränderungen definiert werden. Trotz einiger Unterschiede fügen sich diese Ketten
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dennoch in den Rahmen desselben semantischen Modells ein, das unter unterschiedlichen Bedingungen verwirklicht wurde, aus denen diese Unterschiede hervorgehen. Das heißt, alle Varianten der semantischen Verschiebungen vollzogen sich unter bestimmten Bedingungen und wurden in das „Operationsfeld“ eines Modells einbezogen.
SCHLÜSSELWÖRTER: semantische Universalität, Korrelation von Bedeutungen, linguistische Typologie, Modell, Pronomen, Kompositum, Reflexivum.
ANNOTATION
Ziel der Untersuchung ist es, eine entsprechende Gesetzmäßigkeit der Entwicklung der Semantik zu beschreiben, die aufgrund der Belege in zahlreichen Sprachen universell ist. Untersuchungsgegenstand ist eine identische Abfolge von Stadien der semantischen Entwicklung „Körper“, „Korpus“ → „Person“, „Persönlichkeit“, „Seele“ und deren Ergebnisse, die in den untersuchten Sprachen aufgedeckt werden. Die untersuchte semantische Verschiebung wird in genetisch verwandten und nicht verwandten Sprachen in verschiedenen Perioden ihrer Geschichte dargestellt, was es ermöglicht, sie als ein Phänomen zu definieren, das sich diachron in jedem chronologischen Querschnitt wiederholt. Das Postulat der Universalität der semantischen Korrelation zwischen „Körper“, „Körperteilen“ und „Seele“, „Geist“, „Person“, „Selbst“ beruht auf der zuverlässig festgestellten gesetzmäßigen Abfolge von „Schritten“ vom etymologischen „Körper“ zu anderen Bedeutungen in den Sprachen von elf genetischen Familien. Diese Korrelation der Sememe kann als Cluster semantischer Veränderungsketten definiert werden. Trotz einiger Unterschiede fügen sich diese Ketten weiterhin in den Rahmen ein und desselben semantischen Modells ein, das unter unterschiedlichen Bedingungen realisiert wird, aus denen diese Unterschiede hervorgehen. Das bedeutet, dass alle Varianten semantischer Verschiebungen unter bestimmten Bedingungen stattfanden und in das „Operationsfeld“ eines Modells einbezogen wurden.
SCHLÜSSELWÖRTER: semantische Universalität, Korrelation von Bedeutungen, linguistische Typologie, Modell, Pronomen, Kompositum, Reflexivum.
1. EINLEITUNG
1.1. Es hat sich eine besondere Tradition herausgebildet, die Typizität und sogar Universalität semantischer Veränderungen zu untersuchen. Sie ist jedoch bislang nicht allgemein anerkannt und existiert als Summe von Vorstellungen in den Arbeiten von Vertretern verschiedener linguistischer Schulen. Ursprünglich von Michail M. Pokrovskij eng als ein Phänomen der Gesetzmäßigkeit von Bedeutungsunterbrechungen in den Sprachen Europas definiert (ihm zufolge werden „identische, ziemlich eigenartige Bedeutungen in mehreren Sprachen unabhängig voneinander auf dieselbe Weise herausgebildet“; Pokrovskij 1895: 13), fand sie (oder eine ihr nahestehende Vorstellung) später eine rein praktische Anwendung durch Carl Darling Buck, nämlich in seinem Werk A dictionary of selected synonyms in the principal Indo-European languages (Buck 1949). Lange Zeit blieb die Suche nach Universalien in der semantischen Dynamik von Wörtern das Vorrecht etymologischer Studien,
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wobei die Überzeugungskraft der Interpretation der rekonstruierten Bedeutung und ihrer Entwicklung von der Zuverlässigkeit typologisch ähnlicher Beispiele aus anderen Sprachen abhängt. Insbesondere kennzeichnet die Konzentration auf typologische Analogien in der Semantik grundlegende etymologische Werke wie das Historical and Etymological Dictionary of the Ossetian Language (1958–1995) von Vasilij I. Abaev sowie das in Moskau veröffentlichte Etymological Dictionary of Slavic Languages (1974–2021) und das jüngere Etymological Dictionary of Germanic Languages (2010) von Victor V. Levitsky. Etymologische Studien sind jedoch aufgrund ihrer breiten Aufgabenstellung nicht auf die Auflistung typologischer Analogien in der Bedeutungsentwicklung beschränkt und legen auch deren Verbreitungsareal nicht fest; sie sammeln Fakten lediglich für ihre eigenen Zwecke, die zur Grundlage künftiger theoretischer Forschungen auf dem entsprechenden Gebiet der Universologie werden können.
1.2. Die Ergebnisse etymologischer und semasiologischer Forschungsarbeiten zur lexikalischen Bedeutung in Synchronie und Diachronie erfordern eine theoretische Grundlage für zahlreiche Beispiele der Typizität und Gesetzmäßigkeit der semantischen Dynamik in Zeit und Raum. Es besteht Bedarf an einer Theorie, die methodologische Prinzipien zur Beschreibung und Überprüfung von Modellen des semantischen Wandels entwickeln könnte, die einer großen Zahl verwandter und nicht verwandter Sprachen gemeinsam sind. Die entsprechenden theoretischen und methodologischen Fragenkomplexe wurden teilweise in den jüngeren Arbeiten analysiert: (1) in den Studien von Anna A. Zalizniak, die als Erste Universalien in der Polysemie analysierte und einen Katalog semantischer Übergänge ausarbeitete (Zalizniak 2013: 397–409; 2018); (2) in den Studien von Elena G. Mikina (Mikina 2009; 2012; 2020; 2022) zur semantischen Entwicklung lateinischer und romanischer Sprechverben. Die Arbeiten von E. G. Mikina veranschaulichen eine organische Synthese aus historisch-vergleichender Linguistik und linguistischer Typologie, da die Ketten der Stadien der Bedeutungsdynamik vor einem breiten indoeuropäischen Hintergrund ermittelt werden. Ähnliche Gedanken finden sich in: (Nerlich 1992; Geeraerts 1997: 28 ff.).
1.3. Es wird nach Antworten auf zwei grundlegende Fragen gesucht, die für den gegenwärtigen Stand dieses Problems relevant sind. Die erste betrifft das ausgewogene Verhältnis zwischen dem synchronischen Zustand der Semantik und ihrer historischen Dynamik im wissenschaftlichen Instrumentarium der Forschung. Es ist bekannt, dass „semantische Entwicklung und synchrone Polysemie zwei Seiten desselben Phänomens sind“ (Zalizniak 2013: 413), doch ist nicht bekannt (bzw. nicht offensichtlich), ob es sich dabei um einen Sonderfall der semantischen Ableitung in der Sprache bzw. den Sprachen einer bestimmten Epoche handelt oder ob wir es mit einer alten Korrelation von Sememen zu tun haben, die in einem späten chronologischen Abschnitt reproduziert wird. Beide Phänomene müssen unterschieden werden. So haben indoeuropäische Verben mit der zuverlässig festgestellten primären Bedeutung „finden“ regelmäßig das sekundäre Semem „gebären“ (: Ossetisch aryn (Südossetisch waryn), erun „finden“ und „zeugen“, Pamir-Ormuri vār- „finden“ und „gebären“ ~ PIE *uer- „finden“ (Abaev 1958: 73–74); russischer Dialekt ребя́ненок
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naʒде́тся „ein Kind wird geboren“, ukrainischer Dialekt зна́йти дитину́ „ein Kind gebären“, serbischer Dialekt нашло се дете und anderes ~ *na-joti (ESS) XXII 113–114, 116; Tolstaja 1997: 290–291)) mit entsprechend hohem Alter. Übrigens entstand dies bei den Slawen im Rahmen der Sprache der (noch heidnischen!) Ritualhandlung zur Täuschung des Schicksals: Ein Neugeborenes wurde angeblich von einem Gast gebracht, der ein Kind am Weg gefunden hatte. Daher kann die Reproduktion alteingeführter semantischer Beziehungen in der späten Periode der Geschichte der Sprachen beider Gruppen angenommen werden. Beim Türkischen tap- „finden“, „gebären“ (Abaev 1958: 74) besteht jedoch weder im Prototürkischen (Starostin, Dybo, Mudrak, eds., 2003: 1436: *tāp-; Tenišev et al. 2006: 208, 288) noch im Zustand der alten türkischen Sprache (7.–13. Jh.), da nur die erste Bedeutung belegt ist (DTS 533), eine solche Klarheit; für *tāp ist aus der Antike keine Bedeutung „gebären“ belegt, sodass dies als lokale späte semantische Ableitung in einer der Sprachen angesehen werden kann. Nun stimmen die kulturellen Bedingungen dieser Ableitung bei den Indoeuropäern (Iranern, Slawen) und den Türken ebenfalls nicht überein.
Die zweite besteht darin, dass jedes Beispiel des vermutlich universellen Typs semantischer Entwicklung „unter dem Vergrößerungsglas“ betrachtet und durch eine ausreichende Zahl von Argumenten überprüft werden sollte. Die Sammlung von Belegen für jeden einzelnen Fall, ihre Überprüfung, die Klassifizierung des gesammelten Materials und seine Erklärung sind zeitaufwendige und äußerst mühsame Arbeiten, doch führen solche Untersuchungen fast immer zu sehr interessanten Ergebnissen. Die linguistische Erfassung vieler dieser semantischen Phänomene steht noch aus, insbesondere da die Bedeutung der Untersuchung von Universalien in der Dynamik der lexikalischen Bedeutung noch nicht vollständig erkannt worden ist.
2. ZIEL UND AUFGABEN
Ein interessantes Beispiel für die hier untersuchte Korrelation zwischen den Sememen „Körper“ und „Person“, „Selbst“ sowie „Seele“ kann mit einigen Vorbehalten als Illustration der These von der Universalität bestimmter Modelle der semantischen Entwicklung betrachtet werden. Diese Korrelation wurde in der Fachliteratur übergangen, obwohl hierfür seit Langem wissenschaftliche Voraussetzungen bestanden. So wird beispielsweise im elektronischen Katalog „The Catalogue of Semantic Shifts“ (Zalizniak et al.: https://datsemshift.ru/shift4380), der Übergang „Körper“ → „Selbst“ in mehreren nichtindoeuropäischen Sprachen vermerkt. Obwohl „The Catalogue“ lediglich die synchrone Korrelation dieser Sememe registriert, regt das gesammelte Material dazu an, nach Erscheinungsformen einer ähnlichen Korrelation in den indoeuropäischen Sprachen zu suchen und die Bedingungen ihres Auftretens zu untersuchen.
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Dementsprechend besteht das Ziel der Forschung darin, das Modell der semantischen Entwicklung „Körper/Körperteil“, „Korpus“ → „Person“, „Selbst“, „Seele“ (oder seine Varianten) zu beschreiben und seine universelle Natur nachzuweisen, d. h. seine Verwirklichung in den lexikalischen und semantischen Systemen von Sprachen verschiedener genetischer Familien in Synchronie und Diachronie.
Die Erreichung dieses Ziels umfasst die Erfüllung mehrerer Aufgaben, nämlich: 1) alle bekannten Belege für die Korrelation der Sememe „Körper“, „Korpus“ und „Person“, „Selbst“, „Seele“ zusammenzufassen; 2) die direkte Natur der semantischen Ableitung in allen (wenn möglich) Fällen nachzuweisen und die Möglichkeit vermittelnder (intermediärer) Stadien auszuschließen; 3) die Reproduzierbarkeit des untersuchten Modells in verschiedenen chronologischen Abschnitten der Geschichte der an der Analyse beteiligten Sprachen zu begründen; 4) die Gründe für diese semantische Verschiebung zu ermitteln.
3. MATERIAL UND METHODIK DER FORSCHUNG
3.1. Die Untersuchung bezieht lexikalisches Material aus elf genetischen Sprachfamilien ein, in denen sich dieses Modell der semantischen Entwicklung verwirklicht. Soweit uns bekannt ist, waren diese Daten bislang noch nicht Gegenstand einer speziellen linguistischen Untersuchung (im Rahmen des umrissenen Problems); entsprechend wird die typologische Ähnlichkeit verschiedener Wörter, die die Gemeinsamkeit ihrer semantischen Entwicklung demonstrieren, weder vermerkt noch erklärt.
Da der Vorrang der Bedeutung „Körper“ gegenüber den Sememen „Selbst“, „Person“, „Seele“ usw. wesentlich für die vorgeschlagene Untersuchung ist, besteht der erste Schritt zum Nachweis der Ursprünglichkeit der somatischen Bedeutung darin, auf die Ergebnisse der Etymologie und Rekonstruktion zurückzugreifen. Diese Daten werden in etymologischen Wörterbüchern und Abschnitten vergleichender Grammatiken dargestellt. Die zahlreichen Fakten in diesen Quellen müssen häufig vor einem breiten typologischen Hintergrund verallgemeinert werden. Handelt es sich um Sprachen, deren Wortschatz noch keine etymologische Erklärung erfahren hat, wird das Material aus den verfügbaren grammatischen Beschreibungen dieser Sprachen, ihrem Wortschatz und ihren Texten entnommen. Dies gilt in stärkerem Maße für die algonkinischen und austronesischen Sprachen. Da dieser Artikel keine Korpusstudie ist, sondern die Universalität eines Modells semantischer Ableitung begründen soll, erscheint es uns ausreichend, seine Erscheinungsformen lediglich in mehreren Sprachen jeder der betrachteten Sprachfamilien anzugeben.
3.2. Bei der Analyse des Materials stützten wir uns auf die allgemeinen theoretischen Prinzipien der Arbeit mit der Dynamik der semantischen Struktur des Wortes, wie sie in den Arbeiten unserer Vorgänger dargelegt sind, nämlich: (Budagov 1963; Stern 1964;
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Trubačіov 1964; Schuster-Šewc 1975; Nerlich 1992; Geraerts 1997: 23–122; Traugott 1999; Traugott, Dasher 2002; Geraerts 2010: 25–41; Mikina 2012).
Die Aufgaben der Untersuchung bestimmten die Wahl ihrer Methoden. Insbesondere werden hier einige Verfahren der folgenden Methoden eingesetzt: (1) historisch-vergleichende Methode (zur Klärung der relativen Chronologie der semantischen Zustände der betrachteten Gegenstände (Wörter) in verschiedenen Perioden ihrer Geschichte und zur Bestimmung der genetischen Verwandtschaft der verglichenen Lexeme); (2) typologische Methode (zur Beschreibung heterogener Einheiten mit ähnlicher semantischer Entwicklung); (3) Methode der Kommentierung von Wörterbuchartikeln (zur Klärung der Entwicklungslogik und der Richtung der semantischen Beziehungen zwischen den Sememen eines bestimmten Lexems). Sie werden im Rahmen des Analyseverfahrens umgesetzt, dessen Wesen beschrieben wird durch:
– die Summe der Kriterien für die Auswahl des Untersuchungsmaterials; – die Interpretation des untersuchten Materials; – ein Schema zur Darstellung der Fakten (siehe Abschnitt 4).
Kriterien
1. Die in der Untersuchung verwendeten Lexeme haben zwei Pole des semantischen Spektrums: „Körper/Körperteil“, „Korpus“ VS „Person“, „Selbst“ und „Seele“.
2. Zwischen beiden Bedeutungsgruppen müssen Ableitungsbeziehungen bestehen, nämlich: Die Sememe „Person“, „Selbst“ und „Seele“ sind aus „Körper“ oder „Körperteil“ abgeleitet.
3. Innerhalb eines Clusters der Sememe „Person“, „Selbst“ und „Seele“ sind in einigen Fällen ebenfalls Ableitungsbeziehungen zulässig.
4. Es wird berücksichtigt, dass sich das Semem „(ich) selbst“ im Körper unter den drei folgenden Bedingungen entwickeln kann: a) durch die morphologische Modifikation des Körpers (durch Affigierung); b) als Teil von Komposita; c) syntaktisch, d. h. in der Funktion des Reflexivpronomens („selbst“ als „mein/ihr/sein Körper“). Die letzte Bedingung gilt nur für mehrere Sprachen desselben Zweigs der indoeuropäischen Familie und sporadisch für mehrere Sprachen innerhalb des indoeuropäischen Sprachareals.
5. Lexeme, in denen zwischen beiden Bedeutungsclustern intermediäre Sememe markiert sind und die eine direkte semantische Ableitung „Körper“ → „Person“ usw. ausschließen, werden nicht berücksichtigt, da sie dem Modell der semantischen Ableitung nicht entsprechen. Dieses Kriterium kann jedoch aufgrund des Fehlens schriftlicher Denkmäler in einigen Sprachen oder des niedrigen Stands ihrer etymologischen Erforschung nicht immer erfüllt werden.
6. Lexeme mit demselben Typ semantischer Korrelation, die unter unterschiedlichen kulturell-semiotischen (mythologischen, religiösen, apotropäischen) Bedingungen entstanden sind (vgl. oben das Beispiel der Korrelation „finden“: „gebären“), werden ebenfalls nicht berücksichtigt.
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Interpretation (allgemeine Grundlagen)
1. Die Natur der Korrelation der Bedeutungen eines Wortes oder einer Gruppe verwandter Wörter wird mithilfe der Modellierung beschrieben, doch muss jedes Modell durch typologische Parallelen überprüft werden, die der Summe der vom Modell festgelegten Parameter entsprechen. Das bedeutet, dass Richtung und Ergebnis der semantischen Entwicklung (vor allem in Fällen, die eine semantische Rekonstruktion erfordern) unter der Bedingung nachgewiesen sind, dass derselbe Vektor der Bedeutungsentwicklung sowie ihre anfänglichen, intermediären und endgültigen Stadien in verschiedenen Wörtern aus verschiedenen Sprachen verfolgt werden können. Für die Analyse entscheidend ist nur der Umstand der relevanten Chronologie der semantischen Zustände des belegten Wortes sowie die Überprüfung, dass die Korrelation der Sememe als primäre und sekundäre in verschiedenen Sprachen und verschiedenen Perioden ihrer Geschichte erhalten bleibt.
2. Je größer die Geographie der Umsetzung des Modells ist (es ist in vielen Sprachen belegt), desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen universellen Typ semantischer Entwicklung handelt.
3. Wenn das Material die Relevanz (Dringlichkeit) des genannten Typs semantischer Ableitung in mehreren chronologischen Abschnitten oder sogar im Verlauf eines gesamten historischen Zeitraums erkennen lässt, sollte man nicht von einer Innovation in der semantischen Struktur von Wörtern sprechen, die irgendwann in der Geschichte der Sprache entstanden ist, sondern von alten Beziehungen semantischer Ableitung, die sich diachron reproduzieren.
4. VERFAHREN
Hier folgen also einige Fakten pro domo sua zur Universalität der Transformation lexikalischer Bedeutungen mit diesem Vektor. Die Untersuchung folgt der nachstehenden Reihenfolge der Darstellung und Analyse der Fakten.
4.1. Belege aus indoeuropäischen Sprachen
4.1.1. Iranischer Wortschatz
Protoiranisch *gṛuā- „Hals, Nacken“, dessen Reflexe die folgenden Bedeutungen aufweisen (mit einer Ausweitung der Semantik auf „Körper im Allgemeinen“):
Chwaresmisch γryʷ „Körper“ und „Seele“; ferner sind die Bedeutungen „selbst, sie selbst, er selbst, du selbst“ angegeben, die gegenüber „Seele“ sekundär sind (Ēdelʹman 2008: 57); vgl. die Wortverbindung yʹ γryʷ „von selbst; er selbst“; ferner Sogdisch ʾγryʷ, man. γryʷ „Körper“ und „Person“, „Seele“, „Selbst“ (Livšic 1962: 128, 192; Rastorgueva, Ēdelʹman 2007: 291–292; Gharib 1995: 130, 167), Mittelpersisch grīw |glyw|
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„Hals“, „Kehle“, grīw [gɫyw], gryw [gryw] „Selbst“, „Seele“ (MacKenzie 1986: 37; hier werden beide Wörter in verschiedenen Wörterbuchartikeln angegeben), gryw, gryw [grīw] „Hals“, „Gestalt“ und „Selbst“, „Seele“, vgl. Gryw hsyng „Urmensch“ VS gryw zyndg, gryw jywndg „Lebende Seele“ (Durkin-Meisterernst 2004: 164).
Solche Beispiele werden als semantischer Zweig (Rastorgueva, Ēdelʾman 2007: 292) oder als semantische Entwicklung (Ēdelʾman 2008: 57) interpretiert, doch werden die Gründe und Bedingungen dieser semantischen Spezialisierung nicht erklärt.
Hier sind Beispiele für die Verwendung des Sogdischen ʾyryw als Äquivalent eines Reflexivpronomens in den folgenden Wendungen: ʾXRZY ZNH ʾyrywh nwšk(wʾ?) mynʾm – „Dann halte ich mich selbst für unsterblich“ VS ʾXRZY ZNH ʾyrywh ʾmrtch mynʾm, wörtlich „dann halte ich mich selbst für tot“ (Livšic 1962: 128, 192).
Zur semantischen Entwicklung „Körperglieder“, „Körperteile“ → „Körper im Allgemeinen“ in den iranischen Beispielen vgl. die jüngste Studie von Velizar Sadovski (Sadovski 2017: 567–599; insbesondere S. 577 und 579).
Protoiranisch *tanū- „Körper“; Avestisch tanū- „Körper“ und „Person“, „selbst“ (wurde auch als Reflexivpronomen verwendet) (Bartholomae 1904: 633; Abaev 1979: 261), vgl. „[…] wenn er mich mit gutem Denken *umgibt / und mich fragt: ‚Wer bist du? Wem gehörst du an?‘ / Wie würdest du dein tägliches *Zeichen-verdientes-einkommen zur Befragung *über deine Herden und Personen vorlegen?“ (Skjærvø 2018: 121).
Ferner vgl. Altpersisch tanūš (tnūš) „Körper“, „Rumpf“ und „Person“, „Selbst“ (Hinz 1973: 152; Abaev 1979: 261: „wird auch als Reflexivpronomen verwendet“), Chwaresmisch tn „Körper“, „Rumpf“ und „Selbst“, vgl. y’ tn’h „sein Körper“ und „er selbst“ (Benzing 1983: 612), Mittelpersisch tan [tn] „Körper“ und „Person“, „Selbst“, vgl. xwēš tan „das eigene Selbst“ (MacKenzie 1986: 81; Durkin-Meisterernst 2004: 324), Persisch tan, tanda, Pahlavi tan „Körper“ und „Person“ (Abaev 1979: 261), Zazaisch tan „Mensch, Person“ < *tanu- „Körper“ (Cabolov 2010: 373), Persisch tän „Körper, Fleisch“ und „Person“, „Mensch“ (Rubinčik 1970: 398).
Wie wir sehen, wird iranisch *tanū häufig als Reflexivpronomen verwendet. Aryanisch *tanū erfüllt dieselbe Funktion auch in den dardischen und indoarischen Sprachen (siehe unten). Im Allgemeinen ist das semantische Spektrum des Protoiranischen *tanū identisch mit der Menge der Grundbedeutungen seines indoarischen etymologischen Gegenstücks (siehe unten). Es ist zulässig, von zwei wahrscheinlichen Bedingungen zu sprechen, unter denen dieses Lexem die Bedeutung „ich selbst“ und „Selbst“ entwickelte.
1. In der Wortverbindung Avestisch tanū mit xʷa- „sein, ihr“, „selbst“, „es selbst“, „er selbst“, vgl. auuaēnaātā sūčā manaŋhā / āuuaranā vīčiθahiiā narəm.naram xʷačiiāi tanuiie – „Beobachte durch (diese) Flamme mittels (deines) Gedankens / die *Vorlieben der Unterscheidung (= des Urteils), die Mann für Mann für seinen eigenen Körper gemacht wurden“ (Skjærvø 2018: 34, 82), vgl. oben mittelpersisch xwēš tan. Dasselbe ist wahrscheinlich zu
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angenommen werden für das Altindische tanū- „Selbst“, vgl. svā́ya tanvā̀ (ein Beispiel ist entnommen aus: Mayrhofer 1992: 621). Somit: „der eigene/eigene Körper“ → „ich selbst“, „Selbst“, „Person“.
2. In den Wortverbindungen und Komposita, die auf der Grundlage der Wortverbindungen mit den Reflexen *tanū- gebildet wurden, vgl. Jungavestisch tanu.karata Adj. „von selbst gemacht, selbst erschaffen“ (Bartholomae 1904: 636), tanūm (ā)guz ~ Altindisch tanvàm gúh „sich verstecken“ (Mayrhofer 1992: 622) = „versteck dich selbst“.
Die Entwicklung der Semantik „Körper“ → „Persönlichkeit, Person (= jemand, der Eine, der Einzige)“ ist auch in der morphologischen Ableitung zu beobachten, vgl. Pahlavi tanīhā „allein“ (MacKenzie 1986: 82), Persisch tanha „allein“, „einzeln“, „einzig“, abgeleitet von tan „Körper“ mithilfe des adverbialen Suffixes -ihā (Cabolov 2010: 373–374).
Protoiranisch *sarah- „Kopf“:
Sogdisch sr- /sar/ „Kopf“ (→ „Selbst“) wird in den folgenden Wendungen als Äquivalent eines Reflexivpronomens verwendet: ZKW srw nwš’kw myn’m – „Ich halte mich selbst für glücklich“ (wörtlich unsterblich), prw srw pcyrβ’n – „(den Auftrag) werde ich gewiss ausführen“, wörtlich „Ich werde ihn auf meinen Kopf nehmen (= auf mich selbst)“ (Livšic 1962: 128);
Ossetisch sæр „Kopf“ → „Person“; außerdem gibt es eine Verwendung, die funktional „selbst“, „ich selbst“ nahesteht, vgl.: (a) „nal mæ xæssys dæ særmæ“ – „du bist zimperlich mir gegenüber geworden“; (b) (Kosta) „adærny farnæj køy skænir mæxæcn kad æmæ sæр!“ – „Wenn ich nur für mich selbst Ehre und Würde mit dem Farn des Volkes schaffen könnte!“, „dæ særyl mæ ’rxæssaj“ – „mögest du mich für dich selbst opfern („deinen Kopf“)“ (Abaev 1979: 73, 74).
Oppositio
Hier ist auf die umgekehrte Reihenfolge der semantischen Entwicklung hinzuweisen, die auch im iranischen Wortschatz belegt ist. Es handelt sich um die Reflexe des Altiranischen *vi-āna- ‚Atmen‘ (Bailey 1943: 106–107), *vyāna- (Nyberg 1974: 106), vgl. seine kulturelle Semantik in: Mittelpersisch jān [y’n] ‚der tierische Geist des Menschen‘ (ebd.: 106), Persisch jān ‚Seele‘, ‚Geist‘, ‚Leben‘ & ‚lebender Körper‘ und ‚Wesen‘, ‚Kind, Knabe, Baby‘ (Rubinčik 1970: 425; Avdoev 2017: 18). Hier ist die Gruppe der Sememe ‚Seele‘, ‚Geist‘, ‚Leben‘ primär und durch die ursprüngliche Bedeutung ‚Atmen‘ motiviert (vgl. Protoslawisch *duxъ ‚Geist‘, *duša ‚Seele‘ (poetisch ‚Leben‘: Russisch душа моя ‚mein Leben‘): *dyšati, *(vъz)dyxnoti ‚atmen‘), während die Sememe ‚lebender (= atmender) Körper‘, ‚Wesen‘ (→ ‚Kind, Knabe, Baby‘) sekundär sind.
Es ist darauf hinzuweisen, dass die semantische Ableitung ‚Atmen‘ → ‚Seele‘ → ‚(atmender) Körper‘ → ‚Wesen‘ → ‚Kind‘ ein Beispiel für eine relativ späte Chronologie ist, da die mittelpersischen Texte keine Belege für die altertümlichen Bedeutungen ‚Körper‘ und ‚Kind‘ enthalten.
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Wie die somatische Lexik können Wörter mit der Bedeutung ‚Atmen‘ (→ ‚Geist‘, ‚Seele‘) isofunktionale Reflexivpronomen sein, da sie ebenfalls das Semem ‚selbst‘ entwickeln, vgl.:
Avestisch (Gathas) oyānā- (in at̰ ā vaočāt ahurō mazdā … oyānayā – ‚dann sprach er selbst Ahura Mazda mit Weisheit‘) (Bartholomae 1904: 1478: vī + *yanā-) = *uyāna- ‚Atmen‘. In (ebd.) heißt es: ‚Bedeutung und Etymologie sind unsicher‘, doch nach Harold Walter Bailey ‚kann es als „Selbst“ verstanden werden, lässt sich aber kaum als „intelligente Seele“ erklären‘ (Bailey 1943: 107). Somit lautet eine wahrscheinliche semantische Kette ‚Atmen‘ → *‚atmender Körper‘ → ‚Selbst‘;
Chotanisch uysana ‚Atem‘ (*uz-ana-) und uysānā ‚selbst‘ (*uz-ānakā-) in uysānā dištai tīn̄a dānā – ‚du (als Hase) warfst dich selbst ins Feuer‘ (ebd.);
Altgriechisch ψυχή ‚Aspiration‘, ‚Atem‘, ‚Seele (des Verstorbenen)‘, ‚Geist‘ (Beekes 2010: 1671) und ‚sie selbst‘ in Homers „Ilias“, vgl.: πολλὰς δ’ ἰφθίμους ψυχὰς Ἄϊδι προΐαψεν / ἡρώων, αὐτοὺς δὲ ἑλώρια τεῦχε κύνεσσιν… (Homeri 1920: Book I, lines 3 and 4) – ‚[Der Zorn des Achilleus] sandte viele tapfere Seelen der Helden in den Hades und machte sie selbst zur Beute der Hunde....‘ Hier bezieht sich das Pronomen selbst auf die toten Körper (= Seelen) der Helden (dieses Beispiel wurde vom Gutachter dieses Artikels freundlicherweise angeführt, wofür die Autoren des Beitrags ihre tiefe Dankbarkeit ausdrücken).
Der Typ der semantischen Entwicklung ‚Atmen‘ → ‚Seele‘, ‚Geist‘ → ‚Selbst‘, ‚Person‘ tendiert ebenfalls zur Universalität, da er nicht nur im Indogermanischen, sondern auch in semitischen Sprachen belegt ist, vgl.:
Slawonisch *duša ‚Geist‘, ‚Seele‘ (verwandt mit *dbxṇqti, *dyšati ‚atmen‘, ‚seufzen‘) → ‚Person‘, ‚Mensch‘, vgl. Russisch ни души ‚keine einzige Person‘, ‚niemand‘, пять душ = fünf Menschen ‚fünf Personen‘;
Semitisch: Arabisch nafas ‚Atmen‘, nafs (nefs) ‚Seele‘, ‚Lebenskraft‘, ‚vitale Kraft‘, ‚Wesen‘ & ‚Person‘. Aramäisch nafšī ‚meine Seele‘ & ‚meine Identität‘, ‚mein „Ich“‘, ‚mein Selbst‘ (Abaev 1973: 196) ~ *naf- ‚Atem‘ (Orel, Stolbova 1994: 395–396).
4.1.2. Indoarisches Lexikon
Oben haben wir die Korrelation der Sememe in den Reflexen des Protoiranischen *tanū- betrachtet. Dieselbe Situation ist im Sanskrit belegt, wo tanūḥ ‚Körper‘ & ‚Person‘, ‚Selbst‘ belegt sind (Monier-Williams 2002: 435). Die Bedeutung ‚Person‘ in tanū erscheint auch in der Zusammensetzung von Komposita tanū-kṛtī ‚die Person bildend‘, tanū-pāna ‚Schutz der Person‘ usw. Monier Monier-Williams (ebd.), bei denen es sich häufig um zusammengezogene Phrasen handelt. Aus diesen Komposita wurde tanū mit innovativer Semantik abstrahiert.
Dieses Wort wird im Sanskrit häufig wie ein Reflexivpronomen verwendet, wobei tānū-napāt ‚Sohn seiner selbst; selbstgezeugt‘ (ebd.), tanvā tāńca ‚mit sich selbst und seinen
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„Nachkommen“, tanū-kṛt- „selbst geschaffen“, tanuàm gūh „sich verstecken“ (= „sich verstecken“) (Mayrhofer 1992: 622) sind belegt. Ebenso im NW-Prākrit tanuvakka- (Mayrhofer 1956: 475). Derselbe semantische Zustand ist in den dardischen Sprachen belegt (siehe unten).
4.1.3. Dardisches Lexikon
Protoarisches *tanū- „Körper“ hat in den dardischen Sprachen seinen grammatischen Status verändert und sich in Pronomen verwandelt, vgl.: Kaschmirisch pān „er selbst, ich selbst“ sowie „Körper“, panun „eigen“, Schina tomū „eigen“, (reflexiv) Khowar, Kalasha tan, Paschai tānuk, Gawar–Bati, Tirahi tanū und andere sowie Phalura ṭēṇi „eigen“ < *tān(u)wa- (Kogan 2005: 182–183), vgl. auch Torwali tanu „eigen“ (Mayrhofer 1956: 475) und Khowar tān „selbst“, „eigen“ (Mayrhofer 1992: 621).
Vgl. Pashai tānek = šēr-a eke jāy-a ma b-e-č-e – „Mögest du dich niemals an einem Ort versammeln“ (Lehr 2014: 195; „der kategoriale Status von tānek ist unklar“), wobei tānek ‘du selbst’ = ‘deine eigenen Körper’ entsprechen kann.
Paschai tānek als reflexive Possessivform offenbart den Mechanismus der Entwicklung des Semems „selbst“: Es ist aus dem Wort tān „Körper“ + dem nominalisierenden Suffix –ek gebildet (ebd.: mit Verweis auf Georg Morgenstierne).
4.1.4. Altgriechisches Lexikon
σῶμα „lebender Körper“ & „Mensch“ als „er selbst“, vgl. καὶ χρήματα καὶ τὰ ἑαυτῶν σώματα = (ihr) Eigentum und sie selbst (Dvoreckij 1958: 1596). Die im altgriechischen Zeitraum entwickelte Korrelation der Sememe blieb im Mittelgriechischen erhalten (wurde reproduziert), vgl. hier σῶμα als „Körper“, „Leib Christi, das Sakramentsbrot“ & „Sklave“ (Sophocles 1900: 1065). Das Semem „Sklave“ = „eine namenlose Person“.
Für σῶμα wird eine Vorform *tuoH-m̥ mit der Grundbedeutung „Kompaktheit, Schwellung“ (?) oder *(s) tioH-m̥ „was erstarrt ist“ angenommen (Beekes 2010: 1439–1440).
4.1.5. Lateinisches Lexikon
corpus, –oris „Körper, Fleisch“, „corpus“ & „Person“, „Mensch“, vgl. liberum corpus = freie Person, nostra corpora = nos „wir“ (Forcellini, Gesner, Bailey 1828: 498; Dvoreckij 1976: 264). Die zweite Bedeutungsgruppe ist eine Innovation des Lateinischen, da für das proto-indoeuropäische Vorbild des lateinischen corpus nur das Semem „Körper“ rekonstruiert wird (PIE *kʷrp-os- „Körper“, vgl. Mlr. crí „Körper“; Vaan 2008: 137);
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Die Möglichkeit der semantischen Entwicklung wurde oben erörtert, nämlich „Körperteil“ → „Person“ usw. Diese Entwicklung lässt sich am Lateinischen pectus, -oris „Brust“, „Herz“ veranschaulichen, das in Ovids Metamorphosen als „Person“, „Mensch“ verwendet wird, vgl. „Aut ultor vestrae, fidissima pectora, mortis, / Aut comes, inquit, ero“ (Ovidius 1984: Buch III, Zeile 58 ff.), wobei fidissima pectora = die treuesten/zuverlässigsten Menschen bedeutet. Typologisch wurde diese Übertragung durch das russ. poetische верные сердца = treue Menschen gestützt, wobei сердца – Nom. Plur. zu сердце „Herz“ ist.
4.1.6. Hethitisches Lexikon
tuekk-/tukk-, tuekka- „Körper“ (Pl. „Körperteile“, „Gliedmaßen“) & „Person“, „Selbst“ (< PIE *tuék ~ Sanskrit tvác- „Haut“). Die Bedeutung „Selbst“ < *„der eigene Körper“ erscheint im Singular (Kloekhorst 2008: 885). Semantische Neuerung der hethitischen Periode.
4.1.7. Germanisches Lexikon
Mittelenglisches bodie, bodi „Körper“ & „Person“, vgl. die Austauschbarkeit von body und self in my ioly body and my jolly self (Mayhew, Skeat 1888: 31).
Es ist schwierig, die Natur der Beziehung zwischen den Sememen „Körper“ und „Person“, „Mensch“ im modernen englischen Wort body zu bestimmen, wenn man nicht typologisch ähnliche lexikalische Einheiten heranzieht. Die innere Logik der semantischen Ableitung in diesem Wort wird jedoch deutlich, wenn man es in einen breiten typologischen Hintergrund einordnet.
Deutsches Leib „Körper“ wurde in der frühen Periode des Neuhochdeutschen neben dem späteren „corpus“ auch als „Person“ verwendet (Kluge 2002: 566).
4.1.8. Slavisches Lexikon
Russisches тело „Körper“ hat in der modernen Umgangssprache vor kurzem die Bedeutungen „Person“ und „Mensch“ angenommen, vgl.: со мной разговаривают тело в должности директора – Ich sprach mit dem Körper in der Position des Direktors; открывается дверь и выходит тело – die Tür öffnet sich und der Körper kommt heraus. Die Phraseologie des 19. Jahrhunderts erhöht jedoch etwas das Alter dieser semantischen Entwicklung im Russischen, vgl. Не такое тело попало в дело (Dal’ 1989: 263) – über eine unerfahrene Person in einer schwierigen Situation.
4.1.9. Baltisches Lexikon
Lettisches augums „Höhe“ und „Statur“, „menschliche Gestalt“, erhält im poetischen Text eine neue Bedeutung „(ich) selbst“ als „mein Körper“ (manu augumiņu), vgl. in „Kur tu jāsi, bāleliņi“: „Šķir, Dieviņi, manu ceļu / Sargā manu augumiņu / Lai godam
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es könnte / den Feind besiegen? (Lyrics Translate 2024) – ‘Wähle [für mich], lieber Dievs [höchste Gottheit des baltischen Pantheons oder christlicher Gott], meinen Weg / [Und] beschütze mich (= meinen Körper/meine Gestalt) / Damit ich in Ruhm / über [meine] Feinde siegen könnte’ (dieses Beispiel wurde von Professor Grasil da Blažienė hervorgehoben, und in diesem Zusammenhang sprechen wir ihr unseren tiefen Dank aus).
4.2. Belege aus Sprachen, die anderen genetischen Familien angehören
4.2.1. Finno-ugrisches Lexikon
Im finno-ugrischen Lexikon richtet sich unsere Aufmerksamkeit auf ein ungarisches Personalpronomen höflicher Anrede, vgl. Maga ‘Sie’ (eine Person), Maguk ‘Sie’ (mehrere Personen), die maga enthalten, zurückgehend auf mag ‘Körper’. Außerdem wurden im Ungarischen reflexiv-verstärkende Pronomen mit der Bedeutung ‘selbst’ aus mag ‘Körper’ + entsprechenden personal-possessiven Suffixen gebildet, vgl. mag-am ‘ich selbst’, mag-ad ‘du selbst’, mag-a ‘er selbst’, mag-unk ‘wir selbst’, mag-atok ‘ihr selbst’, mag-uk ‘sie selbst’ (Majtinskaja 1976: 392, 394).
4.2.2. Turkisches Lexikon
Proto-Türkisch
Turkisch (Osmanisch) beden ‘Körper’ & ‘ich selbst’ (Vladimircov 1989: 261), uigurischer Dialekt boj ‘Körper’ & Altaisch poj ‘ich selbst’ (mit Possessivaffixen verwendet), ‘selbst’ & ‘jemand’ usw. (Sevortian 1978: 177), ‘Personen’, ‘Leute’. Vgl. Alttürkisch kalın bod kara baš – ‘eine dichte Menge, das gemeine Volk’, 1622 (Clauson 1972: 296–297: bod ‘Gestalt’ und ‘Selbst’).
Für die proto-türkische Periode werden beide Sememe angenommen: *bod (1) ‘Körper’, ‘Gestalt’, (2) ‘Selbst’ (infolge der pronominalen Verwendung von *bod) usw.; für die ältere (proto-altaische) chronologische Schicht wird jedoch nur das Semem ‘Körper’ (‘Eingeweide’, ‘Bauch’) rekonstruiert (Tenišev 2001: 266; Starostin, Dybo, Mudrak, eds., 2003: 365). Siehe auch (Sevortian 1978: 177): ‘Körper’ ist die älteste Bedeutung, während das Semem ‘ich selbst’ später entstand.
Somit liegt hier ein Beispiel für die Reproduktion antiker (noch proto-sprachlicher) semantischer Beziehungen in den späteren Perioden der Geschichte der Turksprachen vor.
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4.2.3. Mongolisches Lexikon
Mongolisch bu̇din, bu̇dün ‚Körper‘ & bu̇düm ‚sein‘, ‚eigen‘, beje ‚Körper‘, ‚Selbstheit‘, ‚Wesen‘, ‚allein‘, Mongorianisch Bīje ‚Körper‘, ‚Rumpf‘, ‚Pflanzenstängel‘ & ‚Person‘ (Sevortian 1978: 178), vgl. insbesondere Mongorianisch bījepa ‚persönlich‘, wörtlich – ‚durch einen Körper‘, als Substantiv mit dem Marker des Instrumentalkasus -pa; vgl. auch bījepernә ‚auf sich selbst‘, wörtlich – ‚auf seinem Körper‘, die Form des Lokativs mit dem Marker -pe & dem Marker des reflexiven Possessivums –hā (Sanžeev 1953: 172, 173), Mongolisch (Schriftform) beye ‚Körper‘ & ‚Person‘, ‚ich selbst‘ (Vladimircov 1989: 261). Vgl. in den schriftlichen Denkmälern, wo beye, bei als ‚Person‘ und ‚ich selbst‘ belegt sind:
‚sayi beye yuyen saki’at ger iyen tegusgen cidaju‘ als ‚Person‘ (Haenisch 1952: 22); ‚Bii bei ~ ee uji–sen‘ – ‚Ich sah mich selbst‘ (Martin 1961: 121).
4.2.4. Tungusisch-manchurisches Lexikon
Mandschurisch ǯəjə ‚Mensch‘, ‚Mann‘, ‚männlich‘, ‚Person‘, ‚Generation‘, ‚Alter‘ & ‚Körper‘, Ewenkisch ǯəjə (boje) ~ ǯəi ‚Mensch‘, ‚selbst‘, ǯəj (bēj, bəj) ‚Mensch‘, ‚Mann‘ & ‚Körper‘, ǯəjə ‚Körper‘ & ‚selbst‘, ‚Körper, Fleisch, corpus‘, ‚Leben, Sein‘, ‚Person‘, ‚Selbst‘, ‚eigen‘ (Mandschurisch) (Sevortian 1978: 178; Vladimircov 1989: 261);
Udehe ǯəjə (in der Funktion eines Substantivs) ‚ich selbst‘ (‚Бэйэнгиэ, бэйэнгиэ […] йэу йэгдiг’эни бiниэ?!‘ – ‚[Lacht über mich], und er selbst, und er selbst … was für ein егдыга?!‘) & ‚(menschlicher) Körper‘ (‚Нуани бэйэни донғор сўнъалини!‘ – (über den Schamanen) Sein Körper begann zu zittern, als hätte er Fieber) (Simonov, Kialundziuga 1998: 217–218).
Die Korrelation der Sememe ‚Körper‘: ‚Person‘, ‚Mensch‘: ‚ich selbst‘ in den Wörtern mit diesem Etymon ist in allen Sprachen dieser genetischen Familie vorhanden (Cincius, Hrsg., 1975: 122–123). Ohne historische Daten ist es jedoch schwierig, über die Priorität oder Sekundarität der Bedeutungen zu sprechen. Im „Katalog“ (für Ewenkisch ǯəe gibt es nur zwei Bedeutungen ‚Körper‘ – ‚Person‘; Zalizniak et al.: https://datsemshift.ru/shift3666) die Richtung der semantischen Ableitung ist nicht bestimmt (ebd.: https://datsemshift.ru/shift4380), was beim Fehlen einer Etymologie korrekt ist.
4.2.5. Tschuktscho-kamtschatkanisches Lexikon
Koryakisch уwik ‚Körper‘ und ‚ich selbst‘ (Žukova 1990: 82). Vgl. Mei, Ká’li–ná ut, ū’wik muna’yatən! – ‚Hallo, bemalte Frau! Ich werde selbst hinunterfallen!‘ (wörtlich: mein eigener Körper) (Bogoras 1917: 32).
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Das korjakische Lexem reproduziert einen sehr alten Bedeutungszustand, da beide Bedeutungen für die prototschuktschische Epoche rekonstruiert werden, vgl. die Semantisierung des prototschuktschischen Prototyps *uwiki „Körper“, „ich selbst“ (Mudrak 2000: 146). Die Rekonstruktion seines prototschuktschisch-kamtschatkanischen Vorläufers *uwɨki belegt jedoch nur das Semem „Körper, Kadaver“ (ebd.: 146), was die Innovativität von „ich selbst“ im Protottschuktschischen beweist. Somit zeigt die relative Chronologie des prototschuktschisch-kamtschatkanischen „Körper, Kadaver“ > prototschuktschischen „Körper“, „ich selbst“ die semantische Herleitung von „ich selbst“ aus „Körper“, wie in anderen Fällen.
4.2.6. Dravidisches Lexikon
Der in unserer Studie postulierte Bedeutungswandel ist auch innerhalb zweier dravidischer Wortfamilien (etymologischer Cluster) belegt, vgl.:
Tamil piṇam, piṇan „Körper“, „Leichnam“, „Kadaver“ & „körperlose Seele“, „Teufel“, „Geist“, Maṇḍa piṇam „Leichnam“, „toter Körper von Tieren“ usw., Tulu puṇa „Leichnam“, „toter Körper“ usw. (Burrow, Emeneau 1984: 368). Kognaten aus verschiedenen Sprachen weisen dieselbe Bedeutungsgruppe „Körper“, „Leichnam“, „Kadaver“ und „toter Körper“ auf, während „Seele“ und „Geist“ nur im Tamilischen unterschieden werden, was hier die Annahme einer lokalen semantischen Innovation nahelegt: „Körper“, „toter Körper“ → „körperlose Seele“, „Seele“. Diese Art der semantischen Entwicklung („Körper“ → „Seele“) wird durch das Muster der archaischen zeitlosen Negation gestützt, vgl. yaareyyum kaṇṇoom – „Ich sehe keine Seele“ (wörtlich jeder nicht-gesehen). Angegeben nach Schriffman 1999: 149.
Tamil mey „Wahrheit“, „Wirklichkeit“, „Bewusstsein“, „Seele“ & „Körper“ (euphemistisch verwendet), meym-mai „Wahrheit“, „Existenz“, Maṇḍa mey, mai „Körper“ & „Person“, Toda moy „Körper“, Kannada may(i), mey(i), mai „Körper“, „Seite“, „Teil“, Tulu mai „Körper“ & „Person“ (Burrow, Emeneau 1984: 458).
Die Spezifik der in den dravidischen Beispielen dargestellten Korrelation „Körper“: „Seele“: „Person“ unterscheidet sich etwas von den übrigen betrachteten Fällen. Insbesondere haben wir archaische Bedeutungen „Körper“ und „Leichnam“ (sie werden euphemistisch und auch in Liedern verwendet, also in archaischen Sprachformen, was auf ihr hohes Alter hinweist) sowie innovative „Seele“ = „körperlose Seele“ (vgl. oben Tamilisch piṇam) → „Person“. Das Hauptargument für die Priorität des Semems „Körper“ im Tamilischen mey, Maṇḍa mey, mai usw. und für die Sekundarität der übrigen Bedeutungen ist ein Verweis auf Tamilisch mēni „Körper“, „Gestalt“, Maṇḍa mēni „Körper“, „Gestalt“ usw., der von den Autoren des A Dravidian Etymological Dictionary gegeben wird (Burrow, Emeneau 1984: 458, 461). Vgl. auch den Prototyp *may-(mt)- → *mē-nd für mey als „Körperteil“ in: (Krishnamurti 2003: 483). Somit kann die Abfolge der Stadien dargestellt werden als „Körper“ → „(körperlose) Seele“ → „Person“.
In anderen Beispielen ergibt sich ein anderes Bild, in denen „Körper“ → „lebender (atmender) Körper“ → „Seele“, „Geist“ / „Person“, „Selbst“ (im Iranischen; siehe oben)
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oder „Körper (= Hauptbestandteil des Seins)“ → „Selbst (= eigener Körper)“, „Person“, „Seele“ (in anderen Fällen).
4.2.7. Wainachische Sprachen
Tschetschenisch дoц „Herz“ & „Seele“ (vgl. дaгaтх „im Herzen“, „in der Seele“) (Karasaev, Maciev 1978: 147, 555), дyоɣ „Herz“, Inguschisch дyоɣ „Herz“, Batsbisch дoкI „Herz“ (Dešeriev 1963: 527) ~ Tschetschenisch деI „Körper“ (деIан меженаш „Körperteile“) (Karasaev, Maciev 1978: 615), vgl. Догмайра Асланбек / Ша юккъе иккхича, / Болатчу шен герзех / Кадетта и вавлча […] – „Aslanbek ist im Geiste tapfer, / stürzt in die Mitte der Feinde, / wird zu einer Stahlwaffe, / um den Feind niederzuschlagen […]“ (B. Saidov) (Index 2011: 67). Offenbar ist das Semem „Seele“ eine Innovation des tschetschenischen Wortes, da für seine genetischen „Entsprechungen“ in anderen Sprachen nur die Bedeutung „Herz“ verzeichnet ist.
In all diesen Fällen sehen wir getrennt existierende Formen, die einen etymologisch gemeinsamen Prototyp fortsetzen. In den wainachischen Sprachen wurde dieser infolge des primären Vokalwechsels in der Wurzel aufgespalten (siehe beispielsweise: Dešeriev 1963: 527).
4.2.8. Afroasiatisches Lexikon
Semitisch
Ge’ez ’akal „Körper“, „Glied“, „Substanz“, „Hypostase“ & „Person“, „Volumen“, Tigrinya ’akal „Körper“, Amharisch akal „Person“ ~ Arabisch ’ukl- „corps“ (Belova 2012: 53). Das Alter der Korrelation „Körper“: „Person“ ergibt sich aus ihrer bereits im antiken Äthiopischen (Ge’ez), das heute ausgestorben ist, belegten Darstellung. Wie wir sehen, haben moderne Sprachen diese Korrelation bewahrt.
Ge’ez »abāl „Körper“, „Fleisch, Fleischstück“, „Körperglied“ & „ich selbst“, „Person“ usw. (Majzel’ 1983: 197; Leslau 1987: 3). Vgl. ›Emma ‘ayneka ›enta yamān tāseḥḥetaka, melexā wa-’ awdə’ā em-lā ‘lēka, ›esma yexēyyesaka kama […] ›emenna »abāleka ›em-kʷellu […] als „Person“, „Selbst“ (Lambdin 1978: 307).
Aramäisch gūp- „Körper“ & „Persönlichkeit“, „ich selbst“, Hebräisch gūp-ā „Leichnam“, (nachbiblisch) gūp „Körper“ und gap „ich selbst“, „Selbst“ (Majzel’ 1983: 197), be-gappō „mit dem eigenen Körper = allein“, Tigre gōf „Körper“, „Herz“ & „Seele“ (Cohen 1970: 108).
Arabisch ġutt-at- „Körper“, „Leichnam“, Soqotri giteh „Leichnam“, „Körper“ (ebd.: 199) < *gṭṭ ~ Ägyptisch ṣs [< *gs] „Person“, „-selbst“ (Takács 1999: 255).
Südarabisch gitt-eh „Körper“, „Leichnam“ ~ Ägyptisch (Pyr) ʒs „ich selbst“ < Afrasianisch *gVc-. Siehe: (Majzel’ 1983: 197).
Epigraphisches Südarabisch grb „Körper“, „(körperliches) Leben“ & „Person“, Sabäisch grb „Körper“ & „Person“, Tigre gārob „Körper“ & „Person“ (Cohen 1970: 178) und
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Mehri garabēt „Masse“, „Gruppe von Menschen“ usw. < *gVrVb- (Blažek 2020: 56: mit Literaturangaben). Dies ist ein Beispiel für eine relativ alte Chronologie der Korrelation „Körper“: „Person“, da beide Sememe im altarabischen Wortschatz belegt sind.
Kuschitisch
Beja gari „Körper“, „Rumpf“ & „Selbst“, Akk. garob (Rp) = garoot „Körper“ & „Selbst“ ~ Se *gVrVb- (Blažek 2020: 56). Zu anderen semitischen Kognaten siehe den vorherigen Eintrag. Was die Beispiele aus dem Beja betrifft, so wird die Verwendung des Somatismus Körper in der Funktion eines reflexiven Pronomens durch eine Technik erreicht, die der im Ungarischen dargestellten ähnelt (siehe oben). Hier wird Beja gari „Körper“ durch das Hinzufügen des Possessivsuffixes zu „Selbst“ umgewandelt, vgl. ugarooyu „ich selbst“. Auf dieselbe Weise findet sich das Semem „Selbst“ in nifis „Seele“ > unifsu „ich selbst“ (BPG 2005: 225).
4.2.9. Algonkinischer Wortschatz
Mohegan–Pequot –ahak „Körper“ und „ich selbst“, als reflexives Pronomen verwendet, vgl.: „Tapi ni nukucusumó nahak“ – „Ich kann mich selbst waschen“; „Mus numic wici kahak wiwáhcumunsh“ – „Ich werde Mais mit dir essen“ (Fielding 2006: 56). Ein anschauliches Beispiel für eine Veränderung des grammatischen Status eines Wortes, begleitet vom Auftreten pronominaler Semantik. Das Alter der grammatisch-semantischen Transformation ist unklar.
Menominee (als Teil eines Einwortsatzes) vail taskųcikēw – hat einen kurzen Körper VS dni nēyaw – ich selbst (= mein Körper). Siehe: (MD 20–21, 151).
Arapaho (als Teil eines Einwortsatzes) honoo3i3insin̨enoo – ich liege auf meinem Rücken VS ceniiko’ooteihin̨oo – ich bin egoistisch (Cowell, Moss et al. 2012: 22, 177; DoReCo: doreco.huma-num.fr/languages/arap1274).
Natick oder Wôpanâak (Wampanoag) /hogᵏ/ „ein lebender Körper oder eine Persönlichkeit“ & „Kreatur“, „Person“, „Seele, Geist“, /–hogk(a)/ „Körper“, „Selbst“, vgl.: „[…], n noh keteahogkou pish tummuswau wutch ummissinninnuttu, […]“ – „[…], diese Seele soll von seinem Volk abgeschnitten werden; […]“; „[…]. kah noh keteahogkou kesohkóadtog“ – „[…], und diese Person soll schuldig sein“ (AT 2011: 225, 226).
Cheyenne –vétove „Körper“ entwickelt in possessivischer Verwendung die Semantik „ich selbst“ (Leman 2011: 12; ChD: https://www.cheyennelanguage.org/dictionary/lexicon.php?letter=13#e21037).
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4.2.10. Austronesischer Wortschatz
Malayo-Polynesisch: Cham trāj ~ ṭaj „Körper“ und „ich selbst“, „unser“ (Alieva, Buj Kchan’ Tche 1999: 134). Die Richtung und das Alter der semantischen Ableitung sind fraglich.
Indonesisch badan „Körper“, „Torso“ & „ich selbst“, „persönlich“ (Korigodskij 1990: 69). Nach Robert Blust und Stephen Trussel (Blust, Trussel 2013: https://www.trussel2.com/ACD/acd-lo_b.htm?zoom_highlight=badan), bedeutet dieses Wort, das „aus dem Arabischen über das Malaiische“ entlehnt wurde, in allen austronesischen Sprachen „Körper“. Somit ergeben sich die Sememe „ich selbst“, „persönlich“ aus der semantischen Ableitung im Indonesischen.
West-Futuna-Aniwa hkano „Körper“, „Fleisch“, „Wesen“ (traditionell der wichtigste Aspekt des Selbst) & „Seele“, „Geist“, „bewusstes Selbst“, vgl.: „[…] kaie uri tano hkano – ‚[…] aber schwarz ist sein Körper‘ VS ‚[…] tiona noh kano‘ – ‚sein Geist, Verstand (bewusstes Selbst‘). Das Semem ‚Seele/Geist‘ ist jedoch aus dem Bedeutungswechsel von ata und hkano durch Missionare hervorgegangen (Dougherty 1983: 263).
Madagassisch tēna ‚Körper‘ wird für Selbst verwendet, da es im Madagassischen kein Reflexivpronomen gibt, vgl. namòno tēna izy – er tötete sich selbst (Parker 1883: 40).
* * * * *
Das zur Beobachtung zugängliche Material aus einigen modernen Sprachen anderer Familien bestätigt lediglich die Korrelation zwischen ‚Körper‘ & ‚Mensch‘ und ‚Person‘ (Zalizniak et al.: https://datsemshift.ru/shift3666),; das Fehlen von Daten zu ihrer Geschichte und Etymologie macht es jedoch unmöglich, Richtung und Alter der semantischen Entwicklung zu bestimmen. Dies betrifft die folgenden Sprachen: Cavineña (Tacana-Familie), Yuwana oder Hodi (genetisch nicht klassifizierte Sprache), Otomi (Oto-Mangue-Sprachfamilie), Inanwatan (Suabo) und Warembori (Sprachfamilie Transneuguinea), Mikir (sinotibetische Sprachfamilie), She (Hmong-Mien- oder Miao-Yao-Sprachfamilie), Yaminahua (Panoanische Sprachfamilie).
5. RESULTS (SYNTHESIS AND COMMENTARIES)
5.1. Das untersuchte Material erlaubt es uns, drei bemerkenswerte Merkmale zu unterscheiden. Dazu gehören insbesondere:
A) Lexeme mit den etymologischen Bedeutungen ‚Körper (allgemein)‘ und ‚Corpus (allgemein)‘ bilden regelmäßig die Grundlage für die Entwicklung der Sememe ‚Seele‘, ‚Selbst‘, ‚Person‘ sowie seltener für Fälle, in denen diese sekundären Sememe in der
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Wörter entstehen, die ‚Hals‘, ‚Kehle‘, ‚Kopf‘ oder ‚Herz‘ bezeichnen. Ein möglicher Grund (mythologischer Hintergrund) für die semantische Ableitung ‚Herz‘ → ‚Seele‘ war die archaische Vorstellung vom Herzen als Sitz der Seele oder der Gefühle, vgl. Latein pectus ‚Busen‘, ‚Herz‘ & ‚Seele‘ sowie die oben angeführten vainachischen und afroasiatischen (tigrischen) Beispiele und die engste Analogie im Manda sondomme ‚Herz als Sitz der Gefühle‘, ‚Mut‘ (Vydrin 1997: 234).
B) Keines der angeführten Beispiele verfügt über ein vollständiges Bedeutungsparadigma; sie zeigen Lücken in der semantischen Struktur. Das beschriebene Bild wird in der Tabelle in der allgemeinsten Form dargestellt.
Wir können jedoch mit Gewissheit über die Universalität folgender Arten semantischer Entwicklung sprechen: (1) ‚Körper‘ → ‚Selbst‘, ‚Person‘ oder Körper’ → ‘Selbst’ → ‘Person’; (2) ‚Körper‘ → ‚Selbst‘, [‚Person‘], ‚eigen‘; (3) ‚Körper‘ → ‚Seele‘, ‚Person‘ (die Modelle 2 und 3 sind in Sprachen dreier Sprachfamilien vertreten); (4) ‚Körper‘ & ‚Person‘. Sie alle erweisen sich als Variantenrealisierungen
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eines einzigen Musters semantischer Ableitung (vgl. Geeraerts 1997: 23–24), dessen Unterschiede auf die grammatischen (morphologisch-syntaktischen) und kulturellen (Weltbild-)Bedingungen der Funktionsweise von Lexemen mit der angegebenen Bedeutungsmenge zurückzuführen sind. Zu den lokalen Ausprägungen dieses Musters ([‚Körper‘, ‚Leichnam‘ → ‚körperlose Seele‘, ‚Seele‘]; [‚Körper‘ → ‚(körperlose) Seele‘ → ‚Person‘]; [‚Körper‘ → ‚lebender (atmender) Körper‘ → ‚Seele‘, ‚Geist‘ / ‚Person‘, ‚Selbst‘]; [‚Körper (= Hauptteil des Seins)‘ → ‚Selbst (= eigener Körper)‘, ‚Person‘, ‚Seele‘] usw.) siehe oben.
Was die geringe Häufigkeit von Beispielen der semantischen Ableitung ‚Körper‘ → ‚Seele‘, ‚Geist‘ betrifft (was die Tatsache, dass sie in Sprachen mehrerer Familien vertreten ist, nicht widerlegt), so kann dieser Zustand teilweise als Folge der Realisierung der Bedeutung ‚Seele‘ in speziellen sakralen Termini erklärt werden; daher bestand keine Notwendigkeit, ‚Seele‘ auf andere Wörter zu übertragen. Diese Schlussfolgerung muss jedoch anhand der Daten schriftlicher Denkmäler überprüft werden.
C) Das Fehlen der Bedeutung ‚Selbst‘ im Bedeutungsbereich einiger analysierter Wörter lässt sich durch Beschränkungen erklären, die im Sprachsystem selbst angelegt sind. Insbesondere konnte das Pronomen ‚Selbst‘ nur innerhalb einer besonderen grammatischen Wortklasse mit ihrer eigenen Morphologie abgeleitet werden und weiterbestehen; daher konnte kein anderes Lexem aus einem anderen grammatischen Paradigma (Substantiv, Numerale) mit anderen formalen Merkmalen eine entsprechende pronominale Semantik hervorbringen. Ein solches Bild ist beispielsweise in den vainachischen Sprachen belegt, wo das Selbst nur im Pronomenparadigma entstehen kann und niemals unter den Substantiven, vgl. hier: Pronomen ‚Selbst‘ сӧ (1. Person, Singular), хьӧ (2. Person), шуӓ (3. Person), вай–вашу (1. Person, Plural), шайна (2. Person), цӀара шваши (3. Person) & Substantiv ‚Seele‘, ‚Geist‘ дог, са, ‚Körper‘ дегӀ (Karasaev, Maciev, 1978: 146, 147, 552, 615). Somit kann das Semem ‚Selbst‘ in einem Substantiv nur unter der Bedingung entstehen, dass keine direkte Abhängigkeit der pronominalen Bedeutung von der Form besteht, die die Semantik an eine bestimmte grammatische Wortklasse bindet. Das Sprachsystem erlaubt zumindest zwei Bedingungen, unter denen die Wörter, die den Körper oder seine Teile bezeichnen, die Sememe ‚Selbst‘ und ‚ich selbst‘ entwickeln: 1) in einem bestimmten Kontext; 2) als Bestandteil von Komposita (siehe unten).
5.2. Anmerkungen zur spezifischen Beziehung zwischen ‚Körper‘ & ‚Person‘, ‚Seele‘ und ‚Selbst‘. Wie oben gezeigt, ist die untersuchte semantische Korrelation in vielen Sprachen belegt. Abgesehen von den Bedeutungen ‚Zweig‘ und ‚Pflanzenstängel‘ als sekundären Bedeutungen (ausgehend von den primären Bedeutungen ‚Körper‘, ‚Corpus‘) sollte ein Forscher anderen Bedeutungen besondere Aufmerksamkeit widmen. Vor allem können wir schließen, dass die sekundären Bedeutungen ‚Selbst‘, ‚eigen‘, ‚Person‘, ‚Seele‘ von ‚Körper‘, ‚Corpus‘ und ‚Rumpf‘ ausgehen; darauf weisen die Daten von Wörterbucheinträgen, Texten, Etymologie und Rekonstruktion (siehe oben) hin. Somit lässt sich ein universaler semantischer Wandel feststellen, doch worin besteht sein Mechanismus?
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A) Semantische Seite. Seine semantische Grundlage war (in einigen Fällen) wahrscheinlich die Auffassung des Körpers als Hauptbestandteil eines menschlichen Wesens; daher ‚Körper‘ oder ‚Kopf‘ → ‚Person‘, ‚Selbst‘; ‚Körper‘ → ‚Selbst‘ → ‚Person‘. Variantenentwicklung für ‚Seele‘: ‚lebender (Körper)‘ und weiter – ‚beseelt‘ → ‚Seele‘.
Wenn die Lexeme in der Bedeutungsmenge durch ‚Selbst‘ und ‚Person‘ vertreten sind, ist ‚Person‘ in den meisten Fällen sekundär gegenüber ‚Selbst‘, da ‚Selbst‘ im Körper entstand, wenn dieser als ‚eigener Körper‘ = ‚(ich) selbst‘ verwendet wird (vgl. auch ‚Körper‘ → ‚eigen‘, ‚eigen‘ = ‚eigener Körper‘), und dann ‚Person‘, ‚Mensch‘ infolge der „Loslösung“ (Abstraktion) vom „pronominalen“ Kontext entstand.
Der direkte Wandel von ‚Körper‘ → ‚Person‘, ‚Mensch‘ beruht auf einer Synekdoche, wie im Fall des Russischen тело ‚Körper‘ und der sekundären Bedeutung ‚Person‘, ‚Mensch‘.
B) Morphologischer Faktor. In einigen Sprachen vollzog sich der Wandel ‚Körper‘ → ‚Selbst‘ in bestimmten grammatischen Formen des Substantivs Körper, wobei gerade die Bedingungen selbst (grammatische Semantik) dies bewirkten. Der semantische Mechanismus ‚Selbst‘ ← ‚Körper‘ beruht somit auf der morphologischen Modifikation von Wörtern mit der Bedeutung ‚Körper‘. Dies lässt sich anhand folgender Daten veranschaulichen: (1) Pashai tānek als reflexive Possessivform zu tān ‚Körper‘; (2) Ungarisch, wo das reflexiv-verstärkende Pronomen Selbst aus dem Substantiv mag ‚Körper‘ + entsprechenden Personalpossessivsuffixen gebildet wurde; (3) Beja gari ‚Körper‘, das durch das Hinzufügen des Possessivsuffixes zu ‚Selbst‘ wird; (4) mongolische Sprachen, wo биеpa ‚persönlich‘ = ‚durch einen Körper‘, also ein Substantiv mit dem Instrumentalkasusmarker -pa; биеpeнä ‚an sich selbst‘ = ‚an seinem Körper‘ – die Form des Lokativs mit dem Marker -pe & dem Marker des reflexiven Possessivs -нä. Hier entwickelte sich die Semantik ‚Selbst‘, ‚ich selbst‘ in Kasusformen mit den Bedeutungen ‚durch einen Körper‘ (→ ‚persönlich‘ → ‚ich selbst‘, ‚Selbst‘), ‚an seinem Körper‘ (→ ‚an sich selbst‘, ‚Selbst‘) sowie im Substantiv Körper, das um Personalpossessivsuffixe erweitert wurde (‚Körper‘ → ‚mein, sein Körper‘ → ‚ich selbst‘ usw.).
C) Faktor der Stammkomposition. In einigen Beispielen erwarb das Lexem Körper die Sememe ‚Selbst‘, ‚ich selbst‘ innerhalb von Phrasen, die später zu Komposita wurden. Das heißt, Wortverbindungen mit Körper verschmolzen zu einem lexikalischen Kompositum, in dem die Bedeutung ‚Körper‘ ebenso wie ‚(ich) selbst‘ neutralisiert wurde, vgl. Avestisch tanu.kərata Adj. ‚von selbst gemacht‘. Altindisch tanū-kṛt ‚selbstgeschaffen‘. Eine ähnliche Situation findet sich im Ungarischen (siehe oben), wo ‚Körper‘ in pronominalen Ableitungen neutralisiert wurde.
Unter denselben Bedingungen erscheint die Semantik ‚Person‘ im Körper: insbesondere erscheint sie im Altindischen tanū ebenfalls in der Zusammensetzung von Komposita tanū-kṛt ‚die Person bildend‘, tanū-pāna ‚Schutz der Person‘.
D) Syntaktische Bedingungen. Die Bedeutungen ‚Selbst‘, ‚ich selbst‘, ‚(sein) eigen‘ im Körper entstehen infolge seiner Verwendung im Satz als Reflexivpronomen oder als ein Wort, das funktional den Reflexiv- und Possessivpronomen nahesteht. Die pronominale
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Verwendung von Körper selbst beruhte ursprünglich auf solchen Wendungen wie Avestisch xᵛaxīiāi tanuiiē ‚sein eigener Körper‘, Altindisch svāyā tanuā ‚der eigene Körper‘ usw. Weitere Beispiele finden sich sporadisch im Mitteliranischen, in modernen iranischen (ossetischen) Sprachen sowie im Türkischen, Mongolischen, Tungusisch-Mandschurischen, Tschuktscho-Kamtschadalischen usw. Vgl. Mohegan-Pequot –ahak ‚Körper‘ änderte seinen grammatischen Status, indem es in die Zusammensetzung der polysynthetischen Konstruktion integriert wurde usw. Dann ersetzte der Körper in pronominaler Funktion ähnliche Konstruktionen.
Bedingungen für das Entstehen von ‚Selbst‘ in Körper
E) Der Faktor der „Null-Korrelation der Semantik“. Es gibt jedoch Sprachen, in denen der oben beschriebene semantische Wandel unmöglich ist. Besonders unsere Aufmerksamkeit gilt solchen Lexemen in afrikanischen Sprachen wie Ruanda umu-biri ‚Körper‘, Kinga emi-hano ‚Körper‘ (Toporova 2000: 28, 29), Pulaar-Fulfuldé (Fula) ter-gal ‚Körper‘, ter-de ‚Körperteile‘ (Koval’ 2000: 223), bandu ‚Körper‘, Seereer fo baal ol ‚Körper‘, Wolof yar W ‚Körper‘ ~ Seereer njer/cer ‚Körper‘ (Pozdniakov 1993: 40, 101), Pulaar-Fulfuldé fitan-du ‚Seele‘, pital-i ‚Seelen‘ (Koval’ 2000: 162: mit Verweis auf Edward Sapir). Wörter für ‚Körper‘ und ‚Seele‘ gehören hier verschiedenen semantischen Klassen an: „aktive Klasse“ (Klasse aktiver Objekte, aktive Bezeichnungen) VS „passive Klasse“ (Klasse passiver Objekte, passive Bezeichnungen) usw. Die Gesetze dieser Klassen erlauben nicht, dass die Bedeutung der einen Klasse im Rahmen der anderen Klassen hervorgebracht wird. Mit anderen Worten: Die semantische Ableitung ist hier sehr streng geregelt und unterscheidet sich von anderen beobachteten Sprachen, in denen das Entstehen einer neuen Bedeutung aufgrund eines breiteren Spektrums kultureller (religiöser, poetischer
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und anderer) Assoziationen mit einer freier fließenden, flexibleren Natur der Beziehungen zwischen Bedeutungen möglich ist.
6. SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Das in dieser Studie analysierte Vokabular liefert ausreichende Belege für die Universalität des Modells der semantischen Ableitung, das in verschiedenen Sprachen der weitesten geografischen Verbreitung realisiert ist (Beispiele aus 11 Sprachfamilien!). Die semantischen und grammatischen Gesetzmäßigkeiten dieser Sprachen schufen die Bedingungen für die Summe ähnlicher semantischer Verschiebungen, die als vielfältige Ausprägungen dieses Modells definiert werden. Die Vielfalt setzt das Vorhandensein eines Clusters von Ketten semantischer Verschiebungen voraus (siehe oben), auf dessen Grundlage die semantische Ableitung modelliert wird.
2. Tatsächlich haben wir Gründe, über die Richtung der semantischen Ableitung ‚Körper‘ → ‚Selbst‘, ‚Person‘, ‚Seele‘ zu sprechen, denn ‚Körper‘ und ‚Corpus‘ sind ursprünglich, was durch die etymologischen Daten bestätigt wird.
3. Die Reproduzierbarkeit des betrachteten Modells in der Diachronie wird durch seine Darstellung in der lexikalischen Semantik von Sprachen aus verschiedenen Perioden ihrer Geschichte belegt. Die späte semantische Ableitung in Sprachen, in denen sie zuvor nicht aufgezeichnet wurde, zeugt von der Typizität einiger semantischer Strukturen des sprachlichen Denkens.
4. Wir haben es mit einer der universalen semantischen Verschiebungen zu tun; innerhalb dieses semantischen Musters kann jedoch ihr „technischer Aspekt“ (Bedingungen und Mechanismus) des Entstehens der Bedeutungen ‚Seele‘, ‚Person‘, ‚Mensch‘ und ‚Selbst‘ unterschiedlich sein. Insbesondere werden die Gründe für die Entstehung dieser Sememe durch die Besonderheiten des Weltbildes, den kulturellen Hintergrund, die Besonderheiten der morphologischen Variation der Wörter, ihre Funktion im Satz und die auf der Grundlage der entsprechenden Wortverbindungen entstandenen Zusammensetzungen bestimmt.
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Semantinės dinamikos universalumas: nuo ‘kūno’ iki ‘asmens’, ‘savasties’, ‘sielos’
SANTRAUKA
Somatinių žodžių, reiškiančių ‘kūnas’ arba ‘kūno dalis’, stebėjimas vienuol nąkoje genetiškai skirtingų šeimų kalbose atskleidžia įdomią tokių žodžių sememų koreliaciją. Visų pirma, kontekstai, kuriuose somatizmai pateikiami, be kita ko, būtinai parodo, kad jie vartojami kaip ‘asmuo, žmogus’, ‘aš, savastis’ ir ‘siela, dvasia’. Toks sememų santykio dėsningumas vargu ar yra atsitiktinis, o semantinė-tipologinė analizė, atlikta atsižvelgiant į etimologijos ir lingvistinio modeliavimo duomenis, suteikia rimtų priežasčių manyti, kad tokie gausūs
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Acta Linguistica Lithuanica XC
Universality in Semantic Dynamics: from ‘body’ to ‘person’, ‘self’, ‘soul’
atvejai atskleidžia universalios semantinės kalbinio mąstymo struktūros apraiškas. Šią struktūrą galima apibrėžti kaip semantinio darinio tipą, perteikiamą semantinių poslinkių grandinėmis: [‘kūnas’ → ‘siela’], [‘kūnas’ → ‘asmenybė’, ‘žmogus’], [‘kūnas’ → ‘sava?stis’ → ‘aš pats’], [‘kūnas’ → ‘sava?stis’ → ‘asmenybė’ → ‘žmogus’]. Kartu jie sudaro daugiamatį semantikos kūrimo modelį su vienu vektoriumi. Galima daryti prielaidą, kad modelis neapsiriboja tam tikru kalbos istorijos laikotarpiu, bet yra atkuriamas diachroniškai dėl jo vaizdavimo skirtinguose sinchroniniuose pjūviuose.
Šio tipo semantinio darinio realizavimo niuansai visiškai priklauso nuo sąlygų (veiksnių) visumos – semantinio, morfologinio, kamieno komponavimo ir sintaksinio veiksnio.
Nagrinėjamas semantinės darybos tipas būdingas ne tik afrikiečių kalboms dėl specifinės jų semantinių santykių sistemos organizacijos pagal žodžių, priklausančių skirtingoms klasėms ‘aktyvus’ ir ‘pasyvus’, principą, todėl ‘aktyviajai’ klasei būdinga semema ‘siela’ negali būti įkūnyta leksemoje iš ‘pasyviosios’ klasės.
Įteikta 2024 m. gegužės 5 d.
ALEXANDER I. ILIADI ILONA M. DERIK
The State Institution “South Ukrainian National Pedagogical University named after K. D. Ushinsky” 65020, Ukraine, Odessa 34, Staroporofrankivska Str.
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