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Acta Linguistica Lithuanica 2025, vol. 92, pp. 1–10 Contents link / Turinio nuoroda ISSN 2669-218X (online / elektroninis) Copyright © 2025 Albrecht Greule. Published by the Institute of the Lithuanian Language. This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution Licence, which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited. // Išleido Lietuvių kalbos institutas. Šis straipsnis yra atviros prieigos, platinamas pagal „Creative Commons“ priskyrimo licencijos sąlygas, leidžiančias neribotai naudoti, platinti ir atkurti turinį bet kokioje laikmenoje, nurodant autorių ir šaltinį. Received: / Gauta: 2025-01-12. Accepted: / Priimta: 2025-03-12. 1 BENENNUNG UND UMBENENNUNG VON FLIEßGEWÄSSERN. DER FALL SCHWAPPACH . EIN NACHTRAG ZUM DEUTSCHEN GEWÄSSERNAMENBUCH . Upėvardžių įvardijimas ir pervardijimas. Duomenų apie Schwappach papildymas Vokietijos vandenvardžių žodyne ALBRECHT GREULE Universität Regensburg E-mail: [email protected] ORCID ID: – Wissenschaftliche Forschungsrichtungen: Textgrammatik, Theolinguistik und geistliches Lied, Onomastik, historische Syntax. https://doi.org/10.35321/all92-04 ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ ANNOTATION Wann und von wem warum die Fließgewässer so benannt wurden, wie sie jetzt heißen, können wir heute nicht oder nur mit Hilfe etymologischer Hypothesen nachvollziehen und vermuten. Warum wurde z.B. der Rhein zum ersten Mal *Reinos oder die Donau *Dānewjos genannt? Das Problem hängt mit dem hohen Alter der Hydronyme zusammen und hängt davon ab, wie lang bzw. bedeutend ein Fließgewässer ist. Anders ist die Lage, wenn es um die Umbenennung eines Gewässers geht. Wie der im Beitrag beschriebene Fall zeigt, können wir dann genau verfolgen, welche Mitspieler in der Neuzeit an einer Umoder Neubenennung fördernd oder hinderlich beteiligt sind. Es ist symptomatisch, dass beim Beispielfall aus Bayern der Schwappach benannte Flusslauf relativ kurz, aber ein Zufluss eines großen Flusses, des Mains, ist. Darüber hinaus ist interessant und bezeichnend, dass das Engagement zweier Heimatforscher notwendig war, um eine Umbenennung in Gang zu bringen. Mit ihren Initiativen verbunden sind Fragen der Geographie, Siedlungsgeschichte und Namenüberlieferung. Ferner spielt dabei die Namenetymologie des Hydronyms Schwappach eine wichtige Rolle und wird neu diskutiert. SCHLÜSSELWÖRTER: Flussname, Um-/Neubenennung, Siedlungsgeschichte, Namenetymologie, PhantomName.
2 ABSTRACT The origins of hydronyms when, by whom, and why the flowing waters were first named as they are today often remain beyond our full understanding. We can only speculate, relying on etymological hypotheses. For instance, why was the Rhine called *Reinos , or the Danube *Dānewjos ? Such questions are deeply tied to the antiquity of these names and the significance or size of the waterways they denote. The situation, however, changes when it comes to renaming a body of water. As the case examined in this article demonstrates, we can precisely trace the individuals and factors involved in a modern renaming or the obstacles preventing it. A telling example from Bavaria illustrates this dynamic: Schwappach, though a relatively short tributary of the Main, became the focus of a renaming effort. Notably, it took the dedicated involvement of two local historians to initiate the process. Their efforts highlight broader issues related to geogeography, settlement history, and name transmission. Additionally, the etymology of the hydronym Schwappach plays a crucial role and is reexamined in light of these developments. KEYWORDS: river name, renaming, settlement history, name etymology, phantom name. 1. DER GEWÄSSERNAME DIE SCHWAPPACH Einen Gewässernamen Schwappach wird man im Deutschen Gewässernamenbuch (DGNB) vergeblich suchen. Auch der Siedlungsname Schwappach ist versteckt unter den Namen-Komposita Unter-Schwappach und Ober-Schwappach . Die beiden Kirchorte sind Teile der Gemeinde Knetzgau im Landkreis Haßberge in Unterfranken (Bayern). Sie liegen beide am Steinsfelder Mühlbach. Dessen Quellbäche, Löhrenbach und Eschenauer Mühlbach, entspringen im Naturpark Steigerwald. Der Steinsfelder Mühlbach ist mitsamt dem Löhrenbach über 10 km lang und mündet westlich von Wonfurt (Landkreis Haßberge, Unterfranken, Bayern) von links in den Seebach, der in den Main mündet. Im Unterlauf wird er auch Schwappach genannt 1 . Die Diskrepanz zwischen dem Namen Schwappach als Siedlungsname am Oberlauf des Steinsfelder Mühlbachs und sein Auftauchen als Namenvariante im Unterlauf lässt erfahrene Gewässernamenforscher darauf schließen, dass ursprünglich der ganze Fluss, mindestens ab der Vereinigung der Quellbäche bis zur Mündung, Schwappach hieß und die Benennung vom Unterlauf her erfolgte. In der von Hans Krahe begründeten und von Wolfgang P. Schmid herausgegebenen Reihe Hydronymia Germaniae , einer Sammlung nahezu aller deutschen Gewässernamen mit ihren historischen Belegen, findet man die Ortsnamen Ober-, Unterschwappach unter dem Stichwort Schwappacher See, der gemäß Messtischblatt (Topographische Karte 1:25000, o.J., Nr. 5934) rechts zum Höckerseegraben (z. Pfaffbach z. Main) fließt. Historische Belege sind nicht verzeichnet 2 . Die Lokalisierung ist nach heutigem Wissensstand falsch. Deshalb fehlt ein Stichwort Schwappach im DGNB. Die in Unterschwappach aufgewachsenen Brüder Heribert Muser und Ernst Muser haben sich als Heimatkundler auf unterschiedliche Weise, der eine als Historiker, der andere als Jurist, zum Ziel gesetzt, die alte einheitliche Benennung des Steinsfelder Mühlbachs, 1 Schwappach-Wikipedia . Vgl. die bebilderte Beschreibung des Flusslaufs durch Muser 2024a und 2024b und abweichende Benennungen des Fließgewässers in Kap. 2. 2 Sperber 1970: 211.
3 nämlich Schwappach, wie er im Volksmund und in der Heimatliteratur genannt wird, wiederherzustellen. Welche behördlichen Hürden mit welchem Erfolg dabei zu überwinden waren, wird im Kapitel 2 „Umbenennungsversuch“ ausgeführt. 2. UMBENENNUNGSVERSUCH Die vom Bayerischen Landesvermessungsamt 1980 herausgegebenen Topographischen Karten (L 6128) weisen das im Steigerwald entspringende und in Horhausen (Gemeinde Theres, Landkreis Haßberge) in den Main mündende Fließgewässer noch mit dem Namen Schwappach aus. In amtlichen, 2020 veröffentlichten Karten ist dasselbe Gewässer jedoch Steinsfelder Mühlbach benannt. Innerhalb von 40 Jahren wurde der amtliche Name geändert, ohne dass dies die Gemeindeverwaltung von Knetzgau und die Bewohner von Oberund Unterschwappach bemerkt hätten oder informiert worden wären. Entgegen der allgemeinen Vermutung, dass es den Ortsbewohnern und -bewohnerinnen egal ist, wie das Gewässer, an dem sie wohnen, offiziell und in den Karten heißt, haben es sich die Heimatforscher Ernst und Heribert Muser zur Aufgabe gemacht, den Zusammenhang zwischen dem Namen des Fließgewässers Schwappach und den Siedlungsnamen (Ober-, Unter-)Schwappach kartographisch sichtbar zu machen und offiziell wieder herzustellen. Heribert Muser lotete in einem Aufsatz die historische Tiefe des Namens Schwappach durch etymologische Untersuchungen aus (s.u. Kap. 3), Ernst Muser wollte als Jurist nicht stillschweigend hinnehmen, dass das besagte Gewässer „ohne erkennbaren rechtfertigenden Grund schon seit geraumer Zeit den amtlichen Namen ‚Steinsfelder Mühlbach‘ führt und auch in Zukunft weiterhin führen sollte. Stand doch vor allem der bedrückende Gedanke im Raum, dass den beiden Schwappach-Dörfern durch die Namensänderung die ‚Patenschaft‘ für den Namen ihres Ortes entzogen worden ist. Es war nicht auszuschließen, dass die in der Geschichtsforschung allgemein anerkannte These, wonach an Gewässern entstandene Siedlungen in aller Regel den älteren Gewässernamen als Ortsnamen übernommen haben, unbeachtet geblieben ist. Hinzu kommt, dass den Ortsbewohnern keine Gelegenheit geboten worden ist, ihre Meinung zu äußern. Ihre Interessensund Gefühlswelt konnte dadurch erheblich verletzt worden sein.“ 3 Mit der offiziellen Bitte um Überprüfung der hydronymischen Angelegenheit und mit der „Anregung“, dem Gewässer den ursprünglichen Namen Schwappach zurückzugeben, setzte Ernst Muser am 9.6.2023 einen amtlichen Briefwechsel in Gang, der mit der „Bekanntmachung über die Teilumbenennung des Gewässers Steinsfelder Mühlbach in Schwappach am 29.7.2024 endete. Involviert waren zuvor das „Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung“, das Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen, die beteiligten Gemeinden sowie das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Nach mehreren Bescheiden, die eine Umbenennung im Sinn des Bittstellers ablehnten, erfolgte überraschend am 29.2.2024 die Mitteilung des Wasserwirtschaftsamtes Bad Kissingen, dass 3 Muser 2024: 1f.
4 eine Teilumbenennung inzwischen beschlossen sei und nur noch vollzogen werden müsse 4 . Was zu dem Sinneswandel der Behörden führte, ist nicht bekannt. Die abschließende Behandlung durch das Landratsamt Haßberge und die Überprüfung durch die Rechtsabteilung führten zu der im Amtsblatt des Landkreises veröffentlichten Bekanntmachung folgenden Inhalts: „Der Teilabschnitt des Gewässers ‚Steinsfelder Mühlbach‘ wird ab dem Zusammenfluss des ‚Löhrenbachs‘ mit dem ‚Eschenauer Mühlbach‘ vor Oberschwappach (Gemeinde Knetzgau) bis zur Einmündung des ‚Zabelbach‘ bei der Hohenmühle (Gemeinde Knetzgau) in ‚Schwappach‘ umbenannt.“ Die Bemühungen der Heimatforscher, den aufgrund historischer Erkenntnisse vermuteten ursprünglichen Gesamtnamen Schwappach offiziell und amtlich wiederherstellen zu lassen, führten nur zu dem Teilerfolg, dass das Hydronym Schwappach zum Namen des Abschnitts des Steinsfelder Mühlbachs erklärt wurde, der durch Oberund Unterschwappach fließt. Der Name Steinsfelder Mühlbach bleibt als Abschnittsname für den Unterlauf bestehen. – Zu den Konsequenzen der amtlichen Teilumbenennung für die Namen-Lexikographie s. Kap. 5. 3. NAMENGESCHICHTE / ETYMOLOGIE Die gewünschte, nur teilweise erfolgreiche Umbenennung des Steinsfelder Mühlbachs wurde wissenschaftlich wesentlich befördert durch die Forschungen von Heribert Muser zur Etymologie und zum Alter des Namens Schwappach , publiziert 2024 in Der Steigerwald. Zeitschrift einer fränkischen Landschaft 5 . Den Anstoß gab die Auseinandersetzung mit der im Heimatbuch für das Tal der Schwappach 6 vorgetragenen Etymologie, die auf der vermutlich ältesten urkundlichen Nennung des Namens Schwappach beruht. Sie lautet Suabaha , findet sich im Codex Eberhardi, einem im 12.Jh. verfassten Kartular des Klosters Fulda, und wird datiert auf „ums Jahr 800“ (Genaueres zu Suabaha, s. Kap. 4). Die gesicherten Nennungen des Namens beziehen sich auf die Schwappach-Orte: 1285 (?) Swapach , 1303 Swopach ; in der Mundart lautet der Name Schwabbi 7 . Die jüngeren historischen Belege sind gut aus der ältesten Form Suabaha (lies Swab-aha) ableitbar, wobei der Wandel in der Schreibung von / -b-/ in Suabaha zu /-p-/ in den späteren Belegen als Reflex auf den bairischen Schreibusus <p> statt <b> zurückgeführt werden kann. Auch das zweite Glied des Kompositums Suab-aha , das im Althochdeutschen „fließendes Gewässer“ bedeutete, erscheint regelmäßig in süddeutschen Gewässernamen abgeschwächt als -ach (als selbständiges Appellativ Ach , Ache u.ä.). 4 Muser 2024: 4. 5 Muser 2024a; 2024b. 6 Wailersbacher 1986: 12–19. 7 Belege nach Muser 2024a: 4; Muser 2024b: 8. Die beiden Schwappach-Orte werden im Codex Eberhard I, 177va, als „Eshinowe ubi est curia sicut Hamelenburg. In quam curiam pertinent, Swapach, Swapach“ lokalisiert; Oberschwappach als „sita iuxta ecclesiam Gangolfi“.
5 Musers Argumentation richtet sich nicht gegen die lautliche Entwicklung des Namens, sondern gegen die Deutung als „Schwaben-bach“. Genauso wie Wolf-Armin v. Reitzenstein mit Bezug auf die Stadt Schwabach in Mittelfranken an der Mündung des Flusses Schwabach in den Main (in Annalen des 12.Jh. Suabach genannt) das Bestimmungswort Suab- ( ach ) auf die Alemannen 8 bezieht 9 , wird auch im Heimatbuch für das Tal der Schwappach erklärt, dass der Name Schwappach (< Suabaha ) auf die Anwesenheit von „Mainsueben“ an der Wende vom 2. / 1. Jh. v. Chr. zurückzuführen sei 10 . Um 60 v. Chr. drangen die Sueben und andere Germanen in das Gebiet zwischen Main und Alpen ein, nach Ausweis der archäologischen Quellen gab es am Main und nördlich davon durchaus feste Siedlungen. Diese sogenannten „Mainsueben“, wurden 10/9 v. Chr. von Drusus unterworfen 11 . Dass aber Sueben wirklich am Main und am Rande des Steigerwalds dauerhaft gesiedelt haben, müsste durch archäologische Funde nachgewiesen werden. Auch dass sich ihr Name in einem Hydronym festgesetzt haben und bis ins Mittelalter überliefert worden sein könnte, ist fraglich 12 . Der unsicheren Etymologie des Namens Schwappach als „Schwaben-bach“ setzt Heribert Muser eine Alternative entgegen, die auf der „geographisch-hydrologischen Untersuchung des Gewässers, seines Ursprungs und Verlaufes in der ihn prägenden und auch von ihm geprägten Landschaft“ beruht 13 . Es fällt auf, dass der Wasserstand der Schwappach von den klimatischen Gegebenheiten im Ursprungsgebiet, dem Steigerwald, abhängt, dessen Höhen die regenreichen, von Westen kommenden Wolken abfangen, und es bei länger andauernden Niederschlägen zu entsprechenden Wassermassen kommt, die im nur wenig abfallenden Feldund Wiesengelände zu erheblichen Überschwemmungen und Überflutungen von am Ufer liegenden Anwesen führten. In Unterschwappach und im bachabwärts gelegenen Steinsfeld siedelten Bauern nahe am Wasserlauf und litten unter den Überschwemmungen. „Die Neigung des Baches zum Überlaufen ist auch in jüngster Zeit noch feststellbar.“ 14 Normalerweise wird bei einer Namenetymologie das passende Benennungsmotiv zu einem gegebenen Namen gesucht. Im vorliegenden Fall ist es umgekehrt: Man hat für das Referenzobjekt, die Schwappach, ein plausibles Benennungsmotiv, sucht aber nach einem dazu passenden Appellativ. Das Appellativ, das den aus dem Steigerwald kommenden, im Unterlauf zu Überflutungen, die zur Versumpfung führten, neigenden Fluss am besten charakterisierte, war das deutsche Wort schwappen . Das DWB, Bd. 15 (DWB XV), Sp. 2281, gibt als Bedeutung von schwappen folgende Beschreibung: „eigentlich von flüssigkeiten, 8 Setzt die sachliche Gleichsetzung von (althochdeutsch) Suāba ‘die Schwaben’ mit den Alemannen voraus und dass die „Mainsueben“ sich Suāba nannten bzw. genannt wurden. 9 Reitzenstein 2009: 203. 10 Wailersbacher 1986: 18f. 11 Sueben: Wikipedia . 12 Zum Alter der mit Schwabbenannten Gewässer, vgl. auch Fastnacht 2002: 13–18. 13 Muser 2024b: 4–7. 14 Muser 2024b: 6.
6 plätschernd, klatschend anschlagen, überflieszen (daneben schwippen, schwuppen), überflieszen machen, übergieszen, überschütten; von unfesten, schwammigen, weichen, fetten massen, schlottern, schwanken u. ähnl.“ und führt als ältesten Beleg an: Joh. Barth, weiberspiegel, 1565: „mit dem wasser etc. im tragen schwappen“. Mit diesem etymologischen Hintergrund gesellt sich die Schwappach zu einer Gruppe von Fließgewässern im Einzugsbereich des Mains und des Neckars, wie z.B. Schwabbach und Schwabach 15 , für die ähnliche geologisch-hydrographische Bedingungen gegolten haben dürften wie die für die Schwappach oben beschriebenen. Die historischen Belege für alle Namen ergeben in summa folgendes Bild: 8. Jh. Suabaha , 9.Jh. Suabah , 11.Jh. Suapaha , Svaba , 12.Jh. Suaba , 13.Jh. Swapah , Swapach , 14.Jh. Swabach , 15.Jh. Swapach , Schwabach . Die in den Schreibungen feststellbaren Veränderungen des Namens im Verlauf der Geschichte sind alle durch bekannte Lautwandlungen erklärbar. Als Ausgangsform für alle Namen kann ahd. *Swab-aha , mit Lautverschiebung *Swap-aha gelten. Der erste Bestandteil des Flussnamens *Swab-aha kann etymologisch mit dem Verbstamm von nhd. schwabb-en , (mit Lautverschiebung) schwapp-en (s.o.) in Verbindung gebracht werden – mit dem Unterschied, dass der Verbstamm gegenüber dem Nominalstamm *swabim Auslaut verdoppelt ist, was eine Intensivierung der Bezeichnung des (iterativen) Vorgangs des Überfließens bezweckte und onomatopoetisch bedingt ist (vgl. die Interjektion schwapp! ). Die weitere Etymologie von germanisch *swabist unklar; es dürfte sich um eine westgermanische lautsymbolische Wortschöpfung handeln. Semantisch und morphologisch nahe steht das englische Wort swamp ‚unter Wasser setzen, überschwemmen; Sumpf‘ 16 , wenn man neben germ. *swabeine Auslautvariante germ. *swapannimmt, die um ein Nasalinfix (-m-) erweitert wurde 17 . 4. SUABAHA (KNETZGAU) – EIN PHANTOM-NAME? Bezieht sich der Beleg Suabaha aus dem Codex Eberhardi wirklich auf den ON. Schwappach (Gemeinde Knetzgau)? Ein Blick in das Digitalisat der Handschrift des Codex Eberhardi I, 152rb (Digitalisat Nr. 304) zeigt, dass Suabaha (ohne Trennungspunkt) vor Suabheim im Komplex von Orten, darunter Biergila (=Marktbergel, Mittelfranken) und Vrbareshei ( m ) (=Urfersheim, Mittelfranken) „in pago Rangewe“ (= Rangau, Mittelfranken), die „die comitissa Reginsuint“ dem Kloster Fulda schenkte, geschrieben steht. Bei dem Text handelt es sich um einen kopierten Auszug aus einer Traditionsurkunde, die auf das 9.Jh. datiert wird und in der Edition des Codex Eberhardi die Nummer 93 trägt 18 . 15 Vgl. DGNB 484; DONB 573. 16 Das DWB XV, Sp. 2198, setzt unter dem Stichwort Schwamm (ahd. swamp ) englisch swamp , mit deutsch schwappen in Beziehung. Die ursprüngliche Bedeutung von Schwamm war nach dem DWB ‘die nachgiebige schwankende Masse’. 17 Vgl. IEW I 1052. 18 Meyer zu Ermgassen 1995: 259.
7 Es erhebt sich die Frage, ob es sich bei dem Syntagma Suabaha Suabheim um zwei Orte handelt oder nur um einen. Der Beleg 9.Jh. Suabheim wird in Wikipedia–Schwebheim (Burgbernheim) zurecht auf das heutige Schwebheim (Stadt Burgbernheim, Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim, Mittelfranken) bezogen – und nicht wie bei Reitzenstein (2009: 205) auf Schwebheim (Landkreis Schweinfurt, Unterfranken). Bei Schwebheim (Mittelfranken) entspringt die fischreiche Aisch. Es ist denkbar, dass in den Vorlage-Dokumenten zum Codex Eberhardi < suabah heim> als Name einer Siedlung, das heutige Swebheim (Mittelfranken), geschrieben stand und der Kopist versehentlich oder absichtlich daraus zwei Namen machte: Suabaha und Suabheim . <suabah> halte ich nicht für einen Fließgewässernamen, sondern für einen Gebietsnamen, der sich auf das Quellgebiet der Aisch etwa eineinviertel Kilometer südlich der Ortsmitte von Schwebheim bezieht. Die Ausgangsform des Gebietsnamens (ahd.) *Suab-ahi n., später *Swebech , *Swebich , ist von germ. *swab- (s. Kap. 3) mit dem Kollektiv-Suffix ahd. -ahi abgeleitet 19 . Sobald *Suabah mit dem Grundwort - heim komponiert wurde, wurde *Suabah(i)heim haplologisch gekürzt zu Suabheim , später ebenso *Suebichheim zu Swebheim usw., mundartlich šwębɒ. Zum Vergleich kann der ON. Schwebda (Gemeinde Meinhard im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis), am Osthang des Meinhard an der Werra gelegen, herangezogen werden: 9.Jh . Suebada (Urkunde der Reichsabtei Fulda), 1243 Sueuede , 1269 in Swebede , ursprünglich Stellenbezeichnung *Swab-idi , von germ. *swab- (s.o.) mit dem Kollektivsuffix as. -ithi n. abgeleitet 20 . Damit haben wir ein synonymes Gebietsnamenpaar *Swab-ahi (in Mittelfranken) neben *Swab-idi (in Nordhessen), beide Namen sind von demselben Wortstamm germ. *swab- ‘das Überfließen’ mit unterschiedlichen Suffixen abgeleitet. Andererseits ist sicher, dass die Nennung von Suabaha zwar kein Phantomname ist, sie aber nicht auf Schwappach (Unterfranken), sondern auf Schwebheim (Mittelfranken) zu beziehen ist. 5. SCHWAPPACH: NACHTRAG ZUM DGNB Auch ohne den Beleg Suabaha im Codex Eberhardi kann die Schwappach in die Gruppe der Schwabach-Gewässernamen eingereiht werden und muss ins DGNB per Nachtrag aufgenommen werden. Der Flussname die Schwappach passt gut in die geographische Namenlandschaft um Knetzgau. Das Pendant zu Schwappach ist die auf der anderen MainSeite aus den Haßbergen kommende und in Haßfurt mündende Nassach (in Haßfurt zum Main) 21 . Beide Namen sind Komposita mit dem Grundwort ahd. aha ‘Fließgewässer’ und das Bestimmungswort bezieht sich auf hydrologische Besonderheiten (Überschwemmungsneigung, umgebende Flora). Aufgrund dieser Bildungsweise können sie einer 19 Bach 1953: § 193–195, 160–162. 20 Von der Forschung allgemein zu ahd. swebēn ‘wogen, wallen, sich bewegen, schwimmen’ gestellt, vgl. Udolph 2023: 148. 21 Zu Nassach vgl. DGNB 370.
8 Gewässernamenschicht zugerechnet werden, deren Benennung durch Siedler im frühen Mittelalter erfolgte. Älteren Namenschichten gehören nur der vorgermanische Name des Mains (lat. Moenus ) an sowie der in den Namen Haßfurt , Hassgau und Hassberge verbaute Gewässername germ. *Hasa , der alte Name der Nassach 22 . Zur jüngsten Gewässernamenschicht gehört der Name Löhrenbach , einer der Quellbäche der Schwappach, der nach dem Bestand von Lärchen (im Steigerwald) benannt ist 23 . LITERATUR Bach Adolf 1953: Deutsche Namenkunde II: Die deutschen Ortsnamen [German Onomastics II: German Place Names] 1, Heidelberg, Winter. Codex Eberhardi: Digitalisate des Codex Eberhardi [Digital copies of the Codex Eberhardi]: HStAM K 425 und HStAM K 426 . Zugang: https//arcinsys.hessen.de>arcinsys>list.action [Zugriff 20.01.2025]. DGNB: Deutsches Gewässernamenbuch: Etymologie der Gewässernamen und der zugehörigen Gebiets-, Siedlungsund Flurnamen [German Water Name Book: Etymology of Water Names and the Associated Area, Settlement and Field Names], von A. Greule, Berlin, Boston: De Gruyter, 2014. DONB: Deutsches Ortsnamenbuch [German Place Name Book], hrsg. von M. Niemeyer, Berlin, Boston: De Gruyter, 2012. Fastnacht Dorothea 2002: Der Ortsname Erlangen. Siedlungsgeschichte von Alterlangen und Erlangen aus namenkundlicher Sicht [The Place Name Erlangen. Settlement History of Alterlangen and Erlangen from an Onomastic Perspective]. – Jahrbuch für fränkische Landesforschung 62, [1–20]. Zugang: http://daten.digitalesammlungen.de/bsb00048855/image_15 [Zugriff 03.02.2025]. Greule Albrecht 2016: Gewässernamenschichten im Main-Donau-Raum [Water Name Layers in the Main-Danube Region]. – Römer – Baiern – Franken. Archäologie, Namenforschung, Sprachgeschichte im Main-Donau-Raum [Romans – Bavarians – Franks. Archaeology, Onomastics, Language History in the Main-Danube Region] 7, hrsg. von. R. Bergmann, S. Stricker, Bamberg: University of Bamberg Press, 9–23. IEW I: Indogermanisches etymologisches Wörterbuch [Indo-European Etymological Dictionary] 1, von J. Pokorny, Bern, München: Francke Verlag, 1959. Meyer zu Ermgassen Heinrich, Hrsg., 1995: Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda [The Codex Eberhardi of the Fulda Monastery] 1, Marburg: Elwert. Muser Ernst 2024: Teilweise Umbenennung des Fließgewässers „Steinsfelder Mühlbach“ in den früheren amtlichen Namen „Schwappach“. Ablauf des behördlichen Verfahrens. Zusammenfassung [Partial Renaming of the River “Steinsfelder Mühlbach” to Its 22 Zu germ. *Hasa vgl. DGNB 210. 23 Zur chronologischen Schichtung der Gewässernamen in Franken, vgl. Greule 2016.
9 Former Official Name “Schwappach”. Course of the Administrative Procedure. Summary] (persönliche Mitteilung an A. Greule vom 21.10.2024). Muser Heribert 2024a: Die Bedeutung des Ortsund Gewässernamens „Schwappach“ [The Meaning of the Place and Water Name “Schwappach”], Teil 1. – Der Steigerwald 44(1), 3–7. Muser Heribert 2024b: Die Bedeutung des Ortsund Gewässernamens „Schwappach“ [The Meaning of the Place and Water Name “Schwappach”], Teil 2. – Der Steigerwald 44(2), 4–11. Reitzenstein Wolf-Armin Frhr. v. 2009: Lexikon fränkischer Ortsnamen Herkunft und Bedeutung. Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken [Lexicon of Franconian Place Names: Origin and Meaning. Upper Franconia, Middle Franconia, Lower Franconia], München: C. H. Beck. Sperber Rüdiger, Bearb., 1970: Das Flussgebiet des Mains: Hydronymia Germaniae [The River Basin of the Main: Hydronymia Germaniae], Reihe A, Lieferung 7, begr. von H. Krahe, hrsg. von W. P. Schmid, Wiesbaden: Steiner. Udolph Jürgen 2023: Namen – Zeugen der Geschichte [Names – Witnesses of History], hrsg. von K. Casemir, U. Ohainski, Heidelberg: Winter. Wailersbacher Rainer 1986: 700 Jahre Swapach – Eschenawe – Wunnawe, Ober-, Unterschwappach, Eschenau, Wohnau [700 Years of Swapach – Eschenawe – Wunnawe, Ober-, Unterschwappach, Eschenau, Wohnau], hrsg. von G. Knetzgau, Haßfurt: Tagblatt-Druckerei. ONLINE-TEXTE DWB XV: Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm [German Dictionary by Jacob and Wilhelm Grimm] 15, digitale Version. Zugang: https://Wörterbuchnetz.de [Zugriff 28.1.2025]. Schwappach: Wikipedia . Zugang: https://de.wikipedia.org>wiki>Schwappach [Zugriff 10.1.2025]. Schwebheim (Burgbernheim): Wikipedia . Zugang: https://de.wikipedia.org>wiki>Schwebheim_(Burgbernheim) [Zugriff 25.1.2025]. Sueben: Wikipedia . Zugang: https://de.wikipedia.org>wiki>Sueben [Zugriff 18.1.2025].