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Zum Kapitalverkehr zwischen deutschen und ausländischen Kreditinstituten

Fuhrmann, Wilfried

Abstract

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Fuhrmann, Wilfried Article Zum Kapitalverkehr zwischen deutschen und ausländischen Kreditinstituten Kredit und Kapital Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Fuhrmann, Wilfried (1983) : Zum Kapitalverkehr zwischen deutschen und ausländischen Kreditinstituten, Kredit und Kapital, ISSN 0023-4591, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 16, Iss. 2, pp. 267-283, https://doi.org/10.3790/ccm.16.2.267 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/292964 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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Einführung Die Rahmenbedingungen der Kreditwirtschaft haben sich bereits in den letzten Jahren sowohl national als auch international erheblich verändert und sie werden in naher Zukunft noch weiteren, wesentlichen Neuerungen unterliegen. Die dadurch eintretenden Veränderungen im Bankensektor gewinnen dabei aus makroökonomischer Sicht insbesondere wegen ihrer Auswirkungen auf die Zentralbankpolitik, d.h., beispielsweise auf die Geldmengensteuerung sowie auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und Stabilität an Bedeutung. Die Anstöße der zu erwartenden „Umwälzungen" erfolgen zum einen über den hohen Grad der internationalen Offenheit bzw. die starke internationale Verflechtung des deutschen Bankensystems und zum anderen wesentlich aus technologisch bedingten Innovationen sowie aus Verhaltensänderungen. So werden infolge des „elektronischen Fortschrittes" ebenso vermehrt NichtBanken wie Kaufhäuser, Versicherungen usw. in den Bankenmarkt bzw. einige Teilmärkte eindringen, wie sich andererseits die Zahlungsund Portfoliogewohnheiten des Publikums strukturell verschieben werden. Innovationen in Form von besonders fungiblen Zertifikaten oder Kassenscheinen, wie beispielsweise die sogenannten CD's oder die NOWand ATS-Accounts (Hester 1981, Issing 1981) bei einem sich besonders verschärfenden Zinswettbewerb, bedingen diese Verhaltensänderungen ebenso wie sie ihrerseits Reflex auf veränderte Gewohnheiten und Präferenzen unter anderem in Abhängigkeit von den Erfahrungen steigender Inflationsraten sind. Über den hohen Grad an internationaler Offenheit des deutschen Bankensystems besteht für das Bankenmanagement ein ständiger Änderungsbzw. * An dieser Stelle möchte ich Herrn Prof. Dr. J. Rohwedder und Herrn Dipl.-Volkswirt H. Schräge für die Diskussionen und Anregungen danken. Herrn Präsidenten Dr. J. B. Schöllhom danke ich für die finanzielle Förderung und der Deutschen Bundesbank für die Unterstützung bei der Beschaffung der Daten. 18 Kredit und Kapital 2/1983 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.16.2.267 | Generated on 2023-01-16 12:49:05 268 Berichte Anpassungsdruck. Die Expansion der Euro-Märkte, Offshore-Plätze und Freihandelszonen mit der Tendenz eines Inter-Center-Arbitrage-Gleichgewichtes erzwingen jeweils eine höhere sowie ausgedehntere Flexibilität im sogenannten „day-by-day-management" und eine auf die mittelund langfristige Periodizität von Zahlungsströmen und Risikoereignissen ausgerichtete Konzeption. Dieses gilt insbesondere angesichts der Ausdehnung der auf den internationalen Finanzmärkten gehandelten Titel auf eine Vielzahl von Währungseinheiten und der wachsenden Größenordnungen in den (Projektund Länder-)Krediten mit der Bildung von Konsortien, Kooperationen und Syndikaten jedweder Art und dem daraus entstehenden, zeitlich anhaltenden und zum Teil kumulierenden Gefährdungspotential in Form von Kettenreaktionen. Das steigende Engagement des deutschen Bankensystems im sogenannten internationalen Banking, welches zu einem Großteil sicherlich Bedingung und Reflex einer offenen, expandierenden Industriegesellschaft ist, birgt dabei neben Chancen für das nationale Geldund Kreditsystem auch die Gefahr, eine ständige Quelle von Erschütterungen und Instabilitäten zu werden. Diese Gefahr ist dabei - wie die internationale Finanzkrise um Herstatt und Franklin-National 1973/74 demonstrierte - um so größer, je weniger die herrschenden Institute mit den aus den Innovationen resultierenden neuen Entwicklungen vertraut sind und je weniger ihnen ihre eigenen Verhaltensweisen in diesem Lernprozeß transparent geworden sind. Im Laufe der Geschichte ist nun dabei ebenso immer wieder zu beobachten, daß die nationale Bankenaufsicht ihr Instrumentarium in Form von Grundsätzen, Obergrenzen oder Richtlinien zumeist nur anpassend ändert, d.h., erst nachdem Gefährdungen und Krisen offen zu Tage getreten sind. Dieses gilt in der Vergangenheit für den Grundsatz Ia zur Begrenzung der Risiken aus dem Devisengeschäft (1974) ebenso wie für die sogenannte Sofortnovelle zur Begrenzung der Risiken aus Großkrediten (1976) oder die Einbeziehung von Edelmetallpositionen in den Grundatz Ia (1980). Es gilt aber auch für die Überlegungen zur Neuberechnung des haftenden Eigenkapitals oder einer Bankenaufsicht auf der Grundlage von konsolidierten Konzerndaten. Wie lang der Weg einer Änderung ist, die stets über den Vergleich der Verhaltensweisen der Institute und stets im Einvernehmen mit diesen erfolgt, zeigt das Gentleman's Agreement von 1978 mit seinen Einschränkungen bezüglich des Bankplatzes und der einbezogenen Institutsgruppen und Beteiligungen. Die für die Bundesrepublik dabei gleichzeitig zeitweise eintretende Entwicklung der D-Mark zu einer internationalen Reserveund Anlagewährung mit der Tendenz von Ausländern, insbesondere kurzfristige DM-Anlagemöglichkeiten zu suchen (und von inländischen Banken, längerfristige Kredite ans Ausland zu geben), versuchte die Deutsche OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.16.2.267 | Generated on 2023-01-16 12:49:05 Berichte 269 Bundesbank unter anderem über eine freiwillige Absprache mit den Banken zur Einschränkung bzw. Nicht-Ausdehnung des „Sortimentes" bzw. der Palette von Anlagemöglichkeiten für Ausländer zu steuern (Monatsbericht November 1979). Eine „kompensierende" Entwicklung der Euro-Märkte (DM-Certificates of deposites etc.) bei gleichzeitiger Verlagerung derartiger Geschäfte aus dem normalen Auslandsgeschäft der deutschen Banken zu ihren Auslandstöchtern usw. erscheint wahrscheinlich (Neumann 1981). Sie bedingt angesichts der relativ steigenden Schwierigkeiten in der Kontrollierund Steuerbarkeit des Geldund Kreditangebotes einer EuroWährung (Fuhrmann 1979) dann möglicherweise kumulative, die EuroMärkte betreffende Reglementierungen oder Absprachen. Wissenschaftliche Analysen über die Verhaltensweisen und Reaktionsmuster deutscher Institute im Rahmen des internationalen Banking sind nahezu unbekannt. Dies liegt zum größten Teil in einer für wissenschaftliche Zwecke gerade in diesem Bereich ungenügenden veröffentlichten Datenbasis. Entsprechend versucht der folgende Beitrag mit Hilfe einer einfachen statistischen Kennziffer auf der Basis von Bestandsgrößen die Verhaltensweisen deutscher Banken zu analysieren. Der Ansatz erfolgt dabei nach Institutsgruppen, disaggregiert und analysiert den Kapitalverkehr zwischen den deutschen und ausländischen Kreditinstituten in seiner quantitativen Entwicklung ebenso wie strukturell anhand der Fristentransformation zur Kennzeichnung eines im Rahmen des internationalen Kreditengagements eingegangenen Risikos. II. Analyse der Fristentransformation im Rahmen des Kapitalverkehrs 1. Die empirischen Grundlagen Eine wesentliche Aufgabe eines Bankensystems liegt unbestritten in der Fristentransformation. Dabei führen innerhalb eines Systems nicht notwendigerweise alle Banken bzw. Institutsgruppen jederzeit eine positive Fristentransformation durch, die durch den Erwerb langfristiger Forderungen bei gleichzeitig eingegangenen kurzfristigen Verbindlichkeiten charakterisiert ist. Je länger c.p. die Fristigkeit der gewährten Kredite wird, desto größer ist das von dem Institut zu tragende Risiko. Bezogen auf die Kreditbeziehungen zwischen inund ausländischen Banken in Form von Bestandsgrößen bedeutet dieses, daß in dem internationalen Kapitalverkehr für das inländische Institut bzw. Bankensystem ein um so größeres Risiko inkorporiert ist, je größer der (positive) Grad der Fristentransformation wird. 18* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.16.2.267 | Generated on 2023-01-16 12:49:05 270 Berichte Der Grad der Fristentransformation läßt sich (Fuhrmann 1981) über das Verhältnis des Gesamtwertes der in allen unterschiedenen Fristigkeitsgruppen gewährten Kredite, denen eine Kreditaufnahme gegenübersteht, zu dem um die gesamte Nettoposition des Institutes verminderten Wertes aller gewährten und aufgenommenen Kredite messen. Weist die Institutsgruppe bei der Kreditgewährung in keiner Fristigkeitsgruppe zu keinem Zeitpunkt einen Saldo auf, d.h., ist der Saldo zwischen gewährten und aufgenommenen Krediten bei der analysierten Gruppe gleich Null, so nimmt die Kennziffer den Wert eins an. Je geringer der Indexwert ist, d.h., je stärker sich die Maßzahl dem Wert Null nähert, desto höher ist bei positiver Fristentransformation dieses aus der internationalen Kreditgewährung kumulierte Risiko: 2 {Aji + Pjd ~ 2 Ui - P}11 Ri = —3- ^ L_ 2 (Aji 4P;i) - I 2 Ap - 2 Pji I j I j j I mit: Aji Forderungen der Institutsgruppe i an ausländische Kreditinstitute mit einer vereinbarten Laufzeit;; Pji Verbindlichkeiten der Institutsgruppe i gegenüber ausländischen Kreditinstituten mit einer vereinbarten Laufzeit;; i Kennzeichen der Institutsgruppe; j Index der Fristigkeit. Die Berechnung der Kennziffern erfolgt auf der Basis von Monatsdaten für die Zeit von Dezember 1974 bis April 1982, so daß die internationale Finanzkrise 1973/74 nicht direkt, sondern nur noch indirekt über die noch nicht den neuen Rahmenbedingungen angepaßten Bestandsgrößen in die Analyse eingeht. Die Forderungen und Verbindlichkeiten werden in die kurz- (j = 1), die mittel- (j = 2) und die langfristigen (j = 3) unterteilt. In den Bestandsgrößen der Aktiva und Passiva sind die Wechseldiskontkredite bzw. die im Ausland rediskontierten Wechsel ebenso enthalten wie die durchlaufenden Kredite. Darüber hinaus gehen in die Guthaben und Darlehen bzw. in die Sichtund Termingelder die Forderungen bzw. Verbindlichkeiten aus Namensschuldverschreibungen ein. Berücksichtigt werden ebenso die nicht-börsenfähigen Inhaber-Spar-Schuldverschreibungen, Sparkassenobligationen und ähnliche Titel. Die institutionale Untergliederung erfolgt in Anlehnung an die Einteilung der Deutschen Bundesbank, wobei hier die Gesamtheit aller berichtenden Institute untersucht werden: „Alle Banken" (AB), die Girozentralen und Landesbanken (GZ) sowie aus der Gruppe der Kreditbanken die Großbanken (GB), Privatbanken (PB) und deutschen Zweigstellen ausländischer Banken (ZW). OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.16.2.267 | Generated on 2023-01-16 12:49:05 Berichte 271 2. Die empirischen Beobachtungen In der Abbildung 1 sind die Entwicklungen der Indizes Rt für die Institutsgruppen i in der Analyseperiode dargestellt. Sie gestattet unmittelbar die im folgenden aufgeführten Beobachtungen: -Der Analysezeitraum läßt sich in die beiden Subperioden 1974 bis 1978 sowie 1980 bis 1982 mit der dazwischen liegenden Übergangsphase 1978/79 gliedern. - In der ersten Subperiode führen im Rahmen des internationalen Kapitalverkehrs die Gesamtheit aller Banken, die Girozentralen sowie die Großbanken im Gegensatz zu den Privatbanken und den inländischen Zweigstellen ausländischer Banken keine Fristentransformation durch. Die Privatbanken (inländischen Zweigstellen ausländischer Banken) führen insbesondere am Ende der ersten Subperiode eindeutig eine positive (negative) Fristentransformation bei relativ großer Variabilität infolge kleiner Bestandsgrößen durch. Das Bankensystem baute zunächst bis Februar 1976 einen Nettoforderungsbestand auf (28 Mrd. DM), den es danach hauptsächlich über einen kurzfristigen Nettokapitalimport unter anderem infolge der zufließenden Gelder aus spekulativen Devisenbewegungen im Frühjahr 1976 wieder reduzierte. Diese Entwicklung wurde dabei wesentlich durch die Großbanken getragen. Dabei suchten - wie es bei einer im Entstehen begriffenen Reservewährung zu erwarten ist - die Ausländer verstärkt Anlagemöglichkeiten im Inland, die sie insbesondere bei den Großbanken, aber auch bei den Girozentralen fanden. - Die Übergangsphase 1978/79 ist wesentlich dadurch gekennzeichnet, daß die Großund Landesbanken am langen Ende des Marktes in die Nettoschuldnerposition wechseln und eine negative Fristentransformation betreiben. Die inländische Liquiditätsenge, die durch ein häufiges Überschreiten des Grundsatzes III KWG (im Jahre 1979 waren es 122 Institute) sowie starke Zinsausschläge bei sinkenden freien Liquiditätsreserven und fluktuierenden Geldmengenaggregaten gekennzeichnet ist, bedingt dabei ursächlich die Variabilität der Kennziffer R für die besonders im kurzfristigen Geschäft engagierten Privatbanken. Während allerdings die Girozentralen ihre Nettogläubigerposition am kurzen Ende des internationalen Bankenmarktes beibehalten, entwickeln sich die Großbanken seit 1979 auch dort zum Nettoschuldner. Dieser Verlauf der Indexziffern für die Großbanken und Girozentralen steht mit der Entwicklung der Durchschnittskennziffern der Grundsätze II und III KWG in Ubereinstimmung. Ist die Ziffer des Grundsatzes III bei den Kreditbanken ohne Zweigstellen ausländischer Kreditinstitute im Durchschnitt größer als OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.16.2.267 | Generated on 2023-01-16 12:49:05 272 Berichte Abb. 1. Die Kennziffern zur Fristen transformation. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.16.2.267 | Generated on 2023-01-16 12:49:05 Berichte 273 bei den Girozentralen, so ist es beim Grundsatz II entgegengesetzt. Die Girozentralen nutzen ihren langfristigen (kurzfristigen) Kreditspielraum wesentlich stärker (schwächer) als die Kreditbanken, bzw. sind im langfristigen (kurzfristigen) Bereich wesentlich stärker (schwächer) restringiert als die Kreditbanken (Fuhrmann 1978, S. 118ff., 170ff.). Die Differenz der Durchschnittskennziffern (Kreditbanken ohne inländische Zweigstellen ausländischer Banken minus Girozentralen) entwickelte sich in den Jahren 1974 bis 1981 wie folgt: Differenz der Durchschnittskennziffern: Grundsatz 1974 1975 1976 1977 1978 1979 1980 1981 III 11,6 9,0 12,6 21,4 23,1 27,5 16,3 6,1 II -18,9 -19,1 -15,6 -12,0 -11,4 -5,6 -5,4 -5,1 Die Durchschnittskennziffer der Girozentralen war damit in Relation gesehen im Jahre 1979 bezüglich des kurzund mittelfristigen Kreditengagements besonders niedrig und bezüglich des langfristigen besonders hoch. Entsprechend führten die Girozentralen im Jahre 1979 eine wesentlich stärkere negative Fristentransformation durch als die Großbanken. Allerdings weisen beide Institutsgruppen in diesem Jahr den stärksten Grad der Transformation auf. Wie stark dabei die steigende Ausschöpfung des Grundsatzes II durch eine steigende langfristige Kreditvergabe an Länder mit Leistungsbilanzdefiziten bei einem sinkenden langfristigen inländischen Mittelaufkommen mit der Folge eines überproportional steigenden langfristigen Interbanken-Kapitalimportes bedingt war, ist aus der Entwicklung der Kennziffern natürlich allein nicht direkt zu entnehmen. Ebenso kann nur interpretiert werden, daß die Differenz im Grad der negativen Fristentransformation zwischen den Großbanken und den Girozentralen unter anderem aus dem steigenden (langfristigen) Finanzierungsbedarf der öffentlichen Haushalte und dem stärkeren (direkten und indirekten) wirtschaftspolitischen Druck auf die Kreditvergabe der Girozentralen (regionale Beschäftigungsprobleme, politisch „geförderter" Kapitalexport, usw.) im Verhältnis zu den Großbanken resultieren kann. Der kurzfristige Kapitalexport der Girozentralen ist dabei durch ihre relativ hohe Liquidität (Sparkassenverbund, Emissionstätigkeit, usw.) sowie die relativ (schwächere) Situation ihrer Töchter unter anderem im Euro-Markt bedingt. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.16.2.267 | Generated on 2023-01-16 12:49:05 274 Berichte - Die zweite Subperiode (1980/81) ist durch eine deutliche Parallelität der Entwicklung der Indexwerte bei einer insgesamt gegebenen Nettoschuldnerposition für die Gesamtheit aller berichtenden Institute und die Großbanken sowie eine leichte Nettogläubigerposition bei einer durchgeführten negativen Fristentransformation der Girozentralen und Privatbanken gekennzeichnet. So beträgt bei den Girozentralen im Juni 1980 (1981) der Nettoforderungsbestand 0,6 (1,8) Mrd. DM bei einem Forderungsbestand von 19,5 (21,5) Mrd. DM. Den Girozentralen kommt dabei die als Folge der sehr hohen Zinsen im Jahre 1981 zu beachtende starke Ökonomisierung der Geldhaltung der Inländer mit einer hohen (Geld-) Kapitalbildung besonders in Form kurzfristiger, nicht der Mindestreservepflicht unterliegender Bankschuldverschreibungen zugute. Bei den Großbanken spielen dabei die starke Position ihrer Euro-Töchter, die Aktivierungstendenz der Leistungsbilanz und das Finanzierungsverhalten der Unternehmungen sowie die Spekulation, insbesondere im Rahmen des Europäischen Währungssystems eine entscheidende Rolle, so daß die Großbanken seit November 1981 und damit nach dem sogenannten Realignment im Europäischen Währungssystem am 4.10.1981 wieder eine Nettogläubigerposition am kurzen Ende des internationalen Bankenmarktes einnehmen und ebenfalls eine negative Fristentransformation durchführen. Dabei haben die Gesamtheit „Aller Banken" zwischen Dezember 1980 und Dezember 1981, d. h. in der zweiten Hälfte der zweiten Subperiode den Saldo der Nettoverbindlichkeiten zwischen deutschen und ausländischen Kreditinstituten um 13,2 Mrd. DM im Wege des Kapitalexportes reduziert, den sie insbesondere zwischen Dezember 1978 und Dezember 1979 über einen Kapitalimport von 23,3 Mrd. DM aufgebaut hatten. Während die Privatbanken in dieser zweiten Subperiode eine negative Fristentransformation durchführen, sind die inländischen Zweigstellen ausländischer Kreditinstitute in allen drei hier unterschiedenen Fristigkeitsgruppen in eine Nettoschuldnerposition hineingewachsen, die sich Ende 1981 auf insgesamt 9,2 Mrd. DM bei einem Forderungsbestand von 16,9 Mrd. DM beläuft. m. Die Entwicklung des Nettof orderangsbestandes 1. Die empirische Maßzahl Bei der Berechnung des Indexwertes Ri wurde der Nenner der Kennziffer um den absoluten Wert des Nettof orderungsbestandes bereinigt. Die Berechnung einer Maßzahl R? ohne die Berücksichtigung der Nettoposition hätte OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.16.2.267 | Generated on 2023-01-16 12:49:05 Berichte 281 der Banken einen Nettoverbindlichkeitsbestand aufbaute. Die gesamte Entwicklung der Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber ausländischen Kreditinstituten, die in absoluten Größen in den sieben Jahren des Analysezeitraumes um 1,34 und 2,19 v.H. gestiegen sind, kann dabei relativ problemlos anhand der bekannten Ereignisse wie beispielsweise der Währungsunruhen, des Ölpreis-Schocks oder der Iran-Krise erklärt werden. Es zeigt sich, daß die Banken mit diesem internationalen Interund IntraBankenhandel, der zum großen Teil einen Transmissionskanal zwischen den heimischen Geldund Kapitalmärkten und den Euro-Märkten bildet, offensichtlich über eine Möglichkeit verfügen, liquide Mittel anzulegen bzw. zu erhalten, die nicht stets der unmittelbaren Kontrolle der Deutschen Bundesbank zugänglich ist. Die Kreditinstitute haben somit offensichtlich eine Möglichkeit, um die Wirksamkeit einiger Maßnahmen der Deutschen Bundesbank zumindest zeitweise hinauszuzögern. Der über die internationalen Interbankkredite geführte Kapitalverkehr kann dabei aber auch Ausdruck einer gestiegenen Flexibilität des inländischen Bankensektors zur Absorption von im Inland auftretenden Schocks oder plötzlichen Veränderungen sein. Andererseits dient er natürlich gleichzeitig aber auch mit der Glättung von auf dem internationalen Bankenmarkt bzw. den Euro-Märkten auftretenden Störungen. Die internationalen Interbankbeziehungen stellen in diesem Sinne stets die potentielle Quelle einer Instabilität für die Geldund Kapitalmärkte der Bundesrepublik dar und werden somit die auf den internationalen Finanzmärkten auftretenden Unruhen „importieren". Die aus diesen Geschäften am internationalen Bankenmarkt resultierenden Risiken beziehen sich somit auf die Kontrollierund Steuerbarkeit der nationalen Geldmengenaggregate usw. seitens der Deutschen Bundesbank sowie auf die Solvenz und Liquidität einzelner Institute bzw. Institutsgruppen, wobei hier insbesondere auf die Risiken von Großoder Länderkrediten sowie auf die Kooperationsbzw. Kettenrisiken infolge vermehrter Konsortialkredite hinzuweisen ist. Gehört die Sicherheit der Stabilität des nationalen Bankensystems und daraus abgeleitet der Solvenz und Liquidität der Institute zu den Aufgaben einer nationalen Bankenaufsicht, so erscheint die Schaffung von speziellen Grundsätzen für diese internationalen Interbankkredite im Rahmen des KWG sowie einer Bankenaufsicht auf der Basis konsolidierter Konzerndaten sinnvoll und notwendig. Wilfried Fuhrmann, Kiel OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.16.2.267 | Generated on 2023-01-16 12:49:05 282 Berichte References Branson, W. H J Hill, R. D. (1971): Capital Movements in the OECD Area: An Econometric Analysis; OECD, Economic Outlook, Occasional Studies, Paris. - Fuhrmann, W. (1978): Die Aktivastruktur deutscher Banken, Berlin. - Ders. (1979): Das heimische Geldund Kreditangebot einer Euro-Währung, Kredit und Kapital, S. 56 - 72. - Ders. 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Folglich werden ein spezieller Überweisungsweg bzw. die Kapitalbewegungen zwischen inländischen und ausländischen Banken analysiert. Eine große Palette von Verhaltensweisen der institutionell aufgegliederten, disaggregierten deutschen Banken als auch der Zeitablauf der Kapitalströme wird aufgedeckt. Zum Zwecke eines stabilen nationalen Banksystems erscheinen sowohl bankrechtliche als auch bankaufsichtliche Änderungen nicht nur wünschenswert, sondern auch möglich. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.16.2.267 | Generated on 2023-01-16 12:49:05 Berichte 283 Summary Capital Movements Between German and Foreign Banks This article emphasizes the increasing international linkages between the various national moneyand capital-markets. This is due, first of all, to innovations and new procedures in international banking. Thus a special transmission channel resp. the capital movements between domestic and foreign banks are analysed. A great variety in the pattern of behaviour of the institutionally disaggregated German banks as well as in the capital-flow in time has been detected. For the purpose of a stabilized national banking system changes of bank regulations and supervision seem desirable as well as possible. Résumé A propos des mouvements de capitaux entre les établissements bancaires allemands et étrangers Cet article met particulièrement en évidence l'interpénétration internationale croissante des divers marchés monétaires et financiers nationaux. La responsabilité principale en incombe aux innovations et à de nouveaux développements dans les affaires bancaires internationales. L'on analyse ensuite une procédure spéciale de virement et les mouvements de capitaux entre banques indigènes et étrangères. Et l'on découvre un large éventail de conduites des banques allemandes institutionnellement spécialisées ou décentralisées ainsi que dans le déroulement des flux de capitaux. Aux fins de la stabilité du système bancaire national, des amendements de la législation et du contrôle bancaires paraissent non seulement souhaitables, mais même réalisables. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.16.2.267 | Generated on 2023-01-16 12:49:05