Johann Heinrich von Thünen und die Agrarökonomie heute
Abstract
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Full text
Schmitt, Günther Article Johann Heinrich von Thünen und die Agrarökonomie heute Zeitschrift für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften (ZWS) - Vierteljahresschrift der Gesellschaft für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften, Verein für Socialpolitik Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Schmitt, Günther (1983) : Johann Heinrich von Thünen und die Agrarökonomie heute, Zeitschrift für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften (ZWS) - Vierteljahresschrift der Gesellschaft für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften, Verein für Socialpolitik, ISSN 0342-1783, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 103, Iss. 6, pp. 641-659, https://doi.org/10.3790/schm.103.6.641 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/291567 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Johann Heinrich von Thünen und die Agrarökonomie heute Von Günther Schmitt* Der Beitrag geht der Frage nach, ob, in welcher Weise und mit welchen Ergebnissen die von Johann Heinrich von Thünen anhand seines isolierten Staates abgeleitete Intensitätsund Standorttheorie der Agrarproduktion noch über das Methodische seiner Vorgehensweise hinaus Einsichten und Erkenntnisse darüber zu vermitteln vermag, die Aufschluß über Rolle und Probleme des Agrarsektors in einer industrialisierten, wachsenden und internationalen Arbeitsteilung unterworfenen Volkswirtschaft — Fragestellungen der heutigen agrarökonomischen Forschung — zu geben vermögen. I. Wer die wirtschaftswissenschaftliche Literatur unserer Tage überprüft — und ich schließe hierunter selbstverständlich auch das agrarökonomische Schrifttum ein — der wird die seltsam anmutende Feststellung treffen müssen, daß in den wissenschaftlichen Publikationen auf diesem Gebiet das 1826 in seinem ersten Teil erschienene Hauptwerk Johann Heinrich von Thünens „Der isolierte Staat in Beziehung auf Landwirtschaft und Nationalökonomie" kaum mehr Erwähnung findet, geschweige denn dessen zahlreichen weiteren Arbeiten1. Feiern wir also heute, anläßlich seines 200. Geburtstages, das Werk und den Namen eines Mannes, der uns Ökonomen nichts mehr zu lehren vermag? Gilt dies für Thünen auch in einer Zeit, die sich unter dem Eindruck mancher Irrtümer wirtschaftstheoretischer Ansichten und wirtschaftspolitischen Handelns gerade anschickt, sich wieder der Lehren der Klassiker ihres * Arbeit aus dem Institut für Agrarökonomie der Universität Göttingen. — Es handelt sich um die überarbeitete Fassung des Festvortrages auf der am 24. Juni 1983 aus Anlaß des 200. Geburtstages von Johann Heinrich von Thünen von der Agrarwissenschaftlichen Fakultät der Universität Kiel und dem Kuratorium der Justus-von-Liebig-Preise der Stiftung F. V. S. in Hamburg in Verbindung mit der Gesellschaft für Agrargeschichte sowie der Gesellschaft für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften des Landbaues veranstalteten akademischen Feier in Kiel. 1 Die weiteren Veröffentlichungen Thünens sind systematisch erfaßt und kurz kommentiert im ersten Kapitel „Leben und Werk" von Asmus Petersen in dessen Standardwerk „Thünens isolierter Staat. Die Landwirtschaft als Glied der Volkswirtschaft" (Petersen [1944], 1 - 19). OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.103.6.641 | Generated on 2023-04-04 12:02:17
642 Günther Schmitt Faches, zu denen wir Thünen doch gewiß zählen dürfen, zu erinnern? Hat also letzten Endes doch Joseph Schumpeter recht behalten, der bereits 1914 die Meinung vertrat, daß Thünen „fast gar nichts bewirkt habe", weil „weder Ricardo noch Thünen Nachfolger gleichen Wertes entstanden seien" und „das Erbe in den Händen einer Schar von Epigonen verkommen sei, deren beste ... nichts anderes gegeben haben als eine mehr oder weniger vollkommene Darstellung und Interpretation der Lehre der Meister, die vom Standpunkt eines Systems sprachen"2? Wir haben uns zwar angewöhnt stets dann, wenn es gilt, anläßlich eines mit dem Leben und Werk verbundenen Jubiläums Thünen zu gedenken, uns des berühmten Satzes Wilhelm Roschers aus dem Jahre 1874 zu erinnern und zu wiederholen, daß es „gerechtfertigt ist, wenn wir Thünen als einen der Männer bezeichnen, welche nicht bloß vorübergehende Wellen im Strom des wissenschaftlichen Fortschritts, sondern Wendepunkte sind", daß „die Werke von Thünen zu denjenigen gehören, an welchen unsere Wissenschaft, sollte sie jemals sinken, die Möglichkeit hat, sich wieder aufzurichten"3. Erich Schneider schließt 1958 aus Anlaß des 175. Geburtstages Thünens an diesen Satz noch die Frage an, ob „es eine größere Anerkennung als diese für einen Forscher" gebe und fügt hinzu: „So wie wir uns heute vor diesem Lebensweg verneigen und seine Botschaft erneut dankbar vernehmen, so werden kommende Geschlechter aus der Klarheit seines Geistes und aus der Reinheit seines Herzens Erleuchtung und Kraft schöpfen"4. Mit einer solchen Einschätzung schien sich ganz die Prophezeiung bewahrheitet zu haben, mit der Thünens Freund Staudinger auf dessen an seinen Bruder gerichtete Klage, wonach „es für das Publikum kein Bedürfnis ist, über die Gegenstände, die mich von jeher am lebhaftesten interessiert haben, zu Klarheit zu gelangen", erwiderte: „Dein Werk ist dieser Generation, die nur weiche Speise in Breioder Ragoutgestalt vertragen kann, zu stark und zu kräftig. Es wird aber die Zeit kommen, wo man mit Begierde aus seinen reichhaltigen Minen das gediegene edle Metall zu Tage fördern wird"5. Ist aber die Zeit, für die solches gültig war, schon wieder vergangen? Oder vielleicht noch gar nicht erreicht? II. Unbestritten ist wohl Thünens großer Beitrag zur methodischen Arbeitsweise der Ökonomie, der im Sinne einer modernen, auf Thomas 2 Der erste Teil des Zitats aus Schumpeter (1914), 55, der zweite aus Schumpeter (1954), 84. 3 Roscher (1874), 902. * Schneider (1959), 28. ß Zitiert nach E. Schneider (1959), 18. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.103.6.641 | Generated on 2023-04-04 12:02:17
Johann Heinrich von Thünen und die Agrarökonomie heute 643 Kuhn6 zurückreichenden Wissenschaftstheorie als fast klassisches Beispiel eines Paradigmawechsels in der Wissenschaftsgeschichte der Agrarund Nationalökonomie gelten darf. Ein solcher Paradigmawechsel vollzieht sich immer dann, wenn sich eine Wissenschaft in ihren tradierten Erklärungsmustern und Methoden gleichsam festgefahren hat, weil diese es nicht mehr vermögen, neu auftauchende Probleme und Fragestellungen zu bewältigen. Dazu bedarf es eines ganz neuen Wurfs, einer neuen Theorie, einer neuen Methode, die diese Wissenschaft aus ihrer unfruchtbaren Erstarrung befreit und zu neuen Ufern führt. Zwar wehrt sich die alte und tradierte Denkweise stets vehement gegen solche revolutionäre Neuerungen, indes verliert sich mit fortschreitender Zeit dieser Widerstand, weil das Neue sich auf Dauer in seiner Fähigkeit als überlegen erweist, bisher Ungeklärtes, mit der Realität offenbar in Widerspruch Stehendes einer Klärung und einer Überwindung dieses Widerspruchs entgegenzuführen. Solches läßt sich auch in bezug auf Thünen zeigen: Um die Jahrhundertwende spätestens haben zunächst die landwirtschaftliche Betriebsund Standortlehre vor allem unter dem Einfluß von Friedrich Aereboe7 und Theodor Brinkmann8 Thünens Intensitätsund Standorttheorie aufgenommen, zu einer allgemeinen Theorie des landwirtschaftlichen Betriebes entwickelt und kraft ihres großen Einflusses auf die landwirtschaftliche Betriebswirtschaftslehre in Europa zu rascher Verbreitung und Anerkennung geführt9. In den 50er und 60er Jahren wurde diese Entwicklung dadurch weitergeführt, daß die in den Vereinigten Staaten entwickelten einzelbetrieblichen Planungsmethoden es ermöglichten, die überwiegend qualitativen Aussagen über Bestimmungsgründe, Maßstäbe und Formen optimaler Betriebsgestaltung nunmehr auch quantitativ zu bestimmen10. Zugleich erlaubten es diese Planungsverfahren über die Bestimmung der optimalen Organisation des landwirtschaftlichen Einzelbetriebes hinausgehend, die optimale räumliche Verteilung der Agrarproduktion in einer Region zu ermitteln und damit wieder sowohl den Anschluß an die eigentliche Fragestellung Thünens zu finden11 als auch die Verbindung mit der allgemeinen Raumwirtschaftstheorie herzustellen12, die in ihrer stärker industriell ausgerichteten Variante Thünens Gedanken fast zur gleichen Zeit aufgenommen hat wie die landwirtschaftliche Betriebslehre diejenigen der Thünenschen Intensitätslehre13. Noch umfassender war indes sein Einfluß auf e Vgl. dazu Kuhn (1967). 7 Aereboe (1917). s Brinkmann (1922). ® Vgl. dazu Woermann (1959) und insbesondere Nou (1967), 322 ff. 10 Vgl. dazu Brandes und Woermann (1971). 11 Vgl. dazu Henrichsmeyer (1976) und die dort angeführte Literatur. 12 Siehe hierzu v. Böventer (1981) und die dortigen Literaturangaben. 13 Vgl. dazu v. Böventer (1962). OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.103.6.641 | Generated on 2023-04-04 12:02:17
644 Günther Schmitt die methodische Arbeitsweise der Ökonomen, zumindest so weit man bereit ist, Erich Schneiders Würdigung Thünens zu folgen, der aus der Anwendung der von ihm vorgezeichneten Partialund Marginalanalyse, der Differentialrechnung und der komparativ-statischen Betrachtungsweise durch, die Neoklassik auf diesen grundlegenderen methodischen Beitrag Thünens zur Nationalund Agrarökonomie schließt14. Dafür spricht auch, daß gerade der große englische Nationalökonom und Vater der Neoklassik, Alfred Marshall, in Thünen seinen eigentlichen Lehrer erkannt hat und in seinen Lebenserinnerungen bekennt, ihn vor allen anderen „Meistern seines Faches" geschätzt zu haben15. Aber offenbar konnte sich auch Thünens Werk nicht dem Schicksal entziehen, das, folgt man weiter den bereits erwähnten Einsichten Kuhns, den meisten, einen Paradigmawechsel auslösenden wissenschaftlichen Fortschritten bereitet ist: Sie werden zur „NormalWissenschaft", bestimmen fortan das alltägliche Tun der Wissenschaftler, ohne daß diese noch große Aufmerksamkeit dem zuwenden, dem sie im einzelnen, in methodischer wie theoretischer Hinsicht dieses Tun verdanken. So mag wohl auch Schumpeters resignierende Feststellung verstanden werden. Auch Erich Schneider, als der jüngere Thünen-Interpret, der in dem von Thünen wenn nicht immer entwickelten, so doch mit größter Konsequenz angewandten methodisch-analytischen Instrumentarium die eigentliche, weil umfassendere und weitreichendere Leistung Thünens im Vergleich zu seinen hierdurch gewonnenen theoretischen Erkenntnissen im Bereich der landwirtschaftlichen Intensitätsund Standortlehre erkennt, urteilt, daß diese „allein ausreichen würden, um Thünen einen Platz neben den Großen unserer Wissenschaft zu sichern", denn „sie hatten auf die Wirtschaftstheorie bis auf den heutigen Tag befruchtend gewirkt, auch da", so fügt er freilich hinzu, „wo sein Name in Vergessenheit geraten scheint"16. III. Freilich muß es wohl noch eine weitere Erklärung dafür geben, daß Thünen so sehr aus dem Gedächtnis der Agrarund Nationalökonomen geraten ist. Und diese liegt sicher am eigentlichen Gegenstand seiner Untersuchungen, seinem isolierten Staat nämlich und den hieraus abgeleiteten Implikationen für das wirtschaftliche Geschehen innerhalb dessen Grenzen. Dieser isolierte Staat ist, anders gewendet, doch ein Staat, der weit von den Realitäten eines modernen Staatswesens abweicht, das so weit und so tief in dieses Wirtschaftsgeschehen eingreift, 14 Schneider (1959). is Zitiert nach Schneider (1959), 18. io Schneider (1959), 27. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.103.6.641 | Generated on 2023-04-04 12:02:17
Johann Heinrich von Thünen und die Agrarökonomie heute 645 daß Thünen — so scheint es zumindest auf den ersten Blick — uns nichts mehr zu lehren vermag, schon gar nichts, was uns helfen könnte, eben dieses staatliche Handeln zutreffend zu beurteilen und zu gestalten. Thünens „Staat" ist ja gewiß und zunächst einmal nur eine Bezeichnung für einen auch nach außen abgegrenzten geographisch-wirtschaftlichen Raum, nicht aber Ausdruck eines binnenund außenwirtschaftlich organisierten Gemeinwesens, das sich bemüht, das Marktgeschehen innerhalb dieser räumlichen Grenzen so zu beeinflussen, daß zugleich Wachstum und Vollbeschäftigung, Stabilität und außenwirtschaftliches Gleichgewicht, aber auch eine „gerechte" Einkommensverteilung erreicht werden, die von einer allein marktund leistungsgesteuerten wesentlich abweicht. Überdies geht Thünen offenbar von so stark „idealisierten" Bedingungen aus — der ursprüngliche Titel „Der ideale Staat" seines Hauptwerkes deutet dies an —, daß dessen Übertragung auf die Wirtschaftswirklichkeit zumindest unserer Tage kaum hoffen läßt, hieraus Erkenntnisse für das heutige Wirtschaftsgeschehen ziehen zu können. Thünens Lebenswerk war allerdings, genau genommen, auf die Frage nach dem „Gesetz ausgerichtet, wonach die Verteilung des Arbeitserzeugnisses zwischen Arbeitern, Kapitalisten und Grundbesitzern naturgemäß geschehen soll", vor allem nachdem er erkannt hatte, daß „in unserer Zeit aber, wo die Arbeiter mehr und mehr zum Bewußtsein über ihre Lage und ihre Rechte gelangen und künftig mit unwiderstehlicher Macht an der Gestaltung des Staats und der Gesellschaft teilnehmen werden — jetzt die Frage über die naturgemäße Verteilung des Einkommens zu einer Lebensfrage für das Fortbestehen der Staaten und der bürgerlichen Gesellschaft wird"17. Deshalb sah er in der berühmten, später auf seinen Wunsch hin seinen Grabstein schmückenden Lohnformel, wonach der „natürliche", der gerechte Lohn der Wurzel aus dem Produkt aus Existenzminimum und Produktivität entspricht, die eigentliche Krönung seines Lebenswerkes. Indes wissen wir heute, daß diese Lohnformel uns nicht dazu verhilft, die Verteilungsfrage objektiv zu entscheiden und sie damit aus dem Streit von Ideologie, Macht und Interessen herauszuhalten. Auch suchen wir vergebens bei Thünen nach Begriffen wie Wachstum, Vollbeschäftigung, Stabilität und außenwirtschaftliches Gleichgewicht, zumal Thünens eigentliches Modell ein solches komparativ-statischer Natur ist, dynamische Veränderungen und Anpassungsprozesse also nicht kennt. Insofern mag es wenig verwundern, daß uns sein isolierter Staat offenbar nicht zu lehren vermag, wie solche Abweichungen von den, 17 Thünen (1966), 460. Alle Zitate aus seinem „isolierten Staat" beziehen sich auf die 4. unveränderte Waentig-Ausgabe. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.103.6.641 | Generated on 2023-04-04 12:02:17
646 Günther Schmitt allenfalls langfristig erreichbaren Gleichgewichtszuständen einer Volkswirtschaft theoretisch zu erklären und wirtschaftsund agrarpolitisch zu steuern seien. Gerade aber der Überwindung derartiger kurzund mittelfristiger Ungleichgewichte galt und gilt noch immer gegenwärtig das Hauptinteresse der wirtschaftstheoretischen Forschung und der wirtschaftswie agrarpolitischen Gestaltung durch Staat und Gesellschaft. IV. Mittlerweile ist freilich deutlich geworden, daß die so verursachte, permanente Vernachlässigung der gleichsam auf ein Thünensches längerfristiges Gleichgewicht hindrängenden Marktkräfte ihren Preis, ihren allzu hohen Preis hat. Dabei haben wir uns leider von der Keynesianischen Prophezeiung trösten lassen, daß wir langfristig alle tot sein werden. Indes haben uns die langfristig wirksamen Fehlentwicklungen inzwischen eingeholt und dies auch ohne, daß wir darüber alle verstorben wären. Und insofern ist es nicht weiter verwunderlich, daß wir endlich beginnen, uns der Klassiker der Nationalökonomie und ihrer Lehren von den langfristig wirksamen Zusammenhängen wirtschaftlicher Erscheinungen und Prozesse zu erinnern. Zu fragen bleibt dabei allerdings, ob und inwieweit auch Johann Heinrich von Thünen jenen hervorragenden Platz unter den Klassikern wieder einnehmen wird, den er nicht nur wegen seiner ohnehin bedeutungsvollen Beiträge zur methodischen Arbeitsweise der Ökonomen, sondern auch und vor allem wegen seiner inhaltlich-theoretischen Erkenntnisse verdient. Herbert Giersch hat sich jüngst in seinem, dem 75jährigen Bestehen der Universität Mannheim gewidmeten Festvortrag über „Arbeit, Lohn und Produktivität" um eine Antwort auf diese Frage bemüht18. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, daß sich Thünen sehr wohl als außerordentlich fruchtbar erweist, wenn man es unternimmt, anhand des Modells des isolierten Staates die Probleme zu untersuchen, denen sich heute Wirtschaft und Wirtschaftspolitik auf dem Arbeitsmarkt, in ihren internationalen Wirtschaftsbeziehungen, hinsichtlich der Inflation usw. konfrontiert sieht, und man weiter versucht, die von Staat, Zentralbanken und gesellschaftlichen Gruppen zur Lösung dieser Probleme angewandten Maßnahmen und Strategien zu analysieren und mit den Erkenntnissen der modernen Wirtschaftstheorie zu verbinden. Ich kann und sollte wohl auch nicht die von Giersch gewonnenen Einsichten hier wiederholen, zumal er selbst die Absicht hatte, diese uns auch hier vorzutragen, hätte er an dieser Feierstunde teilnehmen können. Vielmehr möchte ich meine Sichtweise auf Agrarökonomie und 18 Giersch (1983). OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.103.6.641 | Generated on 2023-04-04 12:02:17
Johann Heinrich von Thünen und die Agrarökonomie heute 647 Agrarpolitik einschränken und für diesen Bereich zeigen, was uns Thünen bezüglich der dort anstehenden Fragen und Probleme zu lehren in der Lage ist. V. Lassen Sie mich aber zunächst das Thünen-Modell des isolierten Staates in seinen Grundzügen vorführen, jedoch nur insoweit es für unsere späteren Erörterungen notwendig erscheint. Thünen stellt sich die höchst einfach anmutende Frage, „wie sich bei konsequenter Bewirtschaftung, d. h. bei Streben nach maximalem Reinertrag, der Ackerbau mit der Änderung der Kornpreise ändern wird"19. „Änderung der Kornpreise" heißt bei ihm zunächst: Unterschiede in den loco-Hofpreisen für Agrarprodukte in Abhängigkeit von unterschiedlichen Entfernungen des Standorts der Produktion zu einem zentral gelegenen Markt hin, wie sie durch die damit verbundenen Transportkosten bedingt werden. Das Modell des isolierten Staates gibt darauf folgende Antwort: Bei angenommener Homogenität des Bodens und vollkommener Mobilität der beiden übrigen Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital konkurrieren die verschiedenen pflanzlichen und tierischen Produktionszweige untereinander um die Nutzung des Bodens und zwar sowohl hinsichtlich der Intensität des jeweiligen Faktoreinsatzes bei gleicher Form der Bodennutzung, als auch um die Nutzung des Bodens am gleichen Standort für die verschiedenen landwirtschaftlichen Produktionszweige. Entscheidend für Standortwahl und Intensität sind die Transportkosten, die mit wachsender Entfernung zum zentral gelegenen Markt ansteigen. Diese verschaffen den marktnahen Standorten einen Wettbewerbsvorteil, der sich in einer höheren Intensität der Bodennutzung und in einer Standortüberlegenheit anderen Produktionszweigen gegenüber niederschlägt, die mit höheren Transportkosten je eingesetzter Flächeneinheit belastet sind. Hieraus ergibt sich eine räumliche Anordnung der verschiedenen landwirtschaftlichen Produktionszweige in Form der bekannten Thünenschen Ringe. Die Intensität des Faktoreinsatzes nimmt mit zunehmender Marktentfernung kontinuierlich ab. Die theoretische Begründung für diese Gesetzmäßigkeiten gelingt Thünen bekanntlich mit Hilfe der Marginalanalyse, im einzelnen gestützt auf eine äußerst sorgfältige Auswertung der Buchführung seines Gutes Tellow in Mecklenburg. Diese Begründung lautet wie folgt: An der wirtschaftlichen Grenze des isolierten Staates, dort also, wo die Landbewirtschaftung in Wildnis übergeht, ist der Bodenpreis gleich Null, Kapital kommt nicht mehr zum Einsatz und der gesamte Ertrag der Bodenbewirtschaftung fällt der Arbeit als dessen Entlohnung zu. !» Schneider (1959), 9. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.103.6.641 | Generated on 2023-04-04 12:02:17
648 Günther Schmitt Dieses Grenzprodukt der Arbeit repräsentiert den Wert der zuletzt eingesetzten Arbeitseinheit und bestimmt somit die Höhe des Reallohns innerhalb des gesamten Wirtschaftsraumes des isolierten Staates, da Arbeit als vollkommen beweglich anzusehen ist. Analoges gilt für den Realzins, der dem entsprechenden Grenzprodukt des Kapitals entspricht. Da mit zunehmender Marktnähe die Transportkosten sinken, ergibt sich für näher am Markt produzierte Güter ein Lagevorteil, eine Differentialrente des Bodens, die Grundrente, die über den Zinssatz kapitalisiert den Preis des Produktionsfaktors Boden ergibt. Er stellt das Einkommen der Grundbesitzer dar und fällt den Landwirten, soweit sie Bodeneigentümer sind, zusätzlich zum Arbeitslohn zu. Da dieser ebenso wie der Kapitalzins im isolierten Staat gleich hoch ist, wachsen mit der Marktnähe Grundrenten und Bodenpreis, steigt die Intensität des Faktoreinsatzes und werden bei gleicher Marktnähe solche Produktionszweige bevorzugt, die aufgrund ihrer Transportkostenvorteile eine höhere Differentialrente gewähren als andere, um den Boden konkurrierende Bodennutzungszweige. Thünen hat allerdings insofern zu Mißverständnissen und sich einer daran anschließenden langen Diskussion Anlaß gegeben, als er bezüglich des Arbeitslohnes dessen überall gleiche nominale Höhe angenommen hat, die Reallöhne mit sinkenden Nahrungsmittelpreisen in Marktferne jedoch ansteigen ließ20. Dieses Ergebnis widerspricht indes der unterstellten vollkommenen Beweglichkeit der Arbeit. Ich erwähne dies deshalb, weil es für die Interpretation der Standorttheorie durch die Epigonen Thünens von einiger Wichtigkeit ist, vor allem aber, weil wir hierauf in anderem Zusammenhang noch zurückkommen werden. Erwähnt werden muß an dieser Stelle auch, daß sich hinter den eben geschilderten Konkurrenzbeziehungen zwischen verschiedenen Anbausystemen in gleicher Marktnähe des Thünenschen Systems eine Gesetzmäßigkeit verbirgt, die von ganz überragender Bedeutung für das Verständnis ökonomischer Prozesse ist. Die meisten Interpreten Thünens 20 Die von Thünen mit steigender Marktentfernung so begründete Abnahme der Reallöhne führt ihn zu der Formulierung seines zweiten Standortgesetzes (Thünen [1966], 285), wonach „von zwei Produkten, die dem Gewicht nach gleichen Ertrag von einer gegebenen Fläche liefern, dasjenige, das die meisten Produktionskosten erfordert, am fernsten von der Stadt erzeugt werden muß". Er begründet dies auch damit, daß die Preise der Produktionsmittel, da überwiegend landwirtschaftlichen Ursprungs, mit zunehmender Marktentfernung wie die Preise der Agrarprodukte fallen. Die sich hieran anschließende Diskusson hat sich vor allem an der Frage entzündet, ob in einer weiter fortgeschrittenen Volkswirtschaft die Produktionskosten einschl. der Reallöhne nicht mit wachsender Marktnähe ansteigen. Petersen (1944), 91 ff., der diese Diskussion ausführlich referiert und fortführt, meint deshalb, daß das „zweite Gesetz jedenfalls zu Thünes Zeiten galt". OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.103.6.641 | Generated on 2023-04-04 12:02:17
Johann Heinrich von Thünen und die Agrarökonomie heute 655 Staat den ärmeren Staat nennen wollen"42. „Jeder Staat", so fährt Thünen fort, sorge nur für sein eigenes Interesse, selbst dann, wenn der eigene Vorteil nur auf Kosten des anderen Staates zu erreichen ist". Unter diesen Prämissen untersucht nun Thünen, was in beiden Staaten geschieht, wenn „der reiche Staat die Einfuhr des Flachses und der Leinwand verbietet, um das Geld, was sonst dafür aus dem Lande ging, einzusparen, und um die eigenen Untertanen zur Erzeugung des Flachses und zur Fabrikation der Leinwand zu bewegen; wie wird", so fragt er erneut, „dies auf den Wohlstand 1. des reichen, die Einfuhr beschränkenden Staates A und 2. des ärmeren Staates B wirken?" Das Ergebnis seiner Analyse führt Thünen dann in folgenden Punkten vor, nämlich: „1. daß in dem ärmeren Staat B, der die Flachskultur betreibende Distrikt mit allen vom Flachsbau lebenden Menschen verschwindet; 2. daß die Stadt des reichen Staates A alle Fabrikanten, Handwerker usw., die bisher für diesen Distrikt arbeiteten, verliert und also an Größe, Reichtum und Bevölkerung abnimmt", da die dort jetzt infolge des Einfuhrverbotes produzierte Leinwand nur zu „einem viel höheren Preis als dem früheren Preis nach der Stadt geliefert werden" kann und überdies dem „Land des Staates A, der früher Getreide, jetzt aber Flachs erzeugt aus der Einführung des Flachsbaues trotz dieser Steigerung des Flachspreises kein Vorteil erwächst, überdies durch die Substitution des Getreidebaus durch den Flachsbau in der Stadt ein Mangel an Getreide entsteht, der so hervorgerufene Anstieg des Getreidepreises „Verarmung und Auswanderung unter der arbeitenden Klasse in der Stadt hervorruft — wenn keine neuen Erwerbsquellen eröffnet werden": „Aber das Sperrsystem selbst hat nirgends neue Erwerbsquellen geschaffen, wodurch der Lohn des Arbeiters erhöht und dieser zur Bezahlung eines höheren Getreidepreises in den Stand gesetzt werden könnte." ... Und „der Distrikt, welcher früher den Flachs erzeugte, kann sich nicht zum Kornbau, nicht zur Kultur anderer Gewächse wenden, weil der Preis des Getreides und der Handelsgewächse den Anbau derselben in dieser Entfernung von der Stadt nicht lohnt. Der bisher kultivierte Boden muß unangebaut liegen bleiben ... und alle Menschen, die bisher vom Flachs lebten, verlieren ihreji Erwerb und müssen auswandern". 3. „Indem also", so faßt Thünen seine Überlegungen zusammen, „der reiche Staat durch die Beschränkung der Handelsfreiheit dem Wohlstand des ärmeren Staates unvermeidlich eine tiefe Wunde schlägt, verwundet er sich zugleich nicht minder tief", weil, so würden wir heute seine Deduktionen in unserer Terminologie aus42 Alle hier vorgetragenen Zitate finden sich bei Thünen (1966), 318 ff. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.103.6.641 | Generated on 2023-04-04 12:02:17
656 Günther Schmitt drücken, er sich möglicher Handelsund Spezialisierungsgewinne zum Schaden seines eigenen Wohlstandes begibt. Thünen, der im übrigen genau weiß, welche Schwierigkeiten „eine richtige und vollständige Definition von dem Nationalreichtum" entgegenstehen, zeigt so mit größter Klarheit die wohlstandsmindernden Effekte protektionistischer Maßnahmen, auch wenn diese der besten Absicht folgen, die Einkommensverteilung zu korrigieren. „Man kann", so sagt er in anderem Zusammenhang und wohl an die Adresse der Politik gewandt, „von dem redlichsten Willen, seine Pflicht zu erfüllen, beseelt sein, und doch anderen großes Unrecht tun — wenn man nicht weiß und nicht erkennt, was Pflicht ist"43 — wenn man nicht weiß und erkennt, was die ökonomische Theorie lehrt, so mögen wir diese Warnung verstehen. Wir könnten, an die zuletzt vorgetragenen Deduktionen Thünens anknüpfend, nunmehr fortfahren und die hierzulande wie weltweit bestehenden Folgewirkungen des Agrarprotektionismus, ja des sich verstärkenden allgemeinen Protektionismus für die Industrieund Entwicklungsländer weiter verfolgen. Auch diese weiterführenden Überlegungen könnten auf den Einsichten aufbauen, die Thünen gewonnen hat. Gewiß ist dabei, daß Nationalund Agrarökonomie bei seinen Erkenntnissen nicht stehen geblieben sind, aber ebenso gewiß ist auch, daß deren Grundzüge unverminderte Gültigkeit bewahrt haben: Weder die formale Beschränkung des Thünenschen Modells auf eine komparativstatische Betrachtungsweise noch diejenige auf die Landwirtschaft, noch diejenige auf einen „Isolierten Staat" können Anlaß sein, die dort abgeleiteten Erkenntnisse als obsolet zu betrachten. Wir müssen indes solche weiterführenden Überlegungen hier abbrechen und wir können dies um so eher tun, als bereits aus dem Gesagten wohl deutlich geworden ist, daß Johann Heinrich von Thünen uns mehr gegeben hat als nur das methodische Rüstzeug zur Analyse ökonomischer und agrarökonomischer Probleme, mehr gegeben hat als nur eine Gleichgewichtstheorie der räumlichen Ordnung der Landwirtschaft einer Welt die nicht mehr die unsrige zu sein scheint: Thünen ist noch immer jenseits von diesen Leistungen, die für sich genommen allein ausreichen würden, ihn den Großen der Nationalökonomie zuzurechnen — um noch einmal Erich Schneider zu zitieren —, ein noch immer moderner Ökonom im besten Sinne einer solchen Bezeichnung — ein moderner Ökonom, der uns auch heute noch zu lehren vermag, wie die Probleme einer modernen Agrarund Volkswirtschaft zu verstehen, zu analysieren und zu behandeln sind. Dies erfahren wir vor allem dann, wenn wir Johann Heinrich von Thünen nicht nur preisen, sondern 43 Thünen (1966), 435. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.103.6.641 | Generated on 2023-04-04 12:02:17
Johann Heinrich von Thünen und die Agrarökonomie heute 657 ihn auch wieder gewissenhaft studieren. Ich kann mir nicht vorstellen, daß das Werk eines Mannes zweihundert Jahre nach dessen Geburt mehr an Anerkennung gewinnen könnte als durch eine solche Feststellung. Zusammenfassung Johann Heinrich von Thünens Modell der optimalen räumlichen Allokation der Agrarproduktion in seinem isolierten Staat hat auf die Agrarökonomie einen großen Einfluß ausgeübt ebenso wie in methodischer Hinsicht auf die gesamten Wirtschaftswissenschaften. Die (vermeintliche) Beschränkung auf einen von außenwirtschaftlichen Verflechtungen unabhängigen Agrarstaat ohne staatliche Aktivitäten und dynamische Anpassungen haben Thünen jedoch weitgehend vergessen lassen, soweit es sich nicht um die bei ihm im Vordergrund stehenden Intensitätsund Standortfragen handelt. Übersehen wurde dabei, daß Thünen implizit wie explizit auch Fragen behandelt, die heute im Zentrum der agrarökonomischen Forschung stehen wie Probleme der internationalen Arbeitsteilung, des Agrarprotektionismus und der Anpassung der Landwirtschaft an die Bedingungen einer wachsenden und nicht mehr vom Agrarsektor dominierten Volkswirtschaft. Summary The model of optimal allocation of agricultural production in space by Johann Heinrich von Thiinen has deeply influenced agricultural economics at the beginning of this century as well as general economics due to his methodical approach. However, the (pretended) restrictions on a self sufficient economy without international trade, government activities, and an industrial sector (and its impact on agriculture) has resulted in a wide spread neglect of Thiinen by modern agricultural economists except those dealing with problems of spatial allocation of farm production. However, in this respect agricultural economists have ignored that Thiinen has analysed implicitely as well as explicitely problems of international trade with farm products and the impact of protectionism on welfare, questions of adjustment of agriculture towards technological changes and the conditions of a growing and industrialized economy. Literatur Aereboe, F. (1917), Allgemeine landwirtschaftliche Betriebslehre. Berlin. Böventer, E. v. (1962), Die Struktur der Landwirtschaft. Versuch einer Synthese und Weiterentwicklung der Modelle J. H. v. Thünens. — (1981), Raumwirtschaft I: Theorie, in: Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft, 6, Stuttgart, Tübingen und Göttingen. Brandes, W. und E. Woermann (1971), Landwirtschaftliche Betriebslehre, 2, Hamburg und Berlin. Brinkmann, T. (1922), Die Ökonomik des landwirtschaftlichen Betriebes, in; Grundriß der Sozialökonomik, 7, Tübingen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.103.6.641 | Generated on 2023-04-04 12:02:17
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