Dynamik der organisierten Marktwirtschaft
Abstract
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Full text
Bayer, Hans Article Dynamik der organisierten Marktwirtschaft Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Bayer, Hans (1961) : Dynamik der organisierten Marktwirtschaft, Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft, ISSN 1619-6244, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 81, Iss. 4, pp. 37-54, https://doi.org/10.3790/schm.81.4.37 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/290973 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Dynamik der organisierten Marktwirtschaft Von Hans Bayer - Dortmund Inhaltsverzeichnis: I. Einheitliche Grundzüge der institutionalisierten Großunternehmen S. 39 — II. Entwicklungstendenzen zum institutionalisierten Großunternehmen S. 41 — III. Die Bedeutung der institutionalisierten Großunternehmen für die dynamische Stabilisierung S. 44 — IV. Das personenbezogene Kleinunternehmen in der organisierten Marktwirtschaft S. 50 Lange hat die Wirtschaftstheorie die Beideutung der abnehmenden Abstraktion zu wenig beachtet. Heute erkennt man klar die Grenzen der reinen Theorie und die Notwendigkeit der Untersuchung der Gesamtzusammeuhänge, wie sie in der gesellschaftlichen Wirklichkeit vor urns liegen. Dies trifft besonders für die Marktwirtschaft von heute zu, die in wesentlichen Problemen nicht mehr mit den Instrumenten der reinen Theorie erfaßt werden kann. Der Wettbewerb von heute ist geordnet, und zwar nicht nur etwa von oben her durch gesetzliche Regelungen, sondern von den Unternehmungen aus. Organisierte Marktwirtschaft ist, so betrachtet, vom Unternehmen aus gestaltete Marktwirtschaft; Ablauf und Entwicklung vollziehen sich anders als in einer Marktwirtschaft, in der wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten mit einer Art Automatik wirken. Die organisierte Marktwirtschaft unterscheidet sich grundsätzlich von einer zentralistisch geführten Wirtschaft dadurch, daß es eben die Unternehmungen sind, von denen die Wirtschaftsgestaltung ausgeht. Es ist klar, daß sich für das Modell einer Marktwirtschaft verhältnismäßig leicht exakte Gesetze aufstellen lassen. Selbst eine Dynamisierung der statischen Modelle ist möglich. Wie aber steht es hinsichtlich einer organisierten Marktwirtschaft? Lassen sich hier Entwicklungstendenzen erkennen? Gibt es eine innere Dynamik der organisierten Marktwirtschaft? Die Beantwortung dieser Fragen kann nicht allgemein mit theoretischen Überlegungen gelingen, «sondern muß ausgehen von den konkreten Tatbeständen. Aus der Beziehung zwischen Theorie und Erkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse kann sich eine Antwort auf die gestellten Probleme ergeben. Wenn organisierte Marktwirtschaft vom Unternehmen aus gestaltete Marktwirtschaft ist, dann können wir ihre Dynamik nur erfassen, OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.81.4.37 | Generated on 2023-04-04 11:30:33
38 Hans Bayer 422 wenn wir der Frage nachgehen, wie die Unternehmen für sich planen und entscheiden und dadurch die Marktwirtschaft gestalten. Das ist eine »ehr umfassende Problemstellung, die ian Rahmen eines Aufsatzes nur in einem begrenzten Bereich beiantwortet werden kann. Wir beschränken uns auf die Untersuchung der erwerbswirtschaftlichen Unternehmungen, und hier im wesentlichen auf die Frage, wie durch die Entscheidungen der institutionalisierten Großunternehmungen die Volkswirtschaft in ihrer Entwicklung beeinflußt wird. Trotz der von vornherein eingeengten Fragestellung ergeben sich Ausblicke, welche die neue und gehobene Bedeutung der personenbezogenen Mittelund Kleinunternehmen, und zwar auf Grund einer besonderen volkswirtschaftlichen, nicht nur allgemein gesellschaftspolitischen Funktion erkennen lassen. Bei der Unterscheidung zwischen institutionalisiertem Großunternehmen und personenbezogenem Mittelunternehmen geht es nicht so sehr um die Unternehmensgröße (Be<schäftigtenzahl, Gesamtumsatz und Höhe des investierten Kapitals), sondern um die Art der Unternehmensführung. Der Führer des institutionalisierten Unternehmens ist in seinen Entscheidungen in der Regel abhängig von Vorentscheidungen und Zustimmungen anderer Stellen des Unternehmens, das zu einer Einrichtung geworden ist, die Träger ständiger fortlaufender Aufgaben ist. Diese Daueraufgabe ist es, die alle ihre Beschäftigten verpflichtet. Sie gibt den einzelnen einen festen Platz, bedeutet einen Schutz gegen kurzfristige Zersplitterung der Kräfte, engt aber auch die Initiative des einzelnen wesentlich ein. Die institutionalisierten Unternehmen haben sozusagen ein Eigenleben gewonnen, gestützt auf wissenschaftliche Verfahren und Durchorganisierung der Verwaltungsapparatur. Die Objektivierungstendenzen, welche die moderne Wirtschaft charakterisieren, sind hier weitestgehend verwirklicht. Während die institutionalisierten Unternehmen innerhalb einer Branche, ja sogar von Branche zu Branche, in ihrem organisatorischen Aufbau kaum wesentliche Unterschiede aufweisen, gleichen die personenbezogenen Unternehmungen einander wenig; sie sind individualisiert wie die Persönlichkeiten, die sie tragen. Im personenbezogenen Unternehmen — gleichgültig, ob es nun Mitteloder Kleinunternehmen ist — ist der Führer des Unternehmens in seinen Entscheidungen weniger gebunden und der Initiative der einzelnen meist größerer Spielraum gelassen. Die Position des Führers im personenbezogenen Unternehmen ist betriebsintern meist weniger gefährdet als die des Managers. Eine Reihe von Reibungswiderständen fällt dadurch in der Regel weg. Immer aber muß es sich im Sinne der Begriffsbestimmung um ein Unternehmen und nicht um einen bloßen Betrieb handeln. Wenn der Führer des OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.81.4.37 | Generated on 2023-04-04 11:30:33
423 Dynamik der organisierten Marktwirtschaft 39 Mitteloider Kleinbetriebes wohl guter Techniker ist, aber nicht unternehmerische Qualitäten hat, kann eben sein Betrieb nicht Unternehmensfunktionen erfüllen. Es ist klar, daß die Unterscheidung zwischen institutionalisiertem und personenbezogenem Unternehmen nicht scharf gezogen werden kann. Es wäre eine grobe' Täuschung, wollte man glauben, etwa von der Rechtsseite her eine Entscheidung treffen zu können. Manche Familien-AG ist eindeutig personenbezogenes Mittelunternehmen. Für unsere Untersuchung, glaube ich, genügt die von der Unternehmensführung her getroffene Differenzierung1. I. Einheitliche Grundzüge der institutionalisierten Großunternehmen In den einleitenden Überlegungen zeigte es sich, daß eine Untersuchung über die Dynamik der organisierten Marktwirtschaft nicht so sehr ausgehen kann von theoretischen Überlegungen, sondern von der gesellschaftlichen Wirklichkeit. In einem Forschungsbericht2 habe ich eine Reihe von Großunternehmuiigen untersucht. Aus den Ergebnissen lassen sich gewisse einheitliche Grundzüge ableiten. Die }Zielsetzungen der einzelnen Unternehmungen sind -verschieden. Nimmt man möglichst hohen Gewinn als Ziel an, -erhebt sich die Frage, soll dieser höchste Gewinn im kurzen Zeitraum oider auf lange Sicht erreicht werden? Wird in den Begriff Gewinn auch das Moment der Sicherheit einbezogen? Kann man von höchsten Gewinnchancen sprechen, wenn man gleichzeitig hohes Risiko eingehen muß? Manche weisen darauf hin, daß sie wenigstens jenen Gewinn erzielen möchten wie andere Unternehmer derselben Branche. Häufig wird die Erweiterung und Sicherung des Marktanteiles als Ziel angestrebt. Anderen erscheint die Überlegenheit auf dem Gebiete der Forschung entscheidend. Das Moment der Sicherheit und Elastizität des Unternehmens spielt eine große Rolle. Die Elastizität wird insbesondere durch die sogenannte Diversifikation zu erreichen versucht. Aus diesen im einzelnen völlig unterschiedlichen Zielsetzungen lassen sich drei Hauptziele als wesentlich hervorheben: Wachstum des Unternehmens, Sicherheit und Rentabilität. Dieise Zielsetzungen stehen gelegentlich im Gegensatz. Im allgemeinen aber führt sinnvolle 1 Für andere Untersuchungen, insbesondere für quantitative Analysen von Struktur und Entwicklung der Gesellschaftsschichten, sind andere Verfahren notwendig. Vgl. insbesondere M. E. Kamp , Ein Verfahren zur Bestimmung von Größenstrukturen und ihrer Veränderungen in der gewerblichen Wirtschaft, Bad Godesberg 1960. 2 H. Bayer, Das Unternehmen als Wirtschaftsstabilisator, I.Band: Das Großunternehmen, Forschungsberichte des Landes Nordrhein-Westfalen, Nr. 907, Westdeutscher Verlag, Köln u. Opladen 1960. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.81.4.37 | Generated on 2023-04-04 11:30:33
40 Hans Bayer 424 Planung zur Vereinheitlichung der verschiedenen Ziele. Voraussetzung hierbei ist freilich, daß der long run-Gesichtspunkt zugrunde gelegt wird. In dem Vordringen des long run-Gesichtspunkteß liegt tatsächlich ein entscheidender Wandel der modernen Wirtschaft. Wir werden später sehen, wie gerade dadurch vom Unternehmen her ein Beitrag zum Ausgleich der konjunkturellen Schwankungen geleistet wird. Als wesentliches Ziel eines Unternehmens erscheint überwiegend sein Wachstum, gleichgültig ob es sich um Erhöhung oder Erhaltung des Marktanteiles in einer sich ständig erweiternden Branche handelt. Automation, Anwendung econometrischer Methoden, insbesondere auch des Operations research, haben nichts daran geändert, daß das Unternehmen einen Organismus darstellt. Jeder gesunde Organismus hat das Streben zu wachsen. Durch die Erhaltung oder Ausweitung des Marktanteiles des Unternehmens ist ein entscheidender Beitrag der Sicherheit des Unternehmens geleistet. Diese wird noch durch die erwähnte Diversifikation gestärkt, die im wesentlichen auch wieder ein Wachstum im Rahmen der Gesamtwirtschaftsentwicklung darstellt. Wenn wir von Erhaltung des Marktanteiles sprechen, so darf damit nicht die Vorstellung verbunden werden, als ob ein Unternehmen, das den Marktanteil erhalten will, diesen in einer Defensivstellung bewahren könnte. Im Gegenteil: ein Unternehmen wird nur dann erfolgreich sein können, wenn es offensiv vorgeht, d. h. ständig trachtet, Neues zu bringen, also den anderen eine ,.Nasenlänge" voraus ist. Dies wiederum iist nur möglich, wenn das Unternehmen auf dem Gebiete der Forschung führend ist. Hier liegt die Garantie für die Erfolge der Zukunft. Wenn so Wachstum und Sicherheit des Unternehmens gewährleistet sind, dann ist auf die Dauer auch der Gewinn zu erwarten. Profit ist, insbesondere in den großen Unternehmungen, im allgemeinen nicht mehr das primäre Ziel. Neben ihm stehen andere: Macht, Pries tige, insbesondere aber das Streben nach Sicherheit. Dies scheint sowohl für die USA als für die europäischen Länder zu gelten8. Es vollzieht sich meines Erachtens ein Wandel in der Stellung des Profitmotives in dem Unternehmen. Zweifellos spielt Profit auch heute noch in den Unternehmungsplanungen eine entscheidende und wesentliche Rolle, aber nicht mehr so sehr als Ziel der Unternehmungen, sondern als Sicherheitsspanne. Das Unternehmen ist bestrebt zu wachsen, sei es, um die Sicherheit zu gewährleisten, sei es aus Machtstreben oder der Freude, Neues zu schaffen. Der Profit steht hierbei nicht als Ziel im Vordergrund, sondern als Sicherheitsspanne. Wenn die Erfolgsaussichten einer Investition gerade an der Grenze liegen, 3 Vgl. u. a. H. Koontz u. C. O'Bonnel in D. W. Ewing, Long Run Planning for Management, New York, Seite 15. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.81.4.37 | Generated on 2023-04-04 11:30:33
425 Dynamik der organisierten Marktwirtschaft 41 wo Kosten und Einnahmen einander decken, danin besteht zweifellos die Gefahr, daß tatsächlich Verluste eintreten. Dann wird iman die Investition unterlassen, auch dann, wenn andere Motive sie anstreben ließen. Es sei denn, daß die Investition in der bestimmten Abteilung zwar ständig mit Verlust bedroht is/t, aber wesentlich wäre als Grundlage für die Rentabilität anderer Sparten der Unternehmung. Ich glaube, daß von dem Wandel der Stellung des Profitmotives ein wesentlicher Einfluß auf die Unternehmensplanung ausgeht. Die Tatsache, daß in sehr vielen Fällen der Profit nicht mehr Ziel, sondern Sicherheitsspanne darstellt, wirkt sich nicht nur im Unternehmen selbst, sondern darüber hinaus in der Ge&amtentwicklung der Wirtschaft aus. Das Unternehmen ist stärker als bisher mit der Gesamtentivicklung der Wirtschaft verbunden und dieser in sieiinen Zielsetzungen eher konform. Das ausgeglichene Wachstum der einzelnen Unternehmung entspricht der dynamischen Stabilisierung der Gesamtwirtschaft, d. h. der Sicherung eines annähernd ständigen Aufstieges. Auch in der einzelnem Unternehmung geht es darum, das Wachstum so zu gestalten, daß sich die Kräfte der verschiedenen Abteilungen ergänzen und verstärken. Mittel für die Erreichung der Ziele des Unternehmens sind Prognose, Unternehmensplanung und Durchführung des Planes. Diese Probleme waren Gegenstand der Internationalem Tagung der Sozialakademie Dortmund im Jahre 19594. Wohl kann auch die beste Prognose nicht die Unsicherheit beseitigen oder dem Unternehmer die letzte Entscheidung abnehmen. Wissenschaftlich fundierte Prognose engt aber die Fehlergrenzen der Unternehmensplanung ein. Ohne die Maßnahmen und Einrichtungen, die im allgemeinen als sogenannter Operations research zusammengefaßt werden, wäre die laufende Anpassung der langfristigen Unternehmen&plamung an die ständigen Änderungen in der Wirtschaft nicht möglich; ebensowenig eine entsprechend ras die und sachliche Durchführung der zentralen Entscheidungen. II. Entwicklungstendenzen zum institutionalisierten Großunternehmen Die Tendenz zum institutionalisierten Großunternehmen steht im Zusammenhang mit den allgemeinen Konzentrationstendenzen . Diese bestehen ja nicht nur im dem Zusammenschluß der Unternehmungen zu Kartellen und Konzernen, sondern ebenso in dem einseitigen Größerwerden einzelner Unternehmen, die dann in den verschiedenen 4 Wirtschaftsprognose und Wirtschaftsgestaltuiig. herausg. von H. Bayer, Duncker & Humblot, Berlin 1960. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.81.4.37 | Generated on 2023-04-04 11:30:33
42 Hans Bayer 426 Branchen bestimmenden Einfluß haben. Zahlenmäßig läßt sich dies« Entwicklung kaum auch nnr annähernd darlegen. G. Fürst hat in einer umfassenden Untersuchung über den Stand der Konzentration in Westdeutschland u. a. folgendes festgestellt5: „Für das produzierende Gewerbe zeigt sich im Vergleich der Situation des Jahres 1958 mit dem Zustand deis Jahres 1935 (Reichsgebiet), daß die Umsatzanteile der ,größten6 Unternehmen bei allen in die Berechnung einbezogenen Wirtschaftszweigen stärker gewachsen sind als Umsatzanteile der kleineren6 Unternehmen. Dabei sind als ,kleinere' Unternehmen jeweils etwa 96 ®/o aller Unternehmen des Wirtschaftszweiges angesehen worden, während die .größten6 Unternehmen — etwa 4°/® dier Gesamtzahl — in fünf verschiedeine Größengruppen aufgeteilt sind. Die Umsatzanteile der ,-größten' Unternehmen haben von 1935 bis 1958 besonders stark zugenommen in der Eisenund Stahlindustrie, im Süßwarengewerbe, in der Papiererzeugung und im Mühlengewerbe. In den übrigen hier untersuchten Gewerbezweigen ist die Steigerung geringer, aber auch noch immer größer als die Steigerung der Umsatzanteile der ,kleineren' Unternehmen." Wichtiger als die Feststellung der Tatsache der Konzentration ist die Untersuchung der Frage, ob 'es sich bei diesem Vorgang um zufällige, durch besondere Machtinteressen oder durch verfehlte Wirtschaftspolitik hervorgerufene Tatbestände handelt, oder aber ob innere Kräfte der Wirtschaft maßgebend sind? Die moderne Technik hat es mit sich gebracht, daß eine Reihe von Produktionen nur in Großbetrieben durchgeführt werden kann. In Großunternehmen oder in Unternehmenszusammenschlüssen stehen für eine rationelle und erfolgreiche Weiterentwicklung technischer Neuerungen gemeinsame Laboratorien und Versuchsanstalten zur Verfügung, die den kleineren Unternehmen mangeln. Automation und Atomenergie verstärken die Tendenzen der Konzentration, wobei technische und wirtschaftliche Momente eine Rolle spielen. Audi das zunehmende Risiko der Unternehmungen trägt zu einer Konzentration bei. Die Reklame tritt in den Vordergrund, die mehr und mehr die Preisund Qualitätskonkurrenz ersetzt. Gerade im Reklamekampf ist aber das Großunternehmen weitaus im Vorsprung. So< ist das institutionalisierte Großunternehmen unter bestimmten Verhältnissen den übrigen in technischer, kaufmännischer, organisatorischer und finanzieller Hinsicht überlegen. Es kann z. B. die Arbeitsteilung im Großunternehmen weiteirgetrieben werden als in kleinen. Die Spezialisierung führt nicht zu einer einseitigen Abhängigkeit vom 5 G. Fürst, Stand der Konzentration in Westdeutschland, in: Die Konzentration in der Wirtschaft, L Bd.: Stand der Konzentration, hrsg. v. Helmut Arndt, Verlag Duncker & Humblot, Berlin 1960, Seite 175. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.81.4.37 | Generated on 2023-04-04 11:30:33
427 Dynamik der organisierten Marktwirtschaft 43 Markte, soferne die Diversifikation, wie dies meist geschieht, entsprechend angewendet wird; beim Einkauf hat das Großunternehmen Vorteile nicht nur infolge der Massen abnähme, sondern auch auf Grund der Möglichkeiten einer Marktanalyse, die sich ja nicht nur auf den Absatz erstreckt. Beim Verkauf stehen dem Großunternehmen Anpassungsund Beeinflussungsvariable in höherem Maße zur Verfügung als dem kleineren. Operations research (Verfahren, durch die wissenschaftliche Grundlagen für Unternehmensplanung und Unternehmensentscheidung geschaffen werden) kann rationell erst angewendet werden, wenn das Unternehmen eine bestimmte Größe erreicht hat. Kleine und mittlere' Unternehmen sind oft gezwungen, eine Verwaltungsorganisation aufzubauen, die einer viel höheren als der erreichbaren Fertigungskapazität entsprechen würde. Ferner kann sich das Großunternehmen weitgehend auf Selbstund Eigenfinanzierung stützen; auch Fremdfinanzieirung ist ihm leichter möglich als kleinen und mittleren Unternehmen. Während -die regelmäßigen Konjunkturerscheinungen an Beideutung verloren haben, sind die Strukturwandlungen, d. h. Änderungen von Dauer, die sich auf die Einheit der Volkswirtschaft beziehen, stärker in den Vordergrund getreten. Eine einzelne Unternehmung wird sich verhältnismäßig schwer strukturellen Wandlungen, wie sie sich z. B. aus einem gemeinsamen europäischen Markt ergeben, anpassen können; anders institutionalisierte Unternehmen und Untern ehmenszu samm en schlü s se. Was die Konjunkturschwankungen anbelangt, so ist der kleinere Unternehmer diesen mehr oder weniger ausgeliefert. Er ist von sich aus kaum in der Lage, antizyklische Maßnahmen zu treffen, also z. B. auch in der Depression die Durchführung von Investitionsprogrammen aufrecht zu erhalten. Der Tatsache der Konzentration steht nicht entgegen, daß eine große Zahl von mittleren Unternehmungen heute entscheidende volkswirtschaftliche Funktionen erfüllen. Eine nähere Untersuchung zeigt, daß nur zum Teil unmittelbare Konkurrenz zwischen diesen mittleren Industrieunternehmen und den Großunternehmungen und Unternehmens zus ammensch 1 ü saen besteht, sondern daß vielmehr die mittleren Unternehmungen eine wichtige Ergänzungsfunktion in der modernen Wirtschaft erfüllen. Zudem zeigt sich, daß die mittleren Unternehmen, wenn sie sich auf die Dauer bei den steigenden Anforderungen behaupten wollen, in verschiedener Art mi einer Zusammenarbeit finden müssen. Z. B. dadurch, daß sich Fachvereinigungen Forschungsinstitute angliedern, die gemeinsam für eine Reihe von Unternehmungen Untersuchungen durchführen. Eine Reihe hervorragender selbständiger Forschungsinstitute leistet Pioniertätigkeit. Gemeinsame MarktOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.81.4.37 | Generated on 2023-04-04 11:30:33
44 Han9 Bayer 428 analyse und Austausch der Erfahrungen spielt eine wichtige Rolle. Die Betriebsvergleiche, die in Deutschland vor allem vom RKW durchgeführt werden, sind in zunehmendem Maße von Bedeutung. Auf diese Weise wird eis ermöglicht, Einblicke in Produktivitätssteigerungen anderer Unternehmen zu gewinnen und selbst das Unternehmen entsprechend auszugestalten. So zeigt sich auch hinsichtlich der Entwicklung der wichtigen Mittelunternehmen jene Iuistitutionalisierungstendenz, die für das Großunternehmen charakteristisch ist. Es wird nicht das pensonenbezogene Mitteluntiernehmen selbst institutionalisiert, aber es sind Institutionen notwendig, uim die Existenz und Ausgestaltung der Mittelunternehmen auf die Da-uer sicherzustellen. Objektivierungsund Konzentrationstendenzen durchdringen sich gegenseitig und verstärken sich. Unter Objektivierungstendenzen in der gesellschaftlichen Wirtschaft verstehen wir eine Loslößung der Vorgänge von subjektiven Einfällen und Meinungen und damit ein Zurückdrängen der intuitiven und gefühlsmäßigen Entscheidungen. Die Objektivierungstendenz ermöglicht enst das Größerwerden der Unternehmen, die rationale Durchführung der Verwaltung und die langfristige Unternehmensplanung; umgekehrt ist es die Konzentration, die den Einsatz der neuen Methoden und neuen Verfahren zuläßt. Die Gefahren der Konzentration liegen nicht so sehr im rein wirtschaftlichen Bereich, sondern in dem Hinüberreichen der Wirtschaftsmacht in die. geistigen Beziehungen , in den kulturellen Bereich, in den Bereich von öffentlicher Meinungsgestaltung und Politik. Die Bedeutung der counter vailing power fällt wohl ins Gewicht, sie wirkt sich jedoch keineswegs mit Notwendigkeit aus. Gleichzeitig sind Kräfte am Werk, welche die originäre Machit verstärken. III. Die Bedeutung der institutionalisierten Großunternehmen für die dynamische Stabilisierung Die Frage, inwieweit die Unternehmenspolitik der institutionalisierten Unterniehmien zu einer dynamischen Stabilisierung, d. h. zur Sicherung eines ständigen Aufstieges der Volkswirtschaft, beiträgt, läßt sich von zwei Gesichtspunkten aus betrachten: einmal hinsichtlich des Beitrages zur Realisierung der Voraussetzungen des Modells der freien Konkurrenz , und zweitens hinsichtlich der Frage, inwieweit die institutionalisierten Unternehmen zu einem Ausgleich der Wirtschaftsschwankungen beitragen können , bzw. inwieweit sie u. a. durch entsprechende Gestaltung der Proportionen in der Volkswirtschaft weiterreichende Fehlentwicklungen, z. B. in struktureller Hinsicht, von vornherein verhindern können. 1. Wir untersuchen im folgenden, inwieweit die Stabilisierungemaßnahmen des Unternehmens die Voraussetzungen, die dein Modell OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.81.4.37 | Generated on 2023-04-04 11:30:33
435 Dynamik der organisierten Marktwirtschaft 51 der Depression! z. B. sind die institutionalisierten Unternehmen bestrebt, die Lücken zu schließen, und lassen unter allen Umständen Aufgaben, die sie früher an Unterlieferanten übertragen haben, nun im eigenem Unternehmen durchführen. Das ändert aber nichts an der Tatsache einer Tendenz zur Vergrößerung der Produktionsund Leistungsliiclten in der Volkswirtschaft im Zusammenhang mit der Unternehmensinätitutionalisierung. Die Schließung dieser Lücken stellt eine volkswirtschaftlich wichtige spezifische Funktion der personenbezogenen Mittelund Kleinunternehmen dar, nämlich volkswirtschaftlich notwendige Prodnktionsnnd Leistungsergänzung. Darüber hinaus kann von dem pep3onenbezogenen Unternehmen ©ine besondere Dynamik ausgehen, da hier die Unternehmer nicht bloß als Organisatoren, sondern oft noch als technische und kaufmännische Leiter tätig sind. Zudem gestattet die rasche Entscheidungsmöglichkeit größere Wendigkeit der persionenbezo'genen Unternehmen. Diese Tatsache ist gleichzeitig ein Beispiel dafür, daß im personenbezogenen Unternehmen die Entpersönlichung im allgemeinen nicht so weit fortgeschritten ist wie im institutionalisierten. In der Tat kann in dem personenbezogenen Unternehmen eine wichtige Gegenkraft gegen Bürokratisierung und Entpersönlichung liegen. Von besonderer Bedeutung ist der Funktionswandel der personenbezogenen Mittelund Kleinunternehmen in der Volkswirtschaft. Seinerzeit bei Aufkommen der Industrie bestand ein unmittelbarer Wettbewerb und unter Umständen schärfste Konkurrenz zwischen Großindustrie einerseits und Handwerk und Kleinbetrieben andererseits. Allmählich aber vollzog sich ein Wandel, den wir als Tendenz der Komplementarität bezeichnen können. Die personenbezogenen Mittelund Kleinunternehmen stehen nicht so sehr in Konkurrenz mit der Großindustrie, sondern ergänzen diese in volkswirtschaftlich entscheidender Weise. Diese Funktion tritt in verschiedenen Formen in Erscheinung (z. B. spezialisierte Massenfertigung, Übernahme kleinerer oder Sonderaufträge). In vielen Fällen bleibt das mittlere Unternehmen personenbezogenes Unternehmen, auch dann, wenn z. B. der Umsatz wesentlich erhöht, ja, vielleicht sogar vervielfacht wird. Dies läßt sich durch erhöhte Investition, insbesondere auch durch Automation, erreichen. Die Zahl der Arbeiter und Angestellten wird dann nicht wesentlich vermehrt, so daß immer noch die persönlichen Zusammenhänge im Unternehmen aufrecht erhalten werden können, und die Unternehmer- * Mittelbar besteht Konkurrenz, z. B. auch zwischen dem Unterlieferanten und dem Großunternehmen, welches das Erzeugnis abnimmt. Nur solange wird dies der Fall sein, als die Preise der betreffenden Waren unter den Kosten liegen, welche dem Großunternehmer bei Eigenfertigung entstehen würden. 4* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.81.4.37 | Generated on 2023-04-04 11:30:33
52 Hans Bayer 436 Persönlichkeit im Vordergrund steht, ohne an Vorentscheidungen gebunden zu sein. Danebein kommt es vo»r, daß sich jene Tendenzen, die vom personenbezogenen mittleren Unternehmen zum institutionalisierten Großunternehmen drängen, voll durchsetzen. Etwa dann, wenn ein mittlere« personenbezogenes Unternehmen entscheidende Erfindungen gemacht hat, die es dann aber in Massenfertigung ausnutzen muß; dadurch ist es unter Umständen gezwungen, in Konkurrenz mit den großen, z. T. automatisierten Unternehmungen zu treten, also selbst MasGenfertigung aufzunehmen. Damit ist der Weg zur Institutionalisierung eingeschlagen, das personenbezogene Unternehmen wächst in den Bereich der institutionalisierten hinein. Die Personenbezogenheit bleibt bis zu einem gewissen Grade in der Regel ßo lange erhalten, als jene Persönlichkeit an der Spitze steht, die mit dem Unternehmen groß geworden ist und alle Einzelheiten beherrscht. Wird diese Persönlichkeit einmal abgelöst, dann tritt meist die Inötitutionalisierung klar in Erscheinung. Dieses Hineinwachsen des personenbezogenen Mittelunternehmens in das Großunternehmen, das früher oder »später auch zum institutionalisierten Unternehmen wird, muß keineswegs der Regelfall werden. Es bestehen auch für das mittlere personenbezoigene Unternehmen Chancen, seine wichtige volkswirtschaftliche Funktion als Mittelunternehmen weiterhin zu erfüllen. Allerdings in vielen Fällen unter Voraussetzung einer Gemeinschaftsarbeit mit anderen. Es tritt an das personenbezogene Mittelund Kleinunternehmen die Forderung nach solidarischer Zusammenarbeit im Interesse der Erhaltung der Freiheit des einzelnen Unternehmens heran. Diese Forderung und ihre Dringlichkeit wird keineswegs allgemein erkannt. Auch von jenen, die die Notwendigkeit und Dringlichkeit einsehen, wird keineswegs alles unternommen, was zur Realisierung dieser Forderung notwendig wäre. Beispiele solcher solidarischer Zusammenarbeit sind etwa Einkaufs-; genossenschaften oder andere Einkaufoorganisationen, wie sie z. B. für die mittleren Warenhäuser bestehen. Ganz allgemein läßt sich sagen, daß die Zusammenarbeit aus verschiedenen Gründen im Handel stärker hervortritt als beim Gewerbe. Aber auch hier sind Ansätze vorhanden. Diese sind z. B. in den Belriebsvergleichen zu erkennen, wie sie in Deutschland vom RKW und in anderen Ländern von ähnlichen wissenschaftlichen Instituten durchgeführt werden. In der Schweiz ist u. a. da»3 Betriebswissenschaftliche Institut an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich bemüht, durch Betriebsvergleiche die Rationalisierung in den personenbezogenen Unternehmungen auszugestalten und durch Erfahrungsgemeinschaften zu vertiefen. Auch in Deutschland gibt es eine Reihe freiwilliger ErOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.81.4.37 | Generated on 2023-04-04 11:30:33
437 Dynamik der organisierten Marktwirtschaft 53 fahrungsaustauschgruppen; allerdings meist zwischen Unternehmungen, die nicht unmittelbar miteinander in Konkurrenz stehen. Eine Reihe von Fachvereinigungen haben ihre wichtige Aufgabe, Zusammenarbeit der personenbezogenen Unternehmungen in die Wege zu leiten und auszugestalten, erkannt. Die Erfahrungen im Absatz werden gegenseitig ausgetauscht; Forschungsinstitute werden unter Beteiligung von Unternehmungen errichtet, um auf diese Weise eine einigermaßen gleichstarke Position mit den Großunternehmnngen zu erreichen, denen die großen eigenen Forschungsstätten und Laboratorien zur Verfügung stehen. Auch Ansätze einer Arbeitsteilung, die zwischen den personenbezogenen Mittelund Kleinunternehmungen so notwendig wäre, sind gelegentlich festzustellen. Aber all daö sind bloß Anfänge. Diese können durch eine dogmatische Kartellgesetzgebung wesentlich eingeengt, wenn nicht soigar zerstört werden. In vielen Ländern hält sich die Wirtschaftögesetzgebung noch viel zu wenig die Tatsache der organisierten Marktwirtschaft und ihrer eigenen Gesetzmäßigkeiten vor Augen. Vereinfachende Annahmen ohne Verbindung mit abnehmender Abstraktion verführen dazu, Ungleiches gleich zu behandeln. Bei personenbezogenen Mittelund Kleinunternehmungen in einer organisierten Marktwirtschaft wirken verschiedene Kräfte, insbesondere die Tendenz zur Komplementarität und da>3 Erfordernis der Solidarität. In der Tendenz zur Komplementarität kommt der Funktionswandel und die Erweiterung der Bedeutung der personenbezogenen Mittelund Kleinuntermehmen in der organisierten Marktwirtschaft zum Ausdruck. Die Forderung nach Solidarität kann nicht als Tendenz bezeichnet werden. Es handelt sich nicht um innere Kräfte, die in eine bestimmte Richtung drängen, sondern es geht um eine bewußte Entscheidung der selbständigen Unternehmer gegen Tendenzen des „Ohne-Einander" und „Gegen-Einander", um durch die solidarische Zusammenarbeit zwar ein Stück individualistischer Freiheit aufzugeben, dadurch aber geordnete Freiheit und auf die Dauer die Erfüllung ihrer wichtigen volkswirtschaftlichen Funktion zu gewährleisten. So zeichnen sich gewisse Gesetzmäßigkeiten einer Dynamik in der organisierten Marktwirtschaft ab; Objektivierungstendenz, Konzentrationsund Institutionalisierungstendenz ergänzen und verstärken sich gegenseitig. Für die personenbezogenen Unternehmen ist die Tendenz zur Komplementarität, also zum Ausfüllen der Lücken, die die institutionali»3ierten Unternehmungen im Angebot der Volkswirtschaft offen lassen, charakteristisch. Ob diese Funktion durch die selbständigen Unternehmen auf die Dauer erfüllt werden kann, hängt von ihrer OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.81.4.37 | Generated on 2023-04-04 11:30:33
54 Hans Bayer 438 freien Entscheidung hinsichtlich solidarischer Zusammenarbeit weitgehend ab. In der organisierten Marktwirtschaft entstehen neue Gesetzmäßigkeiten einer Dynamik, die — wenn auch in ganz anderer Weise als im Modell der freien Konkurrenz — zu einem dynamischen Gleich' gewicht führen können. Ein schweres Problem der organisierten Marktwirtschaft ist die Verhinderung einer Vermachtung, insbesondere des Übergreifens der Wirtschaftsmacht auf das geistige, kulturelle und politische Leben. Im Rahmen dieses Aufsatzes ist nicht die Möglichkeit geboten, auf die Frage einzugehen, welche Kräfte mobilisiert werden können, um diese Gefahr der organisierten Marktwirtschaft zu bannen. Sicher ist, daß materielle und geistige Kräfte zusammenwirken müssen, ebenso wie von der wirtschaftlichen Macht der Einfluß auf geistige Bereiche ausgeht. Hier, im geistigen Bereich, aber wird die Entscheidung fallen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.81.4.37 | Generated on 2023-04-04 11:30:33