Die Geld-, Finanz- und Einkommenspolitik im volkswirtschaftlichen Systemzusammenhang
Abstract
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Full text
Ehrlicher, Werner Article Die Geld-, Finanzund Einkommenspolitik im volkswirtschaftlichen Systemzusammenhang Kredit und Kapital Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Ehrlicher, Werner (1988) : Die Geld-, Finanzund Einkommenspolitik im volkswirtschaftlichen Systemzusammenhang, Kredit und Kapital, ISSN 0023-4591, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 21, Iss. 2, pp. 163-181, https://doi.org/10.3790/ccm.21.2.163 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/293109 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Die Geld-, Finanzund Einkommenspolitik im volkswirtschaftlichen Systemzusammenhang* Von Werner Ehrlicher, Freiburg i. Br. I. Einführung Im Wintersemester 1959/60 habe ich meine Antrittsvorlesung in Freiburg über das Thema „Die Geld-, Finanzund Lohnpolitik im volkswirtschaftlichen Systemzusammenhang" gehalten1. In den 60er Jahren vollzogen sich in diesen drei Politikbereichen wie auch in der theoretischen Deutung des Systemzusammenhanges so vielfältige Wandlungen, daß es mir interessant erschien, bei meiner zweiten Freiburger Antrittsvorlesung im Jahr 1972 dieses Thema wieder aufzugreifen2. Diese Veränderungen haben sich inzwischen fortgesetzt3, so daß es mich reizt, in meiner letzten Vorlesung vor der Emeritierung diesen Gegenstand erneut aufzunehmen; ich will dabei speziell den Wandlungen nachgehen, die sich in den 40 Jahren, die ich an der Universität tätig war, in der theoretischen Deutung und in den politischen Konzepten der Geld-, Finanzund Einkommenspolitik vollzogen haben. Ich betone den theoretisch-politischen Doppelaspekt der anhaltenden Debatte, die ich hier nachzeichnen möchte, weil er bisher für alle großen Kontroversen in der Nationalökonomie charakteristisch war. Man könnte sogar sagen, daß kontroverse wirtschaftspolitische Auffassungen nur dann Geschichte gemacht haben, wenn sie von der Wissenschaft zu systematischen Konzepten ausformuliert wurden oder umgekehrt, daß theoretische Debatten nur dann dogmenhistorische Dignität erreichten, wenn sie in wirt- * Abschiedsvorlesung vor der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg am 9. Febr. 1988. 1 W. Ehrlicher, Die Geld-, Finanzund Lohnpolitik im volkswirtschaftlichen Systemzusammenhang, Freiburger Antrittsvorlesung am 11.2.1960; in: Jahrbuch für Sozialwissenschaft, Bd. 12, 1961, S. 80 - 100; wiederabgedruckt in: Geldund Bankpolitik, hrsg. von E. Dürr, Köln - Berlin 1969, S. 55 - 76. 2 W. Ehrlicher, Die Geld-, Finanzund Einkommenspolitik im volkswirtschaftlichen Systemzusammenhang, Freiburger Antrittsvorlesung am 26.4.1972; in: KREDIT UND KAPITAL, 5. Jg. 1972, S. 407 - 437; wiederabgedruckt in: Probleme der Wirtschaftspolitik, hrsg. von U. Teichmann, Bd. 2, Darmstadt 1978, S. 3-35. 3 W. Ehrlicher, Ein neuer Methodenstreit?; in: Jahrbuch für Sozialwissenschaft, Bd. 36, 1985, S.llOff. 11 Kredit und Kapital 2/1988 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.21.2.163 | Generated on 2023-01-16 12:56:15
164 Werner Ehrlicher schaftspolitische Konzepte umgesetzt wurden. Dieser Doppelaspekt der Debatte legt die Frage nahe, ob objektiv konzipierte Theorien die Grundlage der wirtschaftspolitischen Konzepte sind oder ob umgekehrt subjektiv begründete politische Konzepte durch nachträglich darauf zugeschnittene Theorien gerechtfertigt werden sollten. Ich komme auf diese Frage zurück, werde sie aber nicht beantworten. Dieser theoretisch-politische Doppelaspekt soll auch die Gliederung meiner Vorlesung bestimmen. Im ersten Teil werde ich die drei Etappen der theoretischen Debatte darstellen: Die Neoklassik/Neokeynesianismus-Kontroverse der 50er Jahre, die Monetarismus/Fiskalismus-Debatte der 60er Jahre und die Kontroverse zwischen Angebotsund Nachfrageökonomie seit Mitte der 70er Jahre. Im zweiten Teil werde ich die Wandlungen der Geld-, Finanzund Einkommenspolitik in den drei Perioden nachzeichnen, in die sich die Nachkriegszeit durch die Rezessionen der Jahre 1966/67 und 1974/75 abgrenzen läßt. II. Die theoretischen Konzeptionen 1. Die Neoklassik/Keynesianismus-Diskussion In den 50er Jahren vollzog sich in unserer Wissenschaft die Rezeption der keynesianischen Theorie - überwiegend in der Form, wie sie von den Postoder Neokeynesianern in den USA und England weiter entwickelt worden war. Die Gegenposition wurde dabei in der Öffentlichkeit insbesondere von den neoliberalen Politikern - wie Ludwig Erhard und Müller-Armack - vertreten. Sie stützten sich in ihren Konzepten auf die neoklassische Theorie, die von unserer Freiburger Fakultät manche Anregungen bekommen hatte. In meiner ersten Antrittsvorlesung habe ich diese kontroversen Systeme konfrontiert und in ihren Konsequenzen für die Geld-, Finanzund Einkommenspolitik analysiert. Als Systemkriterien habe ich 1) die Fragestellung, 2) die Steuerungsmechanik, 3) die Determiniertheit hervorgehoben. Das neoklassische System habe ich in der Fragestellung als verteilungstheoretisch, in der Steuerung als preismechanisch und in der Determiniertheit als produktionstheoretisch eingestuft. Das keynesianische System habe ich in der Fragestellung als beschäftigungstheoretisch, in der Steuerung als einkommensmechanisch und in der Determiniertheit als nachfragetheoretisch bezeichnet. Im einzelnen zu dieser Kennzeichnung: OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.21.2.163 | Generated on 2023-01-16 12:56:15
Geld-, Finanzund Einkommenspolitik im Systemzusammenhang 165 Zu 1): Die klassische Theorie betrachtet seit Ricardo die Erforschung der Gesetze, die die Verteilung regeln, als die Hauptaufgabe der Volkswirtschaftslehre. Die Höhe der Beschäftigung wird angesichts der Annahme, daß der Preismechanismus Vollbeschäftigung sichert, nicht problematisiert. Demgegenüber geht Keynes von der Beobachtung aus, daß der Marktmechanismus nicht immer zu Vollbeschäftigung führt und fragt nach den Gesetzen, die den Stand der Beschäftigung bestimmen und ein Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung ermöglichen. Zu 2): Im klassischen System wird die Spannung zwischen den drei Determinantengruppen des Systems - Menge der Produktionsfaktoren, relative Bedarfsstruktur und Produktionskoeffizienten - durch Veränderungen der Preise bzw. Reaktionen auf diese Veränderungen überwunden. Demgegenüber begründet bei Keynes die Spannung zwischen monetärer Gesamtnachfrage und Gesamtangebot die Dynamik des Systems; das makroökonomische Gleichgewicht wird durch Bewegungen des Gesamteinkommens hergestellt. Zu 3): Im klassischen System determiniert - bei unterstellter Tendenz zur Vollbeschäftigung - die Ausstattung mit Produktionsfaktoren die Höhe des Sozialprodukts. Demgegenüber wird im keynesianischen System der Auslastungsgrad der Produktionsfaktoren durch die effektive Nachfrage determiniert. Bildlich gesprochen: Das klassische System wird vom Angebot geschoben, das keynesianische System von der effektiven Nachfrage gezogen. 2. Die Monetarismus-Fiskalismus-Diskussion In den 60er Jahren wurde die keynesianische Revolution, die uns in den 50er Jahren beschäftigt hatte, durch die monetaristische Gegenrevolution abgelöst. Die Neoquantitätstheoretiker, die die Tradition der Neoklassik fortsetzten, bezeichneten sich selbst, da sie die Bedeutung der Geldpolitik in den Vordergrund stellten, als Monetaristen. Für die Keynesianer setzte sich die Bezeichnung Fiskalisten durch, da sie den Maßnahmen der Finanzpolitik für die Steuerung des Wirtschaftsablaufs dominierende Bedeutung beilegten. Da sich in der Monetarismusdebatte das Gewicht von der theoretischsystematischen Fragestellung der Neoklassik/Keynesianismus-Debatte in die Richtung der politischen Determiniertheit des Ablaufsprozesses verlagerte, möchte ich hier besonders auf die Stellung der Geld-, Finanzund Einkommenspolitik in den beiderseitigen Systemzusammenhängen eingehen; ich halte mich dabei an die Darstellung, die ich in meiner zweiten Freiburger Antrittsvorlesung gegeben habe, n* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.21.2.163 | Generated on 2023-01-16 12:56:15
166 Werner Ehrlicher Als Systemelemente, in denen die unterschiedliche Stellung der drei Politikbereiche in den Konzepten der Monetaristen und Fiskalisten angelegt ist, habe ich die unterschiedlichen Erklärungen 1) des Geldwertes, 2) des Zinses und 3) der Beschäftigung hervorgehoben. Auf einen einfachen Nenner gebracht lassen sich die kontroversen Positionen wie folgt kennzeichnen: Die Monetaristen haben eine monetäre, die Fiskalisten eine reale Geldwerttheorie. Umgekehrt arbeiten die Monetaristen mit einer realen, die Fiskalisten mit einer monetären Zinstheorie. Mit der Annahme einer natürlichen Unterbeschäftigungsrate vertreten die Monetaristen eine endogene Beschäftigungstheorie; die fiskalistische Annahme einer geneigten Philippskurve impliziert eine exogene Determiniertheit der Beschäftigung. Zu 1): In der Geldwertlehre führen die Monetaristen die Vorstellungen der Quantitätstheorie fort. Sie vereinfachen diese noch durch die Annahme, daß die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes eine relativ stabile Funktion weniger Variablen sei. Damit werden die Entscheidungen der Geldpolitik zur wichtigsten Determinante des Geldwertes, der damit als makroökonomisch bestimmt gilt. Demgegenüber sind die Fiskalisten der Auffassung, daß sich der Geldwert bzw. das Preisniveau aus der Summation der Einzelpreise ergibt. Im Rahmen dieser mikroökonomischen Determination kommt der Lohnentwicklung besonderes Gewicht zu. Dementsprechend ist die Einkommenspolitik die entscheidende Determinante der Geldwertentwicklung. Zu 2): Den Zinssatz erklären die Monetaristen mikroökonomisch realwirtschaftlich mit der Grenzproduktivität des Kapitals. Sie unterscheiden zwischen Realzins und Nominalzins, wobei die Abweichung des Nominalzinses Ausdruck der Inllationserwartungen ist. Konträr wiederum die Vorstellung der Fiskalisten: Sie halten die Unterscheidung von Realzins und Nominalzins für wenig hilfreich, da die Wirtschaftssubjekte nach ihrer Meinung in der Regel der Geldillusion unterliegen. Der Zins ist ein makroökonomisch-monetäres Phänomen, seine Entwicklung in erster Linie eine Funktion der Geldpolitik. Zu 3): Auch in der Beschäftigungstheorie knüpfen die Monetaristen an grenzproduktivitätstheoretische Vorstellungen an. Sie ergänzen diese um das Theorem der „natürlichen Unterbeschäftigungsrate". Diese ist durch die Struktur der Lohnforderungen einerseits und die Streuungen der Grenzproduktivitäten andererseits bestimmt. Der Beschäftigungsgrad ist also eine Funktion der Einkommenspolitik. Die fiskalistische Beschäftigungstheorie OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.21.2.163 | Generated on 2023-01-16 12:56:15
Geld-, Finanzund Einkommenspolitik im Systemzusammenhang 167 ist im Philippskurven-Theorem angelegt: Bei gegebenen Lohnforderungen ist der Beschäftigungsstand von der Nachfrage nach Arbeit abhängig. Diese ihrerseits wird durch die Überwälzungsmöglichkeiten der Lohnsteigerungen auf die Preise begrenzt. Bei hoher monetärer Gesamtnachfrage sind die Überwälzungsmöglichkeiten günstig. Bei steigender monetärer Gesamtnachfrage und steigendem Preisniveau resultiert ein höheres Beschäftigungsniveau. Die monetäre Gesamtnachfrage, die ihrerseits durch die Finanzund die Geldpolitik bestimmt wird, ist also die entscheidende Determinante des Beschäftigungsgrades. 3. Die Kontroverse zwischen Angebotsund Nachfrageökonomen Mitte der 70er Jahre erfährt die Diskussion eine neuerliche Akzentverschiebung. Die Argumentation verlagert sich in den antagonistischen Richtungen, die jetzt als Angebotspolitik einerseits und Nachfragepolitik andererseits bezeichnet werden, stärker auf politische Empfehlungen. Damit treten die unterschiedlichen Werthaltungen, von denen die beiden Konzepte ausgehen, stärker in den Vordergrund4. Unterschiedliche Werthaltungen sehe ich 1) in den staatstheoretischen Vorstellungen, 2) in der Priorität der wirtschaftspolitischen Zielsetzung, 3) in dem Glauben an die Lenkungskräfte des Marktes4. Zu 1): Die unterschiedlichen staatstheoretischen Auffassungen lassen sich auf die Formel Verwaltungsstaat gegen Wohlfahrtsstaat bringen. Angebotspolitiker fordern eine Beschränkung der Staatstätigkeit auf die spezifischen Eigenaufgaben der öffentlichen Hand. Die wirtschaftliche Aktivität des Staates enge den Freiheitsraum des einzelnen ein. Sie sei deshalb auf ein mögliches Minimum zu reduzieren. In der aktuellen Situation plädieren sie für eine Reduktion der Staatsquote, Privatisierung öffentlicher Betriebe und Konsolidierung der Staatsfinanzen. Nachfragepolitiker betonen als Aufgaben des Staates, für mehr Verteilungsgerechtigkeit, hohen Beschäftigungsgrad und mehr Lebensqualität zu sorgen. Der Staat könne bestimmte wirtschaftliche Aufgaben nicht prinzipiell schlechter wahrnehmen als die Privaten; es sei grundsätzlich kein besonderes Unglück, wenn die Staatsquote im Zug erhöhten Angebots öffentlicher Güter im Laufe der wirtschaftlichen Entwicklung zunimmt. Zu 2): Die unterschiedlichen Werthaltungen kommen weiterhin in der Priorität der wirtschaftlichen Zielsetzungen zum Ausdruck. In der Ziel4 Ebenda: S. 120ff. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.21.2.163 | Generated on 2023-01-16 12:56:15
168 Werner Ehrlicher hierarchie der Angebotspolitiker steht die Geldwertstabilität an der Spitze. Sie begründen dies damit, daß zum einen die Werterhaltung des Geldvermögens und damit die Eigentumsgarantie, zum anderen die Neutralität des Allokationsprozesses, insbesondere die intertemporale Steuerung der Wirtschaft, nur bei Preisstabilität gesichert sei. Die Nachfragepolitiker räumen der Vollbeschäftigung in ihrem Zielkatalog erste Priorität ein und sind bereit, nötigenfalls im Interesse eines hohen Beschäftigungsgrades eine gewisse Inflationierung zu tolerieren. Zu 3): Besonders weit gehen die Vorstellungen über die Stabilität des Wirtschaftsablaufs auseinander. Angebotsökonomen sind überzeugt, daß der Wirtschaftsprozeß tendenziell stabil ist, wenn Eingriffe der Geldund Finanzpolitik unterbleiben, und daß darüber hinaus exogene Schocks von den Lenkungskräften des Marktes relativ schnell absorbiert werden. Demgegenüber vertreten Nachfrageökonomen die Auffassung, daß der Wirtschaftsprozeß nicht nur von den Lenkungskräften her instabil ist, sondern daß sich Störungen kumulativ verstärken. Sie fordern deshalb die Lenkung durch eine nachfragepolitische Globalsteuerung. Man mag in Frage stellen, ob dieser Glaube an die Stabilität oder Instabilität des Systems in Wertvorstellungen angelegt ist. Ich sage bewußt „Glaube", weil noch so viele empirische Untersuchungen bisher die jeweilige Gegenseite nicht überzeugen konnten. Es scheint mir aber nicht abwegig zu vermuten, daß Ökonomen, die Staatseingriffen skeptisch gegenüberstehen, Argumente für die Selbststeuerungsfähigkeit eines Systems aufgeschlossen aufnehmen, während Ökonomen, die eine Ausweitung der Staatstätigkeit nicht unbedingt ablehnen, Hinweise auf die Störanfälligkeit des Systems mit größter Aufmerksamkeit registrieren. Diese grundlegenden Einstellungen von Angebotsund Nachfragetheoretikern zu staatlichen Eingriffen, wirtschaftspolitischen Zielprioritäten und zur Stabilität des Wirtschaftsablaufes schlagen sich in jeweils entsprechenden Anforderungskriterien für wirtschaftspolitische Maßnahmen nieder. Für angebotspolitische Maßnahmen wird gefordert: - sie sollen längerfristig orientiert und im Rahmen fester Regeln gebunden sein, - sie sollen auf die Rahmendaten der wirtschaftlichen Entscheidungen abstellen, - sie sollen die Produktionsbedingungen verbessern, insbesondere die Produktionskosten senken. Die Empfehlungen nach langfristiger Orientierung und Regelbindung haben sich insbesondere in der von den Monetaristen übernommenen FordeOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.21.2.163 | Generated on 2023-01-16 12:56:15
Geld-, Finanzund Einkommenspolitik im Systemzusammenhang 169 rung nach einer am Produktionspotential orientierten Ausweitung der Geldmenge niedergeschlagen. Die Rahmendaten wirtschaftlicher Entscheidungen sollen durch die Ausgestaltung des Steuerund Finanzsystems beeinflußt werden. Sich abzeichnende Strukturveränderungen sollen durch finanzpolitische Maßnahmen erleichtert werden. Die Produktionsbedingungen können durch Maßnahmen zur Förderung der Qualität und der Mobilität des Arbeitsangebots, der Kapitalbildung und des technischen Fortschritts - über Steuererleichterungen oder Finanzhilfen - verbessert werden. Die Initiative der Unternehmer kann durch Abbau von Regulierungen und Förderung des Wettbewerbs angeregt werden. Demgegenüber sind die von Nachfrageökonomen empfohlenen Maßnahmen - kurzbis mittelfristig orientiert und setzen diskretionär an, - zielen auf die Steuerung des Wirtschaftsprozesses, - sind direkt oder indirekt auf Veränderung der monetären Gesamtnachfrage gerichtet. Der Glaube an die tendenzielle Instabilität des Wirtschaftsablaufs führt zu der Forderung einer kurzbis mittelfristig orientierten diskretionären Globalsteuerung. Zur Stabilisierung der monetären Entwicklung, d. h. also der Steuerung der Geldwertentwicklung, sollen einkommenspolitische Maßnahmen und Absprachen eingesetzt werden. Der reale Wirtschaftsablauf, insbesondere die Entwicklung der Beschäftigung, soll durch kombinierten Einsatz der Geldund Finanzpolitik gesteuert werden. Wenn die private Nachfrage hinter den Produktionsmöglichkeiten zurückbleibt, sollen Ausgabenprogramme im Bereich der Infrastruktur durchgeführt und Maßnahmen zur Anregung der privaten Investitionstätigkeit ergriffen werden. Durch Steuersenkungen kann die private Konsumund Investitionsgüternachfrage angeregt werden. Auftretende Defizite sollen durch erhöhte Kreditnahme des Staates finanziert werden. Die Geldpolitik müßte in solchen Situationen eine Liquidisierung der Geldund Kapitalmärkte unterstützen, um einerseits durch Senkung der Zinsen die private Investitionsneigung anzuregen und andererseits die Aufnahme der staatlichen Kredittitel zu erleichtern. 4. Zusammenfassung Ich möchte damit meine theoretisch-systematischen Überlegungen abschließen und darf noch zwei Bemerkungen nachtragen. Die erste geht dahin, daß die hier beschriebene Diskussion der Nachkriegszeit schon eine lange Geschichte hat. Die von den Klassikern über die Monetaristen zu den AngeOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.21.2.163 | Generated on 2023-01-16 12:56:15
170 Werner Ehrlicher botsökonomen reichende Linie hat ihre Ursprünge in der englischen Klassik und reicht über die Grenznutzenschule zu Marshall und Pigou. Die von den Keynesianern über die Fiskalisten zu den Nachfrageökonomen vertretene Position hat ihre Ursprünge im Merkantilismus und führt über die Romantik, Karl Marx und die Katheder-Sozialisten zu Keynes, den man ja gelegentlich auch als Neomerkantilisten bezeichnet hat. Eine zweite Bemerkung betrifft die Frage, wie stark die geschilderten Positionen jeweils unter den deutschen Nationalökonomen besetzt waren. Ich kann dazu nur meinen persönlichen Eindruck wiedergeben, denn die von mir dargestellten Positionen sind natürlich idealtypisch überzeichnete reine Positionen, die nur von ganz wenigen Vertretern eingenommen werden. Die Mehrzahl der Ökonomen bewegt sich näher an der Mitte als an den Extremen, insofern stellen Konversionen nicht einen Wechsel des Glaubensbekenntnisses dar. Man hat ja zu recht schon oft betont, daß manche Situation typisch keynesianische, andere Situationen typisch klassische Situationen sind. Mit diesen Einschränkungen möchte ich sagen, daß in den 50er Jahren die deutschen Ökonomen zunehmend ins keynessche Lager gewechselt sind. Die monetaristische Position fand erst gegen Ende der 60er Jahre eine gewisse Anhängerschaft. Heute dürfte der größte Teil der Ökonomen angebotspolitischen Positionen zuneigen. In jüngster Zeit deutet sich allerdings wieder eine gewisse Relativierung der angebotstheoretischen Ausrichtung des Faches an. Damit möchte ich mich der Frage zuwenden, welche der dargestellten Positionen von der deutschen Geld-, Finanzund Einkommenspolitik seit der Währungsreform vertreten wurden. Ich habe schon gesagt, daß ich diesen Zeitraum in drei Perioden unterteilen werde, die durch die Rezessionen der Jahre 1966/67 und 1974/75 voneinander abgegrenzt sind. III. Geld-, Finanzund Einkommenspolitik 1948 bis 19865 1. Die Periode anhaltend hohen Wirtschaftswachstums (1948 - 1966) a) Die Wirtschaftsentwicklung Die Zeit von 1948 bis 1966 kann man als Periode anhaltend hohen Wirtschaftswachstums bezeichnen. Sie wird durch gewisse Anpassungsschwie5 Vgl. dazu ausführlich: W. Ehrlicher, Wandlungen in den Konzepten der Geld-, Finanzund Lohnpolitik 1948 - 1986, in: Herausforderungen der Wirtschaftspolitik, Festschrift für Claus Köhler, hrsg. von W. File, L. Hübl, R. Pohl, Berlin 1988, S. 315 - 336. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.21.2.163 | Generated on 2023-01-16 12:56:15
Geld-, Finanzund Einkommenspolitik im Systemzusammenhang 177 Arbeitgeberseite reagiert mit Vorschlägen zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung, zur Teilarbeitszeit und zu Vorruhestandsregelungen. In der zurückhaltenden Einkommenspolitik sind angebotspolitische Vorstellungen eindeutig erkennbar. Auch die Politik der Arbeitszeitverkürzung könnte man in einem weiteren Sinne - da sie an den Produktionsbedingungen ansetzt - diesem Denkansatz zuordnen. In dieser jüngsten Periode unserer Wirtschaftsentwicklung - so möchte ich wieder zusammenfassen - setzt sich nach dem weitgehenden Mißerfolg der antizyklischen Politik eine längerfristige Orientierung der Geld-, Finanzund Einkommenspolitik durch. Am frühesten - und sogleich in programmatischer Form - vollzieht sich dieser Wandel mit der Ankündigung eines Geldmengenziels in der Geldpolitik. In der Einkommenspolitik zeichnet sich ein Strategiewandel mit der Forderung nach verstärkter Arbeitszeitverkürzung und Flexibilisierung der Arbeitszeitgestaltung ab. In der Finanzpolitik setzt sich nach einigen Ansätzen und Rückfällen in der ersten Hälfte der Periode ab 1982 eine deutliche Wende zu einer angebotspolitischen Orientierung durch. IV. Schlußbemerkungen Es läge nahe, abschließend den Bogen nochmals zu meiner einleitenden Bemerkung über den theoretisch/politischen Doppelaspekt meines Themas zurückzuspannen und in einer Zusammenschau der beiden Teile meines Beitrags zu fragen, inwieweit das Denken der Ökonomen die Geld-, Finanzund Einkommenspolitik beeinflußt hat und inwieweit umgekehrt die Ökonomen Anregungen aus den jeweiligen politischen Entscheidungen bekommen haben. Die Frage wäre in dieser Form jedoch schief gestellt, weilsich die Entwicklung der theoretischen Konzepte und der Ablauf der politischen Entscheidungen nicht so isoliert voneinander vollzogen haben, wie es nach meiner Darstellung scheinen könnte. Beide Bereiche sind im Zeitalter der Verwissenschaftlichung von zunehmend mehr Lebensgebieten vielfältig verflochten. So habe ich schon angedeutet, daß die Wirtschaftspolitik der 50er Jahre von Ludwig Erhard geprägt wurde, der als Wissenschaftler wichtige Beiträge zum neoklassischen Konzept geleistet hat, und daß das Stabilitätsgesetz von 1967 - schon in seinen eigenwilligen der deutschen Gesetzessprache bisher fremden Formulierungen - die Handschrift Karl Schillers trägt, der schon in den 50er Jahren einer unserer führenden Keynesianer war. Es wäre zu ergänzen, daß auch dort, wo theoretische Konzepte nicht OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.21.2.163 | Generated on 2023-01-16 12:56:15
178 Werner Ehrlicher über eine solche Form der Personalunion in die Politik umgesetzt wurden, in den volkswirtschaftlichen Abteilungen der Bundesbank, der Ministerien, des Deutschen Gewerkschaftsbundes oder der Arbeitgeberverbände, politische Entscheidungen mit wissenschaftlichen Argumenten vorbereitet werden. In diesen Gremien stehen sich nicht nur Vertreter unterschiedlicher wirtschaftlicher und politischer Interessen, sondern - in jüngster Zeit speziell im Zentralbankrat - die Fronten der antagonistischen theoretischen Konzepte der Angebotsund der Nachfrageökonomen gegenüber. Dies leitet zu der Frage über, warum wir 150 Jahre nach der currency/ banking-Debatte im Computer-Zeitalter, wo wir alles zählen, messen, modellieren, regressieren usw., auf so einfache Fragen, ob die Geldmenge die Preise oder die Preise die Geldmenge bestimmen, ob der Zins eine reale oder eine monetäre Erscheinung ist, oder ob der Geldwert mikroökonomisch oder makroökonomisch determiniert ist, keine einheitliche Antwort geben können. Fragen, auf die der Student in den ersten Semestern doch gern schon etwas anderes hören würde, als daß die Keynesianer dazu dies, die Monetaristen jenes meinen. Die Ursache dafür liegt wohl nur bedingt in dem von mir wiederholt angesprochenen politischen Element der ökonomischen Doktrinbildung. Wichtiger dürfte sein, daß die wirtschaftliche Entwicklung, ständige Innovationen, Bewegungen auf den nationalen und internationalen Märkten und neue politische Tendenzen eine immer neue Determination der jeweils aktuellen wirtschaftlichen Situation bedingen. Deshalb kann es auch keine generellen, für alle Situationen gültigen Erklärungen geben. Theorien können immer nur für bestimmte Situationen richtig oder falsch sein, und es gibt recht selten Situationen, die man als eindeutig keynesianisch oder eindeutig klassisch bezeichnen kann. Aus diesem Grunde habe ich mich auch - wenn ich mit einer persönlichen Bemerkung schließen darf - nie einer der Richtungen verschrieben, die ich hier interpretiert habe. Meine Bemühungen im Rahmen einschlägiger Arbeiten gingen vielmehr immer dahin, die Vielzahl der in Vergangenheit und Gegenwart vorgetragenen Theorien auf ihre grundlegenden Systemelemente zu analysieren. Durch die Herausarbeitung der kontroversen Erklärungseinfälle wollte ich zum einen zeigen, wie sich in der Vergangenheit im dialektischen Prozeß von These und Antithese immer wieder neue Synthesen gebildet haben, zum anderen wollte ich diesen Prozeß auch in der Gegenwart fördern. Dieses Streben nach nationalökonomischer Synthese hat mich während meiner ganzen Laufbahn verfolgt. Das lag wohl daran, daß mir mein DokOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.21.2.163 | Generated on 2023-01-16 12:56:15
Geld-, Finanzund Einkommenspolitik im Systemzusammenhang 179 torvater, Georg Weippert, nachdem ich ihm über den Inhalt der ersten 300 Seiten einer beabsichtigten Dissertation über das Thema „Die Nationalökonomische Synthese" berichtet hatte, empfahl, ich solle mir dies für meine alten Tage aufheben und jetzt erst einmal über ein konkretes Thema schreiben. Später hat mich die angedeutete Neigung, neue theoretische Ansätze immer aus der Kontinuität des wissenschaftlichen Denkens heraus zu interpretieren oder sie in diese Entwicklung hineinzustellen, vielleicht daran gehindert, mich um eigene Ansätze zu einer konkreten Synthese und um ein eigenes wirtschaftspolitisches Konzept, das sich mit meinem Namen verbunden hätte, zu bemühen. Damit habe ich einem Rat meines Habilitationsvaters Rudolf Stucken zuwidergehandelt: Er hat mir einmal gesagt, wenn ich berühmt werden wolle, müsse ich gelegentlich originellen Unsinn schreiben. Ich habe mich bemüht, dies zu vermeiden, so konnte ich auch nicht berühmt werden. Zusammenfassung Die Geld-, Finanzund Einkommenspolitik im volkswirtschaftlichen Systemzusammenhang Der Verfasser behandelt die Auseinandersetzung über die grundsätzliche ablaufstheoretische Orientierung der Wirtschaftspolitik - insbesondere der Geld-, Finanzund Einkommenspolitik — in der Nachkriegszeit. Im ersten Teil stellt er die theoretischen Kontroversen von der Neoklassik/Neokeynesianismusdiskussion über die Monetarismus/Fiskalismusdebatte zur Angebots/Nachfrageökonomie dar. Die unterschiedlichen Positionen der Neoklassiker und Neokeynesianer charakterisiert er über die Kriterien der Fragestellung, der Steuerungsmechanik und der Determiniertheit. Für die Monetarismus/Fiskalismusdiskussion stellt er auf die unterschiedlichen Erklärungen des Geldwerts, des Zinses und der Beschäftigung ab. Zur Kennzeichnung der Angebots/Nachfragedebatte werden die unterschiedlichen Einstellungen zur Staatstätigkeit, die divergierenden Zielprioritäten und der Glaube an die tendenzielle Stabilität bzw. Instabilität des Wirtschaftsablaufs hervorgehoben. Im zweiten Teil wird der Niederschlag dieser theoretischen Kontroverse in den von der Geld-, Finanzund Einkommenspolitik seit 1948 verfolgten wirtschaftspolitischen Konzepten dargestellt. Der Untersuchungszeitraum wird durch die beiden Rezessionen 1966/67 und 1974/75 in drei Abschnitte gegliedert. Der erste Abschnitt wird als Periode anhaltend hohen Wirtschaftswachstums gekennzeichnet. Die Geldpolitik verfolgt ein keynesianisch-antizyklisches, die Finanzpolitik ein neoklassisches Konzept mit wechselnden wirtschaftspolitischen Zielstellungen, die Einkommenspolitik ist überwiegend mikroökonomisch orientiert. Der zweite Zeitabschnitt wird als Periode verminderten Wachstums bei zunehmender Inflation überschrieben; er wird durch Erlaß des Stabilitätsgesetzes eingeleitet, das eine keynesianisch orientierte Geld-, Finanzund Einkommenspolitik aus einem Guß ermöglichen soll. Tatsächlich wird dieses Konzept nur kurze Zeit konsequent verfolgt; schneller Richtungswechsel der Politik und unzweckmäßiger Instrumenteneinsatz tragen zur Beschleunigung der 12 Kredit und Kapital 2/1988 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.21.2.163 | Generated on 2023-01-16 12:56:15
180 Werner Ehrlicher Inflation bei. Im Gegensatz zur ausgesprochen kurzfristigen Orientierung in dieser Periode setzt sich nach der Rezession 1974/75 in allen drei Politikbereichen - beginnend in der Geldpolitik - eine längerfristige Ausrichtung durch, die ausgeprägt angebotstheoretische Züge trägt. Summary Monetary, Financial and Income Policy in a National Economic Policy Framework The author discusses the divergency over the basically operations theory-oriented economic policy, especially of monetary, financial and incomes policy, after World War11. In the first part of his paper he describes the theoretical controversies over neoclassicism/neo-Keynesianism, monetarism/fiscalism and supply-side/demand-side management policies. He uses various problem definition, steering mechanism and determination criteria to characterize the controversial positions of the neo-classics and the neo-Keynesians. In the debate on monetarism versus fiscalism he stresses the different definitions of the value of money, of interest and employment. In the discussion on supply-side versus demand-side management policies he underlines the differing attitudes to government activity, diverging target priorities and the trust/distrust in the basic stability of economic processes. The second part presents the economic policy concepts reflecting this controversy in monetary, financial and incomes policy since 1948. The period under review is subdivided into three parts by the two recessions in 1966/67 and 1974/75. The first subperiod is referred to as a period of continuing strong economic growth. Monetary policy pursues a Keynesian anti-cyclical, financial policy a neo-classical concept aiming for varying economic policy goals, while incomes policy has a primarily microeconomic orientation. The second sub-period is characterized by reduced growth and rising inflation; it begins with the adoption of the Act on Economic Stability and Growth designed to allow a consistent Keynesian monetary, financial and incomes policy. However, this concept is consistently applied during a short period only; abrupt changes of policy direction and the inappropriate use of policy instruments expedite the speed of inflation. Contrary to the markedly short-term policy-orientation in this period a longer-term approach commences to hold its own after the 1974/ 75 recession in all three policy areas that began with monetary policy; it is noticeably supply-side-oriented in nature. Résumé La politique monétaire, la politique financière et la politique des revenus au sein du système économique L'auteur traite de la discussion sur l'orientation théorique fondamentale de la politique économique d'après-guerre - spécialement de la politique monétaire, de la politique financière et de la politique des revenus. Dans la première partie, il présente les controverses théoriques de la discussion néoclassique/néokeynésienne et du débat monétarisme/fiscalisme sur l'économie de l'offre et de la demande. Il caractérise les OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.21.2.163 | Generated on 2023-01-16 12:56:15
Geld-, Finanzund Einkommenspolitik im Systemzusammenhang 181 différentes positions des néoclassiques et des néokeynésiens en analysant le mécanisme de régulation et les critères déterminants. Pour la discussion monétarisme/ fiscalisme, il se réfère aux différentes explications de la valeur de l'argent, du taux d'intérêt et de l'emploi. Pour caractériser le débat sur l'offre et la demande, l'auteur met en évidence les différentes conceptions de l'activité étatique, les priorités d'objectifs divergentes et la croyance en la stabilité ou l'instabilité de l'économie. Dans la deuxième partie, l'auteur examine comment cette controverse théorique se reflète dans les concepts économiques, suivis par la politique monétaire, financière et des revenus depuis 1948. Les deux récessions de 1966/67 et de 1974/75 divisent la période considérée en trois périodes. La première est caractérisée par sa croissance forte et continue. La politique monétaire poursuit un concept anticyclique keynésien, la politique financière, un concept néoclassique avec des objectifs politico-économiques changeants, la politique des revenus a avant tout une orientation microéconomique. Dans la deuxième période, la croissance diminue et l'inflation grimpe. Au début de cette période fut décrétée la loi de stabilité qui devait permettre de poursuivre d'un seul jet une politique monétaire, financière et des revenus d'orientation keynésienne. Ce concept ne fut en réalité poursuivi d'une manière conséquente que peu de temps: l'inflation s'accéléra entre autres parce que la politique prit rapidement des tournants différents et parce que les instruments furent utilisés de façon inopportune. A rencontre de l'orientation vraiment à court terme de cette période, une tendance à long terme - en premier lieu de la politique monétaire -, orientée vers la théorie de l'offre, s'imposa après la récession de 1974/75 dans les trois domaines politiques. 12' OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.21.2.163 | Generated on 2023-01-16 12:56:15