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Methodologie der effektiven Leseförderung im DaF/DaZ-Unterricht: authentisch – interaktiv – motivierend

Peter, Claudia

Abstract

Einerseits ist das Lesen eine der grundlegenden Kompetenzen im DaF-Unterricht. Andererseits liest die Jugend – vor allem aufgrund der Digitalisierung – immer weniger Bücher. Die Lektüre literarischer Texte ist besonders beim Fremdsprachenlernen wichtig, denn neuer Wortschatz ist nur im Kontext gut zu verstehen und zu behalten. Bekanntlich braucht unser Gehirn beim Lernen immer praktische Anwendungen, Relevanz der Information, Motivation und Zusammenhänge, damit neue Inhalte langfristig behalten werden (Grein 2021). Und gerade Fachleute im Bereich Übersetzen und Dolmetschen sind auf gutes Gedächtnis, schnelle Vokabularaufrufzeiten und Flüssigkeit beim Sprechen angewiesen. Lektüre ist besonders dafür geeignet, die Mündlichkeit oder Verbalität im Kontext zu üben. Der vorliegende Beitrag schlägt eine gleichsam einfache wie innovative Form des interaktiven Einsatzes von Lektüre vor, wobei die Lernenden die Möglichkeit haben, sich mit der Autorin ihrer deutschen Lektürebücher zu treffen, um sie zu interviewen, über das Entstehen, den Inhalt und die Hintergründe einer gelesenen Lektüre zu sprechen und mit ihr zusammen ein Probelesen zu erleben. Beschrieben werden einige Projekte, die innerhalb dieses Ansatzes mit mehreren Bildungseinrichtungen durchgeführt wurden, um den Deutschunterricht sowohl in Spanien als auch weltweit zu bereichern, zu beleben und zu fördern. Das persönliche Kennenlernen der Autorin von Lektüren, die im DaF-Unterricht eingesetzt werden, sowie gemeinsame, interaktive Aktivitäten – sei es online oder präsenz – erhöhen die Motivation der Deutschlernenden nachhaltig und tragen zum beschleunigten Lernprozess bei.

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Magazin 32 Peter, Claudia: Methodologie der effektiven Leseförderung im DaF/DaZ-Unterricht: authentisch - interaktiv – motivierend Magazin 32, ISSN 1136-677X. 2024/25, pp. 56-62. https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.05 56 Didáctica intercultural/Interkulturelle Didaktik Methodologie der effektiven Leseförderung im DaF/DaZ-Unterricht: authentisch – interaktiv – motivierend Claudia Peter Universidad de Alicante [email protected] DOI: https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.05 Zusammenfassung: Einerseits ist das Lesen eine der grundlegenden Kompetenzen im DaF-Unterricht. Andererseits liest die Jugend – vor allem aufgrund der Digitalisierung – immer weniger Bücher. Die Lektüre literarischer Texte ist besonders beim Fremdsprachenlernen wichtig, denn neuer Wortschatz ist nur im Kontext gut zu verstehen und zu behalten. Bekanntlich braucht unser Gehirn beim Lernen immer praktische Anwendungen, Relevanz der Information, Motivation und Zusammenhänge, damit neue Inhalte langfristig behalten werden (Grein 2021). Und gerade Fachleute im Bereich Übersetzen und Dolmetschen sind auf gutes Gedächtnis, schnelle Vokabularaufrufzeiten und Flüssigkeit beim Sprechen angewiesen. Lektüre ist besonders dafür geeignet, die Mündlichkeit oder Verbalität im Kontext zu üben. Der vorliegende Beitrag schlägt eine gleichsam einfache wie innovative Form des interaktiven Einsatzes von Lektüre vor, wobei die Lernenden die Möglichkeit haben, sich mit der Autorin ihrer deutschen Lektürebücher zu treffen, um sie zu interviewen, über das Entstehen, den Inhalt und die Hintergründe einer gelesenen Lektüre zu sprechen und mit ihr zusammen ein Probelesen zu erleben. Beschrieben werden einige Projekte, die innerhalb dieses Ansatzes mit mehreren Bildungseinrichtungen durchgeführt wurden, um den Deutschunterricht sowohl in Spanien als auch weltweit zu bereichern, zu beleben und zu fördern. Das persönliche Kennenlernen der Autorin von Lektüren, die im DaF-Unterricht eingesetzt werden, sowie gemeinsame, interaktive Aktivitäten – sei es online oder präsenz – erhöhen die Motivation der Deutschlernenden nachhaltig und tragen zum beschleunigten Lernprozess bei. Schlüsselwörter: DaF/DaZ, Lesekompetenz, Mündlichkeit, Lektüre, interaktives Lernen Magazin 32 Peter, Claudia: Methodologie der effektiven Leseförderung im DaF/DaZ-Unterricht: authentisch - interaktiv – motivierend Magazin 32, ISSN 1136-677X. 2024/25, pp. 56-62. https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.05 57 L in den Unterricht zu bringen und interessante Begegnungen mit Sprache, Literatur und Autor:innen zu schaffen. Lesen ist zweifellos eine der grundlegenden Kompetenzen im Fremdsprachenunterricht und dient nachweislich der Vokabularaneignung. Aber literarische Texte sind im Unterricht weit mehr als eine Übung des Leseverstehens. Sie dienen dem Nachdenken, dem Erweitern von Wortschatz, der Motivation und der Stärkung kommunikativer Kompetenz. Literatur bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten und Vorteile und muss folglich eine wesentliche Rolle im Fremdund Zweitsprachenunterricht einnehmen (vgl. Schweiger 2013). Zuallererst bietet sie ein hohes Motivationspotenzial bei Lernenden wie Lehrenden und fördert sowohl die Kompetenz beim Textverstehen als auch die Textsortenvielfalt im Unterricht. Sie regt darüber hinaus im Sinne eines dynamischen Kulturbegriffs zu Perspektivwechseln und zur Schulung des Empathievermögens an, indem sie zur kreativen Mitwirkung an Sinnbildung auffordert. (Köck 2017: 100) Keine Frage: Wenn eine Lektüre das richtige Niveau (A1-C2) und das passende Thema sowie eine gute Didaktisierung mitbringt, kann man damit im DaF-Unterricht viel mehr machen als lesen zu üben. Mit meinen diesbezüglichen Erfahrungen als DaF/ DaZ-Dozentin und Autorin von Lektüren möchte ich DaF-Lehrenden der Niveaustufen A1 bis C2 die Scheu bzw. Angst vor dem Einsatz von Lektüren nehmen und im Folgenden zeigen, wie Motivation und Lernerfolge durch Lektüren ganz einfach gelingen – ohne großen Zeitaufwand und Zusatzarbeit für die Lehrenden. Denn es ist ganz leicht, Lektüren aus ihrem Dasein der ungeliebten Randerscheinung und lästigen Pflicht in die Mitte des Unterrichts zu rücken und zu einem Erlebnis zu machen. Ich bin als DaF-Dozentin an der Universität Alicante und an einer Sekundarschule tätig sowie in der Deutschlehrerfortbildung aktiv. Zudem bin ich Autorin von DaF-Lektüren und weltweit zu Gast in DaF-Klassen (vor allem online per Web-Konferenzen). Es handelt sich nicht um klassische Autorenlesungen, sondern um lebendige Begegnung und spannenden Austausch. Oder anders gesagt: Ich kenne LeseProjekte aus beiden Perspektiven: als DaF-Lehrende und als Autorin von DaF-Lektüren. Die wichtigste Voraussetzung für ein Gelingen dieser Art der Unterrichtsbereicherung ist die Bereitschaft der Lehrenden, sich darauf einzulassen, einerseits dem Lesen einer Lektüre etwas Raum zu schenken und andererseits Besuch in der Klasse zu bekommen. Ein Gast an sich ist interessant, stellt ein besonderes Ereignis im Unterrichtsalltag dar. Wenn man mit diesem Gast Gemeinsamkeiten hat und Dinge besprechen will, belebt und fördert dies das Lernen enorm. Viele Lehrende halten an ihrem Lehrplan fest, folgen stoisch einem Lehrwerk, arbeiten mit neuesten digitalen Methoden, integrieren KI in Unterrichtsvorbereitung und Unterricht. Aber der Faktor Mensch – und die Möglichkeiten, die zum Beispiel ein Besuch im Unterricht bietet, werden dabei oft vergessen. 1. Theorie und Methode Laut Kognitivund Neurowissenschaften ist embodied learning (Stolz 2015) eine solide Basis der Fremdsprachenaneignung. Dieser Ansatz steht auch im Mittelpunkt der Neurodidaktik, die Emotion und Motivation ins Zentrum bei Lernprozess und Gedächtnisleistung stellt (Grein 2021). Diskursverständnis, aber auch Leseund Konzeptkompetenz sind besonders für zukünftige Übersetzer:innen und Dolmetscher:innen von großer Bedeutung. Laut neuer Sprachstudien (Danesi 2017) machen Fremdsprachenlernenden methaphorische Ausdrücke am meisten zu schaffen. Seit den Anfängen der Fremdsprachendidaktik versucht man Mündlichkeit zu fördern. Dies ist vor ektüren im DaF/DaZ-Unterricht sind für viele – Lehrende und Lernende – nur ungeliebte Pflichtübungen, durch die man sich gezwungenermaßen quälen muss, weil es die Lehrkraft oder der Lehrplan vorschreibt. Und das ist sehr schade. Denn Lektüren können kostbares, vielseitig einsetzbares Material sein, um zu motivieren, alle Fertigkeiten zu üben, den Unterricht für Jugendliche und Erwachsene spannend zu gestalten, Leben Didáctica intercultural/Interkulturelle Didaktik Magazin 32 Peter, Claudia: Methodologie der effektiven Leseförderung im DaF/DaZ-Unterricht: authentisch - interaktiv – motivierend Magazin 32, ISSN 1136-677X. 2024/25, pp. 56-62. https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.05 58 Diese Bücher bieten spannende, unterhaltsame Geschichten, die dem Sprachniveau (A1-C1), der Alltagsund Jugendsprache und der lebensnahen Thematik angepasst sind. Sie enthalten auch zahlreiche landeskundliche Aspekte sowie viele emotive Sprachelemente, die zur Entwicklung des methaphorischen Denkens beitragen und den Spaß am Lesen garantieren. Die am Ende jedes Buches vorgeschlagenen Übungen bieten weitere autonome Lernmethodologien. 2. Das Experiment Als Beispiel dient die Vorgehensweise mit den Deutschlernenden an der Universität Pablo de Olavide (Sevilla, Spanien) im Jahr 2023, wo dieser neue Ansatz zur neurodidaktischen, auf Emotionen und realen Erfahrungen basierenden (embodied learning) Leseförderung getestet wurde. Von den Deutschlernenden des 1. Studienjahres (A2-B1) im Studiengang Übersetzen und Dolmetschen wurden folgende DAF/DaZ-Lektüren gelesen: Harry und die Stars A1 (Peter 2016) und Mörder in Berlin A1/ A2 (Peter 2016). Das Experiment bestand darin, vor und nach dem Lesen der gesamten Lektüre jeweils ein Online-Treffen der Klasse mit mir durchzuführen. Beim ersten Treffen konnten die Lernenden mich – die Schriftstellerin – persönlich kennenlernen ohne die von mir geschriebene Geschichte zu kennen. Ich stellte mich vor, sie stellten Fragen über mich und das Schreiben im Allgemeinen. Schnell kam ein Gespräch in Gang. Die Online-Begebnung dauerte etwa eine Stunde. Die Erfahrung in Sevilla und anderswo hat gezeigt, dass dieser erste persönliche Kontakt die Lernenden enorm motiviert, das Buch zu lesen. Denn es ist dann nicht mehr nur irgendein Buch, das gelesen werden muss, sondern das Buch eines Menschen aus Fleisch und Blut, den man persönlich kennengelernt hat. Das Buch muss nun nicht mehr gelesen werden – man will es lesen, denn es gibt eine sehr reale, authentische Erwartungshaltung. Und so wurde aus einem Lesenmüssen ein Lesen-wollen. Die ideale Voraussetzung für selbstbestimmtes, freudvolles Lernen. Bei diesem ersten Treffen wurde im Gespräch über den Titel, das Cover usw. eine sehr empathische Erwartungshaltung aufgebaut. Der Mensch hinter der Geschichte wurde lebendig. Gerade in Zeiten der quasi unbegrenzten Verfügbarkeit von Texten – immer allem für zukünftige Fachleute im Bereich Übersetzen und vor allem im Bereich Dolmetschen von immenser Bedeutung. Denn Mündlichkeit ist die korrekte Reproduktion des Diskurses in der Zielsprache. Eine von der spanischen Zeitung La Vanguardia durchgeführte Umfrage zeigt, dass 90% der Menschen in Spanien Schwierigkeiten beim Sprechen einer Fremdsprache haben. Flüssiges Sprechen lernt man vor allem während der Sprachinmersion im Zielland, was oft zeitintensiv, kompliziert und kostspielig ist. Hirschfeld und Kollegen [2021] sprechen von der konzeptuellen und medialen Mündlichkeit oder Verbalität; die erste meint die klingende Sprache, d.h. ihre Wiedergabe und ihr Klingen. Konzeptuelle Verbalität bezieht sich auf die Ausdrucksweise in der Sprache, sowohl schriftlich als auch mündlich. All diese Fähigkeiten sind äußerst wichtig beim Erlernen des zukünftigen Berufes im Bereich Übersetzen oder Dolmetschen in dieser immer globaleren Welt. Camerer (2019) spricht davon, dass es heutzutage schwerfällt, einen »richtigen Muttersprachler« zu finden, weil es mittlerweile sehr viele Akzente und Formen des Sprachgebrauchs gibt. Und trotzdem sind sie alle weiterhin effizient und funktionieren in der Kommunikation. Aus diesem Grund müssen sich die zukünftigen Fachleute in den Bereichen Übersetzung und Dolmetschen den neuen Herausforderungen stellen und auf diese Vielfalt der Sprachvarianten vorbereitet sein. Das Distanzübersetzen (remote interpreting) erschwert das Hörverstehen besonders. Aus diesen und vielen anderen Gründen ist es wichtig, die Ausbildung zukünftiger Sprachfachleute möglichst interaktiv und innovativ zu gestalten, damit der Ausbildungsprozess praxisorientiert und holistisch dargestellt wird (Koreneva Antonova 2023). Dieser Beitrag thematisiert eine neue Erfahrung – ein Experiment – im Fremdsprachenunterricht und schlägt eine interaktive, effektive Methodologie zur Leseförderung in der Verbalitätspraxis im DaF/ DaZ-Unterricht vor. Durchgeführt wurde sie mit Deutschlernenden in der ganzen Welt: Goethe Institute, Sprachschulen, Sekundarund Oberstufen, sowie Universitäten mit den Fachbereichen Übersetzen und Dolmetschen, z.B. Universität Pablo de Olavide, Sevilla und Universität Alicante. Zunächst wurde von den Lernenden eine meiner Lektüren, die dem Kenntnisstand und dem Interesse der Klasse entsprach, ausgewählt, gelesen und Übungen des didaktischen Zusatzmaterials gemacht. Magazin 32 Peter, Claudia: Methodologie der effektiven Leseförderung im DaF/DaZ-Unterricht: authentisch - interaktiv – motivierend Magazin 32, ISSN 1136-677X. 2024/25, pp. 56-62. https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.05 59 Normalfall laden mich Klassen por Lektüre einmal ein, und zwar nach dem Lesen des ganzen Buches. Allerdings ist auch hier der Effekt der Motivation zum Lesen sehr stark gegeben, da die Lernenden bereits vor und beim Lesen wissen, dass sie die Autorin treffen werden, Fragen stellen können, Kommentare geben können und eventuell von der Autorin zu Inhalt und Einschätzung befragt werden. Diese Tatsache motiviert zum genauen Hinschauen, Lesen und Nachdenken. haufiger von KI erstellt – und Fluten von Tutorials war diese erste persönliche Begegnung eine sehr menschliche Erfahrung, die Leben und Authentizität ins Klassenzimmer brachte. Denn »in digitalen Zeiten ist das Lesen eines klassischen Buches zu einer Herausforderung geworden, sowohl für Schüler als auch für Lehrer« (Cutcovschi 2022). Nach dem Lesen hatten sie dann wiederum die Gelegenheit, mir – der Autorin – Fragen zu stellen und ihre Eindrücke, Meinungen, Kritik usw. zu äußern. Somit wurde nicht nur die natürliche Neugier der Lesenden in Bezug auf den kreativen Schreibprozess und die Arbeit einer Schriftstellerin befriedigt, sondern auch das Bedürfnis als Lesende Meinungen, Eindrücke, Emotionen usw. auf Deutsch zu teilen. Eine emotionsgeladene, interaktive Gesprächsform in einer erst vor kurzem erworbenen Fremdsprache lieferte den Deutschlernenden die ideale Möglichkeit, persönlich ein Interview zu erleben (being-in-the-realworld, embodied learning) und erlaubte unmittelbare, praktische Kenntnisanwendung der Fremdsprache bereits auf Anfängerniveau. Dies erhöhte die Motivation und das Interesse am Lesen und Sprechen enorm. »Zweifellos wurden in diesem Experiment die Lesekompetenz und auch allgemein die Sprachkompetenz – in Vergleich mit den Vorjahren (ohne diese Erfahrung) – deutlich gesteigert. Nach dieser sehr positiven Erfahrung steht für uns fest, dass dieser neue, interaktive und emotive Ansatz im DaF/DaZ-Unterricht auf jeden Fall deutlich zur effektiven Leseförderung und zur frühen Entwicklung der praktischen Sprachkompetenzen beiträgt. Dies ist gerade für zukünftige Fachleute für Übersetzen und Dolmetschen von großer Bedeutung und schon ab der A1-Stufe trainierbar«, so die Dozentin Olga Koreneva Antonova (Universidad Pablo de Olavide, Sevilla) in einem Gespräch mit mir nach dem Experiment. Keine Frage: Die emotionsgeladene Erfahrung zukünftiger Fachleute für Übersetzen und Dolmetschen hat der Leseförderung und allgemein dem motivierenden Deutschlernen gedient. Das Interview und die Lesung wurden als Audio aufgenommen und im deutschen Podcast von RadiOlavide Radio Wunderbar veröffentlicht: https://upotv.upo.es/video/ 65817178abe3c6190e8b4567. 2.1. Andere Beispiele Das Experiment in Sevilla war insofern ungewöhnlich, da zwei Treffen stattfanden. Im [ ] Ob Sekundarstufen, Staatliche Sprachenschulen, Senior:innenbildung oder Universitäten in Europa oder auf anderen Kontinenten – die Treffen sind immer ein Erlebnis und mich überrascht und beeindruckt stets, wie genau gelesen, wie viel Wortschatz behalten wurde und wie offen und lebendig die Begegnungen sind. Oft werden im DaF/DaZ-Unterricht künstlich Situationen in Form von Dialogen usw. »gespielt«, um die Sprechkompetenz zu üben. Diese Lektüre-Treffen mit der Autorin sind nicht gespielt. Es sind authentische Gelegenheiten, die erworbenen Sprachkenntnisse anzuwenden. Zu Beginn dieser Treffen bin ich für alle ein wildfremder Mensch, der Deutsch spricht. Scheu und Berührungsängste gibt es aber vergleichsweise wenig. Denn wir alle haben eine Gemeinsamkeit: die Lektüre: – Die gelesene Geschichte – Die dabei empfundenen Gefühle (Emotionen) – Den beim Lesen gelernten Wortschatz Das heißt: Die Gemeinsamkeit ist die Lektüre. Und genau dies macht das Gespräch – egal ob Niveau A1 oder C1 – für alle so einfach. Man kann über Protagonist:innen, Orte der Handlung, die Handlung usw. sprechen, die man in der Lektüre kennen gelernt Das Lektüre-Treffen mit der Autorin motiviert zum genauen Hinschauen, Lesen und Nachdenken. Didáctica intercultural/Interkulturelle Didaktik Magazin 32 Peter, Claudia: Methodologie der effektiven Leseförderung im DaF/DaZ-Unterricht: authentisch - interaktiv – motivierend Magazin 32, ISSN 1136-677X. 2024/25, pp. 56-62. https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.05 60 - Alle müssen die Lektüre gelesen haben. Mehr an Vorbereitung gibt es eigentlich nicht. hat, die einem vertraut sind. Einzige Bedingung für ein gelungenes Treffen ist: Online-Treffen mit einer Sekundarschule in Russland Online-Treffen mit einer EOI in Spanien Besuch einer EOI in Spanien Magazin 32 Peter, Claudia: Methodologie der effektiven Leseförderung im DaF/DaZ-Unterricht: authentisch - interaktiv – motivierend Magazin 32, ISSN 1136-677X. 2024/25, pp. 56-62. https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.05 61 Besuch einer spanischen Sekundarschule mit anschließendem Signieren Besuch einer spanischen Universität Selfie mit Klasse nach Online-Treffen in Russland Online-Treffen mit Sekundarstufe in der Türkei. Schüler spielt zum Dank auf der Gitarre. Didáctica intercultural/Interkulturelle Didaktik Magazin 32 Peter, Claudia: Methodologie der effektiven Leseförderung im DaF/DaZ-Unterricht: authentisch - interaktiv – motivierend Magazin 32, ISSN 1136-677X. 2024/25, pp. 56-62. https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.05 62 3. Das Ergebnis Das verfolgte und erreichte Ziel des Experiments in Sevilla war, Sprachenlernen als eine möglichst holistische Erfahrung zu gestalten (Koreneva Antonova 2023). Und genau das wurde durch die beiden Treffen von Lernenden und Autorin erreicht. Den Lernenden bewusst und erlebbar zu machen, dass hinter einem literarischen Text, hinter einer Geschichte ein Mensch steht, den man kennenlernen kann, mit dem man sprechen kann, schafft wertvolle, emotionale Erlebnisse mitten im Unterricht. Bei den Treffen wurde gelacht, wurden ernste Themen angesprochen. Scheu und Ängste, die es oft bei der Anwesenheit von Fremden im Unterricht gibt, waren nach den ersten Minuten bereits weg. Die Teilnahme war lebhaft, denn der Wortschatz war durch die Lektüre bestens bekannt und die gemeinsame Geschichte bot viel Anlass zu Fragen und Kommentaren. Das Ergebnis ist eine interaktive Methodologie des freudvollen, emotiven Lehrens und Lernens in authentischer und inspirierender Situation, was eindeutig zur frühen und effektiven Sprachanignung und -anwendung beiträgt. Bibliografie Camerer, R. (2019). Aufzeichnung zum Thema »Der neue Begleitband zum GER des Europarats: Auswirkungen auf den Fremdsprachenunterricht?« vom 19.11.2019, Verlag Klett. Avaible: https:// www.youtube.com/watch?v=b2vhpMUn2ns Cutcovschi, L. (2022). Durch Lesen zur Förderung der kommunikativen Kompetenz im DaF-Unterricht. Univers Pedagogic, 3(75), 18-21. https://doi.org/10.52387/18115470.2022.3.17 Danesi, M. (2017). Conceptual Fluency Theory and the Teaching of Foreign Languages (Education in a Competive and Globalizing World: Languages and Linguistics). Ph.D. Nova Science Publishers. Grein, M. (2021). Flexibles Lernen und Interaktion aus neurobiologischer Perspektive, Seminar für Germanistenverband Andalusiens, Verlag Hueber/Fr. Dr. Marion Grein, Universität Mainz. Recuperado el 12 de septiembre de 2022 de https://www.germanistas.com/ cursos/ Hirschfeld, U., Rösler, D. & Schramm, K. (2021). Facetten der Mündlichkeit im DaF-Unterricht. Zur Einführung in den Themenschwerpunkt. Deutsch als Fremdsprache, 3(53), 131-134. Köck, J.B. (2017). Plädoyer für den Einsatz literarischer Texte im Daf/DaZ-Unterricht. In P. Haase & M. Höller (Hg.), Wider die Konstruktion von Fremdheit in Lehrmaterialien: Kulturelles Lernen im DaF/DaZ-Unterricht. Paradigmenwechsel in der Landeskunde (S. 87-104). Universitätsdrucke Göttingen. Koreneva Antonova, O. (2023). Docencia de Interpretación en alemán-español: propuesta de la metodología interactiva y situada con elementos de gamificación. CLINA, Revista interdisciplinaria de traducción, interpretación y comunicación intercultural, 9(2), 183-206. https://revistas.usal.es/dos/ index.php/clina/article/view/31164 Peter, C. (2016). Harry und die Stars. Verlag Liebaug-Dartmann. Peter, C. (2016). Ist Paul noch zu retten? Verlag Liebaug-Dartmann. Stolz, S.A. (2015). Embodied Learning, Educational Philosophy and Theory: Incorporating ACCESS. Educational Philosophy and Theory, 47(5), 474-487, https://doi.org/10.1080/00131857.2013.879 694 Online-Treffen mit einer Sprachschule-Senior:innenklasse in Dänemark