Das Entstehen des christlichen Glaubens
Full text
Otakar A. Funda Das Entstehen des christlichen Glaubens KArOlinum
Das Entstehen des christlichen Glaubens Otakar A. Funda (Prof. ThDr. Dr. Theol.) rezensenten: Prof. Dr. Gerd lüdamann, Göttingen Prof. Dr. Heikki rãisãnen, Helsinki Satz DTP Karolinum Erste Ausgabe © Otakar A. Funda, 2012 iSBn 978-80-246-2112-8 (online : pdf) Karls-universität Prag Verlag Karolinum 2012
Prof. ThDr. OTAKAr A. FunDA Dr. Theol. (geb. 1943 in Prag). 1965 beendete sein Studium an der Evangelischen theologischen Comenius Fakultät in Prag. 1965–1966 Studium an der Philosophischen Fakultät Karlsuniversität in Prag. 1966–1967 Postgradual Studium an der Theologischen Fakultät Universistät in Basel. 1971 promovierte O. A. Funda an der Theologischen Fakultät der Universität in Basel bei Prof. M. Geieger, auf dem Grund der Dissertation: T. G. Masaryk, sein philosophisches, religiöses und politisches Denken, veröffentlicht im Verlag Petr Lang, Bern, Frankfurt am M., Las Vegas, 1978, in der Reihe: Basler und Berner Studien zur historischen und systematischen Theologie, Band 36. Die kommunistischen Behörden in der damaligen Tschechoslowakei haben die Nostrifikation (Einbürgerung) seines Titels von Universität Basel abgelehnt. Nach manchen Schwierigkeiten promovierte Funda 1981 an der Evangelischen theologischen Fakultät in Prag bei Prof. A. Molnár auf dem Grund der Dissertation: Eirenaios´ Recapitulatio Lehre, und bekamm sein zweites Dr.Theol. Seine Habilitationsschrift (1984) dem Projekt der Entmythologisierung und der existenziellen, anthropologischen Interpretation des christlichen Glaubens gewidmet, haben die kommunistischen Staatsbehörde von politischen Gründen zur Debatte nicht zugelassen. 1968–1986 war Funda als Pfarrer in der Evangelischen Kirche des Böhmischen Brüder tätig. Während der achtziger Jahre hat er seinen Schritt von der Theologie zur Philosophie und Religionswissenschaft getan. Gleich nach der Wende im Januar 1990 wurde er zur Lehrtätigkeit an die Karlsuniversität berufen. Seine Habilitation wurde angenommen, er las als Dozent habil. zuerst an der Hussitischen theologischen Fakultät, hatte Lehrstuhl für Philosophie und Religionswissenschaft inne, ab 1994 an der Pädagogischen Fakultät der Karlsuniversität. 2003 wurde er auf dem Grund seiner Publikation, Forschung und Lehrtätigkeit vom Staatspräsidenten zum Professor für Philosophie ernannt. 1999–2002 wurde er Prodekan der Pädagogischen Fakultät der Karsluniversität. 2010 ging er auf eigenen Gesuch in Ruhestand. Er liest noch als Gast an der Philosophischen Fakultät der Westböhmischen Universität und an der Privaten Hochschule für Literatur und europäische Bildung in Prag, wo er aber von allen anderen Pflichten frei ist. ,
Buchpublikationen T. G. Masaryk, sein philosophisches, reliGiöses und poliTisches denken, Petr Lang Verlag, Bern, Frankfurt am Main, Las Vegas 1978. Víra bez nábožensTVí, Prvokruh, Praha 1994, (Glaube ohne Religion). de profundís, doxai. Pedagogická fakulta UK, Praha 1997 (Tschechisch). znaVená eVropa uMírá, Karolinum, Praha 2000, Nachdruck 2002, (Das ermüdete Europa stirbt). Mezi Vírou a racionaliTou, Marek, Brno 2003, (Zwischen Galuben und Rationalität). Ježíš a MýTus o krisTu, Karolinum, Praha 2007, (Jesus und Mythos vom Christus). když se rákos chVěJe nad hladinou, Karolinum, Praha 2009, (Philosophische Texte und Fragmente) Ins Tschechisch übersetzt: Albert Schweitzer: Reich Gottes und Christentum. Das Christentum und die Weltreligionen, Vyšehrad, Praha 1989 (Albert Schweitzer, zastánce kritického myšlení) auch Einleitungstudie von O. A. Funda. Traugott Holtz: Jesus aus Nazaret, Vyšehrad, Praha 1991. Gerhard Ebeling: Das Wesen des christlichen Glaubens, Oikumené, Praha 1996. Schwerpunkte der Forschung und Lehrtätigkeit: Traditionen des europäischen Denkens Philosophische Reflexion der europäischen Identität Quellen des europäischen Humanismus Jesus und Urchristentum in religionswissenschaftlicher Sicht Philosophische Reflexion des Christentums Das Bild des Menschen in der antiken Mythologie, in der Hebräischen Bibel und im Neuen Testament Religionsphilosophie – Existenz, Transzendenz und Rationalität Kritisches Denken als Merkmal der europäischen Identität Themen aus der Philosophiegeschichte (besonders: Stoa, Empirismus, Aufklärung, Logischer Possitivismus). Kritischer Realismus und kritischer Rationalismus Realität, Objektivität, Rationalität, Humanität (G. More, N. Hartmann, A. N. Whitehead, K. R. Popper, H. Albert) Rationalität und Existenz Hans Alberts Kritik der modernen Theologie Monographien oder monographische Studien über: Thomas G. Masaryk, Albert Schweitzer, Rudolf Bultmann, Hans Albert :
5 O. A. Funda: Das Entstehen des christlichen Glaubens Europa wurde durch Jahrhunderte vom Christentum geprägt. Die zentrale Frage der Geschichte Europas heisst darum: Wie ist der christliche Glaube entstanden? Mit dieser Frage steht und fällt das Christentum weltweit– mit seinen Kathedralen, Kirchen und Gemeindehäusern. Wenn in der Geschichte etwas geschehen ist, ist es in bestimmter Eindeutigkeit geschehen, auch wenn den Akteuren dies Geschehen die Motive und Vorgänge ihres Handelns nicht eindeutig klar gewesen waren. Es gibt also auf die Frage, wie es zum christlichen Glauben kam, eine eindeutige Antwort, auch wenn wir zu ihr nicht ganz eindeutig durch die urchristlichen Traditionsschichten durchdringen können. Anders wird vom Standpunkt seines Glaubens auf diese Frage ein rechtgläubiger Christ antworten, anders ein Religionswissenschaftler, der als Historiker von der historisch-kritischen Methode konsequent Gebrauch macht. Der Gläubige wird den christlichen Glauben als von Gott, oder von dem auferstandenem Christus, also als von Jenseits initiiert verstehen. Ein Historiker, der die Phänomene der Geschichte nicht von Jenseits, sondern vom menschlichen Handeln, von menschlichen Vorgängen erklärt, wird die Entstehung einer Religion, in unserem Falle die Entstehung des christlichen Glaubens, von dem Menschlichen und aus dem Menschlichen erklären, also von menschlichen psychischen Vorgängen. Dabei, um dem Thema gerecht zu werden, sollte er nicht verschweigen, dass die ersten Christen tief überzeugt waren, dass ihr Glaube nicht in ihren menschlichen Vorgängen ihren Ursprung hat, sondern dass er ihnen in ihr Leben gegeben, gesagt wurde, von Jenseits, von Oben. Dieser Text bringt die Vorlage für den frei gesprochenen Vortrag O. A. Funda’s in Göttingen im März 2012.
6 O. A. Funda: Das Entstehen des christlichen Glaubens Der Theologe, der teilweise mit der historisch-kritischen Methode arbeitet und zugleich sich selber dem Glauben verpflichtet, sich selber als den Gläubigen verstehen mag, wird sich zwischen diesen beiden Positionen uneindeutig bewegen– non clare et non distincte. Ein Beleg für viele: G. Theißen. In seinem Buch „Religion der ersten Christen“ entwickelt er seine religionswissenschaftliche Theorie, Religion als Zeichensprache, und kommt mit der These der Überbietung. Die demonstriert er schon an der Religion des alten Israel, und dann wendet er sie auf die Entstehung des christlichen Glaubens an. Folgen wir kurz Theißens Gedankengang: Die babylonische Gefangenschaft bedeutete für Israeliten eine tiefe Krisis ihres Glaubens, ihres Vertrauens zu Jahwe, ihres Bewusstseins der Erwählung. Die einzige Möglichkeit, diese Krisis zu überwinden, bestand darin, ihren Jahwe, Gottheit ihres Bundes, ihrer Volksgemeinschaft, trotz der Katastrophe, als den einzigen, richtigen Gott über alle Götter und über alle Völker zu erheben. Das haben sie auch getan. Der Sieg der Babylonier über Israel wurde dann von diesem einen, einzigen Jahwe, Gott Israel, und zugleich dem einzigen universalen Gott der Welt zugelassen als Strafe für die Sünden Israels. Dieser Gott Israels und zugleich der einzige universale Gott hat sich aber trotz der Katastrophe, die er zugelassen hat, von seinem Volk nicht losgesagt. Es kommt einmal die Zeit, verkündigten die Propheten, da wird er seine Treue zu seinem Volk bewähren, ja sogar alle Völker kommen zu Israel. Das Volk Abrahams wird zum Segen für alle Völker. Das Erhöhen Jahwes, einer Volksgottheit zum universalen Gott über alle Völker, das war die Überbietung der Krisis der Religion des alten Israels, der tiefen Krisis, die die babylonische Gefangenschaft für Israel bedeutete. Von meinem nicht theologischen, sondern religionswissenschaftlichen Standpunkt werde ich hinzufügen: Durch diese ungeheuere Überbietung haben die Propheten Israels den israelitischen Gott und den Glauben des Volkes Israel, sowie auch ihren eigenen Glauben gerettet. Etwas Ähnliches hat sich, nach Theißen, auch nach der Kreuzigung Jesu ereignet. Seine Anhänger haben ihre Krisis angesichts des Kreuzes dadurch überwunden, dass sie den Gekreuzigten nicht als Sieger über das Synhedrium, oder über Pilatus, sondern als Sieger über alle bösen Mächte erklärt hatten, ja als den, der den höchsten Feind, die Sünde und den Tod besiegt hat. Er ist aus dem Tode auferstanden. Ich möchte nur hinzufügen, dass diese Überbietung der Krisis kein augenblickliches Ereignis, sondern ein stufenweises Geschehen war. Da-
7 O. A. Funda: Das Entstehen des christlichen Glaubens rum spreche ich von den Phasen des Entstehens des christlichen Glaubens, und vom vorläufigen Proto-Glauben. Mit Zustimmung folge ich dieser Überbietungsthese von Theißen. Aber plötzlich in der Anmerkung 8 auf der Seite 80, bricht Theißen diesen seinen religionswissenschaftlichen Gedankengang ab und versucht sich als dennoch gläubiger Theologe zu retten, indem er sagt: „Noch einmal sei betont: Ich versuche hier keine psychologische Ableitung der Ostererscheinungen. Die Ostererscheinungen sind mit Konflikten [...] verbunden, aber sie lassen sich aus ihnen kaum ableiten.“1 Hic sunt leones! Hic Rhodos, hic salta. Ein Anhänger einer Religion, der Inhalte seiner Religion innerlich teilt, erklärt ihren Ursprung „von oben“, von göttlicher Offenbarung. Ein Religionswissenschaftler, der als Historiker, das Menschliche vom Menschlichen erklärt, wird auch die Entstehung einer Religion von menschlichen psychischen Vorgängen erklären. Eine andere Art und Weise, wie man die Entstehung einer Religion erklären kann, kenne ich nicht. Tertium non datur! Der Unterschied besteht darin: Der Theologe hat im Selbstverständnis der gläubigen ersten Christen, so wie auch in seinem Glauben, den Grund für diese seine Auffassung. Der Religionswissenschaftler kann für die seine auf die durchaus menschliche Erklärung von menschlichen Vorgängen, sowie auch auf menschliche Analogien, hinweisen. Der Theologe wird für seine Auffassung die Hermeneutik zu Hilfe rufen und erwidert: Nur der, der nicht von außen, sondern von innen diese Sache sieht, wird ihr gerecht, und kann etwas adäquat darüber sagen. Überlassen wir also den Theologen ihre Zweideutigkeiten und kehren wir mit konsequent historisch-kritischer Methode zu unserem Thema, zum Entstehen des christlichen Glaubens als dem menschlichen Phänomen in der menschlichen Geschichte zurück. Jesus wurde gekreuzigt. Die Gründe, Umstände, Datierung und juristischen Probleme seiner Hinrichtung liegen jetzt außerhalb unserer Betrachtung. Mit Sicherheit können wir annehmen, dass er auf dem Wege von Galiläa nach Jerusalem von einer Schar seiner Anhänger begleitet wurde. Die, die ihm besonders nah standen, folgten ihm den ganzen Weg. Vielleicht wurde Jesu Wirken auf mehrere Jahre, sogar etwa drei, ausgedehnt. Die Gruppe mit ihrem bescheidenen Unterhalt wurde sehr wahrscheinlich von einigen, in den Evangelien sogar genannten Frau1 G. Theißen: Religion der ersten Christen, Ch. Kaiser, 3. Ausgabe, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2003, S. 80.
8 O. A. Funda: Das Entstehen des christlichen Glaubens en– obwohl ihre Namen variieren– unterstützt.2 Vor allem der synoptischen Tradition können wir entnehmen, dass diese Anhänger Jesu in irgendeiner Weise die von ihm verkündigte Nähe der Gottesherrschaft teilten.3 Wie genau die Vorstellung Jesu von der Gottesherrschaft war– wie weit, oder ob er sie überhaupt mit dem Endgericht verband, oder nicht verband, wie er die Gestalt des Menschensohnes verstand, lassen wir jetzt außer Acht. Diese Fragen gehören in die Forschung nach dem historischen Jesus. Uns interessiert jetzt die Entstehung des christlichen Glaubens. Mit Sicherheit können wir sagen, dass die nächsten Anhänger Jesu ihn kurz vor der Kreuzigung verlassen haben (Mk 14,50; Mt 26,56 b). Sehr wahrscheinlich mit Ausnahme einiger Frauen. Die Mutter Jesu gehörte fast bestimmt nicht zu diesen, die bringt erst das Evangelium nach Johannes unter das Kreuz (Joh 19,25–27). Diese Angabe, dass die Jünger ihn verlassen haben, gereicht den Jüngern nicht zur Ehre. Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass diese Angabe sich erst später ein Schreiber einer Tradition oder des Evangeliums ausgedacht hätte, wenn sie nicht tief in der alten Tradition, ja in der historischen Reminiszenz verankert wäre, so dass keiner sie retouchieren konnte. Randbemerkung: Bei den Tatsachen, wo in der breiten Forschung allgemeine Übereinstimmung auf dem Grund der urchristlichen Texte herrscht oder überwiegt, verzichte ich auf Literaturhinweise. Sonst müsste ich entscheiden, bei welchen von vielen, vielen Forschern soll ich hier anfangen: ob schon bei David Strauss, oder schon bei Christian Ferdinand Bauer oder erst bei Walter Bauer, oder erst bei Johannes Weiss, oder bei Martin Kähler, oder bei Wilhelm Bousset, oder bei Albert Schweitzer, oder erst bei Ernst Lohmeyer, oder erst bei Rudolf Bultmann und Günther Bornkamm, Hans Conzelmann, Ernst Käsemann, oder bei Oscar Cullmann, oder bei Feine, Böhm, oder erst bei beiden Stegemanns, oder Martin Hengel, Gerd Theißen, Ulrich Luz, oder Gerd Lüdemann. Und die Menge der würdigen, hier jetzt nicht erwähnten Forscher, bitte ich um liebenswürdige Entschuldigung. Die Kommentare zu urchristlichen Texten und Literatur über das Urchristentum bilden 2 Frauen Namen in Evangelien– Hinweise in Evangelien: Lk 8,1–3, Dazu mehr: G. Theißen: Wir haben alles verlassen, in: Studien zur Soziologie des Urchristentum, Mohr & Siebeck, Tübingen 1989. E. W. Stegemann, W. Stegemann: Frauen in Jesusnachfolge im Land Israel, in: Urchristliche Sozialgeschichte, Kohlhammer, Stuttgart 1997, S. 323–329. 3 Die Jünger haben Jesu Erwartung der Gottesherrschaft mit ihm geteilt, auch wenn in ganz verschiedenen Vorstellungen– dazu mehr: G. Theißen: Wanderradikalismus, In: Studien zur Soziologie des Urchristentums. E. W. Stegemann, W. Stegemann: Urchristliche Sozialgeschichte, Kohlhammer, Stuttgart, 1997, S. 168–188.
9 O. A. Funda: Das Entstehen des christlichen Glaubens eine umfangreiche Bibliothek. Viele neue Arbeiten variieren oder ergänzen das schon früher Gesagte. Wirklich neu sind vor allem die von David Flusser und anderen Forschern entdeckten indirekten Zusammenhänge zwischen Qumran und Urchristentum. Gehen wir von der Tatsache aus, dass die Anhänger, oder wenn Sie schon wollen, die Jünger Jesu, die ihn von Galiläa nach Jerusalem begleiteten, ihn kurz vor der Kreuzigung verlassen haben. Irgendwo hin mussten sie sich begeben. Die Hypothese, schon von Ernst Lohmeyer,4 dass sie kurz nach der Kreuzigung Jesu nach Galiläa zurückkehrten, halte ich für sehr wahrscheinlich. Im Unterschied zu Lohmeyer: Sie mussten in Galiläa nicht gleich Urgemeinden bilden. Der Schreiber des Lukascorpus– in seinem Interesse an der Kirche und ihrer Geschichte– verschweigt zwar diese Tatsache, er lässt die Jünger nach der Kreuzigung Jesu in Jerusalem bleiben, aber es gibt genug Hinweise und Andeutungen in den Evangelien, beziehungsweise in der den Evangelien eingearbeiteten alten Schicht der mündlichen Tradition, dass sie nach Galiläa, wahrscheinlich auch mit den Frauen, die aus der Nähe die Kreuzigung gesehen haben, zurückkehrten . Dazu: Mt 28,7; Mt 28,16–17; Joh 21,1–14. Ob Jesus vom Kreuz nach Elia gerufen hat, oder ob er mit den Worten des Psalmes 22, 2 starb, wissen wir nicht. Jedenfalls ist keine Gottesherrschaft angebrochen. Der Himmel blieb verschlossen. Jesu Leichnam kam aller Wahrscheinlichkeit nach zuletzt in ein gemeinsames Grab für Hingerichtete.5 Die johannäische andere Variante der Herabnahme vom Kreuz, nicht durch Joseph von Arimatia, sondern durch den römischen Söldner auf Wunsch des Synhedriums, halte ich für sehr wahrscheinlich (Joh 19,31–37). Die erst später entstandene Legende vom leeren Grab, die Paulus noch nicht kannte, brauchte das konkrete Grab zum Identifizieren, und so enstanden die verschiedenen Versionen von der Grablegung durch Joseph von Arimatia.6 Die Anhänger Jesu, die nach Galiläa zurückkehrten, befanden sich in einer tiefen Krisis. Welcher Art auch immer, das bleibt uns verschlossen, 4 E. Lohmeyer: Galiläa und Jerusalem, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1936. 5 G. Lüdemann: Auferstehung, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, S. 65–67: „Wie wurde Jesus von Nazareth wirklich bestattet?“„Die Hypothese einer Bestattung Jesu im Familiengrab des Joseph von Arimatia scheitert an der Tendenz der frühchristlichen Berichte“; „Im Falle einer Kenntnis des Grabes Jesu hätten die früheren Christen dieses verehrt.“ J. D. Crossan: The historical Jesus. The Life of a Mediterranean Jewish Peasant, 1991, S. 294: „Nobody knew what had happened to Jesus´ body“. 6 Hinweis auf verschiedene Varianten der Legende von der Grablegung Jesu von Joseph von Arimatia in kanonischen Evangelien: Mk 15,42–47; Mt 27,57–61; Lk 23,50–56; Joh 19,38–42– dazu mehr in Kommentaren zu den Evangelien, Grundmann, NTD, Meyers Kommentar.
16 O. A. Funda: Das Entstehen des christlichen Glaubens II. Die zweite allgemein bekannte Stelle, wo das Wort maranata vorkommt, finden wir in der Didaché, im Zusammenhang der Eucharistieliturgie, Didaché 10,6: „Komm Gnade und verändere diese Welt. Hosanna dem Gott Davids. Wer heilig ist, komm! Wer nicht, tue Busse! Maranata Amen!“ Auch an dieser Stelle ist der Ruf mit strenger Ermahnung, mit Warnung verbunden. Im Wörterbuch zum NT finden Sie die Argumente, dass man diesen Ruf als: „Komm unser Herr!“ oder „Unser Herr kommt“ oder „Unser Herr ist gekommen“ übersetzen kann. Das Argument, dass in der Didache– entweder um das Jahr 80, oder um das Jahr 100 entstanden– dieser Ruf als spätere liturgische Formel angewendet wurde, ist nicht zu halten. David Flusser hat überzeugend nachgewiesen, dass der Text von den „Zwei Wegen“ in der Didache qumranischer Herkunft ist.25 Es spielt also keine Rolle, in welche Zeit wir die urchristliche Endredaktion der Didache datieren. Belegt ist, dass diese Schrift alte, ja sogar vorchristliche Schichten beinhaltet. Wenn die Anrede „mara“ schon bei den Essenern bekannt war, und wenn der Text von den Zwei Wegen qumranischer Herrkunft ist, kann man vermuten, dass auf diesem Wege die Anrede „ mara“ in das Urchristentum kam. Die Damaskus-Schrift, in der die Anrede „mara“ oder „ more“ belegt ist, repräsentiert einen Abzweig von Qumran, dazu mehr bei David Flusser.26 Diese Essenergemeinschaft um Damaskus hatte in Einzelheiten eine spezifische Prägung im Vergleich zu Qumran. Woher kamen die hellenistischen Juden um Stephanus nach Jerusalem? Wahrscheinlich von dort, wohin sie sich nach der Stephanussteinigung begeben hatten, und wo sie dann Saul-Paulus im Auftrag vom Synhedrium wegen ihrer Irrlehre aufsucht, um eine Lehrzucht durchzuführen: Von Damaskus. Der Zusammenhang zwischen Essenern und Urgemeinde ist auch durch die Stephanus-Rede vor seiner Steinigung belegt: Der Satz Apg 7,48 „der Höchste wohnt nicht in einem Bau, der von Menschenhand gemacht ist“, in Anspielung an Jes 66,1 und 1 Kön 8,27, sowie auch an Jesus, Mt 26,61 und Joh 2,19, dass Gott nicht im Tempel wohnt, korrespondiert mit der Kritik der Essener am Tempel.27 Auch der Satz in der Stephanus-Rede: „O ihr Halsstarrigen und an Herz und Ohren Unbeschnittenen! Immerfort widerstrebt ihr dem Heiligen Geist, wie eure 25 Ibid., S. 95–104. 26 Ibid., S. 17 u. 139–140. 27 Ibid., S. 46, 65. Dazu noch: C. A. Evans: Oposition gegen den Tempel, in: Charlesworth: Jesus and the Dead Sea Scrolls, Doubleday, New York, London, Toronto, in tschechischer Übersetzung, Vyšehrad, Praha 2000, S. 242–257.
17 O. A. Funda: Das Entstehen des christlichen Glaubens Väter“, zeigt bestimmte Verwandtschaft mit der Kritik der Essener an den Pharisäern, besonders an den Sadduzäern.28 Diese Zusammenhänge und Indizien lassen uns vermuten, dass die schon bei den Essenern bekannte Anrede „mara“, Anrede des Lehrers war; sie wurde im Urchristentum neu aktuell, und sie war an den Gekreuzigten gerichtet, als an den diesen Jüngern so vertrauten, bekannten Lehrer, Meister, Rabbi Jesus. Mit dem christologischen Titel kyrios hat dies mara noch nichts zu tun. Der Titel kyrios stammt vom Kaiserkult; er trat in der Polemik mit diesem in den Vordergrund. Wenn die Didaché diesen Ausruf erwähnt, geht dies wahrscheinlich auf die älteste urchristliche Schicht zurück. Aus einem urchristlichen, spontanen, schwärmerischen Parusieausruf maranata wurde später eine schon korrigierte liturgische Formel. Die ursprüngliche visionäre Dynamik ist mit der Zeit zu einer liturgischen Formel kondensiert. Vom Ausruf „Komm, unser Herr“ wurde „Unser Herr kommt“ und „Unser Herr ist gekommen“. So viel wir von der christlichen Eucharistie wissen oder vermuten,29 haben die Christen sich in der Nacht versammelt, haben Gottesdienst gefeiert, und wenn mit der Morgenröte die Parusie nicht stattfand, haben sie sich Christus in der Eucharistie vergegenwärtigt. Der spontane Parusieruf wurde unmittelbar vor der Eucharistie ausgerufen. Wenn die Parusie nicht stattgefunden hatte, begann die Feier der Eucharistie. Mit der Zeit wurde von einem ekstatischen Ausruf eine geprägte liturgische Formel. Vom Parusieausruf „Komm, unser Herr!“ wird die eucharistische Proklamation „unser Herr kommt“, oder „unser Herr ist gekommen“. Da haben aber schon die ersten Christen mit der Parusie das sogenannte zweite Kommen Christi verstanden, weil sie im Einklang mit des Paulus Glaubensformel das Kreuz und die Auferstehung als erstes Kommen Christi verstanden haben. Aber in der ur-urchristlichen Urschicht, noch vor Paulus‘ Glaubensformel, wurde der Ausruf maranata nicht mit der Erwartung der zweiten Herkunft Christi verbunden, sondern mit der Erwartung, dass der Gekreuzigte gleich kommt, und die Gottesherrschaft, die er verkündigte, hier auf der Erde in Bewegung setzt. Die Urchristen in dieser ersten Schicht, wussten noch nichts von Paulus und von Johannes, sie wussten noch nichts von einer Schar der Erlösten im Himmel. 28 D. Flusser: Das essenische Abenteuer, in tschechischer Übersetzung, Oikumené, Praha 1999, S. 27, 58 und 61; Dazu mehr: Martin Hengel, Judentum und Hellenismus, Mohr & Siebeck, Tübingen 1988, Kap. III/7, S. 394–406. 29 J. Neijenhuis: Das Eucharistiegebet, Evangelische Verlaganstalt, Leipzig 1999.
18 O. A. Funda: Das Entstehen des christlichen Glaubens III. Die dritte Stelle, wo maranata vorkommt, ist der Schluss der Offenbarung des Johannes. Da ist es schon ins Griechische übersetzt, Offb 22,21: Erchou kyrie Iesou. Hé charis tou kyriou Iesou meta panton. Merken wir, dass ähnlich wie im Didachetext, auch hier maranata mit der Rede von der Gnade zusammen steht. Auch wenn die Datierung der Offenbarung des Johannes ein strittiges Thema ist, jedenfalls spricht in der Johannesoffenbarung eine Tradition des christlichen Radikalismus. Gleich vor dem Ausruf maranata versichert in der Johannesoffenbarung der Herr die Seinen, dass er bald kommt. In der Offenbarung des Johannes wird unter maranata bereits das zweite Kommen Christi verstanden. In der Offenbarung des Johannes ist Christus Alfa und Omega, Offb 22,13. Damit korrespondiert das aramäische „ata“. at. Suffixal kann man trennen: Aleph und Taw, der erste und letzte Buchstabe des hebräischen Alphabets. Darauf machen alle Artikel zum Stichwort maranata in verschiedenen Editionen des Wörterbuchs zum Neuen Testament aufmerksam. Eine Schrift oder einen Gesang mit dem Namen der Gottheit, oder mit dem Ausruf der Gottheit zu beenden– das war im Altertum übliche literarische Manier. Das letzte Wort der Ilias bei Homer heißt Hera. Der erste Sang der Odyssee endet mit Athéna. Das letzte Wort Thebais von Statias heißt Mithra. Indem die Johannesoffenbarung an den Schluss der Kanonsammlung– nach allem Verzögern– doch noch eingegliedert wurde, endet mit dem maranata das ganze Neue Testament. Ich habe fast Lust zu sagen: Der Ausruf, mit dem alles begonnen hat, steht am Ende. IV. An vielen Stellen in den Evangelien lesen wir eine– im Präsens oder Aorist– variierte Redeweise: Erchetai ho Iésus kai legei autois. Ist es wirklich nur eine bloße Verbindungsformel, die ältere Traditionen oder Logien miteinander verbinden soll? Ist es nicht mehr els bloße Verbindungsformel, sondern eine liturgische Formel? In der Hebräischen Bibel ist von Jahwe die Rede, dass er der ist, der kommt und redet. Er geschieht in seinem Wort. Wenn Jesu Worte und Taten in den Evangelien mit der Redeweise eingeleitet sind, „er kommt“, „er kommt und sagt“, oder „er kommt und tut“, so vermute ich, der damalige jüdische Hörer sollte dahinter die Anspielung wahrnehmen: Der, der hier jetzt kommt und spricht, oder kommt und tut, kommt im Auftrag Gottes. Ich stelle die Frage: Ist die Redeweise „erchetai ho Iesus kai legei“, in verschiedenen Variationen, wirklich nur Verbindungsredeweise, oder eine ganz unkonventionelle kerygmatische Einleitungformel? Übrigens: das
19 O. A. Funda: Das Entstehen des christlichen Glaubens verbum radix „hjh“, übersetzt Septuaginta mit ginesthai, aber auch mit erchesthai. Ginesthai, erchesthai, hjh gehört zum Wesen Gottes. „Gottes Sein ist im Werden“, sagen wir mit Eberhard Jüngel. Aber auch in der hellenistischen Welt war diese Formel plausibel. Die kommende Gottheit war eine, ja in ihrer Bedeutung verschiedene, vielschichtige, aber immerhin allgemein verständliche und verwendete religiöse rhetorische Figur. „Erchetai“ und „legei“, das war nicht nur den Juden verständlich. Besonders das Johannesevangelium, das die Brücke zur hellenistischen Welt baut, arbeitet sehr häufig mit der Kategorie erchesthai, ja sogar mit dem participium erchómenos. Jesus sagt im Johannesevangelium in den „Ego eimi“– Reden immer woher, wozu oder warum er gekommen ist.30 Er proklamiert sich selber und er wird proklamiert als der erchómenos. Bei Klemens von Alexandria und bei Origenes finden wir etwas mehr als 550 Belege von Erchomenos. Klemens und Origenes verwenden dieses participium schon eindeutig als christologischen Titel. Die Absicht meiner Maranatahypothese besteht darin, auf den Zusammenhang des langen Weges von maranata bis zum erchómenos hinzuweisen. Wie ist der christliche Glaube nach dem Kreuz entstanden? Hat sich der Auferstandene seinen Jüngern, erst Frauen, dann auch Männern offenbart, oder haben die nächsten Anhänger Jesu durch ihren Ausruf maranata, voller Schmerz und zugleich voller Hoffnung und apokalyptischer Erwartung, den christlichen Glauben in Gang gesetzt? Mit maranata– hat meiner Meinung nach– alles begonnen. Der Ausruf maranata hat den Gekreuzigten zur Rechten Gottes erhöht. Der Ausruf maranata hat Jesus aus dem Tode erweckt.31 30 Schmoller, Konkordanz, erchesthai, erchómenos im Johannesevangelium. Dazu mehr: O. A. Funda: Maranata– Erchómenos, tschechisch Religio I/ 1998. 31 Erst 2011 wurde ich auf das Buch: M. Puglischi: Gésú e il mito di Cristo, G. Laterza, Bari 1912 aufmerksam gemacht. Puglischi sagt: „Die ersten Christen haben zuerst keine Literatur verfasst, weil sie maranata ausgerufen haben.“ Zum Thema Vision, religiöse Wahrnehmung, mehr: G. Theißen: Erleben und Verhalten der ersten Christen. Eine Psychologie des Urchristentums, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2007, S. 124–203.
20 O. A. Funda: Das Entstehen des christlichen Glaubens SchLuSSworT Wenn Sie mich fragen: „Was wollen Sie eigentlich damit sagen?“ ist meine Antwort: Das, was ich gesagt habe. Dass der Glaube an Christus, so wie auch der Glaube an Gott ein menschliches Gebilde ist. Der Slovakische Neutestamentler von der Lutherischen theologischen Fakultät der Universität Bratislava, Karol Nandrásky, den ich sehr schätze, hat mir in unserer Briefdiskussion geschrieben: “Es gibt auch positive Illusionen“. Ja richtig, dem stimme ich teilweise zu. Zwar als kritischer Realist vom Standpunkt des kritischen Rationalismus, den ich nicht ganz als Widerlegung des Positivismus interpretiere, (das wäre ein Thema für einen extra Vortrag), werde ich sagen: Was für einen Wert hat eine positive Illusion, wenn sie mit der Wirklichkeit nicht im Einklang ist? Aber gut. Lassen wir diese Fragestellung offen. Eine Frage finde ich wichtig und gerechtfertigt: Was bleibt dann noch vom Christentum? So hat sich schon einmal Albert Schweitzer gefragt und er antwortete: „Herausforderung zur Liebe zum Nächsten“ So hat sich auch Herbert Braun gefragt, und er antwortete: Eine spezifische Anthropologie. Ich teile diese beiden Antworten. Der Kern des Mythos vom Christus besteht in einer ganz spezifischen Anthropologie. Worin sie besteht? Das wäre wieder ein Thema für mindestens einen eigenen Vortrag. Dieses Thema habe ich in Vorlesungen in mehreren Semestern während meiner zwanzigjährigen Tätigkeit an der Karlsuniversität variiert. Auch wenn ich die christliche Anthropologie nicht unbedingt teilen muss, auch wenn ich ihr gegenüber bestimmte Vorbehalte haben kann, muss ich aber als der, der sich vom religionswissenschaftlichen Standpunkt mit dem Urchristentum beschäftig, adäquat zu Worte kommen lassen, wie die christliche Anthropologie sich selber versteht, was sie sagt, was sie bringt. Ich versuche es zum Schluss in drei Punkten anzudeuten. + Die Frage nach Gott bleibt eine offene Frage. Es wäre Wahnsinn zu meinen, dass der Mensch jemals mit dieser Frage fertig wird. Warum zieht die Frage nach Gott den Menschen immer an? Mit primitiven Antworten kommen wir hier nicht aus. Die durchaus menschliche Frage nach dem Menschen führt den Menschen zur Frage nach Gott, nach der Transzendenz, nach der Dimension der Gnade, nach der Erlösung. + Die Anthropologie des Mythos vom Christus bringt zum Ausdruck, dass die tiefe Dimension des Menschseins Gnade heißt. Der Mensch ist nicht nur das, was er weiß, was er kann, was er leistet. Sein Humanismus reicht nicht aus. Er braucht die Gnade, die ihn rettet, die ihm die Hoff-
21 O. A. Funda: Das Entstehen des christlichen Glaubens nung und Zukunft öffnet. Das ist das Kerygma des Mythos vom Christus. Als uns in Prag der links orientierte atheistische Philosoph Slavoj Žižek im Jahre 2008 in der philosophischen Gesellschaft besucht hatte, begann er mit den Worten: „Humanismus reicht nicht aus“. Er hinterließ uns in Prag sein Manuskript: „Humanismus reicht nicht aus.“ Wir hatten die Ehre, dass dieser Text zuerst tschechisch erschienen ist. Wir können dies Thema diskutieren. Wir können widersprechen. Wir können sagen: Aber wir haben nichts Besseres. Wir können sagen: Es bleibt uns nichts anderes übrig als Humanismus. Aber wir sollen uns zuerst diese Frage: Reicht der menschliche Humanismus aus gegen alle Schrecken, alle Schmerzen, alle unmenschliche Bestialität in unserer Welt?– in unser Leben tief eingehen lassen. Mit dieser Frage wird der Mensch nie fertig. + Oft wird gesagt: Der europäische Humanismus hat in der Antike seinen Ursprung. Ich meine, das ist nur sehr, sehr teilweise wahr. Vielleicht stimmt es einigermassen für Anaximenes, für Demokrit, für Epikur, besonders dann für die Stoiker. Aber auch der Humanismus des stoischen Weisen ist ein zurückhaltender Humanismus. Der Stoiker wird sich bemühen, niemandem zu schaden, er wird das Leid in der Welt nicht vermehren, aber er wird sich nicht programmatisch für die Schwachen und Leidenden einsetzen. Bei Plato können wir gar nicht vom Humanismus reden. Jetzt meine ich den wirklichen Plato, nicht Platointerpretation durch die Brille von Augustin und in Lectionen des christlichen Mittelalters. Platos höchste Idee ist die Idee der Vollkommenheit. Diese Vollkommenheit kennt kein Mitleid, keine Nächsenliebe. Nach Plato soll man mit dem eugenischen Faktor die philosophische herrschende Elite erzeugen. Die Schwachen, Leidenden sind bei Plato durchaus abgeschrieben, durchaus ausser Acht. Genauso bei Homer. Haben Sie bei Homer je eine Szene gelesen, dass jemand sich eines Schwachen, eines Leidenden annimmt? Humanismus, wie wir ihn in der europäichen Tradition verstehen, oder sagen wir leider richtiger: verstanden haben, Humanismus als Proexistenz, ist ein durchaus von einigen Höhepunkten der Hebräischen Bibel und von christlicher Anthropologie gesättigter Humanismus.