Zur Enträtselung des locus desperatus fune crure de ligno cum propius accessisset und anderen desperata im Bellum Hispaniense 18
Abstract
Böhm, Richard Gregor
Full text
ZUR ENTRATSELUNG DES LOCUS DESPEXATUS FUNE CRURE DE LZGNO CUM PROPZUS ACCESSISSET UND ANDEREN DESPERATA IM BELLUM HISPANIENSE 18 Richard Gregor Bohm REMISSIS legatis, cum ad portam UENISSENT TI TULLIUS et cum introeuntem C. ANTONIUS insecutus non esset, REUERTIT ad portam et hominem apprehendit. Quod TIBERIUS cum fieri animaduertit, SIMUL pugionem eduxit et manum eius incidit. ITA refugerunt ad Caesarem. Eodemque tempore signifer de legione prima transfugit et INNOTUIT (aut NON TIMUIT) quo die equestre proelium factum esset, SUO signo perisse homines XXXV NEQUE LICERET (aut LICERE) castris Cn. Pompei nuntiare NEQUE dicere perisse quemquam. SERUOS (aut SERUUS) cuius dominus in Caesaris castris fuisset -UXOREM et FILIOS (aut FILIUM) in oppido reliquerat-, dominum iugulauit et ita clam a Caesaris praesidiis in Pompei castra DISCESSIT ET indicium glande scriptum misit, per quod certior fieret Caesar quae in oppido ad defendendum compararentur. Ita litteris acceptis, cum in oppidum reuertisset QUI mittere glandem inscriptam SOLEBANT Insequenti tempore duo Lusitani fratres TRANSFUGE (aut TRANSFUGAE) NUNTIARUNTQUE Pompeium CONTIONEM habuisse: quoniam oppido subsidi0 non posset uenire, NOCTU ex aduersariorum conspectu se deducerent ad mare uersum; UNUM respondisse ut potius ad dimicandum descenderent quam signum fugae OSTENDERENT; eum qui ita locutus essent iugulatum. Eodem tempore tabellarii EIUS deprensi qui ad oppidum ueniebant; quorum litteras Caesar oppidanis OBIECIT (aut ABIECIT) et qui uitam sibi PETERET iussit turrem ligneam oppidanorum incendere; id si FECISSET EI SE (aut EI) promisit OMNIA concessurum. Quod difficile erat factu, ut EAM turrem sine periculo quis incenderet. Ita FUNE CRURE DE LIGNO cum propius ACCESSISSET, ab oppidanis EST OCCISUS (aut EST OCCISIS). Eadem nocte transfuga NUNTIAUIT Pompeium et Labienum de iugulatione oppidanorum indignatos esse.
Der Text ist zu lang und die Anzahl der Korruptelen, wie bald zu zeigen sein wird, zu grop als dap wir diese nach Belieben herausgreifen und behandeln konnten ohne dap es dabei zu einem Chaos kommt oder zu einer Unübersichtlichkeit, die eine zudem diffizile Argumentation von vornherein unglaubwürdig machen konnte. Also beginnen wir der Reihe nach mit dem hochinteressanten ersten Satz des achtzehnten Abschnittes des Bellum Hispaniense, hier aber zuerst mit dem unauffalligen oder gar unbedeutenden remissis legatis unserer Editionen. Denn keine Ausgabe liest anders. Aber bei einem remissis legatis wird hier alles zu einem einmaligen Ereignis. De facto gehorte das Kommen und Gehen der Delegationen bei Caesar jedenfalls zu den alltaglichen Szenen. Nicht legati sind dann in dem gegebenen Fall verabschiedet worden sondern diese legati, die man gerade gesehen hatte, beim Kommen und jetzt beim Gehen. Die Dinge darf man und mufi so sehen, weil wir vor legatis ein IS fur i(i)s erwarten, das dort auch steht, aber zuerst als Bestandteil des REMISSIS. Nun konnte dieses Wort aber abgekürzt werden, denn schon M konnte fur m(is) stehen und auf der anderen Seite das (in diesem Fall) zweite S fur s(is)'. Das IS war dann sozusagen nicht unabkommlich. Interpretieren wir überzeugend, so ware am Anfang des ersten Satzes einmal zu lesen: remiss(is) i (i)s legatis, cum adportam uenissent usw. Sonst ware die Frage aktuell, warum der Autor des Bell. Hisp. auf die Herausstellung des Subjekts verzichten kann, oder die andere Frage, ob CUM unserer codd. nicht auf CU fur cu(m) zurückgeht2 und das drei Striche breite M (von CUM) auf das Zu den Abkürzungen fur -is s. W. STUDEMUND, Gaii Institutionum commentarii quattuor. Codicis Veronensis denuo collati Apographum,Leipzig 1874,258f.: B = bis, NOB, G = gis, MG, MAG = magis, M = mis, MM = manumis-, N = nis, POSSION = possessionis, U = uis, QU = quamuis; W. M. LINDSAY, Notae Latinae, Cambridge 1915,336: B = bis, L = lis, D = dis, G = gis, N = nis, FIN = finis, R = ris, UXOR = uxoris; D. BAINS, A Supplement to aNotae Latinae,, Cambridge 1936,55: B = bis, L = lis, D = dis, G = gis, R = ris; A. CAPPELLI, Lexicon abbreviaturarum, Mailand 19616, 316: QU = quamuis, 341: SAT = satis, 206: LP = lapis, LR = litteris; A. PELZER, Abréviations latines médiévales, Louvain-Paris 1966', 44: LAP = lapis, 46: MAG = magis, 50: NB = nobis; U. Fr. KOOP, Lexicon Tironianum, Nachdruck aus Koops apalaeographia critica* von 1817 mit Nachwort und einem Alphabetum Tironianum von B. Bischoff, Osnabrück 1965,227: M(u)GL. = mugilis, M(at)L is = Martialis, 217: (i)M it = misit, (i)M eris = miseris, 321: R(a)M is = ramis, 232: MS us = missus, 123: EMS = emissus, 355: SP us = Sisyphus, 155: H(is) = his, 154: H(a1) um = Halisum. Zu den Abkürzungen fur -m s. Studemund, 255 f.: A = am, E = em, U = um, LEGATU = legatum, MANU = manum, CIUIU = ciuium, SECUNDU,
drei Striche starke ILL fur ill(ij3 oder ILI fur il(l)i4. Denn die legati sind fur den Autor des Bell. Hisp. im Moment nicht mehr hier, also sind sie illi. Aber sie sind -da zu den Feinden oder Gegnern gehorendaus dem Lager Caesars heraus nicht nur aus Neugier beobachtet worden. Das was sich jetzt abspielt, war der Autor des Bell. Hisp. imstande genau und richtig zu schildern. Der Text ist aber nicht (mehr) richtig. Unsere Editoren, auf jeden Fall die der letzten über hundert Jahre, sind bei der Ausstattung ihrer Apparate erstaunlich mundfaul, niemand von ihnen sagt uns, ob alle codd. vor Tullius (das hier wie dort übrigens abgekürzt werden konnte) ccnurn TI haben und dann eventuell fur Ti(berius) oder eher TIB, aber dann fur was? Denn z. B. Fr. Dübner (Paris 1867) las, aber hinter einer crux philologorum, ein ausgeschriebenes Tiberius Tullius, eine Nachahmung sehen wir nur bei A. Klotz (Leipzig 1927), denn dieser las Tib. Tullius. Schon B. Dinter (Leipzig 1876) wird nur noch Ti. Tullius lesen und so auch B. Kübler (Leipzig 1897), aber das entspricht moglicherweise nicht einmal der hier schlechten Paradosis, falls sie z.B. TIB hat. Auch R. Du Pontet (Oxford 1901) wird Ti. Tullius lesen, aber als Bestandteil eines.. . locus desperatus, liest er doch (das mup man erst richtig sehen) Ti. Tullius.. . et cum.. . insecutus non esset, auch dies mit cruces philologorum! Anders als Kübler hatte dann die Situation niemand mehr gesehen und so ging auch Klotz von einer TextXicke unmittelbar hinter (dem abkürzbaren) uenissent aus, aber mit einem wesentlichen Unterschied: Er hatte geglaubt, die Lücke erganzen zu konnen und hatte das gewagt, aber ganz ohne Rücksicht auf den Kontext. Wer diesen zu Rate zieht mufi zu der Meinung kommen, dap nicht nur vor (Tullius) sondern auch hinter Tullius etwas fehlt. Nur an den letzteren Fall dachte schon Fr. Kraner (Leipzig 1861), aber er dachte nicht an.. . Abbreviaturen. Waren die hier PEREGRINU; LINDSAY, 342: CAPIS = campis, TEPUS = tempus, ON1 = omni, COLUBA = columba; BAINS, 56: DOU = domum, ENI = enim, QUIDA = quidam, QUIDE = quidem; CAPPELLI, 67: CU = cum, 205: LOCUT = locumtenens, 366: SU = sum; PELZER, 52: NUDU = nondum; KOPP, 235: M(ec)-V(m) = mecum, 239: N(o)B(c)V(m) = nobiscum. Zu den Abkiirzungen per suspensionem s. STUDEMUND. 275: ILL = illi, PUPILL = pupilli; LINDSAY, 428: ILL = illi, illo, illius, usw., CAPPELLI, 177: ILL = illis. ZU den Kontraktionen s. CAPPELLI, 177: ILLD = illud, 168: I" = illa, 169: Id = illud, I" = illum, I"' = illorum; PELZER, 37: I" = illam, 38: Ioe = ille, Is = illis; KOPP, 180: IL e = ille, IL o = illo, IL is = illis, 173: ID = illud.
- im Spiel, dann stand wohl nur -LLI fur -lli(us)' und US (von TULLIUS unserer codd.) geht dann wohl auf IPS fur ips(ej6 zurück7, dies entspricht auf jeden Fall den faktischen Gegebenheiten. Sonst kamen bei Caesar beide zusammen und sind wieder beide zusammen verabschiedet worden. Die übrigen Autoren und Editoren, die eine Textlücke nur hinter uenissent gesehen haben, haben nie gesehen, dap sie hier vor einer Alternative gestanden haben: hinter uenissent ja, aber entweder vor TIB oder hinter TIB (oder anstelle des TIB). Diese Frage war immer praktisch aktuell, denn wir wollen ja als Wissenschaftler gelten, und dann müssen wir eigentlich beweisen, warum wir vor Tib. erganzen und nicht z.B. hinter Tib. bzw. anstelle des Tib. Und wenn wir schon, wie unlagst Klotz, unbedingt vor dem angeblichen Praenomen erganzen, dann war immerhin zu beweisen, warum ausgerechnet constitit zu erganzen war und kein anderes Zeitwort. Klotz, der die unter Wissenschaftlern unabdingbare Beweisführung nicht einmal versucht hatte, handelte dilet t antisch. Aber dessen willkürliche Erganzung, die nie Lesart werden dürfte, hatte jetzt G. Pascucci (Florenz 1965) übernommen. Mit seinem [. . .] TIB TULLIUS nimmt er eine Lücke an und zudem vor dem Praenomen. Dies hangt damit zusammen, dap der ganze Satz unterschiedlich, aber immer falsch, verstanden wurde. Hierzu zitieren wir zunachst Kübler: cum ad portam uenisent Cato et Ti. Tullius et cum introeuntem Catonem hic secutus non esset. Schon viel besser hatte C. Fleischer (1876) die Situation gesehen: Remissis legatis cum ad portam uenissent, introiit Tullius et cum introeuntem Cato Lusitanus insecutus non esset, reuertit ad portam usw. Zu bemerken ist, dap Fleischer, unter Bes Zu den Abkürzungen fur -us s. STUDEMUND, 258 f.: B = bus, SERB = seruus, I = ius, CU1 = cuius, HUI = huius, M = mus, P = pus, TEMP, U = uus, SERU = seruus; LINDSAY, 381: B = bus, M = mus, N = nus, T = tus, I = ius, usw.; BAINS, 64: B = bus, L = lus, I = ius, 7: EI = eius; CAPPELLI, 118: EI = eius, 236: NLLI = nullius; PELZER, 81: TLLI = Tullius; KOPP, 191: IS. = iussus. Zu den Abkiirzungen fur -e s. STUDEMUND, 263 f.: D = de, H = he, HR = heres, N = ne, NQ = neque, Q = que, R = re, QR = quare, S = se, SR = seruum, U = ue; LINDSAY, 327: D = de, N = ne, S = se, IPS = ipse, BAINS, 52: NAT = nate, ECC = ecce, MISERER = miserere; CAPPELLI, 225: MP = me praesente, 361: SR = sero, 187: IPS = ipse, 334: RR = rerum; PELZER, 76: SNa = Seneca; KOPP, 328: S = se, 338: SD = sed, 265: P(os)s(e) = posse, 365: S(c)V(m) = secum. ' Wenn US nicht als Abkürzung fur u(nu)s war. Dazu s. CAPPELLI, 384: Ua = una, U0 = uno, 389: UI = unius, 395: U0 = uno; KOPP, 390: U(n). A = una, 400: U(n)O = unio. - 124 -
rücksichtigung der Palaographie ein anderes Zeitwort vorzieht, und direkt zu loben war der Umstand, dafi er Spuren des Zeitwortes dort sah, wo andere Autoren das Praenomen sahen. Ganz anders Klotz: cc[constitit] Tib. Tullius: Cato geht voran, Tullius bleibt am Stadttor stehen. Da macht jener kehrt und will ihn mit hereinziehen. Tullius stofit nach ihm mit dem Dolch. Dann fliehen beide ins caesarische Lagen,, unser Kommentar: Der Gedolchte und der ihn dolchende Mitlaufer in wunderschoner Eintracht und in wirklich christlicher Liebe! Es schadet nicht, einen anderen zu dolchen, es lohnt sich sogar, ihm mit einem Dolchstofi Intelligenz beizubrigen, Intelligenz a la Klotz. Aber jetzt bekamen wir die Ausgabe von Pascucci. Dieser weifi von Fleischer, dafi man das Fehlende anstelle des TIB vermuten oder direkt lesen kann, so dafi die Annahme einer Textlücke zumindest nicht unbedingt richtig war. Trotzdem schreibt Pascucci in seinem Kommentar zu [. . .] Tib. Tullius: aL'esistenza della lacuna 6 certa, i1 modo d'integrarla meno sicuro. Secondo i1 Klotz i1 fatto sarebbe andato cosi: giunti alla porta di Ategua i due lagati, Tiberio Tullio si fermb, rifiutandosi di seguire Catone che era gii entrato. Questi allora ritorno sui suoi passi e 10 agguanto, ma Tullio resosi conto di quanto accadeva, estrasse i1 pugnale e con un colpo mozzb la mano al collega; poi tutte e due ritornarono da Cesare. Questa interpretazione, che di tutte sembra la piu r agionevole, presuppone la integrazione di [constitit]>>. Pascucci bringt hierzu Konjekturen von Way (London 1955) ins Gesprach, der in der ganzen Szene drei Personen sieht, neben Tullius und seinem collega als dritten noch den Mann. Mit dem Dolch beginnen dann aber neue Mipverstandnisse und komplizierte und zugleich unglaubwürdige Texterganzungen. Nur die Trinitas der Personen ist dabei ernst zu nehmen, denn sie entspricht der Situation. Aper Way wollte lesen: [introiit] Tib. Tullius et cum introeuntem Catonem Antonius insecutus non esset usw. Doch wir lassen uns hier nicht von dem primaren Problem des Tullius ablenken. Dieses Problem mufi zuerst zu Ende gedacht und definitiv gelost werden, da wir sonst in eine Situation geraten, die als circulus uitiosus allzubekannt, beim Edieren des Bell. Hisp. zudem zu oft vorkommt. Von Tullius ist hier nicht das erste Mal die Rede. Hatte der Autor des Bell. Hisp. einen Grund, und er hatte ihn, den Mann lege artis vorzustellen, denn diesem Zweck dient das generelle oder genaue Signalement der Person, dann beim ersten Mal, und das war dann im Abschnitt 17 des Bell. Hisp. der Fall. Dort lesen unsere Editoren
seit Jahrhunderten nur TULLIUS, aber der Name liep sich bekanntlich auf TLLI abkürzen8. Der Name begann dann um die zwei Striche des ausgesparten U spater, oder anders gesagt: Die ersten zwei Striche von TULLIUS unserer codd. waren dann TI fur Tiberius zu lesen9. Hier hatte sich die Szene der Vorstellung des Tullius nicht wiederholt, obwohl die Buchstabengruppen TI oder TIB vor TULLIUS so verstanden werden konnte und auch wurde. Das war Trugschlup. Diese Buchstaben gehorten nich t zum Personennamen und waren dafür quasi entbehrlich. Hat der Text aber entbehrliche Buchstaben und das gerade dort, wo dem Text sonst etwas fehlt, dann darf der Editor, wenn er Philologe ist, solange von keiner Lücke ausgehen, bis er die quasi überflüssigen Buchstaben des TI oder vielleicht TIB einen sinnvollen Gebrauch gemacht hatte. Es war deshalb vollkommen richtig, dap z.B. Fleischer hinter dem gut gedachten introiit sofort mit Tullius kam. Eine Lesart wurde daraus aber solange nicht, wie nicht gezeigt worden ist, wie aus dem hypothetischen introiit z.B. allein das TI oder TIB wurde. Wir sagten z(um) B(eispiel), denn das davor stehende uenissent konnte ebenfalls abgekürzt werden, auf UENISS, so dap das von Fleischer wohl richtig erratene zweite Zeitwort eventuell früher begann und so ausgesehen hatte, dap es ENT oder Et gelesen werden konnte, was wenig wahrscheinlich ist. Müssen wir (oder dürfen) uns auf die wenigen Striche des TI oder TIB beschranken, und in Frage kommt nur ein Zeitwort, das mit I begann, dann geht das überlieferte Ti wohl auf das sehr ahnlich aussehende IT zurück. Und jetzt etwas Abbreviaturenkunde: I kann auch fur intro stehenlO, dann geht eventuell auch I (von TI) auf I zurück, es deckt aber nicht das ganze iit. Zu berücksichtigen war nebenbei gesagt auch, dap I fur in stehen konnte1', T eines hypothetischen IT geht dann als Abkürzung fur tro. Auch dann haben wir zu wenig Text, um ein ganzes introiit lesen zu Dazu s. PELZER, 81. Zu TI = Tiberius s. CAPPELLI, 507; KOPP, 387: TY. = Tiberius. 'O Zu ben Abkiirzungen s. KOPP, 165: I(n) o = intro, 174: I(n)D(u it) = introducit, I(n)D(x)it = introduxit, 177: I(r)G(s) = introgressus, 182: I(noi)M it = intromittit, 186: I(no)P it = introspicit, I(nr)-P at = introportat, 190: I(nr)S = introrsum, 184: I(n)O it = introit, I(n)O tus = introitus. " Zu den Abkiirzungen fur -n s. STUDEMUND, 255 f.: A = an, E = en, I = in, IDE = inde, SIT = sint, O = on, U = un; LINDSAY, 345 und 111: I = in; BAINS, 57: I = in, LIQUENS = linquens, HIC = hinc; CAPPELLI, 168: I = in, 191: ITODUX = introduxit, 193: ITM'TE = intromittere; KOPP, 163: I(n) = in, 165: I(n) tus = intus.
konnen. Aber wir haben noch in Kopf, dap es üblich war, fur Tullius nur TLLI zu schreiben. Das T kam dann immer un die zwei Striche des ausgesparten U irgendwie spater. Die davor stehenden zwei Striche galten also noch dem zweiten Zeitwort, das wir jetzt um die zwei Striche breiter annehmen konnen. Interpretieren wir richtig, dann waren die insgesamt vier Striche vor dem hypothetisch angenommenen TLLI fur T(u)lli(us) als ITIT fur i(n)t(ro)it zu lesen. Zu lesen hatten wir also schon: Remiss(is) i(i)s legatis, cum ad portam uenissent, i(n)t(ro)it T(u)lli(us) ips(e)12 et cum introeuntem.. . insecutus , non esset, reuertit (oder reuertit(ur))13 ad portam et hominem apprehendit. Wer ging hinter Tullius? Nicht fur alle Autoren oder Editoren stellt sich die Frage so. Sie sind unbelehrbar. Denn obwohl der respektable C. Fleischer schon 1876 lesen wollte cum ad portum uenissent, introiit Tullius et cum introeuntem Cato Lusitanus insecutus non esset, und so wird dann noch Dinter (1876) lesen und Kiibler immerhin . . . Ti. Tullius, et cum introeuntem fAntonius insecutus non esset, liep A. Klotz es sich nicht nehmen, dem eigenen Kopf zu folgen, und der sah die Situation bekanntlich so: cc[constitit] Tib. Tullius: Cato geht voran, Tullius bleibt am Stadttor stehen. Da macht jener kehrt und will ihn mit hereinziehen. Tullius stopt nach ihm mit dem Dolch. Dann fliehen beide ins caesarische Lagen>. Wir wiederholten das Zitat aus dem Kommentar von Klotz, weil er spater wie auch dessen Ausgabe nie aus dem Verkehr gezogen worden ist: wegen groben Unfugs. Im Prinzip richtig las nach Kubler noch Du Pontet mit seinem Ti. Tullius.. . et cum introeuntem fC. Antoniusf insecutus non esset, denn nach ihm ist nicht Tullius zuruckgeblieben. Klotz dagegen: . . . Tib. Tullius, et cum introeuntem Catonem insecutusnon esset. lZ Oder u(nu)s.Zu diesem Ausdruck vgl. Cicero, ad Att. 2, 5, 1 Cato ille noster qui mihi unus est pro centum milibus; Martialis 5,24,15 Hermes omnia solus et ter unus. Zu ipse vgl. Caesar, Bell. Gall. VII, 33 Caesar ... ipse; Bell. Alex. 24 Caesar ipse; Bell Afr. 97 ipse (Caesar) Zama egressus Uticam se recepit. l3 Zu den Abkiirzungen fur -ur s. STUDEMUND, 306: T = tur; LINDSAY, 372: T = tur, G = gur, FIGA = figura, M = mur, LOQUIM; BAINS, 62: T = tur, M = mur; CAPPELLI, 138: FIGa = figura; PELZER, 75: SD = surdus, Kopp, 371: TB a = turba, 378: T(u)M im = turmatim, 338: S(r)D. = surdus, 325: RS = rursus, 277: P(u)G at = purgat, 210: L(u)D. = luridus, 174: I(u)D(c) us = iuridicus, 149: G(u)G is = gurges, 135: F(u) it = furitm F(u) ius = Furius, 136: F(u). = fur, 53: C(u) a = cura, 43: B(u)Do = burdo.
Was macht man als nachster Editor angesichts einer so gravierenden Diskrepanz? Man folgt dem Dummeren. Also liest heute auch Pascucci (wir wiederholen absichtlich) [constitit] Ti. Tullius et cum introeuntem Catonem insecutus non esset, reuertit ad portam et hominem apprehendit. Was hat das mit dem überlieferten Text zu tun? Nichts. Unsere codd. haben nicht Catonem, nicht einmal Cato Lusitanus, aber auch nicht Antonius allein, sondern (das wupte Pascucci sehr wohl) C. ANTONIUS (oder in einem Fall CAESAR ANTONIUS). Da hilft nur strenges, umsichtiges Denken. Derselbe Mann ist im 17. Abschnitt des Bell. Hisp. mit (cum) Catone Lusitano angegeben worden. Aber das wollten wir doch nicht glauben. Denn wenn Cato, dann nicht Lusitanus, wenn Lusitanus, dann mit Sicherheit nicht Cato. Uberhaupt irgendwo eventuell ja, hier nicht. Denn die Leute auf der Burg Ategua wupten um den Klang und Wert des Namens Cato, auf jeden Fall unter Romern. Sie mupten nicht (alle) wissen, dap um dieselbe Zeit etwa Cicero <<einen), Cato verherrlicht hatte und dap Caesar in der gleichen Zeit und wohlgemerkt auf spanischem Boden seine Anticatones schrieb oder schreiben wird. Die zwei Delegierte der Stadt Ategua kommen jetzt bei Caesar angebettelt. Sie waren dann zu schlau, um zu ihm einen Mann zu schicken, der provokativ den Namen des (fur Caesar) Negativhelden führte. Nein, tausendmal nein! Aber noch anders herum: Wer aus Lusitanien stammt nennt sich mch lange nicht (gropgeschrieben) Lusitanus. Trotzdem konnten wir diese Beschreibung akzeptieren, aber nicht als Bestandteil des Personennamens, nicht als gropgeschrieben. War es als klein geschrieben zu lesen, dann war auch die ganze Buchstabengruppe CATONE als Name und zur Bezeichnung der Person eines Delegierten irgendwie zu schwach, zu wenig. Schelieplich heipt der andere Delegierte beim ersten Mal nicht Tullius sondern (fur unsere Editoren sogar beim zweiten Mal) Tiberius Tullius. Aber jetzt etwas Wichtiges zur Person speziell des anderen Delegierten: Er hat, bei Caesar angekommen, überhaupt nichts zu sagen. Warum ging er dann uberhaupt mit Vielleicht weil man zu Verhandlungen wichtiger Art, wie hier, nicht eine Person delegierte sondern (eventuell als Zeuge) mindestens zwei Personen. Sonst sieht hier vieles so aus, wie wenn der zweite Mann nur Begleiter des ersteren gewesen ware, als c<Aktentrager>) sozusagen, denn Tullius wird seine Ansprache zuvor schriftlich fixiert und dann vor Caesar vom Blatt gelesen haben.
Sonst hatte der Autor des Bell. Hisp. aus der Rede nicht so viel und so genau wortlich zitieren konnen. War der zweite Mann aber so un wichtig, dap es genügte, ihn nach dem Gebiet zu bezeichnen, aus dem er stammte, dann war das vor LUSITANO stehende CATONE nicht als Personenname zu verstehen sondern als Bezeichnung seiner momentanen Aufgabe als ... Begleiter. In der Gruppe CATONE ist dann eine arge Verlesung zu sehen aus COMITE. Und jetzt zurück zu unserer Textstelle im 18. Abschnitt des Bell. Hisp. Auch hier geht es um denselben zweiten Mann neben Tullius. Dap er hier nicht Cato heipt und auf der anderen Seite nicht einmal Lusitanus, freut uns aufrichtig. Es freut uns besonders, dap sich in die jetzt fallige Bezeichnung so ein Antonius eingeschliechen hat, denn das ist ganz offensichtlich Produkt einer Verlesung. Es freut uns mehr als sonst was, dap der Buchstabe vor ANTONIUS immer als Ab kürzung verstanden worden war, leider als Abkürzung fur einen Namen. Gerade deshalb ist dann die folgende Buchstabengruppe fur ANTONIUS gelesen worden, der hier nichts zu suchen hat. Um kurz zu sein: Der zweite Mann neben Tullius war Begleiter, und C war in diesem Fall die bekannte Abkürzung fur c(omes)l4. Der Autor des Bell. Hisp. weiP, dap es unschon ist, sich im Ausdruckzu wiederholen, nicht unschon dagegen, auf schon Gesagtes hinzuweisen. Interpretieren wir die Situation richtig, dann geht ANT0 natürlich auf ANTE zurück, NIUS dagegen auf NTUS fur n(omina)tu~'~. Und jetzt zum Vergleich der ganze erste Satz des 18. Abschnittes des Bell. Hisp. : (nach Du Pontet) (nach Klotz, Pascucci) (nach Bohm) Remissis legatis, cum ad portam uenissent, Ti. Tullius.. . et cum introeuntem ?C. Antonius? insecutus non esset, reuertit ad portam et hominem apprehendit. Remissis legatis, cum ad portam uenissent, [constitit] Ti. Tullius et cum introeuntem Catonem insecutus non esset, reuertit ad portam et hominem apprehendit . Remiss(is) iis legatis, cum ad portam uenissent, i(n)t(ro)it T(u)lli(us) u(nu)s et cum introeuntem c(omes) ante n(omina)tus16 insecutus non esset, reuertit(ur)17 ad portam et hominem apprehendit . l4 ZU C = comes s. CAPPELLI, 39; KOPP, 53: C. = comes, C um = comitium, C atur = comitatur, C. = comitatus, 69: CL(is) = comitalis. l5 ZU N = nomina s CAPPELLI, 230: Nda = nominanda, 231: Nte = nominatae, 232:
neben transfugerunt immer gut ist, besonders bei spateren oder weniger guten Autoren. Und nun zum Vergleich die erste Aussage des sechsten Satzes im 18. Abschnitt des Bell. Hisp.: (nach Du Pontet) Insequenti tempore duo Lusitani fratres transfugae nuntiarunt quam Pompeius contionem habuisset: quoniam.. . (nach Klotz) Insequenti tempore duo Lusitani fratres transfugenuntiaruntque Pompeium contionem habuisse: quoniam.. . (nach Pascucci) Insequenti tempore duo Lusitani fratres transfugae nuntiarunt que Pompeium contionem habuisse: quoniam.. . (nach Bohm) Insequenti tempore duo Lusitani fratres transfug(er)e nuntiaruntque Pompeium contionem (aut contion(em) e(o) m(0d0)~' habuisse (aut habuis(se) s(i)~)~': quoniam.. . Der siebte Satz des 18. Abschnittes des Bell. Hisp. beginnt in unseren Ausgaben mit der Aussage Eodem tempore tabellarii eius deprensi qui ad oppidum ueniebant, mit der Philologischheit ist es bei unseren Editoren nicht so weit her, also stiepen sie sich allermeist nicht einmal and dem (angeblich) fehlenden sunt zu deprensi. Eine Stellungnahme hatten wir dazu gerade von A. Klotz erwartet, nicht weil er ediert, sondern weil er kommentiert. Erst Pascucci bezieht also Stellung zu dem hier von uns in Frage gestellten Ausdruck, aber Pascucci nimmt an, dap das fehlende sunt der lector beneuolus hinzuzudenken hatte. Dazu konnen wir nur sagen: nein, denn das Hilfsverb ist ja überliefert, und zwar an der richtigen Stelle: unmittelbar vor deprensi. Unsere codd. lesen dort jetzt zwar ein ausgeschriebenes EIUS, aber dieses Wort pflegte man fast immer abzukürzen, und hier das Überraschende und Nette: nie auf EIU. Aber zuerst das S. Es war die allerbekannteste Abbreviatur (neben 40 Oder e(ius) m(odi). Zu E = eius s STUDEMUND, 264; LINDSAY, 34; BAINS, 7; CAPPELLI, 452 und 113, vgl. 114. Edi = eiusmodi; PELZER, 26: E'DE = eiusdem; KOPP, 113: E s = eius, E. = eiusmodi, 222: MC. = modicus, 182: IM. = immodicus. 41 Zu der Abkiirzung s. LINDSAY, 286; CAPPELLI, 337: SC, KOPP, 331: S(c)rius = sicarius, 338: SC(i)NI ius = Sicinius.
ST)' fur unt)^^. Und jetzt zurück zu EIU. Wenn so etwas nie geschrieben worden ist fur eius, dann kam nur E oder EI dafur in Frage. Aber warum schrieb der Autor des Bell. Hisp. dann uberhaupt EIU, denn das S garantiert uns die Richtigkeit der Uberlieferung. Er schrieb wohl nur EI fur ei(us), aber er mupte hier auch sagen wollen, wieviele es da waren. Wir machen keinen Fehler mit der Annahme, denn ein anderes war nicht iiblich, dap es zwei tabellarii waren. Das U (von EIUS) geht dann entweder auf das diesem sehr ahnliche D fur d(uo) zur~ck~~ oder auf 11, das fur duo zu lesen war. Und jetzt zum Vergleich die ganze Aussage: (nach Du Pontet, Klotz, Pascucci) (nach Bohm) Eodem tempore tabellarii Eodem tempore tabellarii eius deprensi qui ad oppidum ei(us) I1 s(unt) deprensi qui ueniebant. ad oppidum ueniebant. Fur die nachste Aussage heifit es in unseren Editionen quorum litteras Caesar oppidanis abiecit (so 2.B. bei Dubner, Dinter und Kübler) oder obiecit (so liest Du Pontet, Klotz und Pascucci). Aber der Autor des Bell. Hisp., der bei Caesar und somit unten sitzt, kann fur die Bewegung in Richtung Ategua, die hoch liegt, also nach oben weder abicere noch obicere sagen. Hier gehen wir also von einem Fehler der Uberlieferung aus. Das Wort oppidanis liep sich auf OPPIDAN abkür~en~~ und es folgte diesem auf dem Fup, so etwas nennen wir scriptura continua, S fur den Anfang des jetzt 42 ZU S = sunt s. STUDEMUND, 301; LINDSAY, 293; BAINS, 47, CAPPELLI, 500 und 336 f.; PELZER, 73; KOPP, 338: SD unt = desunt. 43 ZU der Abkürzung s. CAPPELLI, 88: Do = duo; PELZER, 19: D = duo; KOPP, 92: D(u)C ti = ducenti, D(u)C im = duodecim, 102: D(u)M(i)L. = duo milia. 44 ZU den Abkürzungen fur -is s. STUDEMUND, 258 f.: B = bis, NOB, G = gis, MG, MAG = magis, M = mis, MM = manumis-, N = nis, POSSION = possessionis, U = uis, QU = quamuis, X = xis, EXTIMAUIT; LINDSAY, 336: B = bis, L = lis, D = dis, G = gis, N = nis, FIN = finis; BAINS, 55: B = bis, D = dis, G = gis, R = ris, N = nis; CAPPELLI, 232: NB = nobis, 226: MS = mensis, 227: MT = mentis: LP = lapis; PELZER, 48: MG = magis, 44: LAP = lapis; KOPP, 236: N(is) = nis, N(is) = Nonis, 239: N(o)B = nobis, 212: L(e)N is = lenis, L(a)N(is)a = lanista, 199: K(a)N. = canis.
falligen Zeitwortes, leider konnte mall a;;zn NS fur n(i)s le~en~~, und so ging der Anfang des Zeitwortes verloren. Die noch intakte Vorlage unserer codd. mupte hier aber -weil man so sprach und ~chrieb~~- SUBIECIT gelesen haben. Und jetzt zum Vergleich der ganze Ausdruck: (nach Dübner, Din- (nach Klotz, Pascucci) (nach Bohm) ter, Kübler) quorum litteras Caequorum litteras Caequorum litteras Caesar oppidanis abiecit sar oppidanis obiecit sar oppidan(is) subiecit Von den weiteren Aussagen des langen siebten Satzes lesen wir zunachst qui uitam sibi peteret, iussit turrem ligneam oppidanorum incendere und anschliepend id si fecisset, ei se promisit omnia concessurum, aber wir haben damit nicht den Autor des Bell. Hisp. zitiert sondern unsere Editoren. Die Palaographie bestatigt so etwas nicht oder nicht unbedingt, und die hier gegebene Situation spricht dagegen. Man hat mehr als nur einen Tabellarius gefangengenommen, nichts spricht dafur, dap man den anderen inzwischen (schon in der Gefangenschaft) getotet hatte, und warum auch? Man braucht sie doch. Es geht Caesar darum turrem ligneam oppidanorum incendere, die Aufgabe war (gefahrlich und) schwierig. Mehrere schaffen es eher, weil auch periculum in mora war. Textstellen, die zu dem Bild nicht passen kann man auch fur korrupt erklaren. Aber es gibt bisher unbeachtete Textstellen, die uns bestatigen. Man kann sogar bei 45 ZU den Abkürzungen fur -i s. STUDEMUND, 275 f.: L = li, ILL = illi, U = ui; LINDSAY, 134: NS = nisi; CAPPELLI, 241: NS = nisi, KOPP, 51: C(S) = cis, 77: C(sl)P(s) = Cisalpes, 232: MS. = miser, 247: N(i)S(i) = nisi, 297: P(e)SO. = Piso, PSR urn = ~isaurum. 46 Zum Ausdruck vgl. Caesar, Bell. ciu. 111, 84 ut.. . collibus.. . Pompeianis aciem subiceret; 85 exspectans, si iniquis locis Caesar se subiceret; Bell. Alex. 28 quod erat ipse (locus) excelsior planitie ex omnibus partibus subiecta; 2 subiectis.. . eas (turres) rotis ... in quarncumque erat uisum partem mouebant; Bell. Afr. 87 in medio foro lignis coaceruatis.. . ignem subiciunt; 91 pyram construxerat, ut.. . igne subiecto tum demum ipse (rex Iuba) se insuper interficeret, vgl. auch Bell. Gall. I, 22 Caesar suas copias in proximum collem subducit; 24 copias suas Caesar in proximum collem subducit; Bell. Afr. 62 quam (classem) antea Uticae hiemis gratia subduxerat; Bell. Hisp. 40 nonnullas.. . naues ad reficiendum subduxit; Bell. Afr. 63 omnibus.. . reliquis (nauibus) ab iis aut subductis aut in cothonem compulsis.
einem furs erste singularischen qui uitam sibi peteret sehr wohl peterent lesen, denn E war in solchen Situationen sehr oft Abkürzung fur e(n)47, es kommt hinzu, dap unsere Ei, ei Editoren plotzlich eine trage Schreibhand bekommen, wenn sie in ihrem Apparat zugeben sollten, dap eine wichtige Handschrift gar nicht peteret hat sondern PE TE RENT^^. Auf diese Weise werden wir belogen und betrogen und hinters Licht geführt. Also lesen wir der Situation genau und der Paradosis recht gut entsprechend: quorum litteras Caesar oppidan(is subiecit et, qui uitam sibi peterent, iussit turrem ligneam oppidanorum incendere. In der jetzt folgenden nachsten Aussage konnten wir so ohne weiteres ID SI FECISSET fur id si fecisse(n)t lesen, erst bei ei se promisit omnia concessurum miissen wir mit ganz anderen Argumenten kommen, die es aber gibt. Die letztere Aussage, und hier spricht Caesar selbst!, ist nicht richtig formuliert. Denn auch Caesar kann im Ernst, und die Situation, weil gefahrlich, war ernst, nicht das versprechen, was er selber nicht hat: omnia. Versprach er so viel oder etwas so gropes, dap die Tabellarii bereit waren, dafür in den fast sicheren Tod zu gehen, dann überliefert OMNIA natürlich falsch, aber die Sache war trotzdem ganz ohne Zweifel grop. IA (von OMNIA unserer codd.) war dann Abkürzung fur i(~r)a~~ und OMN geht wohl auf CILIA = c(iu)ilia zur~ck~~. Caesar lockte mit der Einbürgerung. Aber nicht alle und nicht jeden. Nur die wirkliche Leistung zahlte, und wer erfolgreich wird, kann er noch nicht wissen. Dem entsprechend lautete dann seine Formulierung. Das vor EI SE unserer codd. stehende Zeitwort (fecisset) war wohl wegen der selbstverstandlichen Endung -ent abgekiirzt. Es folgte ein ganz anderes Wort, dessen erster Teil aber so ausgesehen hatte wie ET, zu 47 ZU den Abkürzungen fur -n s. noch STUDEMUND, 265: SINEDI = sinendi, PSET = possent, UALET = ualent, PTINET = pertinent; LINDSAY, 351: PULLULAT = pullulant, COMMENDAT = commendant, 352: FUISSET = fuissent, ESTIMABAT = aestimabant, usw. 48 ZU den Schwankungen (reuertissetlreuertissent, solebatlsolebant) vgl. die kritischen Apparate. 49 ZU der Abkürzung vgl. CAPPELLI, 170: I'A = iura, 173: IrE = iure, 171: ICE = iure cautum est; KOPP, 174: I(u)D(c) us = iuridicus, I(u)D(c) do = iura dicendo, 195: I(n)U e = in iure, 165: I re = in iure. 50 Zu der Abkürzung vgl. STUDEMUND, 272: IC = iure ciuili, CAPPELLI, 52: CI = ciui, CIL, CILIS = ciuilis; KOPP, 67: CL is = ciuilis, 56: CBL um = ciuile bellum.
lesen war hier aber CI, dem ein anderes CI folgte, aber diese cIcIS1 waren fur c(u)ic(u)i zu lesenS2, ein Leckerbissen fur die Lexikographen und Grammatiker. Unsere vollstandigere Lesart: quorum litteras Caesar oppidan(is) subiecit et, qui uitam sibi peterent, iussit turrem ligneam oppidanorum incendere; id si feciss(ent) c(u)i c(u)i se promisit c(iu)ilia i(ur)a concessurum. Die letzte Aussage des siebten Satzes, obwohl fast fehlerfrei überliefert, Quod difficile erat factu, ut eam turrem sine periculo quis incenderet, zitieren wir hier trotzdem, denn es entging unseren Editoren und sonstigen Autoren immer wieder, worum es hier eigentlich geht: Wir sagen es einmal anders: nich t um den Zugang zu der turris lignea oppidanorum. Difficile factu war lediglich.. . das incendere! Genau genommen, da der Turm unbedingt an allen seinen Stellen brennen mufite, damit das Lijschen von vornherein zwecklos erschien, ging es fur unsere Begriffe um das Wort ganz. In dieser einen Hinsicht überliefert die zuletzt zitierte Aussage eben nicht richtig. Die noch intakte Vorlage mufite wohl CAM haben, aus dem ex coniectura eines überforderten Librarius das banale und fast unwahre EAM wurde, aber zu der Verlesung oder ((Korrektur)) kam es, weil der betreffende Librarius hier keine Abbreviatur erwartete. Aber CAM war eben Abkürzung, und zwar fur c(unct)ams3. Unsere Lesart: Quod difficile erat factu, ut c(unct)amS4 turrem sine periculo quis incenderet. Wir nahern uns so dem achten (vorletzten) Satz des 18. Abschnittes des Bell. Hisp. und eo ipso dem inzwischen schon berühmten, auf jeden Fall nach über fünfhundert Jahren fast 51 Zu den Abkürzungen fur -u s. noch LINDSAY, 34: HI = huius, CI = cuius; CAPPELLI, 53: C'L = cuilibet; KOPP, 64: CI = cui, 65: CIP = cuipiam, CI(c)V(m) = cuicumque. Vgl. Oxford Latin Dictionary S.V. quisquis: ano gen. (except cuicui in cuicuimodi) or dat. attesteds. 53 ZU der Abkürzung vgl. CAPPELLI, 72: 9CTA = cuncta, 83: 9TA = cuncta; KoPP,~~: C(U). = cunctus. 54 Zum Ausdruck vgl. Caesar, Bell. Alex. 12 ut ex aedificiis defendi possent et materiam cunctam obicerent; Bell. ciu. 111, 79 cuncta, ut erant acta, exposuerunt.
crewigenn locus desperatus. Es müpte fur die so vielen schon Editoren beschamend sein, wenn ihn jetzt ausgerechnet ein Nichteditor knackt. Das Monstrum heipt -und mufite in das Buch der Rekorde kommen, allein schon wegen der LangeFUNE CRURE DE LIGNO, nach Pascucci, aber woher hat er das?, plumper Schreibfehler?, FUNE CRURE DE LIGNOT. In einem groperen Ganzen liest sich das (weniger schrecklich): Ita ffune crure de lignotf (andere Editoren eher richtig: LIGNO) cum propius accessisset, ab oppidanis est occisus. Hier gleich eine notwendige Bemerkung zu dem nicht zwingenden S ingu 1 ar accessisset und est occisus. Diese Formen wirkten wie eine Vogelscheuche auf diejenigen Autoren, die dankbarerweise an einen Plural gedacht oder mit ihm eher gerechnet haben. Sie bekommen jetzt recht. Denn eine Handschrift -auch das haben unsere wissenschaftlichen Editoren in ihren wissenschaftlichen Editionen <<vergessen>> uns im kritischen Apparat zu sagen-, der cod. U (= Vaticanus Lat. 3324, auch Ursinianus genannt) liest nicht OCCISUS sondern OCCISIS. Man kann dazu stehen wie man will, verschweigen darf man so etwas nicht. Auch hier haben wir mit dem schon bekannten Problem der tauschenden Wirkung der scriptura continua, und mit der diabolischen Wirkung der fast totalen Unkenntnis in puncto Abbreviaturenkunde zu tun. Denn nur der Kenner kommt hier, und meistens sofort auf den Gedanken, nicht OCCISIS sondern eventuell OCCISI und S zu lesen. S war dann auch in diesem Fall die allerbekannteste Abkürzung fur s(unt) und der Plural occisi ist ein weiterer Beweis dafur, dap beide Tabellarii der Versuchung unterlagen, auf diese unheimliche Weise Caesars angebliche omnia zu erlangen. Die Librarii der anderen codd. haben OCCISIS <<korrigiert>> und daraus OCCISUS gemacht. Sie konnten sich das leisten, denn sie haben vor diesen Wort eine Buchstabengruppe gesehen, die sich sehr wohl EST lesen liep. Aber das Bild tauschte. Die oppidani haben keine Sekunde gezogert, die verraterischen Tabellarii umzubringen. ST (von EST) war dann die jetzt envartete Abkurzung fur s(ubi)t(o) oder fur st(atim). Aber E, das in dieser Aporie entscheidet, spricht fur e s(ubi)t(o), wenn kein groperer Fehler der Paradosis angenommen werden mufi. Besser bekannt sind namlich die Ausdriicke in subito oder de subito. Nun aber -endlichzu dem locus desperatus FUNE CRURE DE LIGNO unserer codd. Obwohl man die Situation noch gar nicht verstanden hatte und nicht einmal den sonstigen Text, sehr schnell
zeigten sich Autoren und auch Editoren bereit, die Paradosis zu andern, in der Meinung, man kann auf diese unbedingt und fast auf der Stelle den korrupten Text sanieren. Einer Konjektur von Godwin (den wir nach Dübner zitieren) folgend las schon C.E. Chr. Schneider (Bratislava 1837) Zta fune crure deligato cum propius accessisset, ein Beweis dafür, dap man den Weg zu dem Turm allein fur unmoglich schwierig hielt. So wird dann noch Dübner (1867) lesen, Dinter (1876) mit einer ungerechtfertigten Textanderung Ita fune crure deligato cum propius [unus] accessisset, ab oppidanis est occisus. Kübler benahm sich viel ernster, sah hier eine gravierende Korruptel und las Zta fune crure de lignof cum propius accessisset usw. Bis dahin hatte Em. Hoffmann (Wien 1857) FUNE aus dem Text ersatzlos gestrichen. Von C1. Fleischer sind die Versuche ita fune crure de ligno noctu turrem ligneam beckannt und ita nocturno tempore dato igne, in dem igne einmalig gut war. Du Pontet hatte diese wirklich heipe Spur gar nicht bemerkt, so dap er c<ruhig>> lesen kann Ita ffune crure de lignof cum propius accessisset, ab oppidanis est occisus. Total respektlos springt mit der Paradosis und mit unserer Philologie erst A. Klotz um, denn er c(liest>>, zum gropen Teil den Autor des Bell. Hisp. ersetzend oder vergewaltigend ita fine [diei] turrem ligneam cum propius accessisset, ab oppidanis est occisus. Dagegen hatte Pascucci den Fehler der Paradosis gerade dort, wo man mit einem igne hatte sanieren konnen, <mur>> vergropert durch das den Weg zur Sanierung blockierende LIGNOT. Er halt das ganze FUNE CRURE DE LIGNO (der anderen Editionen wohl) fur einen ganzen locus desperatus, weil er ihn nicht versteht, aber er kann Stellung nehmen zur Lesart von Klotz, der er eine ccminima verisimiglianza>> bescheinigt, dann beurteilt er aber gerade Schneiders Konjektur (fune crure deligato) sehr positiv. Hier seine Worte: crI1 partit0 migliore sembra que110 di ripiegare sulla emendazione del10 Schneider fune crure deligato, di senso accettabile: ad evitare che i1 tabellarius simulasse i1 tentativo rischioso per trascorrere oltre le linee in citta e ripararvi, si provvide a legargli con una fune una gamba, impedendogli eccessiva liberta di movimento~. Aber Pascucci macht den Caesar zum letzten Lump der Weltgeschichte. Pascuccis Annahme, dap die Operationen gegen den Turm innerhalb der Stadt Ategua sich auperhalb der Burg und somit beinahe oder überhaupt im Bereich der castra Caesars abspielen, ist doch wirklich weltfremd. Und wo haben dann die oppidani den fraglichen Tabellarius getotet? In der Küche oder auf dem Klo im Lager Caesars? Und
das aus keinem anderen Grund als dem, weil er fune crure deligato nicht einmal aus dem Klo mehr heraus konnte? O Firenze! Aber nach diesem dictum acerbum zurück zur klassischen Philologie, zurück zur scriptura continua, zurück zu eventuell verkannten Abbreviaturen. Nicht andern der überlieferten Buchstaben war dann das erste, sondern nach allen Seiten schieben, neue Konstellationen suchen, solche Leute wie Fleischer zum Vorbild nehmen, wenn auch nur bei dem IGNE statt DELIGNO. Das ist der Weg des künftigen Philologen, des künftigen Editors. Wenn der Turm brennen soll, dann braucht man dazu ... Feuer. Dap man die andere Seite der Stadtmauer ziemlich leicht erreichen kann, beweisen die Tabellarii. Sie sind ja ganz bestimmt erst bei dem Turm der Stadt und somit erst in der Stadt erwischt und sofort umgebracht worden, nicht -nach Pascuccis Vorstellungenin den Armen Caesars. Aber sie konnten sich das Feuer nicht vom Bürgermeister von Ategua (oder seiner Gattin in der Küche) leihen. Auch war auf der anderen Seite der Stadtmauer angekommen keine Zeit, das Feuer erst mit eigenen Mitteln zu machen. Periculum in mora! Also mupte das fast fertige Feuer mitgenommen werden. Wie macht man so etwas. Fragen wir nicht bei den Pfadfindern, sie wissen das, einige von ihnen beherrschen das Funkenschlagen und einzufangen, bis es end lich brennt, ausgezeichnet. Der klassische Philologe ist da eher gut beraten, Isidors Origines zu lesen. Dort heipt es namlich (17,10, 18) fungi quod aridi ignem acceptum concipiunt. Sapienti sat! Den Anfang des wichtigen Wortes haben wir ja, denn der ccnoch locus desperatus)) beginnt ja mit FUN. Dann etwas philologische Courage und wir lesen statt FUNE C eben FUNGO. Dem unbedingt absolut getrockneten Pilz fehlt dann nur das einzufangende Feuer, natürlich fur den Transport in der Form eines winzigen Funkens. Also lesen wir jetzt kaum zum Vergnügen Pascuccis fungo.. . igne. Es fehlt noch was, aber wir haben dafür die Buchstabengruppe DE L, die wir, den Mipeffekt der scriptura continua korrigierend DEL lesen, da das Einfangen von spritzenden Funken auf den absolut trockenen Pilz gemeint sein mup, fur del(ato)igne. Aber da haben wir von dem Rest des ewigen locus desperatus noch die Buchstabengruppe RURE. Uns ware nach fungo ein arido lieber, aber der Autor des Bell. Hisp. hatte sich halt anders ausgedrückt. Durch die scriptura continua, d.h. in diesem Fall durch GOPURO irregeführt las der Librarius, auf den der Fehler zurückgeht, CRURE. Usere Lesart:
Ita fungo pur0 del(ato) igne cum propius accessisse(n)t, ab oppidanis e s(ubi)t(o) occisi s(unt). Und jetzt zum Vergleich der Leistung der ganze achte Satz des 18. Abschnittes des Bell. Hisp.: (nach Du Pontet) (nach Klotz) (nach Pascucci) (nach Bohm) Ita tfune crure de ita fine [diei] tuIta tfune crure de Ita fungo pur0 del lignot cum prorrem ligneam cum lignott cum pro- (ato) igne cum pius accessisset , propius accessispius accessisset , propius accessisab oppidanis est set, ab oppidanis ab oppidanis est te(n)t, ab oppidaoccisus. est occisus. occisus. nis e s(ubi)t(o) occisi s(unt). APPENDIX Der vierte, lange und aus mehreren heterogenen Aussagen bestehende Satz des hier behandelten 18. Abschnittes des Bell. Hisp. war hier fur die Behandlung uberhaupt nicht vorgesehen, einfach deshalb, weil man nicht einmal sicher weiP, wo hier eine Aussage endet und die niichste beginnt, so schlecht ist der Text uberliefert. Nach dominum iugulauit et ... in Pompei castra discessit war et indicium glande scriptum misit trotz des fortfahrenden et keine zumal direkte Fortsetzung der ersten Aussage, weil bei misit eine andere handelnde Person gemeint sein mufi. Aber die zweite Aussage begann moglicherweise weiter vor diesem nicht unbedingt echten ets5, denn discessit als vermutlich letztes Wort des ersten Aussage liefi sich bequem, auf DISCES oder DISCESS, abkürzen, so dafi wir hier das neue Subjekt zu erwarten hatten. Nun wissen wir aber auch nicht, wo die erste Aussage des vierten Satzes begann. Denn in unseren friiheren Ausgaben begann dieser Da jetzt und hier ein Subjektswechsel angenommen werden mubund die handelnde Person genannt werden mubte, aber in einer mipverstandlichen, wie fast immer, Abbreviatur, sehen wir in ET eine Verlesung aus AL fur al(ius). Das IT (von DISCESSIT) geht dann wohl auf das ahnlich aussehende I1 fur i(nter)i(m) zurück. Zu der Suspension AL = alius s. LINDSAY, 6; CAPPELLI, 12: AL = alibi, aliis, alias. Zu I = inter s. STUDEMUND, 271; LINDSAY, 111; CAPPELLI, 168, vgl. 176: IIM = interim. Zu den Abkürzungen fur -m s. noch STUDEMUND, 271: PART1 = partim; CAPPELLI, 118: EI = enim, 249: OLI = olim, 293: PST1 = praesertim. IT kann aber auch it(em) zu lesen gewesen sein.
Satz iibereinstimmend mit Seruus cuius dominus in Caesaris castris fuisset und in den neuesten mit Seruos cuius usw., aber die Aussage kommt dann zu unvermittelt, fast iiberraschend und ungewohnlich. Der Autor des Bell. Hisp. weip, dap er fur solche Situationen reichlich Uberleitungspartikel hat. Es kommt hinzu, dap die letzte Aussage des voranstehenden dritten Satzes mit QUEMQUAM endet, das sehr unterschieldlich iiberliefert ist und zudem ohne weiteres abgekiirzt werden konnte. War nur QUEMQUA fiir quemqua(m) zu lesen, dann galten die drei Striche des M schon dem nachsten Wort und somit dem Anfang des hier zu behandelnden vierten Satzes, von dem jetzt aber nur die erste Aussage behandelt wird. Geschah das, was jetzt noch zu melden war, in derselben Zeit und somit ainzwischen~, dann waren die drei Striche, aus denen M wurde, wohl ITI fur i(n)t(er)i(m) zu lesen. Fiir den Tenor der ersten Aussage mussen wir aber von dem ausgehen, was die Ausgaben lesen und wie sie lesen. Und sie lesen nach Seruus oder Seruos -beide diese Lesarten werden sich iibrigens als nicht richtig erweisencuius dominus in Caesaris castris fuisset (uxorem et filios (oder filium) in oppido reliquerat), dominum iugulauit et ita clam a Caesaris praesidiis in Pompei castra discessit. Schon Fr. Dubner (Paris 1867) fiel es auf (andere Editoren werden diese Beobachtung ignorieren), dap der cod. L statt clam a Caesaris nur clam Caesaris hat, also schrieb er a omisit L. Das entspricht nicht der palaographischen Wahrheit. Auch jener cod. Lhat das a, denn er liest CLAM, aber diese Lesart beruht auf einem Mipverstandnis. Allein CL stand als Abkurzung schon fur das ganze cl(~m)'~. Ein Librarius nahm das A dazu und las CLA fiir cla(m) und schrieb aus. Der Autor des Bell. Hisp. schreibt quasi in Parenthese -und meint . . . den dominus, was befremdend wirktuxorem et filios in oppido reliquerat. Wer braucht diese Information? Fiir das weitere, spatere Geschehen konnte ihm das nicht von Bedeutung sein, weil er die Zukunft doch noch nicht kennt. 1st das dagegen mit Riicksicht auf dominum iugulauit gesagt worden, dann meinte der Autor des Bell. Hisp. mit dem Satz in Parenthese nicht den dominus sondern dessen seruus! Denn dieser hatte seinen Herrn umgebracht. Mitten in Caesaris castris! Wie konnte das passieren? Die Erklarung und fiir Caesar eine Entschuldigung oder Entlastung: uxorem et filios in oppido reliquerat. Sie war nicht da, die Sohne waren nicht da, niemand war dabei. Interpretieren wir richtig, dann iiberliefert aber das vor dem eingeschobenen Satz stehende FUISSET falsch. Das Zeitwort liep sich einfach abkiirzen, ZU den Abkürzungen fur -am s. STUDEMUND, 275 f.: L = lam, FORMUL, N = nam, POEN, Q = quam, QQ = quamquam, R = ram, LIBR; LINDSAY, 322: N = nam, D = dam, Q = quam, R = ram, FUTUR, UER, 304: TQ = tamquam; BAINS, 23: N = nam; CAPPELLI, 229: N = nam, 240: NQ = numquam, 53: CLANT = clamant; KOPP, 207: L(am)B it = lambit, 213: L(a)P(s) = lampas, 68: C(o)L or = clamor, 68: CL at = clamat, 67: CL = clam.
auch das zweite I zu GLAND1 und las I1 -in der altromischen Kursive ublichfur e. Aus STUM wurde dann die nicht unbekannte Abkurzung fur ~(ri~)tum~~. Und nun noch einige Worte zum Anfang der zweiten Aussage im Satz 4 des hier diskutierten achtzehnten Abschnittes des Bell. Hisp. Unsere Editoren fanden in den codd. immer ein DISCESSIT ET INDICIUM usw. vor. Alle nahmen DISCESSIT fur ein richtig ausgeschriebenes discessit, sie konnten dann erst das ET der nachsten Aussage zuschlagen. Das entsprach nicht den Realitaten der Palaographie. Und gerade wenn wir et indicium . . . misit lesen, fehlt uns ein unabdingbarer Hinweis auf die hier und jetzt handelnde Person. Nehmen wir bei DISCESSIT zur Kenntnis, dafi hierin eine oder mehrere Abbreviaturen stecken konnen, dann lesen wir vorsichtshalber nur DISCESS oder nur DISCES fur disce~s(it)~~ oder disces(sit). Und dazu einige Uberlegungen aus dem Kontext. Der Autor des Bell. Hisp. kann jetzt noch nicht wissen, wer der Mann mit der Schleuder war, denn dieser handelte auf der Burg Ategua, die Caesar noch nicht eingenommen hatte. Der Autor des Bell. Hisp. hatte darum ein Recht, den Mann als unbekannt zu bezeichnen. Das Wort liefi sich abkurzen, aber wir erwarten dann immerhin ein IGT~~ fur ig(no)t(~s)~~. Lesen wir aber IGT wo unsere codd. TET haben, dann bleibt uns bei einem DISCESS fur discess(it) noch ein Strich ubrig, fur interim doch wohl zu wenig. Lesen wir aber nur DISCES fur dissero, 337: S = ser, 339: SA = sera, 351: SIES = series, 355: SO = sero, 368: SUO = seruo. 73 ZU den Abkürzungen vgl. CAPPELLI, 343: SC'BR = scribitur; PELZER, 75: SCP = scripta; KOPP, 329: S tum = scriptum, 80: C(r)P a = cripta, 16: AGP a = Agrippa. 74 ZU den Abkürzungen fur -it s. STUDEMUND, 279 f.: M = mit, MM = manumit-, T = tit, TIUS = Titius; LINDSAY, 340: B = bit, C = cit, D = dit, P = pit, etc.; BAINS, 55: B = bit, D = dit, L = lit, P = pit, N = nit; CAPPELLI, 500: S = sit, 134: FAC = facit; PELZER, 22: DIC = dicit; KOPP, 331: S(¡) um = situm, 388: U(it) = uit, U(¡) is = uitiis, 402: U(i)R um = uitrum, 210: L(i)G = litigat, 226: M(it)Gantur = mitigantur. ZU ber Abkürzung s. CAPPELLI, 175: IGOTA = ignota, IGORO = ignoro, IGOMIE = ignominiae, 74: 9Gci' = cognoscit, 9Git = cognouit, 9Gre = cognoscere; PELZER, 16: 9Gr = cognoscitur; KOPP, 177: IG a = ignominia, IG is = ignobilis, 178: IG at = ignorat, IG it = ignouit, IGum = ignotum. 76 ZU den Abkürzungen fur -us s. noch LINDSAY, 381: B = bus, T = tus, I = ius, CONUENT = conuentus, FUNDIT = funditus; BAINS, 64: N = nus, P = pus, T = tus, etc.; CAPPELLI, 190: IT = iustus, 201: LD = ludus, 510: UET = uetus, 365: STAT = status, KOPP, 369: T(s) = tus, 244:NO (t). = Notus, 207: L(it). = litus, 206: L(at). = latus.
cessit, bleiben uns die Buchstaben SI übrig, und das kann sehr wohl eine Verlesung aus SL fur s(imu)l ~ein~~. Unsere Lesart: . . .dominum iugulauit et ita clam a Caesaris praesidiis in Pompei castra78 disces(sit). ~(imu)l~~i~(no)t(us)~~ indicium glandi i(n)s(er)tum misit, per quod certior fieret Caesar, quae in oppido ad defendendum compararentur. Vor grope und fast zahlreiche Probleme stellt den Leser und Editor auch der füntfe Satz des 18. Abschnittes des Bell. Hisp. Bei den Editoren handelt es sich zum Teil um selbstverschuldete Fehler. Denn bis C. Nipperdey (Lepzig 1847) lasen Editoren der Neuzeit den codd. entsprechend Zta litteris acceptis, cum in oppidum reuertisset (nach J. Scaliger, Antwerpen 1586: reuertissent), qui mittere glandem inscriptam solebant. Die beste Handschrift, der cod. S (=Laurentianus Ashburnhamensis R. 33) liest reuertissent, was nicht falsch sein mup, denn es ist nicht auszuschliepen, dap mehrere Personen (z.B. nach Ategua's Kapitulation) auf die Burg zurückgekehrt sind. Den Fehler dieses Satzes hatte nun Nipperdey dadurch vergropert, dap er statt SOLEBANT, das a 11 e codd. haben, solebat las. Diese Lesart macht den Satz namlich erst richtig korrup t, weil erst dadurch der Eindruck der Lückenhaftigkeit entstand, besonders wegen des qui. Da hatte C. Fleischer vorgeschlagen, das qui ersatzlos (natürlich) zu streichen, aber das lief nach der Art von Unfallflucht auf der Autobahn. Das qui wird nach Dübner und Dinter dann auch noch Kübler halten und Du Pontet, auch Klotz, auch Pascucci, aber der ganze Text klingt nichtdestotrotz ganz falsch. Und das schon aus dem einfachen Grund, weil man sich von Anfang an nicht gefragt hatte, 77 ZU der Abkürzung s. CAPPELLI, 353: SL = simul; KOPP, 346: S(i)L(u) = simulacrum, S(du)L = dissimulat, 345: S(iu)L = simul. 78 Hier kann es sich sehr wohl um eine Verlesung aus castella handeln. Denn Pompeius hatte sein Lager mit lauter castella umgeben, und der Sklave kommt an ihnen nicht unbemerkt vorbei und ist dort wohl abgefangen und in die Burg geschickt worden, aus verstandlichen Gründen nur widerwillig. Er mup sich dort vor der Familie des ermordeten Herren versteckt halten. '' Zum Ausdruck vgl. Caesar, Bell. ciu. 111, 13 simul Caesar appropinquare dicebatur; Bell. Afr. 36 simulque (legati) orant, ut sibi praesidium mittat. Zum Ausdruck vgl. Caesar, Bell. Alex. 71 nemini ... erat ignotum plurimis de causis ad urbem Caesarem reuocari. Zum Ausdruck vgl. Caesar, Bell. Gall. 111, 14 falces (erant usui) praeacutae insertae affixaeque longuriis.
wie man hier so ein qui lesen mup, damit der Satz nicht falsch klingt. Niemand hatte sich hier die Frage gestellt: qui? Natürlich hat diese Frage nur dann einen Sinn, wenn wir nicht solebat lesen, das sowieso keine Handschrift überliefert, und nicht einmal solebant unserer codd. Aber warum mup es unbedingt ein solebat oder solebant sein, wenn doch von einem solere hier keine Rede sein kann! Es kommt hinzu, aber so etwas sieht nur der Palaograph, dap SOLEBANT verdammt ahnlich ist einem SCIEBANT. Natürlich geht es hier nicht um das scire, eher schon um das nescire, um das scire uelle. Und Worter, mit denen man das Wissenwollen auszudrücken hatte, kamen seltener vor und konnten, zumal in Abbreviatur geschrieben, auch falsch gelesen werden. Aber wir haben hier auch andere Probleme. Denn unsere codd. lesen zuerst einmal qui mittere glandem in scriptam. Da der Mann mit der Schleuder nur einmal in Aktion getreten ist, kommt ein solere hier nicht in Frage. Nicht in Frage kommt aber auch das (mittere) glandem inscriptam. Denn wir konnen dem Autor des Bell. Hisp. aufs Wort glauben, wenn er sagt indicium . . . misit, es ging dann in der ganzen Sache nic h t um ein mittere glandem! Denn es geht um einen und denselben Vorgang. Was jetzt und von Anfang an zu befordern war (mit der einmalig angewandten Schleuder), das sagte der Autor des Bell. Hisp. eigentlich überdeutlich dort, wo unsere codd. -von niemand angefochtenita litteris acceptis lesen. Klotz sah die Zusammenhange und so kann er sein indicium glande scriptum interpretieren mit seinem ccDaher litteris acceptis>>. Fur Pascucci gingen die Zusammenhange aber wieder verloren, weil er nach litteris acceptis nicht mittere glandem hatte wortlos akzeptieren konnen. Genau genommen ging es namlich nicht um den Briefumschlag sondern um den Brief selbst. Und ganz nebenbei gesagt war die glans auch hier wieder nicht inscripta, aber das Hauptwort, in diesem Fall nicht mehr indicium und auf der anderen Seite auch nicht litterae, war ein anderes. Das fehlende Hauptwort erwarten wir anstelle des überflüssigen wie falschen INSCRIPTAM. Die Endung dieser Buchstabengruppe spricht uns fur ein Wort feminini generis, jetzt aber im Singular. Da kommt nur das Wort epistulam in Frage. Auf der anderen Seite mupte auch oder konnte gesagt werden, dap die epistula versteckt worden war in eine hole Eichel. Fallig waren dann unseres Erachtens zwei Worter: insertam und epistulam. Wenn daraus das einfache, aber jetzt offensichtlich falsch klingende INSCRIPTAM werden konnte, so nur deshalb, weil beide
Worter abgekürtz waren, auf zusammen INSERT~'-EPLAM~~ oder INSTAEPLAN~~ oder noch anders. Und jetzt zum Schlup die Frage nach dem S u b j e k t zu reuertissent des cod. S und dann die damit zusammenhangende Frage, was denn diese nach der Rückkehr aud der Burg . . . zuerst getan haben. Zurückkehren auf die Burg Ategua war das grope Wort zuerst einmal fur diejenigen, die von dort vor den mordenden Pompejanern fliehen mupten. Aus dem Ausdruck litteris acceptis schliepen wir, dap diese Leute in Caesars Lager die Szene mit der Einlieferung des Schleuderbleis miterlebt haben. Das hatte fur die Flüchtlinge oder Vertriebene gutes Wetter gemacht. Als sie zurückdurften, denn der Autor des Bell. Hisp. kann die Zeit nach der Kapitulation Ategua7s meinen, war fur sie die erste Frage, wer war das? Es begann mit Recherchen. Das Zeitwort war kompliziert geschrieben, wahrscheinlich in Abbreviatur, zudem was es ein Wort, das einem nicht jeden Tag über die Lippen kommt. Das war der Librarius, auf den der Fehler zurückgeht, zu lesen hatte, war eine regelrechte lectio difficilior. Ein einfaches, alltaglic hes Wort erwartend las er SOLEBANT, aber die noch intakte Vorlage hatte wohl SCITABANT fur ~(cis)citabant~~ oder ahnlich. Auch die Lesart QUI MITTERE unserer codd. will erklart sein. ZU den Abkürzungen fur -am s. STUDEMUND, 275 f.: L = lam, FORMUL, N = nam, POEN, Q = quam, QU = quamuis, R = ram, LIBR; LINDSAY, 322: N = nam, D = dam, 304: TQ = tamquam; BAINS, 35: Q = quam, 23: N = nam; CAPPELLI, 240: NQ = numquam, 380: TQ" = tamquam; KOPP, 369: T(am) = tamquam, 330: S = sam, 314: R(am) = ram, 304: Q(am) = quam, 310: Q(am) U = quamuis. 83 ZU der Abkiirzung per contractionem vgl. LINDSAY, 65: EPM = epistulam, EPLA = epistula, EPLAE = epistulae, EPSLA, EPSTLA = epistula; BAINS, 12: EPLA, EPTLA, EPSLA = epistula; CAPPELLI, 121: EPa = epistula, 122: EPLA = epistula, EPM = epistulam; KOPP, 125: EP(s) a = epistula. 84 ZU den Abkürzungen fur -m s. noch STUDEMUND, 255 f.: A = am; LINDSAY, 342: CAPIS = campis, LAPADA = lampada; BAINS, 56: QUIDA = quidam; CAPPELLI, 170: IA = iam, 231: NA = nam; PELZER, 81: TA = tam; KOPP, 168: IA(m) = iam, 35: (t)A(m)S(i) = tametsi. 85 Zum Ausdruck vgl. Bell. Hisp. 20 quod Pompeius ex perfugis cum deditionem oppidi factam esse scisset (unserer Editionen); Plautus, Mer. 386 paucula.. . sciscitare priu' u010 -dic quid uelis; Terenz, EU. 548 quidquid est, procul hic lubet prius quid sit sciscitari; Cicero, ad Attic. 9, 15, 4 de Domitio ... sciscitare ubi sit, quid cogitet; ad Q. fr. 2,14,2 si ... parua aliqua res esset in qua sciscitarere quid uellem; Livius 1,54,5 ex suis unum sciscitatum Romam ad patrem mittit quidnam se facere uellet; 5, 15, 3 quidnam eo di portenderent prodigi0 missi sciscitatum oratores ad Delphicum oraculum.
Die Vorlage hatte moglicherweise MIlTER fur mitter(et) und MITTERE stellt eine ccKorrektuw ex coniectura dar, oder sie hatte MITTERET, das dem Librarius wegen solebant nicht richtig klang. Unsere Lesart: Ita litteris acceptis cu(m) n(ostr)i in oppidum reuertissent, qui mitter(et) glandi ins(er)ta(m) ep(istu)lam s(cis)c(i) tabant. Und jetzt der ganze Text des jetzt behandelten viert en und fünfte n Satzes zum Vergleich: (nach du Pontet) (nach Klotz, Pascucci) (nach Bohm) . . . dominam iugulauit et ita clam a Caesaris praesidiis in Pompei castra discessit et indicium glande scriptum misit, per quod certior fieret Caesar quae in oppido ad defendendum compararentur. Ita litteris acceptis, cum in oppidum reuertisset qui mittere glandem inscriptam solebat.. . ... dominum iugulauit ... et ita clam a Caesaris praesidiis in Pompei castra discessit.. . et indicium glande scriptum misit, per quod certior fieret Caesar quae in oppido ad defendendum compararentur. Ita litteris acceptis, cum in oppidum reuertisset qui mittere glandem inscriptam solebat.. . ... dominum iugulauit et ita clam a Caesaris praesidiis in .Pompei castra disces(sit). S(imu)l ig(no)t(us) indicium glandi i(n)s(er)tum misit, per quod certior fieret Caesar, quae in oppido ad defendendum compararentur. Ita litteris acceptis cu(m) n(ostr)i in oppidum reuertissent, qui mitter(et) glandi ins(er)t(am) ep(istu)lam s(cis)citabant.