Ch. Lemcheno sukaktuvių knyga
Full text
Stasys KEINYS
CH. LEMCHENOS JUBILÄUMSBUCH
Im vergangenen Jahr wurde Chackelis Lemchenas, ein Arbeiter auf dem Feld der Sprache, neunzig Jahre alt (er wurde am 21. April 1904 in Papilė geboren, im heutigen Bezirk Akmenė, der auf die eine oder andere Weise mit dem Leben nicht weniger Sprachschaffender verbunden ist, angefangen wohl bei Kalikstas Kasakauskis und Simonas Daukantas. Wer weiß, vielleicht begeisterten die berühmten Vorkämpfer der Sprachforschung aus jener Gegend auch diesen Mann aus Papilė). Aus Anlass des Jubiläums beeilte sich das Staatliche Jüdische Museum Litauens, ein ansprechend gestaltetes Buch „Arbeiten und Gedankenflüge“ herauszugeben, das von Polina Pailis und Judita Rozina zusammengestellt und von Rytis Trimonis redigiert sowie wissenschaftlich beraten wurde.
Vor dem Titelblatt des Buches ist neben dem Foto des Jubilars eine vor 70 Jahren verfasste Beurteilung von J. Jablonskis abgedruckt, in der es unter anderem heißt: „<...> Es gibt nur wenige Studenten, die sich so gut wie er in Fragen der litauischen Sprache auskennen <...>.“ Ein solches Wort des größten Gestalters der Gemeinsprache wäre wohl jedem Sprachwissenschaftler eine große Freude. Ch. Lemchenas war damals jedoch erst zwanzig...
Das Buch beginnt mit dem kurz vor dem Vorwort eingefügten kleinen Artikel „Ein Vermittler der Kulturen“ von E. Zingeris. Darin werden die Arbeiten von Ch. Lemchenas gewürdigt, die für die litauische und jüdische Kultur von Bedeutung sind und zwischen denen der Jubilar seit Langem vermittelt; auch seine Leidensgeschichte wird in Erinnerung gerufen. Die folgenden Beiträge sind in Kapitel gegliedert.
Im ersten Kapitel des Buches sind Artikel über Ch. Lemchenas versammelt. Das Kapitel beginnt mit einem Grußwort von Z. Zinkevičius. K. Ulvydas erinnerte an die Vorkriegsarbeit des Jubilars als Litauischlehrer an jüdischen Gymnasien und warf einen Blick auf die von ihm verfassten und redigierten Wörterbücher sowie auf seine bildende Tätigkeit im Bereich der Sprachkultur. A. Sabaliauskas erörterte ausführlicher die Bedeutung von Ch. Lemchenas’ Buch „Der Einfluss der litauischen Sprache auf den Dialekt der litauischen Juden“, während V. Vitkauskas sich bemühte, einen Überblick über all seine sprachwissenschaftlichen Arbeiten zu geben. Ein Blumenstrauß schöner Worte wurde dem Jubilar vom Dozenten der Universität Oxford H. D. Kacas, vom Journalisten G. Smoliakovas und von der Presse überreicht
1 Darbai ir polėkiai: Kalbininko Chackelio Lemcheno 90-osioms gimimo metinėms. - V.: Lietuvos valstybinis žydų muziejus, 1994. - 208 p.
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mitarbeiter D. Gelpernas und der Schriftsteller G. Kanovičius. Hier sind auch ein Ch. Lemchenas gewidmetes Gedicht von A. Churginas sowie ein Brief des Lehrers J. Lazauskas abgedruckt.
Alle Beiträge für dieses Kapitel stammen von Sprachwissenschaftlern; neben anderen Arbeiten von Ch. Lemchenas erwähnen sie auch seine Tätigkeit als Redakteur und Terminologe. Mehr als drei Jahrzehnte lang verdiente der Jubilar sein Brot als Redakteur. Neben anderen Publikationen brachte er einen Teil der wissenschaftlichen Arbeiten zur litauischen Sprache heraus, darunter auch die grundlegende dreibändige akademische „Grammatik der litauischen Sprache“, ebenso wie nahezu alle in einem Vierteljahrhundert vom Verlag herausgegebenen Terminologiewörterbücher verschiedenster Fachgebiete.
Der Sprachwissenschaftler widmete sich der terminologischen Arbeit professionell; in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg war er, könnte man sagen, an praktisch allen Arbeiten auf diesem Gebiet beteiligt und sprach dabei offenbar häufig das entscheidende Wort. Die von Ch. Lemchenas im Verlag redigierten Wörterbücher der Rechtswissenschaft, Bibliothekswissenschaft, Geologie und physischen Geografie, Physik, Polytechnik, Melioration, Chemie, Literatur, Botanik, Wirtschaft, Rechentechnik, Meteorologie und Medizin waren und sind wichtige normierende Arbeiten der litauischen Terminologie. Fast alle diese Wörterbücher wurden von der Terminologiekommission des Instituts für Litauische Sprache und Literatur geprüft; somit führten sie nicht nur normgerechte Termini ein, sondern legten auch die Grundlagen für die weitere Ordnung der Fachterminologie und eine organisierte Terminologiearbeit und wiesen allgemein die Richtung dieser Arbeit. Dabei spielt es keine Rolle, dass sich ein Teil der in diesen Wörterbüchern vorgeschlagenen Termini nicht durchsetzte, dass einige später berichtigt oder ersetzt wurden und dass schließlich auch manche der vor mehreren Jahrzehnten erschienenen Wörterbücher inzwischen veraltet oder überholt sind und neue herausgegeben wurden. Sie erfüllten ihre Aufgabe und spielten eine bedeutende normierende Rolle für die Terminologie; sie leisteten lange Zeit gute Dienste, und die meisten dienen auch heute noch als wichtigste Quellen für die beispielhafte Terminologie ihrer Fachgebiete. Was die nicht übernommenen Vorschläge betrifft, so blieb auch ein beträchtlicher Teil der von J. Jablonskis, J. Balčikonis und anderen namhaften Sprachwissenschaftlern vorgeschlagenen Formen in der Sprache unverbreitet; an ihrer Stelle setzten sich andere durch, in einzelnen Fällen sogar korrigierte Wörter und Wendungen. Die Zeit nimmt Änderungen vor. Doch sie vermag die Bedeutung der geleisteten Arbeit nicht zu schmälern.
Im Trubel der großartigen Jubiläumsfeierlichkeiten wurde nicht darauf hingewiesen, dass auch zwei zuletzt während der Arbeit von Ch. Lemchenas erstellte Übersetzungen des „Wörterbuchs der Fremdwörter“ für die litauische Terminologie von großer Bedeutung sind
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(1951 und 1969). Sie trugen wesentlich dazu bei, die phonetische, akzentologische und grammatische Anpassung vieler sogenannter internationaler Fachbegriffe, die in diese Wörterbücher aufgenommen wurden, zu festigen und die Grundlagen dieser Anpassung zu stärken. Durch die großzügig aufgenommenen litauischen Entsprechungen oder Synonyme wurde gezeigt, dass man nötigenfalls auch ohne Lehnwörter auskommen kann. Und was soll man erst von den russisch-litauischen Wörterbüchern sagen, die Ch. Lemchenas selbst verfasst hat und die für Übersetzer von Büchern, Büchlein und Artikeln aus den verschiedensten Fachgebieten zur Handbibliothek gehörten (davon zeugen auch die herzlichen Worte in einem Brief an Ch. Lemchenas, der in „Darb uose ir polėkiuose“ abgedruckt ist und von J. Lazauskas stammt, der irgendein medizinisches Buch übersetzte). Übrigens wurde Ch. Lemchenui für das größte dieser Wörterbücher, das vierbändige „Russisch-litauische Wörterbuch“, das 1982–1985 erschien, gemeinsam mit den anderen Autoren 1987 der Staatspreis der Wissenschaft und Technik der Litauischen SSR verliehen.
Dass sich Ch. Lemchenui mit Fragen der Terminologie eingehend befasst hat, zeigen auch einige seiner in der Zeitschrift „Kalbos kultūra“ und in Zeitungen veröffentlichten Artikel. Ein Teil dieser und anderer Themen aus dem Schaffen des Sprachwissenschaftlers, Lehrers, Lexikografen und Terminologen wurde auch in den zweiten Abschnitt des vorliegenden, seinem Jubiläum gewidmeten Buches aufgenommen (schade, dass die meisten dieser Arbeiten gekürzt abgedruckt und einige überhaupt nicht aufgenommen wurden. Zu einem so schönen Anlass hätte man ruhig noch ein paar Druckbogen spendieren und alle in verschiedenen Publikationen verstreuten Beiträge zusammenstellen können. Nun wird man wohl auf ein noch ehrwürdigeres Jubiläum warten müssen).
Man kann sagen, dass Ch. Lemchenas schon zu Beginn der Kriegswirren in einem 1951 in „Literatūra ir menas“ veröffentlichten Artikel mit dem Titel „Zur Frage der litauischen wissenschaftlichen Terminologie“ die Öffentlichkeit auf die Notwendigkeit aufmerksam machte, sich um die Fachbegriffe der verschiedenen Gebiete zu kümmern, und zur Einrichtung einer ständigen, sachkundigen Terminologiekommission aufrief, die diese Arbeit ordnen sollte.
In dem 1963 in „Kalbos kultūra“ veröffentlichten Artikel „Verbale Substantive mit dem Suffix -(i)acija“ wurde darauf hingewiesen, dass die sogenannten internationalen Fachbegriffe mit dem Suffix -(i)acija/-icija sich in ihrer Bedeutung in manchen Fällen zumindest teilweise von den Ableitungen derselben Verben mit dem Suffix -imas unterscheiden. Im Artikel „Einige Fragen der Terminusbildung“ (1961) wird nach einem knappen Überblick über das bereits Geleistete und die laufenden Arbeiten der zentrale Gegenstand der Terminologiearbeit hervorgehoben – „bei der Bildung neuer oder der Ordnung älterer Fachbegriffe ist es besonders wichtig, sich an die Sprachgeset-
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„lo dėsnį ir taisyklių“ (S. 55), verteidigt die mit den Suffixen -inis, -ė gebildeten Adjektive, die in zusammengesetzten Fachausdrücken verwendet werden, zeigt ihre funktionale Übereinstimmung mit den pronominalen Adjektivformen und erörtert auch einige andere Dinge. Hier sollte gesagt werden, dass die im Artikel getadelten Rezensenten des Chemiewörterbuchs, die divmolekulare für ein unpassend gebildetes Wort hielten, dennoch recht hatten. Dem Verfasser des Artikels gelang es weder mit den ohnehin leblosen Beispielen aus dem DŽ (1954) noch gar mit den von J. Jablonskis erwähnten handbetriebenen Nähmaschinen zu überzeugen, dass es gleichermaßen akzeptabel ist, etwa sowohl blauäugig als auch blauäugiges Mädchen zu sagen, dass J. Balčikonis sich unnötig über asyndetische Sätze aufgeregt haben dürfte und dass Sprachwissenschaftler erfolgreich irgendwelche zweisilbigen Wörter verwenden könnten (nicht unbedingt nur ihre selbst auswendig gelernten zweisilbigen). Jene Sprachgesetze, die auch bei der terminologischen Arbeit zu beachten sind, stützen solche Wörter mit gemischter Wortbildung nicht. Dies wird hier erwähnt, weil solche Fachbegriffe noch immer verwendet und sogar neue gebildet werden.
Noch mehr Widerspruch verdienen die Behauptungen zu einigen Fachbegriffen in dem gemeinsam mit A. Šuminas verfassten Artikel „Zu einigen Fragen der Terminologie“ (1967). In diesem Artikel werden sowohl die Mediziner als auch ihre sprachwissenschaftliche Mitarbeiterin A. Kučinskaitė dafür kritisiert, litauische Synonyme für sogenannte internationale medizinische Fachbegriffe zu suchen. Ein seltsames, höchst seltsames Argument wird in diesem Artikel immer wieder vorgebracht: Für einen Litauer sei es schwieriger, ein litauisches Wort zu verstehen als ein Lehnwort. Der grundlegenden Auffassung der Verfasser des Artikels, dass es sich nicht lohne, neben den sogenannten internationalen Fachbegriffen, selbst wenn sie sich bereits durchgesetzt haben, eigene Entsprechungen zu schaffen, kann man keinesfalls zustimmen. Für den armen Studenten, um den man sich im Artikel sorgt, weil er all diese Fachbegriffe lernen müsse, wäre es noch einfacher, wenn die Mediziner ausschließlich lateinische Termini verwendeten. Dann müsste er überhaupt nichts auf Litauisch lernen, nicht einmal die internationalen Begriffe! Wie man es auch betrachtet: Die Sprache der Mediziner weist, wie ein anderer bedeutender Kulturschaffender, A. Žirgulis, treffend bemerkt hat, alle Merkmale eines Jargons auf. Deshalb sollte man diejenigen unterstützen und ermutigen, die sie zumindest teilweise litauisieren wollen, und ihnen nötigenfalls Ratschläge geben, wie das besser gelingt. Eine übermäßige „Internationalisierung“ der Sprache ist schädlich. Es ist nur recht und billig, wenn Litauer wünschen und anstreben, dass ihre Sprache litauisch bleibt.
Der dritte Abschnitt von „Darbai ir pokalbiai“ besteht aus Ch. Lemchenos Arbeiten über die jüdische Sprache und Kultur. Zweifellos ist die bedeutendste davon die Untersu-
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chung „Der Einfluss der litauischen Sprache auf den Dialekt der litauischen Juden“, die 1970 in einer Auflage von 1000 Exemplaren erschien. Hier werden nun (wieder in 1000 Exemplaren!), leider nur Auszüge aus dieser wichtigen Arbeit abgedruckt. Dabei hätte man doch, ein Vierteljahrhundert später, diese für die jüdische wie für die litauische Sprachwissenschaft unverzichtbare, zeitlose und einzigartige Untersuchung und Fundgrube an Fakten vollständig nachdrucken können. Dem Verfasser dieser Zeilen hätte sie Gelegenheit gegeben, noch einmal über die Wörter des heimatlichen Dialekts aus der Gegend am Fluss nachzusinnen.
Anschließend (Abschnitte IV und V) sind Ch. Lemchenos Artikel zu Fragen der Kultur und seine Übersetzungen aufgenommen; abgedruckt ist auch ein 1966 verfasstes Verteidigungsschreiben an die Regierung der UdSSR zugunsten des Verlegers Antanas Kniūkšta. Der sechste Abschnitt des Buches enthält eine Bibliografie der Arbeiten Ch. Lemchenos und der Literatur über ihn. Aufgeführt sind die vom Jubilar verfassten Bücher (insgesamt erschienen 15), Artikel (hier sind 25 verzeichnet), Übersetzungen (27 Beiträge), redigierte Publikationen (24 Bücher) sowie eine beträchtliche Anzahl verschiedener Beiträge, in denen über ihn geschrieben oder er selbst beziehungsweise seine Arbeiten zumindest erwähnt werden. Die Bibliografie wird man zweifellos ergänzen müssen. Schon ein Blick auf den Abschnitt über die redigierten Publikationen lässt den Leser das 1958 erschienene „Wörterbuch der physikalischen Fachbegriffe“ und A. Novodvorskis „Englisch-litauisches polytechnisches Wörterbuch“ sowie das große „Wörterbuch der physikalischen Fachbegriffe“ von 1979 vermissen. Nicht erwähnt sind auch die 1951 und 1969 erschienenen Übersetzungen der „Wörterbücher der Fremdwörter“. Ergänzungen zum Abschnitt über die Literatur zum Jubilar lassen sich leicht finden.
Das Buch schließt mit auf Litauisch, Englisch und Jiddisch abgedruckten Daten zu Ch. Lemchenos Leben und Wirken sowie mit Erläuterungen der Herausgeber. Der Band enthält in angemessenem Umfang Fotografien aus dem Leben Ch. Lemchenos und seiner Familie.
Da ein beträchtlicher Teil des Buches sprachlichen Fragen gewidmet ist, lässt sich eine sprachliche Besonderheit nicht unerwähnt lassen. In einem Artikel über den Jubilar steht: „Der verehrte Ch. Lemchenas hat die ihm vom Allerhöchsten zugemessenen Jahre ehrenvoll gelebt. Vieles wurde geleistet, mit Erfolg gearbeitet, gelernt und andere gelehrt“ (S. 28). Ohne jeden Zweifel daran, dass der Jubilar auch weiterhin ebenso erfolgreich leben wird, erschien die Formulierung „andere gelehrt“ merkwürdig. Die ostlitauischen Hochländer, die solche Partizipien am besten zu verwenden wissen, benutzen hier gewöhnlich den Nominativ des Objekts; das kommt in der schönen, oft wiederholten Redensart „schrei, schrei nur“ besonders deutlich zum Ausdruck.
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und A. Baranauskas: „Man liebte die alten Wälder, in vielen Liedern besungen; alle diese Lieder unserer Väter wurden gelernt“ (Hervorhebung von mir. – S.K.). Das heißt, man lernte und lehrte auch andere, sondern man lernte und auch die anderen lernten! Wäre dies der Beginn neuer Fehler beim unbedachten Gebrauch fremdsprachiger Geschlechter, oder vielleicht die Rache eines Niederlitauers an den Oberlitauern, weil diese immer wieder Fehler machen, indem sie vedinasArtadjektive verwenden?
Zum Schluss ist es wirklich erfreulich, den Jahrestag eines bedeutenden Sprach- und Kulturmenschen zu würdigen und ihm noch bedeutendere Jahrestage zu wünschen. Aus diesem Anlass war es erfreulich, das interessante, geschmackvoll gestaltete und ordentlich verlegte Buch „Darbai ir polėkiai“ zu lesen.
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