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Apie vargonų terminus

Rimantas Gučas

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Rimantas GUČAS UAB Vilniaus vargonų dirbtuvė ÜBER ORGELTERMINI Auf Litauisch ist nur wenig über Orgeln geschrieben worden, und das auch erst seit relativ kurzer Zeit. Der wohl erste Text zu diesem Thema erschien 1909 in der von J. Naujalis herausgegebenen und redigierten Zeitschrift „Vargonininkas“. Der Orgelbauer und Intellektuelle seiner Zeit, der aktive Teilnehmer der nationalen Wiedergeburtsbewegung Jonas Garalevičius (1871–1943), veröffentlichte über mehrere Ausgaben hinweg den Artikel „Vargonai“, in dem er Informationen zur Geschichte und zum Aufbau der Orgeln darlegte. Inhaltlich wirkt J. Garalevičius’ Text noch recht naiv und enthält Fehler, obwohl einige Gedanken auch heute noch aktuell sind. Am bemerkenswertesten ist jedoch wohl, dass er schon in den ersten Absätzen auf die Notwendigkeit hinwies, eine eigene Terminologie zu haben: „Ich möchte die geehrten Leser im Voraus um Entschuldigung für die nicht reine litauische Sprache bitten, die ich bei der Beschreibung der Orgeln werde verwenden müssen. Die Orgel ist ein sehr kompliziertes Instrument mit Tausenden verschiedenartiger Teile, für die die Litauer noch keine passenden Wörter geprägt haben; daher wird man Wörter verwenden müssen, die entweder sogenannte ‚internationale‘ oder, sozusagen, technische, aus anderen Sprachen übernommene Wörter sind.“ („Vargonininkas“ 1909, Nr. 2). Es scheint, dass im Vorkriegslitauen keine ernsthafteren Schritte zur Vereinheitlichung der Orgelterminologie unternommen wurden. Es gibt jedoch ein Beispiel anderer Art – die Orgel der Kirche von Kavarskas. Sie wurde um 1925 von der Firma Jano Tuček aus der Tschechoslowakei gebaut. Bei dieser Orgel wurden zum ersten und bislang einzigen Mal Registerbezeichnungen auf Litauisch erprobt (Raumflöte statt Hohlföte, Lendrių-Flöte statt Rohrflöte, Stim. Ragelis – Gemshorn, Gluosn. Dūdelė – Salicional und dergleichen) oder internationale Bezeichnungen mit einer litauischen Endung geschrieben: Principalas, Burdonas, Subbasas (statt Principal, Burdon, Subbass). In dieser Hinsicht ist die Orgel von Kavarskas einzigartig und wurde deshalb in die Denkmalliste aufgenommen. Um 1965 begann der Musikwissenschaftler Antanas Venckus (1934–1975), der am Staatlichen Konservatorium der LSSR zu arbeiten begonnen hatte, die Initiative zur Vereinheitlichung der litauischen Musikterminologie zu ergreifen. Er stand in engem Austausch mit dem Musiker der älteren Generation Antanas Krutulis (1887–1979), der bereits „Ein kurzes 63 muzikos žodyną“ (1960) ir visaip skatino pastarąjį rengti naują žodyno laidą. Kadangi muzikai, ypač atlikėjai, yra konservatyvi, jeigu nesakytume obskurantiška publika, A. Venckui rimtai susirūpinus ir užsiėmus lietuviškų muzikos terminų tvarkymu bei kūrimu, jis sulaukė daugiau pašalpos ir pasipriešinimo nekaip geranoriškos talkos. Maždaug tuo metu A. Venckaus iniciatyva buvo sudaryta Muzikos terminų komisija. 1967 begann die Abteilung für Theater und Musik des Kunstmuseums, die Orgeln Litauens zu registrieren und eine Liste der wertvollsten denkmalgeschützten Orgeln zu erstellen. Zu diesem Zweck wurde ein spezieller „Orgel-Fragebogen“ gedruckt. Dabei trat die Frage der Orgelterminologie recht deutlich zutage, denn mündlich im Jargon zu sprechen ist das eine, schriftlich zu formulieren etwas ganz anderes. Zunächst war vorgesehen, den Fragebogen an die Denkmalschutzbeauftragten der Bezirke zu schicken, damit sie ihn ausfüllten. Einer der Punkte betraf die Bezeichnungen der Orgelteile: Fragen Sie den örtlichen Organisten, wie er die Orgelteile nennt. Die Fragebögen wurden jedoch nie versandt. Bei Besuchen in den Kirchen und Gesprächen mit den örtlichen Organisten ließ sich nichts Interessanteres oder Nützlicheres erfahren – fast ausschließlich wurden entstellte deutsche Fachwörter verwendet, und davon auch nur wenige. Die meisten Organisten hatten so geringe Kenntnisse über Orgeln, dass ein fachliches Gespräch überhaupt nicht zustande kam. Von intelligenteren Organisten, die sich auch mit dem Orgelbau beschäftigten, hörte man dennoch den einen oder anderen nützlichen Begriff. Am 16.12.1968 fand eine Sitzung der Kommission für Musikterminologie statt, die der Erörterung der Orgelterminologie gewidmet war. Eine beträchtliche Zahl bereits zuvor verwendeter Wörter wurde gebilligt; außerdem wurden einige neue Begriffe vorgeschlagen (Griežykla, Kelmas). Darüber erschien eine Mitteilung in „Kultūros barai“ (1969). Ein Teil dieser Begriffe wurde dadurch gefestigt, dass man sie in A. Krutulis’ neues „Wörterbuch der Musikterminologie“ (1975) sowie in J. Kazlauskas’ Buch „Musikinstrumente und Partitur“ (1975) aufnahm. Die Orgelbeschreibung in letzterem Buch gilt als eine der schlüssigsten und fachkundigsten, die auf Litauisch erschienen sind. 1972 wurde bei der Republikanischen Kulturdenkmäler-Restaurierungsverwaltung eine Orgelwerkstatt eingerichtet. Nun wurde die Terminologie wirklich dringend benötigt, denn im Produktionsprozess musste man sich verständigen und außerdem Kostenvoranschläge sowie andere Dokumente über sämtliche Orgelteile und deren Einzelteile verfassen. Da 64 Die meisten der zur Arbeit gekommenen Menschen waren zuvor nicht mit Orgeln in Berührung gekommen und nahmen die neu vorgeschlagenen litauischen Begriffe als selbstverständlich und unbedenklich an. Die bis dahin erörterten und bestätigten Begriffe deckten noch nicht alle Teile der Orgel ab; außerdem erwiesen sich einige als nicht genau genug. Da bewusst keine Bezeichnungen vorgeschlagen worden waren, entstanden für manche Teile von selbst einfachere litauische Wörter. Als Scherz klang einmal das dialektale rekečius auf, das der aus Dubingiai stammende Tischler P. Klimas aussprach. Reketis, reketys hingegen ist bereits ein Wort im „Wörterbuch der heutigen litauischen Sprache“ (1993). Damit lässt sich ein bestimmter Orgelbauteil bezeichnen. Auch bei der weiteren Pflege der Orgelterminologie wäre es wertvoll, sich mit Kennern der litauischen Sprache und der Volkskultur auszutauschen, die uns vergessene litauische Wörter ins Gedächtnis rufen können. Man darf nicht vergessen, dass die Orgel trotz ihrer Eindruckskraft und äußerlichen Komplexität in Wirklichkeit ein sehr einfaches und verständliches Instrument ist. Viele ähnliche Bauteile gibt es in verschiedenen Gebäuden, Geräten und im Haushalt. Es sind allerlei Winkel, Wellen, Zugstangen, Bahnen und Kanäle, Schindeln, Hebel und Hebelchen, Ständer, Balken, Stege, Käfige, Halterungen und Dutzende, wenn nicht Hunderte weiterer Teile, für die man grundsätzlich keine besonderen Fachbegriffe suchen muss, sondern lediglich die korrekten Wörter verwenden sollte, die seit Langem zur Bezeichnung verschiedener Geräte und ihrer Teile gebräuchlich sind. Man muss nur bereit sein, sich die Mühe zu machen. Leider fehlt genau dieser Wille meist sowohl den Orgelbauern als auch insbesondere den Interpreten. Alte und korrekte litauische Wörter gelten mitunter sogar als lächerlich und minderwertig, während Wörter fremder Herkunft als bedeutungsvoll und klangvoll angesehen werden. So argumentieren manche Pianisten, das Spielen auf dem Klavier sei nur eine oberflächliche Angelegenheit, während das slawischen Ursprungs Grojimas bereits einen schöpferischen Akt widerspiegle. Bei Orgeln gibt es auch spezifische Dinge, für deren Bezeichnung Wörter fremder Herkunft verwendet werden – Klaviaturen, Pedale, Register, Barker (nach dem Namen des Erfinders), Pulpeten, Resonatoren, Jalousien, Mensuren, Labien, Traktur und Ähnliches. Es handelt sich durchweg um Internationalismen, auch wenn ihre Internationalität relativ ist. Sie werden vor allem in Ländern verwendet, in denen die Orgelkultur stärker mit deutschen Traditionen verbunden ist. Dazu gehören Mittel- und Osteuropa. Auch Litauen zählt dazu und stand schon seit dem Auftreten der ersten Orgeln im Jahr 1408 unter dem Einfluss des deutschen Orgelbaus. 65 Die berühmtesten Meister des 17.–18. Jahrhunderts waren die Deutschen J. Koppelmannas, G. A. Zelle, M. Jansonas und A. G. Casparinis (ungeachtet des italienisch klingenden Nachnamens). Auch im 19. Jahrhundert wurde vor allem in Deutschland gelernt, wurden Orgelteile gekauft und dergleichen. Der bereits erwähnte J. Garalevičius erlernte das Orgelbauhandwerk ebenfalls in Deutschland – in der Werkstatt von B. Grüneberg in Stettin, wo er viele Jahre lebte und arbeitete. Allgemein verwendeten sowohl Orgelbauer als auch Interpreten vorwiegend die Fachbegriffe der Sprachen, in denen sie ausgebildet worden waren. So verwendete K. Kaveckas beispielsweise häufig französische Begriffe, Z. Aleksandravičius italienische und so weiter. In der Sowjetzeit übte die Moskauer Schule Einfluss aus, die ihrerseits die deutsche Orgelästhetik und Terminologie unkritisch übernommen hatte. In dieser Hinsicht steht die Litauische Musikakademie noch immer unter dem Einfluss der Moskauer Schule. Ein weiterer Teil der Orgelterminologie besteht aus Registernamen. Dasselbe Register kann bei Orgeln verschiedener Traditionen, Regionen, Epochen und Meister ganz unterschiedlich benannt sein. Umgekehrt können verschiedene Register bei Orgeln unterschiedlicher Traditionen denselben Namen tragen. Registernamen können Besonderheiten der Klangfarbe, die Form und das Material der Pfeifen, die Tonhöhe, den Aufbau und Ähnliches widerspiegeln. Die großen europäischen Völker, die eigene Orgeltraditionen entwickelt haben, schufen auch eigene Systeme von Registernamen, obwohl auch diese stark miteinander verflochten sind. Orgelbauer früherer Zeiten und Autodidakten verwechselten nicht selten die Verwendung der Namen und machten grammatische Fehler. All dies kann Forschern beträchtliche Informationen liefern. Ein Teil der Namen alter litauischer Orgelregister ist lateinischen oder italienischen Ursprungs, ein Teil deutschen Ursprungs; manche sind polonisierte Formen. Beim Bau neuer Orgeln verwenden wir die traditionellen Registernamen der litauischen Orgeln unverändert, vermeiden jedoch nach Möglichkeit deutsche oder polnische Formen. Allgemein sind Orgelbegriffe untrennbar mit den Traditionen und dem Erbe der Orgelkultur eines Volkes, Landes oder einer Region verbunden. Wie kann man etwa Begriffe der französischen Orgel auf litauische Orgeln des 18. Jahrhunderts anwenden, deren Erbauer französische Orgeln weder gehört noch gesehen hatten? Dass die litauische Orgeltradition eng mit der deutschen verbunden ist, bedeutet keineswegs, dass es keine eigenen Nuancen gab. Daher auch 66 müssen die Begriffe im Laufe der Zeit, während wir unsere Geschichte und die erhaltenen Instrumente immer besser kennenlernen, präzisiert werden: Die Orgelterminologie muss die Tradition des Orgelbaus bei uns widerspiegeln. Tvarkingai aprašyti vargonai V. Bičiūno „Muzikinės akustikos pagrinduose“ (1988), taisyklingos lietuviškos terminijos laikytasi ir Enciklopedijų leidyklos leidiniuose. Derzeit wird ein neues enzyklopädisches Musikwörterbuch für den Druck vorbereitet. Aus diesem Anlass nahm die Kommission für Musikterminologie ihre Arbeit wieder auf. Eine Sitzung war auch der Erörterung der Orgelbegriffe gewidmet. Im Anschluss an diese Sitzung erschien in „Muzikos barai“ (1996, Nr. 15–16 und 17) der Artikel „Vargonai“ des Musikers A. Kalinauskas, der nicht nur unmittelbar das Instrument betreffende Fachbegriffe, sondern auch weitere Begriffe aufführte, die man benötigt, wenn man über Orgeln spricht und schreibt. Vor gut einem Jahrzehnt kam es beispielsweise im Enzyklopädieverlag zu einem Streit darüber, wie eine Orgel in eine Kirche gelangt. Die von der Redaktion favorisierte Formulierung vargonus įrengė erschien dem Autor sowohl ungenau als auch künstlich. Prof. J. Pikčilingis, an den man sich um Rat gewandt hatte, überlegte: „Wie hätte Vaižgantas es wohl gesagt?“ Eine Orgel wird also dirbami (gebaut) und nach ihrer Fertigstellung in der Kirche pastatomi (aufgestellt), wo sie dann stovi (steht). (Inschrift aus der Mitte des 19. Jahrhunderts in der Kirche von Klykolių: Wargon(us) dyrba Pons Mockiewicz su sunu sawa). Bei der Pflege der Orgelterminologie ist also bereits einiges erreicht worden. Daher überraschte und enttäuschte das neue Büchlein von L. Digrys „Kaip groti vargonais“ (Wie man Orgel spielt), das die Litauische Musikergesellschaft und das Zentrum für Religiöse Musik 1998 herausgaben. Darin wird weiterhin empfohlen, allerlei Kopulationen1 sowie Schtraicher’ius, Waltze’us und andere deutsche Wörter zu verwenden, die bisweilen fehlerhaft geschrieben sind. Als wären wir noch immer in der Zeit J. Garalevičius’, als hätte es keine Erörterungen zu Orgelbegriffen, keine Veröffentlichungen zu diesen Fragen und keine recht professionelle Fachliteratur gegeben. Auch die Bedeutungen korrekter Fachbegriffe werden an vielen Stellen völlig entstellt und verwechselt. Daher kann man dieses Büchlein, insbesondere die Seiten über das Instrument, Menschen, die sich für Orgeln interessieren, leider nicht empfehlen. 1 Kopulation [lat. copulatio – Verbindung]: 1. „Vereinigung zweier Individuen während des Geschlechtsakts“ (Wörterbuch der Internationalismen, 1985). 67 Es lässt sich keineswegs behaupten, dass die Orgelterminologie bereits endgültig geregelt ist. Auch heute, da die Zahl der Meister und der Schulen, an denen das Orgelspiel gelehrt wird, stetig wächst, besteht die Sorge, dass die Verständigung erschwert wird; damit ergibt sich auch die Notwendigkeit, die Orgelterminologie erneut zu überprüfen. Eingegangen am 27.09.1999 ÜBER ORGELBEZEICHNUNGEN Zusammenfassung Die Frage nach der Schaffung litauischer Orgelbezeichnungen stellte sich erstmals 1909 in der litauischen Musikzeitschrift „Vargonininkas“. Im Litauen der Vorkriegszeit gab es einige Versuche, litauische Bezeichnungen für die Register der Orgel zu schaffen. 1967 begann die systematische Erfassung der Orgeln in Litauen. Verzeichnisse monumentaler Orgeln wurden zusammengestellt. Zugleich wurde versucht, nach traditionellen litauischen Orgelbezeichnungen zu suchen. Es wurden nur wenige gefunden, doch 1968 erörterte die Kommission für Musikterminologie die wichtigsten litauischen Orgelbezeichnungen und verabschiedete sie. Diese Bezeichnungen setzten sich in der Fachliteratur durch. 68