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Lietuviškų ir tarptautinių fonetikos terminų sinonimija

Gita Kazlauskaitė

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Gita KAZLAUSKAITĖ Pädagogische Universität Vilnius SYNONYMIK LITAUISCHER UND INTERNATIONALER PHONETISCHER TERMINI Dieser Artikel untersucht die Verbreitung eines Typs synonymischer Termini, der nach seiner Herkunft unterschieden wird, in einzelnen Arbeiten zu den Teilgebieten der Phonetik des 20. Jahrhunderts sowie Entwicklungstendenzen. Das Untersuchungsmaterial wurde den wichtigsten phonetischen Spezialstudien und linguistischen Arbeiten dieses Jahrhunderts entnommen, in denen phonetische Fragen unter dem einen oder anderen Aspekt ebenfalls behandelt werden1. Bei der Erörterung der Synonymie litauischer und internationaler Termini sind sowohl einwortige als auch mehrgliedrige Termini gemeint. Hinzuzufügen ist, dass hier zu den internationalen Termini auch Hybridbildungen gerechnet werden, d. h. Termini oder ihre Bestandteile, die sowohl internationale als auch litauische Elemente enthalten. In dieser Hinsicht lassen sich zwei Typen der Synonymie einwortiger Termini unterscheiden: 1) die Synonymie eines litauischen und eines internationalen Terminus (z. B.: Vokalverbindung || Hiatus), 2) die Synonymie eines litauischen Terminus und einer Hybridbildung (z. B.: Weichheit || Palatalität). Bei mehrgliedrigen Termini können die Hauptbestandteile (Bestimmungswörter) oder die abhängigen Bestandteile (Attribute) synonymisch sein. Analog zu den einwortigen Termini lassen sich hier die Synonymie eines litauischen und eines internationalen Terminus (z. B.: Vokalangleichung || Vokalassimilation, weicher Vokal || palataler Vokal) sowie die Synonymie eines litauischen Terminus und einer Hybridbildung unterscheiden (z. B.: phonetische Vokalizität || phonetische Vokalität, velarer Konsonant || palataler Konsonant). Darüber hinaus gibt es Fälle von Synonymie litauischer und internationaler Termini, bei denen die Synonymenreihe aus Termini unterschiedlicher Struktur besteht, zum Beispiel ein einwortiger Terminus || ein zweiwortiger Terminus (Geminierung || Auslassung eines Konsonanten 1 Quellenverzeichnis und Abkürzungen sind am Ende des Artikels angegeben. Römische Ziffern bezeichnen den Band, arabische Ziffern die Seite. In der Regel wird der erste Beleg des Terminus in der Quelle erfasst. 25 ung), ein einwortiger Terminus || ein dreiwortiger Terminus (Affrikate || reiner konsonantischer Diphthong), ein zweiwortiger Terminus || ein dreiwortiger Terminus (Konsonantenmetathese || Vertauschung der Konsonanten). Übrigens wird der Begriff der Synonymie sowohl in der Linguistik allgemein als auch in der Terminologie unterschiedlich verstanden. Neben Synonymen wird auch der Begriff Dubletten verwendet. Manchmal werden beide Begriffe als Synonyme aufgefasst: „Als Synonyme (Dubletten) bezeichnet man zwei oder sogar mehrere Termini, die denselben Begriff ausdrücken“ (TD, 9). Die russische Linguistin O. Achmanova setzt diese Begriffe nicht gleich und bezeichnet als Dubletten (Triplette usw.) Wörter, die „durch eine besondere terminologische Beziehung zu ein und demselben wissenschaftlichen Gegenstand verbunden sind. Deshalb gelten sie nicht als Wörter an sich, sondern lediglich als Folge davon, dass sich zwischen den von ihnen bezeichneten Gegenständen kein Unterschied erkennen lässt“ (Achmanova 1969: 13). Der Linguistin zufolge werden diese Dubletten fälschlich Synonyme genannt. Diese Meinungsverschiedenheit hängt mit dem Verständnis absoluter und gewöhnlicher Synonyme zusammen. In der Gemeinsprache gelten als absolute Synonyme „jene Synonyme, deren Bedeutungen identisch sind. Aufgrund der Bedeutungsidentität werden sie auch Dubletten genannt“ (Jakaitienė 1980: 51). Gewöhnliche Synonyme sind „jene Synonyme, deren eine oder mehrere Bedeutungen nicht völlig identisch, sondern nur ähnlich sind“ (Jakaitienė 1980: 52). In der Terminologie kann man nur von absoluten Synonymen (Dubletten) sprechen. Synonymische Termini des hier behandelten Typs sind zweifellos als absolute Synonyme oder Dubletten anzusehen. Ihre Bedeutungen sind identisch – nur ihre Ausdrucksform unterscheidet sich. Bevor auf die phonetikbezogenen synonymischen Termini des genannten Typs eingegangen wird, empfiehlt es sich, auch den Begriff der Phonetik selbst kurz zu erörtern. In der modernen Linguistik wird nahezu allgemein die Auffassung vertreten, dass Sprachlaute von der Phonetik (im weiten Sinne) untersucht werden, die aus zwei bedingt selbstständigen Teilgebieten besteht: der reinen („engen“) Phonetik und der Phonologie (DLKG 15; Pakerys 1995: 5; Girdenis 1995: 23). Als Bestandteil der Phonologie wird gewöhnlich die Prosodie abgegrenzt (DLKG 15, Gaivenis, Keinys 1990: 163). Die Morphonologie gilt als Zwischengebiet, das Phonologie und Morphologie verbindet (DLKG 17). Somit sind in dieser Hinsicht Termini der reinen Phonetik, der Phonologie, der Prosodie und der Morphonologie zu unterscheiden. 26 Insgesamt wurden über 1700 Termini untersucht. Die Vielfalt der Termini, die dieselbe Bedeutung bezeichnen, zeigt sich in über 300 Synonymreihen; davon unterscheiden sich 173 Reihen (55,1%) hinsichtlich des Synonymietyps litauischer und internationaler Termini oder Hybride2. Die Termini der reinen Phonetik machen etwa 52% (905 Einheiten) aller phonetischen Termini aus; darunter finden sich knapp 170 Synonymreihen. Dem besprochenen Synonymietyp sind 94 Synonymreihen (56%) zuzurechnen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war er nicht besonders häufig. Etwas mehr derartige synonyme Termini finden sich nur in den Arbeiten von K. Būga und M. Durys, z. B.: Affrikate BRR III 168‖zusammengesetzter Konsonant BRR III 631, Vokalangleichung BRR II 492‖Vokalassimilation BRR II 492, Lautwissenschaft BRR II 217‖Phonetik BRR I 408, gerundeter Vokal DKP 94‖labialisierter Vokal DKP 94, palatalisierter Vokal DKP 126‖palataler Vokal DKP 126 usw. In der Mitte und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm die Zahl der synonymen Termini dieses Typs erheblich zu, beginnend mit den phonetischen Arbeiten von E. Mikalauskaitė und endend mit der „Grammatik der litauischen Gegenwartssprache“. In den phonetischen Arbeiten von E. Mikalauskaitė wurden 23 derartige Synonymreihen gefunden, z. B.: Akkommodation MFD 67‖Angleichung MFD 67, Diphthongoid MFD 59‖unechter Diphthong MFD 59, sekundäre Verbindung MFD 55‖sekundäre Verbindung MFD 55, Hiatus MFD 33‖Hiatus MFD 33 usw. Auch A. Pakerys vermeidet synonyme Termini dieses Typs nicht (15 Synonymreihen), z. B.: Affrikate PF 175‖rein konsonantischer Diphthong PF 175, diphthongisierter Vokal PF 67‖diphthongisierter Vokal PF 67, Palatalität PF 100‖Palatalität PF 100, Halbvokal PF 94‖Sonant PF 96 usw. In den Arbeiten von A. Girdenis (16 Synonymreihen) entsteht die Synonymie dieses Typs meist dadurch, dass dieselbe Bedeutung in „Fonologijoje“ und „Teoriniuose fonologijos pagrinduose“ unterschiedlich benannt wird, z. B.: Murmellaut GF 6‖reduzierter Laut („Murmellaut“) 2Zum Vergleich lassen sich quantitative Angaben zu anderen Synonymietypen anführen: Synonymie litauischer Termini – 84 Synonymreihen (26,8%), Synonymie internationaler Termini oder Hybride – 57 Synonymreihen (18,1%). 27 Vokal GFP 88, intervokalischer Konsonant GFP 116||intervokalischer Konsonant GF 83 usw. Auch in „Grammatik der litauischen Sprache“ (Autorin des Abschnitts „Phonetik“: V. Vaitekvičiūtė) und in „Grammatik der litauischen Gegenwartssprache“ (Autoren des Abschnitts „Phonologie“: K. Garšva und A. Girdenis; des Abschnitts „Morphologische Erscheinungen“: A. Girdenis) werden Synonyme dieses Typs nicht vermieden (25 Synonymreihen), z. B.: Gemination LKG I 115||Konsonantenausfall LKG I 115, Diphthong LKG I 57||Diphthong LKG I 57, Verhärtung DG 48||Depalatalisierung DG 48, velarer Konsonant LKG I 57||gutturaler Konsonant LKG I 71, Triphthong DG 22||Triphthong DG 22 usw. Die Verbreitung der Synonymie zwischen litauischen und internationalen Termini (oder Hybriden) in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts lässt sich mit dem Wachstum der Phonetik als Wissenschaft selbst begründen, das den Bedarf an neuen Termini entstehen ließ. Häufig wurden bereits anderswo gebräuchliche Termini übernommen oder für gebräuchliche Termini litauische Entsprechungen gesucht. Die phonologischen Termini machen etwa 19% (320 Einheiten) aller phonetischen Termini aus; darunter gibt es über 50 Synonymreihen. Die ersten Arbeiten zur litauischen Phonologie erschienen erst im siebten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Daher werden phonologische Termini im Wesentlichen ebenfalls nur in Arbeiten aus der zweiten Jahrhunderthälfte verwendet. Am weitesten entwickelt ist die litauische phonologische Terminologie wohl in A. Girdenis’ „Fonologijoje“, „Teoriniuose fonologijos pagrinduose“ und „Dabartinės lietuvių kalbos gramatikoje“. Dort werden etwa 230 Termini verwendet, das heißt zwei Drittel aller phonologischen Termini. In der phonologischen Terminologie stechen wie in der Terminologie der reinen Phonetik synonyme Termini des besprochenen Typs durch ihre Verbreitung hervor (25 Synonymreihen – 45%), z. B.: distinktive Funktion PF 9, GF 20||delimitative Funktion PF 9, GF 20, palatalisierte Konsonantenphonem GF 168||„diez“-Konsonantenphonem GF 168, Neutralisierung MFD 67||Konsonantenwechsel MFD 67, Neutralisierungsposition GF 98||schwache Position GF 98, distinktives Merkmal PF 9, DG 15||distinktives Merkmal PF 9, DG 15 usw. Obwohl eine Monografie, die speziell theoretischen und methodischen Fragen der Prosodie gewidmet ist, erst im neunten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erschien (A. Pakerys. „Lietuvių bendrinės kalbos prozodija“ (1982)), interessierte man sich für diese Fragen bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, und damit auch 28 Es werden Begriffe geschaffen, um Konzepte dieses Bereichs zu benennen. In den untersuchten Arbeiten werden insgesamt etwa 400 prosodische Termini verwendet, d. h. etwa 23% aller phonetischen Termini; darunter finden sich knapp 60 Synonymreihen (27 vom Typ „kalbamo“). Die Synonymie litauischer und internationaler Termini oder Hybridbildungen in der prosodischen Terminologie verbreitete sich stärker in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aus der ersten Jahrhunderthälfte sind nur einige solcher synonymen Termini zu erwähnen, die in den Arbeiten von K. Būga, M. Durys und J. Žiugžda verwendet wurden (7 Synonymreihen), z. B.: Akut BRR III 45||fallende Akzentuierung BRR III 45, Stimmhaftigkeit ŽG 12||Ton ŽG 12, betonte Silbe DKP 158||akzentuierte Silbe DKP 158, fallender Akzent BRR III 45||Akutierung BRR III 45 usw. Später nahm die Zahl der synonymen Termini dieses Typs zu (18 Synonymreihen), z. B.: Akut PF 319, LKG I 128||Rechtszeichen PF 319, LKG I 128, Ekstension GF 193||Dehnungsintonation GF 193, Akzent GF 173||Akzent GF 173, quantitativer Akzent PF 313, GF 175, LKG I 127||quantitativer Akzent PF 313, GF 175, LKG I 127, Korepcija GF 193||Stoßintonation GF 193, inhärente Prosodie GFP 216||nichtfunktionale Prosodie GFP 216 usw. Obwohl die Untersuchung morphonologischer Phänomene kein unmittelbarer Gegenstand der Phonetik (und Phonologie) ist, müssen Phonetiker und Phonologen häufig auch auf die Gesetzmäßigkeiten der Morphonologie zurückgreifen. In den untersuchten Quellen werden insgesamt etwa 100 morphonologische Termini verwendet, d. h. etwa 6% aller phonetischen Termini; darunter befinden sich mehr als 30 Synonymreihen. Dem Typ litauischer und internationaler Termini oder Hybridbildungen sind 28 Synonymreihen zuzuordnen (d. h. mehr als 90%), z. B.: Aphärese LKG I 118|| Konsonantenschwund LKG I 118, Dissimilation LKG I 93||Entähnlichung von Lauten LKG I 94, Epenthese DKP 129||Vokalepenthese DKP 129, Zusammenziehung DKP 124||Kontraktion DKP 124||Kontraktion DKP 124, regressive Metathese DKP 131||„Kontaktmetathese DKP 131 usw. Die Synonymie morphonologischer Termini des Typs „kalbamo“ zeichnet sich durch Synonymreihen aus, deren Bestandteile unterschiedlich aufgebaut sind (26 der 28 Synonymreihen sind von dieser Art). Aus dem Gesagten wird also deutlich, dass die Synonymie litauischer und internationaler Termini unter allen nach ihrer Herkunft unterschiedenen Typen synonymischer Termini wohl am weitesten verbreitet ist. Ein Vergleich des Beginns des 20. Jahrhunderts mit seinem En- 29 de zeigt, dass solche Synonymiefälle stetig zunehmen. Diese Tendenz wird wahrscheinlich auch in Zukunft anhalten, da sich die Wissenschaften, darunter auch die Phonetik, derzeit sehr rasch weiterentwickeln. Internationale Termini erreichen Litauen zuerst; dort sucht man nach entsprechenden Äquivalenten, und im Sprachgebrauch werden meist beide Varianten angeboten. Šaltiniai BRR – Būga K. Rinktiniai raštai. Vilnius, 1958. T. 1; Vilnius, 1959.T. 2; Vilnius, 1961. T. 3. DG – Dabartinės lietuvių kalbos gramatika / red. V. Ambrazas. Vilnius, 1994. DKP – Durys M. Kalbos mokslo pagrindai. Kaunas, 1929. GF – Girdenis A. Fonologija. Vilnius, 1981. GFP – Girdenis A. Teoriniai fonologijos pagrindai. Vilnius, 1995. LKG – Lietuvių kalbos gramatika / vyr. red. K. Ulvydas. Vilnius, 1965. T. 1. MFD – Mikalauskaitė E. Lietuvių kalbos fonetikos darbai. Vilnius, 1975. PF – Pakerys A. Lietuvių bendrinės kalbos fonetika. Vilnius, 1986. ŽG – Žiugžda J. Lietuvių kalbos gramatika. Kaunas, 1966. D. 1. Literatūra 1. Achmanova 1969 – Ахманова О. Словарь лингвистических терминов. Москва. 2. DLKG – Dabartinės lietuvių kalbos gramatika / red. V. Ambrazas. Vilnius, 1997. 3. Gaivenis, Keinys 1990 – Gaivenis K., Keinys St. Kalbotyros terminų žodynas. Vilnius. 4. Girdenis 1995 – Girdenis A. Teoriniai fonologijos pagrindai. Vilnius. 5. Jakaitienė 1980 – Jakaitienė E. Lietuvių kalbos leksikologija. Vilnius. 6. Pakerys 1995 – Pakerys A. Lietuvių bendrinės kalbos fonetika. Vilnius. 7. TD – Terminologinis darbas. Vilnius, 1973. SYNONYMY OF LITHUANIAN AND INTERNATIONAL PHONETIC TERMS Summary This paper analyses synonymy of Lithuanian and international phonetic terms of the 20th century. Hybrids are considered as one type of international term. One-word and compound terms are taken into consideration. 30 The most frequently occurring type of synonymy is Lithuanian and international terms. There are 173 such synonymy lines - about 55 per cent of all synonymic phonetic terms. If we compare the beginning and the end of the 20th century, we would see that the number of such synonyms is increasing continually. Most likely this tendency will remain in the future, because the development of sciences is occurring rapidly. International terms come to Lithuania first. They are gradually changed into Lithuanian equivalents, but both versions are used in phonetic works. Gita KAZLAUSKAITĖ Gauta 2000 11 06 Vilniaus pedagoginis universitetas Lituanistikos fakultetas Lietuvių kalbotyros katedra T. Ševčenkos g. 31 LT-2009, Vilnius 31