The role of cognitive modelling in general and that of frames in particular in terminology theory and practice
Full text
Die Rolle der kognitiven Modellierung im Allgemeinen und die der Frames im Besonderen in Theorie und Praxis der Terminologie
WILLY MARTIN
Forschungsgruppe Lexikologie/Terminologie
Vrije Universiteit Amsterdam
1. EINLEITUNG UND ÜBERBLICK
In diesem Beitrag wird unter kognitiver Modellierung die systematische Darstellung von Wissen innerhalb eines bestimmten Fach- oder Wissensgebiets verstanden. Der Begriff Modell bezeichnet hier einen Hintergrund, vor dem Wissen organisiert werden kann, oder ein System, mit dessen Hilfe dies möglich ist. Eine TD (Terminologische Datenbank) wird unter anderem als Beschreibung eines Wissensgebiets mithilfe einer Terminologie betrachtet. Ein terminologisches Wörterbuch wird im Gegensatz zu einer terminologischen Datenbank als dieser nachgeordnet angesehen; mit anderen Worten: Wörterbücher gelten als Ableitungen (Frontends) zugrunde liegender Datenbanken.
Der Beitrag selbst besteht aus drei Teilen. Zunächst werden verschiedene Ebenen der kognitiven Modellierung unterschieden und veranschaulicht. Zweitens wird ein Frame-basierter Ansatz für eine dieser Ebenen, nämlich die der Terme/Konzepte, erörtert. Drittens und abschließend wird der befürwortete Ansatz einer Reihe wichtiger terminologischer Fragen gegenübergestellt, um ihn einzuordnen und zu bewerten.
2. EBENEN DER KOGNITIVEN MODELLIERUNG
Damit eine TD gut funktioniert (sodass Wissen [leicht] erworben und [sachgerecht] genutzt werden kann), muss sie meines Erachtens auf mindestens drei Ebenen organisiert sein, nämlich:
• der Ebene des Fachgebiets,
• der Ebene der Datenbank und
• der Ebene der Terme/Konzepte.
Im Folgenden werde ich daher behandeln:
• die Modellierung des Fachgebiets (Modellierung auf der höheren Ebene, der sogenannten makrostrukturellen Ebene);
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• Datenmodellierung (Modellierung auf der mittleren Ebene, der Ebene der Entitäten und Beziehungen in einer Datenbank, der sogenannten mediostrukturellen Ebene);
• Term-/Konzeptmodellierung (Modellierung auf der untersten Ebene, der Ebene der Termini und Konzepte, der sogenannten mikrostrukturellen Ebene).
Um zu verdeutlichen, was damit gemeint ist, werde ich die jeweiligen Ebenen in den nächsten Abschnitten nacheinander veranschaulichen.
2.1. Domänenmodellierung
Wenn eine terminologische Datenbank Wissen und dessen Management zum Gegenstand haben soll, muss sie ein Modell bereitstellen, das die Organisations- und Strukturierungsweise der „(Teil-)Welt“, also der Domäne, abbildet. So strukturiert beispielsweise in der Medizin ein grundlegendes Konzept, nämlich das Konzept der Krankheit (Nosologie in Abbildung 1 unten), das gesamte Fachgebiet. Es ist das zentrale Ordnungsprinzip innerhalb dieser „Welt“. Wenn hier von Körperteilen die Rede ist, dann deshalb, weil sie betroffen sein können; für Organismen gilt dasselbe; therapeutische Verfahren ergeben nur dann Sinn, wenn sie sich auf Krankheiten beziehen, ebenso wie Symptome (Befunde), Ursachen (Ätiologie) usw. Alles in der medizinischen Welt ist direkt oder indirekt (über andere Konzepte) mit dem zentralen Konzept Krankheit verknüpft. Umfang und Granularität der Informationen zu anderen Konzepten werden durch diese direkte oder indirekte Beziehung bestimmt. Domänenmodellierung ist daher a conditio sine qua non, ohne die sich keine terminologische Datenbank erstellen lässt. Abbildung 1 zeigt eine vereinfachte schematische Darstellung einer solchen Domänenmodellierung für die Medizin [weitere Einzelheiten siehe Martin e.a. 1991].
Wie man beobachten kann, sind alle Hauptkategorien zentripetal auf Krankheit (Nosologie) bezogen: Anatomie (MEMF) und Organismen über die Relation „betrifft“, Ätiologie über die Relation „verursacht durch“, Befunde über die Relation „Symptome“, therapeutische Verfahren über die Relation „behandelt“ usw. Typischerweise ist die medizinische Domäne also klar abgegrenzt und zentralisiert: eine Domäne mit einer zentralen Kernkategorie, auf die alle anderen Kategorien bezogen sind. Es versteht sich von selbst, dass dieselben Objekte in eine andere Domäne eingeordnet werden („Arzneimittel“ in der Medizin gegenüber derselben Kategorie in der Pharmazie) die Struktur des Fachgebiets sowie Umfang und Art des auszudrückenden Wissens verändert. Dies ist unter anderem einer der Gründe, warum die Domänenmodellierung bei Beginn der Erstellung einer TD und bei der Beschäftigung mit der Wissensrepräsentation entscheidend ist.
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Abbildung 1: Beispiel einer „abgegrenzten“, zentralisierten Domäne (Medizin)
Allerdings weisen nicht alle Domänen dieselbe Art von Struktur auf. So zeigt beispielsweise Abbildung 2 die Domäne der Bildungssysteme, die eine eingebettete, zwiebelschalenartige Struktur aufweist. Man kann argumentieren, dass alle Schichten zusammen das Ganze (die Zwiebel) bilden und man sich daher nicht etwa auf die innerste Schicht beschränken kann, sondern aus allen Schichten (Kreisen) auswählen muss, wenn man die Domäne der Bildungssysteme als Ganzes erfassen will.
Wie die vorangegangenen Beispiele zeigen, sind Fachgebiete/Domänen nicht immer hierarchisch geordnet (nach „ist-ein“- oder Teil-Ganzes-Beziehungen), wie man angesichts biologischer Modelle mit ihrer strikten taxonomischen Ordnung zunächst erwarten könnte. Außerdem sind Domänen mitunter recht unscharf. Während beispielsweise die behandelte Domäne der Medizin recht klar abgegrenzt ist, trifft dies auf die Domäne der Wirtschaft weit weniger zu, wie Abbildung 3 veranschaulicht.
Obwohl man beobachten kann, dass die Domäne Wirtschaft die Interaktion zwischen einem Unternehmen und sowohl seinen externen Partnern als auch seinen internen Bereichen umfasst (P = Produktionsbereich, F = Finanzbereich, S = Verkaufsbereich, A = Verwaltungsbereich) und obwohl bei beiden Interaktionen der Verkauf
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Abbildung 2: Beispiel eines zwiebelartig organisierten Fachgebiets (Bildungssysteme)
Abbildung 3: Beispiel eines diffusen, zentral organisierten Fachgebiets (Wirtschaft)
(Wirtschafts-) und (Industrie-)Partner/-bereiche stehen an erster Stelle, doch das Fachgebiet als solches bleibt diffus, obwohl es zentral organisiert ist.
Unabhängig vom Fachgebiet ist ein guter Einblick in die Super- oder Makrostruktur des Bereichs eine notwendige Voraussetzung, sowohl um das Fachgebiet selbst besser abzugrenzen als auch um Wissen innerhalb dieses Bereichs mithilfe einer TD zu organisieren und darzustellen.
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2.2. Datenmodellierung
Unter Datenmodellierung verstehe ich hier die Modellierung von Daten wie in einer Datenbank, was Folgendes beinhaltet:
die Definition der Entitäten im Modell und ihrer Beziehungen (z. B. Termini, Begriffe, Kollokationen sowie die zwischen ihnen bestehenden Beziehungen/Verknüpfungen) und
die Definition der Datenkategorien für die verschiedenen Entitäten (sowohl der Attribute als auch der [Wertebereiche ihrer] Werte).
Tatsächlich muss man in einem Datenmodell nicht nur klären, was man aus inhaltlicher Sicht darstellen möchte (siehe oben 2.1: den allgemeinen Rahmen oder die Makrostruktur der abzubildenden Welt/des Fachgebiets), sondern auch wie man dies tun wird: mithilfe welcher formalen Objekte, Entitäten und Beziehungen.
In einem Projekt namens DOT (Abkürzung für das niederländische Databank OverheidsTerminologie: Datenbank für Regierungsterminologie; siehe Maks e.a. 2000 und Maks e.a. 2001) benötigte das System folgende Entitäten: Begriffe, Termini, Kollokationen und Verknüpfungen, um Termini, ihre Verwendung in Kollokationen sowie Beziehungen zwischen Termini wie (Beinahe-)Synonymie, (Beinahe-)Äquivalenz und Ähnliches darzustellen. Abbildung 4 vermittelt eine Vorstellung davon, was gemeint ist.
Wie man sehen wird, werden verschiedene grafische Formen verwendet, um Folgendes voneinander zu unterscheiden:
Begriffe (C),
Termini (T) und
Kollokationen (COLL).
Außerdem wird eine klare Unterscheidung (siehe die horizontale gestrichelte Linie) zwischen Termini und Begriffen getroffen. Dies bedeutet, dass Begriffs-Entitäten semantischen Einheiten entsprechen, die durch einen oder mehrere Termini in einer oder mehreren Sprachen ausgedrückt werden. Terminus-Entitäten repräsentieren jeweils einen Terminus zusammen mit seiner vollständigen sprachlichen Beschreibung einschließlich seines Gebrauchs. Kollokations-Entitäten erfüllen dieselbe Funktion für Kollokationen. Es gibt auch verschiedene Arten von Verknüpfungen: sowohl explizite (die durchgezogenen Linien im Schema) als auch implizite Verknüpfungen (die gestrichelten Linien). Ein Beispiel für eine explizite Verknüpfung (eine, die der Terminologe explizit eintragen muss) ist diejenige zwischen einem Begriff und einem Terminus oder zwischen einem Begriff und einem Begriff (mit Werten wie NEARSYN, HYPER, HYPO, REL(ATED)). Implizite Verknüpfungen sind solche, die das System automatisch ableiten kann: aufgrund der Tatsache, dass Termini mit Begriffen verknüpft sind und pragmatische Werte pro
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Abbildung 4: Entitäten, Verknüpfungen und Relationen in DOT (basierend auf Maks e.a. 2000; siehe auch Maks e.a. 2001 für weitere Informationen)
Begriff müssen die Relationen zwischen Begriffen (sowohl intralinguale als auch interlinguale) nicht explizit erwähnt werden, sondern können „berechnet“ werden; dies führt zu vollständiger Synonymie, vollständiger Übersetzungsäquivalenz, eingeschränkter Übersetzungsäquivalenz und annähernder Übersetzungsäquivalenz.
Der Vorteil, die konzeptuelle und die linguistische (terminologische) Ebene voneinander getrennt zu halten, besteht unter anderem darin, dass die Beschreibung eines Terminus in einer Sprache die Beschreibung seines sogenannten Übersetzungsäquivalents in einer anderen Sprache nicht beeinflusst. Anders ausgedrückt kann man nun mit einsprachigen Einträgen arbeiten: Die Termini einer Sprache können unabhängig von denen einer anderen beschrieben und dennoch über die konzeptuelle Ebene miteinander verknüpft werden.
In Abbildung 5 wird der Unterschied zwischen einsprachigen und mehrsprachigen Einträgen in einer mehrsprachigen Datenbank schematisch dargestellt.
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Abbildung 5: Mehrsprachige versus einsprachige Einträge
Einsprachige Einträge (Einträge innerhalb einer Sprache) können mit anderen einsprachigen Einträgen (Einträgen aus einer oder mehreren Sprachen) verknüpft werden, ohne dass eine Sprache die Beschreibung der anderen beeinflusst.
In mehrsprachigen Einträgen enthält ein Eintrag sämtliche Informationen zu allen Sprachen. Das Problem besteht dann darin, dass Unterschiede auf der konzeptuellen Ebene verwischt werden, wenn Termini aus verschiedenen Sprachen als Übersetzungsäquivalente behandelt werden, obwohl sie nicht vollständig äquivalent sind.
Das Vorangegangene verdeutlicht nicht nur, dass man kein Datenmodell erstellen kann, ohne eine Vorstellung von der Domäne zu haben, mit der man sich befasst (und von den darin vorkommenden Termini), sondern auch, dass man nicht von den Aufgaben abstrahieren sollte, die man mit der Datenbank ausführen möchte (wie im Fall von DOT: Rechtssysteme vergleichen und „staatliche“ Texte übersetzen).
Datenmodellierung umfasst nicht nur die Definition von Entitäten, sondern auch die der Daten-/Informationskategorien, die diese Entitäten „auszeichnen“. Im nächsten Abschnitt befasse ich mich mit einer dieser Entitäten, nämlich Konzepten.
2.3 Konzeptmodellierung
Im vorangehenden Abschnitt habe ich bereits auf einige Vorteile eines konzeptuellen Ansatzes hingewiesen. Eines der dabei auftretenden Probleme besteht darin, wie Konzepte (verstanden als mentale Bausteine zur Organisation von Wissen) repräsentiert werden können. Wenn man akzeptiert, dass die (konzeptuelle) Bedeutung eines Terminus in der Regel durch seine Definition repräsentiert wird, könnte man die durch den Terminus ausgedrückte Bedeutung/Definition/das Konzept mithilfe eines semantischen Netzwerks darstellen.
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as a model (see, for instance, Fraas 1998: 433 ss.). In Martin 1998 semantic networks are represented in the form of frames and, among others, used as definition models. In the next part I will further elaborate upon the role of frames and on that of a frame-based approach to terminology.
3. EIN FRAMEBASIERTER ANSATZ ZUR KONZEPTMODELLIERUNG
Frames werden hier im Sinne der KI verstanden, in Anlehnung an die Minsky’sche Tradition (siehe beispielsweise Minsky 1975). In diesem Sinne sind sie Strukturen, die Hintergrundwissen repräsentieren – implizites, stereotypisiertes Wissen, das zum Verständnis von Konzepten und Bedeutung erforderlich ist. KI-Frames à la Minsky haben ein Slot-Filler-Format. Aus dieser Perspektive ist ein Frame eine Menge allgemeiner konzeptueller Kategorien oder Relationen (Slots), auf die Spezifikationen (Filler) folgen. Um zu verdeutlichen, was gemeint ist, werde ich ein konkretes Beispiel anführen.
Semantische Frames sind typgebunden, das heißt, sie sind an bestimmte Konzepttypen gebunden. Konzepttypen müssen in der Phase der Domänenmodellierung festgelegt worden sein (siehe oben, Abschnitt 2.1). Beispielsweise kommt im Bereich der Terminologie der öffentlichen Verwaltung ein Typ wie Beihilfe vor. Die frameartige Repräsentation für Beihilfe sieht wie folgt aus (siehe auch Martin und Heid 2001: 58):
Tabelle 1: Frame für den Typ Beihilfe
Beihilfe SLOT UMSCHREIBUNG DES SLOTS Zweck wofür die Beihilfe bestimmt ist Quelle wer die a. zahlt Begünstigter wer die a. erhält Grund warum die a. gezahlt wird Höhe welcher Betrag der a. gezahlt wird Zeitpunkt wann die a. gezahlt wird Häufigkeit wie oft die a. gezahlt wird Art in welcher Form die a. gewährt wird Bedingung unter welchen Bedingungen die a. gewährt wird
In der Welt der Sozialdienste wird das Konzept Rente dann als Token des Typs Beihilfe betrachtet.
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Der zugrunde liegende Frame für diesen Typ besteht aus den folgenden Slots/Elementen:
• Begünstigter wer erhält die Zulage?
• Quelle wer gewährt die Zulage?
• Zweck wofür wird die Zulage gewährt?
• Grundlage/Grund auf welcher Grundlage wird die Zulage gewährt?
• Höhe wie hoch ist die Zulage?
• Periodizität wie oft wird die Zulage gewährt?
• Zeitpunkt wann wird die Zulage gewährt?
• Art in welcher Form (z. B. Geld oder andere Werte) wird die Zulage gewährt?
• Bedingung unter welchen Bedingungen wird die Zulage gewährt?
Eine aus diesem Frame abgeleitete Definition könnte lauten:
Eine Pension ist ein Geldbetrag, der gesetzlich oder durch eine (Versicherungs-)Vereinbarung festgelegt ist und jemandem (einem Pensionsberechtigten oder seiner Witwe oder seinen Waisen) von jemand anderem (einem [ehemaligen] Arbeitgeber, einer geschäftsführenden Organisation) regelmäßig (z. B. jeden Monat) gezahlt wird, um nach dem Eintritt in den Ruhestand die Lebenshaltungskosten zu decken, sei es, weil das festgelegte Rentenalter erreicht wurde oder wegen Invalidität, sofern während der Amtszeit Beiträge entrichtet wurden.
Natürlich hängen sowohl die konkrete Form als auch der Inhalt der Definition selbst stark von den Nutzerinnen und Nutzern ab, für die sie bestimmt ist. Geht man jedoch davon aus, dass die begriffliche Bedeutung eines Terms in der Regel durch seine Definition dargestellt wird, können kognitive Modelle wie Frames sicherlich eine große Hilfe bei der Systematisierung von Definitionen sein. Im nächsten Abschnitt werde ich darlegen, dass kognitive Modellierung im Allgemeinen und insbesondere ein framebasierter Ansatz darüber hinausgehen und nicht nur den Bereich der Definitionen und Begriffe, sondern auch die terminologische Theorie und Praxis insgesamt beeinflussen.
4. DISKUSSION: AUSWIRKUNGEN DER KOGNITIVEN MODELLIERUNG AUF THEORIE UND PRAXIS DER TERMINOLOGIE
Die in diesem Beitrag vertretene zentrale These lautet:
Wenn Terminologie mit Folgendem zu tun hat
• dem Erwerb,
• der Repräsentation und
• der Anwendung
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von Wissen in einem bestimmten Wissensgebiet, vorzugsweise, aber nicht ausschließlich, durch Fachleute auf diesem Gebiet, dann sollte, um in Theorie (Entwurf) und Praxis (Erstellung und Nutzung von TDs) gute/bessere Ergebnisse zu erzielen, der kognitiven Modellierung mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, was Folgendes einschließt:
Modellierung des Fachgebiets,
Datenmodellierung und
Begriffsmodellierung.
Mit anderen Worten: Es wird die Auffassung vertreten, dass kognitive Modellierung im Allgemeinen und insbesondere ein rahmenbasierter Ansatz positive Auswirkungen auf die drei wichtigen Aspekte der Terminologiearbeit haben. Abbildung 6 unten veranschaulicht schematisch diese drei Aspekte, nämlich Erwerb, Repräsentation und Anwendung.
Abbildung 6: Die drei Facetten der Terminologiearbeit
Elsewhere (Martin 1998) I have tried to make clear that a cognitive and, more in particular, a frame-based approach shows certain advantages over other approaches with regard to the three aspects mentioned. So, for instance, will a frame-based approach not only lead to a better access to knowledge, but also to a production/prediction of knowledge: on the basis of definitions, combinations can (in abstractor) be predicted. In the case of pension, for instance, one can, on the basis of the frame, expect combinations with get (beneficiary), give/pay (source), high/low (size) etc. This also could give rise to socio-linguistic investigations: depending on the context/communicative situations/social roles different fillers/values could be used for the same slots/attributes.
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Um die Auswirkungen der kognitiven Modellierung anschaulicher zu machen, werde ich nun die Antworten betrachten, die unser Ansatz auf Fragen/Themen gibt, wie sie etwa in dem Vortrag von R. Kocourek auf dem Terminologie-Workshop während des 17th International Congress of Linguists (Prag, Juli 2003, R. Kocourek „Theory of Terminology and Specialized Language: Criteria and Choice“) aufgeworfen wurden. Ich habe ein Dutzend Fragen ausgewählt, die als „drängende“ Themen der Terminologietheorie und -praxis gelten können, und kurze Antworten darauf gegeben, wobei ich die Fragen aus der Perspektive der kognitiven Modellierung angehe. Das Folgende lässt sich somit als kurzer Frage-Antwort-Dialog lesen.
• Frage: Sollten wir auch Nicht-Terme untersuchen, die in Fachtexten vorkommen? Antwort: Ein Terminologe sollte untersuchen, was aus kognitiver Sicht relevant ist, also was für den Wissensbereich, den er beschreibt, interessant ist; in dieser Hinsicht sollten auch Nicht-Terme Gegenstand der Untersuchung sein.
• F: Sollten wir Terminologie in einer Sprache, in zwei Sprachen, in Gruppen von mehr als zwei Sprachen oder in allen Sprachen untersuchen? A: Wie wir in Abschnitt 2.2 klargestellt haben, sind einsprachige Einträge mehrsprachigen Einträgen vorzuziehen. Das bedeutet nicht, dass Terminologie nicht mehrsprachig sein sollte; es bedeutet lediglich, dass Terminologien nicht so miteinander verknüpft werden sollten, dass sie zugunsten einer Sprache verzerrt sind. Mit anderen Worten: Eine Terminologie in einer Sprache sollte nicht verzerrt, sondern mit der Terminologie anderer Sprachen verknüpfbar sein.
• F: Sollte die Terminologie Eigennamen [...] in Texten umfassen? A: Eigennamen können wichtige Daten in Wissensgebieten sein. Sie sollten daher nicht ausgeschlossen werden. Siehe auch das erneute Interesse im NLP-Bereich an benannten Entitäten und NER (named entity recognition).
• F: Welche Methoden sollten verwendet werden, wenn die denotative Bedeutung (Dinge) und pragmatische Aspekte der Terminologie (Nutzer) berücksichtigt werden sollen? A: Tatsächlich wird Terminologie sowohl von konzeptuellen als auch von pragmatischen Erwägungen bestimmt. In dieser Hinsicht ist es von vorrangiger Bedeutung, dass ein TD nicht nur die Modellierung von Fachgebiet/Daten oder Konzepten berücksichtigt. Ebenso wichtig ist die Bereitstellung sogenannter Nutzerprofile, die Suchwege und Informationsangebote umreißen
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angepasst an bestimmte Nutzergruppen. In Abbildung 6 dieses Abschnitts weisen die rechts stehenden Rechtecke zwischen der Datenbank und den Anwendungen auf solche Nutzerprofile hin.
• F: Auch wenn wir uns keine pseudo-symbolische formale Sprache vorstellen können, sollten wir ein System aus Akronymen, [...] Zeichen und Symbolen oder ähnlichen Hilfsmitteln einführen? Wie könnten wir ein solches System konstruieren? A: Frames sind typischerweise eine Repräsentationssprache, die sich auf halbem Weg zur Formalisierung befindet. Mit einigem Aufwand lassen sich die Slots oder Relationen für eine (Sub-)Welt festlegen und standardisieren. Was die Füllwerte betrifft, käme die Formalisierung näher, wenn man sie (sowohl formal als auch semantisch) einschränken könnte. Ein erster Schritt könnte darin bestehen, die Füllwerte auf Terme zu beschränken. In diesem Fall könnte sich ein echtes termnet etablieren.
• F: Wie gewinnen wir die Primärdaten für die Beschreibung und Analyse von Termen: aus Korpora von Fachtexten, aus den Begriffssystemen der Fachdisziplinen oder aus beidem? A: Zwischen beidem sollte eine Wechselwirkung bestehen, wie Abbildung 6 in diesem Abschnitt nahelegt. Die Erfassungsseite (Korpora, Informanten) beeinflusst das Repräsentationssystem und umgekehrt. Mit anderen Worten: Terme in Texten bestimmen (teilweise) die Gestaltung des Repräsentationsmodells (Erfassung → Repräsentation), während das Repräsentationsmodell die Auswahl der Terme und der Informationen über sie steuert (Repräsentation → Erfassung).
• F: Wie unterscheiden wir Terme von Nicht-Termen in Fachtexten? A: Da ein Term auf drei Ebenen funktioniert – der konzeptuellen, der linguistischen und der soziolinguistischen –, sollte er die für jede dieser Ebenen festgelegten Kriterien erfüllen. Mit anderen Worten: Terme sollten Konzepte ausdrücken, die innerhalb einer bestimmten (Sub-)Welt funktionieren bzw. etabliert sind und vom Sprachsystem sowie von der soziolinguistischen Gemeinschaft akzeptiert werden.
• F: Wie unterscheiden wir Mehrwortterme von Termkombinationen und komplexen Nominalphrasen? A: Siehe die vorhergehende Frage und Antwort. Tatsächlich zeigt die kognitive Modellierung, was innerhalb der beschriebenen (Sub-)Welt konzeptuell möglich, berechenbar und kombinierbar ist; linguistische und soziolinguistische Faktoren bestimmen, ob das konzeptuell Mögliche auch verwendet und akzeptiert wird.
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• F: Wie untersuchen wir terminologische Kollokationen und Phraseologie? A: Bei einem framebasierten Ansatz dienen die Slots nicht nur der Definition des Konzepts, sondern zeigen als Relationen auch, welche Arten von Verbindungen (mit anderen Konzepten) auftreten können. Siehe beispielsweise den Fall pension, der (im Niederländischen) folgende Füllwerte annehmen kann:
• hoog; laag, klein: mit dem Slot „Größe“ verbunden,
• betalen, uitkeren, toekennen, uitbetalen: mit dem Slot source verbunden,
• ontvangen, genieten, krijgen: mit dem Slot beneficiary verbunden.
Mit anderen Worten: Aus semantischen Frames und framebasierten Definitionen lassen sich abstrakte Kollokationsmuster ableiten, die interessante Perspektiven für die Untersuchung von Verbindungen eröffnen (siehe hierzu Martin 2003).
• F: Welche Methoden werden für die semantische Analyse von Termini eingesetzt (Definition, Synonymie, Mehrdeutigkeit, Hyperonymie, Hyponymie, Antonymie, Metonymie und andere Relationen usw.)? A: Bei einem framebasierten Ansatz spielen vor allem die „anderen Relationen“ eine herausragende Rolle. Die überwiegend strukturalistischen Relationen (Synonyme usw.) gelten weder als ausreichend noch als ausdrucksstark genug.
• F: Ist der Ansatz semasiologisch oder onomasiologisch? A: Ein framebasierter Definitionsansatz geht von Konzepttypen aus und ist insofern onomasiologisch.
• F: Welche sprachwissenschaftlichen Forschungsmethoden verwenden wir: strukturalistische, generativistische, poststrukturalistische oder andere Methoden? A: Siehe die Frage zur semantischen Analyse von Termini. Insbesondere halte ich den strukturalistischen Ansatz für zu restriktiv und habe ihn daher durch einen kognitiven Ansatz ersetzt.
5. SCHLUSSBEMERKUNG
In diesem Artikel habe ich versucht deutlich zu machen, dass kognitive Modellierung für die Terminologie in dem Sinne eine conditio sine qua non ist, dass sie den notwendigen allgemeinen Rahmen schafft, ohne den weder ein konsistentes Arbeiten noch eine Unterscheidung zwischen Relevantem und Irrelevantem möglich ist.
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BIBLIOGRAPHY
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KOGNITYVINIO MODELIAVIMO APSKRITAI IR FREIMŲ KONKREČIAI VAIDMUO TERMINOLOGIJOS TEORIJOJE IR PRAKTIKOJE
Šiame straipsnyje išskirti, apibrėžti ir pavaizduoti skirtingi kognityvinio modeliavimo lygmenys – srities modeliavimas (makrostruktūrinis lygmuo), duomenų modeliavimas (mediostruktūrinis lygmuo) ir termino ir (arba) sąvokos modeliavimas (mikrostruktūrinis lygmuo). Kalbant apie pastarąjį lygmenį pristatomas freimais besiremiantis sąvokų modeliavimo būdas. Pagrindinis šiame straipsnyje iškeltas principas – kognityvinis modeliavimas apskritai ir freimais besiremiantis požiūris konkrečiai turi teigiamos įtakos tam tikros srities žinių gavimui, pateikimui ir taikymui. Akivaizdžiai parodoma, kad kognityvinis modeliavimas yra terminologijos būtinybė, nes jis suteikia reikalingą struktūrą, be kurios neįmanoma nei nuosekliai dirbti, nei atskirti tai, kas svarbu, ir kas ne.
Gauta 2010-08-09
Willy Martin Faculteit der Letteren, Vrije Universiteit De Boelelaan 1105, NL-1081 HV Amsterdam, Nederland E-mail [email protected]
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