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Tarptautinė mokslinė konferencija „Kalbos gramatinė ir leksinė sistema, jos funkcionalumas ir normatyvumas“

Solvita Labanauskienė

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Internationale wissenschaftliche Konferenz Das grammatische und lexikalische System der Sprache, seine Funktionalität und Normativität SOLVITA LABANAUSKIENĖ Institut für litauische Sprache Im Frühjahr dieses Jahres veranstalteten die Abteilung für Lettistik und Baltistik des Fachbereichs Geisteswissenschaften der Universität Lettlands, der Lehrstuhl für lettische und allgemeine Linguistik sowie der Lehrstuhl für baltische Linguistik die 48. internationale Konferenz Valodas gramatiskā un leksiskā sistema, tās funkcionalitāte un normatīvums (Das grammatische und lexikalische System der Sprache, seine Funktionalität und Normativität), die dem bedeutenden lettischen Sprachwissenschaftler, Folkloristen, Literaturwissenschaftler und Methodiker Arturs Uozuolas (Arturs Ozols) gewidmet war. Am 15. und 16. März kamen Vortragende aus Lettland, Litauen, Russland und Finnland an die Universität, um zu diskutieren. Der Vormittag des ersten Tages war der Persönlichkeit und dem Wirken von A. Uozuolas gewidmet. In seinem Vortrag Arturas Uozuolas und die lettische Literaturwissenschaft stellte Ojārs Lāmas (Ojārs Lāms) die Artikel des Wissenschaftlers vor, die für die Erforschung moderner literarischer Tendenzen in Europa von Bedeutung sind, sowie unveröffentlichte literaturwissenschaftliche Materialien und Vorlesungsmitschriften zur Geschichte der lettischen Literatur. Māra Vīksna (Māra Vīksna) und Rita Treija sprachen über das Archivmaterial zu A. Uozuolas, das in den Beständen des Lettischen Folklorearchivs aufbewahrt wird und davon zeugt, dass der Forscher junge Menschen für das Sammeln von Folklore zu begeistern vermochte. Ilona Miezytė (Ilona Miezīte), Vertreterin des Museums für Schrift und Musik (ehemals Rainis-Museum für Literatur und Kunst), gab einen Überblick über A. Uozuolas berufliches Wirken (seine Dissertation zur Syntax lettischer Volkslieder) und sein Privatleben. Sie erzählte, dass A. Uozuolas in den letzten Jahren seines Lebens begonnen hatte, ein humoristisches Theaterstück zu schreiben, dessen Hauptfigur wahrscheinlich ihm selbst nachempfunden war, während die übrigen Figuren seine Sprachwissenschaftlerinnen-Kolleginnen waren. Anschließend wurde die Arbeit in zwei Sektionen fortgesetzt. In der ersten Sektion Sprachnormierung sprachen Dzintra Lele-Rozentalė (Dzintra Lele-Rozentāle) und Ineta Baluode (Ineta Balode) über die „Pidginisierung“ zur Zeit der Landvermesser im 19. Jahrhundert, die durch eine übertrieben korrekte Sprechweise gekennzeichnet war (Fardon (= Pardon)); verwendet wurden Elemente der baltendeutschen Sprache (/g/ > /j/) und anderes. Terminologija | 2012 | 19 247 Rasuolė Vladarskienė erwähnte aktuelle Probleme bei der sprachlichen Bearbeitung von Übersetzungen von Dokumenten der Europäischen Union: Fragen der Terminologie, Morphologie und Syntax. Die Vortragende betonte, wie notwendig es sei, auf die sprachliche Korrektheit der Übersetzungen zu achten, da Übersetzungen von Dokumenten der Europäischen Union unmittelbar auf das litauische Standardsprachliche einwirken. Wie R. Vladarskienė sagte, müsse man beim Übersetzen von EU-Dokumenten der Vorlage treu bleiben; daher gingen lange, komplex strukturierte und unklare Sätze aus EU-Dokumenten in litauische Texte ein und veränderten die besonderen Merkmale des Verwaltungsstils, die über Jahrzehnte gepflegt worden waren. In ihrem Vortrag lenkte Valda Salminia (Valda Salmiņa) die Aufmerksamkeit auf Tendenzen beim Gebrauch armenischer Namen im Lettischen – auf das Nebeneinander paralleler Formen und dessen Ursachen. Das Neologismen-Datenportal der litauischen Sprache stellte Rita Miliūnaitė vor. Die Sprachwissenschaftlerin hob die theoretischen und anwendungsbezogenen Ziele des Projekts hervor: eine Datenbank zu erstellen, darin kontinuierlich den neuen Wortschatz der litauischen Sprache zu sammeln und langfristig durch wissenschaftliche Untersuchungen ein systemisches Bild dieses Wortschatzes zu zeichnen. Das Neologismen-Datenportal lasse, so R. Miliūnaitė, den Schluss zu, dass die litauische Sprache über genügend Wortbildungsmöglichkeiten verfüge, um sich zu erneuern und den unterschiedlichsten Bedürfnissen der sie verwendenden Gesellschaft gerecht zu werden. In der zweiten Sektion Grammatik und Lexik untersuchte Bronius Maskuliūnas Texte aus dem 18. Jahrhundert, das eine der am wenigsten erforschten Perioden in der Entwicklung der litauischen Schriftsprache darstellt. Eingehender betrachtete er einen Aspekt des Gebrauchs der litauischen Schriftsprache – den Ausdruck der Reflexivität. Anna Frydenberga (Anna Frīdenberga) erläuterte die Motivation von Bildungen mit dem lettischen Suffix -ība (-yba) in den Werken des ersten lettischen Sprachwissenschaftlers und Schriftstellers Georg Mancelio. Nach Ansicht der jungen Sprachwissenschaftlerin sind Bezeichnungen für Eigenschaften mit dem Suffix *-ībā als eigenständiger Wortbildungstyp gerade für die baltischen Sprachen charakteristisch. Der Vortrag von Rolandas Kregždys war der Aktualisierung einer Methodik zur Bestimmung der grammatischen Form litauischer Lexeme gewidmet, die auf semasiologischer Analyse beruht. Diese ist nicht nur für die Bestimmung der Etymologie eines Wortes, sondern auch für die Kodifizierung seiner grammatischen Bedeutung wichtig. Lienė Markus-Narvila (Liene Markus-Narvila) sprach über Germanismen in den Mundarten Südwestkurlands und ihre Entlehnungsquellen. Sie wies darauf hin, dass ein Teil der Germanismen auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts lebendig ist – in den Mundarten finden sich ihre phonetischen und morphologischen Varianten. Nach der Eröffnung der Ausstellung Arturs Uozuolas – 100 erzählte Dzintra Paegle (Dzintra Paegle) von einem vergessenen Manuskript zu A. Uozuolas’ Methodik, und Lidija Leikuma sprach über die heutige Aktualität von A. Uozuolas’ Konzept des Lettischunterrichts. 248 Solvita Labanauskienė Tarptautinė mokslinė konferencija Kalbos gramatinė ir leksinė sistema, jos funkcionalumas ir normatyvumas Der Nachmittagsabschnitt der Konferenz war der Erörterung von Problemen der Muttersprache gewidmet. Ina Boikienė und Nadežda Ševeliova behandelten die Förderung kreativer Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern im muttersprachlichen (russischen) Unterricht. Den Vortragenden zufolge ist das Problem insofern aktuell, als die Förderung kreativer Fähigkeiten eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler ist. Fragen der Bildungsqualität in Lettland beleuchtete die Methodikerin Vineta Vaivadė (Vineta Vaivade) aus der Bildungsabteilung der Agentur für Lettische Sprache unter verschiedenen Aspekten. Nachdem sie von einigen Verlagen herausgegebene Lehrmaterialien für den Lettischunterricht in den Klassen 5 bis 9 untersucht hatte, kam sie zu folgenden Schlussfolgerungen: a) Es besteht kein allgemeines Verständnis der Lernkompetenzen; b) den Schülerinnen und Schülern werden weder Beispiele für die Bearbeitung von Aufgaben noch deren Ablauf angeboten; c) es mangelt an der Förderung von Fähigkeiten zum selbstständigen Lernen usw. Ingrida Balčiūnienė und Gintara Povilaitienė stellten eine Methodik zur Förderung des zusammenhängenden Erzählens mithilfe von Bildfolgen vor. Sie widmeten dem Aufgabenkontext große Aufmerksamkeit, da dieser dem Kind zusätzliche Möglichkeiten bietet, die Funktionen, die Struktur und die Regeln des zusammenhängenden Erzählens besser zu verstehen. Evelina Zilgalvė (Evelīna Zilgalve) erörterte die Kriterien zur Unterscheidung von Partikel und Adverb und gab einen Überblick über problematische Fälle. In der Sektion Lexik und Terminologie wurden drei Vorträge gehalten, in denen Pflanzennamen untersucht wurden. Laimutė Baluodė (Laimute Balode) analysierte, wie das Appellativ liepos in der lettischen Toponymie verwendet wird. Der erste Teil des Vortrags war den Objekten gewidmet, die mit dem Lexem liepa benannt werden; kurz wurde auch die Benennung von Ortsnamen betrachtet. Im zweiten Teil untersuchte die Autorin Ableitungen des Wortes liepa. Den Vortrag Der Wortschatz lettischer Volkslieder auf Litauisch: Baumnamen hielt Regina Kvašytė. Das Material sammelte die Vortragende aus der Sammlung lettischer Volksliedtexte Mein Rösslein fliegt dahin (1989; übersetzt von Sigitas Geda) und stellte fest, dass in den Übersetzungen am häufigsten der Baumname ąžuolas vorkommt, halb so häufig der Name beržas. Über die litauischen und lettischen Namen von Pflanzengattungen der Flora des Baltikums sprach Solvita Labanauskienė. Sie behandelte morphologisch nicht segmentierbare Gattungsnamen, Ableitungen und Zusammensetzungen und zeigte ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf. Der letzte Vortrag dieser Sektion, von Ineta Bernota, war der Erörterung kulinarischer Fachbegriffe in den ersten auf Lettisch erschienenen Kochbüchern gewidmet. Den zweiten Konferenztag eröffneten Diana Laiveniecė (Diāna Laiveniece) und Normundas Dzintaras (Normunds Dzintars) (Universität Lettlands). Die Vortragenden gaben einen Überblick über A. Uozuolas Beitrag zur Methodik des Lettischunterrichts. Inta Urbanoviča stellte bedeutendes Material aus der Geschichte der Sprachwissenschaft A. Uozuolas vor, das die Entwicklung der Ideen des europäischen Strukturalismus widerspiegelt. Terminologija | 2012 | 19 249 In den Vorträgen der Grammatik-Sektion wurden Fragen der Morphologie und Syntax behandelt. Lyga Vogina (Līga Vogina) erörterte die Beobachtungen A. Uozuolas zur Satzsemantik. Die meisten Fragen der Syntax, so die Vortragende, werden in der Dissertation des Linguisten zum Thema Fragen der Syntax klassischer lettischer Volkslieder. Weitere Probleme der lettischen Syntax behandelten in ihren Vorträgen Natalija Perkova (Natalia Perkova) (Der Gebrauch von Possessivpronomen und Dativ in lettischen Sätzen mit nichtverbalen Prädikaten), Lienė Kalviša (Liene Kalviša) (Notwendigkeitsmodus und Evidenzialität) und Linda Apsė (Linda Apse) (Bedeutungs- und Gebrauchseigenschaften der Präposition ANT). Gita Elksnytė (Gita Elksnīte) hielt einen Vortrag über adjektivische Wortverbindungen in Wörterbüchern des 17. Jahrhunderts. Die Vortragende verglich die in den Wörterbüchern von Georg Mancelis, Janis Langijs (Jānis Langijs) und Kristofors Fīrekers (Kristofors Fīrekers) verwendeten Typen syntaktischer Beziehungen dieser Wortverbindungen. In der Sektion Lexik und Lexikografie sprach Brigita Bušmanė über die Semantik des Verbs essen. Sie zeigte, dass in den Dialekten belegte Synonyme dieses Wortes die Intensität, Geschwindigkeit, Dauer und Art der Handlung usw. anzeigen können. Janina Švambarytė-Valužienė stellte das in Vorbereitung befindliche historische Wörterbuch des Wortschatzes der erzählenden Volksüberlieferung von Matas Slančiauskas und seinen Mitarbeitern vor, das den Wortschatz Nordlitauens enthält. Ilga Migla berichtete über phraseologische Vergleiche in lettischen Volksliedern. Die Forscherin zufolge zählt A. Uozuolas in seinen Arbeiten auf, welche Pflanzen- und Baumnamen in lettischen Volksliedern vorherrschen: Linde, Eiche, Rose, Blume. Violeta Černė untersuchte in ihrem Vortrag die Darstellung von Musikinstrumentenbezeichnungen im erklärenden Wörterbuch der litauischen Sprache und lenkte dabei die Aufmerksamkeit auf die Felder für semantische Angaben und Illustrationen. Diana Šilobritaitė behandelte die Entstehungsphase der litauischen mathematischen Terminologie vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die erste Hälfte des frühen 20. Jahrhunderts sowie die Terminologie der ersten gedruckten litauischen Arithmetiklehrbücher. Sie verglich die Lehrbücher der bekannten Persönlichkeiten Povilas Matulionis, Jonas Spudulis und Petras Vileišis und analysierte die mathematischen Termini. In der Nachmittagssitzung der Sektion Phonetik wurde über akustische Merkmale der Laute des Lettischen gesprochen. Dazu hielten Juris Grigorjevas (Juris Grigorjevs) (Akustische Merkmale der lateralen Konsonanten und Vibranten des Lettischen), Inesė Indričanė (Inese Indričāne) (Unterscheidung der stimmlosen Affrikaten /c/, /č/ und der Konsonanten /ts/ /tš/), Solveiga Čeiranė (Solveiga Čeirane) (Vergleich von Formantübergängen bei 250 Solvita Labanauskienė Tarptautinė mokslinė konferencija Kalbos gramatinė ir leksinė sistema, jos funkcionalumas ir normatyvumas Vergleich: CV oder VC). Ilzė Auzinia (Ilze Auziņa), Gunta Nešporė (Gunta Nešpore) und Baiba Saulýtė (Baiba Saulīte) sprachen über die Sprachintonation beim Vorlesen. In der zweiten Sektion erörterte Dzintra Šulce (Dzintra Šulce) Fragen der Sprachpflege. Sie untersuchte die Sitzungsprotokolle der Abteilung für Sprachwissenschaft der Lettischen Gesellschaft in Riga aus den Jahren 1933–1942. Die Vortragende stellte Janis Endzelyns’ (Jānis Endzelīns) Ansichten zu Fragen der Bildung, des Gebrauchs und der Rechtschreibung einzelner grammatischer Formen vor. Daiva Murmulaitytė sprach darüber, wie im am Institut für Litauische Sprache erarbeiteten Wörterbuch der litauischen Standardsprache versucht wird, bei der Aufnahme von Derivaten dem Prinzip der Systematik zu folgen, und welche Schwierigkeiten dabei auftreten. Untersucht wurden drei Arten von Derivaten: Abstrakta von Verben und Nomina, Diminutive sowie Ableitungen mit dem Präfix ne-. Vilija Sakalauskienė erörterte Probleme bei der Darstellung synonymischer Bedeutungen in erklärenden Wörterbüchern der litauischen Sprache. Ihrer Ansicht nach zeigen die aufkommenden Diskussionen, dass das Problem der Synonymie sehr aktuell wird. Dies veranlasst dazu, die Aufmerksamkeit erneut auf Synonymie und den Begriff des Synonyms zu richten, bereits veröffentlichte Wörterbücher zu überprüfen und bei der Erstellung neuer besonders aufmerksam zu sein. Die lettische Wissenschaftlerin Olga Uozuolinia (Olga Ozoliņa) untersuchte in ihrem Vortrag das mittelalterliche Standardfranzösisch. Die abschließenden Konferenzvorträge waren den Syntaxarbeiten von A. Uozuolas gewidmet. Andra Kalnača hielt den Vortrag Die heutige Interpretation des analytischen Debitivs bei Arturs Uozuolas, und Ilzė Lomanė (Ilze Lokmane) den Vortrag Arturs Uozuolas und problematische Fragen der heutigen Syntax. Internationale thematische Konferenzen zu A. Uozuolas werden seit 1965 in Riga veranstaltet; die Organisatoren laden daher auch für das nächste Jahr zu einem Treffen ein. Ein Band mit den Abstracts der Konferenzvorträge wurde veröffentlicht. Eingegangen am 16.11.2012 Solvita Labanauskienė Institut für Litauische Sprache P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius E-Mail: [email protected] Terminologija | 2012 | 19 251