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Dėl termino „lingvistinis mandagumas“

Giedrė Čepaitienė

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GIEDRĖ ČEPAITIENĖ Universität Šiauliai ZUM TERMINUS LINGUISTISCHE HÖFLICHKEIT In Arbeiten zur pragmatischen Linguistik wird seit Kurzem der Terminus linguistische Höflichkeit (daneben auch linguistisches Verhalten) verwendet. Inga Hilbig (2009, 2010) war wohl die Erste, die diesen Terminus verwendete; später übernahm ihn Birutė Ryvitytė (2011). I. Hilbig bewertet in ihrer Rezension der Arbeit der Letzteren gerade die Wahl dieses Terminus positiv (Hilbig 2011). Mit dem Vorschlag des Terminus linguistische Höflichkeit stützen sich die genannten Autorinnen auf den englischen Ausdruck linguistics politeness. Ziel dieser Publikation ist es, die Semantik des genannten Terminus und seine Vereinbarkeit mit dem linguistischen Terminologiesystem zu klären. Ein Wort muss als Terminus seine lexikalische und seine Wortbildungsbedeutung in Einklang bringen; erst dann ist es geeignet und verletzt das Sprachsystem nicht (siehe Keinys 2005: 205–208). In diesem Fall verletzt der Terminus linguistische Höflichkeit diese Übereinstimmung. Das kongruierende Attribut linguistisch entspricht mit dem Suffix -inis semantisch dem, worauf der Genitiv des Grundworts verweist, das heißt dem Wort Linguistik. Wenn die Autorinnen jedoch von linguistischer Höflichkeit sprechen, meinen sie nicht Höflichkeitsneigungen, die sich in den Arbeiten von Linguisten widerspiegeln (über die wissenschaftliche Ethik schrieb 1997 Vladas Žulys), sondern ganz andere Dinge. Im Wesentlichen geht es ihnen um Neigungen im individuellen Gebrauch der sprachlichen Möglichkeiten in verschiedenen Sprechakten. Wie erwähnt, schlagen die Autorinnen den Terminus linguistische Höflichkeit in Analogie zur englischen Beschreibung des Begriffs vor. Die Bequemlichkeit des Terminus (in diesem Fall kann der vorgeschlagene Terminus linguistische Höflichkeit als typisches Lehnübersetzungsprodukt, als sogenannte Lehnprägung, gelten) kann jedoch nicht zum Hauptkriterium für seine Etablierung werden. Zumal ein semantisch fehlerhafter Terminus das ohnehin schwindende Sprachgefühl weiter zerstört. Zudem ist völlig unklar, warum man den hinreichend umfassenden Terminus Sprachknigge aufgibt, der im Wesentlichen alle Sprechakte umfasst und auf eine lange Verwendungstradition zurückblickt. Denn gerade er zeigt die Beziehung zu beiden für die Erforschung von Sprechakten so wichtigen Systemen: der Sprache mit ihren Möglichkeiten und der Ethik – den grundlegenden Verhaltensnormen eines Volkes oder einer anderen Gemeinschaft. G. ČEPAITIENĖ. Dėl termino lingvistinis mandagumas 309 LITERATŪRA Hilbig I. 2009: Lietuvių ir anglų prašymų strategijos ir mandagumas. – Lietuvių kalba (elektroninis išteklius), 3. Hilbig I. 2010: Lietuvių ir anglų lingvistinis mandagumas: prašymai, Vilnius: VU leidykla. Hilbig I. 2011: Rec.: Ryvitytė B. Lingvistinės pragmatikos įvadas. – Lietuvių kalba (elektroninis išteklius), 5. Keinys S. 2005: Dabartinė lietuvių terminologija, Vilnius: Lietuvių kalbos instituto leidykla. Ryvitytė B. 2011: Lingvistinės pragmatikos įvadas, Vilnius: VU leidykla. Žulys V. 1997: Mokslo etosas. – Kalbotyra 46 (1), 133–134. Gauta 2013 12 20 GIEDRĖ ČEPAITIENĖ Šiaulių universitetas P. Višinskio g. 38, LT-76352 Šiauliai g.ce [email protected] 310 KALBOS KULTŪRA | 86