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Emocinė-ekspresinė leksika „Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne“ – naujadarų radimosi priežastys ir darybos būdai

Agnė Aleksaitė

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AGNĖ ALEKSAITĖ Institut für Litauische Sprache EMOTIONAL-EXPRESSIVE LEXIK IM WÖRTERBUCH DER NEUBILDUNGEN DER LITAUISCHEN SPRACHE – ENTSTEHUNGSUMSTÄNDE UND BILDUNGSWEISEN VON NEUBILDUNGEN SCHLÜSSELWÖRTER: emotional-expressive Lexik, Neologismen, okkasionelle Bildungen, Wortbildungsanalyse, Wortbildungsweise, Produktivität. EINLEITUNG Über das Wörterbuch der Neubildungen der litauischen Sprache (im Folgenden ND, Wörterbuch) wurde unter verschiedenen Gesichtspunkten geschrieben (ausführlicher siehe Miliūnaitė 2012a: 3–11; 2015: 161–184; 2018: 1–21; Murmulaitytė 2016a: 1–27; 2016b: 68–88; Aleksaitė 2018: 1–2). Daher wird hier, ohne die allgemeine Übersicht über das Wörterbuch fortzusetzen, der traditionellen Auffassung und den Arten von Neologismen nachgegangen und ein innovativer Blick auf Neologismen der litauischen Sprache als Zeichen aktueller Ereignisse der jeweiligen Zeit vorgestellt. Am 5. April 2019 enthielt das Wörterbuch 5120 lexikografisch beschriebene Spracheinheiten. Es wurden 572 Neubildungen gefunden, die eine emotional-expressive Funktion erfüllen1. Die stilistisch markierten Neubildungen im Wörterbuch sind nach acht expressiven Färbungen eingeteilt: vulgär, abwertend, pejorativ, diminutiv, affektiv, scherzhaft, ironisch und vertraulich (siehe Abb. 1). 1 Substantive machen 91,8 Prozent der gesamten im ND erfassten emotional-expressiven Lexik aus, Verben 4,9 Prozent und Adjektive 3,3 Prozent. Angesichts des spärlichen empirischen Materials zu Verben und Adjektiven zeigt sich, dass eine eingehende Erörterung der Wortbildungsweisen von Adjektiven und Verben nicht möglich ist; daher werden in diesem Artikel die Wortbildungstendenzen stilistisch markierter Neubildungen allgemein beschrieben. BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 2 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 ABB. 1. Verteilung der Neologismen im ND nach expressiver Färbung Wie zu sehen ist, machen Neologismen mit negativer Konnotation den größten Teil der emotional-expressiven Lexik im ND aus (insgesamt 69,4%), d. h. Bildungen mit ironischer, abwertender, verächtlicher, vulgärer und familiärer Färbung. Diese ungleichmäßige Verteilung lässt sich durch psychologische und soziale Ursachen erklären: In der litauischen Sprache (wie auch in vielen anderen Sprachen) wird eine negative emotionale Bewertung häufiger ausgedrückt als eine positive, denn alles Gute wird als Norm akzeptiert, und für normale Dinge bringen Menschen keine besonderen Emotionen zum Ausdruck. Alles, was nicht gut ist, gilt daher als Abweichung von der Norm und wird mit Neologismen negativer Konnotation bewertet (Jakaitienė 1988: 51; Gudavičius 2000: 130–131). Wenn man die morphologisch nicht analysierbaren semantischen Neologismen im ND außer Acht lässt, z. B. plūgas „abwertend: ein mit allem unzufriedener Ignorant“, runkelis „abwertend: ein pessimistisch eingestellter Mensch, der als Ignorant gilt und der Elite gegenübergestellt wird“, Wortverbindungen, z. B. kelių vištelė „abwertend: eine Autofahrerin, die dreist und böswillig die Verkehrsregeln missachtet“ (vgl. kelių gaidelis, kelių erelis), naudingas idiotas „abwertend: jemand, der uneigennützig verdächtige Nachrichten und Ideologien verbreitet, die den Gegnern nützen, ohne sich der Schädlichkeit dieses Verhaltens bewusst zu sein“, sowie Lehnwörter, z. B. nafris, -ė „abwertend: ein Einwanderer aus Nordafrika in Europa“, retarderis „2. ironisch im übertragenen Sinne – ein Zurückgebliebener; politische BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emotionale-expressive Lexik im Neologismen-Datenbestand der litauischen Sprache – Entstehungsumstände und Wortbildungsweisen | 3 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 procesų stabdis“ (plačiau apie etiškai netinkamus žodžius žr. Župerka 2005: 25–28), tyrimo objektu pasirinkti 479 kalbos vienetai2. Šio straipsnio tikslas – nustatyti pagrindinius emocinės-ekspresinės leksikos, užfiksuotos ND, žodžių darybos būdus ir produktyviausias darybos priemones. Uždaviniai: 1) išrinkti iš ND emocinę-ekspresinę funkciją atliekančius naujadarus; 2) atlikti darybinę ND stilistiškai žymėtų naujadarų analizę; 3) ištirti ir aprašyti stilistiškai žymėtų naujadarų darybos būdus ir priemones; 4) nustatyti naujus darybos polinkius ir 5) aptarti stilistiškai žymėtų naujadarų (gyvenamojo meto aktualijų ženklų) radimosi aplinkybes. Darbe taikyti darybinės analizės ir skaičiavimo metodai. DAS KONZEPT DER EMOTIONAL-EXPRESSIVEN LEXIK Stilistisch markierte Lexik umfasst Emotive und Expressive. Emotive werden gewöhnlich als Wörter definiert, mit denen Gefühle ausgedrückt werden; ihre „Bedeutungsgrundlage ist die positive oder negative emotionale Einstellung des Sprechers zum bezeichneten Gegenstand. Es ist seine Meinung über den Wert eines bestimmten Gegenstands, und diese Meinung äußert sich nicht als logisches Urteil, sondern als Empfindung oder Gefühl der sprechenden Person“ (Gudavičius 2000: 126). Aus stilistischen Gründen werden auch Expressive verwendet – das sind „Wörter, die den bezeichneten Gegenstand bildhaft beschreiben“ (Jakaitienė 2010: 164). Der wesentliche Unterschied zwischen Emotiven und Expressiven liegt in der unterschiedlichen Wirkungsrichtung, denn „Emotive wirken auf die Gefühle des Gesprächspartners, bildhafte Wörter hingegen auf seine Vorstellungskraft, weil ihre Bedeutung gleichsam in visuellen oder auditiven Bildern Gestalt annimmt“ (Jakaitienė 2010: 164). Obwohl es in der Fachliteratur üblich ist, Emotive und Expressive nach ihrer Wirkungsrichtung zu unterscheiden, lassen sie sich dennoch nicht strikt voneinander abgrenzen, denn „was in der Sprache emotional ist, ist immer auch expressiv“ (Pikčilingis 2010: 211; siehe auch Volek 1987: 5) und umgekehrt „ruft die durch ein Bild vermittelte Information zusätzlich auch die eine oder andere emotionale Bewertung hervor“ (Jakaitienė 2010: 164–165). Daher wird im vorliegenden Artikel zur Bezeichnung stilistisch markierter Lexik der Terminus emotionale-expressive Lexik gewählt3. 2 Dies ist eine erste Untersuchung der emotional-expressiven Lexik. Dabei zeigte sich, dass einige Neologismen des Datenbestands stilistisch noch systematisch redigiert werden sollten. Ziel des ND ist es, lexikalische Neuerungen zu erfassen; wenn Wörter einzeln in die Datenbank aufgenommen werden, ist daher das Gesamtsystem zunächst nicht erkennbar. Erst wenn mehr Daten gesammelt wurden, lässt sich feststellen, welche Gruppen von Neologismen hervortreten, und diese Gruppen können stilistisch einheitlich bewertet werden. 3 Aufgrund dieser Schwierigkeit der Abgrenzung wird die emotional-expressive Lexik im ND nicht weiter in die genannten zwei Gruppen unterteilt. BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 4 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 TRADITIONELLES VERSTÄNDNIS UND ARTEN VON NEOLOGISMEN Lietuvių kalbotyros veikaluose naujažodis (neologizmas) paprastai apibrėžiamas kaip naujai kalboje atsiradęs žodis (Urbutis 2009: 36–37; Jakaitienė 2010: 205; Girčienė 2011: 165), nors mokslinėje literatūroje pateikiama naujažodžio samprata įvairuoja (plačiau žr. Girčienė 2012b: 6): vieni skiriamąją naujažodžio ypatybę laiko keliamą naujumo, neįprastumo įspūdį (Palionis 1985: 212), kiti naujažodžiais laiko žodžius, iki tol neįtrauktus į atraminius žodynus (Miliūnaitė 2015: 169)4. Mokslininkai polemizuoja dėl naujažodžiui priskiriamos „naujumo aureolės“, „[m]at naujumas kartais gali būti suprantamas pernelyg subjektyviai: vieniems kalbos vartotojams koks nors žodis gali atrodyti jau įprastas, o kiti dar gali jo ir nesuprasti“ (Popova 2005: 9–13, cituojama iš Jakaitienė 2010: 205; dar žr. Kazlauskaitė, Župerka, Macienė 2013: 91). Patikimesnis esti naujažodžių atrankos kriterijus pagal atraminius leidinius, nors lietuvių kalbos atveju toks kriterijus nėra visiškai patikimas – žodynuose esama leksikografinių plyšių, susiduriama su žodynų sistemiškumo problema (Miliūnaitė 2015: 169). Duomenyne naujažodžiais laikomi žodžiai, kurie nėra įrašyti kaip atraminiais pasirinktuose žodynuose, t. y. Dabartinės lietuvių kalbos žodyne (6-asis (elektroninis) leidimas, 2011), internetiniame Lietuvių kalbos žodyne ir Tarptautinių žodžių žodyne (Alma littera, 2001) (žr. http://naujazodziai.lki.lt/?Apie_duomenyna; apie protologizmo ir neologizmo skirtumus žr. Aleksaitė 2018: 5–6). Funktional werden Neologismen in zwei Hauptgruppen eingeteilt – referentielle (auch nominative, terminologische, notwendige u. a.) und expressive (auch stilistische, fakultative u. a.) (Girčienė 2012a: 249; 2012b: 15; siehe auch Offord 2001: 98; Vaicekauskienė 2007: 34–43). Referentielle Neologismen bezeichnen neue Sachverhalte, d. h. sie erfüllen eine referentielle (Informationsübermittlungs-)Funktion, während expressive Neologismen aus stilistischen Gründen in den Text aufgenommen werden; hier ist die emotional-expressive Funktion entscheidend (Girčienė 2012b: 15). Referentielle 4 Allerdings finden sich im ND auch solche Spracheinheiten, die vermutlich versehentlich nicht in die Referenzwörterbücher aufgenommen wurden. Im ND sind sie als nicht neu (nicht verzeichnet) gekennzeichnet, z. B. meiliauostis „ein Mittel der Volksmedizin, das das sexuelle Verlangen hervorruft oder steigert“. Im Datenbestand wird angegeben, dass diese Neubildung „ein teilweise entsprechendes Wort für die heutige Entlehnung afrodiziakas ist, das einst im Litauischen verwendet wurde, aber nicht in das große „Wörterbuch der litauischen Sprache“ aufgenommen wurde“. BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 5 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 Referentielle Neologismen, deren wichtigstes Unterscheidungsmerkmal stilistische Neutralität ist (Girčienė 2012b: 41), werden in Werken zur Wortbildung als potenzielle Bildungen (Potenzialismen) bezeichnet. Eine potenzielle Bildung ist eine für den Sprachnutzer völlig gewöhnliche, neu gebildete und den Anforderungen eines Wortbildungstyps entsprechende Bildung, die im Sprechakt jederzeit realisiert wird, sobald sie gebraucht wird (Plag 2003: 57; Paulauskienė 2006: 24; Urbutis 2009: 316; Vaskelienė 2011: 67), zum Beispiel neben den für Litauer üblichen Fleischbezeichnungen (Geflügelfleisch, Schweinefleisch, Rindfleisch) bei Bedarf gebildet buivoliena (: buivolas) „Büffelfleisch“, kengūriena (: kengūra) „Kängurufleisch“, kupranugariena (: kupranugaris) „Kamelfleisch“ usw. Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal potenzieller Bildungen besteht darin, dass ihre Neuheit oft sogar bei ihrem ersten Auftreten nicht wahrgenommen wird (Mikelionienė 2000a: 19; Urbutis 2009: 323). Sie werden aus der Notwendigkeit heraus gebildet, einen neuen Sachverhalt zu benennen (Girčienė 2012b: 12), um sogenannte „semantische Leerstellen“ zu füllen (Mikelionienė 2000b: 65), im Gegensatz zu expressiven Neologismen, mit denen „ein neuerer, expressiverer oder modischerer sprachlicher Ausdruck“ angestrebt wird (Girčienė 2005: 78). Diese stilistisch markierten oder konnotierten Textelemente (Girčienė 2012b: 41; siehe auch Lehrer 2003: 369) werden in anderen Werken auch als okkasionelle Bildungen (Okkasionalismen) bezeichnet. Eine okkasionelle Bildung (Okkasionalismus) ist eine expressive, vom Wortbildungssystem abweichende und in einem individuellen Kontext erstarrte Neubildung (Blažinskaitė 2004: 59; Rozenbergs 2004: 156; Urbutis 2009: 323–324; Jakaitienė 2010: 207; Mattiello 2016: 115); sie wird außerdem mit den Bezeichnungen autorische, individuelle, stilistische, situative, kontextuelle, einmalige und ungewöhnlich gebildete Neubildung / Neologismus sowie nicht in Wörterbüchern verzeichnete Bildung bezeichnet (Mikelionienė 2000c: 67; 2002: 74; Jakaitienė 2010: 207; Kazlauskaitė, Župerka, Macienė 2013: 92; Miliūnaitė 2014: 247), zum Beispiel werden Personen mit geringem Verstand als išplautsmegenis, -ė (: išplautas, -a + smegenys) „abwertend jemand mit abgestumpftem Denken (mit ausgewaschenem Gehirn)“, vienavingis, -ė (: vienas, -a + vingis) „abwertend jemand mit nur einer Gehirnwindung, d. h. mit primitivem Denken“, žirniassmegenis, -ė (: žirnis + smegenys) „abwertend jemand mit primitivem Denken, ungebildet, ein grober Klotz“ usw. Der Artikel untersucht somit die emotional-expressive Lexik des ND, zu der ein beträchtlicher Teil der okkasionellen Neubildungen gehört. Eine mögliche weitere Forschungsrichtung wäre zu untersuchen, wie sich die Wortbildungstendenzen okkasioneller Bildungen und referentieller Neologismen unterscheiden. BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 6 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 NEOLOGISMEN – ZEITGEBUNDENE ZEICHEN AKTUELLER EREIGNISSE Kalba – vienas iš svarbiausių tautos požymių (Gudavičius 1992: 1), nes „[k]iekvienos tautos kalba saugo įdomią istoriją apie daugelio amžių žmonių pastangas pažinti, suvokti ir pajungti sau juos supantį pasaulį“ (Kopylenko 1995: 19, cituojama iš Gudavičius 2000: 8), kitaip tariant, nuo seno vartojamuose kalbos vienetuose yra išlikęs per šimtmečius susiklostęs tautos pasaulėvaizdis ir pasaulėjauta (Gudavičius 2003: 68). Kalbos ir tautos santykis nagrinėjamas ne tik kalbininkų, bet ir kitų sričių specialistų: „Kalba daugelio kultūrologų, mitologų seniai suvokiama kaip liaudies kultūros, tautos psichologijos ir filosofijos veidrodis, dažnai ir kaip vienintelis šaltinis tautos istorijai ir jos dvasiai pažinti ir yra tiriama šiuo požiūriu“ (Tolstojus 2009: 82). Das Weltbild der Muttersprache ist vielschichtig und facettenreich, denn in der Sprache bleiben nicht nur diejenigen Elemente des Weltbildes erhalten, die für die Gesellschaft nicht mehr aktuell sind (alte Überzeugungen, Vorstellungen), sondern es entstehen auch neue Aspekte des Weltverständnisses (neue Erfahrungen, neue Erscheinungen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse) (Mackiewicz 1999a: 21; 1999: 195, zitiert nach Gudavičius 2000: 13). So entstanden beispielsweise neben den für Litauer üblichen traditionellen Bezeichnungen für Häuser (gryčia, pirkia, stuba, troba) allmählich, als sich die Lebensumstände wandelten (mit dem Niedergang der Agrarkultur und der zunehmenden Urbanisierung), in der Sprache betonmonstris (: betonas + monstras) „ein riesiges, bedrohlich wirkendes Betongebäude“, betonoidas (: betonas) „ein modernes Betongebäude, das die harmonische Umgebung beeinträchtigt“, dangoraižynas (: dangoraižis) „ein Gebiet im Zentrum einer modernen Stadt mit vielen Wolkenkratzern“, ferner das eine neue Bedeutung erhaltene stiklainis „abwertend ein modernes Glasgebäude oder ein Anbau (gewöhnlich von geringem Wert und nicht immer rechtmäßig errichtet)“ sowie žemėraižis (: žemė + raižyti) „ein tief unter der Erde liegendes Gebäude, das Gegenstück zum Wolkenkratzer“. Ähnliche Neubildungen vermitteln wertvolle Informationen nicht nur über das in der Sprache des litauischen Volkes festgehaltene Weltbild, sondern auch über das Weltgefühl der Sprache, das die emotionale Beziehung des Menschen zur Wirklichkeit zum Ausdruck bringt (Gudavičius 2000: 16). Būtent laiko aktualijas bei laikinus, situacinius dalykus (Miliūnaitė 2012a: 4) ar net visuomenės raidos lūžius (Girčienė 2012c: 19) žymi naujų žodžių srautas. Duomenyne fiksuota keliasdešimt naujadarų, kuriuos derėtų laikyti gyvenamojo meto aktualių ženklai, pvz., 2018 m. politikų teikti transporto ir švietimo, maisto srities teisinio reglamentavimo siūlymai nesulaukė visuomenės palaikymo, todėl kalboje radosi stilistiškai žymėtų, laiko aktualijas žyminčių BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 7 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 Neuschöpfungen: dyzelheitas (: dyzelis „mit Dieselmotor betriebenes Auto“ + -heitas < aus dem Englischen hate „hassen“) „scherzh. Abneigung gegen Dieselautos“5; maistnešys, -ė (: maistas + nešti) „scherzh. jemand, der Essen, das vom Gesundheitsministerium nicht empfohlen wird, mit in die Schule bringt“ (vgl. užkandnešys, -ė6). Auf die vom Gesundheitsministerium veröffentlichten Empfehlungen reagierten Geschäftsleute umgehend und boten Schülern und ihren Eltern einen Ausweg an – ein möglicher Kontaminant (Wortmischung), der zusammen mit einer neuen Realität in der Sprache aufkam (ausführlicher siehe Kabašinskaitė: 1998: 5, 63–64, 67; Urbutis 2009: 354–355; Miliūnaitė 2014: 246–264; Murmulaitytė 2018: 60–70) sveikatronas (: sveikas, -a + -tronas) „eine Snackbox für Kinder, die zum Gemüseessen anregen soll“7. Im ND gibt es zahlreiche weitere Neuschöpfungen, die Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Regierung zum Ausdruck bringen und sich auf den Litauischen Bauern- und Grünenverband sowie ihm nahestehende Personen beziehen: gandragalviai (: gandras + galva) „abwertend. die von Ramūnas Karbauskis geführte politische Kraft – der Litauische Bauern- und Grünenverband, dessen Symbol ein fliegender Storch ist“8, gandragalviškas, -a (: gandragalvis, -ė) „abwertend. für Storchköpfe typisch“, gandramintis, -ė (: gandras + mintis) „abwertend. ein Mitglied oder Sympathisant der Bauern- und Grünenpartei“9 und gandriniai (: gandras) „iron. die von Ramūnas Karbauskis geführte politische Kraft – der Litauische Bauern- und Grünenverband, dessen Symbol ein fliegender Storch ist“. Im Duomenynas sind Neuschöpfungen belegt, die aus dem Namen des Litauischen Bauern- und Grünenverbands gebildet wurden 5 Vgl. das im ND angeführte Beispiel: Dieses Phänomen, bei dem ein Teil der Autogemeinschaft ausschließlich negative Meinungen über Dieselautos äußert, hat bereits eine allgemeine Bezeichnung erhalten – dyzelheitas (engl. diesel hate – Diesel hassen/nicht mögen), lacht Vitoldas Milius, Generaldirektor des Litauischen Automobilhandelsverbands (15min.lt 2018 07 31). Übrigens sollte die Neuschöpfung dyzelheitas nicht mit dem phonetisch ähnlichen dyzelgeitu verwechselt werden (vgl. engl. dieselgate, russ. дизельгейт). Mit Dyzelheitu wird „Abneigung gegen Dieselautos“ bezeichnet, während das Lehnwort dyzelgeitas (: dyzelis + -geitas (engl. -gate < Watergate), ein Determinativkompositum, das meist einen Skandal großen Ausmaßes oder einen mit vertuschten Regierungshandlungen verbundenen Skandal bezeichnet) – „der Skandal um die Fälschung der Emissionsdaten von Dieselautos von Volkswagen“. 6 Vgl. die im ND angeführten Verwendungsbeispiele: Früher gab es Bücherschmuggler, jetzt wird es maistnešiai [Kommentar eines Schülers, der über die Liste der in der Schule nicht empfohlenen Lebensmittel informiert worden war. – Anm. d. Red.] (facebook.com 2018 09 04). 2018 begann die Ära der Snackträger. Demnach wird das 40 Jahre lang so weitergehen [Reaktion auf eine Facebook-Diskussion über die Vorgaben des Gesundheitsministeriums, welche Lebensmittel Schüler nicht mit in die Schule bringen dürfen. – Anm. d. Red.] (facebook.com 2018 08 31). 7 Vgl. das im ND angeführte Beispiel: „Aus diesem Grund führen wir bereits das dritte Jahr in Folge das Projekt gesellschaftlicher Verantwortung ‚Sodinčius‘ durch, dessen Ziel es ist, Kindern Obst und Gemüse näherzubringen und die Kleinen auf diese Weise dazu anzuregen, mehr davon zu essen. In diesem Jahr haben wir beschlossen, den Eltern zu helfen und dafür zu sorgen, dass ihre Kinder auf originellere und spielerische Weise etwas über gesunde Ernährung erfahren. Wir haben spezielle Snackboxen entwickelt – ‚Sveikatronus‘, auf denen Gemüse und Obst als Helden dargestellt sind, etwa Tomate, Brokkoli, Apfel, Karotte und Himbeere, die für die Superkräfte von Obst und Gemüse stehen. Damit die Kinder gesunde Snacks in diese Boxen legen, haben wir Gemüse, Obst und Beeren mit besonderen Namen versehen, zum Beispiel ‚morkatronas‘“, erzählt B. Čiakauskaitė (zmones.lt 2018 09 17). 8 Die Neuschöpfung wurde in Analogie zum Wort bukagalvis, -ė gebildet. 9 Die Neuschöpfung wurde in Analogie zum Wort bendramintis, -ė gebildet. BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 8 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 des Parteivorsitzenden Ramūnas Karbauskis: karbauskiada (: Karbauskis) „Geschichten über die Tätigkeit des Seimas-Abgeordneten Ramūnas Karbauskis“, karbauskininkai (: Karbauskis) „die von Ramūnas Karbauskis geführte politische Kraft – der Litauische Bauern- und Grünenverband“ und karbauskizmas (: Karbauskis) „abwertend. die Ideologie des Politikers Ramūnas Karbauskis und seiner Partei“. Die enge Zusammenarbeit der Politiker Saulius Skvernelis und Ramūnas Karbauskis bezeichnet der mögliche Kontaminant karboskvernelis (: Karbauskis + Skvernelis) „abwertend. das Duo der Politiker Saulius Skvernelis und Ramūnas Karbauskis“. Im Duomenynas fanden sich etwas weniger Neuschöpfungen, die auf Grundlage des Nachnamens des Premierministers Saulius Skvernelis gebildet wurden, z. B. skvernelininkas, -ė (: Skvernelis) „ein Anhänger des Premierministers Saulius Skvernelis“ und skvernelkė (: Skvernelis) „abwertend. die von der Regierung des Premierministers Saulius Skvernelis vorgeschlagene bedingte Geldeinheit, mit der sozial benachteiligte Menschen in kleinen Geschäften einkaufen können“ (gebildet in Analogie zum umgangssprachlichen Ausdruck vagnorkė10). In der Neologismenbildung – im Prozess der Schöpfung okkasioneller Neologismen zur Bekundung einer emotionalen Haltung gegenüber dem Vorsitzenden des Litauischen Bauern- und Grünenverbands – entstehen auch solche Bildungen, deren Basis der Name eines Ortes in Litauen ist: Naisiai, der mit Ramūnas Karbauskis in Verbindung gebracht wird: naisiada (: Naisiai) „mit der Fernsehserie ‚Naisių vasara‘ und der politischen Werbung des Bauern- und Grünenverbands in dieser Serie verbundene Ereignisse“, naisybė (: Naisiai) „iron. Bezeichnung für Eigenschaften, die negative Einstellungen oppositioneller Kräfte gegenüber allem ausdrücken, was mit Naisiai als Symbol des Bauern- und Grünenverbands verbunden ist“ (vgl. naisu, naisumas, na sus, -i), naisietija (: naisietis, -ė) „Wähler des Bauern- und Grünenverbands, dessen eines der Symbole Naisiai ist“, naisietis, -ė (: Naisiai) „1. Einwohner von Naisiai; 2. Mitglied oder Anhänger des Bauern- und Grünenverbands, dessen eines der Symbole Naisiai ist“, naisizacija (: Naisiai) „iron. Ausbreitung der in der Ortschaft Naisiai umgesetzten Ideen von Ramūnas Karbauskis“ und naisuva (: Naisiai) „Vertreter des Bauern- und Grünenverbands im Seimas, dessen eines der Symbole Naisiai ist“. Offenkundig lagern sich an die besonders aktuellen Themen im Laufe der Zeit zahlreiche Bildungen an (meist mit negativer Konnotation) (vgl. Miliūnaitė 2000: 8). Die Schöpfer stilistisch markierter Neuschöpfungen richten ihre Aufmerksamkeit auch auf die Tätigkeit des Gesundheitsministers Andrius Veryga. Besonders negativ bewertet wird die von ihm initiierte Kampagne zur Verschärfung der Alkoholkontrolle; daher wird der Nachname des Ministers als Wortbildungsbasis gewählt und es entstehen nicht nur negativ 10Vagnorkė (: Vagnorius) wurden die ersten nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit eingeführten litauischen Geldscheine genannt (vorläufige Coupons, die mit verschiedenen Tierchen illustriert waren). BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 9 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 Konnotationen, aber auch scherzhafte Bildungen, die nicht nur den Minister selbst, sondern auch die Befürworter der Kampagne zur Verschärfung der Alkoholkontrolle verspotten oder verhöhnen: Kontamination veryganas, -ė (: Veryga + Veganer) „scherzh. Neubildung für einen Abstinenzler, der die Einschränkungen des Alkoholkonsums aktiv unterstützt“, verygininkas, -ė (: Veryga) „iron. Befürworter einer Verschärfung der Alkoholkontrolle“, verygizacija (: Veryga) „iron. die vom litauischen Gesundheitsminister Aurelius Veryga angestoßene Verschärfung der Alkoholkontrolle“, verygmetis (: Veryga + Zeit) „iron. Zeitraum des Inkrafttretens des vom litauischen Gesundheitsminister Aurelius Veryga initiierten Gesetzes zur Verschärfung der Alkoholkontrolle“ und Kontamination žvergyga (: Bestie + Veryga) „iron. Neubildung, die die vom Gesundheitsminister Aurelius Veryga initiierte Kampagne zur Verschärfung der Alkoholkontrolle ironisieren soll“. Eine Folge des Verbots ist der in der Sprache entstandene Okkasionalismus puslapiakarpys, -ė (: Seite + schneiden) „scherzh. Vollstrecker des Gesetzes – jemand, der Seiten aus ausländischen Zeitschriften mit verbotener Alkoholwerbung herausschneidet“. Die „Ausbreitungstendenzen und die Bedeutung solcher politischen Neubildungen für die Sprachbenutzer zeigen nicht nur <...> die Häufigkeit ihres Gebrauchs, sondern auch ihre verzweigte Wortbildung“ (Girčienė 2013: 85) – die Tatsache, dass nicht einzelne Bildungen, sondern zahlreiche Wortbildungsnester bildende Neubildungen entstehen, belegt, dass das litauische Volk seine emotionale Haltung zu den drängenden aktuellen Fragen seiner Zeit durch einen kreativen Einsatz der Möglichkeiten der Wortbildung vielfältig und umfangreich zum Ausdruck bringt (ausführlicher siehe Pikčilingis 1971: 225; Gudavičius 2007: 83). Vorübergehende, situationsgebundene Dinge (z. B. einzelne politische Skandale u. Ä.) werden nur mit einer oder wenigen Neubildungen bezeichnet: markauskiada (: Markauskas) „iron. Skandal um das Agrarunternehmen des Landwirtschaftsministers Bronius Markauskas“, nusišalčiūtinti (: *šalčiūtintis: *šalčiūtinti: Šalčiūtė) „iron. ein Selfie im Stil von Monika Šalčiūtė, einer Persönlichkeit aus den sozialen Netzwerken und der Unterhaltungsbranche, machen“, pakildišinti (: *kildišinti: Kildišienė) „scherzh. jemanden durch die mit dem Politiker Ramūnas Karbauskis in Verbindung gebrachte ehemalige Seimas-Abgeordnete Greta Kildišienė kompromittieren“, pūkintis (: *pūkinti: Pūkas) „scherzh. Neubildung zur Beschreibung der Tätigkeit des Parlamentariers Kęstutis Pūkas, gegen den wegen sexueller Belästigung Vorwürfe erhoben wurden“ u. a. Einige weitere markante Zeichen der aktuellen Lebenswirklichkeit des Jahres 2018, die im ND festgehalten sind „als schöner Ausdruck sprachlicher Kreativität und als Beleg für die Möglichkeiten der Sprache und ihrer Schöpfer“ (Miliūnaitė 2012b: 8): Sausuva (: trocken) „von Dürre heimgesuchtes Litauen“11 (vgl. die Kontamination aus dem Jahr 2017 Vilnecija (: Vilnius 11 Vgl. das im ND angeführte Beispiel: Litauens Leid: letztes Jahr das echte Litauen, dieses Jahr schon Sausuva [Überschrift] Statt des erhofften Regens nur ein paar Tropfen. Darüber waren viele Landwirte des Landes am Abend sehr enttäuscht; ihnen fehlte bereits sogar Heu für das Vieh. Auch in den Wäldern ist die Lage nicht viel besser, deshalb müssen die Dzūken vorerst ohne Einkommen auskommen. BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 10 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 + Venedig) „scherzh. Vilnius, das nach einem sommerlichen Wolkenbruch und überfluteten Straßen Venedig ähnelte“), die Kontamination Šiukšlinìškės (: vermüllt + Viršuliškės) „abwert. vermüllter Wohnbezirk (gemeint ist Viršuliškės in Vilnius)“12, die in jenem Jahr aktuell gewordene Neubildung vaikmušys, -ė (: Kind + schlagen) „abwert. jemand, der seine Kinder schlägt“. Die weltweit entstandene #metoo-Bewegung bereicherte den neuen Wortschatz des Litauischen um die Neubildungen mytiūtis, -ė (: mytiu13 < engl. metoo) „Opfer sexueller Belästigung, das diesen Umstand mit dem Hashtag #metoo öffentlich gemacht und damit Solidarität mit anderen Betroffenen bekundet hat“, mytukė (: mytiu) und mytušnìkė (vgl. russ. мутушница, мутушник). Die Meinungsverschiedenheiten im Jahr 2017 über das Denkmal auf dem Lukiškių-Platz in Vilnius14 veranlassten die Gesellschaft, die Bildungen vytininkas, -ė (: vytis) „Befürworter des Denkmals auf dem Lukiškių-Platz in Vilnius – einer Statue des Vytis“ und bunkerininkas, -ė (: Bunker) „Befürworter des Denkmals auf dem Lukiškių-Platz in Vilnius, das an einen Partisanenbunker erinnert“15 zu bilden. 2016 verbreitete sich nicht nur in Litauen, sondern auch in vielen Ländern der Welt eine politische Lehnprägung – trampokalipsė (engl. trumpocalypse < Trump (Nachname des neuen US-Präsidenten Donald Trump) + apocalypse) „die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten, die einer Apokalypse – dem bevorstehenden Weltuntergang – gleichgesetzt wurde“. Im selben Jahr wurde ins ND (als ein Phänomen aufgenommen, das in der litauischen Gesellschaft große Unzufriedenheit hervorrief) kalafiorgeitas (: Blumenkohl „Blumenkohl“ + -gate Im als Regenland bekannten Litauen wurde im vergangenen Jahr wegen der heftigen Regenfälle der Notstand ausgerufen, dieses Jahr ist es genau umgekehrt (lrytas.lt 2018 06 12). 12 Vgl. das im ND verzeichnete Beispiel: Wegen der Müllberge nennen die Bewohner von Viršuliškės in Vilnius den Stadtteil bereits Šiukšlininkėmis [Überschrift] „Sie kommen mit Autos und kippen es aus, tragen es aus allen Häusern und werfen es weg. Das Bewusstsein der Menschen kann man nicht ändern, aber als die Container noch nicht an der Straße standen, gab es solchen Unsinn nicht. Jetzt ist es nicht Viršuliškės, sondern Šiukšlininkės – so könnte man es nennen. Sogar sieben- bis achtjährige Kinder empören sich schon darüber, warum niemand den Müll abholt“, sagte die Frau (15min.lt 2018 11 05). 13 Ich lach mich schlapp. Sie kämpft gegen sexuelle Belästigung:-) Schaut euch doch die Fresse dieser mytiu-Gründerin an. Oder auch die da. Also, normale Männer halten Abstand. Na, hässlich. Sexuell unattraktiv. Pervers. Die würden sich freuen, wenn sie jemand belästigen würde:-D [Sprache nicht korrigiert – Anm. d. Red.] (tv3.lt [elektronische Kommunikation] 2018 05 13). 14 Übrigens lässt sich anhand der Angaben im Werk des Historikers Gediminas Kulikauskas Der litauische Code. Gewohnheiten und Wesensart der Litauer vor 100 Jahren vermuten, dass die Spaltung der litauischen Gesellschaft wegen Uneinigkeit über ein Denkmal oder Bauwerk nichts Ungewöhnliches ist; schon in der Zwischenkriegszeit (um 1931) zerfiel die Gesellschaft in Kaunas in zwei Lager „wegen eines Relikts der zaristischen Besatzungsmacht mitten im Herzen der Stadt – der Peter-und-Paul-Kathedrale. Für die einen genügte es, das Bauwerk in St.-Michael-Erzengel-Kirche umzubenennen und dem Kommando der Militärgarnison Kaunas zu unterstellen. Andere wollten es dem Erdboden gleichmachen“ (Kulikauskas 2018: 399; ausführlicher siehe 2018: 400–414; vgl. die jüngsten Auseinandersetzungen um die Skulpturen der Grünen Brücke). 15 Vgl. das Beispiel im ND: Den hundertsten Jahrestag des Staates feiern wir mit „Vytis-“ und „Bunker“-Anhängern? [Überschrift] Wenn wir jeden Streit über Geschmacksfragen zu weltanschaulichen Kriegen machen, kann es gut sein, dass wir den hundertsten Jahrestag des litauischen Staates mit Krawallen zwischen „Vytis-“ und „Bunker“-Anhängern auf dem Lukiškių-Platz, einem stillen Striptease am Gediminas-Berg und einer gesellschaftlichen Polarisierung feiern, wie es sie seit dem Putsch von 1926 nicht mehr gegeben hat (delfi.lt 2017 12 02; Romas Sadauskas-Kvietkevičius). BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 11 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 (engl. -gate < Watergate) „scherzh. Skandal, den Menschen in Litauen wegen der stark gestiegenen Preise auslösten; er begann mit dem Unmut eines Bürgers über den Preis eines Blumenkohls (pro Kopf – 3,49 Eur)“ und kalafobija (: kalafioras „Blumenkohl“ + fobija (griech. phobos) „Angst“) „scherzh. Angst davor, wegen der gestiegenen Preise Blumenkohl zu kaufen“. 2015 wurde die mangelnde Bereitschaft von Männern, zum Militär zu gehen, negativ beurteilt; daher entstand das ironische Kontaminat verktinis, -ė (: verkti + šauktinis) aus dem gesellschaftlichen Sprachgebrauch des Militärwesens: „iron. jemand, der wegen der Wehrpflichtarmee jammert und sich ihr entziehen will oder dies parodiert; jemand, der sich über etwas grundlos beklagt“. 2014 rückte in Litauen das Phänomen des Krieges, genauer gesagt der aggressiven Politik, in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit; es gelangte als Lehnwort okupendumas ins Litauische (russ. окупендум < okupuoti + referendumas): „das am 16.03.2014 unter den Bedingungen der Besatzung (eines nichtkonventionellen Krieges) abgehaltene Referendum auf der Krim über die Abspaltung von der Ukraine“. 2013 verzeichnete das Datenbankwerk lediglich ein einziges Zeichen für Zeitgeschehen – die Einzelneubildung varškianėšys, -ė (: varškė + nėšti): „scherzh. Schmuggler, der während der im Oktober 2013 von Russland begonnenen Blockade litauischer Milchprodukte Quark über den Nemunas in das Gebiet Kaliningrad (Königsberg) schmuggelt“ (analog zu knygnešiu gebildet). Den Daten des ND für 2012 zufolge kam es in jenem Jahr zu Skandalen um angebliche Pädophilie und die Bank „Snoras“. Dass es einen Pädophilie-Skandal gegeben hatte, zeigen die in das Datenbankwerk aufgenommenen Neubildungen wie das Kontaminat kedofilas, -ė (: Kedys + pedofilas): „abwertend. Anhänger von Drąsius Kedys, der gegen Pädophilie kämpfte und unter ungeklärten Umständen ums Leben kam“, kedofilija (: Kedys + pedofilija): „Unterstützung des Zusammenschlusses der Anhänger von Drąsius Kedys (Kedophile)“16, kedofilinis, -ė (: kedofilas, -ė): „mit Kedophilie und Kedophilen verbunden“ und kedofilizacija (: *kedofilizuoti): „Ausbreitung der Kedophilie“. In jenem Jahr entstanden nach der Auflösung der Bank „Snoras“ im Litauischen verschiedene Bildungen mit negativer Konnotation, z. B. apsisnorinti (: *apsnorinti: *snorinti: Snoras): „iron. sich blamieren, wenn man über die Verstaatlichung der Bank „Snoras“ berät“, nusnorinti (: *snorinti: Snoras): „iron. die Bank „Snoras“ liquidieren“, snoriada (: Snoras): „iron. die Geschichte der 2011 verstaatlichten Bank „Snoras“ und alles, was damit zusammenhängt“ und sogar die Verkleinerungsbildung snoriukas (: Snoras): „ein Selbstbedienungskiosk der ehemaligen (Ende 2011 verstaatlichten) Bank „Snoras“ auf der Straße“. Dass die Neubildung 16 Wahrheit, hier lässt sich auch eine Suffigierung erkennen. Die Neubildung kedofilija (: kedofilas, -ė) könnte als Ableitung mit dem Suffix -ija gelten. BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 12 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 snoriukas und die anderen in der Datenbank erfassten Bildungen tatsächlich als Zeichen des Zeitgeschehens gelten können, belegt eine von den Verfassern des Datenbankwerks zum Diminutiv angefügte Anmerkung: snoriukas sei „ein umgangssprachliches Wort, das wohl nach einiger Zeit in Vergessenheit geraten wird“17. Solche Okkasionalismen sind „Dinge für ein paar Saisons“: „Man greift sie als aktuelle Erscheinungen auf, doch mit der Zeit verschwinden sie aus dem aktiven Sprachgebrauch“ (Miliūnaitė 2006: 159). Es besteht kein Zweifel, dass Ereignisse des Zeitgeschehens mit der Zeit in Vergessenheit geraten und die sie bezeichnenden Neubildungen ohne zusätzliche Erläuterung schwer verständlich sind. Diese Aussage wird durch die 2011 in den Internetmedien entstandene Bildung varškėfobija (: varškė + fobija) belegt: „scherzh. so bezeichnete gesellschaftliche Bewegung, die als ironischer Protest gegen die Medien entstand, nachdem diese die Tatsache zur Sensation aufgebauscht hatten, dass ein Sicherheitsmitarbeiter Zita Čepaitė mit einem Becher körnigen Quarks nicht in das Konzert der Band „Antis“ im Innenhof des Lehrerhauses gelassen hatte“. Natürlich ist die Bedeutung der Wortbildung („Angst vor Quark“) leicht zu erschließen, denn Neubildungen entstehen aus vorhandenem Sprachmaterial und haben daher eine Grundlage in der Sprache und sind motiviert – indem wir einen neuen Gegenstand, Sachverhalt oder ein neues Phänomen benennen, sagen wir zugleich, warum wir ihn so benannt haben, und heben dabei eine oder andere Eigenschaft oder einen Aspekt des benannten Objekts hervor (Gudavičius 2000: 101; ausführlicher siehe Urbutis 2009: 69–72). Das im Datenbankwerk enthaltene Material ist unter ethnolinguistischen und wortbildungsbezogenen Gesichtspunkten untersuchenswert. Das im ND zusammengetragene Material zeigt, dass Sprachbenutzer auf aktuelle Ereignisse reagieren und imstande sind, die unterschiedlichsten stilistisch markierten Neubildungen zu schaffen. Offensichtlich ist der Wortschatz ein Spiegel der Gesellschaft, und „jede Entwicklungsphase der Sprache spiegelt eine entsprechende Phase im Leben des Volkes wider“ (Gudavičius 1992: 5; siehe auch Wohlgemuth 2009: 258). ANALYSE DER BILDUNG EMOTIONAL-EXPRESSIVER LEXIK IM DATENBESTAND Die Analyse der Bildung emotional-expressiver Lexik im ND ergab, dass die wichtigsten Wortbildungsarten stilistisch markierter Neubildungen die Suffigierung (45,7%), die Zusammensetzung (31,7%) und die nichtmorphematische Wortbildungsart der Kontamination (Verschmelzung) (12,7%) sind (mehr zur Kontamination siehe Murmulaitytė 2018: 61). Bei der letztgenannten Wortbildungsart entstehen Neubildungen durch die Verschmelzung nichtmorphematischer Teile vorhandener Wörter; in der litauischen Sprachwissenschaft gilt eine solche „Verschmelzung“ jedoch nicht als 17 Einige Neubildungen, die aktuelle Gegebenheiten ihrer Entstehungszeit bezeichnen und im ND verzeichnet sind, werden seit 2017 in die Listen für die Wahl des Wortes und des Ausdrucks des Jahres aufgenommen. BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 13 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 tradiciškai suprantamos žodžių darybos proceso dalimi“ (Miliūnaitė 2014: 249; dar žr. Murmulaitytė 2018: 61) – „[ž]odžių darbai terupi dariniai, o ne fonetiniai ar kitokie perdirbiniai, vienų teksto žodžių keitimas kitais, kontaminacijos padariniai ir panašūs dalykai“ (Urbutis 2009: 324). Menko produktyvumo yra priešdėlinė daryba (5,6 proc.), mišrusis darybos būdas (2,4 proc.) ir galūninė daryba (1,9 proc.) (žr. 2 pav.). ABB. 2 Verteilung der emotional-expressiven Lexik im Datenbestand nach Wortbildungsarten Das häufigste Mittel der produktivsten Wortbildungsart, der Suffigierung, ist das Suffix zur Bezeichnung von Trägern einer nominalen Eigenschaft -(i)ukas, -ė, das 6,8% aller Suffixbildungen ausmacht18, z. B. karštukė (: karštas, -a) „vertraulich attraktive, sexuell anziehende Frau“, mylimukas, -ė (: mylimas, -a) „vertraulich, Verkleinerungsform eine Person oder Sache, an der man sehr hängt und die man sehr gernhat oder liebt (insbesondere in Bezug auf Kinder)“, neigaliukas (: neįgalus, -i) „vertraulich behindert“ 18 Eines der häufigeren Suffixe einer anderen Wortart ist -inis, -ė, das zur Bildung von unterscheidenden (Art-)Adjektiven dient (4,5%), z. B. koloradinis, -ė (: koloradas) „abwertend mit den Georgs-Bändern und ihren Trägern verbunden“, čikenfektorinis, -ė (: čikenfektorius) „ironisch mit einem čikenfektorius verbunden, d. h. einem Unternehmen, in dem Hühnerprodukte verarbeitet werden; in übertragener Bedeutung ironisch: grobschlächtig“ usw. BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 14 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 Mensch“ usw. Die Bildung der Neubildung beglobiukas, -ė (: beglobis, -ė) „vertraulich herrenloses Tier“ lässt sich je nachdem, was als Wortbildungsbasis angesehen wird, auf zweierlei Weise interpretieren: als Substantiv beglobis, -ė (dann gehört die Bildung zur Kategorie der Diminutive [Verkleinerungsformen von Substantiven]) oder als Adjektiv (dann gehört sie zur Kategorie der Bezeichnungen für Träger einer nominalen Eigenschaft). Nur halb so viele Ableitungen mit dem Suffix –(i)ukas, –ė, die zu den Bezeichnungen von Handelnden und Trägern einer verbalen Eigenschaft gehören, wurden gefunden (3,6%), z. B. nemiegiukas, -ė (: nemiegoti) „vertraulich Kleinkind, dem das Einschlafen schwerfällt (insbesondere beim Mittagsschlaf)“, nugirstukas (: nugirsti) „scherzhaft ein aufgeschnappter Gesprächsfetzen“ usw. Im Datenbestand sind nur vereinzelt Diminutive, also Ableitungen mit dem Verkleinerungssuffix –(i)ukas,-ė, verzeichnet (2,7%): pabaisiukas (: pabaisa) „Verkleinerungsform kleines Monster“ (zur Verwendung von Diminutiven in der Kinder- und Kindersprache siehe Savickienė 2006: 260; Kamandulytė 2006: 269; zu den produktivsten Suffixen in der Kindersprache siehe Dabašinskienė 2010: 44), das atypisch gebildete nėštukė (: nėščia) „1. vertraulich werdende Mutter, Schwangere“, dessen Wortbildungsbasis ein Adjektiv ist, usw. Wahrscheinlich ist der Neubildung snoriukas (: Snoras) „Verkleinerungsform die Selbstbedienungskioske der früheren (Ende 2011 verstaatlichten) Bank „Snoras“ auf der Straße“ die spezielle Bedeutung eines Diminutivs zuzuordnen. Neubildungen werden auch gern mit dem Suffix –izmas gebildet, das zur Wortbildungskategorie der Bezeichnungen von Eigenschaften (nominalen Abstrakta) gehört (6,8%), z. B. priekvailizmas (: priekvailis, -ė) „ironisch von den Priekvailiai propagierte Ideologie“, runkelizmas (: runkelis) „abwertend die von Dunkelheit und Pessimismus geprägte Lebensweise von Menschen, die als runkeliai bezeichnet werden“; vgl. die atypische Gelegenheitsbildung nusispjovizmas (: nusispjovė) „ironisch die absichtliche und systematische Missachtung von etwas“, deren Wortbildungsbasis ein präfigiertes reflexives Verb ist. Gesondert zu behandeln ist die Bildung mit dem Suffix –iena (6,4%), das bedingt den Bezeichnungen von Fleisch zugeordnet wird. Zu diesem Wortbildungstyp gehören zahlreiche Neubildungen, die nicht das Fleisch eines Tieres oder Vogels bezeichnen, sondern eine Fülle oder Gesamtheit (Rohmaterial) einer Sache, eines Gegenstands oder eines Phänomens – als Wortbildungsbasis dient dabei die Bezeichnung eines Teils, z. B. dokumentiena (: dokumentas) „abwertend Entwürfe (Rohmaterial) von Dokumenten zweifelhaften Werts“, internetiena (: internetas) „abwertend im Internet vorhandene Informationen (Rohmaterial für Informationen)“, laikraštiena (: laikraštis) „abwertend minderwertige, oft boulevardartige Printmedien“, skaitaliena (: skaitalas) „abwertend Schund, minderwertige Literatur“, televizijiena (: televizija) „abwertend minderwertige Fernsehproduktion“, das atypisch gebildete verteliena (: vertalas?) „abwertend minderwertige Übersetzung, Rohmaterial für den Text einer echten Übersetzung“, žodiena (: žodis) „ironisch BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 15 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 Fülle leerer Wörter“ (vgl. žodeliena19 (siehe auch Mikelionienė 2002: 75–76). Im Textkorpus der litauischen Gegenwartssprache (im Folgenden: DLKT) sind noch zwei diesem Untergruppe zuzuordnende Neubildungen belegt, nämlich bulvariena (: bulvarinis, -ė)20 und žurnalistiena (: žurnalistas)21. Obwohl Bildungen mit dem Suffix –iena auch der Bildungskategorie für Bezeichnungen von Trägern einer nominalen Eigenschaft zugeordnet werden können (vgl. naujiena, seniena, žaliena; mėnesiena; ausführlicher siehe DLKG 2006: 121), ist dennoch anzunehmen, dass diese abwertenden, ironischen Bildungen gerade an Bezeichnungen für Fleisch angelehnt sind – mit ihnen wird üblicherweise unbearbeitetes, ungeordnetes Material von jemandem bezeichnet. Anhand des im DLKT gefundenen Beispiels žurnalistienos und des im ND belegten Beispiels laikraštienos22 lässt sich erkennen, dass von den genannten Bildungen mit dem Suffix –iena die Neubildung laikraštiena zuerst im Gebrauch auftrat; vermutlich wurden ähnliche Bildungen analog zu ihr geschaffen. Unter Berücksichtigung der im ND gesammelten Beispiele lässt sich vermuten, dass sich möglicherweise ein neuer Wortbildungstyp mit dem Suffix –iena herausbildet. Natürlich lassen sich auf der Grundlage des Materials des Datenbestands allein keine verallgemeinernden Schlussfolgerungen ziehen; daher muss diese Vermutung überprüft werden, indem umfangreicheres Material als das des ND gesammelt und eingehend untersucht wird. Ein einigermaßen produktiveres Suffix der expressiv-emotionalen Lexik ist –ystė aus der Bildungskategorie für Bezeichnungen von Eigenschaften (Abstrakta von Nomina) (4,5%), z. B. pelnagaudystė (: pelnagaudys, -ė) „abwert. Gewinnstreben“, šūdmaly stė (: šūdmala) „salopp. Unsinn machen, faseln“, žemgro bystė (: žemgrobys, -ė) „abwert. illegale Aneignung von Eigentumsrechten an Land“ u. a. Laut der Verfasserin des ND, Rita Miliūnaitė, zeigt „die im Datenbestand zusammengestellte Fülle neuer Lexik, dass die litauische Sprache mehr Lebenskraft in sich birgt, als wir anzunehmen geneigt sind“ (siehe http://naujazodziai.lk i.lt/?Apie_duomenyną). Beispiele für Neubildungen durch Suffigierung zeigen, dass die Gesellschaft „die Möglichkeiten der Sprache spürt und sie zu nutzen weiß“ (Miliūnaitė 2012b: 7) – bei der Bildung stilistisch markierter Formen kommen die verschiedensten Suffixe zum Einsatz, z. B. pilstukininkas, -ė 19 Vgl. „An diesen Wortbildungstyp schließen sich auch einige Neubildungen an, die als wissenschaftliche Fachbegriffe dienen und die Substanz eines Körpers („Fleisch“) bezeichnen, z. B.: grybiena, mediena, uoliena“ (DLKG 2006: 141). Die Neubildungen verteliena, žodeliena könnten analog zu ähnlich gebildeten Wörtern geschaffen worden sein, z. B.: dvėseliena, ląsteliena u. a. 20 „<...> und auch der Presse, die sich selbst für seriös hält. Reine "bulvariena" würde einen Menschen vielleicht nicht einmal so verletzen, <...>“ („Kauno diena“ 2001). 21 „<...> denn noch immer ernähren sich viele Menschen von "laikraštiena", "žurnalistiena"; auf dem Buchmarkt herrschten kommerzielle Publikationen vor“ („Santara“ 1997). 22 „Danach wurde unsere Gesellschaft mehrere Jahre lang mit laikraštiena mit Gift gefüttert“ („Lietuvos aidas“ 1990 08 16; Jonas Juškaitis); Zu Beginn, verehrter Professor, sollten wir vielleicht vereinbaren, dass wir nicht über Publikationen oder Sendungen für Fachleute, die wissenschaftliche, künstlerische oder kulturelle Elite sprechen, sondern über jene laikraštiena, žurnalienė und šouvienė, die dem Massenleser täglich vorgesetzt werden („Žurnalistų žinios“ 1999 03 31; Domas Šniukas). BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrine kalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 16 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 (: pilstukas) „abwert. jemand, der pilstuką verkauft oder trinkt“ (2,7%), žvaigždūnas (: žvaigždė) „iron. Männer – Prominente, Berühmtheiten (gewöhnlich aus der Unterhaltungsbranche)“ (2,3%), mėšlainis (: mėšlas) „abwert. schnelles, ungesundes Essen vom Typ Hamburger“ (1,8%), stambutė (: stambus, -i) „liebevoll fülliges, kräftig gebautes Mädchen oder eine Frau“ (vgl. pilnutė) (1,8%), kalbišius (: kalba) „abwert. ein unzulänglicher Linguist, der danebenliegt“ (vgl. kalbišiūtė) (1,4%), engykla (: engė) „abwert. ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter ausbeutet“ (1,4%), apsisnukiuotojas (: apsisnukiuoti) „iron. Teilnehmer einer Prügelei, bei der man sich ins Gesicht schlägt“ (1,4%), trolija (: trolis, -ė) „iron. Trollgemeinschaft“ (0,9%), sveikatinė (: sveikata) „scherzh. Ort, an dem Mittel zur Gesundheitsförderung und Schönheitspflege verkauft werden“ (0,9%), runkelynas (: runkelis) „abwert. Ort, an dem sich viele Menschen versammelt haben, die spöttisch als Rüben bezeichnet werden“ (0,9%), baisuoklis, -ė (: baisus, -i) „iron., scherzh. jemand, der schrecklich ist, schrecklich aussieht, sich schrecklich verhält o. Ä.“ (0,9%), girtuomenė (: girtas, -a) „iron. der alkoholsüchtige Teil der Gesellschaft“ (0,9%), konservatorienė (: konservatorius, -ė) „scherzh. Ehefrau eines einflussreichen konservativen Politikers“ (0,5%), davatkinas (: davatka) „abwert. ein Mann, der eine davatka ist“ (0,5%), švaistytuvės (: švaistyti) „iron. Tradition, (öffentliche) Gelder zu verschwenden“ (0,5%), spuoguotis (: spuogas) „abwert. jemand, der voller Pickel ist“ (0,5%), darnuva (: darnus, -i) „iron. Gesamtheit alles dessen, was harmonisch ist“ (0,5%) und viele weitere. Auf Grundlage der ND-Daten lässt sich erkennen, dass die zweithäufigste Wortbildungsmethode die Zusammensetzung ist (31,7%). Die Produktivität von Komposita wird nicht nur durch das Material des Datenbestands belegt. Über eine solche „relative Zunahme von Komposita (im Vergleich zu Suffigierungs- und Endungsableitungen)“ (Gaivenis 1980: 31) wurde bereits früher geschrieben. Im ND überwiegen stilistisch markierte Komposita aus zwei Substantiven (43,4%), z. B. blusturgis (: blusa + turgus) „abwert. ein Markt, auf dem gebrauchte Gegenstände oder Handarbeiten verkauft werden“, kiauliagyvis (: kiaulė + gyvis) „abwert. ein auf unnatürliche (beschleunigte) Weise aufgezogenes Schwein“, špygsubinė (: špyga + subinė) „vulg. eine Frau mit sehr kleinem Hintern“, zombadėžė (: zombis + dėžė) „iron. ein Fernseher (Fernsehen), der Menschen verdummt“23 u. a. Besonders produktiv sind Komposita aus zwei Substantiven (meist mit negativer Konnotation), deren zweiter Bestandteil –žmogis lautet, z. B. europažmogis (: Europa + žmogus) „iron. Bewohner der Europäischen Union, die auf föderalen Beziehungen beruht, ohne Staat und Nation“, galvažmogis (: galva + žmogus) „iron. ein Mensch mit einem von Informationen überfüllten Kopf“, kėdžmogis (: kėdė + žmogus) „scherzh. jemand 23 In den Anmerkungen des ND wird darauf hingewiesen, dass „das Wort meist im Zusammenhang mit dem russischen Propagandafernsehen verwendet wird“. BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 17 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 „eine sitzende Tätigkeit ausübt“, miniažmogis (: minia + žmogus) „abwert. ein Mensch aus der Menge, der sich durch eine sorglose Lebenseinstellung auszeichnet“, projektžmogis (: projektas + žmogus) „iron. eine Person, die von Projekten lebt“, rinkażmogis (: rinka + žmogus) „iron. ein Mensch, der nach den Gesetzen des freien Marktes lebt“, sovietžmogis (: sovietai + žmogus) „abwert. ein Mensch, der der sowjetischen Ideologie gedient hat“, šiukšliążmogis (: šiukšlės + žmogus) „1. abwert. ein Mensch, der Müll liegen lässt“, tolerantžmogis (: tolerancija + žmogus) „iron. ein von der Ideologie des Liberalismus geprägter Mensch, der Toleranz über andere Werte stellt“ und valdžiažmogis, -ė (: valdžia + žmogus) „abwert., iron. ein selbstsüchtiger Mensch in einer Machtposition; ein Bürokrat“ (vgl. Zusammensetzungen aus Adjektiv und Substantiv: naujažmogis (: naujas, -a + žmogus) „iron. ein Mensch neuen Typs“, šlykštažmogis (: šlykštus, -i + žmogus) „abwert. ein Mensch, der widerlich und abstoßend aussieht und/oder sich so verhält“). Gesondert zu erwähnen ist auch das stilistisch markierte Erstglied valdžia- in Zusammensetzungen, z. B. valdžiadurnis, -ė (: valdžia + durnius) „scherzh. ein in einer Machtposition befindlicher Dummkopf“, valdžiagalvis (: valdžia + galva) „abwert. in einer Machtposition befindlich; Bürokrat“, valdžiagyvis (: valdžia + gyvis) „abwert. abfällige Bezeichnung für einen Machtvertreter“, valdžiატvarka (: valdžia + tvarka) „iron. das Gegenteil von Selbstregulierung, d. h. die Ermächtigung staatlicher Institutionen, einen Bereich des gesellschaftlichen Lebens (zum Beispiel die Medien) zu regulieren“, valdžiasnukis (: valdžia + snukis) „abwert. abfällige Bezeichnung für einen Vertreter der Macht“, valdžiaұvyris (: valdžia + vyras) „iron. ein Mensch in einer Machtposition“ (vgl. Zusammensetzungen aus Substantiv und Verb: valdžiაგrobis (: valdžia + grobti) „iron. jemand, der die Macht an sich gerissen hat“ und valdžiasiekys, -ė (: valdžia + siekti) „scherzh. jemand, der nach Macht strebt (für den Seimas oder eine kommunale Selbstverwaltung kandidiert)“). Im Datenbestand gibt es etwas weniger stilistisch markierte Zusammensetzungen aus Substantiv und Verb (32,2 Prozent) – dabei handelt es sich „vorwiegend um Personenbezeichnungen, deren zweites Glied angibt, welche Arbeit diese Personen verrichten oder welche Handlung sie sonst ausführen, während das erste Glied bezeichnet, worauf die Handlung gerichtet ist, was als Objekt der Arbeit bzw. Handlung fungiert“ (DLKG 2006: 162), z. B. spiritonėšis, -ė (: spiritas + nešti) „scherzh. Spiritusschmuggler“, tautadrebys, -ė (: tauta + drebėti) „abwert. jemand, der um das Schicksal des Volkes zittert“, variavagis, -ė (: varis + vogti / vagis) „abwert. Kupferdieb, Dieb von Nichteisenmetallen“, žinialaižys, -ė (: žinios + laižyti) „iron. jemand, der im Internet maßlos Nachrichten sammelt“ usw. Belegt ist eine Zusammensetzung seimasedis, -ė (: Seimas + sėdėti) „scherzh. jemand, der im Seimas sitzt (d. h. ein Seimas-Mitglied)“, deren erstes Glied nicht das Objekt der Handlung, sondern ihren Ort bezeichnet (DLKG 2006: 162). Vereinzelt kommen Bezeichnungen für Geräte oder Autos vor: galvaplovė (: galva + plauti) „1. iron. in Friseursalons verwendetes Haarwaschbecken“, pupyтvežis (: pupytė + vežti) „scherzh. ein Auto, das sich eignet, Mädchen BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 18 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 (pupy­tės) herumzufahren“ usw. Unter den wenigen anderen Bildungen aus Substantiv und Verb lassen sich Neubildungen nennen, deren Bedeutung an Verbabstrakta erinnert (DLKG 2006: 162), z. B. žinialaiža (: žinios + laižyti) „iron. maßloses Sammeln von Nachrichten im Internet“ usw. Im Datenbestand gibt es zahlreiche Bildungen aus Substantiv und Verb (Bezeichnungen für Medien mit negativer Konnotation), deren zweites Glied skleisti (-skleidė)24 „verbreiten (-Verbreiter)“ lautet: brukalosklaida (: brukalas + skleisti) „abwert. ein Medium, das Schund (Müll) verbreitet“, galias klaidagalias klaida AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 19 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 + Kalėdos) „iron. Weihnachten, das auf zweierlei Weise gefeiert wird – von der Macht und vom Volk“; 3) eine Verbform (Partizip Passiv der Vergangenheit) und ein Substantiv, z. B. apverstsmegenis, -ė (: apverstas, -a / apversti + smegenys) „iron. jemand mit umgedrehtem Gehirn, d. h. jemand, der verkehrt herum denkt“; 4) ein Verb und ein Substantiv, z. B. spoksadėžė (: spoksoti + dėžė) „scherzh. Fernseher“, šikpopieris (: šikti + popierius) „fam. Toilettenpapier“, šnyps­tavynis (: šnypšti + vynas) „abwert. billiger, kohlensäurehaltiger Schaumwein“; 5) ein Adverb und ein Substantiv, z. B. šiandienžmogis (: šiandien + žmogus) „iron. ein Mensch, dessen Erinnerung nur bis zum heutigen Tag reicht und der keine Vergangenheit hat“; 6) ein Pronomen und ein Substantiv, z. B. kitovalda (: kitas, -a + valda / valdyti) „iron. das Gegenteil kommunaler Selbstverwaltung, wenn eine Gemeinschaft nicht von ihr selbst, sondern von einer auf ihre eigenen Interessen bedachten Macht regiert wird“; 7) ein Adjektiv/Adverb und ein Verb, z. B. sengyvena (: senas, -a / seniai + gyventi) „abwert. ein Mensch, der so leben möchte, wie man früher lebte“; ilgasedis, -ė (: ilgai + sėdėti) „iron. jemand, der (in einem Amt) lange sitzen geblieben ist“. Es zeigt sich, dass bei der Zusammensetzung Glieder aus verschiedenen Wortarten herangezogen werden. Eine weitere produktive Methode zur Bildung emotional-expressiver Lexik (neben der erwähnten Suffigierung und Zusammensetzung) ist die Kontamination (Wortkreuzung) (12,7 Prozent). Dabei handelt es sich nicht um einen grammatischen (morphologischen) Prozess; seine Ergebnisse (Kontaminationsbildungen oder Mischwörter) sind morphologisch nicht segmentierbare (nicht motivierte) Wörter (Urbutis 2009: 355). Zwar ist die Kontamination (engl. blending – ein Wortbildungsprozess; Kontamination, blend – das Wortbildungsergebnis, die Kontaminationsbildung) (Miliūnaitė 2014: 250) eine nichtmorphemische Art der Wortbildung, doch lässt sich annehmen, dass die bewusste Verschmelzung zweier Wörter (das Zusammenfügen ihrer Fragmente zu einer Neubildung) (Urbutis 2009: 354–355) sich allmählich im Litauischen verbreitet²⁶. Die wortbildungsbezogene Analyse der emotional-expressiven Lexik im ND zeigt, dass auch vor unkonventioneller Wortbildung nicht zurückgeschreckt wird und im ND immer wieder neue derartige Bildungen (Kontaminationsbildungen) entstehen, z. B. biurozauras (: biuras + dinozauras) „iron. eine Person, die seit mehreren Jahrzehnten eine Institution (gewöhnlich eine staatliche) leitet“, kiaulega (: kiaulė + kolega) „scherzh. ein sich wie ein Schwein benehmender Kollege“, klerk­vabalis (: klerkas + karkvabalis) „abwert. abfällige Bezeichnung für einen Beamten“, melagienos (: melagingas, -a / melagis, -ė + naujiena) „abwert. falsche, irreführende Nachricht“, seimonautas, -ė (: seimas + kosmonautas) „iron. ein langjähriges Seimas-Mitglied, das den Bezug zur Wirklichkeit verloren hat und keine Ahnung hat, wie 26 Seit 2014 hat sich die Zahl der Kontaminationsbildungen im ND etwa um das 2,3-Fache erhöht; ihr prozentualer Anteil am Datenbestand ist jedoch nur geringfügig gestiegen, nämlich von 3 auf 4 Prozent (Murmulaitytė 2018: 62). BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 20 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 Litauen lebt tatsächlich nach den vom Seimas verabschiedeten Gesetzen“, vėminutyvas (: vėmė + deminutyvas) „niek. ein Diminutiv, das zum Erbrechen bringt“ und viele weitere. Stilistisch markierte Neubildungen mit Präfixen werden seltener gebildet (4%), z. B. aptamsa (: tamsa) „iron. Gegenteil von Beleuchtung“ (die Neubildung wurde analog zum Wort apšvieta27 gebildet), supermamytė (: mamytė) „iron. eine Mutter, die sich übermäßig um ihre Kinder kümmert und besonders stolz darauf ist“, nukalbinti (: kalbinti) „juok. jemanden durch langes Befragen bis zum Äußersten ausfragen“, surunkelėti (: runkelėti) „menk. zur Rübe werden“; außerdem die gemischte Wortbildung (2,4%), z. B. galv apjūtė (: galva + pjauti + –tė) „juok. die massenhafte Entlassung langjährige Führungspositionen bekleidender Beamter, um Erneuerung und Transparenz zu erreichen“, valdži apjūtė (: valdžia + pjauti + –tė) „juok. eine Entlassungswelle unter langjährigen Leitern staatlicher Unternehmen“28, trešnėdra (: trešnės + ėsti (ėda) + –ra) „Scherz. Kirschsüchtiger“ (die Neubildung wurde analog zum Wort žmogėdra29 gebildet) u. a. Auch die Suffigierung ist nicht besonders produktiv (1,9%). Der größte Teil der wenigen Ableitungen besteht aus Bezeichnungen nach dem Geschlechtsunterschied (Ableitungen mit der Endung -ė): šviesulė (: šviesulys) „iron. bekannte (meist aus der Unterhaltungsbranche stammende) Frau“, tėvė (: tėvas) „iron. gemäß der Genderismus-Ideologie eines der Familienmitglieder, die ein Kind aufziehen (unabhängig vom Geschlecht)“, zombė (: zombis) „niek. übertragen: ein beinahe totes weibliches Wesen“; mūzas (: mūza) „juok. Maskulinum des Substantivs mūza (Göttin, Inspirationsgeberin poetischen Schaffens)“, sesutis (: sesutė) „juok. Mann, der als Krankenschwester arbeitet“. Die letztgenannten Ableitungen mit den Endungen -as und -is gehören zur Bildung von Bezeichnungen nach dem Geschlechtsunterschied, obwohl in den Grammatiken bei dieser Kategorie nur Ableitungen mit der Endung -ė aufgeführt sind. SCHLUSSFOLGERUNGEN 1. Die wortbildungsbezogene Analyse des emotional-expressiven Wortschatzes des Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyno (untersucht wurden 479 Spracheinheiten) zeigte, dass die wichtigsten Verfahren zur Bildung stilistisch markierter Neubildungen 27 Vermutlich ließe sich auch eine präfigierende Wortbildung annehmen: aptamsa (: aptemti). 28 Die Bildung analogischer Neubildungen nach dem Muster von lässt sich auf zwei Arten interpretieren: als gemischte Wortbildung oder als Zusammensetzung, d. h. galvapjūtė (: galva + pjūtis) und valdžiapjūtė (: valdžia + pjūtis). 29 Allerdings könnte man die Neubildung trešnėdra (: trešnės + ėdrus, -i) auch als zusammengesetztes Substantiv auffassen. BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų raidos aplinkybės ir darybos būdai | 21 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 Die Verfahren sind die Suffigierung (45,7%), die Zusammensetzung (31,7%) und das nichtmorphemische Wortbildungsverfahren der Kontamination (Wortverschmelzung) (12,7%). 2. Die produktivsten Mittel der produktivsten Wortbildungsart – der Suffigierung – sind das Suffix für Bezeichnungen von Trägern nominaler Eigenschaften –(i)ukas, -ė und das Suffix der Wortbildungskategorie der Bezeichnungen von Eigenschaften (nominale Abstrakta) –izmas: Mit beiden Suffixen wurden jeweils 6,8% der stilistisch markierten Neubildungen gebildet. 3. Die Daten des ND zeigen, dass die Bestandteile von Komposita valdžia- (erstes Glied), -skleisti (–skleidė) und –žmogis (zweites Glied) produktive Bestandteile stilistisch markierter Neubildungen sind. 4. Wenig produktiv sind die Präfigierung (5,6%), die gemischte Wortbildung (2,4%) und die Suffigierung mit Endungen (1,9%). 5. Dies war die erste Untersuchung der emotional-expressiven Lexik des ND. Sie ergab, dass einige Neubildungen des ND unter stilistischen Gesichtspunkten noch systematisch redigiert werden sollten. Darüber hinaus müsste man sich auf vielfältigere und umfangreichere Quellen stützen, um die Wortbildungstendenzen der emotional-expressiven Lexik eingehend zu untersuchen. 6. Das im Duomenyne enthaltene Material sollte unter ethnolinguistischen und wortbildungsbezogenen Gesichtspunkten untersucht werden. Die Sammlung emotional-expressiver Lexik zeigt, dass Sprachbenutzer auf aktuelle Themen reagieren und die Fähigkeit besitzen, die unterschiedlichsten stilistisch markierten Neubildungen zu schaffen. Die Vielzahl okkasioneller Bildungen belegt die Aktualität eines bestimmten Phänomens. Offensichtlich ist die Lexik ein Spiegel der Gesellschaft, und die in der Datenbank gesammelten Neubildungen (Zeichen aktueller Themen ihrer jeweiligen Zeit) liefern wertvolle Informationen über einen bestimmten Zeitraum im Leben des Volkes. ŠALTINIAI DLKT – Dabartinės lietuvių kalbos tekstynas. Prieiga internete: http://tekstynas.vdu.lt/tekstynas/ [žiūrėta 2019 m. gegužės mėn.]. ND – Lietuvių kalbos naujažodžių duomenynas. [Tęstinis internetinis žinynas nuo 2011 m.]. Miliūnaitė R., Aleksaitė A. Sudarytoja R. Miliūnaitė. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas. Prieiga internete: http://naujazodziai.lki.lt [žiūrėta 2019 m. kovo–balandžio mėn.]. ISBN 978-609-411-147-1. https://doi.org/10.35321/neol. BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 22 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 LITERATŪRA A l e k s a i t ė A. 2018: Ypatybių pavadinimai Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne. – Bendrinė kalba 91, 1–27. Prieiga internete: http://www.bendrinekalba.lt/Straipsniai/91/Aleksaite_BK_91_straipsnis_apie_pavadinimus.pdf. B l a ž i n s k a i t ė D. 2004: Naujadarai ir perdibiniai reklamoje. – Kalbos kultūra 77, 56–65. D a b a š i n s k i e n ė I. 2010: The comprehension of derivational morphemes in early childhood: An experimental study for Lithuanian. – Estonian papers in applied linguistics 6, 43–50. D L K G 2006 – Dabartinės lietuvių kalbos gramatika. Red. V. Ambrazas, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas. G a i v e n i s K. 1980: Naujadarai ir naujažodžiai. – Mokslas ir gyvenimas 2, 31. G i r č i e n ė J. 2005: Neologizmų integracija į tekstą. – Žmogus ir žodis 1, 78–82. 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Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 26 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 EMOTIVE-EXPRESSIVE LEXIS IN THE DATABASE OF LITHUANIAN NEOLOGISMS: FACTORS INFLUENCING ITS EMERGENCE AND TYPES OF WORD-BUILDING Summary The aim of the study is to identify the main types of word-building of the emotive-expressive neologisms and to examine the most productive means used in the coining of these new words. The object of the research includes 479 neologisms that perform emotive-expressive function. The word-formation analysis of emotive-expressive lexis included in “The Database of Lithuanian Neologisms” (DN) revealed that: 1. Stylistically connotated neologisms are formed mostly by means of suffixation (45.7%), composition (31.7%) and blending (12.7%), the latter being a non-morphemic type of word-building. 2. The most formative suffixes of the most productive type of formation, i.e. suffixation, are as follows: the suffix -(i)ukas, -ė (6.8%) in the formational category of names of possessors of nominal characteristics and the suffix -izmas (6.8%) in the formational category of names of characteristics (nominal abstractions). 3. The data of DN show that the following elements of compounds valdžia- (first component), -skleisti (-skleidė) and -žmogis (second component) are productive elements of stylistically connotated neologisms. 4. Less productive types of word-building are prefixation (5.6%), mixed type of word-formation (2.4%) and inflectional derivation (1.9%). 5. This was the primary research on emotive-expressive lexis, which revealed the necessity to stylistically edit some neologisms in DN. Moreover, seeking to conduct an in-depth analysis on tendencies in formation of emotive-expressive lexis, more diversified and numerous sources should be included. BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 AGNĖ ALEKSAITĖ. Emocinė-ekspresinė leksika Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne – naujadarų radimosi aplinkybės ir darybos būdai | 27 doi.org/10.35321/bkalba.2019.92.04 6. The data available in the database should be analysed not only in terms of word-formation but also from the perspective of ethno-linguistics. Lexis is a reflection of the society and the neologisms (signs of realities of current time) stored in the database provide valuable information about a certain period in the life of nation. KEYWORDS: emotive-expressive lexis, neologism, occasional derivatives, word-formation analysis, types of word-formation, productivity. AGNĖ ALEKSAITĖ Lietuvių kalbos institutas Petro Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius [email protected] BENDRINĖ KALBA 92 (2019) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204