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Paprastųjų žodžių terminizavimas Jurgio Ambraziejaus Pabrėžos „Taisliuje Augyminiame‟

Albina Auksoriūtė

Abstract

Straipsnyje nagrinėjami Jurgio Ambraziejaus Pabrėžos 1843 m. darbe Taislius augyminis pateikti žiedinių augalų genčių vardai, kuriuos jis sukūrė terminizavęs paprastuosius to meto šnekamosios kalbos žodžius. Analizuojama augalų genčių vardų semantinė motyvacija, J. A. Pabrėžos pateikti augalų genčių vardai lyginami su Povilo Matulionio Žolyne, Lietuviškame botanikos žodyne, Lietuvių kalbos žodyne, Botanikos vardų žodyne pateikiamais vardais, nurodoma, kurie iš J. A. Pabrėžos darbe pateiktų vardų prigijo dabartinėje vartosenoje.

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ALBINA AUKSORIŪTĖ Institut für Litauische Sprache ORCID id: orcid.org/0000-0003-2099-3735 FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE: Geschichte der litauischen Terminologie, Fachsprache der Naturwissenschaften, Terminografie, terminologische Ressourcen. DOI: doi.org/10.35321/bkalba.2023.96.09 TERMINOLOGISIERUNG VON GEMEINSPRACHLICHEN WÖRTERN IN JURGIO AMBRAZIEJAUS PABRĖŽAS TAISLIUJE AUGYMINIAME SCHLÜSSELWÖRTER: Jurgis Ambraziejus Pabrėža, Pflanzengattungsnamen, Terminologisierung, Motivation, metaphorische Termini. ANNOTATION Der Artikel untersucht die Namen von Blütenpflanzengattungen, die in Jurgis Ambraziejus Pabrėžas Werk von 1843 Taislius augyminis vorkommen und die er durch Terminologisierung gemeinsprachlicher Wörter seiner Zeit geschaffen hat. Analysiert wird die semantische Motivation der Pflanzengattungsnamen. Die von J. A. Pabrėža angegebenen Pflanzengattungsnamen werden mit den in Povilas Matulionis’ Žolynas, Lietuviškas botanikos žodynas, Lietuvių kalbos žodynas, Botanikos vardų žodynas aufgeführten Namen verglichen; außerdem wird angegeben, welche der in J. A. Pabrėžas Werk enthaltenen Namen sich im heutigen Sprachgebrauch durchgesetzt haben. ABSTRACT Der Artikel behandelt die Namen der Gattungen von Blütenpflanzen, die Jurgis Ambraziejus Pabrėža in seinem 1843 erschienenen Werk Taislius augyminis („Das System der Pflanzen“) angegeben und durch Terminologisierung damals umgangssprachlicher Wörter geprägt hat. Untersucht wird die semantische Motivation der Namen von Pflanzengattungen; dazu werden die von Pabrėža geschaffenen Gattungsnamen mit den Namen in Povilas Matulionis’ Žolynas („Pflanzennamen“), Lietuviškas botanikos žodynas („Litauisches Wörterbuch der Botanik“), Lietuvių kalbos žodynas („Wörterbuch der litauischen Sprache“) und Botanikos vardų žodynas („Wörterbuch der Pflanzennamen“) verglichen. Außerdem wird aufgeführt, welche der in Pabrėžas Werk verzeichneten Pflanzengattungsnamen sich im heutigen Sprachgebrauch durchgesetzt haben. ALBINA AUKSORIŪTĖ. Paprastųjų žodžių terminizavimas Jurgio Ambraziejaus Pabrėžos Taisliuje augyminame 175 EINLEITUNG Jurgis Ambraziejėjus Pabrėža (1771–1849) yra žinomas kaip vienas iš XIX a. pirmosios pusės produktyviausių žemaičių autorių, palikusių didžiulį rankraštinį palikimą. Iš jo minėtini pamokslai, botanikos, medicinos, geografijos darbai. „Šiandien J. Pabrėža, įvertinus jo iškilų gyvenimą ir veiklą, pristatomas kaip įžvalgus gamtamokslininkas (botanikas, botanikos pradininkas, geografas, pirmojo lietuviško geografijos vadovėlio autorius), jautrus gydytojas (liaudies medicinos propaguotojas), išmintingas švietėjas (mokytojas, mokslininkas, menininkas, bibliofilas, poetas) ir tik galiausiai, nors tai yra pirmiausiai, kaip nuoširdus dvasininkas (kunigas, pranciškonas tretininkas, pamokslininkas, oratorius)“ (Ožel(is) 2020: 10). Zu J. A. Pabrėžas Lebzeiten wurde keines seiner Werke veröffentlicht. Erst auf Initiative des Priesters Antanas Milukas, des Redakteurs der litauischsprachigen Zeitung Dirva, erschien 1900 ein Teil des umfangreichsten Manuskripts von J. A. Pabrėža, betitelt Botanika arba Taislius auguminis. Im 21. Jahrhundert wurden mehrere seiner Werke von der Linguistin Dr. Rita Šepetytė herausgegeben und veröffentlicht: Taislius auguminis (Bd. I 2009, Bd. II 2014, Bd. III 2015), Jurgio Ambraziejaus Pabrėžos „Geografija“ (2019), Pamokslai įvairingose materijose, sakyti Ambroziejaus Pabrėžos (2020). J. A. Pabrėža hat sich außerordentlich große Verdienste um die botanische Wissenschaft Litauens erworben: Er beschrieb als Erster die Pflanzen Samogitiens in seiner Muttersprache, verfasste als Erster Wörterbücher botanischer Fachbegriffe (ausführlicher siehe Dagys 1972: 15–25) und legte als Erster Grundsätze für die Bildung von Pflanzennamen dar, und zwar in dem auf Polnisch verfassten Aufsatz Uwagi tyczącesię ułożenia doskonałey Flory Żmudzkiey. Miłosnikom Flory Żmudzkiey i znawcom języka żmudzkiego, poświęcone (Bemerkungen zur Erstellung einer vollständigen Flora Samogitiens, gewidmet den Liebhabern der Flora Samogitiens und den Kennern der samogitischen Sprache, 1834). Den genannten Aufsatz veröffentlichte Jurgis Elisonas 1922–1923 in der Zeitschrift Kosmos, nachdem er ihn 1921 in der Bibliothek des Klosters Kretinga unter den Manuskripten von J. A. Pabrėža entdeckt hatte. In dem Aufsatz erläutert J. A. Pabrėža, wie Gattungsnamen gebildet werden sollten, damit sie dem Geist der samogitischen Sprache entsprechen: 1) Der Name sollte auf charakteristische Eigenschaften der Arten einer Gattung hinweisen; 2) der Name kann eine Lehnübersetzung aus der lateinischen Systematik sein; 3) der Gattungsname der lateinischen Systematik wird so angepasst, dass seine Endung und sein Klang dem Geist der samogitischen Sprache entsprechen; 4) der Name kann aus der Wurzel eines charakteristischen Wortes und –iškės gebildet werden (Elisonas 1923: 291). Hervorzuheben sind die wichtigen Grundsätze der Pflanzenbenennung, die J. A. Pabrėža in dem Aufsatz darlegt: Als wichtigste Quelle für Pflanzennamen betrachtet er die lebendige Umgangssprache. Da ihm bewusst ist, dass dieselbe Pflanze an verschiedenen Orten unterschiedlich bezeichnet werden kann, schlägt er vor, einen – in heutiger Terminologie – motivierten Namen auszuwählen, also der Pflanze jenen Namen zuzuweisen, der ihre auffälligsten Eigenschaften erkennen lässt. 176 BENDRINĖ KALBA | 96 J. A. Pabrėža betont wiederholt, dass ein Name auf charakteristische Eigenschaften der Pflanze hinweisen sollte. Als Möglichkeit nennt er eine Lehnübersetzung des lateinischen Namens. Allerdings ist anzumerken, dass es heute mitunter schwer festzustellen ist, ob ein Pflanzenname eine Lehnübersetzung oder eine Bildung der litauischen Sprache ist, denn die meisten lateinischen Namen sind im Lateinischen motiviert und spiegeln charakteristische Eigenschaften der jeweiligen Pflanze wider. 1843 schloss J. A. Pabrėža die Niederschrift seines wichtigsten wissenschaftlichen Werkes ab: Tayslós augumyynis kóremy taalpynas augimys ligsziot raastosys teyp muusosys kayp nekórios swetszaalys só prijungymó abladny prajoowa weykala yr sór aaśźima waarduu paprastuuju teyp žemaytyszku, kaypo pruuszyszku, łaatwyszku, yr waarduu tayslyyniu žemaytyszku só lotiinyzskays. Par kónyga Ambroziejó Paabrezá bówósiy kozndyiy yr mookitojii Kretingos moksllynićžioy, tercyorió Z. Sz. T. Prączyszkaus yszdóuts meetusy 1843 (~ Taislius augyminis, in dem die bisher sowohl bei uns als auch in einigen fremden Ländern gefundenen Pflanzen zusammengetragen sind, unter Beifügung einer knappen Beschreibung ihres Wuchses sowie einer Aufstellung ihrer gewöhnlichen Namen – der samogitischen ebenso wie der preußischen und lettischen – und ihrer systematischen samogitischen Namen mit den lateinischen Entsprechungen. Verfasst von Priester Ambrozejus Pabrėža, ehemaligem Kooperator und Lehrer an der Schule von Kretinga, Tertiar des hl. Franziskus Z. Sz. T.; herausgegeben im Jahr 1843). Im Folgenden wird dieses Werk kurz Taislius augyminis1 genannt. „Das Manuskript selbst, das 1042 Seiten umfasst (LXII Seiten Vorwort und 980 Seiten Text), verfasste J. A. Pabrėža über einen Zeitraum von etwa acht Jahren (1835–1843)“ (Subačius 2009: 10). Schon aus dem Titel des Werkes lässt sich entnehmen, dass es ein Pflanzensystem enthält, das nicht nur die bei uns wachsenden Pflanzen, sondern auch einige fremdländische umfasst; ihre samogitischen, lateinischen, preußischen und lettischen Namen werden angegeben. Wie der Botaniker Jonas Dagys feststellt, „besteht die botanische Terminologie aus zwei Teilen: einem morphologischen und einem systematischen. Der erste dient der Beschreibung der Pflanzen, der zweite ihrer Benennung. Eine Abhandlung über Botanik beginnt mit der Morphologie. So verfuhr auch J. A. Pabrėža: Der einleitende Teil seines Taisliaus behandelt die Pflanzenmorphologie oder Organographie“ (Dagys 1972: 16). Der zweite Teil des 980 Seiten umfassenden Manuskripts ist der Pflanzensystematik gewidmet; darin werden 643 Gattungen von Blütenpflanzen und 158 Gattungen von Sporenpflanzen und Pilzen beschrieben. Die in Taisliuje augyminiame aufgeführten Namen der Gattungen von Blütenpflanzen untersuchte Robertas Gedrimas. Er analysierte die Bildung zusammengesetzter Gattungsnamen sowie von Gattungsnamen für Blütenpflanzen mit Präfixen recht ausführlich (Gedrimas 2004: 182–196; 2005: 81–92). 1 Rankraščio pavadinime, kuris užrašytas ne J. A. Pabrėžos ranka (Šepetytė 2009: 7), įsivėlė klaida, ją pirmas pastebėjo Giedrius Subačius. Biudvaržio augyminis pamatinis žodis yra J. A. Pabrėžos vartota augymė. Apie J. A. Pabrėžos kalbą ir rašybą plačiau žr. G. Subačiaus (1996: 10–113; 2009: 9–28) straipsnius. ALBINA AUKSORIŪTĖ. Paprastųjų žodžių terminizavimas Jurgio Ambraziejaus Pabrėžos Taisliuje augyminiame 177 J. A. Pabrėža teilte die Blütenpflanzen in 23 Gruppen (Klassen) ein; in der 24. Gruppe beschrieb er blütenlose, d. h. Sporenpflanzen und Pilze. J. A. Pabrėža stützte sich auf drei grundlegende Verfahren der Terminusbildung: 1) Terminologisierung, 2) Bildung von Neologismen, 3) Entlehnung aus anderen Sprachen. Terminologisierte einfache Wörter der damaligen Umgangssprache sowie in der Umgangssprache verwendete Pflanzennamen machen mehr als 28 Prozent aller Namen von Gattungen der Blütenpflanzen aus. Das wichtigste Verfahren, mit dem J. A. Pabrėža Pflanzennamen bildete, war die Bildung von Neologismen (siehe Gedrimas 2004: 185). In diesem Artikel werden jene Gattungsnamen der Blütenpflanzen untersucht, die J. A. Pabrėža in Taislius augyminis schuf, indem er einfache Wörter der Umgangssprache, d. h. Wörter seines Dialekts, terminologisierte. Die Zahl solcherart gebildeter Pflanzengattungsnamen in Taisliuje augyminiame ist sehr gering; der Artikel analysiert nur 20 Gattungsnamen. Den größten Teil der von J. A. Pabrėža terminologisierten Gattungsnamen bilden volkstümliche Pflanzennamen, die in der Umgangssprache verwendet wurden und nicht Gegenstand dieses Artikels sind. Eine gesonderte Untersuchung der durch Terminologisierung geschaffenen Pflanzennamen J. A. Pabrėžas wurde bislang nicht durchgeführt. Neu an diesem Artikel ist daher, dass Pflanzennamen J. A. Pabrėžas untersucht werden, die er durch die Terminologisierung einfacher Wörter der Sprache geschaffen hat. Erwähnenswert ist, dass nur R. Gedrimas bei der Analyse der Fachbegriffe in den Geografielehrbüchern J. A. Pabrėžas die Terminologisierung einfacher Wörter zur Benennung verschiedener geografischer Begriffe behandelt hat (Gedrimas 2003: 121–126). Ziel dieses Artikels ist es festzustellen, welche Gattungsnamen von Blütenpflanzen J. A. Pabrėža durch die Terminologisierung einfacher Wörter der damaligen Umgangssprache geschaffen hat. Dazu werden folgende Aufgaben gestellt: die Motivation der untersuchten Pflanzengattungsnamen zu klären, die analysierten Pflanzengattungsnamen J. A. Pabrėžas mit den in Povilas Matulionis’ Žolynas, Lietuviškas botanikos žodynas, Lietuvių kalbos žodynas, Botanikos vardų žodynas aufgeführten Namen zu vergleichen und festzustellen, welche der in J. A. Pabrėžas Werk angegebenen Namen und in welcher Form sich im heutigen Sprachgebrauch durchgesetzt haben. Bei der Untersuchung der Pflanzennamen werden beschreibende, vergleichende und semantische Analysemethoden angewandt. 1. THEORETISCHE GRUNDLAGE In der internationalen Norm Terminology work – principles and methods (Terminologiearbeit – Grundsätze und Methoden) wird die Verwendung bestehender Sprachformen als eine Methode der Terminusbildung genannt; bestehende Formen können zur Bildung neuer Termini durch folgende Verfahren verwendet werden: 178 BENDRINĖ KALBA | 96 Verfahren wie Konversion, Terminologisierung, semantische Übertragung und Entlehnung. Terminologisierung ist ein Prozess, bei dem ein Ausdruck der Gemeinsprache in einen Terminus umgewandelt wird (ISO 704; 2022: 67–68). Ähnlich wird Terminologisierung auch von anderen ausländischen Autoren definiert: Dabei werden ein Wort oder eine Wortverbindung der Gemeinsprache in einen Terminus umgewandelt, der einen Begriff in einer Fachsprache bezeichnet (siehe Valeontis, Mantzari 2006: 7; GT; Eurotermbank). In der litauischen Terminologieforschung wird der Begriff der Terminologisierung weiter gefasst als in den genannten Arbeiten ausländischer Autoren: Bei der Beschreibung der Terminologisierung geht es nicht nur um die Umwandlung einfacher Wörter der Gemeinsprache, sondern auch von Dialektwörtern oder -ausdrücken in Termini; dieser Prozess umfasst alle üblichen Arten der Bedeutungsveränderung eines Wortes (die Bildung einer übertragenen Bedeutung, die Bedeutungsverallgemeinerung und -verengung) (siehe: Keinys 1980: 64; Klimavičius 1996: 4–7; 2006: 55–56; Kaulakienė 2001: 28; Gedrimas 2003: 121–126; Kvašytė 2005: 76; Jakaitienė 2010: 191; Gaivenis 2014[1983]: 131–135; 2014[1996]: 26–27; 2014[1997]: 4–7; 2002: 51–53). Bereits in der ersten theoretischen Arbeit zur litauischen Terminologieforschung, der Schrift des Philosophen Stasys Šalkauskis Terminologijos teorija ir lietuviškoji filosofijos terminija (1925, 1927, 1934), die er in vier Heften der wissenschaftlichen Zeitschrift der Universität Kaunas Logos veröffentlichte, wird die Terminologisierung behandelt, auch wenn S. Šalkauskis diesen Begriff nicht verwendet. Bei der Erörterung der drei wichtigsten Quellen für Termini nennt er als erste die Anpassung von Wörtern der Alltagssprache an terminologische Zwecke und unterscheidet vier Verfahren, mit denen Wörter der Alltagssprache in die wissenschaftliche Terminologie eingeführt werden: „a) Präzisierung eines Wortes der Alltagssprache; b) Erweiterung der Wortbedeutung; c) Verengung der Wortbedeutung; d) Bedeutungsübertragung des Wortes nach Analogie“ (Šalkauskis 1927: 12). Zu beachten ist jedoch, dass Terminologen seit den 1970er-Jahren im Unterschied zu S. Šalkauskis nur drei Verfahren der Bedeutungsveränderung von Wörtern unterscheiden. Diese Einteilung lässt sich damit erklären, dass sowohl die Erweiterung als auch die Verengung der Wortbedeutung bei der Terminologisierung eines Wortes eine Präzisierung seiner Bedeutung darstellt. „In jedem Fall erhalten einfache Wörter, wenn sie in ein Terminussystem eingehen, eine besondere, klar abgegrenzte Bedeutung“ (Keinys 1980: 64). In den Arbeiten litauischer Terminologen variieren die Bezeichnungen für den behandelten Prozess, bei dem ein einfaches Wort in einen Terminus umgewandelt wird: terminologizacija (Keinys 1980; Gaivenis 2002), terminologizavimas (Gaivenis 1983, 2002), terminizacija (Gaivenis 1997, 1996; Kaulakienė 2001; Klimavičius 2006; Stunžinas 2007, 2018), terminizavimas (Klimavičius 1996; Gedrimas 2003; Kvašytė 2005; LTB; Jakaitienė 2010). Nach Ansicht von Regina Kvašytė „wäre es bei der Umwandlung von Wörtern in Termini passender, sich auf den Begriff termi ALBINA AUKSORIŪTĖ. Paprastųjų žodžių terminizavimas Jurgio Ambraziejaus Pabrėžos Taisliųje augyminame 179 nija, d. h. die Gesamtheit der Termini; folglich ist die logische und dem Gebot der Kürze entsprechende Form terminizacija (oder die hybride Form mit dem litauischen Suffix terminizavimas)“ (Kvašytė 2013: 134). Ich denke, dass die genannten Terminusvarianten terminizacija2 und terminizavimas systematischer sind; man kann sagen, dass sich bereits eine Gebrauchstradition herausgebildet hat. Daher verwende ich im Artikel den Terminus terminizavimas; nur in Zitaten stehen die von den jeweiligen Autoren verwendeten Termini. Wie Kazimieras Gaivenis feststellt, „verengt die Terminologisierung die Extension eines Wortes häufiger, als dass sie sie erweitert, und macht es konkreter“ (Gaivenis 2002: 29). Dies zeigt sich auch bei der Analyse der Pflanzennamen in J. A. Pabrėžas Werk, denn J. A. Pabrėža verleiht terminologisierten gemeinsprachlichen Wörtern eine konkrete Sonderbedeutung: Aufgrund einer Ähnlichkeit oder eines anderen Merkmals bezeichnen sie eine bestimmte Pflanzengattung. Bei der Untersuchung, wie und auf welche Weise ein Terminus geschaffen wurde, sucht man gewöhnlich nach den Benennungsmotiven; damit stellt sich die Frage der Motivation. In der Terminologie wird die Motivation von Termini und ihre Bedeutung unterschiedlich beurteilt3. Einige Terminologen betonen die Bedeutung der Motivation besonders stark. So weisen Sabela Fernández-Silva, Judit Freixa und Maria Teresa Cabré darauf hin, dass motivierte Termini als der am besten geeignete Terminustyp erscheinen, weil sie den Begriff nicht nur umfassend repräsentieren, sondern durch ihre Form auch einen Teil seines Inhalts erkennen lassen (Fernández-Silva ir kt. 2009: 21); motivierte Termini öffnen den Zugang zum Verständnis von Begriffen, weil sie deren schnelle und effiziente Identifizierung ermöglichen (Fernández-Silva ir kt. 2009: 24). Sergiusz Grinev-Griniewicz ist der Ansicht, dass Motivation das Verständnis und das Erlernen des jeweiligen Begriffs erleichtert. Seiner Meinung nach kommen bei der Bildung neuer Termini am häufigsten strukturelle und semantische Motivation zum Einsatz. Strukturelle Motivation zeigt sich in Wörtern, die aus bereits bekannten bedeutungstragenden Bestandteilen gebildet sind; ihre Struktur lässt ihre Bedeutung erkennen. Semantische Motivation entsteht bei Wörtern mit einer übertragenen Bedeutung, die sich ausgehend von der Grundbedeutung erschließen lässt (Grinev-Griniewicz 2011: 34). Bei durch Terminologisierung entstandenen Termini ist eine strukturelle beziehungsweise Wortbildungsmotivation nicht charakteristisch, denn sie wurden nicht durch Wortbildung zu Termini und weisen daher keine Wortbildungsmerkmale auf. In diesem Fall können wir nur von semantischer Motivation sprechen, 2 Jonas Klimavičius schreibt, dass er die Termini terminografija, terminizacija, tranterminizacija, determinizacija im Herbst 1970 aus Kyjiw mitgebracht habe (Klimavičius 2002: 133). 3 Johan Myking hat bei der Untersuchung theoretischer Modelle und Aspekte der Terminusbildung verschiedener Autoren in seinen Arbeiten das Konzept der Motivation als eine der wichtigen Fragen der Terminusbildung recht ausführlich analysiert (Myking 2009: 39–53; 2020: 6–30). Überblicksdarstellungen zu Motivationsklassifikationen finden sich auch bei: Gaivenytė 2000: 19–25; Gritėnienė 2006: 24–29; Lubienė 2015. 180 BENDRINĖ KALBA | 96 und wir haben sie dann, wenn ein Wort in übertragener Bedeutung verwendet wird: Ein Gegenstand wird nicht unmittelbar benannt, sondern mithilfe eines bereits vorhandenen Wortes; es wird kein neues Wort gebildet, sondern lediglich eine neue (metaphorische oder metonymische) Bedeutung geschaffen (Urbutis 2009: 73). K. Gaivenis misst der Motivation von Termini keine große Bedeutung bei. Seiner Aussage nach „lassen sich motivierte Termini leichter einprägen und schneller in den terminologischen Mikrosystemen verorten. Insgesamt spielt die Motivation in der Terminologie jedoch keine entscheidende Rolle, denn auch völlig unmotivierte Termini sowie Fremdwörter, deren Motivation für uns völlig unverständlich ist, werden problemlos verwendet. <…> ist die Motivation bei Artbezeichnungen wichtiger als bei Gattungsbezeichnungen“ (Gaivenis 1998: 91). Meiner Ansicht nach ist Motivation in der Terminologie wichtig, da ein motivierter Terminus auch ohne Definition leicht verständlich ist. Allerdings muss man einräumen, dass die Motivation nicht aller terminologisierten Termini klar ist und sich erschließen lässt. Bisweilen ist es schwierig, die Motive hinter der Benennung bestimmter Begriffe nachzuvollziehen, weil die Schöpfer eine individuelle Sichtweise oder ihnen allein bekannte Analogien zugrunde gelegt haben, nach denen sie ein gemeinsprachliches Wort terminologisieren. Bei ihrer Untersuchung der Motivation von Pflanzennamen im nordpanevėžiškischen Dialekt hebt Aurelija Gritėnienė hervor, dass die Motivation einer Benennung häufig durch den benannten Gegenstand selbst bestimmt wird: „Pflanzen weisen besonders viele unterscheidende Merkmale auf, daher ist auch die Motivation ihrer Namen sehr vielfältig. Doch selbst in diesem Fall, in dem die Kategorie selbst eine Vielfalt von Motivationen begünstigt, wird die Wahl des Namens häufig nicht nur durch ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal der Pflanze bestimmt, sondern auch durch zufällige Assoziationen, die lebhafte Fantasie und Kreativität der Sprachbenutzer“ (Gritėnienė 2006: 27). Dieser Einschätzung der Wissenschaftlerin ist zuzustimmen, denn bei der Untersuchung der von J. A. Pabrėža geschaffenen Pflanzennamen lassen sich nicht nur ihre Entstehungsmotive anhand charakteristischer Merkmale nachvollziehen, sondern auch die Fantasie und Kreativität des Autors erkennen. „Der Inhalt einfacher terminologisierter Wörter kann sich erheblich verändern. Ein Terminus erhält spezielle Semen, die dem gemeinsprachlichen Wort fehlen“ (Gaivenis 2002: 53). Nicht selten sind solche Termini trotz einer der Anforderungen der traditionellen Terminologie – stilistischer Neutralität – expressiv und werden den metaphorischen Termini zugerechnet. K. Gaivenis betont, dass man in der Terminologie Bildhaftigkeit meist dann vermeidet, wenn die unterscheidende (distinktive) Funktion der Termini hervorgehoben werden soll. Expressive Termini entstehen häufig in der systematischen Nomenklatur, denn um hier eine Pflanzen- oder Tierart beziehungsweise -gattung von einer anderen abzugrenzen, greift man oft zu bildhaften Vergleichen. Bildhaftigkeit ist auch dann unvermeidlich, wenn als Unterscheidungsmerkmal der Eindruck gilt, den ein Forscher auf ALBINA AUKSORIŪTĖ. Paprastųjų žodžių terminizavimas Jurgio Ambraziejaus Pabrėžos Taisliuje augmininame 181 die benannte Pflanze oder das benannte Tier, oder bestimmte Eigenschaften einer Pflanze oder eines Tieres werden subjektiv bewertet (Gaivenis 2002: 45–46)4. Przemysław Dębowiak und Jadwiga Waniakowa betonen bei ihrer Analyse der semantischen Motivation von Pflanzennamen, dass metaphorische Pflanzennamen, die in der botanischen Nomenklatur zahlreich vorkommen, sekundäre Namen sind; daher sollte in jedem Einzelfall die Grundlage der Metapher, d. h. die primäre Motivation, entschlüsselt werden. Sie führen vier Hauptfaktoren an, die die semantische Klassifikation von Pflanzennamen bestimmen: 1) das Aussehen der Pflanzen; 2) die Eigenschaften der Pflanzen; 3) den Standort der Pflanzen; 4) die Verwendung der Pflanzen (Dębowiak, Waniakowa 2019: 175–176). 2. PFLANZENGATTUNGSNAMEN, DIE DURCH TERMINOLOGISIERUNG GEWÖHNLICHER SPRACHWÖRTER GEBILDET WURDEN Die von J. A. Pabrėža durch Terminologisierung gewöhnlicher Sprachwörter gebildeten Pflanzengattungsnamen sind metaphorische Termini, denn aufgrund einer Pflanzeneigenschaft oder einer bestimmten Ähnlichkeit mit einem Objekt, für das dieses Merkmal charakteristisch ist, wird die Bezeichnung des Objekts auf die Pflanze übertragen. Bei der Klärung der Benennungsmotive der untersuchten Pflanzengattungen wurde zunächst betrachtet, wodurch sich die jeweilige Pflanzengattung auszeichnet, welche Bedeutung des gewöhnlichen Wortes J. A. Pabrėža zugrunde legte, welche charakteristischen Merkmale der Pflanze er hervorhob und ob sich diese Motivation durch Informationen aus veröffentlichten Pflanzennamensverzeichnissen und anderer botanischer Literatur stützen lässt. J. A. Pabrėža terminologisierte gewöhnliche Wörter zur Benennung von Pflanzengattungen nach dem Aussehen, der Verwendung und den Eigenschaften der Pflanzen. 2.1. Namen, die nach dem Aussehen der Pflanze gebildet wurden Für die Benennung des größten Teils der besprochenen Pflanzen, nämlich fünfzehn von zwanzig, griff J. A. Pabrėža auf gewöhnliche Sprachwörter zurück, mit denen er die Pflanzen metaphorisch nach der Ähnlichkeit des Aussehens ihrer Blüten, Blütenstände, Früchte, Samen und Blätter benannte. Namen, die durch das Aussehen von Blüten und Blütenständen motiviert sind. Dies ist die größte Gruppe von Pflanzengattungen. Ihre Namen bildete J. A. Pabrėža anhand der Form und Farbe der Blüten und Blütenstände. Die meisten gewöhnlichen Wörter wurden nach der Form der Blüten und Blütenstände terminologisiert: 4Über metaphorische litauische Termini aus verschiedenen Fachgebieten ist bereits viel geschrieben worden, siehe: Baltrūnaitė 1998: 36–47; Gaivenytė 2000: 19–25; Stunžinas 2006: 62–73; 2018: 56–92; Vladarskienė 2012: 83–92 u. a. 182 BENDRINĖ KALBA | 96 baydikla (~baidykla, „Schreckgestalt“). – Himantoglossum. – (Zungenorchis. Willd.) (TA 639/ II 4615). Dies ist eine Gattung aus der Familie der Orchideen, deren Blütenlippe aus drei Teilen besteht; der mittlere Teil ist deutlich länger als die übrigen und eingerollt, weshalb die Blüte recht sonderbar aussieht. Offenbar erschien sie J. A. Pabrėža hässlich, weshalb er die Pflanze so benannte, siehe MNE; vgl. 2 baidykla siehe baidyklė: 4. P bot. Himantoglossum LKŽ6; Himantoglossum siehe Aceras (Gudžinskas 1999: 80), Aceras – hornlos (Gudžinskas 1999: 21); bóórbóls (~burbulas, „Blase“). – Trollius. – (Kugleranunkel. Bluff.) (TA 389/ II 211). Zur Benennung dieser Pflanze wählte J. A. Pabrėža das Wort burbulas aufgrund der Ähnlichkeit der Blütenform; dies bestätigt auch das Lietuviškas botanikos žodynas (LBŽ): Tróllius europaeus (lat. trulleum – rundes Gefäß; die alten Germanen nannten diese Pflanze Rolla, Goldrolla, sodass überall das Merkmal der Rundheit hervorgehoben wird, denn die Blüten der Pflanze sind rund, kugelförmig) – Europäische Trollblume (Mln), Syn. burbulas (F6) LBŽ 355; burbulas 6. Rs bot. „Trollblume, potvinkis (Trollius europaeus)“: Krp7 LKŽ; siehe auch Gritėnienė 2006: 64–65; koóčžėls (~kočėlas, „Nudelholz“). – Alopecúrus (TA 51/ I 185), vgl. Alopecúrus (gr. alopex – Fuchs, ura – Schwanz; der Blütenstand erinnert an einen Fuchsschwanz) – Wiesen-Fuchsschwanz (Mln), Syn. kočėlas (P) LBŽ 16; kočėlas (weißruss. качала) [K], J, R 3. LBŽ bot. „Pflanze aus der Familie der Süßgräser, Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus)“: P LKŽ. Zur Benennung dieser Gattung wurde ein in der Umgangssprache verwendeter Slawismus herangezogen. Bemerkenswert ist, dass J. A. Pabrėža ihn wählte, ohne der Motivierung des lateinischen Terminus zu folgen; vgl. Aloperus (35), benannt nach dem Aussehen des Blütenstands kočėlas (heutiger normierter Gattungsname: pašiaušėlis, „Wiesen-Fuchsschwanz“) (Jankevičienė 2009: 35); kraamy (~kramė). – Échium (TA 143/ I 279). Die Motivierung dieses Gattungsnamens, der durch Terminologisierung eines Dialektwortes geprägt wurde, stimmt mit der Motivierung des lateinischen Pflanzennamens überein, vgl. Échium vulgáre (gr. echis – Schlange, Natter; mit dem gr. Namen echion wurden verschiedene Pflanzen aus der Familie Borraginaceae bezeichnet 5 Nach der Quellenabkürzung TA steht die Seitenzahl des Manuskripts, nach dem Schrägstrich der Band und die Seite der veröffentlichten Arbeit. 6 F = J. Fiedorowicz. Katalog der wild wachsenden und einiger eingebürgerter Pflanzen, die von X. Józef Fiedorowicz seit dem Jahr 1818 bis heute in der Umgebung von Ilłuszta beobachtet und bestimmt wurden, verfasst nach dem System des Linné im Jahr 1851. Pflanzennamen auf Lateinisch, Polnisch und Litauisch (Manuskript). 7 Nach dem Doppelpunkt stehen die Abkürzungen der Orte, aus denen das Wörterbuch Belege enthält. ALBINA AUKSORIŪTĖ. Paprastųjų žodžių terminizavimas Jurgio Ambraziejaus Pabrėžos Taislių augyminė 183 Die Pflanzen wurden vermutlich wegen der Ähnlichkeit ihrer Blüten mit dem aufgerissenen Maul einer Schlange so benannt) – Gewöhnlicher Natternkopf (Iv, Mln), Syn. kramė (P) LBŽ 127; vgl. kramė 6. P, Mt, LBŽ bot. „Natternkopf“ LKŽₑ. Die erste Bedeutung des Wortes kramė ist im LKŽₑ als „Kopf einer Schlange, Kröte, eines Frosches oder Herings“ angegeben; sämtliche Belege stammen aus dem samogitischen Dialekt, sodass offensichtlich ist, dass das samogitische Wort wegen der Ähnlichkeit der Blüten mit einem Körperteil eines Tieres gewählt wurde. Das Aussehen der Blüten dieser Gattung hat auch die Botanikerin Ramunėlė Jankevičienė beschrieben: „<...> Der Rand der [Blüten-]krone ist trichterförmig, mit fünf ungleichen Lappen, nahezu zweilippig und erinnert ein wenig an das Maul eines Reptils“ (Jankevičienė 1987: 238); vgl. Echium – Natternkopf BVŽ 119; kaaruna (~Krone). – Fritillária – poln. Korona (TA 242/ II 64). J. A. Pabrėža führte das Wort Krone in seiner Arbeit auch als Begriff der Pflanzenmorphologie an und übertrug es auf die Benennung einer Pflanzengattung. Der Blütenstand einer Art der besprochenen Pflanze – der Kaiserkrone (Fritillaria imperialis) – ähnelt einer Krone: Über den Blüten erhebt sich ein Büschel länglicher oberer Blätter, die quirlig am Stängel angeordnet sind; die glockenförmigen Blüten hängen in Trauben VLEe; vgl. Krone (l. koruna) 8. LBŽ, P bot. „Pflanzengattung, Schachbrettblume (Fritillaria)“ LKŽₑ, siehe auch: Karuuna (Corolla.) ira dalys žyida ysz delikatniu mažn wysados baarwintu yr kóupkoy óóžwertuu lapuutiu sódieta, dalis gimtynes auginiu betarpey aapdęgati (~die Krone ist ein Teil der Blüte, aus zarten, stets gefärbten und zu einem Büschel gebogenen Blättchen zusammengesetzt, ein Teil der Pflanzenart, der unmittelbar bedeckt) (TA XLV/ I 97); Fritillária (lat. fritillus – Schachbrett; diesen Namen erhielt die Pflanze wegen der Musterung ihrer Blüten), poln. Korona – Schachbrettblume (P), Syn. Krone (P) LBŽ 146–147. Bemerkenswert ist, dass die Botanikerin R. Jankevičienė schreibt: „<...> es scheint, dass Pabrėža den Namen Krone von den Menschen gehört hat, da er eine žemaitische Bezeichnung zitiert – ‚Kaiserkrone‘ (Jankevičienė 2009: 10); doch weder die Angaben des LKŽₑ noch des LBŽ weisen darauf hin, dass die besprochene Pflanze im žemaitischen Dialekt mit dem Namen Krone bezeichnet wurde; pėtyns (~pentinas, „Sporn“). – Delphínium (TA 374/ II 196). Den Sporn führt J. A. Pabrėža ebenso wie das zuvor behandelte terminologisierte Wort in seiner Arbeit als Terminus der Pflanzenmorphologie an, vgl. Pėtyns. (Calcar.): ira prasy-vylgynyms terbeliets karuunas, kóremy atsyrad mydótis (~Sporn: eine taschenartige Verlängerung der Krone, in der sich das Mittelchen befindet) (XLVIII/ I 100). Die Pflanzengattung wurde nach der Ähnlichkeit der Form ihrer Kronblätter mit einem Fortsatz benannt, vgl.: „Die Blüten sind farbenprächtig und unregelmäßig; das obere Kelchblatt und die beiden oberen Kronblätter tragen Sporne. Die Frucht ist eine Sammelbalgfrucht.“ 184 BENDRINĖ KALBA | 96 Die meisten Rittersporne enthalten große Mengen an Alkaloiden und sind giftig VLEe; Rittersporn 2. MŽ250, Į scharfer hornartiger Fortsatz am Ende des Sporns eines Vogels (meist eines Hahns); 4. P, Mt, LBŽ siehe pentinius 2. 5. bot. „taschenförmiger Auswuchs der Blütenhülle, in dem sich Nektar befindet“: Der Sporn ist kürzer als der Fruchtknoten LFII598 LKŽₑ; vgl. ferner Delphínium (gr. delphinion – Name dieser Pflanze, abgeleitet von gr. delphis, delphinos – Delfin; denn die Blütenknospen ähneln der Gestalt eines Delfins) – pentinius (Mln, Bar), Syn. pentinas (P, N) LBŽ 116–117. Zwei Pflanzengattungen sind nach der Blütenfarbe benannt: gaysra (~gaisra). – Lychnis (TA 312/ II 134). Zur Benennung dieser Gattung wurde das Wort gaisra aufgrund der Ähnlichkeit der Blütenfarbe terminologisiert; vgl. goštautinė gaisrena „Die Blüten stehen an der Stängelspitze in doldigen, vielblütigen Doldentrauben. Die Kronblätter sind zu fünft, leuchtend rot und jeweils etwa bis zur Hälfte in zwei Teile gespalten“ (Gudžinskas 2010: 58); Lychnis (gr. lychnos – Laterne, Lampe; die Blüten sind leuchtend gefärbt und strahlen wie Laternen) – gaisrana (Mln) LBŽ 205; gaisrena BVŽ185; gaisra 1. R163, KGr88 „Feuer, Nordlicht“. 2. P siehe gaisrana LKŽe. Wie A. Gritėnienė anmerkt: „Nicht nur in der Standardsprache, sondern auch in den Dialekten und anderen Sprachen ist die Motivation der Pflanzennamen mit der Blütenfarbe verbunden. Die leuchtend roten Blüten der Lichtnelken werden meist mit Feuer verglichen“ (Gritėnienė 2006: 90–91). žiudra (~žydra). – Muscari (TA 244/ II 66), vgl. Muscári L. (lat. muscus – Moschus; die Blüten duften nach Moschus) – Traubenhyazinthe, Syn. žydra (P) LBŽ 226; žydrė – Muscari Mill. „Die Blüten sind blau, am oberen Rand schmal weiß gesäumt, zahlreich in einer kurzen endständigen Traube angeordnet und nickend“ (Lekavičius 1989: 350); žydra NdŽ, BŽ200 1. „Bläue, blauer Ort“: DŽ, Vd. 2. Rtr, LBŽ, NdŽ, LFII538, KŽ siehe žydrė 3: Mt, Čiuprynuo-toji žydra (M. comosum) P. Balsvoji žydra (M. pallescens) P LKŽₑ. J. A. Pabrėža benannte diese Pflanze nach ihrem auffälligsten Merkmal – der Blütenfarbe und nicht nach dem Duft, auf den sich der lateinische Name bezieht. Zu dieser Gruppe von Pflanzengattungsnamen gehört noch ein weiterer metaphorischer Name, den J. A. Pabrėža auf der Grundlage seines persönlichen Eindrucks von Farbe und Form der Blütenstände schuf: kazooks (~kazokas). – Amará़nthus (TA 214/ I 352). Den Beweggrund, warum J. A. Pabrėža einen im umgangssprachlichen Gebrauch verwendeten Slawismus terminologisierte, erklärte der Botaniker Jonas Dagys treffend: „<...> die Gattung Amaranthus, deren ALBINA AUKSORIŪTĖ. Paprastųjų žodžių terminizavimas Jurgio Ambraziejaus Pabrėžos Taislinėje augvminame 185 Zierarten sich durch leuchtend rote Blütenstände auszeichnen und an Kokarden auf Militärmützen erinnern, nannte er kazokas. Da er jedoch keine Sympathie für Kosaken empfand und Humor hatte, nannte er eine Art, die sich nicht durch ihr Aussehen auszeichnete, nämlich Amaranthus blitum, Kazokas mulkis (Dagys 1972: 24); vgl. Amarántus (gr. a – nicht, maraino – welken; die Blütenhülle der Pflanze welkt nicht, da sie trockenhäutig ist) – Fuchsschwanz (Gr, Mln), Syn. kazokas (P) LBŽ 19, 3 kazokas (russ. казак) 3. Mt, P, LBŽ bot. „Fuchsschwanz (Amarantus)“ LKŽe. Im letztgenannten Wörterbuch wird angegeben, dass im LBŽ noch drei weitere Pflanzen mit diesem Namen bezeichnet werden: 4. LBŽ bot. „Schafgarbe (Achillea cartilaginea)“; 5. LBŽ bot. „Weidenröschen (Epilobium)“; 6. P, LBŽ „Melde (Atriplex)“ LKŽe. Bemerkenswert ist, dass im LBŽ weder bei Achillea cartilaginea noch bei Atriplex der Pflanzenname kazokas aufgeführt ist; nur bei zwei Arten von Epilobium sind Synonyme angegeben: Epilobium angustifolium – Schmalblättriges Weidenröschen, Syn. kazokai (Ak, St), und Epilobium montanum – Berg-Weidenröschen, Syn. krūmų kazokas (PHr) LBŽ 131. Die Bearbeiter des LKŽ wurden offenbar durch die fehlerhaften Verweise im litauischen Namensregister des LBŽ irregeführt; siehe LBŽ 435. Nach dem Aussehen der Früchte oder Samen motivierte Namen. Zu dieser Untergruppe gehören fünf Gattungsnamen, die J. A. Pabrėža schuf, indem er Wörter auf Grundlage des Aussehens von Früchten und Samen terminologisierte: blaaky (~blakė). – Corispérmum (TA 4/ I 138); zur Bezeichnung der besprochenen Pflanze wurde ein Tiername terminologisiert, worauf auch die lateinische Entsprechung des Pflanzennamens hinweist; vgl. Corispérmum hyssopifólium (gr. koris – Wanze, sperma – Samen; die Früchte ähneln Wanzen) – Gaub-Melde (Bak, Mln) LBŽ 103; blakė 5. P bot. „Pflanze aus der Familie der Gänsefußgewächse, Gaub-Melde (Corispermum)“ LKŽe; Corispermum (gr. koris – Wanze, sperma – Samen) – Gaub-Melde BVŽ 95; der Name für diese Pflanze könnte in Anlehnung an die lateinische Entsprechung vergeben worden sein, aber auch motiviert aufgrund der Ähnlichkeit der Früchte mit Wanzen; blyzgy (~blizgė). – Lunária (TA 451/ II 273), vgl. Lunária L (lat. luna – Mond; die Früchte sind rund wie der Mond) – Silberblatt (P) LBŽ 204; „Silberblatt (Lunaria), eine Gattung ein- und mehrjähriger Kräuter aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). <...> Die Frucht ist ein großes, längliches oder fast rundes Schötchen. Wenn dessen Klappen abfallen, bleibt die glänzende Scheidewand zurück“ VLEe; blizgė 2. Ki447 „Glitzerchen, Glanzstück“. 4. P, Skd bot. „eine solche Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler“ (Lunaria) LKŽe. Diese Gattung wurde nach einem anderen Merkmal als im lateinischen Namen benannt – gewählt wurde die Farbe der Frucht und nicht ihre Form. 186 BENDRINĖ KALBA | 96 sraygy (~ Schnecke). – Medicágo (TA 539/ II 361); dieser Pflanzenname wurde wegen der Ähnlichkeit der Hülsen mit einem Schneckenhaus vergeben, vgl. „Hülsen 2–4-mal spiralförmig gedreht“ bei der Luzerne (Lekavičius 1989: 176); vgl. Medicágo (gr. medike, lat. medica ist eine alte Bezeichnung für Luzerne) – Luzerne (Iv), Syn. sraigė (P) LBŽ 215; sraigė 3. P, LL79, Rtr, LBŽ, NdŽ, KŽ bot. „Luzerne (Medicago)“: S. Dauk, I, Mt LKŽₑ. Wie LKŽₑ angibt, wird die betreffende Pflanze in den Schriften sowohl von Simonas Daukantas als auch von Laurynas Ivinskis Schnecke genannt; daher ist es möglich, dass J. A. Pabrėža der Pflanze den Namen des Weichtiers nicht selbst gab, sondern einen bereits in der Umgangssprache verwendeten Pflanzennamen übernahm; tómsa (~ Dunkelheit). – Morus. – (: Maulberbaum, Bluff) (TA 107/ I 243), vgl. Mórus L. (gr. moron, lat. morum – Bezeichnung dieser Bäume und ihrer Früchte) – Maulbeerbaum; M. nigra L. – Schwarzer Maulbeerbaum BVŽ 199; tamsa 8. LBŽ bot. „Maulbeerbaum (Morus)“: Tamsa juodoji (M. nigra) P. Tamsa baltoji (M. alba) P. LKŽₑ. Die Maulbeerarten tragen Namen, deren Artzusätze die Farbe der Beeren angeben; daher benannte J. A. Pabrėža die Gattung metaphorisch tamsa nach den schwarzen Beeren einer ihrer Arten; žyly (~ Greisin). – Senecio (TA 600/ II 422); die Pflanze wurde nach einem charakteristischen Merkmal benannt – der Farbe des Blütenstandes nach dem Verblühen. Daher bleibt nur, der im LBŽ angegebenen Motivierung zuzustimmen: Senécio (lat. senex – Großvater, ergraut; diese Pflanzen verblühen und altern rasch, und ihre weißen Samenstände schmücken ihre Spitzen wie graue Haare) – Greiskraut (P) LBŽ 320, vgl. Greiskraut (Senecio), eine Pflanzengattung aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Es sind etwa 1200 Arten bekannt. Das Greiskraut ist weltweit mit Ausnahme der Antarktis verbreitet VLEe; žilė 1. Š, DŽ, NdŽ „Ergrauen, graues Haar“: Krš. 3. P, Mt, NdŽ, LEXXXV340, DŽ bot. „wild wachsende und kultivierte Blume aus der Familie der Korbblütler (Senecio)“: LBŽ. LKŽₑ. Durch das Aussehen der Blätter motivierter Name. Bei einem der dieser Gruppe zugeordneten terminisierten Pflanzennamen besteht Unsicherheit darüber, welches Wort J. A. Pabrėža zur Benennung der Pflanze terminologisierte – LKŽₑ führt das Wort lelė an. Bei der Suche nach der Motivierung des Namens lässt sich jedoch vermuten, dass die Pflanze wegen des Aussehens ihrer Blätter nach dem umgangssprachlichen Wort liele benannt wurde: liely (~ lėlė oder lielė?). – Swértia (TA 187/ I 325); vgl. Sweértia perénnis (Em. Sweert – niederländischer Gärtner, der im 17. Jh. lebte) – Ausdauernder Bitterling [Iv], Syn. lelė (PR) LBŽ337; 1 lelė Kv, Slnt, OG236, 5. P bot. „Bitterling (Sweertia)“ LKŽₑ, lielė]720, Užv,]1334 abwert. „Zunge; Kehle“: KlvrŽ LKŽₑ; vgl. „Gattung Swertia (162) Taisliuje ALBINA AUKSOR IŪTĖ. Paprastųjų žodžių terminizavimas Jurgio Ambraziejaus Pabrėžos Taisliuje augyminame 187 pavadinta lėlė (lapų pavidalas liežuviškas). Dabar tai patvenis“ (Jan-kevičienė 2009: 43). R. Jankevičienės nurodytas augalo lapų pavida-las akivaizdžiai parodo, kad J. A. Pabrėžos pateiktą vardą reikia sieti ne su žodžiu lėlė, o su lielele „liežuvis“. Šią mintį paremia ir K. Gaive-nio nuomonė, pateikta straipsnyje apie augalų pavadinimus J. A. Pa-brėžos raštuose: „J. Pabrėžos raštuose randame įdomių sudurtinių augalų pavadinimų, pvz.: driežlielė (Ophioglossum), jautlielė (Buglos-sum), šunlielė (Cynoglossum) ir kt. Iš lotyniškų atitikmenų matyti, kad šių lietuviškų sudurtinių terminų antras dėmuo turėtų reikšti „liežuvis“ (graikų glossa – liežuvis). Vadinasi, driežlielė – driežo lie-žuvis, jautlielė – jaučio liežuvis, šunlielė – šuns liežuvis ir t. t. Liežu-vi žodžiu lielis (arba lielė) vadino dar S. Daukantas ir kiti žemaičių rašytojai“ (Gaivenis 2014 [1971]: 259–260). 2.2. Namen, die auf Grundlage der Verwendung der Pflanze geschaffen wurden Diese Gruppe umfasst nur zwei Pflanzengattungsnamen, deren Motivierung meines Erachtens eindeutig ist und mit der Verwendung der Pflanzen zusammenhängt – mit der Gewinnung von Farbstoff aus Pflanzenteilen, bei einer Pflanze aus den Blättern, bei der anderen aus den Wurzeln: gelta (~ Gelbheit). – Serrátula (TA 573/ II 395); die Pflanze wurde nach der Färbefarbe benannt, die aus den Blättern der Pflanze gewonnen wird, vgl. Serrátula tinctória (lat. serra – Säge; die Blätter der Pflanze sind gesägt) – Färber-Scharte [Mln]...<> Früher wurden die Blätter der Pflanze zum Gelbfärben von Wollstoffen verwendet LBŽ 321; Geltė (Serratula), eine Gattung ausdauernder Kräuter aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae)....<> Aus einigen Arten der Geltė werden gelbe Farbstoffe gewonnen. In Litauen kommt eine Art vor, die Färber-Scharte (Serratula tinctoria) VLEe; gelta 1. K „Gelbheit, Gelbwerden“. 3. P siehe geltė 2: Slk. 4. „gelber Farbstoff“: Lš. 5. „gelbe Fäden“: Rdm, J LKŽe; rauda (~ Rotfärbung). – Rúbia (TA 101/ I 237); das einfache Wort wurde zur Benennung der Pflanze gewählt, weil aus ihren Wurzeln ein Farbstoff gewonnen wird, vgl. Rúbia tinctorum (lat. ruber – rot; die Wurzel liefert roten Farbstoff <...>) – Färberröte [P] LBŽ 301; 2 rauda 1. Q420, Lex76, CII331, R, N, K, FrI202, LsB229 „Röte, Rotfärbung, rote Farbe“. 5. siehe 1 raudė 2: Rauda dažylinė P LKŽe; 1 raudė 2. BŽ215 bot. „Pflanze aus Ländern des Südens, deren Wurzeln zum Färben von Stoffen dienen“: Färberröte (Rubia tinctorum) LBŽ (P) LKŽe; Rubia (lat. Pflanzenname; ruber – rot; die Wurzeln liefern roten Farbstoff) – raudė BVŽ 259. 188 BENDRINĖ KALBA | 96 2.3. Pflanzennamen mit unklarer Motivation Es wurde nur eine Pflanzenbezeichnung gefunden, bei der eine Motivation durch eine innere Eigenschaft der Pflanze angenommen werden kann und bei der zur Benennung der Pflanze der Name eines Insekts terminologisiert wurde: aklis (~aklis). – Galeópsis (TA 421/ II 243), vgl. 1 aklis 1. zool. „ein Vieh angreifendes Insekt (Haematopota pluvialis)“: Lp, Brs, UŽv.8. 3. P siehe aklė 3: Brs, Grg LKŽₑ; gelbblütige aklė, Galeopsis speciosa <...> Ein verbreitetes Ackerunkraut. Eine giftige Pflanze, besonders für Pferde (Jankevičienė 1987: 206). Möglicherweise benannte J. A. Pabrėža diese Pflanze nach dem Insekt, das am häufigsten Pferde befällt, da die Pflanze für Pferde giftig ist; vgl. auch Galeopsis (<...> stammt aus dem Gr. galea, gale – Frettchen und opsis – Aussehen: Die zweilippigen Blüten werden hier mit dem Maul eines Frettchens verglichen) – aklė (Mln), Syn. aklys (P) LBŽ 149–150; Galeopsis – aklė BVŽ 137. Die Motivation zweier Pflanzenbezeichnungen, für die J. A. Pabrėža die gemeinsprachlichen Wörter gaiva und meilė heranzog, lässt sich nur schwer erschließen: gayva (~gaiva). – Lápsana (TA 631/ II 453); vgl. Lapsana L. (gr. lapsane – Pflanzenname) – gaiva BVŽ 171; Lápsana commúnis L. (gr. lapazo – ich entleere, reinige; wird als Arzneimittel zur Darmentleerung verwendet) – gewöhnliche gaiva (P) LBŽ 189; gaiva 1. Kos42 „Frische“. 3. P. Snar bot. „eine Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Lapsana)“ LKŽₑ. Die Motivation der Pflanzenbezeichnung ließe sich vielleicht mit der Verwendung der Pflanze als Arzneimittel in Verbindung bringen, denn wer sie einnahm, fühlte sich möglicherweise vital und kräftig; vgl. gaivus 2. SD35 „vital, ausdauernd, kräftig“ LKŽₑ; meeyly (~meilė). – Vaccinium. – ((Heidelbeere. Bluff.) (TA 268/ II 90), vgl. Vaccinium L. (<...> der Name stammt wahrscheinlich vom Wort bacca – Beere; baccinium würde „Beerenstrauch“ bedeuten) – Heidelbeere (F, Rkt), Syn. mėle (P) LBŽ 364; Vaccinium L. (lat. Pflanzenname, möglicherweise mit lat. bacca – Beere verwandt) – Heidelbeere BVŽ 306; 2 meilė bot. „eine Pflanze aus der Familie der Heidekrautgewächse, Heidelbeere (Vaccinium)“: Meilė mėlynė (V. myrtillus) P. Meilė bruknė (V. vitis idaea) P. LKŽₑ. Die Motivation dieser Gattungsbezeichnung ist noch unklarer als die der zuvor besprochenen Bezeichnung; vielleicht lässt sie sich mit der entlehnten Bedeutung von myleti „mögen“ verbinden, da die Beeren dieser Gattung essbar und bei den Menschen beliebt sind; vgl. mylėti x4. (sl.) „mögen“ LKŽₑ. In den Beispielen wird angegeben, dass akliai Pferde angreifen.8 ALBINA AUKSORIŪTĖ. Paprastųjų žodžių terminizavimas Jurgio Ambraziejaus Pabrėžos Taislijoje augyminame 189 Vergleicht man die Motivation der hier behandelten, von J. A. Pabrėža geschaffenen Gattungsnamen für Blütenpflanzen mit der Motivation ihrer lateinischen Namen, so zeigt sich, dass die Motivation nur bei sechs Namen übereinstimmt (siehe Tabelle 1). Daraus lässt sich jedoch nicht schließen, dass J. A. Pabrėža sich in diesen Fällen an den lateinischen Namen orientierte, denn sowohl die lateinischen als auch die von J. A. Pabrėža geschaffenen Namen verweisen auf das Hauptmerkmal der Pflanze. TABELLE 1. Lateinische und litauische Pflanzengattungsnamen mit übereinstimmender Motivation Lateinischer Name Litauischer Name Benennungsmotiv Trollius burbulas Die runde Form der Blüten. Échium kramė Die Blüten ähneln dem Kopf eines Tieres. Lýchnis Feuer Auffällige Blütenfarbe. Corispérmum Wanze Die Früchte ähneln Wanzen. Senecio Greis Die Farbe der Achänen des verblühten Gewächses ähnelt der Farbe grauer Haare. Rúbia Krapp Aus den Wurzeln der Pflanze wird ein roter Farbstoff gewonnen. Von den besprochenen Pflanzengattungsnamen, die J. A. Pabrėža in seinem Taislius augyminis aufgeführt und durch Terminologisierung gemeinsprachlicher Wörter geschaffen hat, hat sich die Hälfte durchgesetzt und wird heute als offizielle Bezeichnung der betreffenden Gattungen geführt. Drei Namen für Gattungen der Blütenpflanzen werden unverändert in der von J. A. Pabrėža verwendeten Form gebraucht: blizgė, gaiva und žilė. Bei sechs Gattungsnamen wurde die Endung geändert; sie gelten nun als Ableitungen mit Suffix: aklė, burbulis, geltė, pentinius, raudė, žydrė, siehe Tabelle 2. Bemerkenswert ist, dass diese Formen der Pflanzennamen – mit Ausnahme einer einzigen, žydra – bereits in Povilas Matulionis’ Pflanzenverzeichnis Žolynas. Dalys II. Lietuvos augalų žodynas ir augalų taislas (1906) aufgeführt sind, dem ersten in Litauen gedruckten botanischen Wörterbuch. Im Vorwort seines Wörterbuchs führte P. Matulionis die von ihm verwendeten Quellen auf; an erster Stelle nannte er das 1900 in Amerika gedruckte Wörterbuch von J. A. Pabrėža, Botanika arba Taislius auguminis (siehe ausführlicher Auksoriūtė 2019). Wie Tabelle 2 jedoch zeigt, änderte P. Matulionis die von J. A. Pabrėža verwendeten Namen geringfügig. 190 BENDRINĖ KALBA | 96 TABELLE 2. Pflanzengattungsnamen in terminografischen Quellen J. A. Pabrėžas Taislius augyminis J. A. Pabrėžos Botanika arba Taislius auguminis (1900) P. Matulionio Žolynas (1906) Litauisches botanisches Wörterbuch (1938) Wörterbuch der botanischen Namen (1998) blyzgy (~Glanzkraut). – Lunária (TA 451/ II 273) blizgė 115 blizgė 38 blizgė 204 blizgė 183 gaywa (~Lebenskraft). – Lápsana (TA 631/ II 453) gaiva 124 gaiva 35 gaiva 189 gaiva 171 žyly (~Greisenkraut). – Senecio (TA 600/ II 422) žilė 14 žilė 54 žilė 320 žilė 273 aklis (~Blindkraut). – Galeópsis (421/ II 243) aklys 110 aklė 29 aklė 149 aklė 137 bóórbóls (~Blase). – Trollius. – (389/ II 211) burbulas 116 burbulis 59 burbulis 355 burbulis 302 gelta (~Gelbsucht). – Serrátula (573/ II 395) gelta 125 geltė 54 gelte 321 gelte 274 Sporn (~Sporn). – Delphínium (374/ II 196) Sporn 142 spornig 23 spornig 116–117 spornig 109 Krapp (~rauda). – Rúbia (101/ I 237) Färberröte 146 Färberröte 51 Färberröte 301 Färberröte 259 Himmelblau (~žydra). – Muscari (244/ II 66) blau 163 blau 41 bläulich 226 žydrė 199 Licht (~gaisra). – Lýchnis (TA 312/ II 134) gaisra 124 gaisrana 205 gaisrana 205 gaisrena 185 Separat ist der entsprechende Gattungsname gaysra (~gaisra). – Lýchnis (312/ II 134). Heute wird diese Gattung mit dem Suffix –ena als Ableitung gaisrena bezeichnet, vgl. gaisrena BVŽ 185. Im Žolynas von P. Matulionis wird der Name gaisrana angegeben, mit dem Hinweis, dass es sich um einen aus den Schriften von J. A. Pabrėža übernommenen Namen handelt. Derselbe Name findet sich auch im Lietuviškas botanikos žodynas, jedoch mit Verweis auf P. Matulionis; als Synonym ist J. A. Pabrėžas gaisra angegeben, vgl. gaisrana (Mln), Syn. gaisra (P) LBŽ 205. ALBINA AUKSORIŪTĖ. Paprastųjų žodžių terminizavimas Jurgio Ambraziejaus Pabrėžos Taisliuje augyminame 191 SCHLUSSFOLGERUNGEN 1. Die Terminologisierung umgangssprachlicher Wörter ist in J. A. Pabrėžas Taislius augyminis die zweithäufigste von ihm angewandte Methode zur Bildung von Pflanzennamen. Die zwanzig im Artikel untersuchten Namen von Gattungen der Blütenpflanzen, die durch Terminologisierung einfacher umgangssprachlicher Wörter entstanden sind, machen etwa 12 Prozent aller terminologisierten Gattungsnamen von Blütenpflanzen aus. 2. Die untersuchten Pflanzennamen weisen eine semantische Motivation auf und sind den metaphorischen Termini zuzuordnen. Bei den meisten durch Terminologisierung einfacher umgangssprachlicher Wörter gebildeten Pflanzengattungsnamen ist die Motivation eindeutig; lediglich die Benennungsmotive zweier Namen, die durch Terminologisierung abstrakter Substantive entstanden sind (gaiva, meilė), lassen sich nur vermuten. 3. Die meisten Pflanzennamen, insgesamt fünfzehn, schuf J. A. Pabrėža anhand des Erscheinungsbildes der Pflanze; neun davon sind durch eines der wichtigsten Pflanzenmerkmale motiviert – das Aussehen der Blüten und Blütenstände: ihre Form (z. B. burbulas, karūna, pentinas) und Farbe (z. B. gaisra, žydra). Fünf einfache Wörter wurden zur Benennung von Pflanzengattungen anhand des Aussehens der Früchte oder Samen terminologisiert (blakė, blizgė, sraigė, tamsa, žilė), eines anhand des Aussehens der Blätter (lelė). Die Motivation von lediglich zwei Namen steht eindeutig mit der Verwendung der Pflanzen in Zusammenhang (gelta, rauda). Die terminologisierten einfachen Wörter bezeichnen nicht die unmittelbare Verwendung der Pflanze, sondern deren Ergebnis – die aus Pflanzenteilen gewonnene Farbe. Die Analyse der Motivation der Pflanzennamen macht J. A. Pabrėžas Kreativität deutlich, insbesondere wenn Pflanzen nach dem persönlichen Eindruck oder einer Assoziation des Autors benannt werden (aklis, baidykla, kazokas). 4. Wichtig ist festzustellen, dass die meisten Benennungsmotive anhand eines charakteristischen Pflanzenmerkmals gewählt wurden, ohne sich an den lateinischen Pflanzennamen zu orientieren. Zwar stimmt die Motivation von sechs der von J. A. Pabrėža geschaffenen Namen mit der Motivation ihrer lateinischen Entsprechungen überein, doch zeigen einige seiner terminologisierten einfachen Namen keine unmittelbare Orientierung an lateinischen Namen (burbulas, kramė, gaisra). 5. Die Hälfte der hier behandelten, von J. A. Pabrėža geschaffenen Gattungsnamen von Blütenpflanzen (10 von 20) hat sich im Sprachgebrauch durchgesetzt und wird offiziell in der Pflanzennomenklatur verwendet. Bemerkenswert ist, dass drei Namen bis heute unverändert erhalten geblieben sind, genau in der von J. A. Pabrėža vorgeschlagenen Form: blizgė, gaiva, žilė. Bei fünf der im Taislius augyminis angeführten Namen wurde das Endungssuffix geändert (burbulis, geltė, pentinius, raudė, žydrė); bei einem Namen wurde das Suffix -ana (gaisrana, heute gaisrena) hinzugefügt. Diese Formen finden sich bereits im ersten 1906 in Litauen gedruckten Pflanzenverzeichnis, dem Žolynas von P. Matulionis; der Name žydrė mit geänderter Endung ist im Lietuviškas botanikos žodynas (LBŽ 1938) belegt. 192 BENDRINĖ KALBA | 96 ŠALTINIAI LBŽ – Lietuviškas botanikos žodynas, red. J. Dagys. Kaunas, 1938. LKŽe – Lietuvių kalbos žodynas (t. 1–20, 1941–2002): elektroninis variantas. Redaktorių kolegija: Gertrūda Naktinienė (vyr. redaktorė), Jonas Paulauskas, Ritutė Petrokienė, Vytautas Vitkauskas, Jolanta Zabarskaitė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2005 (atnaujinta versija, 2008). Prieiga internete: www.lkz.lt. TA I – J. A. Pabrėža Taislius augyminis. I–223, par. O. Kažukauskaitė, R. Šepetytė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2009. TA II – J. A. Pabrėža Taislius augyminis. 224–776, par. R. Šepetytė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2014. TA III – J. A. Pabrėža Taislius augyminis. 777–980, par. R. Šepetytė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2015. 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The twenty names of the genera of flowering plants created by way of terminologisation of colloquial words that this paper examined, account for about 12 per cent of all names of the genera of flowering plants created in this way. Research showed that the plant names analysed are characterised by semantic motivation and can be attributed to metaphorical terms. The motivation for most names of plant genera created by terminologisation of common words is clear. Nine plant names were created by Pabrėža on the basis of the appearance of the plant: the shape and colour of the flowers and inflorescences (e.g., burbulas, karūna, pentinas, gaisra, žydra), five common words were made into terms to designate plant genera by the appearance of their fruits or seeds (blakė, blizgė, sraigė, tamsa, žilė), and one by the appearance of its leaves (lielė); the motivation behind two names is clearly linked to the use of the plants in questions (gelta, rauda), and the motivation for three names can only be guessed (aklis, gaiva, meilė). Half (ten out of twenty) of Pabrėža’s names of the genera of flowering plants discussed in the article have been adopted and are officially used in the nomenclature of plants. KEYWORDS: Jurgis Ambraziejus Pabrėža, plant genera names, terminologisation, motivation, metaphorical terms. ALBINA AUKSORIŪTĖ Lietuvių kalbos institutas Petro Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius [email protected] ALBINA AUKSORIŪTĖ. Paprastųjų žodžių terminizavimas Jurgio Ambraziejaus Pabrėžos Taisliuje augyminime 197 ALBINA AUKSORIŪTĖ PAPRASTŲJŲ ŽODŽIŲ TERMINIZAVIMAS JURGIO AMBRAZIEJAUS PABRĖŽOS TAISLIUJE AUGYMINIAME Santrauka Straipsnyje analizuojami Jurgio Ambraziejaus Pabrėžos 1843 m. darbe Taislius augyminis pateikti žiedinių augalų genčių vardai, kuriuos jis sukūrė terminizavęs paprastuosius to meto šnekamosios kalbos žodžius. Šnekamosios kalbos žodžių terminizavimas J. A. Pabrėžos Taisliuje augyminiame yra antrasis pagal produktyvumą jo augalų vardų kūrimo būdas. Dvidešimt straipsnyje nagrinėjamų žiedinių augalų genčių vardų, sukurtų terminizuojant paprastuosius šnekamosios kalbos žodžius, sudaro apie 12 procentų visų terminizuotų žiedinių augalų genčių vardų. Tyrimas parodė, kad nagrinėjamiems augalų vardams būdinga semantinė motyvacija, jie skirtini prie metaforinių terminų. Daugumos augalų genčių vardų, sukurtų terminizuojant paprastuosius kalbos žodžius, motyvacija yra aiški. Devynis augalų vardus J. A. Pabrėža sukūrė remdamasis augalo išvaizda: žiedų ir žiedynų forma ir spalva (pvz.: burbulas, karūna, pentinas, gaisra, žydra), penki paprastieji žodžiai terminizuoti augalų gentims įvardyti pagal vaisių ar sėklų išvaizdą (blakė, blizgė, sraigė, tamsa, žilė) ir vienas – pagal lapų išvaizdą (liele), dviejų vardų motyvacija aiškiai susijusi su augalų naudojimu (gelta, rauda), o trijų vardų motyvacija tik spėtina (aklis, gaiva, meilė). Pusė aptariamų J. A. Pabrėžos sukurtų žiedinių augalų genčių vardų (10 iš 20) vartosenoje prigijo ir yra oficialiai vartojami augalų nomenklatūroje. ESMINIAI ŽODŽIAI: Jurgis Ambraziejus Pabrėža, augalų genčių vardai, terminizavimas, motyvacija, metaforiniai terminai. ALBINA AUKSORIŪTĖ Lietuvių kalbos institutas Petro Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius [email protected] 198 BENDRINĖ KALBA | 96