Iš optatyvo istorijos
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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, IV
LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
ZUR GESCHICHTE DES OPTATIVS
J. KAZLAUSKAS
§ 1. In den litauischen Dialekten weisen die Optativformen eine große Vielfalt auf. Keine grammatische Kategorie hat so viele Varianten wie der Optativ. Gegenwärtig sind in den litauischen Dialekten vor allem folgende Optativformen gebräuchlich:
Sg. 1. Pers. būčiau, būčia, būčio, būč, būčiu, būtųu (būtau), būčiobe, būčiap (būtiap), būčiobi, būtum, būčium;
Sg. 2. Pers. būtum, būtumei, būtumi, būtųi (būtai), būtumbe, būtumbei;
Pl. 1. Pers. būtum(e), būtumėm(e), būtumim, būtumiam, būtūm (būtūme), būtum, būtumbe, sukutumbėmės;
Pl. 2. Pers. būtut(e), būtumėt(e), būtumit, būtųt (būtūte), būtūl, būtūtbe, sukutumbėtės;
3. Pers. būtų, būtų, butu, būt, būtum, būtun, būčube, būčubi.
Nimmt man die in litauischen Schriftzeugnissen des 16.–17. Jahrhunderts belegten Optativformen hinzu, wird das Bild noch vielfältiger:
Sg. 1. Pers. būčiau, būčia, būčio, būtumobiau;
2. Pers. būtumbei, būtumbi, būtumei, būtum, būtumb;
Pl. 1. Pers. būtumbim(e), būtum(e), būtumim(e), būtumb;
2. Pers. būtumbit(e), būtumit(e), būtumbo, būtumbet;
3. Pers. būtų (būtun).
§ 2. Diese Vielfalt der Optativformen interessiert die Forscher seit Langem. Mit dem baltischen Optativ begann man sich, so kann man sagen, seit dem Aufkommen der historisch-vergleichenden Methode zu beschäftigen. Über ihn schrieben A. Schleicher1, F. Bopp2, A. Bezzenberger3, J. Schmidt4, O. Wiedemann5, W. Porzeziński6 (seine Analyse stützt sich auf reichhaltiges dialektales und älteres
1 Žr. A. Schleicher, Handbuch der litauischen Sprache, 228 tt., Prag, 1856; Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen, 841, Weimar, 1866.
2 Siehe F. Bopp, Vergleichende Grammatik..., 3³, § 685 ff., 1861.
3 Žr. A. Bezenberger, Beiträge zur Geschichte der litauischen Sprache..., 214 tt., Göttingen, 1877; Lettische Dialekt-Studien, 72 tt., Göttingen, 1885; Litauische Forschungen, 16 tt., 39, Göttingen, 1882; Über die Sprache der preussischen Letten, 97 tt., Göttingen, 1888; BB 26, 175 tt.
4 Siehe KZ, 24, 305, 1879.
5 Žr. O. Wiedemann, Das litauische Präteritum, 184 tt., Straßburg, 1891; Handbuch der litauischen Sprache, 111, Straßburg, 1897.
6 Siehe B. K. Поржезинский, Къ исторіи формъ спряженія въ балтійскихъ языкахъ, 56 tt., Москва, 1901.
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(Material aus Schriftdenkmälern), E. Berneker⁷, J. Zubatis⁸, K. Brugmanas⁹, F. Špechtas¹⁰, J. Endzelynas¹¹, H. Pedersenas¹², Ch. Stangas¹³, V. Pizanis¹⁴, J. Otrębskis¹⁵. Die Entstehung einzelner Optativformen wird häufig unterschiedlich erklärt. Die Zahl der verschiedenen Meinungen zu dieser Frage ist beinahe ebenso groß wie die der Formen selbst. Einige davon sind im Laufe der Zeit überholt; manche sind durch litauische Sprachfakten nicht hinreichend belegt. Fast alle Autoren verfügten über zu wenig dialektologisches Material des Litauischen und wussten nur wenig über die Verbreitung dieser Formen in den Dialekten.
§ 3. Alle genannten Wissenschaftler mit Ausnahme von F. Bopp und V. Pisani sind davon überzeugt, dass der litauische Optativ aus dem Supinum und dem Hilfsverb -bime gebildet ist. Nur E. Berneker, der V. Poržežinskis Gedanken, ein einzelnes Supinum könne für alle drei Personen im Sinne eines Optativs verwendet worden sein, zu Recht keinen Glauben schenkt, vermutet, dass in den baltischen Sprachen eine Imperativform mit *-tōd (altind. -tād, gr. -τω, lat. -tod, -to) in das Optativsystem aufgenommen wurde; ihr Rest sei das lett. 3. Pers. suktuo-s, lit. suktu (mit kurzem -u)¹⁶. F. Bopp¹⁷ und V. Pisani¹⁸ meinen, der erste Bestandteil des litauisch-lettischen Optativs sei ein urindogermanischer Imperativ mit -tu gewesen (vgl. indo-iran. -tu, heth. -du), der im Altindischen mit potentieller Bedeutung verwendet werden konnte.
Auch hinsichtlich des zweiten Bestandteils des Optativs (-bime und anderer Formen) sind unterschiedliche Meinungen geäußert worden. Die Mehrheit (F. Bopp, A. Schleicher, J. Schmidt, V. Poržežinskis, E. Berneker, A. Bezzenberger, O. Wiedemann, J. Zubaty) hält ihn für den Optativ des Verbs sein. K. Brugman behauptet ohne jeden Zweifel, diese Form sei ein Präteritum. Auch Ch. Stang neigt dazu, sie für ein Präteritum zu halten. J. Endzelin betrachtet ihre Herkunft alternativ und hält die zweite Auffassung nicht für ausgeschlossen, obwohl sie das Vorhandensein zweier Stämme (-bei und -bime) innerhalb eines Paradigmas nicht erkläre¹⁹.
Besonders große Schwierigkeiten bereitet den Forschern die Herkunft der Formen der 1. Person Singular būčia, -čio, -čiau. Obwohl man sich beträchtlich darum bemüht hat, ist die Herkunft dieser Formen bis heute nicht geklärt. Es wurde keine Hypothese aufgestellt, die als gesichert gelten könnte.
§ 4. Imperativ oder Supinum? Diese Frage müsste man vielleicht gar nicht stellen, wenn V. Pisani sie nicht in jüngster Zeit aufgeworfen hätte. Er vertritt die von F. Bopp aufgestellte
⁷ Siehe E. Berneker, AfslPh, 25, 485, 1903 (Rezension des in Fußnote 6 genannten Werks von V. Poržežinskis).
⁸ Siehe J. Zubaty, IFA, 16, 55 ff., 1904. (Rezension des in Fußnote 6 genannten Werks von V. Poržežinskis).
⁹ Žr. K. Brugmann, IF, 30, 348 tt., 1912; Grundriss der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen, 2², 3, 513 tt. Strassburg, 1916 (toliau: Grundriss).
¹⁰ Siehe F. Specht, Litauische Mundarten, 2, Leipzig, 1922 (siehe weiter unten unter Optativ).
¹¹ Siehe J. Endzelin, Lettische Grammatik, § 695 ff., Riga, 1922; FBR, 15, 11, 1935; FBR, 17, 166, 1937; Latviešu valodas gramātika, § 695 ff., Rīga, 1951 (im Folgenden: Grammatik).
¹² Siehe H. Pedersen, Études lituaniennes, 56, København, 1933.
¹³ Žr. Ch. Stang, Das slavische und baltische Verbum, 249 tt., Oslo, 1942 (toliau: Verbum); Die litauische Konjunktion jeib und der lit.-lett. Optativ (Norsk Tidsskrift for Sprogvidenskap, 18, 348 tt.).
¹⁴ Siehe V. Pisani, L'ottativo (congiunctivo) baltico e il trattamento di ō in sillaba finale in gotico e baltico. — „Studi Baltici”, 9, 34 ff., 1952.
¹⁵ Siehe J. Otrębski, Gramatyka języka litewskiego, 3, 230 ff., Warszawa, 1956.
¹⁶ Siehe AfslPh, 25, 486.
¹⁷ Siehe F. Bopp, a. a. O., § 685.
¹⁸ Siehe V. Pisani, a. a. O., 40.
¹⁹ Siehe J. Endzelins, Gramatika, § 695.
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die Idee und versucht, sie in seinem gesamten Aufsatz mit Fakten aus dem Litauischen und Lettischen zu begründen. Die Grundlage dieser Idee ist eine falsche Interpretation der litauischen und lettischen Form der 3. Person Singular mit -tu (kurz -u). Außerdem ist die Entstehung vieler litauischer und lettischer dialektaler Optativformen unklar. Behauptungen, die das Wesen der Sache verfehlen, wandern von Buch zu Buch und von Aufsatz zu Aufsatz bis in unsere Zeit.
Das kurze -tu entstand hier durch die besondere Kürzung der Optativformen. Daher trifft auch E. Bernekers Vermutung nicht zu, dass lit. -tu und lett. -tuos aus dem Imperativ *-tōd hervorgegangen seien. Sowohl lit. -tuos (turietō̜s ~ turētuos Vieksniai, suktu̜os Šakyna) als auch lett. -tuos entstanden durch Analogie zu anderen reflexiven Verbformen, denn neben den einfachen Formen auf -u enden die reflexiven Formen stets auf -uos (vgl. lit. suku: sukuos, lett. velku: velkuos)20. Sobald die Supinendung -ty zu -tu verkürzt worden war, konnte sich hier analog zu den reflexiven Formen der anderen Personen leicht ebenfalls eine reflexive Form auf -tuos. entwickeln.
Beide Theorien sind bereits a priori unglaubwürdig, allein schon deshalb, weil Imperative mit *-tu oder *-tōd weder in den baltischen noch in den ihnen verwandten slawischen und germanischen Sprachen belegt sind. Außerdem gibt es keinen litauischen Dialekt, der auch nur den geringsten Zweifel daran aufkommen ließe, dass seine Optativformen auf der Grundlage des Supins gebildet wurden.
Ein richtiges Verständnis der Optativbildung wird durch die seit V. Poržežinskis Zeiten verbreitete Annahme erschwert, dass das Supin von Anfang an als Optativform für alle Numeri und Personen verwendet worden sein könnte. E. Berneker bezweifelte dies mit gutem Grund, denn einen solchen Zustand kann man sich kaum vorstellen. Auch Ch. Stang meint, dass anfangs für alle Personen und Numeri des Optativs das reine Supin verwendet wurde21. J. Endzelynas unterstützt ebenfalls V. Poržežinskis Auffassung22. Es besteht kein Anlass, sich weiterhin auf diese Annahme zu stützen.
§ 5. In fast allen litauischen Sprachdenkmälern des 16.–17. Jahrhunderts finden wir den Optativ mit -b-. Auch in den alten lettischen Schriftdenkmälern und in den Dialekten sind Formen mit -b- erhalten. Daher lässt sich annehmen, dass sich der Optativ während der litauisch-lettischen Grundsprache aus dem Supin und einem Hilfsverb entwickelte, dessen Stamm mit dem Konsonanten b- begann. Dieses Hilfsverb verband sich mit der Zeit mit dem vorangehenden Supin, und es entstanden synthetische Optativformen. Im Laufe der Zeit verschwand dieses Hilfsverb als selbständige finite Verbform und wurde, mit dem Supin verschmolzen, zur Postposition, die ihre morphologische Optativbedeutung verlor und zum Verschwinden bestimmt war23. Die Nivellierung der morphologischen Bedeutung dieser Postposition wurde auch durch die Form der 3. Person (suktu) beschleunigt, die von alters her keine Postposition besaß (siehe § 16). Das Verschwinden der Postposition wurde zudem durch das Personalsystem des Optativs und seine erheblich kürzere Form der 3. Person begünstigt. Die Form der 3. Person ist in den baltischen Sprachen das Zentrum des Verbs. Auf ihrer Grundlage haben sowohl die Preußen als auch die Litauer und Letten eine beträchtliche Zahl von Neubildungen geschaffen. Die Optativpostposition verschwand schneller in den langen Formen mehrsilbiger Verben (pasivaiškėtuombime usw.). Bei den östlichen Dzūken, wo der Optativ mit b- verwendet wird, ist sein zweiter Bestandteil bei mehrsilbigen Verben besonders selten erhalten.
20 Zu lett. suktuos vgl. J. E n d z e l i n s, Gramatika, § 705.
21 Ch. S t a n g, Verbum, 251.
22 Siehe J. E n d z e l i n s, Gramatika, § 696.
23 Zum Schwund von Elementen, die ihre morphologische Bedeutung verloren haben, siehe K. B ū g a, Rinktiniai raštai, 1, 578 ff., herausgegeben von Z. Zinkevičius, Vilnius, 1958. Wahrscheinlich wäre auch K. Būga zu einem ähnlichen Schluss gekommen, wenn er den hier erwähnten Aufsatz beendet hätte.
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Beim Schwinden der Optativpostposition musste sich in einzelnen litauischen und lettischen Dialekten folgendes Optativkonjugationssystem herausgebildet haben:
Erster Typ Zweiter Typ Sg. 1. Pers. suktumbiau (dort, wo suktum, hatte sie sich herausgebildet), 2. Pers. suktumbei; suktum, 3. Pers. suktų, Pl. 1. Pers. suktumbime, suktum, 2. Pers. suktumboite. suktum.
Neben den neuen kurzen Formen konnten zweifellos noch einige Zeit lang auch die alten langen Formen gebraucht werden. Spuren des zweiten Typs sind im Litauischen erhalten, vgl.: Sg. 1. Pers. suktum (Biržai), būčium (Viekšniai, eine Kontamination aus būčiu und būtum), 2. Pers. suktum (weit verbreitet), 3. Pers. suktų, Pl. 1. Pers. suktum (weit verbreitet), 2. Pers. suktum24, nebutum-te ChB 161. žynotum-te ChB 2620.
In den lettischen Dialekten ist der zweite Optativtyp recht verbreitet25; hier wurde jedoch auch in der 3. Pers. die Form mit -tum eingeführt, weil -tum hinsichtlich der Personen ununterscheidbar geworden war. Das ist durchaus verständlich. Ein solcher Typ muss auch in den žemaitischen und ostpreußischen hochlitauischen Dialekten verbreitet gewesen sein, vgl. die Formen der 3. Pers. neštum < neštum und neštõm < neštumi26, die in fast dem gesamten Siedlungsgebiet der Žemaiten gebraucht werden, sowie die ostpreußisch-hochlitauischen Formen paskubin-tum, darytum27. In den lettischen Dialekten wird neben suktum auch suktu für alle drei Personen gebraucht. Die einheitliche Form suktu für alle Optativpersonen entstand durch den Gebrauch von suktum mit der Bedeutung aller drei Personen. Denn neben der neuen Form der Sg. 3. Pers. suktum konnte in der Sg. 3. Pers. auch die alte suku gebraucht werden, vgl. ostpreußisch-hochlitauisch darytum || darytu || daryt28, žemaitisch nešto < neštu < neštų und neštūm < neš-tum. Durch Analogie zu suktum wurde auch die Form der Sg. 3. Pers. suktu für alle Personen gebraucht; erleichtert wurde dies noch dadurch, dass die Form suktu sehr gut zur Sg. 1. Pers. passte, da sie mit der Sg. 1. Pers. aller Verben korrespondierte29. In den lettischen Dialekten wird neben der Sg. 1. Pers. auf -tu auch die Sg. 2. Pers. auf -ti gebraucht, neu gebildet nach der Sg. 2. Pers. der Verben auf o- und a-Stamm30.
§ 6. Der zweite Optativtyp (siehe § 5) konnte in allen litauischen und lettischen Dialekten gebraucht worden sein: in manchen früher, in anderen später. Nur die lettische Sprache war
24 Siehe A. Schleicher, Handbuch, 229. 25 Siehe J. Endzelīns, Gramatika, § 697. 26 neštumi entstand, indem an neštum die Endung -i der i-stämmigen Verben angefügt wurde (analog zu den übrigen Personen, deren Formen mit denen der i-Stämme übereinstimmten); vgl. dazu auch die reflexive Form neštumis>neštomes, die in den ia-Stamm übergetreten ist: neštumias. 27 A. Bezzenberger, Litauische Forschungen, 39 und Fußnote 1. 28 Ebenda. 29 J. Endzelīns erklärt suktu zu Unrecht anders und stützt sich dabei auf den zuvor erwähnten Gedanken von V. Por-žezinskis; siehe J. Endzelīns, Gramatika, § 698. 30 J. Endzelīns versucht zu Unrecht, dieses -ti mit dem späten litauischen -tai in Verbindung zu bringen. Wertvoll ist die zweite Annahme J. Endzelīns’, siehe Gramatika, 896. Das lettische Sg.-2.-Pers.-Suffix -tib kann eine Kontamination von -tub und -ti sein, wie J. Endzelīns annimmt (896), ist aber eher aus -ti und dem später hinzugefügten -b- gebildet, vgl. die Pl.-2.-Pers.-Form būtūtėbe in den ostlitauischen Dzūkischen und S. 82 dieses Artikels.
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und ist gegenüber der Gleichförmigkeit der Formen verschiedener Personen toleranter. Die litauischen Dialekte hingegen konnten die Personenindifferenz der Formen nicht tolerieren (mit Ausnahme der Sg. 2. Pers. auf -tum). Daher wurde der zweite Typ umgebildet:
Sg. 2. Pers. suktum, 3. Pers. suktų, Pl. 1. Pers. suktum, 2. Pers. suktut.
Die alten postpositionellen Optativformen verschwanden natürlich nicht sofort, nachdem die neuen kurzen Formen aufgekommen waren.
Eine solche Situation, in der neben den neuen Optativformen auch noch die alten gebraucht wurden, spiegeln die Kėdainiai-Drucke von 1653 sehr anschaulich wider; vgl. in „Knigos No-bažnistes“ Sg. 2. Pers. -tumbei (Nepażieystum bey 80) und -tum (noretum 68), in „Sumos“ Pl. 1. Pers. -tum(e)31 (apturetume 13) und -tumbim(e) (garbintumbim 8). Eine ähnliche Situation ist auch in den ostlitauischen Dzūkischen Dialekten erhalten geblieben, vgl.:
Sg. 2. Pers. sùktum || suktum̃ und sùktumbėis, Pl. 1. Pers. sùktum || suktum̃ und sùktumbėmės, 2. Pers. sùktūt || suktū̃ (Neubildungen) und sùktumbėtės32.
Da mit dem Schwinden der Postposition neue Formen ohne Personenkennzeichnung entstanden und das Litauische einen solchen Zustand nicht tolerieren konnte, bildete sich durch Kreuzung der nebeneinander gebrauchten neuen und alten langen Formen noch ein weiterer neuer Optativtyp heraus. In den „Maldose Krikščioniškose“ und der „Sumoje“ von 1653 findet sich bereits auch die Sg. 2. Pers. -tumei (būtumei 2), durch Kreuzung aus -tum und -tumbei gebildet; in der „Sumoje“ wird auch die neue Form der Pl. 1. Pers. gebraucht: tumim(e) (galetumime 9), die keineswegs seltener vorkommt als -tum(e) oder -tumbim(e). In den Schriften von K. Širvydas wird die Sg. 2. Pers. nur mit -tumei gebraucht, die Pl. 1. Pers. nur mit -tum(e) und -tumim(e), die Pl. 2. Pers. -tumit(e); aus diesen Formen ist jedoch klar ersichtlich, dass in Širvydas’ Dialekt, wenn nicht zu seiner Lebenszeit (Širvydas könnte Formen mit -bime, -bite aus normierenden Erwägungen vermieden haben), so doch etwas früher ein Optativ mit -bei, -bime, -bite gebraucht wurde.
Auch in den erwähnten ostlitauischen Dzūkischen Dialekten werden durch Kreuzung entstandene Formen gebraucht, vgl.:
Sg. 2. Pers. sùktumės neben sùktum̃ und sùktumbėis, Pl. 1. Pers. sùktumėnės neben sùktum̃ und sùktumbėnės, 2. Pers. sùktumėnės neben sùktumbėtės.
Durch Kreuzung entstand auch die in den žemaitischen dounininkischen Dialekten anzutreffende Form der Pl. 1. Pers. mit -tumim sowie die in denselben Dialekten recht verbreitete Form der Pl. 2. Pers. mit -tumi. In den žemaitischen dounininkischen Dialekten ist die Pl. 1. Pers. mit -tumiām weit stärker verbreitet als die Form mit -tumim und weist einen ia-Stamm auf, wie auch die i-stämmigen Verben, die dort in den ia-Stamm übergegangen sind (vgl. tyliam). Im žemaitischen Dialekt kann sich nach dem Vorbild i-stämmiger Verben auch die Optativform der Sg. 1. Pers. herausgebildet haben, vgl. būčiau (Viekšniai u. a.).
31 -e erhielt die Pl. 1. Pers. nach einame, nešėme usw.
32 Eine beträchtliche Zahl von Belegen aus den ostlitauischen dzūkischen Mundarten stellte der Verfasser J. Kardelytė zur Verfügung. Ein Teil stammt aus Diplomarbeiten von Studierenden der Universität Vilnius, einen Teil sammelte der Verfasser selbst in der Umgebung von Palūšė.
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Die durch die Kreuzung von saktum und saktumbei entstandene Form der 2. Person Singular suktumei wird neben saktum von den žemaitischen ūnininkai und fast allen oberlitauischen Mundarten, mit Ausnahme der dzūkischen, weithin verwendet. Durch die Kreuzung von saktum und saktumbei entstand die Form der 2. Person Singular suktumi33 (refl. suktumės), die in den donininkai-Mundarten der Žemaiten verbreitet ist.
§ 7. Wenn die 1. Person Plural mit -umime durch Kreuzung entstanden ist, kann man durchaus fragen, ob nicht auch die Form -tumėm(e) durch Kreuzung von -tumbėme und -vum. 1. Person Plural mit -tumėm(e) entstehen könnte. Sie ist fast im gesamten Gebiet der Litauischen SSR weit verbreitet, ausgenommen große Teile der žemaitischen Donininkai, der Dzūken und der Randgebiete von Dzūkija. An manchen Orten wird nur sie verwendet, andernorts neben ihr eine Form mit -tum (im Gebiet der Zanavykai-Kapsai34, Dotnuva, Palomenė, Baisogala, Alunta, Kupiškis, Lyduokiai, Raguva, Skapiškis, Svėdasai, Troškūnai, Gerviniai u. a.). -tumėm(e) könnte auch eine Neubildung sein, gebildet nach dem Muster der 1. Person Plural des ē-Stamms im Präteritum, aufgrund der 2. Person Singular -tumei, deren Form auf -ei mit der Form der 2. Person im Präteritum zusammenfiel35 (vgl. § 10). Es gibt jedoch litauische Dialekte, in denen die 2. Person Singular -tum, die 1. Person Plural aber -tumėm(e) aufweist (Alunta, Dusetos, Pašvitinys, Pandėlys, Palomenė, Biržai u. a.). Natürlich könnte die Form mit -tumei dort verschwunden sein, wie in manchen Dialekten die Form der 1. Person Plural mit -tum verschwunden ist; sie könnte aber auch nie gebildet worden sein. Hier ist die Form -tumėme wahrscheinlich durch Kreuzung der Formen -tum und -tumbėme entstanden.
Dass -bē- auch im Plural verbreitet war, zeigen die im Lettischen vorkommenden Formen der 1. Person Plural celtubem, celtubemes und der 2. Person Plural butubet36. In den ostlitauischen dzūkischen Mundarten werden ähnliche Optativformen verwendet:
1. Person Singular sùktóbė, sùktóbės,
2. Person sùktumībės,
3. Person sùktī,
1. Person Plural sùktumībėmės,
2. Person Plural sùktumībėtes.
J. Endzelynas erkannte treffend, dass lit. būtumēm aus būtumbēm und lett. byutumem aus *būtumbēm neben būtubēm entstanden sein könnte37, erklärte ihre Entstehung jedoch mit einer unwahrscheinlichen Dissimilation. Tatsächlich können unsere Formen mit -tumėm ebenso wie diejenigen mit -tumim durch Kreuzung der nebeneinander bestehenden Formen -tum und -tumbėme entstanden sein. Natürlich wäre es falsch anzunehmen, dass überall, wo Formen mit -tumėm verwendet werden, dies auch so
33 suktumi hat in diesen Mundarten ein enges -i, das aus -ī hervorgegangen ist; offenbar haben Formen der 2. Person Singular anderer Verben (mit a- und i-Stamm) auf -i < -ī Einfluss ausgeübt.
34 Siehe J. Senkus, Lietuvos TSR MA Darbai, Serija A, 2 (5), 133, 1958.
35 Ch. Stang nahm an, dass -tum in vielen Mundarten als Optativstamm aufgefasst wurde, an den man Präsens- oder Präteritumsendungen anzufügen begann. So seien die Formen mit -tumei, -tumi, -tumėme, -tumime entstanden; siehe Ch. Stang, Verbum, 250. Wie jedoch die vorangegangene Analyse der Entstehung von -tumime gezeigt hat, dürfte ein solcher Vorgang kaum stattgefunden haben; siehe § 6. Die Entstehung von -tumėme erklärt J. Otrembskis anders; siehe J. Otrębski, Gramatyka języka litewskiego, 3, 233.
36 Später könnten diese Formen zusammen mit den Verben mit ē-Stamm zu a-stämmigen Formen geworden sein; vgl. sanggathubam; siehe J. Endzelīns, Gramatika, § 696. Das kurze -u-(celtubem) könnte unter dem Einfluss der 3. Person celtu entstanden sein; siehe J. Endzelīns, ebenda. Auf ähnliche Weise, d. h. auf der Grundlage der 3. Person, könnten die sehr seltenen, in Daukšas Postille belegten Formen entstanden sein: dariŕubit 499₂₇, estŕubit 499₃₈, giartubit 499₃₈ u. a. In einigen lettischen Mundarten könnte aus Formen vom Typ celtubem nach dem Verlust der Postposition infolge des Verlusts ihrer morphologischen Bedeutung auch der Optativ celtu entstanden sein (siehe auch § 5).
37 Siehe J. Endzelīns, FBR, 15, 11.
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atsiradusios. Nereikia pamiršti ir to, kad forma su -tumėm daug kur gali būti atsiradusi ir vietoj formos -tumim(e), kilusios kontaminuojant formas su -tum ir -tumbime. Išlyginant optatyvo asmenavimą, -tumim galėjo būti perdirbta ė-kamieno būtojo laiko formų pavyzdžiu dėl to, kad vns. 2 asm. -tumei (atsiradęs kontaminuojant -tum ir -tumbei) sutapo su ė-kamieno vns. 2 asm. -ei. Be to, kai kur -tumėm gali būti ir atkeliavusi iš gretimų tarmių, plg. dzūkiškų formų su -tau, -tai paplitimą padzūkio kapsų tarmėje, kur jos vartojamos greta formų su -čiau, -tum, -tumėi³⁸.
§ 8. Mažvydas bezeugt noch einen anderen Optativtyp mit -bi- nicht nur im Plural, sondern auch im Singular:
2. Pers. Sg. butumbi, 3. Pers. Sg. butu, 1. Pers. Pl. butumbim, 2. Pers. Pl. butumbit.
Die 2. Pers. Sg. suktumi der žemaitischen douinininkai entstand durch Kreuzung von suktumbi und suktum (siehe § 6).
Dass die 2. Pers. Sg. bei Mažvydas -bei aufwies, zeigt die 1. Pers. Sg. issakiumbiau Mž 521¹⁸.
§ 9. In den älteren Denkmälern der litauischen Sprache (den Schriften von B. Vilentas, J. Bretkūnas, M. Daukša, S. Vaišnoras und M. Petkevičius, im Katechismus von 1605 sowie in den Veröffentlichungen von Kėdainiai aus dem Jahr 1653) finden wir einen dritten Optativtyp:
2. Pers. Sg. būtumbei, 3. Pers. Sg. būtų, 1. Pers. Pl. būtumbime, 2. Pers. Pl. būtumbite.
§ 10. Von den drei zuletzt genannten Typen ist der letzte der älteste, denn er hat den Ablaut des alten indoeuropäischen athematischen Optativs bewahrt: im Singular die Stufe *-(i)jē, im Plural die Stufe -ī-; vgl. altlateinisch siēm, siēs, siēt, sīmus, sītis, sint. *-bīme, *-bīte verkürzte sich zu -bime, -bite entweder aufgrund enklitischer Stellung oder unter dem Einfluss der i-stämmigen Verben³⁹. Ch. Stangs Auffassung, dass būtumbei, būtumbiau nach dem Muster der ē-stämmigen Verben entstanden seien⁴⁰, ist schon deshalb völlig unglaubwürdig, weil die Form būtumbei in fast allen älteren Denkmälern verbreitet ist und die Optativkonjugation mit den ē-stämmigen Verben nichts zu tun haben konnte (eher wäre sie durch das Präsens der i-stämmigen Verben beeinflusst worden), wenn man Ch. Stangs Auffassung folgt, dass -bime ein altes Präteritum ist. Außerdem bleibt bei dieser Annahme unklar, warum nur die 2. und 1. Pers. Sg. die ē-stämmigen Endungen übernommen hätten, während der Plural von deren Einfluss unberührt geblieben wäre. Die größten Zweifel an der optativischen Herkunft von -bime ergeben sich daraus, dass die litauische Sprache, nachdem sie den Ablaut in der Konjugation athematischer Verben beseitigt hatte, wohl kaum den alten indoeuropäischen Ablaut auch in der Konjugation des Optativs auf -bi- hätte bewahren können. Doch die Anfänge der Herausbildung unseres neuen Optativs reichen weit zurück, bis in die Zeit der gemeinsamen litauisch-lettischen Epoche. Man sollte mit J. Endzelīns annehmen, dass sich der Optativ herausbildete, als das auslautende *-m noch nicht zu
38 Siehe J. Senkus, a. a. O., 133.
39 Siehe J. Endzelīns, Gramatika, § 683; Ch. Stang, Verbum, 198.
40 Siehe Ch. Stang, Verbum, 250.
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in -n, denn im Gegenteil wäre -un- zu ū- geworden (vgl. top <*tanpa), und wir hätten keine lettischen Dialektformen sukum (siehe § 5). Sowohl die altpreußischen als auch die litauischen Sprachdenkmäler überliefern nur die Sprache des 16. Jahrhunderts – eine recht späte Sprachstufe; dennoch finden wir darin noch Spuren des alten Ablauts, vgl. esti und das Partizip santyji, eiti ‚geht‘ und den Nominativ Plural des Partizips entis, das Gerundium enti < *jent (vgl. altind. yant41). Siehe auch § 14.
Gewiss ist kaum anzunehmen, dass in einigen litauischen und lettischen Dialekten der Ablaut im Optativ zu der Zeit ausgeglichen wurde, als b- noch nicht mit dem Supin zusammengewachsen war (vgl. altind. Pl. syāma, dadhyāma, gr. εἴημεν statt εἴμεν, lat. sim statt siēm). Dagegen spricht auch der Vergleich der Belege aus den litauischen Dialekten des 16. Jahrhunderts mit denen der heutigen Dialekte (in den älteren Sprachdenkmälern finden wir Formen mit -tumbim(e), -tumbit(e); -tumim(e), -tumit(e), während heute in den litauischen Dialekten Formen auf -tumėm, -tumėt am weitesten verbreitet sind). Der Ausgleich des Systems der Personalendungen des Optativs und seine Anpassung an das Konjugationssystem der Verben erfolgten also recht spät. In einigen Dialekten geschah dies noch vor dem Schwund der Postposition, vgl. bei Mažvydas die 2. Pers. Sg. būtumbi, bei den ostlitauischen Dzūken die 1. Pers. Pl. suktumbėmės (und lett. celtubem), in anderen erst nach dem Schwund der Postposition und der Entstehung von Kontaminationsformen. Der Ausgleich der Konjugation des Optativs verlief in den Dialekten in zwei Richtungen: In einigen bildeten die Pluralformen die Grundlage, die mit den entsprechenden Formen des Präsens der i-Stamm-Verben zusammenfielen (būtumb-ime=tyl-ime), in anderen die Form der 2. Pers. Sg., die mit der entsprechenden Form des Präteritums der ē-Stamm-Verben zusammenfiel (būtumb-ei ar būtum-ei=kel-ei). In einigen Dialekten entstand nach dem Vorbild der Präsenskonjugation der i-Stamm-Verben auch die 2. Pers. Sg. būtumbi; in anderen Dialekten entstanden nach dem Vorbild der Präteritumkonjugation der ē-Stamm-Verben die 1. Pers. Pl. suktumbėmės, die 2. Pers. Pl. suktumbėtės, die 1. Pers. Pl. būtumėm und die 2. Pers. Pl. būtumėt.
Die Postposition des Optativs muss also aus den Optativformen des alten Stammes bhū- entstanden sein: *bh(ų)īē->*bjē->*bē und *bh(ų)ī->*bi-. Diejenigen, die hier ein Präteritum statt eines Optativs annehmen, stützen sich auf bi(i) ‚war‘ in den Sprachdenkmälern des älteren Litauischen und in den Dialekten sowie auf lett. biju ‚ich war‘, denn der Bedeutungswandel Optativ → Präteritum sei schwerer zu erklären als Präteritum → Optativ. Doch ist der Wandel des litauisch-lettischen Optativs bi- zum Präteritum leicht verständlich. Denn die Singularformen des Optativs *bhū- müssen mit dem Präteritum bē- zusammengefallen sein, vgl. nābe (Lit. Mundarten I 154), altpreuß. be, bei (mit erweitertem -i), altkirchenslaw. bē (Aorist mit Imperfektbedeutung), in der Konjugation. Deshalb konnte der Stamm bi- beim Schwund des alten Optativs leicht eine präteritale Bedeutung annehmen. Später konnte die Form der 3. Pers. Sg. dieses Verbs die Präsensendung der 3. Pers. Sg. athematischer Verben -ti42 annehmen, da eine einsilbige Form vermieden werden musste und in den baltischen Sprachen der Unterschied zwischen „primären“ und „sekundären“ Personalendungen verschwunden war. Im Lettischen wurde bi- durch das sekundäre -jā. erweitert.
§ 11. Am wahrscheinlichsten ist das präteritale *bē- in der Konjunktion bet und im Pronomen bet kas, ostlitauisch bēt kas, erhalten (K. Būga Aist. stud. 56). Die 3. Pers. Sg. *bē, kaip ir *bi, konnte durch die Präsensendung -ti erweitert werden. Dass hier ein Rest von *bēti vorliegt, zeigen folgende Sätze:
Es gab Anlass, sich hier zu verbeugen! ‚Er hätte sich nicht verbeugen müssen; warum sollte sich hier jeder verbeugen!‘;
41 Žr. E. Fraenkel, Sprachliche, besonders syntaktische Untersuchung des kalvinistinio litauischen Katekismus des Malcher Pietkiewicz von 1598, 28, Göttingen, 1947.
42 Siehe Ch. Stang, Verbum, 198; E. Fraenkel, ZfSlPh, 20, § 61, 1950.
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Es gab Anlass, ihn hier zu bitten! ‚Man hätte ihn nicht bitten müssen; warum hier irgendwen bitten?‘ (Birštonas, Paliūšė).
Die Verbindungen buvo kam, buvo ko in den genannten Sätzen sind gleichsam auf dem Weg zur Bedeutung des Pronomens bet kas. Die Konjunktion nes wird in einigen Dialekten mit der Bedeutung bet verwendet⁴³, vgl.: būdamas išsitužęs lapumus netiktai kitą, nes nie savęs nebalgėję pa-glemžti nu gōslibės DB 237. Allgemein sind die Bedeutungsnuancen von nes und bet ähnlich. Die Etymologie der Konjunktion nes hat J. Endzelynas⁴⁴ geklärt: nes stammt von *neest(i) (vgl. slaw. je greta jestb), das als Frage verwendet wird, auf die eine bestätigende Antwort erwartet wird, vgl. frz. n’est-ce pas? Wenn nes < aus *neest(i) stammt, dann kann bet aus *bēti stammen. In proklitischer Stellung verkürzte sich *bēti zu bet, während das lange ē im Pronomen bēt kas in den ostaukštaitischen Dialekten erhalten blieb, weil bet den Akzent bewahrt hat⁴⁵.
Wir hatten also ebenfalls den Aorist *bē- neben dem Aorist bū⁴⁶, vgl. altind. abhūt, gr. ἔφυ, altkirchenslaw. by; ebenso haben die Slawen neben dem Aorist bē den Aorist by.
Wenn bet kas auf die eben beschriebene Weise entstanden ist, kann man stark bezweifeln, dass die erste Komponente des Pronomens by kas, by, aus dem Polnischen entlehnt ist⁴⁷. Sie könnte sich auf ähnliche Weise wie bet kas aus dem Optativ der Wurzel *bhū- gebildet haben (vielleicht bereits mit präteritaler Bedeutung), und zwar zu einer Zeit, als *bī noch nicht zu bi geworden war. Dass auch der Optativ als erste Komponente des genannten Pronomens auftreten kann, zeigen folgende Sätze:
Es gäbe hier Anlass zu helfen! ‚Man muss nicht helfen; warum sollte man irgendwem helfen!‘;
Es gäbe hier Anlass zu bitten! ‚Man muss nicht bitten; warum sollte man irgendwen bitten?‘ (Birštonas).
Nur būt ist hier mehrdeutig: In diesem Dialekt kann es sowohl von būtų als auch von būta stammen, vgl. Būta ko čia prašyt! (Paliūšė). Diese Frage bedarf einer gesonderten Untersuchung.
§ 12. Am längsten blieben die Optativformen der 3. Person des Stammes *bhū- be und bi. be < *bē (vgl. bei den östlichen Dzūken die 2. Person Singular praustumbe und praustumbės) sind die Optativform der 3. Person Singular des Stammes *bhū-, während bi seine Optativform der 3. Person Plural sein könnte: bi < *bī < bint (vgl. das daneben für denselben Zweck verwendete -be und -bi in Apse, siehe unten). Als Modalpartikeln könnten sie noch recht lange gebraucht worden sein. Mit der Modalpartikel be, die der Handlung einen irrealen Beiklang verleiht, haben wir auch das sogenannte zusammengesetzte ursprüngliche Präsens gebildet: ich war im Begriff, von zu Hause wegzugehen, aber es kamen Gäste, und ich blieb zu Hause; auch ich war im Begriff, von zu Hause wegzugehen, aber es begann heftig zu regnen, und ich musste zu Hause bleiben; er wollte jenes Messer nehmen, aber sieh da – ein Wurm, und er ging davon⁴⁸. Später verlor die Partikel be diesen modalen Beiklang und wurde zu einem gewöhnlichen Präfix be-, vgl. Wir waren gerade am Säen, aber es begann zu regnen – und wir hörten mit dem Säen auf⁴⁹.
Mit einer solchen Modalpartikel be oder bi haben die ostlitauischen Dzūken auch einen Optativ gebildet, der neben dem Optativ älterer Bildung verwendet wird, vgl.:
⁴³ Siehe E. Fraenkel, KZ, 60, 237 ff., 1933.
⁴⁴ Siehe J. Endzelīns, IMM, 2, 122, 1927. F. Specht stimmte ihm zu, siehe KZ, 57, 281, und E. Frenkel, siehe KZ, 60, 237, 1933.
⁴⁵ E. Frenkel nimmt zu Unrecht an, dass bēt wegen des Einflusses von by ein langes ē hat, siehe ZfslPh, 20, § 60.
⁴⁶ Zu bū siehe F. Specht, KZ, 59, 58; 62, 142.
⁴⁷ Das ist die Ansicht von E. Frenkel, siehe E. Fraenkel, Litauisches etymologisches Wörterbuch, 42, Göttingen, 1955 ff.
⁴⁸ Siehe J. Jablonskis, Rinktiniai raštai, 1, 311, 316, herausgegeben von J. Palionis, Vilnius, 1957.
⁴⁹ Siehe ebenda, 316.
6, Kalbotyros klausimai, IV.
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Singular 1. Person sùkčōbe, 2. Person sùktùmbe || sùktùmbeis, 3. Person sùktūbe, Plural 1. Person sùktùmbe || sùktùmbėmės, 2. Person sùktūbe || sùktūbėtės.
Offenbar waren in den östlichen Dzūken, als die Postposition -bėme… schwand, die neuen Optativformen (vgl. 2. Person sùktum) als Optativformen zu schwach gekennzeichnet, sodass zu ihrer Hervorhebung das Modalpartikel be verwendet wurde. In einigen Mundarten erfüllt das Partikel bi eine solche Funktion, vgl. praustùžbi, eitùbi (Lazūnai). In einigen weiteren Mundarten wurden zur Kennzeichnung des Optativs beide Partikel verwendet — be und bi, vgl. Singular 3. Person būtùbe und papraustùbi (Apsas)50. Durch die Kürzung des postpositionalen Partikels entstanden Singularformen der 1. Person wie nemiegóčiap, užgírščiap (Apsas)51, gyventup (Lazūnai) und andere. Durch die Kürzung eines solchen Modalpartikels sind auch Optativformen in alten Schriftdenkmälern entstanden:
Singular 2. Person peržegnotumb K1M 147; Plural 1. Person atneštumb K1M 142, užmigtumb K1M 186, atsigautumb K1M 18552.
Schließlich gibt es auch im Lettischen Spuren ähnlicher Formen, vgl. Singular 1. Person kolpotub, Singular 2. Person bywutùb, sacytùb; duib, sistìb53 (siehe § 5, Fußnote 28).
Parallele Erscheinungen finden sich in den slawischen Sprachen. Im Altkirchenslawischen wird bimb noch konjugiert; später wurde es von den Formen des Aorists bychb beeinflusst und schließlich durch sie ersetzt. Noch später hörte bychb auf, konjugiert zu werden, und für alle drei Optativpersonen wurde die Singularform der 1. und 2. Person by verallgemeinert, die sich bereits zu einem Modalpartikel entwickelt hatte.
§ 13. Wenn der litauische Optativ aus dem Optativ *bhū- und nicht aus dem Präteritum gebildet ist, müsste man annehmen, dass auch der slawische Optativ so gebildet sein müsste. E. Frenkel hielt sl. bi für aus der Optativform *būi entstanden und stellt es zu lit. bui ‚sei‘, Plural buite, das Volter aus Linkmenys angeführt hat54. In Linkmenys gibt es jedoch būj, Plural 2. Person būjite, und diese Formen sind neu entstanden. Das zeigt das System des Imperativs in dieser Mundart55, vgl.:
1. bū, būn, būj; griū, griūn, griūj; 2. griau, griaun; mau, maun; 3. šluo, šluoj; atsista, atsistoj; 4. šìžau, šìžaun; riešutai, riešutaun; 5. knáisioj, láipoj; 6. didėį, mažėį; 7. blogin, gerin.
Wie entstand eine solche Formenvielfalt? In allen indogermanischen Sprachen war die Singularform der 2. Person des Wurzelimperativs der reine Stamm. Höchstwahrscheinlich war ein solcher Imperativ
50 Siehe E. Ginaveckienė, Lietuvos TSR MA Darbai, Reihe A, 2 (9), 180, 1960. 51 Siehe E. Ginaveckienė, Lietuvos TSR MA Darbai, Reihe A, 2 (9), 180, 1960. 52 Siehe auch Pirmoji lietuvių kalbos gramatika, 87; A. Bezzenberger, BGLS, 214, 7. 53 Siehe J. Endzelīns, Gramatika, 894 ff. 54 Siehe E. Fraenkel, Sprachliche, besonders syntaktische Untersuchungen..., 33. 55 Siehe J. Kardelytė, Lietuvių kalbotyros klausimai, 1, 184, Vilnius, 1957.
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Die Reste des Optativs in den baltischen Sprachen sind duo, išěi, nèj, lett. ej56. Einige seiner Formen fielen im Litauischen mit dem Stamm des Infinitivs zusammen (vgl. duo und duo-ti), der dann in der Bedeutung des Imperativs verwendet wurde. So entstanden bū, griū, šluo, šūkau usw. Dass diese Formen nicht neu sind, zeigt der Wandel des Stoßtons zum Schleifton oder die Kürzung, vgl. griau < *griau, riešutau < *riešutau, atsista < *atsistā.
Im Dialekt von Linkmenys werden, wie auch in anderen ostlitauischen dzukischen Dialekten, die alten Optativformen ebenfalls mit imperativischer Bedeutung verwendet; häufig stimmen sie mit den Formen der 2. Person Präsens überein, vgl. žālgai, ródai, žadĭes, barĭes usw. Dadurch entstand eine enge Verbindung zwischen den Präsensformen und dem Imperativ57. Die Formen der 2. Person Präsens beeinflussten die Imperativformen: Neben bū, riešutau usw. entstanden nach dem Muster der 2. Person būnĭ, riešutāuni usw. auch būn, riešutaūn, šluo, atsistoj, knáisjoj, láipioj usw. Neben šluoj, stoj usw. konnten ohne Weiteres auch būj, grī̄j aus bū, griū entstehen. Ein litauischer Optativ *bui kann es, wie man sieht, nicht gegeben haben.
§ 14. Die Formen der 1. Person Singular būčiau, būčia usw. sind aufgrund ihrer Besonderheit (des Vorhandenseins von -t-j- und des Fehlens von -b-) ein echtes Rätsel. E. Berneker weist V. Poržezinskis Erklärung mit Recht zurück und vermutet, sukčiau sei durch Kreuzung der Formen suktumčiau und *suktu (vgl. lett. suktu) entstanden; sukčia und sukčio wagte E. Berneker nicht zu erklären („vor sukcza und sukczo muss ich die Waffen strecken“)58. Ch. Stang betrachtet, da er die Herkunft dieser Form für eine der schwierigeren Fragen der litauischen historischen Grammatik hält, die Form mit -čia als Nominativ Singular substantivierter Verben mit ējā-Stamm und räumt ein, dass unklar bleibt, warum ein solcher Nominativ hier zur 1. Person Optativ geworden ist59. Von allen bisher zu dieser Frage aufgestellten Hypothesen ist die erwähnte Hypothese Ch. Stangs am wahrscheinlichsten60, obwohl auch sie der Wirklichkeit wohl kaum entspricht. Die Form bleibt also unklar.
Am weitesten verbreitet sind gegenwärtig in den litauischen Dialekten Formen der 1. Person Singular auf -čiau, -čia, die in vielen westlichen und östlichen hochlitauischen Dialekten nebeneinander verwendet werden. Daneben kommen häufig auch Formen auf -č vor (im Dialekt von Veliuona und bei einigen östlichen Hochlitauern). Es gibt Dialekte, in denen beide Formen verwendet werden: auf -čiau und auf -č (der litauische Fischerdialekt, Biržai, Molėtai, Utena, Pagramantis, Gerviniai, Nemakščiai usw.). In einigen Dialekten kommt -č neben -čia vor (Alunta, Kuktiškės, Dusetos, Pasvalys usw.). Schließlich wird in manchen Dialekten nur -čiau verwendet (Dotnuva usw.), in anderen nur -čia (Žasliai usw.), in wieder anderen nur -č (Debeikiai usw.). In den dounininkischen žemaitischen Dialekten wird die Form -čio verwendet.
Dass -č durch Kürzung entstanden ist, steht außer Zweifel. Aufgrund ihrer Verbreitung in den Dialekten lässt sich schwer sagen, aus welcher Form (-čiau oder -čia) sie gekürzt wurde. Eines ist klar: Eine solche Kürzung ist keine regelmäßige phonetische Kürzung. Schwer zu sagen ist auch, welche Form älter ist: -čiau, -čia oder -čio. Allerdings finden wir in den östlichen Hochlitauischen Dialekten eine reflexive Form auf -čias oder -čios (Svedasai, Alunta, Pa-
56 Siehe F. Specht, KZ, 55, 182; E. Fraenkel, Balticoslavica, 2, 41; IF, 55, 85.
57 In einigen Dialekten (Dieveniškės, Apse) wurde die 2. Person Singular Präsens in der Bedeutung des Imperativs verwendet.
58 Siehe AfslPh, 25, 488.
59 Siehe Ch. Stang, Verbum, 252 ff.
60 J. Otrembskis erklärt diese Form höchst unwahrscheinlich; siehe J. Otrębski, Gramatyka języka litewskiego, 3, 233 ff.; V. Pizani neigt dazu, *-tjau für ein „deuterotetisches“ Lehnwort zu halten; siehe Studia Baltici, 9, 41, 1952.
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Iušė, Tverečius, Kuktiškiai u. a.). Sie scheint darauf hinzuweisen, dass -čia < *-tjá, doch das kann täuschen.
Bei der Orientierung in dieser schwierigen Lage helfen hier ein wenig die Belege aus den alten litauischen Sprachdenkmälern. Mažvydas verwendet Formen auf -čia (negalėčia 10₁₈). B. Vilentas hat -cžia und -cʒo, J. Bretkūnas -cžia, -cʒau und -cʒo, M. Daukša — -cʒe und -cʒio, K. Širvydas -čia und -čio, die Drucke von 1653 — -čia und -čio, D. Kleinas -čiau. Wie man sieht, war die Form auf -čio, die heute offenbar nur noch in den žemaitischen dounininkischen Mundarten vorkommt, früher wesentlich weiter verbreitet und wurde neben -čia verwendet. Diese Form muss sich zweifellos neu nach dem Muster der reflexiven Formen gebildet haben. Neben der einfachen Form auf -čia wurde eine reflexive Form auf -čiás(i) gebildet, denn dort, wo die einfache Verbform -a hat, weist die reflexive -ās auf, vgl. die 1. Person Plural prausiama und prausiamos u. a. Sie wurde genau so gebildet wie neben der 3. Person turėtu die reflexive Form turėtuos (siehe § 4) oder neben dem Neologismus der 1. Person Singular turėčiu die reflexive Form turėčiuos (Viekšniai). In einigen Mundarten (bei den žemaitischen dounininkischen Sprechern, in einigen alten Sprachdenkmälern) entstand nach dem Vorbild der reflexiven Formen auch die einfache Form -čio⁶¹, vgl. gleichartige Neubildungen patrepšėmo, pašokėmo (TŽ III 433), Kupiškis u. a. Außerdem sind die žemaitischen Formen der 1. und 2. Person Singular sakāu, sakāi; darāu, darēi ebenfalls aus den reflexiven Formen sakāusi, sakāisi; dariāusi, darēisi anstelle der älteren sakāu, sakāi usw. entstanden. Anders lässt sich der Stoßton am Wortende im Žemaitischen nicht erklären. Man kann annehmen, dass die reflexive Form -čiás(i) neben der einfachen Form -čia neu gebildet wurde und dass -čio aus der reflexiven Form stammt. Durch das Hinzutreten der Modalpartikel be entstand auch in einigen östlichen dzūkischen Mundarten die 1. Person Singular sūkčiōbe.
Nun bleibt das Verhältnis zwischen -čiau und -čia zu klären. -čia kann aus *-tjáu hervorgegangen sein. *-tjáu könnte zusammen mit den akuten langen Wortauslautvokalen und den Diphthongen ie, uo zu *-tjá gekürzt worden sein. Wenn akutes -áu im absoluten Wortauslaut zu -āu werden sollte (vgl. sakāu), könnte es hier, in der Optativform, unregelmäßig gekürzt worden sein. Denn Optativformen sind durch unregelmäßige Kürzung gekennzeichnet. Der Optativ der 3. Person auf -tų ist in den Mundarten der dzūkischen und mittleren Sprecher sowie der östlichen Aukštaiten zu -t gekürzt. In vielen Mundarten, die Endungen nicht kürzen, wird die gekürzte Form der 1. Person Singular būč verwendet. Vgl. außerdem die 1. Person Singular šākčia, bēgčia || šōkčia, bēgčia; die 2. Person šāktum || šōktum; die 3. Person šākt || šōrt (Linkmenys) u. a. Eine solche unregelmäßige Kürzung ist auch für Formen des Imperativs und des Futurs kennzeichnend (vgl. die 1. Person Singular būs, eīs in Mundarten, die Endungen nicht kürzen).
Dass áu zu -a gekürzt werden kann, zeigt palā < palāuk.
Später konnte die Form auf -čia, da sie im System der Verbkonjugation isoliert stand, in den Mundarten wieder zu -čiau werden (nach dem Muster von sakiau).
Die Akzentuierung dėčia, būčia, die in den Mundarten und in Daukšas „Postilė“ vorkommt, könnte später durch den Einfluss des Endungsakzents der Formen der 3. Person auf -tų entstanden sein.
Somit kann allen mundartlichen Varianten die Form auf -čia < -*tjáu zugrunde liegen. Die Form der 1. Person Singular hatte seit alters eine optativische Bedeutung. In den alten litauischen Sprachdenkmälern gibt es keine Belege dafür, dass sie die Postposition b- aufwiese. Die aus Supinum und -biau gebildete 1. Person Singular ist in den alten Sprachdenkmälern sehr selten (nur nusidetumbi-au (1 Beleg, Kat. 1605) und išsakitumbi-au Mž 52₁₈).
61 Vgl. Ch. Stang, Verbum, 251.
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All dies weist auf das Archaische der Optativform der 1. Person Singular und ihre alte optativische Bedeutung hin. Wenn wir annehmen, dass ihre Grundlage ein verbales Substantiv ist, stoßen wir auf mehrere Umstände, die ihrem substantivischen Ursprung eindeutig widersprechen. Wenn es ein Substantiv ist, warum hat es dann kein Formans -b-? Warum musste man in der 1. Person Singular ein Substantiv einführen und nicht einen Supin? Darauf ist keine Antwort gegeben worden, und es lässt sich wohl kaum überhaupt eine geben.
Unser alter Optativ wurde zum Permissiv und zum Imperativ. Mit dem Bedeutungswandel des alten Optativs und seinem Übergang zum Imperativ hängt auch die Aufnahme des Supins in das Optativsystem zusammen (siehe § 16). In den litauischen Dialekten sind Reste der Formen aller Personen des alten Optativs erhalten geblieben: 2. Person Singular sākai, 3. Person tesākai, 1. Person Plural sāk aime, 2. Person Plural sākaite. Bislang sind nur keine Reste der Form der 1. Person Singular gefunden worden. Aufgrund der Bedeutung des Imperativs konnte diese Form nicht in das Imperativsystem übergehen. Wenn sie keine Imperativbedeutung annehmen konnte, hätte sie erhalten bleiben und als dessen 1. Person in das System des neuen Optativs eingehen können.
Die 1. Person Singular des athematischen Verbaloptativs muss folgendermaßen gelautet haben: *likjęm ‚ich würde bleiben‘, *migjęm ‚ich würde schlafen‘ (vgl. Sanskrit iyām, altlateinisch siēm usw.). Mit dem Schwinden der „sekundären“ Endungen und ihrem Ersatz durch die Endungen thematischer Verben entstanden *lik-jēd oder *likjēuo, das sich zu *likjau hätte entwickeln müssen (vgl. die Entstehung von sakiau). Sie konnte auch im System des neuen Optativs verbleiben, vgl.
1. Person Singular likčiau,
2. Person Singular likt umbei,
3. Person Singular liktum usw.
Als in den baltischen Sprachen der Ablaut der Verbalformen ausgeglichen worden war, war die 1. Person Singular des Optativs bei fast allen athematischen Verben gleich, vgl. *duojau, *dėjau usw.
Aus den anderen Personen konnte aus systemischen Gründen auch t in die 1. Person gelangen; so entstanden *liktjau, *duotjau usw. Von hier aus begann man später, als die Lautfolge un der 3. Person Singular als Endung aufgefasst wurde, die Endung der 1. Person -jau an den Supinstamm daryt-, miegot- usw. anzufügen. *-tjau konnte auch direkt an den Infinitivstamm angefügt werden, vgl. die Bildung des Futurs. Das lettische -tjau musste sich zu -šu entwickeln und mit der Form der 1. Person Singular des Futurs zusammenfallen. Es ist nicht überraschend, dass sich hier die Form athematischer Verben ausbreitete. Ähnliche Erscheinungen kommen auch in anderen Sprachen vor. In einigen slawischen Sprachen (Serbisch, Slowenisch) verbreitete sich die Endung -mi, die ursprünglich nur bei einigen wenigen athematischen Verben vorkam, bereits in historischer Zeit auf alle Verben.
Man kann fragen, warum sich die Form athematischer und nicht thematischer Verben ausbreitete. Das geschah aus durchaus verständlichen Gründen: Die 1. Person Singular thematischer Verben (*sākam, *vežėm, *tylīm) eignete sich gut, wenn die 3. Person die Form des alten Optativs hatte. Wegen einer solchen Formenvariation passte sie jedoch überhaupt nicht in das System des neuen Optativs, in dem die Verbformen aller Stämme gleich sind. Am besten entsprach diesem neuen System die Form der 1. Person Singular athematischer Verben, die sich denn auch als 1. Person Singular des Optativs ausbreitete.
Ein solcher Ursprung der Form der 1. Person Singular bestätigt noch zusätzlich, dass die optativische Postposition -bei, -bime, -bite optativischen Ursprungs ist (siehe § 10).
§ 15. Die südlichen Dzūken haben einen eigenen Optativ, dessen Bildung bis heute ebenfalls nicht ganz klar ist:
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Sg. 1. Pers. būtáu, 2. Pers. būtái, 3. Pers. būtų. Pl. 1. Pers. būtūm (būtūmė), 2. Pers. būtūt (būtūtė).
Die Formen der 1. und 2. Pers. Pl. sind zweifellos neu. Sie wurden gebildet, indem man an die Form der 3. Pers. būtų die älteren būtum, būtut anpasste, die in diesem Dialekt noch vorkommen: Die Endung -ų der 3. Pers. wurde auf alle Personen übertragen⁶².
Auch die Formen der 1. und 2. Pers. Sg. wurden neu gebildet, nach dem Muster der Konjugation der a-stämmigen Verben. So wie neben der 3. Pers. bėgo die Formen der 1. Pers. Sg. bėgau und der 2. Pers. bėgai bestehen, entstanden neben būtų die Formen der 1. Pers. Sg. būtau und der 2. Pers. būtai. Der akutierte Wortauslaut erklärt sich dadurch, dass der Akzent unter dem Einfluss des Akzents von būtų hier an das Wortende trat, als der nachtonige Akut noch deutlich unterschieden wurde.
§ 16. K. Brugmann erkannte genial, dass die slawischen Sprachen, die einen aus Partizip und Hilfsverb gebildeten Optativ besitzen, einen archaischeren Zustand bewahrt haben als die baltischen Sprachen, die das Partizip durch den Supin ersetzt haben⁶³. Noch früher hatte A. Leskien aus Bretkūnas „Postille“ einen solchen Typ irrealer Konditionalsätze herausgearbeitet, in denen die Konjunktion jeib nur mit einem Partizip steht; er hielt dies jedoch für einen Zufall⁶⁴. Ch. Stang führt in einem ausgezeichneten Aufsatz⁶⁵ solche Satztypen aus den Schriften von M. Mažvydas und M. Daukša an, vgl.
jeib Pons Diews mums nepagelbas... Ir nepretelu neramdas Jau butumbim praszuwe Mž 337;
wenn unser Knabe nicht geboren wäre || wäre die ganze Welt zugrunde gegangen Mž 192.
Auf diese Sätze gestützt, zog Ch. Stang den kühnen und völlig begründeten Schluss, dass der Konsonant b der Konjunktion jeib verbalen Ursprungs ist (ebenso wie im Optativ -bime, -bite), während die Konstruktionen jeib mums bernelis negimęs, jeib Pons... mums nepagelbas zeigen, dass auch die Litauer den Typ ašė bi bylo. hatten.
Diese ausgezeichnete Schlussfolgerung von Ch. Stang wird auch durch meinen Heimatdialekt (Birštonas) gestützt, in dem die Konjunktion jép < jeib noch gebraucht wird, z. B.:
1. wenn er nicht kommt, ist ungewiss, was du tun würdest; wenn es nicht friert, hättest du deine Arbeit erledigt; wenn du geliebt hättest, hättest du gut gelebt; 2. wenn er kommt, wärst du weggefahren; wenn ich wüsste, dass er mir ein Bein stellt, wäre ich nicht am Leben.
In den Sätzen des zweiten Typs werden Formen des Präsensverbs anstelle des Präsenspartizips verwendet, da in diesem Dialekt der Nominativ des Präsenspartizips verschwunden ist. Es handelt sich um den Ersatz des Partizips, jenes Partizips, das in den Schriften von Mažvydas vorkommt.
Man muss Ch. Stang darin zustimmen, dass wir einen periphrastischen präsentischen und präteritalen Optativ gehabt haben.
Meines Erachtens ist auch der indirekte Modus in den litauischen und lettischen Sprachen ein Überrest eines solchen Optativs. Seine Bedeutung hat J. Jablonskis treffend beschrieben: „Der Mensch, der in erzählender Rede etwas schildert oder berichtet, tut, als ob er selbst die betreffende Sache
⁶² Vgl. J. Otrębski, Gramatyka, 232. ⁶³ Siehe K. Brugmann, IF, 30, 349; Grundriss..., 2. 2³, 513. ⁶⁴ A. Leskien, IF, 14, 103, 1903. ⁶⁵ Siehe Ch. Stang, Die litauische Konjunktion jeib und der lit.-lett. Optativ.— „Norsk Tidsskrift for Sprogvidenskap“, 18, 348—356.
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Wer es nicht untersucht hat und es daher nicht genau weiß, scheint nur so zu sprechen, wie er es selbst irgendwo gehört oder gelesen hat. Diese „indirekte“, wiedergebende Redeweise verwenden am häufigsten „geradlinige“, offene, vorsichtige Menschen, jene Menschen, die, wenn sie etwas selbst nicht genau wissen, beim Erzählen auch zugeben, dass sie es wirklich nicht wissen“⁶⁶. Eine solche Bedeutung konnte durch den Optativ ausgedrückt werden. Auch in anderen indoeuropäischen Sprachen (germanischen, griechischen, italischen) wird die oratio obliqua durch den Optativ ausgedrückt. Später wurde bei einem solchen periphrastischen Optativ die Last der optativischen Bedeutung auf das Partizip übertragen, und das bedeutungslose Partikel bi oder be konnte verschwinden.
Somit sind im Litauischen Reste des älteren periphrastischen Optativs erhalten geblieben, die uns in jene Zeiten zurückführen, als das Supinum zur Bildung des Optativs noch nicht verwendet wurde.
Es stellt sich die Frage, warum und wie das Partizip hier durch das Supinum ersetzt wurde.
Das Eindringen des Supinums in das Optativsystem hängt mit dem Bedeutungswandel des alten Optativs zusammen. Die 3. Person des alten Optativs erhielt permissive Bedeutung, die 2. Person die Bedeutung des Imperativs. Dass der Optativ seine frühere Bedeutung schon vor langer Zeit verändert hat, zeigen nicht nur die Dialekte der östlichen Oberlitauer, in denen der Optativ das gesamte Imperativsystem bildet, sondern auch die meisten unserer Dialekte, in denen noch erhaltene Optativformen mit Imperativbedeutung vorkommen, vgl. kláusai (hör zu) Linkuva, tylý (sei still) Svedasai, imý, bėgý, nešý (nimm, lauf, trag) Kretinga⁶⁷. Erst später wurden die Optativformen in vielen Dialekten offenbar durch einen neu gebildeten Imperativ mit dem Suffix -ki ersetzt. Auch im Lettischen gibt es Spuren der Verwendung des Optativs im Sinne des Imperativs.
Welche Bedeutung der Optativ der Präsens- und der Präteritumbildung hatte, wissen wir ebenso wenig, wie wir wissen, welche Rolle der Optativ überhaupt in Nebensätzen spielte. Dass er dort vorkam, zeigen solche Sätze: nėr kas valgai (es gibt keinen, der isst), atsiras kas darai, nėr kas dirbie (dirbų)⁶⁸.
Die zuvor zitierten Sätze⁶⁹ zeigen, dass auch der Präsensoptativ mit präteritaler Bedeutung verwendet wird, und zwar mit genau derselben Bedeutung wie der Präteritumsoptativ, vgl. jép ateina (er kommt), būtum išvažinėję. Dass ein solcher Optativ der Präsensbildung tatsächlich präteritale Bedeutung haben konnte, zeigt auch folgender Satz: Kad tasai ne būtų ėssąs piktadėja, ne išdavę būtumbime io taw DP 163.
Man muss wohl annehmen, dass sowohl der Optativ der Präsens- als auch der der Präteritumsbildung präteritale Bedeutung hatte. Offenbar wurde im Litauischen, wie auch in anderen indoeuropäischen Sprachen (germanischen, avestischen, lateinischen), ein neues Präteritum des Optativs geschaffen. Im Litauischen wurde es aus dem Optativ des Verbs * bhū- und einem Partizip der Gegenwart oder der Vergangenheit gebildet.
Als die alten Optativformen zu Imperativformen wurden, konnten die periphrastischen Optativformen aufgrund ihrer präteritalen Bedeutung die einfachen Optativformen nicht ersetzen. Das Partizip musste hier durch eine gegenüber den Tempora indifferente Verbform ersetzt werden. Eine gegenüber den Tempora indifferente Form sind sowohl der Infinitiv als auch das Supinum. Warum ersetzte nicht der Infinitiv das Partizip, sondern das Supinum?
⁶⁶ Siehe J. Jablonskis, Rinktiniai raštai, 1, 524, herausgegeben von J. Palionis, Vilnius, 1957. ⁶⁷ Siehe E. Grinaveckienė, Lietuvos TSR MA Mokslo darbai, serija A, 2 (9), 181, 1906; J. Aleksandravičius, Vilniaus Valstybinio pedagoginio instituto Mokslo darbai (Lietuvių kalba ir literatūra), 8, 117, 1959. ⁶⁸ Siehe J. Jablonskis, Rinktiniai raštai, 1, 460. ⁶⁹ Siehe S. 86.
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Die Bedeutung des Supinums dürfte enger mit dem Optativ als mit dem Infinitiv verbunden gewesen sein. In einigen adverbialen Nebensätzen des Ziels, in denen der Hauptsatz ein verbum movendi enthielt, konnte von alters her das Supinum verwendet werden, vgl.: Nuvejo turgun, kad žirnių nusipirkt (um Erbsen zu kaufen). Išėjo, kad arklių parvest (um Pferde zurückzubringen). Nuvejo pas kaimyną, kad pieno parsneštų (Palūšė).
In anderen Sätzen ähnlichen Typs, in denen der Hauptsatz kein verbum movendi enthielt, konnte der Optativ verwendet werden, z. B. *pirksim duonos, kad jie valgai. Mit dem Schwinden der alten optativischen Bedeutung konnte hier der Optativ aufgrund der Analogie zu den ursprünglichen Sätzen leicht durch das Supinum ersetzt werden. In Sätzen ähnlichen Typs konnte das Supinum einen Anflug optativischer Bedeutung erhalten.
Vielleicht ist deshalb die Form der 3. Person des neuen Optativs von alters her ein reines Supinum. Zwar meint Ch. Stang, dass auch das Supinum der 3. Person bi gehabt habe; es sei jedoch beim Konnektor verwendet worden und im Laufe der Zeit aufgrund seiner kurzen Form zum Enklitikon geworden, mit dem Konnektor verschmolzen; demnach sagte man eine Zeit lang: jeib žinotų: jei žinotumbime, bis schließlich jeib zum Konnektor wurde⁷⁰. Das könnte sein.
Doch erstens sagt in der zuvor erwähnten Mundart, in der der Konnektor jėp = jeib verwendet wird, niemand *jep žinotų, ateitų, sondern nur jei žinotų, ateitų. Diese Konstruktion ist archaisch. Zweitens bleibt unklar, warum in den anderen Personen -bime, -bite in enklitische Position gerieten. Das Optativ des Verbs *bhū- musste doch eine freie Stellung im Satz haben, ähnlich wie es in den slawischen Sprachen der Fall war.
Offenbar wurde in alter Zeit in der 3. Person ein reines Supinum verwendet. Später begann man nach dem Vorbild der anderen Personen auch das Supinum der 3. Person mit dem Optativ bi oder be zu verwenden. Da es hier jedoch nicht erforderlich war, konnte es rasch mit dem Konnektor verschmelzen.
Demnach hatten wir wahrscheinlich zunächst:
* jei būme žinotum, und * jei žinotum būme, * jei būte žinotum, und * jei žinotum būte. * jei žinotum.
Später könnte sich mancherorts ergeben haben:
* jei būme žinotum, und * jei žinotum būme, * jei būte žinotum, und *jei žinotum būte, * jei bi žinotum. * jeibi žinotum.
Noch später schwächte sich die optativische Bedeutung von *bime ab, und das Supinum musste einen immer größeren Teil ihrer Funktion übernehmen. Für die dritte Person war eine Endung nicht erforderlich, da auch andere Verbformen der 3. Person keine Endung hatten. Aufgrund des sprachlichen Erfordernisses, die Personen durch Endungen zu unterscheiden, wurde für die anderen Personen die enklitische Stellung des Optativs bhū- verallgemeinert, und das Supinum verschmolz mit ihm zu einer einzigen Form. Die Form der dritten Person be, bi verschmolz mit dem Konnektor.
Abkürzungen
AfslPh — Archiv für slavische Philologie, Berlin, 1876 tt.
BB — Beiträge zur Kunde der indogermanischen Sprachen, Göttingen, 1877—1906.
⁷⁰ Siehe Ch. Stang, a. a. O., 353.
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BGLS — A. Bezzenberger, Beiträge zur Geschichte der litauischen Sprache... Göttingen, 1885.
ChB — Chylińskis litauische Bibel. Neues Testament. Band II, herausgegeben von Czesław Kudzinowski—Jan Otrębski, Poznań, 1958.
DP — Postilla Catholica... Per Kuniga Mikolai D a v k s z a. Wilniui 1599. Naudotasi 1926 m. fotografuotiniu leidimu.
FBR — Schriften der Philologischen Gesellschaft, Riga, 1921 ff.
IF — Indogermanische Forschungen, Straßburg, 1892 tt.
IFA — Anzeiger für indogermanische Sprach- und Altertumskunde, Beiblatt zu den Indogermanischen Forschungen, Straßburg, 1892 tt.
IMM — Monatszeitschrift des Bildungsministeriums.
KIM — D. Klein, Naujos Labbay priwalingos.... Maldu knygeles.... Karalauczuje, 1704.
KZ — Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen, 1852 tt.
Mž — M. Mažvydas, Die ältesten Denkmäler der litauischen Sprache bis zum Jahr 1570, Kaunas, 1922.
ZfslPh — Zeitschrift für slavische Philologie.
Zur Geschichte des Optativs
I. I. KAZLAUSKAS
Zusammenfassung
Die Bildung des litauisch-lettischen Optativs ist bis heute ungeklärt. Umstritten ist die Frage, was die zweite Komponente der Optativformen darstellt – den Optativ oder das Präteritum des Stammes *bhū-. Nicht völlig klar ist, was die erste Komponente darstellt – das Supinum oder den Imperativ (nach dem Erscheinen des Artikels von V. Pisani). Unklar ist, wie und warum das Supinum in das Optativsystem einbezogen werden konnte. Auch hinsichtlich der Herkunft einzelner dialektaler Optativformen gehen die Meinungen der Wissenschaftler auseinander. Besonders unklar ist die Herkunft der Form der 1. Person Singular (auf -čiau, -čia). Diesen Fragen ist der vorliegende Artikel gewidmet.
Im Artikel wird nachgewiesen, dass es keinen Grund gibt, daran zu zweifeln, dass das Supinum die erste Komponente des Optativs ist. Die zweite Komponente der Optativformen ist der Optativ und nicht das Präteritum des Stammes *bhū-, weil 1) darauf die Bedeutung der postpositionalen Optativform und der Vokalwechsel (-bei: -bime) hinweisen, der sich andernfalls nur mit einer gewagten Erklärung begründen ließe, wozu kein Anlass besteht, da dieser Wechsel in der besonderen Konjugation des Optativs bis in späte Zeit erhalten geblieben sein konnte; 2) der Optativstamm *bi- (<*bī-) leicht die Bedeutung eines Präteritums annehmen konnte, da die Singularformen dieses Stammes (*bē<*bjē) mit denselben Formen des Präteritums bē- zusammenfielen; vgl. litauisch dialektal niabē ‚war nicht‘, preußisch be, bei, altkirchenslawisch bē. Die Modalpartikel -be< -*bē, mit deren Hilfe in den ostdzukischen Mundarten ein Optativ gebildet werden kann, mo-
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darf als Rest der Form der 3. Person Singular des Optativs des Stammes *bhū- gelten, und die Partikel -bi, die in einigen Mundarten neben -be zu demselben Zweck verwendet wird, ist wohl als Rest der Form der 3. Person Plural anzusehen (-bi<*-bi<*-bint).
Der Optativ des Stammes *bhū- muss spätestens in der litauisch-lettischen Epoche mit dem Supinum zu einem Wort verschmolzen sein. Alle dem Verfasser bekannten dialektalen Formen der 2. Person beider Numeri und der 1. Person Plural des litauischen Optativs gehen auf diese komplexe Form zurück.
Unter dem Einfluss der Form der 3. Person (būtų), die niemals eine Postposition hatte, verlor die Postposition, zu der der Optativ des Stammes *bhū- geworden war, ihre morphologische Bedeutung und begann zu schwinden. So entstanden neben den langen postpositionalen Formen auch kurze (vgl. dialektal 2. Person Singular sùktū̃ || sùktū̃beis, 1. Person Plural sùktū̃ || sùktū̃bėmės). Dieser neue Optativtyp auf -tum wird in den lettischen Mundarten verwendet (hier hat auch die 3. Person die Form auf -tum, da sie gegenüber den Personen indifferent geworden ist). Deutliche Reste und Spuren davon sind in litauischen Mundarten erhalten geblieben (vgl. etwa 1. Person Singular suktum, 2. Person Singular suktum, 1. Person Plural suktum, 2. Person Plural suktum oder suktut (Neubildung anstelle von suktum, unter dem Einfluss anderer Formen der 2. Person des Verbs), 3. Person suktų, suktum). Die in der lettischen Literatursprache für alle Personen verwendete Form suktu könnte ihrer Herkunft nach die Form der 3. Person sein, deren Verwendung nach dem Muster von suktum auf alle Personen ausgedehnt wurde (oder sie entstand aus suktubem... im Zusammenhang mit dem aus morphologischen Gründen erfolgten Schwund der Postposition -bem...).
Unter dem Einfluss des Systems der Konjugationsendungen des Verbs bildete sich in vielen litauischen Mundarten durch Kreuzung verkürzter und langer postpositionaler Formen noch ein Optativtyp heraus, z. B. 2. Person Singular -tumei (aus den nebeneinander verwendeten Formen -tumbei und -tum), -tumi (aus -tumbi und -tum), 1. Person Plural -tumim (aus -tumbim und -tum), -tumėm (aus -tumbėm und -tum) usw. Auf diesen Weg der Kreuzung weisen deutlich die Kėdainiai-Ausgaben von 1653 hin; vgl. die hier gleichzeitig verwendeten Formen der 1. Person Plural auf -tum(e), -tumbim(e) und -tumim(e).
Der Ausgleich des Systems der Optativendungen in den litauischen Mundarten verlief in zwei Richtungen: In einigen wurde es nach dem Muster der Konjugation von Verbstämmen auf -ė auf der Grundlage der 2. Person Singular ausgeglichen, in anderen nach dem Muster der Konjugation von Stämmen auf -i auf der Grundlage der Pluralformen.
Der süddzukische Optativ būtai, būtái... ist eine Neubildung. Die Akzentuierung der Endung erklärt sich dadurch, dass der Akzent unter dem Einfluss von būtų an das Wortende zurückgezogen wurde, sobald die akzentuierte Intonation der nachtonigen Silben deutlich ausgesprochen wurde.
Die Varianten der Form der 1. Person Singular auf -č, -čio, -čiau sind als Neubildungen zu erklären, die auf -čia zurückgehen. -čia könnte aus *-tjàu entstanden sein, das sich zusammen mit anderen akutierten Langlauten zu *-tja verkürzen konnte, da für Optativformen eine unregelmäßige Kürzung charakteristisch ist (vgl. būt<būči, būč<būčia u. a.). Die Form auf *-tjàu
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wird als umgebildete Form des athematischen Optativs erklärt (vgl. altind. iyām, altlat. siēm usw.), d. h. *likjēm>*likjēō (*likjēuo)>*likjau ‚würde bleiben‘. Da sie dem Konjugationssystem des neuen Optativs gut entsprach, verbreitete sie sich auf alle Verben. Unter dem Einfluss der Formen der anderen Personen (liktumbei usw.) erhielt sie ein -t-, d. h. *likjau>*liktjau. Dass die Form auf -č- optativischen Ursprungs sein kann, zeigt auch, dass sich ihr der Optativ des Stammes *bhū- nicht angeschlossen hat.
Das Auftreten des Supinums im Optativsystem hängt eng mit der Bedeutungsveränderung des alten Optativs zusammen. Den Belegen aus alten Denkmälern und einigen litauischen Dialekten zufolge könnte es im Litauisch-Lettischen, wie auch in einigen anderen indoeuropäischen Sprachen, ein zusammengesetztes Optativ-Präteritum gegeben haben, das aus einem Partizip und dem Optativ des Stammes *bhū- gebildet war. Als sich die Bedeutung des alten Optativs veränderte, konnten diese präteritalen Formen ihn aufgrund ihrer präteritalen Bedeutung nicht ersetzen. Daher konnte das Partizip in diesen Formen durch das Supinum ersetzt werden, eine hinsichtlich der Zeit indifferente Verbform. In einigen Nebensätzen konnte das Supinum optativische Bedeutung annehmen.