M. Kondratiuk. „Nazwy miejscowe Południovo – wschodnej Białostocczyzny“
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unversehrt, und neben u ist es auch häufig in den Stämmen von Ortsnamen sowie nach m, v, j, k, s, p22. Am Wortende steht nach Labialen und Gutturalen regelmäßig ū (nur hier kommt daneben u vor: laiku III 37₁₈ „šie halten“). In allen übrigen Fällen entspricht dem ide. *ā am Wortende der Reflex o. Somit muss hier auch in der primären Stufe ide. *ā *ā gewesen sein. *ā wird sich nur nach Labialen, Gutturalen und am Wortende in Richtung o verändert haben (in Ortsnamen außerdem nach j, v, k, s). In den übrigen Fällen blieb es unverändert (br-ā-ti). Doch dürfte diese Veränderung in den genannten Fällen hier wiederum von derjenigen im südlichen Dialekt abgewichen sein. Anstelle des baltischen *ā liegt hier ū(u) vor; wie V. Mažiulis23 zu Recht festgestellt hat, konnte es nicht unmittelbar phonetisch aus *ā entstehen. Die Entwicklung von *ā zu ū muss also jedenfalls über die Stufe ō verlaufen sein (und ist es auch)24. Genau diese Stufe zeigen auch die Wörter mit diesem Reflex. Das ō dürfte hier jedoch stärker verengt worden und geschlossener geworden sein. Daher konnte es sich ū angleichen, in dieses übergehen oder sogar vollständig zu ū werden (z. B. pōstam, -m-ī-ti, deiv-ū-tai III 115₁₄ „selig“, poglab-ū, laik-u). Eine ähnliche Entwicklung des unbetonten baltischen *ā hat sich auch in einem Teil des litauischen Veliuona-Dialekts und in den ihm benachbarten Gebieten vollzogen25.
Die hier erörterten Reflexe des ide. *ā in den Denkmälern der prußischen Sprache erlauben folgende Schlussfolgerungen:
1. Das ide. *ā war vermutlich allen baltischen Sprachen und ihren Dialekten als weites, offenes *ā bekannt.
2. Im südlichen Dialekt des Prußischen, d. h. in dem Dialekt, in dem das Elbinger Vokabular verfasst wurde, dürfte dieses baltische *ā (dessen Reflex a ist) verengt und labialisiert worden sein, sich diesem Laut angenähert haben (oa) oder auch ganz zu o geworden sein.
Im nördlichen prußischen Dialekt – dem Dialekt der Katechismen – dürfte das baltische *ā (dessen Reflex ā ist) nur nach Labialen, Gutturalen und am Wortende verengt und labialisiert worden sein (in Ortsnamen außerdem vor v, j, k, s). In den übrigen Fällen blieb es hier unverändert. Seine Entwicklung dürfte hier etwas von derjenigen im südlichen Dialekt abgewichen sein. Infolge der stärkeren Verengung dürfte es hier zunehmend gespannt und geschlossen geworden sein und sich zu ō entwickelt haben, das seiner Klangfarbe nach dem ū näher gewesen sein oder sich sogar vollständig in ū verwandelt haben dürfte. Die Welle der Verengung und Labialisierung des baltischen *ā, die sich über das historische baltische Gebiet von Südwesten nach Nordosten ausbreitete, dürfte zuerst das litauische Sprachgebiet erreicht und einem großen Teil seiner Dialekte den Reflex ō gegeben haben; bei den Žemaiten verwandelte sie diesen in uo (mit Ausnahme des Dialekts von Karklė). Die ostaukštaitischen und ostdzükischen Dialekte dürfte sie zuletzt erreicht haben. Daher ist ā hier auch heute mancherorts allgemein, andernorts nur teilweise erhalten. Die Welle der Verengung und Labialisierung des baltischen *ā erreichte die lettische Sprache (mit Ausnahme des Latgalischen) nicht, und hier blieb es unverändert.
3. Der Reflex o des ide. *ā in den baltischen Sprachen und ihren Dialekten ist vermutlich sekundär.
E. GRINAVECKIENĖ
M. Kondratiuk, Nazwy miejscowe Południowo – wschodniej Białostocczyzny, Wrocław – Warszawa – Kraków – Gdańsk, 1974, 304 S. (mit Karte).
Im 29. Band der Reihe „Monografie Slawistyczne“ der Akademie der Wissenschaften der Volksrepublik Polen wurde das Werk „Ortsnamen des südöstlichen Teils der Woiwodschaft Białystok“ von Dr. Michał Kondratiuk, wissenschaftlichem Mitarbeiter des Instituts für Slawistik, veröffentlicht. Es ist in vielerlei Hinsicht auch für Baltisten von Interesse.
22 Siehe K. Būga, RR, III, S. 106.
23 Siehe V. Mažiulis, Baltų sant., S. 12.
24 Vgl. Z. Zinkevičius, BV, S. 12.
25 Plg. A. Salys, Kelios pastabos tarmių istorijai, APh IV, Kaunas, 1933, p. 28; Z. Zinkevičius, Lietuvių dialektologija, Vilnius, 1965, p. 68 ir žemėl. Nr. 32, 33.
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Der Südosten der Woiwodschaft Białystok umfasst Gebiete, in denen es in der Vergangenheit zu intensiven Kontakten zwischen baltischen und slawischen Sprachen kam. Den Schlussfolgerungen zahlreicher Forscher (K. Būga, J. Kaminski, G. Laumianskis, J. Otrębski, V. Toporov, S. Zajanchkovski und andere) zufolge gibt es Grund zu der Annahme, dass das gesamte oder nahezu das gesamte von M. Kondratiuk behandelte Gebiet einst von Balten besiedelt war. Allerdings könnten die Balten in diesem Gebiet zu unterschiedlichen Zeiten und unterschiedlich lange gelebt haben. Dass die Balten hier ansässig waren, steht jedoch außer Zweifel. Hier sei daran erinnert, dass einer der linken Nebenflüsse des Bug (der ganz im Süden des besprochenen Gebiets fließt) einen Namen trägt, der als baltisch gilt – Krzna < *Krьsna (vgl. lit. Kirsna): altpr. (jotv.) Kirsnan „schwarz“.
Daher überrascht es nicht, dass auch M. Kondratiukas in seiner Monografie Kontakte zwischen baltischen und slawischen Sprachen feststellt und sich dabei auf Ortsnamen stützt, genauer gesagt auf Siedlungsnamen, von denen der Autor im untersuchten Gebiet 1585 zählt (die Zahl der Orte ist etwas geringer – 1338). Bemerkenswert ist, dass sich die Zahl der Siedlungsnamen seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mehr als verdoppelt hat – von 725 Namen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf heute 1585.
Die Struktur der besprochenen Arbeit ist folgende: 1) Einleitung (hier werden der Untersuchungsgegenstand abgegrenzt, historische Informationen über das untersuchte Gebiet gegeben, die Quellen genannt, Anmerkungen zur Untersuchungsmethode gemacht usw.); 2) Ortsnamenwörterbuch; 3) Analyse der Bedeutung und Form der Ortsnamen (nach ihrer Bedeutung unterscheidet der Autor verwandtschaftliche, topografische, possessive, kulturelle, patronymische, ethnische und andere Ortsnamen); 4) interlinguale Beziehungen (polnisch – russisch und slawisch – baltisch); 5) Schlussfolgerungen.
Der umfangreichste und wichtigste Teil der Arbeit ist das zweite Kapitel (S. 19–233), in dem alphabetisch alle Siedlungsnamen (gelegentlich auch Namen anderer Orte) des südöstlichen Teils der Woiwodschaft Białystok aufgeführt werden. Es handelt sich im Grunde um ein etymologisches Oikonymenwörterbuch dieses Gebiets, da auch die Herkunft der angeführten Ortsnamen angegeben wird. Ein unbestreitbarer Vorzug dieses Kapitels besteht darin, dass der Autor die älteren, in historischen Dokumenten belegten Formen der Oikonyme anführt. Historische Varianten der Oikonyme sind bei der Erklärung der Herkunft heutiger Ortsnamen sehr hilfreich.
Für Baltisten ist wohl der Teil der Arbeit am wichtigsten, in dem die Beziehungen zwischen den slawischen und baltischen Sprachen analysiert werden. Der Autor weist darauf hin, dass litauische (baltische) Ortsnamen über lange Zeit slawisiert wurden. Die Slawisierung betraf nicht nur die Phonetik litauischer Ortsnamen, sondern häufig auch ihre Morphologie. Beispiele für phonetische Slawisierung sind: Dojlidy – lit. Dailidės, Liuli – lit. Liūliai, Paceliszki – lit. *Poceliškės oder Ähnliches. Die verbreitetste Art der morphologischen Slawisierung besteht darin, an einen litauischen Stamm ein slawisches Suffix anzufügen (vgl. Klewinowo – lit. klėvas, klevynas, klevinis).
Insgesamt findet der Autor etwa 45 baltische Ortsnamen, das heißt rund 2,8% aller Oikonyme. Das ist ein recht umfangreicher Bestand an Baltismen (wenn sie natürlich alle echt sind), insbesondere angesichts der bereits erwähnten Tatsache, dass es in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nur 725 Oikonyme gab. Den Angaben des Autors zufolge sind in Dokumenten aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts lediglich 50 Siedlungsnamen belegt. Offenbar haben sich die meisten Oikonyme in den vergangenen Jahrhunderten herausgebildet, also bereits in jener historischen Zeit, als das alte, autochthone baltische ethnische Element in diesen Gebieten unbedeutend war oder bereits im Verschwinden begriffen war.
Nach den Berechnungen des Autors finden sich die meisten Baltismen zwischen den Flüssen Narew und Supraśl. Nicht wenige davon sind eindeutig. Dazu zählt beispielsweise der Name eines Stadtteils von Białystok.
1 B. H. Toporov, Zwei Notizen aus dem Bereich der baltischen Toponymie, – Rakstu krājums veltījums… Jānim Endzelīnam…, Riga, 1959, S. 256 ff.
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Dojnowo, dessen Verbindung mit lit. Dainavą (Dorf im Rajon Šalčininkai u. a.) offensichtlich ist. Ein weiterer Teil von Białystok heißt Dojlidy. Dieser Ortsname lässt sich mit lit. Dailidės (Dorf im Rajon Šalčininkai u. a.; lit. dailidė „Tischler“) vergleichen. Auch der Dorfname Dydulė im Kreis Białystok, der 1577 als Dzi dziule verzeichnet wurde, wirft keine Zweifel auf. Es ist das litauische Gegenstück zum Oikonym Didžiuliai (Dorf im Rajon Šalčininkai). Offensichtliche Baltismen sind auch Kiersnowo – ein Dorf im Kreis Białystok (vgl. lit. Kirkšnóvė, Fluss, Kirsna, Fluss: altpreuß. kirsnan „schwarz“), Kiewtaki – ein Dorf im Kreis Białystok (vgl. lit. Kiaulakiai, Dorf im Rajon Kelmė; der Familienname Kiaulakỹs), Kituryki (1634 Kiethuriki) – ein Dorf im Kreis Białystok (vgl. lit. Ketūriai, Dorf im Rajon Šalčininkai), Kojrany – ein Dorf im Kreis Białystok (vgl. lit. Kairėnai, Dorf im Rajon Vilnius). Liuli – Flur und Wiese im Dorf Hermanuykos, im Kreis Białystok (vgl. lit. Liūlynas, Wald bei Veisiejai, Liūlė, Dorfteil in der Umgebung von Kurkliai), Narejki – ein Dorf im Kreis Białystok, Narojki – ein Dorf im Kreis Siemiatycze, unweit von Drohiczyn (vgl. lit. Noreikiai, Dorf im Rajon Panevėžys u. a., sowie die Familiennamen Noreika, Noreikis), Olmonty – ein Dorf im Kreis Białystok (vgl. lit. Familienname Almantas), Szernie – ein Dorf im Kreis Białystok (vgl. lit. Šernai, Dorf im Rajon Vilnius, und den Familiennamen Šernius), Žegunie – ein Dorf im Kreis Białystok (vgl. lit. Žegūniai, Dorf im Rajon Kupiškis, und den Familiennamen Žegūnis) u. a.
Bei dem einen oder anderen Ortsnamen, den der Autor für baltisch hält, können gewisse Unklarheiten und Zweifel aufkommen. So könnte etwa der Dorfname Opaka in der Woiwodschaft Hajnowka auch für nichtbaltisch gehalten werden, da er wahrscheinlich auf einen für die slawischen Sprachen, darunter auch das Polnische, charakteristischen physiographischen Terminus zurückgeht – vgl. poln. opoka „Fels, Steinblock“, tschech. opoka, opuka „Fels“, slowen. opóka „Schiefer“2, weißruss. апока „Stein, Fels; Kalkstein“3 usw. Insgesamt kann der Autor jedoch baltische Ortsnamen recht gut von slawischen unterscheiden, sodass seinen Schlussfolgerungen zu den Kontakten zwischen den baltischen und slawischen Sprachen im Südosten der Woiwodschaft Białystok zu vertrauen ist.
Somit ist M. Kondratiuks Monografie „Ortsnamen des südöstlichen Teils der Woiwodschaft Białystok“ ein fundiertes Werk von vielfältiger Bedeutung. Wichtig ist hervorzuheben, dass diese Arbeit nicht nur von Linguisten genutzt und herangezogen werden kann, sondern auch von Historikern, die sich mit Fragen der baltischen Ethnogenese und der baltischen Vergangenheit im Allgemeinen befassen.
A. VANAGAS
A b k ü r z u n g e n
Ad – Adutiškis, Rajon Švenčionys.1 Adm – Adomaičiai, Rajon Kelmė, Umgebung von Pakražantis. Agu – Agurkiškė, Rajon Kapsukas, Umgebung von Kazlų Rūda. ahd. – Althochdeutsch. air. – Irisch. Akm – Akmenė. Akmn – Akmenė, Rajon Vilnius, Umgebung von Glitiškės. Akns – Aknystėlės, Rajon Utena, Umgebung von Leliūnai. Aks – Alkas, Rajon Plungė, Umgebung von Bubėnai. AkV – Akmuo, Rajon Varėna, Umgebung von Jakėnai. Al – Alytus. Alj – Alėjai, Rajon Raseiniai. Alk – Alksnėnai, Rajon Vilkaviškis.
2 P. Nitsche, Geographische Terminologie des Polnischen, Köln, 1964, p. 48.
3 І. Я. Яшкин, Беларускія геаграфічныя назвы, Мінск, 1971, p. 13.
1 Die Gemeinde wird nicht angegeben, wenn ihr Name mit dem Namen des durch eine Abkürzung bezeichneten Wohnorts übereinstimmt.
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