Pirminių būdvardžių semantikos derivacinis aspektas
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LIETUVIŲ KALBOS SANDAROS TYRINĖJIMAI
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXVI (1987)
RITA ŠEPETYTĖ
DERIVATIONALER ASPEKT DER SEMANTIK PRIMÄRER ADJEKTIVE
1. Der Gebrauch der Adjektive aukštas, gilus, žemas in der Bedeutung „groß, stark; gut“ beziehungsweise „klein, gering; schlecht“ gilt als semantischer Fehler im Litauischen1. Prof. J. Balčikonis korrigierte ihn2 streng. Im von ihm redigierten ersten Band des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“ werden beim Adjektiv aukštas die Bedeutungen „gut, ausgezeichnet (über die Qualität)“ und „groß, beträchtlich an Menge, Kraft u. Ä.“ nicht angegeben (vgl. die zweite Auflage4). J. Balčikonis beherrschte, genauer gesagt, verstand das Litauische gut und spürte, was ihm fremd war. Eines seiner wichtigsten Argumente bei Sprachkorrekturen war die Echtheit eines Wortes oder einer Wendung im Hinblick auf die volkstümliche Umgangssprache5. In der zweiten Auflage des ersten Bandes des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“ ist das Adjektiv aukštas unserer Meinung nach unter allzu starker Berücksichtigung der Bedeutungen des russischen Adjektivs высокий aufgenommen.
Mit subtilen Korrekturen hemmte Prof. J. Balčikonis nicht die Entwicklung der litauischen Sprache, wie es manchen vielleicht schien, sondern pflegte ihre Eigenart. Denn jede Sprache gestaltet das Bild der Welt auf ihre Weise. Aufdecken lässt sich dies natürlich nur durch eine eingehende semantische Untersuchung. Prof. J. Balčikonis verfasste keine umfangreichen theoretischen Arbeiten, doch seine Korrekturen und Übersetzungen zeigen, dass er ein bedeutender Kenner der Semantik der litauischen Sprache war.
2. Um die Semantik der primären litauischen Adjektive möglichst systematisch zu beschreiben, haben wir unter anderem auch die Methode der Analyse von Wortbildungsbeziehungen angewandt. Primäre Adjektive eignen sich hierfür besonders; sie zeichnen sich durch eine Fülle von Wortbildungsbeziehungen aus. Außerdem sind deadjektivischen Wortbildungstypen6 eine relativ hohe Regelmäßigkeit und Produktivität eigen7. Üblicherweise wird die Analyse derivationeller Beziehungen eingesetzt, um die semantische Struktur eines polysemen Wortes in Sememe (Bedeutungen)8 zu zerlegen, genauer gesagt, der Ableitungen
1 In den „Hinweisen zur Sprachpraxis“ tragen diese Wörter den Vermerk „besser nicht in der Bedeutung … verwenden“, siehe: Kalbos praktikos patarimai. – V., 1976, S. 40, 81, 312. In der zweiten Auflage der Hinweise wird dieses Verbot abgeschwächt, siehe: Kalbos praktikos patarimai. – V., 1985, S. 41, 82.
2 Balčikonis J. Rinktiniai raštai/Sud. A. Pukpis. – V., 1978, t. 1, p. 155, 228, 291, 307, 332.
3 Lietuvių kalbos žodynas. – V., 1941, t. 1, p. 396–397.
4 Lietuvių kalbos žodynas. – V., 1968, t. 1, p. 488.
5 Keinys S. J. Balčikonio kalbos mokslo darbai. – Kalbos kultūra, 1985, sąs. 48, p. 7–8; Vitkauskas V. Juozas Balčikonis. – Kaunas, 1985, p. 66, 106. Žr. taip pat: Balčikonis J. Rinktiniai raštai, t. 1, p. 194.
6 Dėl termino darybos tipas žr.: Urbutis V. Žodžių darybos teorija. – V., 1978, p. 249.
7 Zu diesen Begriffen siehe: Urbutis V. Min. veik., S. 262–268.
8 Медникова Э. М. Значение слова и методы его описания. – М.,1974, с. 60–61; Kalendienė D. Būdvardžio senas leksinė-semantinė charakteristika. – Kalbotyra, 1981, t. 32 (1), p. 38–51. Šios analizės taikymo pamatas – teiginys, kad dariniai paprastai remiasi viena (apibrėžta) pamatinio žodžio reikšme, žr.: Urbutis V. Min. veik., p. 152–156; Тихонов А. Н. О семантической соотносительности производящих и производных основ. – ВЯ, 1967, № 1, с. 114.
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… der Unterschiede, um den Unterschied zwischen den Sememen (Bedeutungen) zu bestätigen. Wir analysieren die derivationalen Beziehungen der Adjektive unter einem anderen Aspekt.
Primäre Adjektive des Litauischen zeichnen sich durch regelmäßige Ableitungen aus – aus ihnen werden Substantive mit den Formanten -umas, -uma, Adverbien mit dem Formanten -ai, Verben mit den Formanten -ėti, -inti sowie zahlreiche weitere Ableitungen mit unterschiedlichem Grad an Regelmäßigkeit gebildet, die verschiedenen Wortarten angehören. Wir haben festgestellt, dass Adjektivableitungen, die formal nach demselben Wortbildungsmuster „produziert“ werden, häufig unterschiedliche Wortbildungsbedeutungen haben und mitunter von der erwarteten (dem Wortbildungsmuster „Adjektiv + Formant“ eigenen) Bedeutung abweichen, d. h. lexikalisiert sind9. Unsere Hypothese lautet: 1) Die semantische Nähe der primären Adjektive spiegelt sich in der semantischen Nähe ihrer entsprechenden Ableitungen wider; 2) wenn regelmäßige10 Ableitungen in ihrer Bedeutung von der erwarteten Bedeutung des Wortbildungsmusters abweichen, unterscheiden sich die semantischen Strukturen der primären Adjektive durch wichtige semantische Komponenten.
In diesem Artikel haben wir für die Analyse vier semantische Gruppen primärer Adjektive ausgewählt, d. h. Adjektive, zu deren semantischer Struktur die (unterschiedlich rangierenden) Semen11 „Raum“, „Menge“, „Farbe“ und „Zeit“ gehören. Die Nomenklatur der Semen haben wir anhand des Modells von Ž. Sokolovskaja12 erstellt. Das Vorhandensein von Semen wird anhand der Bedeutungsdefinitionen in Wörterbüchern bestimmt.
Der Artikel stützt sich auf das illustrative Material und die Bedeutungserläuterungen des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“13 und des „Wörterbuchs der heutigen litauischen Sprache“14. Wir betonen, dass unsere Annahmen und Schlussfolgerungen hypothetisch sind; dies hängt mit Folgendem zusammen: 1) der Erfassung von Ableitungen in Wörterbüchern (regelmäßige Ableitungen werden nicht immer erfasst); 2) ihrer spärlichen Belegung durch Beispiele; 3) vor allem mit der möglichen Heterogenität und Heterochronie der Ableitungen15 (z. B. ist die Wortbildungsgrundlage nicht ganz klar – senas–seninti oder senti–seninti usw.). Außerdem berücksichtigt unsere Analyse keine übertragenen Bedeutungen (weder die von Ableitungen noch die von Grundwörtern).
3. Für die Analyse haben wir regelmäßige Ableitungen ausgewählt:
a) mit dem Formanten -uma. In der „Grammatik der litauischen Sprache“16 werden sie zwei Wortbildungskategorien zugeordnet – „Abstrakta“ und „Ort“. Zugleich heißt es, dass Abstrakta „eine abstrakte Eigenschaft oder einen Zeitpunkt, einen zeitlichen Zustand“17 bezeichnen, während Ableitungen mit Ortsbedeutung auch „… einen Teil eines Gegenstands“ und Zeit bezeichnen können18;
9 Zur Lexikalisierung siehe: Urbutis V. Min. veik., S. 146–148; Кубрякова Е. С. Типы языковых значений. Семантика производного слова. – М., 1981, с. 57.
10 Als minimalen Grad an Regelmäßigkeit betrachten wir zwei Ableitungen, die demselben Wortbildungsmuster angehören.
11 Sema und semantische Komponente werden in diesem Artikel synonym verwendet.
12 Соколовская Ж. П. Опыт системного описания семантических отношений в лексике (на материале русских имен прилагательных): Автореф. дис.... д-ра. филол. наук. – Киев, 1981. – 28 с.
13 Lietuvių kalbos žodynas. – V., 1956–1984, t. 1–13 (toliau vartojamas sutrumpinimas LKŽ).
14 Wörterbuch der heutigen litauischen Sprache. – V., 1972 (Abkürzung DŽ).
15 Plg.: Кубрякова Е. С. Теория номинации и словообразование. – В кн.: Языковая номинация (Виды наименований). М., 1977, с. 270.
16 Grammatik der litauischen Sprache. – V., 1965, Bd. 1, S. 311, 399.
17 Ebenda, S. 311.
18 Ebenda, S. 399–400.
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b) mit dem Formans -ėti. Diese Ableitungen bezeichnen „das allmähliche Entstehen oder die Verstärkung einer durch das Grundwort (= d. h. das Basiswort – R. Š.) ausgedrückten Eigenschaft“19. Etwas formalisiert lässt sich die Wortbildungsbedeutung folgendermaßen angeben: „zu X-am/X-esniam werden“20;
c) mit dem Formans -inti. Die Hauptbedeutung der Wortbildung lautet: „etwas zu dem machen, was durch das Basisadjektiv ausgedrückt wird“21 („X-ą /X-esnį machen“);
d) Außerdem wurden regelmäßige Ableitungen von Adjektiven mit dem Sem „Farbe“ mit dem Formans -uoti sowie Ableitungen von Adjektiven mit dem Sem „Zeit“ mit dem Formans -yvas untersucht.
Bei der Analyse wurde darauf geachtet: 1) ob die Bedeutung der jeweiligen Ableitung der Wortbildungsbedeutung entspricht (d. h. der Grad der Lexikalisierung wird bestimmt); 2) welche Bedeutung die Ableitung in Anbetracht des Sems des Basisadjektivs annimmt (angenommen hat).
4.1. Das Sem „Farbe“. Adjektive: baltas „von der Farbe des Schnees, der Milch“, juodas „von der Farbe der Kohle“, geltonas „von der Farbe der Hahnenfußblüte, des Schwefels oder des Goldes“, mėlynas „eine der Grundfarben des Spektrums – die mittlere zwischen Violett und Grün“, raudonas „zur warmen Farbe des Regenbogens gehörend“ („von der Farbe des Blutes“ DŽ), rudas „dunkelgelb“, žalias „von der Farbe des Grases“ DŽ.
a) Bedeutung: „Stelle (Oberfläche) von der Farbe X“.
Zum Beispiel: baltuma „weiße Stelle“, juoduma „schwarze Stelle, schwarzer Fleck“, geltonuma „gelbe Stelle“, mėlynuma „blaue Stelle“, raudonuma „gerötete Stelle“ (könnte auch „rote Stelle“ bedeuten), ruduma „braune Stelle, brauner Fleck“, žaluma (in Dialekten žaliuma) „grüne Stelle, grüne Oberfläche“ DŽ.
b) Ein eher potenzieller als realer Wortbildungstyp. In Wörterbüchern belegt, jedoch fast ohne Belege. Bedeutung: „X/X-esniam werden“. Zum Beispiel: baltėti „weiß werden, erblassen“ (ohne Beleg); juodėti „schwarz werden …; schwärzen“ (5 Belegbeispiele mit verschiedenen Bedeutungen); *geltonėti22, mėlynėti „blau, bläulicher werden“ (2 Belege), raudonėti „rot werden“ (1 Beleg; Ableitungen zweiten Grades įraudonėti, išraudonėti usw. duplizieren die Bedeutungen des Verbs mit dem Formans -yti oder sind dessen dialektale Varianten), analog rudėti „braun werden“, žalėti „grün, grüner werden“ (DŽ; ohne Beleg).
c) Bedeutung23: „mit Farbe X färben (bestreichen)“.
Zum Beispiel: baltinti „mit etwas Weißem färben“ („weiß anstreichen“ DŽ), juodinti „schwarz machen, bestreichen“, geltoninti „gelb machen“ („gelb machen, gelb anstreichen“ DŽ; Beleg aus LKŽ – Gardakuliȧis geltonina gijas Šts), mėlyninti „bläulich färben, bläuen“ (Egliniai pelenai ne baltina, bet mėlenina žlugį Šts), raudoninti „rot färben“, rudinti „braun färben“, žalinti „grün machen; grün färben“ DŽ.
d) Bedeutungen: 1) „X-farbig sein, aussehen“24, zum Beispiel: baltuoti „weiß sein, weiß erscheinen“, juoduoti „schwarz sein, schwarz erscheinen; von einem schwarzen Gegenstand: sich bewegen, dahingleiten“, gelto-
19 Grammatik der litauischen Sprache. – W., 1971, Bd. 2, S. 258.
20 Das Zeichen X bezeichnet hier und im Folgenden das Basisadjektiv.
21 Jakaitienė E. Veiksmažodžių daryba. (Priesagų vediniai.) – V., 1973, p. 21.
22 Mit dem Zeichen * kennzeichnen wir in Wörterbüchern nicht verzeichnete (potenzielle) Ableitungen oder deren Bedeutungen.
23 Vgl. Jakaitienė E. a. a. O., S. 21; dort sind jedoch die von der Autorin erwähnten Substantivableitungen gemeint (auksinti ir pan.).
24 Siehe Jakaitienė E. a. a. O., S. 43. Hier wird vermutlich eine genauere Erläuterung gegeben: „aus der Ferne als das erscheinen, was durch das Basiswort ausgedrückt wird“.
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nuoti „gelb sein, gelb aussehen“, mėlynuoti „blau sein oder aussehen“, raudonuoti „rot erscheinen, rot leuchten“ („rot erscheinen, rot sein“ DŽ), ruduoti „braun erscheinen, braun sichtbar sein“, žaliuoti „grün sein, grün erscheinen“ DŽ (dieses Verb wird häufiger in der lexikalisierten Bedeutung „von Wiesen, Feldern und Pflanzen (im Frühling und Sommer)“ verwendet);
2) „allmählich die Farbe X annehmen; sich mit der Farbe X bedecken (überziehen)“, z. B.: *baltuoti, juoduoti „schwarz werden“ („schwarz färben, schwarz machen“ DŽ), *geltonuoti (diese Bedeutung ist bei der Derivation zweiten Grades apgeltonuoti „an der Oberfläche gelb werden“ belegt), mėlynuoti „blau werden“, raudonuoti „rot sein, rot werden“, ruduoti „braun werden“, žaliuoti „sich mit Grünspan oder Schimmel überziehen“ DŽ;
3) „mit der Farbe X bestreichen (beschmutzen)“, z. B.: *baltuoti (die Bedeutung ist nicht belegt, obwohl sie möglich ist, z. B. bei der Derivation zweiten Grades Kur išsibaltavai nugarą?), *juoduoti analog, geltonuoti „gelb machen, gelb färben“, *mėlynuoti analog, *raudonuoti (aber įraudonuoti „rot beschmieren“, nuraudonuoti „rot anmalen“ usw.), *ruduoti (aber suruduoti „braun beschmutzen“); žaliuoti „grün machen, mit Grünspan beschmutzen“ DŽ.
Die erste Bedeutung wird auch bei Derivationen zweiten Grades mit den Präfixen at-, iš-, nu-, pa-, par-, su- manifestiert, die zweite Bedeutung mit den Präfixen ap-, į-, iš-, nu-, pa-, su-, už-, die dritte Bedeutung mit den Präfixen iš-, nu-, su-.
4.1.1. Die Gruppe der „Farben“-Adjektive zeichnet sich durch semantische Nähe aus (vielleicht wird sie deshalb gern als Analysethema gewählt). Das ist auch aus der Übersicht der Derivationsbeziehungen ersichtlich. Aus der Gruppe sticht das Adjektiv žalias hervor. Seine semantische Struktur ist im Vergleich zu anderen Farbadjektiven komplexer (z. B. das Nebeneinanderbestehen der Bedeutungen „grasfarben“ und „unreif, unausgereift“ sowie „ungekocht (unverarbeitet)“). Außerdem bestätigt die Analyse der Derivationsbeziehungen unserer Ansicht nach, dass auch für Farbadjektive das Sem „Oberfläche“ relevant ist (siehe auch die Erläuterungen zu den Bedeutungen der Derivate).
4.2. Das Sem „Raum“. Adjektive: aukštas „von großer Höhe, mit großer Ausdehnung von unten nach oben“, gilus „weit unter die Oberfläche reichend“, žemas „mit geringer Ausdehnung von unten nach oben“ DŽ, artus „nahe (in räumlicher Hinsicht)“ (artimas „nicht weit entfernt“), tolus „weit entfernt im räumlichen Sinn“ DŽ (tolimas „weit entfernt (in räumlicher Hinsicht)“).
a) Bedeutung „Ort X“. Z. B.: aukštuma „hoher Ort, hoch gelegenes Gebiet, Berg, Hügel“, giluma „tiefer Ort, Tiefe“, žemuma „niedriger Ort, Ebene, nur wenig über den Meeresspiegel erhoben“ DŽ, artuma „naher Ort“, toluma „weit entfernter Ort, Ferne“ DŽ.
b) Die Bedeutungen sind unterschiedlich, z. B.: aukštėti „hoch werden“ (ohne Beleg; unserer Ansicht nach ist die Grundbedeutung dieses Derivats aukštas 2. „weit von der Erde nach oben entfernt“ und 1 || „über das übliche Niveau hinausragend (Gelände, Wasser)“), gilėti „in die Tiefe gehen“ (da diesem Adjektiv kein entsprechendes primäres Verb zugrunde liegt, kann gilėti auch die Bedeutung „tiefer werden“ haben (Derivation zweiten Grades pagilėti)), žemėti analog zu aukštėti, artėti „näher kommen, sich nähern (hinsichtlich der Entfernung)“ (weiter fortgeschrittene Lexikalisierung; Derivationen zweiten Grades mit den Präfixen pri-, su-), tolėti „weiter entfernt werden, sich entfernen“ DŽ.
c) Eine stark lexikalisierte Bedeutung „X/X-esnį machen“; „machen“ bezeichnet eine reale Handlung, z. B.: aukštinti „höher machen“ (Gdusim tvorą aukštinti Grg), gilinti „vertiefen“
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„tiefer, erröten“, erniedrigen „niedrig machen; nach unten lassen“ DŽ, annähern „bewirken, dass etwas näher kommt“ („heranziehen“), entfernen „im räumlichen Sinne weiter weg machen“ DŽ (dies könnte eine Ableitung von tolti sein) („wegschieben“, vgl. die Illustration Senis čia artino, čia tolino tabokinę rš). Ableitungen zweiten Grades mit den Präfixen nu-, pa- haben die Bedeutungskomponente „zu sehr“, z. B.: nuaukštinti „zu hoch machen“, paaukštinti „zu hoch machen“, nugilinti „zu sehr vertiefen“, pagilinti „zu tief machen“, nužeminti „zu niedrig machen“, paartinti „zu sehr annähern“.
4.2.1. Die Gruppe der „Raum“-Adjektive (die hier analysiert wird) ließe sich in zwei Untergruppen gliedern: 1) aukštas, žemas, gilus; 2) artus, tolus. Die Ableitungen der Adjektive dieser Untergruppe zeichnen sich durch eine stärkere Lexikalisierung der Bedeutungen aus. Die „Raum“-Sem haben auch die Adjektive ilgas, trumpas, platus, siauras. Für diese ist jedoch die „Menge“-Sem wichtiger; bei den Adjektiven aukštas, žemas, gilus hingegen ist die „Menge“-Sem nicht wichtig. Außerdem lässt sich beobachten, dass die Bedeutungen der Ableitungen von „Raum“-Adjektiven durch das entsprechende Adverb interpretiert werden können (aukštai, giliai, žemai; arti, toli).
4.3. Die „Menge“-Sem. Adjektive: ilgas „in die Länge gezogen; andauernd“ (kombinierte Definition aus DŽ und LKŽ), trumpas „von geringer Länge“ DŽ, plonas „von geringem Durchmesser“, storas „mit großem Abstand zwischen den beiden Flächen“, platus „in der Breite groß“, siauras „von geringem Durchmesser, geringer Breite“, didelis „durch seinen Umfang beträchtlich“, mažas „von geringer Körpergröße, Höhe, mit geringen Abmessungen“, kietas „dem Druck eines anderen Körpers widerstehend, nicht zusammendrückbar, nicht zerquetschbar“, minkštas „leicht auspressbar, nicht elastisch“ DŽ.
a) Bedeutung „der X-te Teil“. Z. B.: ilguma „der längste Teil“ (DŽ – „die lange Stelle“, ohne Beleg), plonuma „die dünne Stelle“ (aus den Belegen geht jedoch hervor, dass die Bedeutung offenbar „der dünne Teil“ lautet, z. B.: Lašinių plonuma DŽ, Eikit [šieno] plonumą grėbstyt Ds usw.), storuma „der dicke Teil, die dicke Stelle, stormena“ (stormena „der dicke Teil, storuma“), platuma „die breite, breiteste Stelle“ (könnte auch „Teil“ bedeuten), siauruma analog, diduma²⁵ „der größere Teil, die Mehrheit“, mažuma „der kleinere Teil“, kietuma „die harte Stelle“ (könnte auch „Teil“ bedeuten, z. B.: Minkštumą suvalgė, o kietumą man paliko usw.), minkštuma „der weiche Teil, das Weiche“.
b) Bedeutung „X-er werden“. Z. B.: ilgėti „länger werden“, trumpėti „kurz (kürzer) werden“ DŽ, platėti „breit (breiter) werden“ DŽ (die in LKŽ angegebene Bedeutung „sich verbreitern, sich seitwärts ausdehnen“ ist teilweise lexikalisiert, da sie mit der „Raum“-Sem im Bedeutungsaufbau des Adjektivs platus zusammenhängt), siaurėti analog, plonėti „dünner werden“, storėti „dicker werden“, didėti* „größer werden“ (LKŽ „zunehmen, wachsen (breiter, dicker werden)“), mažėti* „kleiner werden“ („abnehmen“ – LKŽ), kietėti „hart werden“ („hart (härter) werden“ DŽ; außerdem wird die teilweise lexikalisierte Bedeutung „erstarren, fest werden, härter werden“ angeführt, die mit anderen, hier nicht genannten Semen des Adjektivs kietas zusammenhängt), minkštėti „weich, weicher werden“. Dieselbe Bedeutung manifestiert sich auch in Ableitungen zweiten Grades mit dem Präfix pa-.
c) Bedeutung „bewirken, dass etwas X-er ist“. Z. B.: ilginti „lang machen“, trumpinti „kurz machen“ DŽ, platinti „breit (breiter) machen“, siaurinti „schmal machen,“
25 Zur Nichtübereinstimmung der semantischen und formalen Ableitungsgrundlage siehe: Urbutis V. Min. veik., S. 84.
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schmaler, ploninti „dünn machen“, storinti „dick, dicker machen“, didinti „größer machen“ (LKŽ – Kausativ von didėti: Pavasarį reikės sodą didinti Gs), mažinti „vom Umfang her kleiner machen“, kietinti „hart, härter machen“, minkštinti „weich, weicher machen“. Diese Verben (mit Ausnahme von kietinti ir minkštinti) sowie aukštinti, žeminti, gilinti, artinti, tolinti haben eine in Wörterbüchern nicht verzeichnete (wenn auch bisweilen belegte) Bedeutung „bewirken, dass etwas wie X erscheint“, z. B.: Trumpas sijonas ilgina kojas, Gražiau atrodo vertikalios linijos – jos figūrą aukština ir plonina trš, Platūs drabužiai storina žmogų DŽ, Žiūronas pro vieną galą artina, pro kitą tolina DŽ, Didinamasis stiklas DŽ, Oranžinė spalva erdvę siaurina, mažina trš usw. Die Verben kietinti ir minkštinti, genauer ihre Ableitungen zweiten Grades mit dem Präfix pa-, haben die Bedeutung „durch Berühren ausprobieren, ob X“, z. B.: pakeitinti „die Härte ausprobieren“, paminkštinti „drücken, um zu prüfen, ob etwas weich ist“ (vgl. palengvinti ir pasunkinti „etwas anheben, um das Gewicht festzustellen“). Ableitungen zweiten Grades mit dem Präfix nu- erhalten die Bedeutung „bewirken, dass etwas zu X ist“, z. B.: nuilginti „zu lang machen“, nutrumpinti „zu kurz machen“ DŽ, nudidinti „zu groß machen“, nuplatinti „zu breit machen“ usw. Eine solche Bedeutung ist auch für das Verb nukietinti belegt: „zu hart machen“.
4.3.1. Wie bereits erwähnt, haben die Adjektive ilgas, trumpas, platus, siauras auch eine „Raum“-Sem (und die Bedeutungen einiger ihrer Ableitungen entsprechen den Bedeutungen von Ableitungen der Adjektive aukštas, gilus, žemas). In ihrer Struktur ist jedoch die „Menge“-Sem wichtiger. Dies könnte auch eine psycholinguistische Erklärung bestätigen. Denn damit wir einen Gegenstand beispielsweise als aukštą qualifizieren können, ist seine Lage im Raum wichtig (Vertikalität, Grundlage, Oberseite usw.). Ein ilgas ar platus Gegenstand hingegen kann unabhängig von seiner räumlichen Lage so sein; entscheidend sind hier die quantitativen Verhältnisse der Teile des Gegenstands.
4.4. Die „Zeit“-Sem. Adjektive: ilgas „wie lange andauernd“, trumpas „kurz andauernd“ DŽ, senas „viele Jahre alt, im Greisenalter, nicht jung (über Menschen und Tiere); lange wachsend (über Pflanzen)“, jaunas „wenige Jahre alt, jung“, naujas „vor kurzem entstanden, hergestellt, erworben“, ankstus „am Anfang eines Zeitraums liegend“, vėlus „weit fortgeschritten, dem Ende zugehend (über die Zeit)“ DŽ.
a) Ilguma „die längste Zeit“ (Ilgumo dienos aš ir tai tiek nesuverpiu Sdk), trumpuma analog (z. B. aus dem LKŽ-Belegarchiv Trumpumoj nakties), senuma „Alter; alter Gegenstand“, jaunuma „Jugend“ (jaunystė „junge Jahre, junges Alter“), naujuma „etwas Neues“, ankstuma „Frühzeitigkeit, frühe Zeit“, vėluma „späte Zeit“ DŽ.
b) Von Adjektiven mit dominierender „Zeit“-Sem werden beispielsweise keine Verben gebildet: ilgėti ir trumpėti manifestieren die „Menge“-Sem, nicht die „Zeit“-Sem. Senėti „alt (älter) werden“ und jaunėti „jünger werden, sich verjüngen“ (offenbar analog zu senėti; weist ein Relativitätsmerkmal auf) hängen mit der Sem „Zustand“ zusammen.
c) Die Bedeutungen sind lexikalisiert, z. B.: ilginti „verzögern, fortsetzen“, ankstinti „etwas zu früh tun, beschleunigen“, vėlinti „etwas später als nötig tun“ DŽ, naujinti „Gebrauchs-, Abnutzungs- und Alterungsspuren beseitigen“, jauninti „jung machen; die Kräfte der Jugend zurückgeben“, seninti „siehe sendinti“ (sendinti caus. senti „alt machen“) (die Bedeutungen der letztgenannten Verben sind am wenigsten lexikalisiert, vermutlich weil die Grundadjektive die Sem „Zustand“ aufweisen).
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d) Aus Adjektiven, die durch das Sem „Zeitphase“ verbunden sind, werden mit dem Formans -yvas Adjektive gebildet; ihre Bedeutungen sind jedoch unterschiedlich: ankstyvas „früh stattfindend …“, vėlyvas * „spät stattfindend“, jaunyvas „ziemlich jung, nicht alt“ DŽ (präzisere Definition), senyvas „betagt, ziemlich alt“. Wie zu sehen ist, sind die Bedeutungen der ersten beiden Bildungen stark lexikalisiert, die der beiden letzten dagegen modifikativ.
5.1. In diesem Artikel haben wir im Wesentlichen lediglich ein Beispiel für die Anwendung der Analyse von Wortbildungsbeziehungen vorgestellt. Wir können jedoch auch bestimmte Schlussfolgerungen ziehen, die unsere Hypothese bestätigen: 1) Wenn Grundadjektive ein gemeinsames Sem aufweisen, erhalten ihre entsprechenden Derivate: a) gleiche Wortbildungsbedeutungen (oder sie wiederholen das Bedeutungsinventar, z. B. Derivate mit dem Formans -uma), insbesondere wenn dieses Sem dominant ist (z. B. Farbadjektive); b) Bedeutungen mit gleichem Lexikalisierungsgrad (z. B. Derivate mit dem Formans -ėti). 2) Eine Abweichung bei der Wortbildungsbedeutung weist auf einen Unterschied der Grundadjektive hinsichtlich anderer Seme hin (z. B. senyvas und ankstyvas oder baltuoti und žaliuoti).
5.2. In der Sprache wirkt das Gesetz der Ökonomie der Ausdrucksmittel. Wortbildung nach semantischer Analogie ist einer der Fälle, in denen dieses Gesetz zum Ausdruck kommt. Wir sind der Auffassung, dass sich durch die weitere Untersuchung derivativer Beziehungen zwischen Adjektiven maximal ähnliche semantische Strukturen (Semanteme) bestimmen lassen.
DERIVATIVER ASPEKT DER SEMANTIK UNABGELEITETER ADJEKTIVE
Zusammenfassung
Der Artikel beschreibt die Anwendung der Analyse von Wortbildungsbeziehungen zwischen Adjektiven mit dem Ziel, ihre semantische Nähe in Bezug auf ein bestimmtes gemeinsames Sem zu bestätigen, das ihre semantische Struktur konstituiert. Die Zweckmäßigkeit einer solchen Analyse beruht auf der Hypothese, dass die semantische Nähe von Derivaten, die auf ein bestimmtes Wortbildungsmodell zurückgehen, auf die semantische Nähe der Basiswörter schließen lassen sollte; die Möglichkeit einer solchen Analyse gründet sich auf die Regelmäßigkeit der deadjektivischen Derivation im Litauischen. Das Inventar der Seme wurde unter Berücksichtigung des Modells von Ž. P. Sokolovskaja erstellt. Das Vorhandensein von Semen wird durch die Verallgemeinerung von Wörterbuchdefinitionen festgestellt. Der Artikel beschreibt einige Wortbildungsbeziehungen von vier Adjektivgruppen, die jeweils durch ein gemeinsames Sem verbunden sind, und zwar „Farbe“, „Raum“, „Menge“ und „Zeit“.
Die Übersicht über die Bedeutungen der Derivate hat gezeigt, dass bei einigen der untersuchten Modelle der deadjektivischen Derivation die kategoriale (lexikalisch-grammatische) Gemeinsamkeit der Basiswörter (qualitatives Adjektiv) keine hinreichende Grundlage für die Bildung von Derivaten mit der erwarteten (dem Modell entsprechenden) Wortbildungsbedeutung darstellt. Es ist eine Lexikalisierung der Bedeutungen unterschiedlichen Grades zu beobachten.
Es wird festgestellt, dass Basiswörter, die durch ein gemeinsames Sem verbunden sind (insbesondere, wenn dieses Sem dominant ist), mit Derivaten innerhalb desselben Modells korrespondieren, die dieselbe Wortbildungsbedeutung oder Bedeutungen desselben Lexikalisierungsgrades aufweisen; die Variation dieser Bedeutungen signalisiert das Vorhandensein weiterer relevanter Seme in der semantischen Struktur der Basiswörter. Es wird angenommen, dass die weitere Untersuchung von Wortbildungsbeziehungen dazu beitragen kann, Semanteme maximaler Ähnlichkeit zu bestimmen.
Es wird betont, dass die Thesen und Schlussfolgerungen hypothetischen Charakter haben, was in erster Linie mit der möglichen Heterogenität und Heterochronie der Derivate zusammenhängt.
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