scieee AI-readable full text Open interactive document viewer

Adolf Erhart

Bohumil Vykypěl

Full text

ACTA LINGUISTICA LITHUANICA XLIX (2003), 173-176 IN MEMORIAM ADOLF ERHART 31. V 1926 - 11. VIII. 2003 Im Sommer erreichte uns die traurige Nachricht über den Tod Adolf Erharts. Die sprachwissenschaftliche Gemeinde hat in Erhart eines ihrer führenden Mitglieder verloren. Auch die Baltisten trauern um Adolf Erhart, denn ein wichtiger Teil seiner wissenschaftlichen Arbeit war der Baltistik gewidmet. Adolf Erhart studierte ab 1945 Germanistik, Klassische Philologie und Indogermanistik an der Philosophischen Fakultät der Masaryk-Universität in Brno. 1949 schloss er das Studium mit einer Arbeit über den Komparativ in den indogermanischen Sprachen ab. Im Jahre 1959 wurde seine Dissertation zum Thema Entstehung und Entwicklung der Konjugation in den indogermanischen Sprachen angenommen. Im Jahre 1963 habilitierte er sich mit einer Arbeit über neue Auffassungen zum indogermanischen Konsonantismus für den Fachbereich Vergleichende indogermanische Sprachwissenschaft. Aufgrund ungünstiger äußerer Umstände konnte Adolf Erhart erst 1988 zum Professor ernannt werden, obwohl das entsprechende Verfahren schon 1968 eröffnet worden war. Seit 1993 war Erhart emeritierter Professor. Erharts hauptsächliches Forschungsinteresse galt der Entstehung und Entwicklung der indogermanischen Flexion. Eine erste Zusammenfassung seiner Einzelstudien erschien unter dem Titel Studien zur indoeuropäischen Morphologie (1970), worauf in den späten 80er und frühen 90er Jahren zwei Monographien folgten, und zwar Das indoeuropäische Verbalsystem (1989) und Die indogermanische Nominalflexion und ihre Genese (1993). Mit Erharts indogermanistischen Forschungen verbunden waren seine Beiträge zu verschiedenen indogermanischen Einzelphilologien. Erhart war Autor einer deskriptiven und historischen Grammatik des Sanskrit und einer vergleichenden Gramma- 174 | IN MEMORIAM tik der indoiranischen Sprachen. Bedeutend sind Erharts zahlreiche slavistische Beiträge, welche in verschiedenen Zeitschriften erschienen sind. Erharts vielleicht beliebtesten Forschungsbereich im Rahmen der Indogermanistik bildete allerdings die Baltistik. Bereits 1956 verfasste Erhart eine kurze litauische Grammatik und übersetzte auch einige litauische Erzählungen. Im Jahre 1984 erschien seine vergleichende Grammatik der baltischen Sprachen (deren Neuauflage, welche sich zur Zeit in Vorbereitung befindet, Erhart leider nicht mehr erlebt hat). Außerdem schrieb Erhart eine Reihe von Aufsätzen zu einzelnen Fragen der baltischen Sprachwissenschaft vor allem aus indogermanistischer und vergleichender Sicht, die immer inspirierend waren. Erinnert sei beispielsweise nur an seine Lösung des Problems der baltisch-slavischen Spracheinheit (1958), geprägt von Erharts typischem Sinn für die (so oft vernachlässigte) Einfachheit der sprachwissenschaftlichen Beschreibungen, oder an seine feine Unterscheidung zwischen dem archaischen und dem konservativen Charakter von Sprachen (1995). Erharts Beitrag zur Baltistik hat Algirdas Sabaliauskas in der Lietuvių kalbos enciklopedija (hrsg. von K. Morkūnas, Vilnius 1999, S. 181-182) zusammengefasst. Erhart war also wie jeder richtige Indogermanist auch Baltist. Er war jedoch Baltist nicht nur durch seine Schulung, sondern auch und vor allem durch sein wirkliches Interesse für alles Baltische. Nie vergesse ich das Gespräch mit Erhart nach der Rückkehr von meiner ersten Reise nach Litauen im Sommer 1999. Wer Erhart kannte, weiß, wie er im persönlichen Kontakt zurückhaltend war und sich anderen erst allmählich öffnete. Auch ich stand Erhart damals noch nicht so nahe. Nach meiner Litauenreise war jedoch alles anders: Erhart kam selbst in mein Arbeitszimmer und fragte, was ich alles in Litauen besucht hätte, was ich alles gesehen hätte, was alles in Litauen neu sei. Und wir führten ein ungewöhlich langes, halbstündiges Gespräch... Bohumil Vykypél BALTISTISCHE BIBLIOGRAPHIE VON ADOLF ERHART!' 1956 Litevstina. Praha : Stätni pedagogické nakladatelstvi, 1956. (Rez.: M. Vey, Bulletin de la Societe de Linguistique de Paris 53, 1957-58, 2, 190) Litevské povidky. Hrsg. von P. Trost. Praha : Svét sov&tü, 1956 (Mitiibersetzer). Litevské slovniky. Sbornik praci filosofické fakulty brnénské university A 4, 1956, 142-143. 1957 Le nom balto-slave de „Nord“. Sbornik praci filosofické fakulty brnénské university A 5, 1957, 5-7. ! Für die komplette Bibliographie Adolf Erharts sowie die Literatur über Erhart vgl. Grammaticus. Studia linguistica Adolfo Erharto quinque et septuagenario oblata. Hrsg. von O. Šefčik und B. Vykypél. Brno 2001, 14-23 und die Nachträge in Sbornik praci filosofické fakulty brnénské university A 52, 2004.