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Alteuropa, „Iller“, „Alster“, „Elster“ und „alėti“

Jürgen Udolph

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161diskusinės publikacijos / discussion papers jürgen udoLPh namenforschung (gewässer-, ortsund familiennamen), historischVergleichende sprachwissenschaft aLteuroPa, ILLER, ALSTER, ELSTER und ALTI senosios europos hidronimai Iller, Alster, Elster ir verb. lie. alti Dem Andenken an meinen Lehrer Wolfgang P. Schmid (Göttingen), † 22.10.2010, gewidmet anMerkung die von hans krahe entwickelte und von Wolfgang P. schmid modifizierte theorie einer alteuropäisch-indogermanischen gewässernamenschicht in europa (mit einem wichtigen zentrum im baltikum) ist immer wieder, zum teil heftig, kritisiert worden. in der letzten zeit wurde sie auch von seiten der indogermanistik behandelt, wobei die rekonstruktionen der gewässernamengrundformen vor allem aus der sicht der Laryngaltheorie als veraltet bezeichnet werden. der artikel greift diese kritik auf und diskutiert sie. annotation the theory of an old european layer of hydronyms in europe with a significant center in the baltic countries was constructed by hans krahe and modified by Wolfgang P. schmid. time after time, it has been criticized, to some extent even intensely. Lately, it has also been approached by scholars from the indo-european field. the reconstructions of hydronyms have been declared archaic, especially from the point of view of the laryngeal theory. this article takes up the criticism and discusses it. schLüsseLWörter: gewässernamen, indogermanistik, Laringaltheorie, alteuropäische hydronymie. keyWords: river names, indo-european studies, laryngeal theory, old european hydronymy. ALL_62_63_maketas.indd 161 2011.06.17 08:24:11 162 jürgen udoLPh acta Linguistica Lithuanica LXII–LXIII VorbeMerkung am 20. januar 1970 riet der göttinger Professor für allgemeine und Vergleichende sprachwissenschaft Wolfgang P. schmid einem studenten der slavistik und finnougristik, über slavische gewässernamen zu arbeiten. es war der beginn meiner beschäftigung mit namen europas; ich verdanke dem kürzlich verstorbenen Wissenschaftler daher einen Weg, der von slavischen gewässernamen über germanische toponyme und hydronyme bis hin zu den familiennamen Mitteleuropas (mit ungeahnten folgen, etwa zahlreichen radiound fernsehsendungen) und schließlich zu einem ruf auf die Professur für onomastik in Leipzig geführt hat. dort gelang es, durch breite Präsenz in den Medien jungen namenforschern beschäftigungen auf dem feld der namen zu ermöglichen. am anfang stand der ratschlag von schmid, sich den gewässernamen zuzuwenden. aLteuroPäische geWässernaMen es steht außer frage, dass die gewässernamen in europa historisch geschichtet sind. diese leicht verständliche tatsache wird bei der diskussion schwieriger hydronymie erstaunlicher Weise aber durchaus nicht immer beachtet. so hat man bei der diskussion um die alteuropäische hydronymie, auf die ich gleich noch näher eingehe, durchaus den eindruck, dass Wissenschaftler, die dem komplex nicht so nahe stehen, dazu neigen, die historische schichtung der gewässernamen zu vernachlässigen. anders ist es etwa nicht zu verstehen, dass Meinungen, wonach die alteuropäische hydronymie hans krahes nicht indogermanisch sei, sondern vaskonischen, baskischen ursprungs, und zwar vollständig und komplett (Vennemann 2003), nicht sofort damit beantwortet werden, dass damit das indogermanische selbst abgeschafft wird. denn wenn es keine alteuropäischen = indogermanischen hydronyme geben würde, dann darf man nur mit einzelsprachlichen (= baltischen, slavischen, germanischen … usw.) und baskischen, also voroder nichtindogermanischen relikten rechnen. das ist absurd, denn die indogermanischen einzelsprachen mussten sich ja erst aus einem voreinzelsprachlichen dialektgebiet heraus entwickeln. und dieser Prozess muss sich auch in den namen finden lassen. die theorie krahes basiert auf der erkenntnis, dass unter der schicht von gewässernamen europas, die aus einer indogermanischen einzelsprache heraus erklärt werden können, ältere namen zu finden sind, die sich dem widersetzen. nannte man diese relikte früher keltisch, venetisch oder – wie krahe lange jahre selbst – illyrisch, so leitete krahe selbst die entscheidende Wende ein, revidierte seine illyrierthese (krahe 1964b) und vertrat fortan die Meinung, dass sich unter ALL_62_63_maketas.indd 162 2011.06.17 08:24:11 alteuropa, Iller, Alster, Elster und alti 163diskusinės publikacijos / discussion papers den zahlreichen aus den indogermanischen einzelsprachen erklärbaren gewässernamen eine schicht von namen verbirgt, die sich der erklärung aus einer europäischen einzelsprache widersetzen und daher eine untersuchung von einem übergeordneten standpunkt aus erfordern. die aufgrund dieser untersuchung ermittelten gewässernamen bilden nach krahe die schicht der alteuropäischen hydronymie (zuletzt dargelegt bei udolph 2010a). schon vor krahe war man bei der untersuchung der gewässernamen europas darauf aufmerksam geworden (ferguson 1862; rozwadowski 1948), dass es in verschiedenen regionen in europa Parallelen zu geben scheint, die offensichtlich gleichen oder ähnlichen ursprungs sind. einfach gesagt und gefragt: inwieweit sind Zala in ungarn mit der Fränkischen oder Thüringischen Saale in deutschland zu verbinden? kann die Nidda bei frankfurt/Main von der Nida bei krakau getrennt werden? Was haben Drewenz in ostpreußen und Durance in südfrankreich gemeinsam und besteht wirklich kein zusammenhang zwischen flussnamen in Polen wie Mienia, Minia und in Weißrußland (Minica, Minia [dazu Minsk]) und dem Main (alt Moenus), der Möhne (nebenfluss der ruhr), aber auch mit Maín/Maoin in irland, Minho in spanien und Mignano bei Vicenza in italien? krahe deckte zahlreiche ähnliche fälle auf, erkannte, dass die gewässernamen fast immer auf sogenannten „Wasserwörtern“, also appellativen mit der bedeutung ‘Wasser, fließen, strömen, feucht, fluss’ u.ä. beruhen, und erstellte ein schema, das in einer art Matrix die Möglichkeiten der suffixkombinationen und austauschmöglichkeiten deutlich machen sollte. hier die auflistung zu einer sippe um idg. *el-/*ol-: tabeLLe 1. Morphologie der alteuropäischen gewässernamen: *el-/*ol- (nach krahe) -a (-o-) -ia (-io-) -ua (-uo) -ma- (-mo) -na (-no) -ra (-ro-) -nt- -s(i)a, -s(i)o -sta (-sto) ala alia, aleja alava alma, almos alna, olna, alona alara, elira alanta, alantia, alantas alsa, alisa, else alesta ava, avos avia auma avena/ avona avanta, avantia ausa, aves hinter den rekonstruierten formen der *el-/*ol-sippe verbergen sich (zu den einzelheiten s. krahe 1964a: 35–37.) gewässernamen wie Ahle, Ola – Alia (Latium) – Alow, Alove – Lom (< *Almos), Alm, Alme – Alle, Alna (ostpreußen, mit Allenburg/Olsztyn), Olna, Alona – Aller, Iller (< *Elira; darauf gehe ich unten noch ausführlicher ein) – Elz (< *Alantia), Alantas, Aland – Als, Alsa – Alst (bei Münster). ALL_62_63_maketas.indd 163 2011.06.17 08:24:11 164 jürgen udoLPh acta Linguistica Lithuanica LXII–LXIII die appellativische basis vermutete krahe vor allem im baltischen, so in lit. alti ‘vom Wasser überschwemmt werden’, lett. aluõts ‘Quelle’, almti ‘unaufhörlich strömen’ u.a. in diesem zusammenhang ist sehr wichtig, was in der diskussion aber nicht immer ausreichend berücksichtigt wird, dass diese voreinzelsprachlichen gewässernamen nicht von einem Wort abgeleitet sind, sondern von wurzelhaften elementen. Mit hilfe dieser Methode gelingt es nicht selten – und das wird gern übersehen – einzelsprachliche gewässernamen (etwa germanischer oder slavischer herkunft) von voreinzelsprachlichen zu trennen. die ableitungsgrundlagen entstammen indogermanischen Wurzelinventar und zumeist bezeichnungen, die sich auf das Wasser beziehen: „hinsichtlich der semasiologie und etymologie geht die urtümliche und zweifellos älteste namenschicht von sog. ‘Wasserwörtern’ aus, das heißt von bezeichnungen für ‘(fließendes) Wasser’, ‘Quelle’, ‘bach’, ‘fluß’ (bzw. ‘fließen’), ‘(Wasser-)Lauf’ (bzw. ‘laufen’) u. dgl., mit zahllosen feineren und feinsten bedeutungsschattierungen, wie sie dem frühen Menschen bei seiner genauen naturbeobachtung in reichem Maße zu gebote standen ...“ (krahe 1964a: 34). krahe folgend werden diese appellativischen grundlagen als ‘Wasserwörter’ bezeichnet. die ergebnisse seiner forschungen fasste er in fünf Punkten zusammen (krahe 1964a: 32–33), die ich hier noch einmal skizziere: die gewässernamen der ältesten schicht in weiten teilen europas sind indogermanischer herkunft; in südfrankreich und in den Mittelmeerländern haben sie allerdings ältere, wohl vorindogermanische strata überlagert; an ihr sind vor allem westindogermanische sprachen mit einschluss des baltischen beteiligt (weniger das slavische); diese hydronymie ist wohl in der ersten hälfte des zweiten vorchristlichen jahrtausends entstanden. diese grundsätze sind von krahes schüler schmid (2004: 118–133) einer strengen kritik unterzogen worden. die wichtigsten Punkte darin sind: 1. zahlreiche europäische gewässernamen können nur mit hilfe von ostindogermanischen appellativen etymologisiert werden können, was bedeutet, dass die gewässernamen einer indogermanischen grundsprache entstammen müssen; 2. das baltische bietet ein auffallendes zentrum der alteuropäischen hydronymie; 3. die erkenntnisse der gewässernamenforschung haben konsequenzen für die frühe gliederung der indogermanischen sprachen. Weitere forschungen konnten zeigen, dass auch das slavische zum kreis der „alteuropäischen“ sprachen gehört (udolph 1990, 1996, 1997). dazu zählen auch vorslavische relikte in dem gut erforschten slavisch-deutschen kontaktbereich zwischen elbe und oder (eichler 1981), vor allem in den untersuchungen der ALL_62_63_maketas.indd 164 2011.06.17 08:24:11 alteuropa, Iller, Alster, Elster und alti 165diskusinės publikacijos / discussion papers Leipziger arbeitsgruppe (deutsch-slawische forschungen zur namenkunde und sied lungsgeschichte) und der berliner namen forscher (berliner beiträge zur namenforschung; brandenbur gisches namenbuch). an der konzeption der „alteuropäischen hydronymie“ wird seit ihrer entwicklung kritik geübt. diese betraf bisher z.b. das häufig auftretende -astatt zu erwartendem -o- („aquales a“); die frage, ob es nur ableitungen in dieser schicht der namen gebe, oder auch komposita; die frage der abgrenzung zu nichtoder vorindogermanischen schichten im Mittelmeergebiet; die frage von zentrum und Peripherie, schließlich der Vorwurf, es handele sich nicht um eine indogermanische hydronymie. auf diese Punkte bin ich schon an anderer stelle eingegangen (udolph 2003, 2010), heute möchte ich mich auf eine neue attacke konzentrieren, die sich um die komplexe „indogermanistische ansätze der gewässernamen“, „Laryngaltheorie“ und „appellativisches Material der indogermanischen sprachen aus moderner sicht“ dreht. konkret geht es um den beitrag von bichlmeier (2009). die „WasserWurzeL“ *el-/*olin der kritik bichlmeier (2009) kritisiert den heutigen stand der konzeption der alteuropäischen hydronymie als veraltet. im Wesentlichen stützt er diese kritik auf moderne auffassungen der indogermanistik, in der sich in weiten kreisen die auffassung durchgesetzt hat, dass in rekonstruktionen der Wort-, Wurzelund morphologischen ansätze der „grundsprache“ oder des „urindogermanischen“ mit „Laryngalen“, im allgemeinen verstanden als Laute, die den konsonanten zugezählt werden, zu rechnen sei. natürlich ist und bleibt diese annahme nur eine theorie, das muss hier einfach schon mal gesagt werden. die behauptung von bichlmeier (2009: 15), der ansatz von Laryngalen „sei über das stadium einer ‘theorie’ schon seit jahrzehnten hinaus“, ist aus zweierlei gründen unberechtigt: zum einen wird es immer eine theorie bleiben, wie jeder ansatz einer nicht belegten „re“konstruierten form (angeblich) indogermanischer Provenienz (das gilt auch für r sonans und ähnliche fälle, auch wenn jeder damit arbeitet) und zum andern etwa stört sich kein naturwissenschaftler daran, wenn von der relativitätstheorie gesprochen wird. die gefahr ist allerdings – und das wird auch in dem beitrag von bichlmeier deutlich –, dass die (angeblichen) rekonstruktionen als bare Münze und als sichere basis für die beurteilung z.b. auch von strittigen fragen genommen werden. genau um diesen Punkt geht es jetzt im folgenden. seit den untersuchungen von krahe ist man sich in europa in weiten bereichen darüber einig gewesen, dass mit einer indogermanischen Wurzel *el-/*olALL_62_63_maketas.indd 165 2011.06.17 08:24:11 166 jürgen udoLPh acta Linguistica Lithuanica LXII–LXIII ‘fließen’ zu rechnen ist. Man basierte diese annahme zum einen auf der großen anzahl von gewässernamen in weiten bereichen europas, die diese Wurzel vorauszusetzen scheinen (ich nannte sie oben schon, hier nochmals einige wenige: Ola, Alia, Alle < Alna, Elz < *Alantia, Aland, Alsa, Ol´sa u.a.), und sah zum anderen die appellativische basis vor allem in baltischen Wasserwörtern wie alti usw. (oben ebenfalls genannt). gegen diese auffassung wird jetzt von bichlmeier (2009: 16–17) entschieden vorgegangen. auf der grundlage einer von emile benveniste aufgestellten hypothese – ich betone, dass dieses Wort bei bichlmeier fällt, womit klar ist, dass auch in diesem fall mit unsicheren annahmen gerechnet wird –, die besagt, dass man für die urindogermanische Minimalstruktur der Wurzel einen ansatz *KVK- (= konsonant + Vokal + konsonant) annehmen sollte, wird somit gefordert, dass sämtliche Wurzelansätze mit einem konsonanten beginnen müssen: „das heißt nichts anderes, als dass sämtliche Wurzelansätze Pokornys, die mit einem Vokal anlauten, als überholt gelten müssen und nunmehr korrekterweise mit anlautendem Laryngal anzusetzen sind“ (bichlmeier 2009: 16). daraus folgt für die bisher weithin anerkannte indogermanische „Wasserwurzel“ *el-/*ol-: „die immer wieder für die etymologisierung von gewässernamen herangezogene Wurzel *el-/*ol- (Pokorny, ieW 306–307) ist nach dem gerade gesagten … nun als *Hel-/*Holanzusetzen, genauer wohl noch als *h1elh2- ‘wohin treiben’ (immer vorausgesetzt, dass es sich nicht bisweilen doch um keltische Wörter bzw. Wortstämme handelt, was aufgrund des keltischen p-schwunds im anlaut auch die rückführung auf idg. *pelh2- ‘sich nähern’ denkbar macht)“. aber die kritik geht noch weiter: in einer anmerkung heißt es (bichlmeier 2009: 17): „es sei aber an dieser unscheinbaren stelle noch deutlich darauf hingewiesen, dass nicht einmal Pokorny a.a.o. dieser Wurzel die oft zu lesende … bedeutung ‘fließen, strömen’ zugesteht! offensichtlich findet sich diese bedeutung im appellativischen Wortschatz gar nicht und wurde der Wurzel wohl erst im rahmen der forschungen zur alteuropäischen hydronymie beigelegt“. das sind Vorwürfe, die eine antwort herausfordern. ich versuche, sie zu geben. 1. der ansatz einer indogermanischen Wurzel *h1elh2ist keineswegs sicher. in der fußnote versteckt h. bichlmeier überzeugendere Versuche: so gehen andere forscher von *h1el- ‘go’ aus oder auch (Watkins) von *elə2-. zudem ist eine für gewässernamen überzeugendere Lösung mit einem ansatz ohne anlautenden Laryngal deshalb vorzuziehen, weil dieser zu sämtlichen europäischen flussnamen passt. Man steht hier – und das wiederholt sich – vor der frage, ob man einen indogermanischen Wurzelansatz auf fragwürdigen und wenig bezeugten appellativen aufbauen soll oder aber auf den zwei bis drei dutzend europäischen gewässernamen. Man sollte nicht etwas verkomplizieren, was einfacher zu behandeln ist. ALL_62_63_maketas.indd 166 2011.06.17 08:24:11 alteuropa, Iller, Alster, Elster und alti 167diskusinės publikacijos / discussion papers 2. die hinweise auf einen möglichen keltischen ansatz mit ursprünglich anlautendem *pkönnen für die allermeisten der oben genannten gewässernamen übergangen werden. es geht bichlmeier offenbar darum, die fülle der in fragen stehenden *el-/*ol-gewässernamen – ich bleibe bei dieser formulierung – zu reduzieren. der Versuch ist untauglich, weil die angesprochenen namen nur zum kleinen teil im ursprünglich keltischen gebiet liegen. 3. eine Wurzel *h1elh2- ‘wohin treiben’ mag unter umständen in gewässernamen zu erwarten sein; das normale ist es nicht. zudem basiert dieser indogermanische ansatz ausschließlich, wie bichlmeier selbst betont, nur auf griechischem Material. es gibt zwar „Wasserwörter“, die nur in dieser sprache sicher bezeugt sind und sich dennoch in mitteleuropäischen namen finden, aber eine andere sippe, die schon immer genannt wurde, liegt doch viel näher; es geht um: 4. Litauisch alti ‘fließen, vom Wasser überschwemmt werden’, lett. aluõts ‘Quelle’, offenbar mit -merweitert in lit. almti ‘unaufhörlich strömen’, amės, emės ‘aus dem körper fließende Materie, blutserum’, almas ‘eilig, heftig’, die seit beginn der wissenschaftlichen untersuchung baltischer namen herangezogen worden ist. ich nenne nur die namen kazimieras būga, jānis endzelīns, Petras jonikas (in: beiträge zur namenforschung 2, 1951: 14); aleksandras Vanagas, Vilius Pėteraitis, Vytautas Mažiulis, ivan duridanov, Pranas skardžius, ohne die Literatur im einzelnen zu nennen, und beschließe die auflistung mit dem hinweis auf neuere Werke von Maria biolik und grasilda blažienė. eine fülle von litauischen namen, die hier anzuschließen sind, bietet das neue Werk Lietuvos Vietovardžių Žodynas (2008: 62), man vergleiche nur Alỹs, Alantà, Ãlantas, Alejà, Aluonà, Aluõtė, Al-upė. Mit an sicherer grenzender Wahrscheinlichkeit gehören diese baltischen namen zu den genannten baltischen appellativen. 5. Vor die frage gestellt, ob man dann, etwas weiter ausholend, z.b. den Aland, einen nebenfluss der elbe, mit den baltischen Wasserwörtern und den dort existierenden namen oder aber mit einer hypothetisch angesetzten indogermanischen basis *h1elh2- ‘wohin treiben’ verbinden soll, wird man, auch aufgrund der tatsache, dass das baltische und germanische eng miteinander verbunden sind und zwischen den baltischen gewässernamen und den hydronymen auf altem germanischen boden ebenfalls auffallende übereinstimmungen bestehen, sich doch eindeutig für einen zusammenhang mit dem baltischen aussprechen müssen. 6. die indogermanistik versäumt es – auch der beitrag von bichlmeier zeigt dieses –, die bisherigen erkenntnisse der gewässernamenforschung, die erkenntnisse über frühe kontakte und beziehungen sowie die sich daraus ergebenen konsequenzen für die frühe gliederung der indogermanischen sprachen zu berücksichtigen. allein mit laryngalistischen ansätzen lässt sich das nicht wett machen. zudem gibt es sehr zu denken, wenn es bei einem indogermanisten, der – natürALL_62_63_maketas.indd 167 2011.06.17 08:24:11 168 jürgen udoLPh acta Linguistica Lithuanica LXII–LXIII lich – „laryngalistisch“ arbeitet, zu der problematischen deutung des stammesnamen der treverer heißt: „die lautlichen Probleme lassen sich m.e. durch den ansatz einer laryngallosen nebenform *ervermeiden, die aus alten komposita, in denen Laryngalschwund häufig ist, herausgelöst sein kann“ (rga 31: 174). Man kann sich des eindrucks nicht erwehren, dass die Laryngale eingesetzt werden, wenn es passt. der grund für diese unsicherheit ist offensichtlich: die theorie lässt sich letztlich nicht verifizieren und sie enthält große unsicherheiten. der naMe der Iller im zusammenhang mit *el- /*olwurde bisher auch der name der Iller erklärt. snyder (1965: 183) folgt in seiner erklärung krahe und geht von einer grundform *Elira mit einem -iraSuffix aus. daran setzt die kritik von bichlmeier (2009: 26–28) ein: „Iller: viele fragen, wenige klare antworten“. hier die grundzüge seiner ausführungen: – das in den belegen gelegentlich auftretende anlautende H-, z.b. 10. jh. Hilara, Hyler kann vernachlässigt werden; – im anlaut ist von kurzem -iauszugehen; – Man wird ahd. /il(l)ara-/ oder /il(l)era-/ ansetzen müssen; – da dann aber anlautendes izu ehätte gesenkt werden müssen, spricht etliches für einen vorgermanischen ansatz *El-ir-a; – dieser ansatz enthält nach bichlmeier zwei Probleme: ein suffix -ira sei erklärungsbedürftig und von *El-ir-a aus finde „die geminate -llder frühen belege keine erklärung“. die letzten beiden Probleme werden genauer erörtert; hier eine Passage zum suffix: „denn geht man die bekannten suffixe durch, so enthalten diese entweder ein *-ioder ein *-r-, aber nie beides zusammen: das *-ikann am ehesten dem komparativformans entstammen, während vor einem r-haltigen suffix am ehesten noch ein ehemaliger themavokal zu erwarten“ (bichlmeier 2009: 29). die geminata wird wie folgt erklärt: „im germanischen bewirkte ein Laryngal nach einem resonanten dessen gemination (*VRHV > VRRV), zumindest, wenn der vorausgehende Vokal den akzent trug (also *VRHV > VRRV) “. da also der bisherige ansatz nicht überzeugt, schlägt er eine neue Lösung, eine germanische erklärung, vor: „Von der in der indogermania verbal allerdings nur im griechischen und armenischen (sowie u.u. im keltischen) fortgesetzten Wurzel *h1elh2- ‘wohin treiben’ würde ein in typisch germanischer Manier gebildeter komparativ die form idg. *h1élh2-ios-/h1elh2-ismit der sekundären femininerweiterung -āund verallgemeinertem akzent auf der Wurzel (*h1élh2-is- + -ā-) eben germ. *ellizō- > ahd. /illera/ ergeben“. ALL_62_63_maketas.indd 168 2011.06.17 08:24:11 alteuropa, Iller, Alster, Elster und alti 169diskusinės publikacijos / discussion papers bichlmeier räumt ein, dass auch bei diesen überlegungen Probleme bleiben, jedoch soll das nicht der entscheidende Punkt meiner kritik an diesem Vorschlag sein. er scheitert an mehreren entscheidenden dingen: 1. eine angeblich frühe geminata -llist im namen der Iller gar nicht vorhanden! die überlieferung des gewässerund ortsbzw. gaunamens steht bei snyder (1965: 49–50), ich biete sie chronologisch: 769 in pago hilargouiae, 773 in pago Ilergowe, pago Hilergowe, 804 Hillergaugensem, 832 in pago hilargowe, 833 in pago hilirgaoe, 851 in pago qui dicitur Ilargouue, 853 in pago qui dicitur Ilargovve, 972 hilargowensi, 983 in hilaram, 1049 Ilara, Ilaris, Hilara usw. usf.; die geminata erscheint zögernd ab 1155 Hillara, jedoch vor allem erst nach formen wie 1291 Ilr, Ilre, 1351 Ilr vermehrt ab 1390 Iller . 2. eine sorgfältige beachtung der historischen überlieferung lässt als wahrscheinliche konstruktion der grundform am ehesten *Elira zu. daraus entstand durch einfluss des -iauf das anlautende Eganz regulär mhd. *Ilere, durch nebensilbenschwächung entstanden die belegten formen Ilre, Ilr. erst danach entstand die geminata. Laryngale spielten keine rolle. 3. das von bichlmeier nicht akzeptierte suffix -ira ist in den namen zweifellos vorhanden. so findet sich schon bei adolf bach (1953: 189) bei der behandlung der -r-suffixe in namen der hinweis: „das suffix tritt in unsern on bes. in weibl. flußnamen auf und erscheint hier in alter zeit als –ra, -ara, -ura, -ira, -era“. es findet sich auch in den gewässernamen Elber (gebiet des kocher) < *Albira (snyder 1965: 183), in der bekannten Eger (dazu zuletzt Pleintinger 2008: 34– 36), in der Aire (dép. Meuse, frankreich), 782 Agira, mit nebenfluss Agron, 785 Agira (buchmüller – haubrichs – spang 1986/87: 77) und auch – als sekundäres suffix, vielleicht sogar vergleichbar mit der Iller – in dem gewässernamen Ager bei Wels, alt Agre, Agra (dazu altdeutsches namenbuch 19991: 12: „fehlen des Primärumlautes setzt urspr. *Agria od. *Agara (suff. abgeschwächt), ahd./frühmhd. *Agira, das noch sekundärumlaut bewirken konnte, voraus“). ein suffix -ira ist in gewässernamen europas demnach bezeugt. das Problem, das bichlmeier zu erkennen glaubt, liegt darin, dass die indogermanischen gewässernamen europas nicht immer dem entsprechen, was indogermanisten aus dem appellativischen Material ostund südeuropäischer einzelsprachen gewinnen können. das führt zu der frage: warum stimmen die ansätze der gewässernamen nicht immer mit den (re)konstruktionen überein? hier liegt der entscheidende Punkt, der zukünftig diskutiert werden sollte. 3. ein weiterer inakzeptabler Punkt der überlegungen von bichlmeier liegt darin, die mutmaßliche grundform des namens *Iller auf einen germanischen ansatz *ellizōmit weiterer entwicklung von *-z- > -rzurückzuführen. so etwas ist nur im urgermanischen bereich, also auf urgermanischem siedlungsboden möglich. ALL_62_63_maketas.indd 169 2011.06.17 08:24:11 176 jürgen udoLPh acta Linguistica Lithuanica LXII–LXIII remiantis atlikta hidronimų faktografine ir lingvistine analize, prieinama prie šių išvadų: 1) nelaringalinės prolytės ide. *el-/*ol- ,tekėti (apie vandenį)‘ rekonstrukcija yra motyvuota; 2) hidronimai Iller, Alster, Elster vestini iš ide. *el-/*ol- ,t. p.‘; 3) baltų gyvenamoji teritorija gausi senosios europos hidronimų, todėl jos vandenvardžių analizė yra ypatingos svarbos; 4) laringalinės teorijos šalininkai turėtų neignoruoti senosios europos leksinio substrato egzistavimo galimybės; 5) Wolfgango P. schmido baltų ir kitų indoeuropiečių hidronimų tyrimai iki šiol turi lemiamą reikšmę ide. onimų analizei. Įteikta 2010 m. gruodžio 12 d. jürgen udoLPh Steinbreite 9 D-37124 Rosdorf E. paštas – [email protected] ALL_62_63_maketas.indd 176 2011.06.17 08:24:12