Zur Phraseologie in der Bibel des Johann Bretke
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9straipsniai / articles rainer eckert wissenschaftliche forschungsrichtungen: balto-slawistik, baltistik, slawistik, historische Morphologie des baltischen und slawischen, etymologie, Phraseologie der baltischen und slawischen sprachen, Lexikologie, sprache der baltischen und slawischen folklore, geschichte der baltistik und slawistik. Zur PhraseoLogie in der bibeL des johann bretke dėl jono bretkūno biblijos frazeologijos anMerkung die vollständige Übersetzung der bibel ins Litauische ende des 16. jh. von johann bretke beinhaltet eine Vielzahl komplexer elemente (idiome, Phraseme). die biblischen Phraseologismen betreffend ist es wichtig zwischen zwei kategorien zu unterscheiden: 1) elemente, die auf biblische idiome zurückgehen; 2) elemente, die auf bestimmte situationen zurückgehen. harald burger beschrieb in seinem handbuch der Phraseologie eine effiziente Methode idiomatische ausdrücke in alten Übersetzungen zu eruieren. unter anderem zeigte er eine art der Äquivalenz idiomatischen gebrauchs auf: „ausgangssprache: ein wort – Zielsprache: ein Phrasem“. so kann in Luthers bibelübersetzung ein einzelnes wort einer präpositionalen Phrase in bretkes Übersetzung entsprechen. ferner variieren Phraseologismen und treten oft in verschiedenen formen auf. Zuletzt werden beispiele von Phraseologismen mit satzfunktionen, wie z. b. grußformeln, erwähnt. annotation the first complete translation of the bible into Lithuanian from the end of the 16th century by johann bretke contains many complexe units (idioms, proverbs etc.). regarding biblical phraseological units it is important to distinguish between two categories: 1) units, which go schLÜsseLwörter: Phraseologismus, Phrasem, Phraseotextem, Phrasemvariante, Übersetzungsentlehnung (kalkierung), Phraseoschemata, figura etymologica, phraseologische biblizismen (biblische Phraseologismen). keywords: phraseologism, phraseme, phraseological texteme, phraseological variant, translation, phraseological scheme, figura etymologica, biblical phraseologisms.
10 rainer eckert acta Linguistica Lithuanica LXIV–LXV back to biblical idioms; 2) units, which go back to certain situations. one of the efficient methods to investigate idiomatic expressions in ancient translations is described by harald burger in his handbook of Phraseology. among other things, he pointed out the following type of equivalence of idiomatic usages: “source language: a word – target language: a phrase”. in Luther’s translation of the bible a single word can correspond to a prepositional phrase in the translation of bretke. Phraseological units often occur in different variants. finally, i mentioned examples of phraseological units with the function of sentences like the greeting formula. einLeitendes Zur begründung des themas sei folgendes angeführt: ich unternehme den Versuch, über die Phraseologie in der ersten gesamtübertragung der bibel ins Litauische durch johann bretke ausführungen zu machen, da texte nicht nur aus „freien sätzen“ und diese nicht nur aus mehr oder minder „freien wortfügungen“ bestehen, sondern auch aus spezifischen (stereotypen) sätzen und aus spezifischen wortfügungen (festen, idiomatischen). die kombinatorik, dank der sätze und texte, beschränkt sich demnach nicht auf die Verknüpfung elementarer (minimaler) einheiten, sondern schließt auch ganze blöcke (nichtminimale) einheiten ein, die als solche unmittelbar am aufbau von sätzen und texten beteiligt sind. das gilt auch für den text der bibel. in diesem Zusammenhang sind eine reihe von selbstreflexionen in der bibel von besonderem interesse. Man denke nur an Zitierungen wie gemeine Rede oder Sprichwort in der Lutherbibel, die johann bretke mit kalbeſis (resp. kalbeſys) bzw. paſaka und prikalbeſys übertragen hat, vgl.: (1) Ir anis ieme pinigus, ir dare, kaip buwo pamokiti. Schitai ſtoios paſpalitwas kalbeſis tarp Sʒidụ [iſcheio ta paſaka tarp Sʒidụ] ik ſchei dienai – Vnd ſie namen das geld, vnd theten wie ſie geleret waren. Solchs iſt eine gemeine rede worden bey den Jden, bis auff den heutig tag – At illi, accepta pecunia, fecerunt, sicut erant docti. Et divulgatum est verbum istud apud Judaeos usque in hodiernum diem (Mt XXViii 15) oder (2) Bila iam io Apaſchtalai, Schitai atwirai kalbi, ir ne kalbi ne wieno prikalbeſio – SPrechen ʒu jm ſeine Jnger, Sihe, nu redeſtu frey heraus, vnd ſageſt kein Sprichwort – Dicunt discipuli eius: “Ecce nunc palam loqueris, et proverbium nullum dicis” (jh XVi 29). (hier und im weiteren gebe ich die entsprechenden Zitate aus der Vulgata nach nVbs). es handelt sich in den beispielen (1) und (2) – und wahrscheinlich auch andernorts – wohl sicher um textstellen mit einem übertragenen sinn. Sprichwort wird hier in dem viel weiteren sinne von Gleichnis, Parabel gebraucht. eine gewisse stabilität und semantische spezifik treffen jedoch auf sie ebenso zu wie auf einheiten der Phraseologie.
Zur Phraseologie in der bibel des johann bretke 11straipsniai / articles an vielen stellen werden in der sprache der bibel, die eindringlich und anschaulich ist, bilder benutzt. bildhaftigkeit, emotionalität und expressivität aber sind ureigene felder der Phraseologie. in der nachkriegszeit hat sich die Phraseologie zu einer eigenständigen linguistischen disziplin entwickelt, deren forschungsergebnisse jedoch in der sprachlichen analyse und auch z. b. in der lexikographischen Praxis noch ungenügend genutzt werden. das gilt im besonderen hinsichtlich älterer texte. es ist auch kein Zufall, dass sich die phraseologische forschung nach den umwälzenden ereignissen in den jahren 1989/1990 besonders sakralen texten wieder stärker zugewandt hat. so fand 1996 im polnischen opole eine erste konferenz zum thema „Phraseologie und religion“ statt, deren Materialien 1997 erschienen sind1. im Laufe des ganzen letzten dezenniums kamen zahlreiche beiträge über die Phraseologie in der bibel, über biblizismen im Phrasembestand verschiedener sprachen u. dgl. heraus, wenngleich gesagt werden muss, dass diese thematik auch die forscher in den davor liegenden Zeiträumen beschäftigt hat. diese arbeiten haben immer deutlicher werden lassen, dass die Phraseologie der einzelsprachen in bedeutendem Maße von der heiligen schrift beeinflußt worden ist, wobei es hier zu einem interessanten Zusammenwirken von internationalem und nationalem in der entwicklung der Phraseologie der einzelnen nationalsprachen gekommen ist. schließlich ist nach einer längeren Phase der ausarbeitung der synchronischen Phraseologieforschung diese durch die diachronische (historische) Phraseologieforschung zu komplettieren. auf diesem gebiet ist schon einiges erreicht worden, denken wir nur an die arbeiten zur historischen Phraseologie des deutschen von harald burger oder an die Vorbereitungen für historisch-etymologische beschreibungen der Phrasemik einzelner slawischer sprachen durch Valerij Mokienko und seine gruppe (Бирих, Мокиенко, Степанова 1998). die historische Phraseologie des baltischen steckt noch in den anfängen. ich habe mich mit einer Monographie (eckert 1991) und einer reihe von artikeln zur historischen Phraseologie des Litauischen, Lettischen und altpreußischen an dieser jungen forschungsrichtung beteiligt. in diesem kontext nimmt die untersuchung der Phraseologie der ersten Übersetzung der gesamtbibel durch johann bretke ins Litauische eine besondere stellung ein. bevor ich unmittelbar zur bearbeitung des themas übergehe, ist es erfordelich kurz einiges zu dem von mir verwendeten Phraseologie-begriff zu sagen, der in einer Monographie ausführlicher dargelegt ist (eckert, günther 1992). ich benutze als oberbegriff Phraseologismus (-men) für sprachliche einheiten, die sich durch 11 Frazeologia a religia . Problemy frazeologii europejskiej 2, pod red. andrzeja M. Lewickiego i wojciecha chlebdy. warszawa: energeia, 1997.
12 rainer eckert acta Linguistica Lithuanica LXIV–LXV folgende Merkmale auszeichnen: 1) durch eine spezifische semantik, 2) durch hyperwortcharakter (d. h. Phraseologismen sind formal gesehen größer als wortformen) und 3) durch ihre besondere funktion. was letztere betrifft, so gliedern sie sich in: 1) satzgliedwertige Phraseologismen = Phraseme und 2) satzwertige Phraseologismen = Phraseotexteme. Phraseme zeichnen sich durch verschiedene grade von idiomatizität aus, d. h. ihre bedeutung kann nicht (oder zumindest nicht ganz) aus der bedeutung ihrer komponenten abgeleitet werden. ihre gesamtbedeutung steht neben der wortwörtlichen bedeutung, wobei letztere nicht realisiert wird. entscheidend für ihren gebrauch ist die durch Übertragung entstandene phraseologische bedeutung. die Phraseme werden im satz mit wortformen verknüpft und fungieren als satzglieder. hierauf beruht ihre einteilung in Phrasemklassen (in einer gewissen analogie zu den wortarten). Phraseme bauen zusammen mit wortformen und freien wortfügungen sätze auf. Phraseotexteme sind vollständige aussagen. sie sind mit sätzen verknüpfbar (in zusammengesetzten sätzen) und bauen mit den sätzen texte auf. hierher zählen z. b. sprichwörter (Parömien), aphorismen, grußformeln etc. sie bezeichnen tatbestände und situationen. ihre semantik ist im Vergleich zu der der Phraseme zweischichtig; denn sie besteht aus: 1) der wörtlichen bedeutung (daher ihre Übersetzbarkeit in andere sprachen) und 2) aus dem verallgemeinernden sinn, der entscheidend ist für ihren gebrauch. die semantik zementiert in gewisser weise die Phraseologismen - sie erlangen dadurch einen hohen grad an stabilität. einzelne komponenten können ausgelassen oder durch andere substituiert werden, d. h. es kommt zur Varianz von Phrasemen und Phraseotextemen. auch das unterscheidet sie deutlich von freien wortfügungen und „freien sätzen“. bildlichkeit, expressivität, emotionalität und intensivität spielen für den bereich der Phraseologie eine hervorragende rolle. Vorrangig werde ich mich im weiteren mit der Phrasemik befassen und nur am schluß auch ganz knapp auf die Phraseotextemik (und hier vor allem auf einige sprichwörter) eingehen. einige besonderheiten bei der erforschung der PhraseoLogie der bibeL 1. es ist grundsätzlich zwischen zwei kategorien von biblischen Phraseologismen zu unterscheiden: 1) Phraseologismen, die direkt auf sprachliche einheiten in der bibel zurückgehen (Vladimir gak nennt sie biblische Phraseologismen mit Zi-
Zur Phraseologie in der bibel des johann bretke 13straipsniai / articles tatcharakter (Гак 1996: 10)) und 2) Phraseologismen, die keine direkte Quelle in form einer sprachlichen einheit aufweisen, sondern eine bestimmte situation (begebenheit) aus der heiligen schrift widerspiegeln (nach gak – situative biblische Phraseologismen). es folgen zuerst zwei beispiele (ein Phrasem und ein Phraseotextem) für die erstgenannte kategorie: (3) werkſmas ir grieſʒumas dantụ – heulen vnd ʒeenklappen (Lk Xiii 28). diesem Phrasem entspricht im modernen Litauischen dant griežmas ‘aimanavimas’ (LkfŽ 60) und im heutigen deutschen Heulen und Zähneklappern ‘allgemeine angst und Verzweiflung’ (Mdi 212); (4) kạ raſchiau, tatai raſchiau – was ich geſchrieben hab, das hab ich geſchrieben (jh XiX 22). Vgl. lat. quod scripsi, scripsi. das Phraseotextem hat den sinn: „was getan ist, ist getan und kann nicht mehr verändert werden“. es handelt sich um den aphorismus, der angeblich auf den ausspruch von Pontius Pilatus zurückgeht, als er sich weigerte die aufschrift, die über dem haupte christi am kreuze angebracht werden sollte, zu ändern. Zur zweiten kategorie, den sogen. situativen biblischen Phraseologismen, zählt z. b. das folgende beispiel: (5) modernes lit. atpirkmo ožỹs – von einem Menschen, auf den man die schuld anderer ablädt (LkŽ Viii 1029): dt. Sündenbock : russ. козëл отпущения. Man vgl. folgende textstelle aus 3 Mose XVi 22: (6) Jog ſchitaipo Awins wiſsus iụ nuſſideghimus ant sawens ing Puſchcʒe nu neſchtu, ir tepaliekt ghị puſtineie – Das also der Bock alle jre miſſethat auff jm in eine wildnis trage, vnd laſſe jn in die wuſte . Mit der letztgenannten kategorie von Phraseologismen, die erst sekundär auf der grundlage biblischer situationen (kontexte) gebildet wurden und nicht mit sprachlichen einheiten im text der bibel in Zusammenhang stehen, werde ich mich im weiteren nicht befassen. 2. bei der beurteilung biblischer Phraseologismen, die auf sprachliche einheiten im text der heiligen schrift zurückgehen, taucht als eine wesentliche schwierigkeit im Verhältnis etwa zur untersuchung der Phraseologie der gegenwartssprachen das Problem auf, dass wir über keine sprachliche kompetenz hinsichtlich früherer sprachepochen verfügen und auch den idiomatizitätsgrad bestimmter wendungen nicht präzise ermitteln können. aus diesem grunde bleibt vieles hypothetisch. es ist daher m. e. bei historischen untersuchungen zur Phraseologie von einem sehr breiten Phraseologiebegriff auszugehen, der nicht nur Phraseme und Phraseotexteme beinhaltet, sondern auch präphraseologische wendungen mit geringer idiomatizität (etwa solche, die nur bestimmte intensitätsgrade signalisieren) und sogar nur feste (stabile, stereotype) wendungen einbezieht.
14 rainer eckert acta Linguistica Lithuanica LXIV–LXV in diesem sinne möchte ich kurz auf zwei typen derartiger wendungen eingehen: a) auf solche, denen ein bestimmtes grammatisches schema (von manchen forschern auch Phraseoschema genannt) zugrunde liegt, wie z. b. die typisch litauischen wendungen, die aus dem infinitiv ii (būdinỹs) + einer finiten form des Verbs bestehen, wobei beide formen dieselbe wurzel aufweisen. Von ihrer bedeutung her bringen sie eine Verstärkung, intensivierung der in der Verbalwurzel enthaltenen semantik zum ausdruck und sollten daher nicht nur als rein grammatische kategorie aufgefasst werden. Man vgl. wendungen des typs gužėte gužės in: (7) iog Strowe (vpe) warlemis guſʒete guſʒes (krebſʒdes) – das der ſtrom ſol von Frſchen wimmeln (2 Mose Viii 3)2; die wendung dengte apdenge in: (8) Bei Aaronas ischtieſe ſawa Rankạ and Wandenụ Ægypto, ir iſcheija warles, iog Ægyptụ Sʒemẹ dengte apdenge [apdengta ſtoioſi] – Vnd Aaron recket ſein hand vber die Wasser in Egypten, vnd kamen Frſche erauff, das Egyptenland bedeckt ward (2 Moses Viii 6). b) in der bretke’schen bibelübersetzung lässt sich eine größere anzahl von wendungen des typs der figura etymologica ausmachen. dies sind noch keine ausgebildeten Phraseme, aber im folgenden beispiel scheint bereits eine gewisse semantische spezialisierung vorzuliegen, die die figura zumindest in die nähe eines Phrasems rückt, vgl.: (9) Bet kaip tạ Regeghimạ regeio, toiaus dumoiom eiti ing Macedoniạ... – Als er aber das Geſichte gesehen hatte, da trachten wir also bald ʒu reiſen in Macedonian... – Ut autem visum vidit, statim quaesivimus proficisci in Macedoniam (apg XVi 10); (10) Tikėjose regėjimą regįs (Vilentas, epistolos ir evangelios 156 – nach LkŽ Xi 360). Man vgl. noch heutiges dt. Gesichte haben ‘Zukünftiges voraussehen’ (ww 268) und lat. visa videre ‘traumgesichte sehen’. 3. die reformation sah es als eine ihrer hauptaufgaben an, das wort gottes den Menschen nahezubringen und zwar in den sprachen, die sie verstanden und benutzten. Martin Luthers bibelübertragung ins frühneuhochdeutsche war bekanntlich von großer bedeutung für die Verbreitung der protestantischen Lehre in nord-, ostund südosteuropa und die damit einsetzende erstmalige Übertragung der heiligen schrift in die verschiedenen sprachen dieser region. in diesen kontext ist die enstehung des alten baltischen schrifttums im 16. jahrhundert einzu2 siehe rainer eckert (1987: 20), wo zu der wendung aus der bibelübersetzung des bretke noch. lit. krebždėte krebžda – von einem gewimmel von wildenten (LkŽ Vi 487) und russ. kimšja kišit – von einem großen gewimmel, gestellt wird.
Zur Phraseologie in der bibel des johann bretke 15straipsniai / articles ordnen und schließlich auch die großtat von johann bretke, die erste Übersetzung der gesamtbibel in eine baltische sprache, nämlich ins Litauische, im letzten drittel des 16. jahrhunderts. als Vorlage diente ihm in erster Linie die Luthersche Übertragung, teile hat er aber auch aus dem Lateinischen übersetzt. die untersuchung von Phraseologismen in einem solchen text hat mit einer reihe von eigenheiten zu rechnen: a) Zuallererst ist natürlich ein besonders enges Verhältnis zu den Vorlagen kennzeichnend. dem heiligen text ist streng zu folgen und freizügigkeiten sind nicht ohne weiteres erlaubt. gleichzeitig soll jedoch die Übertragung den hörer und Leser erreichen und verständlich sein. in diesem spannungsfeld treten besondere Probleme auf, wenn in der Übertragung Phraseme der ausgangssprache (d. h. der unmittelbaren Vorlage) in der Zielsprache wiederzugeben sind. das heutige lit. Phrasem (sàvo) krỹžių nèšti ‘labai vargti’ (fŽ 353) hat bereits in der bretke-bibel einen Vorläufer und eine Variante dazu, die sich eng an die Vorlage bei Luther anschließen: (11) ir iei kas ne neſchaie kriſʒaus sawa ir eit paſkui manes : ne gal buti mana Apaſchtalas – Vnd wer nicht ſein Creuꜩ tregt, vnd mir nachfolget, der kan nicht mein Jnger ſein – Et, qui non baiulat crucem suam et venit post me, non potest esse meus discipulus (Lk XiV 27); (12) Kurſai mane nor ſekti, te uſsigina pats sawe ir teim Kriſʒụ ant sawẹs – Wer mir wil nachfolgen, der verleugne ſich ſelbs, vnd neme sein Creuꜩ auff ſich, vnd folge mir nach (Mk Viii 34). Vgl. dt. sein Kreuz tragen; sein Kreuz auf sich nehmen ‘seine Leiden geduldig ertragen’ (Mdi 271), das ebenfalls im Lateinischen vorgeprägt ist, wobei sicher in den fällen, in denen die rede davon ist, dass jesus sein kreuz trägt, noch die präphraseologische wendung vorliegt. in einer reihe weiterer fälle liegen, eng an der Vorlage, sich anschließende Übertragungen von Verbalphrasemen vor, wie z. b. buną laikýti ‘schweigen’, eigentl. ‘den Mund halten’ und láužti šrdį ‘j-n durch kummer (fast) töten’, eigentl. ‘das herz brechen’: (13) Bei ſchitai eſti pawarguſioio Nůdeia, iog Piktenibe sawa Burna turres laikiti – Vnd iſt des Armen hoffnung, das die bosheit wird jren mund mſſen ʒuhalten – et erit egeno spes, iniquitas autem contrahet os suum (hiob V 16); (14) Ka darot, werkdomi, ir lauſʒdami mano ſchirdi? – Was machet jr, das jr weinet, vnd brechet mir mein Herꜩ? – Tunc respondit Paulus: „Quid facitis flentes et affligentes cor meum?“ (apg XXi 13). das Phrasem buną laikýti ist nicht charakteristisch für die litauische standardsprache, es kommt nach ausweis des fŽ 114 in den westlichen und nordwestlichen Mundarten, sowie bei kristijonas donelaitis, Philip ruhig, johannes brodowski
16 rainer eckert acta Linguistica Lithuanica LXIV–LXV und ieva simonaitytė vor. Übrigens hat die Quandtbibel hier einen sehr ähnlichen ausdruck (sawo burną užlaikyti), der ebenfalls unter wahrscheinlich deutschem einfluss zustande gekommen ist, vgl.: (14a) Ir yra warg=dieno nuſſitikkėjimas, kad piktenybe turrės sawo burna ulaikyti. was das Phrasem láužti šrdį betrifft, so konnte ich es aus späteren Quellen nicht ermitteln. im Litauischen akademiewörterbuch (LkŽ XiV 884) sind nur Phraseme mit präfigierten Verben und anderen bedeutungen festgehalten, sodass ich vermute, dass bretke hier in beiden fällen Äquivalente zu dt. den Mund halten bzw. das Herz brechen anführt, die sich eng an die Luthersche Vorlage anlehnen. die lateinische Vorlage weicht mit dem Verb affligere ‘gewaltsam werfen; schmettern; zu boden schlagen, verletzen; das gemüt niederschlagen; das herz schwer machen’ formal deutlich ab. in der Quandt-bibel haben wir einen ausdruck des typs ‘das herz schwermachen’, vgl.: (14b) Bet Powil’s atſake: ką dárote jús, werkdami, ir mano ßird ſunkindami? bretke versteht in der regel die Phraseme in der Luther-Vorlage recht gut und gibt sie entsprechend richtig, wenn auch nicht selten in enger anlehnung an Luther wieder. im folgenden führe ich einen der wenigen missglückten Übertragungsfälle an: (15) Anis wiſʒạ ſawạ Norạ iſchpilde ant manes – Sie haben jren mut mit einander an mir gek- let – Aperuerunt super me ora sua (hiob XVi 10). jonas Palionis hat nicht zufällig die ziemlich unverständliche Übersetzung dieses Prädikativphrasems durch bretke in b rr 14 dann in seinem kommentar dazu berichtigt in: (16) Jie visą savo apmaudą išgiežė ant manęs, vgl. lit. apmaudą giežti ant ko, kam ‘ärgern; seinen Ärger auslassen an j-m’. das heutige dt. sein Mütchen an j-m kühlen hat die bedeutung ‘seine übermütige (schlechte) Laune, (seinen Ärger) an j-m auslassen’. bei Luther kommt noch das nichtdiminuierte Mut vor, aber er gebraucht auch schon mütlein, vgl. Lsr iii 664 (dazu siehe ausführlicher: eckert 2004). b) es ist damit zu rechnen, dass die wendung in der Vorlage, d. h. bei Luther, sich vom heutigen deutschen unterscheidet und dementsprechend das Übersetzungsäquivavalent bei bretke einzuschätzen ist. Lehrreich in dieser hinsicht sind die folgenden beispiele: (17) ...wadinamas Hiobas, tas buwa praſtas ir geras [teiſus] Diewobiạns ir pikta wengịs – der hies Hiob, Derſelb war ſchlecht vnd recht, Gottfrchtig, vnd meidet das bſe – ...nomine Job, et erat vir ille simplex et rectus ac timens Deum et recedens a malo (hiob i 1); (18) Er ne daboieisi mana Tarno Hiobo? Neſa nera iem ligaus Sʒemeie, praſtas ir geras /teiſus/, Diewo bijans ir pikta wengịs – Hastu nicht acht gehabt auff meinen knecht Hiob? Denn es
Zur Phraseologie in der bibel des johann bretke 17straipsniai / articles iſt ſein Gleiche nicht im Lande, ſchlecht vnd recht, Gottfrchtig... – Numquid considerasti servum meum Iob, quod non sit ei similis in terra, homo simplex et rectus ac timens Deum et recedens a malo (hiob i 8). die reimoder Paarformel schlecht und recht ist schon im Mittelhochdeutschen bekannt und Luther verwendet sie mehrmals in der bibelübersetzung außer den oben zitierten stellen noch 2 sam XV 3 und im Psalm XXV 21. Zur letztgenannten stelle vgl.: (18a) Praſtibe ir teiſibe [tai] teiſſaugoia mane, neſa esch tawẹs laukiu – Schlecht vnd recht das behtete mich, Denn ich harre dein (te 84–85)3 . die frühneuhochdeutsche wendung schlecht vnd recht hatte die bedeutung ‘einfach (=schlicht) und richtig’, vgl. Lsr iii 853. erst nach Luther veränderte sich die bedeutung immer mehr zum negativen, vgl. heutiges schlecht und recht ‘mit Mühe, in unvollkommener weise’; mehr schlecht als recht ‘so gut es möglich ist, aber unvollkommen’ (Mdi 415). bretke überträgt schlecht (=schlicht) überzeugend mit hilfe des wohl aus dem slawischen entlehnten prastas, das auch die bedeutung ‘einfach’ (neben dem schon mehr negativen ‘arm, gering’) haben konnte, vgl. skardžius (1931: 176). für die zweite komponente der Paarform setzt er geras bzw. teisus, das u. a. auch die bedeutung ‘redlich, rechtschaffen’ hat. in der Quandt-bibel steht für diese Zwillingsform in beiden textstellen wiernas ir teisus, wobei wiernas wiederum ein slawismus ist, der die bedeutung ‘treu, gläubig, redlich’ hatte, vgl. skardžius (1931: 236). c) die enge beziehung des Übersetzers zur Vorlage wirft schließlich die frage nach der entlehnung, im falle der Phraseologie vor allem der Übersetzungsentlehnung (kalkierung) auf, die jedoch häufig nicht leicht zu entscheiden ist. Man kann möglicherweise annehmen, dass in den obigen fällen wie z. b. buną laikýti, šrdį láužti sowie für eine reihe weiterer beispiele derartige kalkierungen vorliegen. eindeutig lassen sich partielle oder hybride Übersetzungsentlehnungen bestimmen, die dadurch gekennzeichnet sind, dass eine komponente direkt aus der ausgangssprache übernommen (entlehnt) wird, während die andere komponente (oder andere komponenten) übersetzt werden, vgl.: (19) PONas uſʒu ius Baiụ muſch [kariaus] – Der HERR wird fur euch ſtreiten . . . – Dominus pugnabit pro vobis (2 Mose XiV 14). für streiten setzt bretke baju mušti, wobei dieses auf ein ostslawisches *bojь biti ‘schlacht schlagen’ zurückzuführen ist. Lit. mušti ist die Übersetzung von ostsl. biti, während bojь (poln. boj, weißruss., russ. boj) als bajus, bojus ‘streit, schlacht’ direkt ins Litauische entlehnt wurde und zwar nach ausweis 3 dieses werk ist mir erst kurz vor fertigstellung des vorliegenden artikels zugänglich geworden.
24 rainer eckert acta Linguistica Lithuanica LXIV–LXV (51b) aß jus ißweſſu... émę...kur pien’s bey meddus ſklyſta (2 Mose iii 17); (51c) Jis ne mattys ſtrowês, ney páuppes, meddumi ir ſwieſtu tékancʒes (hiob XX 17); kazys grigas behandelt in seiner Monographie Литовские пословицы (1987: 77–95) das litauische sprichwort Kur mūsų nėra, veršiai midų geria (wörtlich: ‘wo wir nicht sind, trinken die kälber honigtrank’; sinn: ‘wo wir nicht sind, ist es sehr gut’) und seine vielzähligen Varianten. dabei streift er die biblischen wendungen des typs „Milch und honig“ und verbindet das lit. sprichwort Kur mūsų nėra, ten ir upės pienu plaukia damit. er unterstreicht allerdings, dass letzteres ironisch gebraucht wird, was auf die biblischen wendungen keineswegs zutrifft, allerdings ist der einfluss der biblischen wendung augenscheinlich. Von besonderem interesse jedoch ist, dass grigas unter Verweis auf meinen ersten aufsatz zur historischen Phraseologie des baltischen und slawischen (siehe eckert 1968: 79–81) für diese sprachen eine alte wendung „honig & bier trinken“ voraussetzt, der gegenüber das oben erwähnte litauische sprichwort spezieller und jünger ist. nach meiner Meinung existiert neben der biblischen (alttestamentlichen und möglicherweise mit der hebräischen folkloretradition in Zusammenhang stehenden) wendung „Milch und honig“ bzw. „honig und wein“ eine davon völlig separat zu betrachtende wendung „honig & bier“ (ostbalt. medus & alus; ursl. medъ & olъ) im baltischen und slawischen, die auf die Verknüpfung (und opposition) der bezeichnungen für das alte berauschende süßgetränk und bittergetränk zurückgehen. es liegen hier von ihrem inhalt gesehen ziemlich ähnliche wendungen vor, die jedoch ganz verschiedenen traditionen und damit zusammenhängenden kulturen entspringen. 4. bei der ermittlung von Phrasemen sind mehrere belege aus einem sprachdenkmal bzw. mehrere belege aus verschiedenen sprachdenkmälern derselben epoche hilfreich. ein beispiel dafür ist der stehende Vergleich (oder das komparativphrasem) „a ist weiß wie der schnee“: (52) Ir io Weidas buwa kaip Sʒiebai, ir io Rubas baltas kaip Sniegas – Vnd ſeine geſtalt war wie der bliꜩ, vnd ſein Kleid weis als der ſchnee – Erat autem aspectus eius sicut fulgur, et vestimentum eius candidum sicut nix (Mt XXViii 3). aus der Postille des bretke von 1599 (ii 399) ist nach klementina Vosylytė (LkPŽ 250) folgender beleg (in bereits der heutigen norm angeglichener schreibung) bekannt: (53) Ir rūbas jo baltas kaip sniegai . in der bibelübersetzung von samuel boguslav chylinski lautet dieselbe stelle: (54) Rūbai jo balti kaipo sniegas (nach LkŽ Xiii 250 ebenfalls mit angeglichener schreibung).
Zur Phraseologie in der bibel des johann bretke 25straipsniai / articles Zu einigen sPrichwörtern und Zwei grussforMeLn in diesem letzten abschnitt will ich einige wenige ausführungen zur Phraseotextemik machen und zwar zu einem wichtigen bereich daraus, zu den Parömien oder sprichwörtern. 1. Verweilen wir zuerst bei dem deutschen sprichwort Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein, als dessen Quelle im „sprichwörterlexikon“ von horst und annelies beyer (1987: 232) die sprüche salomos bezeichnet werden. dort heißt es: (55) Kaſsạsis důbẹ, ịpuls. Ir kas raicʒoij (?) [anstelle von ausgestrichenem ritta] akmeni, ant to puls (ateis) – Wer eine Gruben macht, der wird drein fallen, Vnd wer einen ſtein walꜩet, auff den wird er komen – Qui fodit foveam, incidet in eam; et, qui volvit lapidem, revertetur ad eum (spr sal XXVi 27) und (56) O kaſạnſis důbẹ, pats ịpuls. Ir ardantị tworạ, kirmis (ſʒaltis, ingels) ịkạs – Aber wer eine Gruben macht, der wird ſelbs drein fallen, Vnd wer den ʒaun ʒureiſſet, den wird eine Schlange ſtechen (Pred X 8). beide belegstellen enthalten jeweils noch ein synonymisches sprichwort. Man kann wahrscheinlich den sinn des uns interessierenden bildlichen sprichwortes wie folgend wiedergeben: ‘ein ungemach erleidet der selbst, der es einem anderen zufügen möchte’. es existiert ein Zusammenhang zwischen Phraseotextemen und Phrasemen, der vor allem darin besteht, dass nicht wenige Phraseme aus teilen (segmenten) von Phraseotextemen bestehen, d. h. einer der wege der Phrasembildung ist die Verselbstständigung von teilen von Phraseotextemen. Man vgl. dazu: (57) Jus uſʒpůlat Sÿratạ, ir kaſsat Artimoiui iuſụ Důbẹ – (1545) Ir fallet vber einen armen Waisen, vnd grabt ewern Nehesten gruben – Super pupillum irruitis et subvertere nitimini amicum vestrum (hiob Vi 27). wahrscheinlich greift auch hier bretke auf die Lutherausgabe von 1545 zurück; denn die ausgabe von 1524 weist einen etwas anderen wortlaut auf: yhr fallet vber eynen armen wayſen, vnd rottet ewern nehiſten aus . 2. auch sprichwörter weisen häufig Varianten auf, vgl.: (58) Ne wienas bernas ne gal dwiem ponam ſluſʒiti – Kein Hausknecht kan ʒweien Herrn dienen – Nemo servus potest duobus dominis servire (Lk XVi 13) und (59) Newienas negal dwiem Ponam ſluſʒiti – NIemand kan ʒweien Herrn dienen (Mt Vi 24). das eben zitierte sprichwort weist durch den wegfall des bernas bereits eine stärkere Verallgemeinerung auf. 3. obwohl die folgenden beispiele sich z. t. erheblich voneinander unterscheiden, sind sie doch wohl als Varianten eines Phraseotextems (hier sprichwortes) aufzufassen:
26 rainer eckert acta Linguistica Lithuanica LXIV–LXV (60) Bet Jeſus biloio iemus. Nera Prarakas be cʒeſties, tiktai Tiewiſchkioia ir namie prieg ſawu iụ – Jheſus aber ſprach ʒu jnen, Ein Prophet gilt nirgend weniger, denn im Vaterland, vnd daheim bey den ſeinen – Et dicebat eis Jesus: “Non est propheta sine honore nisi in patria sua et in cognotione sua et in domo sua” (Mk Vi 4). (61) Prarakas niekur ne tur maſʒeſnios garbes, net Tiewiſchkioia sawa, ir sawa Namůsụ – (1546) Ein Prophet gilt nirgend weniger, denn in ſeinem Vaterland vnd in ſeinem Hause (Mt Xiii 57). auch hier unterscheidet sich die Lutherausgabe von 1522: Eyn prophet gillt nyrgend weniger denn da heym vnd bey den ſeynen . (62) Ne wienas prarakas (wiens praraks) prijimtas ira tewiſchkiej ſawa – Kein Prophet iſt angenem in ſeinem Vaterlande (Lk iV 24). (63) Nesa ghis pats Jeſus liudija, Jog Prarakas ſawo tiewiſchkeie garbes ne tur – Denn er ſelber Jhesus ʒeugete, das ein Prophet da heim nichts gilt (jh iV 44). es versteht sich, dass in bretkes bibelübersetzung viel mehr sprichwörter vorkommen und hier nur exemplarisch auf einige eingegangen werden konnte. Überhaupt lässt sich feststellen, dass der sprichwortschatz der modernen europäischen sprachen in bedeutendem Maße von den Parömien, die schon in der bibel vorkommen, geprägt worden ist. der Vollständigkeit halber führe ich ganz am schluss noch zwei Phraseotexteme mit appellativischer funktion (hier: grußformeln) an: (64) Giwenk ſu Diewu [ſweikas]! – Gehab dich wol! (apg XXiii 30). hier ist es notwendig einen größeren kontext heranzuziehen: es handelt sich um einen brief, den der oberhauptmann an klausius Lysias schrieb, der in diesem 23. kapitel zitiert wird und an dessen ende die erwähnte grußformel steht. der alternativ angefügte gruß (Sveikas!) lässt keinen Zweifel daran, dass es sich bei Giwenk su Diewu! (wörtlich: ‘Leb’ mit gott!’) um eine grußformel handelt. in verkürzter form tritt diese grußformel noch in folgendem beispiel auf: (65) su diewu (!) – Gehabt euch wol! – ...abstinere ab idolothytis et sanguine et suffocatis et fornicatione; a quibus custodientes vos bene agetis. Valete (apg XV 29). einen erweiterten kontext führe ich nach der Luther-ausgabe von 1546 an: Das jr euch enthaltet vom Gꜩenopffer vnd vom Blut, vnd vom Erſticktem, vnd von Hurerey, von welchen, so jr euch enthaltet, thut jr recht, Gehabt euch wol . natürlich ließen sich auch für diesen typ von Phraseotextemen weitere beispiele anführen. aus dem dargelegten geht hervor, dass in der gesamtübersetzung der bibel durch johann bretke ins altlitauische der ganze reichtum und die große Vielfalt phraseologischer einheiten, die in der heiligen schrift enthalten sind, ihren niederschlag gefunden haben. das betrifft die verschiedenen kategorien phraseolo-
Zur Phraseologie in der bibel des johann bretke 27straipsniai / articles gischer einheiten, angefangen von Minimalphrasemen des typs alit. po akim, über die verschiedenen Phrasemklassen (wie substantivphraseme, Verbalphraseme, Prädikativphraseme, adverbialphraseme etc.) bis zu besonderen typen wie Paarformeln, stehenden Vergleichen, Phraseoschemata, figurae etymologicae und schließlich verschiedenen typen von Phraseotextemen (sprichwörter, grußformeln). einen bedeutenden raum in der untersuchung nehmen die ausführungen über die wiedergabe der bei M. Luther vorkommenden idiomatischen wendungen und ihre Übertragungen durch bretke ein, die, abgesehen von einigen wenigen ausnahmen, als gelungen bezeichnet werden können. die Problematik der kalkierung wird detailliert erörtert. besondere beachtung fanden die Probleme der phraseologischen Varianten sowie die verschiedenen stufen der idiomatizität der betrachteten wendungen. einige der genannten Probleme (so das Verhältnis von frühneuhochdeutsch fur ‘vor’ und altlit. po akim sowie die Äquivalente für frühneuhochdeutsches seinen Mut /Mütlein/ an j-m (ab)kühlen in der bretke-bibel sowie in weiteren altlitauischen denkmälern und im modernen Litauischen) wurden in meinem aufsatz Phrase and Idiom in Bretke’s Old Lithuanian Bible weiter untersucht und beschrieben. resümierend möchte ich nur eines festhalten: der idealfall wäre, wenn es gelänge, für jedes einzelne Phrasem und Phraseotextem aus der bibel eine knappe monographische beschreibung zu erstellen unter berücksichtigung der ausgangssprache (Luther-bibel, aber auch deren Vorlagen in lateinischer, griechischer und hebräischer sprache) und der Zielsprache (altlitauisch des letzten drittels des 16. jh). dies wäre eine in jeder hinsicht befriedigende grundlage für die diachronische Phraseologieforschung des Litauischen. LIterAtur beyer horst, beyer annelies 1987: Sprichwörterlexikon . Leipzig: bibliographisches institut. burger harald, buhofer annelies, sialm ambros 1982: Handbuch der Phraseologie. berlin, new york: de gruyter. eckert rainer 1968: Minimale textfragmente im slawischen und ihre entsprechungen im baltischen. – Baltistica 4(1), 79–81. eckert rainer 1987: Martin Luther und das frühe baltische schrifttum. – Polata kъnigopisьnaja s (Priloženije early protestantism in eastern europe, ed. by Veronica du feu) 16, 6–25. eckert rainer 1991: Studien zur historischen Phraseologie der slawischen Sprachen (unter Berücksichtigung des Baltischen) (Slawistische Beiträge 281). München: Verlag otto sagner.
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Zur Phraseologie in der bibel des johann bretke 29straipsniai / articles skardžius Pranas 1931: die slavischen Lehnwörter im altlitauischen. – Tauta ir žodis 7, 3–249. srng – Словарь русских народных говоров, рэд. Ф. П. Филин, вып. 3. Ленинград: Н аука , 1968. te – Textkritische Edition der Übersetzung des Psalters in die Litauische Sprache von Johannes Bretke, Pastor zu Labiau und königsberg i. Pr., nach der handschrift aus dem jahre 1580 und der überarbeiteten fassung dieses Psalters von johannes rehsa, Pastor zu königsberg i. Pr., nach dem druck aus dem jahre 1625 nebst der Übersetzung des Psalters in die deutsche sprache von Martin Luther nach der ausgabe aus dem jahre 1545, unter Mitarbeit von friedemann kluge, mit eine einleitung versehen und hrsg. von friedrich scholz, biblia slavica, hrsg. von hans rothe und friedrich scholz, unter Mitarbeit von christian hannick und Ludger udolph, serie Vi: supplementum: biblia Lithuanica, reihe 2: editionsbände, band 6, Paderborn, München, wien, Zürich: ferdinand schöningh, 2002. walde alois 1910: Lateinisches etymologisches Wörterbuch, 2. auflage. heidelberg: carl winter Verlag. ww – Wörter und Wendungen . Wörterbuch zum deutschen Sprachgebrauch, hsrg. von erhard agricola unter Mitwirkung von herbert görner und ruth küfner. Leipzig: bibliographisches institut, 1975. Бирих Александр, Мокиенко Валерий, Степанова Людмила 1998: Словарь русской фразеологии. Историко-этимологический справочник. Под ред. В. М. Мокиенко, Санкт-Петербург: Фолио-Пресс. Гак Владимир 1996: Специфика библейских фразеологизмов в русском языке. – Frazeologia a religia. Tezy referatów międzynarodowego sympozjuma naukowego. Opole, 4-6 września 1996 r., 10. die QueLLen i. aus dem alten testament habe ich für meine untersuchung nur teile herangezogen, nämlich jene, die in der edition von j. Palionis und j. Žukauskaitė Jonas Bretkūnas. Rinktiniai raštai (abgekürzt: b, rr), Vilnius 1983: 33–312 enthalten sind. auch der kommentarteil dazu (s. 332–359) wurde berücksichtigt. ii. das neue testament der bretke’schen bibelübersetzung konnte ich anhand des noch nicht veröffentlichten editionsbandes 7 (abgekürzt: range ed) durcharbeiten. ich möchte an dieser stelle für das freundliche entgegenkommen, mir eine Zeit diesen band zu überlassen, Prof. dr. jochen d. range herzlich danken. es handelt sich um die edition: Navias Testamentas Ing Lietuwischka Lieszuwi perraschitas per Jana Bretkuna Labguwos plebona 1580. Das Neue Testament in die litauische Sprache übersetzt von Johann Bretke, Pastor zu Labiau 1580. edition der handschrift, bd. 7 und 8,
30 rainer eckert acta Linguistica Lithuanica LXIV–LXV Labiau i. Pr. 1580. bd. 7: evangelien und apostelgeschichte. bearbeitet von jochen d. range. ferdinand schöningh Paderborn-München–wien–Zürich sowie um das beiheft zu bd. 7: anmerkungen und erläuterungen (s. 520–544) bearbeitet von jochen d. range. iii. für die Luther’sche Vorlage wertete ich folgendes werk aus: D. Martin Luthers Werke . Kritische Gesamtausgabe. Die Deutsche Bibel 1522–1546. bd. 1 – weimar, 1906; bd. 2 – weimar, 1909; bd. 6 – weimar, 1929; bd. 8 – weimar, 1954; bd. 10, 1. hälfte – weimar, 1956; bd. 10, 2. hälfte – weimar, 1957; bd. 11, 2. hälfte – weimar, 1960. iV. die Quandt-bibel zitiere ich nach: Biblia Tai esti Wissas Szwentas Raßtas Seno ir Naujo Testamento, karalauczuje, 1736. [bemerkung des autors: der vorliegende beitrag stellt den Vortrag dar, den ich am 27.09.2002 auf der internationalen tagung „400 jahre Litauische bibel: Philologische und theologische aspekte der bretke-forschung“ gehalten habe. die erwähnte konferenz wurde vom 26. bis 29. september 2002 an der ernst-Moritz-arndt-universität greifswald von Prof. dr. jochen d. range veranstaltet. da bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt (08.04.2011) die Materialien dieser konferenz nicht erschienen sind, sehe ich mich veranlasst, auf diesem wege die Publizierung meiner arbeit zu realisieren. – R. E.] . dėl jono bretkūno biblijos frazeologijos santrauka straipsnio tikslas – aptarti jono bretkūno biblijos vertimo frazeologizmus. Šiame vertime daug kompleksinių elementų, idiomų ir frazemų. straipsnyje skiriamos dvi kategorijos: elementai, besiremiantys biblinėmis idiomomis, ir elementai, kurie remiasi tam tikromis situacijomis. straipsnyje pateikiama daug pavyzdžių, parodančių, jog bretkūno vertime prielinksninė konstrukcija gali atitikti Liuterio biblijos vieną žodį. iš straipsnyje pateikiamos medžiagos matyti, kaip frazeologizmai įvairuoja ir kaip yra reiškiami. straipsnyje minimi ir frazeologizmai, atliekantys sakinio funkciją kaip pasisveikinimo fomulės, pvz.: Liuterio biblijoje parašyta: Gehab dich wol! : sen. lie. Giwenk su Dievu! (sveikas) : lot.: Valete! (apg XV 29). būtų svarbu parengti trumpą kiekvienos biblijos frazemos raiškos abiejose – tiek šaltinio, tiek vertimo – kalbose aprašymą, aptariant variantus ir jų specifinius semantinius bruožus. Įteikta 2011 m. balandžio 8 d. rainer eckert Murtzaner Ring 16, D-12681 Berlin, Deutschland [email protected]
