Apie gyvenvietės pavadinimą „Salantai“ ir asmenvardžių tyrimą
Full text
ZIGMAS ZINKEVIČIUS
ÜBER DEN SIEDLUNGSNAMEN SALANTAI UND DIE ERFORSCHUNG VON PERSONENNAMEN
Anlass zu diesem Artikel gaben zwei Artikel des aus der Gegend von Salantai stammenden Sprachwissenschaftlers Pranas Kniūkšta, die vor einigen Jahren in der Zeitschrift Kalbos kultūra1 erschienen, dem Autor aber erst vor kurzem in die Hände gelangt waren. Sie enthalten viele wichtige Daten, die aus dem Taufregister der Kirche von Salantai aus den Jahren 1631–1640 gesammelt wurden.
Die Angaben zur Ersetzung des Siedlungsnamens Skilandžiai durch einen Namen, der aus dem sehr archaischen Namen des Flusses Sālantas gebildet wurde, werden im Artikel sorgfältig und gründlich dargelegt. Sie sind sehr wertvoll. Die fremdsprachigen Formen in den Taufregistern werden kritisch betrachtet. Und das ist richtig, denn die Formen der lebendigen Sprache sind stets unvergleichlich genauer und authentischer als die Formen in fremdsprachigen Dokumenten, wo sie unbewusst und manchmal auch bewusst entstellt wurden2. Diese Haltung sollten sich junge Namenforscher gut zu eigen machen. Sie wird wesentlich zum Erfolg ihrer Arbeit beitragen.
Die Behandlung der in den Artikeln angeführten Personennamen des 17. Jahrhunderts (die meisten davon im zweiten Artikel) ist jedoch problematisch. Moderne onomastische Begriffe, insbesondere pavardė, werden hier künstlich auf jene Zeit übertragen. In einer wissenschaftlichen Arbeit sollte das nicht vorkommen. Denn im 17. Jahrhundert hatten nur die Angehörigen des Adels Familiennamen (deren kennzeichnendes Merkmal die Vererbbarkeit war). Einfache Leute, besonders in der Provinz, verwendeten noch nicht erbliche Personennamen, die zur Unterscheidung von erblichen Familiennamen gewöhnlich prievardžiais genannt werden. Sie gingen auf verschiedene, der näheren Bestimmung dienende Wörter zurück, die seit alters her neben dem Namen verwendet wurden. Daher wird zu ihrer Bezeichnung auch der Terminus prievardžio vorgeschlagen. Man kann sie natürlich auch einfach Personennamen nennen, sofern es keine Belege dafür gibt, dass es sich bereits um einen erblichen Familiennamen handelt.
Die Bezeichnung all dieser Personennamen des 17. Jahrhunderts als Familiennamen erschwert die Darstellung und macht sie schwer verständlich. Der Autor der Artikel sieht sich gezwungen, den Begriff falsche Familiennamen (S. 208) zu verwenden – wozu wird dann im Text überhaupt der Begriff Familienname benötigt? Es ist naheliegend
1 Pranas Kniūkšta. Salantų vardas dviejose XVII a. krikšto įrašų knygose. – Kalbos kultūra 81, 103–111; Pranas Kniūkšta. Barzdžių kaimo XVII amžiaus pavardės. – Kalbos kultūra 83, 202–210.
2 Dies wird in einem kürzlich erschienenen Buch hervorgehoben: Zigmas Zinkevičius. Ukmergės rajono gyvenviečių vardynas: Pavadinimų kilmė. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2011 (siehe besonders S. 10).
Pastabos / Notes
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bis hin zu Missverständnissen, etwa der Behauptung, dass „seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in Burzdžiai keiner der Familiennamen vorkam, die in den Einträgen des 17. Jahrhunderts unmittelbar belegt sind“ (S. 207). Natürlich konnten sie dort auch nicht vorkommen, denn in den Einträgen des 17. Jahrhunderts sind noch nicht erbliche Personennamen belegt, keine Familiennamen.
Die Genauigkeit der Darstellung wurde durch so vage Begriffe wie patronymische Familiennamen anstelle des präzisen Begriffs (nicht erbliche) Patronyme getrübt. Die Rechtfertigung des Autors, nicht erbliche Personennamen könne man deshalb Familiennamen nennen, weil sie „nach dem Vornamen stehen“ (S. 203), ist völlig unhaltbar, da sie das wichtigste Merkmal eines Familiennamens ignoriert: seine Vererbbarkeit. Der Autor beginnt sogar selbst, an der Zweckmäßigkeit zu zweifeln, den Begriff Familienname in seinem Text zu verwenden. Dies zeigen Äußerungen wie „wenn man solche Patronyme Familiennamen nennen kann“ (S. 206) und Ähnliches.
Der unpassende Gebrauch des Begriffs Familienname in einer wissenschaftlichen Arbeit wird Fachleute natürlich nicht irreführen, erschwert jedoch die Nutzung der wertvollen onomastischen Daten, die mit großer Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit zusammengetragen wurden.
Eingegangen am 2. März 2012.
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Acta Linguistica Lithuanica LXVI