Berufsnamen im Preußisch–litauischen
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48 acta Linguistica Lithuanica LXVI schLüsseLWörter: onomastik, berufsnamen, Preußisch-Litauen. keyWords: occupational surname, Prussia Minor, onomastics. christiane schiLLer humboldt-universität zu berlin Wissenschatliche forschungsrichtungen: Preußisch-litauische Lexikographie, onomastik, baltisch-deutsche sprach-, Literaturund kulturbeziehungen. berufsnaMen iM Preussisch-Litauischen su profesija susiję asmenvardžiai Prūsijos lietuvių kalboje anMerkung im Mittelpunkt des beitrages steht mit den berufsnamen eine namenklasse, die in der litauischen onomastischen forschung, anders als etwa in der deutschsprachigen und englischsprachigen, bisher nicht als eigenständige namenklasse ausgewiesen wurde. aus einer Quelle preußisch-litauischer Provenienz aus dem 18. jahrhundert wurden sämtliche, als berufsnamen einzustufende familiennamen erfasst und nach derivationsmorphologischen sowie semantischen Prinzipien klassifiziert. daneben wurde die frequenz der einzelnen berufsnamen und ihrer ableitungen ermittelt, die aussagen über die Verbreitung einzelner berufsfelder innerhalb der litauischsprachigen gemeinschaft ermöglicht. zum abschluss werden Probleme im zusammenhang mit der klassifizierung der berufsnamen besprochen. annotation this paper focuses on occupational surnames. unlike german and english research Lithuanian onomastics has not given attention to occupational surnames as a name class of its own hitherto. the basis for the research results presented here is a Lithuanian-Prussian source from the beginning of the 18th century. from this source all occupational surnames are excerpted and classified according to derivational-morphological and semantic principles. furthermore the frequence of some occupational surnames and their derivations are determined, which gives information about the distribution of some occupations within the Lithuanianspeaking community. in the end of this paper problems with classifying occupational surnames are discussed.
berufsnamen im Preußisch-litauischen 49straipsniai / articles berufsnamen sind in der litauischen onomastik bisher kaum gegenstand wissenschaftlicher untersuchungen gewesen. das liegt u.a. darin begründet, dass sie, anders als in der deutschsprachigen onomastik1, hier nicht als eigenständige klasse der familiennamen ausgewiesen, sondern der klasse der übernamen zugeordnet werden.2 einschlägig für das großlitauische sprachgebiet sind allein die arbeiten von zigmas zinkevičius (1977: 59–62) bzw. (2008: 539–548). für Preußisch-Litauen ist in diesem zusammenhang die studie von asta urbonavičiūtė (2005) zu nennen. im rahmen dieses beitrages wird die klasse der direkten berufsnamen Preußisch-Litauens untersucht. unter den direkten berufsnamen werden die ursprünglich aus beinamen gebildeten familiennamen verstanden, die sich sowohl auf die haupterwerbstätigkeit als auch auf die nebenerwerbstätigkeit, die soziale stellung oder auf von den namenträgern ausgeübte ämter beziehen (kunze 1998: 107). Von den indirekten berufsnamen unterscheiden sich diese durch die nichtmetonymische Verwendungsweise.3 die Quellengrundlage für diese studie bildet das von horst kenkel 1972 herausgegebene Verzeichnis der Amtsbauern und Kölmer im nördlichen Ostpreußen um 1736 (weiterhin zitiert als k), von dem die register iii „Litauer“ (k 249–273) sowie iV „kölmer und erbfreie“ (k 273–282) ausgewertet wurden. dieses Verzeichnis erfasst für den berücksichtigten zeitraum umfassend den historischen familiennamenbestand in Preußisch-Litauen. aufgrund der tatsache, dass im 18. jahrhundert die herausbildung der familiennamen noch nicht abgeschlossen war, ergibt sich ein konkreter bezug zur berufsbzw. tätigkeitsausübung der jeweiligen namensträger bzw. ihrer unmittelbaren Vorfahren. insofern können die ermittelten familiennamen aufschluss über die tatsächlich von Litauern ausgeübten berufsfelder geben. im gegensatz zu den deutschen familiennamen, bei denen die direkten berufsnamen zu den häufigsten familiennamen überhaupt gehören,4 stehen in Preu1 in der deutschsprachigen onomastik werden die familiennamen üblicherweise in fünf klassen eingeteilt: familiennamen aus rufnamen, familienname nach herkunft, familiennamen nach der Wohnstätte, familiennamen nach beruf, amt und stand sowie familiennamen aus übernamen, vgl. fleischer (1968: 98–120), kunze (1998: 63), kohlheim/kohlheim (2008: 21–40) u.a. 2 so von zigmas zinkevičius (2008), der, wie das inhaltsverzeichnis (s.10) erkennen lässt, die berufsnamen (asmenvardžiai, susiję su žmogaus amatu) unter iii. übernamen (Pravardynas) behandelt. aleksandras Vanagas (1999: 470f.) verzichtet in seiner klassifikation der litauischen familiennamen gänzlich auf die ausgliederung der berufsnamen. 3 bei indirekten berufsnamen werden Personen nach für ihren beruf typischen Werkzeugen, Produkten, arbeitskleidungen u. ä. benannt, z. b. Mehlhose für einen bäcker oder Kupfer für einen schmied. die indirekten berufsnamen nehmen eine zwischenstellung zwischen den berufsund den übernamen ein, da sie sich nur in metonymischer Weise auf den beruf beziehen. kunze (1998: 137). 4 die Position 1-14 der häufigsten deutschen familiennamen werden von direkten berufsnamen eingenommen, vgl. Müller, Schmidt, Schneider, Fischer, Weber, Meyer, Wagner, Becker, Schulz, Hoffmann, Schäfer, Bauer, Koch, Richter. erst an Position 15 folgt mit Klein ein übername. Quelle: topnames 5000.
50 christiane schiLLer acta Linguistica Lithuanica LXVI ßisch-Litauen die direkten berufsnamen litauischer Provenienz in direkter konkurrenz zu den Patronymika und den übernamen. diese unterschiede erklären sich in erster Linie durch die unterschiedliche genese beider namensysteme. das system deutscher familiennamen wurde im Wesentlichen im kontext mittelalterlicher städte geprägt, in denen aufgrund einer relativ hohen bevölkerungsdichte und berufsgebundener siedlung sich gerade der beruf als namengebendes Motiv anbot. demgegenüber herrschten in Preußisch-Litauen kleinräumige siedlungsstrukturen mit einer gering ausgeprägten arbeitsteilung (und einer dementsprechend wenig differenzierten berufsstruktur) vor, in denen die herausbildung der familiennamen in erster Linie auf patronymische, d. h. rufnamenbasierte, sowie übernamenbasierte bildungsmuster zurückgeht. einzige ausnahme bildet der familienname Kalwis, auf den weiter unten noch einzugehen sein wird. im zusammenhang mit der darbietung der namenformen im korpus ist zu berücksichtigen, dass die aufzeichnung in der regel von deutschen vorgenommen wurde, bei denen die kenntnis des Litauischen nicht zwangsläufig vorausgesetzt werden kann. demzufolge muss von einer ungenauen, d. h. nicht lautgerechten Wiedergabe der litauischen namen ausgegangen werden. darüber hinaus müssen aspekte der integration des litauischen namengutes in das deutsche sprachsystem auf phonetischer und morphologischer ebene berücksichtigt werden. die preußisch-litauischen namenformen werden hier in der originalschreibung angeführt; das litauische Vergleichsmaterial in der standardsprachlichen orthographie. Variationen, die dem zeitgenössischen aufzeichnungskontext geschuldet sind, werden nicht kommentiert. 1 . naMentyPen unter deriVationsMorPhoLogischeM und genetischeM asPekt berufsnamen lassen sich auf der basis der zugrunde liegenden appellativa unter derivationsmorphologischem aspekt in simplizia, derivate und komposita einteilen. 1 .1 . simplizia als simplizia werden an dieser stelle alle originär litauischen Lexeme betrachtet, die synchron, bezogen auf den betrachteten zeitraum (17./18. jahrhundert),
berufsnamen im Preußisch-litauischen 51straipsniai / articles weder als derivate noch als komposita analysiert werden können. entsprechend dieser definition können als einzige simplizia im korpus die auf der berufsbezeichnung kálvis5 ‘schmied’ basierenden namensformen Kalwis (K 53, k 140), Kalwies (K 20, k 32, k 35 u. a.), Calwis (K 131) bzw. Calwies (K 35) nachgewiesen werden.6 diese tatsache deutet auf ein hohes alter der bildung, das ausdruck frühester arbeitsteilung ist. die herausragende stellung dieses berufsfeldes dokumentiert die hohe frequenz von direkten berufsnamen mit der bedeutung ‘schmied’ in allen europäischen sprachen.7 1.2. derivate das Litauische bildet mit den derivationsaffixen -ius und -ininkas (-inykas) nomina agentis. Mit einer bezeichnung eines Werkzeuges oder eines Produktes als ableitungsbasis fungieren diese als berufsbezeichnungen, aus denen direkte berufsnamen entstehen können. 1.2.1. -ius8. die bildung von berufsbezeichnungen mit dem derivationsaffix -ius ist komplex und umfasst neben der suffigierung gewöhnlich auch Metatonie in der Wurzel, vgl. puõdžius zu púodas (stundžia 2009: 127). die auf berufsbezeichnungen dieses typs zurückzuführende berufsnamen sind im vorliegenden korpus häufig. die ableitungsbasis des entsprechenden appellativums kann sowohl ein erbwort, wie in Bal(l)nus (K 30 u. a.) zu lit. banius ‘sattler’ (vgl. lit. bálnas ‘sattel’), Girnus (K 20 u. a.) zu lit. ginius ‘Mühlensteinhauer’ (vgl. lit. grnos ‘Mühlsteine’), Dirszus (K 32 u. a.) zu lit. dižius ‘riemer’ (vgl. lit. dižas ‘riemen’) als auch ein Lehnwort sein, wie in Bludszus (K 84 u. a.) zu lit. blidžius ‘schüssler’ (vgl. lit. blidas ‘schüssel’ aus wruss. блюда), Kubillus (K 95) zu lit. kublius ‘böttcher (vgl. lit. kù bi las ‘kübel’ zu ahd. kubilo, mhd. kübel). die Palatalität des dem flexionsausgang vorausgehenden konsonanten bleibt in den untersuchten familiennamen in der regel unbezeichnet. 5 sämtliche standardsprachlichen litauischen referenzformen werden nach dem Lkže zitiert. 6 sowohl Pranas skardžius (1943 [1996]: 379) als auch Lkg i (§ 530) analysieren kálvis als ableitung aus dem Verb kálti mit dem suffix -vis (skardžius -vja-). diese interpretation hat aus diachroner Perspektive durchaus ihre berechtigung, wird aber dem synchronen befund nicht gerecht, da das suffix -vis längst nicht mehr produktiv war und dementsprechend im betrachteten zeitraum nicht mehr zur bildung von nomina agentis und damit zur bildung von berufsnamen verwendet wurde. 7 eine entsprechende übersicht bietet kunze (1998: 117). 8 zu diesem Wortbildungstyp s. skardžius (1943 [1996]: 78).
52 christiane schiLLer acta Linguistica Lithuanica LXVI 1.2.2. -ininkas9 . appellative mit dem auch in der modernen litauischen standardsprache produktiven suffix -ininkas sind die grundlage für eine Vielzahl weiterer berufsnamen. auch in diesem fall können als ableitungsbasis neben den entsprechenden erbwörtern, wie in Drawenings (K 100) zu lit. draviniñkas ‘beutner’ (vgl. lit. dravė bzw. dravs ‘bienenstock’), Laukenings (K 188) zu lit. laukiniñ kas ‘bauer’ (vgl. lit. lakas ‘feld’) oder Szardinings (K 131) zu lit. žadininkas ‘gärtner’ (vgl. lit. žadis ‘rossgarten’), auch Lehnwörter, wie in Kalkenings (K 116 u. a.) zu lit. kálkininkas ‘kalkbrenner’ (vgl. lit. kálkis ‘kalk’ aus mnd. kalk10), Kragenings (K 122 u. a.) zu lit. krãgininkas ‘kannengießer’ (vgl. lit. krãgas ‘krug’ aus mnd. krōg) oder Mureningk (K 157) zu lit. mūrininkas ‘Maurer’ (vgl. lit. mras ‘Mauer’ aus mhd. mūr(e) bzw. mnd. mūre) auftreten. das suffix -iniñkas zeigt in den untersuchten familiennamen die für das deutsche typische reduzierung des Vokals in unbetonter silbe, so dass es in der regel als -enings notiert wird. zuweilen lassen sich berufsnamen nachweisen, die auf appellativa zurückgehen, die von einem stamm unter nutzung beider affixe gebildet wurden, vgl. Kurpenings (K 37) zu lit. kùrpininkas ‘schuster’ und Kurpius (K 59 u. a.) zu lit. kupius ‘schuster’ oder Plitzus (K 90) zu lit. plyčius ‘ziegelmacher, ziegler’ und Plietenings (K 117) zu lit. plytininkas ‘ziegelmacher, ziegler’. 1.2.3. -ėjas11. -ėjas stellt ein weiteres, noch heute produktives derivationsaffix dar, das zur bildung von nomina agentis verwendet wird. als ableitungsbasis fungiert hier der Präteritalstamm des Verbs. berufsnamen, die auf mit diesem affix gebildete berufsbezeichnungen zurückgeführt werden können, sind im vorliegenden korpus allerdings kaum zu belegen. hier konnte nur ein entsprechender berufsname nachgewiesen werden: Audeyus (K 14) zu lit. audjas ‘Weber’. dieser befund deckt sich weitgehend mit dem von zinkevičius (2008: 539–548). neben Audėjas (541) führt er nur noch Kalėjas ‘schmied’ (543) an. der historisch gut bezeugte u-stamm audėjus12 folgt offenbar dem Muster der anderen berufsbezeichnungen auf -ius . 1 .3 . komposita die zahl der direkten berufsnamen, die auf ein zusammengesetzes appellativum zurückgeführt werden können, ist gering, und entspricht damit der rolle der 9 zu diesem Wortbildungstyp s. skardžius (1943 [1996]: 140–148). 10 sämtliche mhd. und mnd. formen werden nach dem eWd zitiert. 11 zu diesem Wortbildungstyp s. skardžius (1943 [1996]: 83f.). 12 kurschat (1876: 204). Lkže führt darüber hinaus belege aus den Wörterbüchern von konstantinas sirvydas und christian gottlieb Mielcke an.
berufsnamen im Preußisch-litauischen 53straipsniai / articles komposition innerhalb der litauischen Wortbildung. anzuführen wären in diesem zusammenhang die aus den entsprechenden appellativa gebildeten familiennamen Rupkalwis (K 139 u. a.) zu lit. rùpkalvis ‘grobschmied’, Schaltkalwis (K 140) zu lit. šáltkalvis ‘kaltschmied’, Kraule(y)dies (K 43 u. a.) zu lit. kraujaleids ‘aderlasser, schröpfer’ oder Bandszerus (K 142 u. a.) vermutlich zu lit. bañdšėris ‘knecht, der das Vieh versorgt’. auch im fall von Bandszerus kann, sofern die deutung als berufsname zutreffend ist, von einer beeinflussung des u-stammes durch die anderen u-stämmigen berufsbezeichnungen ausgegangen werden. 1 .4 . Lehnwörter eine eigene klasse der direkten berufsnamen bilden namen, die auf berufsbezeichnungen zurückgehen, die aus dem deutschen oder aus slawischen sprachen entlehnt worden sind. die entsprechenden aus dem deutschen entlehnten appellativa sind sowohl auf (mittel)hochdeutsche als auch auf (mittel)niederdeutsche entlehnungsquellen zurückzuführen, vgl. Zimmermons (K 123) zu lit. cmermonas < mhd. zimmerman, Beckeris (K 30) zu lit. bekėris < mhd. bzw. mnd. becker, Schipporus (K 104) zu lit. šporius < zu mnd. schipper ‘schiffer’. die auf aus dem slawischen entlehnten appellativa basierenden direkten berufsnamen gehen sowohl auf Lehnwörter aus dem Polnischen als auch aus dem Weißrussischen zurück, wobei im einzelfall oftmals die genaue Quelle nicht festzustellen ist, vgl. Kawohl (K 146 u. a.) zu lit. kavõlis ‘schmied’ auf poln. kowal bzw. weißruss. каваль, Skam braks (K 31 u. a.) zu lit. skámbrakas ‘spielmann’ auf poln. skomoroch oder Kaßemecks (K 90 u. a.) zu lit. kažemėkas ‘gerber’ auf weißruss. кажемка. unter den slawischen Lehnwörtern gibt es, wie das korpus von zinkevičius (2008: 539– 548) zeigt, eine reihe von berufsnamen auf -orius, die auf entsprechende weißrussische bzw. polnische bildungen auf -арь bzw. -arz zurückzuführen sind. berufsnamen dieses typs waren nicht nur Muster für die nachbildung von berufsnamen im Litauischen, wie etwa im fall von Stiglorus (K 97) zu lit. stikliõrius ‘glaser’13, das reanalysierte derivationssuffix -orius ersetzte darüber hinaus offenbar in Schipporus (K 104) zu lit. šporius auch das entsprechende, für entlehungen aus dem deutschen zu erwartende suffix -eris (vgl. šiùsteris ‘schuster’) bzw. -ėris (vgl. bkėris ‘bäcker’).14 13 skardžius (1931 [1998]: 264) nimmt für lit. stiklorius eine umbildung von wruss. стекларь auf der basis von lit. stklas ‘glas’ an. 14 eine slawische Vermittlung, die durch das suffix -orius nahegelegt wird, ist zunächst nicht wahrscheinlich, da die entsprechende, aus dem deutschen entlehnten berufsbezeichnung poln. Szyper (Linde V 633) lautet.
54 christiane schiLLer acta Linguistica Lithuanica LXVI 2. naMentyPen unter seMantischeM asPekt bereits zinkevičius (2008: 539–548), der eine umfassende Liste der litauischen berufsnamen darbietet, hat eine entsprechende klassifizierung vorgenommen. er unterscheidet vier subklassen: 1. soziale stellung, 2. amt, 3. handwerk, 4. Militär. diese subklassifizierung lässt sich durch differenzierung der berufsfelder im bereich handwerk erweitern. an dieser stelle soll eine modifizierte Version der von kunze (1998: 107f.) angeführten klassifizierung zugrunde gelegt werden. neben den aus den berufsbezeichnungen hervorgegangenen direkten berufsnamen werden, wenn diese selbst nicht greifbar sind, die von diesen gebildeten patronymischen ableitungen berücksichtigt.15 1. Landwirtschaftliche berufe, Waldund teichwirtschaft, urberufe Laukenings (K 188) zu lit. laukiniñkas ‘bauer’, Szemenings (K 123) zu lit. žmininkas ‘bauer’ 18 , Uckeninck (K 133) zu lit. ki nin kas ‘(groß-)bauer’, Szardinings (K 131) zu lit. žadininkas ‘gärtner’, Bandszerus (K 142 u. a.) vermutlich zu lit. bañdšėris ‘knecht der das Vieh versorgt’, Kum(m)etz (K 154 u. a.) zu lit. kùmetis ‘instmann’, Bandszus (K 50) zu lit. bandžius ‘hirte’ 19 , Klaptschus (K 30 u. a.) zu lit. klãpčius ‘knecht’, Almonaitis (K 72) Patr. zu lit. almonas ‘hofmann’20, Drawenings (K 100) zu lit. draviniñkas ‘beutner’. 15 für die kritische durchsicht dieser übersicht und weiterführende anmerkungen habe ich frau asta urbonavičiūtė zu danken. 16 da lit. žmininkas neben ‘bauer’ auch die deutung ‘festlandsbewohner’ zulässt, kann diese namensform potentiell auch als herkunftsname klassifiziert werden. 17 für diese namensform ist nach LPž (i 186) neben der deutung als berufsname auch eine herleitung aus dem weißrussischen rufnamen Бандзюш (zu Бенедикт) möglich. 18 Lit . almonas in der bedeutung ‘hofmann’ ist in den Wörterbüchern Preußisch-Litauens gut bezeugt, vgl. Clavis Germanico-Lithvana (ClG): Hoffmann Álmonas, ô. M. (962); Hoffmutter Álmonene, ês. F. (965); Philipp ruhig: Littauiſch=Deutſches und Deutſch=Littauiſches Lexicon (rž), Hofmann bey der Pacht, ál=|| monas, ono, m. (208). Lkže weist daneben einen beleg aus den Metai von kristijonas donelaitis nach: „ ×álmonas (vok. dial. homann) sm. (1) [k]; r208 dvaro pienininkas: ir kaip kiaulės álmono – tik gėda sakyti – kiauliškas dainas dainuot ir žviegt užsimanė k. donel“. insofern ist an dieser stelle für almonas, der ableitungsbasis für die namensform Almonaitis, die deutung als berufsname der in LPž (i 89) als potentiell erwogenen deutung als zweistämmiger Personenname (hier mit Verweis von Almonáitis→Amonas→Amanas) vorzuziehen. dafür spricht auch die tatsache, dass die in LPž (i 89) angeführten Vorkommen der familiennamen Amonas und Almonáitis sich in erster Linie auf orte beziehen, die in unmittelbarer nähe des historischen preußisch-litauischen gebiets gelegen sind, für das das appellativum almonas nachgewiesen ist.
berufsnamen im Preußisch-litauischen 55straipsniai / articles 2. nahrungsmittelgewerbe Packawatsch (K 136) zu lit. pakvočius ‘bäcker’, Beckeris (K 30) zu lit. bkėris ‘bäcker’, Meßeningkatis (K 166 u. a.) Patr. zu lit. m sininkas ‘fleischer’, Bruweleit (K 68) Patr. zu lit. br(i)ùvėlė ‘brauer’, Piwor (K 122) zu lit. pyvõras ‘brauer’. 3. Metallverarbeitung Kalwis (K 20 u. a.) zu lit. kálvis ‘schmied’, Kawohl (K 146 u. a.) zu lit. kavõlis ‘schmied’, Rupkalwis (K 139 u. a.) zu lit. rùpkalvis ‘grobschmied’, Schaltkalwis (K 140) zu lit. šáltkalvis ‘kaltschmied’, Kragenings (K 122 u. a.) zu lit. krãginikas ‘kannengießer’, Katillus (K 32 u. a.) zu lit. katlius ‘Pfannenschmied’, Skauradszus (K 14) zu lit. *skauradžius ‘Pfannenschmied’, Geledzus (K 64) bzw. Gelleszus (K 114) zu gelzius ‘schmied, eisenkrämer’. 4. holzverarbeitung Discheratis (K 27 u. a.) Patr. zu lit. dišerė ‘tischler’, Deyluaitis (K 105) Patr. zu lit. dalius ‘tischler?’, Dilluwatis (K 77) Patr. zu lit. dielius ‘brettschneider’, Geldszus (K 64 u. a.) zu lit. *geldžius ‘trögner’, Sketschus (K 37) zu lit. skičius ‘hersteller von Weberkämmen’, Kubillus (K 95) zu lit. kublius ‘böttcher’; Buttkeraitis (K 8 u. a.) Patr. zu lit. bùtkėrė ‘böttcher’, Radszus (K 32 u. a.) zu lit. rãčius ‘radmacher’, Stellmokatis (K 20) Patr. zu lit. stemokas ‘stellmacher’. 5. Ledererzeugung und –verarbeitung Schicksnus (K 108 u. a.) zu lit. škšnius ‘Lederer’, Kaßemecks (K 90 u. a.) zu lit. kažemkas ‘gerber’, Kurpenings (K 37) zu lit. kùrpi ninkas ‘schuster’, Kurpius (K 59 u.a.) zu lit. kupius ‘schuster’, Schustereit (K 33 u. a.) Patr. zu lit. šiùsteris ‘schuster’ , Sapagus (K 759 zu lit. *sopagius ‘stiefelhersteller’, Bal(l)nus (K 30 u. a.) zu lit. banius ‘sattler’, Dirszus (K 32 u. a.) zu lit. dižius ‘riemer’. 6. textilund Pelzgewerbe Schneidereit (K 9 u.a.) Patr. zu lit. šnederis ‘schneider’, Krautzuns (K 13 u. a.) Patr. zu lit. kračius ‘schneider’, Kepurnings (K 37) zu kepùrninkas ‘hutmacher’, Audeyus (K 14) zu lit. au d- jas ‘Weber’, Kaylus (K 63 u. a.) zu lit. kalius ‘kürschner’, Kuschnerus (K 85 u. a.), Kurschnorus (K 119) zu lit. kušnirius ‘kürschner’. 7. bauwesen Mureningk (K 157) zu lit. mrininkas ‘Maurer’, Zimmermons (K 123) zu lit. cmermonas ‘zimmermann’, Zimmernings (K 10) zu lit. c mer ninkas ‘zimmermann’, Kalkenings (K 116 u. a.) zu lit. kálkininkas ‘kalkbrenner’, Plitzus (K 90) zu lit. plyčius ‘ziegelmacher, ziegler’ und Plietenings (K 117) zu lit. plytininkas ‘ziegelmacher, ziegler’, Stegus (K 58) zu lit. stigius ‘dachdecker’, Sticklus (K 150 u. a.) zu lit. stklius ‘glaser’, Stiglorus (K 97) zu lit. stikliõrius ‘glaser’. 8. sonstiges verarbeitendes gewerbe Bludszus (K 84 u. a.) zu lit. blidžius ‘schüssler’, Bludenings (K 20) zu lit. blidininkas ‘schüssler’, Podszus (K 30 u. a.) zu lit. puõ džius ‘töpfer’, Girnus (K 20 u. a.) zu lit. ginius ‘Mühlensteinhauer’, rötzus (k 158), Retschus (K 162) zu lit. rčius ‘siebmacher’
56 christiane schiLLer acta Linguistica Lithuanica LXVI 9. dienstleistungen Kartzaunings (K 113) zu lit. karčiáuninkas ‘schankwirt’, Krau le(y)- dies (K 43 u. a.) zu lit. kraujaleids ‘aderlasser, schröpfer’, Waßenings (K 126) zu lit. važiniñkas ‘fuhrmann’, Maynus (K 123 u. a.) zu lit. manius ‘täuscher, händler’, Kuptschus (K 157), Kubzus (K 57) zu lit. kùpčius ‘kaufmann’. 10. ämter Bormeistratis (K 25) Patr. zu lit. bormeistras / burmistras ‘Bürgermeister’, Golmisteras (K 154) aus dt. Garnmeister ‘hilfsbeamter des fischmeisters’ (Wenskus 1990, 48), Patabuleit (K 53) vermutlich Patr. zu lit. patóbelis ‘Potabel, kirchendiener’, Starrost (k 139 u. a.) zu lit. stórasta ‘(orts-)Vorsteher’, Lautzas (K 108 u. a.) zu lit. laučas ‘jagdaufseher’, Packmoratis (K 30) Patr. zu lit. pakamõrė ‘gutsaufseher’, Waßna (K 120 u. a.) offenbar zu lit. važnas ‘bote, herold’. 11. Militär Scherwenings (K 186) zu lit. šárvininkas ‘zeugmeister’, Straltzuhns (K 49) Patr. zu lit. strečius, strilčius ‘schütze’. 12. sonstige Schipporus (K 104) zu lit. šporius ‘schiffer’, Bugeningk (K 97 u. a.) vermutl. zu lit. būgnininkas ‘trommler’, Skambraks (K 31 u. a.) zu lit. skámbrakas ‘spielmann’, Birbindschus (K 128 u. a.) zu lit. birbinčius ‘schalmeienspieler’. 4 . freQuenz: toP 10 der direkten berufsnaMen Preussisch-Litauens eine quantitave erfassung der direkten berufsnamen erweist sich aufgrund variierender orthographien als äußerst schwierig. darüber hinaus sind viele berufsnamen nur über die entsprechenden patronymischen bildungen greifbar. insofern scheint es an dieser stelle zweckmäßig, neben den direkten berufsnamen auch die aus ihnen gebildeten Patronymika und Pentheronymika19 zu berücksichtigen, da nur so die namenbildende Potenz des entsprechenden appellativums ermittelt werden kann. unter berücksichtigung sämtlicher graphien eines direkten berufsnamens und aller seiner unmittelbaren patronymischen und pentheronymischen ableitungen ergibt sich folgendes bild. Wie die tabelle zeigt, existieren abgesehen von den berufsnamen in der bedeutung ‘schmied’, ‘schneider’ und ‘Wagner’ hinsichtlich der frequenz kaum Parallelen zu den deutschen familiennamen. Vielmehr reflektiert das hier herausgearbeitete frequenzmuster die dörflich geprägte siedlungsstruktur Preußisch-Litauens mit der dominanz ihrer spezifischen berufsfelder. 19 als Pentheronymika werden von namensformen des schwiegervaters abgeleitete namensformen zur bezeichnung des schwiegersohnes bezeichnet.
berufsnamen im Preußisch-litauischen 63straipsniai / articles lusi iš slavų (lenkų ir baltarusių) kalbų ir iš profesijų pavadinimų, įvairiais laikotarpiais pasiskolintų iš vokiečių kalbos. straipsnyje siūloma su profesija susijusių asmenvardžių dvylikos lygių klasifikacija leidžia juos diferencijuoti pagal atitinkamą profesinę sritį. statistinė analizė parodė, kad su profesija susiję asmenvardžiai, reiškiantys profesijas pagal amatininkų gamybos sritį (pvz.: Schmied ‘kalvis ’ , Schneider ‘siuvėjas ’ , Töpfer ‘puodžius ’ , Böttcher ‘drožėjas ’ , Sattler ‘balnius ’ , Radmacher ‘račius ’ , Schumacher ‘batsiuvys ’ , Gerber ‘kailiadirbys ’ ir Tischler ‘stalius ’ ), yra itin dažni. ne visos pavardės, kurios gali būti kildinamos iš profesijos ir tarnybos pavadinimų, interpretuotinos kaip tiesiogiai su profesija susiję asmenvardžiai. retkarčiais jas galima aiškinti kaip pravardes. Įteikta 2012 m. sausio 7 d. christiane schiLLer Humboldt-Universität zu Berlin Institut für deutsche Sprache und Linguistik Unter den Linden 6, D-10099 Berlin, Deutschland [email protected]
