Juozo Aleksandravičiaus „Kretingos tarmės žodynas“: transponavimo principai ir keblesni atvejai
Full text
DAIVA VAIŠNIENĖ
Litauische Universität für Erziehungswissenschaften
Forschungsschwerpunkte: Dialektologie, baltische Philologie.
DAS DIALEKTWÖRTERBUCH VON JUOZAS ALEKSANDRAVIČIUS AUS KRETINGA: TRANSPOSITIONSPRINZIPIEN UND SCHWIERIGERE FÄLLE
The Dictionary of the Kretinga Dialect von Juozas Aleksandravičius: Transpositionsprinzipien und problematische Fälle
Z U S A M M E N F A S S U N G
Die Erstellung eines Dialektwörterbuchs betrifft nicht nur die Präsentation der Wörter und der Belege, sondern auch recht schwierige Fragen der Entsprechung zwischen dem Lautsystem oder der Prosodie des Dialekts und der Standardsprache sowie die mehrdeutige Interpretation dialektaler Erscheinungen. Eine zuverlässige und linguistisch fundierte Transposition von Stichwortformen oder Belegbeispielen bestimmt die präzise Wiedergabe des dialektalen Wortschatzes in Wörterbüchern, seine Authentizität und sein Zusammenspiel mit den Formen der Standardsprache. Dies ist besonders relevant bei der Erstellung lexikalischer Ressourcen, die den gesamten Raum der litauischen Sprache abdecken, wie etwa das Wörterbuch der litauischen Sprache. Dennoch können dieselben phonetischen Erscheinungen unter denselben Bedingungen unterschiedlich transponiert werden, obwohl das allgemeine Prinzip gilt, strikt regelmäßig zu transponieren, und zwar nach einem allgemeinen Lautentsprechungsgesetz.
Der Artikel stellt mehrere Schemata zur Anwendung dieses Prinzips vor, die zu unterschiedlichen Transpositionsergebnissen führen. Außerdem werden die bei der Erstellung von Juozas Aleksandravičius’ Dialektwörterbuch von Kretinga angewandten Transpositionsprinzipien für Stichwörter und ihre Grundformen erörtert und problematische Transpositionsfälle dargestellt.
Z U S A M M E N F A S S U N G
Die Zusammenstellung eines Dialektwörterbuchs hängt nicht nur mit Fragen der Darstellung von Wörtern und Belegen zusammen, sondern auch mit recht heiklen Fragen der Äquivalenz der
S C H L Ü S S E L W Ö R T E R: Dialekt, nordžemaitische Kretingaer, Dialektwörterbuch, Transposition.
S C H L Ü S S E L W Ö R T E R: Dialekt, nordžemaitischer Dialekt von Kretinga, Dialektwörterbuch, Transposition.
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Acta Linguistica Lithuanica LXVII
Juozo Aleksandravičiaus Kretingos tarmės žodynas: transponavimo principai ir keblesni atvejai
Lautsystems oder prosodischer Elemente des Dialekts und der Standardsprache sowie mit der mehrdeutigen Interpretation dialektaler Erscheinungen. Eine zuverlässige und linguistisch fundierte Transposition von Lemmaformen oder Belegen bestimmt die genaue Darstellung des dialektalen Wortschatzes in Wörterbüchern, dessen Authentizität und die Entsprechung zu den Formen der Standardsprache. Dies ist besonders relevant bei der Zusammenstellung lexikalischer Ressourcen, die den gesamten Bereich der litauischen Sprache abdecken, wie etwa The Dictionary of the Lithuanian Language. Dennoch können dieselben phonetischen Erscheinungen unter denselben Bedingungen unterschiedlich transponiert werden, obwohl das allgemeine Prinzip gilt – die Transposition in strikter Übereinstimmung mit den regelmäßigen Mustern nach einem universellen Gesetz der Lautentsprechung.
Der Artikel stellt mehrere Anwendungsschemata dieses Prinzips vor, die zu unterschiedlichen Transpositionsergebnissen führen; erörtert werden die bei der Zusammenstellung von The Dictionary of the Kretinga Dialect von Juozas Aleksandravičius angewandten Transpositionsprinzipien für Lemmata und ihre Hauptformen; außerdem werden problematische Fälle der Transposition behandelt.
Der lexikalische Reichtum der litauischen Sprache wird heute durch Dialektdaten aus jährlich erscheinenden Dialektwörterbüchern bereichert, in denen nicht nur neue Wortbedeutungen festgehalten werden, sondern auch neue Wörter und Wortformen vorkommen. Die genaue Darstellung des dialektalen Wortschatzes in Wörterbüchern, seine Authentizität und seine Wechselbeziehungen zu den Formen der Standardsprache sind besonders wichtig bei der Zusammenstellung lexikalischer Ressourcen, die den gesamten Bereich der litauischen Sprache abdecken, etwa Lietuvių kalbos žodynas (im Folgenden LKŽ). Die bei der Erarbeitung dieses Wörterbuchs präzisierten Transpositionsrichtlinien1 werden auf die in jüngster Zeit rasch zunehmende Zahl von Wörterbüchern einzelner Dialekte oder Mundarten übertragen.
Eine zuverlässige und linguistisch fundierte Transposition phonetischer Erscheinungen des Dialekts löst nicht nur Fragen der Darstellung von Wörtern und Belegen, sondern auch mitunter recht schwierige Probleme der Entsprechung zwischen dem Lautsystem oder den prosodischen Elementen des Dialekts und der Standardsprache, der uneindeutigen Interpretation dialektaler Erscheinungen und Ähnlichem. Dies ist nicht nur eine technische Aufgabe bei der Erstellung eines Dialektwörterbuchs oder dessen wissenschaftlicher Redaktion, sondern auch die Lösung eines wissenschaftlichen Problems: Wie lassen sich dialektale Formen möglichst genau transponieren, sodass dialektale Besonderheiten angemessen wiedergegeben und sogenannte Phantomwörter und nicht existente Formen vermieden werden (solche Ungenauigkeiten treten seit den Anfängen der Arbeit am LKŽ auf, vgl. Būga 1959: 724), die das Bild der phonetischen, akzentuellen und morphologischen Struktur der Dialektformen verzerren. Bei der Erstellung eines Dialektwörterbuchs muss lexikografische Kompetenz daher mit einer besonders guten Kenntnis des Dialekts und Erfahrung in der dialektologischen Arbeit einhergehen, damit eine zweifelhafte Transposition eines Wortes keine nicht existierenden Formen hervorbringt und solche Fälle, die von einer lexikografischen Quelle in eine andere übernommen werden, weder die Dialektfakten noch ihre Interpretation verfälschen.
Die Transpositionsprinzipien werden gewöhnlich bei der Vorstellung eines Wörterbuchs erörtert und unterscheiden sich im Wesentlichen nur hinsichtlich der Interpretation phonetischer Erscheinungen, ihrer wissenschaftlichen Begründung sowie der Transposition
1 Vgl. in der Instruktion von 1963 zum Wörterbuch der litauischen Sprache sind der Behandlung der Transponierung gerade einmal fünfeinhalb Seiten gewidmet (LKŽI 1963: 87–92), während dieses Kapitel 1980 bereits mehrmals so umfangreich ist (LKŽI 1980: 88–104).
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Quellen der Regeln2. Das von LKŽ deklarierte und in etymologischen Wörterbüchern üblicherweise angewandte Hauptprinzip – Wörter strikt regelhaft zu transponieren, unter Berücksichtigung der Besonderheiten der Dialektphonetik (und -morphologie) und anhand von Beispielen für eine allgemeine Lautentsprechung in der Standardsprache (Vitkauskas 2006: 35, 38) – beruht auf der Entsprechung zur Standardsprache3, das heißt, es wird davon ausgegangen, dass die transponierten Formen phonetisch möglichst weitgehend mit dem System der Standardsprache übereinstimmen. Selbstverständlich sind Fälle auszusondern, in denen der Lautwandel unregelmäßig ist und unmittelbar in die transponierte Form übernommen werden muss, das heißt, in denen kein Gesetz der Lautentsprechung (von Phänomenen) wirksam ist.
Die Staatliche Litauische Sprachkommission legte in den durch einen protokollarischen Beschluss der Sitzung vom 21. Dezember 2006 (Empfehlung R-4; Inf. pran., 2007-12-29, Nr. 100) bestätigten Allgemeinen Anforderungen an die Erstellung von Dialektwörterbüchern ebenfalls allgemeine Transpositionsprinzipien fest, die auf der Entsprechung zur Standardsprache beruhen: Regelhafte lautliche Merkmale des Dialekts (der Mundart) und Fälle zurückgezogener Betonung werden gemäß dem Laut- und Akzentsystem des Litauischen in der Standardsprache wiedergegeben; unregelmäßige Merkmale der Wortmorphologie und des Wortaufbaus werden nicht transponiert (siehe Punkt 104).
Nach dem erörterten allgemeinen Transpositionsprinzip ließe sich die Entsprechung eines Dialektphänomens in der Standardsprache als ein geradliniger, schrittweiser Prozess verstehen. Ein ausgesprochener Laut oder ein prosodisches Phänomen wird so genau wie möglich mit Transkriptionszeichen notiert und dann gemäß einer festgestellten phonetischen Regelmäßigkeit in sein standardsprachliches Äquivalent transponiert – einen Laut, eine Intonationskontur usw.
1 SCHEMA
2 Die Genauigkeit und Qualität der Transposition hängen in hohem Maße von der Vielfalt der Quellen ab, das heißt von neuen dialektologischen Untersuchungen und wissenschaftlichen Interpretationen dialektaler Phänomene. So wird in der Anleitung zum Lietuvių kalbos žodynas von 1980 empfohlen, sich bei der Transposition ausschließlich auf die Isoglossen der Karten zu den wichtigsten Merkmalen der litauischen Dialekte von Zigmas Zinkevičius zu stützen (LKŽI 1980: 88); in den Korrekturen zum Lietuvių kalbos žodynas werden dagegen vielfältigere Quellen angeführt, etwa der Litauische Sprachatlas und andere dialektologische Arbeiten (Vitkauskas 2006: 20).
3 In der Anleitung zum LKŽ von 1963 wird der Ausdruck „Dialektformen in die Standardsprache übersetzen“ verwendet (vgl. LKŽI 1963: 87).
4 Internetzugang: http://www.vlkk.lt/lit/programos/zodynu-reikalavimai.html#tarmes, abgerufen am 2012-04-22.
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Selbstverständlich gibt es einzelne unregelmäßige Veränderungen, auf die das Gesetz der Lautentsprechung nicht angewendet werden kann; solche Fälle sind jedoch gewiss nicht zahlreich. Zu nennen wären etwa die Anpassung einiger Lehnwörter, die fehlende Anpassung neuer Wörter an regelhafte phonetische Merkmale sowie sporadischer Lautwandel und Ähnliches.5
Dennoch ist das Ergebnis der Anwendung des allgemeinen Prinzips nicht immer eindeutig und einfach: Dieselben phonetischen Phänomene können unter denselben Bedingungen auf unterschiedliche Weise transponiert werden, obwohl dabei dieselbe allgemeine Entsprechungsregel angewendet wird. In komplexeren Fällen, in denen die anzuführenden Dialektformen keine besonderen Merkmale aufweisen, die eine Bestimmung genauer Entsprechungen ermöglichen, empfiehlt Vytautas Vitkauskas, Belege aus jenen Mundarten heranzuziehen, in denen die Entsprechung klar und unstrittig ist (Vitkauskas 2001: 36). Auf diese Weise werden die Belege eines Dialekts nicht als Einheiten eines eigenständigen Dialektsystems interpretiert, sondern in die Gesamtheit der dialektalen Entsprechungen aufgenommen und üblicherweise mit dem System der Standardsprache in Einklang gebracht. Folglich reicht es bisweilen nicht aus, lediglich eine regelhafte Entsprechung festzustellen; man muss auch berücksichtigen, wie diese Entsprechung im System der Standardsprache funktioniert und mit den Entsprechungen anderer Dialekte zusammenpasst.
2 S C H E M A
Die Unterschiede zwischen den beiden erörterten Auffassungen veranschaulicht guta und e die Transposition in Wörterbüchern von Unterdialekten, in denen betonte kurze Vokale gelängt werden, vgl.: Im Kupiškėnai-Wörterbuch wird das Wort lemã.na. als liemėnė transponiert, nõ.mas als nàmas. Hier wird die regelhafte Entsprechung unter Berücksichtigung des Quantitätssystems des Dialekts befolgt, wobei berücksichtigt wird, dass die Kupiškėnai von Natur aus kurze Vokale bis zu halblangen Vokalen längen und dass a, e historisch tatsächlich kurz waren. Eine solche Transposition ist jedoch nicht üblich: In der Standardsprache werden die von Natur aus kurzen Vokale a und e gewöhnlich durch die Betonung gelängt; daher werden im LKŽ die Formen liemėnė und nàmas angegeben, ohne eine mögliche unterschiedliche Entwicklung dieser Lau-
5 Daugiau atvejų žr. Vitkauskas 2001: 17–20.
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… die Interpretation ihrer Entwicklung in den Dialekten. Vgl. Aleksas Girdenis: Obwohl er einräumt, dass an dieser Stelle auch für die Žemaiten die Übertragung des Kurzvokals genauer wäre, entscheidet er sich selbst ebenfalls nicht dafür, weil dies unseren dialektologischen Traditionen zu sehr widerspricht (Girdenis 2008: 23, Fn. 12).
Diese Beispiele sind keine sporadischen Einzelfälle; die Wechselwirkung zwischen Dialektformen und transponierten Formen ist also wesentlich komplexer als eine bloße Entsprechung von Lauten oder Phänomenen zur Form der Standardsprache. Dies kann teilweise auch mit der subjektiven Interpretation des Autors zusammenhängen, etwa damit, wie er traditionell als regelmäßig geltende Fälle beurteilt, die eindeutige Entsprechungen in der Standardsprache haben; vgl. im Wörterbuch der Gegend von Daukšiai würden die Transposition der langen akutierten Vokale gýrn̄os, múrgdyti usw. darauf hindeuten, dass der Autor diese Veränderung für regelmäßig hält6.
Die Unterschiede zwischen den transponierten Formen sind somit vor allem durch die gewählte Auffassung vom Verhältnis zwischen Dialektformen und Formen der Standardsprache bedingt. Anders gesagt: Wird eine Form einfach in Entsprechungen der Standardsprache transponiert, wobei der Dialekt als eigenständiges Sprachsystem betrachtet und lediglich die Herkunft der Laute sowie ihre historische Entwicklung berücksichtigt werden (siehe Schema 1), oder werden auch die Entsprechungen anderer Dialekte und die Standardsprache einbezogen, das heißt, werden bei zwei möglichen Interpretationen eines Dialektphänomens diejenigen ausgewählt, die dem System der Standardsprache besser entsprechen (siehe Schema 2)?“
Wie werden diese Schemata in einer der neuesten Quellen zur Lexik des Žemaitischen, Juozo Aleksandravičiaus Wörterbuch des Kretinga-Dialekts? angewandt? Welche Prinzipien für die Transposition der Stichwörter und ihrer Grundformen hatte der Autor vorgesehen, und was änderte sich bei der Bearbeitung des Wörterbuchs? Es sei darauf hingewiesen, dass die meisten Besonderheiten der Transposition und praktische Aspekte der Bearbeitung hier nicht behandelt werden, da sie bereits im einleitenden Wörterbuchartikel erörtert wurden (Vaišnienė 2011: XXIX–XXXIII). Im Folgenden wird auf die im Wörterbuch angeführten Beispiele Bezug genommen.
Der Wörterbuchautor Juozas Aleksandravičius hatte, nachdem er das Manuskript zur Drucklegung eingereicht hatte, nicht mehr die Zeit, es von Anfang bis Ende durchzulesen, zu vereinheitlichen und über die Darstellung der zu erörternden Wörter oder Formen zu entscheiden. Einige Probleme konnten noch mit dem Autor besprochen werden; zahlreiche linguistische Fragen blieben jedoch offen. Antworten darauf wurden anhand neuerer Untersuchungen und Quellen zum Nord-Žemaitischen, insbesondere zum Kretinga-Dialekt, gesucht. Es muss eingeräumt werden, dass verlässliche Daten für Entscheidungen zu problematischen Fragen der Stammvermischung und Akzentuierung nicht immer ausreichten; in solchen Fällen wurde bei der Bearbeitung daher stärker die Auffassung des Autors berücksichtigt. Andererseits hatte sich auch die Auffassung des Autors zu einigen erörterungsbedürftigen phonologischen und morphologischen Phänomenen verändert; bei manchen war er zu keiner eindeutigen Entscheidung gelangt. Davon zeugen alternative mögliche Varianten, Fragezeichen oder Randbemerkungen in Klammern.
6 Obwohl sich vermuten lässt, dass diese ungewöhnliche Entscheidung nur deshalb getroffen wurde, weil dieses Merkmal des Lautsystems besonders auffällig und spezifisch ist (vgl. Labutis 2002: 6).
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Nach einem Überblick über die Unregelmäßigkeiten der Transposition im Manuskript und die zu bearbeitenden Fälle lässt sich feststellen, dass Aleksandravičius bei der Erstellung des Wörterbuchs des Kretinga-Dialekts zwei Prinzipien für das Zusammenwirken des gesprochenen Lauts und des transponierten Buchstabens angewandt und dadurch nicht ganz genaue transponierte Formen geschaffen hat. Allerdings befolgte er diese Prinzipien nicht immer konsequent; vermutlich hatte er sie sich also nicht ausdrücklich formuliert, sondern entschied jeweils im Einzelfall.
Prinzip I. Direkte Übertragung der phonetischen Dialektform in die Standardsprache, wobei nur dialektale Regelmäßigkeiten berücksichtigt werden. Grundlage des transponierten Lauts ist der tatsächlich gesprochene Dialektlaut, der transkribiert und direkt in die transponierte standardsprachliche Form übertragen wird, sofern kein regelmäßiger phonetischer Lautwandel vorliegt, vgl.:
Dieses Prinzip stimmt teilweise mit Transpositionsschema 1 überein, bei dem nur regelmäßige dialektale Entsprechungen berücksichtigt werden. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass man bei der herkömmlichen Transposition üblicherweise auch universelle phonetische Lautveränderungen berücksichtigt – Assimilation, Akkommodation, Degeminierung usw. – und sie als regelmäßig, wenn auch nicht als dialektal, bewertet. Offenbar betrachtete Aleksandravičius nur regelmäßige dialektale Entsprechungen als phonetische Veränderungen, die durch Entsprechungen der Standardsprache transponiert werden sollten.
Als Beispiele für eine ungeeignete Anwendung des besprochenen Prinzips lassen sich die folgenden Fälle anführen:
• Obwohl der Autor bei der Transkription eine morphologische Wiedergabe der Konsonanten gewählt hatte, befolgte er dieses Prinzip in den Verbindungen nb, np nicht; diese werden in der Transkription entsprechend der phonetischen Aussprache wiedergegeben – aufgrund der Akkommodation verändert zu mb, mp. Da dies eine universelle phonetische und keine regelmäßige dialektale Veränderung ist, überträgt Aleksandravičius bei Anwendung des Prinzips der direkten Entsprechung in der Standardsprache das m aus den transkribierten Beispielen konsequent in die transponierten Stichwörter, z. B.: sémbernis, šiempjūtė usw.
Übrigens sei darauf hingewiesen, dass Fehler bei der Transposition im Fall der Assimilation von Konsonanten nach der Beteiligung der Stimmbänder vermieden wurden, da der Autor in der Transkription
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hielt konsequent am morphologischen Prinzip der Konsonantenschreibung fest. Es bleibt nur zu spekulieren, warum im hier erörterten Fall der Akkommodation eine andere Interpretation der Konsonanteninteraktion gewählt wurde.
• Ähnlich verhielt es sich auch bei den Geminaten: In den transkribierten Beispielen wird das morphologische Prinzip der Konsonantenschreibung nicht beachtet, sondern nur einer der beiden identischen Konsonanten geschrieben. Dies wurde auch auf die Stichwörter übertragen, z. B.: ādaras, ādrēkis, dālkotis, saūšakė usw.7
Prinzip II. Konstruktion der Entsprechung nach den Gesetzmäßigkeiten, nach denen ein Laut gleicher Herkunft in der Standardsprache funktioniert. Die nach diesem Prinzip transponierten Formen gaben wohl am meisten Anlass zu Diskussionen, denn die Wahl der Entsprechung – in manchen Fällen sogar ihre theoretische Konstruktion – hängt mit einer subjektiven Interpretation zusammen und kann davon abhängen, wie ein regelmäßiges oder, nach Ansicht des Autors, etymologisch gleichartiges Pendant in der Standardsprache funktioniert (vgl. Transpositionsschema 2). So wird beispielsweise dem Prinzip ausnahmslos gefolgt, auch in den Fällen, in denen a und e in der Standardsprache kurz bleiben, wenn man die Regel berücksichtigt, dass betontes a und e in der Standardsprache gewöhnlich zu Langvokalen gedehnt werden; siehe das erste Beispiel:
Das zweite Beispiel ist komplexer: Die Wörter des femininen Stammes *i̯ā im Kretingaer Dialekt tendieren dazu, in den Stamm *ē̯ überzugehen; folglich führt Aleksandravičius in seiner Dissertation Kretingos tarmė aus, dass die Paradigmen beider Stämme im Wesentlichen übereinstimmen (Aleksandravičius 1967: 195). Offenbar interpretiert der Autor dies so, dass sie im System der Standardsprache als identische Formen funktionieren sollten. Der Autor hielt konsequent an der Auffassung fest, dass ein Laut im absoluten Wortauslaut, der aus *ē̯ verkürzt wurde und in der Standardsprache ē entspricht, in der Transkription mit einem Sonderzeichen – ę – wiederzugeben ist.
7 Daugiau pavyzdžių žr. Vaišienė 2011: XXX–XXXI.
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Folglich sollte ein solcher Laut in allen Fällen in die Standardsprache als ė transponiert werden, z. B.: saujė > saujė, kūojė > kójė, mėlninčė > mėlninčė, dešinúojė > dešinójė usw.
Schwierigkeiten entstehen, wenn diese Endung betont ist, da ihr Vokal kurz ist und daher in betonter Position nicht als ė transponiert werden kann, z. B.: áldabėjė, dvàšė. Nach dem erörterten Prinzip müsste derselbe transkribierte Laut durch dieselbe Entsprechung in der Standardsprache transponiert werden – in allen Fällen entspräche ę einem ė, z. B. aldabijė, dvasė usw. Doch wie lassen sich die Länge des ė und die Betonung miteinander vereinbaren, wenn die letzte Silbe des Wortes kurz ist? Im Manuskript versuchte der Autor, einen Kompromiss zu finden: Er ließ die Endung des Stichworts -ià stehen und vermerkte daneben in Klammern, dass das Wort zum ė-Stamm gehört, z. B. aldabijà (ė-Stamm), dvasìà (ė-Stamm). Bei der Vorbereitung des Wörterbuchs für den Druck wurden in diesen Fällen die Belegbeispiele berücksichtigt, da einige Kasus, etwa der Lokativ Singular, den Wortstamm eindeutig erkennen lassen. Gibt es keine Belegbeispiele, die den Stamm genau erkennen lassen, wurde dem Prinzip gefolgt, dass unbetonte Wortendungen -ė lauten und betonte Endungen -ià (auf die unterschiedliche Entwicklung der Flexion des Stammes *i̯ā weist auch Vladas Grinaveckis hin: Wörter mit Stammbetonung gingen in den Stamm *ē über, während die mit Endungsbetonung erhalten blieben (Grinaveckis, 1973: 141)8.
Hier werden nur einige wenige, einigermaßen konsequent transponierte Beispiele für schwierigere Fälle angeführt, die sich als Ergebnis der Anwendung der erörterten Prinzipien erklären lassen. Bei der Redaktion ähnlicher Fälle wurden die transponierten Stichwörter des Kretingos tarmės žodyno nach folgenden Grundsätzen überprüft:
1) Wo möglich, wurden Belegbeispiele und das Analogieprinzip herangezogen;
2) wenn es keine eindeutigen Belegbeispiele gab, wurde die vom Autor notierte Form beibehalten; offenkundig bedürfen die Probleme der Darstellung einiger strittiger Fälle jedoch weiterer Untersuchung.
Es sei darauf hingewiesen, dass die im Artikel formulierten Prinzipien ausschließlich auf den Daten einer einzigen Quelle beruhen – dem Kretingos tarmės žodynu –, doch ist offenkundig, dass sie sich zumindest teilweise auch auf die Analyse problematischer Fälle der Transponierung von Dialektwörtern in anderen Wörterbüchern anwenden lassen. Es sei darauf hingewiesen, dass sich in neueren Wörterbüchern kaum Fälle finden, in denen eine dialektale phonetische Form unmittelbar in die Standardsprache übertragen wird (es sei denn, wie im erwähnten Fall des Daukšių krašto žodyno, wird das dialektale Phänomen anders als üblich bewertet). Die schwierigsten Transpositionsfälle hängen mit der theoretischen Wahl der Entsprechung zusammen, die davon abhängt, wie ein regelmäßiges oder etymologisch gleichartiges Pendant in der Standardsprache funktioniert. Ist die Natur des Phänomens nicht hinreichend erforscht, hängt die wissenschaftliche Begründung der Transponierung stark von der subjektiven Interpretation des Autors ab.
8 Vielleicht läge hier ein neuer e-Stamm vor, der in der žemaitische Dialekt nach Ansicht von Aleksas Girdenis durch Äußerungen wie jaunystė: durnystė nahegelegt würde (Girdenis, 1996, 83). Vytautas Vitkauskas zufolge lohnt es sich wohl kaum, hier nach einem neuen Stamm zu suchen; vielmehr sollte man dies als Vermischung von Stämmen interpretieren (Vitkauskas, 2001, 76, Fußnote 7).
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LITERATŪRA
Aleksandravičius Juozas 1967: Kretingos tarmė. Filologijos mokslų kandidato laipsnio disertacija. Vilnius.
Aleksandravičius Juozas 2011: Kretingos tarmės žodynas. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas.
Babickienė Zofija, Birutė Jasiūnaitė, Angelė Pečeliūnaitė, Rūta Bagūzytė 2007: Centrinė šiaurės žemaičių kretingiškių tarmė: Tarmės tekstai su komentarais ir žodynėliu. Vilnius: Baltos lankos.
Būga Kazimieras 1959: Rinktiniai raštai 2. Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla.
Girdenis Aleksas 1996: Taip šneka tiršliškiai: Šiaurės žemaičių telšiškių tekstai su komentarais. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla.
Girdenis Aleksas 2008: Žemaičių dzūkai: Tekstai su komentarais. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas.
Grinaveckis Vladas 1973: Žemaičių tarmių istorija. Vilnius: Mintis.
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LKŽI 1963 (II leidimas 1980) – „Lietuvių kalbos žodyno“ instrukcija. Vilnius: Lietuvių kalbos ir literatūros institutas.
Tarmių (šnektų) žodynų rengimo bendrieji reikalavimai. Interneto prieiga: http://www.vlkk.lt/lit/programos/zodynu-reikalavimai.html#tarmes.
Vaišnienė Daiva 2011: „Kretingos tarmės žodynas“: pagrindiniai medžiagos pateikimo principai. – Kretingos tarmės žodynas, XX–XXXVII.
Vitkauskas Vytautas 2001: Lietuvių kalbos tarmių morfoneminiai reiškiniai. Vilnius: Žara.
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Vosylė Kle멘tina 2010: Kupiškėnų tarmės žodynas I–O. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas.
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The Dictionary of the Kretinga Dialect by Juozas Aleksandravičius: Principles of transposition and problematic cases
SUMMARY
The compilation of a dialect dictionary is not only related with the problems of presentation of words and illustrations but also with rather delicate problems of equivalence of the sound system or prosodic elements of the dialect and the standard language, as well as ambiguous interpretation of dialectal phenomena. Nevertheless, in dialectal dictionaries the same phonetic phenomena can be variously transposed under the same conditions, even though the general principle is applied – the transposition in strict compliance with consistent patterns, following a universal law of equivalence of sounds. The article presents several schemes of application of this principle determining varying transposition results; the problematic principles of transposition of headwords and their principal forms applied in the compilation of the dictionary of the Northern Samogitian dialect The Dictionary of the Kretinga Dialect by Juozas Aleksandravičius are also discussed; the cases of problematic transposition are addressed: a) a dialectal phonetic form is directly transposed to the standard language taking into account the dialectal consistent patterns exclusively, with no regard to the universal phonetic sound changes – assimilation, accommodation, degemination, etc.; b) the choice of equivalence of a dialectal form depends on the functioning of a regular equivalent or, according to the author, an equivalent of identical origin, in the standard language.
Įteikta 2012 m. rugsėjo 14 d.
DAIVA VAIŠNIENĖ
Lietuvos edukologijos universitetas
Taraso Ševčenkos g. 31, LT-03111 Vilnius, Lietuva
[email protected]
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