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„Baltu valodu atlants. Prospekts = Baltų kalbų atlasas. Prospektas = Atlas of the Baltic languages. A prospect“

Christiane Schiller

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187recenzijos / reviews christiane schiLLer humboldt-universität zu berlin Wissenschaftliche forschungsrichtungen: Preußisch-litauische Lexikografie, onomastik, baltisch-deutsche sprach-, Literaturund kulturbeziehungen. baLtu VaLodu atLants. ProsPekts = baLtŲ kaLbŲ atLasas. ProsPektas = atLas of the baLtic Languages. a ProsPect sudarytojos ir įvado autorės: danguolė Mikulėnienė, anna stafecka; žemėlapių komentarų autorės: ilga jansone, anna stafecka, rima bacevičiūtė, asta Leskauskaitė; žemėlapių kompiuterinį variantą parengė edmundas trumpa. rīga: Latvijas universitātes Latviešu valodas institūts, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2009, 183 p. isbn 978-9984-742-49-6 Der hier zu besprechende Prospekt eines atlasses der baltischen sprachen ist, wie der mehrsprachige titel es bereits erkennen lässt, ein lettisch-litauisches gemeinschaftswerk. Verantwortlich dafür zeichnen anna stafecka vom institut für lettische sprache der universität Lettlands in riga und danguolė Mikulėnienė vom institut für litauische sprache in Vilnius. er handelt sich dabei um einen Probeband, der die notwendigkeit eines solchen gemeinschaftsprojektes aufzeigen und Möglichkeiten der inhaltlichen und kartografischen realisierung aufzeigen soll. in anbetracht dessen, dass die litauischen und lettischen dialekte und Mundarten durch den einfluss der standardsprachen zunehmend nivelliert werden, ist es ein anliegen der herausgeber, die Lexik der dialekte zu dokumentieren und deren Verteilung kartografisch darzustellen. 188 christiane schiLLer acta Linguistica Lithuanica LXX die datenbasis des atlasses stützt sich auf die litauischen und lettischen sprachatlanten: Lietuvių kalbos atlasas (bd. 1: Leksika. Vilnius, 1977) (Lka), Latviešu valodas dialektu atlants (Leksika. rīga, 1999) (LVda) sowie auf datenmaterial, das vom institut für lettische sprache der universität Lettlands in riga und vom institut für litauische sprache in Vilnius für den Atlas Linguarum Europae (aLe) zusammengetragen wurde. diesen daten zugrunde liegen erhebungen, die seit den 1960er jahren durchgeführt wurden. insofern spiegelt sich in den dargebotenen sprachkarten die dialektsituation der zweiten hälfte des 20. jahrhunderts wider. die konsequent dreisprachige ausgabe (lettisch, litauisch, englisch) gibt eine profunde einführung in die Problematik. sie beginnt mit einer Überblicksdarstellung Lebende und tote baltische Sprachen (s. 15–29), die zunächst die gliederung der baltischen sprachen vorstellt und dann ausführlich insbesondere auf die ausgestorbenen baltischen sprachen: kurisch, semgallisch, selisch, altpreußisch, jotwingisch und schalauisch eingeht. die lebenden sprachen Litauisch, Lettisch und Lettgallisch werden an dieser stelle vergleichsweise kurz behandelt. es folgen eine beschreibung und klassifikation der lettischen (s. 25–29) und litauischen dialekte (s. 30–34) sowie ein Überblick über die entwicklung der geolinguistischen forschungen bezogen auf die lettische (s. 35–39) und auf die litauische sprache (s. 40–44). die einführung schließt ab mit einer beschreibung der gestaltungsprinzipien der karten und kommentare (s. 45–49) sowie mit einer darstellung der Prinzipien der phonetischen transkription für die lettischen (s. 50– 53) und die litauischen dialekte (s. 54–57). einen großen raum nimmt der kommentarteil ein (s. 61–134). in den kommentaren werden die für das jeweilige Wortfeld relevanten etyma mit ihren einzelsprachlichen entsprechungen vorgestellt, ihre Verbreitung beschrieben, etymologisiert und das Vergleichsmaterial aus den anderen indogermanischen sprachen, das hauptsächlich aus den lange Zeit einschlägigen etymologischen Wörterbüchern, d.h. dem Litauischen Etymologischen Wörterbuch von ernst fraenkel, heidelberg 1955–1965 sowie dem Latviešu etimoloģijas vārdnīca, rīga 1992 bezogen wird, präsentiert. belege aus historischen lexikografischen Werken und aus den dialekten ergänzen die darstellung. Zuweilen, z.b. im kommentar zu storch, wird auf die mythologische bedeutung des begriffs eingegangen. ab s. 135 schließt sich der kartenteil an. diesem vorangestellt sind Übersichtskarten der lettischen (s. 137) und litauischen dialekte (s. 139), in denen die datenerhebungspunkte angegeben sind. die karten sind als farbige Punktsymbolund flächenkarten oder als kombination von beiden, in abhängigkeit von den darzustellenden Verhältnissen, ausgeführt. in den Punktsymbolkarten sind jeweils die zentralen datenerhebungspunkte gekennzeichnet, für die flächenkarten sind diese anhand der beigegebenen folien mit den rastern der datenerhebungspunk- Baltu valodu atlants. Prospekts = Baltų kalbų atlasas. Prospektas = Atlas of the Baltic languages. A prospect 189recenzijos / reviews te, die über die jeweilige karte gelegt werden können, zu erschließen. ausschließlich als Punktsymbolkarte sind die karten zu hiMMeL und storch gestaltet. diese tatsache ist dem umstand geschuldet, dass die den beiden karten zugrundeliegenden daten in erster Linie im Zusammenhang mit dem Atlas Linguarum Europae (aLe) erhoben wurden, für den ein weitmaschigeres netz der erhebungspunkte zugrunde gelegt wurde, so dass die isoglossen nicht präzise bestimmt werden können. neben den bereits in den dialektkarten beider Länder nicht berücksichtigten und weiß markierten territorien der größeren städte (für Lettand sind das riga und daugavpils, für Litauen Vilnius, kaunas, klaipėda, Šiauliai und Panevežys) bleiben in den karten aufgrund anderssprachiger bevölkerungsmehrheiten das gesamte gebiet westlich von Vilnius, sowie gebiete südlich von daugavpils sowie im südwestlichen und westlichen Latgallen unmarkiert. hingegen haben in der tradition der litauischen dialektologie die litauischen sprachgebiete und sprachinseln außerhalb Litauens bei der darstellung berücksichtigung gefunden. im anhang schließlich werden eine Übersicht der datenerhebungspunkte für den Lettischen sprachatlas (LVda) (s. 167–169) und den Litauischen sprachatlas (Lka) (s. 170–177), ein Literatur- (s. 177–182) und ein abkürzungsverzeichnis (s. 183) angeführt. für den Prospekt sind 12 sprachliche konzepte ausgewählt worden, durch die ein möglichst breites semantisches spektrum abgedeckt werden sollte. im einzelnen sind das: hiMMeL (lett. mākonis, lit. debesis), (bauM)WiPfeL (lett. (koka) galotne, lit. (medžio) viršūnė), WachoLder (lett. paeglis/kadiķis, lit. kadagys), KröTe (lett. krupis, lit. rupūžė), taube (lett. balodis, lit. karvelis), feLdLerche (lett. cirulis, lit. vieversys), storch (lett. stārķis, lit. gandras), kohLrÜbe (lett. kālis, lit. griežtis), WinterWeiZen (lett. (ziemas) kvieši, lit. (žieminiai) kviečiai), kornkasten (lett. apcirknis, lit. aruodas), heuschober (lett. stirpa, lit. stirta), schMied (lett. kalējs, lit. kalvis). jeder karte sind die jeweils standardsprachlichen entsprechungen sowie eine fotografische abbildung für das kartografisch dargestellte sprachliche konzept zugeordnet. die auswahl dokumentiert neben der semantischen breite der sprachlichen konzepte die Vielfalt und komplexität der darzustellenden Phänomene, denen durch die anpassung der darstellungsmöglichkeiten rechnung getragen werden muss. so präsentiert der Prospekt die karte zu WinterWeiZen als flächenkarte, die zur darstellung der Verteilung der beiden etyma im litauischen und lettischen sprachgebiet mit zwei farben auskommt, wobei lett. pūri/pūŗi, lit. pūrai für die in kurland gesprochenen lettischen dialekte und einige inseln in Livland und Lettgallen sowie für gebiete der westund nordžemaitischen dialekte in Litauen, lett. (ziemas) kvieši, lit. (žieminiai) kviečiai für das übrige lettische und litauische sprachgebiet gilt. eine ähnlich geringe komplexität zeigt die karte zu 190 christiane schiLLer acta Linguistica Lithuanica LXX taube, die zur darstellung der Verteilung der beiden etyma (lett. baluodis/lit. balandis für das gesamte lettische sprachgebiet und die žemaitischen dialekte in Litauen, lit. karvelis für das aukštaitische sprachgebiet in Litauen) ebenfalls als zweifarbige flächenkarte ausgeführt ist, wobei zusätzlich schraffur für ein Mischgebiet von lit. karvelis/balandis entlang der grenze von aukštaitischem und žemaitischem sprachgebiet zum einsatz kommt. am anderen ende der komplexitätsskala einzuordnen ist die karte zu heuschober, die als kombinierte flächenund Punktsymbolkarte ausgeführt ist, in der flächen in acht farben und farbnuancen sowie 18 Punktsymbole verwendet werden. flächenkarten bzw. in kombination mit Punktsymboldarstellung zeigen in sprachatlanten die prägnanteste grafische darstellung. insofern wäre es zu wünschen, dass die bisher nur in Punktsymboldarstellung ausgeführten karten, die auf der grundlage der daten aus dem Atlas Linguarum Europae (aLe) erstellt wurden, um die angaben aus den fehlenden erhebungspunkten ergänzt werden könnten, sodass perspektivisch auch für karten zu diesen sprachlichen konzepten eine realisierung als flächenkarte bzw. kombinierte flächenkarte möglich wäre. betrachtet man die im Prospekt präsentierten ersten ergebnisse der Zusammenarbeit der lettischen und litauischen dialektologen kommt man schnell zu dem ergebnis, dass ein solches gemeinschaftsprojekt längst überfällig war. Zwar sind die dem Projekt zugrundeliegenden einzelsprachlichen sprachatlanten Lka und LVda für dialektologen und sprachwissenschaftler noch heute wichtige, unschätzbare hilfsmittel, doch ermöglicht erst die Präsentation des litauischen und lettischen datenmaterials in einer karte über die grenzüberschreitenden isoglossen für einzelne etyma die Visualisierung von sprachverwandtschaft. daneben werden über diese art der darstellung auch die auswirkungen von sprachkontakt greifbar, wie etwa in der karte zu schMied, die die ausbreitung des slawischen Lehnwortes lit. kavõlius/kavõlis < poln. kowal, weißruss. каваль in dem ursprünglichen, grenzüberschreitenden Verbreitungsgebiet für kalvis dokumentiert. durch die konsequent dreisprachige ausführung erschließt sich der atlas einem großen nutzerkreis. die art der grafischen darstellung beschränkt diesen, wie die bisherigen sprachatlanten Lka und LVda, nicht nur auf sprachwissenschaftler, sondern ermöglicht auch Lehrern und schülern wie auch anderen linguistischen Laien großen nutzen daraus zu ziehen. der vorliegende band ist nicht nur ein nützliches, sondern auch ein typografisch äußerst ansprechendes buch, für dessen gestaltung in der bewährten tradition der litauischen buchkunst der litauische buchkünstler alfonsas Žvilius verantwortlich zeichnet. geplant ist das Projekt des baltischen sprachatlasses laut der herausgeber für 500 sprachliche konzepte. es verspricht neben einer im Vergleich zu den bishe- Baltu valodu atlants. Prospekts = Baltų kalbų atlasas. Prospektas = Atlas of the Baltic languages. A prospect 191recenzijos / reviews rigen referenzwerken beider sprachen, dem Lka und LVda, nutzerfreundlicheren Präsentation der sprachdaten vielfach neue erkenntnisse für die sprachgeschichte der baltischen sprachen. es bleibt zu wünschen, dass dieses ambitionierte Projekt fortgesetzt werden kann und diesem Prospekt noch viele bände folgen werden. Įteikta 2014 m. gegužės 21 d. christiane schiLLer Humboldt-Universität zu Berlin institut für deutsche Sprache und Linguistik Unter den Linden 6, D-10099 Berlin, Deutschland [email protected]