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Joniškiečių vyrų asmenvardžių darybos tendencijos seniausioje Lietuvoje 1599–1621 m. Joniškio krikšto metrikų knygoje

Alma Ragauskaitė

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ALMA RAGAUSKAITĖ Institut für Litauische Sprache Forschungsschwerpunkte: historische Anthroponomastik, historische Toponomastik. TENDENZEN DER BILDUNG MÄNNLICHER PERSONENNAMEN DER BEWOHNER VON JONIŠKIS IM ÄLTESTEN TAUFREGISTERBUCH VON JONIŠKIS IN LITAUEN AUS DEN JAHREN 1599–1621 Tendenzen der Bildung männlicher Personennamen der Bewohner von Joniškis im ältesten Taufregisterbuch von Joniškis in Litauen aus den Jahren 1599–1621 ZUSAMMENFASSUNG Zu den wertvollsten Dokumenten der historischen Anthroponomastik der Stadtbewohner Litauens im 16.–18. Jahrhundert gehören Stadtaktenbücher, Inventare, kirchliche Registerbücher (Tauf-, Trauungs- und Sterberegister) sowie weitere historische Quellen jener Zeit. Von besonderem Interesse ist das chronologisch einzigartige und, wie heute bekannt ist, älteste Taufregisterbuch Litauens, das Taufregisterbuch von Joniškis aus den Jahren 1599–1621. In diesem Artikel werden unter dem Aspekt der Wortbildung 168 männliche Personennamen von Bewohnern Joniškis’ (die zweiten Bestandteile zweigliedriger Einträge) analysiert, die diesem Buch entnommen wurden. SCHLÜSSELWÖRTER: Joniškis, Bewohner von Joniškis, Taufregisterbuch, historische Anthroponomastik, historischer Personenname, Wortbildung. ANNOTATION Stadtregisterbücher, Inventare, Kirchenbücher (für Tauf-, Trau- und Sterbeeinträge) sowie andere historische Quellen gehören zu den wertvollsten Dokumenten zur historischen Anthroponymie der Stadtbevölkerung Litauens aus dem 16th–18th. Jahrhundert. Besonders bemerkenswert ist das chronologisch einzigartige Taufregisterbuch von Joniškis aus den Jahren 1599–1621, das derzeit als ältestes bekanntes Buch dieser Art in Litauen gilt. Der Artikel behandelt 168 männliche Personennamen Straipsniai / Articles 177 ALMA RAGAUSKAITĖ aus Joniškis (zweite Bestandteile zweigliedriger Namensgebungen), die aus diesem Buch gesammelt wurden, unter wortbildungsmorphologischem Gesichtspunkt. SCHLÜSSELWÖRTER: Joniškis, Einwohner von Joniškis, Taufregisterbuch, historische Anthroponymie, historisches Anthroponym, Wortbildung. EINLEITUNG Die historischen Anthroponyme der Einwohner der alten Pfarrei Joniškis sind bereits untersucht worden. Zunächst wurde ein Teil der litauischen Personennamenformen aus dem ältesten Taufregisterbuch einer Pfarrei in Litauen, dem von Joniškis aus den Jahren 1599–1621, veröffentlicht (Garliauskas 1998: 152–153). Etwas später wurden die wenigen Einträge zu den Männern aus Joniškis mit litauischen Beinamen behandelt, die aus dieser kirchlichen Quelle gesammelt worden waren (Ragauskaitė 1999: 155). Nach der Analyse von 186 Personennamen aus Joniškis aus demselben Zeitraum wurde festgestellt, dass unter den rekonstruierten litauischen Anthroponymen nichttaufnamiger Herkunft Beinamen am häufigsten sind, während die rekonstruierten Personennamen taufnamiger Herkunft überwiegend aus verschiedenen Formen christlicher Namen hervorgegangen sind (Ragauskaitė 2004: 16–17). In einer späteren Veröffentlichung wurde die Verwendung litauischer Suffixe in den Anthroponymen der Frauen aus Joniškis vom Ende des 16. bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts behandelt (Garliauskas 2004: 21–22; Ragauskaitė 2005: 66–67). Die detaillierte Analyse von 122 Personennamen ergab, dass 32 (das entspricht 26%) mit den litauischen Suffixen -aičia, -yčia, -ienė, -(i)učia belegt sind, die übrigen hingegen mit den slawischen Suffixen -ova, -ona. Drei Personennamen (2,46%) mit einem Suffix des polnischen Typs -sk- wurden den Ableitungen mit der Endung -a zugeordnet. Die rekonstruierten Formen von 32 Anthroponymen der Frauen aus Joniškis wurden mit heutigen litauischen Familiennamen verglichen. Ganze 28 (87,5% aller rekonstruierten) Formen sind im heutigen Namensbestand bekannt (Ragauskaitė 2015: 74; 2016: 64–65). Die Untersuchung der zweigliedrigen Einträge männlicher Dorfbewohner im Taufregisterbuch der Pfarrei Joniškis aus den Jahren 1599–1621 ergab, dass ein Teil ihrer zweiten Anthroponyme litauischer Herkunft ist (Ragauskaitė 2019: 25–26; 2019a: 57; 2019b: 81–82). Angesichts der Besonderheiten der Benennung der Männer und Frauen der Pfarrei Joniškis sowie der Bildung und Herkunft ihrer Eigennamen und weiterer Aspekte erscheint die Erforschung der historischen Anthroponymie der Stadt relevant und weiterhin geboten. Ziel dieses Artikels ist es, die Situation der Einträge zu den Männern aus Joniškis in den Jahren 1599–1621 zu behandeln und ihre 168 Personennamen (die zweiten Bestandteile zweigliedriger Namensgebungen) unter wortbildungsmorphologischem Gesichtspunkt eingehend zu analysieren. Die Aufgaben dieses Artikels sind: 1) die ersten Bestandteile der zweigliedrigen Einträge (Vornamen) zu untersuchen; 2) die produktivsten Suffixe der zweiten Anthroponyme herauszuarbeiten; 3) Personennamenformen mit litauischen Wortbildungselementen zu rekonstruieren und mit heutigen litauischen Familiennamen zu vergleichen; 4) festzustellen, wie viele und welche Anthroponyme der Einwohner von Joniškis im heutigen Namensbestand nicht mehr gebräuchlich sind. 178 Acta Linguistica Lithuanica LXX Joniškiečių vyrų asmenvardžių darbos tendencijos senosioje Lietuvoje 1599–1621 m. Joniškio krikšto metrikų knygoje Bei der Klassifizierung und Bewertung der historischen anthroponymischen Daten der Einwohner von Joniškis werden folgende grundlegende Methoden angewandt: die deskriptive, die vergleichende und teilweise die statistische Methode¹. Es gilt, das häufigste Benennungsmodell herauszuarbeiten, die häufigsten Personennamensuffixe zu ermitteln und das quantitative Verhältnis zwischen den Gruppen der Patronyme und der Anthroponyme nichtpatronymischer Herkunft zu beschreiben. Das Material für den Artikel wurde aus dem ältesten Taufregister von Joniškis aus den Jahren 1599–1621 erhoben. Es entstand drei Jahrzehnte nach dem Trienter Konzil, das am 11. November 1563 stattfand. Auf diesem Konzil wurde beschlossen, in katholischen Ländern Tauf- und Eheregister einzuführen (Garliauskas 2010: 4; 2016: 17). Der Originaltitel der handschriftlichen Quelle lautet „Liber Baptisatoru[m]² || Ecc[esi]ae Parochialis Jani=||scensis ab Anno 159. – || usq[ue] ad An[num] || 1621. –“. Auf dem Vorsatzblatt findet sich ein weiterer Titel: „CATA: || LOGS. || BAPTISA: || RVM. EC: || CLESIAE. || IANI: || SCEN: || SIS“. Von 1594 bis 1621 war Benediktas Sviechovskis Pfarrer der Kirche Mariä Himmelfahrt in Joniškis. Auf seine Initiative hin wurde diese kirchliche Quelle 1599 erstmals geführt (LKD 79). Das handschriftliche Register wurde von mehreren Personen auf Latein und Polnisch verfasst. Die Formulierungen der Taufeinträge änderten sich allmählich (Garliauskas 1998: 139; 2004: 21–22; 2012: 72; Žilys 2012: 126–127; Ragauskaitė 2015: 56). Aus diesem historischen Dokument wurden 168 zweigliedrige männliche Benennungen exzerpiert. Im Folgenden werden die Besonderheiten der Aufzeichnung der Einwohner von Joniškis erörtert. 1. DIE BENENNUNGSSITUATION DER EINWOHNER VON JONIŠKIS 1.1. Es ist wichtig, genau festzulegen, welche im kirchlichen Quellenwerk verzeichneten Anthroponyme den Einwohnern von Joniškis zuzuordnen sind. Die wichtigsten Identifizierungskriterien für Personennamen des städtischen Standes wurden bereits erörtert (Ragauskaitė 1999: 146; 2000: 94; 2001: 124; 2002: 32–34; 2003: 82; 2004: 8–9; 2005: 18–23; 2006: 81–82; 2009: 227–228; 2014a: 9–10; 2015: 59–61). Verschiedene Vermerke halfen, die Einwohner von Joniškis vom Ende des XVI. bis zum Beginn des XVII. Jahrhunderts zu identifizieren: lat. de Ciuitate „aus der Stadt“, lat. de Ciuitate Ianizek, E ciuitate Ianizki „aus der Stadt Joniškis“, lat. de Janiszki „aus Joniškis“, poln. Janiski „Joniškis“, poln. Z miasta „aus der Stadt“ u. a., z. B.: 1599 Martini Baltuszkačia de Janiszki gen. sg. ĮNŠ 1v³; 1617 Parentes Petrus Budraitis <...> de ciuitate Janiszki ĮNŠ 195v; 1618 Par[entes] Jakub Cekutis <...> de Ciuitate Ianizke ĮNŠ 221v; 1603 E ciuitate Janiszki <...> Pat[rini] Gasparus Czepaitis 1 Apie šių metodų taikymą, tiriant istorinę antroponimiją, dar žr. Ragauskaitė 2005: 31. 2 Im Manuskript aufgezeichnete Abbreviaturen wurden aufgelöst. Die Ergänzungen stehen in eckigen Klammern. Bei der Wiedergabe der Personennamen wird versucht, die im historischen Dokument festgehaltenen Originalformen zu bewahren. 3 Alle im Artikel angeführten Personennamen stammen aus dem Register. Zu jedem sind das Jahr, in dem das Anthroponym belegt wurde, die Abkürzung der historischen Quelle und die Blattnummer angegeben. Straipsniai / Articles 179 ALMA RAGAUSKAITĖ JÑ 39; 1618 Pat[rin] Baler Zgobtarz aus der Stadt Ianibek JÑ 20v; 1602 Janiszki <...> Gregorius Daugwilaitis JÑ 35; 1617 Pat[rin] Vrbanas Giednawaytis aus der Stadt Janiszek JÑ 20v; 1599 Stanislaus Jonaitis <...> alle aus Janiszkie JÑ 1; 1609 Aus der Stadt <...> R[odzic] Jerzy Kuialis JÑ 113; 1620 Aus der Stadt <...> Kum Piotr Mißutis JÑ 42; 1618 Pat[rin] Jerzy Nocâjis aus der Stadt Ianibek JÑ 220; 1617 Pat[rin] Czapos Petrajis aus der Stadt Ianibek JÑ 208; 1617 Peter Jan Skatlis aus der Stadt Janiszek JÑ 20v; 1599 Jokuba {s}ure⁴ <...> alle aus Janiszkie gen. sg JÑ 1; 1618 Pat[rin] Baroβ Sγie <...> Stadt Ianibek JÑ 217v; 1620 Ku[m] Grzegorz Worpnik <...> Aus der Stadt JÑ 250v; 1617 Pat[rin] Mikolaj Zemió{c} aus der Stadt Janiszek JÑ 200. Es werden Straßen genannt (Dvaro, Šiaulių, Upytės, Vokiečių, Žagarės u. a.) (siehe auch Ragauskaitė 2015: 59), in denen Einwohner von Joniškis lebten (Eltern der getauften Kinder, Taufpaten), z. B.: 1619 Kum Wojciech Baltrukaitis <...> z miata Zagorskiej Vlici JÑ 232v; 1621 K[um] z miata Vlici dworne iacub Cubius JÑ 262; 1621 Z Miata Vlici Vpickei R[odzic] Adam Grigaitis JÑ 265v; 1621 K[um] z miata Vlici bawelskei Wojciech Iurgaitis JÑ 267; 1621 Z Miata Vlici Niemieki <...> K[um] Mikolai Kiepietuis JÑ 267v; 1621 Z Miata Vlici bawelskei R[odzic] Ian Kow JÑ 268; 1616 Z Miasta z ulicy Zagorskiej Pawel Macais JÑ 192; 1616 z ulicy Niemiekej z miasta jendrej Mazutais JÑ 192v; 1621 K[um] Anton Powilaitis <...> z ulicy bawelskei JÑ 63; 1621 Tomasz Radwilis z miasta Vlici dworne JÑ 266; 1620 K[um] Piotrz Stanulaitis z Vlicy vpickiej z Ianibek JÑ 256; 1621 K[um] z miata Vlici Vpickei Iacub bukuitis JÑ 265; 1621 K[um] z miata Vlici szawleskei Grig Trumpatis JÑ 268; 1619 Kum Grig Walentinas z miata Vlici Vpickej JÑ 235v. 1.2. Die Erstglieder des zweigliedrigen Benennungsmodells sind meist traditionelle christliche Vornamen, z. B.: 1621 Adam JÑ 265v – vgl. den heutigen Vornamen Adõmas (LVKŽ 61); 1600 Ambrosius JÑ 10v; 1621 Ambrozei JÑ 264v – vgl. den heutigen Vornamen Ambraziejus (LVKŽ 73); 1599 Andrem JÑ 1v; 1621 Iendrei JÑ 264v; 1616 jendrej JÑ 192v – vgl. den heutigen Vornamen Andriejus (LVKŽ 74); 1604 Annusa gen. sg. JÑ 48; 1617 Ian JÑ 206; 1617 Ianos JÑ 199; 1602 Ioannes JÑ 34v; 1617 Ian JÑ 200v; 1599 Ioanes JÑ 1v; 1600 Ioannis JÑ 8v – vgl. den heutigen Vornamen Jõnas (LVKŽ 208); 1621 Anton JÑ 263 – vgl. den heutigen Vornamen Antãnas (LVKŽ 76); 1602 Augustinus JÑ 36v – vgl. den heutigen Vornamen Augustinas (LVKŽ 85); 1620 Baltromiej JÑ 255v; 1599 Baltromieius JÑ 3v; 1616 Baltromiej JÑ 191v; 1600 Bartholomæus JÑ 8v; 1618 Bartomey JÑ 214, 214v; 1599 Bartlomieus JÑ 2v – vgl. den heutigen Vornamen Baltramiejus (LVKŽ 89); 1621 Casper JÑ 270; 1617 Caspos JÑ 198v; 1619 Kaper JÑ 224 – vgl. den heutigen Vornamen Kãsp aras (LVKŽ 222); 1601 Florian[us] JÑ 24v – vgl. den heutigen Vornamen Florijõnas (LVKŽ 158–159); 1600 Georg JÑ 16; 1600 Georgius JÑ 13v; 1602 Gregorius JÑ 35; 1620 Grzegorz JÑ 25v; 1621 Ieri JÑ 262v; 1620 Iery JÑ 248v; 4 Einige Fragmente der Quelle (durch Tinte verwischt o. Ä.) sind in geschweiften Klammern gekennzeichnet. 180 Acta Linguistica Lithuanica LXX Joniškiečių vyrų asmenvardžių darbos tendencijos senyoje Lietuvoje 1599–1621 m. Joniškio krikšto metrikų knygoje 1618 Jerzỹ JNŠ 20; 1617 Jurgis JNŠ 19; 1609 Jerzỹ JNŠ 13 – vgl. heute Jùrgis (LVKŽ 215); 1621 Iacub JNŠ 265; 1618 Iakub JNŠ 221v; 1621 Iacob JNŠ 267v; 1600 Iacobi gen. sg. JNŠ 10, 13v; 1599 Jokuba gen. sg. JNŠ 1 – vgl. heute Jokūbas (LVKŽ 207); 1599 Lucæ gen. sg. JNŠ 1v – vgl. heute Lùkas (LVKŽ 255); 1617 Lukaf JNŠ 208v – vgl. heute Lukóšius (LVKŽ 255); 1621 Marcin JNŠ 63; 1599 Martini gen. sg. JNŠ 1v; 1617 Martins JNŠ 205; 1617 Martinus JNŠ 204v – vgl. heute Martýnas (LVKŽ 264–265); 1620 Marek JNŠ 242 – vgl. heute Mórkus (LVKŽ 279); 1599 Mathieum JNŠ 2v; 1599 Mathiæ gen. sg. JNŠ 2; 1599 Motieaus gen. sg. JNŠ 4 – vgl. heute Motiejus (LVKŽ 279–280); 1621 Mikolai JNŠ 267v; 1618 Mikolay JNŠ 215; 1618 Mikolay JNŠ 221; 1619 Mikolay JNŠ 233; 1617 Mikolaj JNŠ 199v; 1600 Nicolai JNŠ 10; 1601 Nicolaus JNŠ 25 – vgl. heute Mikalõjus (LVKŽ 270); 1601 Paulus JNŠ 22v – vgl. heute Paulius (LVKŽ 298); 1606 Pawel JNŠ 86v; 1617 Pawel JNŠ 207v; 1617 Pawlos JNŠ 202; 1599 Powis JNŠ 4 – vgl. heute Póvilas (LVKŽ 4); 1599 Petri gen. sg. JNŠ 1v; 1617 Petros JNŠ 197v; 1601 Petrus JNŠ 22v; 1617 Petrus JNŠ 195v; 1617 Piotr JNŠ 205v; 1620 Piotr JNŠ 257v – vgl. heute Pẽtras (LVKŽ 299); 1602 Sebaftianus JNŠ 33v; 1617 Sebestian JNŠ 197v – vgl. heute Sebastijõnas (LVKŽ 25); 1621 Simon JNŠ 268; 1600 Simonis JNŠ 10v – vgl. heute Sìmonas (LVKŽ 29); 1599 Stanislaus JNŠ 1; 1600 Stanisla[u]s JNŠ 9; 1620 Stanislaw JNŠ 242; 1617 Stanislaw JNŠ 204; 1617 Stanifław JNŠ 206 – vgl. heute Stanislovas (LVKŽ 335); 1600 Stephanus JNŠ 10 – vgl. heute Štéponas (LVKŽ 36); 1621 Tomaf JNŠ 266 – vgl. heute Tamõšius (LVKŽ 341); 1617 Vrbanes JNŠ 200v – vgl. heute Ùrbonas (LVKŽ 200v); 1601 Valentini JNŠ 20; 1599 Valentinum JNŠ 4; 1600 Valentinus JNŠ 8 – vgl. heute Valentinas (LVKŽ 363); 1620 Wenslaw JNŠ 254v – vgl. heute Václovas (LVKŽ 355); 1621 Woiciech JNŠ 267; 1619 Woyciech JNŠ 232v – vgl. heute Vaitiekus (LVKŽ 361). Es wurden einige Kurzformen kanonischer Taufnamen festgestellt, z. B.: 1601 Genis JNŠ 19v – vgl. heute Gẽnis (LVKŽ 174) < Eugenijus (LVKŽ 153); 1619 Grig JNŠ 235v; 1617 Gryg JNŠ 207; 1617 Grygas JNŠ 204; 1617 Gryg JNŠ 201v – vgl. heute Grìgas (LVKŽ 188) < Grigãlius (LVKŽ 188); 1599 Stasus JNŠ 2 – vgl. heute Stãsis (LVKŽ 335) < Stanislovas (LVKŽ 335); 1621 Walenti JNŠ 268; 1618 Walenty JNŠ 214 – vgl. heute Vá l entas, Valentas (LVKŽ 363). Vereinzelt kamen diminutive Namensformen vor, die aus Kurzformen christlicher Namen entstanden sind, z. B.: 1599 Banulis JNŠ 4v – vgl. heute Bãnis, Banỹs (LVKŽ 95) < Benediktas (LVKŽ 95); 1601 Matulis JNŠ 28v – vgl. heute Mãtas (LVKŽ 265) < Motiejus (LVKŽ 279–280); 1617 Mikutis JNŠ 195v – vgl. heute Mikas (LVKŽ 270) < Mikalõjus (LVKŽ 270); 1602 Valulis JNŠ 38v – vgl. heute Valỹs (LVKŽ 364) < Valentinas (LVKŽ 363). Die zweiten Glieder der Bezeichnungen von Männern sind Personennamen mit und ohne Suffixe, die im Folgenden unter dem Gesichtspunkt ihrer Bildung analysiert werden. Straipsniai / Articles 181 ALMA RAGAUSKAITĖ 2. BESONDERHEITEN DER BILDUNG DER MÄNNLICHEN ANTHROPONYME DER JONIŠKIER 2.1. Die Personennamen der Einwohner von Joniškis aus den Jahren 1599–1621 werden in zwei Gruppen eingeteilt: 1) Anthroponyme mit den litauischen patronymischen Suffixen -aitis, -ėnas, -(i)onis, -(i)ūnas, -utis5 und den slawischen Suffixen -evič, -ovič, mit dem Suffix -iškis, mit den Diminutivsuffixen -elis, -ulis, -utis sowie mit Suffixen vom polnischen Typ -sk- und 2) Anthroponyme ohne diese Suffixe. Eine solche Klassifikation von Familiennamen nach ihrer Bildung findet sich in Vilija Maciejauskienės Studie „Anthroponyme der Pfarrei Kriunai aus dem 17.–18. Jahrhundert“ (Maciejauskienė 1993: 40). Diese Klassifikation wurde durch die Besonderheiten der Bildung historischer Anthroponyme beeinflusst. Es wird angenommen, dass sich nur historische Personennamen, nicht aber historische Familiennamen bis zu einer morphologisch nicht weiter analysierbaren Struktur zurückverfolgen lassen. Analog dazu wurden die in den Matrikelbüchern der Eheschließungen und Taufen der St.-Johannes-Kirche vom Beginn des 17. Jahrhunderts verzeichneten Anthroponyme der Einwohner von Vilnius analysiert (unterschieden wurden Ableitungen mit Endungen und Suffixen sowie Zusammensetzungen) (Zinkevičius 197: 235–242). Nach diesen Grundsätzen wurde die Bildung der Personennamen der Bürger von Kaunas im 16. Jahrhundert untersucht (Ragauskaitė 2005: 98–101). Daiva Sinkeviūtė bewertete Anthroponyme in ähnlicher Weise unter dem Gesichtspunkt ihrer Bildung (2006: 241–242; 2006a: 342–348; 2009: 348–350; 2016: 24–41; 2018: 119–129; 2018a: 303–325). Untersuchungen zum Entstehungsprozess litauischer Familiennamen belegen, dass alle Familiennamen aus verschiedenen Personennamen hervorgegangen sind – aus Patronymen, Spitznamen, alten litauischen zweistämmigen und einstämmigen Anthroponymen und weiteren Namen (Maciejauskienė 1997: 102). So bewahren Familiennamen auch die Bildungseigenschaften, die diese Personennamen besaßen. Familiennamen sollten daher als primär bezeichnet und nicht als Ableitungen bewertet werden. Die in der Struktur von Familiennamen enthaltenen Suffixe sind von den Anthroponymen übernommen und sollten deshalb nicht als Wortbildungssuffixe bezeichnet werden (Žemienė 1999: 225–226; 2002: 12–14; 2017: 167–168; Maciejauskienė 2001: 167–187; Bartkutė 2004: 118; Ragauskaitė 2005: 98–101; 2018: 106). Die analysierten Personennamen der Einwohner von Joniškis vom Ende des 16. bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts (zweites Glied des zweigliedrigen Benennungsmodells) werden aus Patronymen und Anthroponymen nichtpatronymischer Herkunft rekonstruiert. Die rekonstruierten Formen werden mit einem Sternchen gekennzeichnet und alphabetisch aufgeführt. Danach werden die Anthroponyme (alphabetisch nach ihrer Form) aufgelistet, auf deren Grundlage die Form des Personennamens rekonstruiert wurde. Wenn sich im heutigen Namensbestand keine genauen Entsprechungen finden, werden mehrere Anthroponyme mit der entsprechenden Wurzel angegeben. In slawisierten Personennamen werden häufig die slawischen patronymischen Suffixe -evič, -ovič geschrieben; es wird jedoch angenommen, dass in der lebendigen litauischen Sprache möglicherweise … 5 Frühere Untersuchungen zu Personennamen des 17. Jahrhunderts haben den Gebrauch dieses Suffixes kaum belegt. Das Suffix -uitis ist „ein sogenanntes patronymisches Suffix. Dafür spricht unter anderem auch sein häufiges Auftreten im 17. Jahrhundert in den Anthroponymen von Gruzdžiai“ (Maciejauskienė 2010: 820). 182 Acta Linguistica Lithuanica LXXX Joniškiečių vyrų asmenvardžių darybos tendencijos seniausioje Lietuvoje 1599–1621 m. Joniškio krikšto metrikų knygoje litauische patronymische Suffixe (‑aitis, ‑ėnas, ‑onis, ‑ūnas) zu verwenden (Macijauskienė 1994: 25–30; Ragauskaitė 1999: 148–149; 2018a: 59). 2.2. Im Taufregister der Pfarrei Joniškis aus den Jahren 1599–1621 waren 168 Personennamen (von Männern) der Einwohner von Joniškis in Gebrauch. Davon wurden 140 (83%) der genannten ersten Gruppe zugeordnet. Diese Gruppe ist weitaus größer. Die Anthroponyme mit Suffixen werden nach der Produktivität der Suffixe aufgeführt: ‑aitis (Schreibweisen variieren: ‑aitis, ‑aytis, ‑aytis, ‑ajtis, ‑oytis) – 72 Personennamen (42,85% aller Anthroponyme der Einwohner von Joniškis), z. B.: *Bakšūnaitis: 1618 Bokʃunay‑tis JNŠ 216. Zu bakš‑ vgl. heutige Familiennamen Bakšà, Bakšáitis, Bakšis, Bakšys, Bakšauskas, Bakševičius (LPŽ I 163; *Baltrušaitis: 1619 Baltrušaitis JNŠ 232v. Zu baltruš‑ vgl. heutige Familiennamen Baltrušà, Baltruškevičius (LPŽ I 181); *Baltušaitis: 1599 Balt{kuʃ}kaia Gen. Sg. JNŠ 1v – 1617 Botuʃkaitis JNŠ 205. Zu bal‑tušk‑ vgl. heutige Familiennamen Baltušà, Baltuškevičius, Baltušõnis (LPŽ I 182); *Bernotaitis: 1618 Bern{u}tays JNŠ 215v. Zu bernot‑ vgl. heutige Familiennamen Bernotas, Bernotavičius, Bernotėnas, Bernotònis (LPŽ I 240); *Budraitis: 1618 Budratis JNŠ 215; 1617 Budratis JNŠ 195v. Vgl. heutigen Familiennamen Budraitis (LPŽ 329); *Builaitis: 1600 Builaitis JNŠ 9. Zu buil‑ vgl. heutige Familiennamen Būlis, Būlys (LPŽ I 335); *Čepaitis: 1600 Cʒepaitis JNŠ 13v; 1603 Cʒepaitis JNŠ 9. Vgl. heutigen Familiennamen Čepaitis (LPŽ I 410); *Daugilaitis: 1602 Daugilaitis JNŠ 35. Vgl. heutigen Familiennamen Daugilaitis (LPŽ I 470); *Dešrnaitis: 1618 Deʃrnay[tis] JNŠ 215. Zu dešr‑ vgl. heutige Familiennamen Dešrà, Dešraitis, Dešrys, Dešrius (LPŽ I 487); *Grigaitis: 1621 Grigaitis JNŠ 265v, 266v. Vgl. heutigen Familiennamen Grigaitis (LPŽ I 710); *Gudaitis: 1620 Gudaitis JNŠ 254v. Vgl. heutigen Familiennamen Gudaitis (LPŽ I 735); *Jonaitis: 1620 Janaitis JNŠ 242; 1620 Ionaitis JNŠ 248v; 1618 Ionaytis JNŠ 211v, 215v; 1599 Jonaitis JNŠ 1, 3v, 4v – 1600 Jonaitis JNŠ 8v – 1601 Jonaitis JNŠ 19v, 22v – 1617 Jonaitis JNŠ 197v. Vgl. heutigen Familiennamen Jonaitis (LPŽ I 841); *Jonkūnaitis: 1620 Iankunaitis JNŠ 255v. Zu jonkūn‑ vgl. heutigen Familiennamen Jonkūnas (LPŽ I 843); *Jonulaitis: 1602 Janulaitis JNŠ 38v. Vgl. heutigen Familiennamen Jonulaitis (LPŽ I 844); *Jurgaitis: 1621 Iurgaitis JNŠ 267. Vgl. heutige Familiennamen Jūrgaitis, Jūrgaitis, Jurgaitis, Jurgaitis (LPŽ I 866); *Krikštonaitis: 1601 Kriʃtonaytis JNŠ 20. Vgl. heutigen Familiennamen Krikštonaitis (LPŽ I 1076); *Kvederaitis: 1620 Quederaitis JNŠ 254v. Vgl. heutigen Familiennamen Kvederaitis (LPŽ I 1147); *Latvaitis: 1620 Latwaytis JNŠ 254v. Vgl. heutigen Familiennamen Latvaitis (LPŽ II 29); *Macaitis: 1616 Macaitis JNŠ 192. Vgl. heutigen Familiennamen Macaitis (LPŽ II 121); *Martynaitis: 1601 Martynaitis JNŠ 20. Vgl. heutigen Familiennamen Martynaitis (LPŽ II 167); *Matulaitis: 1599 Matulaitis JNŠ 2; 1599 Mothulaitis JNŠ 4. Vgl. heutigen Familiennamen Matulaitis (LPŽ II 183); *Mažutaitis: 1616 Maʒutais JNŠ 192v. Zu mažut‑ vgl. heutige Familiennamen Mažutà, Mažutavičius, Mažutis (LPŽ II 193); *Memeisaitis: 1600 Memeis[a]ia Gen. Sg. JNŠ 10. Zu mem‑ vgl. heutige Familiennamen Memis, Memys (LPŽ II 208); *Mišutaitis: 1620 Miʃutaitis JNŠ 242. Zu mišut‑ vgl. heutigen Familiennamen Mišutis (LPŽ II 258); *Nocaitis: 1618 Nocaitis JNŠ 220. Zu noc‑ vgl. heutige Familiennamen Nocys, Nocius Straipsniai / Articles 183 ALMA RAGUSKAITĖ (LPŽ II 331); *Nosutaitis: 1620 Nobutytis ĮNŠ 257v. Zu nos- vgl. heutige Familiennamen Noseckas, Nõselis, Nosėičiùs, Nosỹs (LPŽ II 336, 337); *Pacaitis: 1600 Pacaitis ĮNŠ 10. Vgl. heutigen Familiennamen Pacáitis (LPŽ II 359); *Petraitis: 1620 Petraitis ĮNŠ 252v – 1621 Petraitis ĮNŠ 270; 1617 Petraitis ĮNŠ 202, 208; 1618 Pietraitis ĮNŠ 209v – 1619 Pietraitis ĮNŠ 24. Vgl. heutigen Familiennamen Petráitis (LPŽ II 437); *Petrušaitis: 1618 Pietrubaitis ĮNŠ 210. Vgl. heutigen Familiennamen Petrušis (LPŽ II 444); *Povailaitis: 1621 Povaitis ĮNŠ 260v, 263, 264v. Vgl. heutige Familiennamen Póvailaitis, Povílaitis (LPŽ II 496); *Radilaitis: 1617 Radwailaitis ĮNŠ 204. Zu radil- vgl. heutige Familiennamen Radvilà, Ràdila, Radvìlas, Radvilėvičius (LPŽ II 554); *Rapsaitis: 1599 Rapszaicia Gen. Sg. ĮNŠ 4. Zu rapš- vgl. heutigen Familiennamen Rapšys (LPŽ II 574); *Rimgailaitis: 1617 Rymgailis ĮNŠ 197v. Zu rimgail- vgl. heutigen Familiennamen Rimgaila (LPŽ II 609); *Staniulaitis: 1600 Staniulaitis ĮNŠ 8 – 1602 Staniulaitis ĮNŠ 38v – 1621 Staniulaitis ĮNŠ 265v. Vgl. heutigen Familiennamen Staniuláitis (LPŽ II 802); *Strasaitis: 1600 Strasaitis ĮNŠ 10v. Zu stras- vgl. heutigen Familiennamen Strasėvičius (LPŽ II 830); *Šlupaitis: 1620 Słupaitis ĮNŠ 250v. Zu šlup- vgl. heutigen Familiennamen Šlùpas (LPŽ II 957); *Trumpaitis: 1621 Trumpaitis ĮNŠ 268. Vgl. heutigen Familiennamen Trumpáitis (LPŽ II 1073); *Valentinaitis: 1619 Walentinaitis ĮNŠ 235v. Zu valentin- vgl. heutige Familiennamen Valentinas, Valentinãvičius (LPŽ II 1150). -utis (Schreibweisen: -utis, -utys, -uys, -ujis) – 25 Anthroponyme (14,60%), z. B.: *Byvainis: 1617 Biwoynis ĮNŠ 206. Zu byvain- vgl. heutige Familiennamen Byvainis, Byvainis (LPŽ I 269); *Buškutis: 1617 Buszkutis ĮNŠ 201v. Zu bušk- vgl. heutige Familiennamen Buška, Buškas, Buškevičius, Buškus (LPŽ I 363); *Celkutis: 1618 Celkuytis ĮNŠ 221v. Zu celk- vgl. heutige Familiennamen Celka, Celkavičius, Celkys, Celkėnas, Celkovskas (LPŽ I 377); *Dagutis: 1618 Dogutis ĮNŠ 214. Zu dag- vgl. heutige Familiennamen Dãgis, Dagỹs (LPŽ I 444); *Gabrutis: 1601 Gabritis ĮNŠ 25. Zu gabr- vgl. heutigen Familiennamen Gabráitis (LPŽ I 601); *Jonulutis: 1620 Ianulutis ĮNŠ 248v. Zu jonul- vgl. heutigen Familiennamen Jonuláitis (LPŽ I 844); *Karputis: 1616 karputis ĮNŠ 189. Zu karp- vgl. heutigen Familiennamen Karpáitis (LPŽ I 931); *Kezutis: 1602 Kezuitis ĮNŠ 36v. Zu kez- vgl. heutige Familiennamen Kezis, Kezys, Kežùnas (LPŽ I 982); *Kragutis: 1599 Kragitis ĮNŠ 2v – 1602 Kragitis ĮNŠ 35. Zu krag- vgl. heutigen Familiennamen Krãgas (LPŽ I 1062); *Kurapkutis: 1602 Kurapkuitis ĮNŠ 33v. Zu kurapk- vgl. heutigen Familiennamen Kurapkáitis (LPŽ I 1131); *Lasutis: 1621 Lasutis ĮNŠ 267v. Zu las- vgl. heutige Familiennamen Lasáuskas, Lasãvičius, Lasis, Lasỹs (LPŽ II 25); *Latvutis: 1617 Latwujtis ĮNŠ 196. Zu latv- vgl. heutigen Familiennamen Latvėnas (LPŽ II 29); *Mekutis: 1617 Mekutis ĮNŠ 197v. Zu mek- vgl. heutige Familiennamen Mėkas, Mėkelis (LPŽ II 203); *Petelutis: 1620 Petutis ĮNŠ 259. Zu petel- vgl. heutigen Familiennamen Petelis (LPŽ II 434); *Pūkutis: 1617 Pukuitis ĮNŠ 208v. Zu pūk- vgl. heutigen Familiennamen Pūkais (LPŽ II 527); *Radvilutis: 1621 Radwuilutis ĮNŠ 266. Zu radvil- vgl. heutige Familiennamen Radvilà, Ràdila, Radvìlas, Radvilėvičius (LPŽ II 554); *Rugutis: 1617 Rugutis ĮNŠ 204v. Zu rug- vgl. heutigen Familiennamen Rugáitis 184 Acta Linguistica Lithuanica LXX Joniškiečių vyrų asmenvardžių darbos tendencijos senosioje Lietuvoje 1599–1621 m. Joniškio krikšto metrikų knygoje (LPŽ II 633); *Slekutis: 1617 slekutis JNŠ 201v. Zu slėk- vgl. heutige Familiennamen Slėkas (LPŽ II 763); *Šukuitis: 1621 šukuitis JNŠ 265; 1617 Šukuitis JNŠ 206v. Zu šuk- vgl. heutige Familiennamen Šukaitis (LPŽ II 986); *Trasuitis: 1621 Trafuitis JNŠ 262v. Zu tras- vgl. heutige Familiennamen Trasaitis (LPŽ II 1062). –inas (geschrieben: –(i)un, –(i)unas, –(i)uns, –un, –unos, –uonis) – 15 Anthroponyme (8,92%), z. B.: *Bartkūnas: 1599 Bartkūns JNŠ 4. Vgl. heutigen Familiennamen Bartkūnas (LPŽ I 204); *Berčiūnas: 1606 berčiuņas JNŠ 86v. Vgl. heutigen Familiennamen Berčiūnas (LPŽ I 235); *Ginkūnas: 1601 Ginkuns JNŠ 28v. Zu gink- vgl. heutigen Familiennamen Ginkus (LPŽ I 671); *Gumbiūnas: 1619 Gumbun JNŠ 233. Zu gumb- vgl. heutigen Familiennamen Gūmbelis, Gūmbinas, Gūmis (LPŽ I 742); *Jonkūnas: 1621 Iankun JNŠ 263. Vgl. heutigen Familiennamen Jonkūnas (LPŽ I 843); *Laukūnas: 1621 Laukun JNŠ 268. Zu lauk- vgl. heutige Familiennamen Laikis, Laukys (LPŽ II 32); *Mikalojūnas: 1619 Mikaloįuns JNŠ 232. Vgl. heutigen Familiennamen Mikalojūnas (LPŽ II 227); *Norkūnas: 1617 Norkūns JNŠ 204. Vgl. heutigen Familiennamen Norkūnas (LPŽ II 334); *Pociūnas: 1600 Pocuns JNŠ 10. Vgl. heutigen Familiennamen Pociūnas (LPŽ II 483); *Rašiūnas: 1619 Rasçun JNŠ 233. Zu raš- vgl. heutige Familiennamen Raščs, Raščus (LPŽ II 578); *Rimkūnas: 1618 Rymkun JNŠ 222. Vgl. heutigen Familiennamen Rimkūnas (LPŽ II 610); *Stankūnas: 1617 Stankuns JNŠ 197v. Vgl. heutigen Familiennamen Stankūnas (LPŽ II 804); *Tamošiūnas: 1600 Thomošuns JNŠ 10v. Vgl. heutigen Familiennamen Tamošiūnas (LPŽ II 1016); *Vaitkūnas: 1621 watkun JNŠ 269v. Vgl. heutigen Familiennamen Vaitkūnas (LPŽ II 1141); *Venckūnas: 1617 wenckuns JNŠ 198v. Vgl. heutigen Familiennamen Venckūnas (LPŽ II 1187). –eiv (geschrieben –(i)ewic) – 7 Anthroponyme (4,16%), z. B.: 1617 Ianuiewicz JNŠ 205v, 1617 Mikoliewicz JNŠ 204v, 1621 Paulkiewicz JNŠ 264, 1618 Pruniewicz JNŠ 215, 1618 Zemeyewicz JNŠ 221. –ovič (geschrieben: –(i)owicz, –(i)owicz) – 7 Anthroponyme (4,16%), z. B.: 1618 Bunowicz JNŠ 215v, 1621 Czapowicz JNŠ 264v, 1620 Marc{ib}owicz JNŠ 247v, 1618 marcinowicz JNŠ 216, 1617 Mikuciowicz JNŠ 196, 1618 Narutowicz JNŠ 221v, 1617 piotrowicz JNŠ 200. –enas (geschrieben –(i)en) – 1 Anthroponym (0,59%), z. B.: *Šinkėnas: 1599 Szin-kiena gen. sg. JNŠ 1v. Zu šink- vgl. heutige Familiennamen Šinka, Šinkas, Šinkauskas, Šinko-nis (LPŽ II 934). –onis (geschrieben –on) – 1 Anthroponym (0,59%), z. B.: *Sidaugonis: 1600 Sidaugonia gen. sg. JNŠ 10v. Zu sidaug- vgl. heutigen Familiennamen Sidauga (LPŽ II 709). Untersuchungen zu litauischen historischen Anthroponymen haben gezeigt, dass Ableitungen mit den litauischen patronymischen Suffixen –aitis, –ėnas, –onis, –ūnas bestimmte Verbreitungsgebiete aufweisen (Salys 1933: 169; Maciejauskienė 1977: 161–163; 1991: 242; Ragauskaitė 2014: 330). Dies bestätigt die Schlussfolgerungen einer früheren Untersuchung zum 17. Jahrhundert, wonach „die größte Konzentration von Bildungen mit dem Suffix –aitis in Žemaitija und West-Aukštaitija zu beobachten ist, obwohl mit diesem Suffix gebildete Anthroponyme auch an verschiedenen anderen Orten Litauens verzeichnet wurden“ (Maciejauskienė 1991: 242). Straipsniai / Articles 185 ALMA RAGAUSKAITĖ Mindestens 4 Anthroponyme dieser Gruppe weisen Diminutivsuffixe auf. Es heißt, dass „Diminutive mitunter auch als Vaternamen verwendet wurden“ (Zinkevičius 1977: 238). Somit können diese Suffixe auch eine patronymische Bedeutung haben (Maciejauskienė 1991: 227; 1993: 43; Ragauskaitė 2005: 100–101). Sie werden nach der Häufigkeit ihrer Ableitungen aufgeführt: -(i)ulis (geschrieben -(i)ulis) – 2 Anthroponyme (1,19%), z. B.: *Aidulis: 1600 Aidulis JNŠ 13v. Vgl. heutigen Familiennamen Aidùlis (LPŽ I 69); *Geniulis: 1600 Geniulis JNŠ 14. Zu gen- vgl. heutige Familiennamen Genònis, Genis, Genỹs, Geniūnas, Geniùs (LPŽ I 652). -utis (geschrieben -utis) – 2 Anthroponyme (1,19%), z. B.: *Mikutis: 1620 Mi- kutis JNŠ 25v. Vgl. heutigen Familiennamen Mikutis (LPŽ II 236); *Pramutis: 1599 Pramutis JNŠ 1v. Ein Familienname dieser Herkunft ist heute nicht mehr in Gebrauch. -elis (geschrieben -(i)elis) – 1 Anthroponym (0,59%): *Žiogelis: 1616 Žiogelis JNŠ 19v. Vgl. heutige Familiennamen Žiogelis, Žiogelis, Žiogelis (LPŽ II 1337). Es wurden 4 (2,38%) Anthroponyme mit dem Suffix –iškis gefunden (geschrieben: -isk, -isk, -iszk, -iszkis), z. B.: *Jukìškis: 1600 Jukiszkia gen. sg. JNŠ 16. Zu juk- vgl. heutige Familiennamen Jukãvičius, Jùkelis, Jukėnas, Jukẽvičius (LPŽ I 852); *Magerkiškis: 1620 Magerkiskis JNŠ 24. Ein Familienname dieser Herkunft ist heute nicht mehr in Gebrauch; *Mikiškis: 1617 Mikiskis JNŠ 197v. Zu mik- vgl. heutige Familiennamen Mikus, Mikỹs (LPŽ II 228, 229); *Pūkiškis: 1621 Pukisk JNŠ 268. Zu pūk- vgl. heutigen Familiennamen Pūkus (LPŽ II 528). Dieses Suffix könnte auch eine patronymische Funktion erfüllt haben, wenn seine Ableitung von einem anderen Anthroponym stammt (Zinkevičius 1977: 241; Maciejauskienė 1991: 228). Nach den oben erörterten Grundsätzen wurden zunächst 92 verschiedene Anthroponyme der Einwohner von Joniškis mit litauischen Suffixen aus den in der Quelle belegten 123 Anthroponymen rekonstruiert. Gezählt wurden 3 (1,78%) Anthroponyme mit einem Suffix vom Typ -sk-. Dazu gehören: 1620 Krupskỹ JNŠ 253v, 1600 Sotowski JNŠ 16, 1617 Wierzbicki JNŠ 200. Es wird angenommen, dass das Suffix vom Typ -sk- bisweilen durch das Vaternamen-Suffix -ovič ersetzt wurde. Ein Teil dieser Berufsbezeichnungen könnte entlehnt sein, während andere vor Ort aus Ortsnamen gebildet wurden oder auf andere Weise entstanden (Zinkevičius 1977: 57, 63). 2.3. Eine weitere Gruppe der in der Quelle verzeichneten Anthroponyme ist nichtpatronymischen Ursprungs. Sie umfasst lediglich 28 (17%). Zu dieser Gruppe gehören Komposita und durch Endungen gebildete Formen. Von den 17 in der Quelle belegten Anthroponymen mit litauischen Wortbildungsmorphemen wurden 15 Formen dieser Gruppe von Eigennamen erörtert. Dazu zählen: *Balčius: 1601 Balčius JNŠ 22v. Vgl. heutigen Familiennamen Balčius (LPŽ I 170); *Čebatorius: 1617 C₃obator{o}š JNŠ 199. Vgl. heutigen Familiennamen Čebatorius (LPŽ I 403); *Dičkus: 1600 Dicuf JNŠ 8v; 1604 Diczaus gen. sg. JNŠ 48. Vgl. heutigen Familiennamen Dičkus (LPŽ I 490); *Eigridas: 1617 Eigeri JNŠ 201v. Vgl. heutigen Familiennamen Eigridas (LPŽ I 565); *Gulbė: 1617 Gulbe JNŠ 204. Vgl. heutigen Familiennamen Gulbė (LPŽ I 740); *Kriaucius: 1599 Kraucius JNŠ 1v. Zu kriauč- vgl. heutige Familiennamen Kriaučelis, Kriaučiavičius, Kriaučionis, Kriaučiukas, Kriaučiūnas (LPŽ I 1073); *Kubilius: 1621 Cubilus JNŠ 262; 1620 Kubilus JNŠ 255v. Vgl. heutigen Familiennamen Kubilus (LPŽ I 1097–1098); 186 Acta Linguistica Lithuanica LXX Joniškiečių vyrų asmenvardžių darbo tendencijos senocioje Lietuvoje 1599–1621 m. Joniškio krikšto metrikų knygoje *Milydis: 1617 Mielydis JNŠ 207. Zu den dialektalen Formen des Familiennamens mit milyd- vgl. Mīlydas, Mīlydas, Milydas (LPŽ II 246); *Skurka: 1600 Skurka JNŠ 10. Vgl. dialektale Formen des Familiennamens: Skūka (LPŽ II 756); *Šapnაგis: 1599 Šapnagis JNŠ 2. Vgl. dialektale Formen des Familiennamens Šapnagis, Šapnagas (LPŽ II 887); *Tūnas: 1602 Tumas JNŠ 34v. Vgl. dialektale Form des Familiennamens Tūmas (LPŽ II 1081); *Zavalka: 1617 Zaułka JNŠ 195v. Zu den dialektalen Formen des Familiennamens mit zavalk- vgl. Zavadaitis, Zavadaukas, Žaivis (LPŽ II 1278) u. a. 2.4. Nachdem die Personennamen der Einwohner von Joniškis vom Ende des 16. bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts unter dem Gesichtspunkt der Bildung erörtert worden waren, wurden ihre rekonstruierten Formen mit den heutigen litauischen Familiennamen verglichen. Dabei zeigte sich, dass 43 (40%) auch heute noch gebräuchlich sind. Ein Teil, nämlich 51 (48% aller rekonstruierten) Anthroponyme, hat Entsprechungen heutiger Familiennamen gleicher Herkunft, aber unterschiedlicher Bildung. Für die übrigen 13 (12%) rekonstruierten Personennamen finden sich keine Entsprechungen im heutigen litauischen Namensbestand: *Dovikaitis (JNŠ 2v), *Gednavais (JNŠ 200v), *Gupeluitis (JNŠ 263), *Kepetis (JNŠ 267v), *Magerkis (JNŠ 242), *Paginais (JNŠ 25), *Pramūtis (JNŠ 1v), *Skiurbaitis (JNŠ 266), *Sliudutis (JNŠ 254v), *Sliuna (JNŠ 22v), *Vilnakis (JNŠ 270v), *Zaltra (JNŠ 268), *Žaudaitis (JNŠ 206). 3. SCHLUSSFOLGERUNGEN 1. Aus dem Taufregister von Joniškis aus den Jahren 1599–1621 wurden 168 zweigliedrige Namensbezeichnungen von Männern aus Joniškis ausgewählt. Ihre Erstglieder sind christliche Vornamen. Verwendet wurden verschiedene Formen (traditionelle Langformen, Kurzformen und deren Diminutivableitungen). 2. Die 168 untersuchten Personennamen (Zweitglieder des zweigliedrigen Benennungsmodells) wurden in zwei Gruppen eingeteilt: 1) Anthroponyme mit den litauischen patronymischen Suffixen -aitis, -ėnas, -(i)onis, -(i)ūnas, -utis und den slawischen patronymischen Suffixen -evič, -ovič, mit dem Suffix -iškis, mit den Diminutivsuffixen -elis, -ulis, -utis sowie mit Suffixen des polnischen Typs -sk- und 2) Anthroponyme ohne diese Suffixe. 3. Die erste Gruppe ist erheblich größer. Sie umfasst 140 Anthroponyme (83% aller Zweitglieder der Personennamen). Am häufigsten sind darunter die patronymischen Ableitungen mit den Suffixen -aitis (72, d. h. 42,85%) und -utis (25, d. h. 14,60%). Die zweite Gruppe umfasst 28 (17%) Personennamen. 4. Beim Vergleich der Formen von 107 rekonstruierten Personennamen mit heutigen litauischen Familiennamen zeigte sich, dass 43 (40%) auch heute noch gebräuchlich sind. Ein größerer Teil, nämlich 51 (48% aller rekonstruierten), hat Entsprechungen unter heutigen Familiennamen gleicher Herkunft, aber unterschiedlicher Bildung. Die übrigen 13 (12%) finden sich nicht im heutigen Namensbestand. Straipsniai / Articles 187 ALMA RAGAUSKAITĖ ANHÄNGE Abb. 1. Fragment aus dem Jahr 1599 aus dem Taufregisterbuch von Joniškis 1599–1621 (Bl. 3) 188 Acta Linguistica Lithuanica LXXX Joniškiečių vyrų asmenvardžių darybos tendencijos seniausioje Lietuvoje 1599–1621 m. Joniškio krikšto metrikų knygoje Abb. 2. Fragment aus dem Jahr 1600 aus dem Taufregisterbuch von Joniškis 1599–1621 (Bl. 6 1.) Straipsniai / Articles 189 ALMA RAGAUSKAITĖ Abb. 3. Fragment aus dem Jahr 1618 aus dem Taufregisterbuch von Joniškis 159–1621 (Bl. 220v) 190 Acta Linguistica Lithuanica LXX Joniškiečių vyrų asmenvardžių darbo tendencijos senosiose Lietuvoje 1599–1621 m. Joniškio krikšto metrikų knygoje QUELLE JÑS – Taufregisterbuch von Joniškis 1599–1621 (Liber Baptisarum || Ecclesiæ Parochialis Jani=||scensis ab Anno 1599. – || usque ad Annum || 1621. –). Litauisches Staatsarchiv für Geschichte, Bestand 1196, Verzeichnis 1, Akte 76. LITERATŪRA Bartkutė Nerija 2004: Tikrinių daiktavardžių – vietovardžių ir asmenvardžių darybos reikšmė. – Onomastica Letica 2, 105–126. Garliauskas Vidas 1998: Lietuviškos oikonimų lytys nelietuviškuose XVI–XIX a. šaltiniuose. – Lietuvių kalbotyros klausimai 40, 123–204. Garliauskas Vidas 2004: XVI a. Molėtų bažnyčios krikšto ir santuokos metrikų knyga. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas. Garliauskas Vidas 2010: Bažnyčių metrikų knygos Europos šalyse. – Gimtoji kalba 8, 3–12. 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Tendencies of Formation of Joniškis Male Personal Names in Lithuania’s Oldest Joniškis Baptism Record Book of 1599–1621 SUMMARY The article addresses 168 personal names of Joniškis male residents (second components of the binary name model) collected from the Joniškis baptism record book of 1599–1621 from the perspective of word-formation. Cristian names are used as the first components of this type of naming. Their various forms are recorded in the source (long canonical, abreviations and diminutive names). A total of 168 second anthroponyms selected for the analysis were divided into two groups: 1) personal names with the Lithuanian -aitis, -ėnas, -(i)onis, -(i)ūnas, -utis and Slavic -evič, -ovič patronymic suffixes, the suffix -iškis, the diminutive suffixes -elis, -(i)ulis, -utis and the Polish -sk- type suffixes and 2) personal names without these suffixes. The first group is far larger. It includes 140 (83% of all the second anthroponyms) personal names. They are dominated by anthroponyms with patronymic suffixes -aitis (72, i.e. 42.85%) and -utis (25, i.e. 14.60%). The second group is comprised of 28 (17%) personal names. After comparing 107 forms of reconstructed anthroponyms with contemporary Lithuanian surnames, it was observed that 43 (40%) of them are still known today. A greater part, i.e. 51 (48% of all the reconstructed forms), have the equivalents of the same origin but different word-formation among present-day surnames. The remaining 13 (12%) are no longer found among contemporary surnames. Įteikta 2019 m. gegužės 15 d. ALMA RAGAUSKAITĖ Lietuvių kalbos institutas Petro Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius, Lietuva [email protected] 194 Acta Linguistica Lithuanica LXX