scieee AI-readable full text Open interactive document viewer

Anmerkungen zu einigen mit „An-“ beginnenden litauischen Gewässernamen und ihren außerbaltischen Verwandten

Harald Bichlmeier

Abstract

    Die litauischen Gewässernamen des Typs Anatà, Anýkštė etc. werden traditionell auf eine Wurzel idg. „*en/*on“ zurückgeführt (in moderner Notation uridg. *h1en(H)-), der oft eine Bedeutung ‘fließen, Fluss’ zugeschrieben wird. Diese Wurzel bucht nicht einmal Pokornys Indogermanisches etymologischen Wörterbuch (1959). Auch seither ist es nicht gelungen, diese Wurzel im appellativischen Wortschatz irgendeiner indogermanischen Sprache zweifelsfrei nachzuweisen. Zudem liegen bislang keine eindeutigen Belege für Fortsetzer dieser Wurzel im onymischen Wortschatz vor: Alle als Argumente angeführten Namen können entweder, weil sie aus keltischen Sprachen stammen, auf eine Wurzel uridg. *pen-/*pon- ‘Sumpf, (stehendes) Wasser’ zurückgehen, oder auf der Grundlage von uridg. *h2en- ‘(Wasser) schöpfen’ erklärt werden. Das methodische Werkzeug ‘Ockhams Rasiermesser’ gebietet es, nicht mehr als diese beiden Wurzeln anzusetzen, solange nicht eindeutige appellativische Belege für eine Wurzel uridg. *h1en(H)- vorliegen, die es überhaupt erst erlauben würden, der Wurzel eine Bedeutung zuzuschreiben.

Full text

HARALD BICHLMEIER Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Fields of research: onomastics (toponymy), historical phonology of the Germanic languages, Indo-European linguistics, Aljamiado-texts. DOI: doi.org/10.35321/all84-09 ANMERKUNGEN ZU EINIGEN MIT ANBEGINNENDEN LITAUISCHEN GEWÄSSERNAMEN UND IHREN AUSserbalTISCHEN VERWANDTEN Pastabos dėl kelių su Anprasisdėdančių lietuvių vandenvardžių ir jų nebaltiškos kilmės giminaičių ANNOTATION Die litauischen Gewässernamen des Typs Anatà, Anykštė etc. werden traditionell auf eine Wurzel idg. „*en/*on“ zurückgeführt (in moderner Notation uridg. *h1en(H)-), der oft eine Bedeutung ‘fließen, Fluss’ zugeschrieben wird. Diese Wurzel bucht nicht einmal Pokornys Indogermanisches etymologisches Wörterbuch (1959). Auch seither ist es nicht gelungen, diese Wurzel im appellativischen Wortschatz irgendeiner indogermanischen Sprache zweifelsfrei nachzuweisen. Zudem liegen bislang keine eindeutigen Belege für Fortsetzer dieser Wurzel im ony­mischen Wortschatz vor: Alle als Argumente angeführten Namen können entweder, weil sie aus keltischen Sprachen stammen, auf eine Wurzel uridg. *pen-/*pon- ‘Sumpf, (stehendes) Wasser’ zurückgehen, oder auf der Grundlage von uridg. *h2en- ‘(Wasser) schöpfen’ erklärt werden. Das methodische Werkzeug ‘Ockhams Rasiermesser’ gebietet es, nicht mehr als diese beiden Wurzeln anzusetzen, solange nicht eindeutige appellativische Belege für eine Wurzel uridg. *h1en(H)- vorliegen, die es überhaupt erst erlauben würden, der Wurzel eine Bedeutung zuzuschreiben. 190 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Anmerkungen zu einigen mit Anbeginnenden litauischen Gewässernamen und ihren außterbaltischen Verwandten SCHLÜSSELWÖRTER: litauische Hydronyme, keltische Hydronyme, germanische Hydronyme, Indogermanische Phonologie, indogermanistische Methodologie, Ockhams Rasiermesser. ANNOTATION The Lithuanian hydronyms of the type Anatà, Anýkštė etc. have traditionally been explained on the basis of a root PIE “*en/*on” (in modern writing PIE *h₁en(H)-), which has standardly been given the meaning ‘flow, river’ vel sim. This root cannot even be found in Pokorny’s Indogermanisches etymologisches Wörterbuch [Indo-European Etymological Dictionary] (1959). Not even since then have researchers succeeded in documenting that root in the appellative lexicon of any of the Indo-European languages without doubt. Moreover, there aren’t even any sure continuations of that root in the onymic lexicons of those languages. All names put forward as arguments can either be explained based on a root PIE *pen-/*pon- ‘swamp, (standing) water’ (because they are Celtic) or from a root PIE *h₂en- ‘haul (water)’. The application of the methodological means called ‘Occam’s razor’ leaves us no other possibility but to explain all regarding names from these two roots – as long as no proof of an appellative use of a root PIE *h₁en(H)- can be offered, which moreover might finally give us a hint, what that root might have meant. KEYWORDS: Lithuanian hydronyms, Celtic hydronyms, Germanic hydronyms, Indo-European Phonology, methodology in Indo-European linguistics, Occam’s razor. 1. EINLEITENDES¹ Gegenstand der nachfolgenden Ausführungen sind einerseits die Etymologien einiger litauischer Gewässernamen wie Anatà, Anýkštė oder der auf einen Gewässernamen rückführbare Ortsname Anýkščiai. Daneben sollen aber auch grundsätzliche Erwägungen zur historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft und solche zur allgemeinen wissenschaftlichen Methodik (bzw. Methodologie) erfolgen. Anlass dafür sind die Auswirkungen der Anwendung bzw. der Nichtanwendung von beiden in Bezug auf die Etymologisierung der genannten Gewässernamen sowie daneben auch des Namens des Flusses Inn (in der Schweiz, Österreich und Deutschland). ¹ Ich danke den beiden anonymen Rezensenten des Beitrags herzlich für diverse Hinweise, darunter auch für solche auf von mir bislang übersehene Literatur. Straipsniai / Articles 191 HARALD BICHLMEIER Weiter gilt es, immer ‘Ockhams Rasiermesser’² zur Hand haben: Vergisst man es einzustecken – und bei Bedarf auch zu benutzen –, wird man des (Wurzel-)Wildwuchses und damit der Willkür nicht mehr Herr. 2. WISSENSCHAFTSGESCHICHTLICHES Die Indogermanistik ist eine in nun gut 200 Jahren gewachsene Wissenschaft. Was das ist und wie das geht, darüber hat sich innerhalb des Fachs ein recht breiter Konsens gebildet³. Dieser breite Konsens betrifft alle Bereiche der zu rekonstruierenden Grundsprache, die meist als Urindogermanisch bezeichnet wird. Die Diskussion innerhalb der Indogermanistik läuft auf der Basis dessen, was auf der Grundlage dieses breiten Konsenses als gesichert angesehen und recht allgemein anerkannt wird. Für Spezialisten innerhalb des Fachs mögen die partiell nichtkonsensualen Teile des Systems Ansporn sein, hier weiterzukommen und Lösungen für ungelöste Probleme zu finden, für die Mehrzahl der Indogermanisten ist es wohl das Ziel, auf Grundlage dieses breiten Konsenses in ihrem Spezialbereich weiterzukommen, Unerklärtes zu erklären. Dieser Konsens über dieses Erklärungsmodell (zu den wichtigsten Punkten siehe gleich) hat sich v.a. deshalb herausgebildet, weil dieses Modell mehr Dinge zu erklären in der Lage ist als die anderen bislang vorgelegten Modelle. 3. METHODISCHES 3.1. Im Weiteren wird bei der Argumentation von folgenden in der Indogermanistik weitgehend konsensualen Charakteristika des Urindogermanischen ausgegangen, die etwa auch in den o.a. Einführungen kodifiziert sind: ² „Entia non sunt multiplicanda praeter necessitatem.“ (Wilhelm von Ockham 1288–1347), in etwa: „Man soll nicht mehr Einheiten/Entitäten annehmen, als notwendig sind.“ ³ Davon zeugen die Einführungen in das Fach, die in den letzten gut 25 Jahren erschienen sind und die in den zentralen Bereichen, um die es hier geht, so gut wie keine Unterschiede zeigen: Mayrhofer 1986 (neu hrsg. in Lindner 2012), Lehmann 1993; Adrados, Bernabé, Mendoza 1995; 2010; Tichy 2001; Meier-Brügger 2002; 2003; 2010; Fortson 2004; 2009; Tichy 2006; 2009; Clackson 2007; Mallory, Adams 2006; Bičovský 2012; 2017; Fritz, Meier-Brügger 2020. Für diverse Einführungen u.ä. in Einzelsprachen gilt dasselbe; vgl. Rix 1992; Weiss 2009; Smoczyński 2016; Weiss 2020 etc. 192 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Anmerkungen zu einigen mit Anbeginnenden litauischen Gewässernamen und ihren außerbaltischen Verwandten Es gab die Phonemklasse der Laryngale und sie bestand aller Wahrscheinlichkeit nach aus drei Elementen. Es gab keine Phonemklasse der Tenues aspiratae, diese entstanden letztlich entweder als Allophone der Tenues in der Position nach uridg. *s bzw. vor *h₂ (‘Laryngal 2’) und begegnen wohl allenfalls noch (sekundär) in Onomatopoetika und in Expressiva. Es gab kein uridg. *b ‘Thorn’ als Phonem, sondern dieses ist auch nur Allophon von *t. Etc. etc.⁴. Für die Wurzel wird als Minimalstruktur KVKangenommen, zumindest für Verbalwurzeln (und Nominalwurzeln). Für Pronomina und Partikeln muss dies nicht unbedingt gegolten haben, und es wird von einem Teil der Indogermanisten auch verneint, dass diese Wortklassen die Minimalstruktur KVKaufgewiesen hätten (so etwa implizit im gesamten LIPP und explizit LIPP 1: 31, 236f.). Konsequenz aus den vorgenannten Punkten ist u.a., dass Wurzeln, die etwa im (auf dem Vorkriegsstand der Indogermanistik erstellten) Indogermanischen etymologischen Wörterbuch Pokornys von 1959 als vokalisch anlautend angesetzt wurden, mit einem anlautenden Laryngal angesetzt werden (sollten)⁵. Dies hat unter Umständen relevante Auswirkungen auf die Rekonstruktion von Wörtern (und damit auch Namen), die zu berücksichtigen sind – und gerade die weiter unten zu behandelnden Namen(sippen) wird dies betreffen. 3.2. Im vorliegenden Kontext betrifft dies eben die im Rahmen der Onomastik, zumal auch den Studien zur ‘alteuropäischen Hydronymie’ und Verwandtem, immer wieder gern angesetzte Wurzel (ur)idg. „*en/*on-“, die ‘fließen’ o.ä. bedeutet haben soll. Auf Grundlage der gerade gemachten Ausführungen handelt es sich in dieser Form im Kontext der modernen Indogermanistik um eine ‘Un-Wurzel’, also eine Wurzel, die es so niemals auf jener Sprachstufe gegeben haben dürfte. Ob es sich nicht insgesamt schlicht um eine „Phantomwurzel“ handelt, selbst wenn man sie wie in der Indogermanistik heute üblich als uridg. *h₁en(H)- ansetzt, soll im Weiteren geklärt werden. ⁴ Vgl. grundlegend dazu in dieser Zeitschrift schon Bichlmeier 2012. ⁵ Dass solches nicht völlig abwegig ist, zeigt – wenn auch nicht auf der phonologischen, so doch immerhin auf der phonetischen Ebene – das Neuhochdeutsche. Hier gibt es keine echt vokalisch beginnenden Wörter (bzw. lexikalischen Morpheme): alle phonologisch als vokalisch beginnend eingestuften Wörter, beginnen phonetisch korrekt mit dem sog. ‘Knacklaut’ [ʔ–]. Dass dies eine wichtige Erkenntnis ist, zeigen aus Kinderwitzen bekannte Minimalpaare wie Blumento-pferde als [bluːməntʰoˌpfeːɐ̯də] vs. Blumentopf-erde [ˈbluːməntʰɔpfˌʔeːɐ̯də]. Straipsniai / Articles 193 HARALD BICHLMEIER Jedenfalls ist es bislang nicht gelungen, diese Wurzel im appellativischen Wortschatz widerspruchsfrei nachzuweisen – worauf auch schon der Umstand hinweist, dass eine solche Wurzel im IEW, das außerhalb der eigentlichen Indogermanistik im Bereich der Onomastik sonst gerne als Referenzquelle zitiert wird, eine solche Wurzel nicht ansatzweise gebucht wird (vgl. IEW 311ff., 778). 3.3. Gerade in der Onomastik zu den ältesten Namenschichten in Europa sind auf veraltetem Wissensstand durchgeführte Untersuchungen, also Untersuchungen, die nicht das o.a. konsensuale aktuelle Erklärungsmodell der Indogermanistik benutzen, noch weit verbreitet. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es auch, die Ergebnisse derartiger Arbeiten mit den Mitteln des konsensualen Erklärungsmodells der modernen Indogermanistik zu durchleuchten und zu hinterfragen. 4. DIE BALTISCHEN NAMEN UND DAS PROBLEM 4.1. In diesem Kontext sind nun zuerst baltische Gewässernamen zu behandeln, die mit lit., lett. Ananlauten, also auf urbal­t *an- (< spätur­dig. *an-, *on-) zurückgehen. In Frage kommen hier v.a. die Fließgewässernamen Anykštà f. Anykštė f., der Seename Anykštis m., weiters der Wiesenname Anatà f. (von Udolph 2020: 350 fälschlich als Gewässername geführt) und der dehydronymische Ortsname Anykščiai (vgl. LVŽ 1: 88f., 102, basierend auf Vanagas 1970: 151f., 1981: 42). Gäbe es entsprechende Namen beginnend mit lit. On-, lett. Ānmüssten sie (sofern vorhanden und nicht vom Personennamen lit. Onà ‘Anna’ abzuleiten; vgl. Vanagas 1981: 234) theoretisch auf urbal­t. *ānzurückgehen, das entweder eine innerbaltische sekundäre Dehnstufe zu *ansein kann oder auf eine andere Wurzel uridg. *h₁eh₂nzurückgehen müsste. Eine spätur­dig. Dehnstufe *ōnhingegen ergäbe lett. on- [uon-], lit. uon- (was bei Gewässernamen gar nicht belegt ist; vgl. Vanagas 1981: 353). Für das Slawische ist mit spätur­dig. *an-, *on- → slaw. On- (genannt wird in diesem Kontext etwa der Gewässername russ. Onut) bzw. spätur­dig. *ān, *ōn- → slaw. Anzu rechnen. 4.2. Sowohl für die o.a. baltischen wie auch die slawischen Gewässernamen gibt es keinerlei Anschluss im appellativischen Wortschatz jener Sprachen. 4.3. Da es bislang zudem auch nicht ansatzweise gelungen ist, im appellativischen Wortschatz die Existenz einer Wurzel uridg. *h₁en(H)- (in veralteter Schreibweise eben „*en/*on“ ) nachzuweisen (s. dazu unten §§ 4.5.5., 5.2., 5.3.), ist es, will man methodisch sauber arbeiten, auch nicht zulässig, diese (in ihrer 194 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Anmerkungen zu einigen mit Anbeginnenden litauischen Gewässernamen und ihren außerbaltischen Verwandten o-stufigen Form *h₁on[H-] für die baltischen und slawischen Gewässernamen anzusetzen. 4.4. Für das in den baltischen und slawischen Gewässernamen anzusetzende späturidg. *ankommt als Vorform aus heutiger Sicht der Indogermanistik prinzipiell eine Vorform uridg. *h₂en(H)- (ggf. auch *h₁/h₂/h₃an(H)-) in Frage, für späturidg. *ongibt es mehrere potentielle Vorformen: uridg. *h₁/h₂/h₃on(H)- oder *h₃en(H). Von all diesen potentiellen Vorformen sind nur zwei als Verbalwurzeln tatsächlich nachweisbar, nämlich uridg. *h₂en- ‘schöpfen’ (LIV² 266) und uridg. *h₂enH- ‘atmen’ (LIV² 266) – dazu gesellt sich noch die aufgrund der Semantik im vorliegenden Kontext ebenso wie uridg. *h₂enH- ‘atmen’ ausscheidende Wurzel uridg. *h₂enH- ‘Ahn’ (vgl. heth. ḫanna- ‘Großmutter’ und ahd. ana f. ‘id.’ etc.).⁶ 4.5. Somit bleibt nur uridg. *h₂en- ‘schöpfen’ übrig. Will man die Formen mit urbalt. *an- (> lit. An-, lett. An-) bzw. urslaw. *an- (> gemeinslaw. *on- > russ. On-) nicht willkürlich auf zwei Wurzeln zurückführen – und so Ockhams Rasiermesser ignorieren –, ist uridg. *h₂endie einzige sicher appellativisch belegte Wurzel, die für die baltischen und slawischen Gewässernamen als Grundlage in Frage kommt und somit angesetzt werden muss. Für eine Wurzel uridg. *h₁en(H)- ergibt sich hier im Baltischen und Slawischen im onymischen Bereich wieder kein Beweis: Es gibt keine Gewässernamen mit balt./slaw. En-, die darauf zurückgeführt werden müssten (vgl. LVŽ 2: 484ff.⁷), einen appellativischen Fortsetzer gibt es noch weniger. Es ist freilich eine Tatsache, dass die Wurzel uridg. *h₂en- ‘schöpfen’ sicher appellativisch nur im Anatolischen begegnet, in dem Verb heth. ḫān-i/ḫan- ‘(Wasser) schöpfen’⁸, wozu auch die Ableitung DUGhaness̄ar c. ‘Schöpfgefäß’ gehört, daneben vielleicht in arm. hanem ‘nehme heraus/weg, bringe heraus, ergreife’⁹ und vielleicht in ebenfalls etymologisch umstrittenem gr. ἄντλος m. ‘Kielbodenwasser, Bilgenwasser’ (falls < *h₂n̥-tlo- ‘was geschöpft wird’?)¹⁰. 4.6. Bemerkenswert ist in diesem Kontext die Art und Weise, wie Udolph (2020: 360) seinen Lehrer W. P. Schmid zitiert: „W. P. Schmid geht genauer auf das griechische Wort ein [gemeint ist ἄντλος ‚Bilgenwasser‘; H. B.] ...und folgert überzeugend, dass es zunächst einmal eine bestimmte ⁶ Vgl. EWAhd 1: 215–217 (ana²); HEG 1: 147f.; EDHIL 285. ⁷ Laut Impressum war Udolph einer der Gutachter dieses Bandes. ⁸ Vgl. HEG 1: 144f., 148; EDHIL 281f. ⁹ Vgl. ED AIL 389, 636f.; falls nicht < uridg. *senh₂-. ¹⁰ Vgl. GEW 1: 114 (mit älterer, heute allgemein abgelehnter Etymologie auf Basis von uridg. *semh₂- ‘schöpfen’; DÉLG 89, 1272 (zusätzlich mit Etymologie aus gr. ἀν(α)- + uridg. *telh₂- ‘hochheben’; GED 1: 109 (Verbindung mit heth. ḫanunter Berufung auf Benveniste 1954: 39). Straipsniai / Articles 195 HARALD BICHLMEIER Art von Wasser bezeichnet hat. Er geht dann zu [sic] den von mir in diesem Beitrag schon behandelten Gewässernamen Inn, Ahne, Anner, Anykščiai u.a. ein, ... und folgert, „dass hier tatsächlich *enneben *pen- ... zu belegen ist. Letztlich enthält [sic] man entweder eine Wurzel *₁enoder eine Wurzel *₂enin der Bedeutung ‚fließen, Fluss‘, die auch dem hethitischen ḫan- ‚schöpfen‘ nahestehen kann“.“ An der zitierten Stelle lautet Schmids Text jedoch etwas anders (Schmid 1988: 311 = 1994: 408), besonders die im Originaltext eingangs vorgenommene Einschränkung ist wichtig und wurde von Udolph stark verkürzt und etwas umgeschrieben: „Innerhalb eines Bereiches, für welchen keltische Namengebung angenommen werden muß, wird man die Frage, ob *enoder *penanzusetzen sei, nicht entscheiden können. ... An diese Wurzel *en-/*onläßt sich auch ἄντλος anschließen ...“ Ohne hier auf die laryngalistischen Probleme einzugehen, die möglicherweise auf eine Trennung von kelt. enund sonstigem anhinauslaufen könnten, erhält man entweder eine Wurzel *₁enoder eine Wurzel *₂enin der Bedeutung ‚fließen, Fluss‘, die auch dem hethitischen ḫan-, ‚schöpfen‘ nahestehen kann, wenn man den Bedeutungsunterschied über die Annahme einer Ableitung mit Hilfe des Wurzelablauts ... zu überbrücken vermag.“ 4.7. Es zeigt sich auch hier, dass die kritische bis ablehnende Haltung Schmids der Laryngaltheorie gegenüber ihm den Weg zur Lösung versperrt und zu letztlich unrichtigen Vorschlägen geführt hat, obwohl er den tatsächlich richtigen Weg aufzeigen hätte können. Bereits zur Zeit der Entstehung jenes Artikels von Schmid war in der Indogermanistik allgemein anerkannt, dass het­hit. *ḫanniemals auf „eine Wurzel *₁en-“ zurückgehen konnte, sondern ausschließlich auf „eine Wurzel *₂en-“, also uridg. *h₂en. Unklar bleibt indes, was Schmid mit dem von Udolph nicht mehr zitierten letzten Gliedsatz gemeint hat: Die Bedeutung einer Wurzel ändert sich ja nicht mit der Ablautstufe. 4.8. Der weitere Kommentar Udolphs hierzu ist ebenfalls aufschlussreich und zeigt seine Unvertrautheit mit der indogermanistischen Literatur: „Die von W. P. Schmid vorgeschlagene Verbindung von heth. ḫanmit griech. [erg. ἄντλος] ist auch im LIV: 266 ohne Kenntnis dieses Beitrags erwogen worden.“ Die Kenntnis dieses Beitrags war für das LIV² in diesem Kontext schlicht irrelevant, da Schmid (1988) hier gegenüber den von ihm zitierten Werken von Benveniste von 1954 und dem HEG 1: 144f. (1977/1983) nichts Neues bringe, sondern nur diese älteren Werke abbzw. weiterschreibt. ¹¹ Was nach den o.a. Anmerkungen schlicht falsch ist und auch schon 1988 morphonologisch auch auf dem damaligen veraltetem Stand, auf dem Schmid arbeitete, allenfalls mittels Zusatzannahmen begründbar gewesen wäre. ¹² Dieser argumentativ wichtige Satzteil fehlt im Zitat bei Udolph. 196 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Anmerkungen zu einigen mit Anbeginnenden litauischen Gewässernamen und ihren außerbaltischen Verwandten 5. DAS AUSSERBALTISCHE MATERIAL Das meiste außerbaltische Material wird in der neuesten Publikation zum Namen des Flusses Inn (Udolph 2020) dargeboten. Hier werden – obwohl es beim Namen des Inns möglicherweise um einen sogar vorkeltischen, also alteuropäischen/voreinzelsprachlich-indogermanischen/(ur)indogermanischen Namen geht – die o. § 3 angeführten Regeln der Indogermanistik außer Acht gelassen. Sein Ziel ist es, auf indogermanistisch längst überholtem Niveau diskutierend neuere Erkenntnisse zur Etymologie jenes Flussnamens in einer Menge vermeintlicher Beispiele und Pseudoargumente zu ersticken. Im Zusammenhang mit dem Flussnamen Inn werden in jenem Beitrag neben den oben schon besprochenen baltischen/slawischen Gewässernamen folgende etymologische Sippen/Nester behandelt, von denen im Weiteren zu ergründen versucht werden soll, ob sie nun zusammengehören oder nicht. a) der Name Inn selbst, b) mittelirische Appellativa wie en ‘Wasser’, enach ‘Sumpf’, enbrithe ‘Brühe’ und englas ‘wässrige Milch’, c) der Name der Enns, mir. an ‘Fluss’ etc. d) einige deutsche Gewässernamen. Zu den Punkten im Einzelnen: 5.1. Der Name Inn selbst In Wiesinger, Greule (2019: 104) werden folgende antike Belege geboten: Aeni fluminis [Tacitus], τοῦ Αἴνου ποταμοῦ [Ptolemaios], Ἔνος [Arrian]. Diese erlauben die Rekonstruktion eines Stammes vorröm. *Eno-. Nach Ansicht der überwiegenden Mehrheit der Forscher ist dies entweder ein keltischer Name oder ein keltisierter Name. In Wiesinger, Greule (2019: 122) erklärt Wiesinger (zu Innbach, „volkstümlich die Inn“): „Der Name der Inn geht wie der Name des großen Inn, ..., auf die gleiche Wurzel idg. *pen- ‚Schlamm, Sumpf, Wasser‘ zurück (siehe dort). Hier ist allerdings erst kelt. Bildung mit *enin mittelir. en ‚Wasser‘, enach ‚Sumpf‘ und englas ‚wässrige Milch‘ (IEW, S. 807) insofern nahe liegend, als die Ableitung ona [sic] als *Enonā für das Keltische charakteristisch ist.“ Gleichzeitig liest man im selben Buch von Wiesinger (Wiesinger, Greule 2019: 47): Straipsniai / Articles 197 HARALD BICHLMEIER „Zwar gibt es mittellir. en ‚Wasser‘, doch ist seine Herkunft fraglich, und naheliegender, idg-vspr. Bildung mit idg. *pen- ‚Schlamm, Sumpf, Wasser‘ und p-Verlust bei Keltisierung anzunehmen.“ Als eher abwegig erscheint die von Greule in Wiesinger, Greule (2019: 104) gegebene Erklärung: „Die weitere Etymologie ist unklar. Da mittellir. en ‚Wasser‘ deonymisch vom Namen des Inns auf das Inselkeltische übertragen worden sein kann, erscheint dieses Appellativ (mittellir. en) als Etymon des GewN fraglich, …“¹³ Diese Erklärung findet sich auch schon in DGNB 243: Was weiß ein mittelalterlicher Ire vom Inn, der in jener Zeit eine mehrwöchige Reise entfernt lag? Wie soll da aus dem Namen dieses Flusses ein Appellativum entstanden sein? Daneben scheint es auch eine Stammform *en-iogegeben zu haben: Greule (2015: 341) schreibt etwa „< keltisch *Enjos, mittellateinisch Enus“; Ähnliches liest man auch bei Anreiter, Chapman, Rampl (2009: 16): „*Enios, d. i. keltisiertes *Penios ← idg. *pen- ‚langsam fließendes Wasser‘“ . Dazu wird etwa in Greule (2010: 21) und DGNB 243 noch die auf den Arbeiten Pokornys (1948–1949 und 1950/51) beruhende, vielleicht ursprüngliche Unterscheidung erwähnt, dass die Form „Enos ursprünglich für den Unterlauf, *Enios für den Oberlauf des Flusses (in den Alpen) gegolten habe und *En-ieine romanische Erweiterung des Stammes *Enoist“. Die Frage der tatsächlichen Stammform bzw. ob es zwei nebeneinander gab, ist hier nicht zu klären¹⁴. In beiden Fällen kommt als zugrundeliegende Wurzel entweder vor-kelt. *pen- < uridg. *pen- ‚Schlamm, Sumpf‘, ggf. auch ‘langsam fließendes Wasser‘¹⁵ ¹³ In älterer Literatur ist Ähnliches zu einer deonymischen Entstehung von Gewässerbezeichnungen bisweilen auch in Bezug auf die Elbe zu lesen: Diese ist wenigstens ein wirklich auffälliger und langer Fluss (Ähnliches würde für den Rhein und die Donau gelten), aber selbst in diesen Fällen hält Verf. derartige Behauptungen für bislang nicht bewiesen (vgl. zu Elbe und ihrer Etymologie etwa Bichlmeier 2012a; Bichlmeier, Blažek 2015; Scheungraber, Grünzweig 2014: 43–46 jeweils mit weiterer Literatur). ¹⁴ Zum Inn vgl. auch folgende Arbeiten: Zu den Belegen für den Flussnamen etwa ANB 553–555 (Inn), 556f. (Inntal), Anreiter 1996: 62 und Borchers 2006: 26–28, zur Geschichte des Inntals Heitmeier 2005, weiters zur Etymologie Anreiter, Haslinger, Jenewein 1995: 23; Grzega 2001: 169; Anreiter 2005: 36f. (ebenso schon Anreiter 1996: 62–64); Anreiter 2008: 148; Delamarre 2012: 149; EDPC 127; DTNG 1: 328; explizit zum Methodischen der Ermittlung der Sprachstufe, auf der der Name des Inns geprägt wurde und zu den hinsichtlich der Etymologie angebrachten Zweifeln vgl. Anreiter 1997: 18f., 127f. So wird mit Hinweis auf die „Fragwürdigkeit der Keltizität“ der Name des Inns in Anreiter 2016 schließlich gar nicht mehr behandelt (vgl. Anreiter 2016: 7). ¹⁵ So etwa Anreiter, Chapman, Rampl 2009: 16: „*Enios, d. i. keltisiertes *Penios ← idg. *pen- ‚langsam fließendes Wasser‘.“ 198 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Anmerkungen zu einigen mit Anbeginnenden litauischen Gewässernamen und ihren auß erbaltischen Verwandten oder ‘stehendes Wasser’ in Frage, da bekanntlich vorvokalisches anlautendes uridg. *p- (wohl via *φ-) hin zum Keltischen schwindet. Es ist dies einer der das Keltische als gesonderte indogermanische Sprachfamilie konstituierenden Lautwandel. Dass hier die (eindeutig sonst nur im Litauischen und Lateinischen fortgesetzte) Wurzel uridg. *pen- ‘füttern, nähren’ zugrundeliegen könnte oder diese gar mit der, die ‘Sumpf, (stehendes) Wasser’ etc. bedeutet, ursprungsgleich sein könnte, ist kaum anzunehmen. Alternativ kann man annehmen, das keltische bzw. durch Keltisierung entstandene *en-osetze urkelt./vorkelt. *en- < uridg. *h₁en- (denkbar wäre prinzipiell auch *h₁enH) fort. Eine solche Wurzel ist jedoch – wie oben schon erwähnt – weder im LIV² noch im IEW (311ff.) gebucht. 5.2. Vier mittelirische Appellativa: en ‘Wasser’, enach ‘Sumpf’, enbruithe ‘Brühe’ und englas ‘wässrige Milch’ Während mir. en ‘Wasser’ ein reines Glossenwort ist, erscheinen die anderen drei Wörter auch in Texten¹⁹. Letztlich ergeben sich für diese vier Wörter, die auf urkelt. *(φ)en-obzw. *(φ)en-āko- (so auch EDPC 127, nur dort in der Schreibung *feno-, *fenāko-) zurückzuführen sind, dieselben Möglichkeiten wie für die Rekonstruktion von *(φ)en-oin Bezug auf den Namen Inn: bezeugtes und passendes uridg. *pen- ‘Schlamm, Sumpf, stehendes Wasser’ (vgl. ahd. fenni n., fennī f., mhd. venne, nhd. Fenn etc.)²⁰, bezeugtes, aber nicht passendes *pen- ‘nähren, füttern’ oder ohnehin sonst unbezeugtes und somit grundsätzlich hinsichtlich seiner Bedeutung nicht bestimmbares uridg. *h₁en(H). ¹⁶ Vgl. LatEW 2: 280–283; DÉLL 496; EDLIL 458f.; LitEW 1: 569; EDBIL 350f.; ALEW 2: 755f.; SEJL 449f.; LED 3: 941f.; SEJL² (2018–2020a) s.v. penéti. ¹⁷ Vgl. LIV² 471; IEW 807. ¹⁸ Vgl. dazu DGNB 243; Bichlmeier 2018: 58: „Die weiteren von Greule (2014 [= DGNB; H. B.]: 243) angestellten Überlegungen, wie etwa dass das Appellativum mir. en ‚Wasser‘ aus dem Flussnamen Enos durch Deonymisierung entstanden sei oder dass die hier vorliegende Wurzel uridg. *pen- ‚Schlamm, Sumpf, (ruhendes) Wasser‘ letztlich mit der (eindeutig sonst nur im Litauischen und Lateinischen fortgesetzten) Wurzel uridg. *pen- ‚füttern, nähren‘ zu verbinden bzw. identisch sei, müssen indes als Glaubenssache bzw. als rein spekulativ beurteilt werden.“ ¹⁹ Vgl. eDIL s.vv. en¹, enach, enbruithe, englas. ²⁰ Vgl. EWAhd 3: 152–154. Straipsniai / Articles 199 HARALD BICHLMEIER Nimmt man nun Ockhams Rasiermesser zur Hand, bedeutet diese Beleglage nichts anderes, als dass man eben den Namen des Flusses Inn und die miterlischen Wörter – solange nicht neues Wortmaterial auftaucht, das die im Vorhergehenden gemachten Erwägungen obsolet macht – auf die auch sonst in der Indogermania gut nachgewiesene Wurzel *pen- ‘Sumpf, Schlamm, stehendes/langsam fließendes Wasser’ zurückführen sollte. Man braucht keine weitere Wurzel. Da es somit offensichtlich keine eindeutig (und ausschließlich) diesen Wurzelansatz uridg. *h₁en(H)- erfordernden Appellativa gibt, könnte man auch, selbst wenn es diese Wurzel in rein onymischem Material doch gegeben haben sollte, dieser Wurzel keine Bedeutung zuweisen, da Namen bekanntlich nichts bedeuten, sondern nur verweisen. Sollte man also diese (mutmaßliche) Wurzel in Gewässernamen fassen zu können glauben, hätte man folglich bei der Bedeutungszuweisung de facto freie Wahl: Als Bedeutungsbereiche, aus denen in Gewässernamen der ältesten Schichten ‘verbaute’ Wurzeln stammen können, bieten sich etwa Material, Farbe/Aussehen und (messbare) Eigenschaften (Tiefe, Geschwindigkeit etc.) an. Eine potentielle, im appellativischen Wortschatz bislang nicht belegte, aber in einem Gewässernamen verbaute Wurzel uridg. *h₁en(H)- könnte folglich ‘Wasser’, ‘laufen’, ‘fließen’, ‘schnell’, ‘grün’, ‘blau’, ‘hell’, ‘glänzen’, ‘tief’, ‘seicht’, ‘kalt’, ‘warm’ etc. bedeuten. Eine Bedeutung unter diesen Zuständen auszuwählen, ist reine Willkür. 5.3. Der Name des Flusses Enns 5.3.1. Der Name des österreichischen Flusses Enns wird traditionell auf vor-röm. *Anis-o/ā- zurückgeführt, es finden sich einige spätantike und (früh)mittelalterliche Belege der Gestalt Anisus, Anesus, Anesa. Die Schreibung mit Geminate ist eine junge Erscheinung. Im Kontext der Etymologisierung dieses Gewässernamens wird dann oft auch auf gall. anam gl. paludem verwiesen, das aus dem in mehreren Handschriften (die älteste datiert auf 796 n. Chr.) überlieferten Glossar Endlichers stammt21. Die Zuverlässigkeit dieses Glossars wird aufgrund etlicher korrupter Stellen sehr unterschiedlich beurteilt. Möglicherweise handelt es sich dabei gar nicht um ein reales Wort, sondern um eine Fehlinterpretation eines Suffixes –anum22. Im selben Glossar findet sich 21 Vgl. dazu Toorians 2008 mit weiterer Literatur, Blom 2011 mit weiterer Literatur. 22 Vgl. DLG²/DLG³ 43f.; Toorians 2008: 173f.; Blom 2011: 161, 167, 174. 200 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Anmerkungen zu einigen mit Anbeginnenden litauischen Gewässernamen und ihren außerbaltischen Verwandten auch noch der Eintrag onno gl. flumen, für den ebenfalls angezweifelt wird, dass es sich um ein tatsächliches Wort handelt und erwogen wird, dass hier aufgrund einer Fehlinterpretation von gallischen Gewässernamen auf –onna dieses Suffix als Kompositionshinterglied interpretiert wurde. Sollte es sich dabei indes um eine jüngere Form von gall. unna ‘Wasser’ handeln, wäre diese Form in jedem Fall von gall. anam, mir. an, en fernzuhalten, da es dann auf eine Vorform vorurkelt. *ud-nāzurückgeht²³. Seltener wird auch das Glossenwort mir. an ‘Wasser, Urin’²⁴ erwähnt. Und letztlich gehört hierher nach allgemeiner Ansicht auch der Ortsname Anif (bei Salzburg), der in der Regel aus kelt./gall. *an-apāerklärt wird (vgl. HELSON 1: 7f.) – wobei durchaus fraglich bleibt, was hier *apāsein soll bzw. sein kann: Mit einem „apa-Namen“ wird man so weit im Süden ungern rechnen – und falls es doch einer ist, dürfte er erst recht spät ins Gallische/Nordalpenkeltische übernommen worden sein, nämlich wohl erst, nachdem urkelt. *kʷ bereits zu gall. *p geworden war. Oder man muss mit einem Vorgang rechnen, der auch im Altirischen bezeugt ist, dass nämlich fremdes *p, dem vorerst kein keltisches /p/ bei der Integration des Namens gegenübersteht, durch /kʷ/ substituiert wird und sich dann wie einheimisches ererbtes *kʷ weiterentwickelt. Übereinstimmung herrscht jedenfalls darin, dass das Keltische uridg. *h₂eḱu̯- ‘(fließendes) Wasser’ (> lat. aqu-a, urgerm. *axʷ-ō) nicht fortgesetzt hat. Natürlich kann hier auch keinesfalls uridg. *h₂ep- (in veralteter Notation „*ap-“ vorliegen, da dann im Keltischen nicht *-apavorliegen könnte. Gänzlich abwegig ist Udolphs (2020: 349) Vermutung, dass in dem Namen „neben idg. *ap- ‚Wasser, Fluss‘ keltisch *anos ‚Fluss‘ zu idg. *pen-/pon-/pṇ- ‚Schlamm, Sumpf, Wasser‘ zu vermuten ist.“ Praktisch identisch damit ist die Erklärung von Wiesinger in Wiesinger, Greule (2019: 166). Soll also ein keltisch-indogermanischer Mischname vorliegen? Weniger eindeutig ist die Erklärung in HELSON (1: 8), wo man liest: „kelt. *ánapa ‚Sumpfwasser‘ (apa-Name, komponiert aus festlandkelt. *anos ‚Fluß, Sumpf‘ sowie *apa ‚Wasser‘)“, wobei als Sprachstufe für „*apa“ hier das Festlandkeltische angenommen worden zu sein scheint – oder aber eine ungenaue Ausdrucksweise gewählt wurde und die Darstellung doch mit der bei Udolph und Wiesinger, Greule identisch ist. 5.3.2. Beide (bzw. alle drei) o.g. Formen (mir. an, gall. anam, Anisa, -us) gehen auf urkelt. *(φ)an(-ā)- zurück. Eine Erklärung aus älterem *(φ)en-āund Wirkung von Josephs Regel scheidet dabei aus (so EDPC 127): Denn während ²³ Vgl. DLG²/DLG³ 48, 242, 324; Toorians 2008: 175f.; Blom 2011: 161, 167, 175. ²⁴ Vgl. eDIL s.v. an²; möglicherweise findet sich das Lexem auch als Kompositionsvorderglied in mir. onchú ‘Otter’, wörtlich ‘Wasser-Hund’ mit dem Kompositionshinterglied air. cú ‚Hund‘ (vgl. eDIL s.v. onchú). – Zur Etymologie vgl. LEIA A-71f. Straipsniai / Articles 201 HARALD BICHLMEIER für das Urkeltische durchaus mit einer Entwicklung frühurkelt. *KeRaC- > urkelt./gemeinkelt. *KaRaKzu rechnen ist (Joseph 1982: passim, bes. 45, 55, EDPC 8), hat eine solche Assimilation in der Sequenz urkelt. *Kerā(K)# eben nicht stattgefunden (Joseph 1982: 55), wie air. ben ‘Frau‘ < urkelt. *benā < vorurkelt. *gᵘen-ā < uridg. *gᵘen-eh₂ zeigt. 5.3.3. Folglich muss *ananders erklärt werden²⁵. Wiesinger (in Wiesinger, Greule 2019: 118f.) entscheidet sich hier nicht wirklich, wenn er ebenda 119 ohne Analyse der Gesamtform einschließlich des Suffixes schreibt: „Er ist keltischen Ursprungs und basiert auf gall. anam ‚Moor, Sumpf‘ von idg. *pen-/pon-/pṇ- ‚Moor, Sumpf, Wasser‘ (IEW, S. 807) mit kelt. p-Verlust.“ 5.3.3.1. Klar ist, dass uridg. *pṇzu urkelt. *anführen kann – aber eigentlich nur in der Stellung vor einem Laryngal, da vor Vokal ja die phonotaktisch reguläre Vertretung *pṇ-Vsein müsste, also urkelt. *(φ)ṇVals Ergebnis zu erwarten wäre. Eine saubere Erklärung für diesen Umstand steht noch aus, EDPC 127 erwägt eine Herleitung aus uridg. *pṇ-Ho-, eventuell *pṇ-h₃o- (man vgl. uridg. *h₂ep-h₃on- > urkelt. *abon-; Nom. vorurkelt. *abō(n) > urkelt. *abū > air. aub ‘Fluss’), nennt diese Herleitungsmöglichkeit aber selbst ad hoc. Freilich kann eine solche Wurzelgestalt auch jederzeit analogisch entstehen, nach Fällen, in denen Ableitungen von anderen Wurzeln, die auf uridg. *-n(H)- enden, in entsprechenden Wortformen auftreten, die die Schwundstufe fordern. 5.3.3.2. Man würde also auch ausgehend von einer Wurzel uridg. *h₁en(H)- in ihrer schwundstufigen Gestalt *h₁n̥(H)- zu urkelt. *angelangen (vgl. uridg. *h₁n̥éh₃-me/on, *h₁n̥h₃-me/on- ‘Name’ > urkelt. *anman- [ausgehend von der Form *h₁n̥h₃-me/on-] > air. ainm)²⁶. Die Stammbildung bliebe freilich problematisch: Angesetzt werden müsste uridg. *h₁n̥(H)-o/eh₂-, eine äußerst auffällige Struktur, für die Entsprechungen in der Hydronymie der älteren Sprachschichten vorerst fehlen. 5.3.4. Unabhängig von der endgültigen Erklärung von gall. anam, mir. an sind diese Formen aber wie schon oben mir. en, enach kein Beweis für die Existenz einer Wurzel *h₁en(H)-, da die Formen eben auch ausgehend von der Wurzel uridg. *penerklärt werden können. Es sei darauf hingewiesen, dass, sollte man sich entschließen, die Wurzel uridg. *h₂en- (in ihrer vollstufigen Form) auch als Grundlage von Enns < Anisa, 25 Eine völlig andere Denkrichtung schlägt Villar (2000: 329–331) ein, der der Wurzel *an-, die in erster Linie in Gewässernamen (u.a. in Spanien) vorkommt, letztlich die Bedeutung ‘Fluss’ zuschreibt und mit einem Wort mediterranen Ursprungs rechnet. Ein Nachweis der Richtigkeit/Notwendigkeit dieses Bedeutungsansatzes über einen eindeutigen appellativischen Beleg erfolgt hier ebenfalls nicht. 26 Vgl. EDPC 38 (mit abweichendem Wurzelansatz), LEIA A–36f. 202 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Anmerkungen zu einigen mit Anbeginnenden litauischen Gewässernamen und ihren außerbaltischen Verwandten Anisus, mir. an anzunehmen, sich auch das Problem in Nichts auflösen würde, das man mit der Schwundstufenrealisierung der Wurzel *penbei der traditionellen Herleitung dieser keltischen Namen und Appellativa hat. 5.3.5. Die in die Diskussion von Udolph (2020: 354) weiter eingebrachten irischen Gewässernamen „hOn²⁷, Onach“ sprechen natürlich ebenfalls nicht unabhängig für eine Wurzel *h₁en(H)- in der o-Stufe, also *h₁on(H)-, sondern können ebenso *ponoder auch *h₂onfortsetzen (zu dieser Wurzel ausführlicher weiter unten). 5.3.6. Ergänzend ist noch auf die Problematik des Suffixes *-iso-, *-isāhinzuweisen: Dieses begegnet gewöhnlich in germanischen Gewässernamen, wo es theoretisch entweder auf eine sekundär thematisierte Komparativform mit dem schwundstufigen Suffix uridg. *-iszurückgehen kann, oder auf ein sekundär thematisiertes vollstufiges Suffix eines s-Stamms, also uridg. *-es-o/eh₂-. Für einen rein keltischen Namen käme zunächst nur die Komparativ-Lösung in Frage – es sei denn, man nimmt an, dass ein keltischer erweiterter s-Stamm wie *an-es-āeinfach bei oder nach der Übernahme ins Germanische/Vordeutsche eben entweder lautgesetzlich oder analogisch früher oder später zu (ur)germ. *an-is-ōwird – was nicht unwahrscheinlich, aber aufgrund der Materiallage auch nicht zu beweisen ist. Theoretisch denkbar, aber noch schwerer zu begründen wären wohl Ableitungen mit einem Suffix späturidg. *-so/āvon einem i-Stamm, also *-i-so/ā-. 5.3.7. Letztlich steht das Wesentliche der obigen Ausführungen schon – wenn auch deutlich kürzer, bei Bichlmeier (2012a: 376; zu diesem Zitat noch einmal weiter unten in der Zusammenfassung), wo es heißt: „Hingewiesen sei aber an dieser Stelle noch einmal mit aller Deutlichkeit auf die bekannteste der in der Namenkunde herumgeisternden Phantomwurzeln: Dies ist eindeutig die Wurzel *en-/on-, die ‚fließen‘ bedeuten soll. Diese ist, m.E. zu Recht, nicht 27 Dieser Ansatz bleibt unverständlich: Der Fluss kann nur On heißen, das herscheint nur nach dem maskulinen Artikel oder (notfalls) nach einer Präposition (freundlicher Hinweis von Stefan Zimmer). Zudem könnte es sich dabei ohnehin um einen Ghostname handeln: in Hogan 1910 wird der Name nicht nachgewiesen, dort findet sich nur zweimaliges Onach. 28 Der Erhalt dieses urgerm. *-sbleibt hier weiterhin auffällig und kann noch nicht als völlig geklärt gelten, da es im Urindogermanischen weder irgendwelche Typen von s-Stämmen noch Komparative gab, in denen der Akzent durchweg auf dem Suffix und damit vor dem *-slag, sodass dieses auch nach Wirken des Verner’schen Gesetzes erhalten geblieben wäre (vgl. zu den s-Stämmen Stüber 2002 passim, bes. 19–30; Höfler 2012: 20–27 sowie als Gegenposition zur communis opinio Hartmann 2012). ‘Normal’ ist demgegenüber die Entwicklung, die sich etwa in den Pluralformen alter s-Stämme zeigt: Nom. Pl. uridg. *-es-os > urgerm. *-ez-az > westgerm. *-iz > ahd. -ir > mhd., nhd. er. Es also muss irgendeine Art von paradigmatischem Ausgleich gewirkt haben. Straipsniai / Articles 203 HARALD BICHLMEIER einmal im IEW zu finden! Alle für diese Wurzel in Anspruch genommenen GewNN oder Appellativa entstammen entweder keltischen Sprachen oder sind zumindest keltischer Vermittlung verdächtig, so mir. an ‚Fluss‘, gall. anam ‚paludem‘, Inn,29 weshalb anlautendes *pgeschwunden sein dürfte und aller Wahrscheinlichkeit nach bei all diesen Belegen eben mit der Wz. *pen- ‚Sumpf‘ o.ä. zu rechnen sein wird, die sich auch im Landschaftsnamen Pannonien sowie etwa auch im Germanischen appellativisch findet (vgl. ahd. fenni n., fennî f., mhd. venne, nhd. Fenn etc.).30“ Allerdings wurde diese Passage seitens der Namenkunde bislang offenbar nicht (nachhaltig) rezipiert. 5.4. Einige deutsche Gewässernamen In der Diskussion bei Udolph 2020 werden auch einige deutsche Gewässernamen genannt, die rein geografisch gesehen teils keltischen oder germanischen, teils nur germanischen Ursprungs sein können. 5.4.1. Diese Namen brauchen hier nicht einzeln durchgegangen zu werden. Die meisten, wie Ahne, Ohne, Unna etc. haben Erstbelege mit An-, Un-, teils mit Geminate, also Ann-, Unn-. All diese Namen, die wohl nur germanischen Ursprungs sein dürften, lassen sich auf eine Wurzelform urgerm. *anoder *unzurückführen (was Udolph selbst mehrfach schreibt), können also auch auf vorurgerm. *an- < uridg. *h₂en(H)- bzw. urgerm. *un- < uridg. *h₂n̥(H)- zurückgehen und mit entsprechenden Suffixen weitergebildet sein. Das gilt, wenn man mit Udolph glaubt (bewiesen ist das bzw. hat er das nirgends), dass Unstrut eine nach den Flurnamen mit strut ‘Gebüsch’ umgebaute Namenform *Unstrfortsetze (anderes steht durchaus in der von ihm angeführten Literatur) sowohl für diesen Namen als auch für den baltischen Flussnamen Inster (mit In- < ur balt. *ink- < vorurbalt. *Hn̥(H)K-) – so korrekt zur lautlichen Entwicklung auch Udolph (2020: 359f.). Darüber hinaus deuten (ebenfalls nach Udolph ebenda) einige Belege von Namen des Typs Ohne auf alten Langvokal in den Belegen, was entweder auf germ. *au zurückgehen muss, womit solche Formen ohnehin aus der Diskussion ausscheiden müssten, oder auf urgerm. *ō, das dann auf vorurgerm. *ā oder *ō weisen würde. Auch diese Formen machen folglich nicht den Ansatz von uridg. *h₁en(H)- notwendig. Es können vielleicht auch erst innergermanisch gebildete Dehnstufen vorliegen oder eben uridg. *h₂ōnzugrunde liegen, was freilich aber 29 Vgl. dazu Bichlmeier 2010: 32f. mit weiterer Literatur. 30 Vgl. EWAhd 3: 152–154. 204 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Anmerkungen zu einigen mit Anbeginnenden litauischen Gewässernamen und ihren außerbaltischen Verwandten eine auch erst noch morphologisch zu begründende Wurzelgestalt wäre, die insgesamt nicht allzuhäufig nachzuweisen ist. Aus all dem folgt: Alle im Vorhergehenden angeführten germanischen Gewässernamen machen den Ansatz einer Wurzel *h₁en(H)- nicht notwendig, beweisen also für Krahes bzw. Udolphs „*en-/*on-“ nichts. 5.4.2. Einzig beweisen könnten Gewässernamen sein, die nachweislich mit ur-/westgerm. *enanlaufen. Udolph führt nun auch einige Gewässernamen an, die mit dt. Enoder I(h)nbeginnen. Diese sollen hier einzeln durchgesprochen werden: 5.4.2.1. Udolph (2020: 351f.) führt hier die folgenden Namen an: Zunächst Ober-Ense, Unter-Ense, Nieder-Ense, Ensen, einen Ortsnamen Annezin (am Pas-de-Calais). Diese werden von Udolph selbst und ggf. auch DGNB auf *Anisa/ōzurückgeführt – beweisen also wieder nichts für uridg. *h₁en(H)-, da ja kein germ. *envorliegt. 5.4.2.2. Ennest, Welschenennest, Enste werden explizit auf eine o-stufige Form zurückgeführt und die Geminate wird durch westgermanische Konsonantengemination durch *i̯ erklärt. Es wird also implizit eine Vorform urgerm. *an-ia-stao.ä. angesetzt. Die Form liefert also ebenfalls kein urgerm. *en- < *h₁en(H)-. 5.4.2.3. Ennepe (Flussname: 1235 Enrepe, 1325 Enepe; Ortsname: 1285 de Enepene, 1398 Enepe) ist hinsichtlich der Etymologie nicht sicher geklärt, da auch nicht sicher ist, ob die Geminate alt ist oder nicht. Udolph äußert sich dazu nicht, scheint aber mit einer Etymologie *en-apazu rechnen (ohne diese Form explizit anzuführen), während DGNB 128 zunächst zurückhaltend einen Zusammenhang mit gall. anam erwägt, aber letztlich eher von *Anipa < *ania-apa als apa-Name mit „(m.) *ania- (Kollektivum ‚günstige Lage‘?)“ ausgeht. Greule schreibt jedenfalls, dass die Geminate nicht alt sei, also nicht mit *enna- < *aniagerechnet werden könne. Die Bedeutung von implizitem *en-apawäre also wohl ‘Fließ-Fluss’, ‘Fließ-Wasser’. Die Etymologie erscheint alles andere als gelungen, immerhin könnte hier nun vielleicht ein erster Beleg für tatsächliches germ. *envorliegen. Allerdings liegt der Fluss in der germanisch-keltischen Übergangszone (siehe Karte), somit kann eine keltische Etymologie nicht völlig ausgeschlossen werden. Und wenn mit Udolph, HELSON (1: 7f.) zitierend, Anif (s.o.) auf *An-apaberuht, was keltisch sein dürfte, könnte dies letztlich auch für En(n)epe < *En-apagelten (die Udolph auch zusammen anführt), zumal ja im Keltischen mit mir. en, enach etc. auch urkelt. *(φ)ensicher bezeugt ist. 5.4.2.4. Es zeigt sich, dass folglich die Eindeutigkeit in der gewünschten Weise doch nicht erzielt werden konnte. Straipsniai / Articles 205 HARALD BICHLMEIER Fig 1, Karte aus Schumacher (2007: 169) 5.4.3. Schließlich ist noch eine Reihe von Gewässerbzw. Ortsnamen zu behandeln, die entweder ebenfalls dt. E(h)nzeigen oder aber mit Ihnoder Einbeginnen und von Udolph (2020: 352f.) als Argumente angeführt werden. 5.4.3.1. Für den Ortsnamen Ehnen (Luxemburg), den Ortsnamen Ihn (Saarland) samt dem zugehörigen Ihner Bach wird eine Erklärung aus kelt. *Eniō/ā- traditionell angenommen und dieser Möglichkeit auch von Udolph (2020: 352f.) nicht widersprochen. Da somit eine keltische Etymologie parallel zu der des Flussnamens Inn vorzuliegen scheint, entfallen diese Namen für den Ansatz einer Wurzel uridg. *h₁én(H)- 5.4.3.2. Für den westfälischen Ortsnamen Ihne, den detoponymischen Gewässernamen Ihne-Bach in Westfalen, und wohl auch die Eine (→ Wipper 206 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Anmerkungen zu einigen mit Anbeginnenden litauischen Gewässernamen und ihren außerval­tischen Verwandten → Saale) zeigen die ältesten Belege im ersteren Fall 1461 Eene, 16. Jh. Ehene, im letzteren 1321 Ena, Ene (Udolph gibt an zwei Textstellen zwei verschiedene Formen desselben Belegs). Für den westfälischen Namen ist keltische Herkunft sicher auszuschließen, für den Wipper-Zufluss Eine ist sie wenig wahrscheinlich, nach der o.a. Karte wäre man hier aber wohl noch am äußersten Rand des Übergangsgebietes. Die von Udolph abgelehnte, aber ohnehin nur zurückhaltend geäußerte Herleitung in DGNB (117, 238) aus ahd. *Aginaha > *Eina (Eine) > *Ēne (Eene, Ehene) > Ihne (Eine wäre also lediglich auf einer früheren Entwicklungsstufe fest geworden als im Falle von Ihne) wäre laut­lich wohl einwandfrei, aber die Annahme eines Rufnamens ahd. *Ago, Gen. *Agin im Vorderglied bleibt schwierig. Udolph zitiert hier als Gewährsfrau Schmidt (1970: 54), die in (aus heutiger Sicht) schon fast zirkulärer Argumentation laut Udolph schreibt: „Will man die GewN Inn < *Enios und Ihne, Eine < *Ena(na) zusammengehörig betrachten, so bleibt, da kelt. N.-Gebung dann ausscheidet, nur die Annahme einer Wz. idg. *en- (*on-) mit nicht näher bestimmter (Wasser-)Bedeutung, die appellativisch noch in den kelt. Appellativen greifbar ist.“ 5.4.3.3. Nach dem o.G. ist freilich klar, dass es sich auch hier um eine verfehlte Einschätzung handelt, da ja eben kelt. en, enach etc. gerade nicht beweisend für uridg. *h₁en(H)- sind. Und ob man nun verschiedene Etyma miteinander vereint oder nicht, hat nichts mit dem Willen eines/r Forschenden (oder seinem/ihrem Glauben) zu tun, sondern damit, ob die wissenschaftlichen Maßstäbe dies zulassen oder nicht. Wichtig zu nennen wären hier andere Fälle mit germ. *e in erster offener Silbe, die etwa die in den o.g. Gewässernamen angesetzte lautliche Entwicklung in den jeweiligen Regionen, in den die Flüsse liegen, untermauern würden. 5.4.3.4. In diesem Kontext sei noch auf die Namen zweier Fließgewässer hingewiesen, die Udolph in seiner Diskussion nicht erwähnt: a) Ehe (auch Ehe­bach; → Aisch → Regnitz → Main), 1073 Eha, 1479, 1481 Ee (DGNB 114); b) Ehn (im Elsass, → Ill → Rhein), 1284 enahe (für ehena?), 1374–1401 in der Ahen, Ortsname Niederehnheim (11. Jh. Ahenheim, 1050 Ehenheim), Oberehnheim (788 in Ehin­haim) (DGNB 115). Für ersteres kann eine Vorform urgerm. *aχʷiōerwogen werden (DGNB: „gm. *Ahwō f.“), für letzteres rechnet DGNB mit einer „Grundform (ahd.) *Ehina neben *Ahana (?) < gm. *Ahwinō f. neben *Ahwanō, n-Ableitung von gm. *ahwō ‚Wasserlauf‘“. Und kann man völlig ausschließen, dass ein solches „(ahd.) *Ehina“ dem o.a. *Eina zugrunde liegt? 5.4.4. In diesem Zusammenhang sei noch kurz auf die Kommentare Udolphs (2020: 362) eingegangen, man müsse schon das Material kennen, wenn Straipsniai / Articles 207 HARALD BICHLMEIER man Aussagen zur Etymologie von Namen machen wolle: Nach den obigen Ausführungen sollte klar geworden sein, dass es sich etwas anders verhält: Es ist zwar schön, wenn man statt 10 Belegen 100 vorbringen kann, doch wenn diese Belege keine neuen Elemente in die Diskussion einbringen, die am Ende auch den Ausgang der Diskussion verändern können, stellt sich die Frage: Wozu? Wichtiger, als 90 zusätzliche, aber für die Diskussion überflüssige Belege anzuführen, ist es doch wohl, die notwendige Methodik zur Analyse des Materials zu beherrschen. Auch bringt es nichts, Unmengen von Zitaten aus heute veralteter Literatur (Krahe, W. P. Schmid etc.) zu bringen, die die eigene Argumentation zu stützen scheinen, wenn deren Inhalte und Grundlagen längst – teils seit Jahrzehnten – überholt sind. Das hat dann nur mehr wissenschaftsgeschichtlichen Wert, bringt aber der Forschung keinen Fortschritt. 5.5. Zwischenergebnis Insgesamt muss man nach der Durchsicht der als Argumente vorgebrachten Namen zu dem Ergebnis kommen, dass sich die Anzahl der (indes auch nur halbwegs) sicheren Belege für germ. *en- < uridg. „*en–/(*on–)“ bzw. *h₁en(H)– auf maximal zwei zu belaufen scheint. Angesichts dieser Beleglage und noch mehr aufgrund der Tatsache, dass dieses uridg. „*en–/*on–“ bzw. *h₁en(H)– nirgends eindeutig im appellativischen Wortschatz auftritt (wie gesagt, nicht einmal Pokorny buch­te es in seinem IEW), erscheint es schlichtweg unangebracht, weiter mit einer solchen Wurzel zu agieren. 6. ZUSAMMENFASSUNG 6.1. Man steht vor dem Problem, dass man entweder die baltischen und slawischen Gewässernamen auf Grundlage einer sonst in Europa offenbar nicht bezeugten Verbalwurzel erklären muss, die aber semantisch immerhin etwas mit Wasser/Flüssigkeit zu tun hat, oder dass man sie auf der Grundlage einer appellativisch nirgends sicher bezeugten Wurzel erklärt, der man folglich nicht einmal eine Bedeutung zuordnen kann. 6.2. Die Benutzung von Ockhams Rasiermesser zwingt beim aktuellen Datenstand zu folgendem Schluss: 208 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Anmerkungen zu einigen mit Anbeginnenden litauischen Gewässernamen und ihren außerbaltischen Verwandten Sicher appellativisch bezeugt ist eine Wurzel *pen-; ebenfalls sicher appellativisch bezeugt ist eine Wurzel *h₂en- – nicht sicher appellativisch bezeugt ist indes eine Wurzel *h₁en(H). 6.3. Dies ergibt sich aus folgenden Punkten: 6.3.1. Der Name des Flusses Inn kann auf *penzurückgeführt werden, ebenso mir. en, enach etc. 6.3.2. Die Namen der Flüsse Enns und Ense < (*)Anisa, (*)Anisus können ebenso wie mir. an, gall. anam auf *pₙoder *h₂enzurückgeführt werden. 6.3.3. Die baltischen Gewässernamen, die mit Anund die slawischen Gewässernamen, die mit Onbeginnen, können sämtlich aus ur balt./urslaw. *an- < uridg. *h₂enerklärt werden. 6.3.4. Praktisch alle diskutierten germanischen/deutschen Gewässernamen mit der (nota bene möglichen, nicht bewiesenen!) Ausnahme zweier Namenetyma (eines der beiden könnte auch keltisch sein, das andere könnte anders zu etymologisieren sein als bisher üblich) können aus urgerm. *an- (< uridg. *h₂enoder *h₂on-) bzw. urgerm. *un- (< uridg. *h₂n-) bzw. urgerm. *ōn- (< uridg. *h₂ōn-) erklärt werden, oder gehen auf urgerm. *aunzurück und bleiben ohnehin fern. 6.3.5. Folglich gibt es keinen Grund, irgendeine Wurzel *h₁en(H)- (in veralteter Notationsweise: „*en-/*on-“ ) anzusetzen: Beim heutigen Wissensstand bzw. auf der Grundlage der aktuell bekannten Materialbasis liegt die Wahrscheinlichkeit der Existenz einer solchen Wurzel bei Null. 6.4. Man wird folglich weiter behaupten dürfen (ja sagen müssen), dass – solange nicht grundlegend neues Material auftaucht, das den Ansatz einer Wurzel uridg. *h₁en(H)- mit irgendeiner auch für die Benennungen von Fließgewässern taugenden Semantik beweist – es sich bei uridg. „*en-/*on-“ schlicht um eine Phantomwurzel handelt. Mit Ausnahme zweier nicht ganz eindeutig geklärter Fälle deutscher Gewässernamen lassen sich alle von Udolph 2020 angeführten Gewässernamen ausgehend von den auch sonst appellativisch bezeugten Wurzeln *h₂enund *penwiderspruchsfrei erklären: Tertia radix non datur. 6.5. Man mag auch hier argumentieren, dass ja noch Sprachmaterial auftauchen könne, das zum Ansatz einer Wurzel *h₁en(H)- zwinge. Wahrscheinlich ist das nicht. Abschließend wird man wohl nach all den oben angeführten Punkten sagen dürfen, dass das von Udolph (2020: 362) am Ende seines Beitrags inkriminierte Zitat aus Bichlmeier (2012a: 376) in leicht erweiterter Form weiterhin als zutreffend betrachtet werden darf, ja muss: Straipsniai / Articles 209 HARALD BICHLMEIER „Alle für diese Wurzel [gemeint ist uridg. *h₁en(H)-, veraltet „*en-/*on-“; H. B.] in Anspruch genommenen Gewässernamen oder Appellativa entstammen entweder keltischen Sprachen oder sind zumindest keltischer Vermittlung verdächtig“ – oder sind zu einer Wurzel uridg. *h₂enzu stellen. Immerhin wurde nun zumindest in diesem Punkt ein Fortschritt im letzten Jahrzehnt erzielt. 7. AUSBLICK Es bleibt bei dem, was in anderem Kontext bereits festgestellt wurde (Bichlmeier 2018a: 230), dass nämlich „sich mit Indogermanistik auskennen muss, wer sich mit ‚alteuropäischen‘ oder allgemein archaischen (indo)germanischen Gewässernamen beschäftigt. Fehlen solche Kenntnisse (auf aktuellem Stand), kann kein ordentliches oder gar relevantes Ergebnis herauskommen.“ LITERATUR Ad r ados Francisco R., Bernabé Alberto, Mendoza Julia 1995: Manual de lingüística indoeuropea. I: Prólogo. Introducción. Fonética. (Manuales universitarios), Madrid: Ediciones clásicas. Ad r ados Francisco R., Bernabé Alberto, Mendoza Julia 2010: Manual of Indo-European Linguistics. Vol. 1. (Orbis Supplementa 34), Leuven, Paris, Walpole, MA: Peeters. ALEW – Altlitauisches etymologisches Wörterbuch. Vol. 1: A–M; Vol. 2: N–Ž. Unter der Leitung von W. Hock und der Mitarbeit von E. J. Bukevičiūtė, Ch. Schiller bearb. von R. Fecht, A. H. Feulner, E. Hill, D. S. Wodtko. Vol. 3: Verzeichnisse und Indices. Unter der Leitung von W. Hock und der Mitarbeit vieler anderer bearbeitete von R. Fecht. (Studien zur historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft 7/1–3), Hamburg: Baar 2015. ANB – Altdeutsches Namenbuch. Die Überlieferung der Ortsnamen in Österreich und Südtirol von den Anfängen bis 1200. Bearb. von I. Hausner, E. Schuster, Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1989–2015. Anreiter Peter 1996: Keltische Ortsnamen in Nordtirol. (Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft, Vorträge und kleinere Schriften 65), Innsbruck: Institut für Sprachwissenschaft. 210 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Anmerkungen zu einigen mit Anbeginnenden litauischen Gewässernamen und ihren außerbaltischen Verwandten Anreiter Peter 1997: Zur Methodik der Namendeutung. Mit Beispielen aus dem Tiroler Raum. (Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft, Sonderheft), Innsbruck: Institut für Sprachwissenschaft. Anreiter Peter 2005: Die Schichtung der Tiroler Gewässernamen. – Greule Albrecht, Janka Wolfgang, Prinz Michael (Hrsg.): Gewässernamen in Bayern und Österreich. 3. Kolloquium des Arbeitskreises für bayerisch-österreichische Namenforschung. Regensburg, 27./28. Februar 2004. (Regensburger Studien zur Namenforschung 1), Regensburg: Edition Vulpes, 35–49. Anreiter Peter 2008: Wolf-Armin Frhr. von Reitzenstein, Lexikon bayerischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz, München: C. H. Beck 2006 [Rezension zu]. – Österreichische Namenforschung 36, 145–153. Anreiter Peter 2016: Nordtiroler Namen keltischer Herkunft, Wien: Praesens. Anreiter Peter, Chapman Christian, Rampl Gerhard 2009: Die Gemeindenamen Tirols: Herkunft und Bedeutung. (Veröffentlichungen des Tiroler Landesarchivs 17), Innsbruck: Universitätsverlag Wagner. Anreiter Peter, Haslinger Maria­luise, Jenewein Doris 1995: Keltisches Namengut in Nordtirol. – Linguistics with a Human Face. Festschrift für Norman Denison zum 70. Geburtstag. (Grazer Linguistische Monographien 10), hrsgg. K. Sornig, D. W. Halwachs, Ch. Penzinger, G. Ambrosch, Graz: Institut für Sprachwissenschaft der Universität, 15–29. Benveniste Émile 1954: Études hittites et indo-européennes. – Bulletin de la société linguistique 50, 29–43. Bichlmeier Harald 2010: Bairisch-österreichische Ortsund Gewässernamen aus indogermanistischer Sicht. – Blätter für oberdeutsche Namenforschung 46, 2009 [2010], 3–63. Bichlmeier Harald 2012: Einige ausgewählte Probleme der alteuropäischen Hydronymie aus Sicht der modernen Indogermanistik – Ein Plädoyer für eine neue Sicht auf die Dinge. – Acta Linguistica Lituanica 66, 11–47. Bichlmeier Harald 2012a: Anmerkungen zum terminologischen Problem der ‚alteuropäischen Hydronymie‘ samt indogermanistischen Ergänzungen zum Namen der Elbe. – Beiträge zur Namenforschung, Neue Folge 47/4, 365–395. Bichlmeier Harald 2018: Zum Namen des Inns: Bekanntes und Vergessenes. – Namenkundliche Informationen 109/110, 2017 [2018], 53–62. Bichlmeier Harald 2018a: Joachim Andraschke, Die germanisch-frühdeutschen Ortsnamen des Regnitzund Obermaingebietes. Von der elbgermanischen Landnahme bis zur Merowingerzeit. (Schriftenreihe des Historischen Vereins Landkreis Haßberge e.V. 16; Straipsniai / Articles 211 HARALD BICHLMEIER Beiträge zur ostfränkischen Kulturund Landeskunde 4) Haßfurt: Historischer Verein Landkreis Haßberge e. V. 2016 [Rezension zu]. – Blätter für oberdeutsche Namenforschung 55, 223–232. Bichlmeier Harald, Blažek Václav 2015: Elbe – zu den Quellen eines Hydronyms. – Acta Linguistica Lithuanica 71, 2014 [2015], 125–146. Bičovský Jan 2012: Stručná mluvnice praindoevropštiny. (Práce Filozofické Fakulty Univerzity Karlovy, Varia 3), Praha: Filozofická Fakulta Univerzity Karlovy. Bičovský Jan 2017: Praindoevropština. I: Mluvnice. II: Dodatky. (Práce Filozofické Fakulty Univerzity Karlovy, Varia 62, 63), Praha: Filozofická Fakulta Univerzity Karlovy. Blom Alderik H. 2011: Endlicher’s glossary. – Études Celtiques 37, 159–181. Clackson James 2007: Indo-European Linguistics. An Introduction. (Cambridge textbooks in linguistics), Cambridge: Cambridge University Press. Delamarre Xavier 2012: Noms de lieux celtiques de l’Europe ancienne. (− 500 / + 500). Dictionnaire. (Collection les Hesperides), Paris: Éditions Errance. DÉLG – Chantraine Pierre 2009: Dictionnaire étymologique de la langue grecque. Histoire des mots. Nouvelle édition, Paris: Klincksieck. DÉLL – Ernout Alfred, Meillet Antoine 2001: Dictionnaire étymologique de la langue latine: histoire des mots. Retirage de la 4. éd. augm. d’additions et de corr. par Jacques André, Paris: Klincksieck. DGNB – Greule Albrecht 2014: Deutsches Gewässernamenbuch. Etymologie der Gewässernamen und der zugehörigen Gebiets-, Siedlungsund Flurnamen, unter Mitarbeit von S. Hackl-Rößler, Berlin, Boston: de Gruyter. DLG² – Delamarre Xavier 2003: Dictionnaire de la langue gauloise. Une approche linguistique du vieux-celtique continental. Préface: Pierre-Yves Lambert, 2e édition revue et très augmentée, Paris: Éditions Errance. DLG³ – Delamarre Xavier 2018: Dictionnaire de la langue gauloise. Une approche linguistique du vieux-celtique continental. Préface: Pierre-Yves Lambert, troisième édition, Paris: Éditions Errance. DONB – Niemeyer Manfred (Hrsg.) 2012: Deutsches Ortsnamenbuch, Berlin, Boston: de Gruyter. DTNG – Delamarre Xavier 2019–2021: Dictionnaire des thèmes nominaux du gaulois. / A Dictionary of Gaulish Nominal Stems. Vol. 1: Ab-/Iχs(o)-; Vol. 2: Lab-/Uχs-pero-. (Collection Linguistique 5, 6), Paris: Éditions Les Cent Chemins. 212 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Anmerkungen zu einigen mit Anbeginnenden litauischen Gewässernamen und ihren außerbaltischen Verwandten EDAIL – Martirosyan Hrach K. 2010: Etymological Dictionary of the Armenian Inherited Lexicon. (Leiden Indo-European Etymological Dictionary Series 8), Leiden, Boston: Brill. EDBIL – Derksen Rick 2014: Etymological Dictionary of the Baltic Inherited Lexicon. (Leiden Indo-European Etymological Dictionary Series 13), Leiden, Boston: Brill. EDG – Beekes Robert with the assistance of Lucien van Beek 2010: Etymological Dictionary of Greek. (Leiden Indo-European Etymological Dictionary Series 10), Leiden, Boston: Brill. EDHIL – Kloekhorst Alwin 2008: Etymological Dictionary of the Hittite Inherited Lexicon. (Leiden Indo-European Etymological Dictionary Series 5), Leiden, Boston: Brill. eDIL – Electronic Dictionary of the Irish Language. Zugang: http://www.dil.ie/ [abgerufen im Februar 2021]. EDLIL – de Vaan Michiel 2008: Etymological Dictionary of Latin and the other Italic Languages. (Leiden Indo-European Etymological Dictionary Series 7), Leiden, Boston: Brill. EDPC – Matasović Ranko 2009: An Etymological Dictionary of Proto-Celtic. (Leiden Indo-European Etymological Dictionary Series 9), Leiden, Boston: Brill. EDPG – Kroonen Guus 2013: Etymological Dictionary of Proto-Germanic. (Leiden Indo-European Etymological Dictionary Series 11), Leiden, Boston: Brill. EWAhd – Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen. Band I: –a – bezzisto, von A. L. Lloyd, O. Springer, Göttingen, Zürich: Vandenhoeck & Ruprecht, 1988. Band II: bī – eǫzo, von A. L. Lloyd, R. Lühr, O. Springer † unter Mitwirkung von K. R. Purdy, Göttingen, Zürich: Vandenhoeck & Ruprecht, 1998. Band III: fadum – fūstslag, von A. L. Lloyd, R. Lühr unter Mitarbeit von G. Kohlrusch, M. Kozianka, K. R. Purdy, R. Schuhmann, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2007. Band IV: gāba – hylare, von A. L. Lloyd, R. Lühr, Mitarbeit von G. Schuhmann, M. Kozianka, K. R. Purdy, R. Schuhmann, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2009. Band V: iba – luzzilo, hrsgg. von R. Lühr, erarb. von H. Bichlmeier, M. Kozianka, R. Schuhmann mit Beiträgen von A. L. Lloyd unter Mitarbeit von K. K. Purdy, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2014. Band VI: mada – pūzza, hrsgg. von R. Lühr, erarbeitet von H. Bichlmeier, M. Kozianka, R. Schuhmann, L. Sturm, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2017. Band VII: quaderna – skazzōn, hrsgg. von R. Lühr, erarbeitet von D. S. Wodtko (Arbeitsstellenleitung), H. Bichlmeier, M. Kozianka, R. Schuhmann, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2021. Straipsniai / Articles 213 HARALD BICHLMEIER Fortson Benjamin W. IV. 2004: Indo-European Language and Culture – an Introduction. (Blackwell textbooks in linguistics 19), Malden, Oxford, Carlton: Blackwell. Fortson Benjamin W. IV. 2009: Indo-European Language and Culture – an Introduction. Second Edition. (Blackwell textbooks in linguistics 19), Malden, Oxford, Carlton: Blackwell. Fritz Matthias, Meier-Brügger Michael 2020: Indogermanische Sprachwissenschaft. 10., völlig neu bearb. Aufl. (De-Gruyter-Studienbuch), Berlin, Boston: de Gruyter. GEW – Frisk Hjalmar 1960–1972: Griechisches etymologisches Wörterbuch. 3 Bde. (Indogermanische Bibliothek: Reihe 2, Wörterbücher), Heidelberg: Carl Winter Universitätsverlag. Greule Albrecht 2015: Die romanischen Ortsnamen in Bayern. – Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 78, 333–363. Grzega Joachim 2001: Romania Gallica Cisalpina. Etymologisch-geolinguistische Studien zu den oberitalienisch-rätoromanischen Keltizismen. (Beihefte zur Zeitschrift für Romanische Philologie 311), Tübingen: Max Niemeyer. Hartmann Markus 2012: Zum Ablaut der neutralen s-Stämme des Indogermanischen. – International Journal of Diachronic Linguistics and Linguistic Reconstruction 9, 51–85. HEG – Tischler Johann 1977–2016: Hethitisches etymologisches Glossar, mit Beiträgen von G. Neumann, E. Neu. (Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft 20), Innsbruck: Institut für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck. Heitmeier Irmtraud 2005: Das Inntal. Siedlungsund Raumentwicklung eines Alp entales im Schnittpunkt der politischen Interessen von der römischen Okkupation bis in die Zeit Karls des Großen. (Studien zur Frühgeschichte des historischen Tiroler Raums 1; Schlern-Schriften 324), Innsbruck: Wagner. HELSON 1 – Lindner Thomas, Reiffenstein Ingo 2015: Historisch-Etymologisches Lexikon der Salzburger Ortsnamen. (HELSON) Bd. 1: Stadt Salzburg und Flachgau, Salzburg, Wien: Edition Tandem. Höfler Andreas 2012: Untersuchungen zum Ablaut der neutralen s-Stämme des Urindogermanischen: Diplomarbeit, Wien: Universität. Hogan Edmund 1910: Onomasticon goedelicum locorum et tribuum Hiberniae et Scotiae: an index, with identifications, to the Gaelic names of places and tribes, Dublin: Hodges, Figgis, & Co. IEW – Pokorny Julius 1959: Indogermanisches etymologisches Wörterbuch, Bd. 1, München, Bern: Francke. 214 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Anmerkungen zu einigen mit Anbeginnenden litauischen Gewässernamen und ihren außerbaltischen Verwandten Joseph Brian 1982: The Treatment of *CR̥Hand the Origin of CaRa in Celtic. – Ériu 33, 31–57. LatEW – Walde Alois, Hoffmann Johann Baptist 1930–1954: Lateinisches Etymologisches Wörterbuch, 2 Bde. (Indogermanische Bibliothek: Abteilung 1, Sammlung indogermanischer Lehrund Handbücher. Reihe 2, Wörterbücher), Heidelberg: Carl Winter Universitätsverlag. LED – Smoczyński Wojciech 2018: Lithuanian Etymological Dictionary. Vol. 1: A–G; Vol. 2: I–N; Vol. 3: O–S; Vol. 4: T–Z; Vol. 5: Index, ed. A. Holvoet, S. Young, assist. W. Browne, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien: Peter Lang GmbH Internationaler Verlag der Wissenschaften. Lehmann Winfred P. 1993: Theoretical Bases of Indo-European Linguistics, London, New York: Routledge. LEIA – Vendryes Joseph: Léxique étymologique d’Irlandais ancien. A: Dublin: School of Celtic Studies, Dublin Inst. for Advanced Studies, 1959 (Neudruck 1981). – B: Dublin: School of Celtic Studies, Dublin Inst. for Advanced Studies – Paris: Centre National de la Recherche Scientifique, 1981. – C: Dublin: School of Celtic Studies, Dublin Inst. for Advanced Studies – Paris: Centre National de la Recherche Scientifique, 1987. – D: Dublin: School of Celtic Studies, Dublin Inst. for Advanced Studies – Paris: Centre National de la Recherche Scientifique, 1983. – R, S: Dublin: School of Celtic Studies, Dublin Inst. for Advanced Studies – Paris: Centre National de la Recherche Scientifique, 1974. – T, U: Dublin: School of Celtic Studies, Dublin Inst. for Advanced Studies – Paris: Centre National de la Recherche Scientifique, 1978. Lindner Thomas (Hrsg.) 2012: Indogermanische Grammatik. Bd. I. 1. Halbband: Einleitung von W. Cowgill †. Ins Deutsche übersetzt und bibliographisch bearb. von A. Bammesberger, M. Peters; 2. Halbband: Lautlehre [Segmentale Phonologie des Indogermanischen] von M. Mayrhofer. (Indogermanische Bibliothek: Reihe 1, Lehrund Handbücher: Indogermanische Grammatik Bd. 1), Heidelberg: Carl Winter Universitätsverlag [1986]. LIPP – Dunkel George E. 2014: Lexikon der indogermanischen Partikeln und Pronominalstämme. Bd. 1: Einleitung, Terminologie, Lautgesetze, Adverbialendungen, Nominalsuffixe, Anhänge und Indices. Bd. 2: Lexikon. (Indogermanische Bibliothek: 2. Reihe Wörterbücher), Heidelberg: Carl Winter Universitätsverlag. LitEW – Fraenkel Ernst 1962–1965: Litauisches etymologisches Wörterbuch. 2 Bde. (Indogermanische Bibliothek: 2. Reihe Wörterbücher), Heidelberg: Carl Winter Universitätsverlag. LIV² – Lexikon der indogermanischen Verben, unter Leitung von H. Rix bearb. von M. Kümmel, T. Zehnder, R. Lipp, B. Schirmer, Wiesbaden: Reichert, 2001. Straipsniai / Articles 215 HARALD BICHLMEIER LVŽ 1 – Balode Laimutė et al. (Hrsgg.) 2008: Lietuvos vietovardžių žodynas 1: A–B, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas. LVŽ 2 – Bilkis Laimutis (Hrsg.) 2014: Lietuvos vietovardžių žodynas 2: C–F, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas. Mallory James P., Adams Douglas Q. 2006: The Oxford Introduction to Proto-Indo-European and the Proto-Indo-European World, Oxford: Oxford University Press. Meier-Brügger Michael 2002: Indogermanische Sprachwissenschaft 8., überarb. u. erg. Aufl. unter Mitarbeit von M. Fritz, M. Mayrhofer. (De-Gruyter-Studienbuch), Berlin, New York: de Gruyter. Meier-Brügger Michael 2003: Indo-European Linguistics, in cooperation with M. Fritz, M. Mayrhofer. (De Gruyter Textbook), Berlin, New York: de Gruyter. Meier-Brügger Michael 2010: Indogermanische Sprachwissenschaft 9., durchges. u. erg. Aufl. unter Mitarbeit von M. Fritz, M. Mayrhofer. (De-Gruyter-Studienbuch), Berlin, New York: de Gruyter. NIL – Wodtko Dagmar S., Irsl inger Britta, Schneider Carolin 2008: Nomina im Indogermanischen Lexikon, Heidelberg: Carl Winter Universitätsverlag. Pokorny Julius 1948–1949: Zur keltischen Namenkunde und Etymologie. – Vox Romanica 10, 220–267. Pokorny Julius 1950–1951: Zu keltischen Namen. – Beiträge zur Namenforschung 2, 33–39. Rix Helmut 1992. Historische Grammatik des Griechischen: Lautund Formenlehre 2., korr. Aufl. Wiesbaden: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Scheungraber Corinna, Grünzweig Friedrich E. 2014: Die altgermanischen Toponyme sowie ungermanische Toponyme Germaniens. Ein Handbuch zu ihrer Etymologie, unter Benutzung einer Bibliographie von R. Nedoma hrsg. von H. Reichert. (Philologica Germanica 34), Wien: Fassbaender. Schmid Wolfgang P. 1988: Hethitische Etyma zu alteuropäischen Gewässernamen. – Neu Erich, Rüster Christel (Hrsgg.): Documentum Asiae Minoris Antiquae. Festschrift für Heinrich Otten zum 75. Geburtstag, Wiesbaden: Harrassowitz, 307–315 [wieder abgedruckt in Schmid 1994: 404–412]. Schmid Wolfgang P. 1994: Linguisticae Scientiae Collectanea, ausgewählte Schriften von W. P. Schmid anläßlich seines 65. Geburtstages hrsg. von J. Becker, E. Eggers, J. Udolph, D. Weber, Berlin, New York: Walter de Gruyter. Schmidt Dagmar 1970: Die rechtsrheinischen Zuflüsse zwischen Wupper und Lippe: phil. Dissertation, Göttingen. 216 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Anmerkungen zu einigen mit Anbeginnenden litauischen Gewässernamen und ihren auß­er­baltischen Verwandten Schumacher Stefan 2007: Die Deutschen und die Nachbarstämme: Lexikalische und strukturelle Sprachkontaktphänomene entlang der keltisch-germanischen Übergangszone. Johann Kaspar Zeuß im kulturund sprachwissenschaftlichen Kontext (19. bis 21. Jahrhundert). Kronach 21.7.–23.7.2006, hrsg. von H. Hab­lit­zel, D. Stifter unter redaktioneller Mitarbeit von H. Tauber. (Keltische Forschungen 2), Wien: Präsens, 167–207. SEJL – Smoczyński Wojciech 2007: Słownik etymologiczny języka litewskiego, Wilno: Uniwersytet Wileński. SEJL² 2018 – Smoczyński Wojciech 2018: Słownik etymologiczny języka litewskiego. Wydanie drugie, poprawione i znacznie rozszerzone. o.O. Version vom 20.1.2018. Zugang: www.rromanes.org/pub/alii/Smoczyński W. Słownik etymologiczny języka litewskiego.pdf [abgerufen am März 2018]. SEJL² 2019 – Smoczyński Wojciech 2019: Słownik etymologiczny języka litewskiego. Wydanie drugie, poprawione i znacznie rozszerzone. Współpraca redakcyjna: M. Osłon. o.O. Version vom 9.3.2019. Zugang: www.rromanes.org/pub/alii/Smoczyński W. Słownik etymologiczny języka litewskiego.pdf [abgerufen am März 2019]. SEJL² 2019a – Smoczyński Wojciech 2019: Słownik etymologiczny języka litewskiego. Wydanie drugie, poprawione i znacznie rozszerzone. Współpraca redakcyjna: M. Osłon. o.O. Version vom 24.9.2019. Zugang: www.rromanes.org/pub/alii/Smoczyński W. Słownik etymologiczny języka litewskiego.pdf [abgerufen am Oktober 2019]. SEJL² 2020 – Smoczyński Wojciech 2020: Słownik etymologiczny języka litewskiego. Wydanie drugie, poprawione i znacznie rozszerzone. Współpraca redakcyjna: M. Osłon. o.O. Version vom 21.6.2020. Zugang: www.rromanes.org/pub/alii/Smoczyński W. Słownik etymologiczny języka litewskiego.pdf [abgerufen am 28.6.2020]. SEJL² 2020a – Smoczyński Wojciech 2020: Słownik etymologiczny języka litewskiego. Wydanie drugie, poprawione i znacznie rozszerzone. Współpraca redakcyjna: M. Osłon. o.O. Version vom 13.11.2020. Zugang: www.rromanes.org/pub/alii/Smoczyński W. Słownik etymologiczny języka litewskiego.pdf [abgerufen am 17.11.2020]. Smoczyński Wojciech 2016: Laringalų teorija ir lietuvių kalba. (Bibliotheca Salensis 2), Vilnius: Lietuvių kalbos institutas. Stüber Karin 2002: Die primären s-Stämme des Indogermanischen, Wiesbaden: Reichert. Tichy Eva 2001: Indogermanistisches Grundwissen für Studierende sprachwissenschaftlicher Disziplinen, Bremen: Hempen. Tichy Eva 2006: A Survey of Proto-Indo-European, Bremen: Hempen. Tichy Eva 2009: Indogermanistisches Grundwissen für Studierende sprachwissenschaftlicher Disziplinen 3., vollst. überarb. Aufl., Bremen: Hempen. Straipsniai / Articles 217 HARALD BICHLMEIER Toorians Lauran 2008: Endlicher’s Glossary, an attempt to write its history. – Celtic and other languages in Ancient Europe. (Acta Salamanticensia, Estudios filológicos 127), ed. J. L. García Alonso, Salamanca: Ediciones Universidad de Salamanca, 153–184. Udolph Jürgen 2020: Inn < *Penios? – Blätter für oberdeutsche Namenforschung 57 (100 Jahre Verband für Ortsund Flurnamenforschung in Bayern e.V.; 80 Jahre Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: ein onomastisches Geburtstagsgebinde), 345–365. Vanagas Aleksandras 1970: Lietuvos TSR hidronimų daryba, Vilnius: Mintis. Vanagas Aleksandras 1981: Lietuvių hidronimų etimologinis žodynas, Vilnius: Mokslas. Villar Francisco 2000: Indoeuropeos y no indoeuropeos en la Hispania prerromana. Las poblaciones y las lenguas prerromanas de Andalucía, Cataluña y Aragón según la información que nos proporciona la toponimia. (Acta Salamanticensia, Estudios filológicos 277), Salamanca: Ediciones Universidad de Salamanca. Weiss Michael L. 2009: Outline of the historical and comparative grammar of Latin, Ann Arbor, New York: Beech Stave Press. Weiss Michael L. 2020: Outline of the historical and comparative grammar of Latin, second ed., Ann Arbor, New York: Beech Stave Press. Wiesinger Peter, Greule Albrecht 2019: Baiern und Romanen. Zum Verhältnis der frühmittelalterlichen Ethnien aus der Sicht der Sprachwissenschaft und Namenforschung, Tübingen: Narr, Francke, Attempto. 218 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Anmerkungen zu einigen mit Anbeginnenden litauischen Gewässernamen und ihren außerbaltischen Verwandten Pastabos dėl kelių su Anprasidedančių lietuvių vandenvardžių ir jų nebalt iškos kilmės giminaičių S A N T R A U K A Anatà, Anykštė ir kiti tokio tipo lietuviški vandenvardžiai paprastai siejami su ide. šaknimi „*en-/*on-“ (šiuolaikinėje vartosenoje – sen. ide. *h₁en(H)-), kuri reikštų ‘tekėti, tekėjimas, upė’. Šios šaknies nėra Julijaus Pokorno veikale Indoeuropiečių kalbų etimologinis žodynas (Indogermanisches etymologisches Wörterbuch, 1959), jos taip pat iki šiol nepavyko patikimai pagrįsti jokios indoeuropiečių kalbos apeliatyvais. Be to, nepakanka ir pagrįstų tokios šaknies pėdsakų onimijoje: visi vardai, kuriais iki šiol argumentuota, kilę iš keltų kalbų ir aiškintini viena šaknimi. Remiantis ‘Okamo skustuvo’ (vok. ‘Ockhams Rasiermesser’) metodika, raginančia tyrime nevartoti daugiau vienetų nei reikalinga, aiškėja, kad nesant patikimų apeliatyvinių sen. ide. šaknies *h₁en(H)- paliudijimų, apsiribotina sen. ide. priesagomis *pen-/*pon- ‘bala, (stovintis) vanduo’ ir sen. ide. *h₂en- ‘semti (vandenį)’. Kol minėtų paliudijimų nėra, bet koks reikšmės priskyrimas šakniai yra tik aplaid i prielaida. Anatà, Anykštė ir kiti tokio tipo lietuviškų vandenvardžių atvejai reikštų, kad, remiantis šiandien turimomis žiniomis, jų nereikia gretinti su nesama sen. ide. šaknimi *h₁en(H)-, o su sen. ide. *h₂en- ‘semti (vandenį)’. Įteikta 2021 m. sausio 4 d. H A R A L D B I C H L M E I E R Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Orientalisches Institut, Seminar für Indogermanistik und Allgemeine Sprachwissenschaft Ludwig-Wucherer-Str. 2 D–06099 Halle (Saale) [email protected] Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig Arbeitsstelle Jena: Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen Zwätzengasse 12a D–07743 Jena [email protected] Straipsniai / Articles 219