Ätzend! Zur Geschichte der Verben „ätzen“, „atzen“, „äsen“
Abstract
In der deutschen Jugend- und Umgangssprache wird ätzend abqualifizierend für etwas, das langweilig, widerwärtig und unangenehm ist, verwendet. Ätzen ist aber, etymologisch betrachtet, das Kausativ zu essen, der Beitrag versucht der Entwicklung nachzugehen, die von dem in den altgermanischen Sprachen vorhandenen essen-Kausativ, germanisch *atjan, zu den neuhochdeutschen Verben ätzen, atzen und äsen, die noch im Deutschen Wörterbuch von 2007 verzeichnet sind, führte. Dabei wird die Hypothese beachtet, dass der Verbwandel nicht ohne die Beschreibung der morphologischen und semantischen Umgebung jedes Verbs erfasst werden kann.
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Straipsniai / Articles 11 ALBRECHT GREULE Universität Regensburg Wissenschaftliche Forschungsrichtungen: Textgrammatik, Theolinguistik und geistliches Lied, Onomastik, historische Syntax. DOI: doi.org/10.35321/all84-01 ÄTZEND! ZUR GESCHICHTE DER VERBEN ÄTZEN, ATZEN, ÄSEN Ätzend! On the History of the Verbs ätzen, atzen, äsen ANNOTATION In der deutschen Jugendund Umgangssprache wird ätzend abqualifizierend für etwas, das langweilig, widerwärtig und unangenehm ist, verwendet. Ätzen ist aber, etymologisch betrachtet, das Kausativ zu essen, der Beitrag versucht der Entwicklung nachzugehen, die von dem in den altgermanischen Sprachen vorhandenen essen-Kausativ, germanisch *atjan, zu den neuhochdeutschen Verben ätzen, atzen und äsen, die noch im Deutschen Wörterbuch von 2007 verzeichnet sind, führte. Dabei wird die Hypothese beachtet, dass der Verbwandel nicht ohne die Beschreibung der morphologischen und semantischen Umgebung jedes Verbs erfasst werden kann. SCHLÜSSELWÖRTER: Bedeutungswandel, Etymologie, Historische Syntax, Kausativität, Verb-Aktanten-Konstellation. ANNOTATION In German youth communication and colloquial language, ätzend is used as a pejorative for something that is boring, disgusting and unpleasant. However, etymologically speaking, Ätzen is the causative of essen. This article attempts to trace the development that led from the essen causative, Germanic *atjan, present in the Old Germanic languages, to the New High German verbs ätzen, atzen and äsen, which are still listed in the 2007 German Dictionary (DWB). The hypothesis that verb change cannot be grasped without describing the morphological and semantic environment of each verb is observed.
ALBRECHT GREULE 12 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV KEYWORDS: change of meaning, etymology, historical syntax, causativity, verbactant constellation. VERB-AKTANTEN-KONSTELLATIONEN Die folgenden Analysen gehen von der Hypothese aus, dass die Bedeutungsentwicklung eines Verbs ohne die Berücksichtigung der vom Verb als Valenzträger geforderten Verb-Aktanten-Konstellation (VAK) nicht hinreichend beschrieben werden kann. Die VAK besteht aus zwei aufeinander bezogenen Ebenen, der semantischen und der morphologischen. Die semantische Ebene wird bei den Aktanten des Verbs durch „Kasusrollen“ bzw. „Tiefenkasus“ beschrieben, denen morphologische Ausdruckstrukturen (teils flektierte Wortgruppen) zugeordnet sind. Die semantische Beschreibung der Aktanten erfolgt in einem Tiefenkasusrahmen (TKR), die morphologische durch einen Satzbauplan (SBP) (vgl. Greule, Korhonen 2021: 34). Beispiel: Die (dreistellige) Aktanten-Konstellation des Verbs mhd. etzen ‘mit Nahrung versorgen (‘Tätigkeit’) ist: [semantisch] Agens (‘Mensch’) → [morphologisch] Nn // [semantisch] Adressat (‘Mensch/Tier’) →[morphologisch] Na // [semantisch] Affiziertes Objekt (‘Nahrung’) →[morphologisch] pNmit// Verkürzt: (SBP/TKR) Nn/Agens (Mensch) // Na/Adressat (Mensch/Tier) // pNmit/Affiziertes Objekt (Nahrung). (Die Abkürzungen bedeuten: Na = Nomen/Nominalgruppe im Nominativ, Na = Nomen/Nominalgruppe im Akkusativ, pN = Präpositionalgruppe, indiziert mit der regierenden Präposition; ferner Ng = Nomen/Nominalgruppe im Genitiv, Nd = Nomen/Nominalgruppe im Dativ.) Konstruktionsgrammatisch könnte man von einer Konstruktion „veranlasste Nahrungsaufnahme“ mit den Rollen Agens x veranlasst, dass Agens y die Nahrung z ‘zu sich nimmt’ sprechen, in die im Verlauf der Sprachgeschichte anstelle von ätzen, atzen, äsen die Verben nähren, füttern, weiden usw. eintreten konnten. Die Analysen verfolgen das Ziel, die ursprünglichen essen-Kausativa nhd. ätzen, atzen, äsen für die Aufnahme in das Historische syntaktische Verbwörterbuch (HSVW) (vgl. Greule, Korhonen 2021: 154) aufzubereiten. Dabei stützen wir uns auf die Digitalisate der historischen deutschen Wörterbücher: AHDWB, MHDWB, FNHDWB, GoetheWB und auf die gedruckte Ausgabe der Neubearbeitung des Deutschen Wörterbuchs der Brüder Grimm (DWBneu). Die dort den historischen Entsprechungen von nhd. ätzen, atzen und äsen zugeordneten Einzelbedeutungen (Sememe) werden auf der Grundlage der Textbelege
Straipsniai / Articles 13 Ätzend! Zur Geschichte der Verben ätzen, atzen, äsen hinsichtlich ihrer Verb-Aktanten-Konstellation Sprachstufe für Sprachstufe interpretiert. Aus der Summierung der Sememe und ihrer VAK wird im diachronischen Vergleich vor allem die semantische Geschichte der drei ursprünglich (etymologisch) synonymen Verben erschlossen. 1. DIE URSPRÜNGLICHEN ESSEN-KAUSATIV-VERBEN Die zum deutschen Verbum essen einstmals vorhandenen Kausativbildungen spielen in der heutigen Kommunikation mit deutscher Sprache allenfalls eine Nebenrolle. Die Neubearbeitung des Deutschen Wörterbuchs (DWBneu) weist allerdings den Verben äsen, atzen und ätzen jeweils einen eigenen Artikel zu. Die drei Verben sind auch im Deutschen Universalwörterbuch der Dudenredaktion verzeichnet. Aus den Wörterbuch-Einträgen wird deutlich, dass die drei Verben mit der Grundbedeutung ‘x macht, dass y (von) z isst’ (einfacher: ‘x speist/füttert y mit z’) seit dem Althochdeutschen belegt sind und Entsprechungen in den anderen germanischen Sprachen aufweisen. Trotz der syntaktisch klaren dreiwertigen Struktur und der durch Rekonstruktion noch erkennbaren morphologischen Struktur – es handelt sich um schwache jan-Verben des nicht kausativen Verbs, die von der o-Stufe, von der das Präteritum gebildet ist (essen-aß), abgeleitet sind (vgl. trinken/trank – tränken ‘trinken machen/ lassen’) – bereitet die Darstellung der Verb-Geschichte für das Historisch syntaktische Verbwörterbuch, d.h. unter Berücksichtigung der von den Verben als Valenzträgern geforderten semantischen und morphologischen Umgebung, erhebliche Schwierigkeiten. Sie liegen sowohl im Bereich der sich im Verlauf der Sprachgeschichte auseinander entwickelnden Bedeutungen als auch bei den im Voralthochdeutschen einsetzenden Lautentwicklungen. 2. ETYMOLOGIE Das Kausativ zum germanischen starken Verb *et-a- ‘essen’ wird von der o-Stufe des Verbstamms (gm. *at-) mit dem Suffix -jaabgeleitet. Diese „korrekte“ Bildung ist belegt in got. (fra-)atjan ‘zum Essen austeilen’, awn. etja ‘füttern’, ae. ettian ‘abweiden’, afries. etta ‘weiden’, und hat eine morphologische Parallele im Kausativ gm. *sat-ja- ‘setzen zum Stamm des starken Verbs gm. *set- ‘sitzen’. Die Komplikation beim essen-Kausativ entsteht dadurch, dass ein weiteres Verb zum Stamm gm. *et- ‘essen’ mit dem Suffix -jaaber von der
ALBRECHT GREULE 14 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Dehnstufe gm. ētals gm. *ēt-jaabgeleitet wurde. Diese Bildung ist im Gotischen nicht belegt; von der Dehnstufe existieren in dieser Sprache nur die Substantive uz-eta ‘Krippe’ und af-etja ‘Fresser’ sowie in anderen altgermanischen Sprachen die Fortsetzung von gm. *ēt-a-m ‘Speise, Fraß’ (Seebold 1979: 180), so dass man mit Jörg Riecke vermuten kann, dass gm. *ēt-javon diesem Nominalstamm abgeleitet ist und ursprünglich nicht kausativ war (Riecke 1996: 651). Gm. *ēt-jakönnte (zweiwertiges) Ornativum gewesen sein und die Bedeutung ‘x versieht y mit Nahrung/Futter’ (= ‘x speist y’) gehabt haben. (vgl. zum ganzen Komplex EWAhd II: Sp. 1188f.) Für die Ausbildung der drei Kausativverben zu essen sind mehrere Lautwandlungen im Voralthochdeutschen verantwortlich, die drei Form-Typen ergeben: Bei Typ 1, gm. *at-ja-, wurden der Stammvokal /a/ vor /j/ zu /e/ gehoben (Primärumlaut) und /-t-/ zu /-tt-/ geminiert > vorahd. *ettja-. Bei Typ 2, gm. *ēt-ja-, wurde außer im Gotischen urgerm. /ē/ zu /ā/ gesenkt: *ātja-. Weil die Gemination von /-t-/ nach langem Silbenvokal fakultativ war, konnten im Ahd. zwei Untertypen entstehen, nämlich einer ohne t-Gemination (2a) und einer mit t-Gemination (2b): Typ 2a) vorahd. *ātja- > ahd. âzen. Der erwartbare Umlaut von /ā/ und die Länge des Vokals wurden im Althochdeutschen in der Schrift nicht markiert, sondern erst im Mittelhochdeutschen als æȝen, êȝen, êsen (Prät. âȝte?), nhd. äsen [ä:] (=Sekundärumlaut). Das nichtgeminierte vorahd. /-t-/ wurde (durch die 2. Lautverschiebung) zum einfachen stimmlosen Frikativ /-s-/, ahd <-z->, mhd. <-ȝ->. Typ 2b) vorahd. *āttja- > ahd. *âtzen/âzen. Der erwartbare Umlaut von /ā/ und die Länge des Vokals wurden im Althochdeutschen in der Schrift nicht markiert, sondern erst im „Mittelhochdeutschen“ als *ætzen, *êtzen. Die Geminata /-tt-/ wurde (durch die 2. Lautverschiebung) zur Affrikata /-ts-/. Die Etymologie von nhd. atzen ist unklar. Es kann sich um eine aus der (bairischen) Mundart stammende Nebenform handeln (In der bairischen Mundart wurde der Umlaut von /ā/, mhd. <æ>, seit dem 12.Jh. zu /a:/ gesenkt) oder (mhd.) âtzen ist durch Systemausgleich vom Präteritum *âtz-te zustande gekommen. Nicht zur Gruppe der essen-Kausativa gehört ahd. azon ‘schmausen’ (so Seebold 1970: 180) bzw. ahd. âzôn ‘sich Nahrung, Futter suchen’ (AHDWB I: 11, Sp. 766), nhd. aasen (DUW: landschaftlich ‘(mit etw.) verschwenderisch, nicht haushälterisch umgehen, etw. verschwenden’ (vgl. DWBneu 1. Bd., Sp. 15). Es handelt sich vermutlich um eine denominale Bildung zu ahd. âza (azza) ‘Essen, Futter’ (vgl. EWAhd I: Sp. 409–410).
Straipsniai / Articles 15 Ätzend! Zur Geschichte der Verben ätzen, atzen, äsen 3. SEMANTIK UND SYNTAX: VERB-AKTANTEN-KONSTELLATIONEN DIACHRON Althochdeutsch Typ 1, germ. *at-ja-: ahd. ezzen mit [-ts-], mhd. etzen (Prät. atzte, mit Rückumlaut), nhd. ätzen (eigentl. *etzen) Ahd. ezzen sw.V. (AHDWB III: Sp. 476f.; Riecke 1996: 638) Semem 1 ‘abweiden, abfressen lassen’. Beleg ohne syntaktische Umgebung. Semem 2 ‘ätzen, mit scharfer Flüssigkeit reinigen’ . Beleg giezzit uurtin (Passiv) Typ 2a, vorahd. *ātja- > ahd. âzen mit [-s-], mhd. æȝen, êȝen/êsen, nhd. äsen (älter äßen) und Typ 2b) vorahd. *āttja- > ahd. (gi-)âzen mit [-ts-] (AHDWB I: Sp. 764f.: mit Affrikata; Schützeichel 2006: āz(z)en ‘speisen, füttern’; Riecke 1996: 650f.: âzen ‘jemandem zu essen geben, jemanden speisen, füttern’), mhd. *ætzen, *êtzen. Die ahd. Schreibungen mit <-z-> oder <-zz-> erlauben keine sichere Zuweisung zu Affrikata oder Frikativ. Ahd. âzen (AHDWB I: 764f.) Semem ‘jmdn. speisen, nähren, jmdm. zu essen geben, ein Tier füttern’: SBP/TKR: NGn/Agens (Mensch/Gott) – Nga/Adressat (Menschen/Tiere) – [pNmit/Affiziertes Obj. (Speise)] – [pNaba /Instrument („mit der Hand“)] Belege: (1) daz ih hungarege ni azda. (2) [du] rihtost ... mir tische. daz ih keazzet uurde mit starcherun fuoro danne diu milch si (Passiv). (3) toh tie ... leuuen an in chetenna tragen. unde doh man sie azze aba hende Nb 138,1 [149,4]. Mittelhochdeutsch etzen, ezzen [mit PrimärUL und Affrikata < vorahd. *attja-], Präteritum azte (=Typ 1) Semem 1 ‘jmdn./ein Tier mit Nahrung versorgen, speisen, nähren, füttern’ (tr.): (faktitiv-) kausativ „essen machen“. SBP/TKR: NGn/Agens (Mensch) – Nga/Adressat (Mensch/Tier) – [pNmit/ Affiziertes Objekt (Nahrung)] – [pNmit /Instr (Hand)] Belege: ir sult [...] den hungerigen etzen PrBerth 1:280,36; mich durste, ir tranctent mich, mich hungerte, ir azetent mich Lucid 141,4; di hungerigen er [der gute Christ] ezet / di durstigen er trenket Glaub 1691; si [Maria] trancte in [Christus] unde azte in mit deme rainen spunne ire hailigen miliche TrudHL
ALBRECHT GREULE 16 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV 80,16; siche lûte pflac si zu etzene und zu trenkene mit iren henden HvFritzlHl 243,1; daz dû im [deinem Herren] sîn vihe [...] dâ heime etzest unde trenkest PrBerth 1:268,17; mit honige her [der Teufel] in [den Sünder] ezet / und trenket in nach mit gallen HeslApk 13350. Semem 2 ‘(sein) Vieh weiden lassen’ (permissiv-)kausativ ‘essen lassen’ SBP/TKR: NGn/Agens (Mensch) – pNuf /Ort (Weide) Belege: daz pæide lote vf ir paider wæide solen treiben vnde ezzen alse vor sechzich iaren UrkCorp (WMU) 1690,3; alles daz reht, daz ich hatte vf ir mattan ze ezzene ebd. 1801,26. 649,16. Semem 3 ‘jmdn. durch unberechtigtes Weidenlassen des Viehs schädigen’ SBP/TKR: Nn/Agens (Mensch) – [Na/Patiens (Mensch)] – [pNan/Ort] Belege: sunder hove, die uns weder treten noch etzen süllen SchweizId 1,628; swer den andern ansprichet umb etzen, tretten, ubersniden, ubernemen UrkWittelsb 1,148 (a. 1255); item si quis alium impulsauerit de dampnis, que dicuntur etzen, trettin, ubersniden, ubereren ebd. 1,89 (a. 1244]); tut ieman dem andern schaden pey tag oder pei nacht mit etzzen an seinem chorn, an seinem wizmat, an seinen garten StRMünch 327,18. ætzen, mdt. *êtzen, (bair.?) âtzen [mit Sekundärumlaut lang, Affrikata < vorahd. *āttja-] Die Variante âtzen kann durch Systemausgleich vom Präteritum *âtz-te zustande gekommen sein oder stammt aus dem Bairischen, wo der Sekundärumlaut mhd. <æ> seit dem 12. Jh. zu /a:/ gesenkt wurde. Semem 1 ‘jmdn./ein Tier mit Nahrung versorgen, speisen, nähren, füttern’ (tr.): (faktitiv-) kausativ „essen machen“. SBP/TKR: NGn/Agens (Gott, Mensch) – Nga/Adressat (Mensch, Tier) – [pNmit/ von/Affiziertes Objekt (Speise, Futter)] – [pNmit / uf /Instr (mit/auf der Hand)] Belege: er [Gott] æcet siv [die Feinde Gottes] uon feizte chorens unde uon steine honges sat er siv PsM 80,17; Daniel 3590; und ätzt in [den Delphin] zuo letzt mit seiner hant BdN 236,17; [den Hahn] atzt er dick uf siner hant Reiher 35. übertr.: dar nach so trencht man in und æzet in mit der ler des hiligen eweingelium PrOberalt 33,19. Semem 2 ‘etw. (eine Angel) mit einem Köder versehen’ SBP/TKR: NGn/Agens (Mensch) – Nga/affiziertes Objekt (Angel) – pNmit/ Instr Belege: ain regenwurm, dâ mit man die ängel äzt BdN 310,5, in die geätzten hamen BdN 215,13. Semem 3 ‘jmdm. etw. atzen, jmdn. mit etw. laben’ SBP/TKR: Nn/Agens (Mensch) – Nd/Adressat (Mensch) – Na/Affiziertes Objekt (Duft)
Straipsniai / Articles 17 Ätzend! Zur Geschichte der Verben ätzen, atzen, äsen Beleg: (übertr.) den hailigen smach du uns zallen ziten acist LambGeb A23. æȝen, mdt. êȝen/êsen, bair.? *âȝen/âsen [mit SekundärUL lang, Spirans < vorahd. *ātja-] (=Typ 2a) Semem 1 ‘jmdn./ein Tier mit Nahrung versorgen, speisen, nähren, füttern’ SBP/TKR: NGn/Agens (Mensch, Adler) – Nga/Adressat (Mensch, Adler) – [pNvon/Affiziertes Objekt (Futter)] Belege: dc du den hungergen êsest PrSchw 2,55; dise hende, di dich ezden in ellende MarlbRh 49,34; – mit Refl.-Pron.: [des Adlers] fusse [...] / ein lewen halten zu der stunde, / von dem sich sin richer munt / nach sime lust eset und erquickt Minneb 3005. – Semem 2 ‘etw. abweiden’, hier übertr. ‘kriechen’ (wörtl. ‘den Abhang abweiden’) SBP/TKR: NGn/Agens (Mensch) – Nga/Affiziertes Objekt (Abhang) Beleg: ubir sant und ubir wasin / musten si [Jonathan und seine Männer] die haldin asin / zende [den Felsen hinauf] an allin vieren RvEWchr 23336. Frühneuhochdeutsch Das FNHDWB setzt je ein Lemma für den Typ mit Affrikata und den Typ mit Frikativ an: ätzen, etzen, seltener atzen Semem 1 ‘jm. zu essen geben, jn. speisen’; (speziell: ‘(Häftlinge) verpflegen’; in rechtssprachlichen Verbotsformeln: ‘jn. verköstigen, jm. Unterschlupf bieten’; ‘(Tiere) füttern’ SBP/TKR: NGn/Agens (Mensch) – Nga/Adressat (Mensch/Tier) – [pNmit/ Affiziertes Objekt (Nahrung)] – [pNmit /Instr (Hand)] Beleg: welheu hüenr man ätzt mit halbgekochter gersten, diu legent vil air K. v. Me genberg, B.d.Nat.196,15; er (vogel) ätzt sich selber mit sein fuoz als ein mensch mit der hant K. v. Megenberg, B.d.N.222,9. Semem 2 ‘etw. (z.B. Hafer) verfüttern’ SBP/TKR: NGn/Agens (Mensch) – Nga/Affiziertes Objekt (Nahrung) Beleg: ätzten sie aber habern, den soll die gemein bezallen Weist. Schriesheim 184, 10. Semem 3 ‘(Vieh) zur Waldweide treiben’ SBP/TKR: NGn/Agens (Mensch) – NGa/Affiziertes Objekt (Vieh) Beleg: ? Semem 4: ‘(Vieh) weiden’ SBP/TKR: NGn/Agens (Mensch) – NGa/Patiens (Vieh) Beleg: ? Semem 5: ‘(den Bewuchs einer Fläche) abweiden lassen’ SBP/TKR: NGn/Agens (Mensch)
ALBRECHT GREULE 18 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Beleg: aber daß einer ätzen [auf der allmend] will, ist erlaubt Weistum Schriesheim 121,5 Semem 6: ‘jn. durch Weidenlassen des Viehs schädigen’ (vgl. DWBneu atzen4: ‘jmdn. durch unberechtigtes abweiden seiner futterflächen schädigen’ SBP/TKR: NGn/Agens (Mensch) – NGa/Patiens (Mensch) Beleg: 1.h.14.jh. sunder hove, die uns weder treten noch e(tzen) süllen schweiz. id. 1,628 (DWBneu) Semem 7: ‘(ein Fanggerät) mit Köder/Aas versehen’ (vgl. DWBneu atzen3: ‘tiere mit futter anlocken, ködern; etwas mit lockspeise, köder versehen’, zuerst 1349/50 Konrad v. Megenberg) SBP/TKR: Nn/Agens (Mensch) – Na/Patiens (Fanggerät) – pNmit/Affiziertes Objekt (Köder) Beleg: dâ mit man die ängel äzt Konrad v. Megenberg, B.d.Nat 250, 13 Semem 8: ‘sich feindselig gegen jn. verhalten; Rachegefühle hegen, plündern’ (vgl. DWBneu atzen4: ‘jmdn. schädigen, (im kriege) ausplündern, berauben’ SBP/TKR: NGn/Agens (Mensch) Beleg: [sie] lagen dem bischoff mit gwalt im land und pranten und atzten 6 tag Chron. Augs. 2.21,26. Semem 9 (nach DWBneu ätzen1) ‘etwas durch auf die oberfläche einwirkende chem. Mittel durch scharfe substanz (säure, lauge) zerfressen lassen, beizen, reinigen’ SBP/TKR: Nn/Agens (Mensch) – Na/affiziertes Objekt Beleg: (1497) (d. salbe) wurt vast gebrucht..zu etzen vnnd reinigen..alle vnreine schaden Brunschwig, cirurgia 237b Semem 10 (nach DWBneu ätzen2): ‘etwas durch einwirkung chemischer mittel erzeugen, hervorbringen (künstlerisch gestaltend) in eine fläche eingravieren’ SBP/TKR: NGn/Agens (Mensch) – NGa/effiziertes Objekt (Gravur) – pNin/ Ort (Fläche) Beleg: (1558) das glaß, darein der heilig David geetzet war Lindener, katzipori 133 LV. ässen (zu mhd. æȝen = Typ 2a) Semem 1 ‘jm. zu essen geben, jn. speisen; Tiere füttern’ (synonym zu Semem 1 von ätzen/etzen/atzen) SBP/TKR: Nn/Agens (Mensch) – Na/Adressat (Mensch/Tier) – [pNmit/Affiziertes Objekt (Nahrung)] Beleg (nachDWBneu äsen1) 1388 das…des jars nit mer denne sechs swin geaesset sullen werden württ. Geschichtsqu. 8,62.
Straipsniai / Articles 19 Ätzend! Zur Geschichte der Verben ätzen, atzen, äsen (Die im FNHDWB in den Belegen zitierten finiten Verbformen mit <z> können auch zu etzen gehören, z.B. do mitte ezt her die gervalkin v. Tscharner, Md. Marco Polo 21,7.) Semem 2 ‘(Tiere) durch einen Köder anlocken’ SBP/TKR: NGn/Agens (Mensch) – NGa/Patiens (Tier) Beleg: so du gar ein verbainten fuchs […] hast, so äß in zu holz bey einem baum auf die erde Ermisch u.a., Haush. Vorw.225, 15. Semem 3 (nach DWBneu äsen1) ‘Nahrung aufnehmen’) (jägersprachlich), (nach DBWneu äsen2) reflexiv ‘(von pflanzenfressenden Tieren, bes. jägersprachlich vom Wild) etwas fressen, verzehren, abweiden’ SBP/TKR: NGn/Agens (Tier) Beleg: mag sy (= tragende Hirschkuh) sich wol an dem flachs waiden vnd äsen lehre v. d. zeichen d. hirsches 133 L. Beleg:1682 soll der hirschen…aesen in den saaten und feldern Hohberg georgica (1687)2,63b. Älteres Neuhochdeutsch (GoetheWB) ätzen Semem 1 ‘(einen Vogel) füttern’ SBP/TKR: NGn/Agens (Mensch) – NGakk/Adressat (Tier) – [pNaus/Instr] Beleg: Es hatt‘ ein Knab‘ eine Taube zart, /…Geätzet aus seinem Mund Semem 2 ‘für die schädliche Wirkung von Laugen und Säuren, Giften’ nur PartPräs.! Semem 3 ‘in der Radierkunst für das Ätzverfahren’ SBP/TKR: NGn/Agens (Mensch) – NGa/Affiziertes Objekt (Material) Beleg: Ich ätzte die Platte äßen, sich Semem: (jägersprachlich) für das Fressen des Wildes: ‘sich nähren’ SBP/TKR: Nn/Agens (Wildtiere) – pNan /Ort Beleg: Gehörntes Rind / Aeßt sich vertheilt am überschroffen Felsen. Neuhochdeutsch (DUW, DWBneu) äsen, sich Semem (jägersprachlich) ‘(vom Wild mit Ausnahme des Schwarzund Raubwildes) Nahrung aufnehmen’ SBP/TKR: Nn/Agens – pN/Ort Beleg: <1883> konnte man…ein reh oder einen hirsch heraustreten und sich äsen sehen (DWBneu, 3. Bd., Sp. 338) ätzen
ALBRECHT GREULE 26 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV auf keiner Sprachstufe vollständig so belegt ist, ergibt er sich für Semem B aus der „Szene“ eine VAK mit drei Aktanten. Damit verwandt ist das nur im Mhd. belegte zweiwertige Semem C, in dem als Folge der Perfektivität (‘abweiden’) der Ort als Na/Affiziertes Objekt erscheint. Beim nur fnhd. (zweiwertigen) Semem C (‘(Vieh) zur Waldstätte treiben’), das man als Intensivierung von Semem B verstehen kann, wird demgegenüber der ‘Ort’ ausgeblendet und das ‘Vieh’ als Na/Affiziertes Objekt ins Spiel gebracht. Die wechselseitige Perspektive zum Weiden des Viehs nimmt Semem E ein: Hier werden die Tiere nicht getrieben, sondern durch Köder angelockt. Der Fokus in diesem (nur mhd. und fnhd.) Semem liegt beim Köder und dem Gerät des Köderns. Beim Übergang der Bedeutung des Weidens im weiteren Sinn (Semem B, C, D, E, G) von der Viehzucht zum Jagdwesen tritt vom Fnhd. bis zu Nhd. ein Semem (Semem I) im Verlauf des Sprachwandels auf, das auf den Formant äsen (jägersprachlich) festgelegt ist und dessen Bedeutung sich aus der Reflexivierung von ‘füttern/weiden’ ergibt, nämlich ‘sich selbst ernähren, weiden, füttern’ indem der erste Aktant Nn/Agens auf Wildtiere beschränkt ist. Seit mhd. Zeit scheint das Weidenlassen zu Rechtsstreitigkeiten geführt zu haben. Nur so ist die Entwicklung zum Semem G ‘jemanden durch unberechtigtes Abweiden seiner Futterflächen schädigen’ und gar die im nur im Fnhd. belegten Semem H erkennbare Bedeutungserweiterung zu ‘schädigen, ausplündern, berauben’ verstehbar. Während die oben beschriebene Entwicklung der Sememe – abgesehen von Semem A (atzen) und Semem I (äsen) – keine Auswirkungen auf das Nhd. hatte und sich nur im Mittelalter und der Frühen Neuzeit abspielte, liegt die Gruppe der Sememe J bis K scheinbar völlig abseits, ist aber für das Erkenntnisziel der Entwicklung zum Nhd. wichtig: Gerade ätzen (bzw. verätzen) ist in der Standardsprache noch gegenwärtig und in der Form des Partizips Präsens ätzend (abwertend) ‘entsetzlich’ jugendund umgangssprachlich noch aktuell. Bemerkenswert ist, dass das Semem J schon im Ahd., wenn auch nur als Glosse ohne VAK, belegt ist und außer im Mhd. auf allen Sprachstufen mit semantischen Differenzierungen belegt ist. Es erhebt sich die Frage, wie die Bedeutung ‘etwas durch auf die Oberfläche einwirkende chem. Mittel durch scharfe Substanz (Säure, Lauge) zerfressen lassen, beizen, reinigen’ sich aus der Bedeutung des Kausativs heraus entwickelt. Den Ansatz einer Erklärung liefert Duden, Das Herkunftswörterbuch, unter ätzen (Riecke 2014: 136) mit dem Hinweis, dass das Verb am Ende des 15.Jh. zum technischen Fachwort wurde und der fachsprachliche Gebrauch von der Anschauung ausgeht, dass sich die Säure gewissermaßen in das Metall hineinfrisst“. Wir müssen offensichtlich von einer sprachgeschichtlich frühen Metapher ausgehen, durch die das Beißen und Reißen beim Füttern von Tieren auf die Einwirkung scharfer (ätzender)
Straipsniai / Articles 27 Ätzend! Zur Geschichte der Verben ätzen, atzen, äsen Substanzen auf den menschlichen Körper übertragen wurde. Dies legen auch die beiden ahd. Glossen nahe, in denen lat. mordere ‘beißen’ mit ahd. ezzen (lies: *etzen) übersetzt wurde. Ist die Annahme richtig, entwickelte sich das Semem J am ehesten aus dem Semem B ‘Vieh weiden lassen’, und zwar kontiguitiv, weil das Beißen der Tiere beim Abweiden als Randerscheinung auftritt. Der Bedeutungswandel wird in der VAK insofern erkennbar, als der Aktant ‘Ort des Weidens’ des Semems B ausfällt, der Aktant Na/Patiens zu Na/Affiziertes Objekt wird und nicht mehr auf ‘Vieh’ eingeschränkt ist. Ferner wurde die zweistellige VAK im Nhd. durch den Aktanten pNmit/Instr erweitert und so die Möglichkeit geschaffen, genau zu bezeichnen, welches Mittel ätzt. 7. FAZIT / SCHLUSSFOLGERUNGEN Am Anfang der Geschichte stehen im Ahd. drei Verb-Formanten, die morphologisch und semantisch weitgehend identisch sind: Es handelt sich um jaAbleitungen vom germanischen Verb-Morphem *et-a- ‘essen’ und ihre Bedeutung ist kausativ ‘essen machen’ oder ‘essen lassen’. Am Ende stehen in der heutigen deutschsprachigen Kommunikation ebenfalls drei Verben, die sich formal aus germ. *atjabzw. *ētjaentwickelten, aber semantisch keine essenKausativa geblieben sind, sondern nur noch sondersprachlich, atzen, äsen in der Jägersprache und ätzen fachsprachlich, gebraucht werden. Die semantische Entwicklung ist weniger von der Differenzierung und klaren Zuordnung der faktitiven und permissiven Kausativität zu einem der drei Verb-Formanten geprägt, als vielmehr dadurch, dass sich die Tätigkeit des Menschen, ein Lebewesen zu nähren, frühzeitig auf die Viehzucht konzentriert. (Der gleiche Vorgang ist auch beim trinken-Kausativ tränken ‘Tieren zu trinken geben’ zu beobachten.) In der VAK schlägt sich die Entwicklung so nieder, dass der zweite Aktant ‘Adressat’ auf Tiere festgelegt wird und statt der – für die menschliche Ernährung wichtigen – Art der Nahrung der Ort, wo genährt bzw. geweidet wird, als dritter Aktant ins Spiel kommt. Für die rein sprachgeschichtlich frühe „Verschiebung“ des Referenzbereichs in den Bereich der Viehweide spricht vor allem, dass das schon im Ahd. belegte Semem J ‘etwas durch auf die Oberfläche einwirkende chemische Mittel durch scharfe Substanz (Säure, Lauge) zerfressen lassen’ metaphorisch vom beißenden Vieh (und Wild?) übertragen wurde. Dabei ist zu beachten, dass dieses Semem vermutlich bei seiner Einschränkung auf fachsprachlichen Gebrauch auf den Formanten nhd. ätzen (ahd. ezzen) festgelegt wurde. Das FNHD weist mit 10 Sememen ein auffällig breites semantisches Spektrum auf, das durch Bedeutungs-Übertragung in andere semantisch nahe
ALBRECHT GREULE 28 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIV Referenzbereiche (z.B. den Rechtsbereich), durch Spezifikation der Bedeutung des Weidens und Fütterns von Tieren einerseits und durch die Spezifikation der fachsprachlichen Bedeutung ‘ätzen’ andererseits entsteht. Dabei entwickelte sich das Bedeutungsspektrum deutlich von der ursprünglichen Kausativität weg, eine Entwicklung, die in dem mhd. und fnhd. Semem F ‘jemandem Nahrung geben’ einen Gipfelpunkt erreichte, der aber ohne Auswirkung auf das Nhd. geblieben ist. Auch das Weiden des Viehs durch Menschen und alle daraus im Spätmittelalter abgeleiteten Sememe bleiben in der Sprachverwendung der Gegenwart ohne Reflexe, was mit der Abnahme der Bedeutung der Viehzucht für die gesamtgesellschaftliche Kommunikation im industriellen Zeitalter zu tun haben dürfte. Charakteristisch ist darüber hinaus, dass im Nhd. die etymologisch ursprüngliche Kausativität von ätzen, atzen und äsen ganz verloren ging und die den drei Verben heute zugeordneten Sememe in ihrer Verwendung an den sonderund fachsprachlichen Rand gedrängt wurden. LITERATUR DUW – Deutsches Universalwörterbuch, 4. neu bearbeitete und erweiterte Auflage, hrsg. von der Dudenreaktion, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag, 2001. DWBneu – Deutsches Wörterbuch der Brüder Grimm, Neubearbeitung, hrsg. von der Akademie der DDR und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Bd. 1, Sp. 15, Leipzig: S. Hirzel, 1983; Bd. 3, Sp. 337–339, 390–392, Stuttgart: S. Hirzel, 2007. EWAhd I – Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen, hrsg. von A. L. Lloyd, O. Springer, R. Lühr, Göttingen, Zürich: Vandenhoeck & Ruprecht, 1988. EWAhd II – Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen, hrsg. von A. L. Lloyd, O. Springer, R. Lühr, Göttingen, Zürich: Vandenhoeck & Ruprecht, 1998. Greule Albrecht, Korhonen Jarmo 2021: Historische Valenz. Einführung in die Erforschung der deutschen Sprachgeschichte auf valenztheoretischer Grundlage, Tübingen: Niemeyer. Riecke Jörg 1996: Die schwachen jan-Verben des Althochdeutschen. Ein Gliederungsversuch, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. Schützeichel Rudolf 2006: Althochdeutsches Wörterbuch, 6. Auflage, überarbeitet und um die Glossen erweitert, Tübingen: Niemeyer. Seebold Elmar 1970: Vergleichendes und etymologisches Wörterbuch der germanischen starken Verben, The Hague, Paris: Mouton.
Straipsniai / Articles 29 Ätzend! Zur Geschichte der Verben ätzen, atzen, äsen WÖRTERBÜCHER ONLINE AHDWB – Althochdeutsches Wörterbuch. Zugang: http://awb.saw-leipzig.de. FNHDWB – Frühneuhochdeutsches Wörterbuch. Zugang: https://fwb-online.de. GoetheWB – Goethe-Wörterbuch. Zugang: https//gwb.uni-trier.de. MHDWB – Mittelhochdeutsches Wörterbuch. Zugang: http://www.mhdwb-online.de. Įkyrus, nemalonus, atstumiantis! Dėl veiksmažodžių maitinti, valgyti, ėsti istorijos SANTRAUKA Senosios vokiečių aukštaičių kalbos istorijos pradžioje būta trijų veiksmažodžių formantų, kurie morfologiniu ir semantiniu požiūriu buvę identiški. Turimi omenyje ja-vediniai iš germaniškosios veiksmažodžio morfemos *et-a- ‘essen’ (‘valgyti’), turinčių kauzatyvinę reikšmę ‘essen machen’ (‘gaminti valgyti’) arba ‘essen lassen’ (‘duoti valgyti’). Dabartinėje vokiečių kalboje išlikę trys veiksmažodžiai, formaliai kilę iš germ. *atja-/*ētja, nors semantiniu požiūriu nebelikę valgyti kauzatyvų, tik dalykinėje kalboje tebevartojami atzen, äsen ar medžiotojų kalboje – ätzen. Dešimt Ankstyvosios naujosios vokiečių aukštaičių kalbos žodyne pateiktų sememų sukuria platų spektrą, kuris, viena vertus, reikšmės perkėlimu į kitas semantiškai artimas sritis (pavyzdžiui, teisės) apibrėžia gyvulių ganymo ir šėrimo reikšmes, kita vertus, išskiria dalykiškai vartojamą ‘ätzen’ reikšmę. Taip, atskirai nuo kalbamojo reikšmių spektro, vystėsi kauzualumas, vokiečių vidurio kalbos ir ankstyvosios naujosios aukštaičių kalbos sememoje F ‘jemandem Nahrung geben’ (‘duoti maisto’) pasiekęs epogėjų, bet nepaveikęs žemutinės vokiečių kalbos. Visos su gyvulių ganymu susijusios ir vėlyvaisiais viduramžiais iš jų kilusios sememos dabartinėje vartosenoje neatspindi gyvulininkystės procesų reikšmės. Pabrėžtina tai, kad naujojoje vokiečių aukštaičių kalboje pirmapradis ätzen, atzen ir äsen etimologinis kauzualumas išnyko, o šiandieninėje vartosenoje trims veiksmažodžiams priskiriamų sememų naudojimas išstumtas į specialiosios ir techninės kalbos užribį. Įteikta 2021 m. kovo 25 d. ALBRECHT GREULE Universität Regensburg Institut für Germanistik, D-93040 Regensburg [email protected]
