Footprints of Language Contacts in the Present-day Vilnius County Hydronyms and Oikonyms: the Impact of Slavic Languages on Lithuanian Toponymy
Full text
PAVEL SKORUPA
Institut für litauische Sprache
ORCID-ID: orcid.org/0000-0003-3903-7006
Forschungsgebiete: Toponymie, kognitive Onomastik, kognitive Semantik.
DOI: doi.org/10.35321/all85-12
SPUREN DES SPRACHKONTAKTS IN DEN HYDRONYMEN UND OIKONYMEN DES HEUTIGEN VILNIUSER BEZIRKS: DER EINFLUSS SLAVISCHER SPRACHEN AUF DIE LITAUISCHE TOPONYMIE
Spuren des Sprachkontakts in den Hydronymen und Oikonymen des heutigen Vilniuser Bezirks: der Einfluss slawischer Sprachen auf die litauische Toponymie
Z U S A M M E N F A S S U N G
Die vorliegende Untersuchung versucht, den Einfluss slawischer Sprachen (Russisch, Belarussisch, Polnisch) auf die Toponymie des Vilniuser Bezirks auf der Ebene der Namensbildung zu bestimmen. Es wurden folgende Merkmale der Toponymbildung festgestellt: Ableitungen mit slawischen Suffixen aus Eigennamen und Appellativen litauischer Herkunft; Ableitungen mit litauischen Suffixen und Flexionsendungen aus Eigennamen und Appellativen slawischer Herkunft; Toponyme slawischer Herkunft, d. h. aus slawischen Eigennamen und Appellativen mit slawischen Affixen abgeleitete Toponyme. Sprachkontakte spiegeln sich auch in ins Litauische transliterierten slawischen Toponymen wider, d. h. in Toponymen, die aus slawischen Appellativen oder Onymen durch Onymisierung oder Transonymisierung hervorgegangen sind. In zahlreichen Fällen ist schwer festzustellen, ob ein Toponym slawischer oder litauischer Herkunft ist. Außerdem wird die Verteilung dieser Ableitungen nach Toponymklassen und Bezirken des Vilniuser Bezirks dargestellt.
Straipsniai / Articles
219
PAVEL SKORUPA
SCHLÜSSELWÖRTER: Toponyme des Vilniuser Bezirks, Hydronyme, Oikonyme, Toponyme slawischer Herkunft, mit Affixen abgeleitete Toponyme, transliterierte Toponyme, Sprachkontakte.
ZUSAMMENFASSUNG
Der Beitrag zielt darauf ab, den Einfluss der slawischen Sprachen (Russisch, Belarussisch, Polnisch) auf die Toponymie des Vilniuser Bezirks auf der Ebene der Namensbildung festzustellen. Im Rahmen der Untersuchung wurden folgende Besonderheiten der Toponymbildung identifiziert: Ableitungen mit slawischen Suffixen aus Eigennamen und Appellativen litauischer Herkunft; Ableitungen mit Suffixen und Endungen der litauischen Sprache aus Eigennamen und Appellativen slawischer Herkunft; Toponyme slawischer Herkunft, d. h. Ableitungen mit slawischen Affixen aus slawischen Eigennamen und Appellativen. Sprachkontakte spiegeln sich auch in ins Litauische transliterierten slawischen Toponymen wider, d. h. in Toponymen, die aus slawischen Appellativen oder Eigennamen durch Onymisierung oder Transonymisierung hervorgegangen sind. In einigen Fällen ist es schwierig zu unterscheiden, ob ein Toponym slawischer oder litauischer Herkunft ist. Außerdem wird die Verteilung der kontaminierten Ortsnamen nach den Bezirken des Vilniuser Bezirks und den Ortsnamenklassen dargestellt.
SCHLÜSSELWÖRTER: Toponyme des Vilniuser Bezirks, Toponyme slawischer Herkunft, Hydronyme, Oikonyme, durch toponymische Affixe abgeleitete Toponyme, transliterierte Toponyme, Sprachkontakte.
0. EINLEITUNG
Heute dürfte man kaum eine Nation finden, die hinsichtlich Sprache und Kultur aufgrund sprachlicher, kultureller, wirtschaftlicher usw. Kommunikation sowie der historisch-politischen Entwicklung des Staates keinerlei Einfluss von Nachbarn erfahren hat. Litauen war lange Zeit von seinen unmittelbaren Nachbarn umgeben: Slawen (Belarussen, Polen, Russen), Deutschen, Finno-Ugriern und anderen baltischen Völkern (Būga 1961: 493ff.). Darüber hinaus waren die historischen Gebiete Litauens ebenso wie sein heutiges Territorium seit Langem die Heimat von Angehörigen verschiedener Ethnien, die ihre Spuren in der litauischen Sprache, Kultur und anderen Lebensbereichen, einschließlich der litauischen Eigennamen, hinterlassen haben. Den größten Einfluss auf das litauische Onomastikon hatten die Slawen. Um klar zu verstehen, wie und warum slawische Sprachen das litauische Onomastikon beeinflusst haben, ist eine knappe Kenntnis der geopolitischen und kulturellen Situation der Region aus historischer Perspektive erforderlich.
Mit der Einführung des Christentums (1251–1387) (vgl. Muldoon 1997: 137; Vitkus 2001: 42–43; Zinkevičius 2011: 193ff.) und später der Gründung der Polnisch-Litauischen Union (nach der Union von Lublin 1569) gelangten
220
Acta Linguistica Lithuanica LXXXV
Footprints of Language Contacts in the Present-day Vilnius County Hydronyms and Oikonyms: the Impact of Slavic Languages on Lithuanian Toponymy
Namen fremder Herkunft in die litauische Anthroponymie und Toponymie. Viele litauische Eigennamen wurden von slawischen Sprachen, insbesondere vom Polnischen, beeinflusst (Jurkštas 1985: 25–26; Zinkevičius 2011: 237ff.). In jener Zeit orientierte sich der litauische Adel häufig an Polen und anderen Ländern und gab seinen Wohnsitzen oft aus dem Ausland übernommene Namen. Die Polonisierung des litauischen Onomastikons setzte sich über mehrere Jahrhunderte fort und war in der Region Vilnius in der ersten Hälfte des 20th. Jahrhunderts besonders ausgeprägt, als die Region von Polen annektiert wurde und als Woiwodschaft Wilna bekannt war. Nach der Auflösung der Polnisch-Litauischen Union geriet Litauen unter die Herrschaft des Russischen Kaiserreichs (1795–1918), und der Prozess der Russifizierung begann und setzte sich während der Sowjetzeit (1944–1990) fort¹
Aus historischer Perspektive war die Region Vilnius, d. h. die Gebiete in Litauen und Belarus – Territorien weit östlich und südöstlich des heutigen Litauens –, ursprünglich von baltischen Stämmen besiedelt. Dies wird durch die Arbeiten von Kazimieras Būga² und Zigmas Zinkevičius (2011) sowie anderer Onomastiker und Linguisten belegt und durch archäologische Forschungen bestätigt, vgl. die Arbeiten von Eugenijus Jova iša (2012, 2014, 2016, 2020, 2020a usw.) und anderen Wissenschaftlern. Heute bildet der Vilniuser Bezirk, der einen großen Teil (etwa ein Drittel) der westlichen Region Vilnius der Zwischenkriegszeit umfasst, eine kulturelle und sprachliche Peripherie, die von Litauern und relativ großen slawischen ethnischen Gruppen bewohnt wird. 2011 waren 23% der Bevölkerung des Vilniuser Bezirks Polen, 10% Russen und 3% Belarussen (LSD2013: 2). Im Laufe der Geschichte schwankte die Zahl der Angehörigen der genannten Ethnien erheblich. Das Ergebnis der jahrhundertelangen Kontakte und der langfristigen Mehrsprachigkeit der örtlichen Bevölkerung sowie der langen, großartigen und häufig turbulenten Geschichte dieses Landes ist eine Reihe noch
¹ Es wird angenommen, dass während der Zeit, als Litauen vollständig unter der Herrschaft des Russischen Kaiserreichs, später teilweise unter polnischem Einfluss (der Annexion der Vilnius-Gebiete) stand und schließlich ein halbes Jahrhundert vom Sowjetregime besetzt war, Toponyme mit klarer, expliziter Semantik am stärksten betroffen waren, da sie ins Polnische und später ins Russische übersetzt wurden. Litauische Ortsnamen anderer Regionen wurden ebenfalls slawisiert und germanisiert, blieben jedoch intakter, weil sie die Grundlage der funktionierenden litauischen Sprache hatten (vgl. Jurkštas 1985: 5–7, 37–38; Zinkevičius 2011: 247ff.). Gegenwärtig wird der Aspekt der Sprach- und Kulturkontakte im litauischen Onomastikon in den Arbeiten von Laimutis Bilkis (2020, 2020a), Grasilda Blažienė (2011, 2013, 2018, 2020, 2020 usw.) [Anmerkung: siehe auch Bilkis et al. 2019], Kazimieras Garšva (1993, 1999, 2019, 2020, 2020a usw.), Darius Ivoška (2016, 2018, 2019, 2019a, 2020, 2020a), Dalia Kiseliūnaitė (2020) und anderen behandelt.
² Im Gebiet des heutigen Belarus gibt es eine bedeutende Schicht baltischer Toponyme, insbesondere Hydronyme; auch bestimmte Aspekte der materiellen Kultur, der Sprache, bestimmter Bräuche und Glaubensvorstellungen lassen sich nachweisen. Die bei Weitem größte Spur der Balten in Belarus sind Toponyme, da es an der belarussischen Grenze mehr baltische (litauische) Namen als Namen belarussischer Herkunft gibt (Būga 1961: 493–550).
Straipsniai / Articles
221
PAVEL SKORUPA
funktionierender Toponyme slawischer Herkunft. Dies führt auch zur Komplexität und Neuartigkeit der vorliegenden Untersuchung, denn: 1) Toponyme slawischer Herkunft sind unter litauischen Onomastikern ein atypischer Forschungsgegenstand und werden häufig als nichtautochthones Erbe betrachtet und ignoriert; 2) die Identifizierung von Toponymen slawischer Herkunft wird durch das Fehlen eines klaren Ansatzes zu Slawismen in der allgemeinen litauischen Sprache³ erschwert; 3) der Einfluss widersprüchlicher historischer Prozesse (verschiedener politischer Regime und der Migration von Völkern, insbesondere im Grenzgebiet) auf die Toponymie ist schwer zu bewerten. In vielen Fällen kann man unserer Ansicht nach ohne außersprachliches Wissen und eine eingehende Untersuchung historischer Quellen schlicht nicht feststellen, ob ein Toponym baltischer Herkunft ist und irgendwann in der Geschichte slawisiert (übersetzt) wurde oder ob es sich um ein slawisches Toponym handelt.
Das Ziel. Die vorliegende Untersuchung versucht, den Einfluss slawischer Sprachen (Russisch, Belarussisch, Polnisch) auf die Toponymie des Vilniuser Bezirks auf der Ebene der Namensbildung zu bestimmen, wobei der Schwerpunkt auf den Ableitungsmodellen der Toponyme und der Identifizierung der Grundwörter (Etyma) sowie auf der Verteilung der Toponyme, die Sprachkontakte aufweisen, unter den Gemeinden des Vilniuser Bezirks liegt.
Forschungsmaterial und Quellen. Die Hauptgrundlage der Untersuchung bilden 158 Ortsnamen (13 Potamonyme, 8 Limnonyme, 137 Oikonyme), die Sprachkontakte widerspiegeln. Die Toponyme wurden aus dem Korpus von 5126 offiziell funktionierenden Toponymen des Vilniuser Bezirks⁴ sowie aus den vom Autor aus verschiedenen modernen elektronischen, gedruckten und handschriftlichen Archivquellen erhobenen tatsächlichen Daten ausgewählt (siehe Toponymquellen und Literaturverzeichnis).
Forschungsmethodik. Unter Bezugnahme auf die traditionellen Modelle der onomastischen Forschung (vgl. Buga 1958, 1959, 1961; Vanagas 1970, 1981, 1996 usw.; Jurkštas 1985; Razmukaitė 1998, 2002, 2003, 2009 usw.; Sviderskienė 2006, 2006a, 2007 usw. und andere) basiert die linguistische Untersuchung der Toponyme des Vilniuser Bezirks auf etymologischen und derivationalen Analysen sowie auf verschiedenen lexikografischen Quellen (Wörterbüchern des Litauischen, Russischen, Polnischen usw.).
Jedes Toponym wird mit Verweisen auf die bezeichneten Objekte (in subscript) und deren Lage versehen, gefolgt von der Erklärung seiner Herkunft: ein hypothetisches
³ Nach unseren Beobachtungen besteht in der litauischen onomastischen Forschung keine allgemeine Übereinstimmung darüber, wann ein aus einem Slawismus abgeleitetes Toponym als Toponym slawischer oder litauischer Herkunft gilt, d. h. ein Toponym, das aus einem Slawismus in der allgemeinen litauischen Sprache abgeleitet ist, wird typischerweise als litauischer Herkunft betrachtet. Der allgemeinen Definition zufolge sind Slawismen Entlehnungen aus den slawischen Sprachen, die aufgrund der ständigen engen Kontakte zwischen den baltischen und slawischen Sprachen in die litauische Sprache gelangten und etwa 1,5% ihres allgemeinen Wortschatzes, in den Dialekten sogar mehr, ausmachen. Häufig ist die Herkunft eines Slawismus wegen der Gemeinsamkeiten der slawischen Sprachen schwer festzustellen (VLEe).
⁴ 3900 Namen von Siedlungen (Städten, Kleinstädten, Dörfern, Bahnhöfen mit Siedlung), 718 Seenamen, 362 Namen von Flüssen und Bächen sowie 146 Teichnamen.
222
Acta Linguistica Lithuanica LXXXV
Footprints of Language Contacts in the Present-day Vilnius County Hydronyms and Oikonyms: the Impact of Slavic Languages on Lithuanian Toponymy
Grundwort (Etymon) und seine Bedeutung. Die aktuellen Formen der analysierten Toponyme sind kursiv und fett gesetzt und, soweit möglich, mit Akzent versehen. Wenn nicht entschieden werden kann, welcher slawischen Sprache (Belarussisch, Polnisch, Russisch) der Ortsname „genetisch“ angehört, da er möglicherweise von einem Stamm abgeleitet ist, der in den genannten slawischen Sprachen verwendet wird, werden alle etymologischen Möglichkeiten angegeben. Die elektronischen Fassungen litauischer, polnischer, russischer und belarussischer Wörterbücher wurden zur Identifizierung der Etyma verwendet, auf die sich die analysierten Hydronyme und Oikonyme beziehen und von denen sie abgeleitet sind, sowie zur Angabe der Bedeutungen der Appellative (siehe lexikografische Quellen). In den folgenden Abschnitten werden die Toponyme nach den typischsten Merkmalen der Toponymbildung gruppiert.
1. ABLEITUNGEN MIT SLAVISCHEN SUFFIXEN AUS LITAUISCHEN EIGENNAMEN UND APPELLATIVEN
Die erste Kategorie von Ortsnamen, die die Kontakte zwischen der litauischen und den slawischen Sprachen widerspiegeln, sind die sogenannten „kontaminierten“ Toponyme. Unter der Bezeichnung „kontaminierte“ Toponyme sind Ortsnamen zu verstehen, die mit slawischen Affixen⁵ aus litauischen Appellativen oder Eigennamen abgeleitet sind. Ortsnamen, die „genetisch“ einer Sprache angehören und Elemente anderer Sprachen aufweisen, sind in Grenzgebieten typisch, in denen verschiedene ethnische Gruppen zusammenleben und Spracheinflüsse stattfinden. In solchen Gebieten werden Ortsnamen, die genetisch einer bestimmten Sprache angehören, häufig von anderen dort lebenden Nationalitäten angepasst, während die Herkunft solcher Namen gewöhnlich anhand der Herkunft ihrer Wurzel bestimmt wird (IGC 1993: 7–8). Ein solcher Einfluss slawischer Sprachen auf die litauische Toponymie ist in den Klassen der Hydronyme und Oikonyme zu beobachten.
1.1. Aus Eigennamen abgeleitete Toponyme
1.1.1. Pol. Suf -anka / Rus. Suf -анка (–янка) abgeleitetes Potamonym Kubanka (Šlčn D) vom Siedlungsnamen Kubōnysᵥ (Šlčn D);
⁵ Zu den slawischen Affixen siehe Ambrazas (2000: 111ff.), Biryla, Shuba (1985: 210ff.), Bąk (1984: 211ff.), Shvedova et al. (1980: 183ff.).
Straipsniai / Articles
223
PAVEL SKORUPA
1.1.2. Bel. / Pol. / Rus. Suf -ka /-ka abgeleitetes Potamonym Girdžiūnka (V D) vom Siedlungsnamen Girdžiūnaiᵥ (V D) (vgl. LVŽ I 194)⁶ und das Oikonym Gelvā́nka (Šr D) vom Limnonym GelvānęL (Šr D) (vgl. LVŽ I 136);
1.1.3. Pol. Suf -ówka abgeleitete Oikonyme aus litauischen Anthroponymen: Bugeluwkaₛₜₑₐd (Trak D) ← Bugėlis (vgl. LVŽ I 599); Petruoktaₛₜₑₐd (Šr D) ← PN Pėtras (ein in Litauen gebräuchlicher christlicher Vorname); Sakaluwkaᵥ (Ukm D) ← Sākalas (PDB)⁷;
1.1.4. Pol. Suf -szczyzna (-yzna) / Bel. -шчына (-шчызна) abgeleitete Oikonyme aus litauischen Anthroponymen Adamaŭčiznaᵥ (Ukm D) ← Adamaŭskas (Razmukaitė 1998: 82) oder vom christlichen Namen Adõmas: Adam- (Zinkevičius 2011a: 71), vgl. auch die PNs Pol. Adam, Bel. / Rus. Aдaм (Biryla 1966: 22ff.; 1982: 18ff.); Baikoščiznaₛₜₑₐd (Švčn D) ← Baikoŭskas (Razmukaitė 1998: 94); Baraučiznaᵥ, Baraučiznaᵥ (Ukm D) ← Baraŭskas, Baraŭskas, Baraŭskis, Baraŭskis (Razmukaitė 1998: 94, vgl. LVŽ I 365)⁸; Bartkelevičiznaᵥ (Ukm D) ← Bartkelēvičius (Razmukaitė 1998: 48, vgl. LVŽ I 390; Zinkevičius 2011a: 72); Grebliaŭčiznaᵥ (Šr D) ← Grebliaŭskas, Grebliaŭskas (PDB, vgl. Razmukaitė 1998: 94, LVŽ III 272); Miliaŭčiznaᵥ (Ukm D) ← Miliaŭskas, Miliaŭskas (PDB); Rakaučiznaᵥ (Ukm D) ← Rakaŭskas, Rakaŭskas (PDB); Rinkaŭčiznaᵥ (El) ← Rinkāŭskas (Razmukaitė 1998: 95); Rutovčiznaₛₜₑₐd (Švčn D) ← *Rutovas, vgl. Rutāvičius (Razmukaitė 1998: 48); Stakaŭčiznaₛₜₑₐd (Šr D) ← Stakaŭskas (Razmukaitė 1998: 82).
Diese aus litauischen Eigennamen abgeleiteten Toponyme bilden in der Kategorie der kontaminierten Toponyme die größte Gruppe. Wie aus den obigen Beispielen ersichtlich ist, liegt die größte Zahl kontaminierter Toponyme in der Klasse der Oikonyme: 11 Oikonyme sind mit dem slawischen Suf -(š)čizna und 3 Oikonyme mithilfe des slawischen Suf -uvka aus litauischen Anthroponymen abgeleitet; 1 Oikonym ist eine Ableitung mit dem slawischen Suf -ka aus einem Limnonym litauischer Herkunft. In der
⁶ Im Folgenden werden die zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Beitrags offiziell funktionierenden Toponyme des Vilniuser Bezirks (Oikonyme und Hydronyme), die Sprachkontakte widerspiegeln, vollständig vorgestellt, einschließlich sowohl Ortsnamen litauischer Herkunft, die von slawischen Sprachen beeinflusst sind, als auch Ortsnamen slawischer Herkunft. Einige Ortsnamen wurden bereits in den Arbeiten litauischer Onomastiker und in drei veröffentlichten Bänden des Wörterbuchs der litauischen Ortsnamen (LVŽ – Lietuvos vietovardžių žodynas) analysiert. Nach bestem Vermögen und mit gebührendem Respekt verweist der Autor des vorliegenden Beitrags auf die Wissenschaftler, die solche Ortsnamen untersucht haben, und auf ihre jeweiligen Arbeiten. Fehlende Toponyme oder nicht angeführte Arbeiten sind ausschließlich ein Fehler des Autors.
⁷ Nach Zinkevičius (2011a: 94) steht das Oikonym mit dem Zoolexem Lith. sākalas „Greifvogel (Falco)“ in Zusammenhang.
⁸ Andererseits bringt Zinkevičius (2011: 120) beide Oikonyme mit dem slawischen physiografischen Terminus bor (Pol. bór, Rus. бор) „großer, dichter, alter Nadelwald“ in Verbindung.
224
Acta Linguistica Lithuanica LXXXV
Footprints of Language Contacts in the Present-day Vilnius County Hydronyms and Oikonyms: the Impact of Slavic Languages on Lithuanian Toponymy
Klasse der Potamonyme ist 1 Name eine Ableitung mit dem slawischen Suf –anka und 1 Name eine Ableitung mit dem slawischen Suf. -ka aus Oikonymen litauischer Herkunft.
1.2. Aus Appellativen abgeleitete Toponyme
Die appellativischen Ableitungen bilden einen kleineren Teil der Kategorie der kontaminierten Toponyme und umfassen 2 Potamonyme und 2 Oikonyme, vgl.:
1.2.1. Pol. Suf -anka / Rus. Suf –anka (–янка) / Bel. Suf –янка abgeleitete Potamonyme Akliánka (Šlčn D) ← Lith. åklas „überwachsener Sumpf, geschlossen, blind“; Koplyč ianka (V D) ← Lith. koplyčia „Kapelle, kleine Kirche“; und das Oikonym Smĕliánka Ort (Šr D) ← Lith. smĕlis „Sand“ (vgl. Razmukaitė 1998: 14); 1.2.2. Rus. Suf –овка abgeleitetes Oikonym Plentovkа Ort (Švčn D) ← Lith. pléntas „(Land-)Straße, Chaussee“.
2. LITHUANIAN SUFFIXES AND INFLECTIONS DERIVATIVES FROM SLAVIC PROPER NAMES AND APPELLATIVES
2.1. Aus Eigennamen abgeleitete Toponyme
Aus Eigennamen abgeleitete Toponyme (in allen Fällen aus slawischen Anthroponymen) umfassen 8 Fälle in den Klassen der Hydronyme (1 Potamonym und 1 Limnonym) und Oikonyme (5 Namen) mit den folgenden Ableitungsmustern⁹:
2.1.1. Lith. f sg Flexion –ē abgeleitetes Potamonym Nezdīlė (Šlčn D) ← PN Bel. / Rus. Незды́ло (Vanagas 1981: 230); 2.1.2. Lith. Genitiv abgeleitetes Limnonym Privalskio ežeras (Trak D) ← PN Rus. Прива́льский / Пржевальский, vgl. Pol. Pszewalski / Przewalski (Wójtowicz 2013: 255); 2.1.3. Litauische pl Flexionen abgeleitete Oikonyme Andreìkosᵥ (Švčn D) ← PN Pol. Andrejko (SSNO I 36), Ukr. Андре́йко (Редько 1969: 73)¹⁰; Krupàviesaiᵥ (Šlčn D) ← PN Bel. Крупавец (Biryla 1969: 220); Stasŷlosᵥ (Šlčn D) ← PN Pol. Stasil, Stasło (Gała 1985: 262), aber höchstwahrscheinlich von Stasilo (einem derzeit im Bezirk Šalčininkai gebräuchlichen Familiennamen).
⁹ Zu litauischen Ableitungsaffixen vgl. DLKG 88ff.; Skardžius 1996; Ambrazas 2000.
¹⁰ Das Oikonym könnte jedoch mit den PN Lith. Andreikà, Andreìkus (vgl. LVŽ I 93) in Zusammenhang stehen.
Straipsniai / Articles
225
PAVEL SKORUPA
2.1.4. Lith. Suf -iškės abgeleitete Oikonyme Gornostajiškės (Šlčn D) ← PN Pol. Ulianna Hornostajowa 1731 (LVŽ III 243), Bel. Гарнастай (Biryla 1969: 104)¹¹; Zatiškėsᵥ (Švčn D) ← PN Pol. Zata (LVGDB);
2.1.5. Lith. Suf -avas, -ава slawischer Herkunft abgeleitetes Oikonym Ivanavàᵥ (Šr D) ← PN Bel., Rus. Иван (Biryla 1966: 83ff.; 1982: 64ff.), vgl. Razmukaitė (1998: 80), die diese Siedlung mit dem christlichen Namen Ivānas in Verbindung bringt. Nach Razmukaitė (1998: 14) sind in der litauischen Toponymie die Suffixe Suf –ava, –avas typische Ableitungssuffixe von Ortsnamen, insbesondere in den Grenzgebieten¹².
2.2. Aus Appellativen abgeleitete Toponyme
Aus slawischen Appellativen abgeleitete Toponyme bilden mit 29 Fällen die größte Gruppe in dieser Kategorie – 24 Toponyme sind Ableitungen mit litauischen Flexionen (2 Potamonyme, 1 Limnonym, 21 Oikonyme), außerdem sind 5 Ortsnamen Ableitungen mit litauischen Suffixen (4 Oikonyme und 1 Limnonym), vgl.:
2.2.1. Lith. f sg Flexion –ē abgeleitete Potamonyme Bezdonė (V D) ← Bel. бяздонне: бездань „Abgrund, tiefe Stelle“, vgl. Rus. бездонный, –ая „bodenlos; (übertragen) äußerst tief (← Rus. бездна)“ oder Pol. bezdenny „tief, bodenlos“¹³; Petruškė (Švčn D) ← Pol. pietruszka „Petersilie“; Limnonym Tapelnė (El) ← Rus. топель „Schlamm, Sumpf“, Pol. topiel, topielisko „tiefe Stelle in einem Fluss, Teich oder See; sumpfiger Morast“, Bel. тапелец (тапельник, тапельніца) „Ertrunkener“,? (Dial.) *тапельня „Ort, an dem etwas/jemand versinkt“; Oikonym Roskošněstead (Šr D) ← Bel. раскошны / Pol. rozkoszny / Rus. роскошный „luxuriös, prächtig“;
2.2.2. Lith. m sg Flexion -is abgeleitetes Oikonym Poliešisᵥ (El) ← Bel. палесце, падлесце / Rus. полесье „ein an einen Wald angrenzendes Landstück“;
2.2.3. Lith. m sg Flexion –(i)us abgeleitete Oikonyme ZatišiusOrt, Zatišiusᵥ (V D) ← Bel. зацішша / Pol. zacisze / Rus. затишь, затишье „Ruhe, windgeschützter Ort; abgelegener, menschenleerer, entlegener Ort, Wildnis“;
2.2.4. Lit. Pluralflexionen abgeleitete Oikonyme Grabniokaiᵥ (Trak D) ← Bel. грабнік, грабняк / Pol. grabnik / Rus. грабинник „Hainbuchenbestände“ (vgl. LVŽ III 248); Kaniūkaiᵥ, Kaniūkaiᵥ (V D), Kaniūkaiᵥ (Šlčn D) ← Rus. конюх / Bel. конюх „Stallknecht; Pferdezüchter“ (vgl. LVGDB); Kalesniūkaiᵥ (V D),
¹¹ Razmukaitė (1998: 31) schlägt vor, dass das Oikonym mit dem Potamonym *Gornostaja zusammenhängt, vgl. den Bachnamen Gornost aika (Šlčn D).
¹² Zu diesen Suffixen siehe auch Skardžius 1996: 379–381.
¹³ Zu anderen etymologischen Varianten dieses Potamonyms vgl. LVŽ I 466, außerdem Jurkštas (1985: 19).
226
Acta Linguistica Lithuanica LXXXV
Spuren des Sprachkontakts in den Hydronymen und Oikonymen des heutigen Vilniuser Bezirks: der Einfluss slawischer Sprachen auf die litauische Toponymie
Kalesniškaiᵥ (Šlčn D) ← Bel. калеснік / Pol. koleśnik „Wagner, Radmacher“ (zum möglichen anthroponymischen Ursprung dieser Oikonyme vgl. LVGDB); Navasiòlkaiv, Navasiòlkaiv (El), Navasiòlkaiv, Navasiòlkai Iv, Navasiòlkai IIv, Navasiòlkai IIIv (Šr D), Navasiòlkosv, Navasiòlkosstead (Švčn D) ← Bel. навасéлка (f pl навасёлкі, m pl навасёлы, m sg навасёл, навасельцу) / Rus. новосёлка, новосёл (f pl новосёлки) „jemand, der sich kürzlich irgendwo angesiedelt hat“, vgl. Pol. nowy „neu“ + Pol. sioło „Dorf; ländliche Siedlung“: Pol. nowe „neu“ + siołko „kleines Dorf, ländliche Siedlung“ (vgl. auch LVGDB); Novosãdaiᵥ (V D) ← Bel. новы / Rus. новый / Pol. nowy „neu; etwas, das kürzlich entstanden ist“ + Bel. / Rus. сад / Pol. sad „Garten“; Piõrkosᵥ (Švčn D) ← Bel. пёрка (pl пёрки) „Feder(n)“; Popiẽlaiᵥ (V D) ← Bel. попел „Asche“;
2.2.5. Lith. Suf –iškė abgeleitetes Oikonym Slabadiškėᵥ (Švčn D) ← Bel. слабадá / Rus. слободá „ein großes Dorf mit einer freien Bevölkerung (bis zur Abschaffung der Leibeigenschaft in Russland)“ oder „ein Dorf in der Nähe einer Stadt, ein Vorort“;
2.2.6. Lith. Suf –okas abgeleitetes Limnonym Glušõkas (Šr D) ← Bel. глу̌шак / Rus. глухой „abgelegen“¹⁴.
2.2.7. Lith. Suf –auka slawischer Herkunft abgeleitete Oikonyme Malináuka Iv, Malináuka IIv, Malináukaᵥstead (El) ← Rus. малина / Bel. маліна / Pol. malina „Himbeere“. In der litauischen Toponymie ist das Suffix –auka (vgl. Rus. Suf –овка, Pol. Suf –ówka) ein typisches Ableitungssuffix von Ortsnamen in den Grenzgebieten (Razmukaitė 1998: 14).
2.3. Aus Appellativen oder Eigennamen abgeleitete Toponyme
In einigen Fällen ist es aufgrund der unklaren Beschaffenheit der lexikalischen Grundlage schwierig festzustellen, ob Ortsnamen aus einem Appellativ oder einem Eigennamen abgeleitet sind. Solche Toponyme bilden die kleinste Gruppe in der Kategorie der Ortsnamen slawischer Herkunft; vgl. die folgenden 4 Oikonyme:
2.3.1. Dzekceriškėsᵥ (El) kann entweder mit Bel. дзяцяр „Hersteller oder Verkäufer von Teer“ oder mit dem PN Bel. Дзядзяр, Дзяхцяр (Biryla 1969: 132) in Verbindung stehen und ist mittels des litauischen Suf –iškės¹⁵ abgeleitet;
¹⁴ Siehe auch Vanagas (1970: 186).
¹⁵ Vgl. LVŽ III 442, wo das Oikonym ebenfalls mit PN Pol. Dzięgciar, Dziekciarz in Verbindung gebracht wird; oder Razmukaitė (1998: 58), die den Siedlungsnamen mit PN Lith. *Dzekceris in Verbindung bringt.
Straipsniai / Articles
227
PAVEL SKORUPA
2.3.2. Dembniākaistead (Trak D) ist höchstwahrscheinlich ein mittels der litauischen m pl-Flexion von Pol. dėbniak „Eichenhain“ abgeleitetes Derivat mit der Endung –ai oder könnte mit PN Pol. Dėbniak in Verbindung stehen (SMPRL 214; vgl. auch LVŽ II 201).
2.3.3. Jalōvėv (Trak D) ist möglicherweise von Pol. jałowiec „Wacholder (Juniperus)“ oder dem PN Bel. Яловы (Biryla 1966: 281) mittels der litauischen Flexion -ė abgeleitet;
2.3.4. Sarōkpolis (Švčn D) könnte entweder mit Bel. сарока / Rus. сорока „Elster“ + Rus. поль: поле „Feld“ in Verbindung stehen. Andererseits könnte die erste Komponente des Namens mit dem PN Bel. Сарока, Сарокін / Ukr. Сорока / Rus. Сорока, Сорокин (Biryla 1969: 366) in Verbindung stehen. Die zweite Komponente ist durch die litauische m sg-Flexion –is gekennzeichnet.
3. TOPONYME SLAVISCHEN URSPRUNGS
3.1. Aus Eigennamen abgeleitete Toponyme
Im Verlauf der Untersuchung wurde eine Gruppe „genetisch“ slawischer Ortsnamen ermittelt. Die Analyse hat gezeigt, dass aus slawischen Eigennamen hervorgegangene Toponyme mittels slawischer Affixe aus Anthroponymen abgeleitet werden, wie dies in der Klasse der Oikonyme beobachtet wurde (17 Fälle). In den meisten Fällen ist es schlicht unmöglich zu entscheiden, welches Anthroponym aus den drei gegenwärtig im Landkreis Vilnius gesprochenen slawischen Sprachen die Grundlage für das Oikonym bildete, vgl.:
3.1.1. Vom Pol. Suf –ówka abgeleitete Oikonyme Januwkàv (V D), Januwkàstead (Šr D) ← Pol. Jan (Rospond 1973: 180–181; SSNO II 403) / Bel. Ян (Biryla 1966: 84); Kijuwkàv (Trak D) ← Bel. Кіÿ (Biryla 1969: 220) / Pol. Kij (SNNP 68); Leonuwkàv (Švčn D) ← Bel. / Rus. Леон (Biryla 1966: 108ff.; 1982: 85ff.); Michaluwkàstead (Šr D) ← Pol. Michał, vgl. Bel. / Rus. Михаил, Михал (Biryla 1966: 121); Stanislawuwkàstead (Šr D), Stanislawuwkàv (Ukm D) ← Bel. Станіслаў / Rus. Станислав / Pol. Stanisław (Biryla 1966: 155; 1982: 110ff.)16;
3.1.2. Vom Rus. Suf –овка abgeleitete Oikonyme Agurjānouvkastead (Švčn D) ← Rus. Агурьянов (Agurjanov) (derzeit im Švčn D eingetragener Familienname)17; Kochanovkà Iv, Kochanovkà IIv, Kochanovkà IIIv (Švčn D) ← Pol. Kochan,
16 Nach Zinkevičius (2011a: 88) könnte das Oikonym ein Pol. Suf -uwka-Derivat vom christlichen Namen Lith. Stanislovas sein.
17 Der anthroponymische Ursprung dieses Oikonyms wird auch in LVŽ I 25 vorgeschlagen.
228
Acta Linguistica Lithuanica LXXXV
Footprints of Language Contacts in the Present-day Vilnius County Hydronyms and Oikonyms: the Impact of Slavic Languages on Lithuanian Toponymy
Kochanowski (Rymut 1999: 420) oder Bel. / Rus. Кохан (Biryla 1969: 216) (vgl. LVGDB);
3.1.3. Von Bel. / Rus. Suf -ka abgeleitete Oikonyme Kazareškàv (Šr D), Kazareškàv (Ukm D) ← Bel. Казарэз, Козорез, Козарез (Biryla 1969: 169);
3.1.4. Von Bel. Suf -iha abgeleitete Oikonyme Kazerežina v (El) ← Bel. Казарэз, Козорез, Козарез (Biryla 1969: 169); Marusinàstead (Ščn D) ← Bel. DIM Марусь: Марцін (Biryla 1982: 86ff.); Lipinàv (Švčn D) ← Bel. Ліна, Ліпка, Ліпінскі / Rus. Липин, Липов (Biryla 1969: 252);
3.1.5. Vom Pol. Präf pod- / Rus. Präf pod(ле)- abgeleitetes Oikonym Podhaliampōlisv (El) ← Pol. Präf pod- / Rus. Präf pod(ле)- „nahe/unter“ + Oikonym Haliampōlis18.
Die produktivsten Suffixe in dieser Gruppe sind Pol. Suf -ówka und Rus. Suf -овка; sie wurden jeweils in 7 bzw. 4 Oikonymen beobachtet. Das Bel. Suf -iha tritt in 3 Fällen auf, während das am wenigsten produktive Suffix Bel. / Rus. Suf -ka in 2 homogenen Oikonymen vorkommt. In einem Fall wird das Oikonym mittels des slavischen Präfixes pod- aus einem anderen zusammengesetzten Oikonym abgeleitet.
3.2. Aus Appellativa abgeleitete Toponyme
3.2.1. Vom Pol. Suf -ówka abgeleitete Oikonyme Astrukàv (Šr D), Ostrukàv (Trak D) ← Pol. ostrówek, „Wald, Gehölz an den Flussufern“, ostrów „ein zwischen Gräben gelegenes Feld“, könnte aber mit Bel. acmpoy „Insel“ in Verbindung stehen (vgl. LVŽ I 194); Boruvkàv, Boruvkàstead, Boruvkàstead (Švčn D), Baruvkàstead (Ukm D) ← Pol. bór, Bel. / Rus. бор „großer, dichter, alter Nadelwald“19; Dambruvkàv (El), Dambuvkàv, Dembuvkàstead, Dembuvkàv (Šr D) ← Pol. dąbr (dąmrze), dąb „Eiche“, dębówka, debina, dąbrowa „Eichenhain“ (vgl. auch LVŽ II 116–118); Gajuvkàstead (V D) ← Bel. гай, Pol. gaj „kleiner Wald“ oder könnte mit Pol. gajówka „Försterhütte“ in Verbindung stehen (vgl. LVŽ III 30); Lipuvkàstead (Šr D) ← Bel. липа / Pol. lipa / Rus. липа „Linde“; Osinuvkàv (Šr D) ← Pol. osina „Espe; Dickicht oder Gehölz aus Espen“; Saduvkàstead (Švčn D) ← Bel. / Rus. сад oder Pol. sad „Garten“; Sasnukastead (Šr D) ← Bel. сосна „Kiefer“, vgl. Pol. sosna;
3.2.2. Vom Rus. Suf -овка abgeleitete Oikonyme Beregovkàstead (Švčn D) ← Rus. берег „Ufer, Küste“, береговой „am Ufer gelegen“ (vgl. LVŽ I 437); Borovkàstead (Švčn D) ← Bel. / Rus. бор „großer, dichter, alter Nadelwald“
18 Das zusammengesetzte Oikonym Haliampōlis ist offensichtlich anthroponymischen Ursprungs und könnte mit PN Pol. Halian, Haliana in Verbindung stehen (LVŽ III 379). Die zweite Komponente ist ein durch die litauische Flexion -is gekennzeichnetes Derivat von Rus. поль: поле „Feld“.
19 Alternativ stehen diese Oikonyme mit Bel. бароўка „Orte, an denen Blaubeeren wachsen“ oder Lith. bãras „Nadelwald“ in Verbindung (LVŽ I 392–393, 540; Zinkevičius 2011a: 120).
Straipsniai / Articles
229
PAVEL SKORUPA
(vgl. LVŽ I 392–393, 540); Malinovŭkastead, Malinovŭkastead (Švčn D) ← Rus. малина / Bel. маліна „Himbeere“;
3.2.3. Von Bel. / Pol. / Rus. Suf –ka /–ka abgeleiteter Potamonym Nedzviadka (V D) ← Pol. niedźwiadek: niedźwiedź „Bärenjunges (Ursus)“, und Oikonyme Vigadka (Švčn D), Vigodkastead (El), Vigodkav (Trak D) ← Bel. выгода „Bequemlichkeit; Weite; (übertragen) Freiheit, Wille, Unabhängigkeit“ / Pol. wygoda „Bequemlichkeit“.
3.2.4. Vom Bel. Präf па–(за) abgeleitetes Oikonym Pazaliėšėstead (V D) ← Bel. Präf па–(за) „hinter“ + залессе „Gebiet hinter dem Wald“.
Toponyme, die aus slawischen Appellativa mittels slawischer Ableitungsaffixe hervorgegangen sind, bilden die größte Gruppe in der Kategorie der „genetisch“ slawischen Namen. Insgesamt wurden 24 Fälle festgestellt: 1 Potamonym und 23 Oikonyme. Das produktivste Suffix in dieser Gruppe ist Pol. Suf –ówka, das in 15 Oikonymen beobachtet wurde, die entweder aus Phytolexemen für das Dickicht bestimmter Pflanzen oder aus nomenklatorischen Termini abgeleitet sind. Das am wenigsten produktive Affix ist Bel. Präf na–(за), das zur Ableitung eines Oikonyms aus einem nomenklatorischen Terminus verwendet wird.
3.3. Aus Eigennamen oder Appellativa abgeleitete Toponyme
Die Oikonyme dieser Gruppe (3 Fälle) sind offensichtlich slawischen Ursprungs und mittels Bel. / Pol. / Rus. Suf –ka/–ka abgeleitet. Die lexikalische Natur des Etymons ist jedoch unklar, vgl.: Manastirkastead (Šr D) könnte mit Bel. манастыр „Kloster“ oder dem PN Bel. Манастырэнка (Biryla 1966: 188) in Verbindung stehen; Saloménkastead (Švčn D) könnte aus Bel. саломінка „Stroh“, саломяны „aus Stroh gefertigt“ hervorgegangen sein oder mit den PN Bel. Салома, Солома, Rus. Соломин (Biryla 1969: 363) in Verbindung stehen; Začerpkav (Trak D) könnte ein Derivat aus Bel. (dial.) зачэпка, зачэпка / Pol. zaczepka „Haken, Öse“ oder dem PN Bel. Зачэпна (Biryla 1969: 158) sein (vgl. auch LVGDB).
4. UMSCHRIFT IN DIE LITAUISCHE SPRACHE
4.1. Umschriebene Toponyme appellativischen Ursprungs
Die umschriebenen Toponyme appellativischen Ursprungs bilden die größte Gruppe in der Kategorie der umschriebenen Toponyme. Solche Namen finden sich in der
230
Acta Linguistica Lithuanica LXXXV
Spuren von Sprachkontakten in den Hydronymen und Oikonymen des heutigen Landkreises Vilnius: Der Einfluss der slawischen Sprachen auf die litauische Toponymie
Klassen der Potamonyme, Limnonyme und Oikonyme mit jeweils 3, 3 bzw. 34 Namen, vgl.:
4.1.1. Potamonyme Aliosà (El) ← Bel. (dial.) алёц, альца „torfiger Sumpf; sumpfige Wiese, teilweise mit Erlen; Erlengestrüpp“, vgl. Pol. ols „Wald in einem Sumpf“ (vgl. auch LVŽ I 62, 64; Vanagas 1981: 39, 40); Kamenà (Šlčn D) ← Pol. kamienna, -y / Bel. каменны, -ая / Rus. каменный, -ая „steinig“, vgl. Bel. / Rus. камень, ‘stone’²⁰; Manièrka (V D, Švčn D) ← Pol. manierka, Rus. манерка „eine Flasche: eine flache, verschließbare Flasche zum Mitführen von Trinkwasser oder einem Getränk, befestigt an einem Gürtel oder Schulterriemen oder in einer Tasche getragen“ (vgl. Vanagas 1981: 204);
4.1.2. Limnonyme Glušnià (Švčnč D) ← Rus. глушня: глушь / Bel. глушы „ein abgelegener, (bewaldeter), unbewohnter Ort“ (vgl. auch Vanagas 1981: 118–119); Zapolè (V D) ← Pol. zapole „waldloses Gebiet; mit Ackerland bedecktes Gebiet“, vgl. Rus. заполоть „ein Ort hinter Ackerfeldern“; Zatišè (V D) ← Pol. zacisze, vgl. Bel. зацішша, Rus. затишье „ruhig, windgeschützt; abgelegener, öder Ort, Wildnis“;
4.1.3. Oikonyme Cegèlniestead, Cegèlnièv, Cegèlnièstead, Cegèlnièv, Cegèlniàstead, Dembinàv, Dembinàv, Koliòniјаv, Akoliòniјаv, Papierniàv, Paguliánkaₛₜₑₐd, Poguliánka Iᵥ, Poguliánka IIᵥ, Poguliánkaₛₜₑₐd, Poguliánkaₛₜₑₐd, Pyšnàₛₜₑₐd, Slabadàᵥ, Slabadàᵥ, Slabadàᵥ, Slabadkàᵥ, Slabadàᵥ, Slabadàₛₜₑₐd, Slabadàᵥ, Slabadàᵥ, Slabadàᵥ, Slabadàᵥ, Smoliárniėₛₜₑₐd, Šafárnėₛₜₑₐd, Šafárnėᵥ, Šafárnėᵥ, Ustrõnėᵥ, Zacišèₛₜₑₐd, Zabłòčėᵥ (Šr D), (Švčn D), (Trak D), (V D), ← Bel. цагельня, Pol. cegielnia „Fabrik zur Herstellung von Ziegeln und anderen Lehmbaustoffen“ (vgl. LVŽ II 4–5); Dembinàv, (Trak D), Dembinàv (V D) ← Pol. dębina „Eichenhain“ (vgl. LVŽ II 201); Koliòniјаv (Šr D), Akoliòniјаv (Švčn D) ← Pol. kolonia „eine vom Stadtzentrum oder vom Dorf entfernt gelegene Häusergruppe“; Papierniàv (Šr D) ← Bel. паперня, Pol. papiernia „Papierfabrik“; Paguliánkaₛₜₑₐd, Poguliánka Iᵥ, Poguliánka IIᵥ (Trak D), Poguliánkaₛₜₑₐd (Šr D), Poguliánkaₛₜₑₐd (Švčn D) ← Bel. пагулянка, Pol. pohulanka, Ukr. погулянка „ländliches Tanzfest, Feier, Freizeit“ oder „Ort zum Spazierengehen“ oder „Trinken, Schmeichelei, Festmahl“; Pyšnàₛₜₑₐd (V D) ← Bel. пышна: пышны „reich, üppig, prächtig“; Slabadàᵥ, Slabadàᵥ, Slabadàᵥ, Slabadkàᵥ (V D), Slabadàᵥ (Šlčn D), Slabadàₛₜₑₐd (Švčn D), Slabadàᵥ (Trak D), Slabadàᵥ, Slabadàᵥ, Slabadàᵥ, Slabadàᵥ (Ukm D) ← Bel. слабада́, vgl. Rus. слобода́ „ein großes Dorf mit freier Bevölkerung (bis zur Aufhebung der Leibeigenschaft in Russland)“ oder „ein Dorf nahe der Stadt, ein Vorort (veraltet)“²¹; Smoliárniėₛₜₑₐd (V D) ← Rus. смолярня / Pol. smolarnia / Bel. смалярня „Teerfabrik“; Šafárnėₛₜₑₐd, Šafárnėᵥ (Šr D), Šafárnėᵥ (Trak D) ← Bel. (abwertend) шафарня „Fuhrleute“; Ustrõnėᵥ (Šr D) ← Pol. ustronie „abseits menschlicher Siedlungen gelegene Gegend“, vgl. Pol. ustroń „Abgeschiedenheit, Zuflucht“; Zacišèₛₜₑₐd (El) ← Pol. zacisze / Rus. затишье „ruhig, windgeschützt; abgelegener, öder, entlegener Ort, Wildnis“; Zabłòčėᵥ (Švčn D) ← Pol. zabłocie „Ort hinter dem Sumpf, Feuchtgebiet“.
²⁰ Für eine weitere etymologische Variante siehe Vanagas (1981: 144).
²¹ Vgl. auch Zinkevičius (2011a: 131).
Straipsniai / Articles
231
PAVEL SKORUPA
4.2. Umschriebene Toponyme aus Eigennamen
Die umschriebenen Toponyme umfassen zwei Namen aus der Klasse der Hydronyme (1 Potamonym und 1 Limnonym), die ohne Ableitungsaffixe aus slawischen Eigennamen hervorgegangen sind. Diese Namen können als Ergebnis einer Transonymisierung betrachtet werden, vgl.:
4.2.1. Das Potamonym Vŏlga (V D) ist höchstwahrscheinlich die Übertragung des Potamonyms Volga (Rus. Волга), des längsten europäischen Flusses;
4.2.2. Das Limnonym Òlga (El) steht mit dem slavischen PN Ольга / Olga in Verbindung.
4.3. Toponyme appellativischen oder eigennamlichen Ursprungs
Diese Kategorie umfasst 3 Namen aus den Klassen der Potamonyme und Oikonyme (1 Gewässername und 2 Siedlungsnamen), vgl.:
4.3.1. Das Potamonym Ščerba (Šlčn D) könnte mit Pol. szczerba / Rus. щерба „Mangel, Verlust; Riss; leerer Platz; Lücke; Unebenheit, Grube, ausgestoßene Stelle“ (WS]Pe, SRYAe) oder dem PN Pol. Szczerba, Bel. / Rus. Щерба, Щарба (Biryla 1966: 280) in Verbindung stehen (Anmerkung: Der Familienname ist derzeit in Šlčn D gebräuchlich);
4.3.2. Oikonyme Veseluchăstead (V D), Veseluškăstead (Ukm D)²² sind höchstwahrscheinlich durch Onymisierung aus Rus. (dial.) веселуха, веселушка (веселье) „Fröhlichkeit“ (SRYAe) oder durch Transonymisierung aus den PN Rus. Веселуха, Веселушка, Bel. Весялуха (Biryla 1969: 86) hervorgegangen.
5. GENETICALLY UNCLEAR TOPONYMS
In einer Reihe von Fällen ist es schwierig festzustellen, ob das Toponym slawischen oder litauischen Ursprungs ist. Die folgenden Toponyme können entweder Suffixderivate aus slawischen oder litauischen Appellativa oder Eigennamen sein, das Ergebnis einer Onymisierung aus slawischen oder litauischen Appellativa darstellen oder ein übersetzter Name sein. Angesichts der Tatsache, dass im Landkreis Vilnius recht große slawische ethnische Gruppen leben, besteht die Möglichkeit, dass die folgenden Ortsnamen aus den von diesen nationalen Minderheiten gesprochenen Sprachen abgeleitet sind, vgl.:
5.1. Das Limnonym Skarbėlis (V C) könnte als litauisches Suf.-elis-Derivat von Pol. skarb „Schatz“ oder als litauischer Polonismus skárbas „Schatz“ betrachtet werden;
²² Vgl. Zinkevičius (2011a: 109), der behauptet, dass das Oikonym unklaren Ursprungs ist.
232
Acta Linguistica Lithuanica LXXXV
Footprints of Language Contacts in the Present-day Vilnius County Hydronyms and Oikonyms: the Impact of Slavic Languages on Lithuanian Toponymy
5.2. Oikonyme Būlbinėstead (V D) könnten als litauisches Suf -inė-Derivat von Bel. бу́лба, Pol. (dial.) bulba „Kartoffel“ oder alternativ vom litauischen Slavizismus būlba / būlbė betrachtet werden (vgl. LVŽ I 610; Razmukaitė 1998: 17);
5.3. Das Oikonym Jadlurokàstead (Švčn D) könnte ein vom Phytolexem Pol. jodła „Tanne“, von Bel. я́ловец „Wacholder (Juniperus); Sadebaum“ oder vom PN Lith. *Jadla abgeleitetes Pol. Suf -ówka-Derivat sein, vgl. die litauischen PNs Jadlaùskas (LVGDB). Andererseits könnte das Oikonym mit Pol. Jadłowski in Verbindung stehen (ebd.);
5.4. Oikonyme Būdāv, Būdāv (El), Būdā (Šr D), Būdāv, Būdāv, Būdā Iv, Būdā IIIv (Trak D) könnten entweder litauischen Ursprungs sein, vgl. Lith. būdà, būdė „Zelt, Unterstand, (Wächter-, Hirten- usw.) Hütte“ (LKŽe), oder ein slawisches Toponym aus Bel. būdа, Pol. buda „eine einfache, aus vergänglichen Materialien errichtete Struktur, die Menschen als provisorischer Unterstand dient“ (vgl. auch LVŽ I 588–590); Majākasstead (Šlčn D) könnte mit Lith. majākas „Triangulationspunkt“, „Grundstück; Gehöft“ oder Rus. маяк „Triangulationspunkt“ in Verbindung stehen; Ūtàv, Ūtàv, Ūtàv (Šlčn D) könnte entweder mit dem litauischen Polonismus utà „Schmelzofen, Schmelzhütte“ oder mit Pol. huta in Verbindung stehen;
5.5. Das Oikonym Vispàstead (Švčn D), das möglicherweise mit Pol. wyspa „Insel“ oder „Ort, der sich von seiner Umgebung abhebt“ in Verbindung steht, könnte eine bloße Übersetzung sein und auf Lith. *Sala, *Šela zurückgehen, vgl. Lith. sala „Dorf“ ← Lith. *šėla „Dorf“ und/oder „Insel; Erhebung, Hügel im Sumpf; Waldland usw.“ (vgl. Būga 1959: 554; Karaliūnas 2005: 308–310).
***
Der Einfluss der slawischen Sprachen (Russisch, Belarussisch, Polnisch) auf die Toponymie des Landkreises Vilnius ist auf der Ebene der Namensbildung in den analysierten Klassen der Hydronyme und Oikonyme offensichtlich. Die Analyse der Ableitungsmodelle der ausgewählten Toponyme und die Ermittlung der Basiswörter (Etyma) hat gezeigt, dass sich Sprachkontakte in 158 Ortsnamen widerspiegeln, die 3% aller derzeit offiziell im Landkreis Vilnius gebräuchlichen Namen ausmachen. Die Verteilung dieser Toponyme auf die Gemeinden wird in Tabelle 1 dargestellt. Wie aus der Tabelle ersichtlich, findet sich die größte Zahl von Toponymen mit Sprachkontakten in der Gemeindeverwaltung des Distrikts Švenčionys; sie umfasst 35 Fälle, nämlich 33 Oikonyme (darunter 2 durch slawische Affixe kontaminierte Siedlungen), 1 Potamonym und 1 Limnonym. Es folgt die Gemeindeverwaltung des Distrikts Širvintos mit 32 Fällen, nämlich 31 Oikonymen (darunter 5 durch slawische Affixe kontaminierte Siedlungsnamen) und 1 Limnonym. Die geringste Zahl solcher Toponyme wird in der Stadtgemeinde Vilnius beobachtet – 1 Fall in der Klasse der Limnonyme. Zur Verteilung kontaminierter Toponyme, d. h. litauischer Ortsnamen, die mittels slawischer Affixe abgeleitet wurden, siehe Tabelle 2.
Straipsniai / Articles
233
PAVEL SKORUPA
TABELLE 1. Verteilung der Toponyme mit Sprachkontakten
Gemeinde | Potamonyme | Limnonyme | Oikonyme | Gesamt: Elektrėnai | 1 | 2 | 12 | 15 Šalčininkai-Distrikt | 5 | | 11 | 16 Širvintos-Distrikt | | 1 | 31 | 32 Švenčionys-Distrikt | 1 | 1 | 33 | 35 Trakai-Distrikt | | 1 | 17 | 18 Ukmergė-Distrikt | | | 14 | 14 Stadt Vilnius | | 1 | | 1 Vilnius-Distrikt | 6 | 2 | 19 | 27 Gesamt: | 13 | 8 | 137 | 158
TABELLE 2. Verteilung der durch slawische Affixe kontaminierten Toponyme
Gemeinde | Potamonyme | Limnonyme | Oikonyme | Gesamt: Elektrėnai | | | 1 | 1 Šalčininkai-Distrikt | 2 | | | 2 Širvintos-Distrikt | | | 5 | 5 Švenčionys-Distrikt | | | 2 | 2 Trakai-Distrikt | | | 1 | 1 Ukmergė-Distrikt | | | 7 | 7 Stadt Vilnius | | | | Vilnius-Distrikt | 2 | | | 2 Gesamt: | 4 | | 16 | 20
Wie aus Tabelle 2 ersichtlich, machen die kontaminierten Toponyme 20 Fälle aus, d. h. 12% aller analysierten Toponyme. Die größte Zahl kontaminierter Toponyme findet sich unter den Oikonymen, die derzeit in der Gemeindeverwaltung des Distrikts Ukmergė gebräuchlich sind; darauf folgt die Gemeindeverwaltung des Distrikts Širvintos mit 5 kontaminierten Toponymen derselben Klasse. Die geringsten Zahlen solcher Toponyme werden in der Gemeinde Elektrėnai und der Gemeindeverwaltung des Distrikts Trakai beobachtet, mit jeweils nur 1 Fall in der Klasse der Oikonyme, während die Stadtgemeinde Vilnius keine kontaminierten Toponyme aufweist.
234
Acta Linguistica Lithuanica LXXXV
Footprints of Language Contacts in the Present-day Vilnius County Hydronyms and Oikonyms: the Impact of Slavic Languages on Lithuanian Toponymy
6. SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Sprachkontakte spiegeln sich in 158 Ortsnamen wider (13 Potamonyme, 8 Limnonyme, 137 Oikonyme), d. h. in 3% der 5126 derzeit offiziell gebräuchlichen Ortsnamen des Landkreises Vilnius. Darunter befinden sich 20 (4 Potamonyme, 16 Oikonyme) kontaminierte Toponyme, d. h. 12% der analysierten Ortsnamen.
2. Sprachkontakte werden auf verschiedenen Ebenen der Toponymbildung beobachtet und umfassen:
a) Kontaminierte Toponyme – Derivate mit slawischen Suffixen aus litauischen Eigennamen und Appellativa. Aus Eigennamen litauischen Ursprungs abgeleitete Toponyme umfassen 15 Oikonyme (11 Suf –(š)čizna- und 3 Suf –uwka-Derivate aus litauischen PNs, 1 Suf –ka aus dem litauischen Limnonym), 2 Potamonyme (1 Suf –anka- und 1 Suf –ka-Derivat aus litauischen Oikonymen). Die appellativischen Derivate umfassen Suf –anka-Derivate (2 Potamonyme, 1 Oikonym) und ein Suf –ouka-Derivat (1 Oikonym).
b) Litauische Suffix- und Flexionsderivate aus slawischen Eigennamen und Appellativa. Aus Eigennamen bzw. Anthroponymen abgeleitete Toponyme umfassen 8 Hydronyme (1 Potamonym, 1 Limnonym) und 5 Oikonyme. Aus slawischen Appellativa abgeleitete Toponyme umfassen 29 Fälle – 24 Flexionsderivate (2 Potamonyme, 1 Limnonym, 21 Oikonyme) und 5 Suffixderivate (4 Oikonyme, 1 Limnonym). 4 Oikonyme sind Flexions- und Suffixderivate aus Appellativa oder Eigennamen.
c) Toponyme slawischen Ursprungs, d. h. Toponyme, die aus slawischen Eigennamen und Appellativa mittels slawischer Affixe abgeleitet sind. Toponyme anthroponymischen Ursprungs umfassen 17 Oikonyme (7 Suf –uwka-, 4 Suf –ouka-, 3 Suf –ina-, 2 Suf –ka- und Präf pod–-Derivate). Aus slawischen Appellativa abgeleitete Toponyme umfassen 24 Fälle (15 Suf –uvka-, 4 Suf –ovka-, 3 Suf –ka-, 1 Präf pa–-abgeleitete Oikonyme; 1 Suf –ka-abgeleitetes Potamonym). 3 Oikonyme sind mit Suf –ka entweder aus Appellativa oder Anthroponymen abgeleitet.
d) Unter den Toponymen slawischen Ursprungs gibt es Hydronyme und Oikonyme, die als bloße Umschrift in die litauische Sprache betrachtet werden können. Diese Kategorie umfasst 45 Toponyme, die aus slawischen Appellativa oder Onyma durch Onymisierung oder Transonymisierung hervorgegangen sind.
e) In einer Reihe von Fällen ist es schwierig festzustellen, ob ein Toponym slawischen oder litauischen Ursprungs ist, vor allem aufgrund der zahlreichen Slavismen in der allgemeinen litauischen Sprache. Solche Toponyme können entweder Suffix
Straipsniai / Articles
235
PAVEL SKORUPA
derivate aus slawischen oder litauischen Appellativa oder Eigennamen sein, das Ergebnis einer Onymisierung aus slawischen oder litauischen Appellativa darstellen oder übersetzte Namen sein.
3. Der Einfluss widersprüchlicher historischer Prozesse (verschiedener politischer Regime und der Migration von Völkern, insbesondere im Grenzgebiet) auf die Toponymie sowie auf die Onymie im Allgemeinen ist schwer zu bewerten. In manchen Fällen ist es schwierig festzustellen, ob ein Toponym litauischen Ursprungs ist und irgendwann im Laufe der Geschichte slawisiert (übersetzt) wurde oder ob es sich um ein slawisches Toponym handelt. Eine eingehendere Untersuchung historischer Daten könnte zu einer klareren Interpretation der Toponyme beitragen.
ABKÜRZUNGEN
Bel. – Belarussisch; C – Stadt; vgl. – vergleiche; D – Bezirk; dial. – dialektal; DIM – Diminutiv; El – Elektrėnai; eld – Amtsbezirk; et al. – und andere; f – feminin; Gen. – Genitiv; l – See; Lith. – Litauisch; m – maskulin; PN – Personenname; Pol. – Polnisch; pl – Plural; Pref – Präfix; Rus. – Russisch; sg – Singular; stead – Hofstelle/Gehöft; Suf – Suffix; Šlčn – Šalčininkai; Šr – Širvintos; Švčn – Švenčionys; tn – Ort; Trak – Trakai; trib. – Zufluss; Ukm – Ukmergė; Ukr. – Ukrainisch; V – Vilnius; v – Dorf.
TOPONYMQUELLEN
GP – Geoportal.lt – Portal für räumliche Informationen Litauens. Verfügbar unter: https://www.geoportal.lt/geoportal/.
LKIVK – Katalog litauischer Ortsnamen, die aus der lebenden Sprache aufgezeichnet wurden.
LVGDB – Geoinformationsdatenbank der Ortsnamen Litauens. Verfügbar unter: https://ekalba.lt/lietuvos-vietovardziu-geoinformacine-duomenu-baze.
UETK – Kataster der Flüsse, Seen und Teiche der Republik Litauen. Verfügbar unter: https://uetk.am.lt.
Websites der Gemeinden des Bezirks Vilnius: Website der Gemeinde Elektrėnai unter https://www.elektrenai.lt/; Website der Gemeindeverwaltung des Bezirks Šalčininkai unter http://www.salcininkai.lt/; Website der Gemeindeverwaltung des Bezirks Širvintos unter https://www.sirvintos.lt/lt; Website der Gemeindeverwaltung des Bezirks Švenčionys unter https://www.svencionys.lt/lt/ I_pradzia; Website der Gemeindeverwaltung des Bezirks Trakai unter https://www.trakai.lt/; http://old.trakai.lt/;
236
Acta Linguistica Lithuanica LXXXV
Footprints of Language Contacts in the Present-day Vilnius County Hydronyms and Oikonyms: the Impact of Slavic Languages on Lithuanian Toponymy
Website der Gemeindeverwaltung des Bezirks Ukmergė unter https://www.ukmerge.lt/; Website der Stadtgemeinde Vilnius unter https://vilnius.lt/lt/; Website der Gemeindeverwaltung des Bezirks Vilnius unter https://www.vrsa.lt/.
LEXICOGRAPHIC SOURCES
LKŽe – Wörterbuch der litauischen Sprache 1–20 (1941–2002), Redaktionskollegium G. Naktinienė, J. Paulauskas, R. Petrokienė, V. Vitkauskas, J. Zabarskaitė, Chefredaktion G. Naktinienė, elektronische Fassung, Vilnius: Institut für die litauische Sprache, 2005 (aktualisierte Version, 2008 und 2018). Verfügbar unter: https://ekalba.lt/lietuviu-kalbos-zodynas.
PWN – Wörterbuch der polnischen Sprache (auf Grundlage von Wörterbuch der polnischen Sprache, herausgegeben von W. Doroszewski, 1997; Wörterbuch der 100.000 benötigten Wörter, herausgegeben von J. Bralczyk, 2005; Großes orthografisches Wörterbuch von PWN mit Rechtschreib- und Interpunktionsregeln, herausgegeben von E. Polański, 2017), Onlineversion, Warschau: Wydawnictwo Naukowe PWN, 1997–2021. Verfügbar unter: https://sjp.pwn.pl/.
Skarnik.by – Мазок Алег, Літ Серж, Hrsg. 2015: Belarussisch-russisches Wörterbuch (auf Grundlage des akademischen Wörterbuchs, herausgegeben von Я. Колас, К. Крапіва und П. Глебка, 1953: Русka-беларускі Слоўнік 1–3, Минск: Институт языкознания АН БССР), elektronische Fassung. Verfügbar unter: https://www.skarnik.by/.
SRYA – Yevgenyeva Anastasiya (Hrsg.) 1999: Wörterbuch der russischen Sprache: in 4 Bänden, Hrsg. А. П. Евгеньева, Moskau: Полиграфресурсы. Verfügbar unter: http://feb-web.ru/feb/mas/mas-abc/default.asp.
SUMe – Wörterbuch der ukrainischen Sprache. Akademisches Bedeutungswörterbuch (1970–1980), Onlineversion auf Grundlage des Wörterbuchs der ukrainischen Sprache in 11 Bänden, herausgegeben von І. К. Білоїд, Kyjiw: Наукова думка, 1970–1980. Verfügbar unter: http://sum.in.ua/.
WSJPe – Großes Wörterbuch der polnischen Sprache, Hrsg. P. Żmigrodski, elektronische Fassung, Krakau: Institut für die polnische Sprache der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Verfügbar unter: https://wsjp.pl/.
REFERENCES
Ambrazas Saulius 2000: Daiktavardžių darybos raida II. Lietuvių kalbos vardažodiniai vediniai, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas.
Bąk Piotr 1984: Gramatyka języka polskiego, Warszawa: Wiedza Powszechna.
Bilkis Laimutis, Kačinaitė-Vrubliauskienė Dalia, Ragauskaitė Alma, Skorupa Pavel, Sviderskienė Dalia, sud., 2019: Grasilda Blažienė: bibliografija, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas.
Straipsniai / Articles
237
PAVEL SKORUPA
Bilkis Laimutis 2020: Dėl kaimo vardo Ūvoliai kilmės. – Acta Linguistica Lithuanica 83, 178–192. Available at: http://journals.lki.lt/actalinguisticallithuanica.
Bilkis Laimutis 2020a: Dėl kaimo vardo Jedžiotai raidos ir kilmės. – Lituanistica 66, 4(122): 275–287.
Biryla Mikalaj V. 1966: Бырыла Мікалай В. Беларуская антрапанімія. Уласныя імёны, імёны-мянушкі, імёны па бацьку, прозвішчы, Мінск: Навука і Тэхніка.
Biryla Mikalaj V. 1969: Бырыла Мікалай В. Беларуская антрапанімія 2. Прозвішчы, утвораныя ад апелятыўнай лексікі, Мінск: Навука і Тэхніка.
Biryla Mikalaj V. 1982: Бырыла Мікалай В. Беларуская антрапанімія 3. Структура ўласных мужчынскіх імён, Мінск: Навука і Тэхніка.
Biryla Mikalaj V., Shuba Pavel P. 1985: Бырыла Мікалай В., Шуба Павел П. Беларуская граматыка 1, Мінск: Навука і Тэхніка.
Blažienė Grasilda 2011: Блажене Г. О балтийских ойконимах Калининградской области. – Культурное наследие Восточной Пруссии: сборник статей, ч. 1, Калининград: Изд-во БФУ им. И. Канта, 78–95.
Blažienė Grasilda 2013: Noch einmal zum Altpreußischen und zu den altpreußischen Eigennamen in den geschichtlichen Quellen des Deutschen Ordens. – Индоевропейское языкознание и классическая филология – XVII: материалы чтений, посвященных памяти профессора Иосифа Моисеевича Тронского 24–26 июня 2013 г., Санкт-Петербург: Наука, 66–78. Available at: http://iling.spb.ru/comparativ/mater/tronsky2013/tronsky2013.pdf.
Blažienė Grasilda 2018: Zu den russischen Personnamen in den Folianten des Deutschen Ordens. – Индоевропейское языкознание и классическая филология – XXII (чтения памяти И. М. Тронского): материалы Международной конференции, проходившей 18–20 июня 2018 г., отв. ред. Н. Н. Казанский, 1–ый полутом, Санкт-Петербург: Наука, 109–75. Available at: https://tronsky.iling.spb.ru/static/tronsky2018_01.pdf.
Blažienė Grasilda 2020: Блажене Г. Baltische Spuren in Ortsnamen Europas? – Индоевропейское языкознание и классическая филология – XXIV: материалы чтений, посвященных памяти профессора Иосифа Моисеевича Тронского 22–24 июня 2020 г., Санкт-Петербург: Институт лингвистических исследований, 443–465. Available at: https://tronsky.iling.spb.ru/static/tronsky2020_01.pdf.
Būga Kazimieras 1961: Rinktiniai raštai 3, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla.
DLKG – Dabartinės lietuvių kalbos gramatika, red. V. Ambrazas, Vilnius: Mintis, 1994.
238
Acta Linguistica Lithuanica LXXXV
Footprints of Language Contacts in the Present-day Vilnius County Hydronyms and Oikonyms: the Impact of Slavic Languages on Lithuanian Toponymy
Gala Sławomir 1985: Polskie nazwy osobowe z podstawowym –ł-, -łw części sufiksalnej. – Acta Univ. Lodziensis. Folia Linguistica 10, Łodź: Uniw. Łodzki.
Garšva Kazimieras, Grumadienė Laima, red. ir sud., 1993: Lietuvos rytai, Vilnius: Valstybinis leidybos centras.
Garšva Kazimieras, sud., 1999: Etninių žemių lietuviai dabartinėje Baltarusijoje, Vilnius: Tautinių mažumų ir išeivijos departamentas prie Lietuvos Respublikos Vyriausybės.
Garšva Kazimieras 2019: Балтизмы (топонимы, фамилии) в Польше, Беларуси. – Droga ku wzajemnosci 20, 51–64.
Garšva Kazimieras 2020: Vilniaus apskrities kalbų interpretacijos. – Voruta 2(868), 60–64.
Garšva Kazimieras 2020a: Lietuvių kalba ir vardynas tarp Kernavės, Trakų ir Vilniaus. – Voruta 3(869), 77–83.
IGC 1993 – Institute of Geodesy and Cartography, The Polish Toponymic Guidelines, Warsaw, Poland, 1993. Available at: http://ksng.gugik.gov.pl/pliki/the_polish_toponymic_guidelines.pdf.
Ivoška Darius 2016: Bemerkungen zur Problematik der baltischen Ortsnamen westlich der Weichsel. – Acta Linguistica Lituanica 74, 208–225.
Ivoška Darius 2018: Baltische Eigennamen in den Dokumenten des Deutschen Ordens: daktaro disertacija, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, Vytauto Didžiojo universitetas.
Ivoška Darius 2019: Litauische historische Personennamen in dem „Marienburger Tresslerbuch der Jahre 1399–1409“. – Acta Linguistica Lituanica 81, 97–109.
Ivoška Darius 2019a: Widerspiegelung der prussischen Kultur in den Grenzenbeschreibungen des Deutschen Ordens. – Jahrbuch der Historischen Kommission für ostund westpreußische Landesforschung und der Copernicus-Vereinigung für Geschichte und Landeskunde Westpreußens. Mitteilungen aus dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz 10, 7–23.
Ivoška Darius 2020: Trends of Naming Individuals of Different Origin in the Medieval Prussia. – Onoma 55, 133–147. Available at: https://doi.org/10.34158/ONOMA.55/2020/8.
Ivoška Darius 2020a: Zur Frage der baltischen Eigennamen des Gebietes Ragnit und Tilsit in den Ordensdokumenten des 14–15 Jahrhunderts / Dėl baltiškų Ragainės ir Tilžės srities tikrinių vardų XIV–XV a. ordino dokumentuose. – Acta Linguistica Lituanica 83, 132–150. Available at: http://journals.lki.lt/actalinguisticalithuanica/article/view/2045.
Straipsniai / Articles
239
PAVEL SKORUPA
Jovaiša Eugenijus 2012: Aisčiai. I knyga. Kilmė, Vilnius: Edukologija.
Jovaiša Eugenijus 2014: Aisčiai. II knyga. Raida, Vilnius: Lietuvos edukologijos universiteto leidykla.
Jovaiša Eugenijus 2016: Aisčiai. III knyga. Lietuvių ir Lietuvos pradžia, Vilnius: Lietuvos edukologijos universiteto leidykla.
Jovaiša Eugenijus 2020: The Aestii. The Western Balts, Kaunas: Vytauto Didžiojo universiteto leidykla.
Jovaiša Eugenijus 2020a: Kapai ir žmonės, Vilnius: Unseen Pictures.
Jurkštas Jonas 1985: Vilniaus vietovardžiai, Vilnius: Mokslas.
Karaliūnas Simas 2005: Baltų praeitis istoriniuose šaltiniuose 2, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas.
Kiselīnaite Dalia 2020: Klaipėdos krašto toponimai. Istorinis ir etimologinis registras, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas. Available at: https://doi.org/10.35321/e-pub.6.klaipedos-krasto-toponimai.
LSD2013 – Lietuvos statistikos departamentas 2013: Gyventojai pagal tautybę, gimtąją kalbą ir tikybą. Lietuvos Respublikos 2011 metų visuotinio gyventojų ir būstų surašymo rezultatai, Vilnius. Available at: https://web.archive.org/web/20130923095014/http://web.stat.gov.lt/uploads/docs/gyv_kalba_tikyba.pdf.
LVŽ I – Lietuvos vietovardžių žodynas 1 (A–B), red. kolegija L. Balode, V. Blažek, G. Blažienė, V. Kardelis, A. Ragauskaitė, S. Temčinas, J. Udolph, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2008.
LVŽ II – Lietuvos vietovardžių žodynas 2 (C–F), autoriai L. Bilkis, G. Blažienė, M. Norkaitienė, A. Ragauskaitė, M. Razmukaitė, D. Sviderskienė, atsak. red. L. Bilkis, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2014.
LVŽ III – Lietuvos vietovardžių žodynas 3 (G–H), autoriai V. Adamonytė, L. Bilkis, G. Blažienė, D. Kačinaitė-Vrubliauskienė, M. Norkaitienė, A. Ragauskaitė, M. Razmukaitė, D. Sviderskienė, atsak. red. L. Bilkis, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2018.
Muldoon James 1997: Varieties of Religious Conversion in the Middle Ages, Florida: University Press of Florida.
PDB – Lietuvių kalbos instituto lietuvių kalbos išteklių informacinė sistema „E. Kalba“: Pavardžių duomenų bazė (The Institute of the Lithuanian Language Informational System of the Lithuanian Language Resources: The Surnames Database). Available at: https://ekalba.lt/Pavardziu_zodynas.
240
Acta Linguistica Lithuanica LXXXV
Footprints of Language Contacts in the Present-day Vilnius County Hydronyms and Oikonyms: the Impact of Slavic Languages on Lithuanian Toponymy
Razmukaitė Marija 1998: Lietuvos priesaginiai oikonimai: daktaro disertacija, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, Vytauto Didžiojo universitetas.
Razmukaitė Marija 2002: Lietuvos sudėtinių oikonimų darybos bruožai. – Acta Linguistica Lithuanica 46, 123–130.
Razmukaitė Marija 2003: Sudėtiniai Lietuvos oikonimai. – Baltų filologija 12(2), 63–80.
Razmukaitė Marija 2009: Apie kai kuriuos Vakarų Lietuvos priesaginius oikonimus. – Kalbos kultūra 82, 34–40.
Red’ko Julian K. 1969: Редько Юлиан К. Довідник українських прізвищ, Київ: Радянська школа.
Rymut Kazimierz 1999: Nazwiska Polaków 1 (A–K), Kraków: Wydawn. Inst. Języka Polskiego PAN.
Rospond Stanisław 1973: Słownik nazwisk śląskich 2, Wrocław, Warszawa, Kraków, Gdańsk: Zakład Narodowy im. Ossolińskich – Wydawnictwo.
Shvedova Natalija Y. 1980: Шведова Наталия Ю. Русская грамматика 1, Москва: издательство „Наука“.
Skardžius Pranas 1996: Rinktiniai raštai 1. Lietuvių kalbos žodžių daryba, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla.
SMPRL – Spis miejscowości Polskiej Rzeczpospolitej Ludowej, Warszawa: Wydawnictwa Komunikacji i Łączności, 1967.
SNNP – Kowalik-Kaleta Zofia, Dacewicz Leonarda, Raszewska-Żurek Beata 2007: Słownik najstarszych nazwisk polskich – pochodzenie językowe nazwisk omówionych w „Historii nazwisk polskich“, tom 1, Warszawa: Slawistyczny ośrodek wydawniczy.
SSNO – Słownik staropolskich nazw osobowych 1–2, Wrocław, Warszawa, Kraków: Zakład Narodowy imienia Ossolińskich, Wydawnictwo Polskiej Akademii Nauk, 1965–1968; 3–5, Wrocław, Warszawa, Kraków, Gdańsk: Zakład Narodowy imienia Ossolińskich, Wydawnictwo Polskiej Akademii Nauk. 1971–1980; 6–7, Wrocław, Warszawa, Kraków, Gdańsk, Łódź: Zakład Narodowy imienia Ossolińskich, Wydawnictwo Polskiej Akademii Nauk, 1981–1985.
Sviderskienė Dalia 2006: Marijampolės apskrities sudurtiniai oronimai. – Lituanistica 4(68), 47–59.
Sviderskienė Dalia 2006a: Marijampolės apskrities drimonimų darybos ir kilmės polinkiai. – Acta linguistica lituanica / Lietuvių kalbotyros klausimai 54, 49–62.
Straipsniai / Articles
241
PAVEL SKORUPA
Sviderskienė Dalia 2007: Marijampolės apskrities gyvenamųjų vietų vardai. – Acta linguistica lituanica / Lietuvių kalbotyros klausimai 57, 99–122.
Vanagas Aleksandras 1970: Lietuvos TSR hidronimų daryba, Vilnius: Mintis.
Vanagas Aleksandras 1981: Lietuvių hidronimų etimologinis žodynas, Vilnius: Mintis.
Vanagas Aleksandras 1996: Lietuvos miestų vardai, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla.
Vitkus Aleksandras 2001: Dualistinis lietuvių tautybės susidarymas ir trialistinis Lietuvos krikšto pobūdis; skiriama Mindaugo krikšto 750 metų sukakčiai. – Mokslas ir gyvenimas 7/8, 42–43.
VLEe – Visuotinė lietuvių enciklopedija. Available at: https://www.vle.lt.
Wójtowicz Marian 2013: Współczesne nazwiska rosyjskie pochodzenia polskiego. – Studia rossica Posnaniensia 38, 253–260.
Zinkevičius Zigmas 2011: Lietuvos senosios valstybės 40 svarbiausių mįslių, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas.
Zinkevičius Zigmas 2011a: Ukmergės rajono gyvenviečių vardynas. Pavadinimų kilmė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas.
Kalbų kontaktų pėdsakai dabartinės Vilniaus apskrities hidronimuose ir oikonimuose: slavų kalbų įtaka lietuvių toponimijai
SANTRAUKA
Dėl istorinės Lietuvos raidos dabartinėje jos teritorijoje nuo seno gyveno įvairių tautų ir kultūrų atstovai, tarp jų ir slavai (baltarusiai, lenkai, rusai), palikę pėdsaką lietuvių kalboje, kultūroje ir kitose gyvenimo srityse, įskaitant vardyną, ypač rytinėse teritorijose, t. y. istoriniame Vilniaus krašte, kurio didesnė dalis dabar yra Vilniaus apskrities ribos, žyminčios kultūrinę ir kalbinę periferiją. Apie tai liudija ne tik ilgalaikė vietinių gyventojų daugiakalbystė, bet ir regiono toponimika (resp. hidronimija ir oikonimija). Kalbų kontaktus atspindi 158 vietovardžiai (13 potanоnimų, 8 limnonimai, 137 oikonimai), t. y. 3 proc. iš 5126 šiuo metu oficialiai funkcionuojančių Vilniaus apskrities vietovardžių tarp kurių yra ir 20 „užterštų“ toponimų (4 potanоnimai, 16 oikonimų), t. y. 12 proc. analizuotų vietovardžių. Kalbų kontaktai pastebimi įvairiuose toponimų darybos lygmenyse. Pirma, užfiksuota
242
Acta Linguistica Lithuanica LXXXV
Footprints of Language Contacts in the Present-day Vilnius County Hydronyms and Oikonyms: the Impact of Slavic Languages on Lithuanian Toponymy
„užterštų“ toponimų – slavų priesagų vedinių iš lietuvių tikrinių žodžių ir apelatyvų. Rasta vietovardžių, kilusių iš lietuviškos kilmės tikrinių žodžių – 15 oikonimų (11 priesagos –(š)čizna ir 3 priesagos –uvka vediniai iš lietuviškų asmenvardžių, 1 priesagos –ka vedinys iš lietuviško ėžerevardžio), 2 upėvardžiai (1 priesagos –anka ir 1 priesagos –ka vedinys iš lietuviškų oikonimų). Prie apelatyvinių vedinių priskiriami priesagos –anka vediniai (2 potamonimai ir 1 oikonimas) ir priesagos –ovka vedinys (1 oikonimas). Antra, užfiksuota lietuvių kalbos priesagų ir galūnių vedinių iš slavų tikrinių žodžių ir apelatyvų: 8 hidronimai (1 potamonimas ir 1 limnonimas) ir 5 oikonimai yra asmenvardinės kilmės; 29 vietovardžiai yra apelatyvinės kilmės, t. y. 24 lietuviškų galūnių vediniai (2 potamonimai, 1 limnonimas, 21 oikonimas) ir 5 lietuviškų priesagų vediniai (4 oikonimai ir 1 limnonimas); 4 oikonimai (lietuviškų galūnių ir priesagų vediniai) yra neaiškaus leksinio pagrindo. Trečia, buvo rasta slavų kilmės vietovardžių – slaviškų afiksų iš slavų tikrinių žodžių ir apelatyvų vedinių: 17 asmenvardinės kilmės oikonimų (7 priesagos –uvka, 4 priesagos –ovka, 3 priesagos –ina, 2 priesagos –ka ir 1 priešdėlio pod– vediniai); 24 apelatyvinės kilmės oikonimų (15 priesagos –uvka, 4 priesagos –ovka, 3 priesagos –ka, 1 priešdėlio pa– vediniai; 1 potamonimas – priesagos –ka vedinys); 3 oikonimai (priesagos –ka vediniai) yra neaiškaus leksinio pagrindo. Tarp slavų kilmės vietovardžių yra hidronimų ir oikonimų, kurie gali būti laikomi tiesiog transliteracija į lietuvių kalbą. Į šią kategoriją įeina toponimai, kilę iš slavų apelatyvų arba tikrinių vardų onimizacijos ar transonimizacijos būdu (iš viso – 45 atvejai). Be to, daugeliu atvejų sunku atskirti, ar toponimas yra slavų, ar lietuvių kilmės, dažniausiai dėl to, kad bendrinėje lietuvių kalboje yra daug slavizmų. Tokie toponimai gali būti arba slavų, arba lietuvių kalbos apelatyvų ar tikrinių žodžių priesaginiai vediniai, arba slavų ar lietuvių apelatyvų onimizacijos rezultatas, arba gali būti tiesiog išversti vardai. Prieštaringų istorinių procesų (įvairių politinių režimų ir tautų migracijos, ypač paribyje) įtaka toponimijai ir apskritai vardynui yra sunkiai įvertinama. Kai kuriais atvejais sunku atskirti, ar vietovardis yra lietuviškos kilmės ir tam tikru metu buvo suslavintas, t. y. išverstas, ar tai slaviškos kilmės vietovardis. Išsamesni istoriniai duomenų tyrimai galėtų padėti aiškiau interpretuoti tokius atvejus.
Įteikta 2021 m. spalio 31 d.
PAVEL SKORUPA
Lietuvių kalbos institutas
Petro Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius, Lietuva
[email protected]
Straipsniai / Articles
243