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„Nomina Geographica Europaea. Bibliographische Sammlung zu europäischen Orts-, Flur- und Gewässernamen“

Jürgen Udolph

Abstract

    In dem Beitrag geht es um eine seit einigen Monaten im Internet frei zugänglichen Datei von mit ca. 450.000 geographischen Namen. Sie ist mit dem Titel Nomina Geographica Europaea. Bibliographische Sammlung zu europäischen Orts-, Flur- und Gewässernamen unter der folgenden Internet-Adresse erreichbar: https://adw-verwaltung.uni-goettingen.de/ortsnamen/images_lightbox.php. In dem Text wird die Datei näher beschrieben. Es werden Entstehung, Prinzipien und Aufbau näher umrissen und darauf verwiesen, dass die Nutzung völlig frei ist und für alle Interessierten offen steht. Im zweiten Teil des Beitrages wird an einem Beispiel, das der Wanderung slavischer Stämme auf den Balkan gezeigt, wie die Datei mit ihrer großen Fülle von Daten genutzt werden kann: die Sammlung der geographischen Namen erlaubt es dank der darin enthaltenen Angaben, Kartierungen zu erstellen, deren Ergebnisse für die Frage, auf welchen Wegen slavische Stämme den Weg nach Süden genommen haben, wichtig sind.

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JÜRGEN UDOLPH Zentrum für Namenforschung – Göttingen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Wissenschaftliche Forschungsrichtungen: Historische Linguistik, Gewässernamen, Ortsnamen, Familiennamen. DOI: doi.org/10.35321/all86-05 NOMINA GEOGRAPHICA EUROPAEA. BIBLIOGRAPHISCHE SAMMLUNG ZU EUROPÄISCHEN ORTS-, FLUR- UND GEWÄSSERNAMEN Nomina Geographica Europaea. Europos vietovardžių, žemėvardžių ir vandenvardžių bibliografinis rinkinys ANNOTATION In dem Beitrag geht es um eine seit einigen Monaten im Internet frei zugänglichen Datei von mit ca. 450.000 geographischen Namen. Sie ist mit dem Titel Nomina Geographica Europaea. Bibliographische Sammlung zu europäischen Orts-, Flurund Gewässernamen unter der folgenden Internet-Adresse erreichbar: https://adw-verwaltung.uni-goettingen.de/ortsnamen/images_lightbox.php. In dem Text wird die Datei näher beschrieben. Es werden Entstehung, Prinzipien und Aufbau näher umrissen und darauf verwiesen, dass die Nutzung völlig frei ist und für alle Interessierten offen steht. Im zweiten Teil des Beitrages wird an einem Beispiel, das der Wanderung slavischer Stämme auf den Balkan gezeigt, wie die Datei mit ihrer großen Fülle von Daten genutzt werden kann: die Sammlung der geographischen Namen erlaubt es dank der darin enthaltenen Angaben, Kartierungen zu erstellen, deren Ergebnisse für die Frage, auf welchen Wegen slavische Stämme den Weg nach Süden genommen haben, wichtig sind. SCHLÜSSELWÖRTER: Ortsnamen, Gewässernamen, Flurnamen, Namensammlung, Südslaven. Straipsniai / Articles 123 JÜRGEN UDOLPH ANNOTATION The article is about a file with around 450,000 geographical names that has been freely accessible on the Internet for a few months. The card index bears the title Nomina Geographica Europaea. Bibliographische Sammlung zu europäischen Orts-, Flurund Gewässernamen, reachable at the following internet address: https://adw-verwaltung.uni-Goettingen.de/ortsnames/images_lightbox.php. The text describes the file in more detail. The origin, principles and structure are outlined in more detail and it is pointed out that the use is completely free and open to all interested parties. In the second part of the article, an example of the migration of Slavic tribes to the Balkans is shown how the file with its large amount of data can be used: the collection of geographical names allows, thanks to the information it contains, to create mappings, the results of which are important for the question of the routes by which Slavic tribes made their way south. KEYWORDS: place names, hydronyms, toponyms, field names, collection of names, Southern Slavs. EINLEITUNG Eine überzeugende Deutung eines geographischen Namens kann nur dann gelingen, wenn umfangreiche Vorarbeiten erfolgt sind. Zum einen ist es notwendig, eine sorgfältige Sammlung der historischen Überlieferung des Namens vorzunehmen, wobei man natürlich auf zuverlässige Editionen der Texte angewiesen ist. Zum zweiten ist es unerlässlich, nach ähnlichen Namen, nach Vergleichsnamen und nach Namenparallelen zu suchen, sei es für das Grundwort oder die Ableitungsgrundlage – beides ist von großem Nutzen. Im Grunde gilt dafür ein altes Wort der Onomastik auch noch heute: Erst sammeln, dann deuten. Wilhelm Eilers (1982: S. 49) hat das wie folgt ausgedrückt: „Erst sammeln und klassifizieren, dann sprachlich-geschichtlich analysieren!“ Alle Erfolge, alle Einsichten, die ich auf dem Gebiete der Namenforschung zu verzeichnen habe, sind auf diese Weise gewonnen worden“. Hat man genügend Material für einen Ortsnamen und seine möglichen Parallelen gesammelt, so empfiehlt sich noch ein dritter Weg: die Kartierung des Namens und seiner Parallelen, worunter z.B. Kartierungen des Grundwortes, der Bestimmungswörter und der Namenbildungselemente zu verstehen sind. Theodor Frings (1957: S. 9) hat das mit deutlichen Worten unterstrichen: „Den 124 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVI Nomina Geographica Europaea. Bibliographische Sammlung zu europäischen Orts-, Flurund Gewässernamen Karten messen wir besondere Bedeutung zu. Ihre plastische Art vermag mehr zu sagen als das Gerede vieler Seiten“. Um diesen Bedingungen – vor allem der letzten – gerecht zu werden, ist lange Sammelarbeit über Jahre und Jahrzehnte hinweg notwendig. Das betrifft alle großen onomastischen Unternehmungen, so z.B. auch die große Sammlung der polnischen Ortsnamen in Kraków (NMPol), der altpolnischen Personennamen (SSNO) und der Ortsnamen Litauens (LVŽ I, II). Zu welchen interessanten Ergebnissen die Sammlung und Kartierung slavischer Ortsund Gewässernamen führen können, hat vor Jahrzehnten J. Zaimov anhand einer Verbreitungskarte südslavischer Stämme zeigen können (Karte 1). KARTE 1 (Quelle: J. Zaimov 1967, Beilage) Diese Karte von J. Zaimov zeigt allerdings nur die Zuwanderung slavischer Stämme im Osten des Balkans, der Westen ist hier nicht erfasst worden. Diese Lücke kann durch weitere Sammlungen und Kartierungen anderer slavischer geographischer Namen aber geschlossen werden. Ich werde darauf noch zu sprechen kommen. Straipsniai / Articles 125 JÜRGEN UDOLPH 1. GRUNDLAGEN DER SAMMLUNG UND ENTSTEHUNG DER DATEI Hauptzweck meines Beitrages ist es, auf eine sehr umfangreiche Sammlung von geographischen Namen hinzuweisen, die seit einigen Monaten im Internet frei verfügbar ist. Sie entstand im Verlauf der letzten 50 Jahre. Da zu Beginn der Sammlung (1970) weder Internet, noch EDV oder Computer zur Verfügung standen, wurde die Sammlung nach der nur damals möglichen Methode angelegt: auf Papier. Eine andere Möglichkeit gab es nicht. Das entsprach damals dem wissenschaftlichen Standard und wurde zum Beispiel bei dem Versuch, einen „Neuen Förstemann“ in Freiburg zu erstellen, angewandt aber auch für die Sammlung des NMPol in Kraków. Der Autor dieses Beitrages hatte vor einigen Jahren die Möglichkeit, diese Sammlung zu sehen und für einige Recherchen zu nutzen. Die jetzt neue vorgelegte Sammlung, um die es in diesem Betrag geht, ist nun im Internet frei zugänglich. Sie steht auf der Internetseite: https://adw-verwaltung.uni-goettingen.de/ortsnamen/images_lightbox.php. Bei der Benutzung der Datei ist Geduld gefordert. Es sind sehr große Datenmengen, deren einzelne Bestandteile nur als jpg, also als Bildformat, gespeichert werden konnten. Eine Umsetzung in das pdf-Format war nicht möglich. Ich gebe im Folgenden eine kurze Beschreibung der Datei und Hinweise zur Benutzung. Die Sammlung enthält eine große Menge von geographischen Namen, geschätzt etwa 450.000. Sie war zunächst nur für den slavischen Raum (jetziges und ehemaliges Siedlungsgebiet slavischer Stämme) angelegt. Im Laufe der Zeit wurden dann auch Namen aus angrenzenden Regionen aufgenommen, vor allem Dingen deshalb, weil es sich im Verlauf der Arbeit herausstellte, dass das slavische Siedlungsgebiet Namen enthält, deren Bearbeitung und sinnvolle Deutung nur unter Einbeziehung auch außerslavischer Toponyme und Hydronymie möglich ist. Die Sammlung ist in erster Linie eine Verweisdatei. Anfangs ist versucht worden, auch Deutungen und Anmerkungen zu den einzelnen Namen hinzuzufügen, aber die Fülle des Materials – das slavische Siedlungsgebiet reicht oder reichte von der Elbe bis zur Kamtschatka und von der Ostsee bis nach Griechenland – erlaubte schon bald diese Ausweitung nicht. In gewissem Sinn kann die Sammlung mit dem von R. Schützeichel herausgegebenen und von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bearbeiteten Register der Beiträge zur Namenforschung, Band 1–16, Heidelberg 1969, verglichen werden, ein Register, dass man auch heute noch mit Gewinn nutzen kann. 126 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVI Nomina Geographica Europaea. Bibliographische Sammlung zu europäischen Orts-, Flurund Gewässernamen 2. AUFBAU DER KARTEI Kernstück ist die alphabetische Zetteldatei. Sie enthält ca. 450.000 Zettel. Man wird bei der Nutzung sehen, dass es sich um eine relativ einfache Sammlung handelt, man darf sie vielleicht auch als primitiv bezeichnen. Das liegt zu einem Teil daran, dass dem Verfasser zu Beginn der Sammlung nicht bewusst war, wie das Verfahren im Einzelnen ablaufen sollte und was sich aus den ersten kleinen Anfängen heraus entwickeln sollte. Die Hauptkartei ist alphabetisch angeordnet. Einem Namen Aa folgen also Aar, Abalon, Achalm usw. Aber es gibt Besonderheiten, die in hohem Maße durch die Alphabete vor allem der osteuropäischen Sprachen und auch die Umsetzung von kyrillischen Schriften bedingt sind. Dazu gehören etwa die Einordnung von -я- (hinter -a-), -э- (hinter -e-), -ć- = -c-, -č- (hinter -c-), -в- = -wusw. Die Einzelheiten werden in einem einführenden Abschnitt unter „Entstehungshinweise“ und „Nutzungshinweise“ aufgeführt, deren Lektüre vor Nutzung der Datei zu empfehlen ist. In einer weiteren Abteilung, die als „Literatur“ bezeichnet wird, findet man die genutzte und verzettelte Literatur. Dort finden sich auch Auflösungen von Literaturkürzeln, etwa ABM = Archiwa, Biblioteki i Muzea kościelne (Bd. 1ff., Lublin 1959/60ff.). Gekürzt zitierte Literatur wird zumeist am unteren Rand der Karteikarten angeführt, z.B. „Zit. Adamy“ (für: Heinrich Adamy, Die schlesischen Ortsnamen usw., Breslau 1888). 3. NUTZUNG DER DATEI Der Vorgang der Nutzung kann etwa wie folgt umschrieben werden. Sucht man nach einem bestimmten Namen, z.B. Heča, so geht man wie folgt vor: 1. Schritt: In der Hauptdatei klickt man in der oberen Reihe des Textfeldes den Anfangsbuchstaben, in diesem Fall „H“ an (man beachte, dass die Ladezeiten aufgrund der großen Menge des Materials etliche Sekunden betragen können, vor allem bei den Anfangsbuchstaben B, K, P und S kann es länger dauern als man es vom Internet gewohnt ist). Nach Öffnen des Buchstabens „H“ erscheint das folgende Bild: ABBILDUNG 1: Eingangsportal für die Datei Straipsniai / Articles 127 JÜRGEN UDOLPH Wichtig ist die untere Zeile: Aus technischen Gründen kann nicht die Datei mit den Anfangsbuchstaben Hagezeigt werden, was etwas ungewohnt ist. Unten steht: „Angezeigt werden Bilder mit den Anfangsbuchstaben HU. Scrollt man hinunter, sieht man die Karteikarten „Huba, Hualimer, Huahа“ usw. Um zu „Heche“ zu gelangen, klickt man in der unteren Alphabetzeile (s. Abbildung 2), die Registerkarte HE an. ABBILDUNG 2: Unterabteilung des Eingangsportals Es öffnet sich eine neue Seite mit den Namen Heciul-Nou, Hechtenbach, Hechky, Héche, Hecha usw. Man sieht in der ersten Zeile u.a. die folgende Karteikarte (s. Abbildung 3): ABBILDUNG 3: Karteikarte „Héche“ Sie enthält die zusätzliche Angabe: „s. Skutil, Reg.“. Die Auflösung muss man in der Datei „Literatur“ suchen. Dafür kehrt man zur Anfangsseite der Datei zurück (s. Abbildung 4). ABBILDUNG 4: Eingangsportal der Kartei 128 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVI Nomina Geographica Europaea. Bibliographische Sammlung zu europäischen Orts-, Flurund Gewässernamen Auf der rechten Seite steht der Verweis auf „Literatur“. Diesen klickt man an, es öffnet sich die folgende Seite (s. Abbildung 5). ABBILDUNG 5: Eingangsportal für die Literaturangaben Jetzt bitte nicht die obere Zeile anklicken, sondern die untere, über der steht: 6773 Bilder insgesamt zu Namen mit Literatur. Bitte anschließend Unterordner wählen. Angezeigt werden Bilder mit dem Anfangsbuchstaben Š. Um nach „Skutil“ zu suchen, klickt man den Buchstaben „S“ an. Es öffnet sich eine neue Seite mit der Literatur, die unter Sabgespeichert ist. Die Karteikarten beginnen mit Sächsischer Flurnamensammler, V. Sádlo, J. Sack usw. Man scrollt hinunter und findet unter dem Autornamen „J. Skutil“ mehrere Titel, beginnend mit „J. Skutil, Pomístní jména ...“. Man achte auf den Eintrag auf der gefundenen Karteikarte „Skutil, Reg.“ und findet auf dieser Karte den Gesamttitel: J. Skutil, Mikrotoponymie a oronymie Drahanské vrchoviny, Blansko 1968. Im Register wird man dann den Namen „Héche“ finden und die entsprechende Seite einsehen können. Hier eine Abbildung der entsprechenden Karteikarte (s. Abbildung 6). ABBILDUNG 6: Karteikarte der Literaturdatei Straipsniai / Articles 129 JÜRGEN UDOLPH Diese Karteikarte enthält auch Information über den Standort der Publikation, in diesem Fall: „Eig. Bes.“ = eigener Besitz. Die Angaben sind auf den Standort Göttingen zugeschnitten, vor allem auf die Universitätsbibliothek und auf die Bibliothek des Slavischen Seminars. Man sieht, die Nutzung der Datei ist nicht einfach und die Frage, wo sich ein gesuchter Name befindet und was an der betreffenden Stelle über ihn eventuell gesagt wird, muss dann in der genannten Publikation nachgesehen werden. 4. PRAKTISCHE ANWENDUNGSBEISPIELE Der Hauptnutzen der Datei liegt darin, dass erhebliches Material an Orts-, Gewässerund Flurnamen weiter Bereiche in Europa enthalten ist. Große Datenmengen sind notwendig für die Kartierung; Konsequenzen aus Karten, die nur 5–10 Namen enthalten, dürfen kaum gezogen werden. Anders sieht es aus, wenn Hunderte von Namen kartiert werden können. Ähnlich sieht es bei anderen Kartierungen, auch in anderen Disziplinen aus. Je umfangreicher das Material ist, umso sicherer dürften die Ergebnisse sein. 5. BEISPIELE DER NUTZUNG DER KARTE: WANDERUNG VON SLAVISCHEN STÄMMEN AUF DEN BALKAN Die hier angesprochene Kartierung möglichst vieler Ortsnamen stützt Überlegungen älterer Studien. Ich greife hier die oben abgebildete Verbreitungskarte südslavischer Stämme von J. Zaimov (s. Karte 1) wieder auf und möchte zeigen, dass eine möglichst umfassende Kartierung von slavischen Orts-, Flurund Gewässernamen die bei J. Zaimov erkennbare Zuwanderung slavischer Stämme mit weiteren und sicheren Hinweisen entscheidend stützen kann. Dazu nutze ich die beschriebene Datei (Nomina Geographica Europaea). In den slavischen Sprachen gibt es Appellativa, die in verschiedener Weise von einer Wurzel *mok-, wozu auch močiti ‘feucht, nass machen, einweichen, erweichen (z.B. Hanf)’ abgeleitet sind, zumeist mit Hilfe des Suffixes *-dlo. Daneben treten aber auch -l-Bildungen auf. Neben močiti gibt es auch einen Verbalstamm močati, der in ähnlicher Weise eine Grundlage bilden kann. Aus der großen Zahl von Wörtern, die hier genannt werden können, nenne ich nur russ. močalo ‘zerfas erter Lindenbast’, russ. dial. močilo, močalo ‘niedriger, sumpfiger Ort, Wagenspur, Teich’, ukrain. mocylo ‘kleiner Teich, Pfütze, Ort 130 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVI Nomina Geographica Europaea. Bibliographische Sammlung zu europäischen Orts-, Flurund Gewässernamen im Fluß, wo Flachs oder Lein eingeweicht wird’, poln. moczadło ‘sumpfiger, mit Wasserpflanzen bewachsener Grund, Sumpf’, poln., altpoln. (seit dem 13. Jahrhundert) moczydło ‘nasser Boden, Sumpfboden, Sumpf, Morast, Moor, Lache, Tümpel’, tschech., slovak. močal, močalina, močalisko, močalisko u.a. ‘Sumpf, Morast, Moor, feuchte Stelle auf einem Feld oder einer Wiese’. Auch im Slovenischen, Sorbischen, Kroatischen und Serbischen sind Entsprechungen bezeugt. Aus dem Slavischen entlehnt sind alban. moçali, maçal ‘Morast’ und ungar. mocsolya ‘Pfütze, Hanfröste’. Soweit ein kurzer Blick in die Appellativa. Wichtiger aber ist die Frage, wo sich davon abgeleitete geographische Namen finden, wie sie gestreut sind und wo sie fehlen. Dazu trägt die angesprochene Datei entscheidend bei. Für den genannten Wortkomplex um *mok-, močiti, močalo, moczadło usw. lassen sich in der Datei ca. 200–300 Orts-, Flurund Gewässernamen finden. Im einzelnen sind es die folgenden Ableitungen: Moczydło, Močidło, Močidło, Moczadło, Močil, Mociul, Močul’, Moczel, Močidła, Močidła, Modschiedl, Moczydła, Močila, Močilla, Močily, Močidły, Moczyły, Močile, Motsile, Močyla, Моцѕіла, Moczadla / Moczadła, Močedla, Močály, Moczadły, Maczuły, Mačuly, Maczule, Močuly usw. Es gibt noch weitere Varianten, die z.B. durch deutschen, rumänischen und ungarischen Einfluss lautIich umgestaltet sind. Ebenfalls häufig sind, wie im Slavischen nichts anders zu erwarten, Ableitungen mit Suffixen. Die Datei enthält z.B. das im Slavischen häufige Suffix -ica in Mötzlich, Močialice, Moczalica. Močilnica, Moczydlnica. Močidlec, Močilec, Moczulec, Mačýlca, Močidłce. Mačališče, Močalište, Mačulišče, Močylyšč­a u.a.m. Schließlich erwähne ich hier noch Bildungen mit dem Suffix *–(ь)n–ica: Močilnica, Moczydlnica. Weitere Bildungen sind Namen mit den Suffixen *–ьc–, *–ьк–, *–ьr–, *–inьк–. Weiteres übergehe ich hier. Diese stereotype und vielleicht als eintönig empfundene Sammlung gewinnt ihren Wert durch deren Kartierung (s. Karte 2). Der Schwerpunkt dieser geographischen Namen liegt im westslavischen Bereich, vor allem Polen hat daran einen hohen Anteil. Daneben fallen Konzentrationen im slovakisch-ukrainischen Grenzgebiet und in Slovenien auf. Vor allem aber fällt auf, dass das Ostslavische nur geringen Anteil an der Verbreitung hat. Und auch der östliche Balkan hat nur geringen Anteil daran. Straipsniai / Articles 131 JÜRGEN UDOLPH KARTE 2: Verbreitung von močylo, močydlo in slavischen Ortsnamen Ich sehe hier die Möglichkeit zu folgender Interpretation: wir wissen, dass slavische Stämme etwa seit dem 5./6. Jh. auf ihrer Ausbreitung nach Süden aus einem Bereich nördlich der Karpaten gekommen sein müssen. Ich denke, es ist nicht zu gewagt, wenn man die Ausbreitung in Ungarn und Slowenien als Kennzeichen der Siedlungsbewegung von dem Bereich nördlich der Karpaten auf den Balkan interpretiert. Nebenbei gesagt zeichnet sich hier ein Einwanderungsweg ab, der in J. Zaimovs Karte (vgl. Karte 1) nicht erscheint Aus der Verbreitung der Namen gewinnt man Hinweise auf einen Einwanderungsweg, der schon mindestens seit der Bronzezeit genutzt worden ist, nämlich ein Weg durch die Mährische Pforte. Hier wird auch zu mindestens ein Zweig der Bernsteintraße vermutet, die schon in der Tabula Peuteringiana beschrieben worden ist. Anhand der Namenverbreitung kann man dann erkennen, dass von Slowenien ausgehend einzelne Spuren der slavischen Namen über Kroatien nach Serbien, Albanien und Nordmazedonien zu beobachten sind. Dort enden dann die Ortsnamen. Auffallend ist, dass Rumänien und Bulgarien nur geringe oder gar keine Ortsnamen kennen. 132 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVI Nomina Geographica Europaea. Bibliographische Sammlung zu europäischen Orts-, Flurund Gewässernamen ABBILDUNG 7: Bernsteinstraße Bevor ich weitere Schlüsse ziehe, empfiehlt es sich, anhand der Datei ein weiteres Appellativum in gleicher Weise zu untersuchen. Ich habe dazu slavisch luža ausgewählt. Man findet es als ein auch heute noch bekanntes Wort im Ukrainischen (lǔža, lužok), im Weißrussischen (lužа, auch als lúžyna usw.), schon im Altrussischen (luža), in polnischen Dialekten (luža, auch als lužyna), im Sorbischen (luža), im Tschechischen und Slovakischen (louže, louž, luža), auch schon alttschechisch lúže, ferner im Slovenischen (luža, auch als lúžica) und im Kroatischen und Serbischen als luža. Es bedeutet u.a. ‘Pfütze, Lache, mit Wasser gefüllte Vertiefung, Sumpf, Teich, Morast’ u.a. Es wird übereinstimmend auf indogermanische Grundlagen zurückgeführt und es ist als Lusche ‘unreine Flüssigkeit, Teich, Flüssigkeitsansammlung’ in das Deutsche entlehnt worden. In geographischen Namen kann es recht sicher nachgewiesen werden, auch in diesem Fall enthält die Datei ca. hundert Name. Ich habe ausgewählt: Luž, auch Lausche, Luža, Louž, Louže, Luže, Luže, ferner in zumeist eingedeutschter Form als Laus, Laussa, Lausche, Lause, Lauße, Luscha, Lusche, Lauz und Lusua belegt. Mit Suffixen sind gebildet Lužac, Luzec, Lužec. Bei Namen wie Lužná, Straipsniai / Articles 133 JÜRGEN UDOLPH Loužná und ähnlichen nicht sicher, ob sie von *luža abgeleitet sind oder von *log-. Bei Ableitungen mit *-ъk-/*-ьkliegt zumeist luža mit seinen Entsprechungen vor: Loužek, Luzek, aber letzte Sicherheit kann man nicht gewinnen. Auf weitere, zumeist unsichere Namen gehe ich hier jetzt nicht näher ein. Wichtig ist nun die Kartierung (Karte 3). KARTE 3: Verbreitung von *luža in slavischen Ortsnamen Die Verbreitung lässt Häufungen im russischen und weißrussischen, im böhmisch-altsorbischen und im slowenischen Sprachgebiet erkennen. Es gibt Deckungen mit der Streuung der von močyło bzw. moczydło abgeleiteten Namen und es zeigt sich deutlich, dass die Namen zum Balkan hin den Westen in Slovenien und ein wenig noch in Kroatien erreichen, den Osten aber bis hin zu Bulgarien nicht berühren. Wir werden gleich an anderen Verbreitungen slavischer Namen sehen, dass es auch ganz andere Verbreitungen gibt, die den Westen (Slovenien, Kroatien, Albanien) völlig aussparen und entgegengesetzt im Osten (Moldau, Dobrudscha, Bulgarien) ihr Verbreitungsgebiet haben. Es sind slavische Wasserwörter, deren Vorkommen in geographischen Namen die Zuwanderung von slavischen Stämmen nach Süden auch für den Osten des Balkans deutlich nachzeichnet. Es geht hier um eine Bewegung, die von den alten Siedlungsgebieten nördlich der Karpaten dem Lauf der Gebirgskette folgt und über Moldau und die Dobrudscha Bulgarien erreicht und z.T. noch weiter nach Süden vorstößt. Diese Siedlungsbewegung hatte auch schon J. Zaimov (vgl. Karte 1) deutlich markiert. 134 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVI Nomina Geographica Europaea. Bibliographische Sammlung zu europäischen Orts-, Flurund Gewässernamen Dazu biete ich im Folgenden zwei Beispiele. 1) Slav. *močęrъ ist die Grundform von einer Reihe von Appellativen, die wie močýdlo u.a. (s. oben) von slav. mok-, moč-, z.B. in aksl. močǫ, močiti, russ. moknutʹ ‘nass machen, einweichen, Flachs oder Hanf rösten’, russ. moča ‘Harn’, ukrain. ‘Harn, Regenwetter’, serb., kroat. moča ‘eingeweichtes Stück Brot’, russ. mokva ‘Feuchtigkeit, Regen, Schmutz’ u.a.m. 2) Slav. *močęrъ lässt sich in vielen slavischen Sprachen nachweisen: ukrain. močár, -a ‘Morast, Moor, Sumpf, Bruch, sumpfiger Ort’, močęr ‘kleine Teiche zum Hanfrösten’, poln. moczar, moczara u.ä. ‘sumpfiger, mit Wasserpflanzen bewachsener Grund; Sumpf’, altpoln. moczar ‘nasser Boden, Bruch, Bruchmoor, Sumpfboden’, tschech., slovak. močár, močiar, močarka, močarina u.a.m. ‘sumpfige, moorige, mit Gras bewachsene Stelle, Sumpf, nasse Stelle, Pfütze’, bulgar. močúr, močar ‘Sumpf, sumpfige, moorige Stelle, Morast’, serb., kroat. močar ‘Sumpf, Morast’. Das Wort ist entlehnt ins Ungarische als mocsár, mocsér ‘Sumpf’ und in das Rumänische als mocírlə (wahrscheinlich eine Kontamination aus *močęrund *moči(d)l-. Das Wort kann in ca. 200 Orts-, Gewässerund Flurnamen nachgewiesen werden, im folgenden biete ich nur eine Auswahl der zahlreichen slavischen Namen: Močar, Močár, Močiar, Močar̄, Mačur, Močur, Mocsur, auch in Griechenland als Μοτσάρα, Μουτσιάρα u.a.m., z.T. – vor allem in Bulgarien – mit Artikel wie etwa Močurjeto, Močurito. Auch plurale Bildungen fehlen nicht: Moczary, Močary, Mutšari, Močare, Močury u.a.m. Ebenso wenig fehlen suffixiale Bildungen wie Močarka, Močiārka, Močorek, Moczarki, Močarki, Močarni, Močarnyj, Mocz arne, Močarna, Močarno, Močirica, Močarec u.a.m. Die stereotype und eintönig wirkende Sammlung führt bei der Kartierung zu einem interessanten Ergebnis (Karte 4). Im Gegensatz zur Streuung der von slav. lužа und močid(l)o abgeleiteten Namen, deren Spuren vor allem in Slowenien und Kroatien zu finden sind, sind Toponyme, die *močęrъ als Grundlage haben, eindeutig im östlichen Balkan verbreitet, d.h. in Rumänien und vor allem in Bulgarien. Dieser „2. Weg“ kann durch weitere Namenverbreitungen gestützt werden. Besonders typisch ist für diese eher östliche Streuung das slavische Wort bagno, auch bahno, dialektal auch behno. Dieses Wort ist zahlreichen slavischen bezeugt, fehlt aber fast völlig im Russischen (hier ist es nur in den an die Ukraine und Weißrußland angrenzenden Gebieten bezeugt): ukrain. báhno ‘Sumpf, Morast’ (dazu Ableitungen wie bahnýsko, bahnýšče, bahnovyśk’o mit ähnlichen Bedeutungen), weißruss. báhna ‘unzugänglicher Torfsumpf, Sumpf, Morast’, poln. bagno ‘Sumpf, Moor’ (mit Straipsniai / Articles 135 JÜRGEN UDOLPH Ableitungen wie baġnowisko), schon altpoln. bagno ‘palus, stagnum, limus’, auch ‘ledum palustre’, sorb. bahno, bagno ‘Sumpf, Morast, Bruch; Sumpfporst’ (dazu Ableitungen wie bahniško, bahniščo, bahnowizna u.a.), polab. bóġnö ‘Sumpf’, tschech. bahno ‘Sumpf, Schlamm, Morast’, dial. auch behno (mit Ableitungen wie bahnisko, bahniště, bahnovina u.a.), slovak. bahno ‘Sumpf, Morast’. Im Südslavischen sind Entsprechungen nicht nachzuweisen, aber das Wort ist entlehnt in das Rumänische als bahnă. KARTE 4: Verbreitung von *močerь in slavischen Ortsnamen In der Datei Nomina Geographica Europaea sind ca. 300 Namen nachgewiesen. Sie sind vor allem in der Lausitz, in Nord-, Westund Südpolen und im ukrainischen Vorkarpatenland verbreitet. Die folgenden Namen lassen sich mit Hilfe der hier in Rede stehenden großen Namendatei nachweisen und kartieren: Bagno (sehr häufig), Bahno, Bahne, Begno, plurale Bildungen wie Bagna, Bähna, Bahna, Behna, Bahnă, Suffixbildungen wie Bahneć, Bahenec, Bagenz, Bagnowce, Bagieniec, Bahn ica, Bahnita, Bagn ica, Bagienica, Bagienice, Bagiennica, Bagienek, Bagienka, Bagienko, Bagienki, Bagieneczko, Bagnówka, Bahn iúka, Bagniewko, Bagniewka, Bagniska u.a.m. Ein eindrucksvolles Bild bietet die Verbreitung der Namen (Karte 5). 136 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVI Nomina Geographica Europaea. Bibliographische Sammlung zu europäischen Orts-, Flurund Gewässernamen KARTE 5: Verbreitung von *bagbno in slavischen Ortsnamen Obwohl das Appellativum vor allem im westslavischen Bereich sehr gut und stark verbreitet ist, streuen die Namen nicht in Richtung Österreich und Slowenien und weiter nach Süden in Richtung Koratien aus. Es ist ein ganz anderer Weg erkennbar, der besonders deutlich wird, wenn man den Verlauf der Karpaten zum Vergleich hinzunimmt (Karte 6). KARTE 6: Verlauf der Karpaten Straipsniai / Articles 137 JÜRGEN UDOLPH Es ist ganz klar, dass die Verbreitung der von bagno abgeleiteten Namen eine Ausbreitung nach Süden entlang dem Karpatenbogen nachzeichnen. Da es um ein slavisches Wort geht, ist es nicht allzu gewagt anzunehmen, dass es sich um eine Siedlungsbewegung handelt, die durch Sprecher von slavischen Dialekten getragen worden ist. Anhand dieser vier behandelten slavischen Appellativa, die durch weitere Beispiele ergänzt werden können, lässt sich zeigen, dass der Balkan durch Slaven auf unterschiedlichen Wegen erreicht worden ist: zum einen durch einen Zuzug aus der Mährischen Pforte heraus über den Osten Österreichs und Ungarn hinweg nach Slovenien und Kroatien, und weiter nach Albanien und den Westen Serbiens bis nach Westgriechenland. Der andere Zuzug erfolgte entlang dem Karpatenbogen durch die Bukowina, Moldau, die Dobrudscha (teilweise durch Rumänien / Siebenbürgen) und die untere Donau bis hin nach Bulgarien und den Osten Griechenlands. Man kann die beiden Ströme kartographisch etwa wie auf Karte 7 darstellen. KARTE 7: Ortsnamen und Ausbreitung slavischer Stämme Deutlich erkennbar ist, dass die slavischen Siedlungsbewegungen in Richtung Süden auf unterschiedlichen Wegen erfolgt sind. Es lässt sich nun anhand des Wortschatzes des Rumänischen zeigen, dass diese Vermutung bestätigt werden kann: 1. Markieren die Namen einen eher westlichen Weg über Slovenien und Kroatien, dann fehlt eine Entlehnung in das Rumänische. 2. Lassen die geographischen Namen eher eine Wanderung entlang der Karpaten nach Südosten erkennen, also durch die Moldau und Dobrudscha nach 138 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVI Nomina Geographica Europaea. Bibliographische Sammlung zu europäischen Orts-, Flurund Gewässernamen Rumänien und Bulgarien, dann sind die slavischen Wörter, die die Grundlage für entsprechende Ortsnamen bilden, sind in das Rumänische entlehnt: slavisch rumänisch *jьzvorъ izvór bagno bahnă sigla sihlă, sîhla stubel ştiubeĭŭ ABBILDUNG 8: Entlehnungen slavischer Wörter in das Rumänische Es gibt ein weiteres Argument, von verschiedenen Einwanderungswegen der slavischen Stämme auszugehen. Die unterschiedlichen Wege haben auch im Wortschatz der südslavischen Sprachen ihre Spuren hinterlassen. Ausführlich hat sich damit Popović (1960: 438–444) beschäftigt. Aus seinen Kartierungen des Wortschatzes des Südslavischen habe ich drei Karten ausgewählt. Zunächst ein Wort für „Regen“ (Karte 8): KARTE 8: „Regen“ in den südslavischen Sprachen (Quelle: Popović 1960: S. 441) Serbisch und kroatisch kiša ist zweifellos das jüngere Wort gegenüber Fortsetzern von *dъždъ „Regen“, vgl. poln. deszcz, russ. dožd’ usw. Ganz ähnlich ist die Verbreitung bei dem Wort für „Eisen“ (Karte 9): Straipsniai / Articles 139 JÜ R G E N U D O L P H KARTE 9: „Eisen“ in den südslavischen Sprachen (Quelle: Popović 1960: S. 442) Das jüngere Wort ist serbisch und kroatisch gvožđe, gožđe, das ältere das zweifellos aus einer vorslavischen, indogermanischen Sprachschicht stammende *želežo, man denke an russ. železo, poln. żelazo. Und ein letztes Beispiel: das slawische Wort für „Ruß“ (Karte 10): KARTE 10: „Ruß“ in den slavischen Sprachen (Quelle: Popović 1960: S. 443) Das ältere Wort ist zweifellos das mit lit. šuodžiai und altenglisch bzw. altnordisch sót verwandte „Ruß“-Wort *sad’a. 140 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVI Nomina Geographica Europaea. Bibliographische Sammlung zu europäischen Orts-, Flurund Gewässernamen Man darf daraus folgern, dass die Erhaltung der Archaismen an der Peripherie des südslavischen Sprachgebietes mit der Zuwanderung aus den alten Wohnsitzen der Slaven nördlich der Karpaten zusammenhängt. In der Mitte, in der sich die beiden Siedlungsströme dann wieder trafen, entstanden Neuerungen oder es setzten sich andere slavische Wörter wie etwa *sad’a durch. Alle drei Komplexe, zum einen die sich durch die unterschiedliche Streuung slavischer Namen abzeichnenden unterschiedlichen Zuwanderungswege, zum zweiten die Entlehnung bestimmter slavischer Wasserwörter in das Rumänische und zum dritten die Archaismen des slavischen Wortschatzes in der Peripherie des südslavischen Sprachraums gegenüber den Neuerungen im Zentrum, sprechen dafür, dass die späteren Südslaven auf unterschiedlichen Wegen auf den Balkan eingewandert sind. Ich erinnere an dieser Stelle an die oben abgedruckte Karte 1 von J. Zaimov (1967), auf der die Zuwanderung slavischer Stämme im Süden des Balkans umrissen wird. Die durch die Sammlung slavischer Namen in der angesprochenen Internetdatei möglich gemachten Kartierungen von ausgewählten slavischen „Wasserwörtern“ bilden sozusagen den nördlichen Teil des Balkans ab und umreißen die beiden großen Wanderungswege slavischer Stämme: Österreich, Ungarn, Slovenien und Kroatien auf der einen Seite, die Bukowina, Moldau, Dobrudscha, das untere Donaugebiet und Bulgarien auf der anderen Seite. Es war die Absicht dieses Beitrages, anhand ausgewählter Sammlungen und Kartierungen auf die Möglichkeiten, die sich durch die hohe Zahl der gesammelten Namen in der angesprochenen Datei Nomina Geographica Europaea (https://adw-verwaltung.uni-goettingen.de/ortsnamen/images_lightbox.php.) für die Bearbeitung slavischer Namen ergeben können, hinzuweisen. LITERATUR Eilers Wilhelm 1982: Geographische Namengebung in und um Iran. Ein Überblick in Beispielen, München: Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Frings Theodor 1957: Grundlegung einer Geschichte der deutschen Sprache, 3. Auflage, Halle (Saale): Niemeyer. LVŽ I – Lietȗvos vietovardžių žodynas [The Dictionary of Lithuanian Place Names] 1, red. kolegija L. Balode, V. Blažek, G. Blažienė, V. Kardelis, A. Ragauskaitė, S. Temčinas, J. Udolph, Vilnius: Lietuvių kalbos instituto leidykla, 2008. Straispniai / Articles 141 JÜ RGEN UDOLPH LVŽ II – Lietuvos vietovardžių žodynas [The Dictionary of Lithuanian Place Names] 2, aut. L. Bilkis, G. Blažienė, M. Norkaitienė, A. Ragauskaitė, M. Razmukaitė, D. Sviderskienė, vyr. red. L. Bilkis, Vilnius: Lietuvių kalbos instituto leidykla, 2014. NMPol – Nazwy miejscowe Polski. Historia. Pochodzenie. Zmiany [Place Names of Poland. History. Origin. Changes], vols. 1–15, eds. by K. Rymut, B. Czopek-Kopciuch, Kraków: Instytut Języka Polskiego PAN, 1996–2018. Popović Ivan 1960: Geschichte der serbokroatischen Sprache, Wiesbaden: Otto Harrassowitz. SSNO – Słownik staropolskich nazw osobowych [Dictionary of Old Polish Personal Names], hrsg. von W. Taszycki, Bd. 1–2, Wrocław, Warszawa, Kraków: Zakład Narodowy imienia Ossolińskich, Wydawnictwo Polskiej Akademii Nauk, 1965–1968; Bd. 3–5, Wrocław, Warszawa, Kraków, Gdańsk: Zakład Narodowy imienia Ossolińskich, Wydawnictwo Polskiej Akademii Nauk, 1971–1980; Bd. 6–7, Wrocław, Warszawa, Kraków, Gdańsk, Łódź: Zakład Narodowy imienia Ossolińskich, Wydawnictwo Polskiej Akademii Nauk, 1981–1985. Stams Werner 1998: Atlas zur Geschichte und Landeskunde von Sachsen. F. Wirtschaft (Landwirtschaft, Bergbau, Gewerbe, Verkehr). IV. Neueste Zeit (1815–1866, 1867–1918, 1918–1945) 1, Beih. Böden nach Bodenwerten: Bodenwerte der Gemeindeflächen nach den Wertzahlen der Bodenschätzung 1934 bis 1954, hrsg. von der Philologisch-Historischen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, in Verbindung mit dem Landesvermessungsamt Sachsen, Leipzig: Verlag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. Udolph Jürgen 1979: Studien zu slavischen Gewässernamen und Gewässerbezeichnungen. Ein Beitrag zur Frage nach der Urheimat der Slaven, Heidelberg: Carl Winter Universitätsverlag. Zaimov Jordan 1967: Zaselvane na bălgarskite slavjani na Balkanskija poluostrov [Settlement of Bulgarian Slavs on the Balkan Peninsula], Sofiâ: Bălgarska Akademija na Naukite. 142 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVI Nomina Geographica Europaea. Bibliographische Sammlung zu europäischen Orts-, Flurund Gewässernamen Nomina Geographica Europaea. Europos vietovardžių, žemėvardžių ir vandenvardžių bibliografinis rinkinys S A N T R A U K A Šiame straipsnyje analizuojamas geografinių vardų rinkinys, sudarytas iš maždaug 450 000 vardų, kuris keletą mėnesių yra laisvai prieinamas internete. Rinkinio pavadinimas – Nomina Geographica Europaea. Bibliographische Sammlung zu europäischen Orts-, Flurund Gewässernamen. Jį galima rasti šiuo adresu: https://adw-verwaltung.uni-goettingen.de/ortsnames/images_lightbox.php. Straipsnyje pateikiamas detalesnis šio rinkinio aprašymas. Išsamiau aprašoma jo kilmė, sudarymo principai ir struktūra. Taip pat pabrėžiama, kad naudojimasis rinkiniu yra visiškai nemokamas, o prieiga atvira visiems suinteresuotiems asmenims. Antroje straipsnio dalyje pateikiamas slavų genčių migracijos į Balkanus pavyzdys parodo, kaip galima panaudoti šį rinkinį su dideliu jo duomenų kiekiu – geografinių vardų rinkinyje sukaupta informacija leidžia sudaryti žemėlapius, kurie yra svarbūs sprendžiant slavų genčių migracijos kelių į pietus klausimą. Įteikta 2021 m. lapkričio 5 d. JŪRGEN UDOLPH Zentrum für Namenforschung – Göttingen / Rosdorf, Steinbreite 9, D–37124 Rosdorf bei Göttingen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Arbeitsstelle Ortsnamen zwischen Rhein und Elbe – Onomastik im europäischen Raum Robert-Koch-Str. 29, D–48149 Münster [email protected] Straipsniai / Articles 143