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Bět’áková Marta Eva, Blažek Václav. Lexicon of Baltic Mythology. Series Empirie und Theorie der Sprachwissenschaft 7

Harald Bichlmeier

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Recenzijos / Reviews 299 HARALD BICHLMEIER Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ORCID id: orcid.org/0000-0003-0001-1677 Research fields: onomastics (toponymy), historical phonology of the Germanic languages, Indo-European linguistics, Aljamiado-texts. DOI: doi.org/10.35321/all88-14 Bět’áková Marta Eva, Blažek Václav LEXICON OF BALTIC MYTHOLOGY Series Empirie und Theorie der Sprachwissenschaft 7 Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2021, 290 S. ISBN: 978-3-8253-4866-3 Während in baltischen Sprachen fortwährend Aufsätze und Bücher erscheinen, die der baltischen Mythologie bzw. den Mythologien im Baltikum gewidmet sind, sind solche Arbeiten in westeuropäischen Sprachen selten anzutreffen. Hierzu hat sicher auch beigetragen, dass die Forschungen zur vergleichenden Mythologie der indogermanische Sprachen gebrauchenden Völker nach einer Hochphase in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts mittlerweile – zumindest innerhalb der Indogermanistik, die der Rezensent halbwegs überblickt – weitgehend zum Erliegen gekommen zu sein scheinen. Umso begrüßenswerter ist es deshalb, dass nun die englische Übersetzung eines ursprünglich tschechischen Buches veröffentlicht wurde, das die Thematik enzyklopädisch in Form eines Wörterbuchs angeht. Das vorliegende Buch ist die ins Englische übersetzte und (v.a. in bibliographischer Hinsicht) aktualisierte Neuausgabe von Bět’áková, Blažek 2012. Doch gibt es abgesehen davon auch noch einige die beiden Versionen verschieden machende redaktionelle bzw. strukturelle Veränderungen. So fehlt in der Neuausgabe (sinnvollerweise) die Liste von Empfehlungen für weitere Lektüre in tschechischer Sprache (2012: 284–286). Da das tschechische HARALD BICHLMEIER 300 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVIII Original offenbar für ein breiteres Publikum gedacht war, gab es dort auch ein einseitiges Glossar weniger üblicher Begriffe (2012: 286f.), eine Liste mit Hinweisen zur Aussprache bzw. zur Bedeutung litauischer/lettischer Grapheme (2012: 24f.) und, was nun wirklich einen Verlust bedeutet, auch ein Verzeichnis der Primärquellen in chronologischer Ordnung nach dem Zeitpunkt ihrer Entstehung (nicht Publikation), eine Zusammenstellung, die sich andernorts kaum finden lässt (2012: 232–248) und sich auch dadurch auszeichnet, dass sie in der Regel auch die Lebensdaten der Autoren sowie meist auch ihren Beruf angibt. Die Daten werden freilich im Alphabetischen Überblick über die Primärquellen (2012: 248–269; 2021: 271–290) meist nochmals genannt, aber die chronologische Aufstellung bietet doch noch einen zusätzlichen Blick auf das Material. Die in der ersten Version (2012: 269–271) noch angeführte Liste der häufigsten Abkürzungen gibt es nun nicht mehr, diese finden sich nun ausschließlich im (üppigen) Literatur- (2021: 255–271) bzw. Quellenverzeichnis (2021: 271–290). Hier wurden etliche Ergänzungen von Literatur aus dem letzten Jahrzehnt vorgenommen (man beachte etwa die hinzugekommenen Titel von Václav Blažek (2021: 257) und noch mehr des aktuell wichtigsten und produktivsten Erforschers baltischer Mythologie und mythologischer Figuren, Rolandas Kregždys (2021: 261f.). Zwar in die Bibliographie aufgenommen, aber (praktisch) nie zitiert werden zwei Etymologika, das bereits in der Erstausgabe befindliche LEV (1992, die Neuausgabe von 2001 wurde nicht bibliographiert) und das ALEW. Konsequent angeführt wird bei Angaben zur Etymologie hingegen das LitEW (1962–1965) und das neu aufgenommene LithED. Ebenfalls angeführt, aber in der Regel nicht zitiert wird die Neuausgabe des Etymologischen Wörterbuchs des Altpreußischen (Mažiulis 2013). Eine Korrektur bzw. Aktualisierung des bereits vorhandenen bibliographischen Apparats hat offenbar nicht immer stattgefunden, so etwa beim schon erwähnten LEV oder beim ESJS, das immer noch nur bis Fasz. 15 geht, obwohl bereits 2018 Fasz. 19 erschienen ist (2012: 269; 2021: 258) und der verdiente Indogermanist Manfred Mayrhofer heißt weiterhin Mannfred (2012: 7, 278; 2021: 21, 263f.). Das Englische der Übersetzung ist durchweg in Ordnung, Tippfehler sind selten (und meist nicht im Englischen selbst zu finden; z.B. „liber vetum“ statt liberum veto [2021: 15; so schon 2012: 15], „finacial“ [21], „Littauisch-Deutschen und Deutsch-Litauischen“ [37; korrekt 285]), zeigt aber klare Schwächen im Artikelgebrauch (es fehlt sicher Dutzende Male der bestimmte Artikel the, seltener auch der unbestimmte Artikel a), wie es bei Autoren vorkommen kann, deren Muttersprache Artikel eben nicht kennt. Ebenfalls ungewöhnlich ist die v.a. im ersten Viertel des Buches begegnende Verwendung von resources statt sources ‘Quellen’. Bět’áková Marta Eva, Blažek Václav. Lexicon of Baltic Mythology. Series Empirie und Theorie der Sprachwissenschaft 7 Recenzijos / Reviews 301 Nach dieser kritischen Einleitung, die v.a. Formalia und der Art der Übersetzung gewidmet war, sei nun kurz auf das eigentliche Werk eingegangen: Der Lexikonteil enthält Artikel ganz unterschiedlicher Länge, von wenigen Zeilen bis zu mehreren Seiten (z.B. *Dẽivas [2021: 57–66; 2012: 57– 64), werewolf [2021: 221–226; 2012: 209–213]), thematisch erfasst werden Theonyme, Mythonyme, mythologische Figuren, Lebewesen, die eine Rolle in der Mythologie bzw. in Märchen/Volkserzählungen etc. spielen. Hervorzuheben sind die v.a. in längeren Artikeln angeführten zahlreichen Zitate aus Dainas, die die Handlungsweisen der mythologischen Figuren illustrieren und so dem Leser einen Eindruck von dieser Textgattung vermitteln. Inhaltlich sind die Artikel durchweg zuverlässig und informativ, aber auch nicht ganz einheitlich: So wird im größten Teil der Artikel die Etymologie der Namen/Bezeichnungen ausführlich diskutiert, teils wird dazu aber auch gar nichts erwähnt (Bēlis [42]). Gibt es keine (gesicherte) Etymologie zu einem Begriff/Namen, ist das doch auch erwähnenswert, man sähe unmittelbar, wo noch Forschungsbedarf besteht. Insgesamt kann man konstatieren, dass hier ein grundlegendes Werk in einer für die meisten Leser leichter (als Tschechisch oder Litauisch) zugänglichen Sprache vorgelegt wurde, das auch für weitere Forschungen – zumal aufgrund der gesammelten und ausgewerteten Sekundärliteratur und Primärtexte – für die nächsten Jahre sowohl als Nachschlagewerk als auch als Ausgangsbasis für weitere Forschungen wertvolle Dienste leisten wird. Vielleicht trägt es ja auch dazu bei, die Forschungen zur baltischen Mythologie auch außerhalb des Baltikums wieder zu beleben. LITERATUR ALEW – Altlitauisches etymologisches Wörterbuch, Bd. 1 (A–M), Bd. 2 (N–Ž), unter der Leitung von W. Hock und der Mitarbeit von E. J. Bukevičiūtė, Ch. Schiller, bearb. von R. Fecht, A. H. Feulner, E. Hill D. S. Wodtko, Bd. 3 (Verzeichnisse und Indices), unter der Leitung von W. Hock und der Mitarbeit vieler anderer bearb. von R. Fecht, Ser. Studien zur historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft 7, Hamburg: Baar 2015. Bět’áková Marta Eva, Blažek Václav 2012: Encyklopedie baltské mytologie, Praha: Nakladatelství Libri. ESJS – Havlová Eva et al. Etymologický slovník jazyka staroslověnského, Fasz. 1–14, Praha: Academia 1989–2008; Fasz. 15–21, Brno: Tribun EU 2010–2022. LithED – Smoczyński Wojciech 2018: Lithuanian Etymological Dictionary, 6 Bd.e, ed. by A. Holvoet, S. Young with the assistance of W. Browne, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien: Peter Lang. HARALD BICHLMEIER 302 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVIII LEV – Karulis Konstantīns 1992: Latviešu etimoloģijas vārdnīca, 2 Bd.e, Rīga: Avots. [²2001: Nachdruck in einem Band mit durchlaufender Paginierung] LitEW – Fraenkel Ernst 1962–1965: Litauisches etymologisches Wörterbuch, 2 Bd.e, (Indogermanische Bibliothek: 2. Reihe Wörterbücher), Heidelberg: Carl Winter Universitätsverlag, Vandhoeck & Ruprecht. Mažiulis Vytautas 1988–1997: Prūsų kalbos etimologijos žodynas, 4 Bd.e, Vilnius: Mokslas. Mažiulis Vytautas 2013: Prūsų kalbos etimologijos žodynas, 2-as patais. ir papild. leidimas, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos centras. Zugang: http:// www. prusistika.flf.vu.lt (ohne die Paginierung der Druckausgabe). Įteikta 2023 m. vasario 2 d. HARALD BICHLMEIER Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig Arbeitsstelle Jena: Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen Zwätzengasse 12a D-07743 Jena harald.bic[email protected] Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Institut für Orientalistik Seminar für Indogermanistik und Allgemeine Sprachwissenschaft Ludwig-Wucherer-Str. 2 D-06108 Halle (Saale) [email protected]