Von antreiten bis eischen. Aus der Werkstatt des Mittelhochdeutschen syntaktischen Verbwörterbuchs (MSVW)
Abstract
Überlegungen zur Abfassung eines Mittelhochdeutschen Verbwörterbuchs, eines wichtigen Teils der historischen deutschen Grammatik, sind etwa seit dem Jahr 2000 im internationalen Rahmen mehrfach angestellt worden. Alle Ansätze führten bislang zu keinem Ergebnis. Mit dem Erscheinen des Mittelhochdeutschen Wörterbuchs (MWB) sowohl im Druck als auch im Internet seit 2006 wird das MWB genutzt, um ab 2018 kontinuierlich Einträge für das Mittelhochdeutsche syntaktische Verbwörterbuch (MSVW) zu verfassen. Der Beitrag stellt die Methode, nach der Wörterbuchartikel verfasst werden, vor und bringt als Vorabdruck die Wörterbucheinträge zu den Verben mhd. ænigen, antreiten, arzâtîen, backen, bâren, dringen, eischen.
Full text
ALBRECHT GREULE
Universität Regensburg
Wissenschaftliche Forschungsrichtungen:
Textgrammatik, Theolinguistik und geistliches Lied, Onomastik,
historische Syntax.
DOI: doi.org/10.35321/all89-01
VON ANTREITEN BIS EISCHEN. AUS DER WERKSTATT DES MITTELHOCHDEUTSCHEN SYNTAKTISCHEN VERBWÖRTERBUCHS (MSVW)
Nuo antréiten iki eischen.
Iš Vokiečių vidurio aukštaičių veiksmažodžių sintaksės žodyno (vok. MSVW) dirbtuvių
ANNOTATION
Überlegungen zur Abfassung eines Mittelhochdeutschen Verbwörterbuchs, eines wichtigen Teils der historischen deutschen Grammatik, sind etwa seit dem Jahr 2000 im internationalen Rahmen mehrfach angestellt worden. Alle Ansätze führten bislang zu keinem Ergebnis. Mit dem Erscheinen des Mittelhochdeutschen Wörterbuchs (MWB) sowohl im Druck als auch im Internet seit 2006 wird das MWB genutzt, um ab 2018 kontinuierlich Einträge für das Mittelhochdeutsche syntaktische Verbwörterbuch (MSVW) zu verfassen. Der Beitrag stellt die Methode, nach der Wörterbuchartikel verfasst werden, vor und bringt als Vorabdruck die Wörterbucheinträge zu den Verben mhd. ænigen, antreiten, arzātieren, backen, bären, dringen, eischen.
SCHLÜSSELWÖRTER: Historische Syntax, Mittelhochdeutsch, Valenz, Lexikographie, Bedeutungswandel.
ANNOTATION
Considerations for the writing of a Middle High German valence dictionary, an important part of historical German grammar, have been made several times since about
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the year 2000 in an international context. So far, all approaches have not led to any results. With the publication of the Middle High German Dictionary (MWB) both in print and on the Internet since 2006, the MWB will be used to continuously write entries for the Middle High German Syntactic Verb Dictionary (MSVW) from 2018 onwards. The article presents the method by which dictionary articles are written, and brings as a preprint the dictionary entries for the verbs mhd. ænigen, antreiten, arzâten, backen, bâren, dringen, eischen.
KEYWORDS: historical syntax, Middle High German, valence, lexicography, change of meaning.
1. VORARBEITEN ZUM MSVW
Überlegungen zur Abfassung eines Mittelhochdeutschen syntaktischen Verbwörterbuchs (MSVW), teilweise auch unter dem Titel „Mittelhochdeutsches Verbvalenzwörterbuch“, sind etwa seit dem Jahr 2000 im internationalen Rahmen mehrfach angestellt worden, Alle Ansätze führten bislang zu keinem lexikographisch nennbaren Ergebnis. Nachdem sich bis zum Erscheinen des „Syntaktischen Verbwörterbuchs zu den althochdeutschen Texten des 9. Jahrhundert“ (Greule 1999) die historische Valenzforschung einerseits auf das Althochdeutsche, andererseits auf das Frühneuhochdeutsche (Korhonen 1978) konzentriert hatte, wurde der Ruf nach einem Mittelhochdeutschen Valenzwörterbuch laut. Darüber hinaus wurde deutlich, dass die Beschreibung der Verbvalenz in ihrer spezifischen Ausprägung auf den historischen Sprachstufen des Deutschen, nicht zuletzt auch auf der des Mittelhochdeutschen, ein wesentlicher Teil der historischen Grammatik im Schnittbereich von Syntax und Lexik sein würde. Der genuine Ort der Beschreibung der Verbvalenz ist die Beschreibung der Strukturen des Einfachsatzes bzw. die Typologie der Satzmuster oder Satzbaupläne (Greule 2005: 51–54, vgl. auch Schmid 2017: 185–201).
Die Forschungsaufgabe bestand und besteht noch immer darin, das in den mittelhochdeutschen Texten verborgene Valenzpotential der Verben durch die Beschreibung der syntaktischen Umgebungen jedes Verbs zu heben, systematisch zu beschreiben und in einem (mittelhochdeutschen) Valenzwörterbuch zugänglich und verfügbar zu machen. Ein mittelhochdeutsches Valenzwörterbuch wäre zudem ein essentieller Beitrag zur Geschichte der Sprachentwicklung und des Bedeutungswandels und könnte ein wichtiger Teilschritt auf dem Weg zu einem diachronen Valenzwörterbuch sein. Darüber hinaus wäre es als ein Hilfsmittel innerhalb der Mediävistik zu konzipieren, weil durch ein solches Nachschlagewerk die konkrete Textarbeit und Interpretation
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der mittelhochdeutschen Texte aus sprachlicher Perspektive unterstützt würde (Greule, Braunn 2010: 71).
Die Unterstützung der konkreten Textarbeit wäre auch dadurch gewährleistet, dass das mittelhochdeutsche Valenzwörterbuch wie sein althochdeutsches Pendant textbasiert wäre. Als Methode wurde bei allen bisherigen Versuchen die Korpus auswertende Satzanalyse praktiziert. Im Unterschied zu der Methode, die bei der Erstellung des Syntaktischen Verbwörterbuch der althochdeutschen Texte des 9. Jahrhunderts (Greule 1999) angewendet wurde, nämlich schrittweise Auswertung der gedruckten Texteditionen durch Extraktion und Segmentierung der Belegsätze und deren syntaktische Analyse (vgl. Greule, Korhonen 2021: 149f.), bezogen sich die Forscherinnen und Forscher der mittelhochdeutschen Valenz auf das „Bochumer Korpus“ (Greule 2003: 418; Greule, Lénard 2004: 25–31). Das Bochumer Korpus ist ein Auswahlkorpus, in das nur Handschriften (keine Editionen) von mittelhochdeutschen Vers-, Prosaund Urkundentexten integriert sind. Es ist auf elektronischen Datenträgern gespeichert; über eine Lemmaliste konnten die Belegstellen eines Verbs maschinell abgerufen werden. Der zum Prädikat gehörende Kotext (Satz) musste aber weiterhin aus den kodierten Texten entnommen und interpretiert werden (Greule 2006).
2. VALENZANALYSEN AUF DER GRUNDLAGE DES MITTELHOCHDEUTSCHEN WÖRTERBUCHS ONLINE
Mit dem Erscheinen des Mittelhochdeutschen Wörterbuchs (MWB) im Druck (1. Band 2006, ²2013) änderte sich die Quellenlage für die Bearbeitung des MSVW erneut und gravierend. „Das Mittelhochdeutsche Wörterbuch (MWB) ist ein Epochenwörterbuch zum frühmittelalterlichen (Hoch-)deutsch (1050–1350). Es bearbeitet den Wortschatz und Wortgebrauch des gesamten Spektrums der aus diesem Zeitraum überlieferten deutschsprachigen Texte. [...] Für den beschriebenen Wortschatz bietet das MWB nicht nur grammatische Angaben und Bedeutungserläuterungen, sondern führt als Belegzitatwörterbuch den interpretierten Sprachgebrauch selbst ausführlich vor.“ (Zitiert aus dem Flyer der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, 2017). Das Lieferungswerk soll mit fünf Bänden 2025 abgeschlossen sein. Parallel zur Druckausgabe wird das MWB auch im Internet auf www.mhdwb-online.de bereitgestellt. Gegenwärtig können alle mittelhochdeutschen Lemmata von a bis kachez aufgerufen werden (1.8.2023).
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Der Nutzung des MWB online und der dort unter einem Verb-Lemma versammelten Belegsätze ging eine Fallstudie voraus, die austestete, inwiefern die historischen Wörterbücher, insbesondere das „Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm“ (DWB), als Quellen der historischen Valenzforschung überhaupt herangezogen werden können (Csiky, Greule 2008). Diese Frage steht auch im Vordergrund des Sammelbandes, der das internationale Projekt eines Historisch syntaktischen Verbwörterbuchs initiierte (Greule, Korhonen 2016), indem sich Michael Prinz (2016) grundsätzlich zu digitalen Belegrepositorien als Quellen eines MSVW und skeptisch zu Wörterbüchern als Quellen eines MSVW äußert. Das Fallbeispiel einer Valenzanalyse von mhd. brüeten auf der Grundlage des MWB online (Greule 2018) zeigt aber gewisse arbeitstechnische Vorteile bei der Nutzung des digitalen Lexikons: die Belegsätze, die zu den Quellen verlinkt sind, und die semantische Vorgliederung der Belege; selbst die grammatisch-semantischen Angaben wie „Genitiv der Person“ u. a. können als erste Hinweise auf die Art der Aktanten genutzt werden.
Die erste exemplarische Nutzung des MWB online steht im Zusammenhang mit den Plänen eines „Historisch syntaktischen Wörterbuchs“ (HSVW) (Greule, Korhonen 2016; 2021: 156f., 190–192) und setzt die Vorgaben des dafür entworfenen Modells zur Aufbereitung eines Historisch syntaktischen Verbwörterbuch online um (vgl. Burghardt, Reimann 2016). Für die Ausarbeitung eines mittelhochdeutschen syntaktischen Verbwörterbuchs, das wie das MWB sowohl gedruckt vorliegen als auch im Internet bereitgestellt werden soll, ist die Annotation und Ableitung von „Generischen Paraphrasen“, wie am Beispiel von mhd. brüeten gezeigt wird (Greule 2018: 69–72), nicht notwendig. Insgesamt soll das schnelle Erarbeiten eines Artikels für das MSVW direkt am PC aus den Materialien, die das MWB online zur Verfügung stellt, ermöglicht werden (s. u. Kapitel 3).
3. DAS MITTELHOCHDEUTSCHE
SYNTAKTISCHE VERBWÖRTERBUCH
(MSVW): KURZE PROJEKTBESCHREIBUNG
UND METHODE
Das Mittelhochdeutsche syntaktische Verbwörterbuch (MSVW) setzt als Epochen-Wörterbuch das „Syntaktische Verbwörterbuch zu den althochdeutschen Texten des 9. Jahrhunderts“ (Greule 1999) fort – mit dem Unterschied, dass das MSVW auf einer anderen Textbasis erarbeitet wird. Es ist als Kompendium zum MWB konzipiert, das heißt: die im MWB online
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vorhandenen semantischen und syntaktischen Informationen zu einem Verb X werden digital exzerpiert und entsprechend der Valenztheorie interpretiert, mit Abkürzungen generalisiert und in einem Wörterbuchartikel zusammengefasst.
Die Interpretation der mit dem Verb X auftretenden Satzglieder (valenztheoretisch traditionell: Ergänzungen, kurz E) erfolgt durch die Bearbeiterin oder den Bearbeiter in zwei Richtungen – analog zu dem ausführlich beschriebenen Verfahren (Greule 2018: 69–72) nur ohne digitale Abspeicherung:
1) semantisch, von der Bedeutung des Verbs ausgehend, als Semantische Rolle/Tiefenkasus;
2) morphologisch nach Kasus.
Diese Struktur wird Verb-Aktanten-Konstellation (VAK) genannt.
Beispiel: mhd. ænigen/enigen hat gemäß dem MWB online die Bedeutung jmdn./sich von jmdm./etw. befreien; sich einer Sache entledigen. Daraus ergibt sich die Einordnung des Prädikats als „Tätigkeit“ und es muss eine Ergänzung (E) in der Rolle des „Tätigkeitsträgers/Agens“ vorhanden sein. Aus den im MWB online vorhandenen Belegsätzen ergibt sich, dass der Agens in der Form eines Substantivs im Nominativ erscheint. Das wird formelhaft wie folgt geschrieben:
E Agens (Befreiender/der, der befreit) → Sn
Abkürzungen wie Sn, Sg, Sd, Sa = Substantiv (im Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ) greifen auf Helbig, Schenkel (1973: 97–99), zurück. Das Symbol S schließt anders geartete Substituenten als Ergänzungen/Aktanten, die im Korpus belegt sind, mit ein, z. B. Substantivgruppe, Präpositionalgruppe, Pronomen, Adverb oder (Neben-)Satz. Die Benennung der Aktanten-Rollen folgt weitgehend der Beschreibung der Semantischen Rollen bei Peter von Polenz (2008: 167–172).
Aus der Bedeutungsbeschreibung und den Belegsätzen im MWB online ergibt sich ferner, dass mhd. ænigen/enigen in der Funktion als Prädikat von zwei weiteren Satzgliedern (E) umgeben ist: a) von einem Satzglied, das den bezeichnet, den etwas belastet, und b) von einem Satzglied, das das bezeichnet, was lästig ist, z. B. im ganzen Satz (biblisch): Jesus (= Agens) befreit die mühselig Beladenen (= Patiens) von ihrer Last (= Objekt). Daraus ergeben sich zwei weitere Ergänzungen mit den Formeln:
E Patiens (Belasteter) → Sa (Substantiv im Akkusativ)
E Objekt (die Last) → Sg (Substantiv im Genitiv).
Zusammenfassend wird aus den Daten im MWB online folgender Artikel formuliert:
ænigen / enigen
jmdn./sich von jmdm./etw. befreien; sich einer Sache entledigen
P Tätigkeit (befreien)
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E Agens (Befreiender, z. B. Mensch, Engel) → Sn
E Patiens (Belasteter, z. B. Mensch) → Sa (auch reflexiv)
E Objekt (die Last) → Sg
Beispiele: a) und tut sie Mychaelen wern / mit sinen under tenigen, / die sie der engel enigen / die Sathanas boten sind. HeslApk – b) unde wiltû dich sîn nicht ænigen [...], sô sullent dirz die erbæren kœre gebieten bî der âht unde bî dem banne. PrBerth.
Die Beispielsätze sind aus der Menge der Belegsätze im MWB online ausgewählt, um die Maximalvalenz zu verdeutlichen. Sie werden samt den Quellenangaben des MWB (in Form von Siglen) in den Artikel kopiert. Für die Beschreibung der VAK nicht wichtige Informationen, z. B. solche zur Morphologie des Verbs, werden, da sie im MWB vorhanden sind und dort nachgeschlagen bzw. aufgerufen werden können, im MSVW nicht wiederholt.
Kommentar: Dem Verb ænigen / enigen ist nur ein Semem zugeordnet. Es ist monosem und weist eine 3-wertige VAK auf, d.h. das Verb ist als Prädikat in allen Belegsätzen von drei Aktanten „umgeben“. Besonderheit: Die Rolle Patiens → Sa ist auch reflexiv besetzt.
4. POLYSEME MITTELHOCHDEUTSCHE
VERBEN MIT DREI SEMEMEN
Im Unterschied zu mhd. ænigen/einigen sind die meisten mittelhochdeutschen Verben polysem, d.h. sie weisen insgesamt mindestens zwei Sememe auf. Die Sememe werden im MWB online bereits unterschieden und werden von dort in den Artikel (gegebenenfalls mit Korrekturen) übernommen.
4.1. antre iten
etw. ordnen, zurechtmachen, jmdm. bereiten
Semem 1
P Tätigkeit (ordnen)
E Agens (Ordnender) → Sn
E affiziertes Objekt (das Geordnete) → Sa (fakultativ)
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Beispiele: a) dich minnent unde erent [...] driu riche, / [...], / dei du zeches unde antreites, enges und breites, als du will. Himmerl 2,7 – b) von angenge dirre werlde was unser herre antreitente, do er den armen mennescen gescôf. Spec 148,31.
Semem 2
P Tätigkeit (zurechtmachen)
E Agens (wer zurecht macht) → Sn
E effiziertes Objekt (das Zurechtgemachte) → Sa
E affiziertes Objekt (woraus/womit zurecht gemacht wird) → pS (p = von)
Beispiel: zwo hosen er an leite, / di waren gantraitet / uon golde unt uon berelen. Rol 3320. 2723.
Semem 3
P Tätigkeit (zubereiten, zuordnen)
E Agens (a bereitet zu) → Sn
E effiziertes Objekt (was zubereitet wird) → Sa
E Adressat (der, dem b zubereitet wird) → Sd
Beispiel: den trost den du, herre, gordnet unde gantreit hast [quod parasti] aller dirre welte (Konr(Sch) 28,15).
Kommentar: Es ist nicht unproblematisch, das Verb antreiten wie im MWB als polysemes Verb anzusetzen, nur weil die drei Sememe zu einem etymologisch einheitlichen Verb gehören – im Unterschied zu bâren (s. u. 6). Die Polysemie von antreiten müsste semantisch nachgewiesen und die Homonymie auf dieser Grundlage abgelehnt werden.
4.2. eischen / heischen
Semem 1
etw. (von jmdm.) (er)bitten, fordern, wollen
P Tätigkeit (bitten, fordern, wollen)
E Agens (Bittende/r, Fordernde/r) → Sn
E Adressat (Mensch, vom dem etwas erbeten/gefordert wird) → Sd / pS / Sa / Sg (p = ane + Akk / von)
E Objekt (das Erbetene, Geforderte) → Sa / Inf / NSdas
Beispiele: a) er uns eischet gelt. SM: UvS 35: 5,2 – b) die triuwe [...] muoz got ane mich eisken. Gen 2409.
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Semem 2
(etw.) erfragen’
P Tätigkeit (fragen nach)
E Agens (Fragender) → Sn
E Objekt (Erfragtes) → pS / Adv / NSob (p = nach)
Beispiele: a) Chrysostomus Johannes eischt dar nâch und vrâget des. JvFrst 9522 – b) Pilatus [...] eischte ob unser hêre / ein Galileus wêre. JvFrst 6467.
Semem 3
(rechtssprachlich) jmdn. bitten, auffordern, vorladen
P Tätigkeit (bitten, auffordern, vorladen)
E Agens (Auffordernder) → Sn
E Adressat (Aufgeforderter) → Sa
E Ziel (wozu aufgefordert wird) → Inf / Adv / pS (p = an)
Beispiele: a) der künic von Portegal [...] iesch den fürsten von Brabant. RvEWJh 8455 – b) den ellenden jungen knaben / hiesche er mitt manlicher cur / zû im treten da für. GTroj 8993.
Kommentar: Außer einigen morphologischen Besonderheiten (prothetisches hund das starke Präteritum (h)iesch neben eischete) ist der „sehr differenzierte rechtl. Objektbereich“ (so das MWB) dieses Verbs, hier zusammengefasst als Semem 3, beachtenswert.
5. POLYSEMES MITTELHOCHDEUTSCHES
VERB MIT VIER SEMEMEN
dringen
Semem 1
‘etw. irgendwohin drängen, streben’, ûf jmdn. ~ ‘jmdn. angreifen’
P Tätigkeit (drängen, streben, angreifen)
E Agens (Drängender/s) → Sn
E Ursprung/Weg/Ziel → NSunz / daz / pS / Adv (p = unz / durch / ingēn / in / umb / zuo / nach / ûz)
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Beispiele: a) Vlixes [trat vf des schiffes bort / vnde sluc vnd] dranc, unz er vf den stat spranc Herb 4395; b) [wer dinet ane dank, do er niht sol, / dem wirt gelonet selten wol] wer also vergeben drunge [strebt], / daz er ein lit doch sunge / […] / [er was und ist der wisen spot] jüngl 129; c) durch sin hut ünc z uf das bain drungent die dorne vil gemain WernhM 9338; d) sin zorn vz sime herzen dranc Herb 2022.
Semem 2
jmdn. drängen, bedrängen, (haeher ~ mit höheren Forderungen bedrängen)
P Tätigkeit (drängen, bedrängen)
E Agens (Bedrängender) → Sn
E Patiens (Bedrängter) → Sa
Beispiele: a) (Passiv) [iz geschach daz] Jhesus uf dem wege gedrungen wart von der schare EvBerl 106,3; b) [daz vns da mitte begnvgen sal, vnd] [daz wir] si nit hoher dringen mit deheime gerichte UrkCorp (WMU) 1831.7.
Semem 3
jmdn. aus etw. herausdrängen, refl. sich drängen, drängeln
P Tätigkeit (herausdrängen)
E Agens (Drängender/s) → Sn
E Patiens (Gedrängter/s) → Sa/Refl.
E Ursprung/Weg → pS / ADV (p = üz/von/durch)
Beispiele: a) das dise manigvaltige sussekeit irdenischer dingen dich nit von ime dringet Mechth 6: 5,10; b) sînes swertes klingen wil er durch mîn herze dringen HeidinII_1722; c) (reflexiv) ob du dich dringest durchz volc Parz 647,10. 637,10.
Semem 4
etw. drücken, pressen
P Tätigkeit (drücken, pressen)
E Agens → Sn
E Patiens → Sa
E Ursprung/Ziel → (pS) (p = in/von-an)
Beispiel: drifaldig got sin forme drang in menschen wachs Mügeln 11,2.
Kommentar: Nicht berücksichtigt sind die Spezialbedeutungen: ‘etw. übersetzen’, z. B. [das Buch] wart von im gedrungen / üz kriechischer zungen / in latînische schrift (LBarl 8) und ‘etw. weben, flechten’ (< beim Weben/Flechten zusammendrängen), z. B. alle sine löke gar / warend schon
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getrungen GTroj 8833, sowie die phraseologische Wendung hoher dringen ‘mit höheren Forderungen bedrängen’, z. B. daz vns da mitte bevngven sal, vnd [daz wir] si nit hoher dringen mit deheime gerichte UrkCorp (WMU) 1831,7.
6. HOMONYME MITTELHOCHDEUTSCHE VERBEN
6.1. bâren
¹bâren / bæren
jmdn. auf eine Bahre legen, jmdn. aufbah ren
P Tätigkeit (legen)
E Agens (der Aufbahrende) → Sn
E Patiens (was aufgeh ahrt wird, z. B. Leichname) → Sa
E Ort/Stelle (wohin das Aufzüh’bahrende gelegt wird) → pS (p = ûf, in)
(fakultativ)
Beispiel: in ainen sarc man bærin sach / die lichamen baide. RvEWh 1968; RoI 7620; En 6797; Wh 462,29.
Kommentar: In allen drei Belegen ist bâren in eine Infinitivkonstruktion eingebettet: der kaiser hiez si pâren; hiez si bâren; man bærin sach.
²bâren
sich gebärden, verhalten
P Zustand (sich verhalten)
E Zustandsträger (der sich gebärdende Mensch) → Sn
E Art und Weise (wie sich jmd. gebärdet, z. B. hoflichen, tugentleich) → Adv
Beispiel: ein schöne tochter er gewan, ein chind pey zwelef jaren; dy chund auch wol paren / und gar recht tugentleich. Hawich 4503.
Kommentar: Trotz der auch etymologisch gesicherten Homonymie werden ein einheitliches Lemma und nummerierte Sublemmata pro Semem angesetzt. Problematisch ist die Kategorisierung von ²bâren als „Zustandsverb“.
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6.2. arzātīen / arzedīen
¹arzātīen, arzedīen
jmdn. medizinisch behandeln, heilen
P Tätigkeit (medizinisch behandeln)
E Agens (wer medizinisch behandelt, Arzt) → Sn
E Patiens (wer medizinisch behandelt wird) → Sa
Beispiel: sie hetten yn gebatt und gearczendit, wann sie wol sahen das er sere geqwetst was an sim lib. Lanc 192,37. – Synonym: arzen, arzenen.
²arzātīen, arzedīen
(im religiösen Kontext) jmdm. Heil, Erlösung verkündigen
P Tätigkeit (Heil verkündigen)
E Agens (wer Heil verkündigt) → Sn
E Adressat (dem Heil verkündigt wird) → Sa/Sd
Beispiele: a) wir habin gearzediyt Babylŏnem, und sy ist nicht heil wurdin. Cranc Jer 51,9 – b) dit korn kan der selen arzedien. MarlbRh 5,1. – Synonym: arzen, arzenen.
Kommentar: Obwohl die beiden Lemmata arzātīen / arzedīen etymologisch identisch sind, werden wegen des deutlichen semantischen Abstands und der unterschiedlichen Verwendungszusammenhänge zwei Artikel angesetzt.
7. PROBLEMFALL BACKEN / BACHEN
Das Problem, das sich ergibt, wenn der Artikel für mhd. backen / bachen im MSVW formuliert werden soll, stellt sich generell bei der Behandlung des Dativus commodi (benefaktiver Dativ). Der benefaktive Dativ (kurz bD) wird in der Valenzgrammatik als „freier Kasus“ nicht zu den Ergänzungen, sondern zu den „(freien) Angaben“ gezählt. Auf der Suche nach einem Belegmaximum für mhd. backen / bachen weist Prinz (2016: 35–44) nach, dass der bD im MWB und den gängigen lexikographischen Ressourcen quantitativ unterrepräsentiert ist. Ein deutlich anderes Bild – zugunsten des Vorkommens des bD – ergibt sich, wenn man, wie Prinz, das Belegmaximum mit Hilfe von
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digitalen Belegrepositorien deutlich erhöht. Es stellt sich die Frage, ob dieser Befund in das MSVW eingehen und der benefaktive Dativ grundsätzlich als E gewertet werden soll. In Anbetracht der Bedeutung, die das Satzmuster: Agens – Rezipient (Dativ) – Patiens, das auch mhd. backen / bachen repräsentiert, wenn der bD in das Satzmuster aufgenommen wird, für die Konstruktionsgrammatik hat (vgl. Greule, Korhonen 2021: 131f.), wird ein entsprechendes Semem im Artikel-Anhang aufgeführt.
backen / bachen
Semem 1
‘(etw.) backen, ausbacken’ – ‘etw. dörren’ – ‘etw. braten, rösten’
P Tätigkeit (backen, dörren, braten, rösten)
E Agens (Backender) → Sn
E ‘effiziertes Objekt’ (Essbares) → (Sa) (fakultativ)
E Ort → (pS), (p = in) (fakultativ)
Beispiele: a) [legez [eine Teigtasche] in siedenz smaltz vnd] bakez harte BvgSp 27; b) ‘etw. dörren’: ouch machstu in der svnnen backin allirleyge frucht Pelzb 134,13; c) ‘etw. braten, rösten’: backe in [den Hecht] vf eime hülzinen roste [vnd brat in gar schone] BvgSp 17.
Semem 2
(durch Erhitzen) fest werden
P Vorgang (fest werden)
E Vorgangsträger (Teig) → Sn
E Ort (Ofen) → (pS), (p = in) (fakultativ)
Beispiel: [nime ein chürbez unde bewil daz in einem teige unde wirf ez in einen oven, unz] der taich gebache; [sô nim den souch, der ouz dem chürbez rinne, unde gip im ze trinchen] Barth 152,22.
Anhang: Semem 3 (mit benefaktivem Dativ)
jemandem etwas backen
P Tätigkeit (backen)
E Agens (Backender) → Sn
E Adressat (für den gebacken wird) → Sd
E effiziertes Objekt (Brot) → Sa (fakultativ)
Beispiel: Die muezen uns eht daz brot backen Berthold v. Regensburg (aus Prinz 2016: 43).
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Kommentar: Die im MWB unter dem Lemma backen / bachen aufgeführten drei Semem (etw.) backen, ausbacken, etw. dörren und etw. braten, rösten werden im MSVW unter dem Aspekt, dass es sich in allen drei Fällen um die Herstellung von Essbarem durch Erhitzen handelt, zu einem Semem zusammengefasst.
8. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Die oben „aus der Werkstatt“ zitierten Beispiele von Artikeln, die für das MSVB verfasst sind, sind Ergebnisse der ersten MSVW-Projektphase. Sie erfasst – entsprechend dem Fortgang des MWB online – die Semem-Struktur und die VAK der mehr als einmal im Textarchiv des MWB belegten simplizischen (nicht derivierten oder zusammengesetzten) mittelhochdeutschen Verben. Die Bearbeitung der mit aanlautenden Verben ist abgeschlossen, die Bearbeitung der mit banlautenden Verben ist im Gange. Für eine zweiten Projektphase ist die Bearbeitung der derivierten oder zusammengesetzten Verben vorgesehen. Die Publikation kann am einfachsten als „work in progress“ auf einer Plattform veröffentlicht und nach Abschluss der ersten Projektphase auch als gedrucktes Buch.
Schon beim Verfassen der MSVW-Artikel ergeben sich immer wieder Fingerzeige zur Auswertung der Daten, die dazu verleiten, Auswertungsanregungen direkt ins Wörterbuch zu übernehmen, z. B. Vergleiche mit im Althochdeutschen belegten Verben. Im Interesse einer zügigen Bearbeitung werden solche Querverweise, die über das Mittelhochdeutsche hinausgehen, unterlassen. Das MSVW ist in erster Linie ein syntaktisches Kompendium zum MWB, es soll die Materialgrundlage für eine Satzbauplan-Zusammenstellung in der mhd. Grammatik liefern und nicht zuletzt die Phase des Mittelhochdeutschen im HSVW unterstützen, auf Grund dessen eine Geschichte des (BedeutungsWandels) der neuhochdeutschen Verben geschrieben werden kann (Greule, Korhonen 2021: 184–187).
LITERATUR
Burghardt Manuel, Reimann Sandra 2016: Möglichkeiten der elektronischen Aufbereitung und Nutzung eines historisch syntaktischen Verbwörterbuchs des Deutschen. – Historisch syntaktisches Verbwörterbuch, hrsg. von A. Greule, J. Korhonen, Finnische Beiträge zur Germanistik, 34, Frankfurt am Main u. a.: Peter Lang Edition, 301–322.
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Csiky Nandor, Greule Albrecht 2008: Wörterbücher als Quellen der historischen Valenz-Forschung am Beispiel des Verbs verzeihen. – Historische Syntax und Semantik vom Althochdeutschen bis zum Neuhochdeutschen. Festschrift für Yvon Desportes zum 60. Geburtstag, hrsg. von M. Lefèvre, F. Simmler, Berlin: Weidler Buchverlag, 371–377.
Greule Albrecht 1999: Syntaktisches Verbwörterbuch zu den althochdeutschen Texten des 9. Jahrhunderts, Regensburger Beiträge zur deutschen Sprachund Literaturwissenschaft, Reihe B: Untersuchungen, 73, Frankfurt am Main: Peter Lang GmbH.
Greule Albrecht 2003: Vorüberlegungen zu einem mittelhochdeutschen Verbwörterbuch. – Magister et amicus. Festschrift für Kurt Gärtner zu seinem 65. Geburtstag, hrsg. von V. Bok, F. Shaw, Wien: Praesens Verlag, 415–423.
Greule Albrecht 2005: Das Mittelhochdeutsche syntaktische Verbwörterbuch. – Satz – Text – Kulturkontrast. Festschrift für Marja-Leena Piitulainen zum 60. Geburtstag, hrsg. von E. Reuter, T. Sorvali, Finnische Beiträge zur Germanistik, 13, Frankfurt am Main: Peter Lang GmbH, 51–61.
Greule Albrecht 2006: Zur Syntax von mittelhochdeutsch zwiveln. – „Von Mythen und Mär en“. Mittelalterliche Kulturgeschichte im Spiegel einer Wissenschaftler-Biographie. Festschrift für Otf rid Ehrismann zum 65. Geburtstag, hrsg. von G. Marci-Boehncke, J. Riecke, Hildesheim, Zürich, New York: Georg Olms Verlag, 441–450.
Greule Albrecht, Braun Christian 2010: Stand und Aufgaben der historischen Valenzforschung. – Perspektiven der germanistischen Sprachgeschichtsforschung, hrsg. von H. U. Schmid, Jahrbuch für germanistische Sprachgeschichte, 1, Berlin, New York: De Gruyter, 64–75.
Greule Albrecht, Korhonen Jarmo, hrsg., 2016: Historisch syntaktisches Verbwörterbuch. Valenzund konstruktionsgrammatische Beiträge, Finnische Beiträge zur Germanistik, 34, Frankfurt am Main, Berlin, Bern Bruxelles, New York, Oxford, Wien: Peter Lang Edition.
Greule Albrecht, Korhonen Jarmo 2021: Historische Valenz. Einführung in die Erforschung der deutschen Sprachgeschichte auf valenztheoretischer Grundlage, Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG.
Greule Albrecht, Lénárd Tibor 2004: Ein mittelhochdeutsches Verbvalenzwörterbuch auf der Grundlage des „Bochumer Korpus“. – Studia Germanica Universitatis Vesprimiensis 8, 23–45.
Helbig Gerhard, Schenkel Wolfgang 1973: Wörterbuch zur Valenz und Distribution deutscher Verben, Leipzig: VEB Bibliographisches Institut.
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Acta Linguistica Lithuanica LXXXIX
Von antrêiten bis eischen. Aus der Werkstatt des Mittelhochdeutschen syntaktischen Verbwörterbuchs (MSVW)
Korhonen Jarmo 1978: Studien zu Dependenz, Valenz und Satzmodell 2: Untersuchung anhand eines Luther-Textes, Europäische Hochschulschriften, 271, Bern, Frankfurt am Main, Las Vegas: Peter Lang.
MWB – Mittelhochdeutsches Wörterbuch. Im Auftrag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, hrsg. von K. Gärtner, K. Grubmüller, K. Stackmann. 5 Bd.e, Bd. 1 (a – ēvrouwe). Stuttgart: S. Hirzel Verlag, 2013.
Polenz Peter von 2008: Deutsche Satzsemantik, 3. Aufl., Berlin, New York: De Gruyter.
Prinz Michael 2016: Wörterbücher und digitale Belegrepositorien als Quellen für ein historisch syntaktisches Verbwörterbuch. Am Beispiel des benefaktiven Dativs bei mhd. bachen. – Historisch syntaktisches Verbwörterbuch, hrsg. von A. Greule, J. Korhonen, Finnische Beiträge zur Germanistik, 34, Frankfurt am Main u. a.: Peter Lang Edition, 17–53.
Schmid Hans U. 2017: Einführung in die deutsche Sprachgeschichte 3, aktualisierte und überarb. Aufl., Stuttgart: J. B. Metzler Verlag.
WÖRTERBÜCHER ONLINE
MWB – Mittelhochdeutsches Wörterbuch. Zugang: http://www.mhdwb-online.de/.
Nuo antreiten iki eischen.
Iš Vokiečių vidurio aukštaičių veiksmažodžių sintaksės žodyno (vok. MSVW) dirbtuvių
SANTRAUKA
Straipsnyje cituojami atvejai, paimti iš dar rengiamo Vokiečių vidurio aukštaičių veiksmažodžių sintaksės žodyno (vok. MSVW). Laikantis elektroninio Vokiečių vidurio aukštaičių kalbos žodyno (vok. MWB) rengimo tvarkos, čia pateikiama paprastųjų (ne išvestinių ir ne sudurtinių) veiksmažodžių, pastarojo žodyno archyve paliudytų daugiau nei vieną kartą, sememų struktūra ir aktantų išsidėstymo tvarka.
Straipsniai / Articles
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ALBRECHT GREULE
Jau aprašyti veiksmažodžiai, prasidedantys raide A, darbas tebevyksta su prasidedančiais B raide veiksmažodžiais. Antrajame projekto etape numatyta išvestinių ir sudurtinių veiksmažodžių analizė. Tęsiant žodyno rengimo darbus, projekto medžiagą nuspręsta publikuoti elektroninėje erdvėje, o šiems pasibaigus, planuojama išleisti knygą.
Ruošiant žodyno straipsnius duomenų vertinimas virto būtinybe įžvalgas ir stimulus tiesiogiai taikyti žodyne, pavyzdžiui, lyginti su senosios vokiečių aukštaičių kalbos veiksmažodžiais. Paprastai, nuosekliai aprašant duomenis, paliesti šiuos įvairiakrypčius, už vokiečių vidurio aukštaičių kalbos ribų išeinančius santykius atsisakoma. Visų pirma, rengiamas žodynas yra jau minėto elektroninio žodyno sintaksinis kompendiumas. Jo paskirtis – pateikti svarbiausią medžiagos dalį, reikalingą sakinio darybos sričiai vokiečių vidurio aukštaičių gramatikoje sudaryti, ir tik tuomet, įnešant indėlį į Istorinio veiksmažodžių sintaksės žodyno (vok. HSWV) vokiečių vidurio aukštaičių laikotarpį apimantį skyrių, turi rastis vietos ir naujosios vokiečių aukštaičių kalbos veiksmažodžių (reikšmės) kaitos istorijai (Greule, Korhonen 2021: 184–187).
Įteikta 2023 m. rugpjūčio 28 d.
ALBRECHT GREULE
Universität Regensburg
Institut für Germanistik, D-93040 Regensburg
[email protected]
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Acta Linguistica LXXXIX