Die ehemalige Papierfabrik Zanders in Bergisch-Gladbach. Erhaltung und Nutzung.
Abstract
Gegründet 1829, prägte die Papierfabrik Zanders das Wirtschaftsleben der Stadt Bergisch Gladbach über fast 200 Jahre nachhaltig. Auf dem 37 ha großen Werkgelände finden sich Gebäude aus den verschiedenen Epochen der Papierfabrik und dokumentieren die wechselvolle Geschichte der Firma. Die in diesem Studienprojekt bearbeiteten historischen Werkhallen wurden zusammen mit elf weiteren Objekten auf dem Firmengelände als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Bergisch Gladbach aufgenommen. Die erarbeiteten Projekte zeigen verschiedene Wege der Nutzung auf.
Full text
Kölner Beiträge zur Baugeschichte und Denkmalpfl ege Band 4 Die ehemalige Papierfabrik Zanders in Bergisch-Gladbach Erhaltung und Nutzung Herausgeber: Norbert Schöndeling Bearbeiter*innen: Hannah Am Ende, Tania Anaguano Gualoto, Anna-Marie Blankenburg, Michael Güsgen, Ann-Kristin Heiser, Götz Hinüber, Alma Kern, Hannah Lanzerath, Henrik Münch, Marie-Christine Opitz, Katrin Ratajczyk, Katharina Schmitz, Anne Spieker, Tamara Rosauer, Arwin Yousefein
NORBERT SCHÖNDELING HRSG. DIE EHEMALIGE PAPIERFABRIK ZANDERS IN BERGISCH-GLADBACH ERHALTUNG UND NUTZUNG KÖLNER BEITRÄGE ZUR BAUGESCHICHTE UND DENKMALPFLEGE * BAND 4
Die Reihe „Kölner Beiträge zur Baugeschichte und Denkmalpfl ege“ ist eine wissenschaftliche Schriftenreihe der Lehrgebiete für Baugeschichte und Denkmalpfl ege an der Fakultät für Architektur der TH Köln. Sie dokumentiert die wissenschaftliche Praxis in den Arbeitsfeldern der Denkmalpfl ege, Baugeschichte und Kunstwissenschaften. Die Inhalte entstammen Forschungsprojekten und wissenschaftlich ausgerichteten Projektarbeiten des Masterstudiums. Die Verantwortung der Beiträge liegt bei den Autorinnen und Autoren. Dieser Band wurde als elektronisches Dokument über Cologne Open Science publiziert, den Hochschulserver der Technischen Hochschule Köln. Abruf unter: http:// cos.bibl.th-koeln.de. Kölner Beiträge zur Baugeschichte und Denkmalpfl ege Band 4 Norbert Schöndeling (Hrsg.) Die ehemalige Papierfabrik Zanders in Bergisch-Gladbach Erhaltung und Nutzung Köln, Mai 2021 ISSN: 2700-953X URN: urn:nbn:de:hbz:832-cos4-9358 Herausgeber: Prof. Dr. Norbert Schöndeling Autoren: Hannah Am Ende, Tania Anaguano Gualoto, Anna-Marie Blankenburg, Michael Güsgen, Ann-Kristin Heiser, Götz Hinüber, Alma Kern, Hannah Lanzerath, Henrik Münch, MarieChristine Opitz, Katrin Ratajczyk, Katharina Schmitz, Anne Spieker, Tamara Rosauer, Arwin Yousefein. Titelfoto: Privatsammlung Arwin Yousefein, Köln Technische Hochschule Köln Fakultät für Architektur Betzdorfer Straße 2 50679 Köln http://www.th-koeln.de http://akoeln.de Schriftleitung: Prof. Dr. Daniel Lohmann [email protected] +49 221 8275 2828
1. VORWORT 2. ANALYSE 2.1 Städtebauliche Analyse 2.2 Nutzungsanlyse 2.3 Schadenskartierung 3. ENTWÜRFE 3.1 Viertel Werk 3.2 Gemeinschaftshaus als Quartierzentrum 3.3 Fahrradfabrik 3.4 Kufa Zanders 3.5 Umnutzung der „Zandershallen“ in Bergisch Gladbach 3.6 Kopfstatt 3.7 Vielfalt auf Zanders 3.8 Quartierstreff punkt Zanders 3.9 east since 2021 3.10 Kunstwerk in den Zanders Hallen 3.11 ZaJuTe ZandersJugendTreff 3.12 Din Centrum Culturae auf Zanders 3.13 Eine Stadtbibliothek aus Holländern 3.14 Zanders Fitness Fabrik Prof. Dr. Norbert Schöndeling Tania Anaguano Gualoto, Marie-Christine Opitz, Katrin Ratajczyk, Tamara Rosauer Hannah Am Ende, Anna-Marie Blankenburg, Ann-Kristin Heiser, Alma Kern Michael Güsgen, Arwin Yousefein Hannah Am Ende Tania Anaguano Gualoto Anna-Marie Blankenburg Ann-Kristin Heiser Götz Hinüber Alma Kern Hannah Lanzerath Henrik Münch Marie-Christine Opitz Katrin Ratajczyk Tamara Rosauer Katharina Schmitz Anne Spieker Arwin Yousefein INHALTSVERZEICHNIS
5 Denkmalverträgliche Nutzungen Gegründet 1829, prägte die Papierfabrik Zanders das Wirtschaftsleben der Stadt Bergisch Gladbach über fast 200 Jahre nachhaltig. Auf dem 37 ha großen Werkgelände fi nden sich Gebäude aus den verschiedenen Epochen der Papierfabrik und dokumentieren die wechselvolle Geschichte der Firma. Die in diesem Studienprojekt bearbeiteten historischen Werkhallen wurden zusammen mit elf weiteren Objekten auf dem Firmengelände als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Bergisch Gladbach aufgenommen. Mit diesem gesetzlichen Schutz wird zum Ausdruck gebracht, dass es sich bei diesen Gebäuden um Objekte handelt, welche als Zeugnisse der Industriegeschichte für zukünftige Generationen authentisch bewahrt werden sollen. Tatsächlich dokumentieren diese Gebäude die frühe Werkgeschichte der Firma Zanders und erweisen sich somit als wichtige Zeugnisse der Stadtund Industriegeschichte. Die Eintragung in die Denkmalliste ist mit der Verpfl ichtung verbunden, die Gebäude in ihrer ganzen Authentizität zu bewahren. Dabei ist der Erhalt eines Baudenkmals in aller Regel nur dann auf Dauer gesichert, wenn auch eine denkmalverträgliche Nutzung gefunden werden kann. Denkmalverträglich ist eine solche Nutzung insbesondere dann, wenn die Gebäude mit ihrer denkmalwerten Substanz als Träger des Denkmalwertes erhalten werden können. Dies gilt nicht nur für das äußere Erscheinungsbild der Gebäude, sondern natürlich auch für die innere Struktur, die Ausstattung sowie das Gebäudeumfeld. Die denkmalgerechte Nutzung der Hallen ist somit „Mittel“ der Denkmalpfl ege, das „Ziel“, die Erhaltung der Hallen, zu ermöglichen. Alle Konzepte haben sich daher daran zu messen, in welchem Umfang sie die Hallen mit ihrer technischen Ausstattung bewahren und zur Geltung bringen können. Im Rahmen eines Workshops im Herbst 2020 konnten die Bürger bereits Ideen für die zukünftige Entwicklung des Areals entwickeln. Im Wintersemester 2020/21 erarbeiteten dann Studierende der Vertiefungsrichtung „Denkmalpfl ege / Planen im Bestand“ des Masterstudiums Architektur an der Technischen Hochschule Köln im Rahmen des Fachs „Projektentwurf 3“ unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Schöndeling eigene Konzepte für eine denkmalgerechte Nutzung der historischen Hallen. Grundlage der Projektarbeiten bildete eine umfassende Dokumentation und bauhistorische Untersuchung der historischen Substanz. Obwohl die Hallen im Vergleich zu anderen Baudenkmälern ein nicht sehr hohes Alter aufweisen, lassen sie doch eine komplexe Baugeschichte erkennen. So zeigten die Untersuchungen vor Ort, dass der Komplex immer wieder erweitert und umgebaut wurde. Es fi nden sich beispielsweise im Innern Wände, die ursprünglich einmal als Außenwand errichtet worden waren. Ziel dieser Dokumentationen und Analysen war insbesondere auch, die aus denkmalpfl egerischer Sicht relevanten Strukturen, Bauelemente und technischen Ausstattungen zu erfassen. Verstanden als Zeugnis der Industriegeschichte erweisen sich eben nicht nur die Gebäude selber mit ihren Grundrissen und ihrer Konstruktionen als erhaltenswert, sondern insbesondere auch die technische Ausstattung. Als besonders zu berücksichtigender Aspekt, der die Entwicklung der Nutzungskonzepte nachhaltig beeinfl usste, erwies sich die sehr unterschiedliche Form der Belichtung mit Tageslicht in den verschiedenen Ebenen bzw. Gebäudeabschnitten. So stehen zwar für eine Umnutzung auf bis zu vier Ebenen umfangreiche Flächen zur Verfügung, allerdings erhalten einige Räume nur wenig oder gar kein Tageslicht oder aber die Belichtung erfolgt nur durch hoch angeordnete Fenster. Nur wenige Gebäudeabschnitte besitzen Fenster mit Brüstungshöhen, die einen Blick nach draußen ermöglichen. In der großen Holländerhalle im Obergeschoss erfolgt die Belichtung allein über das Dach, während die Halle darunter keinerlei Tageslicht erhält. Damit ist nicht jede Nutzung in jedem Raum denkbar, zumal auf umfassende Durchbrüche zu verzichten war, um das historische Erscheinungsbild der Werkhallen zu erhalten. Für die Entwicklung eines Nutzungskonzeptes beschäftigen sich die Studierenden mit den unterschiedlichsten Aspekten des Standortes. Insbesondere wurde dabei auch die zukünftige Entwicklung des Areals berücksichtigt. Hierbei konnten sich die Bearbeiterinnen und Bearbeiter auf umfangreiches Datenmaterial und Voruntersuchungen der Stadt Bergisch Gladbach stützen. Mit der sich nun abzeichnenden Umstrukturierung des gesamten Firmengeländes rücken die als Baudenkmäler identifi zierten Gebäude besonders in den Fokus. Die Lage der in diesem Projekt bearbeiteten historischen Hallen unmittelbar am Haupteingang des Werkgeländes erweist sich als günstig. Die erarbeiteten Projekte zeigen verschiedene Wege der Nutzung auf. Denkbar sind Nutzungen, bei denen die Stadt Bergisch Gladbach selber als Bauherr und Nutzer tätig wird und öffentliche Angebote für die Bürger geschaff en werden. In Varianten werden unter anderem Ideen für kulturelle Einrichtungen entwickelt (z.B. Bibliothek, multifunktional zu nutzende Veranstaltungsfl ächen, Mit-Mach-Projekte). Andere Projektarbeiten entwickeln Ideen für eine privatwirtschaftliche Nutzung in der Form, dass Nutzer Flächen für unterschiedlichste Angebote übernehmen (z.B. für Gastronomie, Handel oder Produktion). Auch solche Nutzungen stellen aus
6 denkmalpfl egerischer Sicht durchaus eine Option dar. Tatsächlich werden die meisten Baudenkmäler privat genutzt. So kann auch eine rein private Nutzung, beispielsweise zu Gewerbezwecken, durchaus denkmalverträglich sein, wenn hierdurch das Gebäude in seiner Substanz erhalten bleibt. Alle diese Planungen folgen dem Grundsatz, durch eine denkmalverträgliche Nutzung die Gebäude als Geschichtszeugnis zu bewahren. Alle Entwürfe verfolgen damit das Ziel, die historische Substanz in möglichst großem Umfang zu erhalten, zur Geltung zu bringen und Eingriff e auf das erforderliche Maß zu beschränken. Mit der Erhaltung der historischen Hallen als Zeugnisse der Industriegeschichte werden frühe Formen der Papierherstellung dokumentiert. Diese Vermittlungsaufgabe gelingt insbesondere dann, wenn bei einer Industrieanlage auch die technische Ausstattung bewahrt bleibt. So ermöglichen beispielsweise die erhalten gebliebenen „Holländer“ einen wichtigen Einblick in die ursprüngliche Funktion der Hallen. Zahlreiche dieser unterschiedlich alten Anlagenteile blieben im Obergeschoss des Hallenkomplexes erhalten. Dies stellte für die Projektarbeiten eine besondere Herausforderung dar. Würde man diese technischen Einbauten entfernen, so wären die großen Hallen im Obergeschoss freier für neue Funktionen nutzbar. Mit der Entfernung der historischen Ausstattung würden die Hallen jedoch ihren Zeugniswert in bedeutendem Umfang verlieren. Daher war das vollständige „Leerräumen“ als denkmalpfl egerisch nicht zu verantwortender Substanzverlust bei allen Entwürfen keine Option. Die erarbeiteten Entwürfe entwickeln vielmehr Vorschläge, wie bzw. in welchem Umfang die technische Ausstattung erhalten und in die neue Hallennutzung integriert werden kann. Das Projekt erwies sich auf Grund seiner thematischen Komplexität als ausgesprochen vielschichtig und anspruchsvoll und damit als ein ideales Studienobjekt für die Ausbildung zukünftiger Architektinnen und Architekten, die sich insbesondere in den Bereichen Denkmalpfl ege und Planen im Bestand engagieren möchten. Die Projektarbeiten zeigen, dass die historischen Hallen der Firma Zanders auf vielfältige Weise denkmalgerecht umgenutzt werden können. So hoff en die Bearbeiterinnen und Bearbeiter, mit ihren Arbeiten einen Beitrag zur weiteren Diskussion über die Zukunft des Industriegeländes geben zu können. In der vorliegenden Dokumentation stellen die Bearbeiterinnen und Bearbeiter ihre Nutzungsideen und Entwürfe in Auszügen vor. Die Projektarbeiten selber besitzen jeweils einen deutlich größeren Umfang mit zahlreichen weiteren Plänen und Funktionsdiagrammen. Ein besonderer Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Bergisch Gladbach, die auf vielfältige Weise dieses Projekt unterstützt haben. Köln, im Mai 2021 Prof. Dr. Norbert Schöndeling
70 50 250 500 m Das Gelände der Zanders Paper GmbH ist umgeben von einer sehr kleinteiligen Bebauung. Eine klassische Struktur in Form einer Blockrandbebauung fi ndet man nur als aufgelöste Blockrandstruktur vor, welche weitestgehend sehr aufgelockert wirkt. Daneben sind einige Sonderstrukturen vorzufi nden, welche nicht eindeutig in die Typologie einer speziellen Bebauungsstruktur einzuordnen sind. Das Umfeld der industrieanlage fi st in größerem Umfang mit Einfamilienhäusern bebaut. Diese Struktur beinhaltet größtenteils die klassische Wohnnutzung. Nordwestlich des Geländes der Zanders Paper GmbH schließt sich das Stadtzentrum an mit einer dichteren und höheren Bebauung. Besonders auff ällig ist, dass das Gelände der Zanders PAper GmbH in seiner Umgebung durch den zentralen Standort und der großen Dimensionen der Bebauung hervorsticht und einen großen Kontrast zu der restlichen Bebauung in seiner Umgebung darstellt. Planungsobjekt EInfamilienhäuser Aufgelöste Blockrandstruktur Sonderstruktur/Sölitär Villa Zanders Industrie wenig versiegelt Industrie hoch versiegelt Abb. 1 Bebauungstypologie Bebauungstypologie Tania Anaguano Gualoto, Marie-Christine Opitz, Katrin Ratajczyk, Tamara Rosauer
8 Hier fehlt das Gewerbegebiet 0 50 250 500 m Verkehrsplan Der Verkehrsplan zeigt das Gelände der Zanders Paper GmbH mit in seiner Einbindung in das umliegende Wegenetz. Das Gebiet ist an das Straßenverkehrsnetz des zentralen Ortskerns angeschlossen und beinhaltet mehrere Parkplätze, welche jedoch größtenteils zum Einzelhandel oder anderen Einrichtungen in Verbindung stehen. In der direkten Umgebung befi ndet sich eine S-BahnStation, welche eine schnelle Verbidung in die Stadt Köln ermöglicht. Außerdem verkehren mehrere Buslinien in der direkten Umgebung zum Gelände. Eine Stadtbahnlinie vekehrt in der Stadt Bergisch Gladbach nicht. Das Gelände der Zanders Paper GmbH ist von Radwegen umschlossen und zudem mit Fußwegen angebunden. Abb. 2 Verkehrsplan Bebauung Bahnstraße Bus Zugschienen Straßen Private Wege Fußwege Radwege Planungsobjekt Parkplätze Bushaltestellen
9 Nutzungsanalyse Hannah am Ende, Anna Blankenburg, Ann-Kristin Heiser, Alma Kern Abb. 3 Grünfl ächen
16 Abb. 19 Längsschnitt Ziel des Viertel-Werks ist die Verbindung der einzelnen Nutzungen zu einem Kollektiv, welches das neue Viertel aktiv mitgestaltet und mitbestimmt. Die Nutzungen des Gebäudes lassen sich in fünf Kategorien gliedern: Gastronomie, Werkstattbereich, Co-Working, Jugendarbeit und Veranstaltung. In der südwestlichen Werkhalle ist die Viertel-Bar verortet, die Anwohner*innen und Besucher*innen einladen soll. Der daran anschließende Viertel-Treff bildet das Foyer des Viertel-Werks. Hier sollen an den ehemaligen Silos Anregungen und Ideen für das Viertel ausgetauscht und diskutiert werden. Angegliegert an den Viertel-Treff sind die Werkstätten für Holz, Metall, Siebdruck, CAM und auch eine Fahrradmanufaktur, die das autofreie Viertel unterstützen soll. Im Obergeschoss erreichen die Besucher*innen über die Kommuntikationszone die verschiedenen Nutzungen verteilt. Der Veranstaltungsbereich verfügt hier über einen eigenen Eingang, um die Nutzungen separat nutzbar zu machen. Die Jugendarbeit soll hier die soziale Arbeit im Viertel fördern und ein Freizeitangebot darstellen, welches von der Infrastruktur des Werks profi tiert. Im alten Holländersaal ist das Viertel-Labor untergebracht, wo nach dem Co-Working-Prinzip zusammengearbeitet werden soll. Die Arbeitsräume sind nach dem Hausim-Haus-Prinzip in Einbauten aus Holzständerwerk untergebracht, welche nur minimale Eingriff e in die denkmalgeschützte Substanz erfordern und zudem den Raum auf zwei Ebenen nutzbar machen, ohne die Wirkung des Holländersaales abzumindern. Die Holländer selbst werden als Möbel mit in die Raumstruktur eingebunden, indem diese mit einer Platte oder einem Polster abgeschlossen werden. So können sie als Sitzgelegenheit und Arbeitsplatz oder als Ablage und Präsentationsort genutzt werden.
17 Gemeinschaftshaus als Quartierzentrum der Stadt Tania del Rocío Anaguano Gualoto Das Werksgelände derZanders Paper GmbH liegt unmittelbar am Stadtzentrum und war als Industriefl äche bisher für die Öff entlichkeit nicht zugänglich. Mit der Umwidmung dieser Flächen kann sich die Industriefl äche nun öff nen. Deshalb zielt dieses Projekt darauf ab, einen Treffpunkt zu schaffen, der den Standort aktiviert und erwachsene Bürger, Jugendliche und Kinder zusammenbringt. Dabei sollen flexiblen Räume geschaffen werden, um Ideen auszutauschen oder einfach nur Freizeit zu gestallten. Nutzungskonzept Im Gemeinschaftshaus sind folgende Aktivitäten geplant: Als zentrale Einrichtung wird eine Bibliothek vorgeschlagen. Diese wird ergänzt um Räume für Arbeitsgruppen sowie Leseund Gemeinschaftsbereiche. Außerdem werden multifunktionale Räume für temporäre Aktivitäten wie Konzerte, Konferenzen, Ausstellungen, Theater oder Kurse vorgesehen. Zusätzlich wird speziell für Kinder ein Raum geschaff en, der aus einem Spielzimmer und einer kleinen Bibliothek besteht. Diese Aktivitäten werden auch mit einem Kaff ee kombiniert. Zusätzlich besteht Platz für Büroräume und individuelle Arbeitplätze.
18 Interventionskonzept Die Invervention in das Gebäude folgt dem Konzept des „Palimpsest“ (s. S. 19) und wurde hauptsächlich im Holländersaal umgesetzt. Bei diesem Konzept geht es darum, ein altes Objekt auf moderne Weise zu erhalten, aber sein Wesen zu bewahren. Die historischen Anlagen haben ihren Nutzen verloren und der Raum, den sie einnehmen, kann neu interpretiert und gestaltet werden. Auf diese Weise bleiben auf der einen Seite des Holländersaals die Maschinen der Papierfabrik erhalten und auf der anderen Seite werden neue räumliche Elemente eingestellt. Li b rary M u ltif u nkti o n a le R äu m e Kin d er b ereic h C a f é Büro b ereic h E G 1 .OG G 2 .OG G Abb. 22 (rechts) Visualisierung der Aktivitäten Abb. 20 (Seite 20) Bücherei - Holländersaal Abb. 21 (links) Aktivitätspiktogramme
19 Abb. 23 (oben - rechts) Piktogramme: Palimpsest 1) Dudenredaktion, o. J. Abb. 25 (unten) Grundriss 1.OG B Palimpsest antikes oder mittelalterliches Schriftstück, von dem der ursprüngliche Text abgeschabt oder abgewaschen und das danach neu beschriftet wurde. 1 Abb. 24 (mitte) Piktogramme: holländischer Raum
20 Büch Büch Büch Büch erei erei rei erei Leseraum Leseraum V Vera V V V V Ve VerVer Ver ra V V V V ra Vera ra Vera Ver ra Vera r t nsta t nsta t nsta nsta nsta t n t t nsta nsta nsta nst sta ta n n n n tun tu tu tu tu u tun un un un un ltun u g g g g g g g g g g g V V Ver V Ver Vera V V V Vera ra nsta nsta nsta nsta nsta n ltun ltun ltun ltu ltu l un g g g g g Kind K K K K K er er e e r B ereich Kind K er B e er ereich Mehr eh ehr ehr ehr h h h h hr h r hr r hr h hr zwec zwec zwec zwec zwec zwec zwec zweczw z z z krau krau krau k krau kra a krau krau kr a krau u rau m Mehr ehr hr r zwec zwec z zw krau krau au a m Buch B Bu B Buch Bu B Bu Bu Bu B lage lage lage e age Buch Bu Bu Buch B lage lage e e Abb. 26 (links) Bücherei Abb. 27 (rechts) Eingangbereich Abb. 28 (unten) Längsschnitt
21 CaféIndividuelles Aufmaß Store Büros für Onlinverkauf Beratung Ausstellung Touristeninformation Fahrradverkauf und -verleih Fahrradfabrik Anna Blankenburg Auf der Grundlage der städtebaulichen Analyse sowie der Wünsche und Anregungen der Fahrradfahrenden wird das ehemalige Werksgebäude der Zanders Paper GmbH zu einer Fahrradfabrik umgestaltet. Mit zahlreichen Grünfl ächen, einem Verkehsübungsplatz für Fahrradfahrer, attraktiven Radwegen und Begegnungsorten soll das gesamte Gelände fahrradgercht gestaltet werden. In den historischen Werkhallen entsteht ein Gebäude rund um das Rad! Geschaff en werden Flächen für den Fahrradkauf sowie eine Werkstatt für Reparaturen. Multifunktional zu nutzene Räume ermöglichen den regen Austausch zwischen den Fahrradbegeisterten und ermöglichen Veranstaltungen oder Ausstellungen. Abb. 29 Lageplan
22 Abb. 34 Perspektive Außenraum (links) Abb. 30 Perspektive Ausstellungsturm Abb. 31 Grundriss Ausstellungsturm Abb. 32 Ansicht Süd-West Abb. 33 Ansicht Nord-West
23 Abb. 37 Grundriss 1. Obergeschoss Abb. 35 Grundriss Erdgeschoss Abb. 36 Grundriss 2. Obergeschoss
24 Abb. 38 Perspektive Teststrecke Fahrräder Abb. 39 Perspektive Teststrecke Fahrräder Im ehemaligen Holländersaal befi ndet sich das „Herzstück“ der Fahrradfabrik: eine Teststrecke, die sich durch den gesamten Holländersaal zieht, verschiedene Höhen überwindet und verschiedene Untergründe anbietet. Neue Fahrräder können so optimal unter verschiedenen Bedingungen getestet werden. Bei einer Steigung von 20% überspannt die Teststrecke drei Holländer, um so den Aufund Abstieg zu probieren.
25 Abb. 40 und 41 (oben mitte) Piktogramme Analyse Abb. 42 (oben rechts) Nutzungsvorschläge seitens der Bürger Abb. 43 und 44 (unten links) Piktogramme Analyse Abb. 45 (unten rechts) Konzept KUFA ZANDERS Ann-Kristin Heiser
32 Abb. 58 Eingangsbereich des Sportparks „Neue Treppe“ verläuft durch Maschinen des Bestands Abb. 59 Gastronomie im alten Maschinenhaus
33 Abb. 60 Bistro im Holländersaal Alma Kern
34 Abb. 61 Erdgeschoss (links oben) Abb. 62 Ziele (links unten) Abb. 63 1. Obergeschoss (rechts unten) Adresse für das neue / neu genutzte Quartier schaff en Ort der Begegnung für alle Bevölkerungsgruppen Anlausfstelle für Bergisch Gladbach Zentrale Lage nutzen Zandershallen Holzwerkstatt Töpferei
35 Abb. 64 Schnitt Hausaufgabenbetreuung Abb. 65 Hausaufgabenbetreuung Die Kopfstatt bringt mehrere Nutzungen zusammen. Es sollen kulturelle, handwerkliche, gesellschaftliche, soziale und kulturelle Angebote in einem Gebäude zusammengefasst werden. Die Unterteilung des Grundrisses über eine zentrale Erschließung ermöglicht es, diese Vielfalt unterzubringen. Von der zentralen Eingangsituation im Zentrum des Gebäudes kann ein Veranstaltungssaal, eine Töpferei, Studios mit Bildund Videobearbeitungsplätzen, eine Holzwerkstatt und eine zur Straße gelegene Fahrradwerkstatt erschlossen werden. Alle Nutzungen nutzen die vorhandenen Räume in vollen Maße und können durch ihre unterschiedlichen Raumstrukturen induviduelle Wirkungen
36 Abb. 66 Längsschnitt Abb. 67 Querschnitt erzeugen. Durch ein zentrales Treppenhaus wird das Obergeschoss erschlossen, wo sich ein großzügiges Bistro im Holländersaal, ein Jugenstreff , eine Hausaufgabenbetreuung und Lernwerkstatt sowie freie Räume, wie Denkoasen befi nden. Die Räume sind einzeln erschlossen und können unabhängig voneinander genutzt werden, wodurch ein abwechslungsreiches Angebot ermöglicht wird. Ebenso können einzelne Nutzungen ausgetauscht werden, da die Räume ihre Flexibilität behalten. Der Bestand soll nur in wenigen Teilen verändert werden, damit der Charme des ursprünglichen Gebäudes nicht verloren geht.
37 Hannah Lanzerath Dieser Projektentwurf setzt sich mit der Kommunikation zwischen dem Zandersgelände und den umliegenden Stadtteilen auseinander und stärkt diese. Dabei bieten die umzunutzenden Hallen einen Ort zum Arbeiten und Verweilen, an dem sich die Menschen der Stadt, treff en können. Inklusion spielt dabei eine besonders große Rolle. Unter der Trägerschaft der Lebenshilfe entsteht ein Ort, an dem Menschen mit und ohne Behinderung beschäftigt werden können. Dabei wird jedem der vier Gebäude eine Nutzung zugeordnet. So beherbergt Bauteil I einen Shop zum Verkauf der vor Ort gefertigten Produkte. In Bauteil II entsteht ein Restaurant mit einem Gastraum und einem Saal im ersten Obergeschoss. Das Bauteil III beinhaltet eine Gärtnerei, die die bestehenden Holländer im ersten Obergeschoss bepfl anzt. In Bauteil IV wird im 1.Obergeschoss ein Atelier eingerichtet, in dem verschiedene dekorative Objekte produziert werden. Das Entwurfskonzept behandelt die Synergie der Nutzungen, in dem diese sowohl einzeln organisiert werden, als auch in Verbindung zueinander stehen. Das Trennen und das Verbinden wird zum Leitgedanken des Entwurfes. Als verbindendes Element wird ein Turm an jener Stelle erbaut, an der die vier Gebäude aufeinander treff en. Dieser verbindet die Nutzungen miteinander und bildet gleichzeitig eine gemeinsame Erschließung. In den oberen Geschossen wird die Fassade des Turmes bepfl anzt. Da die vier Nutzungen nicht zur gleichen Zeiten frequentiert sind, kann der Turm von allen genutzt werden. Die Gärtnerei erhält mit der Fassade des Turmes zusätzliche Anbaufl ächen. Gleichzeitig können die Flächen des Turmes in dem Pausen von den Mitarbeiter:innen besucht werden. Abends und am Wochenende könne die oberen Geschosse des Turmes auch für die Besucher des Restaurants geöff net werden. Abb. 69 Lageplan Abb. 68 Wegweiser I II III IV
38 Abb. 71 Konzeptpiktogramme Verbinden Trennen Leuchtturm Nutzungen Abb. 70 Außenperspektive
39 Abb. 72 Innenperspektive Shop Abb. 73 Grundriss Erdgeschoss Abb. 74 Grundriss 1. Obergeschoss Abb. 75 Schnitt AA Abb. 76 Schnitt EE
40 Abb. 78 Grundriss 2. Obergeschoss Abb. 79 Grundriss 3.-6. Obergeschoss Abb. 80 Schnitt DD Abb. 81 Schnitt CC Abb. 77 Innenperspektive Gärtnerei
41 Mit der Übernahme des Geländes der Zanders Paper GmbH besitzt die Stadt Bergisch Gladbach eine innerstädtische Entwicklungsfl äche großen Ausmaßes. Mit der Aufgabe der Produktion im April 2021 kann nun ein neues Wohnquartier mit Anschluss an die Innenstadt entstehen. Städtebaulich gesehen steht das Bauobjekt „Museum und Holländersaal“ somit in direkter Verbindung mit der Innenstadt. Mit diesem neuen Mittelpunkt des Stadtquartiers sollte sich auch die Nutzung an die Bürger*innen richten. Das Nutzungskonzept sieht ein Angebot für alle Altersgruppen vor. Hier soll eine Begegnungsstätte entstehen, die die Bergisch Gladbacher Bevölkerung verbindet. So fi nden sich neben einem zum Platz ausgerichteten Café - in den Räumlichkeiten des ehem. Museums - auch ein Veranstaltungssaal. Beide Nutzungen tragen zur Belebung des öff entlichen Platzes vor dem Gebäude bei. Dieser wird auch vom ansässigen Kindergarten benutzt. Mit den insgesamt vier Gruppen belegt dieser den gesamten nordöstlichen Komplex. Ein Seniorentreff und Jugendraum vervollständigen das Ensemble. Quartierstreff punkt Zanders Quartierstreff punkt Zanders Henrik Münch Henrik Münch Abb. 82 Lageplan
48 Abb. 100 Schnitt C - C Abb. 101 Obergeschoss Empore der „fz“ - Textilfabrik
49 Die Villa Zanders befi ndet sich in direkter Nähe zu den historischen Hallen der Zanders Paper GmbH und dient heute als Kunstmuseum für Wechselausstellungen überwiegend mit Kunst aus der Gegenwart sowie als kultureller Treff punkt für unterschiedlichste Veranstaltungen aus dem Bereich des kreativen Austausches. Die Villa Zanders erfüllt durch ihr Angebot eine zentrale Funktion als einziges Kunstmuseum im RheinischBergischen und Oberbergischen Kreis. Das „Kunstwerk“ in den Zanders Hallen bietet Arbeitsplätze in Form von privaten Ateliers als auch öff entlichen Werkstätten für Künstler unterschiedlichster Fachrichtungen sowie Räumlichkeiten für Ausstellungen, Workshops und Veranstaltungen. In Zusammenhang mit dem bestehenden Angebot des Kunstmuseums „Villa Zanders“ entsteht ein Treff punkt für kulturelle Bildung und die Möglichkeit, das bestehende Angebot durch weitere Räumlichkeiten, Ideen und Initiatoren zu erweitern. Die zentrale Funktion als einziges Kunstmuseum im Rheinisch-Bergischen und Oberbergischen Kreis wird durch den Ausbau des Angebotes gestärkt und kann auch überregional an Bekanntheit gewinnen, zum Beispiel durch Veranstaltungen wie die „Nacht der Museen“. Neben den privaten Ateliers der Künstler können auch öff entliche Räumlichkeiten für Veranstaltungen aus Kunstwerk in den Zanders Hallen Katrin Ratajczyk Abb. 102 Innenraumperspektive 1 Abb. 103 Innenraumperspektive 2
50 Ateliers Werkstätten Seminarräume Ausstellungsräume Café/Restaurant Gemeinschaftsfl ächen Öff entliches Wohnzimmer Anlieferungsbereich Materiallagerfl ächen Küche Sanitäranlagen Abb. 104 Grundriss Erdgeschoss Abb. 105 Grundriss Obergeschoss AA B B AA BB Foyer Café Ausstellungen Sanitäranlagen Lager (öff entlich) Lager (privat) Werkstatt / off ene Arbeitsplätze Anlieferung/ Abfall Ateliers ca. 28 m² Ateliers ca. 23 m² Workshops/Seminare
51 Abb. 106 Schnitt A-A Abb. 107 Schnitt B-B
52 Abb. 108 Innenraumperspektive 3 Abb. 109 Innenraumperspektive 4 Schulen, Jugendzentren, Volkshochschule oder Vereinen genutzt werden, welche durch die vor Ort ansässigen Künstler geleitet oder unterstützt werden können. Es entsteht somit für unterschiedliche Zielund Altersgruppen ein Angebot zur kulturellen und künstlerischen Weiterbildung und eine zentrale Anlaufstelle für die Stadt Bergisch Gladbach.
53 Eine Stadtbibliothek aus Holländern Tamara Rosauer Abb. 110 Übersichtsplan Abb. 111 Schnitt B-B Die städtebauliche Analyse ergab, dass unser Planungsobjekt in Bergisch Gladbach zentral gelegen, und von allen Seiten gut ereichbar ist. Es soll ein Angebot für verschiedene Nutzergruppen wie Familien, Kinder, Jugendliche, Studierende, Erwachsene und Senioren geschaff en werden. Auf dieser Grundlage entwickelte sich die Idee einer Stadtbibliothek. Sie bietet allen Nutzern unterschiedliche Angebote. So fi nden sich in der Bibliothek Medienräume für Alle, Leseund Computerplätze, ein Café, einen Veranstaltungsraum für Lesungen und weitere Events, ein Workshop-Bereich für die Jugend und ein Ausstellungsraum für temporäre Ausstellungen zu Themen wie Kunst, Literatur u.v.m. Mit dem Ziel so viel Bestand wie möglich zu erhalten, wurden nur wenige Wände entfernt, die zu einer kleinteiligen Struktur führten. Die großen Maschinen, Holländer genannt, bleiben auch fast alle erhalten. Um diese nicht entfernen zu müssen, wurden sie zu Bücherregalen umfunktioniert. Ein stufenartiges Holzregal bietet nicht nur Platz für Bücher, sondern auch zum Sitzen.
54 Die großen Räumlichkeiten bieten auch Platz für Neues. So erhält der Holländersaal im 2. Obergeschoss eine erweiterte Galerie mit Leseund Computerplätzen. Dort, wo sich jetzt die Verwaltung befi ndet, wurden neue Wände aus Stahlbeton gezogen, die sich mit Sichtbeton und einer großzügigen Verglasung gut in die Fabriklandschaft integrieren, andererseits aber auch eine gewisse Modernität wiedergeben und den Räumen viel Licht spenden. Die Zanders-Hallen als Stadtbibliothek werden zu einem Ort der Kommunikation und des sozialen Austausches verschiedener Altersgruppen. Abb. 112 Visualisierung Holländer Bücherregal
55 Abb. 113 Grundriss Erdgeschoss Abb. 114 Grundriss 1. Obergeschoss
56 Abb. 116 Visualisierung Café (links) Abb. 115 Grundriss 2. Obergeschoss Abb. 117 Schnitt A-A Ausschnitt (rechts)
57 Im Inneren der Hallenstrukturen befi nden sich historische Fassaden, welche im jetzigen Bestand einen Innenraum bilden. Diese historische Fassaden soll nun wiederhergestellt werden und einen zentralen Innenhof schaff en. Somit ist die Außenfl äche im Kontext einer Bibliothek gesichert und eine weitere historische Bauphase wird sichtbar. Die Proportionsanalyse des Innenhofes ergab das Verhältnis 1:√2 - welches dem Seitenverhältnis der DIN-Formate für Papier entspricht.1) Eine weitere Analyse beschäftigte sich mit der Fassadendiagonalen der historischen Öff nungen. Diese Analyse ergab das Verhältnis 3:8 und defi niert nach dem Architekturtheoretiker Alberti große Räume.2) Demzufolge vereint der zentrale Innenhof das Thema Papier mit den großen Räumen - die Papierfabrik. Kernstück ist der so entstehende Innenhof, welcher bereits im Erdgeschoss beginnt und sich über alle weiteren Etagen nach oben hin öff net. Erst zwei weitere Lichthöfe folgen im ersten Obergeschoss und werden strikt an der Erschließung orientiert. Hierzu wird lediglich die Abdeckung (Ziegel, Lattung, Konterlattung, Bitumenbahn, Schalung) entfernt, um im folgenden die Tragstruktur freizulegen. Die historische Tragstruktur besteht aus Pfetten, First, Sparren und Fachwerkträgern, welche nun als Rankgerüst für das grüne Dach dienen. Dieses historisch bewahrende Prinzip wird ebenfalls in dem großzügigen Holländersaal angewendet. Dieser Saal übermittelt durch seine vorhandene Ausstattung den wohl wichtigsten Raum der ehemaligen Papierfabrik. Bücherregale, Ablagefl ächen oder bepfl anzte Holländer integrieren diese wannenförmigen Tröge in das Konzept der Bibliothek. Ergänzend befi ndet sich an der Fassade in Richtung Zanders Villa eine Dachterrasse in der Proportion des großen Innenhofes. Das vorhandene Pultdach bleibt größtenteils erhalten. DIN CENTRUM CULTURAE AUF ZANDERS Katharina Schmitz Entstanden ist ein multifunktionales Zentrum, welches aus einer Kochschule mit Restaurant, einer großzügigen Bibliothek mit Kreativzentrum, Werkstatt und Arbeitsbereichen sowie Ausstellungsfl ächen besteht. Da der Sektor der Bibliotheken im Umkreis von Bergisch Gladbach zur Zeit unterversorgt ist, entsteht auf Zanders ein großzügiger Ort für die Besucher: • ein sozial integrativer Ort • Ort der Begegnung • Ort des Wissens • Ort des Lernens • Ort der Literatur • Ort des Lesens Doch wohl am wichtigsten ist der Ort der Kultur. Abb. 118 Perspektive Holländersaal - Bibliothek 1) Papierformat(2021): <https://de.wikipedia.org/ wiki/Papierformat>, [23.01.2021] 2) Leon Battista Alberti (2021): <https://de.wikipedia. org/wiki/Leon_Battista_Alberti>, [23.01.2021]
6464 Abb. 131 Visualisierung Café Abb. 132 Visualisierung Holländersaal
65 Abb. 133 Außen Perspektive Eingang Abb. 134 1. Obergeschoss Off ener Fitnesbereich Zanders Fitness Fabrik Arwin Yousefein Die Abbildung 133 zeigt die beiden Eingänge der Fitnessfabrik. Man betritt über das Podest den Restaurantbereich oder gelangt seitlich in den Eingangsbereich zum Fitnessstudio und Poolbereich. Wie der Name schon ahnen lässt, thematisiert die Umnutzung die Themen „Fitness“ und „Erholung“. Im Inneren auf dem 1.Obergeschoss, im Holländersaal, befi ndet sich das Herzstück des Studios. Hier können die Mitglieder im off enen Fitnessbereich Sport treiben und dabei die Vorzüge einer großzügigen und hell beleuchteten Industriesaals genießen. Hierbei haben drei Parameter eine wichtige Rolle zur Nutzungsfindung gespielt. Die allgemeine städtebauliche Analyse, die architektonischen Gegebenheiten und die Einbindung der Vorschläge durch die Zanders Ideenwand.
66 Abb. 135 (links) Parameter Nutzungsfi ndung Abb. 136 (rechts) Funktionsgliederung Yoga Büro Technik Logistik Küche Fitness Pool Erschließung Restaurant Whirlpool Zanders Zanders Ideenwand Ideenwand Analyse Analyse ArchitekArchitektonische tonische Gegebenheiten Gegebenheiten
67 Abb. 136 Erdgeschoss Poolbereich Abb. 137 Erdgeschoss Restaurant Im Erdgeschoss befi ndet sich aufgrund des dunklen Raumes der Pool und Saunabereich. Hier befi nden sich keine Fenster und dadurch entsteht die Wirkung einer Grotte. Dieser Eff ekt wird genutzt um eine entspannte und in sich gekehrte Atmosphäre zu erzeugen. Der Cafebereich gestaltet sich im Gegenzug sehr off en und einladend. Die hier neu eingezogene Empore vergrößert den Sitzbereich, beeinträchtigt jedoch nicht den Charakter des Raumes. Das liegt zudem daran, dass die neue Ebene aus einer transparenten Glas-Stahlträgerrahmen Konstruktion gebaut ist.
68 Abb. 138 Umnutzung Holländerbecken: Fitnesspodest Abb. 139 Umnutzung Holländerbecken: Whirlpool Die im 1. Obergeschoss erhalten gebliebenen Holländer dokumentieren die ursprüngliche Nutzung der Werkhallen und sind als wichtiger Bestandteil des Industriedenkmals zu erhalten. Die hier abgebildeten zwei Varianten zeigen, in welcher Weise diese technischen Anlagen in die neue Nutzung integriert werden können. Abb. 138 zeigt die Umnutzung der Becken im Holländersaal zu Fitnesspodesten, auf denen konzentrierte und anspruchsvolle Übungen stattfi nden. Abbildung 139 zeigt die Umnutzung zu einem Whirlpool. Dieser befi ndet sich im westlichen Raum und dient zur Muskelentspannung direkt nach dem Sport durch Kälteund Wärmebecken.