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InsurTech. Proceedings zum 12. FaRis & DAV Symposium am 9. Juni 2017 in Köln

Schmidt, Jan-Philipp,Schulz, Volker

Abstract

Aktuell kommen in der Versicherungsbranche zunehmend neue Geschäftsmodelle und innovative Technologien zum Einsatz. Das betrifft nicht nur einzelne Aufgaben und Funktionen, wie zum Beispiel den Vertrieb von Versicherungen. Vielmehr beobachten wir Innovationen durch Unternehmen (den „InsurTechs“) entlang der gesamten Wertschöpfungskette und sogar Neugründungen von Versicherungsunternehmen. Viele Unternehmer und Investoren beabsichtigen, mit ihren Ideen nachhaltige Lösungen zu entwickeln und das Produkt „Versicherung“ mit kundenorientierten Lösungen zu verbessern. Zum 12. Symposium hatten wir junge InsurTech-Unternehmen aus den verschiedenen Versicherungssparten eingeladen. Gründer und Vorstände berichteten am InsurTech-Standort Köln von ihren Visionen und vom aktuellen Umsetzungsstand in der Praxis.

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Forschung am ivwKöln Band 2/2018 InsurTech Proceedings zum 12. FaRis & DAV Symposium am 9. Juni 2017 in Köln Jan-Philipp Schmidt, Volker Schulz Forschung am ivwKöln, Band 2/2018 Jan-Philipp Schmidt, Volker Schulz Forschungsstelle FaRis InsurTech Proceedings zum 12. FaRis & DAV Symposium am 9. Juni 2017 in Köln Zusammenfassung Aktuell kommen in der Versicherungsbranche zunehmend neue Geschäftsmodelle und innovative Technologien zum Einsatz. Das betrifft nicht nur einzelne Aufgaben und Funktionen, wie zum Beispiel den Vertrieb von Versicherungen. Vielmehr beobachten wir Innovatio nen durch Unternehmen (den „InsurTechs“) entlang der gesamten Wertschöpfungskette und sogar Neugründungen von Versicherungsunternehmen. Viele Unternehmer und Investoren beabsichtigen, mit ihren Ideen nachhaltige Lösungen zu entwickeln und das Produkt „Versicherung“ mit kundenorientierten Lösungen zu verbessern. Zum 12. Symposium hatten wir junge InsurTech -Unternehmen aus den verschiedenen Versicherungssparten eingeladen. Gründer und Vorstände berichteten am InsurTech - Standort Köln von ihren Visionen und vom aktuellen Umsetzungsstand in der Praxis. Abstract The insurance industry faces an increasing number of new business models and innovative technologies. This affects not only individual tasks und functions such as the sales of insurance products. In fact, we observe innovations of startup companies (“insurtechs”) concerning the whole value added chain of insurance companies and even foundations of new insurance companies. A lot of entrepreneurs and investors intend to develop sustainable solutions with their ideas and they improve the insurance product with customer - focused solutions. We invited young insurtech companies from different branches to the 12th FaRis & DAV symposium. Founders and CEOs presented their insights at the insurtech h ub of Cologne and their current situation in practice. Schlagwörter Innovative Geschäftsmodelle, Institut für Versicherungswesen, InsurTechs, Unternehmensgründung, Versicherungsbranche 1 Inhalt 1 Einsatz von IT zum Kundennutzen bei InsurTechs der neuesten Generation .....................................2 Hintergrund ....................................................................................................................................2 Ziele von ottonova ..........................................................................................................................2 Einsatz von IT ..................................................................................................................................3 Besonderheiten bei der Gründung und bei den Tarifen ...................................................................3 2 Entwicklung von innovativen Altersvorsorgeprodukten ....................................................................5 Hintergrund ....................................................................................................................................5 Ziele von fairr.de .............................................................................................................................5 Einsatz von IT ..................................................................................................................................6 Besonderheiten bei den Produkten .................................................................................................6 Weitere Besonderheiten .................................................................................................................6 Literatur ..........................................................................................................................................7 3 Besondere Chancen und Herausforderungen für InsurTechs im Sachversicherungsmarkt .................8 Ausgangslage ..................................................................................................................................8 Chancen ..........................................................................................................................................8 Herausforderungen .........................................................................................................................9 Das Rennen ................................................................................................................................... 10 Fazit .............................................................................................................................................. 10 4 flypper – smart, digital and data driven! ......................................................................................... 11 Hintergrund .................................................................................................................................. 11 Ziele von flypper ........................................................................................................................... 11 Einsatz von IT ................................................................................................................................ 11 Besonderheiten ............................................................................................................................ 12 2 1 Einsatz von IT zum Kundennutzen bei InsurTechs der neuesten Generation Zusammenfassung verschiedener Themen des Vortrags von Dr. Roman Rittweger und Dr. Bernhard Brühl (ottonova, München) vom 9. Juni 2017 Jan-Philipp Schmidt (TH Köln) Hintergrund Das InsurTech ottonova ist das erste digitale private Krankenversicherungsunternehmen in Deutschland. ottonova wurde Ende 2015 von Dr. Roman Rittweger, Sebastian Scheerer und Frank Birzle gegründet. Der Firmensitz ist München. Der Name des Unternehmens soll an Otto von Bismarck erinnern. Im Jahre 1883 verkündete Otto von Bismarck das „Gesetz, betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter“, mit dem die Krankenversicherung in Deutschland flächendeckend eingeführt wurde. ottonova ist die erste Neugründung einer privaten Krankenversicherung in Deutschland seit 17 Jahren. Das Unternehmen beschäftigt aktuell bereits über 50 Personen. Ein Großteil der Mitarbeiter arbeitet im IT-Bereich. ottonova ist jedoch kein reines TechnologieUnternehmen bzw. IT-Unternehmen; das Krankenversicherungsgeschäft erfordert Kompetenzen aus vielen Disziplinen der Gesundheitsökonomie unter einem Dach. ottonova bezeichnet sich als ein „InsurTech der neuesten Generation“, da das Unternehmen nicht einen einzelnen Aspekt in der Wertschöpfungskette der Versicherung adressiert und verbessert, sondern auch einen eigenen Risikoträger gegründet hat. Damit kann in Deutschland erstmalig das gesamte Versicherungsgeschäft digital dargestellt werden. Vorbilder für ottonova sind die amerikanischen InsurTechs Oscar (Krankenversicherung) und Lemonade (Autoversicherung). Ziele von ottonova Die Digitalisierung hat weltweit bereits zahlreiche Industrien verändert. Beispielsweise sind in der Konsumgüterindustrie heutzutage zahlreiche Geschäftsprozesse und Kundenkontakte vollständig digitalisiert und verlaufen über das Internet bzw. verschiedene Smartphone-Apps (vgl. z.B. den OnlineVersandhändler Zalando). In diesem Zusammenhang agieren auf den jeweiligen Märkten neugegründete Unternehmen, die mittlerweile bereits bemerkenswerte Marktanteile besitzen und somit mit den traditionellen Unternehmen konkurrieren. In der Versicherungsbranche – und im Speziellen in der privaten Krankenversicherung – sind jedoch die verschiedenen Möglichkeiten der Digitalisierung von den Marktteilnehmern noch gar nicht, nur teilweise oder unzureichend umgesetzt. Das liegt möglicherweise an der Komplexität der Branche, denn in der Krankenversicherung agieren zahlreiche unterschiedliche Akteure – vom Leistungserbringer (Arzt, Zahnarzt, Physiotherapeut, etc.), Pharmaunternehmen bis hin zum Versicherungsunternehmen. ottonova tritt dabei als ganzheitlicher Gesundheitspartner gegenüber dem Kunden auf; Ziel ist es unter anderem – und das ist innovativ – das Zusammenspiel dieser zahlreichen Akteure zu bündeln, besser aufeinander abzustimmen und dadurch Effizienz zu gewinnen. Das Unternehmen ottonova agiert vollständig digital. Das beinhaltet insbesondere den Vertrieb, den Kundenkontakt sowie die Leistungserstattung über das Internet bzw. die Smartphone-App. Telefonischer Kontakt zwischen dem Unternehmen und seinen Kunden ist aber grundsätzlich möglich, wenn der Kunde einen telefonischen Kontakt ausdrücklich wünscht. Das Unternehmen gestaltet verschiedene Aspekte der Versicherung für den Kunden möglichst einfach. Damit wird das Versicherungsprodukt verständlicher für den Kunden und erhöht dadurch schließlich auch den Kundennutzen. Ein Beispiel hierfür ist die Produktpalette: ottonova bietet in der substitutiven 3 Krankheitskostenvollversicherung lediglich zwei Tarife an und tritt nicht, wie dies viele andere Marktteilnehmer tun, mit einer großen Tarifvielfalt an seine Kunden heran. Die Zielgruppe des Unternehmens sind junge Erwachsene im Alter zwischen 25 und 40 Jahren. Diese Personengruppe wird häufig auch als „Digital Natives“ bezeichnet, da sie bereits im Kindheitsalter mit digitalen Technologien und insbesondere mit dem Internet aufgewachsen ist. Diverse Vorbehalte gegenüber der Digitalisierung stammen heutzutage überwiegend aus Personengruppen älterer Generationen. Einsatz von IT ottonova setzt an verschiedenen Stellen auf den Einsatz neuer Technologien. Viele dieser Technologien sind schon bei anderen Marktteilnehmern in der Krankenversicherung zu beobachten. Eine positive Besonderheit von ottonova ist jedoch dadurch gegeben, dass das Unternehmen bei der Entwicklung seiner Dienstleistungen keine alten IT-Systeme (IT-Systeme der 1980er und 1990er Jahre) berücksichtigen muss und neue intelligente ausgereifte IT-Systeme von Beginn an zum Einsatz kommen können. Der Vertragsabschluss erfolgt vollständig im Internet, d.h. ohne einen persönlichen Kontakt zu einem Versicherungsmakler oder über (persönliche) Kontakte innerhalb eines Filialnetzes. Im Rahmen der Antragstellung können Kunden über einen Chat oder über ein Telefonat mit ottonova kommunizieren. ottonova bietet dem Kunden damit eine vollständig digitale Erfahrung beim Kauf des Versicherungsschutzes an. Zentral in der Kommunikation zwischen Kunde und ottonova ist die Smartphone-App. Hier kann der Kunde verschiedene Dienstleistungen nutzen sowie seinen Vertrag und seine persönlichen Daten vollständig verwalten. Wenn der Kunde beispielsweise die Rechnung einer Behandlung von seinem Arzt erhält, dann kann er diese Rechnung mit dem Smartphone einscannen und über die App an ottonova leiten. Rechnungen und Kostenvoranschläge von Ärzten werden intern größtenteils automatisch geprüft und reguliert. Behandlungen und weitere Kontaktpunkte im Gesundheitswesen (z.B. Apotheken-Einkäufe) erscheinen auf einer virtuellen Zeitachse (Timeline). Der Kunde erhält dadurch einen vollständigen Überblick über seine Ereignisse im Falle von Krankheiten und ärztlichen Behandlungen. Das vereinfacht insbesondere auch zukünftige Behandlungen. Die digitale Ausrichtung ermöglicht neue Dienstleistungen für den Versicherten (z.B. die persönliche elektronische Patientenakte in Form einer Timeline in der Smartphone-App, siehe oben). Dabei entstehen im Idealfall geringere Verwaltungskosten als in der nicht-digitalen Welt. ottonova setzt im Marketing nicht auf Fernsehwerbung. Vielmehr fokussiert sich das Marketing auf die sozialen Netzwerke. Besonderheiten bei der Gründung und bei den Tarifen Es gibt zahlreiche rechtlichen Anforderungen bei der Gründung eines privaten Krankenversicherers. Dabei muss ottonova die Finanzierung für die ersten drei Jahre sicherstellen. Ca. 40 Millionen Euro haben mehrere Investoren bereitgestellt, darunter Tengelmann Ventures, STS Ventures, Holtzbrinck Ventures sowie die Debeka Krankenversicherung a.G. ottonova hat den Geschäftsbetrieb mit zwei Tarifen in der substitutiven Krankenversicherung im Juni 2017 aufgenommen. Beide Tarife beinhalten im Branchenvergleich vergleichsweise umfangreiche Leistungen. ottonova kalkuliert Prämien und Alterungsrückstellungen mit einem Rechnungszins von 1,25 Prozent. Das führt zu höheren Prämien im Vergleich zur Kalkulation mit einem höheren Rechnungszins. Dieser 4 Preisnachteil wird durch geringe Kostenannahmen (vollständig digitales Angebot) teilweise abgeschwächt. Hinzu kommt, dass die Kapitalmarktbedingungen für alle Krankenversicherer grundsätzlich identisch sind. Mittelbis langfristig wird dadurch der anfängliche Preisnachteil durch den niedrigen Rechnungszins sinken und verschwinden. Dadurch, dass das Unternehmen im Vertrieb nicht mit Maklern und anderen Vertriebsstrukturen kooperiert, entfallen hohe Abschlussprovisionen. Das wirkt sich in der Kalkulation prämienmindernd aus. Wenn Makler über ihre jeweiligen Internetseiten potenzielle Kunden zu ottonova bringen, dann wird bei Vertragsabschluss lediglich eine vergleichsweise niedrige Provision gezahlt. Von jeder Rechnung müssen Kunden zehn Prozent selbst tragen (Selbstbehalt, in der Höhe begrenzt auf 500 Euro im Jahr). Dieser prozentuale Selbstbehalt soll dazu führen, dass Kunden ihre Rechnungen unmittelbar einreichen. ottonova erhält dadurch einen besseren Überblick über den Gesundheitszustand der Kunden (im Vergleich zu Tarifen mit reinen absoluten Selbstbehalten). Es entstehen bessere Möglichkeiten für das Gesundheitsmanagement: Zum Beispiel können dadurch gezielt Gesundheitsangebote zur Vorsorge erfolgen. Anfänglich steht die Vorsorge im Mittelpunkt von ottonova, da die Kunden tendenziell jung und gesund sind. Spezielle Behandlungsverträge mit Ärzten und Krankenhäusern sind aktuell noch nicht auf der Agenda. Der Tarif „Business Class“ erstattet bei Krankenhausaufenthalten ein Zweitbettzimmer; bei Zahnersatz werden 80 Prozent erstattet. Der Hausarzt entscheidet in diesem Tarif, ob ein Patient zum Facharzt muss. Im teureren Tarif „First Class“ kann der Versicherte eigenständig zum Facharzt gehen. Der Tarif bezahlt Einbettzimmer im Krankenhaus und 90 Prozent bei Zahnersatz. Beide Tarife zahlen auch für Kuren, psychologische Behandlungen und Reha-Maßnahmen. 5 2 Entwicklung von innovativen Altersvorsorgeprodukten Zusammenfassung verschiedener Themen des Vortrags von Jens Jennissen (fairr.de, Berlin) vom 9. Juni 2017 Jan-Philipp Schmidt (TH Köln) Hintergrund Das InsurTech fairr.de ist ein Berliner Startup-Unternehmen, das im Jahr 2013 von Jens Jennissen, Dr. Alexander Kihm und Ambros Gleißner gegründet wurde. Das Unternehmen beschäftigt aktuell 18 Mitarbeiter. Es besitzt eine Zulassung als Finanzanlagenund Versicherungsvermittler (§34f und §34d Gewerbeordnung). Das Unternehmen bietet diverse Produkte und Sparpläne innerhalb der drei Säulen der Altersvorsorge in Deutschland an. Dabei erfolgen Angebotsberechnungen sowie Vertragsabschlüsse vollständig über das Internet ohne jegliche Abschlusskosten (NettoDirektversicherungen). Das InsurTech ist gemessen an der Kundenzahl und am Anlagevermögen in den vergangenen Jahren stark gewachsen. fairr.de bietet u.a. Altersvorsorgeprodukte an, die die Mitarbeiter des Unternehmens selbst für ihre eigene Altersvorsorge nutzen würden (bzw. tatsächlich nutzen). fairr.de kooperiert mit ausgewählten Partnern, u.a. mit Versicherungen (z.B. myLife Lebensversicherung AG) und Vermögensverwaltern (z.B. Sutor-Bank). Die Vorteile der jeweiligen Kooperationspartner bündelt fairr.de auf der eigenen Plattform. Eine eigene Versicherungsoder Banklizenz ist nicht erforderlich. Das Unternehmen erhielt 2015 die Auszeichnung „FinTech des Jahres 2015“. Ziele von fairr.de Die Produkte von fairr.de sollen gezielt Schwächen vieler Produkte in der Finanzdienstleistungsbranche beheben. Das betrifft zum Beispiel die Thematik hoher Abschlussprovisionen im Vertrieb, die oft unklaren Aussagen bei Prognoserechnungen sowie die häufig kritisierte mangelnde Transparenz in der Kommunikation mit Kunden. Außerdem vereint fairr.de Vorteile aus der Bankenwelt (in Form von klassischen Anlageprodukten) und solchen aus der Versicherungswelt (in Form des Risikotransfers bei Langlebigkeitsrisiken): Ziel ist eine renditestarke und effiziente Ansparphase in Kombination mit der Planungssicherheit einer sonst wesentlich teureren Versicherungspolice. Das Unternehmen adressiert Probleme in der Altersvorsorge in Deutschland, die unlängst von einer PWC Untersuchung dargestellt wurden (vgl. PWC 2017): Einerseits hat die Altersvorsorge in Deutschland einen hohen Stellenwert. Neun von zehn Deutschen ist Vorsorge für das Alter wichtig. Andererseits stagniert der Markt der Altersvorsorge – möglicherweise auch durch geringes Vertrauen gegenüber traditioneller Marktteilnehmern. Viele Menschen vertrauen daher insbesondere auf die eigene Kompetenz. Die Gründer von fairr.de haben die Vision, dass in Zukunft jeder selbstbestimmt für das Alter vorsorgt – und zwar mit „fairen“ Produkten. Das bedeutet insbesondere mit Produkten mit günstigen Kostenstrukturen und einem hohen Maß an Transparenz. Kunden optimieren ihre Altersvorsorge vollständig digital in einem digitalen Cockpit über alle Säulen hinweg im Internet. Dazu können Ansprüche aus gesetzlicher, betrieblicher sowie privater Altersvorsorge in Echtzeit mit dem persönlichen Rentenziel abgeglichen werden. Die Sparbeiträge der Produkte fließen in diverse Anlageprodukte, die leicht verständlich sind und darüber hinaus verschiedene Steuervorteile generieren sollen. 6 Einsatz von IT Das Unternehmen stellt seinen Kunden die Produktinformationen in einem „digitalen Cockpit“ zur Verfügung. Das bedeutet: Im Internet können die Kunden ihr jeweiliges aktuelles Guthaben einsehen, die vergangene Entwicklung des Guthabens nachvollziehen sowie eine Prognose bis hin zur Situation im Rentenalter einsehen. Durch das Cockpit wird jede einzelne Transaktion nachvollziehbar, z.B. wann und zu welchem Kurs Fondsanteile gekauft oder verkauft werden bzw. wann dem Konto Kosten entnommen oder Zulagen gutgeschrieben wurden. Online können Kunden im Cockpit Änderungen vornehmen und verwalten. Auch die Sparrate kann durch den Kunden online gebührenfrei geändert werden. Informationen werden im Internet derart dargestellt, dass möglichst wenige Fragen offenbleiben. Für Rückfragen steht dann ein Kundenservice per Live-Chat, E-Mail und Telefon zur Verfügung. Für Kunden, die eine ganzheitliche persönliche Beratung präferieren, kann auf ein Netzwerk aus Honorarberatern zurückgegriffen werden. Besonderheiten bei den Produkten Das Unternehmen bietet seinen Kunden Produkte in allen drei Säulen der Altersvorsorge in Deutschland an. Der Rentist soll einen schnellen und unkomplizierten Zugang zur Altersvorsorge in der ersten Säule ermöglichen. Den Ausgangspunkt bildet dabei die Frage, wie viel Geld der Kunde im Alter zur Verfügung haben möchte. Mit dem Rentist können Kunden dann ihre „Vorsorgelücke“ berechnen lassen (d.h. den Abstand zwischen aktuellem Nettoeinkommen nach Steuern und Sozialabgaben und dem zukünftigen Netto-Renteneinkommen bestimmen). Hierzu kann mit einer Smartphone-App der Rentenbescheid (die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung) per Foto gescannt werden. Der Rentist wertet dann alle relevanten Informationen automatisch aus und zeigt dem Kunden seine jeweilige Rentenlücke an. Im Jahr 2014 ist fairr.de mit dem Produkt fairriester gestartet. Der Fondssparplan kombiniert staatliche Förderung mit einer Geldanlage in Form eines ETF-Sparplans. Durch das Ablaufmanagement des fairriester reduziert sich während der Laufzeit des Vertrags das Risiko: Automatisch wird zunehmend weniger in Aktien und mehr in Anleihen investiert. Das reduziert Wertschwankungen und sichert somit das Vermögen der Kunden. Am Ende der Sparphase sorgt die Beitragsgarantie für eine Absicherung gegen Verluste. Für Kunden mit einer kurzen Zeit bis zum Renteneintritt (und dadurch ohne lange Ansparphase zur Nutzung von Zinseszinseffekten) bietet fairr.de insbesondere klassische RiesterRentenversicherungen an. Darüber hinaus gibt es weitere Produkte (z.B. fairbav und fairrürup), die im Vortrag nicht näher dargestellt wurden. Die Altersvorsorgeprodukte haben zwei wesentliche Eigenschaften. Erstens, es entstehen geringe Kosten dadurch, dass keine Abschlussprovisionen erhoben werden und Investments in passive Fonds erfolgen. Zweitens: Das Unternehmen arbeitet mit garantierten Rentenfaktor bei Vertragsabschluss. Dadurch kann die voraussichtliche Rentenzahlung im Cockpit dargestellt werden. Weitere Besonderheiten Das Unternehmen verfolgt drei Anlagegrundsätze: weltweite Streuung, laufzeitgerechte Portfolios und geringe Kosten. Die weltweite Streuung ermöglicht den Nutzen von Diversifikationseffekten. Schwankungen am Kapitalmarkt treffen nur in äußersten Extremszenarien alle Anlagen und Branchen. Die Diversifikation macht die Anlage dadurch weniger risikoanfällig. Unter „laufzeitgerechten Portfolios“ versteht das 7 Unternehmen die Idee des Ablaufmanagements, d.h. bei einer langen Vertragslaufzeit in den ersten Jahren verstärkt in Aktien zu investieren und am Ende der Vertragslaufzeit den Anlagefokus des Portfolios stärker auf Anleihen zu setzen. Dabei legt das Unternehmen einen hohen Wert auf Transparenz. Die Portfoliostrategie (Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen) ist online einsehbar. Schließlich setzt das Unternehmen bei der Kapitalanlage auf passive Fonds, da hier die Gebühren niedrig sind. Üblicherweise kommen diese Fonds ohne Fondsmanager und Vertriebskosten aus. Insgesamt sind die Kostenstrukturen bei fairr.de im Branchenvergleich sehr niedrig. Literatur PWC (2017): PwC-Befragung zum Ganzheitliches Vorsorgemanagement – Verbraucher tappen im Dunkeln und vertrauen keinem außer sich selbst. https://www.pwc.de/de/finanzdienstleistungen/assets/PwC-Studie-VorsorgeManager.pdf Publikationsreihe „Forschung am ivwKöln“ Die Veröffentlichungen der Online-Publikationsreihe "Forschung am ivwKöln" (ISSN: 2192-8479) werden üblicherweise über Cologne Open Science (Publikationsserver der TH Köln) veröffentlicht. Die Publikationen werden hierdurch über nationale und internationale Bibliothekskataloge, Suchmaschinen sowie andere Nachweisinstrumente erschlossen. Alle Publikationen sind auch kostenlos abrufbar unter www.ivw-koeln.de. 2018 1/2018 Institut für Versicherungswesen: Forschungsbericht für das Jahr 2017 2017 8/2017 Materne, Pütz: Alternative Capital und Basisrisiko in der Standardformel (non-life) von Solvency II 7/2017 Knobloch: Konstruktion einer unterjährlichen Markov-Kette aus einer jährlichen Markov-Kette - Eine Verallgemeinerung des linearen Ansatzes 6/2017 Goecke, Oskar (Hrsg.): Risiko und Resilienz. Proceedings zum 11. FaRis & DAV Symposium am 9. Dezember 2016 in Köln 5/2017 Grundhöfer, Dreuw, Quint, Stegemann : Bewertungsportale - eine neue Qualität der Konsumenteninformation? 4/2017 Heep-Altiner, Mehring, Rohlfs: Bewertung des verfügbaren Kapitals am Beispiel des Datenmodells der „IVW Privat AG“ 3/2017 Müller-Peters, Völler: InsurTech Karte ivwKöln 1/2017 - Beiträge zu InsurTechs und Innovation am ivwKöln 2/2017 Heep-Altiner, Müller-Peters, Schimikowski, Schnur (Hrsg.): Big Data für Versicherungen. Proceedings zum 21. Kölner Versicherungssymposium am 3. 11. 2016 in Köln 1/2017 Institut für Versicherungswesen: Forschungsbericht für das Jahr 2016 2016 13/2016 Völler: Erfolgsfaktoren eines Online-Portals für Akademiker 12/2016 Müller-Peters, Gatzert: Todsicher: Die Wahrnehmung und Fehlwahrnehmung von Alltagsrisiken in der Öffentlichkeit (erscheint 2017) 11/2016 Heep-Altiner, Penzel, Rohlfs, Voßmann: Standardformel und weitere Anwendungen am Beispiel des durchgängigen Datenmodells der „IVW Leben AG“ 10/2016 Heep-Altiner (Hrsg.): Big Data. Proceedings zum 10. FaRis & DAV Symposium am 10. Juni 2016 in Köln 9/2016 Materne, Pütz, Engling: Die Anforderungen an die Ereignisdefinition des Rückversicherungsvertrags: Eindeutigkeit und Konsistenz mit dem zugrundeliegenden Risiko 8/2016 Rohlfs (Hrsg.): Quantitatives Risikomanagement. Proceedings zum 9. FaRis & DAV Symposium am 4. Dezember 2015 in Köln 7/2016 Eremuk, Heep-Altiner: Internes Modell am Beispiel des durchgängigen Datenmodells der „IVW Privat AG“ 6/2016 Heep-Altiner, Rohlfs, Dağoğlu, Pulido, Venter: Berichtspflichten und Prozessanforderungen nach Solvency II 5/2016 Goecke: Collective Defined Contribution Plans - Backtesting based on German capital market data 1955 - 2015 4/2016 Knobloch: Bewertete inhomogene Markov-Ketten - Spezielle unterjährliche und zeitstetige Modelle 3/2016 Völler (Hrsg.): Sozialisiert durch Google, Apple, Amazon, Facebook und Co. – Kundenerwartungen und – erfahrungen in der Assekuranz. Proceedings zum 20. Kölner Versicherungssymposium am 5. November 2015 in Köln 2/2016 Materne (Hrsg.): Jahresbericht 2015 des Forschungsschwerpunkts Rückversicherung 1/2016 Institut für Versicherungswesen: Forschungsbericht für das Jahr 2015 2015 11/2015 Goecke (Hrsg.): Kapitalanlagerisiken: Economic Scenario Generator und Liquiditätsmanagement. Proceedings zum 8. FaRis & DAV Symposium am 12. Juni 2015 in Köln 10/2015 Heep-Altiner, Rohlfs: Standardformel und weitere Anwendungen am Beispiel des durchgängigen Datenmodells der „IVW Privat AG“ – Teil 2 9/2015 Goecke: Asset Liability Management in einem selbstfinanzierenden Pensionsfonds 8/2015 Strobel (Hrsg.): Management des Langlebigkeitsrisikos. Proceedings zum 7. FaRis & DAV Symposium am 5.12.2014 in Köln 7/2015 Völler, Wunder: Enterprise 2.0: Konzeption eines Wikis im Sinne des prozessorientierten Wissensmanagements 6/2015 Heep-Altiner, Rohlfs: Standardformel und weitere Anwendungen am Beispiel des durchgängigen Datenmodells der „IVW Privat AG‘‘ 5/2015 Knobloch: Momente und charakteristische Funktion des Barwerts einer bewerteten inhomogenen Markov-Kette. Anwendung bei risikobehafteten Zahlungsströmen 4/2015 Heep-Altiner, Rohlfs, Beier: Erneuerbare Energien und ALM eines Versicherungsunternehmens 3/2015 Dolgov: Calibration of Heston's stochastic volatility model to an empirical density using a genetic algorithm 2/2015 Heep-Altiner, Berg: Mikroökonomisches Produktionsmodell für Versicherungen 1/2015 Institut für Versicherungswesen: Forschungsbericht für das Jahr 2014 2014 10/2014 Müller-Peters, Völler (beide Hrsg.): Innovation in der Versicherungswirtschaft 9/2014 Knobloch: Zahlungsströme mit zinsunabhängigem Barwert 8/2014 Heep-Altiner, Münchow, Scuzzarello: Ausgleichsrechnungen mit Gauß Markow Modellen am Beispiel eines fiktiven Stornobestandes 7/2014 Grundhöfer, Röttger, Scherer: Wozu noch Papier? Einstellungen von Studierenden zu E-Books 6/2014 Heep-Altiner, Berg (beide Hrsg.): Katastrophenmodellierung - Naturkatastrophen, Man Made Risiken, Epidemien und mehr. Proceedings zum 6. FaRis & DAV Symposium am 13.06.2014 in Köln 5/2014 Goecke (Hrsg.): Modell und Wirklichkeit. Proceedings zum 5. FaRis & DAV Symposium am 6. Dezember 2013 in Köln 4/2014 Heep-Altiner, Hoos, Krahforst: Fair Value Bewertung von zedierten Reserven 3/2014 Heep-Altiner, Hoos: Vereinfachter Nat Cat Modellierungsansatz zur Rückversicherungsoptimierung 2/2014 Zimmermann: Frauen im Versicherungsvertrieb. Was sagen die Privatkunden dazu? 1/2014 Institut für Versicherungswesen: Forschungsbericht für das Jahr 2013 2013 11/2013 Heep-Altiner: Verlustabsorbierung durch latente Steuern nach Solvency II in der Schadenversicherung, Nr. 11/2013 10/2013 Müller-Peters: Kundenverhalten im Umbruch? Neue Informationsund Abschlusswege in der KfzVersicherung, Nr. 10/2013 9/2013 Knobloch: Risikomanagement in der betrieblichen Altersversorgung. Proceedings zum 4. FaRis & DAV-Symposium am 14. Juni 2013 8/2013 Strobel (Hrsg.): Rechnungsgrundlagen und Prämien in der Personenund Schadenversicherung - Aktuelle Ansätze, Möglichkeiten und Grenzen. Proceedings zum 3. FaRis & DAV Symposium am 7. Dezember 2012 7/2013 Goecke: Sparprozesse mit kollektivem Risikoausgleich - Backtesting 6/2013 Knobloch: Konstruktion einer unterjährlichen Markov-Kette aus einer jährlichen Markov-Kette 5/2013 Heep-Altiner et al. (Hrsg.): Value-Based-Management in Non-Life Insurance 4/2013 Heep-Altiner: Vereinfachtes Formelwerk für den MCEV ohne Renewals in der Schadenversicherung 3/2013 Müller-Peters: Der vernetzte Autofahrer – Akzeptanz und Akzeptanzgrenzen von eCall, Werkstattvernetzung und Mehrwertdiensten im Automobilbereich 2/2013 Maier, Schimikowski (beide Hrsg.): Proceedings zum 6. Diskussionsforum Versicherungsrecht am 25. September 2012 an der FH Köln 1/2013 Institut für Versicherungswesen (Hrsg.): Forschungsbericht für das Jahr 2012 2012 11/2012 Goecke (Hrsg.): Alternative Zinsgarantien in der Lebensversicherung. Proceedings zum 2. FaRis & DAV-Symposiums am 1. Juni 2012 10/2012 Klatt, Schiegl: Quantitative Risikoanalyse und -bewertung technischer Systeme am Beispiel eines medizinischen Gerätes 9/2012 Müller-Peters: Vergleichsportale und Verbraucherwünsche 8/2012 Füllgraf, Völler: Social Media Reifegradmodell für die deutsche Versicherungswirtschaft 7/2012 Völler: Die Social Media Matrix - Orientierung für die Versicherungsbranche 6/2012 Knobloch: Bewertung von risikobehafteten Zahlungsströmen mithilfe von Markov-Ketten bei unterjährlicher Zahlweise 5/2012 Goecke: Sparprozesse mit kollektivem Risikoausgleich - Simulationsrechnungen 4/2012 Günther (Hrsg.): Privat versus Staat - Schussfahrt zur Zwangsversicherung? Tagungsband zum 16. Kölner Versicherungssymposium am 16. Oktober 2011 3/2012 Heep-Altiner/Krause: Der Embedded Value im Vergleich zum ökonomischen Kapital in der Schadenversicherung 2/2012 Heep-Altiner (Hrsg.): Der MCEV in der Lebensund Schadenversicherung - geeignet für die Unternehmenssteuerung oder nicht? Proceedings zum 1. FaRis & DAV-Symposium am 02.12.2011 in Köln 1/2012 Institut für Versicherungswesen (Hrsg.): Forschungsbericht für das Jahr 2011 2011 5/2011 Reimers-Rawcliffe: Eine Darstellung von Rückversicherungsprogrammen mit Anwendung auf den Kompressionseffekt 4/2011 Knobloch: Ein Konzept zur Berechnung von einfachen Barwerten in der betrieblichen Altersversorgung mithilfe einer Markov-Kette 3/2011 Knobloch: Bewertung von risikobehafteten Zahlungsströmen mithilfe von Markov-Ketten 2/2011 Heep-Altiner: Performanceoptimierung des (Brutto) Neugeschäfts in der Schadenversicherung 1/2011 Goecke: Sparprozesse mit kollektivem Risikoausgleich