scieee AI-readable full text Open interactive document viewer

Der MCEV in der Lebens- und Schadenversicherung – geeignet für die Unternehmenssteuerung oder nicht? Proceedings zum 1. FaRis & DAV Symposium am 2. Dezember 2011 in Köln.

Heep-Altiner, Maria,Gürtler, Nora,Jutzi, Anja,Bhayani, Bharat,Goecke, Oskar,Lörper, Johannes

Abstract

Mit dem Konzept des „Embedded Values“ soll der Langfristigkeit von Lebensversicherungsverträgen Rechnung getragen werden, wobei in der operativen Anwendung erste Schwachstellen des Konzeptes ersichtlich geworden sind. In der Schadenversicherung ist dieses Konzept im Rahmen der Risikosteuerung derzeit noch nicht etabliert, findet aber bereits im Rahmen der integrierten Gesamtsteuerung auf Gruppenebene erste Anwendung. Insofern ist es konsequent, zumindest im Hinblick auf mittelfristige Entwicklungsperspektiven den MCEV auch bei der wertorientierten Unternehmenssteuerung in der Nichtlebensversicherung in Betracht zu ziehen. Dadurch gibt sich im Hinblick auf die Risikosteuerung auf Gruppenebene ein insgesamt stimmiges Bild, das aber durchaus kritisch zu hinterfragen ist.

Full text

Forschung am IVW Köln, 2/2012 Institut für Versicherungswesen Der MCEV in der Lebensund Schadenversicherung – geeignet für die Unternehmenssteuerung oder nicht? Proceedings zum 1. FaRis & DAV Symposium am 2. Dezember 2011 in Köln Maria Heep-Altiner, Marcel Berg (Hrsg.) Zusammenfassung Mit dem Konzept des „Embedded Values“ soll der Langfristigkeit von Lebensversicherungsverträgen Rechnung getragen werden, wobei in der operativen Anwendung erste Schwachstellen des Konzeptes ersichtlich geworden sind. In der Schadenversicherung ist dieses Konzept im Rahmen der Risikosteuerung derzeit noch nicht etabliert, findet aber bereits im Rahmen der integrierten Gesamtsteuerung auf Gruppenebene erste Anwendung. Insofern ist es konsequent, zumindest im Hinblick auf mittelfristige Entwicklungsperspektiven den MCEV auch bei der wertorientierten Unternehmenssteuerung in der Nichtlebensversicherung in Betracht zu ziehen. Dadurch gibt sich im Hinblick auf die Risikosteuerung auf Gruppenebene ein insgesamt stimmiges Bild, das aber durchaus kritisch zu hinterfragen ist. Abstract By the concept of „embedded value“ the long term structure of life insurance contracts should be considered whereupon first weaknesses have been observed within the operational applications. In non-life insurance this concept is actually not well established, although there are first applications within the integrated steering of the whole business. Thus it is consequent to consider also the market consistent embedded value within the value based management in non-life insurance at a middle-term perspective. This will result in a coherent view on risk steering at group level although this aspect should be discussed crucially. - 1 - Vorwort Die Forschungsstelle aktuarielle Modelle & Methoden im Risikomanagement (FaRis) des Instituts für Versicherungswesen (IVW) an der Fachhochschule Köln und die deutsche Aktuarvereinigung (DAV) veranstalten ca. einbis zweimal pro Jahr ein gemeinsames Symposium. Diese FaRis & DAV Symposien haben dabei zum Ziel, aktuell relevante Fragestellungen nicht nur Aktuaren, sondern auch Personen an den Schnittstellen zu aktuariellen Tätigkeiten näher zu bringen. In diesem Selbstverständnis sind die Symposien ein geeignetes Mittel zur aktuariellen Weiterbildung, so dass im Rahmen der freiwilligen DAV Weiterbildung die Teilnahme an diesen Symposien auch mit entsprechenden Weiterbildungspunkten bewertet wird. Das FaRis & DAV Symposium vom 02.12.2011 hat sich mit dem „Market Consistent Embedded Value“ (MCEV) auseinandergesetzt. Mit diesem in der Lebensversicherung schon seit längerem etablierten Konzept soll bekanntermaßen der Langfristigkeit von Lebensversicherungsverträgen Rechnung getragen werden, wobei in der operativen Anwendung durchaus auch Schwachstellen des Konzeptes ersichtlich werden. In der Schadenversicherung ist dieses Konzept im Rahmen der Risikosteuerung derzeit noch nicht besonders etabliert, findet aber bereits im Rahmen der integrierten Gesamtsteuerung auf Gruppenebene erste Anwendung. Insofern ist es konsequent, zumindest im Hinblick auf mittelfristige Entwicklungsperspektiven den MCEV auch bei der wertorientierten Unternehmenssteuerung in der Nichtlebensversicherung in Betracht zu ziehen. Dadurch ergibt sich alles in allem für die Risikosteuerung auf Gruppenebene ein insgesamt stimmiges Bild, das aber durchaus auch einer kritischen Würdigung unterzogen werden sollte. Die skizzierten Themenfelder wurden in vier Vorträgen beleuchtet und in einer anschließenden Podiumsdiskussion diskutiert. In den hier vorliegenden Proceedings wurden die Vorträge und die Ergebnisse der Podiumsdiskussion zusammengefasst, um dieses dadurch einem breiteren Interessentenkreis verfügbar zu machen. Köln, im Februar 2012 Maria Heep-Altiner - 2 - Autorenverzeichnis 1. Einführung in die Thematik Maria Heep-Altiner 2. Embedded Value in der Lebensversicherung Nora Gürtler 3. Embedded Value in der Schadenversicherung Maria Heep-Altiner Anja Jutzi 4. Embedded Value auf Gruppenebene Bharat Bhayani 5. Fazit und kritische Würdigung Oskar Goecke Johannes Lörper - 3 - Inhaltsverzeichnis 1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK ..................................................................................................... 4 2 EMBEDDED VALUE IN DER LEBENSVERSICHERUNG ................................................................ 7 2.1 DEFINITION UND EINSATZGEBIETE DES TRADITIONELLEN EMBEDDED VALUE ................................. 7 2.2 GRENZEN DES TRADITIONELLEN EMBEDDED VALUE - ÜBERGANG ZUM MCEV ........................... 10 2.3 DEFINITION UND METHODIK DES MCEV ...................................................................................... 13 2.4 MCEV IN DER WERTUND RISIKOORIENTIERTEN STEUERUNG ....................................................... 17 3 EMBEDDED VALUE IN DER SCHADENVERSICHERUNG ......................................................... 21 3.1 DETERMINISTISCHER EMBEDDED VALUE ZUM AUSGANGSZEITPUNKT .......................................... 22 3.1.1 Theoretisches Konzept für die Schadenversicherung .............................................................................. 22 3.1.2 Der MCEV der Feldafinger Brandkasse ........................................................................................................ 25 3.1.3 Zwischenfazit zum Embedded Value in der Schadenversicherung ...................................................... 28 3.2 STOCHASTISCHER EMBEDDED VALUE ZUM ABLAUF DES JAHRES ................................................. 29 3.2.1. Movementanalyse .......................................................................................................................................... 30 3.2.2. MCEV & ökonomisches Kapital ..................................................................................................................... 36 3.2.3. Fazit / Ausblick ................................................................................................................................................. 41 4 EMBEDDED VALUE AUF GRUPPENEBENE ................................................................................. 44 4.1 EIGENSCHAFTEN EINES GUTEN KPI ................................................................................................ 44 4.2 WERTBASIERTE VS. VOLUMENBASIERTE STEUERUNG ..................................................................... 45 4.3 ECONOMIC VALUE ADDED VS. VERÄNDERUNG DES MCEV ......................................................... 46 4.4 ANWENDUNGSFELDER FÜR DEN MCEV ........................................................................................ 47 4.4.1 Lebensversicherung – interne Steuerung ................................................................................................... 48 4.4.2 Lebensversicherung – externe Berichterstattung ..................................................................................... 49 4.4.3 Schadenversicherung – interne Steuerung & externe Berichterstattung ............................................. 50 4.4.4 Zusammenfassung ......................................................................................................................................... 51 4.5 DEFINITION DES GRUPPEN MCEV UND KONSOLIDIERUNG .......................................................... 51 4.6 DIE AUSWIRKUNGEN DER FINANZKRISE ......................................................................................... 53 4.7 GROUP MCEV GLEICH SUBSTANZWERT? ...................................................................................... 54 4.8 FAZIT .............................................................................................................................................. 57 5 FAZIT UND KRITISCHE WÜRDIGUNG .......................................................................................... 58 5.1 ZUSAMMENFASSUNG DER PODIUMSDISKUSSION.......................................................................... 58 5.2 NACHTRÄGLICHE EXTERNE KOMMENTARE .................................................................................... 61 LITERATURVERZEICHNIS ........................................................................................................................... 63 ABBILDUNGSVERZEICHNIS ...................................................................................................................... 64 ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS ..................................................................................................................... 66 - 4 - 1 Einführung in die Thematik Maria Heep-Altiner Der Embedded Value ist in der Lebensversicherung schon seit langem ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensbewertung und Leistungsbemessung, wobei die methodische Vorgehensweise die Langfristigkeit des Lebensversicherungsgeschäfts berücksichtigen soll. Die allererste Konzeption des Embedded Value geht dabei bereits auf das Jahr 1959 zurück; seit den späteren 1980er Jahren findet dieses Konzept im angelsächsischen Raum insbesondere bei Mergers & Acquisitions Anwendung. Der traditionelle Embedded Value (TEV) entsprechend der ursprünglichen Vorgehensweise entspricht dabei dem Wert des adjustierten Eigenkapitals zuzüglich dem Barwert zukünftiger Erträge aus dem Versicherungsgeschäft abzüglich dem Barwert der Kapitalkosten für die Risikotragung (siehe dazu auch die nachfolgende Abbildung). Abbildung 1: Traditioneller Embedded Value (entnommen aus [12]). Dieser Wert enthält allerdings noch keine Wertansätze für (Kapitalmarkt) Optionen und Garantien und ist somit tendenziell zu hoch angesetzt. Darüber hinaus gab es anfangs keine klar spezifizierten Regeln zur methodischen Vorgehensweise, zum Beispiel im Hinblick auf die richtige Wahl einer Risikodiskontrate. Aus diesem Grund hat das CFO Forum bestehend aus den Vertretern der wichtigsten europäischen Versicherungsgruppen 2004 in 12 Prinzipien die wichtigsten Regeln für den sogenannten European Embedded Value (EEV) spezifiziert. Als konsequente Weiterentwicklung dieser Regeln wurden 2008 von dem gleichen Gremium 17 Prinzipien für einen Market Consistent Embedded Value (MCEV) formuliert, die den MCEV als Ware in einem (teilweise theoretischen) Markt spezifizieren. In der Lebensversicherung – insbesondere in den großen Versicherungsgruppen – ist der MCEV ein wichtiges Instrument zur Unternehmenssteuerung und Leistungsbewertung, welche mit Hilfe der sogenannten Movement Analyse (siehe dazu auch die nachfolgende Abbildung) erfolgt, die den durch das Neugeschäft generierten Wert ermitteln soll. Aus diesem Grund wird die Historie, die allgemeine Methodik sowie die konkrete Anwendung des Embedded Values im 2. Abschnitt der hier vorliegenden Proceedings näher beleuchtet. Embedded Value =+Present Value of Future Profits (PVFP) Net Asset Value (NAV) Cost of Capital (CoC) Value of In-Force - 5 - Non-financial Experience variances MCEV BoY Opening adjustments Non-financial assumption changes Mismatching profit Return on assets not backing Liabilities: “unwind” New Business Unexplained MCEV EoY Dividends to shareholders market-consistent compensation for taking ALMrisk: eliminate for measuring return Abbildung 2: Movement Analyse (entnommen aus [12]). In der Schadenversicherung hingegen ist das Konzept des Embedded Values noch nicht weit etabliert. So wirken sich einerseits aufgrund der i. d. R. jährlichen Erneuerung und der darauf basierenden Provisionssystematik Abschlusskosten weniger gravierend auf den Unternehmenswert aus; andererseits gibt es mit Ausnahme der (wenig relevanten) Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr keine echte Kapitalmarkt Optionen und Garantien. Alle anderen Optionen (wie etwa Kündigungsoptionen) können aber aufgrund der i. d. R. einjährigen Tarifierung als in der Prämie abgebildet betrachtet werden. Aus diesem Grund ergab sich in der Vergangenheit keine zwingende Notwendigkeit, für die Unternehmensbewertung den Embedded Value heranzuziehen. Darüber hinaus können aufgrund der einjährigen Tarifierung und der damit verbundenen Möglichkeit, den Versicherer ohne große Verluste zu wechseln, mehrjährige Prognosen zur Bestandsund Rentabilitätsentwicklung in der Schadenversicherung nicht wirklich zuverlässig durchgeführt werden. Aus diesem Grund unterscheiden sich die Embedded Value Systematik und die übliche Vorgehensweise bei internen Modellen in der Schadenversicherung in wesentlichen Punkten, da die meisten internen Modelle in der Schadenversicherung im Einklang mit den Solvency II Vorgaben nur das ökonomische Kapital zum Ende eines Geschäftsjahres modellieren; darüber hinausgehende Geschäftsentwicklungen gehen in die Modellierung nicht ein. Dennoch wird man auch in der Schadenversicherung zumindest mittelfristig nicht um Embedded Value Berechnungen herumkommen, da die meisten Holdinggesellschaften intensiv an einer integrierten Geschäftssteuerung auf Basis einer einheitlichen Systematik für die Lebensund Schadenversicherung arbeiten, wobei derzeit der Embedded Value in der Schadenversicherung in vielen Fällen durch das IFRS Kapital approximiert wird. Im Sinne einer proaktiven Auseinandersetzung mit der Thematik „Embedded Value“ wurde daher im Jahr 2008 die DAV Arbeitsgruppe „Embedded Value Sach“ gegründet. Um die allgemeine „Rechenbarkeit“ des Embedded Value in der Schadenversicherung zu überprüfen, hat die Arbeitsgruppe in einem ersten Schritt in einem EXCEL Tool den Embedded Value für das fiktive Beispiel der Feldafinger Brandkasse (entnommen aus [3]) gerechnet - 6 - und die ersten Ergebnisse hierzu in einem internen Bericht an den DAV Schadenversicherungsausschuss (siehe [12]) veröffentlicht. Die Zusammenfassung dieser Ergebnisse und die Weiterentwicklungen im Anschluss an die Studie sind im Abschnitt 3 der hier vorliegenden Proceedings dargestellt. So sinnvoll und aufwändig eine einheitliche Berechnungssystematik für einen MCEV auf Gruppenebene auch ist – damit allein ist es nicht getan, da auf der Ebene von Versicherungsgruppen auch die Beziehungen einzelner Unternehmen untereinander – die sogenannten Intercompany Beziehungen – eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Diese und weitere wichtige Aspekte im Hinblick auf den MCEV auf Gruppenebene werden in Abschnitt 4 erläutert. Im letzten Abschnitt sind die Ergebnisse der zur Podiumsdiskussion zusammengefasst und – insbesondere im Hinblick auf die gemeinsame Anwendbarkeit in der Unternehmenssteuerung von Lebensund Schadenversicherungsunternehmen – einer kritischen Würdigung unterzogen worden. - 7 - 2 Embedded Value in der Lebensversicherung Nora Gürtler 2.1 Definition und Einsatzgebiete des traditionellen Embedded Value Der traditionelle Embedded Value wurde entwickelt, um Bestände in der Lebensversicherung zu bewerten. Im Laufe der Jahre wurde das Embedded Value-verfahren analog auf die private Krankenversicherung übertragen. Die Haupteinsatzgebiete des Embedded Value sind  Unternehmensbewertung bei M&A-Projekten („Mergers & Acquisitions“)  Wertorientierte Unternehmenssteuerung und Einsatz im Risikomanagement  Grundlage für die Vergütung des Managements Dabei trägt der Embedded Value dem langfristigem Charakter des LV/KV-Geschäfts Rechnung, bei dem man nicht von dem Ergebnis eines Jahres auf die Profitabilität eines Bestandes schließen kann, z. B:  Neugeschäft verursacht anfänglich Verluste aus Abschlusskosten.  Storno kann positiv wirken, führt aber i. a. zu reduzierten Erträgen in der Zukunft.  Reservestärkungen belasten das aktuelle Jahresergebnis, stärken aber die künftige Ertragskraft. Bei der Bewertung eines Portfolios an Lebensversicherungen muss vielmehr dem typischen Verlauf des Überschusses aus einem Lebensversicherungsvertrag bzw. aus dem Neuzugang einer Periode Rechnung getragen werden: Abbildung 3: Bewertung mittels traditionellem Embedded Value - Konzept und Einsatz Die geschieht bei der Bewertung mittels traditionellem Embedded Value dadurch, dass nicht nur der Überschuss eines Jahres, sondern der Barwert aller künftigen Überschüsse betrachtet wird, die bis zum Bestandsauslauf projiziert und mit einer Risikodiskontrate auf den Bewertungsstichtag abgezinst werden. Dabei legt man die folgenden Prinzipien zu Grunde:  Closed Fund Projektion ohne Berücksichtigung von zukünftigem Neugeschäft nach dem Stichtag - 14 - 3. Real World mitt State Price Deflators: Ermittlung durch Erwartungswertbildung in einer realen Welt (mit Risikoprämie) und Diskontierung mit pfadabhängigen risikoadjustierten Diskontfaktoren (state Price deflators). Die Risikopräferenz des Betrachters geht in keinem dieser Fälle ein. Die Theorie marktkonsistenter Bewertung basiert auf der Black-Scholes-Welt mit der grundlegenden Modellannahme eines konstanten risikofreien Zinses und der Grundvoraussetzung eines arbitragefreien Marktes. Diese treffen in der Praxis i. a. nicht zu, so dass bei der praktischen Anwendung marktkonsistenter Bewertungsverfahren mindestens die folgenden Punkte zu berücksichtigen sind:  Bewertung von Cash Flows mittels marktkonsistenter Kapitalmarktszenarien, i. a. in der risikoneutralen Variante. Diese replizieren die am Markt beobachteten Preise repräsentativer Kapitalmarktinstrumente.  Die Kalibrierung der Szenarien erfolgt typischerweise anhand von Zerobonds, Swaptions und Aktienoptionen.  Modellierung eines Zinsprozesses. Definition des MCEV Im Vergleich zum traditionellen Embedded Value ist der MCEV sehr ähnlich strukturiert: Abbildung 11: Definition des MCEV Per definitionem ist ein marktkonsistenter Embedded Value (MCEV) dann gegeben, wenn Prämissen, Methodik, Berechnung und Disclosure den MCEV Principles des CFO Forums genügen und wenn dies von einem unabhängigen Gutachter bestätigt wird. - 15 - Konzeptionell ermittelt man den MCEV wie den traditionellen Embedded Value, wobei der PFVP nun als Mittelwert der PVFPs auf allen betrachteten Kapitalmarktszenarien bestimmt wird („Stochastischer PVFP“). Wie beim traditionellen EV unterliegt das HGB-EK bestimmten Adjustierungen, und für die Bestimmung der Kapitalkosten gelten aktualisierte Regelungen. Im Gegensatz zum traditionellen EV kommen noch Look Through-Positionen sowie die CRNHR (Cost of Residual Non-Hedgeable Risks) hinzu. Bzgl. der Details der MCEV-Ermittlung sei auf die Veröffentlichungen des CFO Forums sowie die entsprechenden Hinweise der DAV zum stochastischen bzw. marktkonsistenten Embedded Value verwiesen. Um den Zeitwert der Garantien und Optionen zu bestimmen, nimmt man das sog. Certainty Equivalent (CE) Szenario zu Hilfe, das die zum Bewertungsstichtag am Markt beobachtete Zinsstrukturkurve und deren Forward Rates reflektiert. Damit ist der Zeitwert der Garantien und Optionen (Time Value of Options & Guarantees, TV G&O) definiert als die Differenz zwischen  (deterministischer) PVFP auf dem CE-Szenario  Mittelwert der PVFPs über alle betrachteten Kapitalmarktszenarien Dies lässt sich graphisch wie folgt veranschaulichen: Abbildung 12: Zeitwert der Garantien und Optionen (TV G&O) Der TV G&O bewertet die Asymmetrie im Auszahlungsprofil aus Sicht eines Lebensversicherungsunternehmens. Diese kommen v. a. dadurch zustande, dass der Aktionär eines Lebensversicherers in „guten Jahren“ aufgrund der gesetzlichen Regelungen in seiner Ertragserwartung beschränkt ist. Denn durch die Regulierung der Zuführung zur freien RfB (Stichwort: MindZV) werden hohe Anteile des Rohüberschusses dem Versicherungsnehmer gut geschrieben. Bleiben in einem schwierigen ökonomischen Umfeld (in „schlechten Jahren“) hingegen die Kapitalerträge aus, so steht der Aktionär mit seinem Eigenkapital voll im Risiko. Denn dann trägt er die eingetretenen Verluste zu 100% muss Fehlbeträge aus eigenen Mitteln ausgleichen. - 16 - Wenn keine Asymmetrien im Auszahlungsprofil vorlägen, so wäre der TV G&O gleich Null und die Berechnung des PVFP auf dem CE-Szenario ausreichend. Zum Abschluss der theoretischen Ausführungen zum MCEV betrachte man das folgende, extrem vereinfachte Beispiel zur Illustration der Ermittlung des TV G&O: • Projektionshorizont: 1 Jahr • Vernachlässigung der Diskontierung • Aufteilung des Rohüberschusses nach 1 Jahr in VN-Anteil und Aktionärsanteil • Die garantierte Leistung der VN betrage in der betrachteten Periode 1040. • Für drei gleichgewichtete Szenarien betrage der Rohüberschuss jeweils 1060, 1040 und 1020. Damit ergeben sich für die drei betrachteten Szenarien die folgenden Aufteilungen des Rohüberschusses auf Versicherungsnehmer und Aktionär sowie resultierend der TV G&O: Abbildung 13: Abbildung zum Beispiel Unternehmerische Fragestellungen, die ein stochastisches Modell brauchen Für viele unternehmerische Fragestellungen in der Lebensversicherung reicht ein deterministisches Modell zur Beantwortung nicht aus, sondern es müssen die unterschiedlichen Möglichkeiten der Entwicklung an den Kapitalmärkten in Betracht gezogen werden. Insbesondere Fragen nach „Risiko“ und „Wahrscheinlichkeit“ können mit rein deterministischen Modellen nicht hinreichend beantwortet werden. Exemplarisch werden im Folgenden einige der Themen aufgeführt, zu deren genauerer Beleuchtung ein stochastisches Modell vonnöten ist. Einige davon sind angesichts der Lage an den Finanzmärkten aktueller denn je. - 17 - Allgemeine unternehmerische Fragestellungen:  Überprüfung des Status Quo (z. B. Solvenz, Stresstest, Liquiditätsplanung)  Entwicklung in den nächsten Jahren von  Puffern wie freier RfB und stiller Reserven  Solvenzund Risikosituation des VU  Wie lange ist die aktuelle Überschussbeteiligung finanzierbar?  Kann das Sicherungsvermögen in hinreichender Höhe gestellt werden?  Bewertung alternativer Handlungsoptionen (Asset-Allokation, ÜberschussStrategie)  Wie groß ist die Schwankungsbreite aller (vieler) möglichen Resultate?  Welches ist ein „durchschnittliches“, „bestes“ oder „schlechtestes“ Ergebnis?  Mit welcher Wahrscheinlichkeit werden Ziele erreicht/verfehlt? Fragestellungen der Aktivseite:  Wie können stille Lasten abgebaut werden?  Wie wirkt sich eine geänderte Kapitalanlagestrategie aus?  Welches sind kritische Kapitalmarktszenarien und wie wahrscheinlich sind diese?  Wie kann eine möglichst gute Asset-Allokation ermittelt werden? Fragestellungen der Passivseite:  Wie wirkt sich eine mögliche Rentennachreservierung aus?  Wie wirkt sich die Zinsnachreservierung aus? Wirkung der Zinszusatzreserve?  Wie wirken sich Strukturänderungen auf der Passivseite aus? 2.4 MCEV in der wertund risikoorientierten Steuerung Der MCEV und verwandte Größen können eingesetzt werden, um das Versicherungsgeschäft wertund risikoorientiert zu steuern, d. h. den Unternehmenswert bei einer definierten Risikoposition zu steigern. Hierzu kann man z. B. den sog. Neugeschäftswert (NGW, New Business Value, NBV) einsetzen. Wertorientierte Steuerung mittels Neugeschäftswert Der Neugeschäftswert ist analog zum Embedded Value definiert als der Barwert zukünftiger Jahresüberschüsse, die aus den Verträgen des aktuellen Neugeschäftsjahrgangs generiert werden können. Dabei werden die Abschlusskosten des Neugeschäfts zum Abzug - 18 - gebracht und Kapitalkosten zur Berücksichtigung der Opportunitätskosten aufgrund der Bindung von Eigenkapital angesetzt: PVFP: Present Value of future profits CoC: Cost of capital NBV: New Business Value - PVFP: Barwert der zukünftigen Gewinne CoC: Zinsverlust auf das gebundene Eigenkapital NBV = PVFP -CoC PVFP: Present Value of future profits CoC: Cost of capital NBV: New Business Value - PVFP: Barwert der zukünftigen Gewinne CoC: Zinsverlust auf das gebundene Eigenkapital NBV = PVFP -CoC Abbildung 14: Messung i. a. relativ zu einem Volumenmaß Die Beurteilung des Neugeschäftswertes erfolgt i. a. relativ zu einem Volumenmaß. Hierbei besteht die einfachste Methode darin, den Neugeschäftswert in Relation zu den Beiträgen des korrespondierenden Neugeschäftsjahrgangs zu setzen: NGW APE* Neugeschäftsmarge = NGW APE* Neugeschäftsmarge = Dabei bezeichnet „Annual Premium Equivalent (APE)“ die laufenden Beiträge zzgl. 10% der Einmalbeiträge. Letztere werden also nur zu einem Zehntel angesetzt oder – anders ausgedrückt – gedanklich auf 10 Jahre gestreckt. Das zweite gängige Verfahren setzt den Neugeschäftswert in Relation zum Barwert der Beiträge des Neugeschäftsjahrgangs aus demselben Projektionslauf: NGW PV(Prem)** Neugeschäftsmarge = NGW PV(Prem)** Neugeschäftsmarge = Damit können Entwicklungen im Projektionsverlauf besser abgebildet werden als bei der einfacheren APE-Relation (z. B. künftige Dynamiken zu Verträgen des Neugeschäftsjahrgangs oder Inflationseffekte in der Krankenversicherung). Mit Hilfe des Neugeschäftswertes und der zugehörigen Margen lässt sich z. B. die Profitabilität einzelner Produktgruppen vergleichen: - 19 - Abbildung 15: Profitabilität der einzelnen Produktgruppen als Basis für VBM Dies kann der Ausgangspunkt wertorientierten Handelns sein („verkaufe profitable Produkte“). In der Praxis wird man weitere Aspekte bei unternehmerischen Entscheidungen heranziehen und steht vor der Aufgabe, wertorientierte und vertriebliche Anforderungen miteinander zu vereinbaren. Sensitivitäten des stochastischen Embedded Value (EEV 2005) Exemplarisch betrachten wir die folgenden Sensitivitäten des stochastischen EV: Abbildung 16: Sensitivitäten des EEV aus einer Veröffentlichung in 2004 - 20 - Diese Sensitivitäten des stochastischen Embedded Value sind typisch und bergen einen interessanten Aspekt: Die Asymmetrie der Zinssensitivität. Eine Parallelverschiebung der Zinsstrukturkurve nach unten senkt den EEV um 21%, während eine analoge Verschiebung nach oben ihn nur um 10% erhöht. Dies reflektiert die Asymmetrie im Geschäftsmodell der deutschen Lebensversicherung bzgl. positiver und negativer Entwicklungen am Kapitalmarkt. Allgemein kann man über Sensitivitäten den Einfluss der einzelnen Werttreiber auf Ergebnisgrößen wie Embedded Value und Neugeschäftswert ermitteln. Die auf diese Weise identifizierten Stellhebel liefern Ansätze für wertorientierte Unternehmensentscheidungen. Wertorientierte Steuerung in der Praxis Wertorientierte Steuerung hat zum Ziel, den Unternehmenswert zu steigern bzw. das Risiko-/Return-Profil zu optimieren. Ansatzpunkte hierfür sind: Identifikation von Werttreibern (z. B. durch Sensitivitätsanalysen)  Kosten  Strategische Asset Allocation  Stornoquoten  In Produkten enthaltene Optionen und Garantien Forcieren profitabler Produkte  Verkaufsförderung existierender profitabler Produkte  Förderung von Produktinnovationen  Implementierung von Profit Tests im Produktentwicklungsprozess Fokus auf profitable Kunden  Identifikation profitabler Kundensegmente  Cross Selling-Initiativen für diese Kunden Bei vielen Unternehmen ist die Vergütung an Größen wie den MCEV, den NBV und/oder deren Veränderungen geknüpft. Für die Steuerung des Vertriebs muss diese Performance-Metrik in die dort gängigen Konzepte wie z. B. „Bewertungssummen“ übersetzt werden. - 21 - 3 Embedded Value in der Schadenversicherung Maria Heep-Altiner, Anja Jutzi In der Lebensversicherung ist der Embedded Value schon seit längerem ein integraler Bestandteil der Unternehmensbewertung, Performancemessung und Unternehmenssteuerung. Die Methodik des Embedded Value trägt dabei der Langfristigkeit des Lebensversicherungsgeschäfts angemessen Rechnung. Die Historie des Embedded Value in der Schadenund Unfallversicherung dagegen ist vergleichbar kurz. Man begegnet ihm vorwiegend im Bereich der Merger & Acquisitions zur Bewertung von Versicherungsunternehmen sowie einzelner Versicherungsportefeuilles, die zum Kauf bzw. Verkauf anstehen. Ein anerkanntes Bewertungsmodell gibt es jedoch nicht. Die Überprüfbarkeit der Informationen ist ohne internes Wissen nicht möglich und Versicherer haben reichlich Gestaltungsspielraum. So ist die Vienna Insurance Group etwa eine von wenigen Unternehmensgruppen, die in der Vergangenheit bereits einen Embedded Value für das Schadenund Unfallversicherungsgeschäft berechnet und veröffentlicht hat. Jedoch folgt auch sie derzeit den Richtlinien des CFO-Forums für die Lebensversicherung und zählt lediglich das Nettovermögen des Schadenund Unfallgeschäfts mit zum Gruppen Embedded Value. Eine Bestandsbewertung des Schadenund Unfallgeschäfts bleibt außen vor. Quelle: http://www.vig.com/de/investor-relations/downloads/embedded-value.html Im Rahmen von Solvency II sind Unternehmensgruppen an integrierten Unternehmenssteuerungssystemen interessiert. Dies erfordert eine Angleichung der Modellierungsansätze zwischen Lebensund Schadenversicherung. Im Jahr 2008 gründete daher die DAV die Arbeitsgruppe „Embedded Value Sach“ mit dem Ziel, proaktiv mit dieser Fragestellung umzugehen. Ein Team von Lebensund Schadenversicherungsaktuaren aus der Versicherungsindustrie, der Unternehmensberatung und der Hochschule hat bereits erste Ergebnisse in einer Studie 2010 dem Schadenversicherungsausschuss der DAV zur Verfügung gestellt und ein EXCEL Tool für ein fiktives Versicherungsunternehmen namens „Feldafinger Brandkasse“ erstellt. Somit zeigt die Arbeitsgruppe, dass es durchaus möglich ist, ein Konzept für die Schadenversicherung nach den - 22 - Regeln der 2008 veröffentlichten MCEV Principles zu ermitteln und einen Schaden Embedded Value zu berechnen. Im ersten Teil dieses Kapitels werden die Ergebnisse der Arbeitsgruppe im Hinblick auf die allgemeine Konzeption zur Ermittlung eines Embedded Values zum Ausgangszeitpunkt erläutert; dieser ist in der Schadenversicherung i. d. R. deterministisch. Im anschließenden Teil werden weiterführende Aspekte zur Ermittlung eines stochastischen Embedded Values nach Ablauf eines neuen Geschäftsjahres diskutiert. 3.1 Deterministischer Embedded Value zum Ausgangszeitpunkt In diesem Teil wird zunächst das allgemeine theoretische Konzept zur Berechnung des deterministischen Embedded Values zum Ausgangszeitpunkt in der Schadenversicherung beschrieben. Im Anschluss wird am konkreten Beispiel der fiktiven Feldafinger Brandkasse eine solche MCEV Berechnung durchgeführt mit Hilfe eines EXCEL Tools, das ursprünglich von der DAV Arbeitsgruppe „Embedded Value Sach“ entwickelt und in einer Projektarbeit an der Fachhochschule Köln überarbeitet wurde. 3.1.1 Theoretisches Konzept für die Schadenversicherung Der Embedded Value entspricht wie auch bereits in den vorgehenden Abschnitten erläutert dem Barwert künftiger Erträge des Bestandes erweitert um das adjustierte Eigenkapital. Abgegrenzt davon beinhaltet der Appraisal Value zusätzlich zukünftiges Neugeschäft. Abbildung 17: Renewals in der Schadenversicherung. Ein relevanter Unterschied zwischen Leben und Schaden ist die Abgrenzung von zukünftigem Neugeschäft, Neugeschäft und Bestand. Der Embedded Value bezieht künftige Erträt t = 0 t = 1 Vertragsbeginn In Force Bestand BILANZSTICHTAG Vertragsbeginn Vertragsabschluss In Force Bestand Erneuerung Renewal Renewal Renewal Renewal t t = 0 t = 1 Vertragsbeginn In Force Bestand BILANZSTICHTAG Vertragsbeginn Vertragsabschluss In Force Bestand Erneuerung Renewal Renewal Renewal Renewal - 23 - ge aus bereits zum Bilanzstichtag gezeichnetem Geschäft mit ein, also auch Erneuerungen aus dem Bestandsgeschäft, die erst in zukünftigen Risikoperioden realisiert werden (vergleiche dazu auch die obige Abbildung). Eine geeignete Ableitung von Stornoquoten ist somit unerlässlich zur Ermittlung des Schaden Embeded Value und damit einhergehend die Wahl der Lebensdauer des Bestands. Wie bereits in den Abschnitten zuvor erwähnt besteht der Embedded Value aus zwei Komponenten, dem Nettovermögen (NAV) und den zukünftigen Erträgen des bestehenden Geschäftes (VIF), die wir aus Gründen der Vollständigkeit in diesem Abschnitt noch einmal kurz rekapitulieren: Abbildung 18: Komponenten des MCEV. Dabei setzen sich die einzelnen Bausteine in der obigen Gleichung für den MCEV wie folgt zusammen: NAV Net Asset Value des Eigenkapitals FS Sofort ausschüttbarer Free Surplus RC Für das Geschäftsmodell einzubehaltendes Required Capital VIF Value of in-force Business PVFP Present Value of Future Profits aus dem Versicherungsgeschäft CRNHR Cost of Residual non Hedgeable Risks für die Risikotragung FC Friktionale Kosten bezogen auf die Einbehaltung des RC TVOG Time Value of Option & Gurantees (bezogen auf den Kapitalmarkt) Der HGB Buchwert des Eigenkapitals unter Einbeziehung stiller Reserven/Lasten wird dabei (virtuell) aufgeteilt in das gebundene Eigenkapital (RC) und das Eigenkapital, welches sofort ausgeschüttet werden kann (FS). Das gebundene Eigenkapital wird individuell je Versicherungsunternehmen abhängig vom Geschäftsmodell und dem angestrebten Rating bestimmt. Somit zeigen zwei Versicherer mit der gleichen HGB Bilanz aber einem unterschiedlichen Geschäftsmodell auch unterschiedliche Embedded Values. Die derzeit veröffentlichten „MCEV Principles“ fassen einen Versicherungsbestand als Ware in einem theoretischen Markt auf und bewerten diese risikoneutral nach Art der modernen Finanzmarkttheorie unter Reproduktion von Marktpreisen. MCEV = FS + RC +PVFP –CRNHR –FC –TVOG =NAV +VIF - 30 - Eine weitere Anwendungsmöglichkeit des stochastischen MCEV ergibt sich im Zusammenhang mit der klassischen Vorgehensweise bei internen Schadenversicherungsmodellen zur Bestimmung des Solvency II Eigenkapitalbedarfs; diese erfolgt üblicherweise durch die Analyse der Verteilung des ökonomischen Kapitals zum Jahresende. Hier kann man nun vergleichen, welche Unterschiede sich im Vergleich zum stochastischen MCEV zum Jahresende ergeben, wobei man allerdings aus Gründen der korrekten Vergleichbarkeit hier den MCEV ohne weitere Renewals ansetzen muss. 3.2.1. Movementanalyse In der Movementanalyse werden nicht nur der Opening MCEV und der Closing MCEV gegenübergestellt, sondern auch die verschiedenen Einflussfaktoren untersucht, wobei wir uns bei unseren Modellberechnungen auf folgende Veränderungseinflüsse konzentriert haben: - Fortschreibung des Bestandsgeschäftes, - Beitrag durch „Experience Variances“, - Beitrag durch „Economic Variances“ sowie - Beitrag durch das echte Neugeschäft. Der Einfluss durch die Fortschreibung des Bestandsgeschäftes ist rein deterministisch und ergibt sich durch eine einfache Berechnung. Um alle weiteren stochastischen Einflussgrößen korrekt abbilden zu können, wurden mehrere stochastische Teilmodelle bis zum endgültigen Vollmodell gerechnet, bei denen sukzessive weitere stochastische Einflüsse „eingeschaltet“ wurden. Bei der Zuordnung der stochastischen Einflüsse auf das Bestandsund das Neugeschäft hat sich in der Diskussion mit den Lebensversicherungsaktuaren aus der DAV Arbeitsgruppe „Embedded Value Sach“ allerdings gezeigt, dass hier die Ansichten von Lebensund Schadenversicherung offensichtlich auseinander gehen. Da diese Differenz mathematisch nicht geklärt werden kann, stellen wir an dieser Stelle die unterschiedlichen Ansichten wertneutral gegenüber. Im weiteren Verlauf rechnen wir jedoch ausschließlich mit der Variante weiter, die den Usancen in der Schadenversicherung entspricht: - 31 - Variante 1: Diese Variante entspricht der klassischen Sichtweise in der Schadenversicherung und berücksichtigt, dass es in der Schadenversicherung auch sehr schlechte Neugeschäftsjahre geben kann, die sich Wert vernichtend auswirken können. Diese Variante zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus: a) Variation aller „Nicht-Markt“ Parameter für das Bestandsgeschäft. b) Variation aller „Markt“ Parameter für das Bestandsgeschäft. c) Variation aller „Markt“ und „Nicht-Markt“ Parameter für Neugeschäft. Variante 2: Diese Variante entspricht eher der klassischen Sichtweise in der Lebensversicherung, bei der das Neugeschäft bis auf die Variation der Neugeschäftsprämie eher nach dem rechnungsmäßigen Ergebnis als nach dem tatsächlichen Ergebnis beurteilt wird. Diese Variante zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus: a) Reine Prämien Variation für das Neugeschäft. b) Variation aller „Nicht-Markt“ Parameter insgesamt bezogen auf das Bestandsgeschäft. c) Variation aller „Markt“ Parameter insgesamt. Alle nachfolgenden Berechnungen basieren auf der Variante 1. Bei dieser Variante wird nach der deterministischen Fortschreibung des Bestandsgeschäftes zunächst nur eine Variation des Bestandsgeschäftes ohne Variation der Marktumfeldparameter gerechnet. Danach wird für dieses Modell zusätzlich die Variation der Marktumfeldparameter „eingeschaltet“ und abschließend das Modell mit der vollumfänglichen Stochastik (insbesondere inklusive des Neugeschäfts) gerechnet. 3.2.1.1 Fortschreibung des Bestandsgeschäfts Die deterministische Fortschreibung des Bestandsgeschäftes ergibt sich auf Basis der deterministischen GuV Projektionen des Opening MCEV als Fortschreibung um ein Jahr, siehe dazu auch die nachfolgende Abbildung. Abbildung 9: Fortschreibung des Bestandsgeschäftes für die Feldafinger Brandkasse. Opening Verzins. mit deter min. Exist. Bus. MCEV after MCEV 4,70% G uV E ffek te Contrib. Exist. Bus. Free S urplus 6.481 304 13.861 14. 165 20.646 Required Capital 42.412 1.992 -3.569 -1. 57 8 40.8 35 Valu e-in Force 99.276 4.662 -7.207 -2. 54 5 96.7 32 PVFP 121.661 5. 713 -10 .98 6 -5.273 116.388 Kapitalkosten -18.171 -853 3.085 2.231 -15.939 Friktionale Kosten -4.2 14 -198 695 497 -3.717 MCEV 148.169 6.958 3.085 10.043 158.212 - 32 - Die Fortschreibung der einzelnen Positionen ergibt sich dabei zunächst als Verzinsung mit dem deterministischen Forwardzins (im vorliegenden Berechnungsbeispiel 4,70%) zuzüglich der in der GuV Projektion abgebildeten Effekte. Dabei wird insbesondere - der Free Surplus um den projizierten Gewinn der Folgeperiode erhöht, - das Required Capital auf das Required Capital des Folgejahres abgesenkt und - die Kapitalund friktionalen Kosten um die Werte der Folgeperiode reduziert. Da in der deterministischen Projektion sich das in der ersten Periode eingerechnete Risiko gerade nicht realisiert hat, können die Kapitalkosten für die Periode als Gewinn vereinnahmt werden, d. h. die GuV Effekte sind nicht nur reine Umbuchungen inkl. Zinserträge, sondern man hat einen Erhöhungseffekt um die Kapitalkosten der ersten Periode. 3.2.1.2 Beitrag durch „Experience Variances“ Nach Ermittlung des Fortschreibungswertes können nun die einzelnen deterministischen Einflussparameter (mit Ausnahme der Marktparameter) für das Bestandsgeschäft stochastisch variiert werden, wobei das stochastische Modell allerdings konform gehen muss mit dem internen Modell der Feldafinger Brandkasse (siehe dazu auch die Bemerkungen mit nachfolgenden Abschnitt). Dies betrifft ganz konkret folgende Parameter: - Altreserven, - Stornoquoten, - Schadenquoten für das Bestandsgeschäft sowie - operationelle Risiken für das Bestandsgeschäft. Für jedes einzelne Simulationsszenario erhält man dann den Beitrag aus den sogenannten „Experience Variances“, siehe dazu auch die nachfolgende Beispielrechnung. Abbildung 24: Zusätzlicher Beitrag der „Experience Variances“. MCEV after Exper. Var. MCEV after Exist. Bus. Contrib. Exper. Var . Free S urplus 20.646 6.990 27. 636 Required Capital 40.835 -420 40. 414 Value-in Force 96.732 -2.172 94. 560 PVFP 116.388 -1. 412 114.976 Kapitalkosten -15.939 -629 -16.569 Friktionale Kosten -3.717 -130 -3.847 MCEV 158.212 4.398 162.610 - 33 - Ein weiterer Ergebnisbeitrag ergibt sich dann, wenn man die zusätzliche Variation (zunächst nur bezogen auf das Bestandsgeschäft) der ökonomischen Einflussparameter einbezieht. 3.2.1.3 Beitrag durch „Economic Variances“ Im vorliegenden Modell der Feldafinger Brandkasse wurde nur von risikofreien festverzinslichen Wertpapieren als Kapitalanlagen ausgegangen; insofern ist es ausreichend, nur die risikofreie Zinsstrukturkurve stochastisch zu modellieren. Im konkreten Fall erfolgte dies durch eine vereinfachte Modellierung der einjährigen Forwardrate unter Beibehaltung aller anderen Strukturen aus der deterministischen Zinsstrukturkurve. Allgemein müssen in diesem Teil folgende Parameter variiert werden: - ökonomische Parameter zur Wertbestimmung der Assets sowie - ökonomische Parameter zur Wertbestimmung der Liabilities (Altreserven). Für jedes einzelne Simulationsszenario erhält man den Beitrag aus den sogenannten „Economic Variances“, siehe dazu auch die nachfolgende Beispielrechnung. MCEV after Econom. Var. MCEV after Exper. Var. Contrib. Econom. Var. Free Surplus 27.636 122 27.758 Required Capital 40.414 040.414 Value-in Force 94.560 757 95.318 PVFP 114.976 905 115.880 Kapitalkosten -16.569 -355 -16.923 Friktionale Kosten -3.847 207 -3.639 MCEV 162.610 879 163.489 Abbildung 25: Zusätzlicher Beitrag durch „Economic Variances“. Zuletzt ergibt sich dann per Differenz zum gesamten Closing MCEV der Ergebnisbeitrag des Neugeschäfts. 3.2.1.4 Beitrag durch Neugeschäft Berechnet man den zusätzlichen Beitrag durch das Neugeschäft (analog zur üblichen Vorgehensweise in der Schadenversicherung) erst zum Schluss per Differenzbildung, dann werden im Prinzip noch die Variationen der folgenden Parameter mit einbezogen: - Neugeschäftsprämie, - Schadenquoten für das Neugeschäft, - 34 - - Ökonomische Parameter für das Neugeschäft sowie - Operationelle Risiken für das Neugeschäft. Für jedes einzelne Simulationsszenario erhält man den Beitrag aus dem Neugeschäft, siehe dazu auch die nachfolgende Beispielrechnung. MCEV after New Bus. Closing Econom. Var. Contrib. MCEV Free Surplus 27.758 -10.257 17.501 Required Capital 40.414 4.064 44.479 Value-in Force 95.318 11.037 106.354 PVFP 115.880 15.131 131.011 Kapitalkosten -16.923 -3.325 -20.248 Friktionale Kosten -3.639 -770 -4.409 MCEV 163.489 4.844 168.334 Abbildung 26: Zusätzlicher Beitrag durch Neugeschäft. Die einzelnen Beiträge zur Bewegung des MCEV können nun für jedes einzelne Simulationsszenario insgesamt zusammengestellt werden. 3.2.1.5 Gesamtauswirkungen Die Zusammenstellung der Ergebnisse erfolgt i. d. R. gemäß einem vorgegebenen Schema, das deutlich differenzierter ist, als die hier vorgestellten Berechnungen. So werden beispielsweise auch noch die Einflüsse von Parameteränderungen in t=1 gegenüber t=0 analysiert. Dies wurde bei der Feldafinger Brandkasse aus Vereinfachungsgründen aber unterlassen. Insgesamt ergeben sich bei dem vorgestellten Beispiel folgende Gesamtauswirkungen: Opening MCEV 148.169 New Business Free Surplus Required Capital Value in Force 4.844 -10.257 4.064 11.037 Existing Business Free Surplus Required Capital Value in Force 10.043 14.165 -1.578 -2.545 Experience Variances Free Surplus Required Capital Value in Force 4.398 6.990 -420 -2.172 Economic Variances Free Surplus Required Capital Value in Force 879 122 0 757 - 35 - Closing MCEV 168.334 Der Beitrag aus dem Bestandsgeschäft ist dabei immer konstant, da er deterministisch ermittelt wird. Der Beitrag aus den „Experience Variances“ ist im vorliegenden Szenario positiv, was offensichtlich aus einem guten GuV Ergebnis zum Ende des Jahres resultiert. Der Beitrag aus „Economic Variances“ fällt nicht besonders hoch, so dass man nur von einer leichten Zinsänderung ausgehen kann. Beim Neugeschäftswert fällt zunächst einmal auf, dass der Free Surplus negativ ausfällt und in etwa durch einen gleich hohen Value in Force kompensiert wird. Dies liegt grob gesprochen daran, dass bei Fortführung des Geschäfts der Free Surplus nicht so schnell realisiert wird, sondern sich erst über die Zeit im Value in Force realisieren kann. Abbildung 27: Movementanalyse für ein festes Simulationsszenario. In einem Simulationslauf mit ausreichend vielen Simulationsszenarien können dann die stochastischen Eigenschaften der einzelnen Ergebnisbeiträge untersucht werden. Bei der hier beschriebenen Berechnungsvariante analog zur Vorgehensweise in der Schadenversicherung fällt dabei die Variation des Neugeschäftsbeitrages deutlich höhere aus als bei der Berechnungsvariante analog zur Vorgehensweise in der Lebensversicherung. 0 50.000 100.000 150.000 200.000 Opening MCEV New Business Existing Business Experience Variances Economic Variances Closing MCEV - 36 - 3.2.2. MCEV & ökonomisches Kapital Bei internen Modellen in der Schadenversicherung wird klassischerweise nicht mit dem MCEV, sondern mit dem ökonomischen Kapital gearbeitet. Dabei ergibt sich das ökonomische Kapital als Differenz aus dem Marktwert der Assets abzüglich des Marktwertes der Liabilities; es wird also die Fiktion unterstellt, dass alle Marktwerte existieren und einigermaßen friktionsfrei sofort realisierbar sind. Da bei dieser Marktwertbetrachtung nur die Situation zum Bilanzstichtag ausschlaggebend ist, spielen Prämienanteile in den Folgeperioden dabei keine Rolle, sofern sie in der aktuellen Bilanz nicht als fest vereinnahmt gelten können. Daher kann das ökonomische Kapital nicht mit dem MCEV unter Einbeziehung von Renewals verglichen werden, da dieser noch Prämienanteile für zukünftige Perioden enthält; hier wird man den MCEV ohne Renewals ansetzen müssen. Der MCEV ohne Renewals geht dabei von einem sofortigen Run Off des Geschäfts aus; die Ermittlung dieses Wertes ist somit in nicht unerheblichem Maße davon abhängig, welche „Managementregeln“ man diesem Run Off zugrunde legt. Grob gesprochen gibt es dabei folgende Varianten: Variante 1: Echter Run Off: Hier wird man von hohen Fixkostenanteilen ausgehen müssen, ggf. dadurch etwas abgemildert, dass der Run Off aus einem anderen Unternehmen heraus mit abgewickelt werden kann. In diesem Fall reicht es aber aus, mit dem kleinst möglichen Required Capital bzw. den dazu korrespondieren Kapitalkosten zu arbeiten, da wegen des fehlenden Neugeschäfts die Abdeckung höherer Ratinganforderungen nicht notwendig ist. Variante 2: Synthetischer Run Off: Hier erfolgt der Run Off fiktiv durch Bestandsschließung in einem ansonsten normal weiterlaufenden Unternehmen. Hier kann man ggf. geringere Fixkostenanteile ansetzen, da diese durch das weiterlaufende Neugeschäft mitgetragen werden können. Allerdings muss dann auch der Altbestand die höheren (Rating bedingten) Anforderungen an das Required Capital zum Teil mit finanzieren. Wir wollen bei allen nachfolgenden Berechnungen folgende Annahmen zugrunde legen, die eher zu einem synthetischen Run Off korrespondieren: - Es fallen Kapitalmanagementkosten und Schadenregulierungskosten an. - Weitere Fixkostenanteile fallen nicht an. - Das Required Capital (inkl. der dazu korrespondierenden Kapitalkosten) deckt die für Neugeschäft benötigten erhöhten Ratinganforderungen ab. - 37 - 3.2.2.1 Situation zu Periodenbeginn Diese beiden Bewertungskonzepte kann man zunächst rein deterministisch zum Zeitpunkt t=0 vergleichen. Die Marktwertbilanz ergibt sich dabei zunächst einmal aus der nachfolgenden Fair Value Umbewertung aller Assets und Liabilities: Abbildung 28: Ökonomische Bilanz zu Periodenbeginn. Die MCEV Bilanz ergibt sich auf Basis einer deterministischen HGB Projektion unter der Annahme, dass nach dem Bilanzzeitpunkt keine weiteren Folgeprämien mehr anfallen, siehe dazu auch die nachfolgende Abbildung: Abbildung 29: MCEV Bilanz zu Periodenbeginn. Die MCEV Bilanz zu Periodenbeginn unterscheidet sich dabei von der ökonomischen Bilanz zu Periodenbeginn in folgenden Aspekten: - Durch die Abwicklung über die Zeit fallen zusätzliche friktionale Kosten an; diese verringern sich bei Herabsetzung des Required Capitals. - Der Kapitalkostenzuschlag fällt etwas höher aus, da zusätzlich noch ein Kapitalkostensatz auf das SCR für das operationelle Risiko mit einbezogen ist. Marktwerte der KA 240.868 120. 342 Eigenkapital Marktwerte Assets backing SHE 120.342 42.412 Required Capital Asset s backing Liabilities 120.526 77.929 Excess Capital 86. 594 FV Rücks tellungen 83.454 Schad enrückstellunge n 3.140 Reservemarge 33. 932 Ste uerrückst ellungen Total 240.868 240. 868 Total Aktiva Passiva Marktwerte der KA 240 .8 68 116. 42 0 MCEV 6.481 Fre e Surplu s 42.412 Required Ca pital 67.527 Value in Force 89. 867 FV V erpflicht ungen 83.454 Versicherungstechnik 3.454 CRHNR 1.111 Kap. Management 1.848 Friktionale Kosten 34. 581 Steuerrückst ellungen Total 240.868 240.868 Total Aktiva Passiva - 38 - - Auf die (die Liabilities bedeckenden) Kapitalanlagen entfallen aufgrund der Realisierung über die Zeit noch Investmentkosten an. Ggf. würde sich noch ein höherer Abrieb ergeben, wenn man von Mindestverwaltungskostensätzen ausgehen würde; in diesem Fall sollte man aber das Required Capital heruntersetzen, wodurch sich alle anderen Kostenpositionen verringern. 3.2.2.2 Exkurs: Unternehmenswertmodelle Bereits bei den deterministischen Berechnungen zu Periodenbeginn hat es sich gezeigt, dass der Unternehmenswert nicht unabhängig ist von dem zugrunde gelegten Geschäftsmodell und den damit einhergehenden Managementregeln. Im Wesentlichen kann man dabei folgende prinzipiellen Geschäftsmodelle betrachten: - Sofortige Realisation, etwa als sofortiger Liquidationswert oder als (fiktiver) ökonomischer Marktwert. - Auslauf des Bestandes (Run Off) als Embedded Value mit oder ohne Erneuerungsgeschäft. - Fortführung des Bestandes (Going Concern) als Appraisal Value mit echtem Neugeschäft inklusive aller Erneuerungen. Je nachdem, welches Modell man zugrunde legt, erhält man ganz unterschiedliche Wertansätze. Dabei kann prinzipiell folgende beiden Zeitdimensionen abbilden: - Deterministische Berechnungen zu Periodenbeginn (t=0) zur reinen Wertermittlung. - Stochastische Berechnungen zum Periodenende (t=1) zum Wert-/Risikovergleich. Die wichtigsten Eigenschaften der genannten Geschäftsmodelle sind in der nachfolgenden Abbildung zusammengestellt. Going Concern Liquidationswert Marktwert Appraisal Value mit Abschlägen ohne Abschläge ohne Renewals mit Renewals mit Renewals (1a) (1b) (2a) (2b) (3) Zeitpunkte Periodenbeginn t = 0 wie zuvor Periodenende t = 1 wie zuvor Eigenschaften Unternehmenswert I. d. R. deutlich geringer als (1b) U. U. nur fiktiv I. d. R. etwas geringer als (1b) I. d. R. deutlich höher als (1b) I. d. R. deutlich höher als (2b) Zulässig nach Solvency II ja ja ja, SVU ja, LVU nein Anwendung in der VU Steuerung keine, da geringer Wert des VU Solvency II + WOS in der SV derzeit keine in der SV Solvency II + WOS in der LV Mergers & Akquisitions in LV & SV Geschäftsmodell Sofortige Realisation Auslauf des Bestandes Embedded Value I. d. R. deterministisch in der SV, i. d. R. stochastisch in der LV wie zuvor I. d. R. stochastisch in der SV, ggf. Stochastik in der Stochastik in der LV wie zuvor Abbildung 30: Vergleich der Unternehmenswertmodelle. - 39 - Die einzelnen Unternehmenswertmodelle sind dabei mehr oder weniger realitätsnah; insbesondere das reine Marktwertmodell sollte doch kritischer hinterfragt werden. Ein reines Liquidationsmodell hingegen wird wegen der geringen Unternehmenswerte wohl niemals ernsthaft in Frage kommen. Darüber hinaus sind gerade in der Schadenversicherung nicht alle Modellansätze Solvency II konform. Wegen der mangelnden rechtlichen Verbindlichkeit wird man hier wohl den Embedded Value mit Erneuerungsgeschäft im Unterschied zur Lebensversicherung nicht heranziehen können. Der Appraisal Value ist weder bei der Lebensnoch bei der Schadenversicherung Solvency II konform; er spielt aber bei Mergers & Akquisistions eine zentrale Rolle. Zusammengefasst kann man sagen, dass der MCEV ohne Erneuerungsgeschäft in der Schadenversicherung durchaus eine realitätsnahe Alternative zum ökonomischen Kapital darstellt, die Solvency II konform wäre. Einige der Modellschwierigkeiten des ökonomischen Kapitals, die sich aus der nicht immer realitätsnahen Hypothese existierender Marktwerte ergeben, würden bei der Realisierung über die Zeit weniger ausgeprägt auftreten. Allerdings wird dieser Modellierungsvorteil durch einen „Abrieb“ gegenüber dem ökonomischen Kapital (und damit einhergehend mit etwas erhöhten Eigenkapitalanforderungen) erkauft. 3.2.2.3 Situation zum Periodenende An dieser Stelle wollen wir zunächst einmal kurz auf das zugrunde gelegte stochastische Basismodell eingehen, auf dem alle unsere stochastischen Modellberechnungen (insbesondere auch die stochastische Movementanalyse aus dem Kapitel zuvor) beruhen. Die wichtigsten Modellaspekte sind nachfolgend aufgelistet: - Lognormal verteilte Forwardrate (Ausrichtung der Zinsstrukturkurve gemäß der Situation in t = 0), da per Annahme nur risikofreie festverzinsliche Anlagen. - Lognormal verteilte Neugeschäftsprämien. - Lognormal verteilte Altreserven, Reproduktion des SCR (vor Steuer) für das Reserverisiko gemäß internem Modell. - Lognormal verteilte Neugeschäftsaufwände; Reproduktion (bis auf den Volumeneffekt) des SCR (vor Steuer) für das Prämienrisiko gemäß internem Modell, korreliert mit dem Reserverisiko analog zur QIS 5. - Customized verteilte Drohverlustrückstellung für das operationale Risiko, Reproduktion (bis auf den Volumeneffekt) des SCR (vor Steuer) für das operationelle Risiko bei möglichst geringem Erwartungswert und einer Korrelation nahe bei Eins mit dem BSCR. - 46 - Mehr Wettbewerb und sinkende Margen haben aber inzwischen dazu geführt, dass es notwendig wurde, Profitabilität und Risiko (d. h. nicht nur die erwartete Profitabilität, sondern auch die Streuung um den Erwartungswert) zu berücksichtigen. Abbildung 35: Evolution von der volumenbasierten zur wertbasierten Steuerung Das versicherungstechnische Ergebnis im Sinne von Beiträgen abzüglich Leistungen und Kosten ist mit einigen Anpassungen für kurzfristiges Geschäft brauchbar, aber nicht ausreichend für langfristiges Geschäft, bei dem Beiträge und Leistungen über viele Jahre verteilt sind. Somit ist als weiterer Schritt auf der „Evolutionsleiter“ eine Barwertbetrachtung unter Berücksichtigung von Kapitalbindungskosten notwendig für langfristiges Geschäft. Dabei werden alle Zahlungsströme hochgerechnet und ab diskontiert, um den „Economic Value Addend“ (EVA1) zu bestimmen. Je nach Komplexität des Geschäfts können solche Modelle dabei sehr aufwendig sein. 4.3 Economic Value Added vs. Veränderung des MCEV Der MCEV zum Jahresende ergibt sich aus dem MCEV zum Jahresbeginn, dem MCEV Ergebnis sowie aus der Anpassung für Dividenden oder Kapitaleinschüsse. Dabei kann das MCEV Ergebnis in folgende Hauptkomponenten aufgeteilt werden: 1 EVA ist ein eingetragenes Warenzeichen der Unternehmensberatungsgesellschaft Stern Stewart & Co. - 47 - - Roll Forward, bei dem alle operativen und ökonomischen Annahmen im Geschäftsjahr genau eintreten. - Operative Aspekte, die direkt vom Unternehmen beeinflusst werden, wie etwa o gezeichneter Neugeschäftswert, o operative Abweichungen im Geschäftsjahr wie etwa Kosten oder Sterblichkeit sowie o Änderungen der operativen Annahmen. - Verlauf der Kapitalmärkte über das vergangene Jahr und der Stand zum Jahresende; hierauf hat das Management keinen direkten Einfluss. Abbildung 36: Economic Value Addend vs. Veränderung des MCEV Zusammengefasst kann das MCEV Ergebnis in einen (rechnungsmäßigen) Roll Forward und den „Economic Value Addend“ (EVA) aufgeteilt werden, wobei der EVA die Unternehmensleistung darstellt. 4.4 Anwendungsfelder für den MCEV Da es ein reiner Glücksfall wäre, wenn ein KPI alle unterschiedlichen Anforderungen erfüllen würde, soll in diesem Abschnitt analysiert werden, für welche Sparten (Lebensoder Schadenversicherung) und für welche Zwecke (interne Steuerung oder externe Berichterstattung) der MCEV in welchem Umfang als KPI in Frage kommt. - 48 - Abbildung 37: Anwendungsfelder für den MCEV Die nachfolgenden beiden Abschnitte beschäftigen sich dabei zunächst mit den Anwendungsfeldern in der Lebensversicherung; abschließend wird die Schadenversicherung untersucht. 4.4.1 Lebensversicherung – interne Steuerung Im Hinblick auf die internen Steuerungsanforderungen für das Lebensversicherungsgeschäft sind zunächst einmal folgende Besonderheiten zu beachten: - Es handelt sich um langfristiges Geschäft, d. h. je nach Produkt gibt es Laufzeiten von bis zu 80 Jahren und somit ist eine Barwertbetrachtung ist zwingend notwendig. - Die Ergebnisse hängen stark von unsicheren Kapitalmarktentwicklungen ab. - Die Produkte beinhalten Garantien und Überschussbeteiligung, d. h. Schwankungen haben asymmetrische Auswirkungen auf Ergebnisse. Aufgrund der zuletzt genannten Eigenschaft ist eine Bewertung anhand von Erwartungswerten nicht möglich, weil die künftigen Unternehmensergebnisse asymmetrisch verteilt sind. Insbesondere gilt dabei, dass bei guten Kapitalerträgen die Renditen mit den Versicherungsnehmern geteilt werden und dass das Unternehmen den Verlust komplett übernehmen muss, falls die Rendite unter der Garantie bleibt. Dies erfordert eine Bewertung mittels einer stochastischen Hochrechnung, woraus sich bei der Abbildung in einem Modell folgende Probleme ergeben können: - 49 - - Es handelt sich um ein sehr komplexes Modell, da das Lebensversicherungsgeschäft in Deutschland viele Abhängigkeiten zwischen Kapitalanlagen und den Zahlungsströmen für die Produkte aufweist. - Die Ergebnisse reagieren sensibel auf einige der Annahmen. Die Kalibrierung der Modelle ist schwierig, der Vorwurf der Ergebnismanipulation wird teilweise erhoben. Dabei können nicht alle (wohl aber die wesentlichen) Werte und Risikotreiber identifiziert und ihre Auswirkung gemessen werden. Es gibt viele Beispiele, wie der MCEV für die Steuerung eingesetzt wird, wobei nachfolgend einige wichtige Anwendungen aufgelistet sind: - Im Asset Liability Management – beispielsweise bei der Frage, ob sich der Kauf von Absicherungsinstrumenten wie Swaptions lohnt, um Zinsschwankungsrisiken zu reduzieren? - Für die Planung – So ist die Auswirkung einer Senkung der Überschussbeteiligung unwesentlich für ein Jahr; es können sich aber große Auswirkung über mehrere Jahre ergeben. - Bei der Investitionsrechnung – z. B. im Hinblick auf den Aufbau eines neuen Vertriebskanals. - Beim Profit Testing für neue Produkte – Ein neues Produkt soll z. B. bestimmte Optionen und Garantien beinhalten. Welcher Preis ist angemessen? Falls der Preis zu hoch, wie können die Optionen und Garantien reduziert oder anders gestaltet werden? - Bei der Festlegung der Tantieme – Hier können beispielsweise die Ziele der Mitarbeiter im Vertrieb mit den Unternehmenszielen in Einklang gebracht werden. - Als Basis zur Bestimmung der Solvenzanforderungen – Die Veränderung des MCEVs in Stressszenarien (z. B. Zinsschock) ist die Basis für die Bestimmung von Solvenzkapital nach Solvency II. 4.4.2 Lebensversicherung – externe Berichterstattung Versicherungsunternehmen in Deutschland veröffentlichen einen Jahresabschluss nach HGB und/oder IFRS. Dabei spiegeln beide Rechnungslegungssysteme nicht die vollständige Entwicklung des LV-Geschäfts wider. Die Veröffentlichung des MCEV liefert hier zusätzliche Informationen. Für die externen Empfänger dieser Informationen ist dabei die Vergleichbarkeit sehr wichtig, insbesondere - für ein Unternehmen über den Zeitverlauf bzw. - für unterschiedliche Unternehmen. Daraus ergeben sich (nicht nur im Hinblick auf den MCEV) folgende Anforderungen an eine externe Berichterstattung: - 50 - - Vergleichbarkeit – Dies erfordert einheitliche Methoden und die Einhaltung von Standards, insbesondere ein gleiches Vorgehen bei der Festlegung von Annahmen. - Ausführliche Offenlegung – Die Unternehmen müssen ausführliche Informationen zu den Methoden, Annahmen, Ergebnissen offenlegen. Dies ist i. d. R. alles mit einem hohen Aufwand verbunden. So stellt sich immer wieder Frage, ob der Nutzen größer als der Aufwand ist? Es gibt viele Anwendungen für den MCEV im Rahmen der externen Berichterstattung, wobei nachfolgend einige der wichtigsten aufgelistet sind: - Die Unternehmen stellen ihre detaillierten internen MCEV Berichte den Ratingagenturen zur Verfügung, wobei die Entwicklung des MCEV in den Ratinggesprächen besprochen wird. Dies hat zusammen mit dem Risk Management einen Einfluss auf das Rating. - Investmentanalysten haben eigene Modelle für die Bewertung von Unternehmen und nutzen hier auch Ergebnisse aus den MCEV Berechnungen. Die Bewertungen werden mit der Börsenkapitalisierung verglichen. Daraus resultieren dann Kaufoder Verkaufsempfehlungen für die Aktien des Unternehmens. 4.4.3 Schadenversicherung – interne Steuerung & externe Berichterstattung Im Unterschied zum Lebensversicherungsgeschäft ist das Schadenversicherungsgeschäft durch folgende Eigenschaften gekennzeichnet: - In der Schadenvers. werden die meisten wenn nicht alle Verträge jährlich erneuert. - Dabei erfolgt die Risikoexponierung nur für ein Jahr, obwohl die Abwicklung je nach Sparte viele Jahre dauern kann. Wie bereits zuvor erläutert, hat der MCEV in der Schadenversicherung derzeit noch keine große Anwendung gefunden, wobei in Bezug auf eine Anwendung folgende Vorund Nachteile zu bedenken sind: - Bei der Anwendung des MCEV Ansatzes braucht man Annahmen zu den Erneuerungsraten und zu den zukünftigen Beiträgen. Diese sind schwer zu ermitteln und hängen u. a. auch von den Wettbewerbern ab. - Weder vom Management noch von den Externen ist der MCEV allgemein anerkannt. Einfachere KPIs wie die Combined Ratio (d. h. erwarteter abgewickelter Schadenaufwand / Beiträge) reichen für die meisten Anwender aus. - Für die Gruppensteuerung ist die Konsistenz der KPIs über die Sparten (insbesondere die Konsistenz zur Steuerung des Lebensversicherungsgeschäfts) sehr wichtig. - 51 - - Die MCEV Definition passt zu den Anforderungen von Solvency II (siehe dazu auch den eigenen Abschnitt im vorangegangenen Kapitel). Wie in der Lebensversicherung kann der MCEV in der Schadenversicherung für Investitionsrechnungen und für das Asset-Liability-Management verwendet werden. 4.4.4 Zusammenfassung Der MCEV ist für die interne Steuerung von langfristigen LV Geschäften mit Überschussbeteiligung unabdingbar. Er ist zwar nicht perfekt, aber eine von den wichtigen KPIs. Im Hinblick auf die externe Berichterstattung gilt, dass die MCEV Ergebnisse zwar von vielen großen Gruppen veröffentlicht werden, aber die Vergleichbarkeit noch deutlich verbessert werden muss. Abbildung 38: Anwendungsfelder für den MCEV in der Zusammenfassung Auch in der Schadenversicherung ist der MCEV nützlich, aber noch nicht allgemein anerkannt. Zwar haben einige Unternehmen immer wieder Versuche unternommen, hier einen MCEV zu veröffentlichen. Bisher wird dies aber eher „belächelt“ oder ignoriert. 4.5 Definition des Gruppen MCEV und Konsolidierung Nach der derzeitigen Definition des CFO Forums ergibt sich der „Group MCEV“ aus dem MCEV für das Lebensund Krankenversicherungsgeschäft und dem IFRS Eigenkapital für die Schadenversicherung. Die Erneuerung der Bestandsverträge wird dabei in der Schadenversicherung nicht berücksichtigt. - 52 - In den vorangegangenen Kapiteln wurde die Methodik für eine Solo MCEV Berechnung in der Lebensund Schadenversicherung vorgestellt. Worauf muss man zusätzlich achten, wenn man den „Group MCEV“ berechnen will? Dabei muss man insbesondere berücksichtigen, dass Gruppenstrukturen sehr komplex sein können, da es z. B. viele Unternehmen und viele Unternehmensebenen, aber auch Besonderheiten wie Minderheitsaktionäre geben kann. Das Prinzip der Aggregation zum „Group MCEV“ soll daher nachfolgend anhand eines einfachen Beispiels illustriert werden. Abbildung 39: Aggregation zum „Group MCEV“ Wir gehen dabei von folgender Gruppenstruktur aus: - Die Holding hält jeweils eine Beteiligung in einen Schadenversicherer SV 1 und einen Lebensversicherer LV 2. - Der Lebensversicherer LV 2 hat eine 100%ige Lebensversicherungstochter LV 3. Der NAV der Lebensversicherungstochter LV 3 ergibt sich dann ganz einfach aus dem Saldo aus Versicherungstechnik auf der Passivseite und den Kapitalanlagen auf der Aktivseite. In der Bilanz des Lebensversicherers LV 2 ist dann aber der Buchwert von LV 3 ein zusätzlicher Aktivposten in der Bilanz. Somit ergeben sich folgende Beziehungen: Solo NAV LV 3 = EK 3 Solo NAV LV 2 = EK 2 Beim konsolidierten NAV LV2 muss allerdings der Buchwert von LV 3 eliminiert werden, um Doppelzählung zu vermeiden. Die konsolidierten NAVs können nun aggregiert werden, um so den Gruppen NAV zu bestimmen. - 53 - 4.6 Die Auswirkungen der Finanzkrise Die MCEV Principles wurden im Juni 2008 vorgestellt. Im Nachhinein kann man sagen, dass das Timing nicht schlechter hätte sein können – ziemlich am Anfang der Finanzkrise. Bis dahin hatte es gute Fortschritte gegeben – einige Unternehmen hatten eine Marktkonsistent Methodik bereits umgesetzt; andere hatten ihre Bereitschaft, dies auch zu tun, klar signalisiert. Bedingt durch die Finanzkrise sind die Credit Spreads auf Corporate Bonds schnell und deutlich gestiegen – somit sind für einen großen Anteil an den gesamten Kapitalanlagen die Marktwerte entsprechend gesunken. Die Zinsen für Staatsanleihen waren vor der Staatsschuldenkrise gesunken und somit die Kurse gestiegen. Ebenso war die Zinsvolatilität gestiegen, wodurch der Wert von den vielen Optionen und Garantien in den Versicherungsprodukten deutlich angestiegen ist. Flankierend dazu sind die Aktenkurse gefallen. Die Auswirkungen dieser verschiedenen Effekte sollen anhand von zwei Beispielen verdeutlicht werden: Beispiel 1: Laufende Rentenversicherungen in GB Bei britischen Rentenversicherungen zahlt der Versicherungsnehmer einen Einmalbeitrag und bekommt eine konstante lebenslange Rente. Wenn man die Rentenzahlungen mit entsprechenden Corporate Bonds genau matchte, ergab sich bis zur Erhöhung der Credit Spreads kein höheres Risiko (sofern man an dieser Stelle das Langlebigkeitsrisiko ignoriert.) Plötzlich waren die Kapitalanlagen also deutlich weniger wert als die Rentenzahlungen, die mit einer sicheren Zinskurve bewertet wurden, d. h. der Wert der Verpflichtungen und der Kapitalanlagen gingen auseinander. Dies führt zur Einführung von Liquiditätsprämien, da nur ein Teil des Spreads durch Ausfallrisiko gerechtfertigt erscheint. Dabei wird argumentiert, dass die Credit Spreads aus zwei Komponenten bestehen, nämlich - dem Ausfallrisiko und - dem Risiko, dass der Kapitalanleger die Anleihe schnell verkaufen muss. Das Risiko, schnell verkaufen zu müssen, gilt nicht für die Versicherungen. Diese Liquiditätsprämie kann bei der Bewertung der Rentenzahlungen berücksichtigt werden und führt zu einer Reduzierung des Leistungsbarwertes. Beispiel 2: Überschussberechtigtes Geschäft in D Überschussberechtigtes Geschäft ist sehr wichtig in Deutschland und vielen anderen Ländern. Fallende Zinsen und steigende Volatilitäten haben zu einem höheren Wert von Optionen und Garantien und einem sinkenden PVFP geführt. Die Einführung einer Liquiditätsprämie hilft beim PVFP. Um den Wert von FOGs zu reduzieren, hat man entweder die hohe Zinsvolatilität zum Jahresende ignoriert oder gemittelt. - 54 - Dies hat zu einem ziemlichen „Trauerspiel“ geführt, da die Unternehmen unabgestimmt die Methodik geändert und dabei viel Glaubwürdigkeit verspielt haben. Erst im Oktober 2009 wurde die Liquiditätsprämie in die MCEV Principles aufgenommen, wobei die Diskussionen noch nicht abgeschlossen sind. In diesem Zusammenhang wurde die Pflicht zur Anwendung der MCEV Prinzipien ab Ende 2011 aufgehoben. 4.7 Group MCEV gleich Substanzwert? Es stellt sich jetzt die Frage, ob der „Group MCEV“ den Substanzwert eines Versicherungsunternehmens widerspiegelt? Nach der Theorie sollte für den Wert (für die Börsenkapitalisierung eines Unternehmens) folgende Beziehung gelten: Marktkapitalisierung = Substanzwert + Franchise Value = Anzahl der Aktien ∙ Kurswert. Der Franchise Value ist schwierig zu ermitteln; er stellt der Wert des künftigen Neugeschäftes dar. Dieser Wert hängt u. a. von der Einschätzung der Gesamtkonjunktur oder der Unternehmensstrategie ab. In diesem Zusammenhang muss man also empirisch testen, in wieweit der MCEV und Marktkapitalisierung korreliert sind. Im Folgenden werden die veröffentlichten MCEV Ergebnisse für drei (zufällig ausgewählte) internationale Gruppen in dieser Hinsicht genauer betrachtet. Die Ergebnisse liegen dabei getrennt für das deutsche Geschäft und die gesamte Gruppe vor, wobei allerdings nur auf die gesamten Ergebnisse näher eingegangen wird. Abbildung 40: Group MCEV 2008 – 2010 Deutschland und Gesamt - 55 - Die Veröffentlichungen sind i. a. ausführlich und können zwischen 35 und 70 Seiten betragen, wobei die Werte für 2008 allein nicht besonders aussagekräftig sind (die Allianz ist größer als die Generali; diese ist wiederum großer als die Zurich). Viel interessanter sind hier die absolute und die relative Entwicklung über die Zeit. So sind von 2008 auf 2009 Werte gestiegen. Dabei gilt es im ersten Schritt bei der Analyse der Veröffentlichungen, die unterschiedlichen regionalen Schwerpunkte, Anteile beim fondsgebundenen Geschäft, usw. zu verstehen. Auch in der Methodik unterscheiden sich die Gruppen: Die Generali hat zum Beispiel in 2008 eine Liquiditätsprämie angenommen, die Allianz und die Zurich nicht. Abbildung 41: Group MCEV Gesamt vs. Marktkapitalisierung 2008 – 2010 Betrachtet man zunächst die Allianz, dann steigen sowohl für die GEV als auch für das Marktkapital die Werte von 2008 auf 2010. Aber die Verdoppelung beim GEV von 2008 auf 2009 beobachtet man bei der Marktkapitalisierung nicht. Die Werte sind bestenfalls schwach korreliert. - 62 - Alexey Botvinnik, Köln: „1. Da der MCEV unter anderem bei der Bezahlung der Manager und externe Berichterstattung eingesetzt wird, steht unter Umständen das Ergebnis unter einem politischen Risiko innerhalb des Unternehmens. Das könnte auch entsprechende Folgen haben. 2. Es gibt eine ganz gute Analogie aus der Physik. Betrachten wir ein Messgerät, was ein bisschen defekt ist und einen mehr oder weniger stabilen unbekannten Fehler liefert ist (z. B. ein Thermometer, bei dessen Messungen das Ergebnis um c Grad von der Wahrheit abweicht; c ist nicht bekannt, aber konstant). Dieses Messgerät kann man immer noch einsetzen, wenn keine anderen Messgeräte zur Verfügung stehen. Wenn man die sukzessiven Ergebnisse der Messungen voneinander abzieht, so hat man eine ziemlich gute Vorstellung von dem Prozessverlauf. Natürlich nicht von dem Prozessniveau, aber es gibt mehrere Anwendungen, bei denen der Prozessverlauf im Vordergrund steht. Die MCEVBerechnung ist einem ein bisschen defekten Messgerät sehr ähnlich. Bleibt die Berechnung konstant, so hat man eine Ahnung, was mit dem Unternehmen los ist. Das Problem ist, dass gerade in den letzten Jahren an dem Gerät immer wieder geschraubt wurde, so dass die Ergebnisse nicht wirklich miteinander vergleichbar sind. Hier sind wir wieder bei meiner ersten Anmerkung gelandet.“ Claus-Ivo Korth, Köln: „Ich denke, dass die Entwicklung des MCEV sinnvoll ist, da sie einem ein gutes und tiefgehendes Verständnis komplizierter Zusammenhänge der Versicherung verschafft. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass man sich letztendlich immer in einer Entwicklungsphase befindet und die Zahlen sicherlich gute Anhaltspunkte geben können, aber letztendlich Erfahrungen und Gefühle nicht ersetzen können. Hätte man vor der letzten Finanzkrise einen Entwickler gefragt, in welchem Fertigungsgrad sich der MCEV befindet, wäre wohl ein 95% die Antwort gewesen, gerade vor dem Hintergrund, dass die vorangegangen (ebenfalls unerwartete) Finanzkrise nun im Modell Berücksichtigung gefunden hat. Aktuell würde der Entwicklungsstand wohl wieder etwas niedriger eingeschätzt werden. Deswegen kam aus meiner Sicht, die Finanzkrise genau zum richtigen Zeitpunkt, wenn wir daraus lernen, dass jedes Modell immer Schwächen aufweist und wir immer mit dem unerwarteten rechnen sollten, was eben genau aus diesem Grunde nicht im Modell abgebildet ist. Problematisch ist aus meiner Sicht die Anforderung an den MCEV, sowohl für die interne Steuerung als auch für die externe Kommunikation bestehen zu müssen. Hier wird es immer einen Zielkonflikt dahingehend geben, im internen Modell auch ungünstige Entwicklungen frühzeitig erkennen und bewerten zu können, während die Öffentlichkeit doch eher mit guten stabilen Zahlen beglückt werden soll.“ - 63 - Literaturverzeichnis [1] Bingham, Russell E. (2004): Value Creation in Insurance - A Finance Perspective. Online: http://www.casact.org/pubs/proceed/proceed04/04085.pdf (Stand: 24.02.2012) [2] CFO-Forum (2008): MCEV Principles. 2008. Online: http://www.cfoforum.nl/downloads/MCEV_Principles_and_Guidance_October_2009.pdf (Stand: 24.02.2012) [3] Kortebein, Christian et. al. / DAV-Arbeitsgruppe Interne Risikomodelle (Hrsg.) (2008): Interne Risikomodelle in der Schaden-/Unfallversicherung. Schriftenreihe Versicherungsund Finanzmathematik, Band 35, Verlag Versicherungswirtschaft GmbH Karlsruhe. [4] DAV-Hinweis „Best Estimate in der Lebensversicherung“ [5] Kalberer, Tigran (2006): Market consistent valuation of insurance liabilities. In: Der Aktuar 12 (2006) Heft 1, 7-14. [6] Leigh, Julian: Fair Value Accounting, Implications for General Insurers. Online: http://www.sias.org.uk/data/papers/FairValueAccounting/DownloadPDF (Stand: 24.02.2012) [7] Panning, William, H. (2006): Managing the Invisible: Measuring Risk, Managing Capital, Maximizing Value. Vorgestellt auf dem CAS/SOA/PRMIA Enterprise Risk Management Symposium 4/2006. Online: http://www.actuarialfoundation.org/pdf/PanningSept06.pdf (Stand: 24.02.2012) [8] Hancock, J., Huber, P., Koch, P. (2002): Management des Unternehmenswertes. So schaffen Versicherer Shareholder-Value. In: Swiss Re-Technical Publishing, Property & Casualty. Zürich 2002. [9] Wagner, Thorsten / Reich, Hanno: “Market Consistent Embedded Value – Ist diesmal der große Wurf gelungen?” in Versicherungswirtschaft, Heft 16/2008, S. 1356 – 1360. [10] Van Beek, Tobias (2010): Embedded Value in der Schadenversicherung am fiktiven Beispiel der Feldafinger Brandkasse 2010. Bachelor-Thesis vorgelegt am Institut für Versicherungswesen, Fachhochschule Köln, 2010. [11] Diers, Elling / Kraus, Reuss: Market Consistent Embedded Value in Non-Life Insurance: How to measure it and Why. Universität Ulm. [12] DAV-Arbeitsgruppe EV Sach: Embedded Value in der Schadenversicherung. Bericht an den Ausschuss Schadenversicherung DAV. Stand 16. September 2010. - 64 - Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Traditioneller Embedded Value (entnommen aus [12]). .......................................... 4 Abbildung 2: Movement Analyse (entnommen aus [12]). .................................................................. 5 Abbildung 3: Bewertung mittels traditionellem Embedded Value - Konzept und Einsatz ..... 7 Abbildung 4: Struktur eines Projektionsmodells für die Passivseite ............................................... 8 Abbildung 5: Jahresüberschussverlauf und Bildung des PVFP ......................................................... 9 Abbildung 6: Definition des traditionellen Embedded Value .........................................................10 Abbildung 7: Traditioneller EV aus einer Veröffentlichung in 2004 ..............................................10 Abbildung 8: Entwicklung von risikofreien Zinsen, Gesamtverzinsung und Garantien .........11 Abbildung 9: Reine Passivmodelle bilden nur einen Teil der Bilanz ab .......................................12 Abbildung 10: Vergleich von traditionellem EV, EEV und MCEV ....................................................12 Abbildung 11: Definition des MCEV .........................................................................................................14 Abbildung 12: Zeitwert der Garantien und Optionen (TV G&O) ....................................................15 Abbildung 13: Abbildung zum Beispiel ..................................................................................................16 Abbildung 14: Messung i. a. relativ zu einem Volumenmaß ............................................................18 Abbildung 15: Profitabilität der einzelnen Produktgruppen als Basis für VBM .........................19 Abbildung 16: Sensitivitäten des EEV aus einer Veröffentlichung in 2004 .................................19 Abbildung 17: Renewals in der Schadenversicherung. .....................................................................22 Abbildung 18: Komponenten des MCEV. ...............................................................................................23 Abbildung 19: HGB Projektionen. .............................................................................................................24 Abbildung 20: HGB Bilanz in t = 0. ............................................................................................................26 Abbildung 21: IFRS Bilanz in t=0. ..............................................................................................................27 Abbildung 22: Verlauf der Jahresüberschüsse der Feldafinger Brandkasse. ..............................27 Abbildung 23: MCEV Bilanz in t = 0. .........................................................................................................28 Abbildung 24: Zusätzlicher Beitrag der „Experience Variances“. ..................................................32 Abbildung 25: Zusätzlicher Beitrag durch „Economic Variances“. .................................................33 Abbildung 26: Zusätzlicher Beitrag durch Neugeschäft. .................................................................34 Abbildung 27: Movementanalyse für ein festes Simulationsszenario. .........................................35 Abbildung 28: Ökonomische Bilanz zu Periodenbeginn. .................................................................37 Abbildung 29: MCEV Bilanz zu Periodenbeginn. .................................................................................37 Abbildung 30: Vergleich der Unternehmenswertmodelle. ..............................................................38 Abbildung 31: Vorgehensweise bei internen Modellen in der Schadenversicherung. ..........40 Abbildung 32: Ergebnis einer einzelnen Simulation für das ökonomische Kapital in t=1.....40 Abbildung 33: Ergebnis einer einzelnen Simulation für den MCEV ohne Renewals in t=1...41 - 65 - Abbildung 34: Eigenschaften eines guten Key Performance Indikator .......................................45 Abbildung 35: Evolution von der volumenbasierten zur wertbasierten Steuerung ...............46 Abbildung 36: Economic Value Addend vs. Veränderung des MCEV ...........................................47 Abbildung 37: Anwendungsfelder für den MCEV ...............................................................................48 Abbildung 38: Anwendungsfelder für den MCEV in der Zusammenfassung ............................51 Abbildung 39: Aggregation zum „Group MCEV“ .................................................................................52 Abbildung 40: Group MCEV 2008 – 2010 Deutschland und Gesamt ............................................54 Abbildung 41: Group MCEV Gesamt vs. Marktkapitalisierung 2008 – 2010 ...............................55 Abbildung 42: Group MCEV Gesamt vs. Marktkapitalisierung 2008 – 2010 ...............................56 Abbildung 43: Group MCEV Gesamt vs. Marktkapitalisierung 2008 – 2010 ...............................56 - 66 - Abkürzungsverzeichnis AG Aktiengesellschaft ANAV Adjusted Net Asset Value APE Annual Premium Equivalent a. o. außerordentlich BE Best Estimate BSCR Base Solvency Capital Required Bsp. Beispiel BW Buchwert Bzgl. Bezüglich bzw. beziehungsweise CAS Casual Actuary Society CE Certainty Equivalent CFO Chief Financial Officer CoC Cost of Capital Contrib. Contribution CoRC Cost of Required Capital CNHR Cost of Non-Hedgeable Risks CRNHR Cost of Residual Non-Hedgeable Risks D Deutschland DAV Deutsche Aktuarvereinigung Dec. December Determin. deterministisch d. h. Das heißt Dr. Doktor € Euro Econom. Var. Economic Variances EEV European Embedded Value EK Eigenkapital Etc. Et cetera EUR Euro - 67 - EV Embedded Value e. V. Eingetragener Verein EVA2 Economic Value Added Exist. Bus. Existing Business Exper. Var. Experience Variances Ext. extern FaRis Forschungsstelle aktuarielle Modelle & Methoden im Risikomanagement FC Frictional Costs f / ff folgende / fort folgende FH Fachhochschule FOG Financial Options & Guarantees FS Free Surplus FV Fair Value GB Großbritannien GEV Group Embedded Value Ggfs., ggf. gegebenenfalls GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung GuV Gewinnund Verlustrechnung HDI Haftpflichtverband der Deutschen Industrie HGB Handelsgesetzbuch Hrsg. Herausgeber i. a. Im allgemeinen i. d. R. In der Regel IFRS International Financial Reporting Standards Incl., inkl. Inclusive, inklusiv Int. intern ISBN International Standard Book Number ISSN International Standard Serial Number IVW Institut für Versicherungswesen JÜ Jahresüberschuss 2 EVA ist ein eingetragenes Warenzeichen der Unternehmensberatungsgesellschaft Stern Stewart & Co. - 68 - KA Kapitalanlagen Kap. Kapital Kfz Kraftfahrtzeug KPI Key Performance Indicator KV Krankenversicherung Look Th. Look Through LV Lebensversicherung LVU Lebensversicherungsunternehmen M, m., Mio. Million MCEV Market Consistent Embedded Value MindZV Mindestzuführungsverordnung Mrd. Milliarde M&A Mergers & Acquistions NAV Net Asset Value NBV New Business Value New Bus. New Business NGW Neugeschäftswert NVT Nicht-Versicherungstechnik OP Operational Prem Premium PRMIA Professional Risk Manager’s International Association Prof. Professor PV Present Value PVFP Present Value of Future Profits QIS Quantitative Impact Study RAROC Risk Adjusted Return on Capital RC Required Capital Rdr Risikodiskontrate RfB Rückstellung für Beitragsrückerstattung ROC Return on Capital RoRac Return on Risk Adjusted Capital - 69 - S. Seite SA Sonderausschüttung SCR Solvency Capital Required SHE Shareholder’s Equity SOA Society of Actuaries Stochast. Stochastisch SV Schadenversicherung SVU Schadenversicherungsunternehmen T, t=0, t=1 Bewertungszeitpunkte 0 und 1 TEV Traditioneller Embedded Value Tsd. Tausend TVOG, TV G&O Time Value of Options and Guarantees u. a. Unter anderem US United States USD US Dollar U. U. Unter Umständen v. a. Vor anderem VIF Value in Force Verzins. Verzinsung VN Versicherungsnehmer vs. versus VT Versicherungstechnik, versicherungstechnisch VU Versicherungsunternehmen WOS Wertorientierte Steuerung www World Wide Web z. B. zum Beispiel ZFS Zurich Financial Services Zzgl. zuzüglich Kontakt/Impressum Diese Veröffentlichung erscheint im Rahmen der OnlinePublikationsreihe „Forschung am IVW Köln“ . Alle Veröffentlichungen dieser Reihe können unter www.ivw-koeln.de oder unter http://opus.bsz-bw.de/fhk/index.php?la=de abgerufen werden. Eine weitere Publikationsreihe ist die Schriftenreihe des Instituts für Versicherungswesen der Fachhochschule Köln . Herausgeber: Verein der Förderer des Instituts für Versicherungswesen an der Fachhochschule Köln e. V. Die Schriftenreihe kann über den Verlag Versicherungswirtschaft bezogen werden (http://www.vvw.de/). Eine Übersicht aller Hefte der Schriftenreihe kann auch unter folgender Adresse abgerufen werden: http://www.f04.fh-koeln.de/fakultaet/institute/ivw/informationen/publikationen/00366/index.html Köln, Februar 2012 Herausgeber / Editorship: Prof. Dr. Reimers-Rawcliffe Prof. Dr. Peter Schimikowski Prof. Dr. Jürgen Strobel Institut für Versicherungswesen / Institute for Insurance Studies Fakultät für Wirtschaftswissenschaften / Faculty of Economics and Business Administration Fachhochschule Köln / Cologne University of Applied Sciences Web www.ivw-koeln.de Schriftleitung / Contact editor’s office: Prof. Dr. Jürgen Strobel Tel. +49 221 8275-3270 Fax +49 221 8275-3277 Mail [email protected] Institut für Versicherungswesen / Institute for Insurance Studies Fakultät für Wirtschaftswissenschaften / Faculty of Economics and Business Administration Fachhochschule Köln / Cologne University of Applied Sciences Gustav Heinemann-Ufer 54 50968 Köln Kontakt Autor / Contact author: Prof. Dr. Maria Heep-Altiner Institut für Versicherungswesen / Institute for Insurance Studies Fakultät für Wirtschaftswissenschaften / Faculty of Economics and Business Administration Fachhochschule Köln / Cologne University of Applied Sciences Gustav Heinemann-Ufer 54 50968 Köln Tel. +49 221 8275-3449 Fax +49 221 8275-3277 Mail [email protected] ISSN (online) 2192-8479