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NFDI4Memory Zielgruppenanalyse: Personaentwicklung zur Identifikation des Nutzer:innenverhaltens in Bezug auf Open Educational Resources

Döring, Laura; Urbaum, Dorothee; Weber, Christiane; Lemaire, Marina; Büdenbender, Stefan; Benz, Jacob

Abstract

Personae sind beschreibende Modelle, die helfen, Nutzer:innen und ihre Bedürfnisse besser zu verstehen. Sie erfassen Denk‑ und Verhaltensweisen, Motivationen und Ziele bestimmter Gruppen und berücksichtigen neben demografischen auch emotionale Merkmale. Im Rahmen der Arbeiten der Task Area Data Literacy des NFDI4Memory-Konsortiums, in Kooperation mit dem Datenkompetenzzentrum HERMES wurden sechs Personae entwickelt: Archivar:innen, Bibliothekar:innen, Studierende, Postdoktorand:innen, Professor:innen und Data Stewards. Die Personae dienen dazu, das Nutzungs‑ und Ersteller:innenverhalten für Open Educational Resources (OER) besser zu verstehen. Damit liefern sie wertvolle Erkenntnisse für die Entwicklung und Bereitstellung von Lern‑ und Lehrmaterialien.

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4memory Working Paper Series Nr.4 Laura Döring, Dorothee Urbaum, Christiane Weber, Marina Lemaire, Stefan Büdenbender, Jacob Benz NFDI4Memory Zielgruppenanalyse Personaentwicklung zur Identifikation des Nutzer:innenverhaltens in Bezug auf Open Educational Resources DOI: 10.5281/zenodo.15681427 Autor:innenliste: Auflistung der Autor:innen (gemäß Credit-Taxonomie) inkl. ORCID Laura Döring | Conceptualization, Data curation, Validation, Writing – original draft, Writing – review & editing | ORCID: 0009-0001-7129-2018 Dorothee Urbaum | Methodology, Visualization, Writing – original draft, Writing – review & editing | ORCID: 0009-0003-5711-6303 Christiane Weber | Writing – original draft, Writing – review & editing | ORCID: 0000-00015446-8707 Marina Lemaire | Writing – original draft, Writing – review & editing | ORCID: 0000-0003-47262481 Stefan Büdenbender | Visualization, Writing – review & editing | ORCID: 0000-0002-0478-0396 Jacob Benz | Writing – original draft, Writing – review & editing | ORCID: 0009-0004-03074838 im Namen des NFDI4Memory-Konsortiums. Zusammenfassung Personae sind beschreibende Modelle, die helfen, Nutzer:innen und ihre Bedürfnisse besser zu verstehen. Sie erfassen Denk‑ und Verhaltensweisen, Motivationen und Ziele bestimmter Gruppen und berücksichtigen neben demografischen auch emotionale Merkmale. Im Rahmen der Arbeiten der Task Area Data Literacy des NFDI4Memory-Konsortiums 1 in Kooperation mit dem Datenkompetenzzentrum HERMES wurden sechs Personae entwickelt: Archivar:innen, Bibliothekar:innen, Studierende, Postdoktorand:innen, Professor:innen und Data Stewards. Die Personae dienen dazu, das Nutzungs‑ und Ersteller:innenverhalten für Open Educational Resources (OER) besser zu verstehen. Damit liefern sie wertvolle Erkenntnisse für die Entwicklung und Bereitstellung von Lern‑ und Lehrmaterialien. 1 Weitere Personae wurden innerhalb des NFDI4Memory-Konsortiums entwickelt und ergänzen die hier aufgeführten Beispiele (Grallert u. a. 2025) Danksagung Diese Arbeit ist im Rahmen des NFDI-Konsortiums 4Memory entstanden (www.4memory.de). Wir danken der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die finanzielle Unterstützung – Projektnummer 50 1609550. Die Ausarbeitung fand in Kooperation mit dem Datenkompetenzzentrum HERMES statt. Förderer/Auftraggeber: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt FKZ: 16DKZ2009 Inhaltsverzeichnis Einleitung .............................................................................................................................. 1 Personae als Modell zur Nutzer:innenanalyse ....................................................................... 1 Festlegung demografischer Merkmale .............................................................................. 2 Identifikation Konsumund Ersteller:innenverhalten.......................................................... 2 Festlegung psychografischer Merkmale ............................................................................ 3 NFDI4Memory Personae ....................................................................................................... 3 Persona Archivar:in........................................................................................................... 4 Ausführliche Beschreibung ........................................................................................... 4 Zusammenfassung Beschreibung ................................................................................ 6 Persona Bibliothkar:in ....................................................................................................... 7 Ausführliche Beschreibung ........................................................................................... 7 Zusammenfassung Beschreibung ................................................................................ 9 Persona Data Steward .....................................................................................................10 Ausführliche Beschreibung ..........................................................................................10 Zusammenfassung Beschreibung ...............................................................................12 Persona Postdoktorand:in ................................................................................................13 Ausführliche Beschreibung ..........................................................................................13 Zusammenfassung Beschreibung ...............................................................................16 Persona Professor:in .......................................................................................................17 Ausführliche Beschreibung ..........................................................................................17 Zusammenfassung Beschreibung ...............................................................................20 Persona Student:in im Bachelor .......................................................................................21 Ausführliche Beschreibung ..........................................................................................21 Zusammenfassung Beschreibung ...............................................................................23 Literaturverzeichnis ..............................................................................................................24 Einleitung 1 Einleitung Lehrund Lernmaterialien müssen sich an den Bedürfnissen derjenigen orientieren, die sie nutzen. Dabei ist es wichtig zu verstehen, was Studierende, Data Stewards, Bibliothekar:innen, Archivar:innen, PostDocs und Professor:innen – insbesondere in den historisch arbeitenden Disziplinen – für den Erwerb und die Vermittlung von Datenkompetenzen benötigen. Mithilfe von Personae sollen die Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen im Umgang mit Open Educational Resources (OER) systematisch analysiert werden, um darauf aufbauend passgenaue Angebote zu entwickeln. Personae als Modell zur Nutzer:innenanalyse Personae sind modellhafte Darstellungen von Nutzer:innen, die dazu dienen, die Denkweise, das Verhalten sowie die Motivation und Ziele einer spezifischen Gruppe möglichst genau abzubilden. Neben den offensichtlichen Merkmalen soll das Modell helfen, die emotionale Ebene der Nutzer:innen zu verstehen. Um diese Ziele zu erreichen, wurden Charakterprofile entwickelt, die Personen mit vergleichbaren Eigenschaften in Gruppen zusammenfassen und stellvertretend für sie stehen (Lepzien u. a. 1999). Orientiert wurde sich an der Ausarbeitung „Zielgruppenanalyse für Open Educational Resources (OER) – Eine Handreichung zur Erstellung von Personae“ (Urbaum und Werner 2024). Zur Festlegung der Merkmale und Eigenschaften der Personae wurden die Ergebnisse der NFDI4Memory Data Literacy-Bedarfserhebung (Döring u. a. 2024) als Grundlage herangezogen. Sowohl die erhobenen demografischen Merkmale (Statusgruppe, Institutionszugehörigkeit, Fachbereich) als auch die Ergebnisse der zwölf Kategorien, die in Form einer Selbsteinschätzung von den Teilnehmenden abgefragt wurden, dienten als Ausgangspunkte für die Ausgestaltung. Auf Basis dieser Daten wurden die fiktiven Personae entwickelt und um ebenso fiktive, aber plausible Lebenssituationen ergänzt, um eine emotionale Identifikation mit den jeweiligen Herausforderungen und Bedarfen zu ermöglichen. Personae als Modell zur Nutzer:innenanalyse 2 Festlegung demografischer Merkmale Personae lassen sich in unterschiedlichem Detaillierungsgrad gestalten, von einfachen Profilen bis hin zu umfassenden Charakterbeschreibungen. Um eine bessere Vergleichbarkeit zu gewährleisten, ist es entscheidend, sich an klar definierten Merkmalen zu orientieren. Folgende wurden für die Konzeption der Personae berücksichtigt: ● Name (genderneutral) ● Alter ● Beruf ● Aufgabe ● Erfahrung ● Frustration ● Technische Fähigkeit ● Kontextfaktoren ● Interaktion ● Hobbys Identifikation Konsumund Ersteller:innenverhalten In einem zweiten Schritt ist es notwendig das Konsumund Ersteller:innenverhalten pro Persona zu identifizieren. Für die Arbeitspakete der Task Area Data Literacy war es entscheidend, zu analysieren, wie verschiedene Gruppen an das Thema OER herangehen und welche generelle Offenheit sie gegenüber deren Nutzung und Verbreitung zeigen. Einige exemplarische Fragestellungen sind: ● Warum suchen die Nutzer:innen nach OER? ● Warum erstellen Nutzer:innen OER? ● Welche Art von OER werden gesucht und erstellt? ● Wie bindet man Nutzer:innen an das eigene Angebot? ● Wie lässt sich eine persönliche Weiterempfehlung initiieren? NFDI4Memory Personae 3 Festlegung psychografischer Merkmale Der dritte und letzte Schritt umfasst die Einbindung von psychografischen Merkmalen. Welche Bedürfnisse und Werte haben die einzelnen Gruppen und wie können diese bestmöglich motiviert werden? Diese Angaben sollen Aufschluss darüber geben, was das „Endprodukt“, in diesem Kontext die Erstellung/Bereitstellung von OER, erfüllen muss, um die Nutzer:innen zufriedenzustellen. Fragestellungen waren u. a.: ● Welche Rolle spielen Suchmaschinen? ● Wie viel Zeit kann die Person in Suche und Erstellung investieren? ● Wie wichtig ist der Fachbezug? ● Welche Form/Art der Ansprache bevorzugen die Nutzer:innen? NFDI4Memory Personae Es wurden insgesamt sechs Personae entwickelt: Archivar:innen, Bibliothekar:innen, Studierende, Postdoktorand:innen, Professor:innen und Data Stewards. Um ein möglichst vielfältiges Publikum anzusprechen, wurden statt realer Abbildungen KI-generierte grafische Zeichnungen eingesetzt, um die Personae auch visuell erfahrbarer zu machen. Jede Persona besteht aus einer grafischen Darstellung, einer ausführlichen Beschreibung und einer kompakten Zusammenfassung. NFDI4Memory Personae 4 Persona Archivar:in Ausführliche Beschreibung Sam Bauer ist 41 Jahre alt und arbeitet in einem Stadtarchiv in einer Kleinstadt. Die Leidenschaft für Bücher, Geschichte und Ordnung hat sich schon als Kind bemerkbar gemacht. Aus diesem Grund fiel die Entscheidung leicht, nach dem Abitur Geschichte zu studieren und danach die Ausbildung zur Archivar:in zu beginnen. Sam berät Behörden bei der Übergabe ihrer Unterlagen ins Archiv, entscheidet, welche Dokumente archivwürdig sind und bereitet diese für den Katalog auf, sodass sie für die Öffentlichkeit auffindbar sind. Sam ist die Erschließung der Bestände besonders wichtig, um eine effiziente Recherche im Archivkatalog zu ermöglichen. Wenn es die Zeit zulässt, werden auch alte Bestandsdaten mit Freude aktualisiert. Sam berät zudem Benutzer:innen bei der Arbeit mit den Archivalien. Außerdem sorgt Sam durch konservierende Maßnahmen für den Erhalt der Dokumente und beteiligt sich aktiv an Ausstellungen, Führungen und Vorträgen. Sam arbeitet bereits seit mehreren Jahren im Archiv und ist überwiegend immer noch sehr begeistert. Aufgrund der langjährigen Erfahrung ist Sam DIE Ansprechperson im Archiv, wenn es um die Bereitstellung und Zugänglichkeit der Daten geht. Sam bietet regelmäßig Kurse auf ganz unterschiedlichen Niveaus an. Zum einen lehrt Sam regelmäßig in einem ca. dreistündigen Workshop die Grundlagen der Archivarbeit. Dabei sollen grundlegende Konzepte und Praktiken der Archivarbeit aufgezeigt und die praktische Fähigkeit zur Nutzung von Archiven gezeigt werden. Der Workshop richtet sich vor allem an Studierende, aber auch an neue Archivmitarbeitende oder interessierte Lai:innen, wie z. B. Heimatoder Ahnenforschende. Viel lieber würde Sam aber bei den Workshops in die Tiefe gehen. Umso glücklicher ist Sam darüber, dass erstmals ein Tagesworkshop mit dem Thema „Digitale Erschließung von Archivbeständen” probeweise angeboten werden soll. Hauptpunkte sollen die Vertiefung der Methode zur Datenerschließung mit digitalen Werkzeugen und unterschiedliche Erschließungsstandards sein, um den Mehrwert für eine effiziente Datenverarbeitung und -bereitstellung aufzuzeigen. Aufgrund der doch eher ländlichen Lage der Kleinstadt ohne größere Universität oder Hochschule in der Nähe, soll der Workshop online angeboten werden. NFDI4Memory Personae 5 Frustration und Probleme: Zwar freut sich Sam auf die neue Aufgabe, da so eine Art von Workshop intern noch nie gehalten wurde und Sam alleinverantwortlich für die Umsetzung ist. Auf der anderen Seite wird händeringend nach Lehrmaterial gesucht, welches zur Nachnutzung verwendet werden kann. Da der Workshoptermin aufgrund von anderen Verpflichtungen sehr kurzfristig angesetzt wurde, hat Sam keine Zeit sich intensiv Gedanken zu machen, um ein komplett eigenes Konzept zu entwickeln. Der Druck ist also hoch, in relativ kurzer Zeit qualitativ hochwertige Unterlagen zu finden. Prinzipiell gefällt Sam der Gedanke, selbst ein Konzept zu erstellen und dieses später zu teilen, aber der Zeitdruck lässt dies momentan nicht zu. Obwohl Sam sich sehr kompetent im Recherchieren und Auffinden von Materialien einschätzt, empfindet Sam die gefundenen Plattformen als zu unübersichtlich. Bei der Suche nach spezifischen Materialien wurden Sam Ergebnisse angezeigt, die nicht den Suchkriterien entsprachen. Verschiedene Plattformen zeigen gleiche Inhalte, die aber mit anderen Metadaten beschrieben wurden, sodass Sam nicht weiß, welcher Plattform vertraut werden kann. Technische Fähigkeiten: Sam hat sich über die Jahre grundlegende technische Fähigkeiten angeeignet (versierter Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen wie Word). Auch würde sich Sam als recht kompetent einschätzen, wenn es um den Umgang mit der internen Archivsoftware geht. Für komplexere Aufgaben sind jedoch spezialisierte ITFachkräfte zuständig, die das Archiv bei Bedarf extern beauftragen muss. Umgebung: Sam arbeitet in einem denkmalgeschützten Gebäude, welches zuletzt in den 1990er Jahren saniert wurde. Zwar wurden in letzter Zeit kleinere Reparaturen durchgeführt, dennoch kann man nicht von einem modernen Arbeitsplatz sprechen. Sam teilt sich das Büro mit einer Kolleg:in. Da der Raum nur sehr kleine Fenster hat, muss die grelle Deckenbeleuchtung rund um die Uhr an sein. Beim nächsten Einkauf in einem Möbelgeschäft muss Sam daran denken, eine Lampe für das Büro zu kaufen. Interaktion: Sam arbeitet gerne im Austausch mit Kolleg:innen, die ebenfalls an der historischen und archivischen Arbeit interessiert sind. Während Sam die Diskussion über historische Daten schätzt, bevorzugt Sam ruhige, fokussierte Arbeitszeiten ohne ständige Unterbrechungen. Umso lieber liest Sam Threads in Foren durch und kommentiert gerne auch mal etwas. Die Teilnahme an fachlichen Workshops und Konferenzen bietet eine willkommene Gelegenheit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und von deren Erfahrungen zu lernen. Doch aufgrund des geringen Budgets sind vor allem Online-Formate interessant. NFDI4Memory Personae 12 Zusammenfassung Beschreibung Name: Levi Schmitt Alter: 39 Jahre Beruf: Data Steward in einer Universitätsbibliothek Aufgaben: Erhebung, Speicherung, Strukturierung und Dokumentation von Forschungsdaten; Unterstützung wissenschaftlicher Arbeitsgruppen Erfahrung: Umfassende Kenntnisse im Datenmanagement Frustrationen: Herausforderungen bei komplexen technischen Anforderungen, Zeitdruck, fehlende Ressourcen zur Fortbildung Technische Fähigkeiten: Fortgeschrittene Kenntnisse in Datenbankverwaltung, SQL, Python; Automatisierung von Datenverarbeitungsprozessen; Wissenslücken bei spezifischen Metadaten-Standards Kontextfaktoren: Dynamisches, forschungsnahes Umfeld; enge Zusammenarbeit mit Wissenschaftler:innen und Expert:innen Interaktion: Regelmäßiger Austausch mit Forschenden und Kolleg:innen; aktives Netzwerken; zurückhaltend bei der Veröffentlichung eigener Lehrmaterialien Hobbys: Erstellung privater Datenbanken; regelmäßige Teilnahme an Kneipen-QuizNächten mit der Gruppe „Die Syntax-Sherlocks" NFDI4Memory Personae 13 Persona Postdoktorand:in Ausführliche Beschreibung Dr. Mischa Berts ist 39 Jahre alt, Postdoc und arbeitet an der Alexander-von-BehringsdorfStiftung, einer außeruniversitären Forschungseinrichtung (AUF), als wissenschaftliche Mitarbeiter:in in einem Projekt, das sich mit der Geschichte Ostmitteleuropas im 20. Jahrhundert befasst. Die Hauptaufgabe liegt in der Archivarbeit. Da nur sehr wenige Quellen digital verfügbar sind, ist Mischa oft quer durch Europa mit dem Zug unterwegs, um in Archiven Quellen zu sichten und diese zu digitalisieren. Ganz wichtig dabei ist Mischas Smartphone, mit dem Bilder gemacht werden, falls vor Ort kein Scanner verfügbar ist. Auf dem Rückweg beginnt Mischa bereits die Fotos zu sichten. Mischa hat versucht, OCRund HTR-Software als Teil eines Transkriptionstools zu verwenden, diese war jedoch bei älteren Druckschriften und insbesondere Handschriften so fehlerhaft, dass es mehr Arbeit war, die Fehler zu bereinigen, als einfach direkt selbst zu transkribieren. Andere Funktionen des Tools hat Mischa jedoch sehr zu schätzen gelernt, wie bspw. die automatische Zeilenerkennung oder die mehrspaltige Ansicht mit parallel laufendem Faksimile und dem zugehörigen Transkriptionstext. Frustration und Probleme: Hohe Einarbeitungszeit und unzureichendes Vertrauen in gängige OCR-Tools schrecken Mischa ab. Mischa kämpft oft mit dem Druck, umfangreiche Archivbestände zu sichten, Reisen und die anschließende Datenaufbereitung innerhalb kurzer Zeit zu bewältigen. Dabei noch digitale Tools im Detail zu erlernen oder z. B. mit manuellem Training die Texterkennung des Transkriptionstools zu verbessern überfordert die zur Verfügung stehenden Ressourcen. Denn Mischa muss außerdem noch Workshops mit dem Schwerpunkt der Dokumenterschließung mit digitalen Tools anbieten, weil bekannt ist, dass Mischa solche Tools nutzt. Dies führt nun jedoch zu zusätzlichem Stress, da Mischa bisher nur ausgewählte und leicht zu nutzende Features dieser Tools selbst verwendet hat, sich jedoch absolut nicht in der Lage fühlt, diese Programme als Gesamtes verständlich zu erklären und insbesondere im Zweifel auf Detailfragen antworten zu können. NFDI4Memory Personae 14 Gefühle, Einstellungen und Erwartungen: Mischa ist begeistert von der eigenen Arbeit und empfindet eine tiefe Leidenschaft für die Geschichte Ostmitteleuropas. Die ständigen Reisen und die damit verbundenen Entdeckungen in Archiven gaben Mischa das Gefühl, in eine fremde Welt einzutauchen. Seit drei Monaten ist Mischa ein stolzes Elternteil. Gerade jetzt, wo nicht mehr viel Zeit für Reisen ist, setzt sehr deutlich eine hohe Frustration darüber ein, dass viele Quellen nicht digitalisiert sind. Die Reisen, die früher so leicht und aufregend waren, sind jetzt nur noch lästig. Dies führte dazu, dass Mischa erstmal keine neuen Quellen sichtet, sondern die bereits gefundenen Dokumente abschließend transkribieren und erschließen will. Dafür möchte Mischa sich noch einmal mit den erweiterten Features von Tools zur Unterstützung bei der Transkription und Verwaltung von Dokumenten auseinandersetzen, auch um dieses Wissen in den geforderten Seminaren weitergeben zu können. Umgebung: Das Büro teilt Mischa sich mit drei Kolleg:innen, da Mischa die meiste Zeit auf Reisen oder im Home Office verbringt, macht Mischa das nichts aus. Aus diesem Grund ist die Einrichtung im Büro eher einfach: Ein großer Schreibtisch, Regale voller Bücher und Dokumente sowie ein Laptop. Mischa hat sich an das Leben aus dem Koffer gewöhnt und die Zugfahrten sind oft die produktivsten Stunden des Tages. Aufgrund der neuen Lebenssituation arbeitet Mischa meistens abends, oft auch noch bis 12 oder 1 Uhr. Da das Arbeitszimmer in ein Kinderzimmer umfunktioniert wurde, fehlt Mischa gerade ein gesonderter Arbeitsplatz. Die meiste Zeit sitzt Mischa am Küchentisch oder im Sommer draußen auf der Terrasse. Technische Fähigkeiten: Mischa ist technisch affin, was Laptop (Office-Programme) und Smartphone betrifft. Allerdings sind die Fähigkeiten in Bezug auf fortgeschrittene digitale Tools, insbesondere OCR-Software, oder digitale Methoden begrenzt. Sowohl externe (Richtlinien der AUF) als auch interne (mehr Zeit mit der Familie verbringen) Faktoren haben dazu geführt, dass die Offenheit gegenüber IT-Praktiken gewachsen ist. Kontextfaktoren: Die AUF fördert die Nutzung digitaler Tools und möchte sich in Richtung Open Sciences öffnen. Um das nach außen zu tragen und andere Personen zu inspirieren, soll Mischa künftig vermehrt Workshops mit einem digitalen Schwerpunkt anbieten. Interaktion: Mischa arbeitet oft in Kooperation mit anderen Historiker:innen, die ebenfalls an Projekten zur Geschichte Ostmitteleuropas arbeiten. Während Mischa die primäre Verantwortung für die Archivarbeit und Datensammlung übernimmt, sind andere im Team stärker in die Datenanalyse und -aufbereitung eingebunden. Es gibt regelmäßige Abstimmungen, um sicherzustellen, dass die gesammelten Daten für die gemeinsame Arbeit NFDI4Memory Personae 15 nutzbar sind. Mischa bevorzugt dabei den persönlichen Austausch und die manuelle Kontrolle über die Daten, um Fehler zu vermeiden, die durch zu stark automatisierte Prozesse ohne menschliche Interaktion entstehen könnten. Hobbys: Mischa hat eine beeindruckende Sammlung von Briefmarken aus Ostmitteleuropa, die nicht nur historische Relevanz haben, sondern auch akribisch nach Themen wie „Eisenbahnen“ oder „Revolutionen“ sortiert sind. Jetzt wo Mischa ein Kind hat, ist das Interesse an Ahnenforschung entfacht. Mischa ist besessen von der Idee, die eigene Familiengeschichte bis ins kleinste Detail zurückzuverfolgen und hat dabei bereits mehrere Generationen bis zu einem vermeintlichen Adligen im 18 Jahrhundert zurückverfolgt. NFDI4Memory Personae 16 Zusammenfassung Beschreibung Name: Dr. Mischa Berts Alter: 39 Jahre Beruf: wissenschaftliche:r Mitarbeiter:in an der Alexander-von-Behringsdorf-Stiftung (Außeruniversitäre Forschungseinrichtung) Aufgaben: Archivarbeit, Sichtung und Digitalisierung von Quellen zur Geschichte Ostmitteleuropas im 20. Jahrhundert; Durchführung von Workshops mit digitalem Schwerpunkt Arbeitsweise: Häufige Reisen durch Europa zur Archivrecherche; Nutzung von Smartphone und Laptop für digitale Archivierung und Datenaufbereitung; Arbeitet oft im Home Office oder unterwegs Frustrationen: Hoher Zeitdruck bei der Einarbeitung in digitale Tools; Unzureichendes Vertrauen in OCR-Software; Herausforderungen durch die neue Lebenssituation als Elternteil Gefühle und Erwartungen: Leidenschaft für die Geschichtsforschung; Wunsch nach intensiverer Nutzung digitaler Tools zur Effizienzsteigerung; Frustration über nicht digitalisierte Quellen und eingeschränkte Reisemöglichkeiten Technische Fähigkeiten: Grundlegende Kenntnisse in Office-Programmen; begrenzte Erfahrung mit fortgeschrittener OCR-Software und digitalen Transkriptionstools Kontextfaktoren: Institution fördert die Nutzung digitaler Tools und erwartet verstärkte Durchführung von Workshops mit digitalem Fokus Interaktion: Enge Zusammenarbeit mit anderen Historiker:innen; Bevorzugung manueller Kontrolle über Daten gegenüber automatisierten Prozessen Hobbys: Briefmarkensammlung aus Ostmitteleuropa, starkes Interesse an Ahnenforschung NFDI4Memory Personae 17 Persona Professor:in Ausführliche Beschreibung Alex Fischer, 53, ist Professor:in für Mittelalterliche Geschichte an einer deutschen Universität. Alex ist sehr erfahren in der Erschließung und Analyse mittelalterlicher Quellen mit dem Forschungsschwerpunkt Überlieferungsgeschichte spätmittelalterlicher Urkunden und hat bereits eine Vielzahl an kritischen Editionen herausgegeben. Neben der regelmäßigen Benutzung von Archiven und (digitalen) Bibliotheken verwendet Alex für editorische Arbeiten ein Bibliographietool für die Sammlung und Dokumentation der Quellen. Alex ist sehr versiert im Umgang mit Word, um textund sachkritische Apparate zu erstellen. Letztens hat Alex an einer Toolpräsentation für die Erstellung einer digitalen Edition teilgenommen und ist fasziniert von den Möglichkeiten. Um sich selbst in diese Materie einzuarbeiten und Erfahrungen zu sammeln, möchte Alex im nächsten Semester eine Übung für Masterstudierende anbieten und einen Auszug aus einer eigenen Quellenedition digital reproduzieren und vielleicht sogar publizieren. Frustrationen und Probleme: Alex ist sehr vertraut mit den notwendigen Arbeitsschritten bei der Erstellung einer gedruckten Edition und geht davon aus, dass alle Arbeitsschritte einfacher und leichter werden mit der richtigen Software. Bei der Suche nach Handreichungen und Tutorials, die eine Einführung in die digitale Edition bieten, hofft Alex, dass diese Materialien später auch gut in das eigene Lehrangebot integriert werden können. Alex stellt jedoch schnell fest, dass es viele Softwarelösungen und Vorgehensweisen gibt, die für die Erstellung verwendet werden können. Es fällt schwer Materialien überhaupt zu finden, die das Vorgehen einfach erklären und sich dann auch auf das eigene Vorhaben übertragen lassen. Die Dinge, die Alex findet, können unmöglich den Studierenden angeboten werden, da müsste noch sehr viel Arbeit investiert werden. Zudem braucht es anscheinend Spezialsoftware, wofür keine Mittel am Lehrstuhl bereitstehen. Auch stellt Alex fest, dass es sehr viele technische Anforderungen an die Daten gibt und sie außerdem bei Veröffentlichung FAIR sein sollen, was die Studierenden wohl alles zusammen überfordert. NFDI4Memory Personae 18 Gefühle, Einstellungen und Erwartungen: Alex Fähigkeiten als Spezialist:in für spätmittelalterliche Quellen und deren Aufbereitung als gedruckte Editionen sind unbestreitbar. Jedoch herrscht große Unsicherheit bei der digitalen Aufbereitung der Quellen für eine OnlineEdition. Alex ist frustriert über die hohen Anforderungen, die an solche Daten gestellt werden und welche Aufwände sowohl zeitlich als auch finanziell entstehen, um sich in diese Materie einzuarbeiten und die notwendige technische Infrastruktur bereitzustellen. Eigentlich möchte Alex das Handtuch werfen und wünscht sich, dass doch alles beim Alten bleiben könnte. Doch das Wissen um die Unaufhaltbarkeit der Digitalisierung führt seufzend zur Einsicht, dass es daran kein Vorbeikommen gibt, wenn man zukünftig noch Drittmittel einwerben und die jahrelang aufgebaute, sehr gute Reputation aufrechterhalten möchte. Zusätzlich ist und bleibt Alex der Nutzung von digitalen Techniken prinzipiell aufgeschlossen, verbunden mit der Hoffnung auf neue Erkenntnismöglichkeiten, und will dies auf jeden Fall auch den Studierenden vermitteln. Alex möchte durch diese neue Übung einen Anstoß geben, digitale Arbeitsweisen im Geschichtsstudium zu erproben und bei Sinnhaftigkeit zu verankern. Dafür muss Alex es jedoch schaffen, ein Konzept aufzustellen, das alle Teilnehmenden erreicht und die notwendigen Inhalte in ein ‘spannendes’ Gesamtpaket verpackt. Umgebung: Alex sitzt allein in einem eher kleinen Büro im dritten Stock. Alle freien Wände sind mit Bücherregalen zugestellt, auf denen obendrauf haufenweise volle Kartons stehen. Zwar besitzt Alex einen Desktop-PC, nutzt diesen jedoch nie, stattdessen verwendet Alex einen Dienstlaptop, auf dem alle Daten und Unterlagen gespeichert sind. Alex hat alles Notwendige immer zur Hand, egal ob zu Hause, auf der Couch oder während einer Senatssitzung. Alex Lehre findet in Seminarräumen mit Beamer ohne weitere technische Ausstattung statt. Alle Studierenden verfügen über eigene Endgeräte, i.d.R. Laptops. Technische Fähigkeiten: Alex ist sehr versiert im Umgang mit traditionellen Forschungstechniken und den gängigen wissenschaftlichen Datenbanken für die Recherche und Sammlung von Quellen und Literatur. Dafür wird auch die Literaturverwaltungssoftware Zotero verwendet, wobei die Vorteile der Zitiermöglichkeiten und der einfachen Erstellung von Literaturverzeichnissen eine ausgesprochen arbeitserleichternde Erfahrung waren und seitdem im Alltag ein willkommener Begleiter ist. Kontextfaktoren: Alex‘ Kolleg:innen stehen der Digitalisierung eher skeptisch gegenüber, aber von den Studierende wird der Wunsch geäußert, auch digitale Methoden und Arbeitstechniken zu erlernen. An der Hochschule ist Alex nicht bekannt, wer welche Tools bereitstellt oder grundsätzlich in diesen Fragen unterstützen könnte. Eine Anfrage beim Rechenzentrum zeigte, dass man selbst wissen muss, welche Software man haben will und die NFDI4Memory Personae 19 Mittel dafür auch selbst bereitstellen muss. Zudem scheint es ein großer administrativer Aufwand zu sein. Auch sind die Lehrstuhlmittel sehr begrenzt, weshalb nicht viel in solche „Extravaganzen” investiert werden kann. Als Professor:in bleibt zudem nicht viel Zeit zwischen Lehrveranstaltungen, Forschungsprojekten, Drittmittelakquise und universitärer Selbstverwaltung. Interaktion: Alex arbeitet und forscht meistens allein. Durch Projekte und Publikationen steht Alex immer im Austausch mit anderen, empfindet dies jedoch teilweise eher als Zwang und weniger als Bereicherung, wenn das Gefühl besteht, dass Forschungsinteressen nicht richtig wahrgenommen werden. Alex tauscht sich jedoch gerne mit anderen Editionsprojekten via Mail und auf Fachveranstaltungen aus. Gleichzeitig verfolgt Alex rege relevante E-Mail-Verteiler und Publikationen. Hobbys: Alex geht gerne spazieren, am liebsten früh morgens oder spät abends, sodass möglichst wenige Leute anzutreffen sind und die Gedanken ohne Umgebungslärm schweifen können. Eine heimliche Leidenschaft ist das Dart spielen. Alex würde sehr gerne mal auf eine Dart-Meisterschaft gehen, das Drumherum (laute Musik, große Menschenmenge) ist jedoch zu viel. NFDI4Memory Personae 20 Zusammenfassung Beschreibung Name: Alex Fischer Alter: 53 Jahre Beruf: Professor:in für Mittelalterliche Geschichte an einer deutschen Universität Aufgaben: Erschließung mittelalterlicher Quellen, Erstellung und Veröffentlichung kritischer Editionen Arbeitsweise: Nutzung von Archiven, (digitalen) Bibliotheken, Bibliographietools; interessiert an digitalen Editionen Frustrationen: Komplexität und Vielfalt digitaler Tools, fehlende Handreichungen, mangelnde finanzielle Mittel für Software Gefühle/Erwartungen: Unsicherheit bei digitalen Editionen, Offenheit für neue Methoden, Wunsch nach Innovation in der Lehre Umgebung: Kleines Büro, Laptop als Hauptarbeitsmittel, Seminarräume mit minimaler technischer Ausstattung Technische Fähigkeiten: Versiert in traditionellen Forschungstechniken, Literaturverwaltungssoftware Zotero Kontextfaktoren: Bedarf an digitalen Methoden im Fachbereich, auch bedingt durch Anforderungen von Drittmittelgebern, Zeitmangel Interaktion: Meist allein, E-Mail-Austausch mit Kolleg:innen und Editionsprojekten Hobbys: Spaziergänge in Ruhe, heimliche Leidenschaft für Dart, jedoch keine Teilnahme an Wettbewerben NFDI4Memory Personae 21 Persona Student:in im Bachelor Ausführliche Beschreibung Sascha Birkenfeld ist 21 Jahre alt und studiert im dritten Semester an einer Universität in Süddeutschland Geschichte. Saschas Plan ist, in spätestens zwei Jahren den Bachelor abgeschlossen zu haben. Wie es danach weitergehen soll, weiß Sascha noch nicht genau - vermutlich einen Master, am besten in Berlin oder Hamburg. Digital History ist kein wirklicher Bestandteil in Saschas Studium, aber letztens wurde in einem Seminar ein digitales Forschungsprojekt vorgestellt. Vielleicht wäre das eine Richtung, die Spaß machen würde, überlegt Sascha. Digital ist Sascha seit einem Jahr etwas mehr unterwegs, weil Sascha nach einer Party angefangen hat, Musik mit KI zu generieren. Frustration und Probleme: Sascha war bei der Vorstellung des digitalen Forschungsprojekts im Seminar wirklich überrascht, was man alles zu Briefeschreiber:innen im 19. Jahrhundert herausfinden kann, wenn man Netzwerkanalysen erstellt. Sascha hat daraufhin kurz recherchiert, was es überhaupt gibt, wenn man nach „Digital” und „Geschichte” sucht. Aber alles, was Sascha im Internet und auf Social Media gefunden hat, fand Sascha extrem komplex und unverständlich. Schnell hat Sascha das anfängliche Interesse verloren. Es blieb das Gefühl, das Ganze niemals überblicken zu können, wenn nicht einmal klar ist, wo man anfangen soll oder wen man ansprechen kann. Sascha fühlt sich von dem Angebot überwältigt. Gefühle, Einstellungen und Erwartungen: Sascha hat momentan viel um die Ohren, denn um das Studium zu finanzieren, jobbt Sascha in der Gastronomie und spielt zudem noch in der Uni-Mannschaft Lacrosse. Eigentlich kommt Sascha nur für die Lehrveranstaltungen an die Uni und düst danach gleich weiter, um alles unter einen Hut zu bringen. Sascha erwartet, dass man im Studium alles Relevante vorgestellt bekommt - was nicht auftaucht als Thema und für was es keine ECTS-Punkte gibt, ist erst einmal weniger wichtig für Sascha.